Archiv für das Tag 'HSV'

3:2 gegen Frankfurt – Holtby erlitt Schlüsselbeinbruch

15. Januar 2015

******* Ergänzungam Freitag: Jetzt ist es Gewissheit, Lewis Holtby hat sich beim Testspiel-Sieg gegen Frankfurt schwer verletzt. Der Mittelfeldspieler zog sich den befürchteten Schlüsselbeinbruch zu und wird voraussichtlich zehn Wochen ausfallen. **********
Hier der Bericht vom Spiel gestern:



 

Sieh, sieh an, der HSV! Kann doch noch Tore schießen. Nach 90 Minuten stand ein knapper, aber verdienter 3:2-Erfolg gegen Frankfurt auf dem Papier. Dabei ließ die Hamburger Aufstellung vor dem Testspiel gegen die Eintracht, das im Hazza-bin-Zayed-Stadium in Al-Ain stattfand, nicht unbedingt Gutes erahnen, denn Trainer Joe Zinnbauer hatte zunächst auf viele seiner arrivierten Spieler verzichtet. Der TV-Reporter des Hessischen Rundfunks sprach dann auch von einer „Hamburger B-Mannschaft“ gegen die Eintrachtler, die fast in Bestbesetzung antraten. Aber die jungen Spieler des HSV legten sich mächtig ins Zeug und hatten zur Halbzeit eine 3:0-Führung herausgeschossen. Nach etlichen Wechselspielen im zweiten Durchgang blieb dann statt eines Kantersieges ein 3:2-Erfolg – immerhin, das kann sich sehenlassen. Riesiges Pech hatte kurz vor Spielende Lewis Holtby, der sich bei einem Zumsammenprall mit Frankfurts Lanig wahrscheinlich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hat. Der HSV-Profi wurde nach Spielschluss mit dem Rollstuhl in den Krankenwagen geschoben. Es droht ihm wahrscheinlich ein wochenlanger Ausfall. Kommentar von Trainer Joe Zinnbauer: “Es tut mir unendlich leid für ihn, diese Verletzung überschattet alles.”

 

Erfreulich für den HSV: Maximilian Beister stand erstmals seit einem Jahr wieder in der Anfangsformation. Herzlichen Glückwunsch an den Pechvogel des Jahres 2014! Ebenfalls sein Comeback feierte Slobodan Rajkovic nach seinem im Frühjahr erlittenen Kreuzbandriss. Und noch ein Hamburger durfte sich freuen, denn zwischen den Pfosten stand Rene Adler, und das erstmalig wieder seit seiner im September 2014 erlittenen Verletzung, oder besser, Verletzungen. Zudem gaben die U-23-Spieler Ahmet Arslan und Philipp Müller ihr Debüt bei den Profis. Und der Mut von Zinnbauer, diese „B-Mannschaft“ aufzubieten, wurde belohnt, denn es war Leben in dieser HSV-Mannschaft. Von Anfang an, auch wenn das Spiel zunächst ausgeglichen verlief.

 

Keine Frage, das sah nach Fußball aus. Denn die Hamburger zeigten Einsatz, sie liefen viel und schnell, und sie griffen den ballführenden Frankfurter frühzeitig an. Am Rande motivierte Joe Zinnbauer seine Spieler immer wieder, nicht nach zu lassen, die vorgegebene Taktik einzuhalten. Diese „Zusammenarbeit“ zwischen Trainer und Mannschaft funktionierte – wenn ich das einmal aus der Ferne betrachtet sagen darf – auffällig gut.

 

Die erste Möglichkeit in dieser Partie, zu der der HSV zwei Stunden mit dem Bus anreisen musste, hatten die Hessen. Der ehemalige Hamburger Alex Meier schoss flach aus 20 Metern, aber Adler hielt mühelos (11.). Sekunden später fiel dann das erste Tor des Abends auf der Gegenseite. Der aktive Artjoms Rudnevs kam im Mittelfeld, halbrechte Position, an den Ball und schickte den mitgelaufenen Gideon Jung. Der Mann, der im vergangenen Sommer aus Oberhausen gekommen ist, flankte zur Mitte, mehr halbhoch als hoch, zwei Frankfurter verfehlten – warum auch immer (?) – die Kugel, sodass der dahinter lauernde Maxi Beister mit rechts aus sechs Metern einschießen konnte. Das ist mal ein Comeback!

 

Zoltan Stieber und auf der Gegenseite Meier hatten die nächsten Torchancen auf den Füßen, aber auch das nächste Tor schoss der HSV. Rudnevs powerte sich links durch, gab den Ball sogar mit links zur Mitte, und dort war Stieber zur Stelle – mit links aus 12 Metern, hoch unter die Latte – ein bildschönes Tor in der 24. Minute.

 

Fünf Minuten später sogar das 3:0. Unfassbar. Drei Tore des HSV in einer Halbzeit. Wenn ich Zeit hätte, dann würde ich jetzt mal nachblättern, in welchen frühen Jahren das einmal – gegen einen Gegner aus der Bundesliga (auch wenn es ein Testspiel ist) – geschehen ist. Auf Anhieb wüsste ich das nicht, gebe ich zu. Und da ich ja laufend schreibe und allein auf weiter Flur hier sitze, fehlt mir auch die Zeit zum Recherchieren. Sorry. Auf jeden Fall ein HSV-Tor in der 29. Minute. Debütant Müller war einem langen Ball nachgelaufen, Eintracht-Keeper Trapp schnappte sich die Kugel, prallte aber mit dem Hamburger zusammen und ließ den Ball prallen. Ahmet Arslan, der Torschützenkönig der Regionalliga Nord (13 Treffer), staubte ab. Das Tor zählte, trotz der zahlreichen Proteste der Hessen – für mich war das grenzwertig, ich hätte es eher wohl nicht gegeben. Aber es zählte.

 

In der 30. Minute dann der vereinbarte Wechsel zwischen Maxi Beister und Testspieler Innocent Emeghara. Der schelle und etwas schmale Mann aus der Schweiz stand sofort im Blickpunkt und hatte einige gute Aktionen, auch wenn sein Spiel gelegentlich etwas unorthodox aussah. In der 37. Minute bediente Emeghara am Elfmeterpunkt Rudnevs, doch der drehte sich einen Tick zu langsam und scheiterte mit dem Versuch, das 4:0 zu erzielen. Hätte der Lette noch einmal quer gelegt, hätten entweder Stieber oder Müller das Tor machen müssen, denn zwischen den Pfosten stand bei den Hessen in dieser Situation niemand mehr.

 

Glück dann kurz vor der Pause, dass der frühere Hamburger Oczipka mit einem Freistoß aus 22 Metern nur den Außenpfosten des HSV-Gehäuses traf. Obwohl Adler auch in der bedrohten Ecke lag (44.). Halbzeit.

 

Zum zweiten Durchgang kam dann fast eine neue HSV-Mannschaft, Zinnbauer wechselte munter durch (es kam U-23-Kapitän Sven Mende zu seinem Profi-Debüt) – was dem bislang guten Spiel des HSV doch eher schadete. Hatte zunächst noch Mohamed Gouaida das 4:0 auf dem Fuß (trapp mit Mühe), so fielen die Tore dann auf den anderen Seite. Meier verkürzte in der 61. Minute auf 1:3, Sekunden später hieß es dann sogar nur noch 2:3. Piazon hatte aus 16 Metern geschossen, der im Abseits stehende Russ fälschte mit dem Hintern ab – das Tor zählte, obwohl diesmal die Hamburger (ein wenig) protestierten.

 

Der HSV spielte in Halbzeit eins mit: Adler; Jung, Kacar, Rajkovic, Jansen; Jiracek; Philipp Müller, Ahmet Arslan, Stieber, Beister (ab 30. Min. Emeghara); Rudnevs.
In Halbzeit zwei spielte der HSV mit: Drobny; Götz, Kacar (ab 62. Djourou), Rajkovic (ab 62. Westermann), Ostrzolek; Mende, van der Vaart; Emeghara, Holtby, Gouaida; Green.

 

Die Einzelkritik:

 

Rene Adler hielt einmal gut, ansonsten nicht gefordert.

 

Gideon Jung ist eigentlich kein Rechtsverteidiger, dafür machte er seine Sache aber ausgezeichnet, bravo!

 

Slobodan Rajkovic spielte auf Anhieb eine solide Partie, fast fehlerlos – alle Achtung!

 

Gojko Kacar machte stets einen souveränen Eindruck und ließ kaum etwas anbrennen. Gut.

 

Marcell Jansen lief viel, war ständig in Bewegung, war bemüht, all seine Stärken zu zeigen – aber er hat natürlich noch einiges aufzuholen. Solide Partie.

 

Petr Jiracek führte den HSV als Kapitän (!) auf den Rasen, machte eine gute Figur in der ersten Halbzeit, wenn er auch gelegentlich mit etwas zu viel Risiko abspielte.

 

Philipp Müller war ständig unterwegs und konnte durchaus mit einigen guten Szenen auf sich aufmerksam machen.

 

Zoltan Stieber zeigte sich mehr als in jedem Bundesliga-Spiel des vergangenen Jahres für den HSV. Er war schnell, brachte sich ins Spiel, und schoss sogar ein Tor – das muss ihm Auftrieb geben.

 

Ahmet Arslan leistete ebenfalls ein großes Pensum und deutete mehrfach an, dass mit ihm im Laufe der Rückrunde noch zu rechnen ist. Und warum nicht? Wenn vorne mal Not am Mann ist, er ist wuselig genug, um dort für Gefahr zu sorgen.

 

Maximilian Beister hängte sich voll rein, das war für den Anfang absolut okay! Mehr davon. Auch wenn das natürlich behutsam geschehen wird.

 

Artjoms Rudnevs machte ein gutes Spiel, ganz klar, spielte enorm mannschaftsdienlich und leistete sich kaum einmal einen seiner technischen Klopse, die ihm sonst immer mal im Wege stehen.

 

Innocent Emeghara (ab 30. Min. für Beister) trat beherzt auf und konnte gefallen. Mir jedenfalls. Er wäre durchaus eine Bereicherung für das Offensivspiel des HSV. Man muss ja auch berücksichtigen, dass er bestimmt auch (leicht?) nervös bei seinem ersten Auftritt war.

 

In der zweiten Halbzeit kamen dann:
 

Jaroslav Drobny hatte das Pech, das Frankfurt einen Gang zulegte, dass die vielen Wechsel die HSV-Mannschaft etwas aus dem Tritt gebracht haben – und dass beide Gegentore unhaltbar waren. Solche Tage gibt es.

 

Matthias Ostrzolek fiel nicht mehr groß auf oder ab, wenn Frankfurt allerdings kam, dann meistens über seine Seite.

 

Ashton Götz knüpfte an jene Leistungen an, die er schon im vergangenen Jahr gezeigt hat, er spielt stets zuverlässig (überwiegend jedenfalls) und solide.

 

Sven Mende gab sein Debüt und mischte im Mittelfeld bestens mit. Da wächst noch einer heran . . .

 

Rafael van der Vaart schoss einen guten Freistoß (knapp vorbei) und zeigte läuferisch eine gute Leistung.

 

Mohamed Gouaida wie wir ihn schon kennen, emsig, kämpfend – und jetzt auch gelegentlich seine Chance vorne haben wollend. Okay.

 

Lewis Holtby schied nach einem Zweikampf mit Lanig verletzt aus, er hielt sich die Schulter – hoffentlich ist da nichts gebrochen oder ausgerenkt. Holtby musste nach der Partie ins Krankenhaus, wo seine Schulter geröntgt werden sollte. Ende offen. Bis zu seinem Ausscheiden in der 83. Minute eine gute und frische Vorstellung.
 

Julian Green zeigte durchaus gute Ansätze, aber der letzte Pass, sein letzter Pass, kam zu selten an.
 

Johan Djourou und Heiko Westermann kamen später zum Zuge, beide waren nur noch damit beschäftigt, das dritte Gegentor zu verhindern – das gelang ihnen mit vereinten Kräften.

 

So, das war es vom 3:2-Sieg gegen Frankfurt. In der Nacht zum Freitag ist nun Matz-ab-Mitarbeiter Lars Pegelow nach Dubai geflogen und wird in den kommenden Tagen direkt aus dem HSV-Trainingslager berichten. Viel Spaß dabei – für Euch und für ihn!

 

Am Rande notiert:

Vor dem Spiel gab es schon eine traurige Nachricht für den HSV, denn das 17-jährige Toptalent Krystian Bielik (Legia Warschau) hat dem Bundesliga-Club nun doch „schweren Herzens“ abgesagt – der Pole geht für die Ablösesumme von drei Millionen Euro zum FC Arsenal nach London. Schade.

Dafür liefen offenbar die Gespräche mit Trikot-Sponsor Emirates besser. AG-Vorstands-Chef Dietmar Beiersdorfer sagte meinem Kollegen Kai Schiller nach dem Emirates-Treffen: „Das Essen war gut, und die Gesprächsatmosphäre war ausgezeichnet.” Die Option, den 2015 auslaufenden Vertrag bis 2016 zu verlängern, hatte der HSV bereits vor diesem Treffen gezogen. Auf die Frage, ob Beiersdorfer nun auch erwartet, dass Emirates nach 2016 noch Hauptsponsor bleibt, sagte der Club-Boss: „Natürlich haben wir in den vergangenen Jahren nicht das gezeigt, was wir in Stande zu leisten sind, aber wir haben eine gewachsene Partnerschaft mit Emirates.” Das klingt auf jeden fall schon mal positiv.

Über die Rückrundenziele in der Bundesliga verriet Beiersdorfer: „Es wird Zeit, dass wir jetzt anfangen wieder Fußball zu spielen. Aber wir müssen uns an den Realitäten orientieren. Es wird eine sehr schwere Rückrunde.” Zu der die Fans auf jeden Fall noch die eine oder andere Verstärkung erwarten – oder erhoffen. Nach wie vor ist der Schweizer Josip Drmic ein heißes Thema, auch wenn sich Leverkusen und sein allgewaltiger Sportchef Rudi Völler noch voll Defensive setzen. Beiersdorfer zu diesem Thema: „Natürlich gibt es Gespräche. Und es bewegt sich auch etwas. Ein Abschluss aber ist nicht absehbar.” Noch nicht. Kann aber doch noch mal was werden. Ähnlich sieht es auch im „Fall“ van der Vaart aus. Verlängert der Kapitän, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, oder verlängert er nicht? Dietmar Beiersdorfer dazu: „Aktuell ist jetzt nicht der Zeitpunkt, darüber zu sprechen. Wir werden uns zu gegebener Zeit zusammensetzen.”

 

19.10 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »