Archiv für das Tag 'Hidien'

Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

Drei Tore! Der HSV siegt 3:0 in Paderborn!

4. Februar 2015

Endlich! Der Knoten ist geplatzt! Der HSV gewinnt sein erstes Spiel des Jahres und schießt dabei sogar drei Tore! Na bitte, es geht doch. 3:0 wurde in Paderborn gewonnen, damit erfolgreich Revanche für das Hinspiel genommen – auch 0:3 damals. Der HSV war früh in Führung gegangen, wackelte dann in Halbzeit zwei ein bisschen, aber letztlich setzte sich das clevere Team verdient durch. Auch wenn das Resultat mit Sicherheit ein oder gar zwei Tore zu hoch ausgefallen ist, aber darüber muss nun wirklich nicht gemeckert werden. Das war eine Leistung, auf der Trainer Joe Zinnbauer aufbauen kann – und wird, am Sonnabend geht es im Volkspark gegen den Nordrivalen Hannover 96 schon wieder einmal „um alles“. Aber dieser 3:0-Erfolg müsste eigentlich allen Hamburger wieder mehr Selbstvertrauen geben!


Die Reaktion auf die Köln-Pleite war okay. Sehr okay. Diesmal stimmte die Einstellung aller. Gegen Köln stimmte sie zwar auch cirka 20 Minuten, in Paderborn aber waren alle hellwach. Ein Zeichen dafür, weil ich danach in dieser Woche schon oft gefragt worden bin, dass Joe Zinnbauer die Mannschaft noch erreicht. Für mich war das auch keine Frage, muss ich gestehen, für einige besorgte HSV-Fans und auch Experten durchaus schon. Besonders bei Petr Jiracek war es zu sehen, dass Zinnbauer ihn ganz besonders motiviert hatte, denn von der ersten Sekunde an war der Tscheche hundertprozentig bei der Sache, und er dirigierte seine Nebenleute sogar, stellte sie, motivierte auch. Endlich mal ein ordentliches „Lebenszeichen“ von „Jira“.

 

Der Start in diese Partie war natürlich auch sensationell. Davon träumt ein jeder Trainer – und ein jeder Spieler wohl auch. Rafael van der Vaart schickte auf der halblinken Position Marcell Jansen auf die Reise, der nahm den Ball mit der Brust an und drang in den Strafraum der Paderborner ein. Dort „kümmerten“ sich Ziegler und Wemmer um den Hamburger, der kam zu Fall und riss beide Arme dabei hoch – Elfmeter nach nur neun Sekunden. Völlig berechtigt, wenn ich das aus der Entfernung und nur vom Bildschirm her sagen darf. Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) entschied sofort auf Strafstoß und gab Ziegler, dem „Hauptübeltäter“, die Gelbe Karte. Die Ausführung des Elfmeters übernahm van der Vaart, und der schickte Torwart Kruse in die falsche Ecke – in der zweiten Minute hieß es bereits 1:0 für den Tabellensechzehnten HSV. Das zehnte Saisontor für die Hamburger, das erste in diesem Jahr, der dritte Elfmetertreffer für van der Vaart, der zum Glück die Nerven behielt.

 

Beim HSV fehlte in der Anfangsformation etwas überraschend die Neuverpflichtung Marcelo Diaz, der nur auf der Bank saß. Nicht wenige hatten den Chilenen von Beginn an erwartet, aber die Verantwortlichen um Zinnbauer waren wohl der Meinung, dass der kleine Mittelfeldspieler erst einmal Bundesliga-Luft von außen schnuppern sollte, bevor er auf den Rasen darf. Auch das ist eine richtige Entscheidung. Die Diaz-Zeit wird schon noch rechtzeitig kommen, keine Frage. In Paderborn kam seine Zeit schon in der 59. Minute, als er für den stark gelb-rot-gefährdeten Jiracek auf den Platz kam.

 

Bei den Paderbornern spielte Lakic, der in der Winterpause aus Kaiserslautern gekommen war, von beginn an, hatte aber gegen die Innenverteidigung des HSV mit Johan Djourou und Slobodan Rajkovic kaum etwas zu bestellen. Gut so. Bei Lakic zucke ich seit der Zeit, als er nach einer schweren Verletzung gefühlt vier Jahren wieder das erste Mal für Frankfurt spielte (ist natürlich stark übertrieben) und im Volkspark den HSV „erschoss“. Diesmal passierte das zum Glück nicht.

 

Es war kein schönes Spiel, aber wer kann das jetzt noch, mit der Abstiegsangst im Nacken, erwarten? Jetzt muss gekämpft werden, und das machte der HSV. Es war eine große Hektik im Spiel, der ball sprang teilweise wie bei einem Flipper über den Rasen, aber sie gaben von beiden Teams immer alles. So muss es sein. Ruhe im Spiel aber geht anders. Und das schafften sie beide nicht. Das war Überlebenskampf pur, ohne lange Abtastphase, immer um Tempo bemüht. Und diesen Kampf hat der HSV in seiner Vergangenheit nicht immer so angenommen, wie diesmal in Paderborn. Keiner ließ sich hängen, auch wenn es bei dem einen oder anderen nur kämpferisch lief, spielerisch aber so gut (oder schlecht) wie nichts. Leider.

 

Der HSV stand in der 21. Minute sogar vor dem 2:0 – das wäre unglaublich gewesen. Zoltan Stieber paaste den Ball von links vor das Tor, an Keeper Kruse vorbei, Nicolai Müller hatte die Chance, aus vier Metern zu treffen – aber er schoss den ehemaligen Hamburger Brückner (früher HEBC) kurz vor der Torlinie stehend an. Pech? War es wohl.

 

Dann kam Paderborn allmählich besser ins Spiel. Oder der HSV ließ nach. Große Chancen aber hatte das Team von Trainer Andre Breitenreiter (früher HSV-Profi) nicht. Bakalorz stieg bei einem Eckstoß höher als Rajkovic, aber der Ball flog aus fünf Metern Entfernung weit am Hamburger Gehäuse vorbei (33.).

 

Die letzte HSV-Chance vor dem Seitenwechsel hatte Stieber auf dem linken Fuß, der Ungar zog aus 18 Metern ab, der Ball flog aber knapp am langen Eck vorbei (37.). Die Möglichkeit von Stieber, der nach einer Müller-Flanke aus 18 Metern volley weit über das SCP-Tor drosch, zähle ich nicht als Chance (45.). Halbzeit. In den ersten 45 Minuten war, das nur am Rande, der Ballbesitz 61:39 Prozent für Paderborn. Aber wir wissen ja, dass so etwas kaum eine Aussagekraft hat.

 

In der zweiten Hälfte, das war zu erwarten, kam Paderborn. Zuerst hatte es Marcell Jansen aus 20 Metern versucht, gehalten (53.). Sekunden später, nach dem HSV-Eckstoß, versuchte sich Kachunga mit einem Heber aus elf Metern, der Ball tanzte auf der Torlatte des HSV-Gehäuses, aber er flog nicht ins Netz. Riesiges Glück für den HSV. Zumal Schiedsrichter Gagelmann die Grätsche von Jaroslav Drobny gegen Kachunga nicht als Elfmeter wertete – doppeltes Glück. Und als Gagelmann dann in der 63. Minute wieder nicht auf den Punkt zeigte, als Ronny Marcos Kachunga an der Hose festhielt, da brannten auf Paderborner Seite einigen Leuten die Sicherungen durch. Geschäftsführer Michael Born war völlig aus dem Häuschen und wurde auf die Tribüne geschickt.
Wann war Hoyzer eigentlich noch? Und damals gab es auch schon Born bei Paderborn. Irgendwie gleicht sich im Fußball doch alles mal wieder aus . . .

 

Denn das 2:0 fiel in der 72. Minute. Eckstoß von Stieber, Faustabwehr Kruse, Müller köpft den Ball zu Jansen, der sich halbrechts dreht und mit links ins kurze Eck schießt. War das ein Jubel auf Hamburger Seite. Ein Tor, das sich vorher keineswegs angedeutet hatte – aber so wichtig! So überlebensnotwendig! Traumhaft.

 

Und es kam noch schöner! Das 3:0 in der Nachspielzeit. Jansen tankte sich links gegen zwei Paderborner durch, flankte, Artjoms Rudnevs stieg hoch und bediente den am Elfmeterpunkt lauernden Stieber – und der schoss den Ball wunderschön hoch unter die Torlatte. Jubel, Jubel, Jubel – und Abpfiff. Gleich zwei Dreier, wer hätte das gedacht? Ich nicht! Glückwunsch, HSV! Und Joe Zinnbauer!

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Westermann, Djourou, Rajkovic, Marcos; Jiracek (59. Diaz), van der Vaart (66. Kacar); Müller, Stieber, Jansen; Olic (89. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny spielte fehlerlos und war stets ein sicherer Rückhalt.

 

Heiko Westermann lief mit rosa Stiefeln auf und spielte tadellos mit diesen Buffern. So, als hätte er schon immer hinten rechts gespielt – die Allzweckwaffe eben.

 

Johan Djourou recht, recht ordentlich, hielt den Laden hinten zusammen und ließ kaum etwas anbrennen. Das war eine glatte Zwei!

 

Slobodan Rajkovic hielt diesmal auch konditionell gut mit (im Gegensatz zum Köln-Spiel) und hatte in der Defensive viele, viele gute Szenen. So könnte er sich auf Dauer in das Team spielen.

 

Ronny Marcos hatte es mit einem der besten Paderborner zu tun, mit Koc, aber den hatte er eigentlich bestens im Griff. Das war absolut eine ganz runde Geschichte und verdient eine Wiederholung.

 

Petr Jiracek gefiel von Anfang an als Kampf-Biest, auch wenn er gelegentlich das Foulspiel (in Strafraumnähe) übertreibt. Dennoch endlich einmal ein gutes Spiel des Tschechen. Kommt er doch noch einmal?

 

Rafael van der Vaart war wieder viel unterwegs, das Spiel bekam er selten einmal unter Kontrolle, aber das soll er wohl auf der Sechs auch nicht mehr. Er gibt alles für seine Mannschaft, und das sieht immer vorbildlich aus.

 

Nicolai Müller war besser als gegen Köln, das aber ist auch keine Kunst, weil er da gar nicht zu sehen war. Diesmal auch nicht sehr viel mehr, aber immerhin blitzte in einigen wenigen Szenen doch einmal so etwas wie Können auf. Ich bewundere die Geduld von Zinnbauer.

 

Zoltan Stieber war der Gewinner der Vorbereitung, er zeigte viel „Leben“, er hat deutlich an Selbstvertrauen gewonnen (warum auch immer?) – das wird ihm und auch der Mannschaft helfen. Weiter so!

 

Marcell Jansen war mit Sicherheit eine Stütze des HSV, denn er marschierte viel und machte nach hinten einiges mit Auge. Und er schoss ein Tor. Das war unheimlich wichtig!

 

Ivica Olic lief viel, war aber kaum zu sehen, er trat auch nie in Erscheinung. Das kann er besser.

 

Marcelo Diaz (ab 59. Min. für Jiracek) war dabei und mischte auf Anhieb gut mit. Vielversprechend.

 

Gojko Kacar (ab 66. Min. für van der Vaart) war sofort im Spiel und hatte starke Szenen – sehr gut!

 

Artjoms Rudnevs (ab 89. Min. für Olic) bereitete immerhin noch das 3:0 vor. Klasse gemacht.

Spielt der HSV in Paderborn “groß” auf?

3. Februar 2015

Eigentlich ist man selbst Schuld. Wenn man beim HSV bei offenbar verletzten Spielern nachfragt, bekam man zuletzt immer wieder zu hören, dass es „eine reine Vorsichtsmaßnahme“ gewesen sei, die zudem „mit den Medizinern so besprochen“ war. Das war in der Vergangenheit so, und das ist aktuell so. Negatives Highlight war Valon Behrami. Bei dem Schweizer spielten die Verantwortlichen die in der Winterpause durchgezogene Knieoperation herunter, indem sie erklärten, für den Rückrundenstart sei das eher kein Problem und der defensive Mittelfeldspieler könne vielleicht sogar schon im Trainingslager in Dubai wieder mitmischen. Was daraus wurde ist bekannt. Behrami hat noch keine Sekunde auf dem Trainingsplatz gestanden und fällt noch knapp sechs Wochen aus – wenn die Berechnungen der Verantwortlichen stimmen.

Zum Verzweifeln: Trainer Joe Zinnbauer (r.) muss schon wieder längere Zeit auf Stürmer Pierre Michel Lasogga verzichten

Zum Verzweifeln: Trainer Joe Zinnbauer (r.) muss schon wieder längere Zeit auf Stürmer Pierre Michel Lasogga verzichten

Am Montagabend war es Pierre Michel Lasogga, der das Training vorzeitig beendete. Es deutete eigentlich nicht viel auf eine Verletzung hin. Lasogga humpelte nicht, sondern ging geradewegs in die Kabine. Als Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer uns im Anschluss versicherte, dass da nichts sei und der Trainingsabbruch so besprochen gewesen sei, glaubten wir es. Ich auch. Leider ist dem nicht so und Lasogga fällt mit einem Muskelfaserriss mal wieder für ein paar Wochen aus, was zwei Fragen aufwirft: Warum werden Verletzungen verharmlost? Und vor allem: Wie kann es sein, dass der 8-Millionen-Einkauf schon wieder ausfällt?

Eine Erklärung könnte die mal wieder verpasste Vorbereitung sein. Wie schon im Sommer verpasste der bullige Angreifer einen wesentlichen Teil der Vorbereitung. Er sollte jetzt vorsichtig herangeführt werden, immer in Absprache mit den Medizinern, sagte Zinnbauer noch vor dem Montagstraining. Wie richtig er mit seiner vorsichtigen Herangehensweise liegen sollte, ist jetzt klar. Allerdings ist Lasoggas körperlicher Zustand noch labiler als alle dachten. Oder wurde hier eine Verletzung schlichtweg nicht ausgeheilt?

Ich kann es mir angesichts der extrem umfangreichen medizinischen Möglichkeiten zur Diagnose nicht vorstellen. Heutzutage werden alle Nas’ lang Blutwerte genommen und ausgewertet. Bis ins letzte Detail werden von den Medizinern entsprechend Aufbaugetränke und Essenspläne verfasst und den Spielern mitgegeben. Zudem werden für alle Spieler individuelle Aufbauprogramme für ihre Muskulatur errechnet. Heutzutage ist anhand der Gerätschaften im Trainingszentrum sogar erkennbar, inwieweit der kleine Zeh falsch belastet wird. Da sollte es ein Leichtes sein, eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss kontrolliert auszuheilen. Dennoch klappt es nicht. Ivo Ilicevic ist so ein Beispiel von andauernden und sich wiederholenden Muskelverletzungen, auf das Pierre Michel Lasogga nahtlos zu folgen scheint…

Dennoch, des einen Pech ist des anderen Glück. In diesem Fall könnte es für Artjoms Rudnevs die große Chance nach sich ziehen, sich als zweite Spitze neben Ivica Olic zu zeigen. Viel mehr Alternativen hat Zinnbauer kaum noch, da die sportlich sicher passendere Alternative Maxi Beister noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Oder setzt Zinnbauer wieder auf das gegen Köln erfolglose 4-1-4-1-System? Im Training heute probierte Zinnbauer wieder viel, ließ sich nicht in die Karten schauen. Zunächst mit Rajkovic in der Innenverteidigung und Westermann rechts in der Viererkette. Zudem agierte Jansen links offensiv sowie Jiracek neben van der Vaart auf der Doppelsechs. Und was sich vor Köln angedeutet hatte, scheint jetzt wieder wahrscheinlich: Zoltan Stieber rückt auf die Zehn hinter die einzige Spitze Ivica Olic. Und Stieber machte das auffällig gut. Wobei auch hier immer wieder gesagt werden muss: Es geht im Training für die HSV-Profis ja auch nur gegen den HSV…

Das Spiel endete im Übrigen 1:1 – Olic und Rudnevs trafen. Und der Letztgenannte zeigte sich trotz des Rückschlages gegen den 1. FC Köln, wo er für den einen Tag zuvor verpflichteten Olic weichen und am Ende auch noch Lasogga den Vortritt lassen musste, stark motiviert. Dennoch scheint die Variante mit Olic und Rudnevs eher keine für Zinnbauer zu sein. Zumindest ließ er heute das A-Team durchgehend mit einer Spitze spielen. Offenbar in der Hoffnung, dass das Vorziehen von Jansen links mehr Schwung über außen bringt, während man rechts erneut auf den (späten) Durchbruch von Nicolai Müller beim HSV hofft.

Dennoch neben der Frage, ob Diaz beginnen darf, bin ich am meisten gespannt darauf, wie Zinnbauer mit Rajkovic verfährt. Setzt er den Serben gleich wieder auf die Bank – oder vertraut er ihm erneut? Dann würde – zumindest wurde so trainiert – Westermann auf die rechte Abwehrseite rücken und Ashton Götz verdrängen. Und angesichts der Tatsache, dass diese Woche vermehrt Standards geübt wurden, spricht für eine „große“ Mannschaft. Soll heißen, Rajkovic bliebe drin, Westermann rückt auf rechts.

Apropos Rajovic: Wie Ihr alle hören könnt, scheint das IV-Ranking beim HSV in Stein gemeißelt. Zumindest scheint klar, dass Kacar trotz seiner ständigen Kadernominierungen keine Rolle spielt, solange nicht nach Cléber auch Westermann und Rajkovic ausfallen. Das sagt Zinnbauer im Video deutlich. Und es verwundert mich, da ich Kacar lange Zeit im Sommer sogar als besten Innenverteidiger neben Djourou gesehen habe. Zumindest verfügt der Serbe zweifellos über das gepflegteste Aufbauspiel. Womit ich beim zweiten und letzten Apropos bin: Ich kann ich mir nach Jiraceks unterirdischer Darbietung gegen Köln nicht vorstellen, dass Diaz zunächst für den Tschechen draußen bleibt.

Wahrscheinlich draußen, aber zumindest wieder im Kader ist Matthias Ostrzolek. Die anfänglich als Riesentalent gefeierte FC-Bayern-Leihgabe Julian Green ist dagegen erneut nicht dabei. Und Ostrzolek trainierte heute gut – dennoch blieb Ronny Marcos das gesamte Abschlussspiel über in der A-Elf. Wobei das nichts heißen muss, immerhin ließ Zinnbauer anhand der immer wieder wechselnden Aufstellungen im Training alles offen. Insofern dürfen wir alle gespannt sein, wen Zinnbauer morgen in der ausverkauften Benteler-Arena in Paderborn zu Beginn an aufstellt. Allerdings kann ich nur hoffen, dass sich Zinnbauer möglichst zeitnah auf eine Stammelf verständigt.

In diesem Sinne, morgen sehen wir uns nach dem Paderborn-Spiel. Dann meldet Dieter sich zuerst mit seinem Blog und anschließend zusammen mit dem Ex-HSV-Profi Peter Hidien sowie dem aktuellen U23-Kapitän Sven Mende und meiner Wenigkeit aus dem Champs.

Bis dahin,
Scholle

So könnte der HSV spielen: Drobny – Götz, Djourou, Westermann, Marcos – Diaz, van der Vaart – Müller, Stieber, Jansen – Olic.

Hrubesch: “Man muss einen Plan haben . . .”

20. Dezember 2012

Wie bereits angekündigt, gestern habe ich ein Gespräch mit Horst Hrubesch geführt. Einer der Helden von 1983 – einer meiner ganz großen Helden. Zu ihm habe ich immer aufgeschaut. Und ich muss eines mal sagen, zur Weihnachtszeit wird man ja auch immer ein wenig plauderhafter, dass Horst Hrubesch (hoffentlich habe ich es nicht bereits mal geschrieben – sonst würde ich euch ja nur langweilen . . .) neben Franz Beckenbauer der einzige HSV-Spieler war, den ich immer per Sie begrüßt und gesprochen habe. Auch Uwe Seeler wird nicht geduzt, aber bei Hrubesch hatte das einen speziellen Grund. 1983, nach dem Europapokal-Gewinn, war ich in Ochsenzoll der einzige Mensch, der auf die Athener Helden gewartet hat. Gefeiert wurde die Mannschaft in Hamburg, ich stand in Norderstedt und wartete, wartete, wartet. Dann kamen sie alle. Und gingen in die Kabine – ich wartete weiter.

Irgendwann kam Jürgen „Joschi“ Groh raus, sah mich, hakte mich unter einen Arm und sagte – indem er mich in die Kabine schleppte: „Dieter, du kommst jetzt mit und nimmst einen Schluck aus dem Pokal.“ Gesagt, getan. Unten duschten einige Spieler, einige föhnten ihre Haare, andere saßen auf der Bank und unterhielten sich. Plötzlich trat Horst Hrubesch aus der Dusche hervor und herrschte Groh an: „Joschi, was soll der Scheiß? Du weißt geanu, dass Journalisten hier nichts zu suchen haben. Also raus mit ihm!“ Groh, ein wenig angeheitert (weil er offenbar auch schon aus dem Pokal getrunken hatte), sagte: „Ja, ja, Dieter will nur schnell einen Schluck nehmen, dann geht er auch wieder . . .“ Auch so geschah es. Ein Schluck – und ein (Ab-)Gang, das war eins. Schnell weck – w e c k!

Seit dieser Zeit habe ich einen ganz großen Bogen um Horst Hrubesch gemacht. All die Jahre. Ich hatte vor dem Kopf der Meistermannschaft einen irre großen Respekt. Jahre später, wenn wir uns getroffen haben, habe ich ihn immer per Sie angesprochen. Logisch. Das hielt so bis in etwa vor eineinhalb Jahren. Da telefonierten wir – und Hrubesch duzte mich. Da fragte ich ihn – ganz offiziell: „Sind wir nun eigentlich beim Du – oder beim Sie?“ Er: „Natürlich beim Du. Das habe ich ohnehin nie verstanden, dass du immer Sie gesagt hast. Warum eigentlich?“ Da habe ich ihm erzählt, warum. Er lachte nur und sagte: „Erstens musst du doch keine Angst vor mir haben, und zweitens bist du der Ältere, also hätte das Du von dir kommen müssen . . .“

So haben wir die Du-Kuh nach vielen, vielen Jahren vom Eis bekommen . . .

Und ich bin immer noch ein großer Fan des „Ungeheuers“, der ja unheimlich viel für den HSV und die Raute geleistet hat. Viel ist gar kein Ausdruck, er hat Sensationelles geleistet. Nicht nur wegen seiner Aussage: „Flanke Manni, ich Kopf – Tor.“ Hrubesch war der Leader der besten HSV-Mannschaft aller Zeiten, sein Wort war Gesetz. Und er hat dieses Team in ganz bestimmte Bahnen gelenkt – weil er ein großer Teamplayer ist. Ich verehre ihn, das muss ich gestehen, immer noch sehr, ich habe auch immer noch großen Respekt vor seiner Lebensleistung – und vor seiner Menschlichkeit. Horst Hrubesch, der von einigen Mitspielern (von damals) ja auch „Rübe“ genannt wird, passt einfach in diese Welt. Mehr von dieser Sorte, und es würde uns allen – nicht nur fußballerisch – besser gehen Weil er auch stets einen Blick für den Nebenmann hatte – und immer noch hat. Hermann Rieger, fällt mir ein, würde das zu 100 Prozent bestätigen. Und nicht nur der „Dino“, auch vielen andere denken so. Hrubesch ist einfach eine Erscheinung. Und ich würde es immer noch begrüßen, wenn er beim HSV in irgendeiner Form mitmischen würde. Aber das wird wohl ein unerfüllter Traum bleiben, obwohl ich davon überzeugt bin, dass er dem Klub helfen könnte – und auch würde.

So, das war mein sentimentales Hrubesch-Wort zu Weihnachten. Worüber wir gesprochen haben, das könnt ihr jetzt im folgenden Teil lesen. Nein, stopp, noch nicht. Eines muss ich noch schnell loswerden: Als Matthias Sammer DFB-Sportdirektor wurde, da „biss“ er einige Trainer und deren Helfer schnell mal wech. W e c h. Ist alles nachzulesen. Ich glaube auch, dass Horst Hrubesch auf dieser Streichliste stand – aber dann doch nicht „geköpft“ wurde. Ich sprach darüber einmal mit Sammer, und indirekt bestätigte er mir derartige Überlegungen, aber er sagte auch: „Als ich Horst Hrubesch dann in einem persönlichen Gespräch kennengelernt hatte, da wusste ich, dass er bleiben muss. Er hat mich von seinen großen Fähigkeiten überzeugt. Und ich bin davon immer noch absolut überzeugt.“ Das war noch zu DFB-Zeiten, heute ist Sammer ja bekanntlich ein Bayer und beim Rekordmeister, hat also mit Hrubesch nichts zu tun.

So, nun aber zu unserem Gespräch vom Mittwoch:

Mit dem Abstieg, sagt Horst Hrubesch, hat der HSV nichts mehr zu tun. Das würde auch schon für die nächste Saison gelten. Und das sei beruhigend zu wissen. Überhaupt, er ist zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf, denn er hatte bezüglich dieser Spielzeit mehr oder auch größere Schwierigkeiten für den HSV erwartet. Und er nennt auch einen Grund für diese Prognose: „Für mich sind es aber nicht die beiden letzten Verpflichtungen, die von Rafael van der Vaart und Petr Jiracek, die für die Stabilisierung des Teams gesorgt haben, für mich ist das Milan Badelj. Der Mann hat eine unglaubliche Ruhe in seinem Spiel, ist technisch sehr versiert, er hat viele gute Ideen und hat ein sehr, sehr gutes Auge. Dieser Badelj ist ein riesiger Gewinn für diese Mannschaft.“

Dazu lobt der frühere Nationalstürmer ganz besonders Torwart Rene Adler: „Da hat man jetzt einen Mann zwischen den Pfosten, der die Mannschaft schon mehrfach gerettet hat. Adler hat dem HSV, so denke ich, zwölf Punkte geholt. Und wenn man diese Punkte mal von den bisherigen 24 Punkten abziehen würde, wo würde der HSV dann stehen? Der HSV hat bestimmt einige Spieler dabei, die okay sind, die gut sind, aber es bleibt insgesamt doch noch viel zu tun.“

Horst Hrubesch steht für eine, nein, für die erfolgreichste HSV-Zeit überhaupt. Meisterschaften, Europapokalgewinn, und, und, und. Er hat, daran kann ich mich erinnern, damals stets über den HSV-Erfolg gesagt: „Wir siegen, weil bei uns elf Winner-Typen auf dem Platz stehen.“ Fehlen diese Typen der heutigen Mannschaft? Horst Hrubesch: „Das will ich nicht sagen. Bei uns aber waren es auch nicht elf, das muss ich korrigieren, es waren 18. Und unsere Erfolge basierten nicht auf den Winner-Typen, sondern auf die Leute, die um die Mannschaft herum arbeiteten. Günter Netzer war ein erstklassiger Manager, der seine Vorstellungen vom Spiel dieser Mannschaft personell umsetzte. Dann war Ernst Happel ein riesiger Trainer, dazu war Wolfgang Klein ein hervorragender Präsident. Zu jenen HSV-Zeiten stimmte eben einfach alles im Klub.“

1983 stand der HSV an der Spitze Europas, aber letztlich wurde diese Spitzen-Position wieder verspielt. Höchst bedauerlich. Hrubesch hat auch eine Erklärung dafür: „Da der HSV ein Gesamtverein war, wurde das Geld, das wir eingespielt haben, an alle Abteilungen verteilt. Das ist, im Gegensatz zum FC Bayern, nicht in unsere Mannschaft investiert worden. Bei uns war es deswegen nicht möglich, mich und oder auch Lars Bastrup in Hamburg zu halten – und dazu dann auch noch Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider zu verpflichten. Es ging nur eins, und dafür mussten letztlich wir gehen. Obwohl Happel und Netzer gerne gesehen hätten, dass ich noch ein Jahr bleibe. Aber aus finanziellen Gründen war das nicht möglich.“ Horst Hrubesch weiter: „Es hieß damals oft, es heißt sogar heute noch mitunter, dass wir mit dem Europapokalsieg den Grundstein für einen starken HSV hätten legen müssen, aber das konnten wir nicht, denn dass Geld wurden eben im ganzen Klub verteilt.“

Hrubesch erinnert sich noch an jene Zeit, als er von Rot-Weiß Essen zum HSV gekommen ist. Das war zur Saison 1978/79. „Ich weiß noch ganz genau, dass es damals in Hamburg hieß, dass der HSV nun ein Abstiegskandidat sei. Weil Leute wie Zaczyk, Volkert, Steffenhagen, Keller und Eigl gegangen waren, und weil nur Spieler aus der Zweiten Liga dazu gekommen waren. Wie Wehmeyer, Hartwig, Gorski, Plücken und mir. Und dann wurden wir Meister, das war sensationell. Dazu gehört zwar etwas Glück, aber wir haben uns auch zu einer sehr, sehr guten Mannschaft entwickelt.“

Als Hrubesch und Bastrup gingen, wurden Wuttke und Schatzschneider geholt. Der Europameister von 1980: „Da haben sich in Hamburg alle in den Armen gelegen, weil diese beiden tollen Spieler zum HSV gekommen sind, aber diese beiden Spieler haben letztlich nicht gewusst, worum es beim HSV geht. Was mich, das gebe ich zu, sehr gewurmt hat. Meine ehemaligen Kollegen haben es damals nicht geschafft, Wuttke und Schatzschneider auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Wir hätten das zu meiner Zeit über das Training geregelt, aber das wurde nach meinem Weggang vom HSV nicht mehr so gemacht . . . Leider nicht.“

Dann ging es bergab mit dem HSV.

Heute stehen die Rothosen im Mittelfeld der Bundesliga und setzen auf den Neuaufbau. Horst Hrubesch trainiert beim Deutschen Fußball-Bund die U-18-Nationalmannschaft, hat also stets viele, viele und große Talente um sich herum. Hat der heutige HSV auch Talente, von denen der Fan noch viel erwarten kann? Der DFB-Trainer: „Der HSV hatte und hat immer den einen oder anderen. Nur was ist bislang über geblieben? Maximilian Beister zum Beispiel, der ein großes Talent hatte, wurde für zwei Jahre ausgeliehen, und viele weiter Spieler auch. Einige von diesen Talenten aber würden, wenn sie noch in Hamburg wären, dem HSV heute bestimmt noch gut zu Gesicht stehen.“

Dann fügt er hinzu: „Ich sage ja immer: Wenn du die Zukunft planen willst, dann musst du die Vergangenheit aufarbeiten. Und wenn man in die Vergangenheit gesehen hätte, als Kaltz, Memering, Kargus, Lübeke, später noch Hidien, Krobbach, Hochheimer, Eigl und, und, und, dazu dann Leute wie Wehmeyer, Hartwig und ich – und dass daraus dann eine erfolgreiche Mannschaft geworden ist, das wäre ein Weg gewesen. Denn letztlich wurde doch durch die jungen Leute der Grundstein für eine erfolgreiche HSV-Zeit gelegt. Diese jungen Leute waren hungrig, und wir alle haben viel und hart trainiert, wir sind immer über eine harte und vorbildliche Arbeit – dafür war Branko Zebec bekannt – zu den Erfolgen gekommen, das war der Grund für diese tolle und erfolgreiche Zeit. Und das wäre doch ein gutes Beispiel für die nachfolgenden Generationen gewesen. Wäre . . .“

Heute hat der HSV wieder eine junge Mannschaft. Und kann dieses Team eventuell einmal so explodieren, dass daraus ein Weg wieder zurück in die nationale Spitze wird? So wie zum Beispiel Borussia Dortmund einst explodiert ist? Horst Hrubesch ist skeptisch: „Dazu müsste schon etwas mehr passieren. Dafür müsste zunächst einmal ein Plan vorhanden sein. Du musst einen Weg vorgeben, du musst ein Ziel haben. Und dieses Ziel muss realistisch sein. Für mich wäre es realistisch, dass der HSV sich so festigt, dass man irgendwann mal wieder in Richtung Europa League gehen kann. Das wäre schon mal gut Dazu muss man aber erst mal eine sportliche Bestandsaufnahme machen – und dazu auch von der wirtschaftlichen Seite her. Dann weiß man, wo man steht, und dann kann ein Plan festgelegt werden . . .“

Und wenn man dabei feststellt, dass man kein Geld für Stars oder fertige Spieler hat, dann muss man sich eben um Talente bemühen. Und so eventuell zu seinem Glück gezwungen werden. In etwa versucht es der HSV ja auch heute so, und man wird sehen, wie erfolgreich dieser Weg verfolgt wird – und ob er letztlich zum Erfolg oder zu Erfolgen führen wird.

Am 13. Januar gibt es beim HSV die Wahlen in den Aufsichtsrat. Vier neue Mitglieder werden gewählt. Viele Fans stellen sich zur Wahl. Sorgt sich Horst Hrubesch um die Zusammensetzung des neuen Rates? Er sagt: „Das kann ich nicht einschätzen, und das kann ich ja ohnehin nicht beeinflussen. Das werde ich genauso abwarten müssen, wie es andere machen. Insgesamt ist es doch so: Die Bundesliga hat nachgewiesen, dass mit diesen Strukturen nicht zu arbeiten ist, der HSV ist aber einer der wenigen Vereine, der noch eine solche Struktur hat – oder vielleicht ist er inzwischen auch der einzige.“

Themenwechsel. Wie denkt Horst Hrubesch über Artjoms Rudnevs? „Der Junge muss sich erst noch an die Liga gewöhnen. Er ist nicht der Stürmer, der beweglich ist, der die Bälle vorne festmacht, der Bälle behauptet oder Tore vorbereitet. Ich kann ihn nicht abschließend beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass er arbeitet, dass er viel tun will, der viel gibt, der stets sein Bestes gibt, der immer einsatzbereit ist, der nicht am Boden liegen bleibt, wenn er mal gefoult worden ist – das rechnen ich ihm an, das macht er gut. Ob er letztlich mal 15 Tore in einer Saison schießen wird, das weiß ich nicht.“

Und was hat der HSV an diesem Saisonende erreicht? Hrubesch: „Ich gehe davon aus, dass er dort stehen wird, wo er jetzt auch steht. Ungefähr Platz zehn, vielleicht zwei Plätze nach oben – und wenn es ganz gut läuft, dann kann es auch ein internationaler Platz werden. Wenn es ganz gut läuft. Aber dazu müsste die Mannschaft auch erst einmal konstanter werden. Und es gibt ja immer noch, das darf nicht vergessen werden, in fast allen Mannschaftsteilen Baustellen. Nur im Tor nicht.“

Wie steht Horst Hrubesch der Debatte um die Pyro-Technik in den Stadien gegenüber? „Für mich ist es überhaupt kein Thema, solche Dinge gehören ganz einfach nicht in Fußballstadien. So einfach ist das. Wir haben es doch bei der WM 2006 im eigenen Lande gezeigt, dass es auch ohne geht. Da hat die Welt doch ein Fußball-Fest der ganz besonderen Art erlebt und gefeiert – ganz ohne Bengalos. Es geht doch. Und zum Glück halten ja jetzt auch viele Zuschauer inzwischen dagegen, wenn in einem Stadion gezündelt wird. Das ist doch ein gutes Zeichen.“

Ein gutes Zeichen ist es sicher auch, dass sieben Bundesliga-Klubs in diesem Winter international überwintert haben. Das ist Rekord. Und ein Zeichen für die großartige Entwicklung des deutschen Fußballs? Hrubesch: „Das ist auch ein Zeichen dafür, dass der Weg, den der DFB damals gegangen ist, mit den Landesverbänden, mit den Stützpunkten, mit den Leistungszentren in der Bundesliga, dass das sehr gut war. Aber ich warne davor, dass man annimmt, dass das immer so weiter geht. Man muss weiterhin viel dafür tun, hart dafür arbeiten, es darf sich nicht ausgeruht werden. Im Moment profitieren wir ganz einfach davon, was der DFB, die DFL und die Bundesliga in diesem Punkt vor zehn Jahren unternommen haben. Alle haben sich da eingebracht. Grundsätzlich ist mein Standpunkt, dass man nicht nur über das Talent viel erreicht, sondern man muss hart arbeiten Und man muss sich zu 100 Prozent in die Sache einbringen, nur so geht es, das allein ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Er hört danach auf, zu sprechen. Für eine gewisse Zeit. Und ich denke, er würde wohl gerne noch etwas mehr zu diesem Thema sagen, aber er sagt es nicht. Da schießt es mir durch meinen Kopf: „Vielleicht denkt Horst Hrubesch ja, dass sich heute längst nicht mehr alle zu 100 Prozent in eine Sache einbringen? Nicht nur beim HSV, aber eben auch.“ Er schweigt.

Bis zur nächsten Frage. Ein ganz anderes Thema: Ist der Tod des niederländischen Linienrichters ein Beweis dafür, dass der Fußball brutaler geworden ist? Horst Hrubesch sagt: „Das glaube ich nicht, solche Vorfälle hat es früher auch schon mal gegeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass es in der Häufigkeit eine Steigerung gegeben hat.“

Dann kommen wir zum Schluss. Wie steht Horst Hrubesch zu impulsiven Trainern wie dem Freiburger Christian Streich oder auch dem Mainzer Thomas Tuchel? Sind ihm vielleicht ruhigere Trainer wie zum Beispiel Jupp Heynckes lieber? Hrubesch: „Ich bin froh, dass es solche unterschiedlichen Trainer-Typen gibt. Früher gab es auch einen Christoph Daum. Es waren immer verschiedene Trainer-Typen dabei, das macht den Fußball auch aus – und es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Fußball ist ein einfaches Spiel, aber es gibt unterschiedliche Methoden, um auch erfolgreich zu sein. Mich freut ein Mann wie Christian Streich. Der Mann arbeitet voller Leidenschaft, der Mann hat einen Plan und weiß genau, was er tut. Großartig.“

Ein schönes Schlusswort: großartig!

Obwohl, es gibt da noch zwei Dinge, über die noch geschrieben werden sollte.

Gojko Kacar zum Beispiel steht in Verhandlungen mit Hannover 96. Es soll eine Ablöse von zwei Millionen Euro im Raum stehen. Das wäre schön. Und ein guter Anfang in die Schlussverkaufs-Wochen.

Und dann liegt mir, ich gebe es zu, die Arroganz der Bayern im Magen. Sogar sehr. Hoffentlich verkrafte ich den Puter am ersten Weihnachtsfeiertag. Hoffentlich. Da beschwert sich nämlich nicht nur Fußball-Gott Rummenigge, euer Majestät, über den Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (leitete Augsburg – Bayern) in unflätiger Art und Weise, nein, nun mischt sich auch noch die linke Hand des Fußball-Gottes, nämlich Matthias Sammer, ein. Ihn ärgert in der Diskussion, ob die Rote Karte für Franck Ribery gerechtfertigt ist oder nicht (der Franzose wurde für zwei Pokalspiele gesperrt), deshalb besonders, weil nicht über die schlechte Schiedsrichter_Leistung diskutiert wird. Wie bitte? das ist ja unfassbar, das schlägt ja dem Fass den Boden aus. Spinnen die beim FC Bayern nun total? Nur weil sie die Überflieger der Bundesliga sind? Da fehlt mir jegliches Verständnis. Was sind das nur für Menschen, die da in Bayern, haben die ganz allein für sich gepachtet, den Fußball erfunden zu haben? Die müssten doch ihren Trainer Jupp Heynckes jetzt glatt entlassen, weil dieser es doch gewagt hatte, nicht über den Schiedsrichter (Kinhöfer) zu pöbeln. Der DFB, der große DFB, diszipliniert alle und jeden, wenn es irgendetwas zu disziplinieren gibt, nun sollte er endlich auch mal etwas gegen diese selbstherrlichen Herren des FC Bayern unternehmen. Das geht doch schon lange nicht mehr. Rummenigge hat den Bogen doch schon viel zu oft und zu lange überspannt – und Sammer muss ganz offensichtlich nachziehen, damit er nicht ganz in Vergessenheit gerät.
Nein, so geht es nicht, diese grenzenlose Arroganz muss mal und muss endlich einmal zurückgepfiffen werden.

Ihr Herren vom DFB, zeigt den Jungs aus Bayern mal die Zähne. Oder auch nur mal die Grenzen auf.

PS: Es ist eine Wohltat, dass sich Uli Hoeneß (noch) aus dieser Diskussion heraushält. Er ist eben schlau. Viel schlauer als andere Dummschwätzer.

16.49 Uhr

Traumtore – Son übt sie mit dem Papa

27. Oktober 2012

In der 60. Minute wiederholte Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp seine Meinung, die er schon mehrfach vor und in der Halbzeitpause geäußert hatte: „Dieses Spiel kann der HSV gar nicht mehr verlieren. Augsburg ist zu schwach, und der HSV steht gut und spielt clever.“ Auf den Punkt gebracht, diese Analyse. So souverän sah das aus – und da gilt es, das Wort souverän zu unterscheiden von gut. Gut hat der HSV nämlich nicht so oft während dieser 90 Minuten gespielt, aber dennoch war dieser Dreier doch nur höchst selten in Gefahr. Für mich eigentlich nur beim Stande von 0:1, als der Augsburger Werner mit Beginn der zweiten Halbzeit gleich „zwei Elfmeter“ ausließ, als er aus fünf Metern neben das HSV-Tor köpfte. Ein kleines Wunder, einen solchen Ball nicht mal auf das Tor zu bekommen – aber natürlich gut für den HSV. Und als Werner dieses „dicke Ding“ liegen ließ, der HSV auf 2:0 erhöhte, da war das Spiel gelaufen. Auch deshalb, weil der durchaus engagierte und sehr wohl bemühte FC Augsburg eben viel schlechter spielte als der HSV.

Wer nicht weiß, wer „Ditschi“ Ripp ist: Er war der Libero der Europapokal-Gewinner-Mannschaft von 1977, und er saß gestern gemeinsam mit dem Linksverteidiger der HSV-Sieger-Elf, Peter Hidien, bei „Matz ab live“. Vielen Dank auch noch einmal an dieser Stelle an die beiden Hamburger EC-Helden, sie waren prima Gäste, es hat mir viel Spaß gemacht. Und wer die Sendung nicht gesehen hat, der sollte dieses kalte und vielleicht sogar auch noch verschneite Wochenende dazu nutzen. Ist ja auch ein wenig HSV-Geschichte, die dort ver- und bearbeitet wurde.

Aber zurück zum Augsburg-Spiel.
Einer der großen Gewinner im HSV-Team war der 1:0-Torschütze. Heung Min Son wird immer stärker zu einem Hoffnungsträger des HSV. Der Südkoreaner, nun fünf Saisontore (insgesamt 13 in der Bundesliga für den HSV), hat vor allen Dingen seinen linken Fuß ganz erstaunlich entwickelt. Ich schrieb es bereits: Wie gegen Dortmund ließ er einen herrlich präzisen und dennoch auch harten Schlenzer mit links von der Strafraumgrenze los. Solche „Dinger“ hat er früher noch nicht so drauf gehabt, aber mit 20 Jahren ist man eben im besten Alter, um (schnell) zu lernen. Das hat er in den vergangenen Monaten offensichtlich getan. Auch wenn er gelegentlich noch ein wenig weich erscheint (in Augsburg, das sage ich ausdrücklich, war das aber diesmal nicht der Fall), wenn es um die Zweikampfführung geht. Aber er kann ja auch nicht alles auf einmal erledigen, er muss ja noch Ziele haben . . .

„Und er ist ja auch noch jung, er weiß, dass er noch ein bisschen konstanter werden muss. Aber wenn man das Tor sieht, das war einfach nur überragend“, lobte Nebenmann Rafael van der Vaart.
Der Niederländer hätte es nicht besser machen können, hat schon viele solcher Klasse-Treffer erzielen können, aber es ehrt ihn, dass er so über Son spricht. Aber so ist sie, die „ewige 23“, ein Teamplayer. Son war nach diesem Sieg und seinem Treffer natürlich bestens gelaunt: „Solche Tore machen Spaß. Und solche Treffer kommen vom Üben, aber jetzt muss man so weiter üben.“ Heung Min Son übt aber nicht nur beim HSV-Training, sondern auch mit seinem Vater (der fast bei jedem Training am Rande steht und alles ganz genau beobachtet). Wong-Jung hat sicherlich ganz entscheidenden Anteil am Höhenflug seines Sohnes, auch wenn der sagt: „Mein Vater ist schon sehr anstrengend, sehr kritisch. Er wird jetzt sagen: ‚Schnell vergessen, nächste Woche spielen wir wieder.’ So ist er immer.“

Sons Traumtor war ansonsten aber einer der wenigen Höhepunkte in dieser Partie. Offensiv trat der HSV höchst selten mal in Erscheinung, vornehmlich in Halbzeit eins war da Harmlosigkeit Trumpf. Allerdings war Augsburg ja noch harmloser, und im zweiten Durchgang konnte der HSV dann ja auch noch einen (kleinen) Zahn zulegen. Mit dem 2:0 von Artjoms Rudnevs (63.) war die Partie quasi entschieden. Auch deshalb, weil der HSV ist trotz der vielen Abspielfehler meistens gut verstand, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. So nahmen die Hamburger den unternehmungslustigen Schwaben doch erheblich an Motivation. Dennoch befand HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Wir müssen noch mehr bringen.“ Ganz sicher. Denn so schwach wie Augsburg sind nicht viele Mannschaften. Aber der Däne fügte auch noch an: „Wir wollen uns ja auch noch nicht ganz oben ansiedeln, sondern unter die Top ten kommen.“ Im Moment rangiert der HSV auf Platz sechs – international! Welch eine schöne Momentaufnahme.

Aber der HSV ist eben nicht nur „runderneuert“ worden, sondern auch auf Vordermann gebracht. Dank van der Vaart („Kein überragender Fußball von uns, aber trotzdem gewonnen.“), der in meinen Augen dafür gesorgt hat, dass alle jetzt viel konzentrierter und auch engagierter zu Werke gehen. Im Training. Und in den Spielen. Seit sieben Bundesliga-Begegnungen ist der „kleine Engel“ nun wieder beim HSV, in dieser Zeit führte der 29-Jährige den Abstiegskandidaten mit 13 Punkten aus dem Keller. Auch wenn van der Vaart nicht immer glänzt, schon gar nicht immer in Bestform spielt – er hat die Sinne seiner Nebenleute geschärft. Eindeutig. Alle haben eine Schippe drauf gelegt, jeder reißt sich nun mehr zusammen – auch wenn es immer noch die gelegentlichen Aussetzer wie die gegen den VfB Stuttgart gibt. Dennoch ist unübersehbar, dass sich der HSV stabilisiert hat. Linksverteidiger Marcell Jansen scheint das indirekt zu bestätigen: „Wir haben in Augsburg nach schwachem Beginn eine Reaktion gezeigt. Da war ich selber verwundert, denn wenn man mal die vergangenen Jahre zurückblickt, sind wir meistens untergegangen oder haben den Faden komplett verloren.“

Trainer Thorsten Fink, der während der Partie beim FCA nicht sonderlich aufgeregt wirkte (aber das war wahrscheinlich nur von außen betrachtet so), befand nach dem verdienten Dreier: „Wir haben den Sieg nicht gestohlen, heute hat die Effektivität gesiegt.“ So ist es. Und Augsburgs Torwart Simon Jentzsch gab dann auch zu: „Am Ende konnte man das Gefühl haben, wir hätten noch drei Stunden länger spielen können und es wäre kein Tor gefallen.“

Nun wird sich am Sonnabend im Volkspark (Anstoß um 18.30 Uhr) zeigen, in wie weit dieser HSV schon wieder den ganz Großen der Liga schon wieder nahe gekommen ist. Die Bayern geben ihre Visitenkarte ab. Eigentlich noch immer mindestens eine Nummer zu groß für den um Anschluss bemühten HSV, aber Wunder soll es ja vor allen Dingen im Fußball immer wieder einmal geben. Und der erfahrene Rafael van der Vaart blickte wohl auch deshalb ein wenig optimistisch in Richtung nächstes Wochenende: „Wir können jedes Spiel gewinnen – auch gegen die Bayern.“

Naja, wir werden es ja ohnehin abwarten müssen.

Dann gab es auch noch diese – für mich sehr betrübliche – SID-Meldung:

Das Verletzungspech bei Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski (früher HSV) reißt nicht ab. Nachdem der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler vom spanischen Fußball-Erstligisten FC Sevilla vor wenigen Tagen wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden musste und acht Monate ausfällt, wurde bei einer weiteren Röntgenuntersuchung beim Ex-Hamburger ein Schienbeinbruch festgestellt. Trochowski muss sich erneut einem Eingriff unterziehen, bei dem eine Metallplatte eingesetzt wird. Trochowski befindet sich zurzeit noch in Denver/US-Bundesstaat Colorado. Er hatte sich bei der 2:3-Niederlage Ende September gegen den FC Barcelona verletzt. Wegen seiner starken Auftritte in Sevilla hatte sich Trochowski zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gemacht.

PS: Morgen (Sonntag) wird im Volkspark nicht trainiert. Sie haben es sich verdient.
Aber: Wer dennoch nicht ganz auf den HSV verzichten will, der sollte sich um 14 Uhr in Norderstedt die Zweite im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ansehen. Wahrscheinlich mit Paul Scharner – allein der “Ösi” ist ein Erlebnis.

18.11 Uhr

Rincon und Skjelbred sind dabei

25. Oktober 2012

Kurz zur Erinnerung: Am vergangenen Sonnabend gab es beim HSV-Abschlusstraining das berühmt-berüchtigte Spielchen A gegen B. Die Reservisten, die am Tag zuvor noch ganz hoch (im Bereich zwischen 0:6 und 0:8) verloren hatten, siegten 3:0 – die Stamm-Formation war chancenlos. Später, und zwar nach der 0:1-Pleite gegen den VfB Stuttgart, sagte Marcell Jansen dann: „Diese Niederlage hatte sich gestern beim Abschlusstraining schon angedeutet . . .“ Wenn das den zutreffend ist, dann könnte der HSV an diesem Freitag auf ein Unentschieden beim FC Augsburg hoffen, denn: Im heutigen Abschlussspielchen gab es zwischen A und B ein leistungsgerechtes 2:2. In einem Spiel, das sehr intensiv geführt wurde – also mit dem nötigen Ernst und mit dem entsprechenden Einsatz.

Das B-Team ging durch ein Tor von Gojko Kacar in Führung: Nach einer Flanke, die Dennis Aogo mit seinem rechten Fuß zur Mitte brachte, setzte sich Paul Scharner in einem wuchtigen Luftkampf mit Heiko Westermann durch und köpfte die Kugel zur Mitte, wo Kacar knallhart einschoss. Für das 1:1 sorgte Heung Min Son: Nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß und der Kopfballverlängerung am ersten Pfosten von Marcell Jansen stand der Südkoreaner am langen Pfosten goldrichtig und ließ Jaroslav Drobny keine Abwehrmöglichkeit. Die Reservisten gingen dann durch ein Tor von Marcus Berg erneut in Führung, doch Maximilian Beister glich mit einem strammen Schuss aus 14 Metern noch aus – Schlusspfiff. Damit nicht noch (und wieder) mit einer Niederlage für das A-Team aufgehört werden muss . . .

Vor dem Abschlussspiel hatte es noch ein längeres und heftigeres „Geballere“ gegeben. Es wurde aus allen Lagen geschossen, die Torhüter Rene Adler, Jaroslav Drobny und Tom Mickel flogen, hechteten, fausteten und fingen nach allen Regeln der Kunst. So gut und vor allen ´Dingen so ausdauernd hat der HSV schon lange keinen Torabschluss mehr geübt – herrlich. Hoffentlich trägt es für diesen Freitag auch Früchte. Ganz nebenbei noch zweierlei: Das schönste Tor erzielte Rafael van der Vaart, der den Ball zentimetergenau in den rechten oberen Torwinkel „zimmerte“. Ein „Tor des Monats“ – da capo. Und Artjoms Rudnevs legte heute nach dem Training keine (eigentlich vom Trainer versprochene) Sonderschicht ein. Auch in diesem Fall ein hoffentlich: Hoffentlich klappt es in Augsburg auch ohne diese Sonderschicht. Und wenn es nur dazu langen sollte, den Ball in die Mitte und auf den einschussbereiten linken Fuß von van der Vaart zu spielen . . . Aber wird schon. Ich bin jedenfalls guter Hoffnung.

Nach dem Training wurde dann noch ein großer Kreis gebildet, und Trainer Thorsten Fink tat vor versammelter Mannschaft dem einen oder anderen Spieler dann auch noch weh. Nicht körperlich. Der Coach erklärte aber noch auf dem Platz seinen Augsburg-Kader, zu dem es einige Härten zu verarbeiten gab (und gibt). Paul Scharner, Jacopo Sala und Petr Jiracek (verletzt) sind diesmal nicht im Kader, und Fink erklärt ihnen, dass diese Maßnahmen nichts mit ihren Trainingsleistungen zu tun hätten. Da der HSV nun einmal einen sehr großen Kader hat, müssen zwangsläufig einige Spieler immer zu Hause bleiben. Neu dabei sind Per Ciljan Skjelbred, Tomas Rincon und Ivo Ilicevic.

Drei kleinere oder auch größere Überraschungen, denn Skjelbred schien zuletzt chancenlos, muss sich aber durch gute Leistungen im Training aufgedrängt haben. Wobei ich gestern im Kreise der Kollegen festgestellt hatte, dass der Norweger im Training eigentlich fast immer eine gute Figur abgibt. Überraschend kommt auch die Rückkehr von Ivo Ilicevic, der erst am Mittwoch wieder mit Reha-Trainer Markus Günther auf „dem Acker“ zu sehen gewesen ist. Aber das ist wohl eine Maßnahme, falls es mit „Maxi“ Beister auf links nicht über 90 Minuten gehen sollte. Nicht ganz so überraschend kam die Nominierung von „Kampfmaschine“ Tomas Rincon. Der Venezolaner zeigt eigentlich in jeder Einheit, dass er wieder zurück in die Mannschaft will. Deswegen ist sein Mitwirken auch nur zu begrüßen, „Popeye“ haut rein und will sich immer beweisen. Kann nur zum Wohle der Mannschaft sein.

“Wir haben nun einmal einen großen Kader, da wird es sich nicht vermeiden lassen, dass es solche Härtefälle gibt – es können ja nicht alle mit. Aber dieser Kader bedeutet auch nicht, dass er automatisch auch für das Bayern-Spiel gilt. Dann kommen wahrscheinlich wieder einmal andere dran, denn im Moment trainieren alle Spieler richtig gut”, sagte Thorsten Fink zu seiner Bank-Rotation.

Was ich beim heutigen Training so still bei mir dachte: Jaroslav Drobny zeigt sich eigentlich an jedem Tag von seiner besten Seite – sein Einsatz ist bewundernswert. Das muss ganz einfach einmal gelobt werden, denn es ist für ihn gewiss nicht leicht. Erst ist er Ersatz hinter Frank Rost, dann kommt er als Nummer eins schwer in Fahrt, hält dann aber überragend – und wird doch wieder Ersatzmann. Und das als aktuelle Nummer zwei des tschechischen Nationalteams. Das alles muss man erst einmal verkraften, aber Drobny scheint es geschafft zu haben. Kompliment! Wie der Tscheche trainiert, wie gut er hält, und wie er mit den Kollegen lacht und scherzt – das hätte eigentlich einen Sonderpreis verdient. Ich ziehe den Hut vor Jaroslav Drobny!

Aber natürlich auch vor Rene Adler, der völlig berechtigt nun zwischen den HSV-Pfosten steht, weil er für mich die Nummer eins in Deutschland ist. Und nun dürfte es interessant werden: Am 14. November findet das letzte Länderspiel des Jahres statt, Niederland gegen Deutschland in Amsterdam. In der neuen „Sport Bild“ erteilt (angeblich) DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke einem Comeback von Adler eine Absage. Weil sich das Trainerteam für die entsprechenden drei Keeper entschieden hat: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler. Letzterer aber ist nach seiner Roten Karte aus dem Freundschafts-Länderspiel gegen Argentinien. Und ter Stegen bekommt die Bälle zurzeit nicht nur um die Ohren, sondern auch in seinen Kasten. Da wäre es ja wohl nur gerecht, wenn der aktuell beste Torwart dann auch zum Kader gehören würde: Adler. Ich bin mal gespannt, wie das der DFB („Jogi“ Löw und Köpke) entscheiden wird (werden).

Apropos Trainer: Thorsten Fink zeigte sich im Entlassungs-Fall Magath etwas betroffen. Der HSV-Coach wollte die Nachricht zunächst gar nicht glauben (war während des Trainings passiert), fragte nach und sagte dann: „Das kommt überraschend für mich, damit hätte ich nicht gerechnet. Weil Felix doch immer nach gewissen Anfangsschwierigkeiten immer noch in die richtige Spur mit seinen Mannschaften gekommen ist. Das hätte wohl auch mit Wolfsburg noch geklappt . . .“

So, zum Abschluss noch drei Namen. Wenn auch der erste mit etwas Verspätung kommt – und dann auch erst zwei Minuten vor Schluss. David Rozehnal, oft und ausgiebig belächelt und als Fehleinkauf des HSV abgestempelt, spielte am Dienstag Champions League. Rozenahl! Ja, unser aller David Rozehnal. Von der Champions League kann doch der HSV noch in Jahren nur träumen, aber der „Fehleinkauf“ läuft noch kurz vor Schluss für Lille gegen die Bayern auf. Das ist schon ein dickes Ding. Kann man sich so irren. Oder: So kann man sich irren? Egal, wie auch immer, der David spielt Champions League, und das ist doch auf jeden fall für ihn recht erfreulich. Und für mich wieder ein Beispiel, dass man nie nie sagen sollte. Ich hätte es ihm niemals zugetraut, aber da bin ich wahrscheinlich nicht so ganz allein.

Und dann möchte ich euch noch einmal an den Freitagabend erinnern. Aus dem „Champs“ in Schnelsen wird wieder „Matz ab libe“ übertragen, und zwar mit zwei Europapokal-Siegern des HSV: Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese beiden „Altmeister“ der Verteidigung schon sehr freue. Wir wollen gleich nach dem Schlusspfiff in Augsburg auf Sendung sein – ich hoffe, dass ihr wieder dabei sein werdet.

18.59 Uhr

Die “älteren HSV-Herren” besiegen Ajax 9:1

8. September 2012

Mutig sind sie ja, die etwas älteren HSV-Herren. Morgen, beim Tag der Legenden am Millerntor, da sollen sie ja die deutschen Stars von der Platte fegen, aber dennoch haben sie es heute schon einmal gewagt. Wenn das mal nicht über ihre Kräfte geht . . . Im Rahmen der 125-Jahr-Festivitäten des HSV gab es an diesem Sonnabend schon einmal ein ganz besonderes Vorspiel: HSV gegen Ajax Amsterdam in Fallingbostel. Und es gab einen eindeutigen Sieger dieser Knaller-Partie – der HSV gewann 9:1 gegen die Niederländer. Wenn das kein gutes Omen für den morgigen Tag ist. Im Vorjahr hatte Deutschland erstmalig gegen Hamburg gewonnen, diesmal sollten die Hanseaten wieder einmal an der Reihe sein – wenn sie sich denn in Niedersachsen nicht zu sehr verausgabt haben.

„Keiner von uns spielt mehr, keiner hat vorher lange trainiert – und trotzdem ist es einfach nur geil, mit den alten Kollegen und Freunden wieder auf dem Rasen zu stehen. Wir hatten damals viel Spaß, und den haben wir auch heute immer noch“, sagte Nico Hoogma nach dem Kantersieg. Der Abwehrspieler traf gegen seine Landsleute einmal, die weiteren Treffer verteilten sich auf Lothar Dittmer (2), Sergej Barbarez (2), Marcus Marin, Stig Töfting, Roy Präger (der zu vier Treffer die Vorarbeitet geleistet hatte) sowie Matthias Rose. Mit von der Partie waren auf Seiten des HSV die beiden Torhüter Uwe Hain und Claus Reitmaier, dazu die Feldspieler Thomas Doll, Peter Hidien, Peter Lübeke, Jochen Kientz, Stefan Schnoor, Thomas Vogel und einige andere mehr.

„Die alten Recken haben wie zu besten Zeiten aufgezogen, das war richtig gut und klasse. Und so, als hätten wir gestern zuletzt zusammengespielt“, befand Roy Präger zufrieden. Der ehemalige Publikumsliebling des HSV sorgt sich auch in diesem Jahr wieder um die Rothosen, sagt aber auch ein wenig resignierend: „Es ist doch schon wieder dasselbe Gerede wie jedes Jahr. Es fehlt mir die klare Struktur im HSV. Natürlich, Rafael van der Vaart kommt jetzt wieder zurück, aber er allein wird es nicht richten können. Alle müssen sich zusammenreißen, müssen es wollen und müssen sich steigern. Sie müssen alles für den HSV geben.“

So wie es die „Alten Herren“ heute in Fallingbostel taten. Nico Hoogma, seit Jahren Manager des niederländischen Erstliga-Klubs Heracles Almelo, macht sich natürlich auch stets Sorgen um „seinen“ HSV. Der frühere Kapitän sagt: „Es tut auch aus der Ferne schon sehr, sehr weh, zu sehen, dass dein Lieblingsklub solche großen Probleme hat. Wenn man aber die Vorbereitung verfolgt hat, die ja nicht immer gute Resultate gebracht hat, dann wusste man, dass es auch in dieser Spielzeit wieder sehr schwer werden würde für den HSV.“ Nico Hoogma dann legt auch den Finger in die Wunde: „Das Umfeld in Hamburg ist mir zu zu negativ. Fast alle sprechen doch nur noch und seit Monaten vom Abstieg des HSV. Das passt nicht, denn wenn man so begleitet wird, dann gehst du auch mit solchen Gedanken in die Spiele – und verlierst sie. Es darf sich meiner Meinung nach keiner wundern, wenn man dann wieder so schlecht startet, wie es der HSV nun getan hat.“
Hoffnung auf Besserung aber haben sie alle.

Übrigens: Wer Nico Hoogma, Roy Präger und all die anderen HSV-Cracks live und in Farbe sehen will, der sollte morgen ans Millerntor gehen, es gibt noch Karten – und die Eintrittsgelder sind ja alle für einen guten Zweck, nämlich für Reinhold Beckmanns „Nestwerk“ in Hamburg. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und endet um 17.30 Uhr.

Apropos Veranstaltung. Die gab es gestern auch Niendorf. 11:2 siegte der HSV beim Oberliga-Klub TSV, der ja von „uns Scholle“ gemanagt wird. Ich wollte heute mit „Scholle“ über diesen Tag, diese Tage reden, aber er winkte ab: „Nee, nee, lass mal, ich sage doch nicht zu unserer Veranstaltung. Das sollen mal die Matz-abber machen, die das Spiel sahen, die können das viel besser und neutraler.“

Ganz privat sagte mir „Scholle“ dann aber, dass es ein absolutes Highlight in seinem Sportler-Leben war, dieses Spiel: „Ein Traum.“ Wer von euch miterlebt hätte, wie „Scholle“ sich schon seit Monaten jeden Tag mindestens ein Bein für diesen HSV-Auftritt ausgerissen hat, der weiß, wie viel Herzblut in diesen 90 Minuten steckten. Heute gab mir „Scholle“ zu: „Ich habe Blasen an den Füßen, und ich habe einen total wunden Hintern – weil ich so viel gelaufen bin.“ Bereits heute um 8.30 Uhr stand „Scholle“ mitsamt der TSV-Mannschaft wieder auf dem Platz, um die eigens aufgebaute Tribüne wieder abzubauen. Hat alles geklappt, weil alle super mitzogen. „Es hat nicht einen negativen Punkt bei diesem Spiel gegeben, alles blieb friedlich, alles klappte – bis auf den Regen. Und wir haben noch zwei signierte Trikots vom HSV behalten, eines von Rene Adler, auf dem alle Spieler unterschrieben haben, und eines von Rafael van der Vaart. Diese beiden Trikots werden wir demnächst versteigern – es kann geboten werden“, sagte „Scholle“ und beendete das Gespräch. Er ist fix und foxi und muss sich nun erst einmal erholen. Nicht vom 2:11, das ist wohl relativ normal, sondern von diesem ganzen Stress. Aber einmal im Leben eines Amateur-Managers darf man sich ja wohl auch mal den HSV gönnen – und dafür alles tun. Oder?

Und vielleicht hat sich der HSV mit den zwölf Toren von Schwarzenbek und den elf Treffern von Niendorf ja auch bestens auf die Auswärtspartie am Sonntag in Frankfurt ein- und freigeschossen. Wäre ja schön. Auch wenn Heung Min Son dann demnächst mal eine Chance als Sturmspitze erhalten würde. Ich glaube, dass sich der Südkoreaner dort (ich schrieb es bereits vor Tagen) ganz wohl fühlen würde.

Und wo ich gerade an Frankfurt denke, da fallen mir zwei Erlebnisse vom und am Main besonders schnell ein: Das Abseitstor des kleinen Dribbelkünstlers, das den HSV am letzten Spieltag der Saison 2008/09 doch noch etwas überraschend international tätig werden ließ (der kl. Dribbelkünstler, das für alle, die es nicht wissen, ist Piotr Trochowski). Und das zweite Erlebnis aus Frankfurt war ein 6:0-Sieg des HSV gegen die Eintracht am 13. April 1991. Bei diesem Erfolg gab es eine große Besonderheit, denn als Thomas Doll in der 80. Minute von Trainer Gerd-Volker Schock ausgewechselt wurde (es kam der Brasilianer Nando), da erhoben sich alle Zuschauer im Waldstadion und applaudierten minutenlang – für Doll. Das war doll. Und sensationell. Weil „Dolli“ zuvor vielleicht das Spiel seines Lebens absolviert hatte. Ohne ein Tor selbst erzielt zu haben, hatte er die Eintracht ganz allein schwindelig gespielt. Es war unfassbar, ganz sicher eines der besten Spiele, die ich jemals von einem Hamburger gesehen habe. Jan Furtok (3), Harald Spörl, Waldemar Matysik und Armin Eck hatten den HSV zum Sieg geschossen, Minuten nach dem Spiel war Eintracht-Trainer Jörg Berger seinen Job los . . .

Und wir flogen mit der Mannschaft per Lufthansa (mit dem „Lumpensammler“ spät abends nach Hamburg zurück. Und erlebten die unsanfteste Landung aller Zeiten. Schock saß neben mir und war völlig geschockt, er sagte im Ernst: „Ich habe gedacht, wir stürzen ab!“ Zum Glück ging alles gut. Der Lufthansa-Kapitän damals, ich weiß es als wenn es heute wäre, hieß übrigens Berger . . . Ob er der Bruder oder der Schwippschwager des Frankfurter Trainers war, entzieht sich allerdings meinen Kenntnissen.

Aber so ein 6:0 – das hätte doch mal was, oder? Nein, im Ernst, ich wäre diesmal schon mit einem „dreckigen“ 1:0-Sieg des HSV mehr als zufrieden – Tor Son. Oder Tor Artjoms Rudnevs. Egal, wer es macht, Hauptsache einer trifft zum Sieg. Und wenn es wieder ein Abseitstor ist, das dann doch zählt . . .

PS: An diesem Sonntag kein Training im Volkspark. Wg. Spiel am Millerntor – auch mit Thorsten Fink.

20.11 Uhr

Nächste Einträge »