Archiv für das Tag 'Hummels'

Jansen übernimmt die Binde von van der Vaart

21. November 2013

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur eine symbolische Geste. Marcell Jansen wird am Sonntag gegen Hannover 96 und auch in den Wochen danach – solange Rafael van der Vaart verletzt fehlt – die Kapitänsbinde des HSV tragen. „Mein Gefühl hat mir das gesagt“, erklärte Trainer Bert van Marwijk. „Ich brauche einen neuen Kapitän und habe kurz mit Marcell gesprochen. Dann war das auch gleich klar. Er ist erfahren, Nationalspieler und gut in Form. Das reicht eigentlich schon.“

Marcell Jansen also, 28 Jahre alt, zuletzt im Aufwind auch bei Bundestrainer Joachim Löw, ersetzt van der Vaart. Der Linksfuß ist seit 2008 beim HSV und somit der Dienstälteste im Team. Die Nominierung – auch Rene Adler hätte zur Verfügung gestanden – ist durchaus ein Zeichen seiner Wertschätzung, die sich Jansen seriös erarbeitet hat. Wie lange er Kapitän sein wird, ist nach wie vor offen. Bert van Marwijk hat heute in die gleiche Kerbe geschlagen wie Sportchef Oliver Kreuzer gestern. Die zunächst genannten vier Wochen Pause für van der Vaart sollen es bitteschön nicht sein. „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert. Vielleicht sage ich das auch nur, weil ich mich über diese Verletzung ärgere. Aber ich habe mit Rafa gesprochen und mir den Fuß auch angesehen. Wie auch immer: ich kann es nicht ändern.“ Alles in allem, so der Trainer, sei es aber unglaublich schade, dass van der Vaart nun fehlt.

Beim Training heute fehlte außer van der Vaart nur einer, der am Sonntag gegen Hannover 96 zum Stamm gehören sollte: Heiko Westermann. Der hat nach seiner kleinen Verletzung aus dem Länderspiel (Schlag aufs Knie) noch einmal pausiert. „Wenn er am Freitag wieder trainiert, gehe ich davon aus, dass er am Sonntag spielen kann“, erklärte van Marwijk. Und so ruckelt sich die HSV-Mannschaft für das Nordderby langsam zurecht.

Worauf der Trainer großen Wert legt, war heute beim Training zu erkennen. Bei Winter-Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab es eine saftige Einheit von 1 ¾ Stunden Länge. 18 Feldspieler waren dabei, dazu die drei Torhüter. Weil mit Westermann ein Außenverteidiger fehlte, hat der Trainer Ashton Götz aus der U 23 dabei gehabt. Ob er eine Alternative für den Kader am Sonntag ist, ist allerdings offen.

Im Mittelpunkt des Trainings: Immer wieder Pass-Spiel und immer wieder aggressive Verteidigung. Nach dem Aufwärmen standen wie immer unter dem 61-Jährigen van Marwijk schnelle Pass- und Laufstafetten auf dem Übungsplan. Auffällig: Jeder Spieler, der einen Pass bekommen wollte, musste sich lautstark melden. Es war ein einziges Gerufe und Geschreie – jeder sollte den Ball fordern. Das sah schon sehr flott und forsch aus.

Anschließend ging es an die Spielformen. Abwechselnd mussten zwei Viererketten gegnerische Angriffe stoppen. Kette Nummer eins bestand aus Mancienne, Rincon, Sobiech und Jansen. Kette Nummer zwei bildeten die Herren Götz, Tah, Djourou und Kacar. Vor allem die Außenverteidiger hatten viel Laufarbeit zu verrichten, denn es griffen jeweils fünf Stürmer an. Sturm-Team 1: Tesche, Jiracek, Arslan, Zoua, Rudnevs. Sturm-Team 2: Calhanoglu, Badelj, Ilicevic, Lasogga, Beister.

Es war nicht einfach für die Stürmer, sich durchzuspielen. Immer wieder wurden sie abgefangen, wenn die Pässe in die Schnittstellen nicht schnell und präzise genug kamen. Einzig Pierre Michel Lasogga konnte hier treffen. Rudnevs hatte einige gefährliche Szenen, im Abschluss aber war er teilweise erstaunlich ungeschickt. Doch das sollte sich im Verlauf des Trainings noch ändern.

Van Marwijk erweiterte die Übung anschließend. Nun spielten sechs gegen sechs. Hier standen die defensiven Mittelfeldspieler im Vordergrund und es zeichnete sich – wie erwartet – ab, dass Milan Badelj und Tomas Rincon erste Wahl sein werden gegen Hannover 96. Dass er selbst viel vor hat, erläuterte der Venezolaner Rincon schon vorher auf der Pressekonferenz. „Ich will richtig Gas geben. Wir wollen dem Gegner zeigen, dass hier bei uns im Stadion nichts zu holen ist. Wir wollen die drei Punkte unbedingt.“

Im Hinterkopf schwirrt bei Rincon immer noch das bisher letzte Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen herum. Im Februar ging der HSV in Hannover mit 1:5 unter. „Dieses Spiel kann man nicht einfach so vergessen. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir wieder eine starke Mannschaft haben“, so Rincon. Für ihn ist es das erste Spiel seit dem Kieferbruch, den er sich in der Partie gegen Werder Bremen (0:2) zugezogen hatte.

„Ich bin richtig froh, wieder dabei zu sein. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, deswegen müssen wir nun umso dringender gewinnen. Um meine Verletzung mache ich mir keine Gedanken. Meine Spielweise werde ich jedenfalls nicht verändern“, versprach der stets kampfstarke Abräumer.
Zurück zum Training. Nach dem Sechs-gegen-sechs-Spiel wurde auf zehn gegen zehn erhöht. Neuhaus, Ilicevic, Jiracek, Sobiech, Jansen, Mancienne, Arslan, Lasogga, Calhanoglu und Tesche trafen auf Adler, Rudnevs, Tah, Beister, Badelj, Djourou, Kacar, Götz, Zoua und Rincon. Die zweite Mannschaft gewann mit 2:1 durch Treffer von Rudnevs (jetzt viel besser als bei der ersten Übung) und Beister. Das Gegentor schoss Tesche. Das Spiel war deswegen witzig, weil beide Mannschaften unter bestimmten Bedingungen auf beide Tore schießen konnten. Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe waren gefragt. Und: das ganze förderte die gesamte Trainingseinheit über das Kurzpass-Spiel. Lange Bälle waren tabu.

Der Vollständigkeit halber: Jarsolav Drobny hat unterdessen mit Torwart-Trainer Ronny Teuber Einzeltraining durchgeführt. Zum Abschluss wurden kleine Törchen auf einem halben Platz aufgebaut, durch das die Teams den Ball möglichst oft schießen mussten. Auch hier ging es zur Sache. Mancienne, Calhanoglu und andere gingen nach Zusammenstößen zu Boden, etwas Schlimmeres ist nicht passiert. Positiv außerdem, dass der Schweizer Johan Djourou die komplette Einheit ohne Probleme mitmachen konnte. Er dürfte Sonntag neben Jonathan Tah in die Innenverteidigung des HSV zurückkehren. Also: es ging zur Sache beim Training.

Das muss es dann am Sonntag auch gegen die 96er, darauf wies Bert van Marwijk überdeutlich hin. „Es gibt noch keine Mannschaft in der Bundesliga, wo wir sagen können, dass es einfach wird“, so der Trainer. „Hannover hat auch eine schwierige Zeit, aber das macht es für uns auch nicht leichter. Wir haben die Analyse von Hannover schon hinter uns. Die sind sehr gut organisiert.“ Natürlich wollte van Marwijk nicht abschließend verraten, wer die Lücke von Rafael van der Vaart schließen soll. „Andere Spieler müssen es machen“, antwortete der lapidar auf eine entsprechende Frage. Klar, dass Hakan Calhanoglu erster Anwärter auf die van-der-Vaart-Vertretung hinter der einzigen Spitze Lasogga ist.

Nächste Frage, die mit van der Vaart zu tun hat: Wer schießt in seiner Abwesenheit eigentlich die Elfmeter? „Wichtig ist das Gefühl während eines Spiels. Es gibt ein paar Spieler, die es gut machen könnten. Am besten entscheiden die Spieler auf dem Platz selbst, wer sich gut fühlt.“

Großen Raum in der Presserunde nahm heute das Thema Verletzungen ein. Van der Vaart beim HSV, die halbe Dortmunder Verteidigung mit Hummels und Schmelzer, Bayerns Ribery und andere fallen am kommenden Wochenende nach Verletzungen aus, die sie bei ihren Nationalteams erlitten haben. „Die Spieler sind überlastet“, beschwert sich Bert van Marwijk. „Das Geld ist so wichtig im Moment, dass darauf in diesem Geschäft niemand Rücksicht nimmt.“ Als er Bondscoach war in der niederländischen Nationalmannschaft, hatte er mehrfach die Idee, die Nationalspieler nur zum Training zusammenzurufen. „Das ist besser für die Entwicklung der Mannschaft und das Risiko, sich zu verletzen, nimmt ab.“ Irgendwann, so van Marwijk, komme der Moment, an dem man Veränderungen herbei führen müsse. „Es ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“

Das Spiel gegen Hannover ist für die Hamburger nun jedenfalls enorm wichtig. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen Punkte her, um die Qualität des HSV auch in der Tabelle zu untermauern. Bert van Marwijk hat für die Qualität übrigens einen eigenen Parameter. „Ich gucke auch auf die Tordifferenz. Wir haben minus drei, das ist eigentlich zu gut für eine Mannschaft auf Platz 14. Aber natürlich habe ich lieber Punkte…“

Kleines Tuschelthema heute war eine Meldung aus dem „kicker“, wonach Artjoms Rudnevs nun ausgerechnet auf dem Wunschzettel von Hannover 96 stehen soll. Dort ist Ya Konan verletzt (evtl. Rückkehr in die Startelf gegen den HSV), Schlaudraff ist nicht gerade in Topform und der Vertrag von Diouf läuft am Saisonende aus. Warum also nicht Rudnevs holen? „Ich kann die Meldung nicht bestätigen.“ So nahm der Hannoveraner Sportdirektor Dirk Dufner Dampf aus dem Gerücht. Abwarten – Rudnevs wird sicher noch bei manchem Verein gespielt, so lange er in Hamburg zweite Wahl ist.

Sonntag um halb vier gilt es im Volkspark. Anschließend möchte ich Euch „Matz ab live“ ans Herz legen. Dieter wird dann gemeinsam mit Scholle moderieren, und diesmal haben Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs als Gäste zugesagt, die ihr Struktur-Modell „HSV-PLUS“ erläutern wollen. Abgesehen davon, dass die beiden Ex-Nationalspieler ganz sicher das Nordderby aufs Allerfeinste erklären werden.

Apropos „HSV-PLUS“: Nachdem wir in der vergangenen Woche in einem langen Interview die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel wiedergegeben haben, steht morgen ein großes Interview mit Otto Rieckhoff auf dem Plan, auf das ich jetzt schon gespannt bin.

Das Training morgen findet ohne Öffentlichkeit am Volkspark statt.
Ich wünsche Euch einen eisfreien Abend. Bis morgen
Lars

Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

“Drobo ist eine coole Socke”

1. Mai 2013

Bevor ich diesmal zum HSV komme, muss ich eines auf jeden Fall schnell mal loswerden:
Herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund!
Ich freue mich für Klopp und Co, dass das Champions-League-Finale erreicht wurde, das ist eine bravouröse Leistung – und selbst die 0:2-Niederlage in Madrid und gegen das große Real war überragend gut.

Geärgert, aber dafür kann Borussia Dortmund nichts, habe ich mich allein über den Sky-Kommentator. So etwas kommt dabei heraus, wenn man einen Bayern-Fan ein Spiel Real gegen den BVB kommentieren lässt. Ich habe gegen Ende des Spiels den Ton abgeschaltet, denn ich konnte mir nicht mehr mit anhören, dass da Sätze wie diese fielen:

„Real Madrid spielt so schlecht, hat keinen Plan, hat auch nicht die Mittel, gegen Dortmund zu gewinnen . . .“

Und dazu gab es in jeder Minute dermaßen viel Mist zu hören, dass es das Maß des Unerträglichen bei weitem überstieg. Erstmals habe ich deshalb den Ton abgedreht. Dieser gute Mann muss sich, der da kommentierte, das habe ich lange Zeit so bei mir gedacht, maßlos geärgert haben, dass der „blasse“ BVB und nicht das „große“ Real das CL-Finale gegen seine Bayern spielen wird. Ein Bayern-Sieg in der Champions League gegen Real Madrid würde natürlich doppelt und dreifach zählen, als wenn das nur gegen das „kleine“ Dortmund geht. Bayern gegen den BVB im Champions-League-Finale ist wahrscheinlich so, wie einst im Tennis und im Endspiel von Wimbledon die Partie Boris Becker gegen Michael Stich. Und hat da nicht Stich gewonnen? Der Außenseiter? Vielleicht auch mal ein Hinweis, dass nicht immer die Favoriten gewinnen, da entscheidet gelegentlich auch die Tagesform.

Und abschließen zu Dortmund: Was Weidenfeller diesmal gehalten hat, war überirdisch, Hummels hat seine unterirdische Leistung aus dem Hinspiel mit einer Weltklasse-Vorstellung vergessen gemacht, Reus war im Dribbling wie von einem anderen Stern – und was Lewandowski gegen Ramos ertragen hat, habe ich noch nie erlebt. Mindestens sieben Box- oder Ellenbogenhiebe hat der Pole vom Spanier an den Kopf und damit ertragen müssen, der BVB-Torjäger hat es alles mit Fassung weggesteckt und ich frage mich: wie geht so etwas? Ich wäre dreimal ausgerastet, viermal explodiert und hätte das Spiel wahrscheinlich nicht bis zum Ende erlebt – aber Lewandowski blieb ruhig. Das ist bewundernswert hoch zehn. Kompliment.

Nun aber zum HSV, ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen Abstecher zur Champions League. Übrigens, wo ich gerade noch dabei bin: Markus Lanz sprach nach dem Spiel mit Prominenz über das erste Halbfinale, und da sagte mein Kollege Jörg Dahlmann etwas, was ich jedem Fan empfehle, wenn er nicht s tolerant sein sollte: „Egal von welchem Club man auch Fan ist, steht ein Bundesliga-Vertreter in einem CL-Halbfinale, dann ist man doch Deutscher iúnd zittert mit dem deutschen Club mit, dann möchte man doch, dass der Bundesliga-Verein weiterkommt.“ Genau, mein Jörg, genau so ist es. In dieser Sendung saß ja auch „Dittsche“, nämlich Olli Dittrich, und der lobte explizit die Arbeit von Thorsten Fink. Ein Extra-Lob an den HSV-Trainer gab es auch von Dahlmann, das sei nicht verschwiegen: „Der HSV ist ganz mies in die Saison gestartet, da hatten doch viele die Befürchtung, dass der HSV diesmal absteigen wird, aber er hatte mit dem Abstieg nichts zu tun, steht im gesicherten Mittelfeld und kann von Europa träumen – das ist Finks Verdienst“

Und damit bin ich dann auch schon voll beim HSV. Heute Training am Vormittag, wunderbares, sommerliches Wetter, viele Fans – und gute Leistungen der Spieler. Obwohl ich davon gar nichts mehr schreiben möchte, denn wer erinnert sich noch an die vergangene („Vor-dem-Schalke-Spiel“-)Woche? Da hatte ich geschrieben, wie super die Mannschaft trainiert hat, wie toll diese ganze Woche gelaufen ist. Und dazu hatte ich mich aus dem Fenster gelehnt: „Der HSV wird auf Schalke auf jeden Fall nicht verlieren. . .“ Und dann dieses erneute Debakel. Deswegen will ich auch nicht mehr bewerten, wie und wie schlecht und wie gut der HSV trainiert hat – alles Makulatur. Die Herren Profis können sich beim Üben noch so sehr den Hintern aufreißen, im Spiel sind sie dann doch nur wieder lammfromm. Auch am Sonntag weder, wenn es gegen die unbequemen Wölfe aus Wolfsburg geht – ich könnte wetten.

Ja, ich gebe zu, der Hals ist vom Schalke-Spiel immer noch dick. Das dauert auch noch. Weil ich es immer noch nicht begreifen kann, wie eine so leblose Truppe eine so große Chance auf die CHAMPIONS LEAGUE einfach so kampflos vertut. Will mir nicht in den Kopf – immer noch nicht. Und im Training gehen sie dann wieder zur Sache . . . Das passt doch nicht.

Thorsten Fink hat sich da auch so seine Gedanken gemacht. Auch er hatte durchaus beobachtet, wie gut seine Mannen vor Schalke trainiert hatten. Heute hat der Coach gesagt: „Wichtig ist immer das Wochenende, das Spiel. Es gibt ja im Fußball die Aussage: ‚So wie man trainiert, so spielt man auch.’ Die stimmt aber nicht.“ Auch Fink ist immer noch verärgert ob dieser Minus-Leistung seines Teams: „Ich habe ja schon gesagt, es fehlt die Cleverness. Und dann hat der eine oder andere einfach nicht erkannt, welche Chance man da vor sich hat. Man kann ja verlieren, aber dabei muss es dann auch blaue Flecken geben . . .“ Der HSV-Trainer dann weiter: „Wenn man nun Real Madrid gesehen hat. Im Hinspiel in Dortmund waren die nicht gut, aber dann gehen die zum Rückspiel auf den Rasen und geben alles. Die haben doch 90 Minuten lang alles gegeben. Und genau das möchte ich von meiner Mannschaft auch sehen. So müssen wir auftreten.“ Um dann noch ergänzend zu sagen: „Okay, in Deutschland hätte es für einen solchen Auftritt wie den gestern von Real mindestens drei Rote Karten gegeben, aber so muss man auftreten, wenn man was erreichen will.“

Und der HSV kann, das ist ja das Schizophrene, ja immer noch etwas erreichen. Freunde, es geht um Europa. Auch gegen Wolfsburg. Um Europa! Dafür lohnte es sich auf jeden Fall früher einmal, das war einst in grauer Vorzeit, sich das eine oder andere Bein auszureißen. Fink sieht das ebenso: „Wir haben jetzt drei Play-off-Spiele vor uns. Jedes Spiel davon ein Play-off-Spiel. Jetzt muss man 1:0 gewinnen, um weiter zu kommen, und genau so muss man jetzt jedes Spiel angehen, es sind doch nur noch drei. Und deswegen ist das jetzt auch keine normale Woche für uns, nein, nein, da kann man nicht einfach so lala trainieren. Nein, da muss jeder wissen, um was es am Sonntag geht. Da muss das Bewusstsein da sein, was auf dem Spiel steht. Und ich versuche natürlich, die Spieler heiß zu machen . . .“

Thorsten Fink weiß aber auch, dass sein VfL-Kollege Dieter Hecking seine Spieler ebenfalls „heiß machen“ wird. Das ist so. Auf Schalke ist es dem Kollegen Jens Keller wahrscheinlich gelungen, sein Team noch ein wenig heißer zu machen. So spielt das Fußball-Leben. Und deswegen ist natürlich nicht davon auszugehen, dass der „heiße HSV“ gegen den „heißen VfL“ am Sonntag gewinnen wird. Fink: „Wolfsburg ist von den Namen her großartig besetzt. Was ist denn, wenn die so eingestellt sind wie wir? Dann wird es schwer. Die haben doch auch Qualität. Aber ich will von meiner Mannschaft sehen, dass sie will. Und da bin ich auch guten Mutes, dass wir das am Sonntag sehen werden.“

Darüber wird der HSV-Coach sicherlich auch mit Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (die Kollegen witzelten, indem sie ihn als „Euro-Eddy“ bezeichneten) gesprochen haben, der beim Training plötzlich neben Thorsten Fink stand. Ich habe im Scherz gemutmaßt: „Der Boss überbringt ihm eine Abmahnung – weil der Trainer doch neue Spieler gefordert hat, obwohl er doch eigentlich wissen müsste, dass der HSV kein Geld hat für neue Spieler, erst recht nicht für jene Spieler, die eine Soforthilfe darstellen würden. Als ich Carl-Edgar Jarchow, also „Euro-Eddy“, mit meiner Vermutung konfrontierte, lachte er und sagte: „Nein, nein, keine Abmahnung, alles ist gut – ich spreche täglich mit dem Trainer.“ Und, Herr Jarchow, wie ist es denn? Der HSV hat doch kein Geld für neue Spieler, oder? Jarchow: „Wieso, zwei neue Spieler haben wir doch schon. Und alles Weitere wird sich finden, das hängt auch von den Verkäufen ab. Ich bin sicher, dass wir noch einige punktuelle Verstärkungen verpflichten werden.“
Klingt gut, Herr Jarchow, dann noch einen schönen Feiertag.
Und wer nicht weiß, wer diese beiden neuen HSV-Spieler sind: Hakan Calhanoglu (vom KSC) und Kerem Demirbay (Borussia Dortmund)

Beim HSV haben heute zwei Spieler im Training gefehlt: Dennis Aogo hat es, weil er zuletzt umgeknickt ist, an der Kapsel (linker Fuß) erwischt, und Milan Badelj hat noch eine Schicht mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert. Beide Profis, so der Plan heute, sollen wahrscheinlich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren können. Wobei einer von beiden sicherlich auf die Bank gehen wird – ich tippe mal auf Aogo. Und wenn ich schon mal bei Prognosen bin: Maximilian Beister, der uns Journalisten ja immer noch nicht verziehen hat, dass er vor einigen Wochen (am 16. März im Spiel gegen Augsburg) Rot gesehen hat und vom Platz gestellt worden ist, hat seine Krankheit überwunden und steht wieder im Training. Ich denke aber, dass es bis zum kommenden Sonntag noch nicht wieder reichen wird, sodass er wohl noch einmal als Zuschauer wird auftreten müssen.

Kein Zuschauer, sondern voll am Ball (hoffentlich) wird Jaroslav Drobny sein. Der große „Schweiger“ wird ja bekanntlich am Sonntag für den gelb-gesperrten Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen und beantwortete heute schon mal drei Frage (die ihm Medien-Direktor Jörn Wolf gestellt hat). Die überaus humorvolle Antwort auf Frage eins (ihr dürft euch die Frage überlegen, welche am besten passen würde!): „Es ist mein Job da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Spielpraxis habe ich genug. Ich stand doch vor zwei Monaten gegen Gladbach schon im Tor . . .“ Und die Antwort auf Frage zwei: „Wolfsburg ist eine Partie mit Endspielcharakter. Das müssen wir als Mannschaft auf dem Platz zeigen. Mehr gibt es davor nicht zu sagen.“ Richtig.

Und Frage drei, die beantwortete der Keeper wie folgt: „Ich kann mir einiges vorstellen für die Zukunft. Das bespreche ich aber erst mit dem HSV, bevor ich es jemandem mitteile.“ Aha. Na denn ist ja alles klar.

Thorsten Fink antwortete übrigens auch auf eine Frage, die ihm in Richtung Drobny gestellt wurde: „Drobo ist eine coole Socke.“ So nach dem Motto: „Der wird seine Sache schon gut machen, er hat ja auch beim 1:0 gegen Mönchengladbach eine sehr gute Leistung gezeigt, da gibt es keinerlei Zweifel bei mir.“ Bei mir auch nicht. Wer sich im normalen Leben schon so defensiv verhält, der hält sich auch im Spiel sehr defensiv.

Wesentlich offensiver ging da schon Rene Adler an das Thema „Drobny – der Mann neben oder hinter mir“ heran. Der deutsche Nationaltorhüter lobte den tschechischen Nationaltorhüter sehr: „Drobo ist einer der Konkurrenten und Kollegen, mit dem ich super gerne zusammengespielt habe – und noch spielen werde. Es gab schon Kollegen und Trainingspartner, da lief das nicht so ideal wie hier und bei uns, er ist nicht nur ein total witziger Typ, er ist auch extrem wichtig für unsere Mannschaft. Er hat es mir hier von der ersten Minute an sehr einfach gemacht, und das ist auch nicht selbstverständlich. So sportlich wie er sich verhalten hat, da ziehe ich den Hut vor. Dafür kann ich mich bei ihm nur bedanken.“

Rene Adler fast schwärmerisch weiter über Drobny: „Wir haben uns von der ersten Minute an respektiert, haben uns auch relativ offen und ehrlich ausgesprochen, und haben dann wirklich Tag für Tag das Niveau versucht, hoch zu schrauben. Das gilt aber auch für die anderen Torhüter, Tom Mickel noch am Anfang, und Sven Neuhaus. Wir haben alle sehr, sehr gut trainiert, da muss man auch mal Torwarttrainer Ronny Teuber loben, der seine Sache ausgezeichnet macht.“ Dass Drobny am Sonntag deswegen eventuell nicht in Bestform sein könnte, weil er wenig Spielpraxis hat, verneinte Adler übrigens: „Der Drobo ist top trainiert, und er hat bei den Testspielen zwischen den Pfosten gestanden, okay, das ist nicht die Bundesliga, aber er hat gespielt. Ich bin restlos davon überzeugt, dass er bei uns am Sonntag eine ganz wichtige Rolle spielen und auch gut halten wird. Ich drücken ihm auf jeden Fall sämtliche Daumen, die ich habe.“ Das ist ein Daumen weniger – als der HSV am Sonntag Punkte kassieren wird . . . Wenn ich mich mit dem Dreisatz noch richtig auskenne.

Dann fügte Rene Adler noch in Sachen Drobny an: „Er ist extrem wichtig für die Mannschaft, und das sind nicht immer nur die Spieler, die ständig zum Einsatz kommen. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich verhalten sollte, wenn man nicht immer spielt, er sorgt bei uns immer für beste Stimmung.“

Auf geht’s, Drobo, dann sorge bitte auch dafür, dass am Sonntag allerbeste Stimmung im Volkspark herrschen wird – ich sage mal, so spätestens um 19.25 Uhr.

So, und wenn ich gerade mal bei einem Blick in die Zukunft bin, dann passt ja auch diese Meldung:

Das Teilnehmerfeld für den Fußball-Nordcup in Hamburg steht fest. Nach dem neunmaligen dänischen Meister FC Kopenhagen und dem Bundesliga-Rivalen VfL Wolfsburg hat nun auch Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig seine Zusage gegeben. Das Vorbereitungsturnier auf die neue Saison findet am 13./14. Juli in der Hansestadt statt. „Wir freuen uns sehr, ein so attraktives und gleichzeitig regionales Teilnehmerfeld gewonnen zu haben“, sagte HSV-Vorstand Joachim Hilke.

Am 13. Juli finden zunächst zwei Halbfinalspiele statt. Tags darauf werden das Finale und das Match um Platz drei ausgespielt. Alle Spiele werden mit verkürzten Halbzeiten à 30 Minuten und ohne Verlängerung gespielt. Im Falle eines Gleichstandes wird der Gewinner jeweils direkt über das Elfmeterschießen ermittelt.

PS: Und dann noch in eigener Sache. Viele, viele Mails, Briefe (in die Redaktion) und sms gab es in den vergangenen heißen Tagen, dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Ich kann unmöglich alle beantworten, da mein Tag dann gelaufen wäre – da bitte ich euch um Verständnis. Vielleicht gelingt es jenen Usern, die mir privat so emotional schreiben, das dann doch in den Matz-ab-Blog zu stellen. Es wäre besser, denn es sind zum Teil sehr gute Ansichten und Aussagen darunter. Und dann hätten von diesen guten Sachen alle etwas davon – oder auf jeden Fall viele.

Zum Trost für diejenigen, die mir nun geschrieben und nichts davon gehört haben, sei stellvertretend eine Mail, die mich dieser Tage erreichte, veröffentlicht, sie spiegelt das wider, was in fast jeder Mail thematisiert wird:

„Eine jahrzehntelange Liebe beginnt zu sterben, wenn man fühlt, dass der Partner nicht mehr das Gleiche zu geben bereit ist, wie man selbst.“

PSPS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, und am Freitag ebenfalls um 10 Uhr.

PSPSPS: Dann wünsche ich euch und euren Lieben noch einen schönen Rest-Feiertag – und einen wunderbaren Fußball-Abend zum Genießen. Ich drücke übrigens dem FC Bayern die Daumen, denn ein deutsches Finale in England wird auf der ganzen Welt für viel Aufsehen sorgen. Vorsichtshalber werde ich mal das ZDF einschalten – Sky ist mir seit gestern ein wenig zuwider geworden . . .

PSPSPSPS: In der A-Junioren-Bundesliga hat der abstiegsgefährdete HSV heute sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 0:2 verloren.
So meldete es jedenfalls die Agentur. Unser User “Wortspieler” aber weiß es besser, danach hat der HSV mit 2:0 gewonnen. Ist ja auch besser so. Und vielen Dank für den Service, “Wortspieler”.

16.20 Uhr

Was Adler bei Hummels rausgehört hat

8. Februar 2013

Der Trainer hat angekündigt, dass er etwas dagegen unternehmen wird, und auch alle Spieler wissen offensichtlich, was Sache ist. Deshalb kann die erste Halbzeit morgen in Dortmund vom HSV nicht wieder verschlafen werden. Alle sagen unisono: „Wir müssen von der ersten Minute an Vollgas geben und konzentriert sein, sonst wird es nichts.“ Das ist genau die richtige Einstellung. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – so lautete früher mal ein Werbeslogan gegen Unfälle im Betrieb und auch daheim. Gilt aber wahrscheinlich auch für Bundesliga-Auswärtsspiele. Die gute Nachricht für die Fink-Mannschaft gab es schon an diesem Vormittag, denn Torwart Rene Adler wird spielen können. „Es tut zwar noch ein wenig weh, die Stelle ist auch grün und blau, ist auch ein bisschen eingeblutet, aber ich denke mal, dass da nicht viel kaputt gehen kann. Ich kann mit Schmerzen umgehen, und wenn ich spiele, dann spiele ich auch zu 100 Prozent“, sagt und verspricht Adler vor dem Dortmund-Spiel, das um 15.30 Uhr angepfiffen wird.

Bei der Gelegenheit: Es gibt nach dieser Partie auch wieder ein „Matz ab live“, wir, „Scholle“ und ich, haben einen ganz großen Gast für diese Sendung gewinnen können, ein Mann, der schon mit beiden Vereinen zu tun hatte, der aber die Raute fest in seinem Herzen verankert hat. Wir freuen uns auf Thomas Doll.

Zurück zu Rene Adler. Er scheint nach dem Nationalmannschafts-Comeback immer noch auf Wolke sieben zu schweben. Nicht dass er die Realität verloren hätte, das ganz sicher nicht, aber diese 90 Minuten von Paris, die ja auch mit einem etwas überraschenden Erfolgserlebnis endeten, haben ihm zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Auch wenn das alles unheimlich schnell geht: „Ich freue mich über dieses Spiel, aber ich habe einen Tag gebraucht, um wieder ein wenig runter zu kommen, denn die Anspannung bei einem solchen Spiel ist schon ein bisschen größer. Man schläft danach nur ein paar Stunden, am nächsten Tag gibt es Ärger mit der Rückreise, zwei Flüge werden gestrichen, ich muss nach München, von dort geht es ohne Gepäck, das verschwunden war, verspätet weiter nach Hamburg – das war schon ein wenig Theater. Und dann habe ich mich behandeln lassen, ein bisschen trainiert – und dann war der Tag schon wieder rum. Heute dann Abschlusstraining und Anreise nach Dortmund – und dabei kann man die Spannung auch kein bisschen runterfahren. Du läufst immer auf Hochtouren, aber das muss auch so sein, denn man spielt schließlich beim Meister, und da muss man schon top konzentriert sein und dir alles abverlangen, damit du ein gutes Spiel machen kannst. Aber grundsätzlich ist es schon so, ein solches Länderspiel gibt dir Selbstvertrauen und man nimmt auch positive Gefühle mit“, sagt Rene Adler.

Dortmund – da war doch mal was. Am 22. September 2012 gewann der HSV sein Heimspiel 3:2. Und für mich ist das noch immer mit einer Weltklasse-Leistung von Rene Adler verbunden. Mit diesem Sieg begann der bis dahin punktlose HSV seine Aufholjagd, und Rene Adler stieg wie Phönix aus der Asche wieder zur alten Stärke auf, die ihn einst zur Nummer eins in Deutschland hatte werden lassen. Was Adler allein in den letzten zehn Minuten das Dortmund-Hinspiels hielt, war überragend und einfach nur klasse. Zum morgigen Spiel sagt der Nationalkeeper: „Nach einem verlorenen Spiel fahren wir jetzt mit den Ambitionen, dort ein gutes Spiel abliefern zu wollen, und dann gucken, was dabei rumkommt. Wir sind nicht so vermessen, dass wir dorthin fahren und sagen, dass wir die unbedingt schlagen müssen, dass wir Dortmund weghauen wollen. Dass das geht, dass haben wir im Hinspiel gezeigt, dass man mit einer Top-Leistung auch gegen Dortmund punkten kann, aber wir müssen mit einer engagierten Leistung mal schauen, dass wir die Fehler, die jeder von uns zuletzt gemacht hat, minimieren können, dass jeder top konzentriert dort auftritt und Spaß daran hat, vor 80 000 Zuschauern zu spielen. Gegen eine Top-Mannschaft müssen wir uns auf Top-Niveau beweisen, und wenn wir es schaffen, dass jeder an seine Leistungsgrenze herankommt, dann bin ich davon überzeugt, dass die Möglichkeit für uns besteht, in Dortmund zu punkten. Aber keine Frage, es wird natürlich schwer.“

Das ist auch keine Frage, dass das auch jeder HSV-Fan weiß. Und wenn die Mannschaft so auftritt, wie jetzt beschrieben, es hinterher dann aber doch nur eine Niederlage gegeben hat – dann wird der HSV-Anhang auch damit leben können. Die Hauptsache ist doch, dass sich die Mannschaft von ihrer besten Seite zeigt und alles gibt – und wie gesagt, von der ersten Minute an.

Rund um das Länderspiel in Paris hatte Rene Adler ja auch mit Dortmundern zu tun. So war DFL-Boss Reinhard Rauball, einst langjähriger BVB-Chef, mit in Frankreich, und da wurde schon im Hinblick auf das Spiel an diesem Sonnabend geflachst. Adler: „Da gab es schon den einen oder anderen Spruch, der da hin und her gegangen ist. Und ich habe auch mit Mats Hummels gesprochen, die haben das Hinspiel nicht vergessen – weil wir ja nicht so viele Chancen hatten, aber gewonnen haben. Und Dortmund die erste Niederlage beigebracht haben. Mats gab zu, dass dieses Spiel für reichlich Frust gesorgt hat. Für uns war es ein wichtiger Sieg, für Dortmund war es der Anfang einer verschenkten Hinrunde. Das hat der Mats auch ganz klar gesagt. Später hat Dortmund ja auch eine 2:0-Führung gegen Frankfurt aus der Hand gegeben.“ Der HSV-Keeper dann weiter: „Was ich so rausgehört habe ist das, dass die Dortmunder schon ganz klar auf Wiedergutmachungskurs sind. Das ist aber für uns ganz gut zu wissen, denn dann weiß jeder, dass er nur noch mehr top konzentriert sein muss.“

An seine Leistung im Hinspiel kann sich Rene Adler noch gut erinnern. Er wird auch wissen, wie er danach in Hamburg gefeiert wurde. Heute sagt er rückblickend: „Ich bin kein Freund davon, dass man sagt, ich hätte dem HSV so und so viele Punkte gerettet. Es ist meine Aufgabe, gut zu halten, und es gibt sicherlich auch Spiele, da kann man als Torwart Punkte retten, wenn man in entscheidenden Situationen da ist. Es gibt aber auch Spiele, da kann man sein Glück nicht erzwingen. In Nürnberg war das zum Beispiel so, da ist man gar nicht groß im Spiel, bekommt dann eine Aktion – und die ist dann ein Tor. Und das ist dann irgendwie frustrierend, aber das muss man lernen als Torwart dass man damit dann umgehen kann. Man kann es nicht erzwingen, es kommt immer darauf an, wie man ins Spiel kommt, wie viel man auch zu tun bekommt. Das war in den ersten Spielen des Jahres jetzt noch nicht so viel, aber das wird ganz sicher auch kommen. Viel, viel lieber wäre mir eigentlich, wenn wir mal von der ersten Sekunde bis zur letzten Sekunde eine solide Mannschaftsleistung bringen würden, wo jeder Spieler funktioniert, wo jeder Spieler sein Können abruft – denn das ist unter dem Strich besser, als wenn man als Torwart permanent gefordert ist.“ Denn wenn ein Torwart vielbeschäftigt ist, dann gehen ja auch meistens Fehler der Vorderleute voraus . . .

Und was empfiehlt Rene Adler seiner Mannschaft für eine Taktik, die in Dortmund zum Erfolg führen könnte? Hinten reinstellen? Mitspielen? Früh attackieren? Adler sagt: „Ich würde generell nie eine Taktik auf den Gegner anpassen man sollte schon gucken, dass man sein System durchdrückt. Dass man sich auf seine Stärken besinnt – das, so denke ich, ist gegen Dortmund auch entscheidend. Dass man defensiv besser steht, das fängt schon vorne beim Stürmer an, dass man als Mannschaft gut gegen den Ball arbeitet, die Räume eng macht und wenig Chancen zulässt. Obwohl man das gegen Dortmund wohl kaum schaffen wird, die werden schon zu Chancen kommen, denn die Mannschaft hat zu viel Klasse, die Spieler sind alle individuell großartig, da gibt es viele Spieler, die auch ein Spiel allein entscheiden können.“

Rene Adler sagt dann auch: „Wichtig ist, dass wir geschlossen auftreten und dass jeder Spieler so nah wie möglich an seine Leistungsgrenze kommt. Wenn jeder das abruft, was er kann, dann haben wir unsere Chance. Wenn wir, wie in den letzten Spielen, wieder zu viele Ausfälle haben, dann wird es aber sehr schwer.“ Der Keeper fügt noch hinzu: „Wir wissen, dass wir gegen Frankfurt zuletzt viele Spieler hatten, die unter ihrem Niveau geblieben sind, aber das wird es immer wieder mal geben. Dann müssen eben andere Spieler über ihrem Niveau spielen, um das aufzufangen. Und das hat uns in der Vorrunde auch in vielen Spielen ausgezeichnet, dass wir da in Sachen Niveau stets einen guten Ausgleich gefunden haben. Es ist für jede Mannschaft schwer, wenn viele Spieler nicht ihre Normalform bringen, das ist kein Drama, das ist im Sport so, es ist nur ärgerlich, wenn man so die Punkte abschenkt. Aber Dortmund wird auch ein ganz anderes Spiel . . .“
Das ist anzunehmen.

Viel wird wohl auch davon abhängen, wie Tomas Rincon auf der „Sechs“ spielt. „Popeye“ wirkt im Moment topfit, und der Trainer ist mit ihm zurzeit sehr zufrieden. Von daher könnte es passen. Rincon sagt: „Ich freue mich auf dieses Spiel, denn ich habe in dieser Saison ja noch nicht so viel gespielt. Jetzt werde ich nach dem Dortmund-Spiel wissen, wo ich stehe. Ich fühle mich gut, gebe im Training Gas, und das ist ganz wichtig für mich.“ Dann fehlt eigentlich nur noch, dass er morgen von 15.30 Uhr an auch Vollgas geben wird. Hoffentlich nimmt sich der Venezolaner nicht gleich zu viel vor, das könnte gegen die feinen Dribbelkünstler im Borussen-Team schnell mal zu der einen oder anderen Karte führen. Auf der anderen Seite weiß Rincon natürlich auch, dass Thorsten Fink bereits angekündigt hat, dass am nächsten Sonnabend, im Heimspiel gegen Mönchengladbach, auf jeden Fall wieder Milan Badelj wieder zum Einsatz kommen wird. Das hat der Coach ja bereits verlauten lassen. Wenn Rincon also in der Mannschaft bleiben will, müsste er wohl eine überragende Leistung abliefern . . . Was ja nicht die schlechtesten Voraussetzungen sind – im Sinne des HSV. Und des Erfolgs.

Ich denke mal, dass Thorsten Fink morgen folgende Mannschaft aufbieten wird:

Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen;
Rincon;
Sjkjelbred, Aogo;
Van der Vaart;
Son, Rudnevs.

Schiedsrichter der Partie wird der Berliner Manuel Gräfe sein – für mich eine sehr gute Ansetzung. Man wird es sehen . . .

Gesehen hat Thorsten Fink, als er nach dem heutigen Abschlusstraining den Platz verließ, was da vor ihm auf dem Fußboden lag: ein Ein-Cent-Stück. Er hob es auf, blitzschnell, bevor es ein anderer machen konnte, steckte es in seine Trainingsjacke und sagte voller Überzeugung: „Das bringt Glück.“ Na denn. Ohnehin habe ich heute nur optimistische Stimmen gehört. Ein Sieg des HSV liegt danach durchaus im Bereich des Möglichen, oft habe ich aber auch von einem 1:1 gehört . . . Womit ich schon sehr gut leben könnte.

Den Trainingsplatz mit einem dick bandagierten rechten Knie verließ heute Maximilian Beister. Das sah ganz gefährlich aus, aber „Maxi“ gab Entwarnung: „Kein Problem, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, es handelt sich um eine Prellung, ich werde spielen können.“ Hoffentlich, denn nach einer Nacht wird man (auch Beister) erst genau wissen, wie sich diese Verletzung entwickelt hat. Was wahrscheinlich auch auf Petr Jiracek zutreffen wird, denn der Tscheche knickte im Training um. Zuerst sah das noch nicht so gefährlich aus, allerdings schloss Trainer Fink nicht aus, dass der Fuß doch noch dick anschwillt. Und wie sehr das dann behindert, das bleibt auch abzuwarten. Beister und Jiracek sind aber auf jeden Fall im Kader, und erstmalig auch wieder einmal Gojko Kacar. Weil sich die HSV-Reihen ja doch ein wenig gelichtet haben.

18.05 Uhr

Was wird das bitte für ein 13. Juni….?!?

12. Juni 2012

Das Gute vorweg: die neue Location für Matz-Ab-Live ist gefunden, der Dreh nach dem Deutschland(-sieg)spiel gegen die Niederlande ist gesichert! Und wie! Das „Montgomery Champs“, das Paradies für Sportfreunde, die beim Essengehen nicht auf ihre Dosis Live-Sport verzichten wollen, wird nach unseren „Tonproblemen“ zuletzt unsere neue Heimat. Von jedem Tisch aus hat man beste Sicht auf einen Flatscreen-TV. Ich habe es mit meiner Freundin und dem Lütten ausprobiert – sensationell! Als Gast wird Mediendirektor Jörn Wolf dabei sein. Und als zweiter Gast hat mir eben gerade (19.29 Uhr) Dennis Aogo zugesagt. Also mal wieder sehr interessante Gäste, auf die wir uns freuen dürfen.

Egal wie, der Laden wird zudem rappelvoll mit Fußballanhängern sein, die sich das Topspiel ansehen wollen. Und ganz ehrlich, auch mir fällt es schwer, mich auf den HSV zu konzentrieren, so sehr freue ich mich auf den morgigen Kick. Seit heute morgen, seit ich mir noch mal die besten Szenen Deutschland vs. Niederlande von 1990 angesehen habe, freue ich mich auf dieses Spiel. Nur eines stört: Ich stelle zumindest ganz ehrlich die Frage, warum diese dusselige Diskussion um Gomez/Klose – erweitert mit Scholl ja sogar – nicht endlich ein Ende findet. Gomez hat nicht besonders gut gespielt (wie der Rest der Mannschaft) und am Ende trotzdem den entscheidenden Treffer gemacht. Das ist für einen Stürmer nicht zwingend die schlechteste Bilanz.

Dass Klose spielerisch andere Qualitäten hat ist doch klar – aber doch auch absolut nicht neu. Wieso also jetzt diese Diskussion von außen anfeuern, obwohl sie intern gar nicht so geführt wird? Denn weder Gomez noch Klose stellen sich öffentlich als die absolute Nummer eins im Sturm hin. Im Gegenteil: beide schätzen und loben sich gegenseitig. Sie wollen beide spielen, werden beide enttäuscht sein, wenn sie nicht spielen. Aber sie respektieren sich, Löws Entscheidung und die Situation im Sturm. Ärger macht niemand.

Bei der Nationalmannschaft ist es eben genau so, wie es sein soll. Sie haben gewonnen, intern gesunden Konkurrenzdruck und alle wissen, dass sie sich steigern müssen, um auch gegen die starken Niederländer gut auszusehen. Und glücklicherweise zählen ausgerechnet die, die in dem Portugal-Spiel zufrieden mit sich sein durften, nicht die, die sich zu früh zufrieden geben. Im Gegenteil. Ein Badstuber, der für mich überragend spielte, wurde mir von einem guten Freund mal folgendermaßen beschrieben: „Der Typ ist wahnsinnig vor Ehrgeiz. Der wusste schon seit der Muttermilch, dass er irgendwann Profi wird. Und als die Trainer gemerkt haben, wie verbissen der ist, haben sie ihn zum Abwehrmann gemacht. Er ist ein super sympathischer Kerl im Privaten. Und er sieht so harmlos aus. Aber er ist im Training genauso hart wie im Spiel. Und er kann auch mal ne richtige Sau sein. Auf jeden Fall aber verzeiht er es niemandem, wenn er mal an ihm vorbeigekommen ist. Frag mal unsere Jungs…“

Ein Zitat, dass ich vor etwa einem Jahr zu hören bekam von einem absolut vertrauenswürdigem Mitspieler Badstubers. Und seitdem habe ich ihn, also Badstuber, irgendwie anders als vorher beobachtet. Genauer eben. Und mir sind etliche Dinge an ihm aufgefallen. Habt ihr mal darauf geachtet, wie hart der Kerl spielt, am Boden wie in der Luft? Wie der in die Kopfballduelle springt? Und vor allem: wie oft er Szenen hat, die im TV noch mal genauer beleuchtet werden, weil irgendwelche Nickeligkeiten vermutet werden? Beispielsweise die Szene gegen Portugals Nani in der ersten Halbzeit? Da wusste Badstuber, dass er den nicht so laufen lassen kann, ohne dass es massiv gefährlich würde. Daher mit letzter Kraft die Stollen in Richtung Waden.

Ein Badstuber macht es wie Hollerbach, er lässt niemanden freiwillig heil an sich vorbei. Und das ist für mich, so lange dieser Mann in Deiner Mannschaft spielt, immer beruhigend. Oder ist das bei Euch anders? Ich bin für die Zeit, in der die Nationalmannschaft spielt, Fan von der gesamten Truppe. Egal ob da einer beim FC Bayern, St. Pauli oder Werder Bremen spielt. Eben ganz im Sinne des Erfolges das persönliche Ego mal ganz weit nach hinten sortiert… Aber auf jeden Fall handhabe ich es so wie früher als Amateurfußballer: ich freue mich über die Spieler im eigenen Kader am meisten, die ich als Gegner am furchtbarsten fand. Sportlich betrachtet, natürlich! Dass es dabei auch Spieler im eigenen Team gibt, die beides sind – umso besser. Siehe Mats Hummels. Der Dortmunder ist in meinen Augen einer der sympathischsten Spieler seit langer, langer Zeit und dazu noch ne Maschine. Wie der sich gegen Portugal vom Wackelkandidaten zur unverzichtbaren Größe hinten hochgearbeitet hat – Chapeau!!

Thomas Helmer hat im Abendblatt-Interview mit meinem Chef Peter Wenig vor kurzem gesagt, 1996 hätten sie lange nicht die besten Fußballer im Kader gehabt, dafür aber die beste charakterliche Zusammensetzung. Und ich glaube, dass die Deutschen dieses Jahr mit Hummels jemanden dazubekommen haben, der als ordnende Hand intern ebenso wie sportlich auf dem Platz unverzichtbar werden kann. Hummels ist unaufgeregt, absolut geerdet und wirkt auf mich, als würde er alles dafür tun, dass aus der Zusammensetzung von 24 Top-Profis auch eine Top-Mannschaft wird. Dass er damit intern nicht anfängt, bevor er selbst Stammspieler ist – logisch. Aber genau deswegen hoffe ich, dass Hummels diese Rolle sportlich bald komplett einnimmt. Ich glaube, dass ein Hummels tatsächlich ein Spieler der Sorte ist, der „für jede Mannschaft der Welt interessant ist“, wie es oft von Sportchefs und Trainern zitiert wird.

Aber gut, zurück zum HSV. Auch dort gibt es gute Typen, die wichtig sind. Sportlich dazu zählt ganz sicher auch der gestern bereits benannte Paolo Guerrero. Für den sind beim HSV, so wurde es mir gesagt, bislang keine offiziellen Angebote eingegangen. Allerdings ist auch dem HSV bekannt, dass der Peruaner Interessenten hat. So auch den SSC Neapel, den wir hier im Blog vor einigen Wochen schon mal als Interessenten aufgeführt hatten. Allerdings, und dabei bleibe ich, so lange es keine offizielle Anfrage an den HSV gibt, verfolge ich den Gedanken eines Verkaufs von Guerrero nicht. Zumal ich ihn angesichts des Jahresgehalts des Peruaners (für das er nichts kann) lediglich aus wirtschaftlichen Gründen gut fände.

Ansonsten ist es beim HSV weiterhin ruhig. Arnesen ist bei der EM, Fink im Urlaub und die Mannschaft genießt ihre freie Zeit. Bis auf Kacar, der seit gestern täglich im Fitnessraum schuftet. Ich hatte ihn letzte Woche am Donnerstag vor seiner Operation, in der ihm die Schrauben seiner Knöchel-OP entfernt wurden, gesprochen. Und er machte auf mich einen guten Eindruck. Zumindest einen besseren, als ich erwartet hatte, nachdem er eine schwere Saison, eine üble Verletzung zum Saisonende hin und vor allem die Diskussionen um seine Person hinnehmen musste. „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was im letzten Jahr los war“, sagt Kacar heute, „aber ich weiß, dass ich es besser machen kann. Ich weiß, dass wir es als Mannschaft besser machen können. Und ich weiß, dass meine Zukunft beim HSV liegt.“

Klare Worte des Serben, der oft als introvertiert und ruhig wahrgenommen wird – der aber durchaus über Humor verfügt. „Ich habe es ja versucht, mich beim FC Barcelona und Chelsea anzubieten. Aber die wollten mich nicht“, so Kacar, ehe er nach einer kurzen Pause die Pointe folgen ließ: „Weil ich verletzt bin.“

Nun denn, zum Glück für den HSV bleibt Kacar dem Klub erhalten. Vor September ist hier allerdings nicht mit dem Comeback zu rechen, in dem der defensive Mittelfeldspieler alles das nachholen will, was er bislang nicht zeigen konnte. „Ich war jetzt lange und oft genug verletzt – jetzt reicht das. Ich habe in Hamburg noch viel vor. Und vor allem gibt es noch viel, was ich zeigen und erreichen will.“

Zwar zuerst noch nur Worte – allerdings welche, die noch mit Leben gefüllt werden können.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit Dieter und dem Highlight am Abend: Deutschland – Niederlande – und natürlich mit dem nächsten „Matz ab live“, diesmal aus dem Montgomery Champs ab 22.45 Uhr mit Dennis Aogo und Jörn Wolf.

Ich freue mich – auf einen superinteressanten 13. Juni 2012!

Scholle

P.S.: Für die unter Euch, die sich über Ihre Tippbilanz ärgern: Nachdem ich Kroatien gegen Irland in letzter Sekunde noch auf 2:0 verändert hatte, habe ich heute mit dem 2:1 der Tschechen gegen Griechenland meinen ersten Dreier beim Tippen gelandet…

EM-Notizen mit Scholl, Polen und Trompeten

10. Juni 2012

Ist ja EM. Und ich habe gerade – per Zufall und wieso auch immer – in der Redaktion ein altes Bundesliga-Sonderheft in die Hände bekommen. Eines von der Saison 2010/11. Als ich darin blätterte, las ich eine Überschrift von einem Interview mit Rudi Völler. Der Sportchef von Bayer Leverkusen gab da den gewagten Satz von sich: „Michael Ballack wird der ganzen Liga guttun.“ Tat er aber dann doch nicht, wie wir heute wissen. Und dabei hätten viele HSV-Fans den Herrn Ballack doch so gerne in Hamburg und beim HSV gesehen. Aber, und nun zur EM, was stört uns dieses Geschwätz von gestern? Auch die ganz Großen können sich irren. Wie auch die Kleinen: Ich habe mich ja jetzt ein weiteres Mal geirrt, denn ich habe nicht an einen deutschen Sieg gegen Portugal geglaubt. Es war zwar eng, aber die Löw-Truppe hat gewonnen – also lag ich daneben. So geht das im Fußball. 1:0-Siege, so heißt es in unserem Sport, sollen die schönsten sein. Und obwohl es ja viele Sportsfreunde hierzulande gibt, die der deutschen Mannschaft ein schlechtes Spiel attestieren – ich halte dagegen. Deutschland hat das Spiel gemacht, die Portugiesen haben Beton mit ein wenig härterer Härte angemischt.

In der Totalen im Fernsehen sah man es oft eindrucksvoll: alle Portugiesen im und am eigenen Strafraum. Und die Deutschen, die mit vier, fünf, sechs oder gelegentlich mit sieben Mann angriffen, bissen sich immer wieder fest. Räume dicht. Und mit Mann und Maus kann man gegen diese Portugiesen eben nicht stürmen, denn dann läuft man ins offene Messer. Habt ihr noch in Erinnerung, wie Ronaldo einmal Mitte der zweiten Halbzeit auf links abging? Wie Schmidts Katze. Wie von einem anderen Stern. Hat er den Raum, ist er nicht zu stoppen. Deswegen war dieses Spiel so gefährlich für die DFB-Auswahl. Seien wir alle zufrieden, dass es am Ende einen 1:0-Sieg gab – ich hätte auch mit einem 0:0 gut leben können. Zumal es einige deutsche Spieler gab, die lange nicht ihre 100 Prozent abgerufen haben: Lukas Podolski war bei 60 Prozent (höchstens), Bastian Scheinsteiger bei 70 Prozent (höchstens), Philipp Lahm bei 80 Prozent (allerhöchstens – oder allerhöökschtens, wie Löw sagen würde). Da muss es noch einige gewaltige Steigerungen geben. So wie die von Mats Hummels, der der überragende Mann im deutschen Team war. Zum Glück hatte Löw nicht auf per Mertesacker gesetzt – dann hätte ich auch am Bundestrainer arg gezweifelt.

Wobei, das muss ich schon zugeben, ich nach dem Spiel auch noch etwas andere Sorgen hatte. Die mit „Matz ab live“. Da hatten wir ja mit dem ehemaligen HSV-Profi Detlef Spincke und dem Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Eberhard „Eddy“ Münch (auch Gründungsmitglied Eintracht Norderstedt, Mitglied im DFB-Sozialausschuss, und, und, und), zwei sehr gute, ich möchte fast sagen überragende Gäste, die viele großartige Sachen über den Fußball zu sagen hatten. Aber am Übertragungsort wollte natürlich gefeiert werden. Da kamen sich dann Disk-Jockey, Musik und „Matz ab live“ mitunter – und nach meiner Meinung zu oft – in die Quere. Ich gebe zu, ich wollte schon während der „Sendung“ einige Male hinschmeißen, und ich hatte auch danach einen total dicken Voll-Hals. Das drückt sich dann wie folgt aus: Mikrophon von Kopf und Mund genommen, Lederjacke angezogen, den beiden Technikern des Abendblattes die Hand gegeben (Danke und tschüs) – und weg. Es hat keine Minute gedauert, bis ich das Lokal verlassen hatte und im Auto saß. Und wenn ich zum Schluss gesagt habe, dass das die letzte Sendung gewesen sei, so war das lediglich und nur für diesen Ort gedacht. Wir werden uns etwas anderes einfallen lassen (müssen), so geht es jedenfalls nicht.

Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich „volles“ Verständnis habe für die Fans. Die jubeln während des Spiels mit, die haben „VUwe-VUwe-Seelas“ (die Dinger aus Südafrika!), Trompeten, Tröten und Rasseln mitgebracht, die schreien und ein pfeifen und sind – wie wir – in Deutschland–Trikots gekommen, die wollen natürlich feiern. Die wollen dann auch die Sau rauslassen. Nach einem Sieg und zehn Bier. Und dann kommen wir und – bitten um Ruhe. So geht es natürlich auch nicht. Und das müssen wir schon auf unsere Kappe nehmen, ganz klar. Falsch gedacht und falsch geplant.

Obwohl, und dann ist auch Schluss mit diesem Thema, „uns Scholle“ sagt, alles sei vorher – das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis – mit dem Wirt abgesprochen gewesen. Was für mich aber total egal ist. Du kannst einfach keine bierseligen Fans mit einem Knopfdruck abschalten. Ich mag aber, das sei noch gesagt, Wolfgang Petry – auch richtig schön laut. Das war ja unser „Rausschmeißer“. Und Ende.

Zum Fußball. Fast jedenfalls. Ist ja EM. Und Frau M. hat sich natürlich auch Deutschland gegen Portugal angesehen. Wir sprachen spät in der Nacht noch drüber. Sie: „Ich verstehe nicht, dass diese Sache mit Boateng und er Gina-Lisa so im Mittelpunkt steht. Als gäbe es keinen Fußball . . .“ Und was sagst du so zum Spiel? Frau M.: „Cristiano Ronaldo, der gefällt mir. Ein toller Spieler. Und sieht nebenbei auch gut aus. Und dass der ein so großer Star ist, das merkt man ihm nicht an, der meckert doch nie, der ordnet sich total unter – da ist nichts von Star-Gehabe oder Arroganz erkennbar. Toller Mann und toller Spieler.“ Und ein Deutscher? Gibt es auch einen deutschen Nationalspieler, der dir gefällt? Frau M.: „Ja, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber das ist der Mesut Özil.“ Wieso der? Frau M.: „Der spielt klasse, wie der mit dem Ball umgehen kann – wie kein anderer Deutscher. Und trotz der Tatsache, dass er ja eigentlich ein Star ist, der bei Real Madrid spielt, ist er immer auf dem Teppich geblieben. Der ist kein Lautsprecher, im Gegenteil, der ist immer still und bescheiden – der gefällt mir in seiner Art einfach, der ist großartig.“

Vielen Dank für diese kleinen weiblichen EM-Randaspekte, Frau M.

Mir hat ja, um beim Thema zu bleiben, stets Mehmet Scholl gut gefallen. Als Spieler, aber auch als ARD-Experte ganz besonders. Er spricht Klartext mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken, mit einer Prise Ironie und mit viel fußballerischem Sachverstand. Gefällt mir, diese Mischung. Während seiner Zeit als Nationalspieler habe ich ihn ja kommen und gehen gesehen (bei der Nationalmannschaft), hatte aber nie auch nur annähernd ein gutes Verhältnis zu ihm. Zum Beispiel gab es mit ihm nie ein Einzelgespräch für mich. Und wenn wir uns mal zufällig im Hotel über den Weg liefen, dann blickte er stets zu Boden – und husch, weg war er. Nicht etwa, weil er so schüchtern war oder ist. Das ist er nämlich ganz sicher nicht Er ist nur ein Mensch, der mit der Presse und den dazugehörigen „Fuzzis“ nicht viel zu tun haben wollte. Deshalb machte er immer einen ganz großen Bogen um uns (Journalisten). Ähnlich wie Oliver Kahn, der ja ohnehin nur mit den ganz großen Illustrierten sprach – wenn er sich überhaupt einmal dazu herunter ließ. Okay, gelegentlich kam er zu Pressekonferenzen, da durfte ich ihm dann auch die eine oder andere Frage stellen – aber das war es dann auch schon. Kurios ist für mich nur, dass zum Beispiel diese beiden medienscheuen Spieler, Kahn und Scholl, jetzt nicht nur die ganz großen Fußball-Experten für ARD und ZDF sind, sondern dass sie auch fleißig Reklame machen. Werbung mit Scholl und Kahn ist „in“, läuft auf allen Kanälen. Ich jedoch frage mich, warum ich ausgerechnet das kaufen sollte, was mir zwei „Jungs“ anpreisen, die mit dem „Fußvolk“ eigentlich nie so richtig etwas zu tun haben wollten. Aber Werbung ist wohl so.

Um auf Mehmet Scholl zurückzukommen: Als ARD-Mann neben dem von mir sehr geschätzten Reinhold Beckmann hat der „liebe Scholli“ die Einsatzbereitschaft von Mario Gomez beim Auftaktsieg der DFB-Elf gegen Portugal hart kritisiert – wie die deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt: „Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss“, sagte Scholl nach dem Portugal-Spiel in der ARD: „Es war zwischenzeitlich wirklich extrem, wenn man geschaut hat, dass die Mittelfeldspieler, die Abwehrspieler, sie wollten nach vorne spielen, sie wollten in die Spitze spielen. Aber da war keiner. Und das ist immer die Frage, wie lange hält eine Mannschaft so was aus.“

Wenn Gomez dann nicht treffe, gehe die Diskussion los. „Das könnte er ganz einfach vermeiden, in dem er einfach mehr tut fürs Spiel“, befand Scholl und wünschte sich einen lauffreudigeren Auftritt des Angreifers mit einer Torquote von 45 Treffern in 58 Pflichtspielen in dieser Saison.

„Man braucht heutzutage Stürmer, die auch nach hinten laufen. Das gibt es eigentlich im modernen Fußball nicht mehr, dass ein Spieler einfach nur zentral bleibt, keinen Ball kurz haben will, sondern nur irgendwo auf Flanken hofft, oder auf einen Laufweg, der sich auftut hofft, oder auf eine freie Straße, die er benutzen kann. Insgesamt ist das zu wenig“, erklärte Scholl, in der neuen Saison Trainer der Amateure beim Gomez-Club FC Bayern.

Oha. Zwei Münchner bei der EM. Aber diese beiden Münchner werden sich schon demnächst auch wieder beim FC Bayern über den Weg laufen. Wie sie sich dann wohl begegnen werden? Da scheint dicke Luft programmiert zu sein. Wobei ich ganz klar sagen möchte, dass Scholl auch in diesem Fall nicht so falsch liegt. Und ich finde es einfach klasse, dass er es auch schonungslos ausspricht, obwohl er damit einen Vereinskollegen kritisiert. Ohnehin halte ich Scholl in Sachen Experte für den besseren Mann – gegenüber Kahn. Um da mal klar Stellung zu beziehen.

Kurze Randnotiz während der EM: In Polen gibt es ja, von Nationaltrainer Franciszek Smuda eventuell in die Welt gesetzt, das Gerücht, dass nach diesem Turnier die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski (Manchester United bietet angeblich 18 Millionen Euro für ihn) keine Dortmunder mehr seien werden. Was unglaublich hart für den Meister wäre, keine Frage. Aber es ist eben alles auch eine Sache des Preises. Und der Schmerzgrenze. Dortmund seinerseits soll sich nun auch in den Kampf um Edin Dzeko (Manchester City) eingeschaltet haben – zuletzt waren die Bayern sehr um den ehemaligen Wolfsburger bemüht.
Bin mal gespannt, wie sich das alles entwickeln wird. Piszczek wird mit Real Madrid in Verbindung gebracht, und ich könnte das verstehen. Dieser polnische Verteidiger hat mich in der vergangenen Saison – neben dem Schalker Raul – am meisten beeindruckt, wie er den Platz rauf und runter rennt, wie ihm der Ball gehorcht – klasse, einfach nur klasse. Er spielt mir den Verteidiger schon fast perfekt. Es würde ihm aber bei allen Madrid-Plänen aber wohl doch ein wenig mehr helfen, wenn die polnische Mannschaft wieder ein bisschen besser spielen würde – als die letzten 60 Minuten gegen die Griechen. Mal abwarten, wie sich „ein Drittel Dortmund“ (oder „eine Hälfte Bundesliga“) so entwickelt.

Begonnen habe ich ja mit einem alten Bundesliga-Sonderheft. Aussteigen möchte ich für heute mit der brandaktuellen Schiedsrichter-Zeitung des DFB, das „Offizielle Organ für die Schiedsrichter im deutschen Fußball-Bund“. Die lese ich immer gründlich von vorne bis hinten durch – das ist schon Tradition. Wir bekommen das „grüne Ding“ regelmäßig und kostenlos in die Redaktion – und ich bilde mich auch dadurch immer ein wenig weiter. Zum Beispiel bei kniffligen Regelfragen. Man lernt ja nie aus. Wie wäre es damit: Der Torwart hat den Ball sicher gefangen. Er wirft das Leder zu einem Mitspieler, der im Strafraum steht. Weil der Abwehrspieler einen Gegenspieler hinter sich vermutet, köpft er den Ball in die Arme des Torwarts zurück. Muss der Schiedsrichter eingreifen? Solche Fragen – und noch viel schwerer – finde ich ganz spannend.

Aber zum Kernthema: Ein wenig erstaunt war ich, als ich in der jetzigen Ausgabe 4 (Juli/August – ja, die Unparteiischen sind schon weit vor der Zeit!) auf der Seite 16 ein Foto eines spuckenden Spielers entdeckte – ein Gegenspieler wird angespuckt. Man sieht es in aller Deutlichkeit, nichts wird beschönigt. Und in der Bild-Unterschrift dazu steht dann auch tatsächlich:

Den Gegenspieler anspucken: Die widerlichste aller Unsportlichkeiten muss in jedem Fall mit „Rot“ bestraft werden.

Spontan dachte ich an Christian Lell. Und auch an Paolo Guerrero. Der eine (nämlich der HSV-Spieler) erhält nach einem zugegeben sehr üblen und brutalen Tritt acht Spiele Sperre, der andere, nämlich der Hertha-Spieler aus Berlin, erhält für die „widerlichste aller Unsportlichkeiten“ (so die DFB-Schiedsrichter) fünf Spiele Sperre – er hatte den Düsseldorfer Spieler Assani Lukimya angespuckt. Wahrscheinlich kam in diesem Falle aber noch „strafmildernd“ für den Berliner hinzu, dass er bei diesem chaotischen Relegationsspiel in Düsseldorf auch noch ein zweites Vergehen aufzubieten hatte, denn er hatte ja auch Schiedsrichter Wolfgang Stark beleidigt. Muss nicht zwangsläufig „strafmildernd“ gewesen sein, könnte aber . . .

Nein, ich schrieb es schon kürzlich, als dieses (in meinen Augen) „Skandal-Urteil“ gegen Lell erging – das ist alles nicht mehr normal, was (sich) diese Herren im DFB-Sportgericht leisten. Aber vielleicht wird es uns ja auch mal bei passender Gelegenheit erklärt. Ich bleibe aber dabei: Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Vielleicht ja auch einmal in Denkanstoß, jetzt, wo nichts aktuell passiert ist, mal mit dem DFB zu sprechen und zu verhandeln – das ist doch paradox. Den Schiedsrichter verbal attackieren und dazu auch noch den Gegenspieler anspucken – nur fünf Spiele Sperre? Wo leben die denn in Frankfurt? Immerhin, das sei noch erwähnt, der Kontrollausschuss hatte sechs Spiele Sperre für Lell gefordert. Aber auch das, so muss ich es sagen, wäre für mich ein Witz gewesen . . .

Aber wir haben ja EM. Und da gibt es ja durchaus auch viele positive Aspekte. Zum Beispiel die ersten drei Punkte für Deutschland.

Und wir haben ja, fast schon ein wenig nebenbei, auch immer noch ein bisschen HSV. So richtig viel tut sich da im Moment noch nicht, obwohl ich nicht ausschließen will, dass es da schon bald ein „dickes Ding“
Und dann auch noch das vom HSV:

Liebes HSV-Mitglied,

am kommenden Montag, den 11. Juni 2012 beginnt der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder. Sie als Mitglied können max. eine Dauerkarte für die Saison 2012/2013 erwerben. Ab den freien Vorverkauf (ab 26. Juni 2012) können bis zu zwei Dauerkarten erworben werden.

Folgende Blöcke stehen im Mitgliedervorverkauf zur Verfügung:

Osttribüne: 2 C, 3 C, 4 C, 5 C und 7 A

Westtribüne: 17 C, 18 C, 19, 20 C und 21 A/B/C

Südtribüne: 9 A/B/C, 10 A/B/C und 11 A/B/C

Eine Übersicht der Blöcke finden Sie hier.

Alle anderen Blöcke stehen nicht zur Verfügung. Im freien Vorverkauf werden keine weiteren Blöcke angeboten.

So buchen Sie Ihre Dauerkarte

– im Onlineshop
– telefonisch unter 01805 / 478 478*
– persönlich im HSV Service Center in der Imtech Arena

Alle Informationen zum Dauerkartenvorverkauf erhalten Sie hier.

Ein Verkauf im HSV CITY STORE und im HSV FANSHOP im Herold-Center wird nicht angeboten.

Und dann gibt es da noch eine SID-Meldung, die mich betroffen macht, denn ich schätze diesen Mann sehr, er ist zwar oft sehr locker und leger, aber er ist mit Sicherheit auch ein großer Fußball-Kenner und -Experte:

Fußballtrainer Peter Neururer liegt nach einem am Sonnabend erlittenen Herzinfarkt in einem Gelsenkirchener Krankenhaus im künstlichen Koma. Der 57-Jährige sei mit Freunden auf der Golfanlage Haus Leythe unterwegs gewesen, als er kurz vor Ende der Runde auf der Bahn 17 zusammenbrach. Mitspieler hätten sofort den Notarzt gerufen. Neururer sei dann zunächst ins Krankenhaus Bergmannsheil und von dort ins Marienhospital zum Herzspezialisten Professor Heinrich Blanke transportiert worden.

Gute Besserung, lieber Peter!

Viel Spaß bei den heutigen EM-Spielen.
Und morgen einen guten Start in die neue (EM-)Woche.

16.23 Uhr

Leckerbissen in Dortmund – mit Happy-End!

11. November 2010

Es steht schon alles im Zeichen des Spitzenspiels morgen Abend. Der HSV ist bereits heute Nachmittag gen Westfalen geflogen. Und das zum ersten Mal mit dem gleichen Kader wie in der Vorwoche. Genauer gesagt: Sollte Jonathan Pitroipa wie erwartet morgen auflaufen können, hätte Armin Veh erstmals die Möglichkeit, die gleiche Startelf der Vorwoche aufzubieten. „Das wird uns als Mannschaft helfen“, sagt Zé Roberto, der sich durch mehr Gewöhnung innerhalb der Startelf mehr spielerische Automatismen erhofft. Und der stellvertretend für die Mannschaft sagt: „Das Spiel in Dortmund ist eine besondere Aufgabe für uns. Wir wollen den Tabellenführer stürzen.“

Na klar. Was auch sonst. Es hat noch niemand vor einem Spiel den Wunsch geäußert, die bevorstehende Partie verlieren zu wollen. Das denken jetzt vielleicht auch einige von Euch. Aber hinter Zé Robertos Worten steckt mehr als Plattitüde. Der Brasilianer, der vor verschiedenen Bundesligarekorden steht, versprüht genau den Optimismus, den ich in dieser Saison lange vermisst hatte. Die Mannschaft habe „hart trainiert“ sagt er. Fand ich nicht. Aber bevor ich etwas sagen konnte, erklärte Zé, dass er eigentlich nur meinte, die Mannschaft habe sehr konzentriert trainiert. „Alle sind total auf Dortmund fokussiert. Denn so ein Spiel in Dortmund macht einfach mehr Spaß als andere Spiele. Da wollen zwei Mannschaften spielen und kein Team stellt sich hinten rein. Dazu ein ausverkauftes Stadion mit 80000 Zuschauern – das ist Begeisterung. Auf dem Platz für uns -aber genauso auf den Rängen für die Zuschauer.“

Zé Roberto, der am Anfang seiner Zeit beim HSV über Klub-Sprecher Jörn Wolf mitteilen ließ, bitte nicht außer der Reihe von Journalisten angesprochen werden zu wollen, ist endgültig in Hamburg angekommen. Der Brasilianer ist gut gelaunt, er spricht von sich aus und -ds ist das Wichtigste -er versprüht Spielfreude, die seine Mitspieler anzustecken scheint. Selbst jetzt, wo er auf der eher ungeliebten Position links in der Viererabwehrkette spielen muss. „Es ist nicht meine Lieblingsposition, aber sie ist kein Problem für mich. Marcell Jansen fällt aus, Dennis Aogo ist schon länger verletzt – und ich kann helfen. Deshalb ärgere ich mich nicht. Im Gegenteil: Im Mittelfeld kennen mich alle Gegner, da wissen die, dass ich gern eins gegen eins gehe. Aber über links habe ich den Vorteil, mehr Raum zu haben.“

Und den nutzte er zuletzt, indem er als Vorlagengeber brillierte. 99 Assists weist die Bundesliga-Datenbank für Zé Roberto aus – in Dortmund soll die Jubiläumsvorlage folgen. Und noch mehr. „Ich bin bislang ganz zufrieden, was meine Vorarbeiten betrifft. Aber mir fehlt immer noch ein Tor. Aber ich glaube, das kommt. Jetzt!“

Da hätte von uns ganz sicher niemand was dagegen. Und wo wir gerade bei Statistiken sind, zwei bevorstehende Rekorde des HSV-Oldies: Vier Spiele fehlen Zé Roberto noch, um der Brasilianer mit den meisten Bundesligaspielen zu werden. In diesem Ranking führt übrigens ausgerechnet Dortmunds Dede mit 318 Spielen. Sollte er nicht nur Dede überholen, sondern zudem in dieser Saison noch 15 Spiele absolvieren, würde er sogar Sergej Barbarez als den Ausländer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen insgesamt ablösen. „Toll“, lach Zé, „aber vielleicht beschäftie ichmit damit erst später. Vielleicht spiele ich ja noch vier,fünf Jahre…“

Auch dagegen hätte von uns sicher niemand etwas. Obgleich eine Zukunftsplanung nicht selten auf das Heranziehen deutlich jüngerer Spieler abzielt. Wie eben in Dortmund – auch aus finanzieller Not heraus – geschehen. Ob Zé Roberto vor der Saison BVB-Shootingstar und Neu-A-Nationalspieler Mario Götze kannte? „Nein“, gibt er zu, „aber er spielt eine überragende Saison, hat sich die Nominierung verdient.“ Wie Zé damit umgeht, dass seine Gegenspieler fast schon seine Kinder sein könnten? „Das ist unterschiedlich. Zum Einen ist es als Gegner unangenehm, denn die Jungen laufen immer ohne Ende. Wenn du dann nicht in Form bist, hast Du ein Problem. Allerdings, wenn du fit bist, haben die Jungen ein riesiges Problem. Und ich bin fit.“

Punkt. Anschließend folgten noch die zuletzt in meinen Augen etwas zu oft geäußerten Wünsche nach einer Serie von Siegen, und ein paar Komplimente für die offensive, attraktive Spielweise der Westfalen. Das alles änderte allerdings nichts an Zé Robertos klarer Vorhersage, dass der HSV in Dortmund punkten wird. Eine Einschätzung, der ich mich gern anschließe.

Ebenso muss ich dem Bundestrainer ein Kompliment machen. Er hat schon bei den Europa- und Weltmeisterschaften den momentan so gefeierten Jugendspiel geprägt. Und jetzt legte er nach, indem er für das Länderspiel am 17. November gegen Schweden auf neue, junge Spieler setzt. Anstelle der Routiniers Klose, Lahm und Özil stehen mit den Mainzern Lewis Holtby und André Schürrle, sowie den Dortmunder Talenten Mario Götze und Marcel Schmelzer gleich vier Spieler ohne Länderspielerfahrung im 22-köpfigen Kader. Zudem erhalten die Dortmunder Mats Hummels und Kevin Großkreutz eine weitere Bewährungschance im DFB-Team.

So komisch es vor dem Spiel gegen den BVB klingen mag, aber auf die Nationalmannschaft bezogen freut mich der erfolgreiche Weg der Dortmunder richtig. Zumindest das Zustandekommen. Schließlich rekrutieren sie mit ihrem Jugendstil die Müllers und Özils von morgen. Und das macht mir große Hoffnung, dass wir auch 2012 einen ähnlich begeisternden Fußball spielen können wie bei der WM in Südafrika.

Aber zurück zum HSV. Der wird in Dortmund, das machte das heutige Training deutlich, wieder im 4-3-3-System antreten. Mit Demel hinten rechts, mit Westermann im Abwehrzentrum und mit Kacar im Dreier-Mittelfeld. Womit ich bei meiner größten Sorge angekommen bin. Zwar wird es haarig für Guy gegen einen starken Götze – aber an einem guten Tag ist der Ivorer dazu definitiv in der Lage. Zudem hoffe ich, dass ihm der Reiz, gegen seinen Ex-Klub zu spielen, zusätzlich motiviert. Nein, vielmehr Sorgen bereitet mir das Mittelfeld. Im Speziellen: Gojko Kacar. Der Serbe trainiert nicht besonders gut, er wirkt auf mich noch immer nicht austrainiert, manchmal sogar etwas träge. Und jetzt kommen die quirligen Kagawa, Sahin und Bender. Wer stoppt die jungen Wilden? Jarolim ist lauf- und formstark. Ebenso wie Trochowski momentan. Allerdings haben beide Schwächen im Defensiv-Zweikampf. Diese Lücke sollte Kacar ausfüllen – allerdings bislang mit eher mäßigem Erfolg. Und hier wird morgen ganz sicher eines der wichtigsten Duelle entschieden.

Und lasst mich zum Schluss noch mit einem aus meiner Sicht ebenso leidigen wie unsinnigen Thema abschließen: Jürgen Klopp. Der Mann ist top. Er ist der momentan erfolgreichste Trainer der Bundesliga. Er stand auch beim HSV auf dem Zettel. Allerdings ist er nicht Trainer geworden. Warum aber jetzt alten Entscheidungen nachtrauern? Damals kam statt Klopp immerhin ein gewisser Martin Jol, der über jeden Zweifel erhaben sein dürfte und ein gutes Einstandsjahr mit der Qualifikation zur Europa League feierte.

Ja, vielleicht hätte das mit Klopp auch geklappt. Vielleicht wäre es sogar noch besser geworden. Aber genauso vielleicht hätte es mit Klopp nicht funktioniert. Weshalb also heute noch mal darüber streiten? Zumal mir die Entscheidunsfindung von damals von den beiden Streitparteien (damals lagen Beiersdorfer und Hoffmann schon im offenen Clinch) in zwei komplett voneinander abweichenden Formen erzählt wurde. Nicht, dass Ihr jetzt denkt, ich hätte keine Meinung dazu, nein, so ist das ganz sicher nicht! Diese Diskussion führt nur zu nichts mehr. Wichtiger ist doch die Realität. Und die hält für uns alle ein sehr, sehr spannendes Spiel parat. Ich jedenfalls freue mich, morgen mal wieder einen echten (Fußball-)Leckerbissen vorgesetzt zu bekommen. Und den lasse ich mir im Vorfeld von nichts versauen…

In diesem Sinne: Hinfahren, reinhauen, Punkte einsacken, wegfahren. Punkt.

Obwohl, so viel Zeit muss sein:

Nur der HSV!

Spaß im Training – wir denken an Hermann

10. November 2010

Selbst ein Vizeweltmeister gerät bei dieser Aussicht ins Schwärmen. Ein mit 83000 Zuschauern voll besetztes Stadion, und das am Freitagabend unter Flutlicht. „Mehr geht nicht“, sagt Joris Mathijsen. Der Niederländer, der im Juli immerhin vor 84 490 Zuschauern das WM-Finale in Südafrika gegen Spanien spielte, zählt mit Sicherheit zu den erfahrensten HSV-Profis. Dennoch ist er beeindruckt von Dortmund. Allerdings fast ausschließlich von den Rahmenbedingungen der Partie am Freitag. „Die Mannschaft spielt, da muss man mal ganz ehrlich sein, keinen herausragenden Fußball“, so Mathijsen über den amtierenden Tabellenführer, „aber sie spielen eben sehr effektiv.“

Immerhin zehn Punkte effektiver als der HSV. Und das hängt nicht wenig mit dem neuen Jugendstil der Dortmunder zusammen. Schmelzer, Bender, Götze, Großkreutz heißen die neuen, gefeierten jungen Wilden. Und natürlich „Dompteur“ Jürgen Klopp. Der Trainer, der auch beim HSV vor Martin Jol lange im Gespräch war (weshalb es damals nicht geklappt hat wird durchaus konträr erzählt, aber dazu später mehr), wird als neuer Meistertrainer mit Vorschusslorbeeren bedacht.

Auch ich bin voll des Lobes für „Kloppo“. Wie der nach außen wirkt ist schon sensationell. Der Junge ist sich für keinen Spaß zu schade, er versteht es, klare Worte zu finden. Und er wirkt bei allem authentisch. Er ist einer von uns geblieben. Sollte er nur halb so effektiv nach innen, auf seine Mannschaft einwirken können, wäre das schon fast meisterlich.

Allerdings, und damit will ich seine Leistung nicht schmälern, ist er beim BVB auch zu dem neuen Jugendstil gezwungen worden. Nachdem die Dortmunder vor einigen Jahren nahezu Pleite waren – ohne eine diskutable Portion Goodwill des DFB wären sie zwangsabgestiegen – konnten in den letzten Jahren keine Millionenbeträge in neue Spieler investiert werden. Und was macht ein guter Klub in einem solchen Fall? Richtig! Er sucht sich junge, talentierte Fußballer. Denn die sind vergleichsweise kostengünstig.

Das soll es dann auch an Relativierung des BVB-Höhenfluges sein. Denn die Art und Weise, mit der der lange Zeit belächelte Michael Zorc als Sportchef und letztlich Klopp als Trainer Jugendliche hochgezogen und verpflichtet haben, spricht eine klare Sprache. „Der BVB ist für mich der Topfavorit auf den Titel“, lobte jetzt auch HSV-Trainer Armin Veh, der selbst ein großer Verfechter dieses jugendlich-frischen Offensivfußballs der Westfalen ist. „Der BVB in dieser Form erinnert mich an uns im Meisterjahr“, erzählt Veh und meint mit „uns“ sich und seine Spieler beim VfB Stuttgart in der Saison 2006/2007. „Und ich glaube auch, dass diese Dortmunder trotz ihrer durchschnittlich sehr jungen Jahre nicht zusammenbrechen werden. Noch nicht mal unter der Doppelbelastung mit dem Europapokal.“ Lediglich das Ende der Saison könnte kritisch werden, da dort junge Spieler oft mehr über die Folgen möglicher Erfolge und Niederlagen nachdenken als erfahrene Spieler.

Klingt Logisch. Und so, als habe der HSV den nötigen Respekt vor dem nächsten Gegner. Denn das wird nach all dem Lob für die wahrlich beeindruckende zweite Halbzeit gegen Hoffenheim nötig sein. „Wir haben Selbstvertrauen getankt“, sagen unisono Veh wie seine Spieler. „Aber wir wissen auch, was auf uns zukommt.“ Ob der HSV als Underdog ins Spiel geht? „Dortmund hat mehr Konstanz gezeigt“, gibt der HSV-Trainer zu. Das sei bei seinem Team schon durch die andauernden Systemwechsel durch neue Verletztensituationen schwer möglich. Auch jetzt, vor der Partie beim Spitzenreiter droht ein Ausfall. „Jonathan Pitroipa hat von unserer medizinischen Abteilung Trainingsverbot erteilt bekommen“, erzählte uns Veh heute. Dennoch glauben beim HSV – allen voran Pitroipoa selbst – an die Einsetzbarkeit des Außenstürmers. Womit Veh erstmals in dieser Saison die gleiche Startelf aufbieten kann.

Betrachtet man das heutige Training, scheint derf Spaß beim HSV wieder einzukehren. Nach einem (mal wieder) sehr langen Kreisspiel und einer kurzen Passspieleinheit folgte eine längere Torabschlussübung. Und die machte allen Laune. Fans wie Spielern. Flanken von beiden Seiten sollten im Zentrum verwandelt werden. Und das klappte. Zumindest so oft, wie wie der bärenstarke Jaroslav Drobny nicht wieder irgendein Körperteil zwischen Tor und Ball bekam.

Allerdings war auch der tschechische Hüne manchmal machtlos, wenn Paolo Guerrero einen Volley voll traf, Joris Mathijsen mit ungeahnten, technischen Fertigkeiten einnetzte oder der vor Spiellaune sprühende Mladen Petric mit der Hacke, per Seitfallzieher oder gar Fallrückzieher traf. Lächelnd bestaunt vom offensichtlich wieder besser gelaunten Armin Veh. Gerade rechtzeitig, wie Mathijsen findet: „Wir haben im Jahr vielleicht zwei, drei oder vier Spiele, in denen wir wirklich gewinnen müssen oder zumindest partout nicht verlieren dürfen. Und Dortmund ist so ein Moment.

Ein besonderer sogar für Mladen Petric. Immerhin spielte er mal für Schwarz-Gelben. Und das sogar ziemlich erfolgreich. Bis der torgefährliche Kroate aussortiert und gegen Mohamed Zidan plus vier Millionen Euro getauscht wurde. Ob noch etwas Restwut da ist? „Nein, warum“, stellt Petric die Gegenfrage. Für ihn sei das Spiel zudem nichts Besonderes mehr. Allerdings, und da lege ich mich fest, bei dem Kroaten ist seit der Hoffenheim-Partie ein Knoten geplatzt. Wer Petric kennt, der weiß, dass ihn (außer seiner Familie selbstredend) nichts glücklicher macht als Tore. Vor allem, wenn seine Treffer wie gegen Hoffenheim siegbringende sind und er gefeiert wird.

Das wiederum ist gut für den HSV. Petric zählt zu den beliebteren Spielern im Kader. Er ist einer von denen, die maßgeblichen Anteil an der internen Stimmungslage haben. Das wird ihm von Vereinsseite immer wieder vorgeworfen, da er gerade in Phasen seiner Vertragsverhandlungen angeblich „Politik“ und somit Stimmung machen würde. Aber die Kluboberen wissen auch, dass ein gut gelaunter, zudem treffsicherer Petric Gold wert ist. Wie im Moment.

Apropos Moment: Heiko Westermann hatte am Sonnabend einen sehr schönen (das Tor), allerdings auch etliche nicht so schöne Momente. Und trotz aller Beteuerungen von Veh und ihm selbst, die Pfiffe gegen seine Person machten ihm nichts aus, hatte ich gezweifelt. Ich habe befürchtet, Westermann würde noch nervöser. Und damit lag ich glücklicherweise falsch. Westermann besticht im Training mit Ballfertigkeit. Nichts zu sehen von verspringenden Bällen, Fehlpässen und anderen Ausrutschern.

Das Gegenteil ist der Fall: der Kapitän marschiert in allen Übungen vorweg. Er wirkt fit, motiviert sowie ball- und vor allem selbstsicher. Sollte sich dieser Eindruck in den nächsten Spielen bestätigen, werde ich hier ganz öffentlich meinen Hut vor ihm ziehen. Denn, sich so aus der Krise zu mausern ist stark. Unbeirrt seinen Weg zu gehen, bis sich der Erfolg wieder einstellt, das verdient Respekt.

Noch weit, weit mehr als das verdient in meinen Augen Hermann Rieger. Hermann hat sich über Jahrzehnte für den HSV aufgeopfert, ist bei allen Erfolgen stets der Mann geblieben, der er war, als er aus Mittenwald nach Hamburg kam. Hermann krank zu sehen treibt mir, da bin ich ganz ehrlich, Tränen in die Augen. Ein Mensch, der sein Leben lang das Wohl seiner Mitmenschen über das eigene gestellt hat, verdient es meinem Selbstverständnis nach einfach, ewig gesund zu sein.

Aber leider ist das Leben anders. Das Leben hat keinen Platz für derartige Träumereien. Und jetzt ist Hermann krank. Sehr krank sogar. Ein Tumor musste ihm aus dem Kopf operiert werden. Deshalb war ich hoch erfreut (allerdings keineswegs überrascht), als ich Eure Vorschläge gelesen habe. Es ist toll zu sehen, dass Hermann auch bei Euch so viel Wirkung hinterlassen hat. Und es ist eine tolle, wirklich hoch zu bewertende Geste, dass Ihr Euch ihm mitteilen wollt. Deshalb werde ich, sobald Ihr Euch entschlossen habt, in welcher Form Ihr Eure Genesungswünsche überliefern wollt, selbstverständlich alles in meiner Macht stehende machen, um ihm diese zeitnah zukommen zu lassen.

Auch wenn ich mir bei Hermann ganz sicher bin, dass der alte Kämpfer schon sehr bald wieder auf die Beine (und dann ganz sicher auch in die Imtech-Arena) kommen wird, diese Aktion find ich toll! Sie wird ihm helfen! Danke Euch!

In diesem Sinne will ich zum Abschluss dieses Blogs zuerst Hermann eine schnelle Genesung wünschen. Allerdings, und damit ist der Bogen zum Sportlichen schnell geschlagen, ich bin mir ganz sicher, dass ein Sieg beim BVB dazu beitragen würde.

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