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0:1 gegen zehn Mann – unterirdisch!

16. Dezember 2014

Sie hätten noch Stunden spielen können, sie hätten kein Tor erzielt – die HSV-Stars 2014. Fast eine ganze Halbzeit lang spielte der VfB Stuttgart nach der Roten Karte für Niedermeier nur zu zehnt, aber der spielerisch in seinen Mitten arg begrenzte HSV war nicht in der Lage, wenigstens einen Punkt zu retten. Mit 0:1 ging das letzte Heimspiel eines verkorksten Jahres mit einer dramatisch schwachen Leistung zu Ende. Gegen einen Tabellenletzten, der in allen Belangen überlegen war. Das sollte jedem Hamburger zu denken geben. Und zwar richtig zu denken. Die Mannschaft wurde nach diesem „Sechs-Punkte“-Spiel, wie es vorher von Trainer Joe Zinnbauer genannt wurde, mit Pfiffen verabschiedet. Das war tatsächlich unterirdisch, was da an diesem 16. Dezember auf dem rasen des Volkspark stattgefunden hatte. Und nun geht es am Sonnabend nach Gelsenkirchen – wer glaubt da noch an ein Wunder? Dieser HSV muss sich m Winter ganz neu aufstellen – so kann, so darf es nicht weitergehen. Das ist nicht erstligareif! Eindeutig nicht. In dieser schlimmen Verfassung ist nicht mal die Relegation mehr drin . . . Frohes Fest!


 

3:0 war der meistgenannte Tipp vorher – für den HSV natürlich. Vornehm geht die Welt zu Grunde. Weil dieser HSV selbstverständlich eine Torfabrik ist, weil er zuletzt alle Gegner aus dem Volkspark gefegt hat, weil der HSV zu Hause wieder eine Macht ist. Von wegen! Grausam, dieses Gekicke. Ganz, ganz grausam. Und die Sorgen der Verantwortlichen werden zu Weihnachten noch einmal größer. Fröhliches Fest!

 

51 Jahre, 114 Tage, drei Stunden und 46 Minuten – da wurde zur Pause gepfiffen. Und es gab massig Pfiffe. Von den HSV-Fans, für den HSV. Der Dino schwächelt wieder einmal sehr, das ist kein Bundesliga-Format. Und die Stuttgarter Kollegen, die Journalisten, die vorher auf einen HSV-Sieg getippt hatten, staunten. Sie staunten deshalb, weil dieser HSV noch viel schlechter spielt, als ihr VfB – und der galt vorher schon als schlecht. Aber keine Frage, dieser HSV hat auch in dieser Saison schon wesentlich bessere Tage erlebt, so ist die Liga ganz sicher in allergrößter Gefahr. Ein Kollege aus dem Ländle stellte zur Pause fest: „Der HSV spielt zwei Klassen schlechter als der VfB . . .“ Stimmte.
Nach 45 Minuten hätte Stuttgart 3:0 oder gar 4:0 führen können. Vom HSV war offensiv – bis auf die Anfangssekunden – nichts zu sehen. Natürlich nicht. Woher soll es auch kommen? Da war vorher nichts, und da ist jetzt auch nichts. Zuletzt stand aber wenigstens die Defensive, doch die leistete sich diesmal auch einen Bock nach dem anderen. Unfassbar.

 

Am Spielfeldrand gab Trainer Joe Zinnbauer pausenlos Anweisungen. Wie ein Alleinunterhalter, er gestikulierte, er schrie, er trieb an – vergeblich. Zuerst stand er da im Pullover, er hätte sich eigentlich heiß gestikulieren müssen, aber in der 36. Minute zog er sich eine Jacke über – weil ihn das Spiels einer Mannschaft nicht mehr erwärmen konnte. Da kam ja nichts – im Gegenteil, nur der VfB kam. In der 16.Minute stand der gebürtige Hamburger Harnik nach einer Ecke am langen Pfosten völlig frei, doch Glück für den HSV – der Mann von Vier- und Marschlande ballerte den Ball in den Abendhimmel. Und noch einmal Harnik: Klein bediente seinen Torjäger per Kopfballablage, doch der Österreicher (Harnik) drosch den Ball aus spitzem Winkel und aus sieben Metern weit am HSV-Tor vorbei. Noch einmal Glück. Aber die Warnung nahm beim HSV niemand ernst. In der 36. Minute klärte Lewis Holtby nach einem Eckstoß und einem Niedermeier-Kopfball auf der Torlinie. Chancen fast im Minutentakt. Für den VfB. In der 38. Minute sah es so aus, als dürfe jeder Stuttgarter mal auf das HSV-Tor ballern. Abgewehrt, abgeblockt, abgewehrt, abgeblockt – das sah ganz nach einer Schießbude vom Dom aus. Wahnsinn!

 

Und dann das längst überfällige Führungstor. Rafael van der Vaart spielte kurz hinter der Mittellinie einen Fehlpass – Konter. Und während die Fans noch pfiffen, spielte Harnik den Ball zur Mitte, Valon Behrami grätschte – den Ball genau in den Lauf von Maxim, der schoss nicht etwa eigennützig auf das HSV-Tor, sondern bediente den mitgelaufenen Klein, und der durfte sich die Ecke aussuchen (44.). Unhaltbar für Jaroslav Drobny, dem nur die Zuschauerrolle blieb.

 

Der HSV hatte damit eine erste Halbzeit hinter sich gebracht, die total erschütternd verlaufen war. Huub Stevens, der VfB-Trainer, hatte vorher etwas unfair den Schiedsrichter gebeten, auf die Härte der Hamburger zu achten – musste er gar nicht. Dieser HSV, der noch vor Wochen Bayer Leverkusen „auseinandergegräscht“ hatte, bot diesmal nur das Schweigen der Lämmer. Nicht mal Behrami holte die Keule raus. Im Gegenteil, der Schweizer hatte diesmal einige Patzer zu bieten – und beschied in der 34. Minute den Fans im Norden, nicht zu pfeifen, sondern die Mannschaft (und sich) zu unterstützen. Aber der Funke sollte eher vom Rasen auf die Tribünen überspringen, doch durch was? Der HSV spielte nur Zufalls-Fußball – und jeden dritten Ball zurück. Und er hatte größte Probleme, wie der VfB mit zwei Angreifern Forechecking betrieb, und weil die Stuttgarter hinten (bei HSV im Ballbesitz) mit einer Sechser-Kette (6:2:2-Tatik) auf die Hamburger warteten. Aber da kam kaum etwas. Das war alles nichts Halbes und erst recht nichts Ganzes, das war einfach nur kümmerlich. Stuttgart wartete auf Fehler des HSV, die kamen – Konter auf Konter folgten. Eine simple Taktik, die gegen diesen HSV genügt.

 

Vor dem Spiel hatte ich unseren Dauer-Gast bei „Matz ab live“, Jürgen Stars getroffen. Der frühere HSV-Torwart sagte: „Ich hoffe, dass sich die HSV-Spieler so bewegen, wie gegen Leverkusen. Nur so geht es. Sie müssten es gemerkt und begriffen haben. Früher, bei Branko Zebec, war es so, dass kein Spieler auch nur kurz mal stehen bleiben durfte. Stand einer, wurde er angeschrien oder vom Platz beordert. Das sollten sich die Jungs von heute mal zu Gemüte führen.“ Sollten. Aber es sind wohl doch einige Stehgeiger zu viel an Bord des Hamburger Schiffes . . .

 

Die zweite Halbzeit begann verheißungsvoll. Für den HSV. Artjoms Rudnevs wurde Richtung VfB-Tor geschickt (gut gelaufen, Rudi!), Niedermeier riss den Letten aber 17 Meter vor dem Gehäuse zu Boden. Freistoß – aber Rot für den Recken der Schwaben (53.). Pech für den HSV, dass der folgende Freistoß von Rafael van der Vaart abgefälscht nur an der Latte landete – Ecke statt Tor. Dann kommt eben auch noch so etwas hinzu.

 

Der HSV rannte danach gegen zehn wackere Schwaben an, aber gegen diese Beton-Abwehr reichten die spielerischen Mittel nicht aus, um da noch etwas zu gewinnen. Obwohl Lewis Holtby in der Schlussphase doch einige Ideen hatte, nur fand er bei de Kollegen kau mal einen Abnehmer. Dieser HSV ist tatsächlich so schlecht, wie er steht. Vielleicht sogar noch schlechter. Wir hoffen mal auf eine Winterpause, in der an allen Ecken etwas getan werden kann – und auch wird. Sonst geht es diesmal wirklich schief.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber (81. Stieber), Marcos; Behrami (71. Arslan); van der Vaart; Müller, Holtby; Lasogga (45. Gouaida), Rudnevs.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny muss in Halbzeit eins der Mann mit dem meisten Ballbesitz. Nicht etwa deswegen, weil Stuttgart sein Tor belagerte, sondern weil die Kollegen des Tschechen eisern und immer wieder auf ihn zurückspielten. Wahnsinn. Aber so kann der Gegner eben kein Tor schießen. Was er dann doch konnte, weil der HSV den Ball vorlegte. Drobny spielte ansonsten gut und auch gut mit.

 

Dennis Diekmeier war zuletzt besser, diesmal waren da doch einige Schnitzer mit in seinem Spiel.

 

Johan Djourou leistete sich diesmal einen Durchhänger der größeren Art, er bot eine miese Partie – aber das darf er wohl auch mal wieder.

 

Cleber ließ sich leider oft von seinem „Vorturner“ anstecken, das war diesmal leider nichts – oder nicht sehr viel.

 

Ronny Marcos bot eine ganz schwache erste Halbzeit mit unheimlich vielen Fehlern, dann eine leichte Steigerung. Aber immer noch nicht gut.

 

Valon Behrami gewann diesmal auch kaum einen Zweikampf auf die für ihn typische bissige Art. Das war seine bislang schwächste Vorstellung im HSV-Trikot. Viele Fehlpässe. In der 71. Minute ausgewechselt.

 

Rafael van der Vaart gehörte diesmal eindeutig zu den Stützen des ansonsten schwachen HSV-Teams.

 

Nicolai Müller fand nicht so wirklich statt. Gelegentlich wirkte er nicht ganz austrainiert, wenn er nur halbherzig hinter seinem Gegenspieler her lief. Kann das sein?

 

Lewis Holtby wollte, biss, aber so richtig fand er nie zu seinem (früher einst gezeigten) Spiel. Schade, schade. Für den HSV.

 

Artjoms Rudnevs war deutlich die bessere Spitze von beiden. Er bot sich an, lief viel in die Gassen, versuchte alles, trotz gelegentlicher spielerischer Mängel.

 

Pierre-Michel Lasogga fand diesmal nicht statt. Vergab in der 12. Minute eine gute Möglichkeit (nach Pass von van der Vaart), anschließend nie wieder zu sehen. Bis zu seiner Oberschenkel-Verletzung. Winterpause!

 

Mohamed Gouaida (ab 45. Min. für Lasogga) machte seine Sache ordentlich – oder sogar besser als das.

 

Tolgay Arslan (ab 71. Min. für Behrami) hatte die Woche über sehr gut trainiert, machte mehr als Behrami, aber es langte nicht.

 

Zoltan Stieber (ab 81. Min. für Cleber) sollte noch einmal Dampf machen – gegen diese Beton-Abwehr. Wurde nicht viel draus.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden dann natürlich über das Spiel gegen die Schwaben sprechen. Unser Gast ist diesmal ein Mann aus der Mannschaft von 1983, es ist Aufsichtsrats-Mitglied Thomas von Heesen.

 

PSPS: Von Fans für Fans – zum Fest. Das Buch für Fans, und das Kinder der Westkurve. Das umfasst 660 Seiten und wiegt 3,1 kg, aber noch spannender ist der Preis: Das Werke kostet jetzt nun EUR 19,90, zu bestellen unter shop@schriftmanufaktur.com.

 

 

Dann gab es da noch eine Mail von „Tante Käthe“, die zwar an uns gerichtet ist, die aber alle interessieren dürfte, die sich in der kalten Jahreszeit so gerne beim Training und im Volkspark aufhalten:

„Lieber Dieter, lieber Scholle, lieber Lars,

weil Ihr immer so tapfer für uns bei Wind und Wetter Euch die Beine in den Bauch steht, hier ein Rezept, mit dem Du sogar tote Elefanten wieder aufwachen lässt :-). Zwei Tassen Wasser in einen Topf zum Kochen bringen, sechs dünne geschälte Scheiben Ingwer zugeben, zehn Minuten kochen lassen. Nach zehn Minuten den Topf von der Herdplatte nehmen und den Saft einer halben frischen Zitrone zugeben und gut verrühren.
In einen Becher geben, dazu zwei Löffel Honig, fertig.
Das Zeug riecht übel, schmeckt aber nicht schlecht und wirkt Wunder!

Deine und Eure Tante Käthe

Vielen Dank für den Tipp, klingt spannend!

 

22.02 Uhr

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