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Drei Tore! Der HSV siegt 3:0 in Paderborn!

4. Februar 2015

Endlich! Der Knoten ist geplatzt! Der HSV gewinnt sein erstes Spiel des Jahres und schießt dabei sogar drei Tore! Na bitte, es geht doch. 3:0 wurde in Paderborn gewonnen, damit erfolgreich Revanche für das Hinspiel genommen – auch 0:3 damals. Der HSV war früh in Führung gegangen, wackelte dann in Halbzeit zwei ein bisschen, aber letztlich setzte sich das clevere Team verdient durch. Auch wenn das Resultat mit Sicherheit ein oder gar zwei Tore zu hoch ausgefallen ist, aber darüber muss nun wirklich nicht gemeckert werden. Das war eine Leistung, auf der Trainer Joe Zinnbauer aufbauen kann – und wird, am Sonnabend geht es im Volkspark gegen den Nordrivalen Hannover 96 schon wieder einmal „um alles“. Aber dieser 3:0-Erfolg müsste eigentlich allen Hamburger wieder mehr Selbstvertrauen geben!


Die Reaktion auf die Köln-Pleite war okay. Sehr okay. Diesmal stimmte die Einstellung aller. Gegen Köln stimmte sie zwar auch cirka 20 Minuten, in Paderborn aber waren alle hellwach. Ein Zeichen dafür, weil ich danach in dieser Woche schon oft gefragt worden bin, dass Joe Zinnbauer die Mannschaft noch erreicht. Für mich war das auch keine Frage, muss ich gestehen, für einige besorgte HSV-Fans und auch Experten durchaus schon. Besonders bei Petr Jiracek war es zu sehen, dass Zinnbauer ihn ganz besonders motiviert hatte, denn von der ersten Sekunde an war der Tscheche hundertprozentig bei der Sache, und er dirigierte seine Nebenleute sogar, stellte sie, motivierte auch. Endlich mal ein ordentliches „Lebenszeichen“ von „Jira“.

 

Der Start in diese Partie war natürlich auch sensationell. Davon träumt ein jeder Trainer – und ein jeder Spieler wohl auch. Rafael van der Vaart schickte auf der halblinken Position Marcell Jansen auf die Reise, der nahm den Ball mit der Brust an und drang in den Strafraum der Paderborner ein. Dort „kümmerten“ sich Ziegler und Wemmer um den Hamburger, der kam zu Fall und riss beide Arme dabei hoch – Elfmeter nach nur neun Sekunden. Völlig berechtigt, wenn ich das aus der Entfernung und nur vom Bildschirm her sagen darf. Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) entschied sofort auf Strafstoß und gab Ziegler, dem „Hauptübeltäter“, die Gelbe Karte. Die Ausführung des Elfmeters übernahm van der Vaart, und der schickte Torwart Kruse in die falsche Ecke – in der zweiten Minute hieß es bereits 1:0 für den Tabellensechzehnten HSV. Das zehnte Saisontor für die Hamburger, das erste in diesem Jahr, der dritte Elfmetertreffer für van der Vaart, der zum Glück die Nerven behielt.

 

Beim HSV fehlte in der Anfangsformation etwas überraschend die Neuverpflichtung Marcelo Diaz, der nur auf der Bank saß. Nicht wenige hatten den Chilenen von Beginn an erwartet, aber die Verantwortlichen um Zinnbauer waren wohl der Meinung, dass der kleine Mittelfeldspieler erst einmal Bundesliga-Luft von außen schnuppern sollte, bevor er auf den Rasen darf. Auch das ist eine richtige Entscheidung. Die Diaz-Zeit wird schon noch rechtzeitig kommen, keine Frage. In Paderborn kam seine Zeit schon in der 59. Minute, als er für den stark gelb-rot-gefährdeten Jiracek auf den Platz kam.

 

Bei den Paderbornern spielte Lakic, der in der Winterpause aus Kaiserslautern gekommen war, von beginn an, hatte aber gegen die Innenverteidigung des HSV mit Johan Djourou und Slobodan Rajkovic kaum etwas zu bestellen. Gut so. Bei Lakic zucke ich seit der Zeit, als er nach einer schweren Verletzung gefühlt vier Jahren wieder das erste Mal für Frankfurt spielte (ist natürlich stark übertrieben) und im Volkspark den HSV „erschoss“. Diesmal passierte das zum Glück nicht.

 

Es war kein schönes Spiel, aber wer kann das jetzt noch, mit der Abstiegsangst im Nacken, erwarten? Jetzt muss gekämpft werden, und das machte der HSV. Es war eine große Hektik im Spiel, der ball sprang teilweise wie bei einem Flipper über den Rasen, aber sie gaben von beiden Teams immer alles. So muss es sein. Ruhe im Spiel aber geht anders. Und das schafften sie beide nicht. Das war Überlebenskampf pur, ohne lange Abtastphase, immer um Tempo bemüht. Und diesen Kampf hat der HSV in seiner Vergangenheit nicht immer so angenommen, wie diesmal in Paderborn. Keiner ließ sich hängen, auch wenn es bei dem einen oder anderen nur kämpferisch lief, spielerisch aber so gut (oder schlecht) wie nichts. Leider.

 

Der HSV stand in der 21. Minute sogar vor dem 2:0 – das wäre unglaublich gewesen. Zoltan Stieber paaste den Ball von links vor das Tor, an Keeper Kruse vorbei, Nicolai Müller hatte die Chance, aus vier Metern zu treffen – aber er schoss den ehemaligen Hamburger Brückner (früher HEBC) kurz vor der Torlinie stehend an. Pech? War es wohl.

 

Dann kam Paderborn allmählich besser ins Spiel. Oder der HSV ließ nach. Große Chancen aber hatte das Team von Trainer Andre Breitenreiter (früher HSV-Profi) nicht. Bakalorz stieg bei einem Eckstoß höher als Rajkovic, aber der Ball flog aus fünf Metern Entfernung weit am Hamburger Gehäuse vorbei (33.).

 

Die letzte HSV-Chance vor dem Seitenwechsel hatte Stieber auf dem linken Fuß, der Ungar zog aus 18 Metern ab, der Ball flog aber knapp am langen Eck vorbei (37.). Die Möglichkeit von Stieber, der nach einer Müller-Flanke aus 18 Metern volley weit über das SCP-Tor drosch, zähle ich nicht als Chance (45.). Halbzeit. In den ersten 45 Minuten war, das nur am Rande, der Ballbesitz 61:39 Prozent für Paderborn. Aber wir wissen ja, dass so etwas kaum eine Aussagekraft hat.

 

In der zweiten Hälfte, das war zu erwarten, kam Paderborn. Zuerst hatte es Marcell Jansen aus 20 Metern versucht, gehalten (53.). Sekunden später, nach dem HSV-Eckstoß, versuchte sich Kachunga mit einem Heber aus elf Metern, der Ball tanzte auf der Torlatte des HSV-Gehäuses, aber er flog nicht ins Netz. Riesiges Glück für den HSV. Zumal Schiedsrichter Gagelmann die Grätsche von Jaroslav Drobny gegen Kachunga nicht als Elfmeter wertete – doppeltes Glück. Und als Gagelmann dann in der 63. Minute wieder nicht auf den Punkt zeigte, als Ronny Marcos Kachunga an der Hose festhielt, da brannten auf Paderborner Seite einigen Leuten die Sicherungen durch. Geschäftsführer Michael Born war völlig aus dem Häuschen und wurde auf die Tribüne geschickt.
Wann war Hoyzer eigentlich noch? Und damals gab es auch schon Born bei Paderborn. Irgendwie gleicht sich im Fußball doch alles mal wieder aus . . .

 

Denn das 2:0 fiel in der 72. Minute. Eckstoß von Stieber, Faustabwehr Kruse, Müller köpft den Ball zu Jansen, der sich halbrechts dreht und mit links ins kurze Eck schießt. War das ein Jubel auf Hamburger Seite. Ein Tor, das sich vorher keineswegs angedeutet hatte – aber so wichtig! So überlebensnotwendig! Traumhaft.

 

Und es kam noch schöner! Das 3:0 in der Nachspielzeit. Jansen tankte sich links gegen zwei Paderborner durch, flankte, Artjoms Rudnevs stieg hoch und bediente den am Elfmeterpunkt lauernden Stieber – und der schoss den Ball wunderschön hoch unter die Torlatte. Jubel, Jubel, Jubel – und Abpfiff. Gleich zwei Dreier, wer hätte das gedacht? Ich nicht! Glückwunsch, HSV! Und Joe Zinnbauer!

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Westermann, Djourou, Rajkovic, Marcos; Jiracek (59. Diaz), van der Vaart (66. Kacar); Müller, Stieber, Jansen; Olic (89. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny spielte fehlerlos und war stets ein sicherer Rückhalt.

 

Heiko Westermann lief mit rosa Stiefeln auf und spielte tadellos mit diesen Buffern. So, als hätte er schon immer hinten rechts gespielt – die Allzweckwaffe eben.

 

Johan Djourou recht, recht ordentlich, hielt den Laden hinten zusammen und ließ kaum etwas anbrennen. Das war eine glatte Zwei!

 

Slobodan Rajkovic hielt diesmal auch konditionell gut mit (im Gegensatz zum Köln-Spiel) und hatte in der Defensive viele, viele gute Szenen. So könnte er sich auf Dauer in das Team spielen.

 

Ronny Marcos hatte es mit einem der besten Paderborner zu tun, mit Koc, aber den hatte er eigentlich bestens im Griff. Das war absolut eine ganz runde Geschichte und verdient eine Wiederholung.

 

Petr Jiracek gefiel von Anfang an als Kampf-Biest, auch wenn er gelegentlich das Foulspiel (in Strafraumnähe) übertreibt. Dennoch endlich einmal ein gutes Spiel des Tschechen. Kommt er doch noch einmal?

 

Rafael van der Vaart war wieder viel unterwegs, das Spiel bekam er selten einmal unter Kontrolle, aber das soll er wohl auf der Sechs auch nicht mehr. Er gibt alles für seine Mannschaft, und das sieht immer vorbildlich aus.

 

Nicolai Müller war besser als gegen Köln, das aber ist auch keine Kunst, weil er da gar nicht zu sehen war. Diesmal auch nicht sehr viel mehr, aber immerhin blitzte in einigen wenigen Szenen doch einmal so etwas wie Können auf. Ich bewundere die Geduld von Zinnbauer.

 

Zoltan Stieber war der Gewinner der Vorbereitung, er zeigte viel „Leben“, er hat deutlich an Selbstvertrauen gewonnen (warum auch immer?) – das wird ihm und auch der Mannschaft helfen. Weiter so!

 

Marcell Jansen war mit Sicherheit eine Stütze des HSV, denn er marschierte viel und machte nach hinten einiges mit Auge. Und er schoss ein Tor. Das war unheimlich wichtig!

 

Ivica Olic lief viel, war aber kaum zu sehen, er trat auch nie in Erscheinung. Das kann er besser.

 

Marcelo Diaz (ab 59. Min. für Jiracek) war dabei und mischte auf Anhieb gut mit. Vielversprechend.

 

Gojko Kacar (ab 66. Min. für van der Vaart) war sofort im Spiel und hatte starke Szenen – sehr gut!

 

Artjoms Rudnevs (ab 89. Min. für Olic) bereitete immerhin noch das 3:0 vor. Klasse gemacht.

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