Archiv für das Tag 'Hrgota'

Verdientes 2:2 gegen Gladbach – und alle sind heil geblieben

9. Januar 2013

Da telefoniere ich mit Dieter und wir sprechen über das bis dato ansehnliche Spiel des HSV. „Die stehen wieder richtig gut“, sagt Dieter just in dem Moment, in dem Dennis Diekmeier einen langen Flankenball unterläuft. Und Dieter hatte Recht – zumindest bis zu dieser 26. Minute, in der Diekmeier Gladbachs Patrick Herrmann die große Chance eröffnete, die Michael Mancienne nur noch mit einem Foul im Sechzehner abwenden konnte. Glück für den Engländer, dass er für das Foul als Letzter Mann nicht auch noch Rot (m.E. bei einem Elfer eh unnötig) bekam. Egal wie, Borussen-Kapitän Daems verwandelt sicher – 1:1.

Denn bis hierhin hatte der HSV mit 1:0 geführt. Milan Badelj war es, der in der 13. Minute einen Abpraller aus ca. zehn Metern einnetzte. Verdient, wie ich fand – und finden sollte. Denn auch nach dem 1:0 spielte der HSV bis auf die Ausnahme beim 1:1 sehr gefällig. Hinten sicher, im Mittelfeld mit vielen guten Ideen wurde schnell auf Offensive umgeschaltet. Und – auch das muss gesagt werden – diesmal standen mit Artjoms Rudnevs und Heung Min Son zwei Stürmer auf dem Platz, die anspielbar waren – und die gefährlich wurden. Zunächst verpasste Son eine von Rudnevs über Skjelbred eingeleitete Chance nur knapp (31.), ehe der Südkoreaner mit seiner Flanke den Letten am kurzen Pfosten erreichte und dieser den Ball mit Hilfe des überraschten Gladbach-Keepers Marc Andre ter Stegen zur erneute Halbzeit-Führung (43.) einköpfte.

Eine verdiente Pausenführung, die in der zweiten Hälfte, in der Fink wie angekündigt etliche Wechsel vornahm. Unter anderem kam auch der wieder genesene Maxi Beister für den guten Artjoms Rudnevs. Dem Spiel tat das keinen Abbruch. Der HSV bestimmte weiter die Partie, auch wenn Gladbach durch Nordveits strammen 18-Meter-Schuss lange Zeit die größte Chance besaß. Allein der für Adler eingewechselte Jaroslav Drobny parierte den Schuss mit einer sehenswerten Parade.

Und nachdem das Spiel spätestens nach der zweiten Wechselperiode in der 62. Minute zunehmend an Fahrt verlor, übernahm Mönchengladbach mehr und mehr das Kommando. Zunächst war es Thorben Marx, der mit einem gefährlicher Distanzschuss nur knapp das HSV-Tor verfehlte (69.), ehe Luc de Jong (war er es wirklich?) in der 72. Minute aus dem Gewühl nur die HSV-Latte traf. Es entwickelte sich ein Spiel, in dem sich bis auf Bruma (noch der beste in einer ab der 62. Minute wackelnden Abwehr) keiner der potenziellen Streichkandidaten empfehlen konnte. Im Gegenteil, die vielen Wechsel offenbarten, dass der zweite Anzug wie schon im Spiel gegen Al Shabab nicht passt. Folgerichtig mussten Bruma und Co. auch in der 86. Minute den 2:2-Ausgleich durch Hrgota hinnehmen und hatten unmittelbar nach dem 2:2 sogar Glück, nicht noch zu verlieren.

Dennoch, positiv waren die ersten 45 und mit Abstrichen die Minuten 46 bis 62 sowie die Tatsache, dass sich niemand verletzte. Im Gegenteil, mit Beister und Jansen kehrten nach ihren Verletzungen gleich zwei Spieler gesund zurück.

Nicht mitspielen durfte Paul Scharner nach der Roten Karten gegen Al Shabab. „Ich glaube nicht, dass es eine rote Karte war, da hätte auch Gelb gereicht. Trotzdem ist es für mich natürlich ärgerlich, weil ich jetzt erst mal gesperrt bin.“ Weil es keinen offiziellen Schiri-Bericht gab, hat Marinus Bester übrigens einen Bericht an die DFL geschickt. Für die heutige Partie gegen Mönchengladbach jedenfalls war Scharner erst einmal gesperrt. Und wenn es für ihn ganz dumm läuft, dann wäre er auch noch am Sonnabend (15.30 Uhr, Imtech-Arena) gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Austria Wien nicht spielberechtigt. „Das wäre natürlich bitter für mich, weil ich gerne gegen meinen Exklub spielen würde.“ Teammanager Marinus Bester meinte aber, dass er nicht für die Bundesliga gesperrt werden kann. Zumindest das…

Hier im Blog wird immer wieder nach dem Training gefragt und ich gebe zu, mir fällt es schwer, Trainingsberichte anderer (ich bin leider nicht vor Ort) komplett zu übernehmen. Dafür führe ich zu viele Unterhaltungen am Trainingsrand, in denen ich nicht immer einer Meinung war mit meine(m)n Kollegen. Heute mache ich eine Ausnahme, weil es zu einfach ist, denn das Training heute Vormittag war sehr locker, nicht mal eine Stunde wurde Kreis gespielt.

Dabei war mein geschätzter Kollege Kai Schiller nicht nur beim Training sondern auch bei der Runde mit Klubbos Carl Jarchow, in der es mal wieder einige sehr interessante Aussagen gab. HSV-Boss Carl Jarchow über…

… das Amts-Ende von Aufsichtsratsboss Alexander Otto: „Ich fand es sehr lobenswert, wie sich Herr Otto im letzten halben Jahr als Aufsichtsvorsitzender eingebracht hat“

… die bevorstehenden Aufsichtsratswahlen: „Die Wahl steht sehr viel weniger im Fokus als beim letzten Mal, als es eine Richtungswahl war. Das ist diesmal nicht der Fall.“„Wir haben es auch in diesem Jahr noch nicht geschafft, den Kader auf die Größe zu reduzieren, die wir uns vorgenommen haben.“

… den möglichen neuen Aufsichtsratsboss, der im Übrigen nicht unmittelbar nach der Versammlung am 13. Januar gewählt werden soll: „Er muss den HSV repräsentieren“

… die Gefahr, dass zu viele Fans im Aufsichtsrat sitzen könnten: „Ich mache mir keine Sorgen um die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Auch diesmal sind Kandidaten dabei, die große Wirtschaftskompetenz vorweisen können.“

… die Gefahr, zu wenig sportliche Kompetenz im Kontrollgremium zu haben: „Es muss alles zusammenpassen. Wenn Sie keinen Kandidaten haben, dann muss man mit der Situation leben. Das muss man nicht erzwingen. Als Vorstand darf man sich nicht seinen Aufsichtsrat aussuchen. Das ist nicht meine Aufgabe und das habe ich auch schon in der Vergangenheit kritisiert.“

… die finanzielle Situation des HSV: „Dem Verein geht es wirtschaftlich nicht gut. Auch in dieser Saison sieht es nicht nach einem ausgeglichenen Jahresergebnis aus.“

… die einzusparenden 6,4 Millionen Euro: „Die Hoffnung ist nach wie vor dar. Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Wenn wir mit einem größeren Verlust in diesem Jahr abschließen, dann müssen wir im Sommer unbedingt einsparen.“

... den geplatzten Transfer von Gojko Kacar: „Ich habe wenig Verständnis dafür, dass ein Spieler ein solches Angebot von solch einem Verein, der in der Europa League spielt, ausschlägt. Der Sportchef und der Trainer haben mit ihm geredet. Wir haben ihm ja schon vorher klargemacht, wie seine Perspektiven bei uns sind. Er weiß, was für ein Angebot an Mittelfeldspielern wir haben und er weiß, dass er nicht zu denen mit den größten Chancen zählt.“

… die Möglichkeit, Spieler abzugeben und gleichzeitig Teile des Gehalts zu übernehmen: „Wir freuen uns, dass sich die Spieler so wohl fühlen bei uns. Aber wir sind fantasievoll und kreativ.“

… Heung Min Sons Vertragsverhandlungen: „Wir wollen ihn halten, sind in Gesprächen.“

Worte des Klubbosses, die ich nachvollziehen, über die ich mich aber auch wundern und bei denen ich teilweise sogar zweifeln muss. Nachvollziehen kann ich, dass er über seine künftigen „Chefs“ vom Aufsichtsrat nichts Negatives öffentlich sagen will. Wer würde sich an seinem Arbeitsplatz Firma schon hinstellen und vor allen Leuten den Chef bzw. den noch zu findenden Chef im Voraus kritisieren? Wundern muss ich mich darüber, dass erneut so „ehrlich“ die Finanzen angesprochen werden. Das hätte Carl Jarchow zu diesem Zeitpunkt umgehen sollen, um nicht noch deutlicher zu machen, wie abhängig der Klub davon ist, dass andere Klubs hier einkaufen. Und bezweifeln muss ich die Aussage bezüglich Gojko Kacar. Dieser hatte öffentlich gesagt, er hätte auf 20 Prozent Gehalt verzichten wollen und niemand hat dem widersprochen. Und wenn Hannover Kacar unbedingt hätte haben wollen, hätte es Lösungen gegeben. Auch die, dass der HSV entweder einen Teil des Gehaltes übernimmt oder von Vornherein auf einen gewissen Teil der Ablösesumme verzichtet. Den Spieler allein für den geplatzten Transfer verantwortlich zu machen halte ich für zu einfach.

Aber wie dem auch sei, Spieler wie Aufsichtsräte oder auch Vorstand und Trainer müssen sich am Ende an ihren Ergebnissen messen lassen. Und das gilt für Jarchow, Arnesen, Fink, Kacar und Co. gleichermaßen. Und sportlich, das zeigte die Partie heute, ist der HSV auf einem guten Weg. Zumindest sah das heute bei der A-Elf schon ganz ordentlich aus.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (17.58 Uhr)

HSV: Adler (46. Drobny) – Diekmeier, Mancienne (ab 46. Bruma), Westermann (62. Rajkovic), Jansen (62. Lam) – Skjelbred (46. Sala), Badelj (62. Rincon), Arslan (46. Ilicevic), Aogo – Son (62. Berg), Rudnevs (Beister).