Archiv für das Tag 'Heldt'

Die Suche nach dem “dritten Mann”

16. Dezember 2009

Die Sache mit dem Sportchef. Irgendwie unheimlich für mich. Unheimlich langatmig. Wie damals die Suche nach einem neuen Trainer – bis nach Monaten Martin Jol denn schließlich gefunden wurde. Immerhin ein im europäischen Spitzenfußball klangvoller Name. Wenn es denn mit dem neuen Sportchef ähnlich läuft, könnte ich mich damit anfreunden – wenn. Aber das ist ja nicht garantiert. Mir schwebt ja immer noch vor, was mit ein HSV-Rat schon vor Monaten, als es noch warm war in Hamburg, über den neuen Sportchef sagte: „Wir werden keinen Anfänger nehmen, sondern einen Mann, der Erfahrung hat, der unseren HSV dann wieder zurück in die internationale Spitze führen soll.“ Klang damals gut, klingt heute auch noch gut – aber die Namen, die nun gehandelt wurden?

Sind das die Namen, die den HSV wieder ganz nach oben, auf Augenhöhe zu Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona, FC Chelsea oder auch Arsenal London führen? Horst Heldt, Martin Bader Jörg Schmadtke? Ich habe da meine leisen Zweifel.

Die Suche (oder doch eher die Posse?) kann sich nun, so die Räte, noch bis in den Februar hinziehen. Und trotz aller Dementi ist Horst Heldt auch weiterhin ein heißer Kandidat für den HSV. Mir scheint es so, als wolle der frühere Mittelfeldstratege nur Ruhe beim zurzeit schwer angeschlagenen VfB Stuttgart einkehren lassen, denn würde er jetzt nach Hamburg wechseln, so bräuchte er sich im Ländle ganz sicher nie wieder sehen lassen.

Was für Heldt sprechen würde ist die Tatsache, dass ihn eins der große Felix Magath zum Sportchef beförderte, nachdem es auf dem Rasen nicht mehr so gut lief für den kleinen Dribbelkünstler. Und noch etwas spricht für Heldt: Magath wollte ihn auch damals mit zum VfL Wolfsburg nehmen, doch Heldt und Stuttgart verweigerten die Zusage – dann machte es Magath in Personalunion selbst. Aber dass Felix ihn haben wollte, dass ist der Beweis, dass Heldt nicht ganz so schlecht ist, denn ein Magath holt sich ganz sicher keine „Laus in seinen Pelz“.

Ob Heldt aber nach Hamburg passen würde? Und vor allem zu Bernd Hoffmann? Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich frage mich allerdings auch, und das schon eine geraume Zeit, warum die Aufsichtsräte nicht mehr nach einer „internen Lösung“ Ausschau gehalten haben. Ihr habt Namen vorgeschlagen, ich habe vor Monaten meine persönlichen Favoriten genannt, aber die wurden allesamt ignoriert. Weil es ein „gestandener Sportchef“ mit Erfahrung sein sollte. Dieses Argument halte ich geradezu für absurd, für total lächerlich. Wir erinnern uns: Kürzlich trat der Vater aller Manager ab: Uli Hoeneß. War der vorher, bevor er den Job beim FC Bayern übernahm, auch schon ein „gestandener“ Manager mit unheimlich „großer Erfahrung“? Natürlich nicht. Und was war mit Heldt? Der war VfB-Spieler – bis Magath befand, dass es für die Leistung auf dem Rasen nicht mehr ausreichte – und dann wurde der nun so vom HSV umworbene Horst Heldt von einem Tag zum anderen VfB-Manager. So geht das in diesem Metier.

Und deshalb frage ich mich, warum es beim HSV nicht so geht? Ich hatte damals Richard Golz vorgeschlagen, noch immer in Lohn und Brot beim HSV. Und auch Thomas von Heesen, der zurzeit Trainer auf Zypern ist. Namen, die Stallgeruch haben. Aus Eurem Kreise kam der Vorschlag Nico Hoogma. Kurios: Der war zuletzt Spieler bei Heracles Almelo, dann – von einem Tag zum anderen – Manager von Heracles Almelo. Und? Habt Ihr Euch einmal angesehen, wo der einstige Abstiegskandidat, der über Jahre nur um den Klassenerhalt kämpfen und zittern musste, heute steht? Hoogma scheint keinen ganz so schlechten Job zu machen, oder? Obwohl er keine große Erfahrung in seinem neuen Job hatte.

Ich behaupte ja, dass Männer, die über Jahre Erfahrungen im Profi-Fußball-Bereich gesammelt haben, und die dazu viel „in der Birne“ haben (wie Golz, von Heesen und Hoogma), geradezu prädestiniert dafür sind, als Manager zu arbeiten. Wenn sie dazu auch noch den HSV wie ihre Westentasche kennen, kann das ja nur von Vorteil sein. Dann allerdings müssten die Herren Räte, die nach dem ganz großen Namen fahnden, eben noch kurz über ihre Schatten springen und sich zu einer solchen internen Lösung durchringen. Das wollen sie aber ganz offensichtlich nicht.

Wobei ich mich frage, nach welchen Kriterien die Suche bislang ging – und wie sie nun weitergehen soll? Denn wer hatte einst die Idee, Roman Grill, einen „gestandenen und erfahrenen Manager“ (???) beim HSV als Sportchef zu installieren? Grill, der schon unheimlich viele Erfahrungen im Profi-Fußball gesammelt hat (???), fiel zum Glück durch das Raster, aber wer garantiert, dass es nicht irgendwann einen neuen „Grill“ geben wird?

Eine weitere Frage ist übrigens auch die: Braucht der HSV überhaupt einen neuen Sportchef? Funktioniert es nicht auch mit der Doppelspitze Hoffmann/Labbadia? Bislang klappte das doch, warum müssen Millionen ausgegeben werden, um den „dritten Mann“ zu finden? Und: Hat der HSV nicht eventuell schon einen Kandidaten, ohne dass er bisher entdeckt wurde? Ich meine nicht nur Richard Golz, sondern auch einen weiteren ehemaligen Profi: Marinus Bester. Er wurde mir kürzlich von einem einst ranghohen HSVer zugeflüstert – und ich muss sagen, dass ich Gefallen an diesem Namen und an dieser Vorstellung gefunden habe. Bester war Stürmer bei etlichen Vereinen, hat also eine gewisse Erfahrung gesammelt, und er bekleidet seit Jahren schon den Posten des HSV-Teammanagers, leistet auf dieser Position gute bis ausgezeichnete Arbeit – weil auch er „etwas in der Birne“ hat.

Meine Herren Räte, nehmt doch bitte, bitte einmal die Scheuklappen ab, sucht nicht nur nach den „ganz großen (???) Namen wie Heldt, Bader, Schmadtke oder Grill (statt Hoeneß, Netzer und Co), sondern seht Euch auch einmal in den eigenen Reihen um. Vielleicht könntet Ihr Euch dann eines Tages mit dem Prädikat schmücken, den Nachfolger von Uli Hoeneß entdeckt zu haben. Ihr, Ihr ganz allein.

Kleine Anmerkung am Rande: Das “Matz-ab”-Treffen am 19. Februar findet, das wurde ja kürzlich hier und an dieser Stelle beschlossen, um 19 Uhr (in der Raute)  statt. Und: Selbstverständlich könnt Ihr noch immer dabei sein, es gibt dafür keinen Anmeldeschluss.

12.50 Uhr

Boateng ist zentral am stärksten

15. Dezember 2009

Die Spannung hält – und zwar bis Sonntagabend. Da bin ich mir seit der heutigen Trainingseinheit sicher. Nach dem grandiosen Erfolg in Nürnberg hat sich zwar eine Art Verkrampfung gelöst, die die Mannschaft irgendwie ein paar Wochen lang nervte, aber die Verbissenheit und die Zielstrebigkeit haben einen zusätzlichen Schub bekommen. Bei der Einheit neben der Nordbank-Arena ging es wirklich munter her. Sehr zum Leidwesen der Green Keeper. Hatte ich das Stadion für Sonntag zur papierfreien Zone ausgerufen (wegen der ominösen Kugelgefahr…), darf der Trainingsplatz im Bereich des ersten Intensivspiels (vier gegen vier) fast zur rasenfreien Zone erklärt werden. Hier eine Grätsche, da ein packender Zweikampf – so machte Trainer Bruno Labbadia das Zuschauen trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt sichtlich Spaß. Allerdings stand er als Schiedsrichter auch selbst einige Male im Mittelpunkt und hatte bei seinen Entscheidungen nicht immer ein glückliches Händchen.

Vor der Abreise nach Tel Aviv am Mittwochmorgen muss ich einen Spieler des HSV-Kaders noch einmal ganz besonders hervorheben: Jerome Boateng. Was der Jung-Nationalspieler momentan zeigt, ist nur als absoluter Höhenflug zu bezeichnen. Im Abwehrverbund glänzt er durch konsequente Klärung von Gefahrensituationen, und gerade im Training zeichnet sich der Berliner immer wieder auch durch starkes Vorpreschen in die Offensive aus. Den knapp 50 Trainingszuschauern bot sich heute Vormittag gleich mehrfach ein Bild zum Staunen und Schmunzeln. Boatengs Team fing den Ball ab, der Abwehrmann sprintete nach vorne und vollstreckte zweimal spektakulär. Einmal tänzelte „Boa“ danach wie Fred Astaire in besten Zeiten, ein anderes Mal jubelte er mit „Hang Loose“, dem Surfergruß mit ausgestrecktem Daumen und kleinen Finger. Er hatte Spaß, das war nicht zu übersehen. Und seine Teamkollegen auch.

Ich hoffe nur, dass Bundestrainer Joachim Löw in den Monaten vor der WM (vorzugsweise vielleicht sogar am Sonntag gegen Werder Bremen) noch mal im Stadion sein wird, wenn Boateng im HSV-Trikot gegen Topvereine agiert. Und zwar als Innenverteidiger.

Warum ich das so betone? Ganz einfach: Ich glaube, vielen Bundesligaexperten ist gar nicht bewusst, welch’ Qualitätsmerkmale Boateng auf dieser Position aufweist. Ich vertrete sogar mittlerweile die Auffassung, dass er als Rechtsverteidiger „verschenkt“ ist. Nicht, dass Boateng auf dieser Position nicht auch starke Partien absolvieren könnte und dies auch schon getan hat. Aber sein immer besseres Stellungsspiel, seine gewonnene Routine und seine Handlungsgeschwindigkeit kommen im Zentrum neben Joris Mathijsen eben doch am besten zur Geltung.

Außerdem fällt mir da in Sachen Nationalmannschaft ein übles Beispiel ein: Arne Friedrich. Der Berliner war mal ein ganz passabler Innenverteidiger, der sich auf dieser Position auch für die DFB-Auswahl empfahl. In der Nationalelf rutschte er dann wie auch einige Male bei Hertha BSC auf die rechte Seite heraus. Und dort verlor er meines Erachtens über Wochen und Monate alles, was ihn einst mal auszeichnete. Er wurde rechts hinten aber nicht mehr als Notreserve betrachtet, sondern als Alternative. Und davon sollte Boateng möglichst verschont bleiben.

Viele von Euch erwarten nun wahrscheinlich noch spannende Infos zur Sportchef-Suche und den heiß gehandelten Namen Horst Heldt, Martin Bader oder auch den in der BILD genannten Jörg Schmadtke. Dazu kann ich Euch allerdings noch nichts sagen. Und ein wenig Geduld können wir nach den Sportchef-freien Monaten ja nun sicherlich auch noch aufbringen. Heute Abend trifft sich der Aufsichtsrat, und anschließend werden bestimmt ein paar News nach außen drängen.

Ein Thema, das mindestens so interessant ist, dürfte die Spieler-Personalplanung sein. Meine aktuellsten Informationen besagen, dass der HSV in der Winterpause auf jeden Fall noch eine Offensivkraft verpflichten will. Ja, ja, ich sehe einige von Euch schon lechzen. Schreibt er was von van der Vaart? Oder etwas von Klose? Oder von Kuranyi? Nein, ich tue es nicht. Ich habe gehört, dass sich der HSV europaweit nach potenziellen Kandidaten – auch auf Leihbasis (in England) – umschaut und/oder bereits erkundigt hat.

Dieser Schritt ist ja auch nachvollziehbar, zumal ein Comeback von Paolo Guerrero nach wie vor fraglich und schwer zu terminieren ist. Und mit dieser „Unbekannten“ wollen und können die Trainer und Verantwortlichen natürlich nicht in die Zukunft gehen.

13:10 Uhr

Labbadia akribisch

30. September 2009

Bruno Labbadia sah – und zögerte. Er sah noch einmal genau hin, dann marschierte er los. 20 Meter, vielleicht 25 Meter hatte er zurückzulegen, er schritt sie entschlossen ab. Er ging auf dem Trainingsplatz dorthin, wo keiner seiner Spieler stand. Es war niemand dort, wo Labbadia hin wollte. Es stand nur ein Spieler aus rotem Metall auf dem Rasen, der einen Gegenspieler für die HSV-Profis simulieren sollte. Diesen „Mann“ hob Bruno Labbadia nur ganz kurz an, denn versetzte er ihn. Um höchstens fünfzehn Zentimeter. Die aber mussten es dann doch sein. Dann ging er wieder. Die Flucht zum Trainingstor hatte für ihn ganz exakt zu stimmen. Später allerdings „griff“ der Metallkamerad kein einziges Mal in das Spiel ein, egal ob fünf Zentimeter nach links oder nach rechts. Aber der Trainer wollte es eben ganz genau haben, er ging jedenfalls zufrieden von dannen. So ist er.
Diese Szene spielte sich am Montag ab. Am Dienstag folgte Teil zwei: Labbadia flankte seinen Stürmern von rechts die Bälle zu r Mitte, und dort standen auch zwei rote Metall-Abwehrspieler in Treue fest vor Torwart Tom Mickel. Als Co-Trainer Eddy Sözer einen Metallkameraden anpackte und wieder in den Rasen rammte, bat Bruno Labbadia darum, ihn noch zehn Zentimeter weiter nach vorn zu versetzen. Und dann noch einmal fünf Zentimeter oben drauf. Ganz genau eben wollt er es haben, der HSV-Coach. Was er macht, macht er gründlich. Und akribisch. Zufälle scheint es im Trainer-Leben des Bruno L. nicht zu geben, er möchte sie wohl ganz ausschließen. Er prüft genau, er beobachtet genau, er ordnet an und will es ganz genau verfolgt wissen.

Der HSV hatte in der Vergangenheit so manchen Trainer, der wenig bis kaum einmal mit seinen Spielern sprach. Willi Reimann sagte nicht wirklich viel, und auch Felix Magath war kein großer Redner – wie Ernst Happel auch. Oder Branko Zebec. Da Felix und ich gut miteinander konnten (und können), durfte ich ihm so etwas auch gelegentlich sagen – er reagierte auch nicht böse drauf. Er sagte aber stets – und das wurde in geflügeltes Wort zwischen uns: „Matz, du bist ein Amateur, und du bleibst auch ein Amateur. Profis haben zu funktionieren, sonst sollen sie gar nicht erst Profi werden.“

Bruno Labbadia ist da anders. Er redet viel mit seinen Spielern. Und oft. Er trommelt sie auf dem Rasen zusammen, dann hält er seine Rede. Sogar mehrmals während einer Trainingseinheit, wenn es denn sein muss. Und es muss durchaus öfter mal sein.

Zudem führt Labbadia immer mal wieder Einzelgespräche. Vornehmlich nach dem Training. Gibt es in seinen Augen etwas zu sagen, dann spricht er es noch auf dem Rasen an. Das ist stark. Und ganz sicher nicht bei jedem Bundesliga-Trainer Standard. Die meisten denken eher so, wie Felix Magath: „Nicht lange reden, nicht groß erklären, sonst verzettelt man sich.“ Und man könnte auch leicht mal von seinen eigenen Worten überholt werden, das ist die Gefahr dabei.

Gut für Bruno Labbadia zu wissen, dass er einen absolut loyalen Mann an seiner Seite weiß. Auch mit Eddy Sözer unterhält sich Labbadia oft, auch noch auf dem Platz. Jeder Trainingskiebitz kann dabei nur den Eindruck gewinnen, dass zwischen diesen beiden Männern kein Blatt Papier mehr passt. Labbadia und Sözer sind sich absolut einig, funken auf einer Wellenlänge, sind sich auch mal nur durch einen kurzen Blickkontakt einig.
Auch in taktischen Dingen. Wie beim Spiel gegen den FC Bayern. Guy Demel rechts, Jerome Boateng links in der Viererkette, Dennis Aogo ins Mittelfeld, Eljero Elia neben Mladen Petric in die Spitze – das waren durchaus mutige Maßnahmen. Wären sie schief gegangen, dann hätte es eventuell den einen oder anderen Kritiker gegeben, der es (danach natürlich) besser gewusst hätte. Es ging aber nicht schief, wie der 1:0-Erfolg eindrucksvoll bestätigte. Obwohl es bis zur Pause nur 0:0 hieß. Doch auch in der Halbzeit blieb Labbadia seiner mutigen Linie treu. Für den verletzten Abwehrspieler Guy Demel brachte er den seit Wochen glücklosen Stürmer Marcus Berg. Das war nicht nur mutig, das war fast schon Harakiri. Aber auch diese Maßnahme ging voll auf. Viel gewagt, alles gewonnen. So kann es für Bruno Labbadia weitergehen. Und für die HSV-Fans sicher auch.

Ich hatte ja an dieser Stelle gewarnt, laut von der Meisterschaft zu sprechen. Weil es in meinen Augen nichts bringt. Es weckt nur Begehrlichkeiten, die dann, wenn sie nicht erfüllt werden, in Ärger umschlagen könnten. Natürlich spricht beim FC Bayern jeder, selbst der Busfahrer oder auch die Klo-Frau, von der Meisterschaft und von anderen Titeln. Natürlich deswegen, weil das jedes Jahr der Anspruch des FC Bayern ist, sein muss. Aber, die Frage sei mir gestattet: Wie viele Jahre hat der HSV eigentlich keinen Titel mehr gewonnen? Zehn, 20 Jahre? Oder auch schon mehr? Ich will da keine alte Wunde aufreißen, ich glaube aber, es ist schon länger her. Und Ihr wisst es alle, Ihr kennt die schmerzvolle Antwort auf diese Frage. Es ist doch schon dramatisch genug mit dieser fatalen Titeljagd, aber deswegen gleich bei jedem noch so kleinen Aufschwung von der deutschen Meisterschaft zu reden, halte ich für völlig, aber wirklich für völlig falsch. Der HSV muss erst einmal Konstanz in (s)eine Saison bekommen. Wer hat denn nach dem Pokal-Drama von Osnabrück davon gesprochen, dass der HSV jetzt deutscher Fußball-Meister wird? Wer? Kein einer! Und nun auf einmal? Nur weil es einen – zugegeben wichtigen und schönen – Erfolg über den Rekordmeister gegeben hat? Das macht in meinen Augen wenig Sinn.

Und Ihr erinnert doch auch noch eines: In der vergangenen Saison drohten dem HSV gleich drei Titel. Und? Welchen hat es dann tatsächlich gegeben? Null! Aber geredet hatte ganz Hamburg ein Jahr lang davon.
Auch andere Klubs träumen vom Titel, aber auch sie schweigen lieber. Wer mit Worten hoch hinaus will und dann fällt, der erntet schnell mal Hohn und Spott. Einige von Euch werden sich zudem erinnern: Am Sonntag vor dem Saisonstart 2009/10 war ich Gast im DSF-Doppelpass. Neben mir saß Horst Heldt, Manager des VfB Stuttgart. Der sagte mir in einer Werbepause, ich schrieb es bereits einmal: „Wir Schwaben sind ganz froh, dass in Deutschland wieder alle nur vom FC Bayern als Meister sprechen. Alle Experten haben nur die Münchner auf dem Zettel, aber sie werden es, das glaube ich jedenfalls, nicht. Und vielleicht können wir ja dann klammheimlich wieder aus der Tiefe kommen und den Titel gewinnen.“
Er sagte es nicht laut, er sagte es auch nicht öffentlich, er sagte es aber mit einem hoffnungsvollen Unterton. Er wollte aber auf keinen Fall irgendwelche Begehrlichkeiten innerhalb des VfB-Anhangs wecken. Still und heimlich an allen vorbeiziehen, dann Meister werden – das hätte etwas. Stuttgart hat das ja schon einmal ganz grandios geschafft. Und ich sage Euch: Das hätte nicht nur für den VfB etwas, sondern auch für den einen oder anderen Klub – wenn Ihr versteht, was ich meine. In aller Heimlichkeit natürlich nur, das ist doch selbstverständlich, oder?

9.40 Uhr