Archiv für das Tag 'Hesl'

Ein 1:1 – ein Traum, das Wunsch-Ergebnis!

17. Mai 2014

Jetzt zieht der HSV tatsächlich alle Register. Alle. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, jetzt geht es ans Eingemachte. Das bekam die versammelte Medien-Landschaft zu spüren, denn die erhielt heute, an diesem Vortag des vielleicht wichtigsten Tages der Vereins-Geschichte die Rote Karte unter die Nase gehalten. Ich will nicht meckern, ich will nicht dagegen mosern, der HSV hat im Volkspark das Hausrecht und kann vor die Tür setzen, wen auch immer er will. Am letzten Trainingstag der Saison allerdings mutet es etwas eigenwillig an. Oder auch nur kurios? Während des Geheimtrainings in der Arena erschien plötzlich ein junger Mann und bat uns im Namen des HSV, das Stadion zu verlassen. Auf die Frage, warum, entgegnete er: „Weil das ein Geheimtraining ist, aber jedes Mal doch nichts geheim bleibt, sondern alle die Aufstellung veröffentlichen – sodass dann doch nichts geheim ist.“ Stimmt ja. Keine Frage, aber am letzten Tag? Nun gut, es geht um alles, und dazu gehört wahrscheinlich auch eine solche Aktion. Und, das ist ernst gemeint, ich will nicht klagen, nicht meckern und nicht schimpfen – es ist okay. Und wenn der HSV tatsächlich damit, auch damit, die Erste Bundesliga hält, dann verdient diese Aktion das Prädikat „Weltklasse“.

 

Zum Wesentlichen. Solange wir Medien-Vertreter noch zusehen durften, wurde wie immer trainiert. Aufwärmen, dann Pass-Übungen. Zwei Spieler liefen jeweils mit Ball aufeinander zu, wenn sie auf einer Höhe waren, mussten sie die Kugel den „außen“ wartenden Kollegen in den Fuß spielen – und dann musste der mit dem Ball los . . . Wie gesagt, mehr war dann nicht zu sehen, dann gab es den Platzverweis.

 

Als wir dann vor der Tür waren, bekamen wir immerhin mit, wie sich Rene Adler zu seinem Auto quälte. Der Nationaltorwart wurde von seiner Freundin abgeholt und setzte sich – natürlich – auf die Beifahrerseite. Adler hat einen Bandscheibenvorfall erlitten, und dementsprechend bewegte er sich. Wie ein alter Mann. Ich war total erschrocken. So habe ich einen aktuellen HSV-Torwart noch nie gehen sehen – nur Arkoc Özcan, aber der ist ja auch mittlerweile 75 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen (weil er einst Torwart war!). Auf jeden Fall muss festgehalten werden, dass Adler wirklich krank ist. Das schreibe ich deswegen, weil unter den Fans verschiedentlich schon so hören war, dass sich Adler vor den entscheidenden Spielen „schnell mal vom Acker“ gemacht hätte. Das stimmt garantiert nicht, da tut man dem HSV-Keeper bitter Unrecht.

 

Ansonsten war zu beobachten, dass Ivo Ilicevic mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark gelaufen ist, sodass klar ist, dass der Mittelfeldspieler morgen in Fürth nicht mit von der Partie sein wird. Gleiches gilt für Ola John und Quasim Bouy, beide Winter-Leihgaben wurden aus dem Kader gestrichen und können damit schon heute einen Haken unter ihre Hamburger Zeit setzen. Und tschüs. Und wech. Und vielen Dank noch einmal an Bert van Marwijk und Oliver Kreuzer, dass wir diese beiden Spieler von den Welt-Vereinen Juventus Turin und Benfica Lissabon hier einmal an der Elbe unter die Lupe nehmen durften. Klasse-Aktion von allen, und wenn dann morgen doch noch die Klasse gehalten wird, dann können wir alle auch einen großen Haken unter diese 51. Erstliga-Spielzeit machen.

 

Und wenn nicht? Ich mag gar nicht daran denken. Und sooooooo viele HSV-Fans mit mir. Und nicht nur Fans. Ich habe in den letzten Tagen nach dem 0:0 am Donnerstag mit so vielen Ehemaligen gesprochen, sie sind alle total bedient – und auch fertig mit den Nerven. Niemand mag mehr etwas sagen. Was auch schon? Es ist doch längst alles gesagt. Immer und immer wieder. Die Spieler haben versprochen, sich den Hinter aufzureißen, sie haben es gefühlt vor den letzten 30 Spielen gesagt. Und der Trainer auch. Wenn ich nur an diese Woche denke, an die Schlagzeile der Bild. Slomka: „Ich rette den HSV.“ Da dachte ich sofort an Jürgen Hunke. Als der zum ersten Mal Präsident des HSV war, hat die Bild auch mal eine Aufstellung veröffentlicht. Im Tor: Hunke. In der Viererkette: Hunke, Hunke, Hunke, Hunke. Auf der Doppel-Sechs: Hunke, Hunke. Rechts draußen: Hunke. Links draußen: Hunke. Hinter der Spitze: Hunke. Und als Spitze: Hunke. Das stellte ich mir dann mit Slomka vor: „Ich rette den HSV.“ Mit sechs Glanzparaden, acht Torvorlagen und sieben Treffern! Klasse.

 

Aber vielleicht rettet der Coach, den ich nach wie vor absolut ausnehme, bei diesem riesigen HSV-Dilemma eine Mitschuld zu haben, tatsächlich den HSV. Bis auf eine kleine Tatsache: Westermanns Einwechslung in der 90. Minute (!) gegen Fürth habe ich nicht ganz verstanden. Wollte der Trainer damit Zeit von der Uhr nehmen? Oder hat er schon an ein eventuelles Elfmeterschießen gedacht? Wenn er mit Heiko Westermann noch irgendetwas hätte bewirken wollen, dann wäre diese Einwechslung wahrscheinlich in der 80. Minute wohl etwas sinnvoller gewesen. Aber gut, wie sagte ein früherer HSV-Mittelstürmer einst so treffend: „Das ist allein Sache des Bundestrainers.“ Und noch einmal: Slomka hat keinerlei Verantwortung dafür, dass diese Mannschaft nichts drauf hat. Er wird eines Tages sicherlich sein Unverständnis darüber äußern, dass er einen solchen desolaten HSV her vorgefunden hat. Jetzt – oder auch nur etwas später – kann er es (noch) nicht sagen, denn das wäre ja Kollegen-Schelte, und die betreibt man bekanntlich unter den Trainern nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man ein Ehrenmann ist.

 

Zurück noch einmal zu den Ehemaligen des HSV. Einige rief ich an, andere meldeten sich besorgt beim mir, um zu erfahren, ob es noch etwas Neues von und bei „ihrem“ Verein geben würde. Neu ist zurzeit nur, dass sowohl Tolgay Arslan als auch Jacques Zoua wieder im Kader sind, also mit in Fürth weilen werden, wenn es um das Überleben des HSV geht.

 

Bei den Ehemaligen, also den Experten, herrscht übrigens die Meinung vor, dass es der HSV morgen nicht schaffen wird. Weil der HSV am Donnerstag nicht nur läuferisch klar schlechter war als der Zweitliga-Dritte, sondern auch spielerisch früh an seine Grenzen gestoßen ist. Für mich aber ist das auch eine Chance für den Bundesliga-Dino. Die Franken müssen jetzt ein Tor schießen (wenn sie sich nicht auf ein Elfmeterschießen verlassen wollen – und wer würde das schon wollen?), wenn sie in Liga eins aufsteigen wollen. Und sie wollen. Garantiert. Aber wenn der HSV noch einmal gut dagegenhält, wenn er noch einmal das Glück auf seiner Seite hat, und wenn er sich noch einmal auf den guten Schlussmann Jaroslav Drobny verlassen kann – dann könnte doch schon ein Hamburger Konter für die Entscheidung sorgen. 1:0 für den HSV, oder auch 1:1. Letzteres Resultat habe ich in den letzten Stunden immer wieder als Wunsch-Ergebnis vernommen. Davon berichtete mir eben auch noch Talent-Chef Michael Schröder, den ich (nach unserem Rausschmiss aus dem Volkspark) noch beim Regionalliga-Spiel Norderstedt – SC Victoria (3:0) traf. Schröder, der „nebenan“ bei der B-Jugend der Eintracht „spioniert“ hatte, sagte mir: „Überall, wohin ich auch höre, sprechen sie nur noch von einem 1:1 in Fürth.“ Weil das doch am ehesten möglich erscheint, oder? Unser „Matz-abber“ „Eiche“, der gerade unser Gast bei „Matz-ab-live“ war, der hat einen anderen Traum ausgeplaudert: „Unserem ehemaligen Keeper Wolfgang Hesl unterläuft ein ganz schwerer Patzer, und damit gewinnt der HSV 1:0.“ Wäre ja auch nicht so schlecht . . .

 

Doch egal wie, ich hoffe letztlich nicht nur auf einen guten sportlichen Ausgang für den HSV, sondern auch auf ein friedliches Ende. Selbst dann, wenn es nicht nach Wunsch aller Hamburger laufen sollte. Geht es letztlich doch negativ aus, dann darf getrost behauptet werden, dass daran nicht nur die beiden Relegationsspiel schuld sind, sondern das Übel in der gesamten Saison zu suchen ist. Geht es positiv aus, was ich natürlich hoffe, dann wird mit einem gewissen Abstand nach den Gründen für die schlechteste Erstliga-Saison des HSV aller Zeiten zu forschen sein. Und das machen dann auch hoffentlich alle, um daraus die entsprechenden Lehren zu ziehen – und wir von „Matz ab“ machen mit.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich, auch im Namen von „Scholle“ (heute 1:1 mit Niendorf in Curslack-Neuengamme – er hat das 1:1 schon geholt!) und Lars Pegelow bei allen Usern von „Matz ab“ ganz herzlich für die Treue bedanken. Das war unsere fünfte Spielzeit, und wir können feststellen, dass es mit diesem Blog des Hamburger Abendblattes immer weiter bergauf gegangen ist. Wir hatten 2012 fast 20 Millionen Besucher, 2013 waren es schon über 20 Millionen, und „Scholle“ hat mir gerade heute gesagt, dass wir nun schon stramm auf die 30-Millionen-Grenze zumarschieren. Ich habe mich nie so wirklich für diese Zahlen interessiert, weil ich keine „Quoten-Sau“ werden wollte. Ich wollte nie eine hohe Zahl hören, um dann ein Jahr später zu erfahren, dass es steil bergab gegangen ist – aber im Moment ist, wie geschrieben, noch das Gegenteil angesagt. Und das freut uns nicht nur, dafür bedanken wir uns ernsthaft und ehrlich. Ihr macht diesen Erfolg aus, nur Ihr. Danke, danke, danke.

 

Ich, da möchte ich nur mal für mich sprechen, habe durch „Matz ab“ so viele tolle, großartige Menschen kennengelernt – das hätte ich nie für möglich gehalten. Letzter in dieser Reihe ist „Tante Käthe“, der mir am Donnerstag unbedingt die Hand schütteln wollte – und es auch geschafft hat. Er hatte eine Karte für die West-Tribüne (!) und stand mir plötzlich im Osten auf der Presse-Tribüne gegenüber. Super gemacht, „Tante“, und auch Du, das muss ich hier mal sagen, passt großartig in den Reigen jener Menschen, die ich durch „Matz ab“ kennengelernt und schätzen gelernt habe. Bei der Gelegenheit, weil es da in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Gerüchte gegeben hatte: „Eiche“ und ich waren immer im besten Einvernehmen, auch wenn er sich ein wenig rarer im Blog gemacht hatte. Wir hatten immer Kontakt, wir waren nicht eine Sekunde im Bösen (wie uns mal angedichtet worden ist) – das zeigt wohl auch die Tatsache, dass unsere alte „Eiche“ am Donnerstag bei „Matz-ab-live“ zu Gast war. Und für seine Ausführungen mehrheitlich viel Lob erntete. Auch das passt wunderbar zur HSV-„Matz-ab-Familie“.

 

Spezielle Grüße möchte ich schnell noch nach Mülheim (a.d.R.), Essen, Isny, Altenburg, Buxtehude, Delmenhorst (MiF), Schwerin, Norderstedt, Frankfurt (a.M.), Kiel, St.-Peter-Ording, Boston, Houston und in die ganze Welt hinausschicken, ein dickes Dankeschön an alle unsere Gäste bei „Matz-ab-live“ – was wären wir ohne Euch!? Ihr seid alle die Wucht in Tüten! Weltklasse. Bleibt uns bitte gewogen – in welcher Liga auch immer; „Matz ab“ ist ein großer Erfolg, wir werden, Ihr werdet in der gesamten Republik wahrgenommen, das hörte ich beim Länderspiel gegen Polen von vielen, vielen Kollegen aus der ganzen Republik. Weiter so!

 

Und alles, alles Gute für den morgigen Sonntag, den 18. Mai 2014. Es muss ganz einfach klappen, es muss, es muss, es muss!

 

Denkt dran: 1:1 – das ist der Sieg!

 

Und jetzt ist alles gesagt, von nun an sind nur noch die Helden dran!

 

Macht euer Ding!

 

18.18 Uhr

 

PS: Morgen gibt es auch wieder ein “Matz-ab-live”, unsere Gäste sind dann zwei ehemalige Aufsichtsräte, aber natürlich (und zugleich) auch zwei ehemalige HSV-Stars: Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt (langjähriger Kapitän der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft). Wir würden uns, wie immer, sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet!

PSPS: Die Zweite des HSV hat an diesem Sonnabend ihr Regionalliga-Heimspiel gegen Cloppenburg mit 0:2 verloren und steht auf dem 14. Tabellenplatz – der VfR Neumünster mit einem Spiel weniger könnte noch vorbeiziehen.

Nur 0:0 – jetzt wird es ganz, ganz eng!

15. Mai 2014

Das hatten sich alle Hamburger anders erwünscht und erhofft, denn das erste Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Dritten, die Spielvereinigung Greuther Fürth, endete nur 0:0. Es darf gezittert werden, aber ganz, ganz kräftig. Diese HSV-Mannschaft erspart ihrem Anhang nichts, aber auch wirklich nichts. Weil sie nicht in der Lage ist, 90 Minuten Tempo-Fußball zu spielen. Im Prinzip boten die Franken den besseren Fußball und hatten ganz sicher auch die besseren Chancen. Vor 56 479 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Stadion war der HSV lange weit von einer Form entfernt, die für einen glücklichen Ausgang dieser Entscheidungsspiele sorgen könnte. Erst in der Schlussphase gab es zwei gute oder auch große Tormöglichkeiten, als erst Pierre-Michel Lasogga aus halbrechter Position an Fürths Torwart Hesl scheiterte, und als in der Nachspielzeit Rafael van der Vaart einen Ball am Fünfmeterraum nicht unter Kontrolle bekam – was aber auch schwer war. „Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals“, sangen die HSV-Fans nach dem Schlusspfiff, und sie forderten lautstark: „Auswärtssieg, Auswärtssieg, Auswärtssieg.“ Die Hoffnung bleibt, nach diesem unbefriedigenden Unentschieden, aber der HSV müsste und sollte sich schon gewaltig steigern, wenn die Liga eins gehalten werden soll. Es würde in Fürth ja auch schon ein 1:1 reichen . . . Bitte, bitte, lieber Fußballgott!

Für Abendblatt-Blogs


Weltklasse! Die Stimmung vor und während des Spiels war erstligareif, das muss festgehalten werden. Kompliment den HSV-Fans, sie waren wohl noch nie so laut wie diesmal. Schreien bis der Kehlkopf kreist – so wie es Lotto King Karl vor einer Woche erhofft und erwünscht hatte. Und dazu gab es Schals, Schals, Schals zu sehen – wunderbar. Davon hätte sich die Mannschaft eigentlich mitreißen lassen müssen, aber in Halbzeit eins war das leider nicht der Fall. Hatte die Truppe von Mirko Slomka aus den vorangegangenen Auftritten (Bayern, Mainz) gelernt? In diesen Spielen hatte sie sich schon im ersten Durchgang zu groß verausgabt, diesmal begannen sie alle verhaltener, fast ein wenig verschlafen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt . . . Auch in der Relegation.

Der HSV musste kurzfristig auf Rene Adler verzichten, der plötzlich „Rücken“ hatte. Zudem fehlte Heiko Westermann, der nur auf der Bank saß. Diese beiden Personalien begünstigten nicht gerade die Ausgangsposition für den HSV.

Vor dem Spiel hatte ich Wolfgang Hesl getroffen – „unseren“ Torwart, jetzt Kapitän der Fürther. Er: „Wie geht es dir?“ Ich: „Gut.“ Er: „Noch . . .“

Ja, und genau so traten die Franken dann auch auf. Frech, unbekümmert, couragiert, willig, engagiert – toll. So spielt eine Mannschaft, die nach oben will. Das war erste Sahne. Läuferisch eine Augenweide, die Fürther griffen den HSV schon an dessen Strafraum an, die liefen, liefen, liefen. Nein, sie liefen nicht nur, sie sprinteten. Sie rasten über den Rasen, als sei das nichts. In einem höllischen Tempo. Da wirkten die HSV-Spieler wie alte Herren. Schon nach 20 Minuten – oder erst – gab es die ersten langen Gesichter im Hamburger Lager. Aber mal im Ernst, wer hätte es anders erwartet?

Der HSV spielt seinen Stiefel so, wie er ihn immer gespielt hat. Da ist nicht mehr, als diese Mannschaft auch heute wieder gezeigt hat. Woher soll plötzlich etwas kommen? Dann hätte sich diese Mannschaft doch die gesamte Saison über nur versteckt. Hat sie aber nicht. Sie spielte so, wie sie als schlechtestes Bundesliga-Team immer gespielt hat. Und offenbarte dabei einmal mehr, wie schlecht es trainiert ist. Das ist Fakt! Diese Mannschaft ist und war nicht in der Lage, gegen eine läuferisch starke Mannschaft mitzuhalten. Das klingt nach Offenbarungseid, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist Tatsache. Auch wenn jetzt vielleicht viele weinen werden, aber man muss dieser Tatsache ins Auge schauen. Die hohen Herren des HSV haben es während der gesamten Saison getan – und nichts geändert. Auch Tatsache. So wie die Spieler nicht in der Lage sind, sich zu wehren, so waren die verantwortlichen nicht in der Lage, für Professionalität während dieser Saison zu sorgen. Sie ließen alles still vor sich hinplätschern. Wahnsinn.

Abgesehen von drei Fernschüssen hatte der HSV in Halbzeit eins nichts, aber auch nichts vorzuweisen. Null. Flanken oder Standards (auch Einwürfe) flogen stets hoch in den Fürther Strafraum, und da standen in der Viererkette alles Männer, die um die zwei Meter groß sind. Da muss sich keiner fragen, wo die Gefahr der HSV-Offensive blieb, sie war bei diesen Verhältnissen chancenlos. Fürth dagegen hatten in Person von Azemi zweimal das 0:1 auf dem Fuß, zweimal klärte Jaroslav Drobny ebenfalls per Fuß (26. und 45.). Auf dem Gang in die Halbzeit gab es lebhafte Diskussionen schon oder noch auf dem Rasen – beim HSV. Drobny redete mit Händen und Füßen auf Michael Mancienne ein, Petr Jiracek tat es ebenso auf Pierre-Michel Lasogga, der nur dadurch aufgefallen war, dass er aus jeder Lage ballern wollte. Dabei aber immer übersah, dass ein Greuther noch vor ihm stand. Das war wie mit dem Kopf durch die Wand – und weg war der Ball. Einmal stand Rafael van der Vaart (in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit) kopfschüttelnd und leicht verzweifelt neben Lasogga, als der wieder einmal losgeballert hatte . . .

Zu Beginn des zweiten Durchgangs, es ging jetzt gegen den Norden, wirkte der HSV wacher und entschlossener. Die Chancen aber hatte der Zweitliga-Club. Nach einer Ecke köpfte Gießelmann aus fünf Metern vorbei (51.), und zwei Minuten später rutschte Djurdjic nur um Zentimeter (und allein vor Drobny) am Ball vorbei. Da musste man schon tief Luft holen – als Hamburger. Fürth ließ nicht locker, kam wieder ins Spiel zurück. Und ganz, ganz ehrlich: Wer war hier eigentlich der Zweitliga-Vertreter, und wer der Dino?

„Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die Fürther Anhänger in einer der wenigen Ruhepausen, aber die HSV-Fans konterten stimmgewaltig: „Immer Erste Liga, HSV . . .“ Und fast hätte es sogar ein HSV-Tor gegeben, doch der Kopfballtreffer von Lasogga (nach van der Vaarts Freistoß) zählte nicht, denn der HSV-Torjäger stand im Abseits (67.). Leider.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny der Mann brannte von der ersten Sekunde an, er hätte die Welt am liebsten selbst aus den Angeln gerissen – aber er musste ja nur die Bälle halten. Und das tat er ausgezeichnet.

Dennis Diekmeier kam erst in der zweiten Halbzeit auf Touren, dann aber okay. Zuerst sehr verhalten.

Michael Mancienne versuchte es mit Härte (hätte gleich einmal Gelb sehen können), aber damit schaffte er es nicht. Immerhin ließ er in der Mitte selten etwas zu, was nicht ganz so leicht war, denn Fürth brachte Stürmer mit, die beweglich sind.

Johan Djourou erledigte seinen Defensiv-Part zufriedenstellend und souverän.

Petr Jiracek hatte seine linke Seite fast immer gut im Griff, gerade so, als würde er dort hinten schon immer spielen. Das verdient auch mal ein Kompliment, denn er ist dort ja der Ersatz des Ersatzmannes.

Robert Tesche blieb blass, er war zuletzt schon wesentlich besser.

Milan Badelj war der schwächste Mann des Erstliga-Clubs.

Tomas Rincon wirkte streckenweise leicht überfordert, aber er war auf jeden Fall immer engagiert und bemüht.

Hakan Calhanoglu war in Halbzeit eins (und auf links draußen) kaum zu sehen, später wurde es etwas besser, aber immer noch nicht gut. Aber auch solche Spiele muss man einem so jungen Mann einfach mal zugestehen. Symptomatisch die 35. Minute: Calhanoglu sprintete lange – und erfolglos – über den Rasen, dann stand er am Fürther Strafraum und pustete einige Sekunden mächtig durch. Solche Sprints aber, wie in diesem Fall von Calhanoglu, zeigten die Fürther reihenweise – und über 90 Minuten!

Rafael van der Vaart hielt sich sehr lange zurück, dann zeigte er ab und an sein Können – aber insgesamt viel zu wenig.

Pierre-Michel Lasogga wollte, aber ihm gelang (bis auf ein Abseitstor, das eines war!) kaum etwas. Ließ sich vor allem in Halbzeit zwei auch viel zu weit nach hinten fallen. Nach dieser Verletzungsgeschichte kein Wunder, das ist völlig normal. Wirkte nach 75 Minuten auch ausgelaugt und platt.

Marcell Jansen (ab 60. Min. für Tesche) sollte im linken offensiven Mittelfeld für Akzente setzen, aber das gelang nur zweimal, dann schien er wieder ein wenig verletzt.

Aber: Noch ist nichts verloren, warum soll dem HSV in Fürth am Sonntag nicht doch endlich mal der erste Auswärtssieg des Jahres 2014 gelingen? Ich habe noch Hoffnung. Trotz der Tatsache, dass der Zweitliga-Club wie ein Erstliga-Club gespielt hat, und der HSV wie ein Zweitliga-Vertreter. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel und über die Situation in der Relegation. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde unseren „Matz-abber“ „Eiche“ und dazu den großen HSV-Fan Frederik Braun, den alle deswegen kennen, weil er der Chef vom weltberühmten Miniatur-Wunderland ist. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet.

22.31 Uhr

Kreuzer: „Unser Nachwuchs ist nicht so schlecht wie sein Image!“

13. Oktober 2013

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

Der HSV vor einem “heißen” Wochenende

31. Mai 2013

Es geht um die Situation allgemein. Und um die Verlängerung von Vermarkter Sportfive ganz speziell. Darüber steht auf Abendblatt.de ein ganz besonderer Artikel. Der die Tatsache in den Mittelpunkt rückt, dass die HSV-Mtglieder zu diesem deal (Sportfive) befragt werden sollen. Frank Mackerodt, das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied und früherer Kapitän der Volleyball-Nationalmannschaft, hat sich zu diesem Thema kurz einmal freigesprochen:

. . . Dieses Vorgehen sorgt besonders bei einem Mann für Kopfschütteln: Ex-Aufsichtsrat Frank Mackerodt. Auf Facebook lässt der 50-Jährige so richtig Dampf ab und schießt gegen seine Nachfolger in dem Gremium: „Da kann man einfach nun noch den Kopf schütteln: Der AR will die Hauptversammlung um ihre Meinung zu einem neuen Sportfive-Deal befragen. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es gar keine andere Möglichkeit, als den Vertrag zu verlängern! Warum also die Nachfrage bei der Hauptversammlung?”, schreibt Mackerodt.

Und einmal in Fahrt schreibt er weiter: „Die Herren sollten erst mal klären, wer überhaupt den HSV überhaupt in diese Situation gebracht hat, diesen Vertrag verlängern zu müssen? Das ist leider alles so durchsichtig und armselig! Vielleicht sollte der AR zukünftig auch bei allen Spielerverträgen die Meinung der Hauptversammlung einholen! Noch weitergedacht, sollten doch auch alle Mitglieder die Verträge dann gleich mit unterschreiben!“

Mackerodts Sorge: „Leider wird unter diesen Umständen dieser wunderbare Verein in den Abgrund gewirtschaftet. Gerade von den Herren, die uns immer unter Zeit unter Udo Bandow für alles und jedes kritisiert haben. Unter anderem über den Sportfive-Deal, Umgang mit Investoren etc. Und jetzt machen sie alles mit . . .“

Neuer Sprengstoff für das ohnehin prall gefüllte Pulverfass HSV. Denn diese Äußerungen werden sicherlich Reaktionen hervorrufen.

Aber nicht nur diese Äußerungen, das ist klar. Es wird am Sonntag wohl noch ganz andere Reaktion geben. Ich bin auf diese Mitgliederversammlung (Sonntag, 11 Uhr, Arena im Volkspark) sehr gespannt, weil ich weiß, dass sich einige Herren schon mal besonders „präpariert“ haben. Pulverfass ist vielleicht schon das richtige Wort . . .

Wobei ich Frank Mackerodt, den ich über die Maßen schätze (weil er in hundertprozentiger HSVer ist!), natürlich recht geben muss. In allen Punkten. Über diese Punkte wird ganz sicher noch zu reden sein. Und die Mitgliedschaft des HSV wird feststellen, wie schnell aus einem Menschen mit festen Prinzipien ein schillernder Wendehals werden kann . . . Und das ist auch sicher: nicht nur EIN Mensch, sondern mehrere. Mehrere Wendehälse. Schillernde.

Bei der Gelegenheit: Sorry, lieber Frank, dass ich Dich in der heutigen Aufzählung der großen HSV-Größen (Hamburger Abendblatt Seite zwei) vergessen habe aufzuzählen – das ist leider ein unverzeihlicher Fauxpas von mir. Du gehörtest natürlich und selbstverständlich dazu. Und deswegen finde ich es schon mal überragend, dass Du in dieser Form „Gas gegeben“ hast – ohne dazu (von mir) „aufgefordert“ worden zu sein. Großartig. Von diesen HSV-Größen müssten sich viele, viele mehr einmischen, erst einzeln, dann aber auch noch einmal gemeinsam. Und mit Vehemenz.

Der HSV steht ja vor einem „heiße“ Wochenende. Erst der Sonnabend in Berlin. Dort wird Oliver Kreuzer als neuer HSV-Sportchef verpflichtet. Davon gehe ich hundertprozentig aus, denn alles andere kann sich der Club und kann sich der Aufsichtsrat gar nicht leisten. Soll Kreuzer jetzt – aus welchen Gründen auch immer – doch noch abspringen (müssen), dann wäre der HSV tatsächlich die größte Lachpille der Liga, dann würde er auch aus den letzten Zipfeln dieser Republik Hohn und Spott ernten. Gespannt bin ich nur darauf, ob es hinterher verkündet wird, auf welche Ablösesumme es denn letztlich hinausgelaufen ist. Wenn es diese Zahlen dann tatsächlich in der Öffentlichkeit gibt.

Gratulieren möchte ich dem HSV zur Vertragsverlängerung von Jaroslav Drobny. Dass der Tscheche nun doch kein Herthaner wird, sondern in Hamburg bleibt, das halte ich für sehr wichtig. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass Drobny natürlich viel und gut verdient. Das ist erstens berechtigt, und zweitens hat Qualität eben seinen Preis. Der HSV geht dabei auf Nummer sicher – und das ist nur zu befürworten. Die Position des Torhüters ist viel zu wichtig. Und ich habe, das gebe ich zu, noch keinen HSV-Nachwuchstorwart gesehen, der dann in die Bresche springen könnte, wenn Rene Adler einmal ausfallen sollte. Das mag ja noch kommen, aber im Moment gibt es einen solchen Nachwuchsmann noch nicht. Es sei denn, die Torwarttrainer Ronny Teuber und Richard Golz sehen das anders – sie sind dafür ja auch vorgesehen und aufgrund ihrer Erfahrung auch viel prädestinierter als ich.
Bei der Gelegenheit: Ein Tom Mickel, der im Winter vom HSV zur Spielvereinigung Greuther Fürth gewechselt und dort total in der Versenkung verschwunden ist, der hätte dem HSV jetzt bestimmt gut zu Gesicht gestanden. Und was aus einem „gereiften“ Ersatztorwart werden kann, das hat ja Wolfgang Hesl in Fürth gezeigt – Stammtorwart. Bei einem Absteiger, aber immerhin.

Ansonsten Mails, Briefe, Anrufe und auch so manche sms. Die Fans und Mitglieder des HSV sind besorgt. Und weil es ja immer wieder gerne mal genommen (und gelesen) wird, möchte ich eine Mail veröffentlichen, die mich dieser Tage erreicht hat. Immer wieder gern genommen? Natürlich weiß ich schon, dass es einigen „Matz-abbern“ ein Dorn im Auge ist, wenn ich so etwas – wie nun folgend – veröffentliche, aber niemand ist vollkommen. Ich erst recht nicht. Ich weiß aber sehr wohl, dass es auch User gibt, die sich über eine solche Veröffentlichung freuen, weil sie sonst keine Kommentar bei „Matz ab“ lesen. Also – mehr Toleranz auf beiden Seiten.
Los geht es:

Lieber Dieter, lieber Scholle,

vorab bedanke ich mich für euren Blog der für alle Menschen mit der
Raute im Herzen eine tolle Plattform und Informationsquelle ist. Die
Liebe zum HSV springt einem wirklich aus jeder Zeile entgegen.
Für mich ist es das erste Mal überhaupt, dass ich mich zu meinem
Verein schriftlich äußere. Der Grund: ich muss meine Sorgen mal
loswerden.

Nach 41 Jahren, in denen der HSV immer Bestandteil meines Lebens war,
ist nun mein letztes Fünkchen Hoffnung erloschen, dass unser Verein
in absehbarer Zeit wieder “die Kurve” kriegt. Die aktuellen
Ereignisse zeigen überdeutlich, dass es einen gravierenden Fehler im
(Vereins)System gibt, der ein Anknüpfen an die sehr alten Erfolge
heute und in Zukunft unmöglich macht. Die jüngsten Aussagen von
Wolfgang Klein und Felix Magath bestätigen mich m. E. in meiner
Einschätzung.

Tatenlos müssen wir mit ansehen wie der “Elfer-Rat” in wechselnder
Besetzung den Verein immer wieder an die Wand fährt. Nirgendwo auf
der Welt könnte ein mit elf Hobby-Experten besetzter Aufsichtsrat ein
Unternehmen oder Projekt professionell und erfolgreich führen. Nur in
Hamburg wird das immer wieder versucht. Strukturreformen initiiert
durch den Aufsichtsrat? Gott bewahre, da könnten einige Herrschaften
ja an Einfluss und damit an Strahlkraft verlieren. Und das die
Mitglieder keine Reform einfordern wird für mich auf ewig ein Rätsel
bleiben.

Das Leiden steigert der Aufsichtsrat dann noch durch verbale
Ballverluste (siehe Causa Ertel) oder mit eklatanten Abwehrfehlern
sprich dem Ausplaudern von Interna. Es ist doch nur eine Frage der
Zeit, wann wieder der Trainer gehen muss und danach dann der
Sportchef. Wahrscheinlich verkündet von einem Vorstandsvorsitzenden
Jarchow, der sich – außer durch monotone Spar-Appelle und
Dauer-Leichenbittermiene- noch in keinster Weise profiliert hat, aber
vom Aufsichtsrat seltsamerweise auch nicht hinterfragt wird.

Ich bin bestimmt kein negativer Mensch, sonst hätte ich mich nicht
– nach 12 Jahren Axel Springer – mit fast 50 Jahren noch einmal
selbstständig gemacht. Aber der HSV zeigt leider nur Kontinuität bei
den Managementfehlern und das geht zu Lasten meiner Lebensqualität.
Daher wird es für meine Familie und mich zur neuen Saison keinen
Stadionbesuch und kein TV-Bundesliga-Abo mehr geben.

Lieber Dieter, lieber Scholle, macht so positiv weiter, ich bin dann
mal weg.

Beste Grüße, Thorsten

Und dann noch eine kurze „Wasserstandsmeldung“. Für alle, die jetzt noch auf ihre Dauerkarte verzichten möchten – und hinterher vielleicht dann doch traurig sind, dass sie bei Saisonstart „weg“ ist:

Noch bis zum morgigen Sonnabend läuft der Dauerkartenvorverkauf für Inhaber einer Saisonkarte der vergangenen Spielzeit. Bislang haben bereits 25 000 Fans von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Vom 11. bis zum 17. Juni läuft der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder, ehe am 18. Juni der freie Verkauf beginnt.
Wer seinen Dauerkartenplatz der letzten Saison auch in der kommenden Spielzeit besetzen möchte, der kann ihn sich jetzt im Online-Ticketshop auf www.hsv.de, unter der Telefonnummer 040 4155-1887 oder direkt im HSV-Service-Center buchen.

17.08 Uhr

Mit dem Abstieg hat der HSV nichts zu tun . . .

3. März 2013

HSV-Trainer Thorsten Fink hat nach der herben 1:5-Pleite bei Hannover 96 Konsequenzen angekündigt. „Wir werden keinen Tag frei machen diese Woche. Das ist schon einmal ein ganz gutes Zeichen, um der Mannschaft zu zeigen, dass es so jetzt nicht weitergeht. Wir wollen weiterkommen, wir wollen den nächsten Schritt machen und am Wochenende gewinnen“, sagte der Coach am Sonntagabend im NDR Sportclub und unterstrich: „Ich will eine andere Ausstrahlung sehen. Wir werden die Zügel im Training anziehen und auch die Ansprachen werden sicherlich klarer und direkter sein.“

Dieser kurze Rückblick sei mir gestattet. Vor einer Woche saß Thorsten Fink beim NDR in Lokstedt und gab die Woche vor. Und wie es gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth gehen sollte.
Sollte.

Auf dem Weg in die Redaktion traf ich heute HSV-Fan „Franky“. Der sagte nur: „Eigentlich müsste der Trainer nach diesem Dilemma nur noch von seiner B-Jugend sprechen . . .“ Weil das 1:5 von Hannover ja von der A-Jugend verursacht worden war. Und: Die intensive Trainingswoche – ohne freien Tag – müsste jetzt eigentlich noch gesteigert werden: Keinen freien Tag, dafür aber jeden Tag zweimal Training.

Nun gut, ich will nicht übertreiben. Obwohl ein solcher Auftritt wie der gestern einem schon Tränen in die Augen treiben kann. Aber ich hatte ja auch (nur) ein 0:0 erwartet. Und viele der Zuschauer von 47 207 bis 55 500 wohl auch, denn sie sind erst gar nicht in den Volkspark gekommen. 47 206 gegen ein Schlusslicht ist zwar eine bemerkenswerte Zahl, aber bedeutet nun einmal auch Minusrekord in dieser Saison.

So, ans Eingemachte. Erst einmal muss ich wohl gestehen, dass ich bei der Beurteilung von Tolgay Arslan „etwas“ daneben lag. Ich hatte dem Einwechselspieler attestiert, für eine Belebung gesorgt zu haben. Ich hatte mich auch ganz kurz noch mit „Scholle“ abgesprochen, aber jeder, der hinterher von diesem Spiel sprach (oder schrieb), vertrat die Meinung, dass Arslan nichts gebracht hätte. Manche waren deswegen sogar total enttäuscht.
Ja, so kann es gehen. Auch mir. Das sage ich nur jenen, die vielleicht meinten, ich wäre bei einem anderen Spiel gewesen. Wobei ich zugeben muss, das parallel zum Kick im Volkspark ja auch die Oberliga-Partie zwischen Bramfeld und BU lief. Da wäre ich schon gerne gewesen, ein Traditions-Derby, obwohl „mein“ BU ja richtig auf die Nuss bekommen hat – 0:6. Da war mir ein 1:1 zwischen dem HSV und dem Bundesliga-Letzten Fürth dann doch etwas näher . . .

In meinen Augen aber hatte der HSV noch etwas Glück, dass es am Ende 1:1 hieß, denn die Fürther hatten ja auch einige Groß-Chancen – und hätten in der 69. Minuten eigentlich einen Elfmeter bekommen müssen. Da hatte Rene Adler einen Fernschuss nur abklatschen können, und der Fürther Klaus, der Sohn des ehemaligen HSV-Spielers Fred Klaus, hätte wohl sehr gut nachschießen können, doch Jansen fuhr ihm in die Parade. Ich habe ein Foul gesehen, Jansen wohl auch, denn er sprang nach diesem Zweikampf blitzschnell wieder auf, blickte auf den Berliner Schiedsrichter Siebert und zog sofort den Sprint nach vorne an. Das schlechte Gewissen war dem HSV-Profi dabei bis hoch auf die Tribüne an zusehen. Keiner hätte sich meines Erachtens über einen Elfmeterpfiff beschweren können – aber wahrscheinlich hätte Adler diesen Schuss dann ja auch gehalten . . .

Der HSV ist mit diesem 1:1 aus jenen Rängen heraus gefallen, die zum Start in Europa berechtigen. Ich will davon auch nicht mehr reden und nicht mehr schreiben. Nur so viel möchte ich noch loswerden: Nicht die Stadt, nicht die Presse, nicht die HSV-Fans sollen von einem internationalen Startplatz für den HSV reden, sondern die Mannschaft müsste es nur einmal zeigen. So wie in Dortmund, so wie danach nicht mehr. Der Ruck müsste durch diese Mannschaft gehen, dieser Ruck kann nicht von außen kommen. Kommentar von Thorsten Fink: „Man muss die Chancen nutzen, wenn man den Tabellenletzten schlagen will, aber es fehlte an der letzten Überzeugung, den Ball rein zu machen.“

Eigentlich, das muss ich schon gestehen, halte ich es allmählich für unnötig, auf die Statistik dieses Spiels zu verweisen, aber wer daran Interesse hat, bitteschön:

Tore 1:1.
18:6 Torschüsse für den HSV, 5:1 Ecken für den HSV, 12:1 Flanken für den HS-V, 62:38 Prozent Ballbesitz für den HSV, 52:48 Prozent gewonnene Zweikämpfe für den HSV, 11:8 Fouls für den HSV, 3:8 Abseitsstellungen – für Fürth. De meisten Torschüsse gab Rafael van der Vaart ab (drei), die meisten Torschussvorlagen ab ebenfalls van der Vaart ab (vier), die meisten Balkontakte hatte Heiko Westermann (130), die beiden besten Fürther, Sobiech und Baba hatten jeweils 60! Westermann war auch der Zweikampfstärkste, er gewann 92 Prozent seiner Duelle – Baba brachte es als Bester des Schlusslichts auf 71 Prozent.
Aber was bedeuten diese Zahlen schon? Nichts. Das Spiel bleibt trotz allem erschütternd. Und die 1:1 Tore ebenfalls.

Kommentar von Marcell Jansen: „Wir müssen die Bundesliga so nehmen wie sie ist.“ Und das wussten wir alle doch auch vorher: Außer Bayern, die in einer anderen Liga spielen, kann ihr an gewissen Tagen jeder jeden schlagen. Und es kann auch mal ein Tabellenletzter bei einem Tabellensechsten einen Punkt entführen. Torschütze Maximilian Beister sagte: „Es ist frustrierend. Vielleicht hätten wir es mit letztem Willen erzwingen müssen.“ Vielleicht. Dass der HSV mit diesen enttäuschenden Minuten bereits alles verspielt hat, davon wollte und will Beister nichts wissen: „Noch ist gar nichts entschieden. Die Saison ist noch sehr, sehr lang.“ Und was ist mit der Europa League und dem HSV? Beister: „Die Qualität haben wir.“

Thorsten Fink allerdings widersprach in seinem Resümee ein wenig: „An der Einstellung lag es nicht, es fehlte die letzte Überzeugung. Die Mannschaft hatte das Vertrauen verloren. Und in der zweiten Halbzeit auch die Linie verloren. Man sieht einfach, dass die Mannschaft nicht so gefestigt ist. Unsere Ziele waren ja aber nicht da oben.“ Um dann festzustellen: „So ein Spiel muss man gewinnen – aber mit dem Abstieg werden wir sicher nichts mehr zu tun haben.“
Und das ist ja auch schon etwas. Ernsthaft. Denn (auch) vor dieser Saison hatten ja viele (auch ich) arge Bedenken, dass es so weitergehen könnte, wie in der Saison 2012/13. Dass das Thema Abstieg so schnell abgehakt werden konnte – das ist schon sehr, sehr gut. Und, um es noch einmal zu sagen, das ist mein bitterer Ernst. Alles das, was nun über Platz zehn hinaus kommt (noch oben, nur nach oben), das ist die Zugabe. Und wenn dann die Mannschaft eines Tages tatsächlich etwas mehr gefestigter ist, dann geht es auch wieder mehr nach oben.

Das sollten auch die Zuschauer bedenken. Dass sie zur Pause und nach dem Spiel pfiffen, das war völlig vorhersehbar – und auch normal. Dennoch hätte es wohl die eine oder andere Anfeuerung noch mehr geben können (Ausnahme im Norden). Kurz-Kommentar dazu von Dennis Aogo: „Die Fans wissen manchmal nicht, welchen Einfluss sie haben. Ich wünsche mir manchmal mehr Geduld von den Rängen, die Pfiffe machen uns nicht größer und selbstbewusster.“
Und nun weiß ich, dass sich wieder einige (mehr?) Fans darüber aufregen, dass Aogo es wieder einmal wagt, davon zu sprechen. Ich finde aber, dass er nicht so Unrecht hat.

Ganz kurz noch zu einem „Heimkehrer“. Wolfgang Hesl, der Fürther Torwart. Lief mir vor dem Anpfiff über den Weg. Ich erzählte ihm von meinem Tipp: „Wolfgang, ich glaube es wird am Ende 0:0 stehen.“ Er konterte: „Du hast ein Tor vergessen – das von uns . . .“ Nach dem Spiel sagte Hesl dann: „Hier wäre mehr drin gewesen für uns, leider fehlte uns die Kaltschnäuzigkeit.“

Letzteres trifft aber ja nicht nur auf Fürth zu. Der HSV vergab ja auch gute und beste Möglichkeiten. Die größte hatte van der Vaart auf dem linken Fuß, aber er wollte es wohl zu schön machen . . . Was ich kritisieren möchte ist das: Oftmals wurde einfach mal auf das Tor „geballert“, ohne Rücksicht auf Verluste. Soll heißen: In vielen Szenen stand ein Mitspieler deutlich günstiger, er hätte den Ball wahrscheinlich ins Tor befördert, aber der Egoismus einiger Jungs (Beister, Heung Min Son) verhinderte es. Beister hätte in der dritten Minuten nur quer legen müssen, und das Tor des HSV wäre – von Artjoms Rudnevs erzielt – nicht mehr zu verhindern gewesen. Beister aber versuchte es im Alleingang, mit einem Heber über Hesl, mit einem Sprung über Hesl – und dann kam er ins Straucheln, oder es fehlte ihm die Kraft, um noch zum Abschluss zu kommen. Das war schon enttäuschend. Natürlich heißt es im Fußball, dass ein Torjäger egoistisch sein darf (oder auch muss), aber diesmal wurde das übertrieben. Und ich habe oft auf Rafael van der Vaart geachtet. Er hat die Dinger vielfach eingefädelt (in Habzeit eins), lief sich frei, lief in Stellung, hoffte drauf, dass er den Ball wiederbekäme – aber da kam nichts. Außer einem oftmals sinnlosen „Geballere“ . . . Aber daran kann in dieser Woche ja auch noch ausreichend gearbeitet werden.

Was mir auch noch auffiel: Wo ist die „Kante“ in der HSV-Defensive, die mal „gehörig dazwischenfegt“? Die den gegnerischen Angreifern kaum Platz zum Atmen lässt, ihnen auch schon mal das Fürchten lehrt. Da „haut“ ja niemand mal richtig dazwischen – und wie sagte es Thorsten Fink noch nach dem Debakel in Hannover: „Das war ja mehr Begleitschutz . . .“ Diesmal wieder. Wie die Chorknaben, alle sind nur noch mit Samthandschuhen unterwegs. Das heißt, nicht ganz. Im Training in der vergangenen Woche, das flogen am Montag ja noch die Fetzen. Aber das war leider nur im Training. Ist schon komisch, dieser unser HSV.

Verletzte HSV-Spieler gab es nach diesem 1:1 nicht beklagen, allerdings besteht bei Torwart Jaroslav Drobny die Gefahr eines Muskelfaserrisses in der Wade. Der Tscheche verspürte ein Stechen, und das dürfe ihn nun für einige Tage (oder Wochen?) außer Gefecht setzen. Ganz leichte Wadenprobleme hat auch der Kapitän, doch Heiko Westermann wird wohl bereits am Dienstag (das nächste Training – um 15 Uhr) wieder mit der Mannschaft trainieren können.

So, und nun kann sich das Team auf das Auswärtsspiel in Stuttgart vorbereiten. Und mal sehen, ob man da eine etwas andere Mentalität an den Nachmittag legen kann. Vielleicht so wie in Dortmund? Abwarten. Und danach? Der nächste Club, der dann nach Hamburg kommt, ist der FC Augsburg. Kanonenfutter Wie Greuther Fürth? Zu diesem Thema nur so viel: Augsburg ist bis heute das viertbestes Rückrunden-Team, schaffte einen wichtigen Sieg mit dem 1:0 in Bremen. Die Augsburger rennen und kämpfen, ziehen an einem Strang. So wie Fürth, nur noch einen Tick besser.

Zum Schluss möchte ich noch einmal über den Tod von Horst Eberstein schreiben.
Das HSV-Urgestein Horst Eberstein verstarb am Freitagabend im Alter von 83 Jahren. Das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied gehörte dem HSV seit 1954 an. Für mich einer der größten HSVer, die ich jemals kennengelernt habe, und zudem ich über Jahrzehnte aufgeschaut habe. Was auch immer im Verein passiert war, Horst Eberstein wusste es. Er hat HSV nicht nur gelebt, er war HSV. Das sagt man vielleicht oft, aber in diesem Falle ist es die absolute Wahrheit. Horst Eberstein hat seit seinem Vereinseintritt immer 100 Prozent für den HSV gegeben, wann immer er etwas tun konnte – er tat es. Mit Begeisterung. Als ehemaliges Mitglied des Amateurvorstandes war er in allen Abteilungen zu Hause, aber er, der einst als Leichtathlet begonnen hatte, war natürlich hauptsächlich Fußballer. Bei den Amateuren, und dann, als sein großer und langjähriger Freund Gerd-Volker Schock Profi-Trainer geworden war, auch als „guter Geist“ und bienenfleißiger Betreuer bei den Bundesliga-Spielern.

Eberstein war in vielen Ämtern für den HSV tätig, er war auch Mitglied im Ehrenrat – sein Rat wurde geschätzt, auf ihn wurde gehört. „Wo bei anderen Menschen ein Herz schlägt, schlägt bei mir die Raute“, sagte er einst. Horst Eberstein war fachlich stets auf der Höhe, er war dann, wenn es angebracht war, auch durchaus kritisch, aber er hat seinen HSV immer im Herzen gehabt. Oft stand er mit seinem Hund beim Training, mit ihm suchten sie alle das Gespräch – so auch Trainer und Sportchef.

Ich werde ihn sehr vermissen, Horst Eberstein wird für mich stets ein Vollblut-HSVer sein. Mein und unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen.

Mach’s gut, Horst – so wie immer.

17.21 Uhr

Fink: “0:0 ist besser als ein 6:6 . . .”

19. Januar 2013

„Immer noch mal quer, und immer noch mal quer – Mensch, schieß doch mal. Das kann doch nicht wahr sein!“ Heiko Westermann war obergenervt, denn wieder einmal hatte Heung Min Son einen Ball in vielversprechender Lage – vor dem Tor von Rene Adler – am Fuß, doch statt den Abschluss zu suchen, wurde die Kugel noch einmal und noch einmal quer gelegt – bis es für einen Schuss zu eng und damit zu spät war. Was Kapitän Westermann nicht wusste: Als ihm nach dieser Situation der Kragen geplatzt war, beendete Trainer Thorsten Fink das Abschlussspielchen am Volkspark. 0:0 hieß es zwischen der gedachten Anfangsformation für das Nürnberg-Spiel und den Reservisten. Wobei die B-Elf noch in Person von Marcus Berg und Gojko Kacar die besseren Möglichkeiten auf dem Fuß hatte – aber entweder schossen die Spieler daneben, oder der glänzend aufgelegte Sven Neuhaus parierte. Neuhaus wird ja den am Rücken verletzten Jaroslav Drobny als Ersatzkeeper ersetzen, aber selbst wenn der 34-jährige Routinier an der Noris zwischen die Pfosten müsste, wäre mir nicht bange – er ist in sehr guter Verfassung. Und was mir an Neuhaus besonders gefällt: Er ist laut, er dirigiert seine Vorderleute voller Engagement, er stellt sie super und er motiviert sie ganz hervorragend. So wie es sein muss. Rene Adler macht es ja auch, aber der ist auch die Nummer eins des HSV, ist voller Selbstvertrauen und steht voll im Saft. Neuhaus aber war bislang nur die Nummer vier, ist nach dem Verkauf von Tom Mickel jetzt die Nummer drei – macht aber trotz allem, und so ist es genau richtig, den Mund auf. Vorbildlich. Übrigens: Mickel steht beim Spiel seines neuen Klubs Greuther Fürth in München gegen die Bayern nicht im Tor, dafür lässt der ehemalige HSV-Schlussmann Wolfgang Hesl gerade eine Lusche zum 1:0 für den Rekordmeister reinrutschen . . .

Zurück zum Abschlusstraining des HSV. Bitter kalt war es – durch den Ostwind, richtig unangenehm, gefühlte minus zehn Grad. Deswegen war in dieser Einheit stets Tempo drin, damit ja niemand steht und sich erkältet. Laufen, laufen mit Ballschule, Torschüsse auf zwei Tore und die Nullnummer gab es zu sehen. Und Thorsten Fink wirkte nicht unzufrieden, denn er sagte: „Besser ein 0:0 als ein 6:6. Bei so vielen Toren würde man ja graue Haare bekommen – nein, auf ein 0:0 lässt sich aufbauen.“ Und besser ohne Tore als ein 4:5 (wie aus Sicht von Hannover 96). Mensch, was waren das für Fehler auf Schalke! Jeder Schuss ein Treffer. Da stellte sich die Abwehr des HSV heute doch wesentlich besser an – auch wenn nicht alles glückte. Erfreulich war, wie gut Petr Jiracek schon wieder mitmischte – so könnte es bis zum Werder-Spiel am Sonntag in einer Woche durchaus etwas werden. Fragt sich nur, für wen der Tscheche dann in die Mannschaft käme. Es darf gerätselt werden, auch wenn es noch hin ist. Zentral hinten spielt Milan Badelj, zentral vorne Rafael van der Vaart, rechts Tolgay Arslan, links Dennis Aogo. Wer müsste dann raus? Und Jiracek auf einen Flügel? Das sah, als er dort spielte, nicht unbedingt so gut aus . . .

Okay, es ist noch Zeit, aber der HSV wird dieses Luxus-Problem eines Tages bekommen. Wobei es natürlich auch wieder eine System-Änderung geben könnte – mit zwei Sechsern: Badelj und Jiracek. Es bleibt spannend. Auch wie sich Arslan und Dennis Aogo weiter entwickeln und in ihren Rollen zeigen. Aogo war heute nicht unbedingt und vordringlich auf der linken Seite zu finden, sondern „turnte“ wieder überall herum – als kleines „Laufwunder“. Bitter ist die Situation ja nun für Per Ciljan Skjelbred sein, der zuletzt ja fast immer eine gute Benotung für seine Spiele (als Van-der-Vaart-Vertreter?) erhalten hatten – und nun plötzlich wieder nur Ersatz sein wird. Das ist Schicksal. Mir tut der Norweger ein wenig Leid, denn er hat sich zuletzt enorm reingehängt und seine Sache wirklich gut gemacht – aber wie heißt es so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Jetzt muss sich im Mittelfeld jeder zeigen (und Leistung bringen), sonst kommt Skjelbred. Und wer weiß, wie lange van der Vaart morgen in Nürnberg durchhalten wird. Wobei ich ihm selbstverständlich die Daumen drücke, dass es über volle 90 Minuten und die eine oder andere Sekunde auch länger gehen wird. Im Training heute hielt sich der vollbärtige Niederländer ein wenig im Hintergrund auf. Was bestimmt nicht dazu führte, dass der Regisseur und sein Trainer gemeinsam vom Trainingsplatz und bis kurz vor die Kabine gingen – sich über dies und jenes unterhaltend.

Eine kleine Schrecksekunde hatte heute Tomas Rincon zu überstehen, denn er wurde von Heung Min Son ziemlich unsanft in den Rasen befördert. Ohne dass der Trainer pfiff! Rincon blieb einige Sekunden am Boden liegen, humpelte danach auch einige Minuten über das Geläuf – nicht gerade freundlich auf Son blickend. Ich habe mir bei dieser Szene gedacht: „Sieh an, sieh an, der Sonny. Im Spiel springt er lieber mal drei Meter hoch, um nicht getroffen zu werden, aber im Training legt er kurzerhand mal den Popeye flach. Der Junge lernt von Tag zu Tag dazu – jetzt muss er es nur auch mal im Spiel mal zeigen, dass er austeilen und einstecken kann.“
Und noch einmal hatte es bei diesem Spielchen „geknallt“ – als Artjoms „Rudi“ Rudnevs gegen Slobodan Rajkovic zutrat. Da trat ein Bär den anderen – Rajkovic schien der Verlierer dieses Duells zu sein, denn „Rudi“ stand als erster Spieler wieder aus, während sich Rajkovic auf dem Rasen sitzend das Schienbein rieb. Und wo ich gerade bei Slobodan Rajkovic bin: Er blieb in Hamburg, dazu auch Gojko Kacar und (noch einmal) Petr Jiracek. Nicht mitgeflogen ist auch Zhi Ging Lam, der eine Sehnenscheiden-Entzündung im Knie erlitten hat. Paul Scharners Schleudertraum ist bereits bekannt.

Nach dem heutigen Training gab es – trotz der sibirischen Kälte – noch einige Sonderschichten. Lobenswert! Ronny Teuber nahm sich ganz allein Rene Adler vor, Nikola Vidovic trainierte mit Jiracek „an der Wand“. Zehn Mal musste „Jira“ den Ball an die Wand befördern, danach über zehn Meter sprinten – und dann um den kleinen Trainingsplatz laufen. Und dann begann es wieder von vorn. Das dauerte so seine 20 Minuten. Unterdessen sprinteten Gojko Kacar und Slobodan Rajkovic um die Wette. In Etappen: Erste fünf Meter, dann zehn Meter, dann 15 Meter. Und wieder von vorn. Für mich blieb es aber ungeklärt, ob diese beiden Spieler eine freiwillige Zusatzschicht eingelegt hatten, oder ob es auf „Befehl von oben“ geschah. Ich habe allerdings keinen „Befehl“ und auch keinen „Befehlshaber“ gesehen, der diese Schicht auch noch beaufsichtigte. Rajkovic und Kacar liefen für sich allein. Und das nenne ich ebenfalls lobenswert. Weil das bei der Kälte ganz gewiss nicht selbstverständlich ist.

Nun bin ich – wie ihr – sehr gespannt auf den Auftritt des HSV in Nürnberg. Trainer Thorsten Fink hatte ja vor einer Woche bereits gesagt, dass er von seiner Mannschaft einen Sieg erwartet. Nun hat der Coach auch noch gesagt, dass der HSV ja etwas „gutzumachen“ habe – weil dieses 0:1 im Hinspiel ganz besonders grausam war. Allerdings zucke ich bei dem Wort „Wiedergutmachung“ immer innerlich zusammen – denn das hat, so sagt es mir mein Gefühl, beim HSV noch nie so richtig geklappt. Im Gegenteil, meistens ging der Schuss dann sogar nach hinten los.

Und obwohl Nürnberg dem HSV (in der Vergangenheit) sehr oft lag, es gibt dort ja noch einen Trainerwechsel, der nun sein erstes Bundesliga-Spiel erlebt. Und wie gut sich das Gespann Wiesinger/Reutershahn dann machen wird, zeigt sich am Sonntag von 15.30 Uhr an. Apropos Reutershahn: Er war ja einst jahrelang beim HSV der Assistent des Chef-Trainers. 1997 holte ihn Frank Pagelsdorf von Bayer Uerdingen nach Hamburg, dann blieb Armin Reutershahn auch noch bei Kurt Jara und auch bei Klaus Toppmöller noch die rechte Hand. Erst mit dem Wechsel von Toppmöller auf Doll (im Oktober 2004) war für Reutershahn das Kapitel HSV beendet. Ich gebe zu, ich hätte damals nicht gedacht, dass ich ihn eines Tages als Chef-Trainer eines Bundesliga-Vereins begrüßen werde, denn Reutershahn, der unbestritten viel Ahnung vom Fußball (!) hat, war mir stets einen Tick zu leise und zu introvertiert. Und er war mir auch – im Zusammenspiel mit den ausgebufften Profis – immer ein wenig zu lieb; er ist ein ganz, ganz „menschlicher“ (um nicht das Wort „nett“ zu benutzen) Mensch. Jetzt aber wird es sich zeigen, ob ich mit meiner damaligen Einschätzung verkehrt lag, denn als Erstliga-Trainer muss man ganz sicher auch ab und an ein harter Hund sein. Und ich wünsche ihm sicherlich auch alles Gute auf seinem neuen Weg, es muss ja nicht gleich mit einem Sieg (gegen den HSV) beginnen . . .

PS: Bitte nicht vergessen, wir gehen morgen nach dem HSV-Spiel in Nürnberg wieder mit “Matz ab live” auf Sendung, diesmal aus dem Hotel “Elysee”. Gäste von “Scholle” und mir werden dann der frühere Nationalspieler Klaus Zaczyk und Europapokal-Sieger Hans-Jürgen “Ditschi” Ripp sein.
Wir würden uns sehr über euer Einschalten freuen . . .

18.07 Uhr

Westermann macht Druck – und Berg will spielen

17. August 2011

Es ist schon fast beeindruckend, mit welcher Überzeugung Heiko Westermann agiert. Auf dem Platz ackert der Kapitän bis nichts mehr geht. Und drumherum gibt er sich unbeirrt optimistisch. Die Pfiffe gegen ihn, die Kritik, die Misserfolge gegen Dortmund und Hertha, zudem die letzte Nichtberücksichtigung für das Brasilien-Länderspiel – nichts kann den 28-Jährigen erschüttern, geschweige denn von seiner Meinung abbringen, dass mit diesem HSV noch einiges zu holen ist. „Wir haben sicher noch nicht die perfekte Abstimmung gefunden – aber wir denken nicht mehr zurück sondern freuen uns auf das Bayern-Spiel. Wir müssen einfach das besser machen, was wir in den ersten beiden Spielen nicht so gut gemacht haben.“

Logisch. Aber was genau war falsch? Und wie wird es besser? „Wir haben zu viele Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Uns fehlt die Abstimmung. Der Wille ist zwar da, aber das sieht dann manchmal komisch aus, weil da noch zu wenig ineinander greift. Das hat uns die ersten zwei Spiele die Punkte gekostet.“ Insbesondere, weil das zentral-defensive Mittelfeld (gegen Dortmund mit Kacar/Rincon, gegen Hertha mit Westermann zunächst als einzige Sechs) nicht funktionierte. „Gegen Berlin hatten wir einfach zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen“, phrasiert Westermann, „dadurch habe wir keinen Druck auf den Ball gekriegt – und dann sieht man schon mal nicht so gut aus. Dann wird es schwer, überhaupt in den Zweikampf zu kommen.“ Doch anstatt wieder um Geduld und Zeit zu bitten, macht der Kapitän Druck: „Das müssen wir lernen, ganz schnell. Sonst wird es schwer.“ In München soll aller Voraussicht nach der zuletzt erst gegen Hertha eingewechselte David Jarolim wieder im Mittelfeld ab- und aufräumen. Eine Entscheidung, die Westermann nachdrücklich befürwortet. „Seine Erfahrung wird uns helfen, er wird das schnell umsetzen können.“

Eine gute Erfahrung hatte der HSV bereits beim 2:1-Sieg im Liga-Total-Cup gemacht. „Das war sicher nur Vorgeplänkel. Aber wir haben im Hinterkopf, wie es funktionieren kann.“ Und zwar aus einer kompakten defensive mit schnellen Kontern. „Wir haben es damals gut gemacht. Wir haben auf Konter gespielt und wenig bis nichts zugelassen.“ Eine Methode, die funktionieren könnte. Glaubt Westermann. „Nur so geht es. Denn die Bayern werden auch diesmal wieder 70 Prozent und mehr Ballbesitz haben.“ 70 Prozent? „Na ja“, sagt Westermann, „so viel haben die doch immer. Stimmt zwar nicht ganz. Aber sinngemäß ist es nicht falsch, da die Bayern natürlich in fast jedem Spiel dominant agieren.

Auch deshalb frage ich mich, ob der HSV mit dem sicher nicht sprintstärksten Mladen Petric hierbei am besten besetzt ist. Zumal der Kroate heute mit einem leichten grippalen Infekt nur im Trainingstrakt blieb und sich behandeln ließ. Nein, die Frage ist doch, sollte es tatsächlich – wie in Mainz – besser sein, mit den schnellsten Offensivkräften zu beginnen. Und: nur weil Jansen derzeit auf links die beste Figur macht, kann man dann ganz auf Eljero Elia, dem laut italienischen Online-Medien ein Angebot von Real Madrid vorliegen soll, komplett verzichten? Oder muss man sich von dem Gedanken lösen, dass er nur links spielen kann und den Niederländer auf der rechten Außenbahn oder gar hinter der Spitze aufbieten? Ich denke schon. Denn wenn Elia eines hat, dann Tempo…

Offensiv ebenfalls eine Option ist auch wieder Marcus Berg. Bislang zwar nur für Teileinsätze, aber er ist eben wieder da. „Ich bin fit, kann spielen“, sagt der introvertierte Schwede, den man am liebsten immer wieder in den Arm nehmen würde. Nicht, weil er heute Geburtstag hat – Herzlichen Glückwunsch zum 25. Geburtstag noch mal von dieser Stelle! – nein, auch, weil der teuerste Einkauf der 124 Jahre alten Vereinsgeschichte immer so zurückhaltend und scheinbar schüchtern antwortet.

Grund für großes Selbstvertrauen hat der Angreifer in Hamburg nicht sammeln können. Allerdings glaubt er selbst daran, dass es jetzt besser wird. „Als ich hergekommen bin, hatte wir hier viele große Namen und viele ältere Spieler. Da war es nicht so leicht für mich als jungen und neuen Spieler.“ Das sei jetzt anders. „Ich bin nicht nur plötzlich der sechst- oder siebtälteste Spieler, sondern wir haben auch eine bessere Gemeinschaft, agieren als Team. Das hat es leicht gemacht, wieder reinzufinden.“

Nun muss ich zugeben, mich damals beim Kauf Bergs geärgert zu haben. Für mich war es der panische Aktionismus von Bruno Labbadia und vor allem Bernd Hoffmann, der sich damals die Bürde des Sportchefs quasi mitauferlegt hatte und mit allen Mitteln Erfolg haben wollte (musste). Und obwohl es bislang nicht wirklich viel Anlass gibt, meine Meinung über Bergs fußballerische Qualitäten zu ändern, ist es zumindest nur fair, ihm die gleiche Anlaufzeit wie allen anderen innerhalb dieses Umbruchs zu gewähren. Zumal er im Training vor dem Tor eiskalt ist und selbst über sich sagt, in der Leihsaison beim PSV Eindhoven seinen bislang größten Schritt nach vorn gemacht zu haben. „Es war hart, aber lehrreich, weil ich dort das erste Mal als einzige Spitze gespielt habe, nachdem ich immer einer von zwei Angreifern war – was ich auch lieber spiele. Ich habe gelernt, mich auf andere Situationen einzustellen, mich auch mit dem Rücken zum Tor zu behaupten. Trotzdem war es für mich immer klar, nach dem Jahr in Eindhoven zurück nach Hamburg zu gehen. Hier habe ich drei Jahre Vertrag, hier will ich was erreichen.“

Allerdings nicht um jeden Preis. Noch hat Berg leichte Probleme, weil seine Rückenmuskulatur noch nicht wieder vollständig hergestellt ist nach rund einem Monat Pause. „Ich fühle mich grundsätzlich gut, auch wenn ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Es wird sicher noch etwas dauern, aber ich mache mir keinen Stress.“ Über Teileinsätze in der Bundesliga oder auch Spiel für die Regionalliga-Mannschaft will Berg seine Wettkampffitness erreichen. Was sein Eindruck von der Mannschaft ist? Auch im vergleich zu der Mannschaft vor einem Jahr? „Wir sind jünger, haben Erfahrung verloren aber noch immer sehr viel Qualität. Es wird alles noch ein wenig dauern, aber wir haben das Potenzial.“ Sätze, die ich echt nicht mehr hören mag – von denen ich aber hoffe, dass sie sich irgendwann bewahrheiten. Und zum Glück legte Berg noch nach: „Wir haben dieses Jahr große Ziele. Wir wollen besser abschneiden als in der vergangenen Saison. Das klingt nach dem viel kritisierten Start vielleicht etwas verrückt – aber dafür haben wir die Qualität. Und wir kommen als Team immer mehr zusammen. Schaffen wir eine Einheit, haben wir eine große Chance.“

Auch in München.

In diesem Sinne, lasst uns wachsen. Schnell.

Scholle (18.26 Uhr)

P.S.: Ein Wechsel von Änis Ben-Hatira zu Hertha BSC Berlin scheint immer wahrscheinlicher. Beim HSV aktuell nur Reservist, drängt der in Berlin aufgewachsene Offensivspieler jetzt offenbar selbst auf einen Wechsel in die Hauptstadt. Zumindest behauptet das Ex-HSV-Profi Tunay Torun: „Änis will zu uns, das hat er mir gesagt“, so Herthas Torschütze zum 1:1 am vergangenen Sonnabend. Rund zwei Millionen Euro beträgt der Marktwert Ben-Hatiras. Ein Betrag, den Hertha stemmen könnte, wenn sie ihren Angreifer Rob Friend loswerden. Und ich bin mir sicher, dass der HSV auf eine ebenso hohe Ablösesumme pochen wird, damit man selbst noch mal auf dem Transfermarkt reagieren kann.

P.P.S.: Das wiederum bringt mich zu einer häufiger gestellten Frage danach, warum der HSV für Wolfgang Hesl keine Ablösesumme verlangt hat. Ich glaube, dass dies aus zwei Gründen passiert ist. Zum einen, weil man dem 25-Jährigen Spielpraxis ermöglichen wollte, die er bei Oenning nicht bekommen hätte. Zudem, und das ist sicher deutlich entscheidender gewesen, soll es ein Missverständnis zwischen Arnesen und Oenning gegeben haben, das sie dem Spieler gegenüber auch eingeräumt haben. Demnach soll Arnesen bei seinen Überredungsversuchen, Hesl nach Hamburg zu locken, nicht gewusst haben, dass Oenning nicht wirklich mit dem damals an den SV Ried verliehenen Keeper plant. Sollte dem so gewesen sein, wäre es ein Gebot der Fairness, Hesl bei einem Wechsel keine Steine in den Weg zu legen. Und eine Ablösesumme von mehreren Hunderttausend bei einem Gesamtmarkwert von gerade 300000 Euro wäre in diesem Zusammenhang nicht nur ein Stein, sondern gleich ein ganzer Berg gewesen…

P.P.P.S.: Per Skjelbred ist wieder fit. Der Norweger, der gegen Hertha von beginn an auflief, obwohl Trainer Michael Oenning bei dem Norweger ein Formtief entdeckt hatte, trainierte heute voll mit und soll auch am Donnerstag, wenn um zehn Uhr an der Imtech-Arena Training ist, wieder dabei sein.

Nächste Einträge »