Archiv für das Tag 'Hoffmann'

Favorit Bednarek hat es nicht geschafft!

13. Januar 2013

Die Mannschaft war da, sogar vollzählig, und auch die beiden Geburtstagskinder waren mit von der Partie: Tomas Rincon und Artjoms Rudnevs. Es gibt sicherlich besser Anlässe, solche Feiertage zu verbringen, aber watt mutt, datt mutt. Dann geht es eben auch mal – für ein, zwei Stunden – zur HSV-Mitgliederversammlung ins CCH. Der HSV ist ja ein ganz besonderer Verein. Und für einen solche Klub geht Mann eben auch mal besondere Wege. „Ich gebe zu, dass ich noch nie bei einer Mitgliederversammlung bei den Vereinen gewesen bin, für die ich gespielt habe“, sagte Paul Scharner, aber er dürfte jetzt einen noch feineren Blick in das Innere des HSV haben, als er es vorher hatte. Und das gilt sicher nicht nur für Scharner, bei dem ich mich auch an dieser Stelle noch einmal bedanke, dass er am Tag zuvor – und unmittelbar nach Spielschluss – Gast bei „Matz ab live“ war. Dank auch deshalb an die Gäste Harry Bähre und Manfred Kaltz – um es mit Paul Scharner zu sagen: „Es war mir eine Ehre . . .“

Zurück zur Mitgliederversammlung. Zwischendurch waren 940 stimmberechtigte Mitglieder (unter ihnen auch Bernd Hoffmann!) anwesend. In seinem Bericht für den Aufsichtsrat schilderte der scheidende Boss Alexander Otto seine Sicht der Dinge. Er lobte den Einkauf und die Verpflichtung von Rafael van der Vaart („Er war psychologisch enorm wichtig für die Mannschaft“) – und dazu explizit auch den neuen HSV-Torwart Rene Adler. Dafür gab es viel Applaus. Es wurde dann ohnehin eine Rede, die viel Beifall erhielt. „Die Mannschaft hat uns im Jahre 2012 allen viel Nerven und Leidensfähigkeit abverlangt“, sagte Otto, der auch den HSV-Gönner und –Sponsor Klaus-Michael Kühne für den Van-der-Vaart-Transfer dankte – und lobte. Nach seiner Rede gab es standing ovations für Alexander Otto, es erhoben sich fast alle Mitglieder im Saal.

Anschließend folgten viele kritische Sätze einiger sprachgewandter HSVer, es wurde polemisiert wie eh und je, eine bekannte HSV-Führungsperson dazu: „Wir kennen unsere Pappenheimer, wir ertragen sie ja nun schon Jahr für Jahr und kennen ihre Meinungen schon zur Genüge. Das erträgt man schon mit einer gewissen Gelassenheit.“ So ist es. Dass Dr. Peter Krohn in seinem Beitrag die Strukturen des HSV verteidigte, das ist ebenfalls seit Jahren bekannt und hat nun wirklich niemanden mehr vom Hocker gehauen. Das fast alle anderen Sprecher, die an diesem Sonntag auf der Bühne auf aufkreuzten, auch für die bestehenden Strukturen plädierten – okay, es ist so wie es ist. Sie alle werden wohl doch den besseren Überblick haben, als sämtliche Fußball-Experten, die sich seit Jahr und Tag dafür einsetzen, dass der HSV seine Strukturen ganz dringend ändern sollte.

„Strukturen schießen keine Tore.“ Das war zu diesem Punkt und an diesem Sonntag im CCH immer wieder zu hören.

Meine Gegenfrage wäre: Verhindern Strukturen denn Gegentore? Auch nicht? Na dann! Tomaten schießen auch keine Tore, Wagenheber auch nicht. Nur zwei Beispiele. Aber Strukturen schießen selbst beim FC Bayern oder auch bei Borussia Dortmund keine Tore. Das machen in den Vereinen Leute wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch gelegentlich Götze. Mitunter auch andere Spieler. In Basel traf nun für die Bayern der Spieler „Schweinsgruber“. Was viel wichtiger ist in dieser Frage: Wie kommt ein Verein (in diesem Falle wäre der HSV nun einzufügen!) in die Lage, Spieler wie Müller, Ribery, Lewandowski oder auch Götze in seinen eigenen Reihen zu haben? Und dabei helfen dann sehr wohl die Vereins-Strukturen. Wohl gemerkt: Ich weiß auch sehr wohl, dass Strukturen keine Tore schießen, denn ich habe in meinen bislang 64 Jahren genügend Spiele des HSV gesehen, nie schoss dabei ein Spieler namens Struktur oder Strukturen ein Tore.
Grundsätzlich meine ich: Wer aber immer noch so weitermachen will wie bislang, der soll. Einfach die Stimmen, die sich ja stetig mehren und die dem HSV andere Strukturen empfehlen, ignorieren. Und sich davon einlullen lassen, dass Strukturen ja keine Tore schießen. Es lebe der E. V. – es lebe die Mitbestimmung der Mitglieder, die den Profis schon den rechten Weg weisen werden. Und dass der HSV nur die Strukturen eines „Kaninchen-Züchter-Vereins“ hätte, das wies AR-Kandidat Christian Strauß energisch zurück: „Eine Frechheit.“ Jawoll!

1002 stimmberechtigte Mitglieder waren dann bei der Wahl der vier neuen Aufsichtsratsmitglieder zugelassen. Im ersten Durchgang schafften es zwei Männer, gewählt zu werden: “Ausziehkünstler” Ali Eghbal, der unter seinem Anzug und dem weißen Hemd ein rotes HSV-Trikot trug und es auf der Bühne auch präsentierte, erhielt 535 Stimmen, der vielleicht beste Redner des Tages, Jens Meier, erhielt 749 Stimmen. Im zweiten Wahldurchgang ging es für fünf Leute um die letzten beiden Plätze: Ralf Bednarek, Cord Wöhlke, Christian Strauß. Kathrin Sattelmair und Stephan F. Rebbe. Um 15.56 Uhr brandete dann riesiger Jubel im Saal auf, denn Kathrin Sattelmair (496 Stimmen) und Strauß (447) waren gewählt. Der große Favorit, Ralf Bednarek, scheiterte knapp, er erhielt nur 433 Stimmen. Das war die große Überraschung des Tages. Fast eine Sensation. 15 Stimmen haben Bednarek gefehlt . . .

Die Mitgliederversammlung wird fortgesetzt, ich melde mich noch einmal vom Ort des Geschehens – das war nun Teil eins.

16.07 Uhr

Adler und Aogo wollen höher angreifen – Kacars und Jaros Wechsel geplatzt

4. Januar 2013

Das ist bitter. Für alle eigentlich. Denn als Gewinner des geplatzten Transfers von Gojko Kacar zu Hannover 96 darf und kann sich keiner fühlen. Im Gegenteil: der Spieler verpasst die Möglichkeit, sich bei einem zweifellos guten Bundesligisten eine neue Chance zu holen. Der Verein verpasst Einsparungen von rund vier Millionen Euro (zwei Millionen Ablöse, zwei Millionen Gehalt) und Hannover 96 bekommt einen gewünschten Spieler nicht. Wobei bei den Schilderungen, weshalb der Deal geplatzt ist, noch Unklarheiten herrschen. So gibt der HSV an, dass sich Kacar und Hannover nicht hätten einigen können. „Die Vereine sind sich weitgehend einig“, sagte Arnesen bereits vor einer Woche, um heute zu sagen: „Es ist schade, dass sich Gojko und Hannover nicht einigen konnten. Wir haben jetzt aber noch einen Monat Zeit, für Gojko einen neuen Verein zu finden.“
Und auch wenn jetzt hier der eine oder die andere damit nicht einverstanden sein sollte, ich werde hier nicht nach einem Schuldigen suchen. Den gibt es unter Umständen auch gar nicht. Denn wie alle gesagt hatten, waren der HSV und Hannover nah beieinander, Hannover und Kacar auch. „Hannover wäre eine gute Lösung für Gojko“, sagte mir heute dessen Onkel und Berater Milan Kacar, „Gojko wäre zu einem professionell geführten Verein gekommen, der ihn wirklich wollte. Er hätte dort wieder gut Anschluss finden können.“ Allerdings nicht um jeden Preis. „Bei so einem Transfer sind es drei Parteien, die am Ende zufrieden sein müssen. Wenn ein einziger davon nicht zufrieden ist, passt es nicht. Und in diesem Fall hat es nicht gepasst. Das gehört im Professionellen Fußball dazu – auch wenn ich weiß, dass jetzt alle schreiben werden, dass Gojko zu gierig war und er zum Deppen gemacht wird.“

Wird er nicht. Zumindest nicht hier im Blog. Denn klar ist, dass Kacar für einen Wechsel bereit war, auf Geld zu verzichten. „Gojko ist wirklich derjenige in dieser Dreiecksverhandlung, der allen Seiten noch am meisten entgegengekommen ist“, sagt Milan Kacar und fügt hinzu: „Aber es ist auch längst nicht klar, ob allein finanzielle Gründe entscheidend waren. Vielleicht gab es dann am Ende doch ein paar Zweifel in Hannover und man hat sich für eine günstigere Variante entschieden.“ Zumal die Hannoveraner mit Sicherheit auch nicht an zwei Millionen Euro Ablöse gedacht hatten, als sie nach dem lange Zeit schwer verletzten („Vor ein paar Jahren hat eine solche Verletzung noch das Karriereende bedeutet“ O-Ton Arnesen) Kacar fragten. Im Gegenteil, die Niedersachsen hatten sicher auf ein Schnäppchen gehofft, das sie jetzt mit dem ehemaligen Duisburger U-20-Nationalspieler für 800000 Euro glauben, gemacht zu haben.
Egal wie, letztlich hat es nicht gepasst. Und das kann man ganz sachlich sehen, Immerhin haben der HSV und Kacar einen Vertrag, den beide Seiten erfüllen müssen. Sollte es zu einer vorzeitigen Trennung kommen sollen, müssten sich beide Parteien einigen. Zur Not auch über die Zahlung eines Dritten, in diesem Fall wäre das Hannover gewesen. Wenn aber der Dritte (Hannover) nicht bereit ist, die dafür nötige Summe X (ob an Spieler oder Verein ist egal) zu zahlen, der HSV andererseits dem Spieler keine Abfindung zahlen will, dann ist es das gute Recht des Spielers, zu bleiben. Zumal dann – und das ist meine fast ausschließliche Motivation im Fall Kacar -, wenn der betreffende Spieler sich bislang nie etwas hat zu Schulden kommen lassen. Kacar ist zweifellos ein guter Fußballer und gibt im Training immer Vollgas. Er gilt als tadelloser Typ, was von Mannschaft wie Trainern und Vorständen bestätigt wird. Und er hat realistische Chancen, zu spielen, wenn er fit ist. Beim großen HSV wohlgemerkt. Dass er weg soll, ist sicherlich weniger seinen sportlichen denn den momentanen finanziellen Gründen geschuldet. Und im Gegensatz zu den absoluten Bankdrückern (Drobny, Tesche, Rajkovic, Berg etc.) gab es für den Serben einen Interessenten. Deshalb werde ich hier einen Teufel tun und irgendwen als „Schuldigen“ hinstellen.

Das werde ich im Übrigen auch bei den von mir als „absolute Bankdrückern“ nicht machen, da auch sie einen Vertrag haben, den der HSV mit ihnen aus freien Stücken verhandelt hat. Allerdings muss ich immer wieder hinterfragen, weshalb der eine oder andere nicht wechselt. Und darin bestehen, wie in den letzten Blogs zu den einzelnen Spielern aufgeführt, immer wieder aufgeführt, kleine aber eben auch entscheidende Unterschiede.

Ein kleines Bisschen hat auch nur noch an der Konstellation Kaiserslautern/David Jarolim gefehlt. Genau gesagt, die Zustimmung von Jaro hat gefehlt – und wird weiter fehlen. „Wir waren sehr weit, das Angebot war sehr gut – aber ich habe mich doch dazu entschieden, in Prag zu bleiben“, sagt Jarolim, der in der tschechischen Hauptstadt nach einem neuen Klub sucht. Zumindest bis Sommer. „Gut möglich, dass ich hier das eine halbe Jahr überbrücke und dann zurückkomme, um beim HSV als Trainer anzufangen“, sagt Jaro, dessen Pläne so heute in Abu Dhabi von Sportchef Frank Arnesen bestätigt wurden.

Große Pläne indes Dennis Aogo. Der Linksfuß traf sich heute im Trainingslager mit meinem hoch geschätzten Kollegen Kai Schiller und sprach dort über seine bislang schwerste Zeit seiner noch jungen Karriere. „Durch das vergangene Jahr bin ich etwas gelassener geworden. Ich habe meine innere Balance gefunden“, sagt der 25-Jährige, der harte Wochen in der Rehaklinik hinter sich hat. Ein rätselhafter Ermüdungszustand mit schlechten Blutwerten hatte dazu geführt, dass sich Aogo eine Zwangspause nehmen musste. Eine Zeit, über die er heute gut sprechen kann. „Es war die härteste, aber auch wichtigste Zeit in meinem Leben. Ich habe einen Weg gefunden, zu mir selbst zu finden“, sagt der gläubige Bibelleser und fügt hinzu: „Ich bin zufriedener und ausgeglichener als früher. Früher bin ich den Erwartungen anderer hinterhergelaufen.“ Heute nicht mehr.

Denn zum einen setzt er sich selbst diesem Druck nicht mehr aus, zum anderen hat es sportlich zuletzt hingehauen. Und auch im Trainingslager wusste Aogo, der mit viereinhalb Jahren Vereinszugehörigkeit immerhin schon dienstälteste HSV-Profi, bislang zu gefallen. „Dennis macht einen guten Eindruck. Wir planen weiterhin im Mittelfeld mit ihm“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogos Stammplatz als Linksverteidiger in dessen Abwesenheit an Konkurrent Marcell Jansen übergeben hat. Für Aogo kein Problem – zumindest nicht mehr. „Über so etwas mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken mehr. Mir ist vor allem wichtig, dass ich Spaß auf dem Platz habe, da ist es ganz egal, ob ich im Mittelfeld oder in der Abwehr spiele.“

Er will wieder dabei sein – und der Mannschaft helfen, im Jahr 2013 wieder in die Nähe der internationalen Startplätze zu kommen. Denn die dürfen noch immer – ausgesprochen oder nicht – das Ziel bleiben. Zumindest sieht es auch Rene Adler so. „Nach dem Trainingslager wollen wir in der Rückrunde mal richtig angreifen. Platz zehn ist doch Niemandsland, damit bin ich nicht zufrieden“, sagt der 27-Jährige. „Frankfurt, Freiburg und Mainz – vor diesen Teams habe ich Hochachtung.“

Ganz im Gegensatz zum unfassbaren Hype um das Ehe-Aus der van der Vaarts. Wie wohl alle in der Mannschaft zeigt auch Adler Mitgefühl mit seinem Teamkameraden: „Das ist sicher keine einfache Zeit für ihn, aber er ist Vollprofi. Im Training sieht man ihm das alles nicht an“, sagt Adler, der ein derart öffentlich geführtes Privatleben wie bei seinem Kollegen mit allen Mitteln vermeiden will. „Ich habe viel mit meiner Freundin darüber gesprochen. Wir haben uns klar dagegen entschieden“, sagt der Keeper, der mit der bekannten Schauspielerin Lilli Hollunder liiert ist, „wir verzichten bewusst auf die eine oder andere Anfrage, wollen lieber unsere Ruhe haben.“ Gut so. Denn bei allem Respekt vor den van der Vaarts insbesondere auch im Hinblick auf die schwierige Zeit für Sohn Damian – mich als Fußballfan langweilt sowas eher…

Aber okay, so viel zum heutigen, ansonsten eher ruhigen Freitag. Bis auf Jacopo Sala, der wegen eines Fieberschubes kurzerhand in ein Einzelzimmer (haben sonst nur Tscharner, van der Vaart und Neuhaus als ältester Spieler) verlegt wurde, sind glücklicherweise alle Spieler gesund geblieben und haben gut trainiert. Dabei wurde in zwei Gruppen gearbeitet. Ein Teil auf dem Platz (Mancienne soll dabei ein absolutes Traumtor nach einer Traumkombination mit Per Skjelbred erzielt haben), der andere Teil des Teams im Kraftraum mit Fitnesscoach Vidovic. Und morgen geht es weiter. Dann hoffentlich wieder nur mit Fußball und Dieter – sofern sich mein heute arg kränkelnder Kollege und Freund bis dahin wieder gesund meldet. Ansonsten, und versteht das bitte nicht als Drohung, bin ich wieder für Euch da.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Wochenendstart und (vielleicht) bis morgen,

Scholle

P.S.: Gojko Kacar reist übrigens dennoch nicht nach Abu Dhabi nach. Zudem absolviert der HSV seine Tests jetzt am Montag, Dienstag und Mittwoch und für Marcus Berg gibt es laut Arnesen trotz anderslautender Ankündigungen noch keine Anfragen aus Spanien.

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

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