Archiv für das Tag 'HSV'

Aussortiert! Maxi Beister soll sich einen neuen Verein suchen!

5. Juni 2015

Hätte ich gewusst, was der spätere Nachmittag noch bringt – ich hätte sicherlich angefangen mit der Nachricht des Tages. Aber so steht sie am Ende. Hinter Sätzen, die ein Erlebnis der ganz besonderen Art beschreiben…

Denn Dieter hatte sogar Tränen in den Augen, als tatsächlich die Zusage da war: „Dittsche und Uwe kommen, sie haben zugesagt“, sagte er mir am Telefon ganz ruhig, um dann hinzuzufügen: „Ich könnte heulen!“ Das wiederum lag daran, dass Dieter diese Kombination zweier großer HSVer – der eine als HSV-Idol, der andere als HSV-Fan und TV-Idol – seit langem versucht hatte, einzuladen. Letztes Jahr hätte es auch tatsächlich geklappt, wäre da nicht die Relegation dazwischengekommen. Dieses Jahr drohte Gleiches – und doch klappte es, weil sich Olli Dittrich mit Seeler zusammentat und sich den Termin freischaufelte. Ein großer dank dafür – und ein noch größeres Kompliment an Dieter, für den die beiden das ermöglicht haben.

Und während Dieter vor der Sendung schon Tränen in den Augen hatte, war ich danach stolz, an einer solchen Runde teilgenommen zu haben. Und ehrlich gesagt haben Dieter und ich eigentlich nur als Staffage gedient, weil sich die beiden Freunde unterhielten. Das übrigens schon eine halbe Stunde vorher, in der wir über Dittrichs neues Projekt „Schorsch Aigner“ (http://www.ardmediathek.de/tv/Comedy-Satire/Schorsch-Aigner-der-Mann-der-Franz-/Das-Erste/Video?documentId=28690672&bcastId=25304236) sprachen. Dabei spielt Dittrich ein Beckenbauer-Double, das die Wahrheit über den Weltfußballer auspackt. Mehr als empfehlenswert!!

Aber zurück zum Treffen mit den beiden Granden ihres Business’: Dittrich und Seeler wirkten wie zwei Schuljungs, die sich ewig nicht gesehen haben und vor Freude etwas überdrehen. Sie scherzten, lachten – und steckten alle im Tram damit an. Bis es ernst wurde und über den HSV gesprochen wurde. „Oh Mann, es war gerade so lustig“, scherzte Dittrich, der im B-Rang seine Dauerkarte hat und zu den „engagierteren“ Fans gehört. Als der HSV Schalke 2:0 geschlagen hatte und Freiburg in Hannover in der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzt hatte, stand ich neben ihm und versorgte ihn über WLAN mit dem Liveticker. Und obgleich ich schon „Puls“ hatte, beruhigte es mich fast zu sehen, wie sehr Dittrich abging. Ähnlich erging es übrigens auch Seeler, also Ilka Seeler. Uwe Seelers Gattin hielt es am Montag nicht mehr aus und musste im Laufe der letzten Minuten die Lokalität „La Veranda“ um den HSV-Fan und Wirt Paco verlassen. „Sie konnte nicht mehr und wollte spazieren gehen“, so Uwe mit einem Schmunzeln, „das Ganze nimmt uns halt alle mit.“ Stimmt. Und obgleich immer wieder gern der Scherz gemacht wird, dass sich Uwe Seeler IMMER Sorgen um seinen HSV macht – es stimmt. Seeler ist vom HSV vollständig eingenommen, er kann sich gar nicht wehren. Trotz des Ärgers um seinen Enkel Lewin. „Darüber spreche ich nicht mehr“, so Seeler bestimmt, „heute ist das Thema abgehakt.“

Nach dem Video, das ich Euch hiermit ans Herz legen möchte, saßen wir noch eine Weile zusammen und diskutierten bei einer guten Portion Chilli con Carne. Dittrich und Seeler parlierten über Franz Beckenbauer und dessen Schulterverletzung bei der WM 1970 in Mexiko. Früher sei sicher nicht alles besser gewesen, aber eben einiges. Unter anderem der Zusammenhalt in Mannschaften. Seeler erzählte, wie sie es früher handhabten. Wenn etwas in der Abwehr nicht lief, „lief ich eben – und zwar nach hinten, um den Rest aufzuwecken. Ich habe manchmal richtig übel geschimpft und bekam nur als Antwort: Geh nach vorn und schieß ein Tor, damit wir gewinnen, den Rest erledigen wir.“

Oft klappte das auch. „Wenn nicht, gab es einen Mannschaftsabend bei dem jeder – und damit meine ich wirklich alle Spieler der Mannschaft – anwesend waren und sagten, was sie stört. Das tat mal weh – aber es war reinigend. Vielleicht ist das ja etwas für heute…“, so Seeler, ehe er hinzufügt: „Aber dafür ist die Zeit wahrscheinlich zu modern. Warum auch immer…“, so Seeler, der ganz offensichtlich große Hoffnungen in Trainer Bruno Labbadia und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer setzt. Ebenso wie Dittrich.

Vor einigen Wochen hatte ich mich geärgert, als sich Uwe Seeler wieder öffentlich Sorgen um den HSV machte. Nach dem Interview habe ich mit ihm darüber sprechen können und bin mir in sehr, sehr vielen Punkten einig. Nein, das klingt arrogant: In erster Linie höre ich einem Uwe Seeler zu und vertraue auf sein Fachwissen, zumal er völlig frei von dem Verdacht ist, sich selbst in den Vordergrund spielen zu wollen. Der Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft ist einfach ein außergewöhnlich bodenständiger Ex-Weltfußballer mit einer an Leidenschaft grenzender Sympathie für seinen Heimatklub. Kurzum: Seeler ist ein ehrlicher Mensch, dessen Qualitäten der HSV deutlich zu wenig nutzt. Während andere Vereine ihre größten Idole immer wieder einbinden, ist Seeler zwar ein gern gesehener Gast, der in der Loge die Spiele verfolgt. Aber leider nicht mehr, leider…

Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob die Stürmer von heute überhaupt zu schätzen wüssten, jemanden wie Uwe Seeler kennenzulernen. Dennoch würde ich solche Treffen arrangieren, um zumindest versucht zu haben, den Spielern die Tradition des Klubs zu verdeutlichen. Denn dafür reicht eine fragwürdige Uhr im Stadion allemal naicht. Nein, wenn der HSV endlich wieder Profil haben will, sollte er seine Vergangenheit zu seinem Vorteil nutzen und den Spielern von heute zeigen, dass sie nicht wichtiger sind als das Bundesliga-Urgestein, das schon deutlich bessere Tage erlebt hat. Der Klub muss der Star sein, nicht die Spieler – egal wie viel sie verdienen.

Apropos Geld, rund zehn Millionen Euro Gehaltseinsparungen muss Peter Knäbel durchsetzen und hat parallel zehn Millionen Euro für Neue. „Täglich 20 neue Namen“ würden ihm genannt, so Mediendirektor Jörn Wolf zum Thema potenzielle Zugänge. Admir Mehmedi war einer der Namen, Oliver Sorg ein weiterer Kandidat für den HSV vom Absteiger SC Freiburg. Und auch beim zweiten Absteiger ist der HSV an einem Offensivmann dran – und das bereits seit der Winterpause, wie in verschiedenen Foren und Zeitungen bereits berichtet wurde. Paderborns Rechtsaußen Süleyman Koc ist demnach im HSV-Visier und könnte ob einer Ausstiegsklausel in seinem bis 2018 datierten Vertrag für rund eine Million Euro Ablösesumme zum HSV wechseln. Gegenüber Goal.com bestätigte Koc etwaige Gespräche mit dem HSV: „Es ist vorstellbar.“

Klar, für den HSV auch. Knäbel forstet sich durch die Absteiger auf der Suche nach einem „Schnäppchen“. Parallel scheinen in der aktuellen Mannschaft kaum Spieler unverkäuflich. Der HSV braucht nämlich nicht nur einen Neuanfang, sondern auch neues Geld. Und dafür müssen Spieler abgebeben werden – obgleich der HSV mit seinen Spielern bislang auf dem Markt eher nicht erste Adresse ist. Mal wieder nicht… „Es muss etwas passieren. Es gibt inzwischen schon mehr Dinge, die sich ändern müssen als Dinge, die beibehalten werden sollten“, scherzte Seeler am Rande und hatte mehr Recht, als ihm lieb war.

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Soll sich einen neuen Verein suchen: Maxi Beister

Denn einen hatte Seeler dabei ganz sicher nicht auf dem Zettel – im Gegenteil: Von Maxi Beister erhoffte sich Seeler mit einer neuen Vorbereitung neuen Schwung. Und so gern ich den heutigen Blog auch allein im Zeichen des Interviews gelassen hätte, diese Nachricht torpedierte dieses Vorhaben: denn dass der Rechtsfuß inzwischen vom HSV mitgeteilt bekommen hat, dass er gehen soll, wusste Seeler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Fakt aber ist: Maxi Beister hat vom Verein mitgeteilt bekommen, er möge sich per sofort nach einem neuen Klub umsehen – was auch die Personalien Mehmedi und Koc noch nachvollziehbarer wirken lässt.

Haben keinen Draht zueinander: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Beister

Haben keinen Draht zueinander gefunden: Trainer Bruno Labbadia (l.), und Maxi Beister (r.)

Was ich hier immer wieder zwischen Zeilen angedeutet habe, hat sich tatsächlich bewahrheitet. Der Offensivspieler spielt in den Planungen des HSV keine Rolle mehr. Schon länger nicht mehr. Auch deshalb wurde er in den entscheidenden Spielen nicht gebracht. Und obwohl ich eigentlich vorhatte, heute das Interview an sich wirken zu lassen und den Blog kurz zu halten, komme ich an einem solchen Hammer natürlich nicht vorbei. Zumal der bis 2016 unter Vertrag stehende Göttinger von bislang allen Trainern als Hoffnungsträger genannt worden war – Labbadia ausgenommen. Der neue Coach scheint keinen Draht zu Beister gefunden zu haben oder schlichtweg nicht auf dessen Qualitäten setzen zu wollen.

Eine Nachricht, die in den nächsten Tagen sicherlich noch für viel Aufsehen sorgen wird. Mich hat sie aus den Socken gehauen – weil ich gehofft hatte, dass man sich in einem vernünftigen Vieraugengespräch schnell auf eine Zusammenarbeit einigen könnte. Offensichtlich war das Gegenteil der Fall…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann vielleicht auch mit einer Reaktion der Offiziellen. Ich hatte heute Dietmar Beiersdorfer erreicht, der sich zu der Personalie allerdings nicht äußern wollte. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass es in den nächsten Tagen auch vom HSV eine offizielle Reaktion geben wird.

Bis dahin,
Scholle

Sensationell! Wahnsinn! Der HSV bleibt oben!

1. Juni 2015

Der HSV muss nicht runter! Hurra, er lebt immer noch! Das war Dramatik pur, das ist alles der helle Wahnsinn, das war nur Wahnsinn. Mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt der HSV das Relegations-Rückspiel in Karlsruhe und bleibt damit in der Ersten Bundesliga. Gratulation, HSV! Auch wenn er wieder einmal bis zur letzten Sekunde mit den Nerven seiner Anhänger gespielt hat. Gekämpft haben sie, gut gespielt haben sie nach langer Zeit auch mal wieder, aber in der 90. Minute sah es dennoch nach der Zweiten Liga aus. Der KSC führte 1:0, als es doch noch einen Freistoß für den HSV gab. Ein Freistoß, der wohl nicht berechtigt war, aber Marcelo Diaz traf aus 20 Metern – Verlängerung. Und da nutzten zwei Eingewechselte für die Entscheidung: Cleber legte von links in den Fünfmeterraum, Nicolai Müller war zur Stelle und schoss das 2:1 – die Entscheidung, die erste Liga! Glückwunsch, HSV! Aus einer grottigen, aus einer total verkorksten Saison wurde dann doch noch das Beste gemacht. Glückwunsch auch Trainer Bruno Labbadia, der sicher nicht alles richtig gemacht hat, aber der letztlich dafür gesorgt hatte, dass diese eigentlich „tote Truppe“ doch wieder ein bisschen Leben zeigte. Aufgeräumt werden muss trotz allem, beim HSV, aber das hat jetzt Zeit. Erst einmal darf gefeiert werden – Glück, Glück, Glück. Aber der HSV hat anscheinend die Dame Fortuna auf seine Seite gebracht. Dass der KSC in der Schlussminute noch einen Handelfmeter verschoss, Rene Adler hielt gegen Hennings, war nicht mehr entscheidend, denn selbst bei einem 2:2 wäre der HSV oben geblieben.


 

Der HSV begann in Karlsruhe diesmal ganz anders, als noch am Sonnabend im Volkspark. Das sah nach Fußball aus. Der „Dino“ übernahm die Spielführung, er drückte, er spielte nach vorne – wann immer es gegen die beiden Viererketten des KSC ging. Der HSV, bei dem doch Lewis Holtby wieder die Chance erhalten hatte (und nicht Zoltan Stieber), war Chef im Ring und diktierte über weite Strecken das Tempo. So muss ein Erstliga-Verein gegen einen klassentieferen Gegner spielen. Das sah gut aus. Bis auf die Tatsache, dass der HSV nicht nur schön spielen durfte, sondern auch ein Tor machen musste. 0:0 wäre der Tod.

 

Ivo Ilicevic riskierte bereits in der fünften Minute eine Fernschuss, doch der Ball, aus 24 Metern abgefeuert, verfehlte um die, vier Meter das KSC-Tor. Immerhin, es war mal ein Schuss des HSV. Und nur 60 Sekunden noch eine Hamburger Möglichkeit: Ivica Olic umkurvte die KSC-Abwehr von rechts (wie einst Helmut Rahn – oha, sehr hoch gegriffen, ich weiß!) und schoss aus 18 Metern mit links, aber Torwart Orlishausen hielt die Kugel, indem er sie ins Feld zurückfaustete. Aber das war doch mal etwas, was für Optimismus sorgen könnte. Und es wurde noch besser: Marcelo Diaz schickte Dennis Diekmeier in den KSC-Strafraum, ein kluger Rückpass – aber leider war kein HSV-Kollege zur Stelle. Aber immerhin mal ein Ball, der hinter die Abwehr gespielt wurde – und der Gefahr brachte (17.). Und wiederum nur Sekunden später gab Rafael van der Vaart, für den gesperrten Gojko Kacar im Team, den Ball hoch an den Elfmeterpunkt, Olic legte per Kopf ab auf Pierre-Michel Lasogga, und der schoss, so kennt man ihn, sofort. Voller Wucht, aber der Ball wurde von seinem Gegenspieler abgeblockt, Gefahr gebannt.

 

Immerhin, das fiel mir während dieser Drangphase des HSV ein, machte der HSV schön Druck. Und ich musste an den vergangenen „Doppelpass“ (Sport1) denken, in dem der frühere HSV-Manager Heribert Bruchhagen gesagt hatte: „Der HSV ist zu Hause nicht in der Lage, das Spiel zu machen . . .“ Das stimmt. Aber anscheinend klappt das auswärts besser, denn hier bestimmte der HSV die Szenerie und machte das Spiel. Eindeutig. Der KSC kam kaum einmal gefährlich in die Nähe des Hamburger Strafraums. Der HSV auf der Gegenseite aber sehr wohl: van der Vaart versuchte sich aus 18 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, aber Orlishausen hielt mühelos. Wie sehr der HSV drückte, das drückte nach einer halben Stunde auch das Eckenverhältnis aus, der HSV führte 6:0. Aber leider weiterhin torlos. Das änderte sich auch in der 39. Minute nicht, als Lewis Holtby von links flankte, Lasogga köpfte aus neun Metern, aber zu lasch und zu unplatziert, wieder war Orlishausen mühelos auf dem Posten.
Halbzeit, 0:0.

 

Unverändert ging es in den zweiten Spielabschnitt. Und der HSV kam. Er machte das, was angesagt war – es musste ein Tor her. Und das lag in der 52. Minute in der Luft: Eckstoß von links von van der Vaart, am Fünfmeterraum steigt Diekmeier hoch und verlängert zu Mitte, der Ball kam am Elfmeterpunkt runter, da stand Lasogga – doch der traf den Ball nicht richtig. Was ihm bescheinigt werden muss: war auch schwer. Dennoch, mit Glück macht man auch ein solches Ding mal, aber eben auch nur mit Glück.

 

Dann drückte der HSV etwas weniger, und es wurde dafür bunter. Drei Gelbe Karten gab es für den HSV: Diaz, Slobodan Rajkovic und van der Vaart hatten zu sehr mit den Ellenbogen gearbeitet. Und der KSC wurde stärker . . . Nach einem Eckstoß, dem ersten des KSC, musste der am Pfosten stehende Diaz auf der Torlinie retten (69.). Der HSV am Ende seiner Kräfte? Das hatten die Hamburger Anhänger genau umgekehrt erhofft – so wie im Hinspiel. Da ließ der KSC zuletzt auch etwas nach. Trainer Bruno Labbadia wechselte Frische ein: Für den agilen und immer noch sehr aktiven Lewis Holtby kam Zoltan Stieber (67.). Warum Holtby? Das wird der Coach sicherlich in den nächsten Tagen noch erklären. Oder auch nicht. Ich hätte Holtby an diesem Tag jedenfalls nie ausgewechselt . . . Doch so etwas ist ja auch ganz klar Sache des Cheftrainers.


 

Karlsruhe hatte dann die beste Chance des zweiten Durchgangs, als zweimal Nazarov (völlig blank am langen Pfosten!) die Möglichkeit zum 1:0 auf dem Fuß hatte. Zum Glück traf der KSC-Mann nicht richtig . . . Aber es wurde enger und enger. Karlsruhe kam immer besser ins Spiel, der HSV musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Doch plötzlich ein Lebenszeichen: Flanke von Matthias Ostrzolek, am Elfmeterpunkt steigt hoch und köpft auf das Tor – doch Orlishausen hält prächtig.

 

Das Tor fällt aber auf der Gegenseite. Der eingewechselte Nicolai Müller verdaddelt (im Zusammenspiel mit van der Vaart) den Ball kurz vor dem Strafraum, Hennings bedient Yabo mit einem großartigen Heber – und Tor. 1:0 für den Zweitliga-Club (78.). Aber noch war nichts verloren.

 

Der HSV gab alles. Er reaktivierte die letzten Kraftreserven – er hatte Chancen. Er köpfte Lasogga an den Pfosten (81.), den Nachschuss vergab Diekmeier, der völlig freistehend am Fünfmeterraum den Ball nicht traf! Wahnsinn! Welch ein Wahnsinn! Sekunden später klärte der KSC-Mann Gulde nach einem Kopfball von Johan Djourou auf der Linie, Orlishausen war geschlagen. Und in der 83. Minute versuchte sich Ivo Ilicevic mit einem Seitfallzieher, als er den Ball volley aus acht Metern ins Tor fetzen wollte – aber leider den Ball nicht traf. Wahnsinn in Vollendung! In der 86. Minute köpfte der eingewechselte Cleber (spielte Brechstangen-Mittelstürmer!) nach Eckball um Zentimeter vorbei – es sollte nicht sein. Oder doch? In der 90. Minute Freistoß für den HSV. Es soll ein Handspiel gewesen sein. War es wohl nicht. Schiedsrichter Manuel Gräfe aber gab den Freistoß, und den schoss Marcelo Diaz aus 20 Metern in den linken oberen Winkel. Der HSV lebte noch. Ein Kunstschuss, aber ein sehr, sehr wichtiger. Das war noch mehr Wahnsinn. Aber toll, einfach nur toll, toll, toll.
Verlängerung, doch noch Verlängerung. Es war ja eigentlich schon vorbei – mehr Spannung, mehr Dramatik geht gar nicht. Es geht nicht. Das ist Herzkasper-Fußball in Vollendung! Das ist alles unglaublich – aber das ist Fußball. Der HSV war doch noch einmal aufgestanden, obwohl er schon fast in Liga zwei war.

 

Nur der HSV!

 

In der Verlängerung zog die Polizei vor dem HSV-Block auf. Das sah gefährlich aus. Und so ganz und gar nicht nach Fußball. Gespielt wurde aber dennoch. Die einzige Möglichkeit der ersten 15 Minuten hatte der KSC (als Diekmeier noch mit dem Schiedsrichter debattierte!), aber die Kugel flog am langen Eck vorbei. Zum letzten Mal Halbzeit.

 

Und als alles auf ein Elfmeterschießen deutete, schoss Nicolai Müller auf Vorarbeit von Cleber doch noch das 2:1. Dass Rene Adler in der Schlussphase noch einen Elfmeter hielt, war unerheblich, der HSV bleibt oben, oben, oben, oben, oben, oben – Jubel, Trubel, Heiterkeit.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Diaz, van der Vaart; Olic (77. Min. Müller), Holtby (67. Min. Stieber), Ilicevic (86. Min. Cleber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler wurde kaum gefordert, war die Ruhe selbst – nur den Ball, den hielt er wieder viel zu lange. Manuel Neuer lässt schön grüßen . . . In der Verlängerung hielt er allerdings zweimal sensationell, so auch den Elfmeter von Hennings. Da schickt der Adler dann auch schöne Grüße an Manuel Neuer . . .

 

Dennis Diekmeier machte vieles richtig, hinten war das absolut okay, aber vorne macht er es sich dann immer wieder kaputt, wenn er nicht den Abschluss (Flanke) sucht, sondern zu 95 Prozent zurückspielt. Schade, schade, schade.

 


Johan Djourou
hatte keine Probleme mit Hennings, spielte souverän, war kopfballstark. Das war stark.

 

Slobodan Rajkovic erledigte seine Defensivaufgaben ordentlich, hinten ohne Schwierigkeiten, nach vorne war er aber schnell am Ende mit seinem Latein.

 

Matthias Ostrzolek spielt zu oft zu harmlos nach vorne, er sucht auch zu 90 Prozent immer wieder nur den Rückpass. Wenn er doch nur mal den Kampf eins gegen eins suchen würde, aber er bevorzugt das körperlose Spiel – schade, schade, schade.

 

Marcelo Diaz gehörte zu den effektiveren Hamburgern, bot sich immer wieder an, ging weite Wege – auch nach vorne, das sah gut aus. Auch wenn er nie zum Abschluss kam.

 


Rafael van der Vaart
gehörte, ganz, ganz sicher, zu den Aktivposten des HSV, der Niederländer spielte eine sehr gute erste Halbzeit, was er machte, das hatte Hand und Fuß. Dass er dann, mit zunehmender Spieldauer, etwas nachlässt, ist ganz normal (er ist nicht im Rhythmus) – aber dafür sitzen draußen ja noch einige auf der Bank.

 

Ivo Ilicevic war in Halbzeit eins der beste Hamburger, er riskierte Dribblings, war um Tempo bemüht – warum erst jetzt, am Ende der Saison, warum erst jetzt, wo schon lange feststeht, dass er Hamburg verlassen muss?

 

Lewis Holtby spielte deutlich besser als im Hinspiel, sehr engagiert, laufstark, einsatzfreudig. Warum nicht immer so?

 

Ivica Olic blieb blass und schwach, so wie schon im Hinspiel. Leider nur Note sechs, auch wenn er sich angeschlagen durchquälte.

 

Pierre-Michel Lasogga konnte sich einige Male besser in Szene setzen als noch am Sonnabend, aber insgesamt erwarten alle von ihm viel, viel mehr.

 

Zoltan Stieber (ab 67. Min. für Holtby) drückte sofort auf die Tube, Tempo, Tempo, Tempo. Gut so.

 

Nicolai Müller (ab 77. Min. für Olic) sorgte gleich für ein Tor – leider für den KSC. Welch ein unfassbarer Einstand! Aber er schlug noch zurück, auf der richtigen Seite – denn er schoss das 2:1 und geht damit in die Geschichte des HSV ein. Glückwunsch!

 

Cleber (ab 86. Min. für Ilicevic) sollte für das Tor sorgen, köpfte gleich knapp vorbei – und sorgte für Unruhe in der KSC-Defensive. Das war sehr, sehr gut – und auch deshalb, weil er das 2:1 vorlegte. Glückwunsch!

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über dieses unfassbare, wahnsinnige Relegationsspiel in Karlsruhe zu sprechen. Zwei große ehemalige HSVer sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast: Frank Mackerodt, das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied, und ein letztes Mal vor der Sommerpause Stefan Schnoor, früher bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute als Sport1-Experte, der die klare Sprache liebt. Frank Mackerodt, das sei noch kurz erwähnt, immer wieder ein sehr gern gesehener Gast bei uns, wurde als Glücksbote „eingekauft“, denn er war auch vor einem Jahr unser Gast, als der HSV mit dem 1:1 in Fürth die Klasse gehalten hatte.
Mach’s noch einmal, Frank, so das Motto!!!
Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

Dann noch, auch wenn es keinem helfen sollte, die Zeit vor dem Anpfiff. Ich schrieb das, was jetzt hier folgt, rund 30 Minuten vor dem Anstoß im Karlsruher Wildpark:

 

Laut Hamburger Abendblatt vom heutigen Tag glaubte die Mehrheit (vor dem Spiel) nicht mehr an die Rettung des HSV. In meiner näheren Umgebung war das ein wenig anders, denn Freunde, Bekannte und auch Familie waren durchaus noch optimistisch – und hofften zumindest auf ein höheres Unentschieden. Ich sprach aber am Vormittag auch mit einem langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter, der mir wenig Hoffnung machte – weil er das Hinspiel aufmerksam beobachtet hatte und zu dem Schluss kam: „Das reicht nicht für die Erste Liga.“
Egal aber wie, ob nun Sieg oder Unentschieden, es ging ja nicht um Schönheit, sondern nur ums Drinbleiben. Und dafür war die Anteilnahme in diesen Tagen (seit dem 1:1 im Hinspiel) riesig. Unglaubliche viele Anrufe, Mails und SMS erhielt ich, die Glück wünschten, die noch an den HSV glaubten. Vielen Dank dafür – das ist einmalig! Aus der Ferne drückte der ehemalige HSV-Abwehrspieler Andrej Panadic per SMS die Daumen, und aus Budapest meldete sich Ferencvaros-Trainer und HSV-Legende Thomas Doll (Pokalsieger und Vizemeister Ungarns) und schrieb ebenfalls, wie sehr er dem HSV die Daumen drücken wird.
Vom „Dithmarscher_Jung“ kam dagegen heute eine traurige Mail, denn er schrieb an „Matz ab“: „Meine Frau ist gerade ausgerutscht, Oberschenkelhalsbruch. Ich hoffe doch sehr, dass dieses kein schlechtes Zeichen für heute Abend ist.“
Ich habe mich für Hals- und Beinbruch entschieden, das wünscht man doch vor einem wichtigen Ereignis – also bedeutet das etwas Gutes. Auf jeden Fall wünschen wir Deiner Frau schnelle und gute Besserung!

Ein ehemaliger St.-Pauli-Kapitän schrieb mir seine etwas außergewöhnliche Unterstützung eine halbe Stunde vor dem Anpfiff: „Bleibe ruhig, ich sonne mich noch 30 Minuten, und dann bin ich 90 Minuten ein Roter – und HSV gewinnt!“ Auf dem Weg zum Public Viewing in der Arena meldeten sich „el presidente“ Benno Hafas und „Lars49“ und drückten alle in freudiger Erwartung – und in der Hoffnung, dass es auch helfen würde. Aus Berlin meldete sich unsere „Hope/Eva“ und wünschte allen viel, viel Glück und natürlich den Klassenverbleib, und aus Prag hatte ja schon gestern David Jarolim gesagt, dass er für den HSV beten wird. Das musste doch etwas werden mit dem Dino. Ich hoffe es jetzt, um 18.30 Uhr (also eine halbe Stunde vor Anpfiff), ganz einfach mal, dass das alles, auch die vielen Wünsche die jetzt nicht namentlich genannt werden konnten – hilft.
Ihr werdet es schon wissen – ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht . . .

 

21.43 Uhr

Nur 1:1 – Ilicevic sorgt für Hoffnung!

28. Mai 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Könnte diesmal aber ganz, ganz eng werden, denn der HSV schaffte vor 56 615 Zuschauern im Volkspark nur ein 1:1 im Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC. Ob das zu wenig ist? Das muss sich am Montag im Badischen zeigen, aber es darf kräftig gezittert werden. Auch deshalb, weil der HSV eine Stunde lang unfassbar schlecht spielte, keine Mittel fand, gegen den früh führenden KSC, der danach kompakt und kompakter stand, offensive Akzente zu setzen. Da hat der HSV während der gesamten Saison schon mächtig viele Defizite, und das offenbarte sich leider auch diesmal, im Spiel gegen den Zweitliga-Dritten. Der KSC wollte die „ewige Uhr“ abstellen, so hatte er Abwehrmann Max gesagt, er hatte den Mund voll genommen, aber ob zu voll, das wird sich zeigen. Der HSV wird sich steigern müssen, und zwar dramatisch steigern, wenn er diese Rückspiel-Hürde noch nehmen will. Vorerst ist er mit einem dicken blauen Augen davongekommen, aber nun wird es happig – keine Frage. In Hamburg wird es ein Public Viewing im Volkspark geben, Einlass ab 18 Uhr, das Spiel wird um 19 Uhr angepfiffen.
Daumen drücken, dass der HSV diese harte Nuss doch noch knacken kann, aber es wird verdammt, verdammt schwer.

 

Wir erinnern uns. Schalke 04 wurde hier vor ein paar Tagen aus dem Volkspark gefegt. Ganz Hamburg jubelte. Ganz Hamburg. Bis auf ein paar Jungs, die das anders sahen. Laut Trainer hatte der HSV ein riesiges Spiel gemacht. Von Beginn an. Mag stimmen, aber das lag daran, dass Schalke gar nicht mehr mitspielen wollte. Laut Trainer Labbadia hatte Schalke nicht einen Millimeter verschenkt – mag ja auch stimmen, aber nur deshalb, weil Schalke erst gar keine Millimeter haben wollte. Da musste es gegen diesen „heißen“ KSC ein böses Erwachen geben – und es gab ein bitterböses Erwachen.

 

Dabei begann es recht verheißungsvoll. Eckstoß von links, ausgeführt von Lewis Holtby, auf den Kopf von Ivica Olic – der köpfte, aus sechs, sieben Metern, aber um Zentimeter drüber. Pech in der dritten Minute. Das Tor fiel im folgenden Angriff – der Karlsruher. Der ehemalige HSV-Spieler Hennings wurde Richtung HSV-Tor geschickt, Johan Djourou leistete ihm einen netten Begleitservice, der KSC-Torjäger zog aus halblinker Position genau aus 16 Metern ab – und drin der Fisch. Vom Innenpfosten rollte der Ball ins HSV-Netz. Das war mal ein Auftakt. Den sich jeder Hamburger genau umgekehrt gewünscht hätte, aber auch Relegationsspiele sind eben kein Wunschkonzert.

 

Fortan zogen sich zehn Karlsruher an den eigenen Strafraum zurück, und der HSV „stürmte“. Das sah dann so aus: Heiko Westermann zu Djourou, quer natürlich, der weiter zu Slobodan Rajkovic, quer natürlich, der weiter zum winkenden Matthias Ostrzolek, weil der den Ball nun unbedingt haben wollte. Dann hatte er ihn. Wie schön. Nur wohin damit? Natürlich. Zurück. Am besten zu Rene Adler. So sah der stürmende HSV aus. Keine Ideen, mein Mut, kein Nichts. Das war einfach nur arm. Da sind die Karlsruher bestimmt in Aue, gegen Sandhausen oder in Aalen ganz anders gefordert worden, von Düsseldorf und Leipzig ganz abgesehen. Das war einfach nur erbärmlich, was sich der HSV da zurechtkickte. Das war nicht mal Zweite Liga.

 

Auf den Werbebanden vor der Haupttribüne liefen unterdessen ganz sinnige Sprüche ab. Solche wie diese hier: „Nervt der Job? Dann einfach wechseln!“ Ob das die HSV-Spieler gesehen haben? Oder: „Nun müssen wir die Suppe gemeinsam auslöffeln.“ Klar. Auch wenn sie nicht klar ist. Oder auch dies: „Gekommen, um zu bleiben.“ Selbstverständlich. In Liga eins. Aber wie? Das stand nicht auf den Werbebanden. Und niemand fand ein Mittel, wie das hätte gehen sollen?
Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob sich die Karlsruher diesen Gang in Hamburg so leicht vorgestellt hatten. Nur die Fans waren erstligareif – oder sogar besser. Aber das werden am Montag die KSC-Anhänger auch ganz sicher sein, mit Liga eins im Blick.

 

Der KSC spielte, wenn er die Chance sah, mutig und schnell nach vorne. Da gab es Tempo und Zug zum Tor, und es gab keine dilettantischen Fehler bei der Ballannahme. Wer war hier eigentlich der Erstligist? Erst in der 42. Minute der erste Ball, den KSC-Torwart Orlishausen tatsächlich halten musste. Ein Roller, nachdem Ivica Olic einen 25-Meter-Schuss von Gojko Kacar gefälscht hatte. Bis dahin aber war nicht ein Ball auf das KSC-Tor geflogen oder gerollt – das ist ein Offenbarungseid. Nicht nur ein offensiver Offenbarungseid, sondern ein fußballerischer Offenbarungseid. Das war ein Kollateralschaden in Sachen Profi-Fußball. Der arme Labbadia da an der Seite, er musste dieses Dilemma mitansehen, ohne helfen zu können. Nur beten konnte er, aber das half diesmal auch nicht.

 

In der 43. Minute hämmerte der verzweifelte Pierre-Michel Lasogga die Kugel aus 25 Metern rauf – aber der Ball flog knapp daneben. Halbzeit, um genau 51 Jahre, 277 Tage, vier Stunden und 17 Minuten sowie 31 Sekunden bat Schiedsrichter Aytekin zum Pausentee. Und auf dem Gang dorthin da bekamen die Herren des HSV mal kurz zu hören, was die Zuschauer von ihren Darbietungen hielten: es gab ein gellendes Pfeifkonzert. Bis die Profis in der Kabine verschwunden waren . . . Das waren 45 Minuten mit Fußball zum Abgewöhnen. Schlechter geht es nimmer – warum strapaziert der HSV nur so die Nerven seiner Anhänger? Warum nur?

 

Nach dem Seitenwechsel zuerst der KSC. Torres traf in der 53. Minute die Querlatte des HSV-Tores, zehn Sekunden später visierte auch Nazarov das Quergebälk des HSV an. Das war gleich zweimal dickes Glück. Aber dann kam der HSV. Mit der verbalen Kraft des Nordens. Wenn der HSV vor dem KSC-Tor auftauchte, brannte es im Norden – leider brannte es nicht oft genug.

 

Dann kam der HSV aber, er drückte, plötzlich ging es mächtig in Richtung KSC-Tor. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, hieß es 1:1. Der eingewechselte Dennis Diekmeier bediente den im KSC-Strafraum lauernden Ivo Ilicevic, der drosch die Kugel aus halbrechter Position aus sieben Metern flach ins Tor. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wird doch noch alles gut? Das wird sich am Montag zeigen müssen – die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder?

 

Nur der HSV.

 

„Auswärtssieg“ skandierten die HSV-Fans im Norden lautstark nach dem Schlusspfiff. Mal sehen.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann (56. Diekmeier), Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Kacar, Diaz; Olic (88. Beister), Holtby (69. Stieber), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war beim 0:1 sichtlich überrascht, dass Hennings sofort abzog. Das war in der vierten Minute. Danach ließ sich der frühere Nationalkeeper immer sehr viel Zeit bei seinen Abstößen – Zeit, die der HSV eigentlich nach vier Minuten schon nicht mehr hatte. Aber muss wohl gut sein . . . Ansonsten wenig beschäftigt, was kam, hielt er souverän.

 

Heiko Westermann sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt schon mal beim Rückspiel. Ging in der 56. Minute verletzt raus – Saison beendet.

 

Johan Djourou begann fahrig, später war er der einzige Hamburger, der mal eine klare Aktion hatte.

 

Slobodan Rajkovic wirkte wieder einmal zu hölzern, dazu gab es etliche technische Probleme mit dem Ball.

 

Matthias Ostrzolek stellte sich in erschütternder Verfassung vor. Kopfballschwach, und wenn er die Hand hob, um den Ball zu fordern, dann bekam er ihn auch – und spielte weit zurück. Unfassbar. Zweite Halbzeit etwas effektiver.

 

Gojko Kacar entpuppte sich leider als Fehlpass-Weltmeister. Unglaublich. Auch wenn er viel lief. Den Willen allerdings konnte ihm keiner absprechen, nur an der Umsetzung haperte es ganz gewaltig. Sah die fünfte Gelbe Karte und fehlt beim Rückspiel. Übrigens ebenso wie der KSC-Mann Peitz (zehnte Gelbe).

 

Marcelo Diaz war schwach. Mehr ist da nicht festzustellen. Schade eigentlich. Riskierte in der Nachspielzeit immerhin einen Schuss aus 20 Metern, den Orlishausen sehr gut parierte.

 

Ivo Ilicevic riskierte hin und wieder ein Dribbling – als einziger Hamburger. Aber auch er schubste mit dem Hintern gleich wieder um, was er sich gerade aufgebaut hatte. Immerhin schoss er das Tor, das noch ein wenig Hoffnung machen könnte.

 

Lewis Holtby bot leider nur eine unterirdische Partie. Jeder, wirklich jeder aus der Zweiten, hätte das besser gemacht. Das war so bitter, ich weiß gar nicht, wann ich so etwas Unterirdische zuletzt von einem HSV-Spieler gesehen habe – und es gab schon etliche Grottenkicks, das wissen wir alle. Wurde in der 69. Minute (zu spät) erlöst, als er von Zoltan Stieber abgelöst wurde.

 

Ivica Olic war rechtzeitig fit, nachdem er eine Woche lang Rücken hatte – aber spielte er mit? Das war gar nichts, leider, leider.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte oft wie eine Dampfwalze – und Dampfwalzen haben auch gelegentliche technische Probleme . . .

 

Dennis Diekmeier (ab 56. Min. für Westermann) sorgte rechts für frischen Schwung – er brannte, wie auch schon sein Trainer in der Woche sagte.

 

Zoltan Stieber (ab 69. Min. für Holtby) sorgte für Belebung beim HSV, der erst dann vollends aufwachte.

 

Maximilian Beister (ab 88. Minute für Olic) sollte noch einmal mit einem Schuss etwas versuchen, oder mit einem Kopfball, aber dazu kam es aufgrund von fehlenden Minuten nicht mehr.

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über das erste Relegationsspiel zu sprechen. Zwei ehemalige HSV-Profis sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast, es sind zwei Männer, bei denen die Wahrheit an den Tag kommt – und auch an die Nacht. Einmal Stefan Schnoor, bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute Sport1-Experte, zudem ist es der ehemalige HSV-Torwart Jürgen Stars, der einst die Nummer zwei hinter „Elfmeterkiller“ Rudi Kargus war. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

22.36 Uhr

“Nur wer bei 100 Prozent ist, kann spielen”

26. Mai 2015

Ein Gast am Tresen, ansonsten war es heute leer. Und das bei dem herausragenden Essen. Letztes Mal war es ein XXL-Schnitzel mit Beilagen bis zum Abwinken – diesmal war es frischer Spargel mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise für 11,50 Euro auf „Mascha’s“ Tafel mit dem Angebot des Tages. Und so lecker sein Essen ist, so präzise sind seine Vorhersagen. Zuletzt hatte er gesagt, der HSV schaffe es. Zumindest in die Relegation. Dieses Mal sieht Manfred-Michael Janz, wie Mascha bürgerlich heißt, den HSV schon im Hinspiel deutlich vorn. 2:0 in der Imtech-Arena. Sagt er. Und ich würde diesen Tipp sofort unterschreiben…

 

Mascha im Interview, Teil 2:

 

Ebenso Bruno Labbadia, der um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe weiß. Auch der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, mahnt, den Relegationsgegner nicht zu unterschätzen. Er habe in den letzten fünf Wochen jeweils die Spiele der Karlsruher gesehen und warnt vor der Ausgeglichenheit der Mannschaft. „Sie ist in sich gefestigt. Der KSC spielt guten Fußball, ist in der Liga die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und den wenigsten Gegentoren. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so Knäbel heute bei schönstem Sonnenschein vor der Trainingseinheit der Profis in Malente.

 

Wobei ich mir sicher bin, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt. Diejenigen, die schon letzte Serie gegen Fürth dabei waren, werden sich sicherlich gut erinnern und diese Erinnerungen an den Rest weitergeben. „Wir reden viel miteinander“, sagt Labbadia, der das zweite Mal Malente als teambildend empfindet, „weil ich sehe, dass die Mannschaft sich mit sich selbst beschäftigt. Es wird viel miteinander gesprochen. Und der Zusammenhalt ist das, was unser Spiel auszeichnet.“ Das und die zweifellos letzte erstklassige Bastion im Klub: die Fans. Das Hinspiel war schon so gut wie ausverkauft, noch bevor der Gegner feststand.

Offen ist indes noch, ob Rafael van der Vaart nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder ins Team rücken wird. Auch, weil mit Ivica Olic (Rücken) und Pierre Michel Lasogga noch zwei angeschlagene Spieler fraglich sind. Und während Letztgenannter heute ohne Probleme durchtrainierte, beendete Olic das Training vorzeitig. Abgesprochen zwar – aber der Kroate ist eben noch nicht wieder gesund.

Balltraining - aber für den Rücken und nicht mit den Füßen für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist noch offen

Balltraining – aber mehr für den Rücken als für die Füße hieße es heute noch für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist wegen anhaltender Rückenplobleme noch offen

„Klar ist, dass in den beiden Spielen nur spielen kann, wer bei 100 Prozent ist. Wenn irgendwer auch nur einen Prozentpunkt Konzentration auf seinen Zeh, seinen Rücken oder seine Schulter verschwendet, fehlt ihm dieser im Zweikampf und es geht schief“, sagt Knäbel und Labbadia pflichtet seinem direkten Vorgesetzten bei: „Das werden zwei außergewöhnlich intensive Spiele, in denen uns definitiv alles abverlangt wird. Deshalb arbeitet unsere medizinische Abteilung unter Hochdruck und wir müssen ganz genau schauen, wer wie weit ist.“

 

Außer verletzungsbedingt hat Labbadia tatsächlich wenig Grund zu wechseln. Wobei – ich würde es dennoch machen. Denn der KSC wird den HSV nicht annähernd so hoch angreifen wie die meisten Bundesligisten. Der HSV wird agieren müssen – die Karlsruher reagieren. Dafür muss der HSV so spielstark wie möglich aufgestellt werden. Zuletzt bekam der Chilene Marcelo Diaz nach langer Verletzungspause seine Chance – und konnte sie nur bedingt nutzen. Neben Kacar gelang ihm nicht viel, obgleich die Analyse-Experten von „spielverlagerung.de“ ihn zum Schlüssel für den Sieg erkoren. „Besser. Noch besser“, waren Diaz’ Worte nach dem Spiel – und er meinte sich selbst. Er erwartet noch mehr von sich. Und das ist gut so. Denn in Sachen Spielaufbau übernahm er zwar die Rolle des Anspielpunktes im Mittelfeld, allerdings ohne dabei offensive Aktionen einleiten zu können.

 

Aber zurück zur großen Frag: Spielt Rafael van der Vaart oder spielt er nicht? Ich glaube, er spielt, sobald Lasogga und/oder Olic ausfallen. Und obgleich ich ihm das Erstligaformat nach nunmehr 34 langen Spieltagen absprechen musste, in dieser Partie könnte er noch mal wichtig sein. Zum einen, weil ich weiß, dass er sich selbst sehr über sich selbst geärgert hat und traurig war, sich nicht auf dem Feld verabschieden zu können. „Er hat am Rand gelitten, weil er zum Zuschauen verdammt war“, sagte Knäbel heute und versicherte: „Wenn er noch mal gebraucht wird, wird er da sein. Er will sich gut verabschieden.“

 

 

Stimmt, aber allein darauf kommt es nicht an. Denn in diesem beiden Spielen ist nicht allein ein feiner Fuß (der zu selten zur Wirkung kommt) gefragt, sondern auch Körperlichkeit und vor allem Tempo. Einzige Ausnahme könnte die Spitze sein, sofern der HSV das voraussichtlich defensivere KSC-Spiel für Flankenläufe und Bälle in den Sechzehner nutzen kann. Denn dort ist und bleibt Lasogga gefährlich. Und dort hat Olic seinen ersten ernst zu nehmenden Treffer selbst erzielt. Heute indes drehte er nur einige Runden um den Platz und verbrachte den größten Teil der Trainingszeit im Kraftraum sowie auf der Massagebank.

Der Rest der Mannschaft absolvierte ein lockeres Balltraining ohne größere Laufarbeit. „Auflockern, ausschlafen und den Kopf wieder frei bekommen“, hatte Labbadia sich vom erneuten Trainingslager versprochen. Und viel mehr scheint es auch nicht zu sein. Morgen soll am späten Nachmittag die zweite Einheit stattfinden. Viel ausstehen müssen die HSV-Profis demnach nicht. „Fein-Tuning“ nennen die Verantwortlichen den Inhalt des Malente-Trainingslagers, Teil zwei.

 

Dabei wird es am Donnerstag in erster Linie darum gehen, wie die Mannschaft mit dem zweifellos vorhandenen Druck umgehen wird. Der HSV kann etwas verlieren und muss zudem gleich zu Beginn zu Hause antreten. „Der HSV hat die Qualitäten, den KSC zu bezwingen“, weiß der an den FC Kaiserslautern verliehene und heute für die U21-EM nominierte Kerem Demirbay (Glückwunsch, Kerem!!!), der auch warnt: „Karlsruhe ist eine seltsamerweise sehr erfahrene Truppe mit einer guten Abwehr und einem richtig guten Stürmer, auf dessen Namen ich gerade nicht komme.“ Rouwen Hennings? „Richtig“, so Demirbay, „die sind hinten kompakt und vorn gefährlich. Aber der HSV hat diese Mittel auch und braucht sich absolut nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Der HSV muss zeigen, dass er den KSC ernst nimmt, ihm aber keine Chance lässt.“ Demirbays Prognose? „Es wird hart, aber der HSV hat das Zeig, im Hinspiel die Weichen zu legen und die Klasse zu sichern.“

 

Na denn. Das klingt doch gut. Und um noch einmal auf van der Vaart zurückzukommen: Ich würde ihn allein ob der Szene in Stuttgart zunächst nur auf die Bank setzen und es ihm gegenüber auch so begründen. Allerdings glaube ich, dass diese Szene in van der Vaart gärt und er nichts lieber will, als diesen Fehler zu korrigieren. Damit hätte man einen hochmotivierten Mann, der von der Bank aus das Spiel verändern könnte. Andererseits, sollte van der Vaart am Ende sogar von Beginn an spielen – dann wird Labbadia es sich sehr gut überlegt haben und sportlich seine Gründe haben. Denn dass er sich nicht von Namen blenden sondern nach Leistung aufstellt, hat er unlängst bewiesen. Das zeigt schon die Art, wie und auch dass er Valon Behrami “aussortiert” hat. Eine Maßnahme mit Signalwirkung an die Mannschaft. Vielleicht hat Labadia ja auch die richtigen Signale für seinen Kapitän parat. Ich hoffe es – nein: ich glaube es.

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord.

 

Bis morgen

Scholle

Noch mal Malente – als Vorbereitung auf den Karlsruher SC

24. Mai 2015

Es ist die Relegation geworden, Fußball-Gott sei Dank. Das führt dazu, dass die meisten HSV-Fans erst einmal für ein, zwei Tage mal kräftig durchzuatmen. Bevor es dann am Donnerstag wieder ans Eingemachte geht. Es gibt nach Abendblatt-Informationen nur noch 7000 Karten für das Spiel gegen den Karlsruher SC, der sich heute durch einen 1:0-Erfolg die Chance auf den nachträglichen Aufstieg sicherte. Wer also noch live dabei sein will, der sollte sich sputen. Das Spiel wird ausverkauft sein, wahrscheinlich hätte der HSV diese 90 Minuten Zusatzzeit zwei- oder dreimal ausverkaufen können. Zum Glück ist es so. Und zum Glück rennen diese Super-Fans dem HSV weiterhin die „Bude“ ein. Und sie sind ein wunderbarer zwölfter Mann für dieses Team geworden, keine Frage. Es ist einfach nur großartig, wie die Hamburger Anhänger ihre Truppe unterstützt – traumhaft.

Stefan Böger, unser Gast bei „Matz ab live“ hatte es uns erzählt: Er beobachtete sogar die Seitenwahl ganz genau, und er schilderte: „Johan Djourou hatte die Wahl gewonnen und suchte sich sehr genau aus, wie er spielen wollte.“ Erst sollte der HSV gen Süden spielen, dann gegen den fantastischen Norden. Und das klappte. Nach der Nullnummer in Halbzeit eins wurde der HSV im zweiten Durchgang noch durchdringlicher nach vorne gepeitscht – und schoss die beiden siegbringenden Tore. Davon sollte es eine Wiederholung geben – an diesem Donnerstag.

Denn eines sollte sich dieser HSV vornehmen – und es somit besser machen als noch vor einem Jahr: Tore im Hinspiel schießen. Vor einem Jahr gab es gegen Greuther Fürth bekanntlich ein 0:0 – zu wenig eigentlich, um überleben zu können. Es gelang trotz allem. Diesmal sollten möglichst genügend Tore erzielt werden, sodass man schon mit einem beruhigenden Vorsprung zum Rückspiel fahren könnte. Ich weiß, ich weiß, keine Panik, das ist natürlich ein ganz frommer Wunsch, und solche Wunschkonzerte werden auch in Relegationsspielen ganz, ganz selten mal erfüllt, aber hoffen darf man doch mal – oder?

Zumal der HSV diesmal doch unter anderen, besseren Voraussetzungen in die Relegation geht. Vor einem Jahr kam der HSV aus einer Niederlagen-Serie heraus in die beiden Spiele, das Selbstvertrauen war total auf der Strecke geblieben. Außerdem war die Mannschaft damals in einem katastrophalen Fitness-Zustand, denn spätestens nach 70 Minuten hatte kein HSV-Spieler mehr die nötigen Körner, um noch eine Normalform abrufen zu können. Ganz eklatant war es im Rückspiel in Fürth, da ging nach 70 Minuten (oder schon eher?) nichts mehr. Nur Jaroslav Drobny hielt die Mannschaft damals in der Ersten Liga. Nur der HSV-Keeper, damals die eigentliche Nummer zwei. Unvergessen, diese Super-Leistung des Tschechen, der diesmal bekanntlich ausfallen wird (Schultereckgelenksprengung).

Diesmal macht Rene Adler den Drobny. Keine Frage. Deutschlands ehemaliger Nationaltorwart ist super drauf, hält seit Wochen die tollsten Dinger – und schwierigsten Sachen. Adler ist super drauf, und er hat ja auch gestanden, dass er Spaß an diesem Abstiegskampf hat. Das möge bis morgen in einer Woche, dann bis möglichst kurz vor Mitternacht, so bleiben. Und wird es wohl auch – wenn nichts mehr Gravierendes dazwischenkommt. Zum Glück für den HSV hat sich Adler wieder ein eine ganz, ganz prächtige Form hineingesteigert, zum Glück. Das macht ihn jetzt besonders wertvoll.

Ähnlich verhält es sich mit Heiko Westermann, der gestern in der 82. Minute ausgewechselt werden musste – der Abwehrrecke war mit seinen Kräften, eigentlich völlig untypisch für ihn, am Ende, und zwar restlos. Westermann war nicht verletzt, er hatte einfach in diesen 82. Minuten alles gegeben, er war rauf und runter gelaufen, half auch fast überall aus, so kennt man ihn – das war eine vorbildliche Vorstellung des ehemaligen Nationalspielers.

„Heiko war k.o., nicht verletzt. Aber genau das habe ich gewollt, das brauchen wir – dafür haben wir ja Dennis Diekmeier draußen sitzen. Der hat sich über das Training wieder sehr gut reingearbeitet, das habe ich schon im Training gesehen – der brennt. Deswegen ist es gut, dass einer, der dann nicht mehr kann, es auch signalisiert – dann können wir auf der Bank reagieren.“

Ein ähnliches Pensum wie Westermann hatte gegen Schalke Ivica Olic absolviert. Und dazu noch das so wichtige 1:0 geschossen. Bruno Labbadia über seinen ältesten Feldspieler: „Ivi hat ein riesiges Laufpensum absolviert – wie alle Spieler. Er hatte aber nach diesen 90 Minuten auch große körperliche Probleme, denn sein Rücken hatte gegen Ende komplett zugemacht – also gestern wirkte er tatsächlich wie ein alter Mann. Es gab auch kleinere Probleme mit den Adduktoren, aber für uns war wichtig, dass das nicht schwerwiegender Art ist.“ Zum 1:0 von Olic befand der Coach: „Für ihn hat mich besonders gefreut, dass er das Tor gemacht hat, denn die Situation ist für ihn jetzt, nach seiner Rückkehr zum HSV, ja nicht besonders einfach. Aber er ist ein erfahrener Mann, und einem Offensivmann tut ein Tor immer ganz besonders gut – deswegen ist jetzt das Allerwichtigste, dass wir seinen Rücken wieder freibekommen, damit er am Donnerstag spielen kann.“
Ganz speziell an diesem Olic-Treffer war ja, dass er den Ball mit rechts in die lange Ecke schoss! Mit rechts. Dieses rechte Bein hat er eigentlich nur, damit er nicht umkippen kann…

Bruno Labbadia sprach heute mit uns, „Scholle“ hat dieses Gespräch aufgezeichnet, dieses Video könnt Ihr Euch hier ansehen. Später, als „Scholle“ nicht mehr aufnahm, gab es noch eine kleine Fortsetzung mit Labbadia, und das Wichtigste davon habe ich geschrieben. Oder schreibe es jetzt noch. Zum Beispiel sprach Bruno Labbadia noch über das Spiel. Für ihn war es ein „riesiges Spiel“ seiner Mannschaft. Wir hatten bei „Matz ab live“ aber über die erste Halbzeit, die ja doch viele Quer- und Rückpässe gebracht hatte (vom HSV), gesprochen und vermutet, dass der Trainer seiner Mannschaft eine gewisse Zurückhaltung in Halbzeit eins auferlegt hatte. So hatte es auch Stefan Böger vage vermutet – oder auch nur in den Bereich einer Möglichkeit gezogen. Labbadia dazu: „Es steht ja auch ein Gegner auf dem Platz. Und Schalke hat definitiv keinen Millimeter abgeschenkt. Wir haben sie dazu gebracht, dass sie irgendwann den Widerstand aufgegeben haben. Aber nur deshalb, weil wir dagegengehalten haben. Deswegen sage ich, dass wir auch in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht haben.“

Über die Fehler, die sich in das Spiel seiner Mannschaft im ersten Durchgang eingeschlichen hatten, befand Labbadia: „Das habe ich zur Halbzeit angesprochen, wir die Konter nicht gut ausgefahren haben, und wir sind nicht konsequent in den Strafraum gegangen, obwohl dazu mehrere Möglichkeiten gehabt haben.“ Der HSV-Trainer weiter: „Wenn man zwei Tore in der zweiten Halbzeit schießt, dann ist man schnell dazu geneigt zu sagen, dass die zweite Halbzeit besser war, aber ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit die Ruhe bewahrt haben. Wie will man schnell spielen, wenn der Gegner die Räume so geschickt zustellt. Und das hat Schalke gut getan. Die standen kompakt. Das ist die italienische oder englische Schule von Trainer Di Matteo, er achtet darauf, dass die Passwege geschickt zugestellt werden. Darauf warten sie nur, um dann zu kontern. Wir haben ihnen aber diese Möglichkeiten nicht gegeben. Wir haben ruhig gespielt, wir haben variabel gespielt, wir haben den Ball und den Gegner laufen lassen. Und wenn der Gegner viel laufen muss, dann lässt er irgendwann auch mal nach – das war eine Marschroute, unsere Marschroute.“

Eine schöne Erklärung des Trainers. Die aber wahrscheinlich für einen ehemaligen HSV-Profi nicht so richtig zählt. Für. Wer? William „Jimmy“ Hartwig. Den gibt es. Immer noch. Heute ist er Schauspieler, aber ab und an sagt er auch etwas über den Fußball allgemein und den HSV ganz speziell. Bei „Spox“ meinte Hartwig nach dem 2:0-Sieg über Schalke: „Ich ärgere mich über die Wettbewerbsverzerrung von Schalke. Das ist eine Unverschämtheit von einer Mannschaft, die im Europapokal mitspielen will, keine Gegenwehr zu zeigen. Der HSV hat sich Mühe gegeben, aber sie haben ja keine Gegenwehr gehabt. Das ist so traurig für die Freiburger. Dass sich der HSV jetzt wieder auf den 16. Platz gerettet hat, das befriedigt weder mich noch die anderen ehemaligen HSV-Spieler.“ Und auch das noch: „Der HSV hat wieder das Glück, auf dem Relegationsplatz zu stehen, Dann jubeln sie alle, wie toll der Verein ist, dabei ist er marode und von oben kaputt. Das ist das, was mich am meisten ärgert.“ Zudem offenbarte Hartwig: „Auch wenn ich mal mit den ehemaligen Kollegen wie Manni Kaltz oder Felix Magath spreche – ein schöner Ab- und Aufstieg wäre angebracht gewesen.“

Kann man ja mal sagen, wenn einem danach ist. Aber wer will das eigentlich lesen – oder hören? Von Hartwig? Der ist hier bei jedem Heimspiel zu sehen – natürlich nicht. Aber von solchen Herren gibt es eben immer noch so viele. Nie hier, aber über den HSV reden. Aber auch solche muss es geben. Wahrscheinlich. Hartwig ist da nicht allein.

Schnell noch zu etwas Wichtigerem: Petr Jiracek ist verletzt, hat heute auch nicht trainiert. Weil er vor zwei Tagen im Training einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte. Labbadia: „Es war eigentlich zuerst gar nicht so schlimm, aber jetzt ist es plötzlich dick geworden, er hat Schmerzen. Er hat gestern noch auf die Zähne gebissen, aber heute ging es nicht mehr, jetzt müssen wir abwarten, bis die Schwellung zurückgeht, um zu sehen, wie schwer die Verletzung ist.“

Und nun zu Scholles Teil:

Der Karlsruher SC ist es also geworden. Wobei, bevor ich über den KSC schreibe, an dieser Stelle meinen allerherzlichsten Glückwunsch an unseren Stadtrivalen FC St. Pauli, der sich trotz der 0:1-Niederlage in Darmstadt die Klasse rettete! Chapeau, FC St. Pauli, Herzlichen Glückwunsch zur Rettung, Ewald Lienen! Wir nehmen das mal als gutes Omen für den Hamburger Existenzkampf im Fußball…

Und wenn wir schon anderen gratulieren, dann natürlich dem SV Darmstadt 98. Nachdem sich Darmstadt 98 sensationell wie ich finde, den Aufstieg in die Erste Liga verdient hat, mussten sich die heute extrem souverän auftretenden Badener mit der Relegation gegen den HSV zufrieden geben. Und ich sage es vorweg: Der Anspruch des HSV muss der Klassenerhalt bleiben. In der Relegation ist man zweifellos auch gegen den KSC haushoher Favorit. Dennoch muss ich unseren Matz-ab-Live-Gästen Jan-Christian Müller und Stefan Böger Recht geben, ich hätte angesichts der heutigen Leistung tatsächlich am liebsten den FCK genommen, der ohne den nicht einmal für den Kader nominierten Kerem Demirbay („Ich weiß nicht, warum ich gar nicht dabei war“) gegen den 80%-Ingolstädter Zweitligameister trotz der Führung letztlich enttäuschte. Dieser KSC hingegen war 1860 München die gesamten 90 Minuten überlegen und spielte das so wichtige Spiel erstaunlich gelassen und unaufgeregt runter. In dieser Verfassung, da verrate ich kein Geheimnis, ist der KSC ein ganz harter Brocken.
Ein Brocken mit Selbstvertrauen. „Irgendwann ist Hamburg dran. Warum nicht dieses Jahr…“ – das sagte KSC-Keeper Orlishausen und weiß, wovon er spricht. Immerhin schlug er den HSV vor drei Jahren als Nummer eins mit dem KSC im DFB-Pokal als damaliger Drittligist 4:2, nachdem die Hamburger durch Marcus Berg und Maxi Beister sogar zweimal in Führung gegangen waren. Ich war damals live vor Ort und saß bei gefühlten 100 Grad Celsius neben einem KSC-Reporter, der damals vom mitspielenden Hakan Calhanoglu schwärmte und parallel nicht aufhören konnte, über einen zu schimpfen: Rouwen Hennings. Der war damals erst beim HSV dann beim FC St. Pauli gescheitert, ehe er beim landete und sich dort inzwischen zum Führungsspieler gemausert hat. Dass er jetzt gegen seinen Jugendclub antreten muss – es stört ihn nicht. „Egal gegen wen, die Relegation ist eine Riesenchance und wir wollen unsere tolle Saison krönen“, so Hennings.

Und tatsächlich ist die Chance für diesen KSC groß. Nach Meister Ingolstadt hat man das beste Torverhältnis und nicht allein ob des Topwertes von nur 26 gefangenen Gegentreffern auch die beste Abwehr. Mit gewissen Parallelen zum HSV sogar, denn auch die beiden KSC-Innenverteidiger Gordon und Gulde schädeln nahezu jeden hohen Ball raus und spielen eher rustikal denn filigran. Für den HSV, der zuletzt vermehrt auf Standards setzen konnte, dürfte es mit derselben Taktik beim KSC schwer werden.

Fakt ist jedenfalls, dass der HSV auf eine tief stehende, gut verteidigende und bei Kontern gefährliche Zweitligamannschaft trifft. Nicht unbedingt das Profil, das diesem HSV liegt. Allein über die rechte Verteidigerseite geht nach vorn immer wieder mal die Post ab. Während Max auf links zumindest heute verhältnismäßig ruhig spielte, sorgte Rechtsverteidiger Enrico Valentini vor allem im Duett mit dem quirligen Torschützen Manuel Torres immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Wobei ich glaube, dass das schnelle, dribbelstarke und kurze Leichtgewicht Torres (1,75 Meter) gut zu unserem nicht minder schnellen Linksverteidiger Matthias Ostrzolek (1,78 Meter) passen dürfte.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Restsonntag und einen hoffentlich schönen, sonnigen Pfingstmontag. An diesem findet allerdings kein Training statt, die Mannschaft startet dafür um 16.30 Uhr ins Trainingslager nach Malente. Aber: bevor ich mich hier verabschiede, erlaubt mir (Scholle) bitte noch ein Wort zu Hartwigs Aussagen:

Dass der eigenwillige Offenbacher gern mal einen raushaut, ist bekannt und mir grundsätzlich auch nicht unsympathisch. Er war immer so und ist es noch immer. Aber jetzt als Ex-HSVer dem Verein mehr oder weniger deutlich den Abstieg zu wünschen, das finde ich daneben. Auch Hartwig weiß um die finanzielle Situation beim HSV und kann sich ausmalen, wie schwer ein Abstieg wiegen würde. Und egal wie berechtigt sich die 83er-Helden als Helfer beim „neuen HSV“ auch übergangen fühlen, in einer solch gefährlichen Situation wie aktuell sollte man mehr Zusammenhalt erwarten können. Alles, was er heute gesagt hat, hätte auch noch diese acht Tage bis zum Klassenerhalt Zeit gehabt.

Bis dahin,
Dieter und Scholle

P.S.: Was ich (Dieter) wieder einmal vergessen habe (Asche auf mein Haupt!) – in der Hektik: „Matz ab live“ von gestern ist natürlich wieder eine Sendung, die vom Abendblatt-TV hergestellt wurde, die beiden Regisseure waren Volker Sarbach und Axel Leonhard. Unterstützt werden wir alle von unserem Premium-Partner Maske, die Auto-Langzeitvermietung.
Und dann möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei unseren Gästen Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) und Stefan Böger (ehemaliger HSV-Profi und DDR-Nationalspieler) bedanken, die wieder einmal ganz hervorragende Analytiker waren. Gerne immer wieder, denn so macht es riesigen Spaß – nicht nur, wenn der HSV gewinnt. Aber natürlich auch, ganz klar.

Welch ein Glück! 2:0-Sieg – Relegation!

23. Mai 2015

Das Zittern geht weiter. Zum Glück! Nach großem Kampf hat der HSV zwar mit 2:0 gegen Schalke 04 gewonnen, aber noch ist nichts gewonnen – es geht in die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten, der am morgigen Sonntag ermittelt wird: Kaiserslautern, Darmstadt oder Karlsruhe sind die Kandidaten. Seine Pflichtaufgabe hat der HSV nach mäßiger erster Hälfte großartig erfüllt, als die Mannschaft im zweiten Durchgang Richtung Norden spielte, also auf die prächtigen Fans, da war dann mehr Schwung, mehr Tempo und auch mehr Siegeswille erkennbar. Der Sieg war völlig verdient – gegen eine doch recht schwache Schalker Truppe. Das soll allerdings nicht die Leistung des HSV herabwürdigen, denn diesmal zeigte sich die Mannschaft von ihrer besseren Seite – endlich einmal wieder. Jetzt geht es doch noch weiter, was viele vorher nicht für möglich gehalten hatten – aber zum Glück darf jetzt noch weiter gezittert werden. Zum Glück. Der HSV lebt noch. Jedenfalls ein bisschen. Wer hätte das gedacht?
Direkt abgestiegen sind Paderborn und der SC Freiburg, der 1:2 in Hannover verlor. Auch das war riesiges Glück! Und vielen Dank, nein, ein riesiges Dankeschön an Hannover 96, dass es diesen Sieg und kein Unentschieden gab, sonst läge ganz Hamburg jetzt wohl am Boden. Danke, 96!

Der Geist von Malente schwebte über diesem Spiel. Oder, wie auch schon geschrieben, das Abstiegsgespenst. Gestern war noch ein kleines, „inoffizielles“ Matz-ab-Treffen in Barmbek, das wieder ganz hervorragend organisiert war – von unserer „Hope/Eva“. Vielen Dank dafür, das war wieder einmal großartig (auch die Teilnahme von Buchautor Volker Keidel – „Mein Ditmar Jakobsweg“). Und es war wieder, für mich – bei diesem Tabellenstand – total überraschend, auch sehr gut besucht. Das ist überragend! Wenn die HSV-Mannschaft nur halbwegs so viel Einsatz und Herz gezeigt hätte, es wäre mindestens ein Mittelfeldplatz geworden. Aber es ist müßig, jetzt noch groß und breit darüber zu schreiben, es ist wie es ist. Bewundernswert, und dann komme ich zum Fußball, ist auf jeden Fall der fast grenzenlose Optimismus der „Matz-abber“, die alle noch von einem positiven Saisonausklang überzeugt waren. Auch das ist hervorragend und vorbildlich.

 

Im Presseraum war – wie immer – der Tipp der Medien gefragt. An einer Tafel prangten einige Ergebnisse, wie wohl das Spiel ausgehen werde. Die meisten hatten auf HSV-Sieg getippt. Zu gewinnen gab es – einen HSV-Gartenzwerg. Wie sinnig. Aber in Klammern war hinzugefügt worden: „Nur bei Nicht-Abstieg des HSV“ . . . Natürlich. Wer wollte denn sonst noch einen HSV-Gartenzwerg mit nach Hause nehmen?

 

 

Die Stimmung war grandios. Von Beginn an. Es wurde von Anfang an gesungen. Bis auf die Schalker Ecke (es sollten diesmal nur 5000 Anhänger aus Gelsenkirchen gekommen sein?), die dagegenhielten: „Nie mehr Erste Liga, HSV . . .“

 

Begann das Spiel eigentlich gut – für den HSV? Blitzschnell führte Hannover 96 gegen Freiburg 1:0, und auch der SC Paderborn gelang das erste Tor gegen den VfB Stuttgart. Damit war der HSV erst einmal Tabellenschlusslicht. Aber würde der HSV ein Tor erzielen und damit 1:0 in Führung gehen, stünde er gleich auf Platz 14. Das war doch Anreiz genug, etwas zu riskieren – nach vorne. Pech aber gesellte sich wieder einmal hinzu. Nach einem Tritt gegen Pierre-Michel Lasogga signalisierte die HSV-Spitze alsbald: „Auswechseln. Die Schulter.“ In der 27. Minute kam Artjoms Rudnevs für Lasogga und hatte sofort eine prächtige Chance, die bis dahin beste des Spiels: Lewis Holtby bediente den auf rechts in den Strafraum preschenden Heiko Westermann, kluger Rückpass – „Rudi“ hatte seine Beine noch nicht richtig sortiert, schoss sich mit rechts an die linke Wade, vorbei. Weit vorbei. Bitter. Ganz bitter. Weil man ja weiß, dass der HSV Chancen solcher Güte nur recht, recht wenige in einem Spiel bekommt. Aber gut, es ist so wie es ist. Und noch einmal der gute „Rudi“, diesmal zog er aus 20 Metern ab, zentral, aber er hatte immer noch kein Zielwasser getrunken (kam sein Einsatz zu plötzlich?) – wieder weit vorbei (38.).

 

Dann kam Schalke (ohne Dennis Aogo, der mit war, aber nicht im Kader, und mit Choupo-Moting auf der Bank). Der junge Abwehrmann Friedrich hätte aus fünf Metern nach einer Ecke den Ball nur treffen müssen . . . So gab es nur einen harmlosen Roller, den Marcelo Diaz auf der Linie stehend ohne Mühe abfing (39.). Und drei Minuten später die beste Möglichkeit der ersten Halbzeit: Nach einem krassen Abspielfehler von Diaz lief der Konter, Meyer bediente Huntelaar, der einen Moment lang unbewacht am Fünfer stand – doch der Niederländer trat in den Rasen und schoss weit vorbei, gestört noch von Johan Djourou. Das war Glück. Es blieb beim 0:0 – und es gab Beifall zur Pause. Trotz der Tatsache, dass der HSV teilweise zu pomadig, zu langsam und zu umständlich gespielt hatte, und dazu ohne große Bewegungen – von wegen anbieten, freilaufen.

 

„Ich verstehe diese vielen Quer- und Rückpässe nicht, der HSV muss doch gewinnen, also schneller nach vorne spielen. Er tut aber gerade so, als würde er schon 3:0 führen“, sagte „Dittsche“, Schauspieler und Komiker Olli Dittrich, der in weiß-blauer HSV-Jacke auf der Tribüne saß. Und dennoch hoffte er natürlich auf das eine, das erlösende Tor. Und das fiel nach dem Seitenwechsel. Eckstoß von links von Ivo Ilicevic, vorne verlängerte (?) Djourou fast artistisch mit der Hacke (anders ging es nicht), und so kam die Kugel zu Ivica Olic. Der stoppte, dann schoss er aus halblinker Position mit rechts – unhaltbar in die lange Ecke. Oben stand Olli Dittrich mit erhobenen Arme und feierte wie ein Triumphator. Und unten sauste Trainer Bruno Labbadia wieder auf den Rasen und drehte seine Ehrenrunde. Zudem waren sie alle von der Ersatzbank aufgesprungen und feierten ausgelassen am Rande (49.). Jetzt geht’s los!

 

Und wie. In der 58. Minute hieß es 2:0. Freistoß von Holtby aus halbrechter Position, und am Fünfmeterraum schraubte sich Innenverteidiger Slobodan Rajkovic in die Luft und köpfte mit dem Hinterkopf ein. Welch ein Jubel! Der Volkspark erzitterte, alle lagen sich in den Armen. Und „niemals Zweite Liga, niemals, niemals.“

 

Danach zog sich der HSV zurück, verteidigte geschickt und konzentriert. Bis auf die „Hundertprozentige“ für Schalke, die Eric-Maxim Choupo-Moting (ausgerechnet er!) vergab, weil Rene Adler großartig parierte, passierte nicht mehr so viel. 2:0. Jubel nach dem Schlusspfiff. Und das große Warten auf die anderen Ergebnisse. Rettung? Relegation? Oder was?

 

Es wurde die Relegation. Und dafür kassierte die Mannschaft dann doch noch viel Beifall. Die Mannschaft drehte schon eine Ehrenrunde, aber in Hannover wurde noch gespielt, kurz vor Schluss verkürzte Freiburg noch auf 1:2 – bei einem Unentschieden wäre der HSV abgestiegen! Aber dann lagen sich Lotto King Karl und Sky-Moderator Patrick Wasserziehr in den Armen – Schluss in Hannover. Am Donnerstag gibt es hier in Hamburg das erste Relegationsspiel – es wird weiter gezittert.
Daumen drücken!
Nur der HSV.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war die Ruhe selbst, wurde aber auch kaum einmal vor eine große Probe gestellt. Bis auf die 83. Minute. Da stand der eingewechselte Choupo-Moting allein vor ihm, der Schalker wollte den Keeper ausspielen – und scheiterte. Riesige Parade von Adler, eine Weltklasse-Parade.

 

Heiko Westermann ging rauf und runter, er gab wirklich wieder einmal alles – und wirkte früh kaputt (oder angeschlagen?). Er hielt bis zur 82. Minute durch, und das ist wieder vorbildlich zu nennen.

 

Johan Djourou trat souverän, haute sich immer wieder großartig rein, fuhr den Schalker Angreifern in die Füße – so soll es sein. Und so wollen ihn die Hamburger immer sehen.

 


Slobodan Rajkovic
war wieder derjenige, der den Ball immer wieder nach vorne schlagen musste – weil es kein anderer der Kollegen tat. Diesmal waren nicht ganz so viele Fehlpässe dabei. Hinten gab er sich keine Blöße, vorne erzielte er das so wichtige 2:0 – gut.

 

Matthias Ostrzolek hatte Farfan meistens im Griff, das allein ist schon mal okay. Ansonsten müsste er sich in Sachen Offengeist vielleicht einmal etwas mehr zutrauen.

 

Gojko Kacar hatte einige Fehlpässe auf Lager, zerriss sich aber ansonsten wie zuletzt immer. Viel unterwegs. Eine Stütze.

 

Marcelo Diaz erledigte einige „Dinge“ sehr lässig, aber er hatte meistens alles im Griff, auch wenn er einige Fehlpässe spielte. Bewahrte auch oft die Ruhe am Ball, was einige Kollegen von ihm nicht taten. Dennoch: Es muss mehr kommen von ihm.

 

Ivo Ilicevic spielte ein richtig gutes Spiel, alle Achtung. Es geht ja doch. Auch wenn er zuletzt ein wenig abtauchte.

 

Lewis Holtby war in Halbzeit eins kaum zu sehen, im zweiten Durchgang etwas besser – aber so richtig gut wurde er dennoch nicht.

 

Ivica Olic schoss das wichtigste Tor seiner zweiten HSV-Karriere, ackerte, kämpfte, war überall zu finden – das war gut.

 

Pierre-Michel Lasogga musste früh passen, da verletzt.

 

Artjoms Rudnevs (ab 27. Min. für Lasogga) war viel auf Achse, bäumte sich auf, wehrte sich, ging weite Wege – nur das Glück stand ihm beim Abschluss nicht zur Seite. Kommt das noch?

 


Dennis Diekmeier
(ab 82. Min. für Westermann) kämpfte noch tüchtig mit.

 

Petr Jiracek (ab 87. Min. für Olic) durfte noch mitmachen – und die Siegprämie kassieren.

 

Gleich werden wir, es könnte allerdings etwas später (15 Minuten vielleicht) werden, weil heute ja doch so einiges los ist im Volkspark. Da sich die Weg zu bahnen, könnte diesmal etwas schwerer werden.
Wir werden natürlich über den Saisonausgang sprechen, über das Schalke-Spiel, und da haben wir uns den „Glücksbringer“ der vergangenen beiden Heimspiel wieder eingeladen, den ehemaligen HSV-Profi Stefan Böger. Zudem gibt uns der in Deutschland bekannte und populäre Fußball-Journalist Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) die Ehre, er ist Dauergast bei Sendungen wie „Doppelpass“ (Sport1) und „Sky 90“. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Rückblick begleiten würdet. Bis gleich also.

 

17.47 Uhr

Die “Affen” tanzen, der HSV liegt am Boden!

16. Mai 2015

Stuttgart bezwingt den HSV im Abstiegs-Endspiel 2:1 – die „Affen“ tanzen, der HSV liegt am Boden. Nun muss es sich am letzten Spieltag zeigen, ob der HSV tatsächlich immer wieder aufstehen kann. Am Sonnabend geht es im Volkspark gegen Schalke 04 um alles – jetzt ist der HSV erst einmal auf den vorletzten Tabellenplatz zurückgefallen. Es scheint, als müsste auch in diesem Jahr wieder ein Wunder helfen, um den Dino vor der Zweiten Liga zu bewahren. Der HSV bot auch im Ländle eine erschütternde Leistung, der Tabellenletzte war klar und deutlich das bessere Team und gewann verdient. Die Hamburger hatten deutlich mehr Unzulänglichkeiten zu bieten, als der VfB, HSV-Trainer Bruno Labbadia schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vor das Gesicht. So wird das kaum noch etwas. Und für das Schalke-Spiel fällt nun auch tatsächlich noch Kapitän Rafael van der Vaart aus, der sich in der Nachspielzeit die zehnte Gelbe Karte der Saison erbettelte – Schiedsrichter Manuel Gräfe erhörte den Niederländer! Jetzt hat es der HSV schon nicht al mehr in eigener Hand, den Abstieg noch zu vermeiden. So sieht die Realität im Mai 2015 aus. Gute Nacht!

 

Mit der Aufstellung überraschte Trainer Bruno Labbadia auch diesmal wieder. Es scheint ein Hobby von allen Fußball-Lehrern zu sein, die den HSV coachen. Diesmal kam Marcell Jansen wie Kai aus der Kiste, und Ivo Ilicevic musste wohl deswegen ins Team, weil er ein Rechtsfuß ist. Obwohl der frühere Lauterer mal gesagt hatte, dass er rechts eigentlich nicht spielen möchte. Nun gut, in der allergrößten Abstiegs-Not frisst der Teufel wohl doch Fliegen . . .

 

Die „Affen“, wie VfB-Trainer Huub Stevens seine Spieler in der Woche tituliert hatte, traten mit der stimmgewaltigen Unterstützung von 54 000 Zuschauern an – aber der HSV hielt tapfer dagegen. Und ging sogar mit 1:0 in Führung. Freistoß von halbrechts, den gab Rafael van der Vaart mustergültig (diesmal mustergültig!) vor das Stuttgarter Tor, und dort stieg am Elfmeterpunkt Gojko Kacar in die Luft und köpfte ein. Der Wahnsinn! Kacars drittes Tor in Folge! Das ist unfassbar! Und die Teamkollegen erdrückten den Serben fast vor Freude. Der HSV auf dem Weg zum rettenden Ufer?

 

Leider nein. Und ausgerechnet Kacar bereitete den Ausgleich der Schwaben vor. Der HSV-Torschütze hätte einen Ball weit und hoch aus dem Strafraum herausschlagen können, nein müssen, aber er traf den Ball nicht gut. Stuttgarts Serey Die fing den Ball leichtfüßig ab, und postwendend flog die Kugel wieder zurück in den HSV-Strafraum, weil Marcell Jansen die Flanke nicht verhindern konnte, im Gegenteil, er fälschte die Kugel noch leicht ab. Am Fünfmeterraum-Eck kam Gentner an den Ball, und der schoss, bedrängt von Slobodan Rajkovic, aus der Drehung den Ball durch die Beine von Rene Adler ins Tor (27.). Wie bitter. Plötzlich war Stuttgart hellwach.

 

Und legte nach. In der 35. Minute hieß es 2:1 für den Tabellenletzten. Eckstoß von links, am kurzen Pfosten verlängerte Gentner (setzte sich gegen Ivica Olic durch) den Ball auf das lange Eck, und dort schien die gesamte HSV-Defensive irgendwie eingenickt. Marcell Jansen ließ den aus Hamburg stammenden Martin Harnik (Vier- und Marschlande) gewähren, der auf der Torlinie (am Pfosten) stehende Ilicevic zog schnell mal den Kopf zwischen die Schultern – Tor. Wie bitter war das denn bitte? So kann man im Abstiegskampf, jedenfalls den in der Ersten Bundesliga, nicht agieren. Das ist ein ganz schlimmes Abwehrverhalten, spricht aber Bände für diesen HSV. Und wenn es ganz schlecht gekommen wäre, dann hätte Harnik kurz vor der Pause noch das 3:1 erzielt, nachdem er sich gegen Rajkovic und Johan Djourou durchgesetzt hatte, aber der Österreicher schoss dann doch zwei, drei Meter am HSV-Tor vorbei.

 

Halbzeit. Und Stuttgart jubelte. Weil der VfB dann ganz klar Chef im Ring war. Die „Affen“, die nach dem 2:1 auch wie die Affen getanzt hatten, waren deutlich besser. Der HSV leistete sich viele und in der Entstehung ganz amateurhafte Fehlpässe, Stuttgart war schneller, wirkte frischer, zeigte viele Ideen – und waren schlicht williger, auch viel hungriger auf den Erfolg. Die HSV-Spieler zeigten dazu einige ungewöhnliche technische Fehler. So „paddelte“ Ivica Olic gleich zweimal bei VfB-Eckstößen am Ball vorbei, als er an erster Stelle stand. So etwas darf ganz einfach nicht passieren – aber beim HSV ist das leider an der Tagesordnung.

 

Die Überlegenheit des Schlusslichtes, das längst am HSV vorbeigezogen war, wurde im zweiten Durchgang noch eklatanter. Der VfB stürmte mit Mann und Maus, und der HSV hatte kaum bis nichts dagegen zu setzen. In der 62. Minute schien das 3:1 fällig, überfällig sogar, als Harnik an Rajkovic vorbeigezogen war und quer legte, aber Djourou rettete in allerhöchster Not vor Ginczek – nur Eckball für den VfB. Und als kurz darauf Adler unter einer Flanke durchlief, hätte Didavi eigentlich nur köpfen müssen, dann hätte es 3:1 gestanden – aber der Stuttgarter zögerte zu lange, Chance vorbei. Glück für den HSV. Aber was hilft es?

 

Adler wehrte noch bravourös gegen den frei vor ihm auftauchenden Kostic ab, der Ball prallte danach gegen die Latte (83.). Und noch einmal Adler in der 88. Minute, als er super gegen den durchlaufenden Werner hält. Zum Schluss war das 1:2 für den HSV noch glücklich, weil es nur so knapp war.

 

Niemals Zweite Liga.
???? Das wird noch enger als 2014!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Ilicevic, Jansen (64. Min. Jansen); Olic; Lasogga (58. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler leistete sich eine Schwäche, ansonsten bewahrte er den HSV vor einer höheren Niederlage. Das war eine Weltklasse-Leistung, Note eins mit Sternchen. Aber was hilft es, wenn eine solche Benotung nur auf den Torwart zutrifft?

 

Heiko Westermann hatte gegen den pfeilschnellen Kostic einen ganz schweren Stand, zweimal wurde er regelrecht „nass“ gemacht, ansonsten war das halbwegs in Ordnung.

 

Slobodan Rajkovic wirkte hölzern und langsam, im Moment scheint er mehr und mehr an Form zu verlieren.

 

Johan Djourou war der einzige Lichtblick in der Viererkette, der Schweizer warf sich immer wieder in die Angriffe der Schwaben – das war okay.

 

Matthias Ostrzolek schwamm mit, und zwar tüchtig, da war von Souveränität und Erstliga-Niveau nicht allzu viel zu erkennen.

 

Gojko Kacar markierte „sein“ Tor, da sah alles noch rosig aus, aber dann ging es bergab mit dem HSV – leider auch für den Serben.

 

Rafael van der Vaart ging leider nach dem 1:1 stetig mit unter.

 

Ivo Ilicevic war nie zu sehen. Warum er das so lange zeigen durfte? Ich weiß es nicht! Null Zweikampfverhalten, das mal nur so nebenbei.

 

Marcell Jansen blieb fast alles schuldig, leider, leider.

 

Ivica Olic das war überhaupt nichts. Und zwar 90 Minuten lang.

 

Pierre-Michel Lasogga tauchte von der ersten Minuten an ab und spielte viel zu lange.

 

Artjoms Rudnevs (ab 58. Min. für Lasogga) wollte bestimmt, konnte aber nichts mehr bewegen. Weil sein Umfeld es auch nicht mehr konnte.

 

Zoltan Stieber (ab 64. Min. für Jansen) ist nicht der Typ, der reinkommt und alles durcheinanderwirbelt. Das bewies er auch in Stuttgart.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Stuttgart. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die Schwaben zu sprechen. Unsere Gäste sind heute der ehemalige HSV-Abwehrspieler Detlef Spincke sowie Hamburgs erfolgreichster Amateurtrainer, Bert Ehm, zurzeit Manager des TSV Sasel. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.

 

PS: Die Zweite hat heute ihr Regionalliga-Spiel in Lübeck gegen den VfB mit 2:0 gewonnen. Ahmet Arslan, der ehemalige Lübecker, erzielte das 1:0, Matti Steinmann den 2:0-Endstand – schon vor dem Seitenwechsel. Glückwunsch!

 

PSPS: Wer immer noch mehr HSV und Fußball will, der sollte morgen den „Sportclub live“ im Dritten Programm (NDR) einschalten. Da sind der frühere HSV-Trainer Frank Pagelsdorf und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer, heutige Mental-Coach und immer noch HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann (auch bei uns schon mehrfach zu sehen) zu Gast. Viel Spaß.

 

17.27 Uhr

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