Archiv für das Tag 'Hrubesch'

Adler: “Unsere Gegner müssen wissen, dass es bei uns weh tut”

16. Mai 2013

Was sind schon 27 Jahre Ferguson bei ManU oder 14 Jahre Schaaf in Bremen – gegen 75 Jahre Holsten beim HSV? Der Brauereiriese verlängerte heute seine Partnerschaft mit dem Bundesliga-Dino. Als hätte Marketingvorstand Joachim Hilke die Aufforderung im Blog gelesen, legte der findige 44-Jährige heute gleich mal zwei gute Geschäftsmodelle/Einnahmequellen vor. Zunächst einen Dreijahresvertrag mit der Carlsberg-Brauerei und im Speziellen Holsten. Zum anderen wurde heute eine so noch nie gesehene HSV-Bundesliga-Chronik vorgestellt, die nicht in jedem Auto ausreichend Stauraum vorfindet und die eine oder andere Ein-Zimmerwohnung komplett dicht machen würde. „70 mal 50 Zentimeter“, sei die mit 2500 Fotos bespickte Chronik der HSV-Bundesligageschichte vom ersten Tor Charly Dörfels bis heute. Erhältlich ist das gefühlt zwei Zentner schwere Schmuckstück ab August. Wobei der exklusive Kreis von 999 neuen Besitzern nicht auf den Cent angewiesen sein darf – das Buch kostet immerhin sage und schreibe 2999 Euro.

Schön, spektakulär, exklusiv, teuer – aber mir soll es egal sein. Es wird sicher ausreichend Abnehmer für das teuerste Buch der Vereinsgeschichte geben und der HSV wird ein wenig daran verdienen können. Und so soll es ja sein. Der HSV soll sich gute Geschäftsideen einfallen lassen und von mir aus Milliardenumsätze einfahren. Solange dafür nicht jedes Mal die Ticketpreise angezogen werden. Und daher kann ich dem HSV und Herrn Hilke diesbezüglich nur gratulieren und wünschen: Weiter so. Nur so.

Noch lange nicht aufhören will René Adler. Zum einen nicht mit der laufenden Saison – „Wir haben noch ein echtes Finale vor uns und brauchen dafür das Maximalmaß Konzentration“ – zum anderen nicht mit der Nationalelf, mit der er im Anschluss an die Saison am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA antritt. Zusammen mit Dennis Aogo, Marcell Jansen und Heiko Westermann bildet Adler einen richtigen DFB-Block. Und wenn man ganz ehrlich ist, hätte es sogar sechs HSVer sein müssen, da man Sidney Sam niemals hätte ziehen lassen (er ging letztlich aufgrund eines Streits mit einem Vorstand) und Max Kruse nicht verpassen dürfen. Letztgenannter war beim HSV auf dem Beobachtungszettel und wurde letztlich als „ungeeignet“ eingestuft. Angeblich sei der Linksfuß zu faul im Spiel… Aber egal, vier sind dabei und das sind so viele wie lange nicht mehr im A-Team der Nationalelf. „Natürlich wissen wir, dass viele Stammspieler verhindert sind und wir deshalb so viele HSVer dabei haben“, sagt Adler, „aber trotzdem zeigt das doch, dass man wieder auf Hamburg schaut.“

Traurige Nachrichten gab es dafür aus dem U21-Bereich. Tolgay Arslan wurde zwar vorläufig nominiert, hat aber noch immer mit seiner Kreuzbandzerrung zu kämpfen. „Es wird schwierig für ihn“, sagt Sportchef Frank Arnesen, „wir müssen bei der schweren Verletzung sehr vorsichtig sein und es sind nur noch zehn Tage.“ Arnesen hat bereits mit Arslan gesprochen und den noch immer um seine Teilnahme kämpfenden Mittelfeldspieler auf eine wahrscheinliche Absage vorbereitet: „Es ist sehr schade für ihn, allerdings soll er das positiv nehmen. Es gibt noch einen Tag nach morgen und das weiß Tolgay. So kann er sich komplett auskurieren und fit in der Vorbereitung zur neuen Saison angreifen.“

Das gilt auch für Maxi Beister. Der Offensivmann erhielt am Mittwoch von U21-Trainer Rainer Adrion die Mitteilung, dass er nicht zum Kader gehören wird. Und das, nachdem der Linksfuß zwei Jahre lang unumstrittener Stammspieler mit vielen wichtigen Toren war. „Es ist sehr enttäuschend“, sagte uns Maxi heute, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Es war dem Youngster anzumerken, wie tief ihn die Absage getroffen hatte. Zumal Beister teamintern bei der U21 als Führungsspieler gilt. „Ich kann und will dazu nicht viel sagen“, sagte ein sichtbar enttäuschter HSV-Trainer Thorsten Fink, „aber ich kann mir vorstellen, dass Maxi Beister der Mannschaft fehlen wird.“

So groß die Verärgerung über Adrion, Beister hat sie mit seiner Roten Karte selbst provoziert. „Der wird jetzt bis Saisonende kaum noch spielen und kaum Praxis haben“, hatte mir Horst Hrubesch damals unmittelbar nach Beisters Platzverweis gesagt, „dann wird es auch eng mit der EM. Zumindest hätte ich als Trainer so meine Bedenken.“ Und so kam es letztlich. Obgleich ich mich frage, warum Adrion sich nicht bei Fink nach Beisters Leistungsstand erkundigt hat. So etwas ist normalerweise üblich, wenn es um Stammspieler geht. Und das war Beister. Der Junge hatte wochenlang geschwiegen, um nichts Dummes zu sagen und sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Es war Beister deutlich anzumerken, dass er seinen Fehler erkannt hatte und dass er gewillt ist, ihn wiedergutzumachen. Zudem hat er bislang 24 Einsätze in seiner ersten Bundesligasaison gehabt – das ist allemal eine Bewerbung für eine Nachwuchs-EM.

Egal wie, Beister hat auch Zuspruch. Nicht nur von mir. Ich bin da ganz sicher nicht wichtig. Dafür aber von Sportchef Frank Arnesen. Der Däne versuchte Beister geradewegs wieder aufzubauen und fand sogar etwas Positives: „Maxi hat ein paar aufregende Tage und Wochen hinter sich. Ich habe ihm gesagt, dass er enttäuscht sein darf und vielleicht sogar muss. Aber er soll versuchen, nach ein paar Tagen auch das Positive zu sehen: So kann er nach der Saison länger Urlaub machen und mal so richtig ausspannen, um frisch in seine zweite Bundesligasaison zu gehen. So überrascht wir alle sind, auch ich – ich bin mir sicher, Maxi verdaut das Ganze.“

Am Sonnabend allemal. Da geht es auch für den Youngster noch mal um alles. Und die Aussicht auf internationale Spiele dürfte auch Beister zufriedenstellen. Obgleich die Chance darauf weiter gering ist, ist die Motivation bei Adler, Beister und Co. riesig. Egal, ob wir abhängig sind von Frankfurt – am letzten Spieltag noch um einen internationalen Platz zu kämpfen ist pure Freude und ein Höchstmaß an Motivation für jeden Spieler. Wir haben nichts zu verlieren gegen eine starke Mannschaft und wollen uns einen schönen Saisonausklang verschaffen.“ Der sei schon jetzt als Erfolg zu werten – sagt Fink. Adler scheint da höhere Ansprüche zu haben. „Wir können mit einer Europa-League-Teilnahme eine gute Saison aus der bisherigen machen.“

Gut so. Ich mag es, wenn gute Leute hohe Ansprüche haben. Vor allem, wenn sie beim HSV spielen und dafür nichts unversucht lassen. So, wie Fink es andeutet. Zwar seien alle Spieler fit und es gebe keinen Grund für eine personelle Umstellung, allerdings ließ der Trainer auch heute wieder ein 3-5-1-1-System spielen. Seine Erklärung: „Die Mannschaft muss auf Situationen reagieren können und das müssen wir üben. Auch kurze Systemumstellungen.“ Mit den Worten: „Stellt euch vor, es sind noch fünf Minuten und Leverkusen führt 1:0“, gab Fink im Abschlussspiel die Anweisung, offensiver zu agieren und die vermeintliche A-Elf gab Gas, presste und rückte hoch auf. Allerdings vergab Westermann eine Riesenchance per Kopf – erhielt aber Lob von Fink: „So soll’s sein. Ihr müsst euch die Chancen erarbeiten.“ Gewillt scheinen sie allemal. Von Adler über Beister bis hin zu Jacopo Sala und allen anderen, die wohl nur auf der Bank oder der Tribüne Platz nehmen werden. Adler kündigt seinen ehemaligen Mannschaftskameraden, für die es tabellarisch um nichts mehr geht, einen harten Gang in Hamburg an. Ob er glaubt, seine Ex-Kollegen könnten unterbewusst schon auf Urlaubsmodus geschaltet haben, sagt er: „Das liegt nur an uns. Wir wissen, wo der Schlüssel liegt. Wir müssen denen von Beginn an zeigen, dass wir gewinnen wollen, dafür alles tun. Danach ist Urlaub, danach können alle ihre Blessuren auskurieren. Nur nicht im Spiel. Es ist auch nicht verkehrt, wenn man als Gegner weiß, dass es in Hamburg durchaus mal weh tun kann.“

Das sind doch mal markige Ansagen. Genau die Art, wie ich sie gern höre und noch lieber umgesetzt sehen würde. Auch von Adler, der heute auf die Frage nach einem möglichen Wechsel in der Sommerpause etwas ausweichend antwortete: „Von Interessenten hört man immer gern, das sind Bestätigungen für einen selbst. Das motiviert mich auch. Aber ich habe in Hamburg einen langfristigen Vertrag und Ambitionen. Es gibt im Moment keinen Anlass, was anderes zu denken.“ Stimmt, zumal Klubboss Carl Jarchow auf den immer wieder kolportierten ersten Interessenten, den Premier-League-Klub Arsenal London, antwortete: „Ich kann ihnen versprechen, dass René Adler kommende Saison nicht für Arsenal spielt.“ Gut so. Zumindest für den HSV, der vor Adler erst einmal acht, neun andere Spieler abgeben sollte. „Bislang gibt es noch kein Angebot“, sagt Arnesen, darauf angesprochen. Und der Sportchef bezieht Heung Min Son mit ein. „Stand jetzt bleibt er bei uns. Ich bin da auch ganz positiv“, so Arnesen, der sich nach Saisonende mit Son und dessen Berater zusammensetzen will. Ob es auch eine ewig andauernde Verhandlung werden könne, die sich erst mit dem Schlusspfiff der Transferperiode Ende August entscheidet? Arnesen: „Nein, eigentlich nicht. Auch wir wollen planen.“

Solltet Ihr schon Euren morgigen Tag planen, macht das ohne den HSV. Der trainiert morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber Dieter wird Euch auf dem Laufenden halten. Ganz sicher.

Apropos sicher –in Sachen Oberneuland ist da nichts sicher. Der Norddeutsche Fußballverband teilte inzwischen mit, dass er bis morgen die rechtlichen und sportlichen Folgen des Insolvenzantrages prüfen werde. Zuletzt hieß es, durch die Insolvenz stünde zwar der Abstieg Oberneulands fest, allerdings würden bei einem so späten Antrag (bis vier Spiele vor Saisonende) nicht nachträglich alle Ergebnisse aus der Wertung genommen. Als diese Meldung beim SC Victoria, der mit am meisten davon profitieren würde, die Runde machte, hieß es sofort: Dann reichen wir Protest ein. Klar aber ist nach dem 3:1 des HSV II beim SCV, dass die Mannen von Rodolfo Cardoso gerettet sind. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und hoffe, dass der Argentinier in der neuerlichen Kaderzusammenstellung klarer interveniert, wenn er Bedenken hat. „Wir setzen uns zusammen und besprechen alles“, kündigte Arnesen heute an und fügte hinzu: „Wir wissen, dass und was wir verbessern müssen.“

Klingt doch zunächst einmal sehr gut.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

P.S.: Tomás Rincón und Heung Min Son wurden für ihre Nationalmannschaften nominiert. Son muss nach Südkorea reisen, um gegen den Libanon (4. Juni), Usbekistan (11. Juni) und den Iran (18. Juni) anzutreten. Rincón trifft in seiner Heimat Venezuela Bolivien (07. Juni) und Uruguay (12. Juni).

P.P.S.: Ein kurzes Video mit Adler, der über die Nartionalelf spricht, findet Ihr auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/groups/Matzab

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

Dies und das zum Wochenende

23. März 2013

Es ist nur ein Gerücht, wirklich nur ein Gerücht, dass das deutsche Fernsehen am Dienstag statt der Riesen-Partie gegen Kasachstan aus dem Volkspark überträgt. Live natürlich. Gezeigt werden soll die Fußballtennis-Partie zwischen HSV-Torjäger Artjoms Rudnevs und HSV-Co-Trainer Nikola Vidovic. Über fünf Sätze. Die Übertragung vom Kunstrasen-Platz neben der Arena soll bereits eine Stunde vor dem ersten Ballwechsel erfolgen, Anpfiff ist dann zur besten Sendezeit, nämlich um 20.30 Uhr. Schiedsrichter ist HSV-Co-Trainer Patrick Rahmen, Ballholer links ist HSV-Co-Trainer Frank Heinemann, Ballholer rechts ist HSV-Torwart-Trainer Ronny Teuber, Fifa-Beobachter ist Urs Meier (Schweiz), kommentiert wird das Match von „Altmeister“ Rolf „Töppi“ Töpperwien, das Moderatoren-Team besteht aus Carmen Thomas und Dieter Thomas Heck. Gegen Mitternacht ist dann auch noch ein Torlattenschießen zwischen Thorsten Fink und Frank Arnesen geplant; Deutschland gegen Dänemark – also bitte, liebe Fußball-Fans, nichts vornehmen an diesem Dienstag, es geht rund.

Und zwar in etwa so rund, wie es gestern in Astana bei der WM-Qualifikation auch rund ging. Da wurde zur besten Sendezeit über Stunden ein öffentliches Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gezeigt. Mit Werbeblöcken zwischendurch, versteht sich. Wirklich über Stunden. Und dann so, wie es immer ist, wenn „Klein“ gegen „Groß“ spielt: Nur nicht verletzen, nur kein Risiko eingehen, nur nicht verausgaben, nur keinen Schritt zu viel. Und daran wurde sich auch strikt gehalten. Oder profihaft.

Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw hatte in der Woche vor dem Spiel noch gesagt, dass diese „Kleinen“ doch besser eine Vor-Qualifikation bestreiten sollten, bevor sie dann auf die „Großen“ losgelassen werden. Kasachstan aber, das hat Löw extra betont, wurde von diesem Vorschlag ausgenommen. Kasachstan ist vielleicht nicht klein genug, oder von den Kleinen ein etwas Größerer. Ach, Herr Löw, warum? Weil Sie wussten, dass das deutsche Fernsehen, genauer das ZDF, das DFB-Training aus und gegen Kasachstan immerhin durch eine über dreistündige Live-Übertragung würdigt?
“Es war nicht so einfach gegen Kasachstan”, sagte Torwart Manuel Neuer nach dem Spiel. Natürlich war es nicht leicht: Anstoß um Mitternacht, dann in einer “Halle” auf Kunstrasen, und dazu auch noch ohne Stürmer – das ist schon hart. Wobei ich glaube, dass der Flug noch nachts aus Astana wohl das Härteste an diesem Trip war – Landung gegen 5.30 Uhr.
Im Radio, welcher Sender auch immer, habe ich heute gehört, dass der Sprecher von einem “Gurkenspiel” gesprochen hat. Mein Freund Klaus hat zur Halbzeit abgeschaltet und ist in die Kneipe gegangen. Kommentar: “Unerträglich.” Das war schon hart – das über Stunden ertragen zu müssen.

Auch wenn es schwer fällt, es geht nun noch einmal in die Wunde: Das war am Freitag ein ganz, ganz bitterer Fußball-Abend. In etwa so wie HSV gegen Augsburg. Nur gab es diesmal drei Punkte für den „Großen“. Gut daran war wohl nur, dass jeder deutsche Spieler sein Trikot nicht waschen lassen musste – verschwitzt oder dreckig war keiner.

Und während des “Spiels” habe ich so bei mir gedacht: Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Schongang noch einen Gang nach dem anderen zurückschalten kann, dann dürfen die restlichen HSV-Profis, die noch in Hamburg verblieben waren, das doch auch. Dann dürfen die eben auch mal einen Kurz-Urlaub einschieben. Alles nur von wegen der Verletzungsgefahr. Eigentlich dürfte sich ja jetzt kein HSV-Profi, der in der Heimat geblieben ist, an diesem Wochenende verletzen. Eigentlich. Ich gehe davon aus. Obwohl wir das ja auch schon alles anders erlebt haben. Zum Beispiel dann, wenn da mal ein junger Vater sein Baby hebt und sich dadurch “Rücken” einfängt . . . Aber das wollen wir jetzt auch nicht verschreien.

Zum Thema Training und Nationalmannschaft zurück. Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon einmal geschrieben habe (falls ja, sage ich schon mal sorry!), aber es gab vor vielen Jahren mal eine heftige Diskussion zwischen Karl-Heinz Riedle, Rudi Assauer und mir. Auf Eurosport. Ich hatte dabei gewagt zu behaupten, dass früher, vor der Klinsmann-Ära beim DFB, nur „pille-palle“ bei der Nationalmannschaft trainiert wurde: kurz aufwärmen, ein kleines Spielchen, das war es. DFB-Kapitän Philipp Lahm hat es einst sogar in seinem Buch bestätigt, aber „Kalle“ Riedle protestierte ganz heftig („Wir haben früher auch hart trainiert, aber hallo.“) und nahm sich dazu Assauer als Beistand. Wobei der frühere Schalker Manager ja nie in der Nationalmannschaft gespielt hat. Aber das nur am Rande. Früher war das jedenfalls alles viel gemütlicher beim DFB. In etwa so, wie die 90 Trainings-Minuten gegen Kasachstan . . .

Zum HSV. Da hat „Scholle“ ja zuletzt viel über die Jugend berichtet. Und gestern ja auch mit Horst Hrubesch gesprochen. Dazu noch eine kleine Ergänzung: Am Montag, beim Oddset-Talk im Hotel „Le Royal Meridien“, war auch unser „Matz-abber“ „Eiche“ mit von der Partie (als Zuschauer), und er fragte Hrubesch nach der Talkrunde explizit zum HSV: „Kommen Sie noch einmal zum HSV zurück?“ Hrubesch antwortete nur kurz und knapp – und ehrlich: „Nein, nein, das ist vorbei.“ Weil das „Kopfball-Ungeheuer“ am 17. April 62 Jahre jung wird, dazu noch einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem DFB abschließen wird – und dann in den verdienten Ruhestand gehen will. Wer also – wie ich – immer noch darauf gehofft hatte, dass sich Horst Hrubesch eines (nahen) Tages für seinen HSV entscheiden würde, das kann sich nun jeder abschminken. Das Thema ist durch. Ich glaube, zu 100 Prozent.

Ganz nebenbei: Wer an diesem Wochenende ein wenig Zeit hat, der sollte sich einmal das Video vom Oddset-Talk ansehen. Es sind dort von den Talk-Gästen einige gute Sachen gesagt worden – und brisante dazu. Das Video ist hier am Dienstag reingestellt worden.

Ja, und dann gibt es noch einen Rückblick auf das vergangene Wochenende. Dazu gab es nämlich eine bemerkenswerte Mail eines „Matz-abbers“, die ich hier – verkürzt (und gelegentlich korrigiert) – einmal veröffentlichen möchte:

Ich sehe als Pflicht der hiesigen Journalisten, dass endlich einmal bei Thorsten Fink hinterfragt wird, warum die Aufstellungen so frühzeitig bekanntgegeben werden…?! in Einzelfällen einem Spieler das Vertrauen auszusprechen, mag ja noch hilfreich und aus Sicht des Trainers verständlich sein, aber was eine vorzeitige Festlegung des (Stamm-)Personals sowie der taktischen Ausrichtung angeht, hat doch diese Woche eindrucksvoll bewiesen: Nämlich, dass dies mehr als kontraproduktiv fürs eigene Team ist. Und dabei ist nur zweitrangig zu bewerten, dass der Gegner vorab alle Informationen frei Haus erhält und sich explizit auf Stärken / Schwächen des HSV vorbereiten kann.

Warum hat sich Beister denn hängen lassen? Was überhaupt nicht hinterfragt wurde, sondern einfach nur als (angebliches) Faktum dargestellt wurde. Er wusste – wie alle anderen Spieler und den Fans – schon vor (!) dem Oslo-Spiel bereits, dass er nicht in der Startelf gegen Augsburg stehen würde. das ist anhand der Interviews und kolportierten Worte Finks belegbar. Konkurrenzkampf…? Fehlanzeige…!

Warum hat Arslan denn so ein bescheidenes Spiel gemacht…?! Sicher, er hätte unbekümmert aufspielen können, aber eben genauso nicht, denn bis 45 Minuten vor Spielbeginn wusste TA nicht, dass er in der Startelf steht. Auch bei ihm war die Anspannung spätestens seit dem „Dienstag-Gebet” des Trainers weg. Er wusste ja, wie das Mittelfeld besetzt sein würde, zumal es in den vergangen Tagen / Wochen auch keine Anzeichen gab, dass er nunmehr spielen würde. Spätestens durch Sons Versetzung ins Mittelfeld war klar, dass er schon einmal gar nicht spielen (Stammelf) würde – zumal ja auch noch Skjelbred das Puffer dazwischen war…! Mental war TA somit sicher schon bei der U-21, aber nicht beim Gegner aus Augsburg.

Und nun soll mir keiner damit kommen, dass es „doch Profis” seien, die immer bereit sein müssten. Das hat nichts mit „Profitum” zu tun, sondern ist eine menschliche Regung, dass man nicht bei 100 Prozent ist, wenn einem tage- / wochenlang suggeriert wurde, nicht gebraucht zu werden…!!!

Zu Maximilian Beister habe ich schon genug geschrieben, dieses Thema hat sich für mich (vorerst jedenfalls) erledigt. Zu Tolgay Arslan werde ich gleich noch einmal etwas sagen, aber zunächst mal zur allgemeinen Problematik. Nämlich der früh veröffentlichten HSV-Mannschaftsaufstellung.

Um ganz ehrlich zu sein, überrascht es mich auch, dass sich Thorsten Fink meistens schon sehr, sehr früh in alle seine Karten gucken lässt. Vielleicht gab es da mal eine Ausnahme, nämlich vor dem Stuttgart-Spiel, als da doch noch etwas geheim geblieben ist, aber ansonsten ist der HSV-Coach schon sehr offen. Mir fehlt ein Beispiel zu ihm. Huub Stevens war genau das Gegenteil – so denke ich rückblickend. Und Armin Veh kam Fink schon am nächsten, der heutige Frankfurter Trainer war oft auch sehr ehrlich – zu ehrlich. Weil ich auch denke, dass es dem Gegner schon mal ganz gut tun würde, wenn er die HSV-Aufstellung erst mit der Hereingabe des Spielberichtsbogens (in die Kabine) erfährt.

Und für die eigenen Spieler, da liegt unser „Matz-abber“ schon ganz richtig, ist es natürlich auch viel besser, wenn die Spannung bis zum Freitag (vor einem Spiel am Sonnabend) erhalten bliebe – bis dann der Kader bekannt gegeben wird. Bei Felix Magath, so erinnere ich mich, geschah das freitags so, dass er den Kader an die Tafel in der Kabine schrieb. Und Ende. Keine Erklärungen an die Spieler, erst recht keine Erklärungen an die Presse-Vertreter. Und das ist nämlich auch ein Punkt: Die Pressevertreter wollen immer alles ganz genau wissen. Ganz genau. Und sie bohren dann auch so lange, bis ihnen die Aufstellung für das kommende Wochenende auf dem Tablett serviert wird. Vom Trainer. Und da auch Thorsten Fink eine ganz ehrliche Haut ist, legt er alle (fast alle) Geheimnisse offen.

Wobei eines auch zu beachten wäre: Spätestens im Abschluss-Spielchen, in dem sich dann die „gedachte“ Aufstellung einspielen soll, weiß jeder Spieler, was die Stunde geschlagen hat. Das passiert nicht selten auch schon donnerstags, sodass dann auch schon die „Spannung“ raus sein könnte.

Zusammenfassend denke ich aber, dass Thorsten Fink besser beraten wäre, wenn er die Aufstellung etwas länger für sich behalten würde. Auch wenn er dadurch vielleicht ein bisschen Ärger mit den Presse-Vertretern bekommen würde. Aber meinen Kollegen möchte ich diesbezüglich gerne zurufen: Früher war es ein Sport, mit seinen (ins Blaue getippten) HSV-Aufstellungen richtig zu liegen, da wurden auch die „Richtigen“ gezählt – und wenn man „gewonnen“ hatte, dann wurde es der Konkurrenz (-Zeitung) auch noch unter die Nase gehalten. Das war doch aber viel besser, als jetzt immer zu 100 Prozent richtig zu liegen – weil die Informationen ja zeitig und aus erster Hand kommen. Und, um ehrlich zu sein, mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Leser deshalb bei der Zeitung (und/oder dem Reporter) beschwert hat, weil vor dem Spiel in der Aufstellung noch Dennis Aogo stand, plötzlich aber Tomas Rincon auf dem Rasen stand. Oder liege ich da so falsch?

Zu Tolgay Arslan. Mir tut es weh, wenn ich – wie nach dem Augsburg-Spiel passiert – lesen muss, dass er deswegen so schwach spielt, weil er verunsichert ist, dass er Zweifel hat, dass er stets vom Schlechtesten ausgeht. Er hat es den Kollegen der Bild nach der 0:1-Niederlage offenbart. Es wird schon so sein, wie er sagt, aber dass er so stark verunsichert ist, dazu hätte es eigentlich nicht kommen dürfen. Arslan hat aber viel, viel Pech gehabt. Er kam auf der „Sechs“ was kaum einer für möglich gehalten hätte, ganz groß raus. Ich hielt es sogar für total unmöglich, aber Arslan hat stark gespielt und auf diesem ungewohnten Posten seinen Mann gestanden, alle überzeugt. Er galt als der Aufsteiger der Saison. Und mitten in sein Glück hinein verletzte sich Rafael van der Vaart, sodass Tolgay Arslan diesen Posten (des Niederländers) übernehmen musste. Und schon war die „Sechs“ weg. Bitter für ihn, viel Pech für ihn. Und wenn er dann, als van der Vaart wieder spielte, von der Bank ins Spiel kam, dann brachte er nicht annähernd mehr die guten und großartigen Leistungen, die er vorher gebracht hatte. Und dann geht es vielleicht noch zwei, drei Spiele gut (weil der Trainer Arslan auch nicht fallen lassen wollte – das war gut!), aber nicht viel länger. Dann ist „Mann“ draußen. Auch einer, der vorher (ein paar Wochen vorher) noch eine Stütze war. So schnell geht es eben – und das nicht nur im Profi-Fußball, aber eben auch dort . . .

Thorsten Fink wurde in dieser Woche zu Tolgay Arslan gefragt, speziell zu den Selbstzweifeln des Spielers. Der Trainer antwortete: „Ich finde das gut. Aber ich finde auch, dass er Selbstvertrauen haben könnte, denn er ist ein Super-Spieler, er hat einen Super-Schritt nach vorne im letzten Jahr gemacht. Und dann kam das, was oftmals einem jungen Spieler passiert, wenn er einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat, dann fällt er in ein kleines Loch. Wenn man dann meint, weil es einem vorher ja gut gegangen ist, etwas weniger machen zu können . . .“ Dann brach Thorsten Fink ab. Und fuhr nach zwei, drei Sekunden fort: „Anscheinend hat es Tolgay jetzt, das entnehme ich seinen Aussagen, kapiert, dass man mehr machen muss. Nach oben kommen ist einfach, aber man ist auch schnell wieder unten. Sich oben zu halten, das es sehr schwierig, und das muss er nun auch mitmachen. Das machen ja viele junge Spieler mit. Aber ich denke, deshalb werte ich seine Aussagen als positiv, er weiß jetzt, was er wieder besser machen muss. Er kann Selbstvertrauen haben, er ist ein guter Spieler – er hat uns in der Hinrunde weit nach vorne gebracht. Mit weit nach vorn gebracht.“

Thorsten Fink ergänzt noch: „Tolgay ist einer der jungen Leute, auf die ich in Zukunft baue, er ist einer der jungen Wilden, einer aus der Rasselbande, die ich in der Zukunft gerne hätte. Talente, die Selbstvertrauen haben, die aber trotz allem weiter an sich arbeiten. Tolgay gehört dazu.“ Fink dann in seinem Resümee: „Reden ist immer gut, machen ist aber immer besser.“

Das “Reden” war darauf bezogen, dass sich Tolgay Arslan ja in der Zeitung offenbart hatte.

Ein anderes Thema. “Scholle“ hatte es bei „Matz ab“ geschrieben, im Hamburger Abendblatt erschien es auch. Dass Michael Mancienne gesagt hat, dass der HSV unter die ersten vier Clubs der Bundesliga gehört. Dazu gab es einen Leserbrief, den ich auch noch gerne veröffentlichen möchte. Es schrieb Friedrich L. aus Hamburg:

Lieber Herr Mancienne, der HSV gehört genau dorthin wo er jetzt steht und eher noch
weiter ins Mittelfeld. Wer oben mitspielen will, muss nicht nur mental dazu in der Lage
sein, sondern auch spielerisch. Dazu gehört zum Beispiel in jedes Spiel mit der richtigen
Einstellung zu gehen und die Motivation nicht nur bei den Top Vereinen abzurufen. In jedem Zirkus wird täglich trainiert, auch montags! Die Artisten beim HSV halten dieses aber für nicht erforderlich. Um im oberen Viertel eine Rolle zu spielen bedarf es einer anderen Einstellung aller Verantwortlichen in allen Belangen. Ein Blick zu den europäischen Top
Vereinen um zu sehen wie dort gearbeitet wird, ist bestimmt hilfreich die Wünsche des
HSV und Fans zu befriedigen.

Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Jahren schon sehr viel geschrieben, deswegen lasse ich das nun einmal unkommentiert. Soll sich jeder das denken, was er möchte – und eventuell seine Lehren daraus ziehen.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf die ARD-Sendung „Beckmann“ zurückkommen. Da hatte Schiedsrichter Babak Rafati seine Angriffe gegen die Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug verteidigt: „Das sind keine Vorwürfe, sondern ich habe alles, was ich erlebt habe, im Detail beschrieben.“ Der 42-Jährige bekräftigte, dass er sich über längere Zeit von Herbert Fandel „menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend“ behandelt gefühlt habe – „man hat mich systematisch gemobbt.“

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter betont, dass er niemanden die Schuld an seinem Suizidversuch vor 16 Monaten gebe. „Ich sehe niemanden als Täter und mich selbst als Opfer. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es einfach darum, diese Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken. Was in dieser Nacht passiert ist, muss ich mir ganz allein zuschreiben. Diese Tat wollte ich mir antun – und niemand anders. Allerdings wolle er zeigen, „was passieren kann, wenn man mit Menschen so umgeht“, wie es Fandel getan habe, so Rafati.

Ich finde es jammerschade, dass es so gekommen ist, dass es nun diese Eskalation gibt. Alles höchst, höchst bedauerlich. Es war ein schwerer Fehler, dass Rafati dieses Buch schreiben musste. Er hätte schweigen sollen, in meinen Augen sogar schweigen müssen. Nun aber geht es weiter. Damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, dieses Buch, diese Anschuldigungen werden ein Nachspiel haben, davon bin ich restlos überzeugt. Mal abwarten, ob es auch so eintritt. Ich glaube aber nicht, dass sich das die Herren Fandel und Krug gefallen lassen werden. Wir werden sehen.

Ich habe hier schon geschrieben (und bekannt), dass ich mich mit Babak Rafati sehr gut verstanden habe. Grundsätzlich aber muss doch festgehalten werden: Rafati war in seinen letzten beiden Jahren als Schiedsrichter umstritten. Und er wurde, wie abartig das auch immer ist, zweimal von den BL-Profis zum schlechtesten Unparteiischen der Liga „gewählt“. Da ist es doch völlig klar und logisch, dass auch Männer wie Fandel und Krug, die Chefs von Rafati, einmal ein „ernstes Wort“ mit ihrem „Sorgenkind“ reden würden. Jeder Chef würde es mit seinem offensichtlich schwachen oder überforderten Angestellten machen. Und gegebenenfalls dann sogar die Reißleine ziehen. Aber das haben Fandel und Krug ja nicht mal gemacht . . .

Und dass Fandel folgenden Satz gesagt hat: „Babak, jeder kann sich Fehler erlauben, nur du nicht“, das war in der Schiedsrichterei allgemein bekannt. Es war aber nicht so gemeint, damit Rafati unter Druck zu setzen, sondern ihm zu vermitteln, dass er sich stets um bessere Leistungen bemühen solle – um nicht aus der Ersten Liga abzusteigen.

Babak Rafati, zu dem ich nach seinem Suizidversuch keinen Kontakt mehr hatte, sucht für sich ganz gewiss eine Erklärung für das Geschehene, aber dabei hat er in meinen Augen leider einen Irrweg eingeschlagen. Ich glaube eher, dass er mit dem ganzen Druck, der auf jedem BL-Schiedsrichter lastet, nicht (mehr) zurechtgekommen ist. Und damit meine ich nicht den Druck, der von Fandel und Krug ausging, sondern jenen Druck, der von der Öffentlichkeit (den Medien) und den Fans kommt und gemacht wird. Woche für Woche. Damit muss man erst einmal klarkommen. Erst recht dann, wenn man (höchst) sensibel ist – oder sogar auch krank. Ich hoffe nur, dass sich Babak Rafati, den ich als großartigen und humorvollen Menschen kennengelernt habe, noch besinnt, bevor es ganz zu spät ist. Obwohl es eigentlich schon viel zu spät ist . . .

PS: Ich kenne auch Herbert Fandel und Hellmut Krug persönlich, mit Krug bin ich (fast) befreundet, würde ich sagen. Das schreibe ich nicht, um damit anzugeben, sondern um zu sagen: Ich bin von diesen beiden Herren menschlich absolut überzeugt. Und man kann es mir glauben, dass ich auch ganz andere Charaktere in diesem Fußball-Geschäft kennengelernt habe, um die ich noch heute lieber einen ganz großen Bogen mache. Fandel und Krug gehören nicht zu dieser Kategorie, sie sind okay. Ich wurde das nach den Veröffentlichungen von Rafati von mehreren Freunden und Bekannten gefragt, wie ich Krug und Fandel einschätze, aber ich habe allen gesagt, dass ich an ihnen keine Seite oder Facette entdeckt habe, die mich zu dem Schluss kommen ließ: „Menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend.“

Natürlich, das will ich nicht verhehlen, wir haben uns stets nur privat unterhalten, und nicht von Schiedsrichter zu Schiedsrichter-Boss, aber kann man sich nicht auch so ein Bild von Menschen machen? Ich lasse nichts auf Krug und Fandel kommen – so wie ich vorher auch nichts auf Babak Rafati habe kommen lassen. Egal, wie oft mir Kollegen und Fans eingeredet hatten, wie schlecht der Mann aus Hannover doch pfeift. Das habe ich stets ausklammern können. Weil er in meinen Augen ein feiner Mensch, ein ganz netter Kerl war – vielleicht ja auch noch ist.

Aber ein Buch muss sich ja auch verkaufen . . .

18.29 Uhr

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