Archiv für das Tag 'Hieronymus'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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Wohin mit van der Vaart?

26. November 2014

Klarer Fall: Das war ein Punktsieg für die Jungs aus der U 23 heute beim Training. Es war, da sind sich alle Trainingszuschauer einig gewesen, der erste echte eisige Tag in diesem Herbst. Morgens mussten die Besucher eine dreiviertel Stunde ausharren, ehe das kurze Training draußen auf dem Platz begonnen hat. Nachmittags dann bat Joe Zinnbauer etwa 90 Minuten zum Tanz mit dem Ball. Und bei der abschließenden Spielform schließlich zeigte es sich endgültig – drei U-23-Spieler trainierten nur mit kurzer Hose (Ronny Marcos, Ashton Götz und Mohamed Gouaida), aber nur zwei Profis (Dennis Diekmeier und Lewis Holtby).

Abgesehen von diesem hochbrisanten Umstand scheint Joe Zinnbauer das Training sehr gut gefallen zu haben. Zum Abschluss klatschte er zufrieden in die Runden und schmetterte den Kickers ein „Gutes Training heute!“ entgegen. Das sollte dann das richtige Signal sein fürs schwere Auswärtsspiel am Sonnabend beim FC Augsburg, auf das es aufstellungstechnisch heute noch keine Rückschlüsse gab. Bleibt Gouaida im Team? Bleibt van der Vaart vor der Abwehr? Antworten, wenn sie es denn überhaupt geben wird vor dem Anpfiff in drei Tagen, gab es heute ganz sicher nicht.

Rafael van der Vaart ist der teuerste Spieler des HSV. Er verdient am meisten. Er ist der Kapitän. Und: Er spaltet die Fan-Gemeinde. Die einen sehen in ihm immer noch das Potential und die spielerischen Fähigkeiten von einst, die aktuell allerdings nur sporadisch aufblitzen, andere vermuten in dem 31 Jahre alten Niederländer ein Auslaufmodell. Ich muss bei van der Vaarts Entwicklung zurück denken an eine andere Rückholaktion, die damals für viel Begeisterung gesorgt, im Endeffekt aber nicht die gewünschte Wirkung hatte.


Im Juli 2001 hat der HSV einen bis dahin in dieser Größenordnung nicht gekannten Transfer getätigt. Für 10 Millionen Mark kam Jörg Albertz von den Glasgow Rangers nach Hamburg zurück. Der damalige Sportchef Holger Hieronymus wusste, dass er für „Ali“ wohl ein paar Groschen zu viel überwiesen hat. Denn Albertz, dieser gewaltige Linksfuß, der damals 30 Jahre alt war, hatte seine beste Zeit hinter sich. Von 1996 bis 2001 kickte er in Schottland. Drei Mal stand der gebürtige Mönchengladbacher für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Rasen.

Trotz der Zweifel: Ein neuer Leader musste her. Der HSV, unter Frank Pagesldorf in der Saison zuvor glorreich in die Champions League eingezogen, war schneller auf dem Boden angekommen als geahnt. Nach dem 4:4 gegen Juventus kam nicht mehr viel. Das Team schied im UEFA-Pokal gegen den AS Rom aus und war chancenlos. Außerdem langte es in der Bundesliga nur zu Rang 13. Jörg Albertz wurde kurzerhand zum Hoffnungsträger. Mit viel Jubel und unter großem Brimborium am Hamburger Flughafen begrüßt, war er der Heilsbringer.

Die ersten Eindrücke im Training waren respektabel. Coach Pagelsdorf setzte im Trainingslager im österreichischen Leogang Torschuss-Training an. Eine Übung, wie gemalt für Albertz. Der Ball wurde kurz abgelegt – und dann Feuer frei. Keeper Martin Pieckenhagen flogen die Bälle um die Ohren. War er mal dran, brannten die Fäuste. An Schussgewalt hatte Albertz schon mal nichts eingebüßt.

Dann das erste Heimspiel im Stadion. Gegner war der VfB Stuttgart. Die Partie endete 2:0. Matchwinner: Der Rückkehrer aus Glasgow. Ein Tor geschossen, eins vorbereitet. Großer Jubel um Albertz, Holger Hieronymus hatte alles richtig gemacht.

Wie wir inzwischen wissen, hielt die Initialzündung Albertz am Ende nicht, was sich viele versprochen hatten. Der Schachzug, mit einer Schlüsselfigur den ganzen Laden nach vorn zu bringen, ging nicht auf. Mitten in der Saison wurde Trainer Pagelsdorf entlassen, wenige Monate später folgte Sportchef Hieronymus. Albertz selbst brachte es in den zwei Saisons auf 28 Bundesligaspiele und sechs Tore, er wurde später von Pagelsdorf-Nachfolger Kurt Jara aussortiert.

Parallelen zum Jahr 2012 und der Rückholaktion von Rafael van der Vaart sind unverkennbar. Vor gut zwei Jahren mangelte es nicht an mahnenden Stimmen, die auch an Albertz erinnerten. Aber van der Vaart war ein HSV-Held zwischen 2005 und 2008. Dann ging er in die große Fußball-Welt, wurde spanischer Supercupsieger mit Real Madrid und erzielte in zwei Saisons bei Tottenham Hotspur 24 Tore. In Südafrika war Rafael van der Vaart Vize-Weltmeister geworden. Sein Marktwert kletterte zwischenzeitlich auf 26 Millionen Euro. Und weil der HSV vor gut zwei Jahren mal wieder mächtig unter Druck war, starteten die Verantwortlichen – am Ende mit Erfolg – den Rückkauf des „kleinen Engels“.

14,5 Millionen Euro flossen in die englische Hauptstadt. Klaus-Michael Kühne gewährte dem Verein ein Darlehen von 13 Millionen, ansonsten wäre der Transfer nicht zu wuppen gewesen. Als van der Vaart nach tagelangem Transfer-Gerangel vor der Buseinfahrt der HSV-Arena vorgefahren wurde, brandete auch hier Riesen-Jubel auf. „Van-der-Vaart“-Sprechchöre mitten in der Woche an einem stinknormalen Arbeitstag. Der Held von einst sollte dem Dino, zuvor auf Platz 15 gestrandet, reanimieren. Warnungen, der Club könnte sich an den Rückzahlungen des Kredits an Kühne überheben, wurden zur Kenntnis genommen, aber im Abwägen mit den sportlichen Chancen für zweitrangig befunden. Dann sein erstes Heimspiel – es wurde ein berauschendes 3:2 gegen Borussia Dortmund. Man of the match: Rafael van der Vaart mit zwei prächtigen Assists. In dieser Saison sammelte sich der HSV und wurde Siebter. So weit, so gut.

Heute mehren sich die Stimmen, die Rafael van der Vaart möglichst eher sofort als später abschieben würden. Tatsächlich weisen seine persönlichen Daten nach unten. In seiner besten HSV-Saison 2007/08 hatte er noch 22 Scorerpunkte. Nach seiner Rückkehr zunächst 15, dann 16. Aktuell – durch den verwandelten Elfmeter aus dem Leverkusen-Spiel – gerade einen einzigen. Das ganze spielt sich noch auf einem anderen Niveau, auf einem höheren, ab als bei Jörg Albertz. Weil dem damals die Spritzigkeit fehlte, seinen gefürchteten Schuss einzusetzen, blieb nahezu sein komplettes Spiel harmlos. Aber ähnlich ist es bei van der Vaart doch: die Fertigkeiten mit dem Ball sind da, aber er schafft es nicht, sich in entscheidenden Positionen auf dem Rasen in vielversprechende Abschlussaktionen zu bringen. Seine 33 Torschussbeteiligungen in sieben Partien dieser Spielzeit gingen überwiegend auf das Konto von geschlagenen Ecken oder Freistößen – also ruhenden Bällen. Aus dem Spiel heraus kommt, so scheint es, immer weniger.

Und doch hat van der Vaart – und das ist der Ansatz für diese Worte – am Sonntag sein persönlich bestes Spiel gemacht in dieser Saison. Und zwar auf ungewohnter Position als Ballverteiler vor der Abwehr. Ein klassischer Abräumer auf der sechs wie Valon Behrami wird van der Vaart dabei ganz sicher nicht werden. Doch: je weiter van der Vaart auf dem Spielfeld nach hinten geht, desto mehr Räume hat er, die er ganz eindeutig braucht, um kluge Pässe zu spielen. Van der Vaarts große Stärke war es nur zum Teil, mit blitzgescheiten Zuspielen im Strafraum des Gegners für Gefahr zu sorgen. Der tödliche Pass war nie sein ganz großes Markenzeichen. Das war eher seine Torgefahr und seine bestechende Ballsicherheit. Und gerade dies hat Zinnbauer gegen einen extrem defensiv ausgerichteten Gegner wie Werder Bremen zu nutzen versucht. Das besonders gegen tief stehende Mannschaften geforderte ruhige Verteilen auf die Flügel oder zu den offensiveren Mittelfeldspielern – diese Aufgabe ist van der Vaart zumindest für dieses eine Spiel gut gelungen.

Wie oft haben wir in den vergangenen Monaten Spiele erlebt, wo der HSV sich an tief stehenden Gegnern die Zähne ausbiss? Wo den Profis nichts einfiel außer Ballgeschiebe und sich ihre Unsicherheit langsam aufs Publikum übertrug und am Ende ein Grottenkick herauskam. Mit der Variante wie gegen Bremen hat Joe Zinnbauer zumindest für solche Partien einen Lösungsansatz gefunden. Eine Variante für Augsburg wäre es auch allemal, zumal der FCA keine Mannschaft ist, die auf hohen Ballbesitz aus ist und den HSV um dessen Strafraum einschnüren wollte.

Was heißt das nun aber für die Zukunft von van der Vaart in Hamburg? Sein Vertrag läuft aus, das ist klar. Er selbst hat sich unlängst in einem Interview in den Niederlanden zu seinem persönlichen Ziel bekannt, noch einmal in Italien zu spielen. Soweit deutet also alles auf Abschied hin. Und ehrlich gesagt fällt es schwer, Szenarien zu entwerfen, in denen der Kapitän unbedingt an der Elbe gehalten werden müsste. Na klar, er müsste auf sie Hälfte seines bisherigen Gehalts verzichten (aktuell etwa 3,5 Millionen Euro jährlich), mehr als ein Einjahresvertrag plus Option käme ohnehin nicht infrage. Und dann müsste er sich auf einer Position, und da sehe ich allenfalls die Werder-Position, als Leistungsträger erweisen, der von keinem Arslan oder Demirbay ersetzt werden könnte. Im Moment ist der Star des Teams weit entfernt davon, auch nur entsprechende Gedanken bei den HSV-Verantwortlichen aufkommen zu lassen. Aber diese Saison ist noch lang, und mangelt es an Alternativ-Angeboten und stabilisiert sich die Mannschaft, könnte es zu früh sein, van der Vaart abzuschreiben.

Generell ist in der Führungsetage des HSV natürlich klar: Im kommenden Sommer kommt der große Schnitt. Es war schon Tenor des ablaufenden Jahres, dass mit den aktuellen Leistungsträgern kein Neuanfang gestartet werden kann. Das betrifft insbesondere jahrelange Kern-Figuren wie Marcell Jansen, Heiko Westermann und eben van der Vaart. Vor allem van der Vaart steht für eine recht lange zurückliegende, erfolgreiche HSV-Zeit. Ich meine nicht die beiden Europapokal-Halbfinals, die Marcell Jansen miterlebt hat. Sondern die Champions-League-Zeit unter Trainer Thomas Doll, in der der HSV den besten, attraktivsten und erfolgreichsten Fußball der vergangenen 25 Jahre gespielt hat. Da hatte van der Vaart bessere Mitspieler, ohne Frage, aber er war auch selbst besser.

Nun hat er es selbst in der Hand, nach umjubelter Begrüßung 2012 auch ein würdiges Ende zu erspielen. Den Bonus des teuersten Spielers der Vereins-Geschichte besitzt er nicht mehr. Aber ein großer Fußballer ist er so oder so, der mit den beiden teuersten Spieler der Geschichte, Ronaldo und Gareth Bale, zusammen gespielt hat. Vielleicht sehen wir sein Können ja noch mal öfter aufblitzen als in den vergangenen Monaten.

Zum Abschluss möchte ich jetzt schon einmal auf eine spannende Reportage im NDR-Fernsehen hinweisen. Am kommenden Sonntag um 23.35 Uhr läuft im Dritten ein Film mit dem Titel „Flucht aus der Kurve“. Inka Blumensaat beschäftigt sich mit ausgestiegenen Fußball-Fans – was den HSV angeht also denjenigen, die nach der Ausgliederung der Profi-Fußballer in eine AG dem Verein den Rücken gekehrt haben und mit anderen Projekten, zum Beispiel dem HFC Falke, etwas Neues wagen. Auch andere Vereine und Fans werden begleitet – sehr spannend und bestimmt sehenswert.

Morgen trainieren die Profis wieder einmal, um 15 Uhr.

Lars
18.42 Uhr

Ein bisschen Rieckhoff, ein bisschen Hieronymus – und einige neue Gerüchte

17. November 2014

Oh Mann, was für ein zäher Tag. Kein Training, keine Spieler erreichbar, die Offiziellen nicht im Haus. Und das keine sieben Tage vor einem Nordderby. Ach was, vor DEM Nordderby gegen Werder Bremen immerhin. Erst morgen um zehn Uhr geht es weiter. Noch ohne die Nationalspieler, die sich heute via Twitter von ihren verschiedenen Länderspielstationen meldeten. Apropos Meldung, eine davon wurde mir just von meinem Blog-Freund Leon Heinemann zugespielt. Demnach soll im Winter das 18-jährige Sturmtalent Batuhan Altintas zum HSV wechseln. Nach Drmic und dem jungen Schweizer ist das bereits der dritte Name, der mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Zumindest berichtet das der türkische Radiosender „Lig Radyo“. Demnach soll sich der HSV mit Altintas’ abgebendem Klub Bursaspor auf den Wechsel verständigt haben – was durchaus Sinn ergeben würde. Denn der Verein selbst hat den Youngster wettbewerbsübergreifend bis Juni 2015 gesperrt. Der junge Mittelstürmer soll im Sommer Vertragsverhandlungen (Vertrag läuft im Sommer 2015 aus) platzen lassen haben und seither in Ungnade gefallen sein. Totes Kapital also für den türkischen Erstligisten – es sei denn, er wird noch vor seinem Vertragsende verkauft. Bei einem Marktwert von knapp 400000 Euro ein machbares Geschäft für den HSV – sofern der eine oder andere hier nicht mehr gebrauchte Spieler abgegeben werden kann.

Allerdings ist das so genannte „Tote Kapital“ etwas, was man beim HSV nur zu gut kennt. Leider. Monat für Monat überweisen die hiesigen Verantwortlichen Funktionären Millionen von Euro, obwohl diese schon lange nicht mehr tätig sind. Und in dieser Woche will man sich von wenigstens zweien dieser Angestellten endgültig trennen. Am Donnerstag hat der HSV seinen Schlichtungsgespräch in Sachen Mirko Slomka, am Freitag den Arbeitsgerichtstermin mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Beide waren telefonisch nicht zu erreichen, was eigentlich auch nur logisch ist. Dennoch dürften diese beiden Termine unmittelbar vor dem Nordderby noch mal interessant werden. Zumindest dann, wenn man sich – wie erwartet wird – nicht sofort einigen kann.

Interessant und täglich neu befeuert wird auch das Thema Präsident im e.V., der im Januar gewählt werden soll. Zuletzt wurden hier Carl Jarchow und Oliver Scheel als potenzielle Kandidaten geführt, ehe auch Otto Rieckhoffs Name genannt wurde. Zwar weniger vom bestimmenden Beirat, dafür aber von einer Entourage, die schon ziemlich weit gediehen ist. Den Schatzmeister und seinen Vizepräsidenten bringt der einstige Kopf der HSV-Plus-Bewegung gleich mit. FussballRieckhoff soll sich sein Team bereits zusammengestellt haben. Und zwar namentlich mit dem Vorzeige-Fan Axel Formeseyn sowie dem Unternehmer Dr. Konstantin Rogalla (HSV-Realos). Allein im Beirat wurde der Name Rieckhoff bislang eher beiläufig genannt. Gefragt wurde Rieckhoff noch nicht nach seiner Bereitschaft. Zwei Monate vor der wichtigen Mitgliederversammlung sicher kein Grund für den einstigen Aufsichstratsboss, nervös zu werden.

Im Gegenteil, Rieckhoff selbst lässt alles auf sich zukommen und will sich selbst gar nicht äußern. „Das behalte ich auch so lange bei, wie ich es für nötig halte“, so Rieckhoff, der sich auch über die Vorwürfe nicht ärgert, er würde sein eigenes Versprechen brechen. „Sollen die anderen doch reden“, ist Rieckhoffs einziges Statement. Wobei Rieckhoff sehr wohl weiß, dass die anderen genau das tun. Der 63-Jährige hat sich in seiner Zeit als Werbeträger von HSV-Plus nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Selbst innerhalb der HSV-Plus-Bewegung gab es etliche Zerwürfnisse. Die einstigen 83-er-Helden, die auf Werbeveranstaltungen oft den Platz neben Rieckhoff einnahmen, stiegen mit der Wahl am 25. Mai geschlossen wieder aus.

Wobei einer von ihnen jetzt als Kandidat für den Posten des Präsidenten immer wieder genannt wird: Holger Hieronymus. Der ehemalige HSV-Sportchef und DFL-Geschäftsführer soll beim Beirat, der die zur Wahl stehenden Kandidaten letztlich zulässt, mehr als einen Befürworter haben. Fussball„Ich weiß davon nichts“, so Hieronymus heute, „und ich beschäftige mich mit dem Thema auch nicht unnötig.“ Ob er es sich anhören würde, wenn der Beirat an ihn herantritt. „Ich bin gut erzogen, von daher schon aus Respektsgründen ja. Zudem bin ich grundsätzlich an HSV-Themen immer interessiert. Aber ich kann auch sagen, dass es mir ohne Amt momentan auch sehr, sehr gut geht. Ich vermisse nichts – abgesehen vom sportlichen Erfolg des HSV.“

Und damit will ich den vereinspolitischen Sch… auch schon wieder zurücklegen. Nicht, weil er mich nicht interessiert. Nein, nur, weil ich weiß, dass das ganze Theater leider wieder früh genug und dann mit annehmbarer Sicherheit auch in Massen auf uns zukommt. Im Vorfeld der Strukturreform hat dies bei mir zu einem Overkill Vereinspolitik geführt. Ich bekam täglich neu vor Augen geführt, dass es in diesem Zusammenhang einen verschwinden geringen Anteil wirklich ehrlicher Kandidaten gibt, denen es ausschließlich um den Verein geht. Und diese Erfahrung hat meine Leidensfähigkeit mit dem HSV einst auf eine harte Probe gestellt. Und solche Phasen brauche ich nicht allzu oft…

Brauchen tue ich dagegen Fußball. Den ehrlichen Fußball auf dem Platz. Und der nimmt morgen mit der ersten Trainingseinheit in dieser Woche um 10 Uhr wieder Fahrt auf. Ich werde da sein und melde mich im Anschluss daran bei Euch. Mit Fußball. Viel Fußball hoffentlich…

Bis dahin!
Scholle

Jansen trifft zweimal für das A-Team!

8. November 2014

„Wir gewinnen! 2:0 für’n HSV, logisch. Ja ist doch logisch. Wer gegen Bayern 0:0 spielt, gegen Dortmund 1:0 gewinnt und gegen Leverkusen auch, der gewinnt doch auch in Wolfsburg. Vor Wolfsburg müssen wir nun wirklich keine Angst haben.“ Sagt wer? Das sagte mir heute vor dem Abschlusstraining im Volkspark „Helm-Peter“. Der Mann („Tschuldigung, da muss ich kurz mal dazwischen grätschen“) mit dem Bart. Und mit dem Fahrrad. Peter war einer von ganz wenigen Kiebitzen, die an diesem wunderbar sonnigen Tag den Weg zum HSV gefunden hatten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde trainiert, aber ein bisschen sehen kann man ja immer. Und festgestellt wurde schnell, dass Tolgay Arslan nicht mit von der Partie ist. Der „Pferdekuss“, den er sich im Training eingefangen hat, ließ heute kein Training zu – und morgen auch keinen Einsatz in Wolfsburg.

 

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

 

Ebenfalls fehlen wird an diesem Sonntag der ehemalige Wolfsburger Petr Jiracek, der an einer Fußprellung leidet und heute nur mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark lief. Ansonsten alles an Bord (natürlich bis auf Rene Adler und Maximilian Beister). Also auch Valon Behrami, der das gesamte Programm ohne Einschränkung absolvieren konnte.
Es wurde heute leicht und locker trainiert, nach der Aufwärmphase wurden Spielzüge über die Außen-Positionen geübt, in der Mitte wurde die jeweilige Spitze angespielt, der Ball dann nach außen weitergeleitet, Flanke – Tor. So sollte es jedenfalls im Normalfall aussehen, sah es natürlich nicht immer. Ist ja klar.

 

Nach dieser Übung ging es auf jenen Platz, der schlecht einsehbar ist – da spielte dann die A-Elf gegen das B-Team. Dieses Match ging über zwei Halbzeiten und dauerte 20 Minuten, die Stamm-Formation gewann durch zwei Treffer von Marcell Jansen 2:0. Und nach dem Spielchen applaudierte Trainer Joe Zinnbauer seinen Mannen und sparte auch nicht mit Lob: „Das war gut, Jungs, das war gut, das sah gut aus.“ Hoffentlich ernten die HSV-Profis auch morgen so viel Beifall. Apropos: Den erntete heute Artjoms Rudnevs bei der ersten Übung, als er eine Flanke knallhart und technisch super verwandelte. Da klatschten und lobten viele Mitspieler den Letten. Beifall gab es dazu auch für Pierre-Michel Lasogga, der auch einige Male sehr schön verwandelte.

 

Um Rudnevs gab es später noch einige Sorgen, denn der Lette war von Johan Djourou gefoult und zu Boden befördert worden. „Rudi“ humpelte danach einige Sekunden länger, hielt dann aber bis zum Schluss tapfer durch – um dann doch mit einem leicht schmerzverzerrtem Gesicht in die Kabine zu humpeln. Mal sehen, wie sich diese Verletzung noch am Abend „entwickelt“; kommen die Muskeln zur Ruhe (und werden kälter), könnte das durchaus noch richtig schmerzhaft werden. Das sah wie bei einem „Pferdekuss“ aus.

 

Kurz noch einmal zu Rudnevs. Beim „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche wurden wir ja (u. a.) gefragt, warum der gute „Rudi“ zuletzt zweimal nicht mal auf der Bank saß, also keine Berücksichtigung bei Trainer Joe Zinnbauer fand. Es soll so sein, dass Artjoms Rudnevs einfach nur schlechter als die Kollegen trainiert hat, dass er im Training große Abschlussschwächen offenbart hat, und dass er die Laufwege der Mannschaft noch nicht so „kapiert“ hat, wie die anderen Mitspieler. So langsam soll es „kommen“, heute allerdings war davon nicht allzu viel zu erkennen. Ich habe, das muss ich mal sagen, Rudnevs schon besser und effektiver gesehen und erlebt. Er könnte es sicher noch besser, als er es derzeit anbietet. Aber vielleicht wird es ja demnächst noch etwas – wo er doch so von seinen Fans über den Rasen getragen wird. Das muss doch mal auf fruchtbaren Boden fallen, diese Fan-Liebe.

 

Zum Abschluss des heutigen Trainings gab es dann „Feuer frei“. Es wurde nach Herzenslust geschossen, wer immer wollte, der durfte, und die drei Torhüter (Jaroslav Drobny, Alexander Brunst und Kevin Otremba) flogen nach allen Regeln der Torwart-Kunst, weil ihnen mitunter auch gleich zwei oder sogar drei Bälle um die Ohren sausten. Das sollte Spaß machen, und es machte allen offenbar viel Spaß. Da hatte jeder einmal oder auch mehrfach das Gefühl, es ja doch noch zu können. Wäre für morgen ja gar nicht so unwichtig, mal das eine oder andere Törchen zu erzielen. Bei bislang erst vier HSV-Buden . . .

 

Apropos vier Buden. So etwas wird es wohl nie wieder geben: Der HSV spielte am 3. März 2000 in Wolfsburg und „schaffte“ nach einem 4:1-Vorsprung nur ein 4:4. Das allein ist schon denkwürdig, aber dass es im selben Jahr, und zwar am 23. September, beim erneuten Aufeinandertreffen in der Autostadt erneut ein 4:4 gab, das ist für mich immer noch sensationell. Wie oft gibt es in der Bundesliga ein 4:4? Und dann gelingt dieses Resultat zweimal hintereinander. Das ist wie ein Sechser im Lotto. Und was würden die HSV-Fans dafür geben, wenn heutzutage mal wieder vier Tore für ihre Mannschaft fallen würden!

 

Nur mal so zur Erinnerung, weil es so schön war. Das erste 4:4 erreichte für den HSV folgende Spieler: Butt, Hoogma, Hertzsch, Panadic, Hollerbach, Kovac, Fischer, Cardoso (Ernst), Mahdavikia, Yeboah (Hashemian), Präger (Dembinski). Die Tore schossen Mahdavikia (zwei) und Cardoso (zwei). Das zweite 4:4 „erspielten“ folgende Herren: Butt, Fukal, Hoogma, Hertzsch, Hollerbach, Töfting (Sandmann), Kovac, Cardoso (Ketelaer), Mahdavikia, Barbarez, Präger (Kientz). Die HSV-Tore markierten Mahdavikia, Fukal, Cardoso und Präger, der heute ja wieder ein „Wolf“ ist. Trainer der ganzen Geschichte war Frank Pagelsdorf, der offenbar Gefallen an diesem Ergebnis hatte, denn zwischendurch gab es ja noch ein 4:4 – das legendäre gegen Juventus Turin (13. September).
Wie schön, ich muss es noch einmal sagen, wären mal wieder vier HSV-„Dinger“. Und wenn es morgen ein 4:4 geben sollte – auch damit könnte ich (jetzt noch) wunderbar leben.

 

Im Moment aber ist ja Tor-Armut angesagt. Was dann ja auch zu verkraften wäre, wenn es denn – wie in Dortmund und gegen Leverkusen – einen 1:0-Sieg geben würde. Oder auf jeden Fall keine Niederlage. Ich bin gespannt, wie sich die Mannschaft kämpferisch aus der Affäre ziehen wird. Ob sie sich wieder zu reinhängt, wie zuletzt gegen die Werks-Elf aus Leverkusen, oder ob sie „halblang“ macht – wie gegen die jetzt schwer kriselnden Berliner? Ich habe immer noch eine Aussage von
Rafael van der Vaart im Ohr, der nach dem Sieg gegen Bayer bei „Sky“ gesagt hat: „Es war nicht nur für mich persönlich eine Befreiung, sondern auch für die ganze Mannschaft. So zu kämpfen, war schon geil. Für uns war es wichtig, zu zeigen, dass wir hier die Chefs sind.“ In Wolfsburg sind sie morgen ganz sicher nicht die Chefs, aber kämpfen darf man auch als nur „kleiner Angestellter“. Denn sie alle, die „kleinen Angestellten“ haben eines gezeigt: das sie es können! Also, macht’s noch einmal, Jungs!

 

Der HSV wird morgen mit jener Formation antreten, die auch zuletzt gegen Leverkusen begann – und das ist ja auch etwas Besonderes. Zweimal in Folge mit demselben Team, das gab es lange nicht (wenn ich richtig erinnere) – und zwei Siege hintereinander erst recht nicht. Morgen würde sich mal wieder die Chance dazu bieten – also fangt damit an!

 

Von Erfolg zu Erfolg eilen derweil die Regionalliga-Spieler des HSV, die ihr schweres Auswärtsspiel am Freitag in Havelse mit 2:1 gewannen. Es ist ein unglaublicher Lauf, den diese Talente da hinlegen, 16 Spiele, 14 Siege, zwei Unentschieden zu Hause, 52:11 Tore, 44 Punkte! Sensationell! Die Tore an diesem Freitag schossen Matti Steinmann und Ahmet Arslan. Super, super, großartig – weiter so! Und herzliche Glückwünsche!

 

So, ich komme zum Quiz. Es ging um die hervorragenden Illustrierten unseres Kollegen Oliver Wurm, der mit jedem deutschen WM-Helden sprach und es zu Papier gebracht hat. „Olli“ wird dafür wahrscheinlich einen Preis gewinnen, er ist für eine größere Auszeichnung nominiert. Völlig berechtigt, ganz nebenbei. Diese drei Hefte sind wahrscheinlich schon bei ihren Gewinnern. Und da ich die Postkarten in der Redaktion gelassen habe, es heute aber aufklären will, versuche ich mich zu erinnern, wohin diese Illustrierten gingen: Einmal nach Hamburg, zu Herrn Joppe. Dann nach Hille (wo immer es auch liegt) zu Herrn, und den weiß ich nun wirklich nicht mehr genau, ich tippe auf Herrn Fendel. Wir aber auf jeden Fall noch nachgereicht, damit mir kein Schmu unterstellt wird. Und der dritte Gewinner ist Carsten Hahn aus Windbergen (weiß ich auch nicht, wo das liegt). Alle drei Gewinner sind mir nicht persönlich bekannt, aber diese drei Herren haben eines gemeinsam: Sie sind die einzigen Teilnehmer an diesem Quiz, die alle zwölf Namen richtig haben.

 

Zu erraten waren: Paul Scharner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Holger Hieronymus, Thomas Doll, Hermann Rieger, Uwe Seeler, Lotto King Karl, Sven Neuhaus, Horst Schnoor, Klaus Neisner und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp.

 
Eine Sache muss ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen. Es gab eine Mail, auf der auch einige richtige Namen standen – und ich finde, dieses „Werk“ sollte dann auch ruhig mal Erwähnung finden, auch wenn es nicht ganz richtig ist – aber immerhin zum Schmunzeln. Allerdings, das vergaß der Absender wohl, ohne Adresse. Also wenn er gewonnen hätte, dann hätte ihn dieses WM-Heft wohl kaum erreicht. Hier nun der Text dazu:
 

sorry, der nachfolgende text passtnicht auf eine postkarte…

Ein Gewinnspiel, ein Gewinnspiel:
Ich KALTZ im Kopf nicht aus.
Was BÄHRE „Matz ab” ohne ein Gewinnspiel.
Hoffentlich gewinnt nicht ein SCHARNERtan,
sondern ein Teilnehmer, der von Zero to “HIERO” aufsteigt.
Das wäre DOLL.
Es gibt ja mehrere Gewinner, aber die entscheidende Frage lautet:
Wer wird erster RIEGER beim Promi-Quiz…?
Es heißt zwar “Geben ist SEELER denn nehmen”,
aber Preise abstauben ist letztlich wie im “LODDO” zu gewinnen.
Davon kann man sich dann ein NEUHAUS bauen
oder aber die kleinen Wünsche des Alltags erfüllen.
Das ist wie beim Durchtrennen der Nabel-SCHNOOR –
ein echtes Glücksgefühl.
Man ist zudem beliebt wie die größten STARS,
die ja auch immer diese tollen “FUMMEL” tragen.

Mit sportlichen Grüßen
WORTSPIELER

 

So, am morgigen Sonntag gibt es nach dem Spiel wie immer die immer beliebter werdende (ich muss es einfach mal wieder loswerden) HSV-Talk-Runde „Matz ab live“, diesmal mit den Gästen Stefan Schnoor und Alexander Laas sowie eventuell einem Überraschungs-Gast. „Scholle“ und ich, wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 
Dann komme ich – sehr gerne übrigens – noch einmal auf das „Matz-ab“-Treffen vor einer Woche im „Anno 1887“ in Norderstedt zurück. Weil ich im Nachhinein gedacht habe, dass ich unseren „Mitstreiter“ Lars Pegelow zu wenig erwähnt habe – für einige „Neulinge“ auch nicht vorgestellt hatte. Sorry, mein Lars, das war ein Fauxpas der selten-blöden Art, ich entschuldige mich dafür. Du bist, das möchte ich sehr gerne hier erwähnen, eine sehr wertvolle Verstärkung für das „Matz-ab“-Team, Deine Texte sind immer sehr schön zu lesen und reichlich gefüllt mit Inhalt. Vielen Dank dafür. „Scholle“ hatte ich an diesem Abend gelobt, den Lars leider nicht, und deshalb hatte ich in dieser Woche doch reichlich Gewissensbisse.

Auch gegenüber unsere jungen „Mutter der Kompanie“, Eva/Hope. Sie fehlte an diesem Abend, hatte ihn aber vorher super organisiert, dafür auch an dieser Stelle und ganz offiziell herzlichen Dank für Deine großartige Hilfe, liebe Eva/Hope. Du bist in diesem Blog unersetzlich – und einfach nur toll!

 

PS: Zum „Matz-ab“-Treffen habe ich etliche Dankesschreiben (auch Fotos! Danke dafür, HSV-Lünen!) und –Anrufe erhalten, vielen dank dafür. Eine Zuschrift möchte ich schnell noch öffentlich machen, ich hoffe, dass ich das auch darf – aber sie hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie das Niveau und die Stimmung an diesem Abend so gut widerspiegelt:

„Hallo Manfred,

kennen H. Matz und Herr Scholz eigentlich schon das schönste Garagentor in Nordrhein-Westfalen? Diese Bilder sind wirklich Klasse.
Morgen Abend schaue ich mir HSVII in Havelse an, von meiner Arbeitsstelle in Hannover ist dies nur ein Katzensprung entfernt. Am Sonntag bin ich mit Alnipe, Thomas Kerfin und Flashzbax in Wolfsburg.
Dank H. Matz kennen auch wir uns. Dadurch sind inzwischen schon richtige Freundschaften entstanden. Auch die “Nicht Plusser und Nicht Realos” sind HSVer. Deshalb halte ich Kontakte zu allen Fraktionen, u.a. Bob Dylan, Alnipe, usw., denn eines eint uns alle, die Liebe zu unserem HSV.

Gruß R.“

 

So, ich habe fertig. Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein wunderschönes Wochenende, und dem HSV (damit uns allen) einen Auswärtssieg in Wolfsburg. Alles Gute!
Dieter

 

17.57 Uhr

Beister: Zinnbauer hat mich nicht erkannt

21. Oktober 2014

Er sieht gut aus. Er fühlt sich nur nicht so. „Ich bin ein wenig erkältet“, so der Reha-Patient heute, „aber der Rest funktioniert schon wieder ganz gut.“ Soll heißen: Sportlich und körperlich geht es bergauf – da fällt ein Schnupfen nicht mehr so ins Gewicht. Im Gegenteil, er hält Maxi Beister nicht davon ab, gute Laune zu verbreiten, nachdem er endlich auch in Hamburg wieder mit dem Ball trainieren darf. Eine gute Stunde lang „quälte“ ihn Rehatrainer Markus Günther allein auf dem Trainingsplatz. Und diese Schinderei hat Beister genossen. „Es ist ein tolles Gefühl, ein zweiter Höhepunkt. Wie beim ersten Mal, als ich schmerzfrei Balltraining absolvieren konnte.“

 

Für Abendblatt-Blogs



 

 

Genauso wie es zwei Höhepunkte gab und gibt, genauso gab es auch zwei Tiefpunkte. Zumindest nennt Beister die Momente seiner Verletzung und des Rückschlages im Sommer so. „Das war bitter. Beide Male. Die zweite Operation hat mich noch mal sechs Wochen mehr Pause gekostet. Und vor allem die zwei Wochen nach der zweiten OP waren echt hart.“ Dennoch, den Glauben verloren hat Beister natürlich nie. Dafür ist seine Karriere und vor allem auch noch zu jung. Ebenso wie sein bester Freund Edgar, den es noch härter erwischt hat. „Er hat mit mir in Düsseldorf zusammen Rahe gemacht. Es war schön und motivierend für uns beide, das zusammen zu machen“, erzählt Beister, der im Gegensatz zu Edgar (spielte früher mit Beister beim HSV in der A-Jugend und die Reha war der Abschluss seiner Bemühungen) weiter von einer großen Karriere als Fußballprofi träumen kann.

Allerdings scheinen die Verletzungen Beister Demut geschult zu haben. Und wenn ich lese, dass sich Beister den Innen- und den Außenmeniskus gerissen hat, dazu das Kreuzband sowie einen Knorpelschaden hat, dann war das auch schon keine erste Warnung mehr, sondern schon der Schlag mit dem Holzhammer. Vor 30 Jahren wäre dieser Grad der Verletzung das Karriereende gewesen. Fragt mal bei Holger Hieronymus nach. Und ich selbst mussten nach Knorpelschäden in beiden Knien sowie einem Kreuzbandriss links mit 33 Jahren aufhören Fußball zu spielen – obwohl ich nur im Amateurbereich aktiv war.

Und obgleich er davon ablenkt, spürt man, dass Beister die Vergänglichkeit des großen Traumes vom gefeierten Fußballprofi vor Augen hatte. Ein Indiz dafür ist die erkölärte Absicht, sich auch jetzt schon „auf die Karreiere danach“ vorbereiten zu wollen. Nachdem er eine Nachhilfeschule und einen eigenen Fußballklub (SC Lüneburg) gegründet hat, plant Beister bereits sein drittes Projekt abseits des Fußballplatzes. Diesmal hat er zusammen mit zwei Freunden eine Idee im Cateringbereich zum Inhalt seiner eigens dafür gegründeten GmbH gemacht. Was das genau ist, wollte Beister noch nicht verraten. Im Gegenteil, gerade in dem Moment, in dem er so richtig ins Schwärmen kommt, pfeift er sich selbst zurück. „Aber klar ist, das geht nur, weil ich da nicht Hauptverantwortlich bin. Ich kann mich nebenbei kümmern. Denn Priorität hat unverändert der HSV.“

Und da ist er seit Sonnabend wieder. Nachdem er zwei Wochen am Ball trainiert hatte, war es soweit: „Ich hatte gesagt, wenn ich mich sicher und stabil fühle, komme ich nach Hamburg zurück. Der Kontakt war immer da – und es gab nie Druck vom Verein“, so Beister, der erst nach dem Hoffenheim-Spiel seinen neuen Trainer richtig kennenlernen konnte. „Joe Zinnbauer und ich haben uns nach dem Spiel zusammengesetzt und gesprochen. Bisher kannte ich ihn nur aus einer Spielnachbesprechung des Bayern-Spiels – und aus der U23-Kabine. Wobei das sehr lustig war“, erzählt Beister und lacht. Denn zu Beginn der Sommervorbereitung hatte Beister seine alten Kameraden in der U23 besucht, saß bei dem Nachwuchs in der Kabine, als Zinnbauer mit einem Zettel in der Hand reinkam. „Damals hatten sie eine Unzahl von Testspielern jeden Tag“, lacht Beister schon vor der eigentlichen Pointe, „und als er mich aus dem Augenwinkel da sitzen sah, fragte er nur kurz: ‚Und, wer bist Du?’. Erst als ich nicht antwortete schaute er mich an und fing an zu lachen. Das war eine nette Art, sich kennenzulernen“, so Beister, der unter Zinnbauers Vorgänger Mirko Slomka keine Trainingseinheit auf dem Platz absolvieren konnte. „Ich bin seit zehn Monaten raus und habe ihn sozusagen übersprungen, was sehr schade ist.“

Stimmt. Allerdings meidet Beister aus verständlichen Gründen den Blick zurück und freut sich darauf, in Hamburg wieder angreifen zu können. Im Winter will er wieder zur Mannschaft. „In der Vorberteitung auf die Rückrunde will ich wieder voll dabei sein“, so Beister, der bis dahin alle Möglichkeiten ausschöpfen will, Spielpraxis zu sammeln. „Egal ob Trainingsspiel, Testspiel oder U23-Einsatz, ich werde alles mitnehmen, was möglich ist und was mich stärker macht. Denn mein Ziel ist und bleibt: Ich will wieder bei 100 Prozent stehen, wenn ich wieder für den HSV in der Bundesliga auflaufe.“

Klingt gut. Zumindest wäre er mit 100 Prozent zweifelsfrei eine große Verstärkung für das Offensivspiel des HSV. Wie er die Entwicklung in seinem HSV sieht? „Sehrt gut. Die ersten Entscheidungen der neuen Führung haben allemal Hand und Fuß. Und auch der Trainer vermittelt einen super Eindruck. Er ist höchstmotiviert, im größten Maße motivierend und ein fachmännisch komplett überzeugender Trainer. Was er sagt, passt. Und er spricht die Dinge klar und ohne Umschweife an. Das ist gut“, lobt Beister den Trainer, der ihn als nächstes einsetzen wird. Wenn alles gut läuft, vielleicht ja schon zum Start der Rückrunde. Ich wünsche es ihm. Und uns.

Bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr trainiert.

Scholle

Zinnbauer sorgt für frischen Wind beim HSV

17. September 2014

„Er ist für mich ein super Trainer, und ich hoffe, dass er die ersten Punkte für den HSV holt.“ Das sagte der ehemalige HSV-Profi Hakan Calhanoglu nach dem Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen beim AS Monaco über die Berufung von Josef Zinnbauer zum Hamburger Cheftrainer.

Etwa zur gleichen Zeit saß Jürgen „Kloppo“ Klopp am Dienstag in Dortmund nach dem 2:0-Sieg über Arsenal London bei der Pressekonferenz und sagte und fragte in die Runde: „Ich freue mich sehr für Joe Zinnbauer, dass er Trainer des HSV geworden ist – hat jemand von Euch mal die Handy-Nummer, damit ich ihn anrufen kann, um zu gratulieren?“

 


 

Ja, so geht es dann doch auch. Man muss nicht alles nur schlecht machen oder schlecht reden, man könnte auch ein wenig Hoffnung aus dem Trainerwechsel beim HSV schöpfen. Hoffnung und Zuversicht. Den ersten Tag hat Zinnbauer nun hinter sich, und er hat ihn mit Bravour gemeistert. Er kam zwar exakt 30 Minuten zu spät auf den Trainingsrasen am Volkspark, aber nur deshalb, weil seine „Neu-Jahrs-Ansprache“ wohl einen Tick länger gedauert hatte. Zinnbauer kam mit Co-Trainer Patrick Rahmen und Torwarttrainer Stefan Wächter die „Show-Treppe“ im Süden des Stadions herunter, und unten durchschritten die drei Musketiere dann ein Spalier aus Fans und Medien-Vertretern. Die HSV-Anhänger applaudierten – es muss dem neuen Chef-Trainer heruntergegangen sein wie Öl. Genau fünf Minuten später erschien die Mannschaft. Sie ging auch durch das Spalier, aber ohne Beifall. Der muss sich erst wieder erarbeitet werden.
Übrigens: Zu spät wird Joe Zinnbauer wohl nie, denn er ist nicht nur fünf Minuten vor der Zeit da, sondern fast fünf Stunden . . . Heute fuhr er bereits um 7 Uhr vor den Eingang des Stadions, was noch verschlossen war – aber „Joe hat ja Schlüssel“. Und gestern, als er noch bei der U23 im Amt war, betrat er um 14 Minuten vor Zwölf das Stadion – das Training war für 15.30 Uhr terminiert. So ist der neue Mann des HSV.

 

Wer mehr über Joe Zinnbauer wissen will, oder fast alles, der sollte sich das hier eingebaute Video von seiner Vorstellung heute zur Mittagszeit ansehen (bitte die Play-Liste darunter beachten!). Und wer das wagt, der wird feststellen, dass an diesem Mann nichts Künstliches dran ist, sondern nur Normalität. Dieser Trainer ist authentisch, frisch, fromm, frei und von der Leber weg. Einfach erfrischend, dieser Typ. Und wenn er damit auch bei seiner Mannschaft „landen“ kann, wenn er seine etwas trockenen Profis, von denen viele, viel zu viele schon mit lethargischen Zügen über den Rasen traben, sich von dieser emotionalen Art auch nur etwas mitreißen oder anstecken lassen, dann wird dieser HSV auch wieder auf die Beine kommen. Habt Vertrauen.

 

Wie die beiden großen Agenturen den ersten Tag von Joe Zinnbauer erlebt haben, möchte ich Euch auch noch zukommen lassen, damit das Bild dann noch ein wenig runder wird. Zuerst der Beitrag der Deutschen Presse-Agentur:

HSV-Coach Zinnbauer: „Ich will die Zügel in der Hand haben“

Aufgezeichnet von Christopher Weckwerth

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer steht vor seinem Debüt in der Bundesliga: Nach fast 20 Jahren in Amateurligen wittert der 44-Jährige seine Chance, sich im Profibereich zu etablieren.

Josef Zinnbauer ist der neue Trainer beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Gleich im ersten Training mit der Profimannschaft am Mittwochvormittag gab der bisherige U23-CoachdesHSV lautstark den Ton vor:„Ich will die Zügel in der Hand haben“, erklärte der 44-Jährige anschließend auf einer Pressekonferenz in der Arena. Frage: Was für ein Trainertyp sind Sie? Antwort: Ich bin sehr leidenschaftlich und akribisch. Disziplin ist mir wichtig, ich will schon die Zügel in der Hand haben. Wenn man in Hamburg Trainer ist, sollte man alles ins Zeug legen – ich denke, das habe ich mit der U23 gemacht.
Frage: Haben Sie Respekt vor dem Sprung aus der vierten in die erste Liga? Antwort: Ich bin kein Neuling als Trainer. Ich bin im 26. Lebensjahr in das Geschäft eingestiegen, auch wenn es unterklassig war. Als Zweitligaspieler bei Mainz 05 habe ich auch als Profi auf dem Rasen gestanden – das ist nichts Neues für mich. Respekt habe ich natürlich, das ist doch klar. Aber vor 50 000 Zuschauern zu spielen, darauf freue mich, da sollte man keine Angst vor haben. Das ist doch geiler, als wenn ich vor zehn Leuten stehe. Ich habe Bock auf die erste Liga.
Frage: Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft ein? Antwort: Mein erster Eindruck ist positiv. Stärken und Schwächen richten sich meiner Meinung nach danach, wie man spielen lässt. Ich will eine eigene Philosophie einbringen. Man kann die Schwächen auch verstecken. Ich habe aber auch der U23 viel zu verdanken: Da sind Spieler drin, die wir hoffentlich mal in der Bundesliga sehen.
Frage: In Mainz haben Sie an der Seite von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gespielt. Haben Sie noch Kontakt? Antwort:Ja, ich habe ihm neulich noch bei Whatsapp geschrieben. Schon damals in Mainz hat Kloppo gesagt: Wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer . . .

 

Und beim Sport-Informations-Dienst war zu lesen:

 

„HSV-Joe“ Zinnbauer schießt scharf: „Ich kenne kein Pardon“

Emotionen ins Team bringen und vor allem Druck machen: Mit drastischen Maßnahmen will Josef Zinnbauer als neuer Cheftrainer des Hamburger SV den Profis des sieglosen Tabellenletzten Beine machen – auch schon gegen Bayern München.

Emotional, ehrgeizig, energisch – mit dieser erfrischenden Mischung will Josef Zinnbauer als 17. Cheftrainer binnen 13 Jahren Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV aus dem Tabellenkeller holen. „Ich habe Bock auf die 1. Liga. Es ist doch viel schöner, vor 50 000 statt vor 500 Zuschauern zu spielen“, sagte der 44-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in der Hansestadt.
Der einstige Zweitliga-Profi machte unmissverständlich deutlich, dass unter ihm ein anderer Wind wehen wird als bei seinem glücklosen Vorgänger Mirko Slomka, der am Montag nach drei Spielen ohne Sieg und ohne einen einzigen Torerfolg beurlaubt worden war: „An der Qualität der Mannschaft liegt es nicht. Man muss Emotionen reinbringen und am Kopf ansetzen. Wenn nur drei von elf Spielern da nicht mitziehen, funktioniert es einfach nicht.“
Der 44-Jährige, der bereits seit 18 Jahren als Coach arbeitet, hat das beste Druckmittel für lethargische Profis in der Hand. Das von ihm betreute U23-Team führt mit acht Siegen aus acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord souverän an. So mancher Nachwuchsakteur wirft schon begehrliche Blicke Richtung Erstliga-Kader.
Und darf sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen. Zinnbauer: „Wenn es oben nicht läuft, hole ich mir meine jungen Spieler dazu. Da kenne ich kein Pardon. Ich habe ihnen gesagt, dass mein Wechsel in die erste Liga eine große Chance für mich, aber eben auch für sie ist.“

 

Soweit die beiden Agenturen. Wie gesagt, Ihr selbst könnt Euch ein Bild vom neuen HSV-Trainer machen, indem Ihr das Video (plus Play-Liste) von der PK anklickt. Es lohnt sich.

 

Kurz noch zum Training. Rafael van der Vaart, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen nahmen nicht daran teil, weil sie verletzt sind. Jansen betrat um 11.26 Uhr den Trainingsplatz und joggte, arbeitete dann aber auch kurz mit Reha-Trainer Markus Günther, der zuvor mit Slobodan Rajkovic beschäftigt war – anschließend gingen alle drei Männer im Volkspark laufen. Beim Profi-Training waren dafür auch drei Spieler aus der Zweiten dabei: Ashton Götz (er wird der erste Spieler sein, der den Sprung zu den Profis schaffen wird – ist meine Überzeugung!), Tolcay Cigerci und Ronny Marcus. Auch die Nachmittagsschicht begann mit einiger Verspätung, denn zuvor hatte es in der Kabine eine Video-Vorführung gegeben. Eine Art Folter-Training . . .

 

Im obligatorischen Trainingsspielchen gegen Ende der Einheit spielte A gegen B – und in dem A-Team standen drei ganz interessante Männer: Jaroslav Drobny im Tor, davor in der Innenverteidigung Heiko Westermann (neben Johan Djourou) und davor, auf der Sechs, Tolgay Arslan. Hat wahrscheinlich noch nichts zu sagen, aber es fand dennoch viel Beachtung. Am Nachmittag wurde dann sehr, sehr ideenreich trainiert, mit Spaß und Freude an der Sache. Eine Übung war so angelegt, dass die Spieler mit Ball und Tennisball zugleich “spielen” mussten . . . So etwas Kreatives gab es im Volkspark schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

 

Die Kritiken, die Joe Zinnbauer, der seit 1980 nunmehr mein 27. HSV-Trainer ist (allerdings mit Ralf Schehr, Holger Hieronymus und Frank Arnesen) nach und für seinen ersten Tag bekommen hat (Fans und Kollegen), waren durchweg positiv, meistens überaus positiv. Es weht, so war zu vernehmen, jetzt ein viel frischerer Wind durch den Volkspark, die Stimmung ist plötzlich eine ganz andere. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch bei der Mannschaft so aufgenommen und dann auch gelebt wird.

 

Das hofft natürlich – und in erster Linie – auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer, der sich ganz hinten in der letzten Reihe die erste Pressekonferenz von Joe Zinnbauer ansah und anhörte. Der „Didi“ wirkt auf mich etwas (sehr) gestresst, die Turbulenzen der vergangenen 48 Stunden zeigen sich in seinem Gesicht, er hat Augenränder. Natürlich. So etwas geht ja nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Er muss schließlich innerhalb von wenigen Stunden allerhand Männern erklären, dass sie in Zukunft keine Rolle mehr beim HSV spielen werden – und gehen müssen. Ganz sicher keine angenehme Aufgabe – und so etwas dann am Fließband. Ich stellte gestern ja noch die Frage, was aus Liga-Betreuer Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka im Sommer von Hannover 96 losgeeist hatte, heute sagte Beiersdorfer nur ganz kurz: „Er bleibt beim HSV.“ Was in diesen schweren Zeiten ja gewiss keine Selbstverständlichkeit ist . . .

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 15.30 Uhr (nicht, wie zuerst gemeldet, um 10 Uhr!) trainiert.

 
17.15 Uhr

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

“Der HSV muss wieder hanseatisch werden”

5. Juni 2014

„In den letzten fünf Jahren ist es drunter und drüber gegangen.“ Das hat der neue Aufsichtsrats-Boss der HSV-Fußball-AG, Karl Gernandt, in einem Interview mit der Bild zugegeben. Wieso fünf Jahre, habe ich mich gefragt, wie kommt der Gernandt gerade auf diese Zahl? Geht es nicht schon viel länger im HSV drunter und drüber? Gefühlt zehn Jahre? Aber egal, wichtig ist, dass solche Aussagen jetzt kommen, denn solche und genau dieser Art hat es beim HSV zuvor nie gegeben. Da wurde immer alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zugedeckt. Obwohl jeder – oder fast jeder – wusste, auf welche gefährliche Art der HSV in Sachen Abgrund geführt wurde. Gernandt sagt auch drastisch: „Wenn man das Tohuwabohu sieht, da kriegt man Hautausschlag.“ Stimmt.


 

Und deswegen wird es Zeit, dass beim HSV die Aufräumarbeiten beginnen. Leider, leider ist bei der Mitgliederversammlung am 25. Mai keiner aus der HSV-Führung aufgestanden und hat mal offen und ehrlich Ross und Reiter genannt, warum es so gekommen ist mit dem Club. Ein Mann hatte es mir Wochen vorher versprochen, dass er Tacheles sprechen wird, dass es mal Butter bei die Fische geben wird – aber die Traute dazu ist ihm dann wohl doch „unterwegs“ auf der Strecke geblieben. Irgendwann, so hoffe ich weiter, wird es aber mal so kommen, dass die Mitglieder über alle die schlimmen Dinge, die da gelaufen sind, aufgeklärt werden. Hoffentlich. Ich kenne nur hartnäckige Gerüchte, aber es gibt ganz sicher Leute, die dazu auch die passenden Unterlagen hätten . . .

 

Seit dem bewussten 25. Mai sind neue Strukturen im HSV beschlossene Sache. 86,9 Prozent der anwesenden Mitglieder haben dafür gestimmt. Bis zum 1. Juli, also in 26 Tagen, darf die „alte“ Club-Führung noch „machen“, dann kommen die neuen Herren. Bis dahin sollte es Hand in Hand gehen, aber geht es das wirklich? Neue Strukturen soll es geben, aber davon ist bislang nichts zu sehen und zu spüren. Im Gegenteil. Es wird genau so weitergemacht, wie bisher. Es wird gewurschtelt. Stefan Schnoor, der ehemalige HSV-Spieler, hat zu diesem Thema ein großartiges Interview im heutigen Hamburger Abendblatt (Seite 26) stehen, das ist die Wahrheit, der „harte Hund“ von einst legt knallhart die Finger in (fast) alle HSV-Wunden. Wer es nicht gelesen hat – es ist wirklich sehr empfehlenswert.

 

Er spricht darin – unter anderem – auch über den AG-Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. Schnoor hätte an dessen Stelle lieber Holger Hieronymus gesehen – und Beiersdorfer als Sportchef. Geht mir ähnlich, sehe ich ähnlich. Ich hätte vor allem sehr gerne gehabt, dass Thomas von Heesen kein Aufsichtsrats-Mitglied ist, sondern im operativen Geschäft mitmischen kann und darf. Sind von Heesen die Hände gebunden, so verschenkt der HSV in meinen Augen ein unglaublich großes sportliches Potenzial. Und ich wiederhole mich gerne: ein unglaublich großes fußballerisches Potenzial.

 

Wobei ich bei einem Lieblingsthema von mir bin: Wo sind Hieronymus, Ditmar Jakobs und Horst Hrubesch, die sich einst für die Initiative „HSVPlus“ engagiert und stark gemacht hatten, denn jetzt eigentlich hin? Ich hatte mir erhofft und vorgestellt, dass mindestens alle drei Herren – möglichst noch mehr aus dieser Kategorie – in einem sportlichen Aufsichtsrat sitzen werden und den Trainer und den Sportchef bestimmen, mit ihnen Hand in Hand arbeiten. Aber so wie es jetzt aussieht, wird daraus ja wohl nichts (mehr). Was ich für äußerst schade halte, denn solche Experten, die zudem nicht auf irgendwelche Pöstchen – vielleicht auch HSV-Gelder – aus sind, stünden dem „Dino“ gerade jetzt sehr gut zu Gesicht. Diese „Ehemaligen“ hätten nicht ihre Eitelkeiten im Volkspark pflegen lassen, sondern sie hätten sich nur zum Wohle des HSV eingesetzt. Schade, schade.

 

Ich habe darüber mit Ditmar Jakobs gesprochen, obwohl er zuerst nicht so recht wollte: „Alles das, was es über den HSV momentan zu sagen gibt, das hat Stefan Schnoor heute im Abendblatt bereits getan – das war sehr, sehr gut, das waren viele sehr richtige Dinge dabei. Er hat es auf den Punkt gebracht. Mehr muss man gar nicht sagen.“ Ich habe trotz allem mal nachgebohrt. Zum Beispiel habe ich gefragt, warum es um ihn so still geworden ist, warum er beim neuen HSV nicht mitmacht? Der ehemalige HSV-Kapitän: „Es war klar, dass ich keine Rolle spielen werde. Klar war auch, dass ich HSVPlus unterstützen würde, weil es für mich die einzige Möglichkeit war, innerhalb des HSV etwas zu verändern. Das war die einzige Möglichkeit, und deswegen bin ich als Unterstützer von HSVPlus aufgetreten. Bis zur Mitgliederversammlung, so war es abgesprochen, so hatte ich es mir vorgenommen.“

 

Ich hatte diese Jakobs-Rolle etwas anders interpretiert, nämlich dass er dem HSV, seinem HSV, auch danach noch helfen würde. „Diesen Weg sind wir bis zum Schluss gegangen, Horst Hrubesch und auch Holger Hieronymus. Damit haben wir das gehalten, was wir vorher versprochen hatten, und wir schießen jetzt auch nicht quer.“ Jetzt soll der HSV und seine neue Führung mal machen . . .

 

Was bislang – wenn überhaupt – nur eingeschränkt funktioniert. Es wird mit Thomas Westphal einen neuen Teammanager aus Hannover geben – von Trainer Mirko Slomka geholt. Marinus Bester geht auf seinen alten Posten zurück – fühlt sich allerdings, das ist zugegeben, pudelwohl dabei. Sportchef Oliver Kreuzer hatte das Geschäft mit Zoltan Stieber (kommt aus Fürth) schon vor Monaten eingefädelt – und zog es jetzt durch. Obwohl es durchaus Widerstände gab – aber dieser Transfer war eben schon zu „alten“ HSV-Zeiten angeschoben worden . . . Zudem hat Kreuzer aus seiner Stadt Karlsruhe (und vom Karlsruher SC) den neuen U-23-Trainer (Nachfolger von Rodolfo Cardoso) Josef Zinnbauer geholt – allerdings auch schon vor dem 25. Mai. Damals machte im Prinzip jeder das, was er machen wollte. Hier kommt ein Freund, da der nächste. So holte einst Thorsten Fink aus Basel seinen ehemaligen Spieler Jacques Zoua. Warum? Das weiß in Hamburg bis heute kaum einer. Es sieht alles eher ein wenig nach Klüngel aus, aber nicht nach Profi-Verein.

 

Dabei war und ist meine ganz große Hoffnung doch die, dass man endlich Schluss machen würde mit dem Selbstbedienungsladen HSV. Dass in diesem Verein endlich einmal so richtig gut gearbeitet wird, dass man es als professionell bezeichnen könnte. Noch scheint es weiter drunter und drüber zu gehen, wie es Karl Gernandt nennen würde. Aber wahrscheinlich muss der neue Rat diese Kröte nun noch (bis zum 1. Juli) schlucken, damit es keinen Ärger gibt. Ärger, der dann womöglich in der Öffentlichkeit ausgetragen werden würde.

 

Das sieht wohl auch Ditmar Jakobs so. „Der HSV hat mit dem 25. Mai eine neue Philosophie bekommen, habe ich jedenfalls gedacht, aber diese Philosophie wird bislang nicht umgesetzt. Alles läuft so weiter wie zuvor. Dabei müssten Leute, die zum HSV kommen, sich dieser Philosophie unterstellen, mit diesem Konzept müssten sie konform gehen. Im Moment ist es so, wie es bislang beim HSV schon seit Jahrzehnten war: Sportchef und Trainer bringen ihre Philosophie durch, nicht die des HSV. Und das kann es nicht sein. Nach ein paar Monaten oder Jahren sind diese Leute weg, dann kommen neue Kräfte – und die bringen dann wieder nur ihre Philosophie durch? Und so geht es immer weiter? Dann kommt der HSV doch nie mehr auf einen grünen Zweig. Deswegen wird es Zeit, dass die Philosophie des Vereins umgesetzt wird, deswegen wurden doch jetzt die neuen Strukturen gewählt. Und wenn Sportchef und Trainer damit nicht einverstanden sind, dann müssen sie die Konsequenzen ziehen.“ Jakobs fügt hinzu: „So, wie es zurzeit noch läuft beim HSV, so darf es nicht laufen, das kann es ganz einfach nicht sein, und wie es anders läuft, das zeigt uns Bayern, das zeigt uns Dortmund. Da ordnen sich alle der Philosophie des Vereins unter.“ Mit großem Erfolg. Und selbst bei Mainz 05 ist es so . . .

 

Ditmar Jakobs wirkt leicht desillusioniert: „Ich finde das schade, dass dieses neue Vorhaben, das ja nun gewählt worden ist, ein wenig verwässert. Wirklich schade.“ Und weiter: „Wir wollten, dass die neuen Leute diesem Verein endlich eine Philosophie geben, dass ein neues Konzept mal über drei bis fünf Jahre umgesetzt wird. Und wenn ich jetzt sehe, wer wen da holt, wer einen Platz im HSV erhält, wer sich auch einen Platz innerhalb des HSV sicher will, dann sehe ich das Konzept schon wieder sehr infrage gestellt. Das finde ich schade. Denn da ist bislang nichts passiert, und meiner Meinung nach ist das noch überhaupt nicht richtig gelaufen.“

 

In der letzten Winterpause wurden mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler vom Trainer geholt, nicht vom Sportchef. So soll es nie wieder laufen – im neuen HSV. Weil Sportchef Oliver Kreuzer bei Trainer Bert van Marwijk keinen Stich landen konnte. Jakobs hat noch ein anderes Beispiel parat: „Diese vier Aussortierten, was wurden die niedergetrampelt innerhalb des HSV. Wer hat damals nicht alles gesagt: ‚Unter meiner Führung spielen die nie mehr, sonst gehe ich . . .’ Und dann? Plötzlich spielten sie alle wieder. Und? Ist deswegen einer von seinem Posten zurückgetreten? Ich habe keinen gesehen. Aber ich weiß nur, dass der HSV ohne diese vier Aussortierten abgestiegen wäre. Das kann doch so nicht gehen. Diese vier Spieler wurden total verdammt, und niemand ist dagegen eingeschritten.“ Auch von „ganz oben“ niemand.

 

Stichwort Philosophie. Ditmar Jakobs sagt: „Das beinhaltet, wie ich mich als Verein in der Öffentlichkeit gebe, wie ich mich innerhalb des Clubs gebe, welches spielerisches Konzept ich habe, welche Spieler möchte ich haben, um dieses Konzept auch umsetzen zu können, wie die Nachwuchsarbeit laufen soll, ob ich vorzugsweise Leute aus der norddeutschen Region haben möchte – all das muss nach außen gekehrt werden. Der HSV muss wieder hanseatisch werden. Und Sportchef und Trainer müssen sich diesem Konzept voll unterordnen.“

 

Ob das alles so gehen wird, wie es sich die neuen Führungs-Herren vorstellen, oder vorgestellt haben? Weil ja doch Männer wie Mirko Slomka und Oliver Kreuzer zu anderen HSV-Zeiten geholt worden sind. Zu Zeiten, in denen der HSV wie ein Kaninchenzüchter-Verein geführt wurde.

 

So, zum Schluss noch etwas Aktuelles vom Tage:

 

Zhi Gin Lam hat heute einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Zweitliga-Club (!) Greuther Fürth unterschrieben – für ungefähr 200 000 Euro Ablöse.

 

Der designierte AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer weilte (weilt) heute in St. Petersburg, um seine Freigabe von Zenit zu erreichen. Bislang war nichts aus Russland zu vernehmen, ob diese Visite erfolgreich gewesen ist. Im HSV allerdings geht niemand mehr davon aus, dass dieser Deal noch platzen wird – Beiersdorfer kehrt zurück, ohne wenn und aber. Ich gehe, sonst bin ich da ja ein wenig vorsichtiger geworden, mal ganz mutig von 100 Prozent aus.

 

Dann stand in der „Bild“ eine Meldung, die aufhorchen ließ. Danach steht Hakan Calhanoglu an 13. Stelle der besten Fußball-Talente der Welt. Und dafür will Bayer Leverkusen nur zwölf Millionen Euro zahlen? Ein Witz! Zumal „Hackis“ Vertrag doch noch bis 2018 läuft. Wie es zu gehen hat, das hat Stefan Schnoor (auf Seite 26) heute ebenfalls schon erklärt. Nur so und nicht anders. Denn Leverkusen hat heute gerade seinen Spieler Can an Liverpool verkauft – für zwölf Millionen Euro. Da stimmt doch die Relation nicht, oder liege ich da falsch?

 

Das war es dann für heute in groben Zügen. Wir sind gleich, ich tippe mal auf 18.10 Uhr (auf jeden Fall in der Gegend), mit „Matz-ab-live“ auf Sendung. Unsere Gäste sind „Matz-abber“, mit denen ich über die abgelaufene Saison sprechen werde, über die abgelaufene Mitgliederversammlung, die neuen Strukturen und die neue Saison. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich zusehen könntet.

 

Einen schönen Feierabend wünscht Euch Dieter.

 

17.22 Uhr

Wichtig is nur auf’m Platz – Zoua fällt aus

1. Mai 2014

Gemessen an den Fans bleibt der HSV erstklassig. Das ist kein Geheimnis. Aber dass auch heute wieder ein Fanmarsch zum Stadion so zahlreich angenommen wurde, das ist schon beachtlich. Allein ob die erhoffte Wirkung bei allen Spielern ankommt, wird sich erst noch zeigen. „Wir müssen spielen, als ginge es um unser Leben“, hatte Rafael van der Vaart kämpferisch vorgegeben. Dass er nach der 61 Minuten kurzen, heutigen Einheit um exakt 11.21 Uhr schon in sein Auto stieg, während viele andere Spieler noch nicht einmal in der Kabine angekommen waren, okay. Wenn er am Sonnabend das zeigt, was er propagiert, soll es mir recht sein. Aber tatsächlich nur dann. Vielleicht hatte van der Vaart ja auch nur einen wichtigen Termin. Wer weiß es schon…

Für Abendblatt-Blogs


Das von Fangesängen begleitete Training zuvor war zwar kurz, aber es war im Abschlussspiel mehr Stimmung drin als gestern, was sehr relativ ist und allein noch nicht viel aussagt. Und mit Stimmung meine ich kein Jubeln, kein Lachen, Pöbeln oder sinnloses Umgeholze, sondern einen in Zweikämpfen und Laufwegen dokumentierten Siegeswillen beim Abschlussspiel. Dabei wirkte van der Vaart besser als gestern. „Ich bin gut drauf“, ließ der Niederländer beim Autogramm-Marathon nach dem Training einen jungen, fragenden Fan wissen und tätschelte ihm über den Kopf. Der kleine Junge war glücklich, die umstehenden Fans auch.

Ebenso wie Trainer Mirko Slomka. „Rafa hat sich in den letzten Tagen richtig gut reingekämpft und ist bereit für den Endspurt“, so Slomka, der sich zudem über die Rückkehr des zuletzt grippig pausierenden Heiko Westermann freute. „Heiko konnte heute ohne Probleme mitmachen und wird spielen können.“ Anders als Lasse Sobiech, der sich am Mittwoch bereits am Sprunggelenk verletzt hatte und – Jacques Zoua. Der letzte nominelle Stürmer im Kader hat Muskelprobleme und musste das Training nach gerade einmal 15 Minuten heute abbrechen. Sein Einsatz gegen Bayern ist eher unwahrscheinlich. Und das zwingt Slomka zum Umplanen. Bislang hatte er die wuchtige Erscheinung Zouas noch als Argument genommen, weshalb der Kameruner als einzige Spitze aufläuft. „Das geht jetzt nicht mehr“, so Slomka, „das ist natürlich ein taktischer Einschnitt.“ Zumal der andere Stürmer, Pierre Michel Lasogga zwar auf einem guten Weg ist, aber frühestens gegen Mainz auflaufen kann.

Daher wird Slomka mit einer so genannten „falschen Neun“ spielen müssen. Als ersten Kandidaten konnte man heute im Training Ivo Ilicevic ausmachen. Und da Mattia Maggio in seinem ersten Spiel von Beginn an mit gerade 14 Ballkontakten nicht überzeigen konnte, spricht vieles dafür, dass der Kroate zusammen mit Calhanoglu und van der Vaart den Offensivbereich bildet – oder doch Tesche? Im Training heute ließ Slomka Tesche als zweite Sechs neben Badelj spielen. Das würde angesichts der Gelbsperre Arslans durchaus Sinn machen. So wäre Slomka sehr flexibel. Denn eines ist klar: Gegen die Bayern darf der HSV nicht ins offene Messer laufen. Vielmehr gilt es, das Torverhältnis (Nürnberg und Braunschweig haben minus 28, der HSV minus 20) als Bonus nicht zu gefährden. Bei Punktgleichheit könnte gerade das zum großen Plus für den HSV werden. „Ich glaube, dass wir defensiv die Qualität haben, um wenig Gegentore zuzulassen“, umgeht Slomka eine direkte Antwort auf seine geplante Taktik.

Dafür wird Slomka nicht müde, die Bedeutung der Laufbereitschaft und des Willens zu betonen. „Real hat uns das vorgemacht, war körperlich sehr präsent und sehr laufstark. Das sollte unser Vorbild sein – obgleich mir klar ist, dass wir Real nicht in Gänze kopieren können.“ Stimmt, dafür fehlt die Qualität und das Tempo in der Offensive. Aber es klingt zumindest so, als dass der HSV gegen Bayern zunächst das macht, was ich schon gegen Hannover, Wolfsburg und Augsburg erwartet hatte: defensiv kompakt stehen. „Wir müssen einen Powerfußball spielen, der uns am nächsten Tag muskuläre Probleme beschert. Dann wissen wir, dass wir genug getan haben. Wir müssen den Auftrag der Fans, den sie uns mit dieser tollen Aktion mitgegeben haben, aufnehmen und versuchen, hier vielleicht noch einmal so ein Feeling wie gegen Dortmund aufkommen zu lassen. Also 90 Minuten frenetische Unterstützung und Powerfußball.“ Oh ja, es wäre zu schön. Und wenn Slomka seine Jungs in den Einheiten unter der Woche etwas ausspannen lassen wollte, damit sie alle Kraft in dieses hoffentlich nur vorletzte Saisonheimspiel legen können – auch das soll mir recht sein. Dann werde ich als Allererster hier oder in der Live-Sendung meine Kritik am laschen Training zurücknehmen und mich beim Trainer dafür entschuldigen. Aber tatsächlich nur dann.

Denn schöne Worte mag ich nicht mehr hören. Ich mag eigentlich gar nichts mehr hören, weil alles gesagt ist und die Tabellensituation überhaupt keine Interpretationen mehr zulässt. Slomka wirkte diese Woche ebenfalls mitgenommen, ihn hatten die Auftritte zuletzt ganz sicher auch zu denken gegeben. „Wir haben in den letzten drei Spielen jeweils früh einen Rückstand kassiert. Insgesamt ist uns das in dieser Saison so oft passiert, dass es bezeichnend ist.“ Auch deshalb betonte er heute noch mal, dass die Spiele der Konkurrenz immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ob die Zwischenstände angezeigt werden am Sonnabend? Eher nicht. Es sei denn, sie dienen der Motivation der eigenen Mannschaft, sagt Slomka. „Ich will mich komplett auf unser Spiel konzentrieren und habe Profis genug drumherum, die entscheiden können, was angezeigt wird und was nicht.“

Einen Profi hatte Slomka zuletzt hinzugeholt: Bio-Energetiker Joseph Kuhnert. „Die Mannschaft hat ihn stark aufgenommen. Letzte und diese Woche war bei ihm richtig was los“, freut sich Slomka über seine Idee. Kuhnert soll in Gesprächen und dank verschiedener Methoden wie Kristallen für positive Energie sorgen. Es hat ein positives Energiefeld gebracht“, so Slomka, „aber ob das auch Punkte bringt, weiß ich nicht.“

Ich auch nicht.

Dafür weiß ich, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Zudem hat HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff am Freitag einen Auftritt in Trittau – zusammen mit Holger Hieronymus, der weiterhin betont, im Falle einer Dreiviertelmehrheit von HSVPlus am 25. Mai kein Amt bekleiden zu wollen. Allerdings gehe ich noch immer davon aus, dass er die erste Alternative Riekchoffs ist, sofern weiterhin kein erster Mann für den Vorsitz der AG gefunden wird. Am Sonnabend ist dann von elf bis 11.30 Uhr die Nachwahl des Delegierten der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporter Club in der Universität Hamburg, ESA Hörsaal A, Edmund-Siemers-Allee 123, 20146 Hamburg. Beginn der Abteilungsversammlung ist um 10.30 Uhr, Einlass ab 9.45 Uhr.

Ach ja, und wo wir schon dabei sind. Ziuletzt gesiterte herum, dass der HSV bis zum 28. Mai zehn Millionen Euro Erlös nachweisen muss, um die Lizenz zu erhalten. Im Falle eines Abstieges wären es sogar 20 Millionen. Da wird dann damit spekuliert, dass der HSV im Falle eines Scheiterns von HSVPlus keine Lizenz erhält und in die vierte Liga absteigt. Und klar, das ist nicht komplett auszuschließen, obgleich Klubboss Jarchow versprach, dass man alle Auflagen pünktlich erfüllen werde. Aber bis zum Lizenzentzug ist es noch ein weiter Weg, siehe Dortmund einst. Was ich damit sagen will: Es gibt tatsächlich viele gute Gründe für HSVPlus – aber den Lizenzentzug ausschließlich dadurch abwenden zu können, das ist sicher keiner davon…

Und ganz ehrlich: Egal mit welcher Struktur, ich tippe mal, dass der inzwischen 76 Jahre junge Herr Kühne den Aufschwung HSV nicht auf zehn Jahre angelegt hat, sondern möglichst bald noch mal großen Fußball bei “seinem Verein” sehen will. Vielleicht ja schon am Sonnabend. Denn am wichtigsten ist und bleibt auf’m Platz, wie man so schön sagt. Also: lassen wir uns bitte nicht ablenken. Und Punkt.

Oder doch drei? „Das wäre eine Sensation“, so Slomka, der auch seinen kriselnden Keeper Rene Adler (mit acht gravierenden, folgeschweren Patzern führt Adler die Liste der Torwartpatzer an) heute noch mal hervorhob. „Wir werden am Sonnabend einen Rene Adler in überragender Form brauchen.“ Stimmt. Aber dazu noch mindestens zehn andere mit einer Einstellung, wie sie in dieser Saison leider eher Ausnahme denn die Regel war.

Bis morgen.
Scholle

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