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4:1-Sieg – die Hoffnung stirbt zuletzt!

11. Mai 2013

Der HSV lebt noch. Am 33. Spieltag gab es den ersten Sieg in Sinsheim, oder besser gesagt, bei der TSG 1899 Hoffenheim, der mit 4:1 noch recht üppig ausfiel. Der HSV zeigte diesmal eine seiner besten Leistungen dieser Saison und darf noch bis zuletzt vom Weg nach Europa träumen. Weil es Eintracht Frankfurt mit dem 1:1 in Bremen noch spannend gemacht hat. Freiburg ist vom HSV aber nicht mehr einholbar, weil es in Fürth mit viel, viel Glück einen 2:1-Sieg gab. Der HSV wird seinen Chancen nachtrauern, denn den europäischen Start hat die Mannschaft von Thorsten Fink in den Heimspielen gegen Fürth, Augsburg und Freiburg vergeben. Aber, es gibt sie ja noch, die Minimal-Chance für den HSV – dank Frankfurt oder auch dank Bremen. Es lebe die Hoffnung.

Sie haben sich noch nicht aufgegeben. Das habe ich Mitte der Woche geschrieben. Und habe so bei mir gedacht: „Naja, was sollen die Spieler, was soll der Trainer und was sollen die Verantwortlichen schon sagen? Lieber eine Woche noch an einen Strohhalm klammern, an einen ganz, ganz kleinen und dünnen Strohhalm, als schon eine Woche lang erklären müssen, warum es nicht mit Europa geklappt hat. Aber die Mannschaft und ihr Chef Thorsten Fink, sie haben alle Ernst gemacht. Von Beginn an wurde im letzten Auswärtsspiel der Saison auf das Gaspedal gedrückt. Der HSV war heiß, war bissig, war aggressiv. Und hätte fast schon nach wenigen Sekunden in Führung gelegen: Eckstoß Rafael van der Vaart von rechts, Kopfball in der Mitte von Marcell Jansen – der Ball streicht am langen Eck vorbei. Fast wäre Heung Min Son noch herangekommen, aber das war schon mal ein verheißungsvoller Auftakt.

Thorsten Fink hatte seine Mannschaft doch noch einmal umgekrempelt. Dennis Aogo kam links zum Einsatz, weil Son in die Sturmmitte rückte – denn Artjoms Rudnevs blieb auf der Bank. Und im rechten Mittelfeld spielte Petr Jiracek, auf jener Position, die ihm vor dem letzten Heimspiel gegen Wolfsburg auch schon zugedacht war. Und, um es einmal, vorweg zu nehmen: Thorsten Fink hat mit dieser Aufstellung alles richtig gemacht.

Das zeigte sich schon beim ersten HSV-Tor an diesem Nachmittag. Dennis Diekmeier sprintete mit Ball von der Mittellinie recht los, rannte und rannte, zog dann von der Rechtsaußen-Position (auf Höhe Elfmeterpunkt) eine traumhafte Flanke zur Mitte, in die Son am Elfmeterpunkt stieg – und die Kugel super in die lange Ecke köpfte. Hoffenheim-Keeper Casteels rutschte zwar bei seinem Abwehrversuch aus, aber die Experten, die um mich herumsitzen, waren sich einig: „Den hätte der Torwart auch ohne auszurutschen nicht bekommen . . .“ Ich will ihnen mal glauben. Auf jeden Fall ein Tor aus dem Bilderbuch, und ein ganz wichtiges für den HSV (18.).

Zehn Minuten später hätte es schon 2:0 stehen müssen. Son bediente den mitgelaufenen Jiracek, der kreuzte völlig frei vor dem TSG-Tor auf und konnte sich die Ecke aussuchen. Der Tscheche entschied sich – völlig richtig – für die lange, für die linke Ecke, schlenzte den Ball mustergültig am Keeper vorbei – aber auch um Zentimeter am Pfosten vorbei. Das war Pech. Viel Pech sogar.

Das 2:0 fiel aber trotzdem. Rafael van der Vaart sah Son in die halbrechte Gasse starten, der Pass kam zuckermäßig, der Südkoreaner nahm den Ball mit der Brust mit, umkurvte Torwart Casteels und schoss. Und nun rätseln die Experten: War es ein Torschuss, oder war es doch eher ein kluger und sehenswerter Rückpass? Wir entschieden uns hier, im Block House Eidelstedt, mit 4:0 für Rückpass. Egal wie, es war großartig gemacht, Borussia Dortmund wird es wahrscheinlich sehr gerne sehen (warum wohl?) – und Aogo hat es auch sehr, sehr gerne gesehen, denn der Nationalspieler musste den Ball nur über die Torlinie drücken. Sein zweites Saisontor. Und natürlich lief er sofort zu Son, um sich für diesen Treffer zu bedanken (35.). Das sah schon ganz verdächtig nach großartigem Fußball aus. Der HSV war in dieser Phase eindeutig der Chef im Ring. Hoffenheim kam lediglich einmal recht gefährlich vor das HSV-Tor, als Rene Adler nach einem Freistoß etwas unfair attackiert wurde (Volland) und am Ball vorbeisprang. Die anschließende Flanke köpfte Volland dann auf das Tor, doch zum Glück war Marcell Jansen auf die Torlinie zurückgeeilt und drosch die Kugel wieder Richtung Mittellinie (43.). Gut gemacht, „Cello“! Halbzeit. Und auf dem Gang in die Kabine beschwerte sich Adler noch bei Schiedsrichter Dingert (der ansonsten sehr gut pfiff).

Mit dem Anpfiff zum zweiten Durchgang begann der Sturmlauf der Hoffenheimer. Der HSV konnte sich selten aus dieser Umklammerung lösen, aber einmal gelang es ganz entschieden: Nach einem abgewehrten Ball schoss Diekmeier aus der halblinken Position – eigentlich weit vorbei – Heiko Westermann bekam die Kugel im zweiten Versuch unter Kontrolle, überließ sie Jansen, der den Ball flach zu Mitte beförderte. Dort stand mutterseelenallein Jiracek, der ohne große Mühe zum 3:0 einschoss. Die Vorentscheidung (60.).

Einziger Schönheitsfehler an diesem Treffer – im Gegenzug schoss Volland zum 1:3 ein, unhaltbar für Adler. Noch einmal durfte dann der HSV dagegen von einem Tor träumen, als Milan Badelj seine Spitze Son schickte. Wie einst in Mainz lief der Torjäger auf das TSG-Tor zu, legte sich die Kugel dann aber etwas zu weit vor – Casteels hielt (69.). Der Rest war Abwehrkampf – und ein Konter. Badelj schickte den eingewechselten Rudnevs, und der traf mit links zum 4:1. Das zwölfte Saisontor für den Letten (88.).

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt großartig, auf ihn war stets Verlass – einmal sah er unglücklich aus, als er von Volland unfair attackiert wurde, aber das blieb ohne Folgen.

Dennis Diekmeier bot eine sehr engagierte Partie ab, er lief rauf und runter und machte seine rechte Seite ziemlich dicht. Nur in der 66. Minute sah er einmal schlecht aus – Schwamm drüber. Note drei.

Heiko Westermann war wieder einmal unheimlich wertvoll, denn er hatte so oft noch seinen Kopf oder auch nur die Stiefelspitze zwischen einem gut gemeinten TSG-Pass. Der Bundestrainer sah bei dieser Partie zu, er wird es mit Freude registriert haben, wie gut Westermann in Form ist. Note zwei.

Slobodan Rajkovic räumte hart, gelegentlich etwas rustikal ab, aber das zeigte Wirkung. „Slobo“ bot eine solide Partie, Note drei.

Marcell Jansen hatte wieder eine sehr gute erste Halbzeit, dann ließ er ein wenig nach. Ohne abzustürzen. Beim 1:3 aber sah er nicht sehr glücklich aus, als er nur mit der Hacke einen Pass abblocken wollte – das war eine falsche Idee, weil einfach zu simpel.

Tomas Rincon wurde oft hart und auch überhart attackiert, aber er, der sonst so austeilt, steckte alles super weg. Das war eine gute Partie, er spielte zuverlässig und konzentriert – Note drei.

Milan Badelj war ein wichtiger Mann in dieser HSV-Mannschaft, spielte viele gute Bälle, eroberte auch einige – das sah teilweise schon wie in der Hinrunde aus, als er überragend spielte.

Petr Jiracek war auch rechts ein Gewinn, er arbeitete enorm viel und vor allen Dingen ohne Pause für die Mannschaft, das war besonders wertvoll. Und er krönte diese Partie mit seinem ersten Saisontor. Note drei.

Dennis Aogo durfte – etwas überraschend – auf link ran und bedankte sich mit einer engagierten Fließleistung – und mit seinem zweiten Saisontor.

Rafael van der Vaart war der Chef in dieser HSV-Mannschaft, auch wenn die ganz großen Szenen wieder fehlten. Dennoch, und das hat in dieser Woche Trainer Fink schon gesagt: „Wenn es gefährlich nach vorne geht, dann hängt meistens van der Vaarts linker Fuß damit zusammen.“ So ist es. Note drei.

Heung Min Son schoss sein zwölftes Saisontor und legte das 2:0 vor, wirkte unternehmungslustig und wirbelte viel – das war eine gute Bewerbung für eine Mannschaft aus der Champions League. Note zwei. Ging in der 77. Minute mit einem Wadenkrampf raus.

Per Ciljan Skjelbred (ab 65. Min. für Aogo) stopfte fleißig – so wie er von Natur aus ist – noch etliche Löcher. Was gut an diesem wuseligen Norweger ist: Er braucht selten eine längere Anlaufzeit.

Artjoms Rudnevs (ab 77. Min. für Son) konnte eigentlich nur noch verteidigen, denn der HSV stand zu diesem Zeitpunkt unter Dauerdruck.

Maximilian Beister (ab 90. Min. für Jiracek) durfte die Siegprämie noch einheimsen. Mehr war nicht drin.

So, das war es mit dem letzten Auswärtsspiel des HSV in der Saison 2012/13. Gleich aber geht es noch ein wenig weiter, denn wir sind, und zwar in einigen Minuten, mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über das Hoffenheim-Spiel reden. Und zwar mit unserem Gast Holger Hieronymus, dem ehemaligen Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Trainer und HSV-Sportchef sowie DFL-Geschäftsführer. Und dazu ist „HH“ natürlich – und für mich sogar in erster Linie – einer der HSV-Helden von 1983, vom Europapokal-Sieg über Juventus Turin. Wir freuen uns. Auch auf euch.

17.29 Uhr

Van der Vaart vor seinem 100. Spiel

9. Mai 2013

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ich habe mich heute leicht „versabbelt“, die älteren User unter uns werden mit dem Namen noch etwas anfangen können: Bernd Dörfel. Der frühere Nationalspieler des HSV und jüngerer Bruder von Gert „Charly“ Dörfel lebt im Süden der Republik und war mal wieder im Lande. Er rief bei mir in der Redaktion an und sagte: „Lass uns mal gemeinsam eine Tasse Tee trinken . . .“ Gesagt, getan. Und dabei haben wir über alte Zeiten gesprochen – herrlich. Es hätte noch Stunden dauern könne, aber ich musste ja noch etwas schreiben . . . In einer Woche folgt Treffen Nummer zwei, da nehme ich mir dann etwas mehr Zeit, indem ich vorarbeite. Also, sorry allen „Matz-abbern“, die nun zu lange warten mussten – am Vatertag. Übrigens: Allen Vätern herzlichen Glückwunsch zu ihrem Tag! War ja nicht so tolles Bollerwagen-Wetter. Nun gut, Mann kann nicht alles haben.

Zum Fußball. Ganz aktuell gibt es etwas Erfreuliches vom HSV zu berichten, den die „Zweite“ setzte auch heute ihre Siegesserie in der Regionalliga fort. Gegen den Tabellenzweiten TSV Havelse, vom ehemaligen HSV-Profi Andre Breitenreiter trainiert, gab es einen überraschenden 2:1-Erfolg. Die Torfolge vor 310 Zuschauern in Norderstedt: 1:0 George Kelbel (9.), 1:1 Tayar (43.), 2:1 Fabian Graudenz (62.). Rettung ist in Sicht. Zumal der Konkurrent aus Oberneuland in erster Instanz noch keine Lizenz für die Regionalliga bekommen hat.

Das ist doch mal eine Sache – so wie sich die „Zweite“ von Rodolfo Cardoso entwickelt hat. Könnte sich die Mannschaft von Thorsten Fink sehr gerne ein Beispiel dran nehme Wobei ein Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim wohl durchaus etwas schwieriger werden dürfte, denn dort hat der HSV bislang noch nie gewonnen, hat er lediglich ein kleines Pünktchen geholt (mit einem 0:0). Drei weitere Spiele gab es im Süden gegen Hoffenheim, und die Ergebnis lauten wenig schmeichelhaft für den HSV: 0:3 (in Mannheim), 1:5 und 0:4.

Es wird, da muss man kein Prophet sein, auch diesmal sehr schwer. Trainer Thorsten Fink über Hoffenheim, das ums nackte Überleben kämpfen wird: „Das 2:2 in Bremen kann der TSG natürlich noch einmal einen Auftrieb gegeben haben, gerade nach einem 0:2-Rückstand dann noch zum Ausgleich zu kommen, das setzt schon Kräfte frei. Für die Moral war das bestimmt hervorragend. Trotzdem sind die Hoffenheimer natürlich darauf angewiesen, was die anderen Clubs machen, und das ist immer schwierig – man muss immer auf die Anzeigentafel gucken. Trotz allem ist Hoffenheim eine Mannschaft mit technisch hervorragender Qualität, und eine Mannschaft, die wieder an sich glaubt. Und das ist immer besonders schwierig, gegen solche Teams zu spielen.“

Wenn ich richtig gerechnet habe, dann steht Rafael van der Vaart an diesem Sonnabend vor seinem 100. Bundesliga-Spiel. Eine stolze Zahl für den 30-Jährigen. Der „kleine Engel“ hat in seinen Leistungen zugelegt, seit er Kapitän des HSV geworden ist, und er sagt über sich: „Ich denke, dass ich immer noch besser kann. Fünf Tore, zehn Vorlagen – damit bin ich nicht ganz zufrieden, ich will damit aber auch nicht unzufrieden sein.“ Es ist noch Luft nach oben da. „Rafa“ weiß das. Und das ist schon mal gut so.

Thorsten Fink sagt über seinen „Chef“: „Man braucht immer ein Jahr, um ganz wieder reinzukommen, aber Rafael hat das ordentlich gemacht. Die Verletzungen haben ihm leider ein wenig zugesetzt, aber gerade jetzt als Kapitän hat er sich gesteigert, er füllt seine Rolle immer besser aus – hat Tore geschossen und vorbereitet, die Standards kommen auch wieder besser, von daher bin ich schon sehr zufrieden. Insgesamt, so denke ich, können wir uns alle noch ein wenig steigern.“ Rückblickend, nämlich zum verkorksten Saisonstart, als danach Rafael an der Vaart zu HSV kam, befindet Fink: „Rafa war enorm wichtig für die Mannschaft. Er hat der Mannschaft Halt gegeben, neues Vertrauen und neue Hoffnung. Er hat auch dem gesamten Umfeld neue Hoffnung gegeben, und er hat positive Energie versprüht. Wenn ein Mensch das spürt, dann kann er bessere Leistungen abrufen, und das war damit gegeben. Er war ein absoluter Führungsspieler, bis er sich verletzt hat. Ich bin, man darf da nicht unbedingt das letzte Spiel gegen Wolfsburg sehen, schon sehr zufrieden mit ihm, das kann ich nur sagen. Rafa ist eigentlich an allen gefährlichen Situationen, die wir vor dem gegnerischen Tor haben, beteiligt.“

Dann fügt Fink noch ergänzend an: „Es wird mit ihm vom Spielerischen her in der neuen Saison noch besser mit ihm werden, davon ich restlos überzeugt.“ Dass dem Niederländer die Kapitänsbinde sehr gut getan hat, das weiß auch Thorsten Fink: „Es hat ihn vorangebracht. Und ich möchte niemanden weh tun, aber wenn ein Vize-Weltmeister nun Dinge innerhalb der Mannschaft anspricht, dann hört der eine oder andere Spieler ganz sicher noch intensiver zu. Allein dadurch hat Rafa uns schon geholfen und vorangebracht.“

Übrigens: Es ist nicht „alles Rafa – oder was?“. Rene Adler ist ja ach ein ganz, ganz wichtiger Eckpfeiler dieser HSV-Mannschaft – und dieser Adler, der so unglaublich gut fliegen kann, hat in seiner Bundesliga-Karriere noch nie gegen Hoffenheim verloren. Fünf Siege und ein Unentschieden. Ich drücke ihm die Daumen, dass daraus nun sechs Siege werden . . .

Und wo ich gerade dabei bin, schnell noch einen kurzen Blick zum Gegner des HSV. „Unsere Mannschaft hat in den letzten Wochen eindeutige Signale gesendet, wo sie hin will und wie wir die Zuschauer abholen wollen. Es ist wieder Leben drin“, meinte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol und fügte hinzu: „Wir haben viel Freude verursacht, wie wir versuchen, Fußball zu spielen. Die Zuschauer sind wieder dabei.“

Zuletzt in Bremen hatte sich Sven Schipplock mit einem Doppelpack empfohlen. Der Stürmer könnte dieses Mal in die Startelf rücken. „Es ist tatsächlich eine Überlegung. Der Junge ist gut drauf“, sagte Gisdol. Umbauen muss der Chefcoach in jedem Fall: Verteidiger Jannik Vestergaard sitzt seine Gelb-Sperre ab, Mittelfeldspieler Sebastian Rudy hat sich eine Muskelverletzung zugezogen, sein Einsatz ist sehr fraglich.

Abwehrspieler David Abraham (Nachwehen eines Muskelfaserrisses), Sejad Salihovic (Wadenprobleme) und Tobias Weis (Zerrung in der Hüfte) sollen auf die Zähne beißen. Mit der Verjüngung der Mannschaft hat Gisdol gleich nach seinem Amtsantritt am 2. April begonnen. Die beiden A-Jugendlichen Niklas Süle und Jeremy Toljan haben eine realistische Einsatzchance, betonte der Trainer ausdrücklich.

PS: Trainiert wird beim HSV an diesem Freitag um 11 Uhr im Volkspark.

19.11 Uhr

Aufgegeben haben sie alle noch nicht . . .

7. Mai 2013

Um es gleich einmal auf das Trapez zu bringen: „Pipo“ ist noch nicht fit, wird also am Sonnabend gegen Hoffenheim nicht spielen können, noch nicht spielen können. Der „neue Mann“ des HSV, ein langmähniger Weltstar, der einem Juan Pablo Sorin wie ein Bruder ähnelt, hat beide Beine weiter im Gips und dürfte erst zur nächsten Spielzeit in den Kampf um einen Stammplatz eingreifen können. Wenn überhaupt. Vielleicht greift er ja auch gar nicht ein. Letzteres ist eigentlich auch viel wahrscheinlicher, obwohl „Pipo“ jetzt gerade von Trainer Thorsten Fink und Medien-Direktor Jörn Wolf vorgestellt worden ist. Allerdings, und das macht die Sache dann doch auch ein wenig schwieriger, nur in der neuen „Olli-Dittrich-Sendung“ „Frühstücksfernsehen“. Ein Jux. Mehr nicht. Aber ein toller. Und wenn dieser „Pipo“ real wäre, dann wäre er auf jeden Fall ein Gewinn für den HSV – denn „Pipo“ sieht gefährlich aus. Der könnte es, so er dann von der Leine gelassen werden würde. Aber gut, er wird wohl nie kommen, und das nicht nur wegen seiner Gips-Beine. . .

„Der „Pipo“ wäre in der Tat eine riesige Verstärkung für Sonnabend. Schade dass er noch ein wenig gehandicapt ist – der Gips . . .“, sagt Fink und fügt hinzu: „Das war eine schöne Sache, mal mit Olli Dittrich zu drehen, es hat viel Spaß gebracht. Stimmt. Herrlich war es.
Nun aber zum wirklich wahren Fußball – zum HSV. Letztes Auswärtsspiel vor Grenze an diesem Wochenende, und gewiss kein so leichtes, denn die Hoffenheimer müssen noch arg strampeln, damit sie die Erste Liga nicht verlassen müssen. Es wird für den HSV also noch einmal richtig hart werden, da geht es schon noch einmal auf die Socken. Und wer weiß, vielleicht sehen wir sie ja doch noch, die Pferde, die vor der Apotheke k . . . Fink prophezeit für Sonnabend: „Die werden um ihr Leben fighten, das wissen wir, da muss man dagegenhalten, und dann haben wir am Ende vielleicht die Chance, das Spiel zu gewinnen.“ Um eventuell doch noch in diesem Jahr international starten zu können . . .

Thorsten Fink jedenfalls hat noch nicht aufgegeben. Darf er ja schon von Berufs wegen nicht. Er sagt: „Es können uns ja alle aufgeben, aber an den letzten beiden Spieltagen ist schon oft schon etwas Verrücktes passiert . . . Wir schauen ganz einfach mal. Und dann sehen wir, wohin es geht, ob da noch etwas für uns geht. Wichtig ist nur, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wenn noch eine Chance da ist, dann sollten wir die auf jeden Fall versuchen zu nutzen. Dass die Chance für uns jetzt sehr klein geworden ist, das ist natürlich klar, wir wissen, dass wir auch von Ergebnissen der anderen Clubs abhängig sind.“

Ganz aufgegeben hat nicht nur der Trainer noch nicht, so voll und ganz aufgegeben haben sie den Traum von Europa ja alle noch nicht beim HSV. Offiziell jedenfalls. Wer weiß schon, wie es innen bei den Spielern und den Verantwortlichen aussieht? Rafael van der Vaart sagt über die E-Chancen des HSV: „Es ist natürlich schwer, aber wenn es noch eine kleine Chance gibt, dann muss man dafür alles geben.“ Dann zieht der Niederländer schon mal ein kleines Vorab-Resümee: „Man darf, das habe ich immer gesagt, nicht vergessen, woher wir gekommen sind – wir waren ein Abstiegskandidat. Und dann sind wir nach oben gekommen, im Moment sind wir auf Platz sieben, damit wären wir vorher zufrieden gewesen. Im Moment aber sind wir enttäuscht, dass wir die Chance Europa League nicht, noch nicht genutzt haben, aber vielleicht wird das ja doch noch was . . . Und wenn wir es dann doch noch schaffen sollten, dann wäre es auf jeden Fall eine Super-Leistung von jedem.“

Für Thorsten Fink stehen die beiden noch zu spielenden Bundesliga-Partien im Moment noch eindeutig im Vordergrund, sodass er sich nicht so gerne mit der neuen Saison beschäftigen möchte. Ein Schlussstrich soll beim HSV erst nach dem Leverkusen-Spiel gezogen werden. Bis dahin halten sich Trainer, Sportchef Frank Arnesen und der Vorstand um Carl-Edgar Jarchow noch vornehm zurück. Immerhin verriet aber Fink schon mal (heute), wie und wo er sich Verstärkungen vorstellt: „In allen Mannschaftsteilen brauchen wir Verstärkungen, Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Das ist nicht viel. Wobei wir ja für das Mittelfeld schon etwas getan haben, indem wir zwei junge Leute verpflichtet haben.“ Über Bojan Krkic, der nun überall gehandelt wird (als HSV-Neuzugang), wollte der Coach nichts sagen: „Ich habe mir im Moment keine Gedanken über diesen Spieler gemacht. Ich möchte diese Saison erst abschließen, bevor ich mich über Spieler unterhalten werde, die eventuell überhaupt was weiß ich ein Thema sein könnten.“ Oha, das war schwer, da noch gerade und soeben die Kurve zu bekommen – aber geschafft. Irgendwie kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass da in der Sache mit Krkic doch etwas dran ist – für den HSV.

Abwarten. Mehr bleibt im Moment ja nicht. Am heutigen Training hat wieder Marcell Jansen teilgenommen, und zwar so wie immer – er war gut. Dennis Aogo hat wegen seiner Kapselverletzung noch gefehlt, ebenso Michael Mancienne, der wohl in dieser Saison keinen Einsatz mehr haben wird.

Nach dem offiziellen Vormittags-Training fand heute noch eine ganz besondere Veranstaltung statt:

Auf dem Kunstrasenplatz an der Imtech Arena trainierte an diesem Dienstag nach den Profis des Hamburger Sport-Vereins eine Straßenfußballmannschaft im Rahmen der Initiative Anstoß! e.V., die vom Hamburger Weg und seinem Unternehmenspartner Care-Energy unterstützt wird. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart gab nicht nur Tipps für ein erfolgreiches Fußballspiel, sondern überreichte den Straßenfußballern darüber hinaus zusammen mit Martin Richard Kristek, CEO der mk-group Holding GmbH „Care-Energy”, einen Satz Trikots für die Deutschen Meisterschaften am 7. und 8. Juni in Lübeck. Hier haben einzelne Spieler aus dem Team die Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaften des Homeless World Cup in Polen zu qualifizieren.

Kristek: „Es freut mich persönlich sehr, mit unserem sozialen Engagement, für das das Haus Care-Energy bekannt ist, Menschen helfen zu können. Dies zeigt einmal mehr, dass es unsere Verpflichtung als Energieversorger ist, sozialverantwortlich zu agieren.”

Anstoß! e.V. ist ein im Jahr 2007 gegründeter Verein, der über den Sport soziale Integration geltend machen möchte. Zielgruppe der Aktivitäten, zu der auch der Straßenfußball für Obdachlose zählt, sind arme und sozial ausgegrenzte Menschen.

„Sport verbindet und bietet gerade jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Energien positiv umzusetzen und einen respektvollen Umgang miteinander zu lernen. Ich finde es toll, dass über den Fußball unterschiedlichste Menschen zusammen finden und drücke ‚meinem’ Team in Lübeck ganz fest die Daumen. Denn bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein ist das Beste, was einem als Fußballer passieren kann”, so Rafael van der Vaart.

So, ich komme zum Schluss. Bevor ich mich jedoch verabschiede, muss ich noch einmal ein herzliches Dankeschön loswerden. Jetzt, wo die Saison dem Ende zugeht, nehmen die Mails, sms, Anrufe und Leserbriefe an mich persönlich und privat noch einmal zu. Danke. Aus gegebenem Anlass muss ich aber noch einmal sagen, dass es mir unmöglich, allen Menschen, die mir schreiben, zu antworten. Dann müsste mein Tag 43 Stunden haben – und mehr. Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich hier stets mal einen Brief, und das möchte ich auch heute machen. Der Absender, der mir namentlich natürlich nicht bekannt ist (das ist meistens so!), geht sehr kritisch mit mir um, aber da nicht gepöbelt oder unterhalb der Gürtellinie operiert wird, kann ich damit leben. Der Manns schreibt:

„Hallo Dieter,

einen schönen Blog haben Sie, ist es Ihre private persönliche Meinung die Sie äußern oder die des Hamburger-Abendblattes? Ich lese gerne Ihre Kommentare und Neuigkeiten über den HSV, doch in letzter Zeit gehe ich mit Ihnen nicht mehr konform!

Zu meiner Person: ich bin 45 Jahre alt, komme aus der Nähe von Wentorf und bin seit meiner Kindheit HSV-Fan! Behaupte ich kenne mich aus, jedoch fehlen mir die Internas ;) )!

Nun, Ihre Meinung (vor allem nach dem Wolfsburgspiel) ist, diese Saison war enttäuschend! Der HSV hätte die Europaleague erreichen müssen! Das heißt für mich, Ihre Erwartungshaltung ist zu groß, – ist es Ihre persönliche? Ich persönlich bin der Meinung es geht aufwärts!

Zu Beginn der Saison 2012/13 schreiben Sie und sind der Meinung, dass der HSV absteigt! Gar nicht einen einstelligen Platz erreichen würde, dann im Verlauf ändern Sie Ihre Meinung es wird ein einstelliger Platz, dann wiederum, sprechen Sie von Europa usw.! Sie als fast Insider finde ich es schade, dass Sie so negativ über den HSV in der letzten Zeit berichten! Es ist ein einstelliger Tabellenplatz ausgegeben worden! Den erreichen wir und ist die Saison deshalb schlecht? Es ist nur realistisch gewesen! Sicherlich wäre es schön, Europa zu erreichen!!! Aber ich könnte mir gut vorstellen, selbst das würde nicht reichen auch dann würde bzw. wird es heißen hier und da haben wir Punkte liegen gelassen und hätten in der Championsleague spielen können bzw. immerhin Europa, diese Saison war mehr drin!

Immer nur negativ! Warum?! Seit 2003 haben wir bis 2009 oder 2010 immer international gespielt! Nun erfolgte der Umbruch! Sie sagten selber, dem HSV Zeit geben! Geben Sie ihm Zeit? Es wird immer so weiter gehen! Die Erwartung stimmt in Hamburg nicht mehr! Aber warum? Wenn Sie mehr wollen, werden Sie doch Bayern-Fan!
Klar ist noch nicht alles super! Aber jetzt kann es schon für die neue Saison losgehen! Wissen Sie wie die internen Verträge aussehen? Warum sind beim HSV immer so viele verletzt? Lassen wir uns überraschen was die neue Saison bringt! Vielleicht das Ausscheiden in der 3. Runde des DFB-Pokals ;) )! Wieder negativ oder?!!

Nur der HSV 1887“

Dazu möchte ich sagen: Ich habe zuletzt auch immer wieder Meinungen gehört und gelesen, die genau gegenteiliger Meinung sind. Die User haben mir immer wieder unterstellt, dass ich zu lieb mit dem HSV umgehe, umgegangen bin. Ich enthalte mich da einer Beurteilung, weil ich längst schon durch meinen Job gelernt habe, dass ich es nicht allen Leuten recht machen kann. Dem „1887“ aber möchte ich nur mal einen Ausschnitt aus meinem Wolfsburg-Spielbericht zu lesen geben – ob das dann wirklich so negativ war, was ich da über den HSV geschrieben habe.

Dass der HSV in dieser Saison absteigt, habe ich bestimmt nie geschrieben, dass ich Angst vor einem Abstieg hatte, das sehr wohl, das gebe ich auch zu. Nur was war daran verwerflich? Nach der vorangegangenen Saison, in der der HSV dem „Tod“ (in der Bundesliga) noch gerade von der Schippe gesprungen ist?

Herr „1887“, lesen Sie doch bitte nur einen Ausschnitt nach dem Wolfsburg-Spiel, es stand da im ersten Absatz zu lesen:

„ . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.“

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt. Am Donnerstag wird dann der freie Tag, den es in dieser Woche noch nicht gab, „nachgeholt“. Thorsten Fink: „Einige Trainer machen das so, dass sie den freien Tag in die Mitte der Woche legen, und ich habe jetzt am Ende der Saison das Gefühl, dass es der Mannschaft mal gut tun könnte, so zwei Tage vor dem Spiel mal einen Tag Pause zu haben. Der Hermann Gerland hat das früher immer so gemacht.“ Und wir werden es beobachten. Vielleicht tut es der Mannschaft ja tatsächlich mal gut, den Rhythmus zu wechseln.

PSPS: Auch an diesem Sonnabend sind wir wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, wieder aus dem Block House in Eidelstedt, unser Gast wird dann der ehemalige Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Sportchef und langjähriger DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sein. Wir freuen uns sehr auf diesen großartigen Interview-Partner.

18.03 Uhr

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