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Na bitte: Stilz und das Sondertraining

6. September 2013

War das ein herrlicher Sommertag im Volkspark. Frau M. hat sogar einen Sonnenbrand auf meiner Nase erkannt . . . Hochsommerliche Gefühle kamen da auf, auch wenn es für mich den Anschein hatte, dass es immer weniger Leute waren, die heute trainierten. Was vielleicht auch daran lag, dass Thorsten Fink nicht da war, und dass auch Konditionstrainer Nikola Vidovic nicht auf dem Rasen stand. Die beiden Cotrainer hatten heute am Vormittag das Sagen: Patrick Rahmen leitete das Training, Roger Stilz beschäftige sich – am Rande – einige Zeit mit Nachwuchsmann Dennis Bergmann. Der Abwehrspieler der Zweiten hatte ein reduziertes Programm verordnet bekommen, weil er am Sonntag das Regionalliga-Spiel HSV II bei Eintracht Norderstedt zu bestreiten hat.

Mich erinnerte das Sondertraining an zweierlei: Erstens hatte ich vor genau einer Woche in der Kolumne im Abendblatt über ein solches individuelles Training geschrieben, zweitens habe ich das einst als B-Jugendspieler bei BU bekommen und genossen. Stilz beschäftigte Bergmann mit dem Ball, und ich habe das sehr gerne gesehen. Mein Trainer damals (es war Gerd Krischo, einst ein großartiger Halblinker bei BU und dem Post SV – für diejenigen, die sich im Hamburger Amateurfußball auskennen) hat immer zu uns Knirpsen gesagt: „Jede Ballberührung macht euch stärker.“ Und so ist es auch. Auf diesem Gebiet kann beim HSV schon seit Jahrzehnten (!) viel, viel mehr gemacht werden, und ich hoffe doch mal sehr, dass es unter Thorsten Fink nun forciert wird. Talente, die nach Hamburg geholt werden, die müssen geschult und gefördert werden, auch mit einem gezielten Einzeltraining.

Und das alles ist auch eine Sache der Ansprache. Wenn der Chef-Trainer diesen Talenten erklärt (vielleicht – oder sehr gerne – auch dem einen oder anderen Jung-Profi!), dass es nur zu ihrem Vorteil geschieht, wenn sie einzelne Zusatzschichten schieben, dann werden sie es begreifen. Weil sie dadurch, davon bin ich restlos überzeugt, ganz gewiss stärker werden. Ich habe es kürzlich einem HSVer erzählt: Wer erinnert sich nicht an Talente wie zum Beispiel Gerald Klews und Jens Bochert. Vom HSV aus dem Osten nach Hamburg geholt – mit den größten Hoffnungen. Aber wann immer ich im Norderstedter Herold-Center war, traf ich diese beiden Spieler dort. Sie saßen meistens in einem Cafe, rauchten teilweise still vor sich hin (war damals noch erlaubt) – statt einen Kilometer – mit Ball – weiter gen Norden zu ziehen, um dort in der HSV-Ochsenzoll-Anlage zu trainieren. Gestandene Fußballer haben damals schon über den HSV nur den Kopf geschüttelt, weil: Da werden Talente, auch für einiges an Geld (!), nach Hamburg geholt, aber anstatt sie weiter auszubilden, dürfen diese Spieler den ganzen Tag in einem Einkaufszentrum herum- oder abhängen. Weil ja erst abends um 18 Uhr der erste und einzige Training des Tages stattfindet. Welch ein Wahnsinn – ich kann mich da nur wiederholen.

Wenn ich aber an diese Woche denke, so findet im Moment bei „diesem“ HSV ein erstes Umdenken statt – und das ist auch gut so. Ein Lichtblick! Endlich. Am Mittwoch hatte sich Stilz schon – abseits des Mannschaftstrainings – mit den Innenverteidigern beschäftigt, heute nun (aus gegebenem Anlass – aber immerhin) mit Bergmann. Weiter so! Denn man kann sicherlich den einen oder anderen Spieler noch verbessern und in die richtige Spur stellen, man muss nicht nur kaufen, kaufen, kaufen wollen. Und jetzt dann doch Schluss mit diesem Thema.

Erfreulich ist für mich ebenfalls, dass der leicht angeschlagene Johan Djourou, der gegen Eintracht Braunschweig früher vom Platz gehen musste, die ganze Woche über schon wieder mit den Kollegen trainiert hat. Und wie ich es beobachten konnte, hat er das ohne das geringste Problem überstanden. Das ist prima. Ein kleines Sorgenkind bleibt in Sachen Verletzungen immer noch Ivo Ilicevic, der heute früher in die Kabine ging. Die Kiebitze fragten sich besorgt: „Was ist da los? Ist Ivo wieder angeschlagen?“ Nein, ist er nicht, er wird derzeit aber wie ein rohes Ei behandelt, um so behutsam aufgebaut zu werden. Auch er absolvierte ein reduziertes Programm, es war so mit Thorsten Fink abgesprochen.

Zwei Spieler hatten sich heute kurzzeitig beim Abschlussspiel verletzt: Zhi Gin Lam lag plötzlich am Boden und krümmte sich vor Schmerzen, die medizinische Abteilung aber stellte den Abwehrspieler nach ein, zwei Minuten des Banges aber wieder auf die Beine. Lam war umgeknickt, so schien es mir, ich habe nämlich keinen Zweikampf gesehen, in dem eine Verletzung passiert sein könnte. Als nach dem Spiel (insgesamt dauerte das Training 90 Minuten) einige wie Sven Neuhaus, Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Maximilian Beister und Kerem Demirbay etwas fertig zu Boden gingen (weil sehr intensiv trainiert wurde – bei gleißender Sonne), da zog sich Demirbay den linken Stifel aus und ließ sich behandeln. Mit dem Stiefel in der Hand und einem dicken Verband um den Knöchel ging er (ein wenig humpelnd) in die Kabine. Zuvor hatte er ein wirklich sehr gutes Training abgeliefert – der junge Mann wird ganz sicher kommen, an ihm wird der HSV und sein Anhang, werden wir alle noch viel Freude haben – er ist in meinen Augen so ein Spieler-Typ, den es heute kaum noch gibt, nämlich ein Straßenfußballer.

Und wo ich gerade beim Training bin: Erstaunlich ist für mich, wie sehr sich Heiko Westermann in jede Einheit „reinhängt“. Der Mann gibt immer 100 Prozent, er will gewinnen, egal wie unwichtig auch gerade der Training-Kick ist. Westermann flucht, schreit und wird wild, wenn etwas nicht so läuft – wie er sich das vorstellt. Heute fluchte er nach einem Gegentor zum Beispiel laut: „Mann ist das doof, man ist das doof . . .“ Zur Nachahmung empfohlen, obwohl es auch heute in Sachen Einstellung nichts zu meckern gab, alles Spieler machten sehr gut und engagiert mit. Wie Thorsten Fink gestern schon lobte: „Nach einem gewonnenen Spiel ist die Stimmung gleich viel, viel besser, dann ziehen alle auch hundertprozentig mit. Das macht allen Spaß.“ So ist es. Auch heute gewesen.

Zu diesen Spielern, die emsig trainieren, gehörte auch heute wieder Neuzugang Pierre Lasogga. Er verblüfft alle und jeden. Er wollte doch zunächst nur, so hatte es der aus Berlin gekommene Stürmer angekündigt, mit Reha-Coach Markus Günther auf den „Acker“, um so langsam (aber sicher) Anschluss nach seiner Verletzung (Außenband-Anriss) zu bekommen. Aber nichts da, Lasogga macht alles mit, ist nicht zu bremsen, er gibt Gas – und fühlt sich offenbar sehr wohl. „Ich halte nichts von Terminen und von zeitlichen Ankündigungen, wann was passieren soll oder wird. Genaue Zeitpunkte kann man nie sagen. Und ich will mich nicht unter Druck setzen. Wenn alles klappt und stimmt, dann ist es gut, und so ist es jetzt – ich freue mich, dass alles schon bestens funktioniert. Schmerzen habe ich keine, es ist wirklich alles super – deswegen kann ich jetzt auch so schon einsteigen“, sagt Pierre Lasogga. So könnte es unter Umständen sogar mit dem Dortmund-Spiel klappen.

Darauf hofft wohl auch Lasse Sobiech – der ehemalige Dortmunder. Der 22-jährige Innenverteidiger hatte im Braunschweig-Spiel bis zur 72. Minute auf der Bank gesessen, bevor er für Djourou auf den Rasen kam. Bleibt der Schweizer aber so fit, wie er heute gewirkt hat, so dürfte es für Sobiech schwer werden, am 14. September in Dortmund wieder in die Anfangsformation zu kommen. „Es war natürlich schade, dass ich gegen Braunschweig zunächst nicht gespielt habe, weil ich, wie jeder Spieler, stets gerne auf dem Platz bin, aber jetzt gilt es für mich, im Training Gas zu geben um mich so wieder rein zu beißen. Ich will so schnell wie möglich wieder in die Mannschaft kommen.“

Allerdings hat der Trainer nach einem 4:0-Sieg wenig Argumente (bis hin zu keinem), die Mannschaft zu verändern – wenn er es nicht muss. Und in diesem Falle ist es wohl so, dass er nicht muss. Das weiß auch Sobiech: „Meine Chancen sind sicherlich geringer geworden, nach einem Sieg muss nicht viel gewechselt werden – dennoch bereite ich mich gut vor auf dieses Spiel, und dann wird man sehen, ob man eine Chance hat, in die Mannschaft zu kommen, eingewechselt zu werden – und eventuell das Siegtor zu köpfen . . .“ Westermann und Djourou sind wohl die Innenverteidiger, auf die Thorsten Fink setzt, Lasse Sobiech kommt danach – und sagt selbst: „Ich bin, das habe ich vor der Saison so herausgehört, dass ich die Nummer drei bin – auch wenn es ein offenes Rennen ist. Aber ich habe in der Vorbereitung ganz gut gespielt, wir haben mindestens drei gute Innenverteidiger – wenn nicht sogar mehr, und ich sehe mich da nicht hinten dran, sondern denke, dass ich die Qualität auch mitbringe, um beim HSV Stammspieler zu werden.“ Und er fügt noch kämpferisch an: „Ich werde die Rolle als Nummer drei aber auch gar nicht erst annehmen, sondern werde jede Woche dafür kämpfen, um in die Mannschaft zu kommen.“ Das wird Thorsten Fink sicherlich sehr gerne hören – eine großartige Einstellung.

Zum Spiel in Dortmund befand Lasse Sobiech: „Das werden geile 90 Minuten, das ist ja kein Geheimnis. Ich war zehn Jahre da, es ist für mich das größte Spiel – und in Dortmund, in diesem Stadion zu spielen, das ist so ziemlich das Geilste was es gibt.“

Etwas ganz Geiles hat an diesem Freitag auch „Maxi“ Beister erlebt. Er bekam an seinem 23. Geburtstag erst einmal ein Ständchen seiner Kollegen, und nach dem Training von zwei weiblichen Fans einen ganz besonderen Kuchen: Beister mit einem Sixpack. Habe ich noch nie gesehen, das war mal ein außergewöhnliches Geburtstagsgeschenk – irgendwo im Internet (oder auch beim HSV-Internet) muss es sogar ein Foto davon geben. Ich glaube fast, dass auch „Scholle“ ein solches Foto gemacht hat.

So, das war es zum heutigen Tag im Volkspark. Auch Rafael van der Vaart war kurz zu sehen, er war zur Behandlung in der Kabine.

Dann komme ich nun zum sportlichen Höhepunkt des Wochenendes: Tag der Legenden am Millerntor. Die Veranstaltung beginnt auf der „Aktionmeile“ auf dem Heiligengeistfeld (NDR-Showtruck, Robo-Keeper, Biathlon, Schießanlage, Kletterwand). Einlass ins Stadion ist um 11.30 Uhr. Es gibt um 12 Uhr ein Warm-up-Spiel zwischen dem Booster Team und dem FC NestWerk. Um 12.55 Uhr beginnt das Stadion-Programm, bei dem die Band „Tonbandgerät“ spielen wird. Um 13.40 Uhr begrüßen Schirmherr Michael Schumacher und Veranstalter Reinhold Beckmann die Zuschauer, um 13.55 Uhr ziehen die Legenden ins Stadion ein. Anpfiff der Partie Deutschland gegen Hamburg ist um 14.20 Uhr. Für Deutschland laufen, neben vielen anderen Fußballern, Matthias Sammer, Jürgen Klopp, Lothar Matthäus, Karl-Heinz Riedle, Thomas Helmer, Tim Borowski, Olaf Thon und Fredi Bobic auf, für Hamburg spielen, neben anderen, Thorsten Fink, Michael Frontzeck, Manfred Kaltz, Thomas Doll, Hasan Salihamidzic, Rachid Azzouzi, Sergej Barbarez, Thomas von Heesen und Jörg Butt auf. Kommentatoren sind an diesem Nachmittag Lou Richter und Kult-Reporter Werner Hansch. Und ich hoffe sehr, dass Ihr auch dabei sein werdet. Es ist für einen guten Zweck, immer dran denken.

Dann bleibt mir für heute nur einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-Abend zu wünschen: Deutschland gegen Österreich. Wird spannend, glaube ich, weil der Charakter dieses Spiels ähnlich dem sein wird, was am Sonntag am Millerntor ablaufen wird: Tag der offenen Tür. Gegen eine geringe Eintrittsgebühr – versteht sich.

PS: Trainiert wird im Volkspark am Montag erst wieder nachmittags, 15 oder 16 Uhr.

17.58 Uhr

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