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Labbadia setzt auf Adler, van der Vaart und Lasogga

17. April 2015

Er macht, was er in der kurzen Zeit machen kann. Fleißig wie immer ackert Bruno Labbadia das weg, was er abarbeiten kann. „In die Köpfe der Spieler“ wollte er kommen. Platz genug ist ja da, mag man meinen – aber Labbadia wollte damit eigentlich nur ausdrücken, dass es aktuell weniger darauf ankomme, die Spieler laufen zu lassen denn mit den Spielern eine Bande zu knüpfen und ihnen Last abzunehmen. Dafür war er extra ins niedersächsische Rotenburg gereist, nutzte die Zeit dort, um viele Gespräche zu führen. „Wichtig war aber auch, dass die Mannschaft die Zeit genutzt hat, um zusammenzukommen. Ich glaube, dass das Kurztrainingslager unter tollen Bedingungen seinen Sinn erfüllt hat.“

Was soll er auch sonst sagen? Labbadia macht das, was ein neuer Trainer machen muss. Er spricht viel mit den Spielern und versucht, sie aufzubauen. Besonders auffällig war es, als Labbadia heute auf Pierre Michel Lasogga angesprochen wurde. Er sei „ein Bär“, der bereit ist, so Labbadia. „Ich glaube, dass er uns extrem helfen kann, dass er brennt“, so Labbadia, ehe er Lasogga eine Startelfnominierung für Sonntag versprach. Ebenso wie übrigens Rene Adler und Rafael van der Vaart. Labbadia zieht alle Register, um aus den Spielern alles rauszuholen. Er versucht es insbesondere bei den Spielern, denen man immer wieder ein Potenzial nachsagt, das zu gut sei für die aktuelle Tabellenplatzierung.

 

Viele spektakuläre Änderungen hat Labbadia nicht geplant. Sagt er. Personell muss er es allerdings. So rückt Slobodan Rajkovic für den gesperrten Djourou und Zoltan Stieber für den auf die Doppelsechs zurückgezogenen Lewis Holtby (ersetzt den verletzten Diaz) ins Team. Wieder nicht dabei ist Maxi Beister – aber was nicht ist kann ja noch werden. Und mit Beister hat Labbadia zumindest eine frische Kraft auf der Bank, die das Spiel noch mal verändern kann, wenn es nötig wird.

 

Dass sich Beister mehr erhofft hatte ist klar. 16 Tore hat die HSV-Offensive ohne ihn auf die Beine gestellt – ein katastrophaler Wert und ein Argument, vorn etwas zu ändern. Dennoch wird er warten müssen. Weil Labbadia alles darauf setzt, die einzelnen Qualitäten seiner Spieler stark zu reden. Er schaue nicht in die Vergangenheit und spreche auch nicht über die Schwächen. Labbadia als Hobbypsychologe hofft darauf, dass unter ihm als neuen Trainer die bislang enttäuschenden Holtbys, Lasogga, Olics und van der Vaarts noch mal explodieren.

Neben Lasogga wird auch van der Vaart eine erneute Chance bekommen. In leicht abgeänderter Rolle als Zehner hat er unter Labbadia kaum noch Defensivaufgaben. „Ich habe ihm klar gesagt, ich erwarte keine Grätsche. Aber ich erwarte seinen besten Fußball. Und ich hoffe, dass er uns und den Zuschauern den noch mal zeigt.“ Oha, das hatte ich auch lange Zeit gehofft. Ebenso wie eine klare Einordnung von Valon Behrami. Er würde ein wichtiger Teil für die Mannschaft, wenn er funktioniert, hatte Labbadia am Mittwoch bei seiner Präsentation gesagt. Aber: Funktioniert der eigenwillige Schweizer?

 

Inzwischen ist klar, dass der von der Mannschaft so gefeierte Cotrainer Peter Hermann auch wegen eben jener Mannschaft gegangen ist, die ihm nicht so behagte. Ein Baustein könnte dabei auch Behrami gewesen sein, mit dem Hermann in den letzten Tagen aneinandergeraten war, als der Schweizer im Fitnessbereich arbeitete und dabei die Musikanlage bis zum Anschlag aufgedreht hatte. Hermann fand es zu laut und drehte leiser, was Behrami umgehend wieder änderte – sehr zum Ärger von Hermann. Okay, es wird sicher nicht der entscheidende Punkt für Hermanns Abgang gewesen sein – aber es spiegelt das Dilemma wieder in dieser Mannschaft.

 

Auch deshalb betont Labbadia bei jeder Gelegenheit, alles auf null zu setzen und einen Neustart zu beginnen. Und Behrami, der in meinen Augen kaum noch zu halten ist, profitiert davon unter Umständen am meisten. Und das, obwohl er jüngst bei meinen Kollegen sagte, „Hamburg bleibt eine negative Erfahrung“. Unfassbar…

 

Aber hoffen wir mal, dass Labbadia bei dem enfant terrible „im Kopf“ angekommen ist. Hoffentlich kann Behrami seine Chance auch nutzen. Indem er einfach den Ball gewinnt und ihn einem Fußballer zuspielt. Behrami sollte “Karo einfach” spielen. Ein passtechnisch so limitierter Kämpfer wie er sollte im Mittelfeld alles abarbeiten, was durchkommt und auf gar keinen Fall derjenige sein, der den Ball hinten abholt und das Aufbauspiel ankurbeln muss. Dass ein Trainer (wie zuletzt gegen Wolfsburg) auf diese Idee gekommen ist, kann ich ehrlich gesagt bis heute nicht fassen.

 

Zudem hoffe ich, dass Labbadia deutlich gemacht hat, wie kurz Behrami vor seinem Aus steht. „Natürlich hat er seine Persönlichkeit“, umschreibt der Neu- und Alt-HSV-Trainer geschickt Behramis umsrittene Eigenwilligkeit, die bei der Mannschaft zuletzt zunehmend schlecht ankam. Und auch jetzt dürfte es viele verwunderte Blicke geben, wenn am Ende tatsächlich Behramis Name und nicht der von Gojko Kacar an der Tafel steht. Verständlicherweise, wie ich finde, denn bei dem Serben ist zumindest der Teamgedanke erkennbar, den Labbadia mit der immer wieder betonten „Geschlossenheit“ einfordert. Ob ich Kacar hätte spielen lassen? Ja. Bei mir wäre Behrami nicht wieder ins Team gerückt, bis zu erkennen ist, dass er verstanden hat, worum es geht. Auch auf die Gefahr hin, dass das nie wieder eintreten würde. Aber gut, der „Geist von Rotenburg“, wie ein Kollege sagte, könnte ja auch bei Behrami angekommen sein. Labbadia hat sich auf jeden Fall intensiv mit dem Schweizer beschäftigt und wird es einzuschätzen wissen. Warten wir mal ab, was Behrami daraus macht.

 

Es ist tatsächlich in meinem Umfeld, hier im Blog und auch beim HSV eine gewisse Aufbruchsstimmung zu erkennen. Ein Funken Hoffnung ist wieder da. Eben das, was Labbadia in der so kurzen Zeit bewirken konnte, scheint er bewirkt zu haben. Die Mannschaft habe seinen Plan verstanden und wisse, dass es nur zusammen geht, so Labbadia vor dem Derby. Auch er weiß, auf welch schmalem Grat er und alle sonst hier wandeln. Ein Sieg in Bremen könnte tatsächlich noch einmal eine Initialzündung sein. Eine Niederlage indes könnte den erhofften Trainerwechsel-Effekt nach nur fünf Tagen wieder verkehren. Aber glaubt man der Statistik – und viel mehr habe einige Fans schon nicht mehr -, kann eigentlich gar nichts schief gehen. „Das wusste ich gar nicht“, so Labbadia mit einem Lächeln auf die Frage, ob er seine Statistik, immer das erste Spiel als Trainer gewonnen zu haben, fortführen würde. „Auf jeden Fall gibt mir diese Nachricht noch mal 2 Prozent mehr.“

 

Es ist, das muss man so festhalten, das beim Trainerwechsle entstanden, was man sich noch erhoffen konnte. Der neue Trainer redet seine Mannschaft unermüdlich stark, betont ihre Stärken und die Verantwortung, die die Spieler tragen. Er versucht mit aller Macht, die zuletzt zu Auslaufmodellen avancierte einstigen Führungsspieler neu zu aktivieren, ihnen neues Leben einzuhauchen. Mehr kann er (noch) nicht machen. Und ich hoffe, wie Ihr alle sicherlich, dass das greift.

Aus gegebenem Anlass heute noch eine Audio-Datei mit einem Interview einem der größten DFußballer der HSV-Geschichte: Horst Hrubesch. Das einstige Kopfballungeheuer des HSV feiert heute seinen 64. Geburtstag – und macht sich natürlich Sorgen um seinen HSV. Wir von Matz ab gratulieren Horst Hrubesch allerherzlichst!

Das Interview:

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Arena trainiert. Ich melde mich nach den Samstagsspielen bei Euch.

 

Bis dahin,

Scholle

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