Archiv für das Tag 'Hieronymus'

Der HSV nimmt die Rolle des Jägers an!

12. Mai 2013

Geht es euch nicht auch so? Ich muss immer an „Troche“ denken. Ihr doch sicher auch, oder? Piotr Trochowski, der „kleine Dribbelkünstler“ und sein Tor in Frankfurt. Man schrieb damals in Deutschland die 90. Minute im Hessenland, es stand zwischen der Eintracht aus Frankfurt und dem HSV 2:2, und dann hob der Fußball-Gott die Abseitsregelung auf – und „Troche“, unsere aller „kleiner Dribbelkünstler“, gerade noch im Abseits stehend, zog mutig und beherzt ab. Drin das Ding. Und drin der Fisch. Der HSV spielte doch noch Europapokal, Europapokal, Europapokal, Europapokal, Eu-roo-paa-poooo-kaaaaaal . . . Das kann doch kein Zufall sein. Das ist ein Zeichen. Ganz bestimmt. Wieder Frankfurt. Wieder der letzte Spieltag. Wieder muss ein Sieg her – und Frankfurts Niederlage. Doch wo ist der „kleine Dribbelkünstler“? Daran könnte es natürlich noch scheitern, aber ich gehe nicht davon aus. Das wird was. Ihr werdet sehen. Dieser 4:1-Sieg des HSV gegen Hoffenheim hat Langzeitwirkung – und entwickelt sich erst noch. Eine Woche lang, und dann versinkt Hamburg im Freudentaumel. Nächsten Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr . . .

„Ich habe schon die verrücktesten Dinge am letzten Spieltag gesehen“, sagte Trainer Thorsten Fink in Sinsheim – und sprach mir dabei so aus dem Herzen. Was gab es nicht schon alles? Die reinsten Kopfstände gab es da schon. Und fragt mal nach bei Otto Rehhagel. Von wegen 12:0 und so. Nein, nein, da kann es doch durchaus passieren, dass die auswärtsstarken Wolfsburger in Frankfurt gewinnen, und der heimstarke HSV, der nur nicht an Fürth, Augsburg und Freiburg denken darf, gegen die nicht ganz so schlechten Leverkusener gewinnt. Das ist ja nicht unmöglich, das wäre ja nicht einmal in der Nähe eines Fußball-Wunders. „Wir haben jetzt viel zu gewinnen und überhaupt nichts zu verlieren. Und vielleicht sind wir in der Jägerrolle besser“, sagte Thorsten Fink auch noch, und ich würde ihm sagen: „Natürlich. Natürlich und absolut liegt dem HSV die Jägerrolle, ganz klar. Eindeutig. Die andere Art von Fußball, nämlich von oben herab spielen, das lag dem HSV ja zuletzt nicht so . . .“

Obwohl – Sinsheim hat ja eigentlich gezeigt, dass der HSV auch von oben herab . . . Mit einer, das ist nun kein Spaß, mit einer erstklassigen Leistung, mit einem konzentrierten und disziplinierten Spiel. Und diesmal hatte ich das Gefühl, dass da eine Mannschaft versucht, das Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. A wurde sich gegenseitig geholfen und motiviert, sodass ich mir gedacht habe: „Menschenskinder, und jetzt, wo sie es halbwegs kapiert haben, da ist die Saison zu Ende. Ein Jammer das.“ Immerhin sagte Thorsten Fink in einem ersten und ganz kurzen Resümee: “Die Saison war und ist jetzt schon mal gut, denn in der letzten Saison wären wir fast abgesteigen, und nun stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz – udn wir können nun am letzten Spieltag noch den Sprung nach Europa schaffen.” Das ist doch was! Aber genau. Ich sage dazu schon einmal vorab: “Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Fink, gut gemacht.”

Aber – was lehrt uns nun dieser 4:1-Sieg? Ein Wort rückte sich in mir während des Spiels gegen Hoffenheim stets zurecht: punktuell. Carl-Edgar Jarchow, der total verärgerte HSV-Chef (weil der NDR die Sache mit den 24 Mios als kleines Minus rausgehauen hat!), hat ja in der vergangenen Woche gesagt, dass es „keinen Schnitt“ geben wird (beim HSV), sondern dass man sich „punktuell“ verstärken wird. Und das wird genügen. Behaupte ich mal. Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu sind schon da, und wenn nun noch ein „ordentlicher“ Innenverteidiger (vom Typ „Kante“) käme, und ein Brecher wie zum Beispiel St. Paulis Torjäger Daniel Ginczek, dann wäre das schon okay. Natürlich, ich höre und lese es schon, natürlich, da liegt ihr ja nicht so falsch, natürlich könnten auch Rooney, Messi und Ronaldo passen, aber ob man an diese Jungs so billig rankommt? Da habe ich doch meine Zweifel. Leichte, aber sie sind doch schon da. Und noch einmal zu Ginczek. Mein neben mir sitzender Kollege sagte heute während des Spiels neben dem Dom-Platz: „Wenn der HSV nicht geschlafen, sondern den Zambrano und den Kruse im Sommer 2012 mit der U- und der S-Bahn geholt hätte, dann gäbe es heute gar keine Frage mehr, ob sich der HSV noch für Europa . . .“
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?
Und der HSV sucht doch einen Brecher. 17 Tore in der Zweiten Liga sind ja auch nicht ganz so schlecht, die muss man mal erst machen.

Kurz noch einmal zu Carl-Edgar Jarchow. Der Boss freute sich nach dem 4:1-Erfolg und sagte: „Jetzt haben wir ein kleines Finale. Nach dem Verlauf der vergangenen Wochen habe ich das nicht mehr erwartet.“ Der FDP-Politiker glaubt auch, so meldete es die Agentur, dass die Wirtschaftsbilanz zum Saisonende nicht so verheerend wie befürchtet ausfallen werde. Wobei zu diesem Thema immer wieder auch aus der Mitgliedschaft zu hören ist, dass das stimmen mag (und kann). Nämlich dann, wenn der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive doch verlängert wird. Dann steht eine Summe von elf Millionen Euro für den HSV im Raum – und die würde dann ja schnell mal helfen (und etwas ausgleichen) können. Mal abwarten, in welche Richtung sich das alles so bewegen wird. Obwohl, wenn ich so ganz genau nachdenke, dann ist mir so, als hätte ich vor ein, zwei oder drei Jahren gehört, dass der HSV sich künftig selbst vermarkten wolle – und auf Sportfive verzichten wollte. Das hat mir vor langer, langer Zeit schon mal der eine oder andere Offizielle ganz inoffiziell gesagt, aber man kann seine Meinung natürlich auch mal ändern. Keine Frage. Alles legitim. Wenn es zum Wohle es HSV ist.

Zurück nach Sinsheim. In Gedanken. “Wenn wir jetzt doch noch den europäischen Startplatz erreichen sollten, dann interessiert niemanden, ob wir zwischendurch mal schlecht gespielt haben, on es zwischendurch mal ein Auf und Ab oder ob es Höhen und Tiefen gegeben hat. Dann sind wir einfach da”, sagte Nationaltorwart Rene Adler. „Das lief richtig gut.“, sagte Marcell Jansen und dachte (bei Liga total) schon mal sieben Tage weiter: „Es liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand, aber wir werden versuchen, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Wolfsburg ist im Moment auch gut drauf und sie wollen sicher in Frankfurt gewinnen. Wir werden sehen, was sich der liebe Fußballgott für uns ausgedacht hat . . .“ Aber genau. Und Rafael van der Vaart befand bei „Liga total“: „Die Ergebnisse waren diesmal gut für uns. Wir mussten gewinnen – es wird noch spannend am letzten Spieltag. Hoffentlich gewinnen wir wieder – und die anderen nicht.“ Wie gesagt (und geschrieben): Die Hoffnung stirbt am letzten Spieltag.

Wobei zum Hoffenheim-Ausflug des HSV auch noch eines bemerkt werden darf: Markus Gisdol, der junge und erstliga-unerfahrene TSG-Trainer, war dem HSV schon auch ein bisschen sehr entgegengekommen. Ich dachte so während des Spiels an Joachim „Jogi“ Löw, der während der letzten EM ja auch – vor dem Italien-Spiel – gedacht hat, dass er schon so weit ist, dass er mit der ganzen Fußball-Welt spielen könne. Und heute dachte ich während der Partie St. Pauli – Eintracht Braunschweig an den BTS-Coach Lieberknecht, der ja auch nur, als Dank (denke ich) an seine Aufstiegs-Reservisten, die etwas verbesserte B-Mannschaft auf das Millerntor geschickt hatte. Glückes Geschick. Gisdol, der Hoffenheimer, hatte wohl nach den jüngsten Erfolgen unter seiner Regie gedacht, dass die Bundesliga an sich ein ganz einfaches Geschäft sei. Er baute auf den unerfahrenen Stefan Thesker, der hinten verteidigte (für US-Nationalspieler Fabian Johnson), und er baute in der Innenverteidigung auf den erst 17 Jahre alten Niklas Süle, der bei seinem Erstliga-Debüt den gesperrten Vestergaard. Vertrat. Beide TSG-Youngster aber stürzten (ihre Mannschaft) von einer Verlegenheit in die nächste. Jetzt werden sie in Sinsheim wohl wissen, dass Bundesliga doch nicht ganz so leicht ist.

Dabei fällt mir just ein, wie wohl Paul Scharner jetzt darüber denkt. Über die Bundesliga. Der Österreicher. Der ja nur vom HSV auf die Insel ausgeliehen wurde. Scharner hat es nun allen Hamburgern bewiesen, dass man auch mit der Raute (im Herzen) einen Pott gewinnen kann. Keinen ganz so unwichtigen. Den englischen FA-Cup, der immerhin im Wembleystadion ausgespielt wird. Scharner spielte mit Abstiegskandidat Wigan gegen das große Manchester City und gewann 1:0. Und damit den Pokal. Sensationell. Wobei City ja mit keiner „Gurkentruppe“ spielte, sondern mit: Hart – Zabaleta, Kompany, Nastasic, Clichy – Barry, Yaya Touré – Nasri, Tevez, Silva – Aguero. Der in Dortmund gehandelte Edin Dzeko wurde in der 90. (+ 1) erst eingewechselt – da hatte Watson gerade für das einzige Tor des Tages gesorgt. Übrigens spielte Scharner in der Dreierkette von Wigan, hinten zentral. Und die Null stand hinten.
Ich meine ja nur. Weil der HSV doch einen Innenverteidiger sucht.

PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat gegen Spitzenreiter Holstein Kiel ein achtbares 0:0 erzielt und damit einen kostbaren Punkt gewonnen. Glückwunsch. Und wenn die Agentur es richtig berichtet (oder es der „Matz-abber“ „Wortspieler“ vielleicht doch besser weiß), dann hat die A-Jugend des HSV im letzten Spiel der Saison beim Tabellenvorletzten Chemnitzer FC mit 1:4 verloren, steht aber zum Saisonende auf dem zehnten Tabellenplatz.

PSPS: In eigener Sache. Hier steht am Tag nach dem HSV-Spiel . . .
Diese Passage habe ich am Montag gelöscht, denn “Matz ab live” steht nun drin. Vielen Dank an die Techniker, die daran Tag und Nacht gearbeitet haben.
Holger Hieronymus (HSV-Profi, -Sportchef und – Trainer, Europapokal-Gewinner 1983, Nationalspieler und DFL-Geschäftsführer) war unser ganz besonderen Gast – es lohnt sich, dieses Interview noch einmal anzusehen.

Übrigens gab es diesmal eine große Anzahl von Fragen, die uns per Mail geschickt wurden, die aber während der Sendung nicht alle beantwortet werden konnten. Deshalb hier noch einige Ergänzungen, die gleich kommen werden. Eines muss ich aber im Namen von Holger Hieronymus noch sagen, weil es ja sofort viele Sepkulationen und Vermutungen um seine Person gegeben hatte. Der ehemalige Nationalspieler sagte mir: “Um Missverständnissen vorzubeugen, ich werde zu 100 Prozent nie wieder HSV-Sportchef und ich werde auch nicht in den Aufsichtsrat gehen, nicht wechseln und auch nicht wählen lassen. Das ist hundertprozentig. Bevor mir unterstellt wird, dass ich mich mit dieser Sendung bei ‘Matz ab’ ganz einfach mal so positionieren wollte. Das war zu 100 Prozent nicht der Fall.” Letzteres kann und muss ich bestätigen, “HH” sollte schon lange mal unser Matz-ab-Gast sein, wenn er sich damit und dadurch hätte positionieren wollen, hätte er es schon vor Monaten tun können.

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob der HSV an Frank Arnesen als Sportchef und an Thorsten Fink als Trainer festhalten sollte: “Das ist eine wirklich schwere Frage, denn ich kann nicht beurteilen, wie man beide miteinander arbeiten. Das kann man auch nicht nur daran festmachen, welche Ergebnisse man an den Wochenenden sieht. Zur Arbeit von Sportchef und Trainer gehören auch Dinge, die kein Außenstehender sieht und beurtelen kann. Arnesen muss zum Beispiel Kontakte pflegen und halten, mit der Blickrichtung auf neue Spieler, Spielerberater. Genau so ist es auch bei Thorsten Fink, der hat Aufgaben, die ein Fan oder Außenstehender nicht sieht und deswegen auch nicht beurteilen kann.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die HSV-Statuten nicht 60 000 Mitglieder entmündigen, denn es gibt keine Briefwahl: “Ich bin nicht für die Briefwahl. Ganz klar. Und wenn dann gesagt wird, wir können nicht zur Mitgliederversammlung kommen, dann frage ich: Was treibt eigentlich Menschen in einen Verein, wenn er nicht zweimal im Jahr zur Mitgliederversammlung kommen kann? Bei der Versammlung werden nun einmal wichtige und maßgebliche Maßnahmen für den Club getroffen, und das wird über Wochen und ganz genau vorbereitet – so etwas kann man auf dem Postwege nicht erledigen.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die Philosophie beim HSV schon über Jahre fehlt (außer Sparen und Platz zehn als Vorgabe): “Man muss die Zeile, die man sich steckt, ja auch erreichen können. Es macht ja keinen Sinn zu sagen, dass man sich die Ziele einfach mal ein bisschen höher stecken sollte. Nach dem Motto: ‘Diese Ziele können wir zwar nicht erreichen, aber wir stecken sie trotzdem mal hoch.’ Das bringt in meinen Augen nichts.”

Dann kamen noch weltbewegende Fragen wie diese eine: “War das Steak durch oder medium?” Dazu sei noch kurz angemerkt: Niemand von uns, auch Holger Hierinymus nicht, hat an diesem Tage, also an diesem 11. Mai 2013, ein so herrliches Block-House-Steak gegessen. Leider. Dabei liebe ich es so sehr, es gibt nichts Besseres! Aber wir waren alle noch zu satt vom Mittagessen (im Hause). Auf die nun dazu aufkommenden neuen Fragen möchte ich jedem zugestehen: “Jawoll, ich bin zu blöd.” Daqs gilt für mich, für die anderen Mitstreiter möchte ich das lieber nicht sagen. Obwohl auch sie nichts gegessen hatten . . .

Bei der Gelegenheit: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.59 Uhr

Aufgegeben haben sie alle noch nicht . . .

7. Mai 2013

Um es gleich einmal auf das Trapez zu bringen: „Pipo“ ist noch nicht fit, wird also am Sonnabend gegen Hoffenheim nicht spielen können, noch nicht spielen können. Der „neue Mann“ des HSV, ein langmähniger Weltstar, der einem Juan Pablo Sorin wie ein Bruder ähnelt, hat beide Beine weiter im Gips und dürfte erst zur nächsten Spielzeit in den Kampf um einen Stammplatz eingreifen können. Wenn überhaupt. Vielleicht greift er ja auch gar nicht ein. Letzteres ist eigentlich auch viel wahrscheinlicher, obwohl „Pipo“ jetzt gerade von Trainer Thorsten Fink und Medien-Direktor Jörn Wolf vorgestellt worden ist. Allerdings, und das macht die Sache dann doch auch ein wenig schwieriger, nur in der neuen „Olli-Dittrich-Sendung“ „Frühstücksfernsehen“. Ein Jux. Mehr nicht. Aber ein toller. Und wenn dieser „Pipo“ real wäre, dann wäre er auf jeden Fall ein Gewinn für den HSV – denn „Pipo“ sieht gefährlich aus. Der könnte es, so er dann von der Leine gelassen werden würde. Aber gut, er wird wohl nie kommen, und das nicht nur wegen seiner Gips-Beine. . .

„Der „Pipo“ wäre in der Tat eine riesige Verstärkung für Sonnabend. Schade dass er noch ein wenig gehandicapt ist – der Gips . . .“, sagt Fink und fügt hinzu: „Das war eine schöne Sache, mal mit Olli Dittrich zu drehen, es hat viel Spaß gebracht. Stimmt. Herrlich war es.
Nun aber zum wirklich wahren Fußball – zum HSV. Letztes Auswärtsspiel vor Grenze an diesem Wochenende, und gewiss kein so leichtes, denn die Hoffenheimer müssen noch arg strampeln, damit sie die Erste Liga nicht verlassen müssen. Es wird für den HSV also noch einmal richtig hart werden, da geht es schon noch einmal auf die Socken. Und wer weiß, vielleicht sehen wir sie ja doch noch, die Pferde, die vor der Apotheke k . . . Fink prophezeit für Sonnabend: „Die werden um ihr Leben fighten, das wissen wir, da muss man dagegenhalten, und dann haben wir am Ende vielleicht die Chance, das Spiel zu gewinnen.“ Um eventuell doch noch in diesem Jahr international starten zu können . . .

Thorsten Fink jedenfalls hat noch nicht aufgegeben. Darf er ja schon von Berufs wegen nicht. Er sagt: „Es können uns ja alle aufgeben, aber an den letzten beiden Spieltagen ist schon oft schon etwas Verrücktes passiert . . . Wir schauen ganz einfach mal. Und dann sehen wir, wohin es geht, ob da noch etwas für uns geht. Wichtig ist nur, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wenn noch eine Chance da ist, dann sollten wir die auf jeden Fall versuchen zu nutzen. Dass die Chance für uns jetzt sehr klein geworden ist, das ist natürlich klar, wir wissen, dass wir auch von Ergebnissen der anderen Clubs abhängig sind.“

Ganz aufgegeben hat nicht nur der Trainer noch nicht, so voll und ganz aufgegeben haben sie den Traum von Europa ja alle noch nicht beim HSV. Offiziell jedenfalls. Wer weiß schon, wie es innen bei den Spielern und den Verantwortlichen aussieht? Rafael van der Vaart sagt über die E-Chancen des HSV: „Es ist natürlich schwer, aber wenn es noch eine kleine Chance gibt, dann muss man dafür alles geben.“ Dann zieht der Niederländer schon mal ein kleines Vorab-Resümee: „Man darf, das habe ich immer gesagt, nicht vergessen, woher wir gekommen sind – wir waren ein Abstiegskandidat. Und dann sind wir nach oben gekommen, im Moment sind wir auf Platz sieben, damit wären wir vorher zufrieden gewesen. Im Moment aber sind wir enttäuscht, dass wir die Chance Europa League nicht, noch nicht genutzt haben, aber vielleicht wird das ja doch noch was . . . Und wenn wir es dann doch noch schaffen sollten, dann wäre es auf jeden Fall eine Super-Leistung von jedem.“

Für Thorsten Fink stehen die beiden noch zu spielenden Bundesliga-Partien im Moment noch eindeutig im Vordergrund, sodass er sich nicht so gerne mit der neuen Saison beschäftigen möchte. Ein Schlussstrich soll beim HSV erst nach dem Leverkusen-Spiel gezogen werden. Bis dahin halten sich Trainer, Sportchef Frank Arnesen und der Vorstand um Carl-Edgar Jarchow noch vornehm zurück. Immerhin verriet aber Fink schon mal (heute), wie und wo er sich Verstärkungen vorstellt: „In allen Mannschaftsteilen brauchen wir Verstärkungen, Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Das ist nicht viel. Wobei wir ja für das Mittelfeld schon etwas getan haben, indem wir zwei junge Leute verpflichtet haben.“ Über Bojan Krkic, der nun überall gehandelt wird (als HSV-Neuzugang), wollte der Coach nichts sagen: „Ich habe mir im Moment keine Gedanken über diesen Spieler gemacht. Ich möchte diese Saison erst abschließen, bevor ich mich über Spieler unterhalten werde, die eventuell überhaupt was weiß ich ein Thema sein könnten.“ Oha, das war schwer, da noch gerade und soeben die Kurve zu bekommen – aber geschafft. Irgendwie kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass da in der Sache mit Krkic doch etwas dran ist – für den HSV.

Abwarten. Mehr bleibt im Moment ja nicht. Am heutigen Training hat wieder Marcell Jansen teilgenommen, und zwar so wie immer – er war gut. Dennis Aogo hat wegen seiner Kapselverletzung noch gefehlt, ebenso Michael Mancienne, der wohl in dieser Saison keinen Einsatz mehr haben wird.

Nach dem offiziellen Vormittags-Training fand heute noch eine ganz besondere Veranstaltung statt:

Auf dem Kunstrasenplatz an der Imtech Arena trainierte an diesem Dienstag nach den Profis des Hamburger Sport-Vereins eine Straßenfußballmannschaft im Rahmen der Initiative Anstoß! e.V., die vom Hamburger Weg und seinem Unternehmenspartner Care-Energy unterstützt wird. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart gab nicht nur Tipps für ein erfolgreiches Fußballspiel, sondern überreichte den Straßenfußballern darüber hinaus zusammen mit Martin Richard Kristek, CEO der mk-group Holding GmbH „Care-Energy”, einen Satz Trikots für die Deutschen Meisterschaften am 7. und 8. Juni in Lübeck. Hier haben einzelne Spieler aus dem Team die Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaften des Homeless World Cup in Polen zu qualifizieren.

Kristek: „Es freut mich persönlich sehr, mit unserem sozialen Engagement, für das das Haus Care-Energy bekannt ist, Menschen helfen zu können. Dies zeigt einmal mehr, dass es unsere Verpflichtung als Energieversorger ist, sozialverantwortlich zu agieren.”

Anstoß! e.V. ist ein im Jahr 2007 gegründeter Verein, der über den Sport soziale Integration geltend machen möchte. Zielgruppe der Aktivitäten, zu der auch der Straßenfußball für Obdachlose zählt, sind arme und sozial ausgegrenzte Menschen.

„Sport verbindet und bietet gerade jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Energien positiv umzusetzen und einen respektvollen Umgang miteinander zu lernen. Ich finde es toll, dass über den Fußball unterschiedlichste Menschen zusammen finden und drücke ‚meinem’ Team in Lübeck ganz fest die Daumen. Denn bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein ist das Beste, was einem als Fußballer passieren kann”, so Rafael van der Vaart.

So, ich komme zum Schluss. Bevor ich mich jedoch verabschiede, muss ich noch einmal ein herzliches Dankeschön loswerden. Jetzt, wo die Saison dem Ende zugeht, nehmen die Mails, sms, Anrufe und Leserbriefe an mich persönlich und privat noch einmal zu. Danke. Aus gegebenem Anlass muss ich aber noch einmal sagen, dass es mir unmöglich, allen Menschen, die mir schreiben, zu antworten. Dann müsste mein Tag 43 Stunden haben – und mehr. Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich hier stets mal einen Brief, und das möchte ich auch heute machen. Der Absender, der mir namentlich natürlich nicht bekannt ist (das ist meistens so!), geht sehr kritisch mit mir um, aber da nicht gepöbelt oder unterhalb der Gürtellinie operiert wird, kann ich damit leben. Der Manns schreibt:

„Hallo Dieter,

einen schönen Blog haben Sie, ist es Ihre private persönliche Meinung die Sie äußern oder die des Hamburger-Abendblattes? Ich lese gerne Ihre Kommentare und Neuigkeiten über den HSV, doch in letzter Zeit gehe ich mit Ihnen nicht mehr konform!

Zu meiner Person: ich bin 45 Jahre alt, komme aus der Nähe von Wentorf und bin seit meiner Kindheit HSV-Fan! Behaupte ich kenne mich aus, jedoch fehlen mir die Internas ;) )!

Nun, Ihre Meinung (vor allem nach dem Wolfsburgspiel) ist, diese Saison war enttäuschend! Der HSV hätte die Europaleague erreichen müssen! Das heißt für mich, Ihre Erwartungshaltung ist zu groß, – ist es Ihre persönliche? Ich persönlich bin der Meinung es geht aufwärts!

Zu Beginn der Saison 2012/13 schreiben Sie und sind der Meinung, dass der HSV absteigt! Gar nicht einen einstelligen Platz erreichen würde, dann im Verlauf ändern Sie Ihre Meinung es wird ein einstelliger Platz, dann wiederum, sprechen Sie von Europa usw.! Sie als fast Insider finde ich es schade, dass Sie so negativ über den HSV in der letzten Zeit berichten! Es ist ein einstelliger Tabellenplatz ausgegeben worden! Den erreichen wir und ist die Saison deshalb schlecht? Es ist nur realistisch gewesen! Sicherlich wäre es schön, Europa zu erreichen!!! Aber ich könnte mir gut vorstellen, selbst das würde nicht reichen auch dann würde bzw. wird es heißen hier und da haben wir Punkte liegen gelassen und hätten in der Championsleague spielen können bzw. immerhin Europa, diese Saison war mehr drin!

Immer nur negativ! Warum?! Seit 2003 haben wir bis 2009 oder 2010 immer international gespielt! Nun erfolgte der Umbruch! Sie sagten selber, dem HSV Zeit geben! Geben Sie ihm Zeit? Es wird immer so weiter gehen! Die Erwartung stimmt in Hamburg nicht mehr! Aber warum? Wenn Sie mehr wollen, werden Sie doch Bayern-Fan!
Klar ist noch nicht alles super! Aber jetzt kann es schon für die neue Saison losgehen! Wissen Sie wie die internen Verträge aussehen? Warum sind beim HSV immer so viele verletzt? Lassen wir uns überraschen was die neue Saison bringt! Vielleicht das Ausscheiden in der 3. Runde des DFB-Pokals ;) )! Wieder negativ oder?!!

Nur der HSV 1887“

Dazu möchte ich sagen: Ich habe zuletzt auch immer wieder Meinungen gehört und gelesen, die genau gegenteiliger Meinung sind. Die User haben mir immer wieder unterstellt, dass ich zu lieb mit dem HSV umgehe, umgegangen bin. Ich enthalte mich da einer Beurteilung, weil ich längst schon durch meinen Job gelernt habe, dass ich es nicht allen Leuten recht machen kann. Dem „1887“ aber möchte ich nur mal einen Ausschnitt aus meinem Wolfsburg-Spielbericht zu lesen geben – ob das dann wirklich so negativ war, was ich da über den HSV geschrieben habe.

Dass der HSV in dieser Saison absteigt, habe ich bestimmt nie geschrieben, dass ich Angst vor einem Abstieg hatte, das sehr wohl, das gebe ich auch zu. Nur was war daran verwerflich? Nach der vorangegangenen Saison, in der der HSV dem „Tod“ (in der Bundesliga) noch gerade von der Schippe gesprungen ist?

Herr „1887“, lesen Sie doch bitte nur einen Ausschnitt nach dem Wolfsburg-Spiel, es stand da im ersten Absatz zu lesen:

„ . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.“

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt. Am Donnerstag wird dann der freie Tag, den es in dieser Woche noch nicht gab, „nachgeholt“. Thorsten Fink: „Einige Trainer machen das so, dass sie den freien Tag in die Mitte der Woche legen, und ich habe jetzt am Ende der Saison das Gefühl, dass es der Mannschaft mal gut tun könnte, so zwei Tage vor dem Spiel mal einen Tag Pause zu haben. Der Hermann Gerland hat das früher immer so gemacht.“ Und wir werden es beobachten. Vielleicht tut es der Mannschaft ja tatsächlich mal gut, den Rhythmus zu wechseln.

PSPS: Auch an diesem Sonnabend sind wir wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, wieder aus dem Block House in Eidelstedt, unser Gast wird dann der ehemalige Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Sportchef und langjähriger DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sein. Wir freuen uns sehr auf diesen großartigen Interview-Partner.

18.03 Uhr

Hrubesch und Jahn: In der HSV-Nachwuchsarbeit fehlt es an Ehrlichkeit und Kompetenz

22. März 2013

Nichts. Kein Spieler, kein Funktionär, kein Training – beim HSV passiert aktuell nichts. 15 Akteure schnüren ihre Fußballschuhe für ihr jeweiliges Land – der Rest macht frei. Michael Schröder nicht. Der muss arbeiten. Und das nicht zu knapp. Der neue Nachwuchsleiter tritt ein hartes Erbe an. Und dafür bedarf es eigentlich Tage, die 25 Stunden haben. Und er braucht Hilfe von außen, von Leuten, die in diesem Bereich lange arbeiten und die Hamburg kennen. So einer wäre Horst Hrubesch. Das HSV-Idol der Achtzigerjahre war am Montag zu Gast in Hamburg. Einige Blogger waren beim Oddset-Talk mit dem Hamburger Fußballverband und Dieter Matz auch dabei. Und die meisten haben sich immer wieder gefragt: Warum hat er HSV nie versucht, Horst Hrubesch zum HSV zu lotsen? Zumindest habe ich mir und den HSV-Verantwortlichen genau diese Frage schon des Öfteren gestellt.

Immerhin verfügt Hrubesch, der von 1978 bis 1983 beim HSV spielte und Torschützenkönig („Banane Manni – ich Kopf – Tor“) der Saison 1981/1982 wurde, arbeitet mit einer Unterbrechung seit 1998 für den Juniorenbereich des DFB. Die kurze Ära als Co-Trainer von Erich Ribbeck bei der EM 2000 lasse ich mal unerwähnt… Egal wie, auf jeden Fall aber ist Hrubesch seit nunmehr fast 15 Jahren als Angestellter des DFB für den bundesdeutschen Nachwuchs zuständig. Hrubesch war dabei, als der DFB zusammen mit der DFL 2000 das neue Jugendkonzept (Verpflichtung der Bundesligisten zur Errichtung von Leistungszentren sowie Gründung der bundesweiten DFB-Stützpunkte) verabschiedete. Und er ist beim HSV noch immer sehr nah. Obgleich es ihm nicht leicht gemacht wird.

Was im ersten Moment parteiisch aufgeschrieben wirkt, ist tatsächlich meine Überzeugung. Und die habe ich in nunmehr dutzenden Gesprächen mit den verschiedenen Verantwortlichen, von dem viel zu früh verstorbenen Werner Hackmann, Holger Hieronymus, über Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer bis zum heutigen Klubboss Carl Jarchow samt Frank Arnesen gewonnen. Alle wie sie da waren und noch immer sind, haben die Sinnhaftigkeit erkannt, mit ehemaligen Größen den Nachwuchsbereich qualitativ anzuheben. Nur erkennbar gemacht hat bislang keiner was. Oder besser: es wurde zu wenig gemacht. Horst Hrubesch beispielsweise wurde nur einmal um Rat gebeten. „Dietmar Beiersdorfer hat mich mal gefragt, ob ich dem HSV helfen würde. Ich habe natürlich ja gesagt und wir haben gesprochen.“ Allerdings genau einmal. Ansonsten gab es nur losen Kontakt. Ausgenommen diesen einen Anruf von Hoffmann vor den Halbfinals in der Europa League, über den Hrubesch heute lieber nicht mehr sprechen will…

Nein, als Übergangslösung ist Hrubesch nicht zu haben. Im Gegenteil. Das einstige Kopfballungeheuer setzt auf Konstanz, hofft genau darauf auch bei seinem HSV. „Es ist nicht wichtig, ob ich da bin oder jemand anders“, sagt Hrubesch, „es zählt nur, dass der Verein eine einheitliche Philosophie vertritt. So, wie es am Anfang der Saison 2011/2012 wirkte. Von Oenning bis hin zu Fink setzte der Verein auf junge Trainer und junge Spieler.“ Ein Umstand, der ebenso aus der Not heraus geboren war, wie er Hrubesch gefiel. „Es wirkte einheitlich und klar. Aber diesen Weg muss man klarer gehen, der muss deutlicher erkennbar werden.“ Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek passten da nicht sofort ins Bild, das sich weiter verziehen könnte. Hrubesch: „Jetzt muss der HSV zu Bayern und hat danach auch noch einige unangenehme Aufgaben vor sich. Welchen Weg geht der HSV, wenn er sich nicht international qualifiziert?“

Horst Hrubesch macht sich Sorgen. Das bundesweit kolportierte Bild vom HSV („Ich beurteile das natürlich nur als Außenstehender“) gefällt ihm nicht. Gerade das Thema Nachwuchsarbeit, sein Steckenpferd, bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich frage mich oft: Was passt da überhaupt?“ Insbesondere der Fall Levin Öztunali habe ihn wieder aus allen Wolken gerissen. „Dass der Junge ein richtig Guter ist, war lange vorher bekannt. Trotzdem hat sich der HSV erst spät bemüht. Dass der Spieler dann aber, wo sein Vertrag am Saisonende ausläuft, für einen anderen Club entscheidet, halte ich für völlig legitim. Nicht aber, ihn fortan vom Spielbetrieb auszuschließen. Da verstehe ich Uwe, dass er sauer wird. Mit dieser Art habe ich auch ein Problem. Welches Elternteil vertraut diesem Verein – bei der heutzutage so großen Konkurrenz – denn seinen Jungen an, wenn so etwas passiert? Da herrscht einfach kein Vertrauen. Da fehlt mir Ehrlichkeit.“

Die Vertrauensbasis zerstört ist auch zwischen dem HSV und dem Hamburger Fußballverband. Vor knapp zwei Jahren hatte sich der HSV von der Abstellung seiner Spieler für das Verbandstraining losgesagt – und war damit auf Konfrontationskurs mit Verbandstrainer Uwe Jahn gegangen. „Ich habe viel unternommen, Gespräche gesucht und geführt – alles erfolglos. Jetzt führe ich keine Gespräche mehr, sofern der HSV kein Interesse daran annonciert.“ Einzig mit einigen Trainern aus dem HSV-Nachwuchsbereich habe sich das Verhältnis normalisiert, dort würden Spieler das Verbandstraining besuchen dürfen. „Aber ansonsten verhält sich der HSV äußerst ungeschickt“, so Jahn, der vor allem mangelnde Kompetenz beim HSV ausgemacht hat. „Mir fehlt bei den handelnden Personen die Kompetenz und vor allem die Kenntnis, bei den Jugendlichen Prognosen zu stellen.“ Umso bitterer sei es, dass sich der HSV durch sein Abkanzeln auch die Hilfe der Verbandstrainer nimmt. „Die Ausbildung ist lückenhaft. Mentale Ausbildung kaum gegeben“, kritisiert Jahn Dinge, die inzwischen allseits bekannt sind. Dabei sieht sich der HSV doch korrekterweise als Wirtschaftsunternehmen. Er handelt nur nicht danach. Denn in jedem größeren Unternehmen würde eine Analyse der Schwachstellen vorgenommen und dort investiert, wo die Prognose am besten ist.“ Insofern wundere es ihn nicht, dass der HSV seinen Nachwuchsetat weiter zusammenkürzt. „Und das in einer finanziell derart angespannten Phase, wo der HSV quasi verpflichtet ist, insbesondere diesen Bereich zu stärken.“

Von Außenstehenden ist tatsächlich nur sehr wenig Gutes zu hören über den HSV-Nachwuchs. Und auch ehemalige Mitarbeiter sprechen von eher wachsenden Problemen. Die Hoffnung, dass Michael Schröder diesen Problemberg beheben kann, ist bei vielen nur gering. Und das weniger, weil man es dem Ex-Profi nicht zutraut. Jahn: „Nein, beim HSV fehlt eine klare Philosophie, die vom Präsidenten oder in diesem Fall vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt und ausgegeben wird. Und vor allem muss der Club zu dieser Philosophie stehen. Und das ist nicht der Fall. Wie sonst ist es zu erklären, dass seit Jahren aus Hamburg kaum mehr was kommt? Aktuell haben wir noch Jonathan Tah in der U17, der beim HSV spielt. Anschließend wird es in den Nationalmannschaften aber schon sehr dünn.“ Dass dies zu Zeiten Beiersdorfer/Hoffmann anders war, will Hrubesch nicht gelten lassen. „Damals hat man sich die Talente aus Berlin geholt, eingekauft. Aber ausgebildet wurden die nie in Hamburg. Der HSV hat es nicht geschafft, Spieler wie Sam, Beister, Ben-Hatira, Torun und Schahin auszubilden. Das mussten sich die Spieler alle woanders holen.“ Wenn er eine Frage frei hätte, was er die HSV-Verantwortlichen fragen würde: „Ganz einfach, ich würde fragen, was der HSV vorhat und wie er das erreichen will…“

Eigentlich wollte ich heute Michael Schröder zu all diesen Punkten befragen. Immerhin hat er eine faire Chance absolut verdient. Und wer weiß, vielleicht hat der sympathische Ex-HSV-Profi ja genau diese Baustellen auf dem Zettel und sucht nach Lösungen. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Leider konnte ich ihn nicht erreichen. Aber das werde ich nachholen. Ganz klar. Zum einen, um die Berichterstattung zu einem derart wichtigen Thema wie der Nachwuchsarbeit nicht einseitig werden zu lassen. Zum anderen aber, weil ich die Hoffnung (so naiv das sein mag) einfach nicht aufgeben will, dass die seit etlichen Jahren bekannten Probleme irgendwann auch beim HSV angegangen werden. Ob mit oder ohne Hrubesch, das ist mir dabei fast egal. Es geht um die Sache. Ich habe es nur satt, dass alle immer alle Probleme erkennen – aber niemand etwas dagegen unternimmt. Der HSV muss endlich einen starken Mann in den Vorstand holen, der die Nachwuchsarbeit zur Chefsache erklärt und der die Nachwuchsphilosophie vorgibt und vorlebt. Einen, der den Weg konsequent durchsetzt und dabei die nötige Zeit und vor allem die nötige Rückendeckung im Vorstand hat. Es wäre ein Anfang – auch, wenn das nur der erste Schritt von vielen wäre…

So, damit schließe ich den ‚Dreiteiler Nachwuchsarbeit’ und übergebe an Dieter, der morgen wieder für Euch da ist. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir in den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gezeigt bekommen, wie schön es aussehen kann, wenn Talente optimal gefördert werden…

In diesem Sinne, schönes Wochenende,
Scholle

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