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Update 11. Juni 2014: Beiersdorfer ist gelandet – und er bleibt!

11. Juni 2014

Dietmar Beiersdorfer blieb sich und seiner loyalen Art treu. Er sagte nichts nach seiner Ankunft aus St. Petersburg, heute um 12.28 Uhr. Im Gegenteil, er versuchte sogar den wartenden Journalisten und Fotografen (neben mir waren auch die Mopo, Bild, Witters und der NDR anwesend) am Flughafen aus dem Weg zu gehen, indem er statt normal den Ausgang Terminal 2 zu nehmen seine Koffer bis zum Ausgang Terminal 1 schob. Und das waren nicht wenige. Offenbar hatte Beiersdorfer seinen kompletten Hausstand in St. Petersburg aufgelöst und eingepackt. Neben seiner hübschen Ehefrau Olcay eilte er schnellstmöglich vom Flughafen gen Eigenheim in Winterhude und ließ uns Journalisten lediglich wissen, dass er nichts sagen werde, bis er offiziell sein Amt antritt.

Schlecht für uns?

Nein, sage ich!!! Denn ich weiß, dass der HSV genau diese Art Zurückhaltung benötigt, um wieder Ruhe in die eigene Arbeit zu bekommen und so nach langer Zeit mal wieder Erfolg zu haben. Der gesamte Deal Beiersdorfer wurde von dem designierten Vorstandsboss bislang nie öffentlich thematisiert. Weil Beiersdorfer das nicht macht. In seiner ersten Phase als Sportchef beim HSV hat er diese komplett loyale Haltung dem verein gegenüber von Anfang bis Ende durchgezogen – selbst, wenn es ein Leichtes für ihn gewesen wäre, aufkommende Gerüchte und Vorwürfe ihm gegenüber mit einem Satz auszuräumen. Beiersdorfer ist wahrscheinlich einer der „Maulwurf-unverdächtigsten“ Menschen im Deutschen Profifußball.

Aber zurück zum Ablauf. „Innerhalb der letzten Tage“ hatte sich Beiersdofer mit St. Petersburg nach eigener Aussage auf die Auflösung seines eigentlich noch bis Juni 2015 laufenden Vertrages geeinigt. Gernandt zum Ablauf: „Die Einigung mit St. Petersburg war völlig unproblematisch. Dafür gebührt dem Club höchste Anerkennung. Zu den genauen Modalitäten möchte ich nichts sagen. Klar ist jedoch, dass sich der HSV nur in sehr bescheidenem Rahmen engagieren muss.“ Und auf die Frage, ob es möglicherweise ein Ablösespiel des HSV gegen St. Petersburg geben wird: „Das ist eine schöne Idee.“

Intern arbeitet Beiersdorfer bereits seit längerer Zeit eng mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer zusammen. Und das bislang sehr harmonisch, wie Gernandt bestätigt: „Dietmar Beiersdorfer hat schon in den vergangenen Wochen eng mit Oliver Kreuzer zusammen gearbeitet – etwa in unserem Bestreben, Lasogga zu halten. Auch jetzt wird jeder Schritt mit ihm eng abgestimmt. Offiziell starten wird er erst am 1. Juli, wenn die HSV Fußball AG offiziell im Handelsregister eingetragen ist. Aber das ist gar kein Problem.“ Ob es beim HSV auch nach dem 1. Juli eine Funktion für Kreuzer geben wird? „Das müssen wir mit Dietmar Beiersdorfer abklären, dazu gibt es vorerst von uns nichts zu sagen“, so Gernandt, der sich mit dem Transfer Beiersdorfers erste Meriten verdient hat. Und nur, weil es gefragt wurde: Christian Reichert hatte auf der MV am 25. Mai gesagt, er hätte persönlichen Kontakt zu Beiersdorfer – das stimmt. Nicht stimmt hingegen, dass Beiersdorfer ihm zu dem Zeitpunkt gesagt haben soll, er würde nicht zum HSV kommen. Und ehrlich gesagt, hatte ich Reichert auch so verstanden, dass Beiersdorfer noch lange nicht zugesagt habe beim HSV. Aber wie auch immer – das ist jetzt eh hinfällig.

Karl Gernandt, der sich in den letzten Tagen durchaus Kritik für sein sehr offensives Auftreten noch vor offiziellem Amtsantritt gefallen lassen musste, war heute einer der glücklichsten Menschen rund um den HSV. Und das mit recht, wie ich finde. Denn dieser Coup war alles andere als einfach – und er wird vielleicht auch noch mal schwierig. Denn noch immer gilt Joachim Hilke als Wunschbesetzung Gernandts für den Posten des zweiten Vorstandes. Allerdings habe ich gehört, dass Beiersdorfer davon noch nicht restlos überzeugt ist. Zu schlecht sind offenbar noch die Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann, der wie Hilke aus der Sportfive-Elite zum HSV gewechselt ist und als ähnlich strategisch denkend und handelnd gilt.

Aber auch hier behaupte ich, hat sich Gernandt vorbereitet. Heute jedenfalls sollen bereits die Gespräche mit dem noch amtierenden Vorstandsboss Carl Jarchow aufgenommen worden sein, um den zu einem vorzeitigen Abtritt (und Beiersdorfer somit zur vorzeitigen Inthronisierung) zu bewegen. Die Präsidentschaft im ab 1. Juli neu strukturierten HSV e.V. ist ihm bis zum Vertragsende 2015 eh sicher – aber dem Vernehmen nach würde der neue Aufsichtsrat Jarchow gern dazu bewegen, das Präsidentenamt langfristig anzunehmen und somit auch Mitglied des neuen Aufsichtsrates zu werden.

Ziel dieser Gespräche ist die Handlungsvollmachten für Beiersdorfer zu bewirken, damit dieser sein Kompetenzteam ebenso wie natürlich den Mannschaftskader final zusammenstellen kann. Denn hier hat der HSV schon allein durch die Relegation und die damit verbundene Planungsunsicherheit der Ligazugehörigkeit viel zeit verloren. „Niemand darf erwarten, dass Dietmar Beiersdorfer aus einem Fast-Absteiger in kurzer Zeit einen Anwärter für das internationale Geschäft macht“, warnt Gernandt vor zu hohen Erwartungen. „Wir müssen hier Stück für Stück etwas aufbauen, vor allem im Nachwuchsbereich, wo künftig alle HSV-Mannschaften mit einem System spielen werden. Das Wichtigste für uns ist Kontinuität. Es darf nicht mehr passieren, dass der HSV drei Trainer in einer Saison engagiert.“ Und vor allem sollen aktuelle Baustellen wie Pierre-Michel Lasogga möglichst zügig abgearbeitet werden. „Ich sehe nach wie vor eine gute Chance, dass er bleibt“, sagt Gernandt, „wir haben ihm signalisiert, dass wir ihn unbedingt halten möchten. Und der HSV ist nach wie vor eine sehr gute Adresse.“

Vor allem auch dank Beiersdorfer. Der neue Vorstandsboss gilt neben Mäzen, Fan und Investor Klaus Michael Kühne samt dem neuen AR-Boss Karl Gernandt als DER Hoffnungsträger der Strukturreform. Und er trifft auf einen Aufsichtsrat, in dem sich in meinen Augen noch mal riesiges Potenzial verbirgt: Thomas von Heesen. Der ehemalige HSV-Profi der erfolgreichen 80er-Jahre ist die oft zitierte sportliche Kapazität im Aufsichtsrat. Und er ist überzeugt von der Lösung Beiersdorfer – nicht zuletzt, weil er Beiersdorfer als Mannschaftskollegen wie auch als Manager eng kennengelernt hat. „Didi ist genau der richtige Mann für den HSV. Er kennt den Verein, er liebt den Verein – und er lebt vor allem den Verein. Er wird sich hier sicher selbst treu bleiben und den Anspruch so hoch halten, wie es nur geht. Vor allem an sich selbst.“

Und Beiersdorfer ist fleißig. Das ist bekannt. Auch jetzt schon arbeitet der ehemalige HSV-Kapitän in Absprache mit den jeweiligen Amtsinhabern an der neuen Kaderzusammenstellung. Wie gestern geschrieben, hat er bereits zu etlichen Spielern Kontakt aufgenommen. Neben Lasogga, Adler, Calhanoglu und Co. Auch zu von Heesen. „Ich hatte in den letzten Wochen viele gute Gespräche mit Didi, in denen er ganz klare Wege aufgezeigt hat, wie hier bestehende Baustellen behoben werden. Didi ist voll im Thema und weiß, wie man hier vorgehen muss.“ Dass Beiersdorfer zu zögerlich sei bei großen Entscheidungen, sieht von Heesen komplett anders: „Wenn Didi mal etwas länger für eine Entscheidung braucht, dann nur, weil er alle Risiken ausschließen will und sich hundertprozentig sicher sein will. Das ist nicht zögerlich – das ist Akribie.“

Und Beiersdorfer hat höchste Ansprüche. „Das war schon als Spieler so. Didi hatte immer die höchsten Ansprüche – an sich und seine Mannschaftskollegen. Da konnte er auch mal richtig sauer werden, wenn er das Gefühl hatte, irgendwo ließ sich jemand hängen“, erinnert sich von Heesen, „Didi ist schlichtweg komplett fokussiert auf das, was er gerade macht und erwartet Bestleistungen. Und da nimmt er vor allem sich selbst nicht aus.“

Von Heesen, selbst ein erfolgreicher Geschäftsmann, sieht in Beiersdorfer einen entscheidenden Schlüssel zum Erfolg. Vor allem auch in Sachen Vertrauensbasis zwischen dem e.V. und der AG: „Er wird den HSV schnell wieder zu einem großen Verein machen, trotz der veränderten Rechtsform. Er will alle dabei haben, die den Verein mit Herzblut leben und vertritt eine klare Philosophie, die er bedingungslos umsetzt. Didi hört allen zu, ist vertrauenswürdig, für alle Seiten unverdächtig und kann hervorragend vermitteln. Didi hat sich in den letzten Jahren einen sehr guten Namen gemacht. Beim HSV sowieso – aber auch international. Und das ausschließlich mit guten Leistungen. Er ist kein Mann großer Worte – aber einer für große Taten. Und genau das braucht der HSV jetzt. Ehrlich gesagt braucht das eigentlich jeder Verein, der hoch hinaus will. Und wir haben ihn jetzt.“

Stimmt. Mich freut das. Auch wenn es meine Arbeit ein wenig erschweren könnte – am Ende freuen wir uns hoffentlich alle über einen echten Neustart, nachdem der erste zweifellos missglückt ist.

In diesem Sinne: auf die Zukunft! Und auf die Hoffnung, dass sie schon vor dem 1. Juli beginnen kann…

Scholle

P.S.: Sollte noch etwas passieren, melde ich mich natürlich umgehend… Und, Ihr wisst es sicher alle schon, aber weil ich es nicht unerwähnt lassen will – die nächste gute Nachricht: Milan Badelj wurde für die kroatische Nationalelf nachnominiert! Herzlichen Glückwunsch!

Und das Wichtigste zum Schluss: Dieter geht es immer besser! Gut möglich, dass er schon in ein, zwei Tagen nach Hause darf! Also: Drücken wir weiter die Daumen – es scheint zu helfen!!

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