Archiv für das Tag 'Hoeneß'

Fink outet sich: “Mein Ziel ist die Europa League”

30. April 2013

Der Typ ist witzig, da lege ich mich fest. Und das sage ich gern auch gegen den Widerstand meiner Kollegen, nachdem Jaroslav Drobny noch immer aus nur ihm bekannten Gründen Gespräche mit der Presse boykottiert. Was aber noch viel wichtiger als sein Sympathiefaktor ist, ist seine Leistungsstärke. Und die hat der Tscheche zuletzt beim 1:0-Erfolg gegen Mönchengladbach unter Beweis gestellt. „Er ist da, wenn man ihn braucht“, hatte der damals noch als Kapitän fungierende Heiko Westermann gesagt – und er hat echt. Hoffentlich. Denn auch am Sonntag beim Spiel gegen den wieder erstarkten VfL Wolfsburg steht Drobny zwischen den Pfosten. Was er dazu sagt? Uns natürlich weiterhin nichts…

Muss er aber auch nicht. Besser ist eh, er lässt Taten sprechen. Und davon gehen beim HSV alle aus. Allen voran Trainer Thorsten Fink.“ Drobo ist ein richtig guter Keeper, dass wir dem voll vertrauen, muss ich gar nicht sagen. Wir haben mit ihm eine zweite Nummer eins, der sich als Teamplayer hervorgetan hat und der für genau diese Momente arbeitet.“ Für die Spiele. Wobei es fast widersprüchlich klingt, immerhin scheint sich Drobny mit der Rolle des Ersatzmannes abgefunden zu haben. Sagt ebenfalls Fink. „Drobo ist die Nummer zwei, ohne, dass er Ansprüche stellt. Er ist für diesen Fall da.“ Eben als Ersatz für den am Sonntag gelbgesperrten René Adler. „Wenn der Verein es finanziell schafft, soll er Drobo behalten. Ganz klar.“ Und Fink verrät auch gleich, warum er dem Verein dazu geraten hat, den Vertrag mit dem 33-Jährigen zu verlängern: „Drobo ist ein Keeper, der auch die Nummer eins sein könnte. Und ich habe mit ihm gesprochen – er hat auch Bock zu bleiben. Obwohl er weiß, dass wir mit René eine andere Eins vor ihm haben.“

Warum sich aber ein Keeper, der zumindest noch immer zum erweiterten Kader der tschechischen Nationalmannschaft gehört, mit dieser Rolle zufrieden gibt? Dafür gibt es nach meinen Informationen mehrere Gründe: Erstens, weil er hier sehr gut bezahlt wird. Zweitens, weil sich seine Familie und er in Hamburg sehr wohl fühlen. Drittens, weil er mit 33 Jahren nirgendwo mehr einen langfristigen Vertrag bekommt und sich für ein Jahr nicht mehr den ganz großen Umzugsstress antun will. Und viertens, weil seine alles andere als jugendlichen Knie und Knorpel ihm sehr dankbar sind, wenn sie nicht wöchentlich der Wettkampfbelastung ausgesetzt sind. Wobei viertens auch der Grund ist, weswegen er (drittens!) nirgendwo mehr langfristige Verträge bekommt.

Egal wie, am Sonntag steht Drobny im Tor und wird versuchen, seinen Teil dazu beizutragen, das heute – man höre und staune – von Trainer Thorsten Fink erstmals offiziell und öffentlich ausgegebene Ziel Europa League zu schaffen (siehe auch im Video: www.facebook.com/groups/matzab). Es sei in der Summe immer noch eine Überraschung, dennoch sei drei Spieltage vor Schluss bei einem Punkt (plus ein nicht mehr aufzuholendes Torverhältnis) Rückstand nichts anderes mehr auszugeben. „Den Gedanken hatte ich schon lange. Aber es hat keinen Sinn gemacht, ihn öffentlich zu formulieren. Weder nach den drei Niederlagen in Folge, noch nach den zwei Siegen. Und klar ist auch: unser Ziel hat sich im Laufe der Saison verändert. Daher gilt ab jetzt: offenes Visier und los!“

Klingt doch gut. Wie so oft. Die Frage ist nur, inwieweit die Mannschaft diesem Druck gewachsen ist. Bislang war sie s nicht. Sie unterlag regelmäßig in den so genannten Big-Point-Spielen. Das letzte Mal deutlich am vergangenen Sonntag mit 1:4 in Gelsenkirchen. Das wiederum war Anlass genug für Fink, auch mal laut die Qualitätsfrage zu stellen. Denn, das ist unverkennbar, dieser Mannschaft fehlt es an Qualität. Fußballerisch – und mental. Und während sich der junge Fußballprofi, wie er beim HSV aktuell vielfach vorzufinden ist, eine gewisse Reife dank der vielen Erfahrungen im Laufe der Zeit aneignen kann, lernt von den aktuellen HSV-Profis wohl keiner mehr den Fußball neu. Soll heißen: Es muss nachgebessert werden, wenn man seinem Ziel entsprechend auch fußballerisch international-tauglich aufgestellt sein will. Auch deshalb hat Fink dies jetzt – noch – leise formuliert. „Ich habe keine 20 neuen Profis gefordert“, relativierte er heute, „aber wir müssen punktuell nachbessern. Zuletzt Schalke hat gezeigt, dass uns noch etwas fehlt. Für ganz oben reicht es nicht.“

Wobei hier eines nicht missverstanden werden darf: Mit ganz oben meint Fink einen der Champions-League-Ränge, die paradoxerweise bis zum 1:4 tatsächlich aus eigener Kraft machbar waren für den HSV.

Nein, Fink spricht offen an, was alle wussten: diesem HSV fehlt fußballerische Qualität. Da dem Klub gleichzeitig auch das nötige Kapital fehlt, um noch mal nachzubessern, hat Fink sich gedacht, mache ich doch eine Win-Win-Situation daraus. Also formulierte er seine Forderungen, entzog sich selbst ein wenig der Verantwortung („Es fehlt Qualität für oben“) und vermittelte seinen Kickern eine Portion Zusatzmotivation, indem er sie so unter den Druck setzte, sich zeigen zu müssen. Denn, und das halte ich für absolut legitim und auch notwendig, Fink will sich bis Saisonende alle Spieler genau ansehen und dann entscheiden, wer bleiben soll und wer gehen kann. Dass der Klub etliche Akteure verkaufen muss, wissen alle. Wer also bleiben will, muss Gas geben.

Zumindest im Optimalfall. Denn, dass Druck auch negative Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel Heung Min Son. Der Südkoreaner steht seit Wochen im Mittelpunkt diverser Transfergerüchte und Vertragsverhandlungen mit dem HSV. „Das ist Stress und sicher nicht optimal für mein Spiel“, sagte der Angreifer in der vergangenen Woche und fügte optimistisch hinzu: „Aber ich versuche es nicht an mich heranzulassen.“ Auf Schalke schien dieser Versuch bei ihm wie bei fast allen Mitspielern – Jansen, Adler und mit Abstrichen Westermann nehme ich mal raus – gescheitert. Und für das Wolfsburg-Spiel könnte das auch bedeuten, dass Son aus der Sturmmitte rausrückt. „Es ist sehr gut möglich, dass ich Artjoms Rudnevs wieder beginnen lasse“, sagt Fink. Das würde allerdings nicht zwangsläufig eine Rotation Sons auf die Bank nach sich ziehen. Immerhin könne der auch auf der Außenbahn spielen. Zudem werden Dennis Diekmeier nach abgesessener Gelbsperre und Milan Badelj wieder ins Team rücken. Sofern der Kroate fit bleibt. „In der Abwehr werde ich ansonsten nichts verändern. Wer für Milan weichen muss, ist noch nicht klar.“ Allerdings deutet vieles darauf hin, dass es Dennis Aogo treffen wird, nachdem Fink zuletzt Arslan immer wieder positiv hervorgehoben hatte.

Abwarten. Es sind noch vier Trainingseinheiten bis zum Spiel eins nach Finks Outing. „Drei Spiele, die schwierig sind“, so der Coach heute, „aber eben auch absolut machbar. Wir haben allen Grund, optimistisch nach vorn zu schauen. Zumal wir meistens nach einem schlechten Spiel ein sehr gutes haben folgen lassen. Deshalb noch mal deutlich: wir wollen unsere letzten Spiele gewinnen und unser Ziel erreichen: die Europa League.“

Wir auch. Ich auch.

Also, dreimal noch Augen zu und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durch. Und am Ende rechnen wir ab. Denn, bei allem Verständnis für die Kritiker unter uns, sollte es die Europa League werden, hätte es die Mannschaft trotz aller Mängel verdient. Weil die Konkurrenz nicht besser ist.

In diesem Sinne, bis morgen, da wird übrigens um zehn Uhr an der Arena trainiert. Mit Dieter als Beobachter. Euch allen einen schönen Tanz in den Mai garniert mit einem Fußballfest aus Madrid.

Scholle

P.S.: Manfred Ertels unüberlegter Post auf seiner Facebook-Seite hat inzwischen auch die Münchner erreicht. Wie mir mein Münchener Kollege heute aus Barcelona mitteilte, ist die Geschäftsführung der Bayern AG ziemlich verstimmt über den schlechten Scherz des HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden. Im Moment soll das Champions-League-Halbfinale nicht gestört werden – allerdings soll es nach der Partie in Barcelona am Mittwoch einen Brief an den HSV geschickt werden, in dem Ertel, den ich heute nicht erreichen konnte, aufgefordert wird, sein Handeln zu erklären. Sofern er dies bis dahin nicht bereits gemacht hat. Fortsetzung folgt…

Ein Hamburg-Scherz auf Hoeneß’ Kosten

29. April 2013

Am Wochenende spielt die Bundesliga, und am Dienstag und Mittwoch können die Fans Fußball sehen. Im Fernsehen. Zum Glück gibt es ja die Champions League, und da wird noch richtig guter Fußball gespielt. So wie Fußball aussieht. Und nicht ein solch fades Gekicke wie zuletzt in Gelsenkirchen. Was uns allen ja trotzdem als Fußball vorgesetzt oder verkauft wird . . . Aber es ist ja so wie es ist. Und es soll ja auch alles schon sehr bald viel, viel besser werden. Und das wird es ganz bestimmt auch. Weil der HSV die richtigen Männer dafür hat.

Apropos. Von „Eiche“ gab es diesbezüglich einen Hinweis, und zwar einen Kommentar auf facebook:

Nun schaut mal liebe Leute: Bei uns ist ziemlich viel im Argen. Und was macht unser AR-Vorsitzender in dieser Zeit? Er äußert sich öffentlich in einem sozialen Netzwerk:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”

Ist das nicht fantastisch, souverän und abgeklärt? Hat einen Haufen Dilettanten um sich herum, aber Zeit für dumme Sprüche.
Ganz hanseatisch, der Herr Ertel. Toll.

Also, mal im Ernst. Ich kann und will nicht glauben, dass ein so überaus intelligenter Mann wie Manfred Ertel so etwas von sich gibt. Ich lehne es ab, das zu glauben, ich weigere mich auch schlichtweg, das zu glauben. Das kann nicht sein. Und es ist bestimmt auch nicht so. Herr Ertel ist Spiegel-Journalist, der weiß genau, was witzig ist, was Satire ist – und was nicht. Und er weiß sicherlich auch einzuschätzen, was ein Uli Hoeneß geleistet hat, und was er (Manfred Ertel) bislang im deutschen Fußball geleistet hat. Manfred Ertel weiß ganz sicher genau, dass er erst am Anfang einer großen Fußball-Funktionärs-Karriere steht, und dass Uli Hoeneß in dieser Republik trotz dieser Steuer-Affäre hohes Ansehen genießt. Bei vielen Leuten jedenfalls, auch wenn sich einige von ihm losgesagt haben. Aber selbst wenn dieser angekündigte „Hammer-Transfer“ klappen sollte – Hoeneß bleibt Hoeneß, der Vater aller Bundesliga-Manager. Er hat niemanden umgebracht, das ist schon mal gut, und er hat einen riesigen Fehler gemacht, indem er das Volk betrogen hat – aber das weiß ein so kluger Mann wie Uli Hoeneß auch selbst – und dafür wird er auch büßen. Ganz sicher. Deutschland ist schließlich ein Rechtstaat. Hoeneß wird seine Strafe auch akzeptieren, und dann wird auch Ende sein. Jedenfalls mit dieser Affäre.
Also, bitte nicht zu ernst nehmen das alles, empört euch nicht, das war Manfred Ertel, das ist meine Meinung, ganz bestimmt nicht, da hat sich einer unter seinem Namen einen ganz billigen Scherz erlaubt . . . Das ist im Internet ja gelegentlich an der Tagesordnung.

Und noch eines möchte ich noch loswerden: Sollte es dem HSV eines fernen Tages tatsächlich einmal so schlecht ergehen, dass er finanziell ums Überleben kämpfen muss, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann sollte dieser HSV besser nicht an die Tür von Uli Hoeneß dem Steuersünder klopfen. Ich befürchte, dass der Bayern-Boss dann so laut loslachen wird, wie er über diesen netten Spruch mit der JVA München gelacht hat.
Aber, um auch das einmal klar zu sagen: Der HSV wird nie in diese missliche Lage kommen, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, denn da wacht ja ein aufgeweckter Aufsichtsrat drüber, dass so etwas nie im Leben passieren wird.
Und noch eine kleine, unmaßgebliche Anmerkung zu dieser JVA-München-Geschichte: Uli Hoeneß hat ja nicht nur dem FC St. Pauli geholfen, als dieser vor dem Kollaps stand, er hat auch unzähligen anderen Vereinen schon geholfen. Ist ja alles nachzulesen. Und dieser Uli Hoeneß, das weiß kaum einer, hat auch bereits dem oftmals sehr, sehr klammen HSV schon unter die Arme gegriffen – und geholfen. Das weiß nur dieser Witzbold, der unter dem Namen Ertel geschrieben hat, nicht. Sonst hätte er gewiss solche Zeilen nie in die Öffentlichkeit gebracht. Nie. Sage ich mal.

Ich schätze, das muss ich an dieser Stelle auch mal loswerden, Manfred Ertel eher so ein, dass er sich in erster Linie gradlinig, fair und selbstkritisch über und zu seinem HSV äußern würde – nach diesem neuerlichen Minus-Auftritt am Sonntag. Über diesen Anti-Fußball ließe es sich doch auf facebook sicherlich seiten- und tagelang schreiben. Um sich das nur einmal kurz vor Augen zu führen, was da Sache war: Da könnte eine Mannschaft (wie zum Beispiel der HSV) mit einem Sieg auf Schalke auf einen Champions-League-Platz (!) vorstoßen, führt auch schnell 1:0 – und lässt dann alles vermissen, was einen Auswärtssieg unter Dach und Fach bringen würde. Zum Beispiel mal Kampfgeist. Oder Einsatz. Engagement. Mannschaftliche Geschlossenheit. Herz. Biss. Leidenschaft. Laufbereitschaft. Willen. Kratzen. Kloppen. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen (ohne Rücksicht auf Verluste). Oder auch nur mal 90 Minuten lang hammerhart in die Zweikämpfe gehen, nur um dem Gegenspieler mal kurz zu zeigen, was hier alles auf dem Spiel steht.

Aber, was haben wir gesehen?
Begleitschutz in Vollendung und zum Verlieben. Streicheln, schmeicheln, liebkosen, umgarnen, Süßholz raspeln. Wunderbar. Nach allen Regeln der Kunst.

Dieser HSV 2013 denkt nämlich nicht an die Champions League. Weil es ja doch schlicht und einfach nicht rechtens wäre, wenn dieser HSV im Konzert der ganz Großen des europäischen Fußballs mitspielen würde. Da sind sie ja alle in Hamburg Realisten genug. Deswegen war nur das vom HSV auf Schalke zu sehen, was wir gesehen haben, was wir sehen mussten: Schalke ist besser als der HSV, Schalke war besser als der HSV, deswegen war der Sieg auch völlig verdient, der HSV muss dann eben seine Punkte gegen andere, gegen schlechtere Mannschaften einfahren. Zum Beispiel gegen Greuther Fürth. Zum Beispiel Augsburg. Oder auch Freiburg. Nein, stopp. Freiburg ist ja derzeit Tabellensechster, also steht (viel) besser als der HSV. Da kann man dann auch mal ganz leicht keine Punkte holen. Wie wir wissen.

Ich kenne keinen HSV-Fan, keinen HSV-Anhänger, keinen Hamburger, der sich über eine solche traurige Vorstellung nicht aufregt. Und ich bin mir sicher, ganz sicher sogar, dass auch ein Mann wie Manfred Ertel diese traurigen 90 Minuten von und auf Schalke zum Anlass nehmen würde, den Verantwortlichen ins Stammbuch zu schreiben, wie grottig das alles war. Der HSV 2013 ist auch eine Frage der Qualität. Und diesbezüglich habe ich die Hoffnung aufgegeben, das sage ich offen und ehrlich. Diese Mannschaft spielt so, wie sie von der Qualität ihrer Spieler auch zusammengestellt worden ist. Brav, bieder, amateurhaft. Ich erwarte in den restlichen drei Spielen von dieser Truppe nichts mehr, dieses Team ist keine Einheit, wird es auch nie, diese Mannschaft setzt sich aus elf Einzelartisten zusammen, die es alle können – nur nicht gemeinsam.

Leider mache ich mir schon in Sachen nächster Spielzeit die allergrößten Sorgen um ein so großes Talent wie Hakan Calhanoglu, das bekanntlich im Sommer vom KSC zum HSV kommen wird. Ich befürchte, dass der junge Mann hier auch gleich so „eingeordnet“ wird, dass er nur untergehen kann. Das hat der HSV schließlich mit jedem noch so großen Talent geschafft – das wird auch im Fall Calhanoglu klappen. Ich bin mir da fast sicher.

Das läuft schließlich seit Jahren schon so. Obwohl es in dieser Saison auch ein Gegenbeispiel gibt: Marcell Jansen. Jahrelang verletzungsanfällig, jahrelang nicht in Bestform, jahrelang als einer jener Spieler bekannt, die viel reden, viel versprechen, von denen aber nicht allzu viel kommt. Auf dem Rasen. In dieser Saison aber zeigt Jansen es allen – auch mir. Jansen war auf Schalke einer derjenigen, die das brachten was sie können, und er geht seit Wochen, seit Monaten mit bestem Beispiel voran, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Auch auf dem Rasen. Wenn sich, das behaupte ich auch mal frech, im Moment alle so den Hintern aufreißen würden wie Jansen, dann wäre es besser um den HSV bestellt. Ganz sicher.

Ausnahme Rene Adler. Der Mann mit den tausend Armen und Händen bringt – Ausnahme Hannover – immer seine überdurchschnittliche Leistung und bewahrt den HSV vor peinlichen Niederlagen und rettete der Mannschaft, seiner Mannschaft, auch schon so manchen Dreier. Der ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor, Keeper der Meistermannschaft von 1960, sagte mir zu diesem Themas: “Ich bewundere Rene Adler, wie der diese ganzen Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute wegsteckt, wie ruhig er bleibt. Ich könnte das nicht.” Schnoor weiter: “Rene Adler muss sich doch längst mal fragen, wo er hier reingeraten ist? Er ist doch der einzige HSV-Spieler, der konstant seine Leistungen bringt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wen er nicht doch noch zu einem anderen, zu einem besseren Verein wechseln würde, denn Angebote hat er ja wohl genug. Und ich würde ihm auch einen Wechsel nicht verübeln, denn wenn er bleibt, dann muss man ihn doch nach den meisten Spielen nur bemitleiden . . .”

Ich behaupte dazu auch gerne noch ein weiteres Mal: Wenn dieser HSV 2012/13 diesen Rene Adler nicht zwischen den Pfosten hätte, dann würde dieser HSV 2012/13 auf Augenhöhe mit Fürth, Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Werder stehen. Das mag bitter klingen, ist aber Realität. Und wenn ich dazu an Udo Bandow denke, dann wird mir ganz übel – vor der Zukunft des HSV. Denn, ich muss es noch einmal und noch einmal schreiben, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef hatte sich ja kürzlich im „HSV Magazin live“ wie folgt geäußert und keine Entgegnungen seitens des Vereins geerntet: „Ich befürchte, dass der nicht durch Vereinsvermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.“

Diese Befürchtungen teilen viele und immer mehr, aber niemand unternimmt etwas, damit es dem HSV besser demnächst mal geht. Nicht mal der Aufsichtsrat. Oder geht da etwas an mir vorbei?

Ich frage mich: Wo und wie soll das alles noch enden? Auch wenn einige kluge und noch viel, viel klügere Menschen nun schon wieder sagen werden: „Was soll dieser Mist, Matz? Es ist doch nicht so schlimm um den HSV bestellt, wie du es immer fälschlich beschreibst . . .“
Abwarten, ihr netten Leute, abwarten. Und dazu vielleicht auch noch ein wenig in der Vergangenheit herumkramen und versuchen, sich zu erinnern: Inzwischen haben es ja doch auch schon einige (eigentlich Unbelehrbare) geschnallt, die es früher so oft nicht wahrhaben wollten, dass es nämlich finanziell schlecht um den HSV bestellt ist. Da wurden uns von Matz ab immer die klügsten, besten und tollsten Bilanzen vorgehalten, da wurden wir vernichtet und es wurde gerechnet und gerechnet und gerechnet. Und da wurden immer wieder noch die ältesten Ablösesummen von Kompany, Ujfaluis, Boulahrouz, de Jong und van der Vaart ins Feld geführt, mit denen der HSV wieder (ganz sicher) zur alten Stärke aufsteigen wird – wie Phönix aus der Asche. Dabei waren diese Summen schon lange vereinnahmt und wieder für neue (und schlechtere) Spieler ausgegeben worden.

PS: Ich mache mir schon Sorgen um diesen HSV, der aber immerhin in dieser Saison nicht in den Kreis der Abstiegskandidaten gerutscht ist (wie von vielen vorher befürchtet). Das war gut. Aber wie geht es weiter? Und eines ist auch klar: Ich mache mir keine Sorgen um Uli Hoeneß. Der ist stark genug, um sich selbst zu helfen. Und da behaupte ich mal: aber ganz, ganz sicher. Dem können sie nicht mal aus Hamburg ans Bein pinkeln . . .

PSPS: Ein Gerücht besagt, dass sich Hannover 96 diesmal nicht um Gojko Kacar, sondern vielmehr um Dennis Diekmeier bemüht. Öfter mal was Neues. „Scholle“ sprach in diesem Zusammenhang mit „DD“ und der Abwehrspieler sagte ihm: „Ich fühle mich sehr wohl beim HSV und könnte mir vorstellen, hier zu verlängern.“ Die Gespräche mit dem „großen“ HSV laufen zurzeit.

PSPSPS: Morgen (Dienstag) wird um 15 Uhr geübt.

Kurze Ergänzung: Am Abend wurde der “Hammer-Transfer-Spruch” von der betreffenden facebook-Seite zurückgezogen bzw gelöscht.

17.33 Uhr

Son will in die Champions League. Mit dem HSV?

24. April 2013

Milan Badelj ist verletzt. So eine Sch… Ausgerechnet jetzt, wo sich der in meinen Augen eminent wichtige Organisator im Mittelfeld wieder gefangen zu haben schien, musste er mit einer Adduktorenverletzung das Training abbrechen. „Wir haben eine Ultraschall-Untersuchung gemacht und es ist wohl nichts gerissen“, sagt Badelj, ohne Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil: „Es fühlt sich aber wie eine Zerrung an. Sollte dem so sein, dürfte Badelj auf Schalke und möglicherweise auch am kommenden Wochenende gegen Wolfsburg ausfallen. Erneuter Nutznießer könnte Dennis Aogo werden. Der hatte gegen Düsseldorf den an Grippe erkrankten Tolgay Arslan ersetzt. Arslan ist inzwischen wieder gesund und gilt als gesetzt – neben Badelj. Sollte dieser ausfallen, rückt Aogo nach. Mal wieder.

Genaueres in Sachen Badelj soll es am morgigen Donnerstag geben. Da soll die verletzte Stelle erneut untersucht, geröntgt und anschließend eine exakte Diagnose gestellt werden. Ergo: Daumen drücken. Zumindest werde ich das machen.

Gleiche gilt für die Personalie der Woche: Heung Min Son. Der Südkoreaner ist heiß umworben – vom HSV und anderen Klubs. Unter anderem, nein: vor allem von Borussia Dortmund. Intern sorgt das für eine Menge Gesprächsstoff, wie Tolgay Arslan bestätigt. Der wieder genesene Mittelfeldspieler, der von Trainer Thorsten Fink bereits seinen Einsatz auf Schalke signalisiert bekommen hatte, sagt: „Ich habe Sonni schon gesagt, dass er ein echtes Problem hätte, wenn er mir plötzlich als Dortmunder gegenübersteht. Dann müste er aufpassen, dass ich ihn nicht mächtig erwische.“ Worte, die im Spaß gemeint aber durchaus einen ernsten Hintergrund haben. Immerhin rechnet man auch beim HSV auf kurze Sicht mit einem Angebot aus Dortmund. Der BVB hat gerade knapp 70 Millionen Euro für seine beiden Topspieler Robert Lewandowski und Mario Götze (dazu könnt Ihr auf unserer neuen Facebookseite https://www.facebook.com/groups/matzabauch ein Video mit Rene Adler sehen) eingenommen und ist auf der Suche nach Ersatz. „Sonni hat nicht gesagt, wie er sich entscheidet“, so Arslan, „aber ich hoffe, dass er sich für uns entscheidet und bleibt.“

Bleiben will auf jeden Fall Rene Adler. Das zumindest sagte der angeblich vom FC Arsenal umgarnte Keeper den Nachwuchsreportern vom Team „SportXperten“. Die Schüler hatten eine Ausschreibung des Hamburger Weg-Projektes gewonnen und befragten heute eine Stunde lang den HSV-Keeper und seinen Pendant vom HSV-Handball, Jogi Bitter. Adler: „Ich habe in Hamburg ein Haus gekauft, habe einen langen Vertrag – das wäre mir zu unentspannt. Ich habe keine Wechselgedanken.“ Eine Ansicht, die Adler in abgewandelter Form kurz zuvor auch Heung Min Son nahelegte – im persönlichen Gespräch. „Natürlich reden wir, Sonni ist sehr wissbegierig, fragt viel“, so Adler. Er habe dem begehrten Jungstar auch einen Tipp für die Zukunft mitgegeben. „Aber der bleibt geheim.“

Genauso wie das Ziel Heung Min Sons, dessen Vertrag 2014 ausläuft. Sollte der Südkoreaner nicht verlängern, wird er verkauft. Darauf legte sich Sportchef Frank Arnesen bereits fest. Stand Und Son ist weiterhin heiß umworben von englischen Klubs sowie der Bundesligakonkurrenz. Allen voran: Borussia Dortmund. Der noch amtierende Deutsche Meister hat durch den Verkauf seiner Top-Spieler Robert Lewandowski sowie Mario Götze gerade rund 70 Millionen Euro generiert – und ist heiß auf Son. „Mich interessiert das noch nicht“, sagt Son und man spürt die Unbehaglichkeit beim Angreifer. Immerhin ist er einer der Hoffnungsträger im Kampf um einen internationalen Startplatz für den HSV. „Ich lasse das meinen Vater und meinen Berater machen. Für mich ist es erst nach der Saison Thema. Bis dahin zählt nur der HSV.“

Worte, die so gesagt oft Abschiede nach sich zogen. Und angesichts des kolportierten Angebotes von rund zehn Millionen Euro seitens der Dortmunder rückt dieser wohl auch näher. Obgleich der HSV finanziell mit seinem Angreifer einig schien. Zuletzt, so hieß es, ging es nur noch um eine von Son geforderte Ausstiegsklausel. Allein es scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Für Son ist auch die sportliche Perspektive entscheidend. Und die ist in Hamburg tabellarisch ebenso offen wie in Sachen Kaderplanung, da noch keine Spieler verkauft werden konnten.
Das soll – zumindest im Fall Son – auch so bleiben. Deswegen wirken derzeit beim HSV fast alle auf das Sturmjuwel ein. Thorsten Fink hatte zuletzt deutlich gemacht, wie sehr er auf Son setzen wolle. Auch Adler und zuletzt Rafael van der Vaart, der öffentlich zum Verbleib in Hamburg riet, bemühen sich. Nur Son selbst weiß nach eigener Aussage noch überhaupt nicht, wie er sich entscheiden soll.

Er will es auch noch gar nicht. Es sei ein schönes Gefühl, umworben zu sein. Aber eben auch Stress. Und: „Es ist anstrengend, aber ich will Ruhe haben, mich konzentrieren“, sagt Son. „Es ist noch nichts entschieden. Wir haben vereinbart, uns nach der Saison zu besprechen und zu entscheiden.“ Ob der internationale Wettbewerb entscheidend sei? „Der HSV ist meine Familie, egal ob Europa League oder nicht. Champions League ist ein Traum, wäre geil, wenn ich das spielen könnte.“ Das wäre mit dem BVB gesichert. Aber auch der HSV hat noch die Chance. Sagt Son. „Wir müssen mindestens Europa League schaffen. Aber es sind auch nur zwei Punkte bis zur Champions League. Deshalb ist es wichtig, dass sich alle auf den HSV konzentrieren. Auch ich.“

Bei allem, was Son heute von sich gab, war ihm anzumerken, dass ihm nicht wohl ist im Moment. So schön das Werben anderer Klubs, so verlockend die Aussicht auf das große Gehalt auch ist – Son belastet das Thema. Daher ist die Frage, ob es gut ist, so lange mit einer Entscheidung zu warten, aus meiner Sicht schnell beantwortet. Und auch der HSV hätte lieber gestern als morgen den Vertrag verlängert. Dass es sich letztlich nur noch um eine kleine Ausstiegsklausel handelt, in der sich beide Parteien noch nicht einig sind – Blödsinn. Das mag ein Punkt sein, aber der Kern liegt in den sich „androhenden“ Angeboten großer Klubs. Und auf dem Weg dahin zögern Son, sein Vater und der Berater alles möglichst weit nach hinten raus.

Ein legitimes Vorgehen, das aber zuletzt für eine lange Schwächephase bei Son gesorgt hatte. Es ist kontraproduktiv. Gerade jetzt in der finalen Phase, wo es verrückterweise noch um einen internationalen Startplatz geht, schwächt sich Son. Mit Ausnahmen, wie in Mainz. Und auch gegen Düsseldorf war Son nicht so schlecht, wie ihn viele machen wollten. Allerdings: er war auch nicht top. Was mich immer wieder die eine Frage stellen lässt: Ist Son ein Talent, das später den ganz großen Durchbruch schafft? Oder sollte der HSV selbst interessiert sein, den Spieler teuer abzugeben. Gerade jetzt, wo man finanziell Probleme hat, würde ein solcher Millionendeal helfen.

Denkt man. Sollte man auch denken.

Dennoch befürchte ich, dass ein Millionentransfer nur zu (zu kleinen) Teilen wieder in die Mannschaft investiert würde. Dafür ist man in der Chefetage – auch wieder nur zu Teilen, wohlgemerkt – zu sehr auf eine schwarze null aus.

Dabei sind Investitionen in die Mannschaft zwingend nötig. In der Innenverteidigung fehlen zwei gute Spieler. Wie wichtig die sein können, haben jüngst Dante und Boateng gegen Barca bewiesen. Beide spielten bärenstark und gaben den Bayern trotz gerade 35 Prozent Ballbesitzes die Sicherheit, das Spiel zu gewinnen. „Wenn die Achse funktioniert, verlierst du selten“, hatte Fink vor kurzem gesagt – und er hat Recht. Aber zu einer wirklich top funktionierenden Achse fehlt (neben Westermann) mindestens ein richtig guter Innenverteidiger und eine IV-Alternative, dazu muss ein Badelj deutlich konstanter sein zweifellos vorhandenes Potenzial abrufen – ebenso wie Rafael van der Vaart. Und sollte Son verkauft werden bliebe „nur“ noch Rudnevs. Ergo: eigentlich auf allen Positionen der so wichtigen „Achse“ fehlt es beim HSV noch an Personal. Teilweise sogar doppelt. Dazu kommt, dass Dennis Diekmeier auf rechts hinten quasi konkurrenzlos ist. Auch hier ist Nachbesserung nötig.

Wobei sich – so fair sollten wir sein – ein Jacopo Sala empfehlen dürfen muss. Zum Beispiel am Sonntag. Da dürfte der Italiener erste Wahl sein als Diekmeier-Ersatz. „Er ist eine Option“, so Fink, der lediglich Zhi Gin Lam als weitere Option sieht. Bruma spielt – wie am Dienstag geschrieben – keine Rolle mehr.

Eine ganz wichtige Rolle für meine Abendplanung spielt – natürlich nur neben meinen Kindern und meiner Frau – heute das Spiel des BVB gegen Real Madrid. Und so sehr ich mich gestern für den Auftritt der Bayern (insbesondere für den von Müller!) begeistern konnte, sollte der BVB aus der Götze-Transfer-Bekanntgabe tatsächlich sichtbare Schäden davontragen – ich würde die Bayern dafür verurteilen. Dass der Deal stattfindet und bekannt wurde ist das Eine. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe aber ist das Andere. Der wirkt nicht zufällig. Im Gegenteil, da scheint sich der aktuell von Hoeneß-Geißelungen geplagte FCB einen Deal mit der Berichterstattung erhofft zu haben. Ergo: Gebt ihnen Götze, dann schreiben sie weniger über Hoeneß’ Steuerhinterziehung. Und das wäre nicht nur hochgradig unsportlich sondern auch für den deutschen Fußball schädlich.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der BVB seinen Leistungen im bisherigen Wettbewerb ein weiteres Husarenstück folgen lässt und Real Madrid aus dem Westfalenstadion geschossen wird. So, wie Barca in München. Am besten mit jeweils zwei Treffern von Lewandowski und Götze.

Bis morgen. Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Dieter wird Euch davon sowie von der Presserunde mit unserem neuen Kapitän Rafael van der Vaart berichten.

Scholle

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