Archiv für das Tag 'Höwedes'

Aogo fällt aus – und Arnesen ist wieder da

8. März 2012

Oha, das ging schneller als ich dachte. Eigentlich sollt sich der Einsatz von Dennis Aogo erst in den letzten Trainingseinheiten entscheiden. Aber als ich heute zur Pressekonferenz über den Parkplatz vor der Imtech-Arena schlenderte, kam mir Dennis Aogo in seinem Wagen entgegen. Er hielt kurz an und ich fragte, wie es mit seiner Wade aussehen würde. „Gar nicht gut“, so die niedergeschlagene Antwort des Linksfußes, „ich werde am Wochenende wohl nicht dabei sein.“ Eine Einschätzung, die HSV-Trainer Thorsten Fink nur wenig später konkretisierte. „Tomas Rincon hat mit Wadenproblemen gefehlt, soll aber morgen wieder dabei sein. Das wird bei Dennis leider nicht gehen. Dennis wird am Sonntag nicht dabei sein.“

Es drohen nach den Sperren für Jarolim (5. Gelbe) und Paolo Guerrero (acht Wochen) zwei weitere Ausfälle, die dem HSV sehr weh tun würden. Immerhin hatte Fink zuletzt den Versuch mit Marcell Jansen als Linksverteidiger als gescheitert bezeichnet. Heute revidierte er seine Worte: „Marcell ist ein gelernter Linksverteidiger. Das am Sonnabend war nicht gut. Ich glaube aber, dass er es am besten kann.“ Soll heißen: Gegen Schalke spielt Jansen links. Ob auch sonst die gegen den VfB so löchrige Viererkette bleibt?

Es sieht so aus.

Allerdings weniger, weil Fink davon überzeugt ist, als weil sich aus der zweiten (und teilweise dritten) Reihe wirklich niemand aufdrängt. Gestern beim Spiel gegen Victoria hatte ich jedenfalls den Eindruck, als wolle Jeffrey Bruma sich nicht wirklich empfehlen. Als einziger mit dieser neumodernen Schal-Halskrause (tragen zumeist die Keeper) auf dem Platz unterwegs, wirkte der Niederländer nicht wirklich motiviert. Er hielt sich bei Zweikämpfen zurück und ließ im Verbund mit Michael Mancienne in der Innenverteidigung dem Oberligisten eine Fülle von Chancen zu. Wobei man bei Mancienne, der am Ball unsicher wirkte, noch sagen kann, dass er zumindest alles versucht hat. Auch wenn es nicht gut war. „Das Spiel war sehr gut für mich“, gab sich Fink zunächst geheimnisvoll, „es hat mir einige wichtige Aufschlüsse geliefert.“

Welche genau? Na klar, zum einen den, dass Heiko Westermann auf der linken Seite in der Viererkette nichts zu suchen hat. Nicht, dass Westermann („Das habe ich bei Schalke 40- oder 50-mal spielen müssen“) das nicht könnte – er spielt das sicher solide. Nein, Fink musste erkennen, dass die Innenverteidigung nicht auf ihren Abwehrchef verzichten kann. Zu schlecht waren die Darbietungen des niederländisch/englischen Duos. „Ich wollte ja eh nicht allzu viel verändern“, versuchte Fink heute die Entscheidung nicht als gegen Bruma/Mancienne sondern für Westermann/Rajkovic zu umschreiben, „und ich musste erkennen, dass Heiko im Zentrum zu wichtig ist, als dass ich ihn außen spielen lasse. Das wird definitiv nicht passieren.“

Obwohl es sicher noch nicht komplett sicher ist, dass Rajkovic nach seinem Blackout-Spiel gegen Stuttgart wieder in die Innenverteidigung rückt. Fink hatte angekündigt, den Serben im Training ganz genau beobachten zu wollen. Er wollte zunächst abwarten, wie Slobodan Rajkovic das Katastrophenspiel verkraftet. „Slobodan hat gut trainiert. Nach seiner Roten Karte damals war er schlechter drauf.“ Fink stellt auf – nach dem Ausschlussverfahren…

Na gut, das muss noch lange nichts bedeuten. Im Gegenteil. Manchmal entwicklet sich aus der Notsituation etwas Positives. Allerdings ist es sicher alles andere als optimal vor einem schweren Auswärtsspiel wie dem beim FC Schalke. Wobei ich mir fast genauso große Sorgen um unser Mittelfeld mache. Ohne Jarolim und jetzt auch noch ohne Rincon? Dass Kacar kommt, war klar. Aber wer ersetzt im Falle seines Ausfalles Rincon? Robert Tesche? Das wäre ein wirklich hohes Risiko. Ein zu hohes, wie ich glaube. Allerdings gilt das auch für die Alternativen. Denn die beinhalten entweder eine Umstellung oder eine Premiere. So könnte Fink auch Jacopo Sala auf die Sechs ziehen. Dann hätte er zwar einen laufstarken, technisch guten Spieler mehr in der Zentrale – allerdings ohne diesen bislang in der Bundesliga dort spielen gesehen zu haben. Nur gut, dass Fink selbst heute noch sehr optimistisch formulierte: „Bei Tomas ist es eher nicht so ernst.“

Ernst hätte es in London werden können. Dort weilte Sportchef Frank Arnesen, um sich einen Überblick über personelle Möglichkeiten bei seinem Ex-Klub FC Chelsea zu machen. Er sprach mit dem FC-Präsidenten und dem Sportdirektor – auch über die Zukunft von Jeffrey Bruma. Ich habe Arnesen eben im Auto auf dem Weg zum Flughafen erreicht. Und er schien zufrieden mit den Gesprächen zu sein. „Wir haben über Jeffs Entwicklung bei uns gesprochen und Chelsea ist sehr zufrieden mit dem, was wir machen. Sie finden es gut, konnten aber natürlich noch keine konkrete Entscheidung treffen.“ Natürlich deshalb, weil der Abramowitsch-Klub seinen Trainer Andre Villas-Boas (für angeblich rund 14 Millionen Euro Abfindung!!) entlassen hat und bislang noch keinen neuen Trainer präsentieren konnte. „Von dieser Entscheidung hängt natürlich auch einiges ab“, erklärt Arnesen, „er muss sich entscheiden, mit wem er arbeiten will.“ Allerdings dürfte Jeffreys aktuelle Form dem HSV in die Karten spielen…

Zudem nutzte Arnesen den Trip, um mögliche interessante Leihgeschäfte auszuloten. So sprach er auch über Romelu Lukaku, der beim HSV seit Jahren auf dem Wunschzettel steht, bei Chelsea bislang nicht über Einwechslungen hinauskam, aber trotzdem über einen Marktwert von 15 Millionen Euro verfügt. „Wir haben über ihn gesprochen“, gibt sich Arnesen betont vorsichtig, „aber bei ihm wird es ganz sicher keine Entscheidung über seine Zukunft geben, bevor nicht der neue Trainer da ist.“ Und auch der zweite Name, den wir hier im Blog zuerst ins Gespräch gebracht hatten, wurde von Arnesen bestätigt. Tomas Kalas, der tschechische Innenverteidiger, der momentan vom FC Chelsea an Vitesse Arnheim verliehen ist, gilt als einer der Lieblingsspieler vom HSV-Sportchef. „Wir haben damals sehr viel Potenzial in ihm gesehen“, erzählt Arnesen, dessen Sohn Sebastian den heute 18-Jährigen einst für Chelsea gescoutet hatte. „Tomas steht auf unserer Liste, ist aber auch erst 18 Jahre alt. Wir verfolgen seinen Weg. Er hat viel Talent und ist ein Spieler mit einer sehr guten Zukunft. Aber im Moment haben wir vier gute Verteidiger.“

Heute Abend kehrt Arnesen aus London zurück. Etliche Gespräche im Rücken und einige neue Eindrücke im Gepäck. Und obwohl er (zumindest offiziell) noch nichts zu vermelden hat, so ist er „sehr, sehr positiv“, wie er selbst sagt. Und das gelte auch für das Spiel auf Schalke. Arnesen glaubt an eine Reaktion der Mannschaft. Ebenso wie es der heute ungewohnt wortkarge Heiko Westermann sieht: „Wir haben das Debakel gegen Stuttgart abgearbeitet. Jetzt müssen wir eine Reaktion zeigen. Wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt – jetzt müssen wir auch wieder aufstehen.“

Punkt. Mehr wollte Westermann eigentlich gar nicht erzählen. „Nach einem 0:4 zu Hause gibt es auch nicht mehr viel zu erzählen. Stattdessen würde ich lieber jetzt als gleich das 0:4 wieder gutmachen.“ Ausgerechnet bei dem Klub, von dem Westermann zum HSV wechselte. „Es ist schon ein anderes Spiel als sonst“, erzählt Westermann, der noch immer Freunde beim FC hat. „Ich habe noch guten Kontakt zu Benedikt Höwedes“, sagt Westermann, „ich hatte dort eine schöne Zeit.“ Als Linksverteidiger? „Auch. Auf links, auf rechts, in der Mitte – und im Mittelfeld“, scherzt Westermann leicht gequält. Dem HSV-Kapitän war anzumerken, dass ihm noch lange nicht nach Scherzen zumute ist.

Und das ist auch gut so. Denn in den nächsten Wochen, mit Schalke, danach dem Heimspiel gegen den SC Freiburg sowie den beiden Auswärtsspielen in Folge gegen Wolfsburg und Kaiserslautern stehen schwere, richtungweisende Spiele an. In den vier Partien kann sich der HSV ebenso nach unten hin komplett absichern wie wieder mitten in den Abstiegskampf geraten.

Schon deshalb verstehe ich, dass Heiko Westermann nicht nach Scherzen zumute ist. In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Endlich zählts: die Bundesliga! Und eine neue Chance…

12. Januar 2011

Der HSV will den vielen starken Worten der letzten Tage gegen Schalke am Sonnabend Taten folgen lassen – das belegte das heutige Training. Nach intensiven Technikübungen folgte ein noch intensiveres Trainingsspiel. Veh beorderte mit Brügmann und Akyol erneut zwei Talente aus der Regionalligamannschaft zu den Profis (Pressel ist ja ohnehin schon länger dabei), um sein A-Team wettbewerbsgleich gegen elf Spieler (in diesem Fall Reservisten) antreten zu lassen. Und es war ordentlich Tempo in der Partie. 45 Minuten (mit zwei kleinen Pausen) ließ Veh seine Schützlinge aufeinander los und man sah am Einsatz aller, dass der Kampf um die Plätze im Kader voll entbrannt ist. Doch nicht alles dürfte dem Coach gefallen haben: Die Stammelf (Rost – Demel, Westermann, Kacar, Aogo – Jarolim, Zé Roberto – Pitroipa, Ben-Hatira, Elia – van Nistelrooy) gewann durch Tore von Pitroipa und van Nistelrooy, die sich auch jeweils als Vorbereiter einmal eintrugen, zwar mit 2:0. Die Reservisten hätten das Spiel aber ihrerseits gut und gerne gewinnen können. Torun, Choupo-Moting (nach bösem Schnitzer von Westermann) und Jansen vergaben beste Chancen. Es geschah genau das, was Veh nach dem Ajax-Kick und in einer Videoanalyse vor dem heutigen Training noch angemerkt hatte, es wurden zu viele Chancen zugelassen. „Wir dürfen nicht so viele Möglichkeiten des Gegners zulassen, daran werden wir in der Trainingswoche verstärkt arbeiten“, hatte Veh versprochen. Und seit heute weiß er, dass er morgen und Freitag noch eine Menge Arbeit vor sich hat.

Zumal die Schalker Mannschaftsicher nicht schlechter sein wird als die B-Elf des HSV. Das verriet Ex-Schalker Westermann. Der Abwehrchef hatte sich bei seinen Ex-Kollegen etwas umgehört und dabei Interessantes zutage befördert. Zum Beispiel verriet er, dass er nicht daran glaube, dass Farfan wirklich nicht zur Startelf der Gelsenkirchener gehören wird. Genauso wie er gehört haben will, dass Höwedes trotz seines Anfang des Monats erlittenen Bänderrisses gegen den HSV auflaufen wird. Die Magath-Wunderheilung in zehn Tagen? Abwarten. Der Ex-HSV-Profi kann dabei noch mit anderen seltenen Maßnahmen aufwarten: So kehrt er mit seinen Schalkern erst am Freitag aus dem Trainingslager im türkischen Belek zurück – und nur einen Tag später geht es bei 20 Grad weniger gegen den HSV. Gut, vielleicht wird die S04-Turnhalle ja ordentlich geheizt?!? Andererseits kann ich dieses Vorgehen von einem peniblen Macher wie Magath absolut nicht nachvollziehen. Und so sehr ich ihn als Fachmann schätze – so etwas gehört einfach bestraft…
Aber zurück zu dem, was wir selbst verantworten und beeinflussen können. Beim Abschlussspiel nahm Kacar wie erwartet neben Westermann den Platz in der Innenverteidigung ein, bekam aber den einen oder anderen Rüffel des Trainergespanns von der Seitenlinie zu hören. „Was machst du da, Gojko, wo treibst du dich rum“. Immer wieder musste Kacar in seine Rolle zurückbeordert und neu gestellt werden. Glänzen konnte dagegen vor allem zu Beginn des Trainingsspiels einmal mehr Ben-Hatira mit guter Übersicht und tollen Pässen. Und auch wenn er zum Ende des Trainings ein wenig abbaute, an seinem Einsatz von Beginn an besteht wohl kein Zweifel mehr. Änis selbst wollte diese Woche nicht viel sagen, sondern erst mit Taten glänzen. Er hat aus seinen Fehlern gelernt. Der Junge ist fast schon beängstigend erwachsen geworden… Obwohl, ein bisschen was hat er dann doch zum Besten gegeben: „Ich weiß ja noch nicht einmal, ob ich spiele. Aber wenn, werde ich Gas geben ohne Ende. Ich habe zuletzt immer gespürt, kein Notnagel mehr zu sein, sondern über gute Trainingsleistungen die Chance zu haben, mich anzubieten.“ Am Ziel ist er dennoch noch lange nicht. „Das ist erst der erste Schritt.“
Die sonstigen Eindrücke aus dem Training: Pitroipa war auffälliger als Elia, die rechte Seite der A-Elf war insgesamt effektiver als die linke. Etwas überraschend – aber so war es. Und Besic hatte in der B-Elf gute Szenen – er scheint sich nicht aufgegeben haben im Kampf um die zentrale Position in der Abwehr. Der Junge begeisterte mit guten Zweikämpfen und er dirigierte fleißig.
Einer der größten Besic-Befürworter ist übrigens Kapitän Westermann. Und der kam heute vor dem Training zu uns in die Presserunde. Er erzählte, dass er immer noch in Kontakt zu einigen Schalkern steht, vor allem zu Neuer und Höwedes. Aber das hatte ich eingangs dieses Blogs ja schon. Er weiß allerdings auch, wie man gegen die Königsblauen gewinnt. Die Chance gegen die Magath-Befehlsempfänger bestünde vor allem in der Schwierigkeit der Schalker, selbst das Spiel zu machen. „Wenn wir alle Räume eng machen, werden sie es schwer haben. Zudem ist die Abwehr nicht die beste, sie haben zum Beispiel derzeit keinen Rechtsverteidiger zur Verfügung.“ Was für Zyniker nach dem aktuellen HSV-Problem mit „Giiiiiii“ klingt, gilt offenbar auch für Westermanns Ex-Klub. „Dafür“, und das betonte er auch, weil es sein direktes Arbeitsfeld betrifft, „sucht der Sturm mit Raul und Huntelaar seinesgleichen in der Bundesliga.“

Gut nur, dass sich Westermann – wie gestern schon Gojko Kacar – selbst topfit fühlt. Allerdings räumte der Kapitän ein, wenn man sein Spiel gegen Amsterdam zum Maßstab nähme, könne man kaum sagen, er sei schon in der bestmöglichen Form. Er habe selbst einige Stockfehler in seinem eigenen Spiel sowie im Zusammenspiel mit seinem neuen serbischen Innenverteidiger-Kollegen erkannt. Man kann bei Westermann über alles meckern, man kann ihm viele Vorwürfe machen, aber dieser Mann hat Charakter. Der stellt sich nach jedem Spiel, der reagiert auf bittere Pfiffe gegen seine Person mit einer anschließend blitzsauberen Leistung (gegen Hoffenheim) – und er ist selbstkritisch. Gesund selbstkritisch. „Unser Job ist mit vielen Vorteilen behaftet, die wir schätzen müssen, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren“, hatte er schon bei seiner Vorstellung zu Saisonbeginn gesagt. Westermann damals: „Dazu gehört es auch, in schwierigen Zeiten die Arschbacken zusammenzukneifen und sein Ego hintenanzustellen.“ Dass er sich in allen Lagen und zu allen Themen stellt, bewies er auch heute wieder, als er einem Radioreporter noch zum Besten, dass er sich über den Dioxin-Skandal keine großen Gedanken macht und weiter Eier esse. Respekt! Das sind doch mal Informationen…

Nun gut, wir wissen alle nicht, ob das Experiment mit Westermann/Kacar gut geht, aber die beiden wirken zumindest in sich gefestigt, als seien sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Kacar sieht die Chance, sich auf einer anderen Position als der Sechs in die Startelf zu spielen. Und Westermann ist wie immer heiß darauf, endlich mit dem HSV durchzustarten. Im Mittelfeld hat Veh die Qual der Wahl – und mit Ben-Hatira eine neue Alternative, auf die ich ebenso gespannt bin wie auf Westermann/Kacar. Was mich allerdings etwas verwundert: Beim HSV schwärmen sie alle von Schalkes Offensive mit Huntelaar und Raul. Das kann man machen. Die sind schon ne Hausnummer. Aber, um mal das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, wer offensiv mit eben jenem Ben-Hatira, Pitroipa, einem Eljero Elia und noch dazu mit einem Ruud van Nistelrooy antreten kann, sollte mehr seine eigene Stärke betonen, denn über andere philosophieren. Bei allem Respekt vor dem S04-Angriff…

Aber gut, das Schönste am heutigen Tag war, dass es der erste seit Wochen war, an dem ich nicht ein einziges Gespräch geführt habe, in dem es um Hoffmann, den Vorstand allgemein oder den Aufsichtsrat ging. Endlich, und es sind ja nur noch drei Tage, haben sich alle wieder aufs Kerngeschäft konzentriert: die Bundesliga. Ich auch. Und ich werde hier, das kündige ich schon mal an, bis einschließlich zum Anpfiff am Sonnabend um 18.30 Uhr optimistisch sein. Ich will es einfach versuchen. Weil mir alle Spieler, Trainer und sonstigen Verantwortlichen von Gesundung und Besserungen berichtet haben. Ich will einfach optimistisch sein. Frei nach dem Motto: Der HSV beginnt neu und kriegt dafür eine neue Chance. Auch wenn es meinen Beobachtungen hier und da mal widerspricht. Weil alles andere keinen Spaß macht. So habe ich das bei unserer traditionellen Abendblatt-Tipprunde übrigens auch immer gehandhabt. Bei mir hat der HSV, ob bei Pagelsdorf, Jara, Toppmöller, Doll, Stevens, Jol oder auch Labbadia in den letzten zehn Jahren jedes Spiel gewonnen – ausnahmslos. Dadurch habe ich einige Runden knapp die Geldränge verpasst – aber dafür war die Freude doppelt groß, als ich die letzten Runden gewinnen konnte. Ich verspreche Euch hiermit allerdings auch, dass diese Unvernunft spätestens mit der Analyse nach dem Schalke-Spiel beendet ist.

Übrigens: Das Spiel gegen Schalke war aufgrund der Dachschäden durch die Schneemassen der letzten Wochen bis gestern sogar noch gefährdet. Erst am späten Nachmittag kam die endgültige Bestätigung, dass gespielt werden kann – zumindest solange das Wetter so bleibt, wie es ist. Gegen den HSV werden Regencapes an die Zuschauer auf den betroffenen Plätzen verteilt, wo das Dach nicht dicht ist. Wenn es jedoch wieder schneien sollte, sind Spielabsagen bis Ende März nicht ausgeschlossen.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

20.29 Uhr

P.S.: Um mal mit einem Gerücht aufzuräumen: Dennis Aogo erhält für seine Vertragsverlängerung eine Verdoppelung des bisherigen Jahressalärs. Allerdings entspricht das längst den Taut-Vermutungen (drei Millionen Euro) sondern beläuft sich auf „nur“ rund zwei Millionen Euro per annum.

Denkt mal an Bordon

30. Mai 2010

Die HSV-Krise ist immer noch allgegenwärtig, vielleicht ist es sogar so etwas wie ein Fluch. Das habe ich jedenfalls heute spontan gedacht, als ich die Neuigkeiten von der Nationalmannschaft erfahren habe. Kaum tauchte der Schalker Heiko Westermann auf der Kandidatenliste des HSV auf und wurde als potenzieller Nachfolgekandidat für Jerome Boateng in der Innenverteidigung gehandelt, war für ihn das WM-Aus quasi besiegelt. Kahnbeinbruch – damit dürften für den Schalker Kapitän auch die Vorbereitung und der Saisonstart 2010/11 gelaufen sein.

Das von einigen von Euch kürzlich angestimmte „Zwölf kleine Aufsichtsräte“ sollten wir besser auf die DFB-Auswahl anstimmen. Wenn es so weiter geht, braucht Joachim Löw seinen Kader vor dem WM-Start gar nicht mehr zu reduzieren – das geschieht schon von selbst. Was glaubt Ihr eigentlich, was Deutschland in Südafrika reißen kann? Eigentlich sprechen ja alle Vorzeichen gegen eine erfolgreiche Reise des Löw-Teams. Aber da wir uns ja nach dem HSV-Desaster am Saisonende auf eine optimistischere Ausrichtung verständigt hatten, halte ich mich mit sorgenvollen Einschätzungen zurück. Und da es neben dem DFB-Kader ja noch andere mit einigen Verletzungssorgen und Formschwächen gibt, möchte ich mich erst unmittelbar vor Turnierstart mit meiner endgültigen Prognose melden. Bis dahin warte ich natürlich vor allem gespannt ab, was mit unseren Hamburger WM-Fahrern passiert. „Boa“ – ja, bis 30.6. ist er noch HSVer – und Piotr Trochowski bezeichne ich mal als gesetzt. Marcell Jansen und Dennis Aogo müssen sich in den kommenden Tagen unabdingbar machen. Lassen wir uns überraschen.

Nun habe ich aber noch eine Information, die ich gerne mit Euch teilen möchte. Nicht etwa die neuesten Gerüchte in Sachen Stürmersuche. Da kursierte ja zuletzt die Nachricht, Andrej Voronin sei in Hamburg gesichtet worden. Ich will gar nicht behaupten, dass der Ukrainer nicht in der Hansestadt war. Allerdings habe ich bis heute noch keinerlei Information erhalten, dass der frühere Berliner auf dem Wunschzettel des HSV stehen soll. Dafür spräche auch wenig, sofern Neutrainer Armin Veh auf die Angreifer Paolo Guerrero, Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy plus eine Ergänzung setzen sollte. Und genau davon gehe ich aus. Zudem würde ich wetten, dass Marcus Berg noch vor dem WM-Ende zu einem englischen Verein verliehen wird. Es soll ja einige Interessenten geben. Ich glaube jedenfalls nicht, dass er zu Saisonbeginn in Hamburg erscheinen wird.

Nun aber zurück zu meiner Information. Nachdem vorgestern ja extrem viel über Höwedes und Westermann diskutiert wurde – inhaltlich meist wertvoll, wie ich fand -, rief mich ein guter Bekannter aus Gelsenkirchen an und erklärte mir, in Hamburg seien alle auf dem Holzweg, was die potenziellen Neuzugänge aus dem Kader der Königsblauen betrifft. Ich erwiderte: Klar, am besten wäre eine Verpflichtung Rafinhas, weil damit die Rechtsverteidigerprobleme prompt behoben wären. Aber dann fiel mir die neue Charakteroffensive ein, und da passt der Brasilianer dann doch nicht.

Mein Bekannter und ich haben dann länger gesprochen und er hat mich wirklich bis zu allerletzt gereizt und versucht auf die richtige Fährte zu bringen, ehe er die Katze dann aus dem Sack gelassen hat. Und das war für mich dann doch eine Überraschung, zumal ich von ihm wirklich zu 100 Prozent immer richtige und zutreffende Infos erhalten habe. Er schwor Stein und Bein, dass sich der HSV nach Marcello Bordon erkundigt hätte.

Wirklich. Kein Scherz. Und soll ich Euch mal etwas sagen? Ich war und bin bis jetzt baff. Nun weiß ich natürlich nicht, ob sich an der Schalker Bereitschaft Bordon abzugeben etwas geändert hat, nachdem sich Westermann so schwer verletzt hat, aber alleine die Vorstellung einer Innenverteidigung Bordon/Joris Mathijsen hat mir so viele Gedanken bereitet, dass ich immer mal wieder den Kopf schütteln muss. Wer – bitteschön – sollte denn dann blitzschnelle Konterstürmer stoppen? Oder gibt es im Sommer vielleicht noch einen ganz großen Knall, bei dem sich „Matjes“ auch noch vom HSV verabschiedet? Ach was, ich mag es mir gar nicht vorstellen.

Ich lass Euch jetzt mal alleine mit diesen Informationen und werde morgen früh lesen, was Euch dazu so einfällt. Zu Khalid Boulahrouz muss ich auch noch kurz etwas sagen. Nämlich, dass ich weiß, dass er sich seit seinem Abschied aus Hamburg ständig nach seinen Ex-Kollegen, seinen Freunden und dem HSV erkundigt hat. Ich möchte sogar behaupten, dass er seinen unrühmlichen Abschied aus Hamburg damals schon mehrfach bereut hat. Vielleicht wäre er ja sogar die kostengünstigste Innenverteidigerlösung. Zumindest wäre es eine Diskussionsgrundlage. 

PS: Ein kleiner Nachtrag noch zum Junggesellenabschied von Thomas Doll. Einige von Euch dachten ja, Doll stehe vor seiner dritten Hochzeit. Das ist aber nicht so. Die Ehe mit Biljana in Zürich wird Dolls zweite Eheschließung. Mit Roberta war der frühere HSV-Trainer nicht verheiratet.

22:50 Uhr

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