Archiv für das Tag 'Hoeneß'

Son ist weg – und wer wird ihm folgen?

13. Juni 2013

Nun ist es also vollbracht: Heung Min Son wechselt zu Bayer Leverkusen. Doch noch. Und der HSV ist nicht traurig, im Gegenteil, jetzt kommt endlich mal wieder Geld in die Kasse. Ein großartiger Coup, das muss man dem HSV lassen, denn Son kommt aus der „eigenen“ Jugend und bringt die dringend erforderlichen und somit auch erhofften Millionen. Schlecht an diesem Deal ist allerdings, dass der HSV nur noch diesen einen Son hatte. Mal abgesehen von Rene Adler, der natürlich noch immer unverkäuflich ist, unverkäuflich sein muss. Weil der den Laden hinten noch so dicht gehalten hat, dass es keine 100 Gegentore gab, sondern nur 53. Die Frage wird aber in näherer Zukunft sein: Wen verkauft der HSV demnächst, wenn plötzlich und völlig überraschend festgestellt wird, dass schon wieder kein Geld in der Kasse liegt? Da ist außer Adler keiner. Vielleicht wird es Hakan Calhanoglu, wenn der HSV Glück hat, aber wenn Calhanoglu nicht? Dann wird es eng. Die guten Spieler, die ihren Wert hatten und die den HSV Jahr für Jahr gerade und soeben noch über Wasser hielten, die sind mit der Zeit alle veräußert worden. Es gibt jetzt keinen mehr, für den der HSV noch eine große oder sogar zweistellige Millionensumme kassieren könnte – deswegen könnte schon bald wieder Holland voll in Not sein. Was heißt voll? In allerhöchster Not sein! Spätestens dann, wenn am Ende der nächsten Spielzeit kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde – so es denn so kommt. Wobei irgend ein internationaler Wettbewerb schon gar nicht mehr ausreichen würde, denn eigentlich müsste es schon die Champions Legaue sein . . .

Und das könnte ja sogar möglich sein, keine Frage. Der HSV war ja schon in der gerade beendeten Bundesliga-Spielzeit nahe dran. Wenn wir uns noch erinnern: Beim Schalke-Rückspiel am 28. April 2013 (!) führte der HSV schnell 1:0 – und hätte mit einem Auswärtssieg sogar einen Champions-League-Platz erklimmen können, nämlich Rang vier. Hätte. Es kam anders, es gab in Gelsenkirchen eine hammerharte 1:4-Pleite. Und am Ende, das wissen wir alle, gab es sogar nicht mal die Europa League. Vier Jahre ist der HSV nun schon „europalos“, und lange, da muss man kein Prophet sein, kann sich das der Club von der Rothenbaumchaussee nicht mehr leisten. Und damit will ich – um Gottes Willen – kein Miesmacher sein. Man muss – oder sollte – aber nur mal den nackten Tatsachen ins Auge blicken, dann kann man auch als der allergrößte HSV-Fan zu keinem anderen Schluss kommen.

Gespannt bin ich, was Heung Min Son tatsächlich in die Kassen gespielt hat. Laut Agentur sollen es zehn Millionen sein. In Leverkusen lachen sie über diese Zahl. Lauthals sogar. Aber sie sagen natürlich nicht, was da genau von Rhein zur Elbe fließt. Meine Kollegen im westdeutschen Raum lachen ebenfalls. Über unsere Naivität hier im Norden. Zehn Millionen? Für Son? Nie im Leben. Allerhöchstens acht. Wurde mir gesagt. Und bei diesen acht Millionen verdient vielleicht auch noch der Berater – oder sogar die Berater – kräftig mit. Profi-Fußball. Das ist schon ein ganz böses Geschäft. Oder eher ein lachhaftes Geschäft? Uns Uwe Seeler hat dazu heute etwas gesagt, das wird am Ende meines Textes stehen. Ja, genau, Uwe Seeler. Der Mann, der den HSV groß geschossen und geköpft hat, der den HSV zu Weltruhm geführt hat – und sich – ganz nebenbei – auch noch. Uwe Seeler, der mehrfach Fußballer des Jahres war (welcher HSV-Profi der Neuzeit war das auch?), der Hamburgs Ehrenbürger ist, der immer noch Vorbild für Millionen ist und der geliebt auf der ganzen Welt geachtet und geliebt wird von vielen Fans. Nicht von allen, das weiß ich seit Matz ab, aber von den meisten. Und deswegen freut es mich, wenn sich dieser Uwe Seeler zu seinem HSV äußert. Wer ist nicht lesen mag, der sollte dann aufhören, wenn es gegen Ende dieses Artikel geht.

Zurück aber zur Aktualität. Wie eminent wichtig Son für den HSV – in seiner jetzigen Rolle – gewesen ist, das dokumentieren die HSV-Stimmen nach dem vollzogenen Wechsel.
„Son war ein wichtiger Spieler für den HSV“, sagt der neue Sportchef Oliver Kreuzer der Deutschen Presse-Agentur DPA. Und: „Man müsse aber neben dem sportlichen Wert des Spielers auch immer die wirtschaftliche Komponente für den Verein sehen.“ Sicherlich. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow befand: „Natürlich ist es sehr schade, dass uns Heung Min Son verlässt, aber wir haben immer betont, dass er entweder den Vertrag verlängert oder wechseln muss. Seinen Vertrag einfach so auslaufen zu lassen, das kam nie infrage.“ Natürlich. Weil da ja immer noch am Saisonende die Zahl 24 im Raume stand. Millionen. Minus. Gegen die hat sich Jarchow immer massiv gewehrt, und nun hat er Recht behalten. Glückwunsch! Die 24 ist vom Tisch. Dank Son, und dank der Verlängerung mit Vermarkter Sportfive, um den vor Jahren noch ein kilometerweiter Bogen gemacht werden sollte. Damaliges und ehemaliges Motto: „Der Vertrag läuft bald aus, und was die für uns machen, dass können wir selbst erledigen . . .“ Natürlich. Könnten. Groß genug ist der Personalstand des HSV, aber diese Angestellten kassieren eben nur Löhne und bringen keine Millionen (wie Sportfive) in die Kasse.

Und wo ich gerade dabei bin: Hieß es nicht vom (neuen) Aufsichtsrat: „Wir werden nicht den Fehler machen und unsere besten Spieler verkaufen . . ?“ Nein. Und es wurde ja auch Wort gehalten, denn: Es sind ja nicht „die“ Spieler verkauft, sondern nur „ein“ Spieler. Die anderen sind alle noch da. Und einige davon schon viel zu lange. Aber bei diesen großartigen Gehältern – da würde selbst ich nicht freiwillig gehen. Und ich verdiene bei Springer unheimlich gut . . .

Heung Min Son hat in Leverkusen für fünf Jahre unterschrieben. „Wir haben von Beginn an deutlich gemacht, dass ein Wechsel André Schürrles zum FC Chelsea nur in Verbindung mit einer sportlich adäquaten Alternative umsetzbar ist. Diese Alternative haben wir nun in Person von Heung Min Son unter Vertrag genommen. Somit steht aus unserer Sicht einem Transfer André Schürrles nach England nichts mehr im Wege“, sagt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und fügte ergänzende hinzu: „Mit Heung Min Son haben wir einen Spieler verpflichtet, der trotz seiner Jugend beim HSV bereits zu den Leistungsträgern gehörte. Son passt genau in unser Anforderungsprofil als junger, noch sehr entwicklungsfähiger Profi mit internationalen Ansprüchen. Bei Bayer kann Son seine eigenen, hochgesteckten Ziele am besten realisieren.“ Und Bayer-Sportdirektor Rudi Völler befand zufrieden: „Heung Min Son ist genau der Spielertyp, den wir für unsere junge Mannschaft gesucht haben. Er ist schnell, beweglich, technisch stark und hat einen tollen Torabschluss. Er wird uns helfen, unsere Ziele in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League zu erreichen.“

Natürlich, Herr Völler, natürlich. Die Großen fressen die Kleinen, so geht es im Profi-Fußball zu – eiskalt. Es regieren die Millionen. Euro. Nicht Fans. Und der HSV wird ja auch bald in die Rolle eines „Großen“ aufrücken können, dann nämlich, wenn Roque Santa Cruz für Millionen verpflichtet wird. Oder werden sollte. Nein, das war um es gleich einmal aufzuklären, natürlich etwas (viel) Sarkasmus.

So, nun zu Uwe Seeler, den ich nach wie vor so verehre wie keinen anderen Fußballer. Meine Nummer zwei wäre, das nur nebenbei bemerkt, Günter Netzer, dann käme – von den ganz Großen – Uli Hoeneß. Das aber nur am Rande. Jetzt zu „uns Uwe“:

Für das deutsche Idol Uwe Seeler hat die Kommerzialisierung des Fußballs den Charakter des Spiels verdorben. „Das ist kein Fußball mehr“, sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft in einem Interview mit dem Express über die Entwicklung des Sports zu einem Teil der Unterhaltungsbranche: „Das ist Party und Geschäft.“ Sorgen macht sich der 76-Jährige um seinen Bundesliga-Stammverein HSV. „Ich habe große Angst davor, dass der HSV vor die Wand knallt“, sagte Seeler hinsichtlich der HSV-Probleme im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich.

Nach dem Amtsantritt von Oliver Kreuzer als Nachfolger des nach Saisonschluss entlassenen Sportdirektors Frank Arnesen allerdings blickt der ehemalige HSV-Boss mit mehr Zuversicht in die Zukunft: „Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen jetzt mit Vernunft agieren und die Probleme in den Griff bekommen.“

Mit Neugier verfolgt Seeler die Laufbahn seines vom HSV zu Bayer Leverkusen wechselnden Enkels Levin Öztunali und will im Fall einer Nominierung des U17-Nationalspielers für den Erstliga-Kader der Rheinländer auch ins Leverkusener Stadion kommen: „Warten wir einmal ab, wie er sich entwickelt. Er ist sehr ehrgeizig, fleißig und charakterlich einwandfrei. Wenn es so weit sein sollte, werde ich natürlich im Stadion sitzen.“

Dann ist da noch ein “Matz-abber”, der sich um den Namen “Matz ab” sorgt:

Sehr geehrter Herr Matz,

mein Herz schlägt, genau wie bei Ihnen, für den HSV. Bin 69 Jahre alt ,ein frustrierter Anhänger, weil ich neidisch immer auf andere Klubs schaue und jedes Jahr hoffe das es hier wieder endlich bergauf geht. Diese anderen Vereine schaffen es, mit weniger Mitteln viel zu erreichen.

Ich lese fast immer den HSV Blog. Schade das Sie im September in Rente gehen. Dann wird es ja auch das beliebte „Matz ab” unter diesem Namen nicht mehr geben. Bei uns an der Küste gibt es ein Slogan, der an manchen Speiselokalen prangt: Scholle satt. Deshalb nur so eine Idee: Sollte Herr Scholle diese Sendung leiten: „Scholle-sat“.
Freundliche Grüße aus Büsum, Volker S.

PS: Klingt gut, Ich würde es so schreiben: „Scholle satt“ = Scholle Schreibt Alles Tatsächlich Täglich.
Ich hatte schon vorgeschlagen: „Scholz – was soll’s“. Aber das trifft es nicht, es wird und soll aber ja auch bei „Matz ab“ bleiben.

PSPS: Wo ich gerade selbst das Wort Büsum lese. Es ist für mich schon erstaunlich, woher mir die „Matz abber“ alle schreiben. Unglaublich sogar. Früher habe ich ja mal veröffentlicht, woher die Einsendungen beim „Matz-ab-Gewinnspiel“ so kamen, auch unglaublich – aus der ganzen Welt. Toll, einfach nur toll. Und bei der Gelegenheit, heute erhielt ich einen – sorgenvollen – Brief aus Boston, in dem es um die neuen Strukturen des HSV geht, die nun kommen müssten, wenn nicht ein großes Unglück geschehen soll. Unglück gleich Abstieg, wenn ich das mal so sagen darf.
Kurzum: Lieber Marco Me., ich möchte hiermit sagen: Brief ist angekommen, vielen Dank.

Und dann habe ich noch etwas ganz zum Schluss:

Die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Dr. Felix Brych zum „Schiedsrichter des Jahres” 2012/2013 gewählt, bei den Frauen geht die Auszeichnung an Dr. Riem Hussein. Mit der Wahl würdigt die Kommission herausragende Leistungen in der vergangenen Saison.
Felix Brych hat 2012/2013 in der Bundesliga 18 Spiele gepfiffen. In der Champions League kommt er auf vier Einsätze, darunter das Viertelfinale zwischen Real Madrid und Manchester United. Von der Fifa wurde der 37-Jährige für den vorläufigen Kader der WM 2014 in Brasilien nominiert, beim Confederations Cup 2013 in Brasilien ist er einer von vier Unparteiischen aus Europa.

Warum ich das veröffentliche? Weil ich mich mit Dr. Brych freue – es hat den Richtigen getroffen. Er macht national und international einen ausgezeichneten Job. Und ist, das am Rande, ein toller Sportsmann und Mensch. Herzlichen Glückwunsch!

Und dann noch dies – ein Trost. Anderen geht es auch nicht so sehr gut . . .

Ausverkauf in Schottland: Der Fußball-Traditionsklub Hearts of Midlothian hat aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten seinen gesamtem Kader zum Verkauf gestellt. „Wir würden uns Angebote für jeden unserer Spieler anhören, auch für unsere größten Talente, um die notwendigen Zahlungen tätigen zu können“, teilte der Erstligist aus Edinburgh am Donnerstag auf seiner Internetseite mit.

Vielleicht ist ja sogar etwas für den HSV dabei? Eines der großen Talente eventuell?

17.06 Uhr

Wer Zeit hat und (mehr) lesen möchte!

9. Juni 2013

Wer bei diesem schönen Wetter noch Sinn fürs Lesen entwickelt – bitteschön. Es handelt sich im Folgenden allerdings nur um Mails von „Matz-abbern“:
Ich habe hier einige Schreiben, die mir in den letzten Tagen und Stunden zugegangen sind, und die ich für lesenswert halte.
Wer hier ansonsten keine oder wenige Kommentare liest, der kann sich so ein Bild davon machen, was andere HSV-Fans derzeit beschäftigt – und wie sie denken.

Sehr geehrter Herr Matz,

ich möchte mich einmal persönlich bei Ihnen (und Herrn Scholz) für Ihre Arbeit im Rahmen des HSV-Blogs bedanken. Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit Ihnen bin (was bei der Komplexität auch gar nicht möglich ist), so ist doch das große Engagement und Herzblut stets zu spüren, mit dem sie beide hinter unserem Verein stehen. Trotz des teilweise heftigen Gegenwindes aus der „Bloggemeinde“ und häufig genug auch unqualifizierter und unfairer Kommentare versuchen Sie täglich, den HSV-Fans ein Bild davon zu zeichnen, was im Verein vor sich geht. Ich denke, dass trotz der z. T. hitzigen Diskussionen eigentlich alle Fans vor allem eines wünschen: Endlich, endlich wieder einen Titel für den HSV. Das mittlerweile jahrzehntelange Warten erzeugt Ungeduld und manchmal auch Unfairness.

Ich habe früher selbst Fußball gespielt, als der HSV noch auf Augenhöhe mit Bayern München war. HSV-Fan bin ich seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 1979. Beim 4:1 gegen die Bayern im Jahr 1981 war ich live im Volkspark dabei. Die beiliegende Fahne hat dieses Spiel – wahrscheinlich eines der besten des HSV – miterlebt. Vielleicht finden Sie ja einen geeigneten Platz dafür im HSV-Museum o. ä.. Beim 4:3 im Rückspiel stand ich selbst auf dem Fußballplatz und hatte in der Halbzeitpause den 1:3 Rückstand mitbekommen. Als ich nach Abpfiff hörte, dass das Spiel doch noch gewonnen wurde war ich überglücklich. Diese Epoche wurde gekrönt durch den Europapokalsieg 1983: Der HSV stand an der Spitze des europäischen Fußballs.

Seitdem geht die Entwicklung allerdings hauptsächlich bergab. Der letzte große Titel mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1987 liegt mittlerweile 26 Jahre (!) zurück. Seither ist der HSV – vom einen oder anderen Zwischenhoch abgesehen – lediglich nicht abgestiegen. Das allein kann jedoch nicht Anspruch eines Vereins sein, der meiner Meinung nach sowohl in die nationale als auch in die internationale Spitze gehört. Ein Verein mit dem Umfeld einer Weltstadt wie Hamburg muss in der Lage sein, mehr aus sich zu machen, als es der HSV seit Jahrzehnten tut. Ziel eines Vereins wie des HSV kann nur sein, zunächst national aber mittelfristig auch international dauerhaft zu den „Großen“ zu zählen. Auch wenn Vereine wie München, Chelsea, Madrid oder Barcelona zurzeit unendlich weit entfernt scheinen, muss es das Ziel sein, zumindest wieder in die Nähe solcher Klubs zu kommen. Es darf nicht sein, dass der HSV weiterhin lediglich eine „Randnotiz“ der Bundesliga bleibt.

Der Weg in eine bessere Zukunft führt meiner Meinung nach nur über eine vollständige Strukturreform des Vereins. Die Bewahrer und Traditionalisten haben fast 30 Jahre lang – mehr oder weniger ohne großen Erfolg – versucht, den HSV zu führen. Es wird allerhöchste Zeit für einen Neubeginn (Ausgliederung der Profiabteilung, drastische Verkleinerung des Aufsichtsrates, sportliche Kompetenz in die Entscheiderpositionen, Gewinnung von Sponsoren/Investoren,…).

Ich kann mir sogar vorstellen, dass Uli Hoeneß den seinerzeit fast perfekten Wechsel von Matthias Sammer zum HSV in letzter Minute noch verhindert hat. Ich denke, Hoeneß weiß, was ein echter „Macher“ wie Sammer oder Magath bei veränderten Strukturen in Hamburg bewirken könnte. Hoeneß hat ja selbst vor einigen Jahren einmal gesagt, dass man bei den Bayern langfristig eigentlich nur den HSV als nationalen Konkurrenten fürchtet.

Insbesondere im Jugendbereich scheint mir ein stärkeres Engagement wünschenswert und notwendig. Der deutsche Fußball erlebt gerade eine Blütezeit wie seit Jahren nicht mehr. Wo aber sind die jungen deutschen Talente beim HSV? Warum bindet man ehemalige HSV-Stars wie Horst Hrubesch, der mit DFB-Nachwuchsteams sehr erfolgreich war nicht stärker ein? Kaum ein HSV-Eigengewächs konnte sich in den letzten Jahren in der Profimannschaft durchsetzen. Eine nachhaltige Entwicklung im Jugendbereich, wie sie viele große europäische Vereinsmannschaften teilweise seit Jahrzehnten erfolgreich praktizieren sollte daher auch für den HSV selbstverständlich sein. Von den Jugendmannschaften bis zum Profiteam sollte ein durchgängiges System gespielt und somit bereits früh verinnerlicht werden.

Natürlich müssen flankierend auch erfahrene Spieler verpflichtet werden. Das alles kostet viel Geld, dass der HSV nicht hat. Wenn man den Verein jedoch noch einmal in die Lage versetzen will, dauerhaft an der deutschen bzw. europäischen Spitze mitzuspielen, dann muss man m. E. massiv investieren. Warum man nicht viel stärker als bisher auf Herrn Kühne zugeht ist mir angesichts der wirtschaftlichen Situation des HSV völlig unerklärlich. Im Zuge der vdV-Verpflichtung habe ich Herrn Kühne schriftlich für sein Engagement gedankt und sogar eine persönliche Antwort von ihm erhalten! Dieser Mann will sich für den Verein und ggf. auch im Verein engagieren, doch man lässt ihn scheinbar nicht. Wer soll das noch verstehen? Eventuell könnte er mit seinem Einfluss und seinen Kontakten in die Wirtschaft sogar weitere Investoren für den Verein gewinnen. Nur so können wir den Abstand zu den großen Klubs verringern und in absehbarer Zeit auch mal wieder den einen oder anderen Titel feiern. Mehr als ein Vierteljahrhundert „ohne“ sind einfach eine viel zu lange Zeit für einen solchen Verein, der im Grunde ein riesiges Potenzial hat. Für mich ist der HSV ein schlafender Riese, der endlich (wieder) aufwachen muss.

Ich bitte Sie, dazu beizutragen unseren Verein wieder dorthin zu führen, wo er hingehört.
Oliver G.

Lieber Dieter, Lieber Scholle,

normalerweise bin ich so gar kein „Kommentierer“ oder „Leserbriefschreiber“ aber ich möchte Euch, vor dem Hintergrund der momentanen Diskussionen, gerne einmal meine Sicht der Dinge schildern.

Als erstes einmal lese ich bereits seit langem regelmäßig Euren Blog und schaue auch gerne die Spieltagsanalyse. Ich bin sicher nicht immer Eurer Meinung, aber weder Ihr noch Ich haben diesen Anspruch. Ich finde Ihr seid immer aktuell und es macht Spaß den Blog zu lesen.
Es wundert mich sehr, dass ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt die Diskussion über den AR entbrennt. Das dieser genau so wenig funktioniert wie Jahreshauptversammlungen bei denen einige hundert über einen Verein mit über 70tausen Mitgliedern (viertgrößter Deutschlands) abstimmen, ist lange bekannt. Die Initiative ProHSV hat nach der Entlassung von Hoffmann stark daran gearbeitet, diese Umstände zu ändern. Wie Ihr wisst vergebens, weil die nächste JHV leider so weit entfernt war das sich keiner mehr erinnern konnte und es am Ende ja mal wieder irgendwie lief.

Ich bin absolut der Meinung, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre diese Dinge erneut ins Auge zu fassen, aber es kann nur gemeinsam gehen.
Die Presse ist momentan sicher überkritisch und nicht ganz unschuldig an der momentanen öffentlichen Meinung, sollte sich aber nicht bei Dienstantritt von Hr Kreuzer gleich wieder in Lobeshymnen und „alles ist wieder Gut“ Berichterstattung üben.

Viele Fans (Mitglieder) sehen den dringenden Änderungsbedarf, müssen aber auch irgendwie mobilisiert werden um abzustimmen.

Die sogenannten „Altstars“, die sich gefragt oder ungefragt in der Presse, auch in Deiner Sendung, kritisch bis negativ zu Worte melden, müssen jetzt aber auch etwas bewegen. All die Fehler die das „System HSV“ hat müssen nicht mehr diskutiert werden sondern angepackt. Meiner Meinung nach muss es ein breites Bündnis geben in dem die ehemalige HSV-Prominenz wortführend mitarbeitet an einem neuen Konzept. Nur so kann eine Dynamik entstehen die dann die notwendige Mehrheit zur Versammlung bringt um eine bessere Zukunft für den HSV zu schaffen.

Uns Uwe sollte, auch wenn er sich in der jüngsten Vergangenheit nicht unbedingt überall beliebt gemacht hat, sich hinstellen und sagen „Ich habe es damals gut gemeint, aber wir haben es nicht gut gemacht“. Wir brauchen eine Veränderung.

Ich hoffe, dass die allgemeine Aufmerksamkeit sich dieses Mal in eine wirklich positive Richtung für den Verein bewegt. Denn das wollen doch am Ende alle.
In Diesem Sinne, NUR DER HSV und macht weiter so.
Liebe Grüße,
Sven W.

Hallo Herr Matz,

ich lese seit einigen Jahren Ihren Blog (zugegeben: ohne Kommentare). Ich bin HSV-Mitglied, jedoch eher „außenstehend”, da ich aus dem Emsland komme und mittlerweile in der verbotenen Stadt Bremen wohne.

Der HSV liegt mir sehr am Herzen und ich kann daher nicht nachvollziehen, warum dort niemand aufwacht. Ich bekomme es hier bei Werder mit (nicht falsch verstehen, ich hege keinerlei Sympathien für Werder), wie ein Verein gut funktionieren kann und wo schnelle Handlungen keinerlei Problem darstellen. Und das ist nach meiner Meinung nicht nur hier in Bremen so sondern auch bei vielen anderen Vereinen wie Dortmund, den Bayern, Leverkusen, Schalke etc.. Was diese Vereine alle gemein haben ist schnell klar: Die Profisportabteilung wurde ausgegliedert und in den häufigsten Fällen zu einer GmbH & Co. KG gemacht, im Fall Dortmund meines Wissen seit vielen Jahren zu einer AG?!

Dass die HSV-Anhänger an der Tradition festhalten und den Verein nicht „kommerzialisieren” wollen, ist nachvollziehbar, aber naiv. Dass Bernd Hofmann damals so abgestraft wurde, konnte ich nie nachvollziehen. Anstatt die Vorteile einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und einer Kommanditgesellschaft zu nutzen und mit einem deutlich kleineren Aufsichtsrat, der auch weniger Verantwortung inne hat, handlungsfähiger zu werden, geht der HSV lieber mit einem zu großen zerstrittenen Aufsichtsrat Richtung Unterklassigkeit. Personen werden ohne große Not entlassen, Vertragsverlängerungen werden einfach abgelehnt, persönliche Kompetenzen innerhalb des AR werden einfach ignoriert usw.. Von der Besetzung des AR mal ganz zu schweigen, denn eine mangelnde Kompetenz sowohl wirtschaftlich als auch sportlich ist offensichtlich.

Mir bereitet es Bauchschmerzen, wenn ich an die Zukunft des HSV denke und ich bin es ehrlich gesagt leid, in nahezu jeder Transferperiode zu erleben, wie man sich in Hamburg innerhalb des Vereins gegenseitig das Leben schwer macht und dem Verein von Jahr zu Jahr mehr schadet.

Felix Magath hat mit seiner Kritik Recht – ist meine Meinung. Es muss was passieren beim HSV, die Strukturen müssen überdacht werden und man muss verstehen, dass Tradition zwar schützenswert ist, aber auch keine Tore schießt.
Ich hoffe auf eine Wende.

Mit freundlichem Gruß aus der kleinen Stadt nahe Delmenhorst,
Manuel K.

Lieber Dieter,

ich hätte das wirklich nicht für möglich gehalten. Ich lese nun schon seit einiger Zeit jeden Tag deinen blog und verfolge ihn immer sehr interessiert. Häufig gefällt er mir äußerst gut (besonders die Trainingseindrücke und Spielanalysen sowie die Insiderstories), insbesondere bei sportpolitischen Fragen bin ich aber oft anderer Meinung gewesen, weil du bis zuletzt nie ein kritisches Wort zum AR und einzelnen Mitgliedern verloren hast, dich auch scheinbar nur sehr ungern mit Themen wie Fernwahl und Modernisierung auseinandergesetzt hast und Strukturänderungen auch offensichtlich in der Vergangenheit als nicht notwendig erachtet hattest (Getreu dem Motto: Strukturen schießen keine Tor). So war zumindest immer mein Eindruck.

Ich persönlich habe es auch nicht verstanden, dass seit Monaten viele Hamburger Wirtschaftsgrößen und zuletzt auch vermehrt ehemalige Hamburger Fußballgrößen auf die wahren Probleme beim HSV hinwiesen, du aber – für deine Leser zumindest – davor die Augen weiterhin verschlossen hattest. Es war mir einfach unerklärlich, dass die Hamburger Sportjournalisten die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollten – es war doch eine Steilvorlage zuletzt auch von Felix Magath (mit seinen Aussagen auf seiner facebook-Seite), die einfach danach schrie, endlich von der Presse aufgenommen zu werden. Wieso erkennt das denn keiner dachte ich.

Und als ich schon dachte, dass sich wieder nichts ändert, dass wieder eine große Möglichkeit verstreicht, da hast du plötzlich vor ein paar Tagen begonnen, das Thema aufzunehmen und vor allem Tacheles zu reden. Im Rahmen deiner Kolumne und auch im blog – und du tust es noch immer. Bravo!

Ich weiß nicht, ob deine Auffassung zu den notwendigen Reformen beim HSV schon länger bei dir so vorhanden ist oder ob sie erst kürzlich gereift ist – auch weiß ich nicht, was hier der Auslöser war für dich. Es spielt auch überhaupt keine Rolle. Ich habe höchsten Respekt davor, dass du voran gehst und diese auch unbequemen Wahrheiten nun schonungslos ansprichst. Hut ab. Klasse.

Die Presse im Allgemeinen ist enorm mächtig. Sie kann viel bewegen, auch viel bewirken. Und ich habe mittlerweile die Hoffnung, dass viele Menschen auf diesen fahrenden Zug aufspringen werden, sodass vielleicht bald eine Strukturreform beim HSV kommen kann, die den Club aus seinem mittlerweile fast 30-jährigen Winterschlaf erwachen lässt.

Ich schreibe nur sehr selten eine e-mail an dich, weil du sicherlich hunderte täglich bekommst. Mir war es aber einfach mal ein Bedürfnis „Danke” zu sagen. Danke – weil ich wirklich glaube, dass du dazu beigetragen hast (und weiter beiträgst, wie ich hoffe), dass hier etwas losgetreten wurde, was etwas wirklich Gutes für den HSV bewirken könnte in Zukunft.

Bitte „Bleib am Ball“ – und weiter so!
Viele Grüße, papa@home

Lieber Dieter,

das war eine interessante „Matz-ab-live“-Runde, die die Saison noch einmal kritisch
Revue passieren ließ – oder wie „unser Horst” sagen würde: Paroli laufen ließ. Ihr habt „Matz-ab live“ schon fast zu einer Marke entwickelt. Auf jeden Fall aber eine Institution, die weiter bestehen sollte. Wie üblich, ist man mit einigen Dingen, die gesagt werden, so nicht einverstanden und hat andere Schwerpunkte oder Ansichten. Aber genau das macht es ja interessant. Und es gibt ja auch genügend Dinge , mit denen man durchaus einverstanden ist.

Ich habe heute ein kleines Anliegen: Könntest Du mir bitte die Emailadresse von E.-O. Rieckhof zukommen lassen? Ich will ihn nicht beschimpfen 😉 sondern mit ihm Kontakt wegen seiner angekündigten „Veränderungsoffensive” aufnehmen. Um zum Beispiel über Themen zu diskutieren, wie ich sie mal spontan in dem beigefügten Papier niedergelegt habe. Vielen Dank schon mal im Voraus!

Vielleicht kann ich ja einen kleinen Beitrag leisten und/oder mit meiner Erfahrung aus Wirtschaft und Sport von Nutzen sein, wer weiß? Gerne nehme ich Kritik und Anregungen entgegen, das Papier ist alles andere als vollständig oder gar perfekt. Eine Anregung zum Weiterdenken, mehr nicht.
Beste Grüße,
Lars49

Zu dem Wunsch von „Lars49“ kann ich (D. Matz) nur das sagen, was ich schon vielen Usern gesagt oder geschrieben habe:
Ihr schickt mir das, was ihr an Ernst-Otto Rieckhoff schicken wollt, und ich leite es weiter. Der gute Mann (EOR) wird im Moment mit Mails überschüttet. Habt bitte Verständnis dafür, dass ich seine Mail-Adresse nicht veröffentliche. Es ist verschiedene Male schon über mich gelaufen, und E.-O. Rieckhoff freut sich über jeden, der ihm schreibt – und Vorschläge macht.

PS: An Oliver G. gerichtet. Die Fahne ist angekommen, ich werde sie bei nächster Gelegenheit dem HSV-Museum überreichen. Vielen Dank.

PSPS: An Franz aus dem Allgäu – ist alles heil (!) angekommen, vielen Dank, das allein ist oder war eine Wahnsinns-Aktion. Aber großartig! Ich melde mich aber noch einmal per Brief.

19.06 Uhr

Son noch nicht weg – Gerücht um Fink

6. Juni 2013

„Es ist nicht meine Erfüllung, Cotrainer von Pep Guardiola zu sein. Ich bin HSV-Trainer.“ Dieses Zitat hat „Scholle“ heute von Thorsten Fink erhalten – und zwar in einem großen Interview mit dem HSV-Trainer, das am Freitag im Hamburger Abendblatt erscheint. Die Frage kommt nicht von ungefähr, denn sowohl in München als auch in Hamburg gab es das Gerücht, dass Thorsten Fink der „Assi vom Pep“ werden soll. Es ist wohl zu 99 Prozent nicht so, aber es hätte doch etwas Spaßiges gehabt. Oliver Kreuzer kommt, Thorsten Fink geht. Das wäre dann doch nur eine neuerliche oder zusätzliche Lachpille für die Bundesliga geworden. Wäre. Wird ja nicht. Keine Panik.

Ansonsten ist natürlich heute Son-Tag gewesen. Leverkusen? Da hatten und haben die Bild-Kollegen wohl wieder ein feines Näschen bewiesen. Es ist was dran. Allerdings ist es noch nicht perfekt, wie zu vernehmen war – und wie die Agentur DPA berichtet:

Bayer Leverkusen verhandelt mit dem HSV über den Transfer von Stürmer Heung Min Son. Beide Fußball-Bundesligisten bestätigten am Donnerstag Gespräche, eine Einigung gebe es derzeit aber nicht. Die „Bild“-Zeitung berichtete, der Südkoreaner wechsele für zehn Millionen Euro zum Champions-League-Teilnehmer und erhalte dort einen Vierjahresvertrag. Sein Gehalt wird auf drei Millionen Euro taxiert.

Son könnte in Leverkusen die Position von Andre Schürrle einnehmen, falls dieser zum FC Chelsea wechseln sollte. „Tatsache ist, dass wir in Gesprächen sind. Und Tatsache ist auch, dass wir dabei sind, gewisse Dinge abzuschließen“, sagte Bayer Leverkusens Pressesprecher Dirk Mesch. „Es ist nichts entschieden.“ Auch der HSV-Vorsitzende Carl Jarchow sieht derzeit keine Einigung. „Es gibt mehrere Interessenten“, sagte der FDP-Politiker.

HSV-Trainer Thorsten Fink wollte den 20-jährigen Son ursprünglich behalten. Der Nationalspieler ist neben dem Letten Artjoms Rudnevs (jeweils zwölf Treffer) der beste Torjäger der Hamburger in der abgelaufenen Saison. Der mit mehreren Millionen Euro verschuldete Verein muss sich jedoch konsolidieren.

So, das war die Agentur. Wir alle wussten aber wohl auch schon, dass der HSV Son verkaufen muss. Das liebe Geld und das Millionen-Loch der Rothosen. Damit wird es zunächst einmal notdürftig geflickt (werden können). Wobei die eine oder andere Million wohl auch noch für den einen oder anderen neuen Spieler, der den HSV verstärken soll, abgezwackt wird. Sons Millionen und die Millionen aus dem Sportfive-Deal waren nun einmal überlebensnotwendig. Zum Glück hat der HSV noch einem Spieler wie Son, der den Club retten wird – wie 1991 Thomas Doll mit seinem Abgang zu Lazio Rom. Welcher Spieler, außer Rene Adler, hätte dem HSV denn schon eine solche dringend benötigte Summe eingebracht? Keiner.

Mir war seit Wochen, ja sogar seit Monaten klar, dass Son gehen und den HSV retten wird. Wie oft hatte der frühere Sportchef Frank Arnesen im Februar und März von „sehr guten Gesprächen“ mit dem Son-Berater gesprochen, und wie oft wurde dem HSV-Anhang (und uns) dabei lächelnd versprochen: „Ich glaube, dass sich schon in der nächsten Woche etwas bewegen wird . . . Und zwar zu unserer Freude. Wir wollen, dass Son bleibt, und im Moment spricht alles dafür, dass er auch beim HSV bleiben wird.“ Denkste. Das war alles nur eine schöne Hinhalte-Taktik. Der Mensch will verdummt werden, der Fußball-Fan wahrscheinlich noch etwas mehr. Profi-Fußball ist schon etwas höchst Seltsames geworden, und ich habe den Eindruck, dass es immer schlimmer wird. Und nicht nur ich denke so, auch viele andere. Kürzlich sprach ich mit Felix Magath über dieses (leidige) Thema, er pflichtete mir bei.

Kurz noch einmal zum Thema Sportchef-Suche beim HSV. Der ehemalige 96-Sportchef Jörg Schmadtke nimmt dem HSV die gescheiterten Verhandlungen über ein Engagement als Sportchef nicht übel: „Der HSV hat sich anders entschieden, das ist völlig okay.“
Das hat der dem Kicker verraten. Und das klingt doch auch ganz gut. Oder?
Schmadtke fügte dann aber noch hinzu: „Ich befürchte aber, dass es der Verein mit seinen jetzt bestehenden Strukturen in der nächsten Zeit schwer haben könnte.“

Damit steht er ja nicht allein. Ich habe zu diesem Thema morgen meine Abendblatt-Kolumne angelegt, die, ich weiß es jetzt schon, wieder für „Furore“ (sprich Aufregung) sorgen wird. Ich möchte nur kurz ergänzend (und schon im Vorgriff) schreiben, dass ich mit der vor einer Woche veröffentlichten Kolumne „HSV-Größen, bitte aufstehen!“ die größte Aufmerksamkeit geerntet habe, seit ich freitags die Seite 2 des Abendblattes bediene. Die Leserbriefe (und Mails) sind und waren nicht zu zählen, sie kommen immer noch (auch heute), und es gab auch viele, viele Anrufe – aufmunternder Natur. Zum Glück. Weil, so habe ich den Eindruck, die meisten Fans begriffen haben, dass es so nicht weiter gehen darf und kann. Ich habe dazu reichlich Kontakte zu echten HSV-Größen bekommen, die sich bei mir meldeten und nun bereit sind, sich zu engagieren und sich einzusetzen. Es muss nur jemand vorangehen. Und dazu scheinen zwei Herren, und zwar Ernst-Otto Rieckhoff und Jürgen Hunke, die das könnten und wohl auch wollen, nun auch bereit zu sein. Ein Anfang ist gemacht.

Ich begrüße das sehr. Weil ich weiß, dass der HSV mit diesem amateurhaften „Gewurtschtel“ auf keinen grünen Zweig mehr kommen wird. Da können sich die größten Alt-HSVer noch so sehr ins Zeug legen und von noch so tollen früheren Zeiten sprechen. Ich höre es immer wieder, weil ich es Jahr für Jahr gehört habe: „Wir haben 1976 Erfolg gehabt. Wir haben 1977 Erfolg gehabt, wir haben 1983 Erfolge gehabt, und auch noch 1987 Erfolg gehabt – wir werden auch in Zukunft wieder Erfolge haben.“

Natürlich, natürlich. Fragt sich nur, in welcher Sportart. Im Fußball, speziell im Bundesliga-Fußball auf jeden Fall so nicht. Viele, die meisten HSV-Größen haben es längst erkannt, jetzt ist es an der Zeit, dass auch der ganz normale Fan es erkennt. Ich bin ein normaler Fan, und ich war auch 1959, als ich mein Herz für den HSV entdeckte, ein ganz normaler Fan. Ich habe für den HSV gebrüllt und geschrien, ich habe „Uwe, Uwe, Uwe“ skandiert und „Charly“ ebenfalls, ich habe meine Helden von 1960 auf Händen getragen. Weil ich den Fußball liebte, und weil ich jenen Fußball liebte, den der HSV spielte. Aber, mal ehrlich, hat sich der Fußball seit dieser Zeit nicht gravierend gewandelt? Bei Bayern München sitzen heute T-mobile, Adidas und zum Beispiel Audi mit auf der Ersatzbank. Bildlich gesprochen. Da hat der hemdsärmelige HSV, der seit vielen Jahren versucht, sein Minus durch Verkäufe der letzten teuren Spieler zu kaschieren (wie jetzt Son), keine Chance mehr. Das muss doch längst jeder HSV-Fan einsehen, oder? Weil die Strukturen des HSV aus dem vorletzten Jahrhundert (herum?) stammen.

Jetzt heißt es für alle: Entweder amateurhaft weitermachen und hoffen, dass es auch die nächsten Jahrzehnte (voll im Mittelmaß) noch gut gehen, oder sich dem Geschäft mit vielen, viele Haien (das gebe ich zu!)anpassen. Letzteres ist mein Thema. Hamburg ist eine so wunderbare Wirtschaftsstadt, da wird es sicherlich Firmen geben, die mit dem HSV zusammenarbeiten wollen. Schließlich ist der Traditions-Club vom Rothenbaum noch immer eine feine Adresse – mit der Raute im Briefkopf.
Und für eines würde ich mich verbürgen: Weißes Trikot, rote Hose und blaue Stutzen sind Pflicht. Daran wird sich, das behaupte ich einmal frech, nie etwas ändern. Nur Geld hätte der Club – unser HSV. So wie einige andere Vereine in der Bundesliga – wahrscheinlich sogar etwas mehr.
Und in diesem Zusammenhang dürfte jedem Fan inzwischen ein Lichtlein aufgegangen sein:

Geld schießt doch Tore!

So, das wollte ich mal in aller Ruhe loswerden.

Zum Abschluss noch diese Agentur-Meldung:

David Jarolim (34) vom tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav steht anscheinend vor einer Rückkehr zum HSV. Eigentlich sollte der defensive Mittelfeldspieler erst im nächsten Jahr als Jugendtrainer zurück in die Hansestadt kommen. „Nun ist die Frage, ob ich noch ein Jahr hier weiter mache – oder doch schon im Sommer zum HSV komme“, sagte der ehemalige HSV-Kapitän der Hamburger Morgenpost: „Am liebsten würde ich Stand-by-Spieler sein, für die U 23 und die Profis. Ich fühle mich einfach noch zu fit, um ganz aufzuhören.“ Anfang kommender Woche soll es ein Gespräch zwischen Jarolims Berater und dem neuen HSV-Sportchef Oliver Kreuzer geben.

Zum Thema „Jaro“ muss ich gestehen, dass diese Geschichte erstens an mir vorbeigegangen ist, und zweitens dass der gute Junge nicht mehr mit mir spricht – warum auch immer. Ich habe Jahre eisern (aus voller Überzeugung) zu ihm gestanden – er antwortet aber weder auf eine SMS noch auf Anrufe. Vielleicht zu viel zu tun? Mit seinen Hamburg-Plänen? Vielleicht erlebe ich es ja noch vor meinem Eintritt in die Rente, dass David Jarolim wieder heimkommt – ich würde mich nach wie vor freuen. Auch aus Überzeugung. Er ist doch ein Vollblut-HSVer.

Und auch dies habe ich noch gefunden:

Hansa Rostock hat die Lizenz für die Dritte Liga mit Ach und Krach bekommen. Um zukunftsfähig zu werden, muss der Verein erneut schmerzhafte Einschnitte vornehmen. Neun Mitarbeiter werden entlassen. Dank Bayern München sind die Sorgen nicht eskaliert. Der Rekordmeister kommt am 14. Juli zu einem Benefizspiel nach Rostock spült rund eine Million Euro in die Hansa-Kasse.

Und bei Hansa werden sie dann auch sagen: „Vielen Dank, Uli Hoeneß.“ Ich hoffe, dass der HSV niemals in die Verlegenheit kommen wird, den FC Bayern um Hilfe bitten zu müssen. Nie. Das dürfte so manche HSV-Größe nicht zuletzt am eigenen Leib gespürt haben, als sie kürzlich in Berlin (beim DFB-Pokal-Finale) mit den Oberen des FC Bayern (und anderen Vereinen) zusammentrafen. Ich jedenfalls habe nichts Gutes davon gehört . . .

PS: Am Dienstag gab es ja noch den „Matz-ab-live“-Saisonabschluss. Für mich eine Super-Sendung, ich bin jedenfalls ganz, ganz zufrieden au dem „Laden“ gegangen. Und heute habe ich erfahren, dass diese 56 Minuten die – nach dem 2:9-Bayern-Spiel – die zweithöchste Live-Quote hatte. Das ist toll, vielen Dank dafür. Und danke sage ich auch an die vier Teilnehmer, die da waren: HSV-Donald, Alex, Isa und Bubi Hönig. Ihr wart klasse. Und wer es noch nicht weiß, ich schreibe es sehr gerne noch einmal: Alex kam nicht nur extra wegen dieser Sendung aus Berlin, er hatte bei seiner Zusage (eine Woche vorher) auch total den Dienstag-Geburtstag seiner Frau vergessen. Und kam dennoch nach Hamburg! „Tä-tä-tä-tät-tsching-bum“. Da war ein Tusch. Dieser (Fußball- oder HSV-)Verrückte. Unglaublich. Und: Super, lieber Alex, das geht in die Matz-ab-Geschichte ein, ich danke Dir ganz besonders und noch einmal von Herzen.

Einen schönen Feierabend euch allen!

19.24 Uhr

Veränderungen herbeiführen statt polemisieren

3. Juni 2013

Als hätte der Wettergott ein Gespür für HSV-Tage und deren Stimmungslagen. Kaum sind die wesentlichen Entscheidungen getroffen, das verbale Gewitter verflogen, da hellt sich auch der Himmel auf und es wird – hey, hab lange nichts mehr von Dir gehört! – Sommer… Rausgehen ohne Pulli. Keine Regenjacke, keine miese gelaunten Hamburger. Sogar kurze Hosen reichen aus – und es gibt noch nicht mal schlechte Nachrichten vom HSV. Im Gegenteil: Die Mitgliederversammlung hat scheint eine große Einigkeit gebracht zu haben, dass das Kontrollgremium bei den nächsten Wahlen verkleinert und somit effektiver gestaltet werden muss. Dass dieser Vorschlag von einem Aufsichtsrat gekommen ist, der dieses Vorhaben in seiner Amtszeit selbst nicht angepackt hat – so what?! Effekthascherei ist noch ein vergleichsweise erträgliches Übel, mit dem wir dieser Tage zu tun haben. Solange das Ziel dabei immer im Auge behalten wird, ist es mir egal, wer dieses formuliert.

Die Versammlung am Sonntag hat einmal mehr auch deutlich gemacht, was diesem HSV fehlt: Eine neue, zukunftsorientierte Struktur mit weniger Geheimnis- und Entscheidungsträgern aber dafür mehr sportlicher Kompetenz in den Gremien. Ausgliederung ist das alles entscheidende Stichwort, das gestern so recht niemand in den Mund nehmen wollte.

Und Geld. Wie immer. Nur diesmal noch ein wenig mehr. Und das wird der HSV durch die Verabschiedung der Vertragsverlängerung mit Sportfive zunächst zur Verfügung haben. Vielen war gestern – glaube ich – gar nicht bewusst, wie es tatsächlich um den HSV ohne die rund 28 Millionen Euro Ersparnisse inklusive 10,5 Millionen Euro Signing Fee ausgesehen hätte. „Wir erwarten ein Minus im einstelligen Millionenbereich“, sagte Präsident Carl-Edgar Jarchow – allerdings nur mit der Vertragsverlängerung. Ohne selbige wäre es ein Minus von über 20 Millionen Euro gewesen. Und dennoch, auch mit Vertragsunterschrift muss der HSV weiter massiv einsparen. Denn es darf nicht vergessen werden, dass alles auch ein Zugriff auf künftige Einnahmen darstellt.

Auch deshalb kündigte Jarchow für die nächste Saison eine Kaderreduzierung auf 25 Bundesliga-Profis an. Eine Aufgabe für den neuen Sportchef, der im Übrigen am Dienstag offiziell in Hamburg vorgestellt wird. Das Abendblatt wird mit Matz ab live ab 12 Uhr dabei sein.

Und so froh ich darüber bin, dass der HSV in der alles entscheidenden Saisonplanungsphase endlich einen neuen Sportchef hat, der die Saison planen kann, so skeptisch stimmen mich einige Umstände. Auch der Erwartungsdruck. Der ist einerseits hoch, weil sich Kreuzer trotz des einstimmigen Votums der Räte gegen etliche Vorurteile beweisen muss. Zudem bekommt er gleich ein nicht zu kleines Ziel mit auf den Weg, das Fink und Jarchow schon im Laufe der vergangenen Saison formuliert hatten. Diesmal übernimmt das Aufsichtsratsboss Manfred Ertel: „Vor dieser Spielzeit wären wir mit dem nun erreichten siebten Platz sehr zufrieden gewesen. Jetzt aber haben wir für die Zukunft höhere Ziele.“

Also den internationalen Wettbewerb. Die Frage ist nur: womit? Reichen Kader und Finanzen aus, um sich für Platz sechs zu rüsten? Die abgelaufene Saison als Maßstab genommen würde ich antworten: ganz klar ja. Aber wer weiß, was die Konkurrenz noch aus dem Hut zaubert. Daher bin ich da noch vorsichtig.

Kreuzer wird es nicht leicht haben. Er muss mit wenig viel erreichen. Sein ehrenhafter Schritt, auf eine sechsstellige Prämie beim KSC zu verzichten, um für den HSV frei zu sein, reicht leider noch nicht. Zumal der HSV mit der Verpflichtung von Oliver Kreuzer zunächst einmal hohe Kosten hat. „Sie wollten Kreuzer für lau. Jetzt haben wir ein Paket, bei dem wir im optimalen Fall 950 000 Euro bekommen“, sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther der Nachrichtenagentur dpa.

Zudem kommen noch rund zwei Millionen Euro auf den HSV zu, auf die Arnesen für sein letztes Vertragsjahr zu pochen scheint. „Ich hätte mir einen leichteren Job suchen können“, sagt Kreuzer, „aber darin steckt auch eine Menge Motivation.“ In Thorsten Fink trifft Kreuzer zudem einen alten Bekannten. Der HSV-Coach hatte nach der Trennung von Arnesen gefordert, der Neue müsse „gut zu mir passen“ und sich aus dem Urlaub heraus für Kreuzers Verpflichtung ausgesprochen. Beide haben zwar nicht für einen Verein gespielt, wohl aber für ein und denselben Club gearbeitet: 2006/07 waren Kreuzer als Sportdirektor und Fink als Junioren- und später Co-Trainer für kurze Zeit gleichzeitig für Red Bull Salzburg tätig.

Ergo: abwarten. Dietmar Beiersdorfer wurde bei seinem Amtsantritt auch sehr skeptisch betrachtet. Er war noch unerfahren im Management, damals ganz sicher kein Medienmann und die günstigste Lösung – aber letztlich eine sehr gute. Weil er durch seinen Willen bestach, Dinge zu entwickeln. Er hatte einen Plan. Und was das betrifft, sehe ich Parallelen zu Kreuzer. Auch der 47-Jährige will unbedingt. Er verzichtet auf Geld, hat sich bereits zum zweiten Mal beworben und diesmal auch sofort zum HSV bekannt, als ihm Aufsichtsratsboss Ertel den Job in Aussicht stellte. „Hamburg hat einen großen Namen, ist ein Traditionsklub. Ich freue mich darauf, ein Teil davon zu werden, die eigenen Ansprüche wieder zu erreichen. Denn das müssen wir“, hatte mir Kreuzer am vergangenen Dienstag gesagt. Und er klang überzeugt. Ergo: Zwei ganz wesentliche Voraussetzungen sind gegeben – Motivation und Überzeugung wird es nicht fehlen.

Wobei ich dann doch noch einmal kleine Gewitterwolken aufziehen lassen muss. Verbaler Natur. Das andere kann nur Beckenbauer. Aber das, was Manfred Ertel gestern teilweise auf der Mitgliederversammlung von sich gab, hat mich enttäuscht. Das war seiner nicht würdig. Ich weiß, dass ich mit Positivem über Ertel hier keine Freunde machen werde in der aktuellen Situation, aber eines ist Ertel ganz sicher: eloquent. Ertel ist intelligent und kann seine Situation sehr gut überblicken. Er weiß normalerweise auch um mediale Wirkungen seines Handelns. Nach der Hoeneß-Affäre sicher noch besser denn je. Und das bewies er mit seiner gestrigen Rede, die er trotz aller Zwischenrufe und Häme von der Tribüne letztlich rigoros durchzog. Respekt dafür! Schade nur, dass er gestern den zweifellos zerstrittenen Zustand des Gremiums – der sich durch die Sitzung nicht verbessert hat – via Medienschelte abzutun versuchte. Denn bei allen Fehlern, die sich in unseren Artikeln sicherlich immer wieder mal verstecken, sind es nicht unsere (oder im speziellen Dieters) Worte, die für den Zustand des HSV und hier wiederum im Speziellen für den Aufsichtsrat verantwortlich sind. Ganz im Gegenteil: diesen großen Schuh müssen sich insbesondere die höchsten Vereinsentscheider anziehen. Und Manfred Ertel als deren Vorsitzender vorneweg. Alles andere ist zu billig.

Aber egal, bevor auch ich hier einen sinnlosen und überflüssigen, weil alles andere als zielführenden verbalen Schlagabtausch ins Leben rufe, hake ich das Ganze ab und fordere alle Beteiligten (irgendwie auch populistisch – aber diesmal ehrlich und gut gemeint) auf, sich ein wenig zu besinnen und lediglich die Sache als Diskussionsgrundlage zu diskutieren. Also den HSV und dessen Zukunft – nicht aber eigene, egal wie sehr gekränkte Eitelkeiten.

In diesem Sinne, morgen geht es endlich wieder nur um den HSV – mit der Präsentation von Oliver Kreuzer beginnend. Und der hat gleich eine ganz schwierige Aufgabe vor sich, die als erster Prüfstein verstanden werden kann: die Vertragsverlängerung von Heung Min Son, um den sich trotz des Dementis von Jarchow am Sonntag weiterhin hartnäckig das Gerücht hält, dass nach Tottenham, Liverpool und Dortmund auch der VfL Wolfsburg interessiert ist. Mal sehen, wie der Sportchef, der offiziell erst am 11. Juni (was für ein Blödsinn im Übrigen…!!) seine Arbeit in Hamburg aufnimmt, zu dem Thema steht. Vielleicht weiß er ja schon mehr…

Ich freue mich auf morgen und hoffe, dass die Mitgliederversammlung diesmal bleibende Erkenntnisse hervorgerufen hat: die Entscheidungsgremien müssen nachgebessert und verschlankt werden. Und die Profiabteilung ausgegliedert werden.

In diesem Sinne,

Scholle

P.S.: Gehaltvolle Diskussionen findet Ihr auch weiterhin auf unserer diesen Blog ergänzenden, neuen Facebookseite www.facebook.com/groups/matzab

Fink outet sich: “Mein Ziel ist die Europa League”

30. April 2013

Der Typ ist witzig, da lege ich mich fest. Und das sage ich gern auch gegen den Widerstand meiner Kollegen, nachdem Jaroslav Drobny noch immer aus nur ihm bekannten Gründen Gespräche mit der Presse boykottiert. Was aber noch viel wichtiger als sein Sympathiefaktor ist, ist seine Leistungsstärke. Und die hat der Tscheche zuletzt beim 1:0-Erfolg gegen Mönchengladbach unter Beweis gestellt. „Er ist da, wenn man ihn braucht“, hatte der damals noch als Kapitän fungierende Heiko Westermann gesagt – und er hat echt. Hoffentlich. Denn auch am Sonntag beim Spiel gegen den wieder erstarkten VfL Wolfsburg steht Drobny zwischen den Pfosten. Was er dazu sagt? Uns natürlich weiterhin nichts…

Muss er aber auch nicht. Besser ist eh, er lässt Taten sprechen. Und davon gehen beim HSV alle aus. Allen voran Trainer Thorsten Fink.“ Drobo ist ein richtig guter Keeper, dass wir dem voll vertrauen, muss ich gar nicht sagen. Wir haben mit ihm eine zweite Nummer eins, der sich als Teamplayer hervorgetan hat und der für genau diese Momente arbeitet.“ Für die Spiele. Wobei es fast widersprüchlich klingt, immerhin scheint sich Drobny mit der Rolle des Ersatzmannes abgefunden zu haben. Sagt ebenfalls Fink. „Drobo ist die Nummer zwei, ohne, dass er Ansprüche stellt. Er ist für diesen Fall da.“ Eben als Ersatz für den am Sonntag gelbgesperrten René Adler. „Wenn der Verein es finanziell schafft, soll er Drobo behalten. Ganz klar.“ Und Fink verrät auch gleich, warum er dem Verein dazu geraten hat, den Vertrag mit dem 33-Jährigen zu verlängern: „Drobo ist ein Keeper, der auch die Nummer eins sein könnte. Und ich habe mit ihm gesprochen – er hat auch Bock zu bleiben. Obwohl er weiß, dass wir mit René eine andere Eins vor ihm haben.“

Warum sich aber ein Keeper, der zumindest noch immer zum erweiterten Kader der tschechischen Nationalmannschaft gehört, mit dieser Rolle zufrieden gibt? Dafür gibt es nach meinen Informationen mehrere Gründe: Erstens, weil er hier sehr gut bezahlt wird. Zweitens, weil sich seine Familie und er in Hamburg sehr wohl fühlen. Drittens, weil er mit 33 Jahren nirgendwo mehr einen langfristigen Vertrag bekommt und sich für ein Jahr nicht mehr den ganz großen Umzugsstress antun will. Und viertens, weil seine alles andere als jugendlichen Knie und Knorpel ihm sehr dankbar sind, wenn sie nicht wöchentlich der Wettkampfbelastung ausgesetzt sind. Wobei viertens auch der Grund ist, weswegen er (drittens!) nirgendwo mehr langfristige Verträge bekommt.

Egal wie, am Sonntag steht Drobny im Tor und wird versuchen, seinen Teil dazu beizutragen, das heute – man höre und staune – von Trainer Thorsten Fink erstmals offiziell und öffentlich ausgegebene Ziel Europa League zu schaffen (siehe auch im Video: www.facebook.com/groups/matzab). Es sei in der Summe immer noch eine Überraschung, dennoch sei drei Spieltage vor Schluss bei einem Punkt (plus ein nicht mehr aufzuholendes Torverhältnis) Rückstand nichts anderes mehr auszugeben. „Den Gedanken hatte ich schon lange. Aber es hat keinen Sinn gemacht, ihn öffentlich zu formulieren. Weder nach den drei Niederlagen in Folge, noch nach den zwei Siegen. Und klar ist auch: unser Ziel hat sich im Laufe der Saison verändert. Daher gilt ab jetzt: offenes Visier und los!“

Klingt doch gut. Wie so oft. Die Frage ist nur, inwieweit die Mannschaft diesem Druck gewachsen ist. Bislang war sie s nicht. Sie unterlag regelmäßig in den so genannten Big-Point-Spielen. Das letzte Mal deutlich am vergangenen Sonntag mit 1:4 in Gelsenkirchen. Das wiederum war Anlass genug für Fink, auch mal laut die Qualitätsfrage zu stellen. Denn, das ist unverkennbar, dieser Mannschaft fehlt es an Qualität. Fußballerisch – und mental. Und während sich der junge Fußballprofi, wie er beim HSV aktuell vielfach vorzufinden ist, eine gewisse Reife dank der vielen Erfahrungen im Laufe der Zeit aneignen kann, lernt von den aktuellen HSV-Profis wohl keiner mehr den Fußball neu. Soll heißen: Es muss nachgebessert werden, wenn man seinem Ziel entsprechend auch fußballerisch international-tauglich aufgestellt sein will. Auch deshalb hat Fink dies jetzt – noch – leise formuliert. „Ich habe keine 20 neuen Profis gefordert“, relativierte er heute, „aber wir müssen punktuell nachbessern. Zuletzt Schalke hat gezeigt, dass uns noch etwas fehlt. Für ganz oben reicht es nicht.“

Wobei hier eines nicht missverstanden werden darf: Mit ganz oben meint Fink einen der Champions-League-Ränge, die paradoxerweise bis zum 1:4 tatsächlich aus eigener Kraft machbar waren für den HSV.

Nein, Fink spricht offen an, was alle wussten: diesem HSV fehlt fußballerische Qualität. Da dem Klub gleichzeitig auch das nötige Kapital fehlt, um noch mal nachzubessern, hat Fink sich gedacht, mache ich doch eine Win-Win-Situation daraus. Also formulierte er seine Forderungen, entzog sich selbst ein wenig der Verantwortung („Es fehlt Qualität für oben“) und vermittelte seinen Kickern eine Portion Zusatzmotivation, indem er sie so unter den Druck setzte, sich zeigen zu müssen. Denn, und das halte ich für absolut legitim und auch notwendig, Fink will sich bis Saisonende alle Spieler genau ansehen und dann entscheiden, wer bleiben soll und wer gehen kann. Dass der Klub etliche Akteure verkaufen muss, wissen alle. Wer also bleiben will, muss Gas geben.

Zumindest im Optimalfall. Denn, dass Druck auch negative Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel Heung Min Son. Der Südkoreaner steht seit Wochen im Mittelpunkt diverser Transfergerüchte und Vertragsverhandlungen mit dem HSV. „Das ist Stress und sicher nicht optimal für mein Spiel“, sagte der Angreifer in der vergangenen Woche und fügte optimistisch hinzu: „Aber ich versuche es nicht an mich heranzulassen.“ Auf Schalke schien dieser Versuch bei ihm wie bei fast allen Mitspielern – Jansen, Adler und mit Abstrichen Westermann nehme ich mal raus – gescheitert. Und für das Wolfsburg-Spiel könnte das auch bedeuten, dass Son aus der Sturmmitte rausrückt. „Es ist sehr gut möglich, dass ich Artjoms Rudnevs wieder beginnen lasse“, sagt Fink. Das würde allerdings nicht zwangsläufig eine Rotation Sons auf die Bank nach sich ziehen. Immerhin könne der auch auf der Außenbahn spielen. Zudem werden Dennis Diekmeier nach abgesessener Gelbsperre und Milan Badelj wieder ins Team rücken. Sofern der Kroate fit bleibt. „In der Abwehr werde ich ansonsten nichts verändern. Wer für Milan weichen muss, ist noch nicht klar.“ Allerdings deutet vieles darauf hin, dass es Dennis Aogo treffen wird, nachdem Fink zuletzt Arslan immer wieder positiv hervorgehoben hatte.

Abwarten. Es sind noch vier Trainingseinheiten bis zum Spiel eins nach Finks Outing. „Drei Spiele, die schwierig sind“, so der Coach heute, „aber eben auch absolut machbar. Wir haben allen Grund, optimistisch nach vorn zu schauen. Zumal wir meistens nach einem schlechten Spiel ein sehr gutes haben folgen lassen. Deshalb noch mal deutlich: wir wollen unsere letzten Spiele gewinnen und unser Ziel erreichen: die Europa League.“

Wir auch. Ich auch.

Also, dreimal noch Augen zu und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durch. Und am Ende rechnen wir ab. Denn, bei allem Verständnis für die Kritiker unter uns, sollte es die Europa League werden, hätte es die Mannschaft trotz aller Mängel verdient. Weil die Konkurrenz nicht besser ist.

In diesem Sinne, bis morgen, da wird übrigens um zehn Uhr an der Arena trainiert. Mit Dieter als Beobachter. Euch allen einen schönen Tanz in den Mai garniert mit einem Fußballfest aus Madrid.

Scholle

P.S.: Manfred Ertels unüberlegter Post auf seiner Facebook-Seite hat inzwischen auch die Münchner erreicht. Wie mir mein Münchener Kollege heute aus Barcelona mitteilte, ist die Geschäftsführung der Bayern AG ziemlich verstimmt über den schlechten Scherz des HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden. Im Moment soll das Champions-League-Halbfinale nicht gestört werden – allerdings soll es nach der Partie in Barcelona am Mittwoch einen Brief an den HSV geschickt werden, in dem Ertel, den ich heute nicht erreichen konnte, aufgefordert wird, sein Handeln zu erklären. Sofern er dies bis dahin nicht bereits gemacht hat. Fortsetzung folgt…

Ein Hamburg-Scherz auf Hoeneß’ Kosten

29. April 2013

Am Wochenende spielt die Bundesliga, und am Dienstag und Mittwoch können die Fans Fußball sehen. Im Fernsehen. Zum Glück gibt es ja die Champions League, und da wird noch richtig guter Fußball gespielt. So wie Fußball aussieht. Und nicht ein solch fades Gekicke wie zuletzt in Gelsenkirchen. Was uns allen ja trotzdem als Fußball vorgesetzt oder verkauft wird . . . Aber es ist ja so wie es ist. Und es soll ja auch alles schon sehr bald viel, viel besser werden. Und das wird es ganz bestimmt auch. Weil der HSV die richtigen Männer dafür hat.

Apropos. Von „Eiche“ gab es diesbezüglich einen Hinweis, und zwar einen Kommentar auf facebook:

Nun schaut mal liebe Leute: Bei uns ist ziemlich viel im Argen. Und was macht unser AR-Vorsitzender in dieser Zeit? Er äußert sich öffentlich in einem sozialen Netzwerk:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”

Ist das nicht fantastisch, souverän und abgeklärt? Hat einen Haufen Dilettanten um sich herum, aber Zeit für dumme Sprüche.
Ganz hanseatisch, der Herr Ertel. Toll.

Also, mal im Ernst. Ich kann und will nicht glauben, dass ein so überaus intelligenter Mann wie Manfred Ertel so etwas von sich gibt. Ich lehne es ab, das zu glauben, ich weigere mich auch schlichtweg, das zu glauben. Das kann nicht sein. Und es ist bestimmt auch nicht so. Herr Ertel ist Spiegel-Journalist, der weiß genau, was witzig ist, was Satire ist – und was nicht. Und er weiß sicherlich auch einzuschätzen, was ein Uli Hoeneß geleistet hat, und was er (Manfred Ertel) bislang im deutschen Fußball geleistet hat. Manfred Ertel weiß ganz sicher genau, dass er erst am Anfang einer großen Fußball-Funktionärs-Karriere steht, und dass Uli Hoeneß in dieser Republik trotz dieser Steuer-Affäre hohes Ansehen genießt. Bei vielen Leuten jedenfalls, auch wenn sich einige von ihm losgesagt haben. Aber selbst wenn dieser angekündigte „Hammer-Transfer“ klappen sollte – Hoeneß bleibt Hoeneß, der Vater aller Bundesliga-Manager. Er hat niemanden umgebracht, das ist schon mal gut, und er hat einen riesigen Fehler gemacht, indem er das Volk betrogen hat – aber das weiß ein so kluger Mann wie Uli Hoeneß auch selbst – und dafür wird er auch büßen. Ganz sicher. Deutschland ist schließlich ein Rechtstaat. Hoeneß wird seine Strafe auch akzeptieren, und dann wird auch Ende sein. Jedenfalls mit dieser Affäre.
Also, bitte nicht zu ernst nehmen das alles, empört euch nicht, das war Manfred Ertel, das ist meine Meinung, ganz bestimmt nicht, da hat sich einer unter seinem Namen einen ganz billigen Scherz erlaubt . . . Das ist im Internet ja gelegentlich an der Tagesordnung.

Und noch eines möchte ich noch loswerden: Sollte es dem HSV eines fernen Tages tatsächlich einmal so schlecht ergehen, dass er finanziell ums Überleben kämpfen muss, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann sollte dieser HSV besser nicht an die Tür von Uli Hoeneß dem Steuersünder klopfen. Ich befürchte, dass der Bayern-Boss dann so laut loslachen wird, wie er über diesen netten Spruch mit der JVA München gelacht hat.
Aber, um auch das einmal klar zu sagen: Der HSV wird nie in diese missliche Lage kommen, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, denn da wacht ja ein aufgeweckter Aufsichtsrat drüber, dass so etwas nie im Leben passieren wird.
Und noch eine kleine, unmaßgebliche Anmerkung zu dieser JVA-München-Geschichte: Uli Hoeneß hat ja nicht nur dem FC St. Pauli geholfen, als dieser vor dem Kollaps stand, er hat auch unzähligen anderen Vereinen schon geholfen. Ist ja alles nachzulesen. Und dieser Uli Hoeneß, das weiß kaum einer, hat auch bereits dem oftmals sehr, sehr klammen HSV schon unter die Arme gegriffen – und geholfen. Das weiß nur dieser Witzbold, der unter dem Namen Ertel geschrieben hat, nicht. Sonst hätte er gewiss solche Zeilen nie in die Öffentlichkeit gebracht. Nie. Sage ich mal.

Ich schätze, das muss ich an dieser Stelle auch mal loswerden, Manfred Ertel eher so ein, dass er sich in erster Linie gradlinig, fair und selbstkritisch über und zu seinem HSV äußern würde – nach diesem neuerlichen Minus-Auftritt am Sonntag. Über diesen Anti-Fußball ließe es sich doch auf facebook sicherlich seiten- und tagelang schreiben. Um sich das nur einmal kurz vor Augen zu führen, was da Sache war: Da könnte eine Mannschaft (wie zum Beispiel der HSV) mit einem Sieg auf Schalke auf einen Champions-League-Platz (!) vorstoßen, führt auch schnell 1:0 – und lässt dann alles vermissen, was einen Auswärtssieg unter Dach und Fach bringen würde. Zum Beispiel mal Kampfgeist. Oder Einsatz. Engagement. Mannschaftliche Geschlossenheit. Herz. Biss. Leidenschaft. Laufbereitschaft. Willen. Kratzen. Kloppen. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen (ohne Rücksicht auf Verluste). Oder auch nur mal 90 Minuten lang hammerhart in die Zweikämpfe gehen, nur um dem Gegenspieler mal kurz zu zeigen, was hier alles auf dem Spiel steht.

Aber, was haben wir gesehen?
Begleitschutz in Vollendung und zum Verlieben. Streicheln, schmeicheln, liebkosen, umgarnen, Süßholz raspeln. Wunderbar. Nach allen Regeln der Kunst.

Dieser HSV 2013 denkt nämlich nicht an die Champions League. Weil es ja doch schlicht und einfach nicht rechtens wäre, wenn dieser HSV im Konzert der ganz Großen des europäischen Fußballs mitspielen würde. Da sind sie ja alle in Hamburg Realisten genug. Deswegen war nur das vom HSV auf Schalke zu sehen, was wir gesehen haben, was wir sehen mussten: Schalke ist besser als der HSV, Schalke war besser als der HSV, deswegen war der Sieg auch völlig verdient, der HSV muss dann eben seine Punkte gegen andere, gegen schlechtere Mannschaften einfahren. Zum Beispiel gegen Greuther Fürth. Zum Beispiel Augsburg. Oder auch Freiburg. Nein, stopp. Freiburg ist ja derzeit Tabellensechster, also steht (viel) besser als der HSV. Da kann man dann auch mal ganz leicht keine Punkte holen. Wie wir wissen.

Ich kenne keinen HSV-Fan, keinen HSV-Anhänger, keinen Hamburger, der sich über eine solche traurige Vorstellung nicht aufregt. Und ich bin mir sicher, ganz sicher sogar, dass auch ein Mann wie Manfred Ertel diese traurigen 90 Minuten von und auf Schalke zum Anlass nehmen würde, den Verantwortlichen ins Stammbuch zu schreiben, wie grottig das alles war. Der HSV 2013 ist auch eine Frage der Qualität. Und diesbezüglich habe ich die Hoffnung aufgegeben, das sage ich offen und ehrlich. Diese Mannschaft spielt so, wie sie von der Qualität ihrer Spieler auch zusammengestellt worden ist. Brav, bieder, amateurhaft. Ich erwarte in den restlichen drei Spielen von dieser Truppe nichts mehr, dieses Team ist keine Einheit, wird es auch nie, diese Mannschaft setzt sich aus elf Einzelartisten zusammen, die es alle können – nur nicht gemeinsam.

Leider mache ich mir schon in Sachen nächster Spielzeit die allergrößten Sorgen um ein so großes Talent wie Hakan Calhanoglu, das bekanntlich im Sommer vom KSC zum HSV kommen wird. Ich befürchte, dass der junge Mann hier auch gleich so „eingeordnet“ wird, dass er nur untergehen kann. Das hat der HSV schließlich mit jedem noch so großen Talent geschafft – das wird auch im Fall Calhanoglu klappen. Ich bin mir da fast sicher.

Das läuft schließlich seit Jahren schon so. Obwohl es in dieser Saison auch ein Gegenbeispiel gibt: Marcell Jansen. Jahrelang verletzungsanfällig, jahrelang nicht in Bestform, jahrelang als einer jener Spieler bekannt, die viel reden, viel versprechen, von denen aber nicht allzu viel kommt. Auf dem Rasen. In dieser Saison aber zeigt Jansen es allen – auch mir. Jansen war auf Schalke einer derjenigen, die das brachten was sie können, und er geht seit Wochen, seit Monaten mit bestem Beispiel voran, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Auch auf dem Rasen. Wenn sich, das behaupte ich auch mal frech, im Moment alle so den Hintern aufreißen würden wie Jansen, dann wäre es besser um den HSV bestellt. Ganz sicher.

Ausnahme Rene Adler. Der Mann mit den tausend Armen und Händen bringt – Ausnahme Hannover – immer seine überdurchschnittliche Leistung und bewahrt den HSV vor peinlichen Niederlagen und rettete der Mannschaft, seiner Mannschaft, auch schon so manchen Dreier. Der ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor, Keeper der Meistermannschaft von 1960, sagte mir zu diesem Themas: “Ich bewundere Rene Adler, wie der diese ganzen Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute wegsteckt, wie ruhig er bleibt. Ich könnte das nicht.” Schnoor weiter: “Rene Adler muss sich doch längst mal fragen, wo er hier reingeraten ist? Er ist doch der einzige HSV-Spieler, der konstant seine Leistungen bringt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wen er nicht doch noch zu einem anderen, zu einem besseren Verein wechseln würde, denn Angebote hat er ja wohl genug. Und ich würde ihm auch einen Wechsel nicht verübeln, denn wenn er bleibt, dann muss man ihn doch nach den meisten Spielen nur bemitleiden . . .”

Ich behaupte dazu auch gerne noch ein weiteres Mal: Wenn dieser HSV 2012/13 diesen Rene Adler nicht zwischen den Pfosten hätte, dann würde dieser HSV 2012/13 auf Augenhöhe mit Fürth, Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Werder stehen. Das mag bitter klingen, ist aber Realität. Und wenn ich dazu an Udo Bandow denke, dann wird mir ganz übel – vor der Zukunft des HSV. Denn, ich muss es noch einmal und noch einmal schreiben, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef hatte sich ja kürzlich im „HSV Magazin live“ wie folgt geäußert und keine Entgegnungen seitens des Vereins geerntet: „Ich befürchte, dass der nicht durch Vereinsvermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.“

Diese Befürchtungen teilen viele und immer mehr, aber niemand unternimmt etwas, damit es dem HSV besser demnächst mal geht. Nicht mal der Aufsichtsrat. Oder geht da etwas an mir vorbei?

Ich frage mich: Wo und wie soll das alles noch enden? Auch wenn einige kluge und noch viel, viel klügere Menschen nun schon wieder sagen werden: „Was soll dieser Mist, Matz? Es ist doch nicht so schlimm um den HSV bestellt, wie du es immer fälschlich beschreibst . . .“
Abwarten, ihr netten Leute, abwarten. Und dazu vielleicht auch noch ein wenig in der Vergangenheit herumkramen und versuchen, sich zu erinnern: Inzwischen haben es ja doch auch schon einige (eigentlich Unbelehrbare) geschnallt, die es früher so oft nicht wahrhaben wollten, dass es nämlich finanziell schlecht um den HSV bestellt ist. Da wurden uns von Matz ab immer die klügsten, besten und tollsten Bilanzen vorgehalten, da wurden wir vernichtet und es wurde gerechnet und gerechnet und gerechnet. Und da wurden immer wieder noch die ältesten Ablösesummen von Kompany, Ujfaluis, Boulahrouz, de Jong und van der Vaart ins Feld geführt, mit denen der HSV wieder (ganz sicher) zur alten Stärke aufsteigen wird – wie Phönix aus der Asche. Dabei waren diese Summen schon lange vereinnahmt und wieder für neue (und schlechtere) Spieler ausgegeben worden.

PS: Ich mache mir schon Sorgen um diesen HSV, der aber immerhin in dieser Saison nicht in den Kreis der Abstiegskandidaten gerutscht ist (wie von vielen vorher befürchtet). Das war gut. Aber wie geht es weiter? Und eines ist auch klar: Ich mache mir keine Sorgen um Uli Hoeneß. Der ist stark genug, um sich selbst zu helfen. Und da behaupte ich mal: aber ganz, ganz sicher. Dem können sie nicht mal aus Hamburg ans Bein pinkeln . . .

PSPS: Ein Gerücht besagt, dass sich Hannover 96 diesmal nicht um Gojko Kacar, sondern vielmehr um Dennis Diekmeier bemüht. Öfter mal was Neues. „Scholle“ sprach in diesem Zusammenhang mit „DD“ und der Abwehrspieler sagte ihm: „Ich fühle mich sehr wohl beim HSV und könnte mir vorstellen, hier zu verlängern.“ Die Gespräche mit dem „großen“ HSV laufen zurzeit.

PSPSPS: Morgen (Dienstag) wird um 15 Uhr geübt.

Kurze Ergänzung: Am Abend wurde der “Hammer-Transfer-Spruch” von der betreffenden facebook-Seite zurückgezogen bzw gelöscht.

17.33 Uhr

Son will in die Champions League. Mit dem HSV?

24. April 2013

Milan Badelj ist verletzt. So eine Sch… Ausgerechnet jetzt, wo sich der in meinen Augen eminent wichtige Organisator im Mittelfeld wieder gefangen zu haben schien, musste er mit einer Adduktorenverletzung das Training abbrechen. „Wir haben eine Ultraschall-Untersuchung gemacht und es ist wohl nichts gerissen“, sagt Badelj, ohne Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil: „Es fühlt sich aber wie eine Zerrung an. Sollte dem so sein, dürfte Badelj auf Schalke und möglicherweise auch am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg ausfallen. Erneuter Nutznießer könnte Dennis Aogo werden. Der hatte gegen Düsseldorf den an Grippe erkrankten Tolgay Arslan ersetzt. Arslan ist inzwischen wieder gesund und gilt als gesetzt – neben Badelj. Sollte dieser ausfallen, rückt Aogo nach. Mal wieder.

Genaueres in Sachen Badelj soll es am morgigen Donnerstag geben. Da soll die verletzte Stelle erneut untersucht, geröntgt und anschließend eine exakte Diagnose gestellt werden. Ergo: Daumen drücken. Zumindest werde ich das machen.

Gleiche gilt für die Personalie der Woche: Heung Min Son. Der Südkoreaner ist heiß umworben – vom HSV und anderen Klubs. Unter anderem, nein: vor allem von Borussia Dortmund. Intern sorgt das für eine Menge Gesprächsstoff, wie Tolgay Arslan bestätigt. Der wieder genesene Mittelfeldspieler, der von Trainer Thorsten Fink bereits seinen Einsatz auf Schalke signalisiert bekommen hatte, sagt: „Ich habe Sonni schon gesagt, dass er ein echtes Problem hätte, wenn er mir plötzlich als Dortmunder gegenübersteht. Dann müste er aufpassen, dass ich ihn nicht mächtig erwische.“ Worte, die im Spaß gemeint aber durchaus einen ernsten Hintergrund haben. Immerhin rechnet man auch beim HSV auf kurze Sicht mit einem Angebot aus Dortmund. Der BVB hat gerade knapp 70 Millionen Euro für seine beiden Topspieler Robert Lewandowski und Mario Götze (dazu könnt Ihr auf unserer neuen Facebookseite https://www.facebook.com/groups/matzabauch ein Video mit Rene Adler sehen) eingenommen und ist auf der Suche nach Ersatz. „Sonni hat nicht gesagt, wie er sich entscheidet“, so Arslan, „aber ich hoffe, dass er sich für uns entscheidet und bleibt.“

Bleiben will auf jeden Fall Rene Adler. Das zumindest sagte der angeblich vom FC Arsenal umgarnte Keeper den Nachwuchsreportern vom Team „SportXperten“. Die Schüler hatten eine Ausschreibung des Hamburger Weg-Projektes gewonnen und befragten heute eine Stunde lang den HSV-Keeper und seinen Pendant vom HSV-Handball, Jogi Bitter. Adler: „Ich habe in Hamburg ein Haus gekauft, habe einen langen Vertrag – das wäre mir zu unentspannt. Ich habe keine Wechselgedanken.“ Eine Ansicht, die Adler in abgewandelter Form kurz zuvor auch Heung Min Son nahelegte – im persönlichen Gespräch. „Natürlich reden wir, Sonni ist sehr wissbegierig, fragt viel“, so Adler. Er habe dem begehrten Jungstar auch einen Tipp für die Zukunft mitgegeben. „Aber der bleibt geheim.“

Genauso wie das Ziel Heung Min Sons, dessen Vertrag 2014 ausläuft. Sollte der Südkoreaner nicht verlängern, wird er verkauft. Darauf legte sich Sportchef Frank Arnesen bereits fest. Stand Und Son ist weiterhin heiß umworben von englischen Klubs sowie der Bundesligakonkurrenz. Allen voran: Borussia Dortmund. Der noch amtierende Deutsche Meister hat durch den Verkauf seiner Top-Spieler Robert Lewandowski sowie Mario Götze gerade rund 70 Millionen Euro generiert – und ist heiß auf Son. „Mich interessiert das noch nicht“, sagt Son und man spürt die Unbehaglichkeit beim Angreifer. Immerhin ist er einer der Hoffnungsträger im Kampf um einen internationalen Startplatz für den HSV. „Ich lasse das meinen Vater und meinen Berater machen. Für mich ist es erst nach der Saison Thema. Bis dahin zählt nur der HSV.“

Worte, die so gesagt oft Abschiede nach sich zogen. Und angesichts des kolportierten Angebotes von rund zehn Millionen Euro seitens der Dortmunder rückt dieser wohl auch näher. Obgleich der HSV finanziell mit seinem Angreifer einig schien. Zuletzt, so hieß es, ging es nur noch um eine von Son geforderte Ausstiegsklausel. Allein es scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Für Son ist auch die sportliche Perspektive entscheidend. Und die ist in Hamburg tabellarisch ebenso offen wie in Sachen Kaderplanung, da noch keine Spieler verkauft werden konnten.
Das soll – zumindest im Fall Son – auch so bleiben. Deswegen wirken derzeit beim HSV fast alle auf das Sturmjuwel ein. Thorsten Fink hatte zuletzt deutlich gemacht, wie sehr er auf Son setzen wolle. Auch Adler und zuletzt Rafael van der Vaart, der öffentlich zum Verbleib in Hamburg riet, bemühen sich. Nur Son selbst weiß nach eigener Aussage noch überhaupt nicht, wie er sich entscheiden soll.

Er will es auch noch gar nicht. Es sei ein schönes Gefühl, umworben zu sein. Aber eben auch Stress. Und: „Es ist anstrengend, aber ich will Ruhe haben, mich konzentrieren“, sagt Son. „Es ist noch nichts entschieden. Wir haben vereinbart, uns nach der Saison zu besprechen und zu entscheiden.“ Ob der internationale Wettbewerb entscheidend sei? „Der HSV ist meine Familie, egal ob Europa League oder nicht. Champions League ist ein Traum, wäre geil, wenn ich das spielen könnte.“ Das wäre mit dem BVB gesichert. Aber auch der HSV hat noch die Chance. Sagt Son. „Wir müssen mindestens Europa League schaffen. Aber es sind auch nur zwei Punkte bis zur Champions League. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle auf den HSV konzentrieren. Auch ich.“

Bei allem, was Son heute von sich gab, war ihm anzumerken, dass ihm nicht wohl ist im Moment. So schön das Werben anderer Klubs, so verlockend die Aussicht auf das große Gehalt auch ist – Son belastet das Thema. Daher ist die Frage, ob es gut ist, so lange mit einer Entscheidung zu warten, aus meiner Sicht schnell beantwortet. Und auch der HSV hätte lieber gestern als morgen den Vertrag verlängert. Dass es sich letztlich nur noch um eine kleine Ausstiegsklausel handelt, in der sich beide Parteien noch nicht einig sind – Blödsinn. Das mag ein Punkt sein, aber der Kern liegt in den sich „androhenden“ Angeboten großer Klubs. Und auf dem Weg dahin zögern Son, sein Vater und der Berater alles möglichst weit nach hinten raus.

Ein legitimes Vorgehen, das aber zuletzt für eine lange Schwächephase bei Son gesorgt hatte. Es ist kontraproduktiv. Gerade jetzt in der finalen Phase, wo es verrückterweise noch um einen internationalen Startplatz geht, schwächt sich Son. Mit Ausnahmen, wie in Mainz. Und auch gegen Düsseldorf war Son nicht so schlecht, wie ihn viele machen wollten. Allerdings: er war auch nicht top. Was mich immer wieder die eine Frage stellen lässt: Ist Son ein Talent, das später den ganz großen Durchbruch schafft? Oder sollte der HSV selbst interessiert sein, den Spieler teuer abzugeben. Gerade jetzt, wo man finanziell Probleme hat, würde ein solcher Millionendeal helfen.

Denkt man. Sollte man auch denken.

Dennoch befürchte ich, dass ein Millionentransfer nur zu (zu kleinen) Teilen wieder in die Mannschaft investiert würde. Dafür ist man in der Chefetage – auch wieder nur zu Teilen, wohlgemerkt – zu sehr auf eine schwarze null aus.

Dabei sind Investitionen in die Mannschaft zwingend nötig. In der Innenverteidigung fehlen zwei gute Spieler. Wie wichtig die sein können, haben jüngst Dante und Boateng gegen Barca bewiesen. Beide spielten bärenstark und gaben den Bayern trotz gerade 35 Prozent Ballbesitzes die Sicherheit, das Spiel zu gewinnen. „Wenn die Achse funktioniert, verlierst du selten“, hatte Fink vor kurzem gesagt – und er hat Recht. Aber zu einer wirklich top funktionierenden Achse fehlt (neben Westermann) mindestens ein richtig guter Innenverteidiger und eine IV-Alternative, dazu muss ein Badelj deutlich konstanter sein zweifellos vorhandenes Potenzial abrufen – ebenso wie Rafael van der Vaart. Und sollte Son verkauft werden bliebe „nur“ noch Rudnevs. Ergo: eigentlich auf allen Positionen der so wichtigen „Achse“ fehlt es beim HSV noch an Personal. Teilweise sogar doppelt. Dazu kommt, dass Dennis Diekmeier auf rechts hinten quasi konkurrenzlos ist. Auch hier ist Nachbesserung nötig.

Wobei sich – so fair sollten wir sein – ein Jacopo Sala empfehlen dürfen muss. Zum Beispiel am Sonntag. Da dürfte der Italiener erste Wahl sein als Diekmeier-Ersatz. „Er ist eine Option“, so Fink, der lediglich Zhi Gin Lam als weitere Option sieht. Bruma spielt – wie am Dienstag geschrieben – keine Rolle mehr.

Eine ganz wichtige Rolle für meine Abendplanung spielt – natürlich nur neben meinen Kindern und meiner Frau – heute das Spiel des BVB gegen Real Madrid. Und so sehr ich mich gestern für den Auftritt der Bayern (insbesondere für den von Müller!) begeistern konnte, sollte der BVB aus der Götze-Transfer-Bekanntgabe tatsächlich sichtbare Schäden davontragen – ich würde die Bayern dafür verurteilen. Dass der Deal stattfindet und bekannt wurde ist das Eine. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe aber ist das Andere. Der wirkt nicht zufällig. Im Gegenteil, da scheint sich der aktuell von Hoeneß-Geißelungen geplagte FCB einen Deal mit der Berichterstattung erhofft zu haben. Ergo: Gebt ihnen Götze, dann schreiben sie weniger über Hoeneß’ Steuerhinterziehung. Und das wäre nicht nur hochgradig unsportlich sondern auch für den deutschen Fußball schädlich.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der BVB seinen Leistungen im bisherigen Wettbewerb ein weiteres Husarenstück folgen lässt und Real Madrid aus dem Westfalenstadion geschossen wird. So, wie Barca in München. Am besten mit jeweils zwei Treffern von Lewandowski und Götze.

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Dieter wird Euch davon sowie von der Presserunde mit unserem neuen Kapitän Rafael van der Vaart berichten.

Scholle

Jiracek – weniger Worte, mehr Taten

17. April 2013

Die gute Nachricht vorweg: Alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga haben die Lizenz erhalten. Also auch der HSV. Und das sogar ohne Auflagen. Ein gutes Zeichen für die kommende Saison? Zumindest kein schlechtes. Denn der HSV kann ohne Rücksicht auf Vorgaben des DFB die Kaderplanung vorantreiben. „Dafür müssen wir aber noch immer erst verkaufen“, sagt Sportchef Frank Arnesen, während Fink schon höhere Ziele hat. „Ich will hier nicht die verkauft haben, die uns weiterbringen. Würde ich das wollen, wäre ich hier fehl am Platz.“ Vielmehr soll in der kommenden Saison das vorhanden sein, was dieses Jahr noch fehlt: eine Mannschaft, die mit dem Druck, etwas erreichen zu können, umgehen kann. Und dafür bedarf es Neuer. Auch wenn Fink eine Antwort darauf lediglich mit einem vielsagenden Grinsen beantwortet.

Einer von den Neuen könnte Petr Jiracek sein – der zumindest ein gefühlter Neuzugang ist. Der Tscheche ist nicht mehr zu stoppen – hoffe ich. Von Fink zunächst als etwas zu wild eingestuft, wusste der Linksfuß seine zweifellos vorhandene Kampfkraft in Mainz eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. „Er zieht seine Nebenleute mit“, lobte Fink am Dienstag und gestand ein, dass Jiracek seine Sache sogar besser gemacht habe, als er selbst dachte. Dabei muss ich sagen, dass ich zwar nicht überrascht war, wie hilfreich sich Jiraceks Einsatz auf die Grundeinstellung der Mannschaft auswirkt. Allerdings fand ich den sympathischen Ex-Wolfsburger auch noch nicht so stark wie ich ihn von der EM in Erinnerung habe. Da wirbelte er mit einem unmenschlichen Laufpensum und einer durchaus sehr robusten, stabilen Zweikampfführung die Gegner durcheinander. Dass er heute davon noch ein wenig entfernt ist, völlig normal. Aber er kann es – und das zeigt er im Training.

Zumal nach knapp sechs Monaten ohne Startelf. „Das war auch für mich eine schwierige Zeit“, gesteht der tschechische Nationalspieler, der sich in den letzten drei Monaten wieder ans Team heran zu kämpfen versuchte. Ohne durchschlagenden Erfolg. Gezweifelt an sich oder seiner Entscheidung, nach Hamburg zu wechseln, habe er aber nie. Im Gegenteil. „Ich fühle mich in Hamburg sehr wohl“, sagt Jiracek, der jetzt mehr will. Mit einem breiten Grinsen reagiert der Tscheche auf die Mitteilung von Jörn Wolf, dass der Trainer bereits gesagt habe, dass er mit ihm sehr zufrieden war. „Wenn der Trainer zufrieden ist, bin ich das auch.“

Das nenne ich Gehorsam. Vorbildlich in seiner Arbeitsauffassung, mannschaftsdienlich und selbstlos – und dazu noch bescheiden. Nicht ein lautes Meckern war in den letzten Monaten von Jiracek zu hören, obgleich er selbst sagt: „Seit drei Monaten bin ich schon bei 100 Prozent.“ Einzig sein Deutsch ist das seiner Meinung nach noch nicht – weshalb er sich heute so schnell wie möglich aus dem Interview ziehen wollte.

Es gelang ihm auch. Allerdings nicht, ohne noch einmal genau zu erklären, wo er am liebsten spielt. Das sei natürlich in erster Linie auf dem Platz. Aber wenn er es sich aussuchen könnte, würde er sich eher im defensiven Mittelfeld einordnen. „Ich habe meine ganze Karriere bisher eher defensiv gespielt. Aber ich kann auch woanders spielen. Daher ist es mir wirklich egal.“ Mir auch, zumal ich glaube, dass Jiracek über die Spiele kommend noch sehr viel mehr zeigen wird als zuletzt in Mainz. Heute im Training glänzte der Linksfuß zunächst als Passgeber – und später auch als Goalgetter. Das vor allem, weil er nie aufgibt. Er hat das Olic-Gen. Der Kroate war beim HSV sicher nicht der beste Fußballer (auf jeden Fall technisch lange nicht so versiert wie Jiracek), allerdings wusste der heutige Wolfsburger über ein Mehr an Aktionen immer wieder zu gefallen. Olic lief jedem auch noch so aussichtslosen Ball nach und hatte einfach mehr Aktionen. Viele davon verpufften. Aber einige wenige waren dann auch überragend. Und ich glaube, Jiracek kann genau das – zuzüglich seiner fußballerischen Vorzüge – auch. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf den Jiracek zu sehen, den ich von der EM in Erinnerung habe.

Ansonsten war es heute ruhig. Einzig die Richtigstellung der Grill-Geschichte. Die ist lange nicht geheim, sondern öffentlich. Es ist allerdings auch weniger ein Grillfest für jeden, der ne Wurst will, denn vielmehr das Zusammenkommen von Mannschaft und Fans zwecks kritischen Austausches. Einlass am Sonntag ist ab 12 Uhr auf der Westplaza der Imtech Arena. Die Mannschaft stößt nach dem Vormittagstraining dazu, hat aber ihr Vorhaben umschrieben und auf www.hsv.de („…wir möchten uns stellen und mit euch reden. Das 2:9 von München lässt sich natürlich nicht wegdiskutieren, klar. Aber das entbindet uns ja nicht davon, den Schulterschluss mit euch zu suchen und trotz dieses besch… Tages in München weiterhin um eure Unterstützung zu werben“) veröffentlicht. Im Grunde genommen machen Mannschaft und Anhänger das, was wir am Freitag im „1887“ in Norderstedt vorhaben. Sich zusammensetzen, austauschen, kritisieren, loben und mit Ideen füttern, wie das Miteinander weiterhin funktionieren kann und sich darüberhinaus noch verbessern lässt. Und während ich mir bei uns sicher bin, dass das reibungslos klappen wird, habe ich beim HSV kaum mehr Bedenken. Immerhin zeigen Spiele wie das gestrigen Bayern-Spiel, welche Übermacht der Hoeneß-Klub aktuell darstellt. Es beruhigt nicht, es erklärt sicher auch keine neun Gegentore – aber es relativiert zumindest ein wenig. Und zum anderen haben die Kicker selbst das beste Mittel gegen Ärger und Frust in den Beinen. Und mit einem Sieg gegen Düsseldorf würden derartig viele Hoffnungen geweckt und genährt, dass die Stimmungslage sicher nicht darauf angelegt wird, drei Wochen zurückzublicken.

Ansonsten, also für den fast ausgeschlossenen Fall eines zwei- oder dreifachen Punktverlustes – könnte es allerdings tatsächlich auch ungemütlich werden. Immerhin wäre es das vierte Heimspiel ohne Sieg bei Gegnern, gegen die man im eigenen Stadion durchaus jeweils drei Punkte einplant. Aber okay, das hatten wir gestern schon. Und vor allem: Diesmal wird zuhause gewonnen. Warum? „Weil wir in Mainz gesehen haben, was wir können“, so Fink, „und genau das werden wir gegen Düsseldorf noch einmal abrufen.“

In diesem Sinne, bis morgen. Vielleicht habe ich dann mehr Glück als zuletzt und kann Euch mit den Einschätzungen des Hamburgers im Düsseldorfer Cheftrainersessel beglücken, der gestern und heute leider nicht erreichbar sein wollte. Ich bleibe auf jeden Fall dran.

Bis morgen,
Scholle

Dieser HSV KANN Nachwuchs – aber er muss jetzt aufpassen

10. Dezember 2012

Sie sind zumindest alle gesund geblieben. So viel sickerte inzwischen aus Brasilien durch. Am Dienstagmorgen um 7 Uhr werden Thorsten Fink und Co. am Hamburger Flughafen zurückerwartet. Anschließend geht es zum Auslaufen an die Imtech-Arena, ehe alle Spieler, Offizielle und Journalisten den Versuch starten sollen, das Jetlag schnellstmöglich auszukurieren. Apropos: Seine Verletzung hat Maximilian Beister nahezu auskuriert. Gut möglich, dass der Zweifach-Torschütze der letzten Wochen schon am Sonnabend in Leverkusen wieder zum Einsatz kommt. Und ich lege mich einfach mal fest: Sollte Beister wieder gesund sein, wird er auf jeden Fall neben Artjoms Rudnevs auflaufen, nachdem sich Heung Min Son in Wolfsburg und vor allem gegen Hoffenheim nicht gerade aufdrängte – mal ganz diplomatisch formuliert.

Denn das, was Son derzeit abliefert, ist bitter. Nach seinen sechs Toren hatten viele den Südkoreaner im Profifußball angekommen gesehen. Ich noch nicht. Im Gegenteil. Mir war und ist es ein Rätsel, dass Son bis hin zu Arsenal, Liverpool etc. gehypt wurde und dabei das Lernbare nicht umsetzt. Zumal er sogar teilweise über deutlich mehr Talent verfügt als ein Großteil gleichaltriger Bundesligaprofis. Ob er in Verhandlungen steckt und den Kopf gerade nicht frei hat? „Nein“, sagt sein Berater Thies Bliemeister, „wir haben uns darauf verständigt, im Januar oder Februar in Ruhe in die Gespräche zu gehen. Uns hetzt da nichts.“ Warum sein Schützling momentan auf dem Platz nicht zur Geltung kommt? „Schwer zu sagen. Ich glaube auch, dass wir darüber nicht diskutieren würden, wenn das erste Ding gegen Hoffenheim drin gewesen wäre. Dann würde die Frage andersrum gestellt werden. Dann würden alle wieder von den tollen sieben Toren sprechen und von Millionenangeboten gehört haben.“ Interessante Worte des rührigen Beraters. Ob denn nichts an den Millionenangeboten aus England dran sei? Bliemeister weicht aus: „Auf jeden Fall ist das jetzt nicht unser Thema. Sonni spielt eine insgesamt sehr gute Hinrunde und fühlt sich hier sehr wohl, weil der Trainer ihm vertraut und seine Sprache spricht. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten – aber die erste ist der HSV.“ Denn hier könne sich Heung Min Son weiter bestens entwickeln.

Womit ich schon beim Thema bin. Denn heute, wo die Profis mal in der Luft sind und so weder erreichbar sind noch trainieren, möchte ich mich einer sehr netten Geschichte mit einem (hoffentlich schon baldigen) Happy End widmen, dem HSV-Nachwuchs. Im Speziellen: Jonathan Tah.

Der 17 Jahre junge Innenverteidiger des HSV, der schon bei den U-19-Junioren mitspielt ist ein Naturtalent. So zumindest hat es seine „Entdeckerin“, Christiane Harms einst gesehen. Zu recht, wie sich herausstellen sollte. Auf jeden Fall hat Christiane Harms vor 13 Jahren als Sozialpädagogin in einem Altonaer Kindergarten gearbeitet. Dort entdeckte sie den außergewöhnlich beweglichen und körperlich ausgebildeten Jonathan. Sofort fiel ihr ihr Bruder ein, Sebastian Harms, seines Zeichens damals wie heute Jugendtrainer beim HSV. „Sie sagte mir, dass sie einen Jungen habe, der mit Sicherheit irgendwann bei mir spielen würde und es vielleicht sogar zum Profi schafft“, erinnert sich der aktuelle U14-Trainer Sebastian Harms. Sie war total begeistert von Jona’s Bewegungen und war fassungslos, dass er schon in dem zarten Alter von drei, vier Jahren über ein Sixpack (sehr gut ausgebildete, sichtbare Bauchmuskulatur – quasi wie bei mir…, Anm. d. Red.) hatte. Damals dachte ich, die spinnt“, so Sebastian Harms, „aber keine zehn Jahre später holten wir Jonathan tatsächlich aus Altona zum HSV.“ Und heute gilt Jonathan Tah als das größte Talent Deutschlands. Auf einer heutzutage selten gewordenen Position, als Innenverteidiger jagt nicht nur die gesamte Bundesliga hinter dem 1,93-Meter-Hünen hinterher – auch das Ausland hat bereits ernst gemacht und erste Millionenangebote für das HSV-Juwel geboten.

„Er ist unser größtes Abwehrtalent“, sagt Arnesen, der sich augenblicklich in Vertragsverhandlungen mit Tah befindet. Dessen Vertrag würde 2014 auslaufen – allerdings nicht, wenn es nach Arnesen geht. „Wir werden alles daran setzen, ihn bei uns zu halten. Mehr noch, wir versuchen ihn jetzt schon für den Profibereich- und Herrenbereich freizuholen.“ Dafür läuft ein Antrag auf Sondergenehmigung bei der DFL und dem DFB.

Gleiches gilt für Levin Mete Öztunali, den Enkel von HSV-Idol Uwe Seeler. Auch für den 16-Jährigen hofft der HSV eine Freigabe für den Erwachsenenbereich zu bekommen. Ebenso wie die Unterschrift des Offensivallrounders, dessen Vertrag beim HSV im Sommer 2013 ausläuft. „Wir stehen in Gesprächen“, sagt Vater Mete Öztunali, der sich ansonsten sehr bedeckt hält, „weil es uns in erster Linie um die sportliche Perspektive geht.“

Und die sollte der HSV doch aktuell bieten können. Immerhin stehen derzeit mit Heung Min Son, Tolgay Arslan und Maximilian Beister mehr Spieler regelmäßig in der Startelf als je zuvor. Ein Umstand, der gern vergessen wird – der aber Fakt ist und dem Umstand geschuldet, dass der HSV den Umbruch fährt. Weitgehend weg von teuren Zugängen, hin zu Talenten. Aus dem eigenen Verein ebenso wie aus anderen Klubs. „Das macht es uns natürlich auch leichter, intern Zusammenhalt zu entwickeln, weil wir durch die gemeinsame Altersstruktur auch interessemäßig näher beieinander liegen. Zudem ist es in einem Kader ohne gleich 15 oder 20 große Namen leichter für uns, uns durchzusetzen“, sagt Tolgay Arslan, der hinzufügt: „Ich würde gern mal den Trainer sehen, der in einem entscheidenden Spiel plötzlich den gerade aus der Jugend hochgerückten Tolgay Arslan für beispielsweise Ruud van Nistelrooy bringt.“

Gib es selten. Zugegeben. Aber aus der Not heraus kommt das vor. Und so hat sich auch die Dortmunder Spitzenmannschaft gebildet und gilt noch immer als Vorbild wie auch als Hoffnungsschimmer für alle klammen Klubs. Dieter hat mich vorhin angerufen und mir auch den größten, erfolgreichsten deutschen Fußballklub als Beispiel genannt: den FC Bayern München. Der hat auch Ende der Sechziger, Anfang der 70iger etliche Talente aus den eigenen Reihen hochgezogen und sich so in der Bundesligaspitze festgesetzt.

Nun ist natürlich weiter offen, ob ein Beister, ein Arslan, Tah oder auch Öztunali am Ende derartige Weltklassespieler werden wie es ein Breitner oder ein Hoeneß zu ihrer Zeit waren – aber es ist den Versuch allemal wert. Mehr noch, der HSV täte sehr gut daran, seine Talente schnellstmöglich zu verlängern. Denn, und das ist im Jugendbereich bekannt, beide Talente wurden in den letzten Jahren immer wieder mal gesprochen – aber dass sich wirklich von oben jemand um sie kümmert, ist eher selten. Frank Arnesen muss sich jetzt die Zeit nehmen, die nach langer Zeit wieder vorhandenen Talente langfristig zu binden, den HSV mit dem Ruf zu verbinden, dass hier auf Talente gesetzt wird. Beste Argumente dafür hat er mit Arslan, Beister, Son, Lam allemal. Wobei ich gerade geneigt war, Matti Steinmann dazuzuschreiben. Der allerdings, so war von einem Jugendtrainer zu hören, wird im Moment auch nicht mehr beachtet. Allerdings, und da muss ich sehr vorsichtig sein, sind solche Aussagen absolut subjektiv und mit Vorsicht zu genießen. Insofern, so lange ich Matti nicht erreichen kann, lassen wir die Trainermeinung mal so im Raum stehen.

Wichtiger aber, und damit möchte ich den heutigen Blog beschließen, ist mir der Hinweis darauf, welch riesige Chance sich dem HSV aktuell bietet. Er muss im Profibereich kleinere Brötchen backen und hat damit jedes Alibi, um junge Talente zu verpflichten und auch einzusetzen. Der HSV hat die Lizenz zum Versuchen. Vor allem, wenn die Talente aus der eigenen Jugend kommen. Insofern heißt es jetzt für Arnesen, nicht mehr länger abzuwarten, sondern Vollgas zu gehen und die außergewöhnlichen Talente langfristig zu binden. Und um hier mal eine Lanze zu brechen: Dieser HSV KANN wieder Jugendarbeit – er muss sie nur jetzt in den Mittelpunkt stellen. Zumal – und davon habe ich mich selbst schon mehrfach überzeugen können -, im alles überragenden U-15-Bereich (C-Regionalliga) wartet gleich eine ganze Horde von unfassbar großen Talenten auf den HSV…

Schöne Aussichten. Zumindest, wenn sich der HSV jetzt kümmert und auch der Profibereich (Arnesen und Fink vor allem) seinen Nachwuchs in den Mittelpunkt rückt. Denn, und das ist im kleinen Fußball nicht anders als bei den „Großen“ – junge Spieler wollen einfach wahrgenommen werden. Persönliche Gespräche – wie sie beim HSV zwar bis zu Beiersdorfer und seit Michael Schröder wieder geführt werden, aber insgesamt einfach noch zu selten sind – sind da Gold wert.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Dieter!

Scholle

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