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Nur 1:1 – Ilicevic sorgt für Hoffnung!

28. Mai 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Könnte diesmal aber ganz, ganz eng werden, denn der HSV schaffte vor 56 615 Zuschauern im Volkspark nur ein 1:1 im Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC. Ob das zu wenig ist? Das muss sich am Montag im Badischen zeigen, aber es darf kräftig gezittert werden. Auch deshalb, weil der HSV eine Stunde lang unfassbar schlecht spielte, keine Mittel fand, gegen den früh führenden KSC, der danach kompakt und kompakter stand, offensive Akzente zu setzen. Da hat der HSV während der gesamten Saison schon mächtig viele Defizite, und das offenbarte sich leider auch diesmal, im Spiel gegen den Zweitliga-Dritten. Der KSC wollte die „ewige Uhr“ abstellen, so hatte er Abwehrmann Max gesagt, er hatte den Mund voll genommen, aber ob zu voll, das wird sich zeigen. Der HSV wird sich steigern müssen, und zwar dramatisch steigern, wenn er diese Rückspiel-Hürde noch nehmen will. Vorerst ist er mit einem dicken blauen Augen davongekommen, aber nun wird es happig – keine Frage. In Hamburg wird es ein Public Viewing im Volkspark geben, Einlass ab 18 Uhr, das Spiel wird um 19 Uhr angepfiffen.
Daumen drücken, dass der HSV diese harte Nuss doch noch knacken kann, aber es wird verdammt, verdammt schwer.

 

Wir erinnern uns. Schalke 04 wurde hier vor ein paar Tagen aus dem Volkspark gefegt. Ganz Hamburg jubelte. Ganz Hamburg. Bis auf ein paar Jungs, die das anders sahen. Laut Trainer hatte der HSV ein riesiges Spiel gemacht. Von Beginn an. Mag stimmen, aber das lag daran, dass Schalke gar nicht mehr mitspielen wollte. Laut Trainer Labbadia hatte Schalke nicht einen Millimeter verschenkt – mag ja auch stimmen, aber nur deshalb, weil Schalke erst gar keine Millimeter haben wollte. Da musste es gegen diesen „heißen“ KSC ein böses Erwachen geben – und es gab ein bitterböses Erwachen.

 

Dabei begann es recht verheißungsvoll. Eckstoß von links, ausgeführt von Lewis Holtby, auf den Kopf von Ivica Olic – der köpfte, aus sechs, sieben Metern, aber um Zentimeter drüber. Pech in der dritten Minute. Das Tor fiel im folgenden Angriff – der Karlsruher. Der ehemalige HSV-Spieler Hennings wurde Richtung HSV-Tor geschickt, Johan Djourou leistete ihm einen netten Begleitservice, der KSC-Torjäger zog aus halblinker Position genau aus 16 Metern ab – und drin der Fisch. Vom Innenpfosten rollte der Ball ins HSV-Netz. Das war mal ein Auftakt. Den sich jeder Hamburger genau umgekehrt gewünscht hätte, aber auch Relegationsspiele sind eben kein Wunschkonzert.

 

Fortan zogen sich zehn Karlsruher an den eigenen Strafraum zurück, und der HSV „stürmte“. Das sah dann so aus: Heiko Westermann zu Djourou, quer natürlich, der weiter zu Slobodan Rajkovic, quer natürlich, der weiter zum winkenden Matthias Ostrzolek, weil der den Ball nun unbedingt haben wollte. Dann hatte er ihn. Wie schön. Nur wohin damit? Natürlich. Zurück. Am besten zu Rene Adler. So sah der stürmende HSV aus. Keine Ideen, mein Mut, kein Nichts. Das war einfach nur arm. Da sind die Karlsruher bestimmt in Aue, gegen Sandhausen oder in Aalen ganz anders gefordert worden, von Düsseldorf und Leipzig ganz abgesehen. Das war einfach nur erbärmlich, was sich der HSV da zurechtkickte. Das war nicht mal Zweite Liga.

 

Auf den Werbebanden vor der Haupttribüne liefen unterdessen ganz sinnige Sprüche ab. Solche wie diese hier: „Nervt der Job? Dann einfach wechseln!“ Ob das die HSV-Spieler gesehen haben? Oder: „Nun müssen wir die Suppe gemeinsam auslöffeln.“ Klar. Auch wenn sie nicht klar ist. Oder auch dies: „Gekommen, um zu bleiben.“ Selbstverständlich. In Liga eins. Aber wie? Das stand nicht auf den Werbebanden. Und niemand fand ein Mittel, wie das hätte gehen sollen?
Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob sich die Karlsruher diesen Gang in Hamburg so leicht vorgestellt hatten. Nur die Fans waren erstligareif – oder sogar besser. Aber das werden am Montag die KSC-Anhänger auch ganz sicher sein, mit Liga eins im Blick.

 

Der KSC spielte, wenn er die Chance sah, mutig und schnell nach vorne. Da gab es Tempo und Zug zum Tor, und es gab keine dilettantischen Fehler bei der Ballannahme. Wer war hier eigentlich der Erstligist? Erst in der 42. Minute der erste Ball, den KSC-Torwart Orlishausen tatsächlich halten musste. Ein Roller, nachdem Ivica Olic einen 25-Meter-Schuss von Gojko Kacar gefälscht hatte. Bis dahin aber war nicht ein Ball auf das KSC-Tor geflogen oder gerollt – das ist ein Offenbarungseid. Nicht nur ein offensiver Offenbarungseid, sondern ein fußballerischer Offenbarungseid. Das war ein Kollateralschaden in Sachen Profi-Fußball. Der arme Labbadia da an der Seite, er musste dieses Dilemma mitansehen, ohne helfen zu können. Nur beten konnte er, aber das half diesmal auch nicht.

 

In der 43. Minute hämmerte der verzweifelte Pierre-Michel Lasogga die Kugel aus 25 Metern rauf – aber der Ball flog knapp daneben. Halbzeit, um genau 51 Jahre, 277 Tage, vier Stunden und 17 Minuten sowie 31 Sekunden bat Schiedsrichter Aytekin zum Pausentee. Und auf dem Gang dorthin da bekamen die Herren des HSV mal kurz zu hören, was die Zuschauer von ihren Darbietungen hielten: es gab ein gellendes Pfeifkonzert. Bis die Profis in der Kabine verschwunden waren . . . Das waren 45 Minuten mit Fußball zum Abgewöhnen. Schlechter geht es nimmer – warum strapaziert der HSV nur so die Nerven seiner Anhänger? Warum nur?

 

Nach dem Seitenwechsel zuerst der KSC. Torres traf in der 53. Minute die Querlatte des HSV-Tores, zehn Sekunden später visierte auch Nazarov das Quergebälk des HSV an. Das war gleich zweimal dickes Glück. Aber dann kam der HSV. Mit der verbalen Kraft des Nordens. Wenn der HSV vor dem KSC-Tor auftauchte, brannte es im Norden – leider brannte es nicht oft genug.

 

Dann kam der HSV aber, er drückte, plötzlich ging es mächtig in Richtung KSC-Tor. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, hieß es 1:1. Der eingewechselte Dennis Diekmeier bediente den im KSC-Strafraum lauernden Ivo Ilicevic, der drosch die Kugel aus halbrechter Position aus sieben Metern flach ins Tor. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wird doch noch alles gut? Das wird sich am Montag zeigen müssen – die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder?

 

Nur der HSV.

 

„Auswärtssieg“ skandierten die HSV-Fans im Norden lautstark nach dem Schlusspfiff. Mal sehen.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann (56. Diekmeier), Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Kacar, Diaz; Olic (88. Beister), Holtby (69. Stieber), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war beim 0:1 sichtlich überrascht, dass Hennings sofort abzog. Das war in der vierten Minute. Danach ließ sich der frühere Nationalkeeper immer sehr viel Zeit bei seinen Abstößen – Zeit, die der HSV eigentlich nach vier Minuten schon nicht mehr hatte. Aber muss wohl gut sein . . . Ansonsten wenig beschäftigt, was kam, hielt er souverän.

 

Heiko Westermann sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt schon mal beim Rückspiel. Ging in der 56. Minute verletzt raus – Saison beendet.

 

Johan Djourou begann fahrig, später war er der einzige Hamburger, der mal eine klare Aktion hatte.

 

Slobodan Rajkovic wirkte wieder einmal zu hölzern, dazu gab es etliche technische Probleme mit dem Ball.

 

Matthias Ostrzolek stellte sich in erschütternder Verfassung vor. Kopfballschwach, und wenn er die Hand hob, um den Ball zu fordern, dann bekam er ihn auch – und spielte weit zurück. Unfassbar. Zweite Halbzeit etwas effektiver.

 

Gojko Kacar entpuppte sich leider als Fehlpass-Weltmeister. Unglaublich. Auch wenn er viel lief. Den Willen allerdings konnte ihm keiner absprechen, nur an der Umsetzung haperte es ganz gewaltig. Sah die fünfte Gelbe Karte und fehlt beim Rückspiel. Übrigens ebenso wie der KSC-Mann Peitz (zehnte Gelbe).

 

Marcelo Diaz war schwach. Mehr ist da nicht festzustellen. Schade eigentlich. Riskierte in der Nachspielzeit immerhin einen Schuss aus 20 Metern, den Orlishausen sehr gut parierte.

 

Ivo Ilicevic riskierte hin und wieder ein Dribbling – als einziger Hamburger. Aber auch er schubste mit dem Hintern gleich wieder um, was er sich gerade aufgebaut hatte. Immerhin schoss er das Tor, das noch ein wenig Hoffnung machen könnte.

 

Lewis Holtby bot leider nur eine unterirdische Partie. Jeder, wirklich jeder aus der Zweiten, hätte das besser gemacht. Das war so bitter, ich weiß gar nicht, wann ich so etwas Unterirdische zuletzt von einem HSV-Spieler gesehen habe – und es gab schon etliche Grottenkicks, das wissen wir alle. Wurde in der 69. Minute (zu spät) erlöst, als er von Zoltan Stieber abgelöst wurde.

 

Ivica Olic war rechtzeitig fit, nachdem er eine Woche lang Rücken hatte – aber spielte er mit? Das war gar nichts, leider, leider.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte oft wie eine Dampfwalze – und Dampfwalzen haben auch gelegentliche technische Probleme . . .

 

Dennis Diekmeier (ab 56. Min. für Westermann) sorgte rechts für frischen Schwung – er brannte, wie auch schon sein Trainer in der Woche sagte.

 

Zoltan Stieber (ab 69. Min. für Holtby) sorgte für Belebung beim HSV, der erst dann vollends aufwachte.

 

Maximilian Beister (ab 88. Minute für Olic) sollte noch einmal mit einem Schuss etwas versuchen, oder mit einem Kopfball, aber dazu kam es aufgrund von fehlenden Minuten nicht mehr.

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über das erste Relegationsspiel zu sprechen. Zwei ehemalige HSV-Profis sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast, es sind zwei Männer, bei denen die Wahrheit an den Tag kommt – und auch an die Nacht. Einmal Stefan Schnoor, bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute Sport1-Experte, zudem ist es der ehemalige HSV-Torwart Jürgen Stars, der einst die Nummer zwei hinter „Elfmeterkiller“ Rudi Kargus war. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

22.36 Uhr

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