Archiv für das Tag 'Höwedes'

Klare Entscheidungen – in Sachen Knäbel und auch sonst bitte

8. September 2014

Länderspiele der Deutschen haben ja schon seit längerer Zeit nur noch in Ausnahmefällen etwas mit dem HSV zu tun. Wobei das im Spiel gegen Schottland anders war. Nicht, weil die Viererkette ähnlich anfällig war wie der HSV gegen Paderborn. Vielmehr habe ich mich immer wieder gefragt, ob Joachim Löw das bewusst macht gegen einen vermeintlich nicht so starken Gegner. Denn anders war für mich nicht erklärbar, dass diese Viererkette (Rudy, Boateng, Höwedes, Durm) unverändert durchspielte. Zumindest die Linksverteidigerposition mit Durm war inakzeptabel schwach. Gut, es war Durms erstes Pflichtspiel für die Nationalelf – aber was genau ihn jetzt so sehr von Jansen abhebt, dass der HSV-Mann nicht einmal nominiert wurde, erschließt sich mir nicht.



Aber egal. Nationalmannschaft war – jetzt ist HSV. Und der befindet sich weiter auf dem Erneuerungspfad. Diesmal mit der seit Monaten erwarteten Verpflichtung von Peter Knäbel. Die soll (mal wieder) fix sein. Und egal wie wenig sattelfest diese von allen Tageszeitungen verkündete Nachricht ohne offizielle Bestätigung des HSV auch ist – ich bleibe natürlich unverändert bei meinem Statement aus dem Juli: Knäbel kommt.

Und der Chef des Schweizer Fußballverbandes wird in Hamburg weiter umbauen. Das war eine der Bedingungen für den ehemaligen St.-Pauli-Profi. Zuletzt waren die Gespräche immer wieder an dem Punkt gestoppt, wo es um die Festlegung der Kompetenzen ging. Das scheint sich geklärt zu haben. Jetzt, wo fast alle Vorstände im Urlaub weilen ist das zwar ein komischer Zeitpunkt – aber es ist für mich auch eine gute Nachricht. Immerhin gilt Knäbel als Entwickler, als Fußball-Stratege. Den Schweizer Fußballverband leitete er als Direktor bis hoch zum WM-Teilnehmer in die Zwischenrunde. Bei HSV-Nachwuchschef Bernhard Peters steht der 47-Jährige zudem ähnlich hoch im Kurs wie bei Beiersdorfer. Ergo: Knäbel wird ins neue Führungs-Team passen.

 

Für Abendblatt-Blogs


Dass auch diese Verpflichtung die Gerüchte um einen Trainerwechsel nicht leiser werden lassen – es ist zu erwarten. Leider. Zumal dann nicht, wenn ein Aufsichtsratsvorsitzender Forderungen an den Trainer formuliert – aber dazu später mehr. Oder auch nicht. Mal sehen…
 

Egal wie, die Trainerpersonalie ist für mich die letzte, die sich jetzt noch – und vor allem endlich! – langfristig klären muss. Beiersdorfer täte ganz sicher gut daran, nach seinem Urlaub ein klares Signal zu senden, ob und wie es weitergeht. Schon allein, um allen Gerüchten den Garuas zu machen. Und damit wende ich mich hier weder für noch gegen Slomka. Aber ich weiß, dass nichts schädlicher ist als ein geschwächter Trainer in einer schwierigen sportlichen Phase. Und dass sich ausgerechnet jetzt auch noch ein Mann wie Aufsichtsratsboss Karl Gernandt zu Wort meldet und den Trainer zu „mutigen Entscheidungen“ auffordert – es macht die Sache nicht einfacher. Nicht für Slomka, nicht für den HSV – und am wenigsten für alle zusammen. Ganz im Gegenteil.

 

Nein, so deutet fast alles daraufhin, dass Slomka beim HSV schon auf Bewährung ist. Die Frage ist nur, mit welchem Sinn das Ganze versehen sein könnte. Oder ist es nur, weil der potenziell Neue noch nicht überzeugt werden konnte? Glaubt tatsächlich irgendwer, dass ein Sieg in Hannover alles verändern könnte? Wäre dann plötzlich alles wieder gut und Slomka über alle Zweifel erhaben? Was passiert denn, wenn der HSV anschließend in Hannover gewinnt und gegen München direkt danach erwartungsgemäß verliert? Haben wir dann mehr geschafft, als dieselbe schädliche Diskussion auch noch nach dem vierten Spieltag zu führen?






Ich glaube nicht. Für mich ist vielmehr der Moment, in dem ein Trainerjob vom nächsten Spiel abhängig gemacht wird, schon der Moment, in dem gehandelt werden muss. So, wie damals vor Braunschweig, als Oliver Kreuzer als Sportchef mit Slomka eigentlich schon einig war und dem damaligen Trainer Bert van Marwijk trotzdem noch eine (unnötige weil nicht echte) „letzte Chance“ gab.
 

Apropos: Oliver Kreuzer befindet sich jetzt ja schon eine Weile im Urlaub. Gut bezahlt und mit Handy, Dienstwagen und Tankkarte des HSV ausgestattet. Und das bleibt bis zu seinem Vertragsende auch so. Zumindest sollen sich der HSV und sein ehemaliger Sportchef darauf außergerichtlich geeinigt haben. Entlassen zu werden kann eben tatsächlich auch schön sein – zumindest dann, wenn man vorher beim HSV angestellt war…
 

Gerade erst angekommen ist Julian Green. Heute war sein erster Trainingstag – und der macht Hoffnung. Schnell, ballsicher und torgefährlich präsentierte sich der US-Nationalspieler, der vom FC Bayern auf Leihbasis zum HSV gewechselt ist und hier das Ziel hat, den nächsten Karriereschritt einzuläuten. „Ich habe mich lange unterhalten und sowohl von Pep Guardiola als auch von meinem Nationaltrainer Jürgen Klinsmann die klare Empfehlung bekommen, zum HSV zu gehen“, so Green, der erst am letzten Donnerstag vor dem Ende der Transferperiode das erste Mal vom HSV angerufen worden war. „Guardiola meinte, es sei meine Entscheidung und ich solle nach Hamburg gehen und mich durchsetzen. Und das habe ich vor.“
 
Klingt gut. Wobei dem jungen Offensivspieler (bevorzugte Position links offensiv) die Demut vor der neuen Aufgabe anzumerken ist. Und das ist ein gutes Zeichen. „Ich weiß, dass ich Geduld brauche, um einen Schritt nach dem anderen zu machen.“ Weil er eben alle diese Schritte benötigen würde, um sich weiterzuentwickeln. In Hannover dürfte der flinke Rechtsfuß noch von der Bank aus kommen. Aber ich bin ehrlich gespannt, ob mit ihm, dem offensichtlich wieder genesenen Nicolai Müller sowie Ivo Ilicevic (trainierte heute separat: „Ich hoffe, dass ich am Donnerstag wieder mit der Mannschaft trainieren kann“) das Tempo in das HSV-Spiel kommt, dass Slomka für sein immer wieder gefordertes schnelles Umschaltspiel benötigt.
 
Wobei ziemlich klar ist, dass es schlechter als zuletzt gegen Paderborn kaum werden kann. Deshalb hoffe ich zum einen auf klare Entscheidungen in Zeiten, in denen die Weichen für den zukünftigen HSV noch gestellt werden können. Und zum anderen hoffe ich natürlich darauf, dass in Hannover nicht nur neues Personal auf dem Platz zu erkennen sein wird, sondern endlich auch eine neue Mannschaft…
 
In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Mittwoch ist trainingsfrei.
 
Scholle

Nächste Einträge »