Archiv für das Tag 'Hummels'

Jansen übernimmt die Binde von van der Vaart

21. November 2013

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur eine symbolische Geste. Marcell Jansen wird am Sonntag gegen Hannover 96 und auch in den Wochen danach – solange Rafael van der Vaart verletzt fehlt – die Kapitänsbinde des HSV tragen. „Mein Gefühl hat mir das gesagt“, erklärte Trainer Bert van Marwijk. „Ich brauche einen neuen Kapitän und habe kurz mit Marcell gesprochen. Dann war das auch gleich klar. Er ist erfahren, Nationalspieler und gut in Form. Das reicht eigentlich schon.“

Marcell Jansen also, 28 Jahre alt, zuletzt im Aufwind auch bei Bundestrainer Joachim Löw, ersetzt van der Vaart. Der Linksfuß ist seit 2008 beim HSV und somit der Dienstälteste im Team. Die Nominierung – auch Rene Adler hätte zur Verfügung gestanden – ist durchaus ein Zeichen seiner Wertschätzung, die sich Jansen seriös erarbeitet hat. Wie lange er Kapitän sein wird, ist nach wie vor offen. Bert van Marwijk hat heute in die gleiche Kerbe geschlagen wie Sportchef Oliver Kreuzer gestern. Die zunächst genannten vier Wochen Pause für van der Vaart sollen es bitteschön nicht sein. „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert. Vielleicht sage ich das auch nur, weil ich mich über diese Verletzung ärgere. Aber ich habe mit Rafa gesprochen und mir den Fuß auch angesehen. Wie auch immer: ich kann es nicht ändern.“ Alles in allem, so der Trainer, sei es aber unglaublich schade, dass van der Vaart nun fehlt.

Beim Training heute fehlte außer van der Vaart nur einer, der am Sonntag gegen Hannover 96 zum Stamm gehören sollte: Heiko Westermann. Der hat nach seiner kleinen Verletzung aus dem Länderspiel (Schlag aufs Knie) noch einmal pausiert. „Wenn er am Freitag wieder trainiert, gehe ich davon aus, dass er am Sonntag spielen kann“, erklärte van Marwijk. Und so ruckelt sich die HSV-Mannschaft für das Nordderby langsam zurecht.

Worauf der Trainer großen Wert legt, war heute beim Training zu erkennen. Bei Winter-Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab es eine saftige Einheit von 1 ¾ Stunden Länge. 18 Feldspieler waren dabei, dazu die drei Torhüter. Weil mit Westermann ein Außenverteidiger fehlte, hat der Trainer Ashton Götz aus der U 23 dabei gehabt. Ob er eine Alternative für den Kader am Sonntag ist, ist allerdings offen.

Im Mittelpunkt des Trainings: Immer wieder Pass-Spiel und immer wieder aggressive Verteidigung. Nach dem Aufwärmen standen wie immer unter dem 61-Jährigen van Marwijk schnelle Pass- und Laufstafetten auf dem Übungsplan. Auffällig: Jeder Spieler, der einen Pass bekommen wollte, musste sich lautstark melden. Es war ein einziges Gerufe und Geschreie – jeder sollte den Ball fordern. Das sah schon sehr flott und forsch aus.

Anschließend ging es an die Spielformen. Abwechselnd mussten zwei Viererketten gegnerische Angriffe stoppen. Kette Nummer eins bestand aus Mancienne, Rincon, Sobiech und Jansen. Kette Nummer zwei bildeten die Herren Götz, Tah, Djourou und Kacar. Vor allem die Außenverteidiger hatten viel Laufarbeit zu verrichten, denn es griffen jeweils fünf Stürmer an. Sturm-Team 1: Tesche, Jiracek, Arslan, Zoua, Rudnevs. Sturm-Team 2: Calhanoglu, Badelj, Ilicevic, Lasogga, Beister.

Es war nicht einfach für die Stürmer, sich durchzuspielen. Immer wieder wurden sie abgefangen, wenn die Pässe in die Schnittstellen nicht schnell und präzise genug kamen. Einzig Pierre Michel Lasogga konnte hier treffen. Rudnevs hatte einige gefährliche Szenen, im Abschluss aber war er teilweise erstaunlich ungeschickt. Doch das sollte sich im Verlauf des Trainings noch ändern.

Van Marwijk erweiterte die Übung anschließend. Nun spielten sechs gegen sechs. Hier standen die defensiven Mittelfeldspieler im Vordergrund und es zeichnete sich – wie erwartet – ab, dass Milan Badelj und Tomas Rincon erste Wahl sein werden gegen Hannover 96. Dass er selbst viel vor hat, erläuterte der Venezolaner Rincon schon vorher auf der Pressekonferenz. „Ich will richtig Gas geben. Wir wollen dem Gegner zeigen, dass hier bei uns im Stadion nichts zu holen ist. Wir wollen die drei Punkte unbedingt.“

Im Hinterkopf schwirrt bei Rincon immer noch das bisher letzte Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen herum. Im Februar ging der HSV in Hannover mit 1:5 unter. „Dieses Spiel kann man nicht einfach so vergessen. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir wieder eine starke Mannschaft haben“, so Rincon. Für ihn ist es das erste Spiel seit dem Kieferbruch, den er sich in der Partie gegen Werder Bremen (0:2) zugezogen hatte.

„Ich bin richtig froh, wieder dabei zu sein. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, deswegen müssen wir nun umso dringender gewinnen. Um meine Verletzung mache ich mir keine Gedanken. Meine Spielweise werde ich jedenfalls nicht verändern“, versprach der stets kampfstarke Abräumer.
Zurück zum Training. Nach dem Sechs-gegen-sechs-Spiel wurde auf zehn gegen zehn erhöht. Neuhaus, Ilicevic, Jiracek, Sobiech, Jansen, Mancienne, Arslan, Lasogga, Calhanoglu und Tesche trafen auf Adler, Rudnevs, Tah, Beister, Badelj, Djourou, Kacar, Götz, Zoua und Rincon. Die zweite Mannschaft gewann mit 2:1 durch Treffer von Rudnevs (jetzt viel besser als bei der ersten Übung) und Beister. Das Gegentor schoss Tesche. Das Spiel war deswegen witzig, weil beide Mannschaften unter bestimmten Bedingungen auf beide Tore schießen konnten. Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe waren gefragt. Und: das ganze förderte die gesamte Trainingseinheit über das Kurzpass-Spiel. Lange Bälle waren tabu.

Der Vollständigkeit halber: Jarsolav Drobny hat unterdessen mit Torwart-Trainer Ronny Teuber Einzeltraining durchgeführt. Zum Abschluss wurden kleine Törchen auf einem halben Platz aufgebaut, durch das die Teams den Ball möglichst oft schießen mussten. Auch hier ging es zur Sache. Mancienne, Calhanoglu und andere gingen nach Zusammenstößen zu Boden, etwas Schlimmeres ist nicht passiert. Positiv außerdem, dass der Schweizer Johan Djourou die komplette Einheit ohne Probleme mitmachen konnte. Er dürfte Sonntag neben Jonathan Tah in die Innenverteidigung des HSV zurückkehren. Also: es ging zur Sache beim Training.

Das muss es dann am Sonntag auch gegen die 96er, darauf wies Bert van Marwijk überdeutlich hin. „Es gibt noch keine Mannschaft in der Bundesliga, wo wir sagen können, dass es einfach wird“, so der Trainer. „Hannover hat auch eine schwierige Zeit, aber das macht es für uns auch nicht leichter. Wir haben die Analyse von Hannover schon hinter uns. Die sind sehr gut organisiert.“ Natürlich wollte van Marwijk nicht abschließend verraten, wer die Lücke von Rafael van der Vaart schließen soll. „Andere Spieler müssen es machen“, antwortete der lapidar auf eine entsprechende Frage. Klar, dass Hakan Calhanoglu erster Anwärter auf die van-der-Vaart-Vertretung hinter der einzigen Spitze Lasogga ist.

Nächste Frage, die mit van der Vaart zu tun hat: Wer schießt in seiner Abwesenheit eigentlich die Elfmeter? „Wichtig ist das Gefühl während eines Spiels. Es gibt ein paar Spieler, die es gut machen könnten. Am besten entscheiden die Spieler auf dem Platz selbst, wer sich gut fühlt.“

Großen Raum in der Presserunde nahm heute das Thema Verletzungen ein. Van der Vaart beim HSV, die halbe Dortmunder Verteidigung mit Hummels und Schmelzer, Bayerns Ribery und andere fallen am kommenden Wochenende nach Verletzungen aus, die sie bei ihren Nationalteams erlitten haben. „Die Spieler sind überlastet“, beschwert sich Bert van Marwijk. „Das Geld ist so wichtig im Moment, dass darauf in diesem Geschäft niemand Rücksicht nimmt.“ Als er Bondscoach war in der niederländischen Nationalmannschaft, hatte er mehrfach die Idee, die Nationalspieler nur zum Training zusammenzurufen. „Das ist besser für die Entwicklung der Mannschaft und das Risiko, sich zu verletzen, nimmt ab.“ Irgendwann, so van Marwijk, komme der Moment, an dem man Veränderungen herbei führen müsse. „Es ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“

Das Spiel gegen Hannover ist für die Hamburger nun jedenfalls enorm wichtig. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen Punkte her, um die Qualität des HSV auch in der Tabelle zu untermauern. Bert van Marwijk hat für die Qualität übrigens einen eigenen Parameter. „Ich gucke auch auf die Tordifferenz. Wir haben minus drei, das ist eigentlich zu gut für eine Mannschaft auf Platz 14. Aber natürlich habe ich lieber Punkte…“

Kleines Tuschelthema heute war eine Meldung aus dem „kicker“, wonach Artjoms Rudnevs nun ausgerechnet auf dem Wunschzettel von Hannover 96 stehen soll. Dort ist Ya Konan verletzt (evtl. Rückkehr in die Startelf gegen den HSV), Schlaudraff ist nicht gerade in Topform und der Vertrag von Diouf läuft am Saisonende aus. Warum also nicht Rudnevs holen? „Ich kann die Meldung nicht bestätigen.“ So nahm der Hannoveraner Sportdirektor Dirk Dufner Dampf aus dem Gerücht. Abwarten – Rudnevs wird sicher noch bei manchem Verein gespielt, so lange er in Hamburg zweite Wahl ist.

Sonntag um halb vier gilt es im Volkspark. Anschließend möchte ich Euch „Matz ab live“ ans Herz legen. Dieter wird dann gemeinsam mit Scholle moderieren, und diesmal haben Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs als Gäste zugesagt, die ihr Struktur-Modell „HSV-PLUS“ erläutern wollen. Abgesehen davon, dass die beiden Ex-Nationalspieler ganz sicher das Nordderby aufs Allerfeinste erklären werden.

Apropos „HSV-PLUS“: Nachdem wir in der vergangenen Woche in einem langen Interview die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel wiedergegeben haben, steht morgen ein großes Interview mit Otto Rieckhoff auf dem Plan, auf das ich jetzt schon gespannt bin.

Das Training morgen findet ohne Öffentlichkeit am Volkspark statt.
Ich wünsche Euch einen eisfreien Abend. Bis morgen
Lars

Nächste Einträge »