Archiv für das Tag 'Hoffmann'

Bandow will „Beiersdorfers Handschrift“ +++Breaking: Behrami bis 2018 in Watford+++

11. Juli 2015

Schöne Grüße aus dem Flieger. Am Nachmittag ist die HSV-Mannschaft per Charterflugzeug aus der Schweiz, genauer gesagt vom Flughafen in St. Gallen, aufgebrochen Richtung Düsseldorf. Von unterwegs sendeten Lewis Holtby, Nicolai Müller, Pierre Michael Lasogga und Ivica Olic einen fröhlichen Twitter-Gruß. Der erste Teil der Vorbereitung ist vorbei – und morgen steht also der erste öffentliche Gradmesser an für den HSV beim Telekom-Cup. Im Anschluss daran, dies müsst Ihr Euch bitte schon einmal vormerken, läuft wieder ein „Matz ab live“ – diesmal mit Joachim Dipner vom Hamburger Fußball Verband, der auch mit dabei war im Schweizer Trainingslager, sowie Trainer-Legende Bert Ehm. Los geht es gegen 19.30 Uhr, also nach Ende des Vierer-Turniers.

Natürlich kann man in Mönchengladbach keine Standortbestimmung erwarten. Das hat Bruno Labbadia schon nach wenigen Tagen im Trainingslager deutlich gemacht, und diese Aussage gilt nach wie vor – und sie gilt für alle teilnehmenden Teams: „Bei uns sind einige Spieler erst seit wenigen Tagen im Training und kommen mit unterschiedlicher Fitness. Es ist ein schönes Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, aber es ist noch lange hin bis zum Bundesligastart.“

Wie es auch kommen mag und welche Transfers sich noch ergeben – der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow erwartet ein anderes Auftreten vom HSV als in der abgelaufenen Saison. „Der auch von mir mit großen Erwartungen wiedergewonnene Dietmar Beiersdorfer konnte kurzfristig nicht an die erfolgreichen Verpflich­tungen, die wir in unserer gemeinsamen Zeit seit 2002 hatten, anknüpfen“, sagt Bandow rückblickend. Der 83 Jahre alte Banker war vor 13 Jahren einer der großen Befürworter des Einstiegs von Dietmar Beiersdorfer, und er hat auch 2014 im Hintergrund Gespräche geführt, damit Beiersdorfer zurückkommen konnte.

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van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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U 23 zieht die Hinrunde ungeschlagen durch

15. November 2014

Joe Zinnbauer hatte gestern nach dem 1:0 im Test gegen Eintracht Braunschweig angekündigt, verstärkt auf die Nachwuchsspieler aus der U 23 zu achten. Scholle hatte dies hier ausführlich aufgegriffen. Wie weit die Jugend wirklich ist, konnten 1.250 Zuschauer heute an der Hagenbeckstraße verfolgen. Die Partie musste wegen des großen Andrangs vor den Kassenhäuschen mit acht Minuten Verspätung erst begonnen werden.

U-23-Trainer Daniel Petrowsky setzte allein sechs Spieler ein, die tags zuvor auch einige Minuten mit den Profis gegen Braunschweig auf dem Rasen standen. Ronny Marcos in der Abwehr; Ahmet Arslan, Sven Mende und Mohamed Gouaida im Mittelfeld; Nils Brüning und Philipp Müller im Sturm. Anfangs lief alles nach Plan. Im Anschluss an einen Freistoß nutzte Francis Adomah, heute als Innenverteidiger eingesetzt, das folgende Durcheinander in der VfB-Deckung zum 1:0. Großer Jubel schon in der 8. Minute.

Doch der dauerte nicht lange an. Schon im Gegenzug gelang Andre Senger der Ausgleich (9.), wenige Minuten später fiel durch Markeineke gar das 1:2 (14.). Dieser Halbzeitstand war für den HSV noch schmeichelhaft, denn Lübecks bester, Andre Senger, traf noch einmal den Pfosten (27.). In der zweiten Halbzeit bissen sich die Petrowsky-Schützlinge lange vergebens die Zähne aus an der sicheren Gäste-Deckung. Bis eine sensationelle Kombination doch noch das Unentschieden und damit die Rettung der Serie brachte. Mohamed Gouaida spielte prächtig Doppelpass mit Ahmet Arslan und vollendete diese Aktion mit einem platzierten Schuss zum 2:2 (84.).

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Kapitän Sven Mende. „Aber wir können natürlich auch ein bisschen stolz sein. Eine ganze Hinrunde ungeschlagen zu sein, hat noch niemand geschafft. Dennoch müssen wir für heute zufrieden sein, wenn wir kurz vor dem Schluss erst den Ausgleich schaffen. Wenn wir jetzt noch für die restlichen drei Spiele dieses Jahres konzentriert bleiben, sieht es gut aus für das neue Jahr.“ Am kommenden Sonntag tritt der HSV zunächst bei Eintracht Norderstedt an. Und in der Tat sieht es gut aus in der Tabelle: Aktuell zwölf Punkte Vorsprung sind eine sensationelle Bilanz (wobei Verfolger Werder Bremen morgen noch spielt). Da ist das Ziel natürlich, die Aufstiegsrunde zur 3. Liga zu erreichen, wo dann allerdings die Karten völlig neu gemischt werden.

So spielte der HSV: Brunst – Jordan (58. Derflinger), Jung, Adomah, Marcos – Arslan, Mende, Haut (77. Charrier), Gouaida – P. Müller, Brüning (68. Benkarit)
Tore: 1:0 Adomah (8.), 1:1 Senger (9.), 1:2 Marheineke (14.), 2:2 Gouaida (84.)
Zuschauer: 1.250

Zu einem anderen Thema. Am 25. Januar, genau acht Monate nach der historischen Mitgliederversammlung im Stadion, als die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung in eine AG beschlossen wurde, steigt die nächste große Sitzung des HSV. Es handelt sich um die erste ordentliche Mitgliederversammlung des „neuen“ HSV e.V. und um das Ende der bisherigen Übergangsregelung. Das betrifft vor allem die Besetzung des Präsidiums.

Bekanntlich sind aktuell Carl Jarchow (Präsident), Joachim Hilke (Vizepräsident) und Oliver Scheel (Schatzmeister) im Präsidium. Sie sind sozusagen das Überbleibsel aus dem alten Vereins-Vorstand vor der AG-Ausgliederung. Die Verträge von Jarchow und Hilke enden am 31. Mai kommenden Jahres. Oliver Scheel, ursprünglich von der Mitgliedschaft als deren expliziter Vertreter in den Vorstand gewählt, scheidet bereits Mitte Januar aus.

Hinter den Kulissen wird seit Monaten kräftig daran gewerkelt, ein neues e.V.-Präsidium auf die Beine zu stellen. Dafür verantwortlich ist der Beirat unter Leitung des Vorsitzenden Eckart Westphalen (er ist der Delegierte aus den Amateur-Abteilungen des HSV). Ferner sitzt ihm als Stellvertreter Andreas Peters (Vorsitzender des Ehrenrates) sowie Walter Koninski, Engelbert Wichelhausen (beide ebenfalls Mitglieder des Ehrenrates) sowie Sven Winkelmann (Förderer) zur Seite. Die fünf Herren hatten und haben die heikle Aufgabe, Kandidaten für den neuen Vorstand zu finden und letztlich der Mitgliederversammlung vorzuschlagen.

Genau genommen ist die Aufgabe schon in dem Punkt heikel geworden, als sich der Beirat auf das Wahl-Procedere einigen musste. Wie sich herausstellte, ist die neue e.V.-Satzung in einigen Punkten offenbar nicht eindeutig. Juristische Hilfe wurde in Anspruch genommen – und dies führte am Ende zu dem Ergebnis, das der Beirat auf der Internet-Seite des HSV vor einigen Tagen veröffentlichte.

Was das Verfahren am 25. Januar angeht, ist nun folgendes angedacht. Der Beirat schlägt ein Präsidium vor, also drei Personen, die er für die Geeignetsten hält. Es soll keinen Wahlkampf auf dieser Veranstaltung geben, sondern nur eine Vorstellung eines Präsidenten-, eines Vize-Präsidenten- und eines Schatzmeister-Bewerbers. Die Mitgliedschaft soll anschließend mit einfacher Mehrheit beschließen, ob der jeweilige Kandidat das Amt dann auch für drei Jahre antritt. Abgesehen davon, dass dieser Weg dann sehr dem des FC St. Pauli ähnelt, der ja morgen seinen spannenden Sitzungs-Tag hat, hatten die Satzungs-Väter des HSV eine konkrete Idee, die dahinter steckt. In den vergangenen Jahren ist der HSV nicht zuletzt deswegen immer wieder auf härteste Belastungsproben gestellt worden, weil ein unerträgliches Hauen und Stechen um Ämter die Vereins-Versammlungen und damit das Klima im Verein vergiftet hatte. Beispiele muss ich an dieser Stelle nicht aufführen. Eigentlich waren alle Veranstaltungen im CCH in den letzten 20 Jahren geprägt von verbalen Tiefschlägen, Beschimpfungen, Anfeindungen, Gepöbel. Unerträglich eben, und daher ist die Entscheidung, nur einen Kandidaten pro Amt vorzuschlagen, konsequent – und eben überdies rechtlich geboten.

Wünschenswert ist im Sinne der Befriedung des HSV und der Eindeutigkeit der Entscheidung, und auch, damit ein neues Präsidium mit möglichst großer Unterstützung ins neue Amt gehen kann, dass eine große Mehrheit für die neuen Leute gefunden wird. Aus diesem Grund kommt dem Beirat eine verantwortungsvolle Aufgabe zu, denn er muss den Kandidaten finden, der nicht nur der beste ist, sondern auch die höchste Akzeptanz in der Mitgliedschaft besitzen könnte – hier muss spekuliert werden.

Mit Namen hält sich der Beirat zurzeit zurück. Das wird in den kommenden Wochen sicher folgen, wenn die sondierenden Gespräche mit möglichen Kandidaten abgeschlossen sind. Dennoch sind drei Namen bereits als Tuschelthema in der Öffentlichkeit unterwegs, und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass keiner der drei Namen bisher für Begeisterungsstürme gesorgt hat.

Nummer eins war Oliver Scheel, der dem Beirat proaktiv sein Interesse am Präsidentenamt mitgeteilt hat. Gleichzeitig betonte Scheel, dass er nur als hauptamtlicher Präsident zur Verfügung stehe. Diese Kern-Entscheidung hat der Beirat ja auch noch zu treffen – wird der Präsident angestellt oder ehrenamtlich (mit Aufwandsentschädigungen) bestellt? Intern wird die ehrenamtliche Variante bevorzugt, was allein schon die Kandidatur von Scheel ausschließen würde. Dass der gelernte Anwalt ohnehin ein Kandidat wäre, der aufgrund seiner kritischen Position zur AG-Ausgliederung umstritten ist, kommt dazu.

Die Namen zweier weiterer Längjähriger wabern im HSV-Raum. Otto Rieckhoff, der im letzten Vierteljahrhundert so ziemlich jedes Amt im HSV bekleidet hat, ist einer von ihnen. Carl Jarchow, von 2011 bis 2014 Vorstands-Vorsitzender des Vereins, ist der andere. Offizielle Kommentare gibt es aktuell von beiden nicht. Wobei sich Rieckhoff wahrscheinlich bei jedem Gespräch, dass er in den letzten Wochen geführt hat seit einer entsprechenden Veröffentlichung im Hamburger Abendblatt, eine Frage stellen lassen muss: „Warum willst Du das jetzt doch machen – du hattest doch am 25. Mai noch ganz deutlich gesagt, kein Amt im HSV anzustreben?“

Die Beantwortung dieser Frage und damit das Schließen einer Glaubwürdigkeitslücke wird Rieckhoffs Kernaufgabe sein, wenn er eine Chance besitzen will, im Januar als Präsident anzutreten. Carl Jarchow hatte sich in bisherigen Veröffentlichungen zu seiner möglichen Zukunft (entsprechende Aussagen liegen allerdings auch schon Monate zurück) ebenfalls bedeckt gehalten was seine persönliche Motivation auf Übernahme des Präsidenten-Amtes angeht. Nun ist er also wieder im Gespräch. Der Mann also, der als Haupt-Verantwortlicher steht für die drei katastrophalsten Jahre der Hamburger Bundesliga-Geschichte. Ist dies bereits das Ausschluss-Kriterium? Oder denken die Beiräte zurück an die Gründe, die den damaligen Aufsichtsrat 2011 bewogen hatten, Jarchow als Nachfolger für Bernd Hoffmann zu bestellen. Jarchow sollte den Verein befrieden, was ihm im ersten Schritt gelungen ist. Das Drama begann mit der Verlängerung seines Vertrages, als andere, nämlich strategische und richtungsweisende Entscheidungen anstanden, die – das wissen wir heute – im Zusammenhang mit personellen, wirtschaftlichen und sportlichen Fehlentscheidungen fast der gesamten HSV-Führungsriege im Beinahe-Untergang gipfelten.

Im Kern heißt die Frage also bei diesen drei Namen: hat einer von ihnen noch eine Chance verdient oder ist es auch im HSV-e.V.-Präsidium Zeit für ganz neue Leute? Das Anforderungsprofil, das der Beirat auf der oben genannten Internet-Seite herausgegeben hat, ist nicht eben klein. Ehrlich gesagt frage ich mich, ob nicht wirklich ein hauptamtlicher Präsident gefunden werden muss bei dem gewaltigen Umfang der anstehenden Aufgaben. Abgesehen von der großen Verantwortung der Aufgabe auch für die AG. Denn immer noch ist der e.V. der Mehrheitseigner der AG – und das wird sich auch nicht ändern. Darüber hinaus sitzt der e.V.-Präsident automatisch im Aufsichtsrat der AG, was ihm zusätzliches Gewicht verleiht.

So gesehen wäre eine von weiten Teilen der HSV-Vergangenheit unbelastete Persönlichkeit gut, die trotzdem einen hohen Bezug zum HSV besitzt und ein Standing in der Stadt ohnehin. Auch wenn die ganz laute Musik des HSV im Vorstand der AG gespielt wird – das Amt des e.V.-Präsidenten ist ein ganz entscheidendes für die Zukunft des gesamten Vereins.

Zum Ablauf am 25. Januar noch eine Schluss-Bemerkung. Natürlich ist es praktisch möglich, dass einer oder mehrere der vorgeschlagenen Kandidaten für eines der Ämter durchfallen. Was geschieht dann? Bleibt der e.V. führungslos? Das soll und muss natürlich vermieden werden, deswegen würde es so sein, dass noch auf derselben Veranstaltung ein zweiter Kandidat vorgestellt werden würde, über den dann ebenfalls noch an diesem Tag abgestimmt werden soll. Erst wenn der dann auch noch durchfällt – rein theoretisch – wäre eine weitere Vereins-Versammlung fällig.

Wir dürfen gespannt sein, wen der Beirat „ausgräbt“.

Morgen ist Scholle hier wieder am Ball. Das nächste Training der Profis steigt am Dienstag um 10 Uhr.

Lars

17.43 Uhr

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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Update 11. Juni 2014: Beiersdorfer ist gelandet – und er bleibt!

11. Juni 2014

Dietmar Beiersdorfer blieb sich und seiner loyalen Art treu. Er sagte nichts nach seiner Ankunft aus St. Petersburg, heute um 12.28 Uhr. Im Gegenteil, er versuchte sogar den wartenden Journalisten und Fotografen (neben mir waren auch die Mopo, Bild, Witters und der NDR anwesend) am Flughafen aus dem Weg zu gehen, indem er statt normal den Ausgang Terminal 2 zu nehmen seine Koffer bis zum Ausgang Terminal 1 schob. Und das waren nicht wenige. Offenbar hatte Beiersdorfer seinen kompletten Hausstand in St. Petersburg aufgelöst und eingepackt. Neben seiner hübschen Ehefrau Olcay eilte er schnellstmöglich vom Flughafen gen Eigenheim in Winterhude und ließ uns Journalisten lediglich wissen, dass er nichts sagen werde, bis er offiziell sein Amt antritt.

Schlecht für uns?

Nein, sage ich!!! Denn ich weiß, dass der HSV genau diese Art Zurückhaltung benötigt, um wieder Ruhe in die eigene Arbeit zu bekommen und so nach langer Zeit mal wieder Erfolg zu haben. Der gesamte Deal Beiersdorfer wurde von dem designierten Vorstandsboss bislang nie öffentlich thematisiert. Weil Beiersdorfer das nicht macht. In seiner ersten Phase als Sportchef beim HSV hat er diese komplett loyale Haltung dem verein gegenüber von Anfang bis Ende durchgezogen – selbst, wenn es ein Leichtes für ihn gewesen wäre, aufkommende Gerüchte und Vorwürfe ihm gegenüber mit einem Satz auszuräumen. Beiersdorfer ist wahrscheinlich einer der „Maulwurf-unverdächtigsten“ Menschen im Deutschen Profifußball.

Aber zurück zum Ablauf. „Innerhalb der letzten Tage“ hatte sich Beiersdofer mit St. Petersburg nach eigener Aussage auf die Auflösung seines eigentlich noch bis Juni 2015 laufenden Vertrages geeinigt. Gernandt zum Ablauf: „Die Einigung mit St. Petersburg war völlig unproblematisch. Dafür gebührt dem Club höchste Anerkennung. Zu den genauen Modalitäten möchte ich nichts sagen. Klar ist jedoch, dass sich der HSV nur in sehr bescheidenem Rahmen engagieren muss.“ Und auf die Frage, ob es möglicherweise ein Ablösespiel des HSV gegen St. Petersburg geben wird: „Das ist eine schöne Idee.“

Intern arbeitet Beiersdorfer bereits seit längerer Zeit eng mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer zusammen. Und das bislang sehr harmonisch, wie Gernandt bestätigt: „Dietmar Beiersdorfer hat schon in den vergangenen Wochen eng mit Oliver Kreuzer zusammen gearbeitet – etwa in unserem Bestreben, Lasogga zu halten. Auch jetzt wird jeder Schritt mit ihm eng abgestimmt. Offiziell starten wird er erst am 1. Juli, wenn die HSV Fußball AG offiziell im Handelsregister eingetragen ist. Aber das ist gar kein Problem.“ Ob es beim HSV auch nach dem 1. Juli eine Funktion für Kreuzer geben wird? „Das müssen wir mit Dietmar Beiersdorfer abklären, dazu gibt es vorerst von uns nichts zu sagen“, so Gernandt, der sich mit dem Transfer Beiersdorfers erste Meriten verdient hat. Und nur, weil es gefragt wurde: Christian Reichert hatte auf der MV am 25. Mai gesagt, er hätte persönlichen Kontakt zu Beiersdorfer – das stimmt. Nicht stimmt hingegen, dass Beiersdorfer ihm zu dem Zeitpunkt gesagt haben soll, er würde nicht zum HSV kommen. Und ehrlich gesagt, hatte ich Reichert auch so verstanden, dass Beiersdorfer noch lange nicht zugesagt habe beim HSV. Aber wie auch immer – das ist jetzt eh hinfällig.

Karl Gernandt, der sich in den letzten Tagen durchaus Kritik für sein sehr offensives Auftreten noch vor offiziellem Amtsantritt gefallen lassen musste, war heute einer der glücklichsten Menschen rund um den HSV. Und das mit recht, wie ich finde. Denn dieser Coup war alles andere als einfach – und er wird vielleicht auch noch mal schwierig. Denn noch immer gilt Joachim Hilke als Wunschbesetzung Gernandts für den Posten des zweiten Vorstandes. Allerdings habe ich gehört, dass Beiersdorfer davon noch nicht restlos überzeugt ist. Zu schlecht sind offenbar noch die Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann, der wie Hilke aus der Sportfive-Elite zum HSV gewechselt ist und als ähnlich strategisch denkend und handelnd gilt.

Aber auch hier behaupte ich, hat sich Gernandt vorbereitet. Heute jedenfalls sollen bereits die Gespräche mit dem noch amtierenden Vorstandsboss Carl Jarchow aufgenommen worden sein, um den zu einem vorzeitigen Abtritt (und Beiersdorfer somit zur vorzeitigen Inthronisierung) zu bewegen. Die Präsidentschaft im ab 1. Juli neu strukturierten HSV e.V. ist ihm bis zum Vertragsende 2015 eh sicher – aber dem Vernehmen nach würde der neue Aufsichtsrat Jarchow gern dazu bewegen, das Präsidentenamt langfristig anzunehmen und somit auch Mitglied des neuen Aufsichtsrates zu werden.

Ziel dieser Gespräche ist die Handlungsvollmachten für Beiersdorfer zu bewirken, damit dieser sein Kompetenzteam ebenso wie natürlich den Mannschaftskader final zusammenstellen kann. Denn hier hat der HSV schon allein durch die Relegation und die damit verbundene Planungsunsicherheit der Ligazugehörigkeit viel zeit verloren. „Niemand darf erwarten, dass Dietmar Beiersdorfer aus einem Fast-Absteiger in kurzer Zeit einen Anwärter für das internationale Geschäft macht“, warnt Gernandt vor zu hohen Erwartungen. „Wir müssen hier Stück für Stück etwas aufbauen, vor allem im Nachwuchsbereich, wo künftig alle HSV-Mannschaften mit einem System spielen werden. Das Wichtigste für uns ist Kontinuität. Es darf nicht mehr passieren, dass der HSV drei Trainer in einer Saison engagiert.“ Und vor allem sollen aktuelle Baustellen wie Pierre-Michel Lasogga möglichst zügig abgearbeitet werden. „Ich sehe nach wie vor eine gute Chance, dass er bleibt“, sagt Gernandt, „wir haben ihm signalisiert, dass wir ihn unbedingt halten möchten. Und der HSV ist nach wie vor eine sehr gute Adresse.“

Vor allem auch dank Beiersdorfer. Der neue Vorstandsboss gilt neben Mäzen, Fan und Investor Klaus Michael Kühne samt dem neuen AR-Boss Karl Gernandt als DER Hoffnungsträger der Strukturreform. Und er trifft auf einen Aufsichtsrat, in dem sich in meinen Augen noch mal riesiges Potenzial verbirgt: Thomas von Heesen. Der ehemalige HSV-Profi der erfolgreichen 80er-Jahre ist die oft zitierte sportliche Kapazität im Aufsichtsrat. Und er ist überzeugt von der Lösung Beiersdorfer – nicht zuletzt, weil er Beiersdorfer als Mannschaftskollegen wie auch als Manager eng kennengelernt hat. „Didi ist genau der richtige Mann für den HSV. Er kennt den Verein, er liebt den Verein – und er lebt vor allem den Verein. Er wird sich hier sicher selbst treu bleiben und den Anspruch so hoch halten, wie es nur geht. Vor allem an sich selbst.“

Und Beiersdorfer ist fleißig. Das ist bekannt. Auch jetzt schon arbeitet der ehemalige HSV-Kapitän in Absprache mit den jeweiligen Amtsinhabern an der neuen Kaderzusammenstellung. Wie gestern geschrieben, hat er bereits zu etlichen Spielern Kontakt aufgenommen. Neben Lasogga, Adler, Calhanoglu und Co. Auch zu von Heesen. „Ich hatte in den letzten Wochen viele gute Gespräche mit Didi, in denen er ganz klare Wege aufgezeigt hat, wie hier bestehende Baustellen behoben werden. Didi ist voll im Thema und weiß, wie man hier vorgehen muss.“ Dass Beiersdorfer zu zögerlich sei bei großen Entscheidungen, sieht von Heesen komplett anders: „Wenn Didi mal etwas länger für eine Entscheidung braucht, dann nur, weil er alle Risiken ausschließen will und sich hundertprozentig sicher sein will. Das ist nicht zögerlich – das ist Akribie.“

Und Beiersdorfer hat höchste Ansprüche. „Das war schon als Spieler so. Didi hatte immer die höchsten Ansprüche – an sich und seine Mannschaftskollegen. Da konnte er auch mal richtig sauer werden, wenn er das Gefühl hatte, irgendwo ließ sich jemand hängen“, erinnert sich von Heesen, „Didi ist schlichtweg komplett fokussiert auf das, was er gerade macht und erwartet Bestleistungen. Und da nimmt er vor allem sich selbst nicht aus.“

Von Heesen, selbst ein erfolgreicher Geschäftsmann, sieht in Beiersdorfer einen entscheidenden Schlüssel zum Erfolg. Vor allem auch in Sachen Vertrauensbasis zwischen dem e.V. und der AG: „Er wird den HSV schnell wieder zu einem großen Verein machen, trotz der veränderten Rechtsform. Er will alle dabei haben, die den Verein mit Herzblut leben und vertritt eine klare Philosophie, die er bedingungslos umsetzt. Didi hört allen zu, ist vertrauenswürdig, für alle Seiten unverdächtig und kann hervorragend vermitteln. Didi hat sich in den letzten Jahren einen sehr guten Namen gemacht. Beim HSV sowieso – aber auch international. Und das ausschließlich mit guten Leistungen. Er ist kein Mann großer Worte – aber einer für große Taten. Und genau das braucht der HSV jetzt. Ehrlich gesagt braucht das eigentlich jeder Verein, der hoch hinaus will. Und wir haben ihn jetzt.“

Stimmt. Mich freut das. Auch wenn es meine Arbeit ein wenig erschweren könnte – am Ende freuen wir uns hoffentlich alle über einen echten Neustart, nachdem der erste zweifellos missglückt ist.

In diesem Sinne: auf die Zukunft! Und auf die Hoffnung, dass sie schon vor dem 1. Juli beginnen kann…

Scholle

P.S.: Sollte noch etwas passieren, melde ich mich natürlich umgehend… Und, Ihr wisst es sicher alle schon, aber weil ich es nicht unerwähnt lassen will – die nächste gute Nachricht: Milan Badelj wurde für die kroatische Nationalelf nachnominiert! Herzlichen Glückwunsch!

Und das Wichtigste zum Schluss: Dieter geht es immer besser! Gut möglich, dass er schon in ein, zwei Tagen nach Hause darf! Also: Drücken wir weiter die Daumen – es scheint zu helfen!!

Auch in der Kabine gab’s zu viel Misstrauen

4. Juni 2014

Ist er nun schon in St. Petersburg? Wie laufen die Verhandlungen mit Zenit? Wollen die Russen eine Millionen-Ablöse für ihn? Wann kommt also Dietmar Beiersdorfer wirklich zum HSV?

Gestern Vormittag, so hatte es den Anschein, herrschte keine Eile beim ehemaligen HSV-Sportchef. Besucher eines Cafes am Mittelweg konnten sich freuen über diesen ungewöhnlichen, vielleicht überraschenden Anblick: „Didi“ mit seinem früheren kongenialen, verhassten, umstrittenen, ein traumhaftes Pärchen bildenden Vorstands-Kollegen Bernd Hoffmann an der Seite. Es wurde gescherzt und gelacht – die ehemaligen Macher des HSV vereint – zumindest beim Latte macchiato.

Dass es eine berufliche Wiedervereinigung beim HSV geben wird, ist sehr unwahrscheinlich. Das liegt vor allem daran, dass der Vorstands-Posten neben Beiersdorfer für Joachim Hilke reserviert ist. Über Pfingsten, so heißt es, werden wir schlauer sein.

Was Joachim Hilke angeht, hat er vor etwa zweieinhalb Jahren ein vielbeachtetes Projekt angeschoben, nämlich eine weitreichende medizinische Zusammenarbeit mit dem UKE. Beide Seiten sollten davon profitieren. Der HSV wirtschaftlich und inhaltlich. Einerseits durch einen Pauschal-Vertrag, der die Kosten für die medizinische Betreuung der Profis verlässlich regelt, andererseits durch das Know-How der Klinik. Und auch das UKE hat sich von der Zusammenarbeit Einiges versprochen, das neue „Athleticum“ auf dem Klinik-Gelände wurde im Sommer 2012 eingeweiht – der HSV schien da als Werbe-Zugpferd gerade recht zu kommen.

Als Zwischenbilanz seither muss konstatiert werden, dass es zweieinhalb Jahre im Gebälk geknirscht hat, es immer wieder zu personellen Problemen und inhaltlichen Turbulenzen gekommen ist. Zuletzt hat der langjährige und anerkannte Physiotherapeut Stefan Kliche beim HSV gekündigt. Er ist nach der Neu-Orientierung des Vereins der letzte Mohikaner aus dem alten medizinischen Stab, der nun nicht mehr dabei ist. Neue Leute, neue Qualität? Die HSV-Profis, das ist die Beobachtung, lassen sich keinesfalls ausschließlich im UKE behandeln geschweige denn dort operieren.

„Es stimmt, dass es in diesem Bereich einige Diskussionen gegeben hat“, bestätigte Vereinschef Carl Jarchow. „Vielleicht ist das normal, wenn in ein bestehendes Team neue Elemente hineinkommen. Wir denken trotzdem, dass es ein gutes Konstrukt sein kann.“

Die ärztliche Betreuung ist ein ungeheuer sensibles Thema innerhalb eines Profi-Teams. Mit Gerold Schwartz, Oliver Dierk und Nikolaj Linewitsch hatte der HSV diesen Bereich vor dem UKE-Deal mit eigenen, direkt beim HSV angestellten Ärzten geregelt. Allesamt Fachkräfte, die teils hauptamtlich, teils neben ihrem Praxis-Betrieb in Hamburg als Mannschafts-Ärzte arbeiteten. Eine Reihe von Physios waren beschäftigt. Uwe Eplinius beispielsweise, mit dessen „Epi-Zentrum“ in Eimsbüttel zusammen gearbeitet wurde (die Zusammenarbeit mit Eplinius endete allerdings schon vor dem Deal mit dem UKE). Thomas Marquardt war über ein Jahrzehnt lang der Osteopath im Team, ein bundesweit bekannter Fachmann.

Übrig geblieben ist davon wenig bis nichts. Das UKE schickte seinen Facharzt Philip Catala-Lehnen zum HSV. Gleichzeitig wurden die Physios rund um die Profi-Fußballer nach und nach ausgetauscht. Dies führte zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des bewährten Systems, die viel Unruhe nach sich zogen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen „neuen“ und „alten“ Kräften stand auf tönernen Füßen. Dass die „alten“ extrem unzufrieden waren, ist ein offenes Geheimnis – insbesondere ging es um die fachliche Qualität des neuen Inputs aus dem UKE. Osteopath Marquardt hat vergangenes Jahr gekündigt, Physio Kliche vor einigen Wochen – beide nicht im Einvernehmen mit dem Vereins-Vorstand. In jedem Fall ist der Vorstand immer wieder umfänglich über die aufgetretenen Spannungen informiert worden. Kompliziert wird es, weil alle Mitarbeiter des „Medical Staff“ allerdings keine Verträge mehr mit dem HSV haben, sondern eben mit dem UKE. Insofern stießen Beschwerden beim Vereins-Vorstand gleichsam ins Leere.

„Ich muss allerdings betonen“, hält Carl Jarchow entgegen, „dass das UKE auch immer auf unsere Anmerkungen eingegangen ist.“ Nur eben nicht in Übereinstimmung mit den alten Kräften unten in der Kabine beim HSV.

Auch unter den Trainern war dies ein Thema. Thorsten Fink und Bert van Marwijk waren die Coaches, die davon in erster Linie betroffen waren. Mittlerweile hat ja auch das UKE reagiert. Catala-Lehnen ist nicht mehr beim HSV. Auf der Suche nach einem Mannschaftsarzt geht der Verein offenbar wieder auf den alten Weg zurück. Mit Michael Joneleit aus Offenbach wurde zwischenzeitlich ein Top-Mann, so heißt es aus Ärzte-Kreisen, gefunden. Nach einer kurzen Probezeit hat Joneleit nun aber abgesagt, weil er seine neueröffnete Praxis in Offenbach nicht allein lassen konnte. Joneleit steht zwar noch auf der HSV-Homepage, aber er wird den Posten nicht fortführen. Bleibt Michael Schillings, aber der Verein sucht für ihn noch Unterstützung. Übrigens auch als UKE-Angestellte.

Alles in allem, und deswegen schreibe ich diese flüchtigen Eindrücke aus dem Kabinen-Innenleben hier auf, spiegelt sich in der Entwicklung in der medizinischen Abteilung wieder, was wir in den vergangenen Jahren häufig bei Personal-Entscheidungen im Profi-Kader beobachtet haben. Trennungen verlaufen im Unguten, verdiente Kräfte fühlen sich mehr oder weniger verjagt. Auch dies, und das ist meine Quintessenz aus der Geschichte, trägt am Ende dazu bei, dass die Kicker auf dem Rasen keine optimale Leistung zeigen können.

Es soll hier nicht an der Leistungsbereitschaft dieses Teams um das Team gezweifelt werden – im Gegenteil. Jeder einzelne hat mit Sicherheit sein bestmögliches getan. Die beschriebenen Schwierigkeiten gehen von oben aus, indem eine Konstruktion installiert wurde, ohne das Ausmaß der Folgen zu übersehen. Jetzt wird repariert, Stück für Stück, damit in der neuen Saison auf diesem Gebiet mal Ruhe einkehrt. An der generellen Zusammenarbeit mit dem UKE, so viel scheint jedenfalls sicher, möchte der Verein nicht rütteln.

In den vergangenen Tagen war zu hören und zu lesen, dass auch im Bereich der direkten Team-Betreuung Veränderungen vorgenommen werden. Marinus Bester rückt wieder in die Geschäftsstelle, dafür hat Mirko Slomka einen Vertrauten mit in die Kabine geholt. Bleibt zu hoffen, dass im Herbst oder im nächsten Frühjahr nicht wieder eine Masse an Abfindungen gezahlt werden müssen…..

Gute Nachrichten gab es heute aber auch. So hat der Verein mitgeteilt, dass mittlerweile 20.000 Dauerkarten-Kunden ihr Saisonticket auch für die nächste Serie gebucht haben. Es bleibt also dabei: egal was mit dem HSV ist, die Treue auf der Tribüne bleibt bestehen. Bis zum 7. Juni haben die alten Dauerkartenkunden noch ihr Vorkaufsrecht, anschließend startet der Mitglieder- und dann der freie Verkauf.

Die Kollegen der „Bild“ haben heute noch einmal getwittert, dass der HSV das Rennen um Pierre Michel Lasogga noch nicht verloren gibt. Demnach will sich Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal aufmachen, um dem Torjäger ein gutes Angebot zu unterbreiten. Aber ist Kreuzer überhaupt noch der richtige Ansprechpartner für Familie Lasogga? Wenn es stimmt, was Dieter hier gestern angedeutet hat – und es gibt wenig Grund daran zu zweifeln – dann könnte die Personalie Stieber zuletzt das endgültige Ende für Kreuzer einleiten.

Es wird ja darüber gemunkelt, dass der neue AG-Aufsichtsrat nicht unbedingt in Jubelschreie ausgebrochen ist, als er von der Verpflichtung Zoltan Stiebers erfahren hat. Ein 25 Jahre alter Zweitliga-Spieler, schon einmal in der Bundesliga (Mainz) gescheitert, für satte 1,2 Millionen Euro zum HSV – naja…. Aus Kreuzers Antrieb, Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit im Sinne des Vereins zu zeigen, könnte ein persönlicher Rohrkrepierer werden, wenn die Personalie von den neuen Leuten – inklusive Dietmar Beiersdorfer – kritisiert wird.

Genau um solche Situationen zu umgehen und nicht beim möglichen nächsten Transfer erneut in die Zuständigkeits-Falle zu tappen, muss die Entscheidung über Beiersdorfer und sein Team schnell fallen.

Ein Thema möchte ich abschließend noch kommentieren. Bei den Beurteilungen über Dietmar Beiersdorfer fällt immer wieder das alte Klischee, er sei so zögerlich, könne sich nicht entscheiden, schiebe Entschlüsse vor sich her, sei nicht geeignet für ein klares, wenn nötig auch konfrontatives Wort. Allen, die dies so sehen, glaube ich versichern zu können, dass sie sich irren. Ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Vertrauten von Beiersdorfer gesprochen, mich erkundigt unter Verhandlungspartnern, die er in den vergangenen Monaten hatte.

Beiersdorfer hat sich entwickelt. Das ist der einhellige Tenor. Wer sich behauptet in Salzburg unter einem Alleinherrscher wie Mateschitz ebenso wie in einer anderen Fußball-Kultur wie in St. Petersburg – soll bitte keiner behaupten, dort gebe es keinen Druck -, der ist von seiner Persönlichkeit auch für das Amt beim HSV gewappnet. Dort wo Oliver Kreuzers Schwächen einsetzen, wird Dietmar Beiersdorfer ganz sicher nicht weitermachen.

Für heute ein sportlicher Gruß von Lars

PS: Morgen, am Donnerstag, wird es ein “Matz-ab-live” geben. Kurz nach 18 Uhr werden einige Matz-abber mit Dieter über die vergangene Saison, über die Mitgliederversammlung vom 25. Mai und über die Aussichten bezüglich der neuen Saison diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet.

Gernandt: “Calhanoglu wie ein unerzogenes Kind”

21. Mai 2014

Vorbehaltlich nicht bekannter Abmachungen zwischen Hakan Calhanoglu und dem HSV muss ich sagen: Da hat sich ja mal einer mächtig verdribbelt. Nein, da hat sich jemand massivst ins Abseits manövriert. Anders kann ich das ganze Theater von Calhanoglu nicht werten. Da verlängert ein 20-Jähriger seinen Vertrag im Februar bis 2018, um keine drei Monate später zunächst über seinen Berater und dann noch höchstselbst mitzuteilen, wie gern er zu Bayer Leverkusen wechseln will. Ansonsten würde er sich verweigern: „Ich hätte kein gutes Gefühl und weiß nicht, ob ich weiter so locker und leicht spielen könnte. Ich will nicht, dass sie eine Mauer um meine Karriere bauen. Ich möchte den HSV im Guten verlassen.“

Wie bitte?

Das wird nicht mehr funktionieren. Denn die Fans, die ihr feines Gespür für Stimmungen mehr als einmal bewiesen haben, werden Calhanoglu nicht so schnell verzeihen. Egal, wie wichtig er in dieser Saison war. Aber vor allem funktioniert ein Abgang im Guten schon deshalb nicht, weil Sportchef Oliver Kreuzer heute noch mal wiederholte: „Wir werden Hakan nicht abgeben.“ Und das ist gut so. Denn der HSV muss jetzt ein Zeichen setzen – oder verkaufen. „So ein Szenario wäre mit HSVPlus nicht denkbar“, sagt Karl Gernandt. Die rechte Hand von Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne sieht in Calhanoglus Verhalten ein allgemein zeitliches Phänomen – und Führungsschwäche: „Das Beispiel Calhanoglu zeigt, wie sehr ein Fußballverein Führung braucht. Wenn man alles hinnimmt, hat man irgendwann ein Heer aus Söldnern.“


Wie jetzt mit Calhanoglu. Der junge Nationalspieler macht mächtig Druck und spricht davon, dass er sich sportlich weiterentwickeln wolle und die Chance dafür in Leverkusen deutlich größer sei. Bei Facebook postete er: „Der HSV bleibt 1. Liga und ich habe mit meinen 11 Toren zur Rettung beigetragen. Jetzt wollen mich Champions League Clubs haben das ist eine große Ehre! Natürlich reizt es mich international zu spielen und ihr wisst alle, wie es im Leistungssport ist eine schwere Verletzung später habe ich diese Chance vielleicht nie mehr. Mein Ziel ist die EM 2016 mit der Türkei und dafür will ich schnell international Erfahrung sammeln. Bitte habt Verständnis für meinen großen Ehrgeiz.“

Okay, das habe ich – absolut nicht!

Vielmehr glaube ich, dass Hakan ganz schlecht beraten ist. Einmal dabei, solche Äußerungen rauszuhauen, zum anderen aber auch von seinem echten Berater, Bektas Demirtas. Denn, und das muss Spieler wie Berater klar sein, momentan heben sie ihren Marktwert sicher nicht. Egal, was für verquere Träume (Calhanoglu: „Ich will einfach so weit kommen wie Ronaldo oder Messi. Ich will auch ein Weltstar werden, über den alles spricht“) der Berater seinem Spieler einimpft oder fahrlässigerweise nicht nimmt. „Was er hier macht, macht der Spieler doch überall“, sagt Gernandt, „und das wissen die Klubs doch auch. Das ist eine charakterliche Schweinerei und sehr schade für Hakan, für den der HSV mehr als nur ein Sprungbrett sein sollte. Deshalb finde ich Oliver Kreuzers Haltung genau richtig. Hakan wirkt wie ein unerzogenes Kind – und dem muss der Verein etwas entgegensetzen.“ Ein Exempel? „Bei Bayern demonstrieren Pep Guardiola und vorher Heynckes Stärke. Die setzen solche Spieler auf die Tribüne. Und auch hier sind jetzt alle Gremien gefragt, ihre Wertung der Vorgänge deutlich zu machen.“

Bislang hat das nur der Spieler getan: „Sie waren geschockt, als ich ihnen gesagt habe, dass ich gehen will“, so der Offensivmann über den Tag, an dem er in eine Vorstandssitzung platzte und seine Forderung platzierte. „Das hatten sie nicht erwartet, denn für sie war ich immer der kleine, ruhige Hakan. Herr Jarchow hatte mit Zeitungsreportern gewettet, dass ich auch in der 2. Liga beim HSV bleibe. Ich fand das respektlos. Ich gebe alles für den HSV, und er wettet.“

„Respektlos“ in diesem Zusammenhang aus seinem Mund – wie ein Treppenwitz.
Warum er seinen Vertrag zunächst im Februar bis 2018 verlängert und dem HSV im Gleichschritt die größten Liebesschwüre anheftet – es wird Clahanoglus Geheimnis bleiben. Auch wenn er es versucht, zu erklären: „Ich bin großer Hoffnung hierhergekommen, aber ich habe sie verloren. Die Trainerwechsel, die ganzen Diskussionen. Für mich als junger Spieler war das schwer wegzustecken.“

Schwer wegzustecken ist sicher vieles in diesem Zusammenhang – aber weniger für ihn als für sein Umfeld.

Was ich mich frage: Was lässt Calhanoglu glauben, dass sich die Türkei für die EM 2016 qualifiziert, wenn er zu Leverkusen wechselt? Was qualifiziert ihn überhaupt, für sich die Champions League als Notwendigkeit auszurufen? Allein die elf Treffer? Oder weil er seine erste Saison bei einem Fastabsteiger, der die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte gespielt hat, Stammspieler war? Was für ein Schrott…

Aber noch mal zusammenfassend: Sollte es keine Versprechungen für den Fall eines solchen Angebotes geben, die wir nicht kennen, dann ist Calhanoglus Verhalten absolut unentschuldbar und desaströs. Was man dabei nicht vergessen darf: Es ist tatsächlich ähnlich dem Klubverhalten, als man seine Spieler (Rajkovic, Mancienne, Tesche, Kacar) trotz laufender Verträge öffentlich zum Verlassen des Klubs aufforderte.

Jetzt also wieder mal andersrum. Calhanoglu macht sich untragbar und senkt parallel noch seinen Marktwert. Schon deshalb würde ich hier ein Exempel statuieren wie damals im Fall van der Vaart/Valencia.

Andererseits muss der Verein seiner wirtschaftlichen Verfassung Tribut zollen und die Möglichkeit, aus einem Verkauf Calhanoglus notwendiges Geld zu akquirieren, in Betracht ziehen. Gernandt hält das für falsch („Geld auf dem Konto schießt keine Tore“), sagt aber auch: „Man muss das Szenario an entscheidender Stelle intensiv ausloten und dann mit einer klaren Entscheidung dem Thema ein Ende machen.“ Wobei das ganz sicher leichter wäre, wenn der HSV Calhanoglu gleichwertig ersetzen könnte.

Nein, obwohl ich tatsächlich dafür wäre, Calhanoglu so lange auf die Tribüne zu setzen, bis er sich fängt, entschuldigt und seine Einsatzbereitschaft bewiesen hat, droht dem HSV so totes Kapital, das er sich in der aktuellen Verfassung nicht leisten kann. Zugleich wäre es für Calhanoglu das zwischenzeitliche Ende einer vermutlich großen Karriere. Dennoch und wie schon gesagt, ich glaube, dass der junge Deutsch-Türke von all diesen Entscheidungen und Mitteilungen am wenigsten selbst produziert hat. Er ist auf jeden Fall im doppelten Sinne aktuell schlechtestens beraten…

Gut beraten bin ich, wenn ich heute mal nicht auf die Vorwürfe der streitenden Parteien für Sonntag eingehe. Denn dieser Wahlkampf, der in den zwei Pressekonferenzen absolut erträgliches Niveau hatte – verliert eben selbiges gerade.

Deswegen:

Bis morgen. Dann mit Lars, mit dem ich ab 20 Uhr das 32. Sportforum moderiere. Unsere Gäste werden Axel Formeseyn, Holger Hieronymus und Bernd Hoffmann sein. Einen Videostream der Sendung stellen wir Euch hier ab spätestens 23 Uhr (Ansage der Regie…) zur Verfügung!

Scholle

P.S.: Oliver Bierhoff, der selbst lockere Gespräche bestätigte, ist nach meinen Recherchen kein Kandidat mehr für einen Posten beim HSV. Den Vorsitzenden soll Dietmar Beiersdorfer machen, mit dem sich HSVPlus bereits für den Fall einer Wahl am Sonntag weitgehend einig sein soll. Das Modell sieht bislang vor, dass Oliver Kreuzer seinen bis 2015 laufenden Vertrag als Sportchef erst einmal erfüllt. Nur nicht mehr als Vorstand.

Wie gern würd’ ich einfach mal abschalten…

21. April 2014

Trainingsfrei. Dier Mannschaft soll durchatmen. Und wir sollten das auch einmal versuchen. Ich für meinen teil kann das arbeitsbedingt nur teilweise, aber ich kann von mir behaupten, die Leidenschaft für den HSV noch nicht verloren zu haben. Das gilt für den Verein wohlgemerkt – weniger für die Mannschaft. Denn auch zwei tage nach dem Spiel gegen Wolfsburg kann ich mich nicht damit anfreunden, was diese Mannschaft auf dem Platz angeboten hat. Wäre es das erste Mal – okay. Aber nach einem katastrophalen Spiel wie dem in Hannover muss man von dieser Mannschaft gegen Wolfsburg einen komplett anderen Auftritt erwarten dürfen. Dass selbst der dann gegen starke Niedersachsen verloren gehen kann – klar. Aber in der jetzigen Situation ein Spiel so abzuschenken und nachher noch von guten 25 Minuten in der zweiten Halbzeit zu sprechen kriege ich nicht untergebracht. Mir wird immer bewusster, was ich vorher zu verdrängen versuchte: Diese Mannschaft hat weder die Qualität noch den Charakter, die Bundesliga von sich aus zu halten. In dieser Mannschaft sind diejenigen, die sich verantwortlich fühlen und für Wiedergutmachung stehen in der absoluten Minderheit. Und das k…. mich an.

Dass diese Art von außen vorgelebt wurde und wird macht das alles nicht leichter. Mein Doppelpass-Auftritt war letztlich wie ein Spießrutenlauf. Immer wieder musste ich den anderen Experten erläutern, was alles falsch läuft. Und diese Fragen endeten auch nach drei Stunden noch nicht – wie auch? Es gibt einfach zu viele berechtigte Ansätze bei einer kompletten Fehleranalyse.

Für Abendblatt-Blogs


Schlimmer noch. Selbst ein tatsächlich extrem höflicher Mensch wie Stefan Reuter sorgte für einen Steilpass zur Verarsche des HSV. Worauf sich Augsburg besonders einstellen müsse im anstehenden Spiel gegen den HSV wollte der FCA-Sportchef wissen. „Auf nichts“, so die Antwort von Mario Basler, der sich die Partie des HSV gegen Wolfsburg komplett angesehen hatte. „Ich hatte sicher auch mal Auftritte, die lustlos wirkten“, gab das enfant terrible früherer Tage zu, „aber da haben mich zehn andere aufgefangen. Beim HSV ist es andersrum: Da versuchen ein, zwei Leute, die Bocklosigkeit der anderen aufzufangen. Das kann nicht gutgehen“, so die Analyse des einstigen Europameisters.

Und auch wenn es hier kaum jemanden überrascht: Das fiel sogar einem auf, der sich ansonsten herzlich wenig Gedanken macht. Auch nicht über den HSV. Und das erschreckte mich zusätzlich.

Vor zwei Jahren war es Hertha BSC. Die Berliner schienen zehn Spieltag vor Saisonende gerettet und punkteten anschließend fast gar nicht mehr. Ebenso wie der HSV, der sich mit Flattersiegen gegen Kaiserslautern und Hannover letztlich doch den Klassenerhalt sicherte. Damals ergab die Fehleranalyse, man müsse einen Neustart wagen, auf junge Talente setzen, sich von arrivierten, teuren Spielern trennen. Dass nur wenige Monate und einen Saisonfehlstart später Rafael van der Vaart für 15 Millionen Euro verpflichtet wurde – es ist nur eines von gefühlt Millionen Indizien für die Unwissenheit der Entscheidungsträger. Und dieses Unwissen ist tatsächlich die einzige Konstante der letzten Jahre.

Wenn ich dann höre, dass ein Alexander Esswein im Winter für Null zum FC Augsburg wechselt, zu jenem Verein, der mit gerade einmal 18 Millionen Euro (HSV: mehr als 40 Mio) um den Einzug in die Europa League spielt, dann frage ich mich: Wo war unser Sportchef? Reuter sagte mir, dass er im Feilschen um Esswein keine Konkurrenz aus Hamburg hatte – dabei brauchten wir im Winter dringend einen Stürmer. Wenn dieser zudem jung und im Gehalt günstig ist, warum wurde da nicht zumindest angefragt? Gleiches gilt für Ivica Olic. Ich hatte Oliver Kreuzer vor unserem Interview in der vergangenen Woche gefragt, ob Ivica in Hamburg ein Thema war. Er sagte mir, dass dem nicht so war. Weil Olic im Gehalt zu teuer ist. Und das stimmt. Dem Vernehmen nach soll Olic sechs Millionen Euro beim VfL verdienen. Dass der Kroate seit seinem Wechsel zum FC Bayern nicht müde wird, seine Liebe zum HSV zu betonen, hat hier niemanden aufmerksam werden lassen.

„Ich wusste oft, dass wir keine Chance haben. Und trotzdem bin ich die großen Spieler angegangen. Denn nur wenn Du in oberen Etagen anfängst zu suchen, hast du die Chance, einen überraschenden Transfer zu schaffen“, hatte mir Dietmar Beiersdorfer einst im Interview gesagt, nachdem er den damaligen Weltklassespieler Rafael van der Vaart nach Hamburg gelotst hatte. Ein Vorgehen, dass in Hamburg der Vergangenheit angehört. Ebenso wie überraschend gute Transfers. Ivica Olic jedenfalls, der entscheidende Angreifer des VfL beim 3:1 in Hamburg, wurde nicht angesprochen. „Ich habe kein Mitleid“, so die herzlose Antwort des Linksfußes direkt nach dem Sieg in Hamburg. Der Hintergrund dürfte jedem hier jetzt bewusst werden. Ebenso wie der für die Verpflichtung der zwei uneigennützigen van-Marwijk-(Fehl-)Empfehlungen Bouy und John…

Es ist so bitter! Dieser HSV gibt sich in fast allen Bereichen der Lächerlichkeit preis. Wie gern würde ich einfach alles abschalten und diesen HSV so verfolgen, wie es diese Konstellation verdient hat. Einfach nichts an mich heranlassen und mir nicht lange, ansonsten schöne Ostertage von einer unfassbar leblosen Niederlage versauen lassen. Wie einfach wäre es für mich, Niederlagen wie die der Braunschweiger zu verarbeiten. Die geben immer alles – und können einfach nur zu wenig, weil ihre Mittel arg beschränkt waren und sind. Der HSV indes hat einen Gehaltsetat von noch immer über 40 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie die Niedersachsen.

Aber ich kann nicht anders, weil ich nicht will, dass dieser HSV absteigt. Obwohl dieser Verein, der Bundesliga-Dino, seit Jahren nur noch verwaltet wird. Entwickelt wird hier seit Jahren nichts mehr, stattdessen werden alle Neubauten eingerissen und teure Abfindungen bezahlt. Nur ein Rechenbeispiel: Olic’s Gehalt muss der HSV inzwischen an Abfindungen bezahlen. Für Trainer, die hier gescheitert sind und dafür viel Geld bekommen haben. Und ich behaupte, dass der HSV mit einem ablösefreien Esswein (Jahresgehalt 750000 Euro) statt Zoua (kostete 650000 und verdient 800000 im Jahr) sowie einem Olic in der Offensive neben Lasogga nicht um den Abstieg spielen würde.

Aber viel schlimmer als dieser theoretische Ansatz wiegt für mich die Tatsache, dass hier in Hamburg Campus-Gelder in Abfindungen, in die Bilanz und in Beleuchtungsanlagen für den Rasen gesteckt werden anstatt in Spieler. Weil der HSV keinen Plan hat. „Unser Erfolg rührt nicht aus den letzten Jahren“, hat mir Reuter gesagt, als ihn alle gerade für die aktuellen Erfolge feiern wollten. „Unser Erfolg fing im Jahr 2000 an, als unser Präsident Walther Seinsch den Plan fasste, in die Bundesliga aufzusteigen. Seitdem wird in Augsburg ein Konzept gelebt, an das ich mich halte. Zum einen, weil ich überzeugt davon bin, zum anderen, weil es Seinsch’s Bedingung war, als ich anfing.“

Merkt Ihr das? Selbst ein Bundesliga-Novize wie Augsburg ist dem HSV strukturell um Ewigkeiten voraus. Und diese Erkenntnis tut weh. In Augsburg ist es der 72-Jährige Seinsch, der ununterbrochen an der Klubspitze agiert. Der FCA hat einen starken Mann – der HSV nicht. Unser Klub ist in der Gänze nicht unwesentlich kleiner“, versucht Reuter den HSV noch zu verteidigen, „da lassen sich Entscheidungen schneller abstecken. Wenn wir einen Spieler halten, verkaufen oder verpflichten wollen, sitzen der Trainer, Seinsch und ich zusammen und entscheiden. Alle haben ein Vetorecht und wir versuchen uns zu überzeugen. Aber klar ist, dass wir nur dann etwas machen, wenn wir alle zusammen überzeugt sind.“ Ein Beispiel, das hier in Hamburg fast undenkbar ist. Dafür wechseln allein die Trainer schon viel zu oft…

Das wiederum liegt an der Führungslosigkeit dieses Vereines, weshalb ich seit Wochen versuche herauszufinden, wer bei HSVPlus letztlich diese unumstritten Persönlichkeit werden soll. Bernd Hoffmann wird hier im Blog immer wieder genannt, scheint aber bei den Strukturreformern keine Mehrheit zu bekommen. Zumal Dietmar Beiersdorfer für die sportlichen Geschicke weiterhin einer der Topkandidaten ist. Und dass es eine Reunion von Hoffmann und Beiersdorfer geben wird ist ausgeschlossen.

Als die HSVPlusser dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden ein Organigramm vorlegten und ihn fragten, wo er sich in Zukunft sehen würde, deutete Carl Jarchow dem Vernehmen nach ohne zu zögern auf den Posten des Vorstandsbosses der neuen AG und musste feststellen, dass die Initiatoren ihn da nicht sehen. Joachim Hilke, der sich bereits seit einigen Monaten intensiv mit den Initiatoren von HSVPlus austauscht, galt lange Zeit als einer der Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Auch, weil der bislang noch einzige potenzielle strategische Partner, Klaus-Michael Kühne, in Hilke seinen einzigen Gesprächspartner im aktuellen Vorstand hat. Inzwischen gilt diese Lösung maximal noch als Übergangslösung.

Wie bereits geschrieben, ist Oliver Bierhoff der Wunschkandidat von HSVPlus. Auch, weil Holger Hieronymus abgesagt hat. Allerdings ist die Lösung mit dem bis 2016 beim DFB angestellten Nationalmannschafts-Manager fast so unwahrscheinlich wie die Doppelspitze Beiersdorfer/Hoffmann.

Immer unwahrscheinlicher wird zudem, dass die komplette Veranstaltung am 25. Mai über die Bühne gehen kann. Neben drei Aufsichtsratskandidaten sind auch rund 50 (!!) Änderungsanträge eingegangen. Zudem steht die wichtigste Wahl der Vereinsgeschichte an. Eine Menge Holz für einen Tag. Und für den einen oder anderen HSVPlus-Gegner sicherlich nicht die schlimmsten Aussichten… Wobei: Hinzu kommt noch die Aussprache, die wahrscheinlich endlos geführt werden könnte, angesichts der Fehler der letzten Monate und Jahre. Naja, auf jeden Fall werde ich mir für den 25. Mai nichts anderes vornehmen…

In diesem Sinne, morgen geht’s wieder auf den Platz. Hoffentlich auch für Marcell Jansen, Rafael van der Vaart, und Milan Badelj.

Scholle

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