Auch Heinemann weg – Aufsichtsrat will Sportchef bis 2. Juni finden
23. Mai 2013
***Der HSV hat sein letztes Testspiel in Neuruppin mit 9:0 gewonnen. Bruma (2.), Ilicevic (5.), Rudnevs (34., 49., 51.), Beister (40., 61.), Jiracek (79.) und Nafiu (89.) trafen vor 2700 Zuschauern. Das für Freitag angesetzte Abschlusstraining wurde abgesagt. Feierabend!****
Die Entlassung Frank Arnesens kam für viele zwar nicht überraschend, sorgt aber für kontroverse Diskussionen. Und das, obwohl man sich vereinsintern erstaunlich einig ist bei der Entscheidung. Dafür aber bei den Anhängern. Schuld an allem hat der Aufsichtsrat – und natürlich die Presse. Aber dazu im Anhang an diesen Blog mehr und das auch gern nur für die, die diese sinnfreie Diskussion noch nicht Leid sind.
Dabei gibt es deutlich interessanter Ansätze. Einige davon werden auf unserer neuen Facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) diskutiert. Und das häufig auch sehr ergiebig. Zum Beispiel: Wer ist der beste Nachfolger? Felix Magath? Jörg Schmadtke? Oliver Kreuzer? Oder doch Dietmar Beiersdorfer? Fragen, die auch im Aufsichtsrat diskutiert werden. Natürlich. Denn die Kontrolleure sind bemüht, die Nachfolge möglichst schnell abzuklären. Manfred Ertel verweist darauf, sich einzig dem Thema widmen zu wollen, nicht aber darüber zu sprechen. Schon gar nicht öffentlich. Und der Rest des Rates wartet die Gespräche des Personalausschusses ab. Es herrscht angespannte Ruhe – und das ist auch mal ganz gut.
Zumal wir nicht lange warten müssen. Für Sonntagnachmittag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt. Ob bis dahin ein Nachfolger gefunden ist? Eher unwahrscheinlich. Und das, obwohl der Aufsichtsrat – zumindest ein Teil davon – sehr bemüht ist, die Thematik noch vor der ordentlichen Mitgliederversammlung am 2. Juni zu klären. „Klar ist aber auch, dass wir uns nicht nur des Termines wegen schnell entscheiden sondern alles im Sinne des Vereins machen“, sagt ein Aufsichtsrat, „und wenn das bedeutet, am 2. Juni auf den Deckel zu bekommen, dann ist das so. Wer das nicht abkann, hätte sich nie wählen lassen dürfen.“
Stimmt. Wobei ich mir auch ohne neuen Sportchef ziemlich sicher bin, dass es verbale Haue geben wird…
Aber zurück zur Gegenwart. Es sind keine schönen Tage, diese beim HSV. Heute musste das Trainerteam einen Abgang verzeichnen: Frank Heinemann zieht es nach Bochum zu seinem Kumpel Peter Neururer. „Wir hätten gern mit ihm weiter gearbeitet“, sagt HSV-Vorstandschef Carl Jarchow, bevor er dem ehemaligen Co-Trainer viel Glück wünscht. Und der wiederum wäre gern geblieben. “Ich hatte hier zwei überragende Jahre, aber es lag kein Angebot vor.” Hintergrund: Heinemanns Vertrag wäre Ende Juni ausgelaufen. Gespräche über eine Vertragsverlängerung hatten bislang nicht stattgefunden. Heinemann weiter: “Deshalb habe ich mich umgehört und von meinem guten Freund Peter Neururer vom VfL ein Angebort bekommen und zugesagt.” Wer neuer Assistent von Fink wird ist unklar. Gut möglich, dass der HSV die Position, die mit Patrick Rahmen bereits einfach besetzt ist und bleibt – nicht neu besetzt. Kosten einsparen ist das Zauberwort…
Egal wie, weshalb man nicht schon einige Monate vorher gesprochen hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings auch nicht, weshalb ein Heinemann nicht zu dem seinerzeit noch verantwortlichen Sportchef, Frank Arnesen, gegangen ist und ihn einfach darauf angesprochen/gefragt hat. Die beiden haben sich so oft gesehen und gesprochen – ein Satz in die Richtung hätte wahrscheinlich dieses Versäumnis verhindert. Es sei denn, die Trennung war erwünscht.
Aber irgendwie passt so ein Fall zur gegenwärtigen Situation. Auch, dass sich die mal wieder arg gescholtenen Aufsichtsräte jetzt schweigen. Bis ein Ergebnis vorliegt, wollten sich alle nur auf die Suche und die Kandidaten konzentrieren. Einer der Namen: Jörg Schmadtke. Der Düsseldorfer Ex-Profi und ehemalige Hannover-Sportchef gilt neben anderen als heißester Anwärter, soll aber auch vom 1. FC Köln umworben werden. Pikant hierbei: Anfang 2013 hatte sich Schmadtke nach anhaltenden Querelen in Hannover freistellen lassen und dies mit „privaten Problemen“ begründet. Über die genauen Gründe wurde seinerzeit und wird aktuell im Aufsichtsrat des HSV diskutiert. Klar ist aber, dass Schmadtke, der auch vom 1. FC Köln umworben wird, kein Selbstgänger wird.
Zumal, das möchte ich hier anführen, eine noch bessere Idee kam aus der Schweiz. Telefonisch. Von einem absoluten Insider, wie der sympathisch klingende Herr Sch. mir versicherte. Er sei ein enger Freund von Herrn Kühne und wisse von dem Milliardär und HSV-Fan: „Herr Magath wird’s. Er bekommt von Herrn Kühne 30 Millionen Euro an die Hand und übernimmt den Laden.“ Nachfrage: Ob Kühne das Geld einfach so zahle? „Nein, er hat einen besonderen Sponsor an der Hand: einen Scheich.“ Oha, klingt wie bei 1001 Nacht. Wobei ein Märchen auch eine gelungene Abwechslung zum aktuellen Alptraum sein könnte. Aber weiter im Text. Denn es bleibt nicht allein bei Magath und 30 Millionen, denn der HSV hat noch Größeres vor: „Jupp kommt auch. Zumindest will das Herr Kühne und einige Aufsichtsräte auch.“ Welcher Jupp? „Der Heynckes natürlich. Erste Gespräche gab es bereits“, weiß Herr Sch. Auf die Nachfrage, in welcher Funktion Jupp Heynckes kommen soll und was mit HSV-Trainer Thorsten Fink passiere, kam die schlüssige Antwort: „Beide machen es zusammen. Der Fink soll ja bleiben. Den wollen die nicht loswerden.“ Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: angesichts der gerade frei gewordenen Co-Trainerstelle würde das ganze auch wieder Sinn ergeben. Thorsten Fink rückt einfach eine Position zurück und arbeitet ab sofort als Assistent von und mit Don Jupp. Das hätte was…
Aber mal wieder, zurück zur Realität. Und die stellt mir eine Frage: wer leitet aktuell und bis zur Findung des neuen Sportchefs die sportlichen Geschicke leitet, wenn Arnesen nicht mehr im Amt ist? Wer führt die Verhandlungen beispielsweise mit Heung Min Son weiter? Die Antwort: Carl Jarchow. Der Vorstandsvorsitzende soll sich heute mit Frank Arnesen treffen und eine ordentliche Übergabe vollziehen. Dabei soll Jarchow von Arnesen in allen Verhandlungssachen auf den neuesten Stand gebracht werden.
Der Vorstandsvorsitzende als Sportchef: Eine Situation, die ich noch aus dem Juni 2009 erinnere. Damals musste Arnesens Vorgänger Dietmar Beiersdorfer gehen und Klubboss Bernd Hoffmann übernahm auch den sportlichen Part. Mit mäßigem Erfolg versuchte sich der Marketingexperte als Sportchef und musste dies länger machen, als ihm selbst lieb war, da kein neuer Sportchef gefunden wurde. Bis im Mai 2010 Interimslösung Bastian Reinhardt präsentiert wurde, dem wiederum mit Armin Veh ein erfahrener Trainer zur Seite gestellt wurde. Aber auch dieses Konstrukt hielt nicht einmal ein Jahr – bis Arnesen kam.
Der ist allerdings schon wieder weg. Nach zwei Jahren soll der Vertrag jetzt aufgelöst werden. Die Gespräche darüber laufen derzeit noch, es deutet aber vieles darauf hin, das der Däne einen Großteil seines ausstehenden Jahresgehaltes von zwei Millionen Euro bis Juni 2014 als Abfindung bekommt. Denkbar ist auch, dass der Vertrag einfach weiterläuft. Denn dann müsste sich Arnesen beim HSV melden, sollte er einen neuen Job antreten wollen.
Gemeldet haben sich auch verschiedene Aufsichtsräte bei Felix Magath und Dietmar Beiersdorfer. Offensichtlich gibt es im Kontrollgremium eine nicht gerade kleine Fraktion, die sich einen alten Bekannten nach Hamburg zurückwünscht – und das würde auf beide Kandidaten zutreffen. Gemeldet hat sich auch Dietmar Beiersdorfer, den ich in Russland erreicht habe. Allerdings wollte sich der Sportchef von Zenit St. Petersburg nicht zum Thema HSV-Sportchef äußern, da er in Russland unter Vertrag steht. Mehr als ein „Grundsätzlich interessiert mich immer alles, was beim HSV passiert“, war Beiersdorfer nicht zu entlocken.
Und obwohl ich glaube, dass Beiersdorfer absolut interessiert ist, nach Hamburg zu seiner hier lebenden Familie und zum HSV zurückzukehren, bin ich mir auch sicher, dass er nichts riskieren wird. Ähnlich wie der einstige Topkandidat Andreas Rettig, der plötzlich seinem Arbeitgeber DFL erklären musste, ob er tatsächlich mit dem HSV verhandele und deshalb dem HSV absagte, bevor er seinen Job bei der DFL riskierte. Beiersdorfer gilt als absolut loyaler Typ, der zu seinem Wort steht. Auch bei St. Petersburg, dessen Saison im Juni endet.
Ich weiß aber inzwischen auch, dass Beiersdorfer innerhalb des Aufsichtsrates ein sehr hohes Ansehen genießt. Gut möglich, dass sich der Personalausschuss der Kontrolleure in den nächsten Tagen auch offiziell und mit Aufsichtsratsmandat um den ehemaligen Sportchef des HSV bemüht.
Abschließen möchte ich diesen Blog – zumal im Nachklapp noch mal etwas kontrovers – mit versöhnlichen Worten von Frank Arnesen, der sich via hsv.de zu Wort meldete:
Liebe Fans, Partner, Sponsoren und Freunde des HSV!
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen allen für zwei sehr interessante und intensive Jahre bedanken.
Natürlich bin ich enttäuscht darüber, dass ich meinen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllen werde. Aber ich kann die Entscheidung des Vereins respektieren und akzeptiere sie auch.
Da klar war, dass mein Vertrag kommenden Sommer nicht verlängert worden wäre, kann ich auch nachvollziehen, dass die Entscheidung jetzt so getroffen wurde. Ansonsten hätte es ständig Unruhe und Spekulationen gegeben.
Wir hatten schwere Momente zu überstehen und haben auch schöne Momente gemeinsam erlebt. Alles in allem war die Zeit beim HSV eine sehr gute Erfahrung für mich.
Der Verein ist aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Mit dem siebten Platz haben wir das vor der Saison gesteckte Ziel erreicht. Ich hoffe, dass mein Nachfolger die Dinge in Ruhe weiterentwickeln kann. Dann wird der HSV schon bald wieder dauerhaft im internationalen Geschäft dabei sein, was mich sehr freuen würde.
Ich hatte am Mittwochabend ein freundschaftliches Gespräch mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrates, in dem wir die Trennung professionell besprochen haben. So können wir vernünftig auseinander gehen.
Nochmals vielen Dank an alle. Auch an meine Vorstandskollegen, Mannschaft, Trainer und Mitarbeiter des HSV.
Viel Erfolg für die Zukunft.
Frank Arnesen
In diesem Sinne, Dir auch alles Gute, Frank! Und Euch sage ich: bis morgen. Da meldet sich dann Dieter wieder bei Euch.
Scholle
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Wer die Diskussion um Dieters und meine Rolle im HSV-Geschehen ebenso Leid ist wie ich, der/die kann sich an dieser Stelle ausklinken. Wer noch nicht weiß, dass wir nicht als Fans oder HSV-Offizielle bloggen und sich über unsere Kritik am Klub, an einzelnen und der Darstellung der Indiskretionen ärgert, kann gern weiterlesen. Für mich ist das Thema mit dem Punkt am Ende des letzten Satzes beendet.
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Aber: Einige Unbelehrbare wie „Ostermann“ („Mann, Scholle, ist das armselig.
Gestern noch den Sportchef denunziert, quasi verbal bespuckt und getreten und heute die öffentliche Demission als Posse anderer bezeichnen.
Würg!) schaffen es einfach nicht, den Beruf des Journalisten einzustufen. Ich bin einer und sicher nicht dafür verantwortlich, dass es dem HSV schlecht geht. Das machen die Verantwortlichen höchstselbst. Ich bin auf der anderen Seite auch nicht dafür verantwortlich, dass es dem Klub gut geht. So viel Einfluss habe ich nicht, will ich nicht und bekomme ich auch nicht. Ich bin ein Berichterstatter, der sich über HSV-Siege freut. Oder bedarf es einer noch genaueren Erklärung?
Vor allem aber: Wo bitte habe ich Arnesen denunziert, „Ostermann“? Ihr verlangt von mir, alles zigfach zu überdenken, ehe ich es poste. Und macht das selbst dann nicht. Vor allem: Wer bist Du, mir sowas vorzuwerfen? Kennen wir uns? Habe ich Dir gegenüber jemals etwas schlechtes über Frank Arnesen – zudem noch hinter seinem Rücken gesagt? Weißt Du vielleicht sogar mehr als ich über mich? Nein! Definitiv nicht. Im Gegenteil: Ich schreibe meine Gedanken in einem als personalisiert gekennzeichneten Blog auf. Für alle sicht- und lesbar. Auch für Arnesen. Und vor allem: Ich spreche sogar ehrlich und persönlich mit Frank Arnesen darüber. Und der mag nicht gern kritisiert werden, wer mag das schon?! Aber er mag es, wenn man ehrlich mit ihm umgeht. Und genau deshalb haben wir selbst jetzt noch ein sehr gutes und professionelles Verhältnis zueinander. Da fließt kein böses Blut, da ist nichts zu sehen von „absägen“ oder gar „denunzieren“.
Im Gegenteil. Nur ein Beispiel von vielen: Ich habe Arnesen im Trainingslager im Januar 2012 gefragt, ob er die Bundesliga unterschätzt hat. Weil ich das Gefühl hatte, dass dem so war. Die Frage an sich ist schon ein harter Kritikpunkt. Aber Arnesen war nicht sauer und hat ehrlich geantwortet: ja. Und obwohl es ein wunderbar offenes und ehrliches Gespräch war, habe ich selbstverständlich geschrieben, dass das ein großer Fehler des Sportchefs war und dass das einige Einkäufe nachträglich erklärt. Und wisst Ihr was? Selbst damit kam Arnesen klar. Er sprach weiterhin offen und ehrlich mit mir. So, wie mit fast allen anderen Journalisten auch. Er war nicht immer meiner Meinung, sah einiges anders – aber das war klar und absolut okay. Darüber wurde dann kurz diskutiert, ohne sich jemals zu verunglimpfen. Weil es normal ist. Weil es auch richtig so ist. Und genau so komme ich damit wunderbar klar. Nicht anders.
Danke.