Archiv für das Tag 'Heinemann'

Die Dauerkarte – ja oder nein? Update 18:09 Uhr

26. Juni 2013

Vor Wochen gab es etliche HSV-Fans, die sich bezüglich der neuen Saison in etwa wie folgt äußerten: „Wir haben die Nase voll, wir kaufen uns keine Dauerkarte mehr, komme was da wolle.“ Ich habe damals gemeint: „Und am Ende der Sommerpause ist alles vergessen, dann wird doch wieder die Dauerkarte bestellt . . .“ Ob es so gekommen ist, kommen wird? Ich weiß es nicht. Die Verkaufszahlen sind gut. Einen aber habe ich getroffen, der hat dieses Vorhaben tatsächlich und richtig stur durchgezogen. Und mit diesem HSV-Fan habe ich mich unterhalten. Zu seinem Schutze verzichte ich auf seine Namensnennung, denn ansonsten müsste dieser HSV-Anhänger wahrscheinlich in den nächsten Wochen und Monaten den einen oder anderen Spießrutenlauf absolvieren.

Wann gab es den Gedanken, keine Dauerkarte mehr zu kaufen, das erste Mal?

HSV-Fan: Ich habe meine Dauerkarte seit Ende der 80-er-Jahre gehabt, schon in der vorletzten Saison war ich müde geworden, mir diese Art von Fußball alle 14 Tagen anzusehen – aber erst gegen Ende der vergangenen Saison habe ich mir dann fest geschworen: nie wieder!

Was waren die Gründe für den Verzicht?
HSV-Fan: Mir ist der Spaß am HSV vergangen, die Vorfreude, die ich seit Jahrzehnten vor allen Dingen sonnabends, am Spieltag, hatte, die war weg. Weil doch jedes Spiel genau wie das Spiel vor 14 Tagen aussah.

Der einzige Grund?
HSV-Fan: Nein. Ich war auch mit im Sommer-Trainingslager. Als ich da gesehen habe, wie die da herumhampelten, da hatte ich eigentlich schon keinen Bock mehr – hatte da aber schon meine Dauerkarte. Ich wusste aber nach diesem flauen Training genau, wie der Start in die Saison verlaufen würde – und genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte, kam es dann ja auch.

Wie waren dann die ersten Spiele der Saison zu ertragen?
HSV-Fan: Das war ätzend. Früher war ich das HB-Männchen, die Leute um mich herum kannten das, die mussten mich gelegentlich wieder einfangen. Nun saß ich aber richtig anteilnahmslos auf meinem Platz und konnte mich nicht mehr so richtig erregen. Das, was da gespielt wurde vom HSV, das war doch nicht mehr mit anzusehen. Das war für mich so sinnlos, da kam ja auch kaum mal Hoffnung auf Besserung auf. Ich war einfach nur bedient.

Was gab es denn an dem Fußball auszusetzen?
HSV-Fan: Das war nur noch Beamten-Fußball vom HSV, so nichts sagender Fußball, der Ball wurde verwaltend hin und her und hin und her gespielt, quer und zurück, das ist doch kein begeisternder Fußball. Und wenn dann der HSV doch mal gewonnen hatte, dann kam bei mir keine Freude über den Sieg auf. Weil doch Spiel für Spiel immer nach dem selben Muster vor sich hingeplätschert war. Es gab ja auch kaum mal einen hohen Sieg, ein begeisterndes Spiel, Fußball mit großen Emotionen – alles war gleich.

Fehlte da vielleicht auch zwischendurch mal ein Titel?
HSV-Fan: Die Hoffnung hatte ich schon lange aufgegeben, bei dieser Art des Fußball war kein Titel zu erwarten.

Obwohl der HSV doch noch fast international gespielt hätte . . .
HSV-Fan: Das wäre purer Zufall gewesen – und nicht verdient. Ich fühlte mich von dieser Art des Fußballs vom HSV verschaukelt. Beispiel Schalke, das Rückspiel. Der HSV führte schnell 1:0, aber zur Pause hätte Schalke schon mindestens 5:1 oder gar 6:1 führen müssen. Und das Halbzeit-Interview mit Cotrainer Frank Heinemann. Der sagte so etwas wie: „Es ist unglücklich für uns gelaufen. Wenn wir den einen Konter erfolgreich abschließen, dann führen wir 2:0, wer weiß, wie dann dieses Spiel gelaufen wäre . . .’ Und das hört man, schäumt innerlich über dieses fußballerische Debakel des HSV und fragt sich vor dem Fernseher: Welches Spiel haben die denn gesehen? Die ticken doch nicht richtig. Das war doch Fußball zum Abgewöhnen vom HSV.

Das hört sich richtig schön sauer an . . .
HSV-Fan: Dabei denke ich, dass ich nicht wirklich sauer bin. Ich fühle mich nur furchtbar gelangweilt vom HSV, wenn ich solchen Fußball sehen und ertragen muss. Sauer bin ich eigentlich nur darüber, dass diese Herren, die für einen solchen Fußball verantwortlich sind, mir die Liebe und die Leidenschaft am Fußball kaputt gemacht haben.

Und was ist noch an diesem HSV zu bemängeln?
HSV-Fan: Ich kritisiere alles, was mit der Führung zusammenhängt. Vorstand, Aufsichtsrat, Spieler und Trainer – die arbeiten alle nicht Hand in Hand. Jeder macht sein Ding. Einig waren die sich in der Vergangenheit nur in einem Punkt: Nach schlechten Spielen analysierte jeder für sich, um dann zu dem gemeinsamen Schluss zu kommen: So schlecht waren und sind wir doch nicht, wir brauchen nur etwas Geduld, weil wir ja doch mitten im Umbruch stecken. Ich kann das nicht mehr hören.

Das klingt alles doch ziemlich verbittert . . .
HSV-Fan: Mag sein. Was mich an allem stört: es wird allen ja von ganz oben vorgelebt. Ich möchte mal drei Beispiele geben: Herr Jarchow konnte zu Beginn seiner Zeit als Vorsitzender ausschließen, dass er diesen Posten dauerhaft bekleiden würde – wir erinnern uns alle, wie schnell sein Vertrag auf Jahre hinaus verlängert wurde. Herr Jarchow konnte vor Saisonbeginn 2012/13 ferner ausschließen, dass man in diese Spielzeit mit dem Torwart-Duo Adler/Drobny gehen würde. Wir alle wissen, dass beide Keeper beim HSV blieben. Und Herr Jarchow sagte nach dem 2:9-Debakel von München in alle Mikrofone, dass dieses Debakel genau analysiert wird, dass dieses Niederlage Konsequenzen haben würde, dass die Spieler dafür zur Verantwortung gezogen würden. Und was ist tatsächlich passiert? Tesche, Kacar und Berg wurden nun aussortiert. Die aber waren gar nicht dabei, Kacar wurde ganz spät eingewechselt. Warum erwischte es nicht diejenigen Spieler, die das verbockt hatten? Nur kluge Sprüche, die uns Fans vertrösten und hinhalten sollen, aber es passiert dann doch nichts. Diese drei Beispiele dienen mir dazu, festzustellen, wie man sich auf elegante Art unglaubwürdig machen kann. Und dann kann man nicht erwarten, dass die von unten es besser machen – die machen das genau so wie die Herren da oben.

Was war eigentlich das schlimmste Spiel im Volkspark?
HSV-Fan: Da gibt es nicht das eine schlimme Spiel, die waren fast alle schlimm. Diese Niederlagen, die Unentschieden gegen die grauen Mäuse der Liga – Wahnsinn. Endlos langes Ballgeschiebe, da schläft man doch bei ein, langweiliger geht es doch gar nicht mehr. Ohne Ideen, ohne Esprit, ohne Leidenschaft. Um danach zu jener Erkenntnis zu kommen: ‚Wir sind noch nicht soweit, wir müssen uns noch etwas festigen . . .’ Nein, das ist der größte Murks gewesen, fußballerischer Einheitsbrei, alles zum Abgewöhnen. Nur drei Spiele im Volkspark waren ansehnlich: Dortmund, Schalke und die Niederlage gegen die Bayern. Der rest war zum Vergessen und zum Davonlaufen.

Wer so redet, der muss doch jetzt auch kein Fan des HSV mehr sein, oder?
HSV-Fan: Doch, ich bleibe HSV-Fan. Ich gehe nicht zu St. Pauli, ich gucke mir auch nicht Bayern oder Werder an, sondern nur den HSV. Man hofft ja immer. Und wenn es dann beim HSV mal wieder nicht laufen sollte, dann schalte ich auf Konferenz um – und sehe mir Fußball an.

Und wie steht es um die HSV-Mitgliedschaft?
HSV-Fan: Ausgetreten bin ich tatsächlich. Weil ich mit der Vereinspolitik nicht mehr konform gehen konnte. Das war wie Komödienstadl oder Ohnsorg-Theater. Dieser verein ist keine Einheit, schon lange, lange nicht mehr. Es gibt immer wieder Grüppchen, die mehr zu sagen haben wollen, als andere. Die auch überall mitreden und mitmischen wollen. Da werden dann die schönsten Intrigen gesponnen, es wir munter hin und her geschossen, da gibt es kein klares Profil, das ist alles nur Halbgares.

Und die Dauerkarte ist nun auf Lebenszeit weg?
HSV-Fan: Abwarten. Ich will eine Entwicklung im Verein und in der Bundesliga-Mannschaft sehen. Wobei ich betonen möchte, dass ich bestimmt kein Schönwetter-Fan bin. Ich will nur, ganz einfach, Leidenschaft und Herz sehen, nicht diesen Dienst nach Vorschrift auf dem Rasen.

Was sagt denn die Familie dazu?
HSV-Fan: Meine Frau freut sich, meine Söhne aber meckern und verstehen mich nicht. Sie sagen nämlich, dass man das als HSV-Fan trotz allem durchziehen muss. Aber das machen ja auch genügend andere.

Und setzt das große Ärgern ein, wenn der HSV in der kommenden Spielzeit groß auftrumpft?
HSV-Fan: Nein, nein, ganz sicher nicht. Ich habe mich ja nicht nur aufgrund einer schlechten Saison entschieden, das ist ja über Jahre gereift. Ärgern würde ich mich erst, dann aber richtig, wenn der HSV Deutscher Meister wird – und ich für das entscheidende Spiel keine Karte mehr bekommen habe. Aber wann wird der HSV denn mal wieder Deutscher Meister?

Gute Frage, nächste Frage.

Ich hatte keine mehr. Ich habe heute nur noch HSV-Fans gesucht, die ihre Dauerkarte erst auch nicht kaufen wollten, dann aber doch wieder zugriffen. Solche HSV-Anhänger habe ich aber nicht gefunden. Einer sagte stellvertretend: „Wir haben vielleicht alle schon mal daran gedacht, keine Karte mehr zu kaufen, aber letztlich kam das weder für mich noch für meine Freunde infrage. Wir stehen zum HSV, egal was passiert – und letztlich hoffen wir doch alle, dass es irgendwann mal wieder besser wird. Auch wenn die Zeit des Hoffens schon viel zu lange andauert. Trotzdem, wir bleiben treu.“
Das ist wohl auch eindeutig die Mehrzahl.
Ich hoffe ja auch immer treu und brav mit . . .

Aber wer weiß, vielleicht wird ja diesmal tatsächlich alles besser – und gut? Obwohl ich gestern schon wieder ein kleines Aha-Erlebnis dagegen hatte. U-20-Weltmeisterschaft, Türkei gegen Kolumbien. Bei den Türken spielte Hakan Calhanoglu mit, der neue HSV-Mann – und meine ganz, ganz große Mittelfeld-Hoffnung für eine gute Hamburger Zukunft. Und dann dieses Spiel. Von Calhanoglu, der in Halbzeit eins oft ganz vorne stand (!), war nichts zu sehen. Erst in der 47. Minute ein Freistoß aus geschätzten 30 Metern – da war Wucht hinter, wurde aber mit Mühe gehalten. Danach war dann bald Ende der Vorstellung, Calhanoglu, der für mich nur ein Tempo lief, der auch kein Spielwitz und kein Durchsetzungsvermögen offenbarte, wurde in der 68. Minute ausgewechselt – als erster Türke. Und mein Fazit fiel denkbar schlecht aus. Für mich sogar eher niederschmetternd, denn insgeheim hatte ich ja gehofft, dass Calhanoglu kommt, sieht, Tore per Freistöße schießt – und gleich der neue HSV-Star wird. Ich werde diesen frommen Wunsch zunächst einmal auf ein Jahr nach hinten verschieben.

Obwohl mein Kollege Kai Schiller, als er das von mir hörte, sagte: „Nach nur einem schlechten Spiel kann man doch nicht gleich sämtliche Hoffnungen aufgeben . . .“ Stimmt ja irgendwie, aber dieses Spiel . . . Die Türken verloren 0:1. Und den Mann, der das Siegtor für Kolumbien schoss, den würde ich nun sofort verpflichten: Juan Quintero, der in der 52. Minute getroffen hatte (mit einem Hammer!) und der beim italienischen Erstliga-Absteiger Pescara Calcio spielt oder gespielt hat – das ist unklar. Aber leider kostet der gute Mann jetzt schon sieben Millionen. Euro natürlich.

Leider drei bis vier Nummern zu groß für den HSV.

Und genau das könnte auch für einen anderen „Fall“ Gültigkeit bekommen:
Sportdirektor Dirk Dufner von Hannover 96 ist zuversichtlich, das Tauziehen mit dem Ligakonkurrenten HSV um Verteidiger Johan Djourou zu gewinnen. „Wir sind in den Gesprächen mit Arsenal weitergekommen und würden für ihn an unsere finanziellen Grenzen gehen. Jetzt muss der Spieler sagen, was er will“, sagte Dufner: „Er weiß, was er an Hannover 96 hat.“ Djourou steht seit 2004 beim FC Arsenal unter Vertrag und war zuletzt nach Hannover ausgeliehen. Bei 96 kam der 40-malige Schweizer Nationalspieler in der vergangenen Rückserie in 13 Spielen zum Einsatz. Auch der HSV hatte in den vergangenen Tagen sein Interesse an dem Abwehrspieler bekundet.
Die Frage ist nur, ob er auch an seine finanziellen Grenzen gehen wird?

PS: In Sachen HSV-Neuverpflichtungen gab es heute nichts zu vermelden. Sollte sich das noch ändern, so werde ich es noch ergänzend hinzufügen.

17.21 Uhr

Update 18:09 Uhr:
Jetzt hat sich doch noch etwas getan. Der HSV hat sich mit Johan Djourou darauf geeinigt, dass er nach Hamburg wechselt. Jetzt muss noch eine Einigung mit Arsenal London erzielt werden, der HSV möchte den Abwehrmann gerne ausleihen. Sportchef Oliver Kreuzer: “Wir sind mit Arsenal auf einem guten Weg.” Sollten sich die Parteien einigen, käme Djourou am Montag zur sporttauglichen Untersuchung an die Elbe.

Richard Golz: Gedanken zum Abschied

19. Juni 2013

Der aktuelle Bericht von “Scholle” sollte weiterhin viel Beachtung finden, er hat ja auch schon viel Beachtung gefunden und ist ja auch weiterhin zu lesen – ich stelle aber schnell einmal das Interview mit einem Scheidenden (nämlich aus Hamburg) rein: Richard Golz. Mein Kollege Alexander Laux und ich, wir haben uns mit dem ehemaligen HSV-Torwart und mit dem Cotrainer der Regionalliga-Mannschaft getroffen, um noch einige Sachen aufzuarbeiten. Der “Richie”geht bekanntlich nach Berlin, zur Hertha. Und ich, das darf ich sagen, finde es jammerschade. Einen so klugen Kopf, der so viele Erfahrungen im Profi-Fußball über Jahrzehnte gesammelt hat, den hätte der HSV eigentlich halten müssen. Natürlich weiß ich, dass dazu auch Positionen frei sein müssten – aber meiner Meinung nach wäre zumindest eine Position für ihn frei gewesen . . . Nun gut, das lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern, deswegen ist es eben so wie es ist. Hier nun das Interview, das in dieser Form heute auch in der Print-Ausgabe des Hamburger Abendblattes erschienen ist:

Alexander Laux
Dieter Matz

In den nächsten Tagen heißt es Koffer packen für Richard Golz. Sonntag startet Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC mit der Vorbereitung auf die neue Saison – mit dem 45-Jährigen, der von 2008 bis 2013 als Co-Trainer beim HSV-Nachwuchs gearbeitet hat, als neuem Torwarttrainer.

Hamburger Abendblatt: Herr Golz, sind Sie enttäuscht, Hamburg wieder mal verlassen zu müssen?

Richard Golz: Nein, wieso? Meine Sichtweise ist eher so, dass ich nach Berlin gehe. Ich verlasse Hamburg auch nicht ganz. Meine Familie bleibt in den kommenden drei Jahren hier, die Jungs sollen die Schule zu Ende machen.

Was hat Sie an Hertha gereizt?

Golz: Vor dem letzten Spiel der U 23 gegen Meppen klingelte das Telefon: Hallo, hier ist Jos Luhukay. Das Gespräch verlief so positiv, dass ich mir sofort vorstellen konnte, mit ihm zu arbeiten. Ich bin froh, dass ich im Nachwuchsbereich meine Erfahrungen sammeln durfte, aber in der Bundesliga spielt nun mal die Musik. Und dass es jetzt in Berlin weitergeht….

…Ihrer Heimatstadt…

Golz: …kommt noch dazu.

Dürfen wir Sie dennoch bitten, einen Blick zurück zu werfen. Hat es der HSV verpennt, mit Ihnen zu verlängern?

Golz: Es war schon relativ schwierig. Am Ende des Jahres suchte ich ein Gespräch mit Frank Arnesen, weil ich in irgendeiner Form weiterkommen wollte. Parallel zu meiner Tätigkeit beim HSV hatte ich ja ein Hochschulstudium zum Sport- und Eventmanager abgeschlossen. Ich habe ihm erzählt, dass ich mir vorstellen könne, nicht nur als Trainer zu arbeiten, sondern auch eine Funktion im Nachwuchsleistungszentrum zu übernehmen.

Wie hat Arnesen reagiert?

Golz: Er antwortete: Toll, das behalte ich im Kopf. Was die Trainer beträfe, könne er sich jetzt noch nicht festlegen. Sie würden schon gerne die besten Leute behalten wollen, aber erst im Frühjahr entscheiden und mit den Leuten sprechen.

Lassen Sie uns raten: Das Frühjahr zog sich hin.

Golz: Ich habe danach nie mehr ein Wort mit ihm gewechselt. Aber ich machte mir keine großen Sorgen, weil mein Vertrag nach fünf Jahren in einen unbefristeten Zustand übergegangen wäre. Es konnte nur niemand genau sagen, was ich inhaltlich machen soll. Es hieß nur hinter vorgehaltener Hand: Wir wollen umstrukturieren, vielleicht nicht mehr so viele Trainer bei der zweiten Mannschaft haben.

Sie streben danach, einmal ein Manageramt zu übernehmen. Beim HSV gab es häufiger Bedarf. Sind Sie traurig, nicht gefragt worden zu sein?

Golz: Ich bin nicht der Typ, der jedem hinterher rennt, um das Interesse an einem Job zu hinterlegen. Es ist halt so, dass Situation und Zeitpunkt passen müssen.

Mehr als zehn HSV-Trainer und Betreuer wussten nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ist es normal, dass man so lange hingehalten wird?

Golz: Ich glaube, Arnesen hat einfach lange nicht gewusst, was er machen soll, vielleicht hatte das auch mit Geld zu tun. Ich denke schon, dass man grundsätzlich den Trainern auch die Chance geben sollte, sich rechtzeitig etwas Neues suchen zu können.

Fühlt man sich ungerecht vom Verein behandelt?

Golz: Wie soll ich das formulieren? (Überlegt) Es hing einfach ganz viel an Arnesen. Er wollte viele Dinge entscheiden, hat sich aber nicht so richtig darum gekümmert. Lee Congerton, der technische Direktor, sollte sein Statthalter sein im Nachwuchsleistungszentrum. Den habe da ich nicht einmal gesehen. Ich korrigiere mich: Einmal war er bei einer Besprechung dabei. Einmal.

Unglaublich. Er sollte doch das Bindeglied sein.

Golz: Er wurde uns auch als unser Ansprechpartner angekündigt. Aber in diesem Nadelöhr sind dann einfach die Dinge stecken geblieben.

Es ist ja seit längerer Zeit in Mode, auf den Nachwuchs des HSV einzuprügeln. Wie fällt denn Ihr Urteil aus?

Golz: Ich war am Wochenende im Berlin, als die B-Junioren von Hertha im Endspiel auf Stuttgart trafen. Als ich da stand, habe ich mir überlegt: Wie viel besser sind diese Teams als unsere U-17 beim HSV? Gravierende Unterschiede habe ich nicht gesehen.

An HSV-Junioren in einem Endspiel können wir uns aber nicht erinnern.

Golz: Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.

Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt.

Golz: Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.

Wie würden Sie das machen?

Golz: Die Trainer, die auf die jungen Spieler losgelassen werden, müssen in dem Bereich richtig fit sein, nur dann kannst du auch besser sein als die anderen. Unsere Jungs sind fußballerisch nicht schlechter. Aber wenn man sich bei den 15-, 16- oder 17-Jährigen umschaut, da schüttelst du manchmal den Kopf und denkst: Wer steht denn da auf dem Platz?

Nämlich?

Golz: Die Abteilung der ganz Abgedrehten, die der moderne Fußball eigentlich nicht mehr vertragen kann. Das ist aber kein HSV-typisches Problem. Was ich meine: Gerade deshalb wäre es wichtig, die Trainer permanent fortzubilden. Natürlich werden in einem DFB-Lehrgang zur A-Lizenz Inhalte aus der Psychologie oder Pädagogik vermittelt, aber das ähnelt doch eher einem Crashkurs. Die Konsequenz daraus ist dann häufig, dass aus einem guten Fußballer kein richtig guter Mannschaftsspieler wird.

Zahlt der HSV auch den Preis für zu viele Wechsel in der Führung des Nachwuchsbereichs?

Golz: Natürlich. In einem Jahr kann man nichts bewirken. Jedes Jahr ein neuer Leiter und ein neues Konzept, das kann ja nicht funktionieren.

Da sie jetzt so viele Konzepte kennen: Gab es eines, das Sie überzeugt hat?

Golz: Paul Meier kam aus der Trainerausbildung, hat die HSV-Trainer besser gemacht und damit auch die Spieler. Diesen Ansatz finde ich sehr schlau, weil man sich so auch die Trainer für die höheren Mannschaften aufbauen kann. Du musst einfach alle Beteiligten permanent weiterentwickeln, unterstützen. Die Trainer aus dem Nachwuchs sind auf Dauer sehr viel besser als diejenigen, die gleich in der Bundesliga eingestiegen sind, davon bin ich fest überzeugt.

Dann könnte man vielleicht auch die häufig anzutreffenden Mentalitätsprobleme bei den Profis eliminieren.

Golz: Ich habe kürzlich mit Freiburgs Christian Streich gesprochen. Wissen Sie, was er gesagt hat? Das wichtigste Kriterium dort ist soziale Kompetenz, das heißt: Wie verhält sich ein Spieler beispielsweise gegenüber den Kollegen und den Fans.

Wie wichtig finden Sie es, ehemalige Spieler im Verein zu beschäftigen, Stichwort Identifikation?

Golz: Es geht häufig um so wichtige Entscheidungen, da spielt der Faktor fachliche Kompetenz eine wichtigere Rolle. Erst dann kommt die Frage, ob jemand mal das Trikot des Clubs getragen hat. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus.

Hat sich der Umzug der U-23 in den Volkspark positiv ausgewirkt?

Golz: Ich finde schon, dass sich das gelohnt hat. Wir hatten einen guten Austausch, besonders Frank Heinemann hat sich sehr darum gekümmert. Ich bin allerdings skeptisch, was jüngere Teams betrifft. Die sollten erst mal Gas geben, bevor sie vor Zuschauern trainieren dürfen. Womit wir wieder beim Thema Mentalität sind.

Hinter den Kulissen laufen Bestrebungen, die Strukturen des HSV zu ändern. Befürworten Sie das?

Golz: Ich glaube schon, dass man schneller handeln können muss.

Wenn immer erst mal der Aufsichtsrat einberufen wird…

Golz: …. ist das unpraktisch und macht auch keinen Sinn. Die Leute, die im Vorstand arbeiten, werden ja für ihre Arbeit bezahlt. Auf der anderen Seite sucht ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat, der sein Amt aus Spaß ausübt, einen Sportchef. Unlogisch.

Sorgen Sie sich um die HSV-Zukunft?

Golz: Die Situation ist weiter schwierig. Auch wenn die letzte Serie ja ganz gut über die Bühne ging, heißt das nicht, dass die kommende Saison zwangsläufig besser wird. In der Bundesliga geht es mittlerweile so eng zu, dass jede Schwäche gnadenlos ausgenutzt wird. Es ist jedes Jahr ein harter Kampf. Auch für den HSV.

PS: Bitte nicht den “Scholle”-Beitrag vergessen, den ich nun “leicht” verdrängt habe. . .

9.37 Uhr

Auch Heinemann weg – Aufsichtsrat will Sportchef bis 2. Juni finden

23. Mai 2013

***Der HSV hat sein letztes Testspiel in Neuruppin mit 9:0 gewonnen. Bruma (2.), Ilicevic (5.), Rudnevs (34., 49., 51.), Beister (40., 61.), Jiracek (79.) und Nafiu (89.) trafen vor 2700 Zuschauern. Das für Freitag angesetzte Abschlusstraining wurde abgesagt. Feierabend!****

Die Entlassung Frank Arnesens kam für viele zwar nicht überraschend, sorgt aber für kontroverse Diskussionen. Und das, obwohl man sich vereinsintern erstaunlich einig ist bei der Entscheidung. Dafür aber bei den Anhängern. Schuld an allem hat der Aufsichtsrat – und natürlich die Presse. Aber dazu im Anhang an diesen Blog mehr und das auch gern nur für die, die diese sinnfreie Diskussion noch nicht Leid sind.

Dabei gibt es deutlich interessanter Ansätze. Einige davon werden auf unserer neuen Facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) diskutiert. Und das häufig auch sehr ergiebig. Zum Beispiel: Wer ist der beste Nachfolger? Felix Magath? Jörg Schmadtke? Oliver Kreuzer? Oder doch Dietmar Beiersdorfer? Fragen, die auch im Aufsichtsrat diskutiert werden. Natürlich. Denn die Kontrolleure sind bemüht, die Nachfolge möglichst schnell abzuklären. Manfred Ertel verweist darauf, sich einzig dem Thema widmen zu wollen, nicht aber darüber zu sprechen. Schon gar nicht öffentlich. Und der Rest des Rates wartet die Gespräche des Personalausschusses ab. Es herrscht angespannte Ruhe – und das ist auch mal ganz gut.

Zumal wir nicht lange warten müssen. Für Sonntagnachmittag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt. Ob bis dahin ein Nachfolger gefunden ist? Eher unwahrscheinlich. Und das, obwohl der Aufsichtsrat – zumindest ein Teil davon – sehr bemüht ist, die Thematik noch vor der ordentlichen Mitgliederversammlung am 2. Juni zu klären. „Klar ist aber auch, dass wir uns nicht nur des Termines wegen schnell entscheiden sondern alles im Sinne des Vereins machen“, sagt ein Aufsichtsrat, „und wenn das bedeutet, am 2. Juni auf den Deckel zu bekommen, dann ist das so. Wer das nicht abkann, hätte sich nie wählen lassen dürfen.“

Stimmt. Wobei ich mir auch ohne neuen Sportchef ziemlich sicher bin, dass es verbale Haue geben wird…

Aber zurück zur Gegenwart. Es sind keine schönen Tage, diese beim HSV. Heute musste das Trainerteam einen Abgang verzeichnen: Frank Heinemann zieht es nach Bochum zu seinem Kumpel Peter Neururer. „Wir hätten gern mit ihm weiter gearbeitet“, sagt HSV-Vorstandschef Carl Jarchow, bevor er dem ehemaligen Co-Trainer viel Glück wünscht. Und der wiederum wäre gern geblieben. “Ich hatte hier zwei überragende Jahre, aber es lag kein Angebot vor.” Hintergrund: Heinemanns Vertrag wäre Ende Juni ausgelaufen. Gespräche über eine Vertragsverlängerung hatten bislang nicht stattgefunden. Heinemann weiter: “Deshalb habe ich mich umgehört und von meinem guten Freund Peter Neururer vom VfL ein Angebort bekommen und zugesagt.” Wer neuer Assistent von Fink wird ist unklar. Gut möglich, dass der HSV die Position, die mit Patrick Rahmen bereits einfach besetzt ist und bleibt – nicht neu besetzt. Kosten einsparen ist das Zauberwort…

Egal wie, weshalb man nicht schon einige Monate vorher gesprochen hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings auch nicht, weshalb ein Heinemann nicht zu dem seinerzeit noch verantwortlichen Sportchef, Frank Arnesen, gegangen ist und ihn einfach darauf angesprochen/gefragt hat. Die beiden haben sich so oft gesehen und gesprochen – ein Satz in die Richtung hätte wahrscheinlich dieses Versäumnis verhindert. Es sei denn, die Trennung war erwünscht.

Aber irgendwie passt so ein Fall zur gegenwärtigen Situation. Auch, dass sich die mal wieder arg gescholtenen Aufsichtsräte jetzt schweigen. Bis ein Ergebnis vorliegt, wollten sich alle nur auf die Suche und die Kandidaten konzentrieren. Einer der Namen: Jörg Schmadtke. Der Düsseldorfer Ex-Profi und ehemalige Hannover-Sportchef gilt neben anderen als heißester Anwärter, soll aber auch vom 1. FC Köln umworben werden. Pikant hierbei: Anfang 2013 hatte sich Schmadtke nach anhaltenden Querelen in Hannover freistellen lassen und dies mit „privaten Problemen“ begründet. Über die genauen Gründe wurde seinerzeit und wird aktuell im Aufsichtsrat des HSV diskutiert. Klar ist aber, dass Schmadtke, der auch vom 1. FC Köln umworben wird, kein Selbstgänger wird.

Zumal, das möchte ich hier anführen, eine noch bessere Idee kam aus der Schweiz. Telefonisch. Von einem absoluten Insider, wie der sympathisch klingende Herr Sch. mir versicherte. Er sei ein enger Freund von Herrn Kühne und wisse von dem Milliardär und HSV-Fan: „Herr Magath wird’s. Er bekommt von Herrn Kühne 30 Millionen Euro an die Hand und übernimmt den Laden.“ Nachfrage: Ob Kühne das Geld einfach so zahle? „Nein, er hat einen besonderen Sponsor an der Hand: einen Scheich.“ Oha, klingt wie bei 1001 Nacht. Wobei ein Märchen auch eine gelungene Abwechslung zum aktuellen Alptraum sein könnte. Aber weiter im Text. Denn es bleibt nicht allein bei Magath und 30 Millionen, denn der HSV hat noch Größeres vor: „Jupp kommt auch. Zumindest will das Herr Kühne und einige Aufsichtsräte auch.“ Welcher Jupp? „Der Heynckes natürlich. Erste Gespräche gab es bereits“, weiß Herr Sch. Auf die Nachfrage, in welcher Funktion Jupp Heynckes kommen soll und was mit HSV-Trainer Thorsten Fink passiere, kam die schlüssige Antwort: „Beide machen es zusammen. Der Fink soll ja bleiben. Den wollen die nicht loswerden.“ Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: angesichts der gerade frei gewordenen Co-Trainerstelle würde das ganze auch wieder Sinn ergeben. Thorsten Fink rückt einfach eine Position zurück und arbeitet ab sofort als Assistent von und mit Don Jupp. Das hätte was…

Aber mal wieder, zurück zur Realität. Und die stellt mir eine Frage: wer leitet aktuell und bis zur Findung des neuen Sportchefs die sportlichen Geschicke leitet, wenn Arnesen nicht mehr im Amt ist? Wer führt die Verhandlungen beispielsweise mit Heung Min Son weiter? Die Antwort: Carl Jarchow. Der Vorstandsvorsitzende soll sich heute mit Frank Arnesen treffen und eine ordentliche Übergabe vollziehen. Dabei soll Jarchow von Arnesen in allen Verhandlungssachen auf den neuesten Stand gebracht werden.

Der Vorstandsvorsitzende als Sportchef: Eine Situation, die ich noch aus dem Juni 2009 erinnere. Damals musste Arnesens Vorgänger Dietmar Beiersdorfer gehen und Klubboss Bernd Hoffmann übernahm auch den sportlichen Part. Mit mäßigem Erfolg versuchte sich der Marketingexperte als Sportchef und musste dies länger machen, als ihm selbst lieb war, da kein neuer Sportchef gefunden wurde. Bis im Mai 2010 Interimslösung Bastian Reinhardt präsentiert wurde, dem wiederum mit Armin Veh ein erfahrener Trainer zur Seite gestellt wurde. Aber auch dieses Konstrukt hielt nicht einmal ein Jahr – bis Arnesen kam.

Der ist allerdings schon wieder weg. Nach zwei Jahren soll der Vertrag jetzt aufgelöst werden. Die Gespräche darüber laufen derzeit noch, es deutet aber vieles darauf hin, das der Däne einen Großteil seines ausstehenden Jahresgehaltes von zwei Millionen Euro bis Juni 2014 als Abfindung bekommt. Denkbar ist auch, dass der Vertrag einfach weiterläuft. Denn dann müsste sich Arnesen beim HSV melden, sollte er einen neuen Job antreten wollen.

Gemeldet haben sich auch verschiedene Aufsichtsräte bei Felix Magath und Dietmar Beiersdorfer. Offensichtlich gibt es im Kontrollgremium eine nicht gerade kleine Fraktion, die sich einen alten Bekannten nach Hamburg zurückwünscht – und das würde auf beide Kandidaten zutreffen. Gemeldet hat sich auch Dietmar Beiersdorfer, den ich in Russland erreicht habe. Allerdings wollte sich der Sportchef von Zenit St. Petersburg nicht zum Thema HSV-Sportchef äußern, da er in Russland unter Vertrag steht. Mehr als ein „Grundsätzlich interessiert mich immer alles, was beim HSV passiert“, war Beiersdorfer nicht zu entlocken.

Und obwohl ich glaube, dass Beiersdorfer absolut interessiert ist, nach Hamburg zu seiner hier lebenden Familie und zum HSV zurückzukehren, bin ich mir auch sicher, dass er nichts riskieren wird. Ähnlich wie der einstige Topkandidat Andreas Rettig, der plötzlich seinem Arbeitgeber DFL erklären musste, ob er tatsächlich mit dem HSV verhandele und deshalb dem HSV absagte, bevor er seinen Job bei der DFL riskierte. Beiersdorfer gilt als absolut loyaler Typ, der zu seinem Wort steht. Auch bei St. Petersburg, dessen Saison im Juni endet.

Ich weiß aber inzwischen auch, dass Beiersdorfer innerhalb des Aufsichtsrates ein sehr hohes Ansehen genießt. Gut möglich, dass sich der Personalausschuss der Kontrolleure in den nächsten Tagen auch offiziell und mit Aufsichtsratsmandat um den ehemaligen Sportchef des HSV bemüht.

Abschließen möchte ich diesen Blog – zumal im Nachklapp noch mal etwas kontrovers – mit versöhnlichen Worten von Frank Arnesen, der sich via hsv.de zu Wort meldete:

Liebe Fans, Partner, Sponsoren und Freunde des HSV!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen allen für zwei sehr interessante und intensive Jahre bedanken.

Natürlich bin ich enttäuscht darüber, dass ich meinen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllen werde. Aber ich kann die Entscheidung des Vereins respektieren und akzeptiere sie auch.

Da klar war, dass mein Vertrag kommenden Sommer nicht verlängert worden wäre, kann ich auch nachvollziehen, dass die Entscheidung jetzt so getroffen wurde. Ansonsten hätte es ständig Unruhe und Spekulationen gegeben.

Wir hatten schwere Momente zu überstehen und haben auch schöne Momente gemeinsam erlebt. Alles in allem war die Zeit beim HSV eine sehr gute Erfahrung für mich.

Der Verein ist aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Mit dem siebten Platz haben wir das vor der Saison gesteckte Ziel erreicht. Ich hoffe, dass mein Nachfolger die Dinge in Ruhe weiterentwickeln kann. Dann wird der HSV schon bald wieder dauerhaft im internationalen Geschäft dabei sein, was mich sehr freuen würde.

Ich hatte am Mittwochabend ein freundschaftliches Gespräch mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrates, in dem wir die Trennung professionell besprochen haben. So können wir vernünftig auseinander gehen.

Nochmals vielen Dank an alle. Auch an meine Vorstandskollegen, Mannschaft, Trainer und Mitarbeiter des HSV.

Viel Erfolg für die Zukunft.

Frank Arnesen

In diesem Sinne, Dir auch alles Gute, Frank! Und Euch sage ich: bis morgen. Da meldet sich dann Dieter wieder bei Euch.

Scholle

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Wer die Diskussion um Dieters und meine Rolle im HSV-Geschehen ebenso Leid ist wie ich, der/die kann sich an dieser Stelle ausklinken. Wer noch nicht weiß, dass wir nicht als Fans oder HSV-Offizielle bloggen und sich über unsere Kritik am Klub, an einzelnen und der Darstellung der Indiskretionen ärgert, kann gern weiterlesen. Für mich ist das Thema mit dem Punkt am Ende des letzten Satzes beendet.

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Aber: Einige Unbelehrbare wie „Ostermann“ („Mann, Scholle, ist das armselig.
Gestern noch den Sportchef denunziert, quasi verbal bespuckt und getreten und heute die öffentliche Demission als Posse anderer bezeichnen.
Würg!) schaffen es einfach nicht, den Beruf des Journalisten einzustufen. Ich bin einer und sicher nicht dafür verantwortlich, dass es dem HSV schlecht geht. Das machen die Verantwortlichen höchstselbst. Ich bin auf der anderen Seite auch nicht dafür verantwortlich, dass es dem Klub gut geht. So viel Einfluss habe ich nicht, will ich nicht und bekomme ich auch nicht. Ich bin ein Berichterstatter, der sich über HSV-Siege freut. Oder bedarf es einer noch genaueren Erklärung?

Vor allem aber: Wo bitte habe ich Arnesen denunziert, „Ostermann“? Ihr verlangt von mir, alles zigfach zu überdenken, ehe ich es poste. Und macht das selbst dann nicht. Vor allem: Wer bist Du, mir sowas vorzuwerfen? Kennen wir uns? Habe ich Dir gegenüber jemals etwas schlechtes über Frank Arnesen – zudem noch hinter seinem Rücken gesagt? Weißt Du vielleicht sogar mehr als ich über mich? Nein! Definitiv nicht. Im Gegenteil: Ich schreibe meine Gedanken in einem als personalisiert gekennzeichneten Blog auf. Für alle sicht- und lesbar. Auch für Arnesen. Und vor allem: Ich spreche sogar ehrlich und persönlich mit Frank Arnesen darüber. Und der mag nicht gern kritisiert werden, wer mag das schon?! Aber er mag es, wenn man ehrlich mit ihm umgeht. Und genau deshalb haben wir selbst jetzt noch ein sehr gutes und professionelles Verhältnis zueinander. Da fließt kein böses Blut, da ist nichts zu sehen von „absägen“ oder gar „denunzieren“.

Im Gegenteil. Nur ein Beispiel von vielen: Ich habe Arnesen im Trainingslager im Januar 2012 gefragt, ob er die Bundesliga unterschätzt hat. Weil ich das Gefühl hatte, dass dem so war. Die Frage an sich ist schon ein harter Kritikpunkt. Aber Arnesen war nicht sauer und hat ehrlich geantwortet: ja. Und obwohl es ein wunderbar offenes und ehrliches Gespräch war, habe ich selbstverständlich geschrieben, dass das ein großer Fehler des Sportchefs war und dass das einige Einkäufe nachträglich erklärt. Und wisst Ihr was? Selbst damit kam Arnesen klar. Er sprach weiterhin offen und ehrlich mit mir. So, wie mit fast allen anderen Journalisten auch. Er war nicht immer meiner Meinung, sah einiges anders – aber das war klar und absolut okay. Darüber wurde dann kurz diskutiert, ohne sich jemals zu verunglimpfen. Weil es normal ist. Weil es auch richtig so ist. Und genau so komme ich damit wunderbar klar. Nicht anders.

Danke.

Arnesens Nachfolge Thema im Aufsichtsrat – der Blog ***Neu: Rettig sagt dem HSV ab***

21. Mai 2013

***Rettig sagt ab: Wunschkandidate Andreas Rettig hat dem HSV abegsagt. Der DFL-Geschäftsführer soll dem Vernehmen nach Zweifel gehabt haben, ob er durch die öffentliche Hängepartie sich und seinem aktuellen Arbeitgeber, für den er erst seit sechs Mopnaten tätig ist, Schaden zufügt. “Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag beid er DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mnitgeteilt.”***

Es geht in die Vollen. Und das weniger unerwartet als viele meinen. Denn dass der Aufsichtsrat nicht wirklich zufrieden mit der Arbeit des Sportchefs war, hatte ich hier bereits vor einigen Monaten das erste Mal geschrieben. Auch, dass man sich Gedanken darüber machen würde, wie man sich auf der Position optimal besetzen könne. Vor allem: ob mit oder ohne Arnesen. Und in dieser Frage scheint eine Entscheidung gefunden zu sein: es wird wohl ohne den Dänen geplant. Inwieweit das jetzt schon für die aktuelle Kaderplanung zutrifft – offen. Zuletzt hatte sich Arnesen zusammen mit Trainer Thorsten Fink nach Mailand begeben um dort mit Bojan Krkic zu sprechen. Allerdings heißt es intern schon seit längerer Zeit, Arnesen sei nicht mehr alleiniger Entscheider und nicht mehr erster Ansprechpartner. Und der Neue stünde schon vor der Tür.

Dass hier plötzlich Leute die Arnesen-Bilanzen loben ist legitim. Was auch sonst? Stichwort Meinungsfreiheit. Dass sich aber einige hier aufschwingen und einen Manager wie Andreas Rettig als zu kleine Lösung abqualifizieren – Respekt! Der Mann hat schon ein paar Stationen hinter sich, hat Erfahrungen in Leverkusen, Freiburg, Köln und Augsburg gesammelt. Und er arbeitet bei der DFL als Geschäftsführer in einer Position, die nicht wirklich als ABM-Stelle ausgeschrieben wurde… Dem jetzt nachsagen zu wollen, er könne nicht HSV – ohne mich.

Allerdings, über die Eignung darf diskutiert werden. Wobei für mich entscheidend ist, dabei die Relationen im Blick zu behalten. Auf die Frage, warum Arnesen nicht in seinem warmen Nest in Chelsea geblieben ist, gibt es beispielsweise eine klare Antwort: Chelsea hatte Arnesen bereits im Laufe der Saison freigestellt, noch bevor er beim HSV unterschrieben hatte. Die sich daraus ergebende Gegenfrage „warum hat Arnesen seinen Job in Hamburg dann nicht deutlich eher angetreten?“ ist ebenso schnell und klar beantwortet: Er hätte beim FC Chelsea auf viel Geld verzichten müssen. Hat er aber nicht. Auch das ist okay. Wenn er es ehrlich zugeben würde. Was er nicht will. Aber auch damit kann ich leben.

Leben müssen wir alle mit einem Füllhorn neuer Sportchefs in Hamburg. Das gehört in solchen Phasen dazu. Obwohl der eine noch gar nicht gegangen ist, werden schon neue Namen gehandelt. Ob es ihn nachdenklich stimmt, so wenig Wertschätzung zu erfahren? „Nachdenklich nicht“, antwortet Arnesen, „was bedeutet schon Wertschätzung? Ich bin ein Profi und weiß, wie das Geschäft funktioniert.“ In aller Härte.

Und so werden in den nächsten Tagen weitere Namen kommen. Neben Rettig kommen auch Jörg Schmadtke und Oliver Kreuzer wieder aufs Trapez, zudem dürften altbekannte Namen wie Dietmar Beiersdorfer und sogar Martin Jol schnell aufgenommen werden. Bis auf Jol haben alle Kandidaten schon Gespräche mit Vereinsoffiziellen geführt, in denen mal so ganz nebenbei und unverbindlich die grundsätzliche Bereitschaft abgefragt wurde. Und Jol würde sich laut englischen und niederländischen Medien für den Managerposten interessieren. Kurios. Allerdings bringt der “Engländer” den Faktor, ein echter Sympathieträger zu sein, mit. Und dieser Faktor ist im Aufsichtsrat nicht zu unterschätzen.

Wobei die Räte intern gerade gar nicht sympathisch miteinander umgehen und eher mal wieder ein wenig verstimmt sind, ob des eigenwilligen Handelns einiger im Personalausschuss (Ertel, Jens Meier, Christian Strauß, Eckart Westphalen). Die waren nicht offiziell vom Gremium beauftragt worden, mit Kandidaten zu sprechen – taten dies aber nachweislich. „Wir werden nie einen geschlossen auftretenden Verein haben können, wenn wir in unserer Funktion nicht geschlossen und loyal auftreten“, kritisiert ein Aufsichtsrat. Und während dieser Kontrolleur überrascht über den Zeitpunkt der Diskussion ist, sagte mir heute ein anderer am Telefon: „Die Diskussion ist keinem neu. Aber sie gehört normalerweise nicht ins Vorfeld einer Saisonbilanz.“ Und die soll dem Vernehmen nach am 30. Mai stattfinden, wenn sich der Vorstand inklusive Frank Arnesen vor dem Aufsichtsrat verantwortet.

Vor allem aber wird klar: in Hamburg dreht sich das Transferkarussell mal wieder falsch herum. Anstatt jetzt eine ausgewogene Spielersuche und Kaderplanung umzusetzen, wird der Sportchef in Frage gestellt. Zu spät – oder eben zu früh. Eines von beiden ganz sicher. Aber sicher ist auch, dass das jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Immerhin ist Arnesen der Mann, dem man bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg alleinige Verantwortung zugesichert hatte. Der Mann, der zum teuersten Sportchef der Vereinsgeschichte aufstieg. Aber vor allem ist der Däne derjenige, der den Kader für die neue Saison plant. Er stellt zusammen mit dem Trainer eine Wunschliste zusammen, anhand derer die Gespräche mit den neuen geführt werden. Und er bringt seine Philosophie ein – bislang. Geht es nach dem Aufsichtsrat soll er dies nicht mehr lange verantworten.

Allerdings ist dieses Vorgehen fragwürdig, will man nicht die kommende Saison mit Nachteilen beginnen. Käme jetzt ein Neuer, ich bin mir ganz sicher, der würde mit vielen Arnesen-Ideen nicht so glücklich, weil er seine eigenen hat. Und der Neue hätte nicht die Zeit und den Vorlauf, alle Problemzonen beim HSV zu erkennen und gegenan zu arbeiten. Dafür aber hätte er immer die Ausreden, eben all die eben genannten Umstände erlebt zu haben. Auch er wäre frühestens ab der Wintertransferperiode wirklich zu beurteilen.

Warum also so spät mit dieser Diskussion begonnen wird? Keine Ahnung. Bislang galt ein Arnesen-Rauswurf als nicht zu realisieren, da eine saftige Abfindung fällig würde. Hintergrund: Arnesens Vertrag mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro per annum läuft noch bis 2014. Die Diskussion – das muss hier erwähnt werden – gibt es jedoch schon seit Monaten. Auch hier im Blog geschrieben, wenn Ihr Euch erinnert. Arnesen wurden zu lange Urlaube, zu wenig Transfererlöse im vergangenen Winter und ein unzureichendes Netzwerk vorgeworfen. Dem Mann wohlgemerkt, der bei seinem Einstieg als „Sportchef mit dem dicksten Telefonbuch“ vorgestellt wurde. Daran bestanden bei der Vorstellung neuer Spieler bereits erste Zweifel. Die fehlenden Verkäufe in diesem Winter gaben den meisten Aufsichtsräten den Rest. Die Frage aber ist: Reagiert der Aufsichtsrat zu spät? Oder ist er voreilig? Beides könnte fatale Folgen haben.

Obwohl auch klar ist, dass das Thema jetzt Fahrt aufgenommen hat und bei der heutigen Aufsichtsratssitzung weiter aufnehmen wird. Dort sollte es kurz einberufen eigentlich nur um die Verlängerung des Vertrages von Frank Heinemann gehen, der in sechs Wochen ausläuft – der aber von Arnesen ebenso wenig wie von seinen Vorstandskollegen bearbeitet geschweige denn verhandelt wurde. „Wir werden auch über andere Dinge sprechen, so viel ist klar“, kündigte ein Aufsichtsrat an – verstimmt über die ratsinterne Informationspolitik. Das Thema Ertel/Hoeneß hingegen soll nicht aufgenommen werden.

Eigentlich wollte ich Euch jetzt schon mit der einen oder anderen Neuigkeit aus der AR-Sitzung kommen. Allerdings ist damit heute eher nicht zu rechnen. Wird gemutmaßt. Die Herren tagen aber noch. Die beiden zu verlängernden Verträge werden wohl abgestimmt – und dieses Ergebnis liefere ich Euch dann sofort mit – aber in Sachen Arnesen soll es heute kein offizielles Statement geben. Sollte sich das wider Erwarten ändern, werde ich den Blog ebenfalls noch mal aktualisieren.

Bis dahin Euch allen erst einmal einen schönen Abend. Bis gleich. Oder morgen. Da ist kein Training, da die Mannschaft in Neuruppin weilt und dort dem Vernehmen nach eine Menge Spaß hat. Noch mit Arnesen, der morgen (am Mittwoch) wieder nach Hamburg reist, um sich dort mit der gesamten Scoutingabteilung zusammenzusetzen.

Scholle


*****Ergänzung: Nachdem die AR-Sitzung um kurz nach Mitternacht beendet war, wollten sich die Kontrolleure nicht zum Thema Arnesen äußern. Außer, dass der Däne zusammen mit seinen Vorstandskollegen den Vertrag für Drobny nachverhandeln solle. Soll heißen: der erste Vertragsentwurf für den Ersatzkeeper wurde vom AR abgelehnt. Zu teuer…

Fortsetzung folgt.

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Dies und das zum Wochenende

23. März 2013

Es ist nur ein Gerücht, wirklich nur ein Gerücht, dass das deutsche Fernsehen am Dienstag statt der Riesen-Partie gegen Kasachstan aus dem Volkspark überträgt. Live natürlich. Gezeigt werden soll die Fußballtennis-Partie zwischen HSV-Torjäger Artjoms Rudnevs und HSV-Co-Trainer Nikola Vidovic. Über fünf Sätze. Die Übertragung vom Kunstrasen-Platz neben der Arena soll bereits eine Stunde vor dem ersten Ballwechsel erfolgen, Anpfiff ist dann zur besten Sendezeit, nämlich um 20.30 Uhr. Schiedsrichter ist HSV-Co-Trainer Patrick Rahmen, Ballholer links ist HSV-Co-Trainer Frank Heinemann, Ballholer rechts ist HSV-Torwart-Trainer Ronny Teuber, Fifa-Beobachter ist Urs Meier (Schweiz), kommentiert wird das Match von „Altmeister“ Rolf „Töppi“ Töpperwien, das Moderatoren-Team besteht aus Carmen Thomas und Dieter Thomas Heck. Gegen Mitternacht ist dann auch noch ein Torlattenschießen zwischen Thorsten Fink und Frank Arnesen geplant; Deutschland gegen Dänemark – also bitte, liebe Fußball-Fans, nichts vornehmen an diesem Dienstag, es geht rund.

Und zwar in etwa so rund, wie es gestern in Astana bei der WM-Qualifikation auch rund ging. Da wurde zur besten Sendezeit über Stunden ein öffentliches Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gezeigt. Mit Werbeblöcken zwischendurch, versteht sich. Wirklich über Stunden. Und dann so, wie es immer ist, wenn „Klein“ gegen „Groß“ spielt: Nur nicht verletzen, nur kein Risiko eingehen, nur nicht verausgaben, nur keinen Schritt zu viel. Und daran wurde sich auch strikt gehalten. Oder profihaft.

Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw hatte in der Woche vor dem Spiel noch gesagt, dass diese „Kleinen“ doch besser eine Vor-Qualifikation bestreiten sollten, bevor sie dann auf die „Großen“ losgelassen werden. Kasachstan aber, das hat Löw extra betont, wurde von diesem Vorschlag ausgenommen. Kasachstan ist vielleicht nicht klein genug, oder von den Kleinen ein etwas Größerer. Ach, Herr Löw, warum? Weil Sie wussten, dass das deutsche Fernsehen, genauer das ZDF, das DFB-Training aus und gegen Kasachstan immerhin durch eine über dreistündige Live-Übertragung würdigt?
“Es war nicht so einfach gegen Kasachstan”, sagte Torwart Manuel Neuer nach dem Spiel. Natürlich war es nicht leicht: Anstoß um Mitternacht, dann in einer “Halle” auf Kunstrasen, und dazu auch noch ohne Stürmer – das ist schon hart. Wobei ich glaube, dass der Flug noch nachts aus Astana wohl das Härteste an diesem Trip war – Landung gegen 5.30 Uhr.
Im Radio, welcher Sender auch immer, habe ich heute gehört, dass der Sprecher von einem “Gurkenspiel” gesprochen hat. Mein Freund Klaus hat zur Halbzeit abgeschaltet und ist in die Kneipe gegangen. Kommentar: “Unerträglich.” Das war schon hart – das über Stunden ertragen zu müssen.

Auch wenn es schwer fällt, es geht nun noch einmal in die Wunde: Das war am Freitag ein ganz, ganz bitterer Fußball-Abend. In etwa so wie HSV gegen Augsburg. Nur gab es diesmal drei Punkte für den „Großen“. Gut daran war wohl nur, dass jeder deutsche Spieler sein Trikot nicht waschen lassen musste – verschwitzt oder dreckig war keiner.

Und während des “Spiels” habe ich so bei mir gedacht: Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Schongang noch einen Gang nach dem anderen zurückschalten kann, dann dürfen die restlichen HSV-Profis, die noch in Hamburg verblieben waren, das doch auch. Dann dürfen die eben auch mal einen Kurz-Urlaub einschieben. Alles nur von wegen der Verletzungsgefahr. Eigentlich dürfte sich ja jetzt kein HSV-Profi, der in der Heimat geblieben ist, an diesem Wochenende verletzen. Eigentlich. Ich gehe davon aus. Obwohl wir das ja auch schon alles anders erlebt haben. Zum Beispiel dann, wenn da mal ein junger Vater sein Baby hebt und sich dadurch “Rücken” einfängt . . . Aber das wollen wir jetzt auch nicht verschreien.

Zum Thema Training und Nationalmannschaft zurück. Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon einmal geschrieben habe (falls ja, sage ich schon mal sorry!), aber es gab vor vielen Jahren mal eine heftige Diskussion zwischen Karl-Heinz Riedle, Rudi Assauer und mir. Auf Eurosport. Ich hatte dabei gewagt zu behaupten, dass früher, vor der Klinsmann-Ära beim DFB, nur „pille-palle“ bei der Nationalmannschaft trainiert wurde: kurz aufwärmen, ein kleines Spielchen, das war es. DFB-Kapitän Philipp Lahm hat es einst sogar in seinem Buch bestätigt, aber „Kalle“ Riedle protestierte ganz heftig („Wir haben früher auch hart trainiert, aber hallo.“) und nahm sich dazu Assauer als Beistand. Wobei der frühere Schalker Manager ja nie in der Nationalmannschaft gespielt hat. Aber das nur am Rande. Früher war das jedenfalls alles viel gemütlicher beim DFB. In etwa so, wie die 90 Trainings-Minuten gegen Kasachstan . . .

Zum HSV. Da hat „Scholle“ ja zuletzt viel über die Jugend berichtet. Und gestern ja auch mit Horst Hrubesch gesprochen. Dazu noch eine kleine Ergänzung: Am Montag, beim Oddset-Talk im Hotel „Le Royal Meridien“, war auch unser „Matz-abber“ „Eiche“ mit von der Partie (als Zuschauer), und er fragte Hrubesch nach der Talkrunde explizit zum HSV: „Kommen Sie noch einmal zum HSV zurück?“ Hrubesch antwortete nur kurz und knapp – und ehrlich: „Nein, nein, das ist vorbei.“ Weil das „Kopfball-Ungeheuer“ am 17. April 62 Jahre jung wird, dazu noch einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem DFB abschließen wird – und dann in den verdienten Ruhestand gehen will. Wer also – wie ich – immer noch darauf gehofft hatte, dass sich Horst Hrubesch eines (nahen) Tages für seinen HSV entscheiden würde, das kann sich nun jeder abschminken. Das Thema ist durch. Ich glaube, zu 100 Prozent.

Ganz nebenbei: Wer an diesem Wochenende ein wenig Zeit hat, der sollte sich einmal das Video vom Oddset-Talk ansehen. Es sind dort von den Talk-Gästen einige gute Sachen gesagt worden – und brisante dazu. Das Video ist hier am Dienstag reingestellt worden.

Ja, und dann gibt es noch einen Rückblick auf das vergangene Wochenende. Dazu gab es nämlich eine bemerkenswerte Mail eines „Matz-abbers“, die ich hier – verkürzt (und gelegentlich korrigiert) – einmal veröffentlichen möchte:

Ich sehe als Pflicht der hiesigen Journalisten, dass endlich einmal bei Thorsten Fink hinterfragt wird, warum die Aufstellungen so frühzeitig bekanntgegeben werden…?! in Einzelfällen einem Spieler das Vertrauen auszusprechen, mag ja noch hilfreich und aus Sicht des Trainers verständlich sein, aber was eine vorzeitige Festlegung des (Stamm-)Personals sowie der taktischen Ausrichtung angeht, hat doch diese Woche eindrucksvoll bewiesen: Nämlich, dass dies mehr als kontraproduktiv fürs eigene Team ist. Und dabei ist nur zweitrangig zu bewerten, dass der Gegner vorab alle Informationen frei Haus erhält und sich explizit auf Stärken / Schwächen des HSV vorbereiten kann.

Warum hat sich Beister denn hängen lassen? Was überhaupt nicht hinterfragt wurde, sondern einfach nur als (angebliches) Faktum dargestellt wurde. Er wusste – wie alle anderen Spieler und den Fans – schon vor (!) dem Oslo-Spiel bereits, dass er nicht in der Startelf gegen Augsburg stehen würde. das ist anhand der Interviews und kolportierten Worte Finks belegbar. Konkurrenzkampf…? Fehlanzeige…!

Warum hat Arslan denn so ein bescheidenes Spiel gemacht…?! Sicher, er hätte unbekümmert aufspielen können, aber eben genauso nicht, denn bis 45 Minuten vor Spielbeginn wusste TA nicht, dass er in der Startelf steht. Auch bei ihm war die Anspannung spätestens seit dem „Dienstag-Gebet” des Trainers weg. Er wusste ja, wie das Mittelfeld besetzt sein würde, zumal es in den vergangen Tagen / Wochen auch keine Anzeichen gab, dass er nunmehr spielen würde. Spätestens durch Sons Versetzung ins Mittelfeld war klar, dass er schon einmal gar nicht spielen (Stammelf) würde – zumal ja auch noch Skjelbred das Puffer dazwischen war…! Mental war TA somit sicher schon bei der U-21, aber nicht beim Gegner aus Augsburg.

Und nun soll mir keiner damit kommen, dass es „doch Profis” seien, die immer bereit sein müssten. Das hat nichts mit „Profitum” zu tun, sondern ist eine menschliche Regung, dass man nicht bei 100 Prozent ist, wenn einem tage- / wochenlang suggeriert wurde, nicht gebraucht zu werden…!!!

Zu Maximilian Beister habe ich schon genug geschrieben, dieses Thema hat sich für mich (vorerst jedenfalls) erledigt. Zu Tolgay Arslan werde ich gleich noch einmal etwas sagen, aber zunächst mal zur allgemeinen Problematik. Nämlich der früh veröffentlichten HSV-Mannschaftsaufstellung.

Um ganz ehrlich zu sein, überrascht es mich auch, dass sich Thorsten Fink meistens schon sehr, sehr früh in alle seine Karten gucken lässt. Vielleicht gab es da mal eine Ausnahme, nämlich vor dem Stuttgart-Spiel, als da doch noch etwas geheim geblieben ist, aber ansonsten ist der HSV-Coach schon sehr offen. Mir fehlt ein Beispiel zu ihm. Huub Stevens war genau das Gegenteil – so denke ich rückblickend. Und Armin Veh kam Fink schon am nächsten, der heutige Frankfurter Trainer war oft auch sehr ehrlich – zu ehrlich. Weil ich auch denke, dass es dem Gegner schon mal ganz gut tun würde, wenn er die HSV-Aufstellung erst mit der Hereingabe des Spielberichtsbogens (in die Kabine) erfährt.

Und für die eigenen Spieler, da liegt unser „Matz-abber“ schon ganz richtig, ist es natürlich auch viel besser, wenn die Spannung bis zum Freitag (vor einem Spiel am Sonnabend) erhalten bliebe – bis dann der Kader bekannt gegeben wird. Bei Felix Magath, so erinnere ich mich, geschah das freitags so, dass er den Kader an die Tafel in der Kabine schrieb. Und Ende. Keine Erklärungen an die Spieler, erst recht keine Erklärungen an die Presse-Vertreter. Und das ist nämlich auch ein Punkt: Die Pressevertreter wollen immer alles ganz genau wissen. Ganz genau. Und sie bohren dann auch so lange, bis ihnen die Aufstellung für das kommende Wochenende auf dem Tablett serviert wird. Vom Trainer. Und da auch Thorsten Fink eine ganz ehrliche Haut ist, legt er alle (fast alle) Geheimnisse offen.

Wobei eines auch zu beachten wäre: Spätestens im Abschluss-Spielchen, in dem sich dann die „gedachte“ Aufstellung einspielen soll, weiß jeder Spieler, was die Stunde geschlagen hat. Das passiert nicht selten auch schon donnerstags, sodass dann auch schon die „Spannung“ raus sein könnte.

Zusammenfassend denke ich aber, dass Thorsten Fink besser beraten wäre, wenn er die Aufstellung etwas länger für sich behalten würde. Auch wenn er dadurch vielleicht ein bisschen Ärger mit den Presse-Vertretern bekommen würde. Aber meinen Kollegen möchte ich diesbezüglich gerne zurufen: Früher war es ein Sport, mit seinen (ins Blaue getippten) HSV-Aufstellungen richtig zu liegen, da wurden auch die „Richtigen“ gezählt – und wenn man „gewonnen“ hatte, dann wurde es der Konkurrenz (-Zeitung) auch noch unter die Nase gehalten. Das war doch aber viel besser, als jetzt immer zu 100 Prozent richtig zu liegen – weil die Informationen ja zeitig und aus erster Hand kommen. Und, um ehrlich zu sein, mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Leser deshalb bei der Zeitung (und/oder dem Reporter) beschwert hat, weil vor dem Spiel in der Aufstellung noch Dennis Aogo stand, plötzlich aber Tomas Rincon auf dem Rasen stand. Oder liege ich da so falsch?

Zu Tolgay Arslan. Mir tut es weh, wenn ich – wie nach dem Augsburg-Spiel passiert – lesen muss, dass er deswegen so schwach spielt, weil er verunsichert ist, dass er Zweifel hat, dass er stets vom Schlechtesten ausgeht. Er hat es den Kollegen der Bild nach der 0:1-Niederlage offenbart. Es wird schon so sein, wie er sagt, aber dass er so stark verunsichert ist, dazu hätte es eigentlich nicht kommen dürfen. Arslan hat aber viel, viel Pech gehabt. Er kam auf der „Sechs“ was kaum einer für möglich gehalten hätte, ganz groß raus. Ich hielt es sogar für total unmöglich, aber Arslan hat stark gespielt und auf diesem ungewohnten Posten seinen Mann gestanden, alle überzeugt. Er galt als der Aufsteiger der Saison. Und mitten in sein Glück hinein verletzte sich Rafael van der Vaart, sodass Tolgay Arslan diesen Posten (des Niederländers) übernehmen musste. Und schon war die „Sechs“ weg. Bitter für ihn, viel Pech für ihn. Und wenn er dann, als van der Vaart wieder spielte, von der Bank ins Spiel kam, dann brachte er nicht annähernd mehr die guten und großartigen Leistungen, die er vorher gebracht hatte. Und dann geht es vielleicht noch zwei, drei Spiele gut (weil der Trainer Arslan auch nicht fallen lassen wollte – das war gut!), aber nicht viel länger. Dann ist „Mann“ draußen. Auch einer, der vorher (ein paar Wochen vorher) noch eine Stütze war. So schnell geht es eben – und das nicht nur im Profi-Fußball, aber eben auch dort . . .

Thorsten Fink wurde in dieser Woche zu Tolgay Arslan gefragt, speziell zu den Selbstzweifeln des Spielers. Der Trainer antwortete: „Ich finde das gut. Aber ich finde auch, dass er Selbstvertrauen haben könnte, denn er ist ein Super-Spieler, er hat einen Super-Schritt nach vorne im letzten Jahr gemacht. Und dann kam das, was oftmals einem jungen Spieler passiert, wenn er einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat, dann fällt er in ein kleines Loch. Wenn man dann meint, weil es einem vorher ja gut gegangen ist, etwas weniger machen zu können . . .“ Dann brach Thorsten Fink ab. Und fuhr nach zwei, drei Sekunden fort: „Anscheinend hat es Tolgay jetzt, das entnehme ich seinen Aussagen, kapiert, dass man mehr machen muss. Nach oben kommen ist einfach, aber man ist auch schnell wieder unten. Sich oben zu halten, das es sehr schwierig, und das muss er nun auch mitmachen. Das machen ja viele junge Spieler mit. Aber ich denke, deshalb werte ich seine Aussagen als positiv, er weiß jetzt, was er wieder besser machen muss. Er kann Selbstvertrauen haben, er ist ein guter Spieler – er hat uns in der Hinrunde weit nach vorne gebracht. Mit weit nach vorn gebracht.“

Thorsten Fink ergänzt noch: „Tolgay ist einer der jungen Leute, auf die ich in Zukunft baue, er ist einer der jungen Wilden, einer aus der Rasselbande, die ich in der Zukunft gerne hätte. Talente, die Selbstvertrauen haben, die aber trotz allem weiter an sich arbeiten. Tolgay gehört dazu.“ Fink dann in seinem Resümee: „Reden ist immer gut, machen ist aber immer besser.“

Das “Reden” war darauf bezogen, dass sich Tolgay Arslan ja in der Zeitung offenbart hatte.

Ein anderes Thema. “Scholle“ hatte es bei „Matz ab“ geschrieben, im Hamburger Abendblatt erschien es auch. Dass Michael Mancienne gesagt hat, dass der HSV unter die ersten vier Clubs der Bundesliga gehört. Dazu gab es einen Leserbrief, den ich auch noch gerne veröffentlichen möchte. Es schrieb Friedrich L. aus Hamburg:

Lieber Herr Mancienne, der HSV gehört genau dorthin wo er jetzt steht und eher noch
weiter ins Mittelfeld. Wer oben mitspielen will, muss nicht nur mental dazu in der Lage
sein, sondern auch spielerisch. Dazu gehört zum Beispiel in jedes Spiel mit der richtigen
Einstellung zu gehen und die Motivation nicht nur bei den Top Vereinen abzurufen. In jedem Zirkus wird täglich trainiert, auch montags! Die Artisten beim HSV halten dieses aber für nicht erforderlich. Um im oberen Viertel eine Rolle zu spielen bedarf es einer anderen Einstellung aller Verantwortlichen in allen Belangen. Ein Blick zu den europäischen Top
Vereinen um zu sehen wie dort gearbeitet wird, ist bestimmt hilfreich die Wünsche des
HSV und Fans zu befriedigen.

Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Jahren schon sehr viel geschrieben, deswegen lasse ich das nun einmal unkommentiert. Soll sich jeder das denken, was er möchte – und eventuell seine Lehren daraus ziehen.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf die ARD-Sendung „Beckmann“ zurückkommen. Da hatte Schiedsrichter Babak Rafati seine Angriffe gegen die Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug verteidigt: „Das sind keine Vorwürfe, sondern ich habe alles, was ich erlebt habe, im Detail beschrieben.“ Der 42-Jährige bekräftigte, dass er sich über längere Zeit von Herbert Fandel „menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend“ behandelt gefühlt habe – „man hat mich systematisch gemobbt.“

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter betont, dass er niemanden die Schuld an seinem Suizidversuch vor 16 Monaten gebe. „Ich sehe niemanden als Täter und mich selbst als Opfer. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es einfach darum, diese Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken. Was in dieser Nacht passiert ist, muss ich mir ganz allein zuschreiben. Diese Tat wollte ich mir antun – und niemand anders. Allerdings wolle er zeigen, „was passieren kann, wenn man mit Menschen so umgeht“, wie es Fandel getan habe, so Rafati.

Ich finde es jammerschade, dass es so gekommen ist, dass es nun diese Eskalation gibt. Alles höchst, höchst bedauerlich. Es war ein schwerer Fehler, dass Rafati dieses Buch schreiben musste. Er hätte schweigen sollen, in meinen Augen sogar schweigen müssen. Nun aber geht es weiter. Damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, dieses Buch, diese Anschuldigungen werden ein Nachspiel haben, davon bin ich restlos überzeugt. Mal abwarten, ob es auch so eintritt. Ich glaube aber nicht, dass sich das die Herren Fandel und Krug gefallen lassen werden. Wir werden sehen.

Ich habe hier schon geschrieben (und bekannt), dass ich mich mit Babak Rafati sehr gut verstanden habe. Grundsätzlich aber muss doch festgehalten werden: Rafati war in seinen letzten beiden Jahren als Schiedsrichter umstritten. Und er wurde, wie abartig das auch immer ist, zweimal von den BL-Profis zum schlechtesten Unparteiischen der Liga „gewählt“. Da ist es doch völlig klar und logisch, dass auch Männer wie Fandel und Krug, die Chefs von Rafati, einmal ein „ernstes Wort“ mit ihrem „Sorgenkind“ reden würden. Jeder Chef würde es mit seinem offensichtlich schwachen oder überforderten Angestellten machen. Und gegebenenfalls dann sogar die Reißleine ziehen. Aber das haben Fandel und Krug ja nicht mal gemacht . . .

Und dass Fandel folgenden Satz gesagt hat: „Babak, jeder kann sich Fehler erlauben, nur du nicht“, das war in der Schiedsrichterei allgemein bekannt. Es war aber nicht so gemeint, damit Rafati unter Druck zu setzen, sondern ihm zu vermitteln, dass er sich stets um bessere Leistungen bemühen solle – um nicht aus der Ersten Liga abzusteigen.

Babak Rafati, zu dem ich nach seinem Suizidversuch keinen Kontakt mehr hatte, sucht für sich ganz gewiss eine Erklärung für das Geschehene, aber dabei hat er in meinen Augen leider einen Irrweg eingeschlagen. Ich glaube eher, dass er mit dem ganzen Druck, der auf jedem BL-Schiedsrichter lastet, nicht (mehr) zurechtgekommen ist. Und damit meine ich nicht den Druck, der von Fandel und Krug ausging, sondern jenen Druck, der von der Öffentlichkeit (den Medien) und den Fans kommt und gemacht wird. Woche für Woche. Damit muss man erst einmal klarkommen. Erst recht dann, wenn man (höchst) sensibel ist – oder sogar auch krank. Ich hoffe nur, dass sich Babak Rafati, den ich als großartigen und humorvollen Menschen kennengelernt habe, noch besinnt, bevor es ganz zu spät ist. Obwohl es eigentlich schon viel zu spät ist . . .

PS: Ich kenne auch Herbert Fandel und Hellmut Krug persönlich, mit Krug bin ich (fast) befreundet, würde ich sagen. Das schreibe ich nicht, um damit anzugeben, sondern um zu sagen: Ich bin von diesen beiden Herren menschlich absolut überzeugt. Und man kann es mir glauben, dass ich auch ganz andere Charaktere in diesem Fußball-Geschäft kennengelernt habe, um die ich noch heute lieber einen ganz großen Bogen mache. Fandel und Krug gehören nicht zu dieser Kategorie, sie sind okay. Ich wurde das nach den Veröffentlichungen von Rafati von mehreren Freunden und Bekannten gefragt, wie ich Krug und Fandel einschätze, aber ich habe allen gesagt, dass ich an ihnen keine Seite oder Facette entdeckt habe, die mich zu dem Schluss kommen ließ: „Menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend.“

Natürlich, das will ich nicht verhehlen, wir haben uns stets nur privat unterhalten, und nicht von Schiedsrichter zu Schiedsrichter-Boss, aber kann man sich nicht auch so ein Bild von Menschen machen? Ich lasse nichts auf Krug und Fandel kommen – so wie ich vorher auch nichts auf Babak Rafati habe kommen lassen. Egal, wie oft mir Kollegen und Fans eingeredet hatten, wie schlecht der Mann aus Hannover doch pfeift. Das habe ich stets ausklammern können. Weil er in meinen Augen ein feiner Mensch, ein ganz netter Kerl war – vielleicht ja auch noch ist.

Aber ein Buch muss sich ja auch verkaufen . . .

18.29 Uhr

Westermann wird wohl spielen können

9. März 2013

Thorsten Fink ging zu Boden, verlor die Mütze vom Kopf – aber die Flanke brachte er noch zur Mitte. Aber nicht vor das Tor, sondern hinter den von Jaroslav Drobny gehüteten Kasten. Und schon lief der Gegenzug – der zum Tor führte. Heung Min Son war es, der das 5:4 markierte, das Siegtor für „Grün“. So geschehen heute beim Abschlussspielchen. Die letzte Szene der Partie, dann ging es in Richtung Kabine. Und da keine Zuschauer dabei waren, erlaubte ich mir einen Scherz. Neben mir standen die Kollegen von Bild und der Mopo (und „Papa“ Son im Hintergrund), und ich rief dem Trainer zu: „Der Fehler begann hier vorne rechts . . .“ Und da Fink ja Humor hat, blickte er zurück und hob den Daumen. Das sollte wohl Zustimmung signalisieren. Ein, zwei Minuten später, als der Coach in Richtung Kabine ging, sagte er dann: „Nicht dass es heißt, dass ein Fehlpass von Fink zur Niederlage geführt hat . . .“ Nein, Trainer, niemals. Und überhaupt, es war ja nur ein Scherz, dass der Fehler vorne rechts begonnen hatte. Wirklich nur ein Scherz.

Den man zum Glück ja mit Thorsten Fink machen darf. Da gab es schon andere HSV-Trainer, denen man mit einem solchen Zuruf nicht kommen durfte. Bei Willi Reimann zum Beispiel bin ich gleich zweimal vom Platz geflogen. Ernsthaft. Einmal deshalb, weil ich einen Ball zurückgeschossen hatte – genau in die Torschussübungen hinein. Das war natürlich auch ein Fauxpas. Und dann auch, weil wir (Journalisten) einmal zu laut lachte, als Stefan Schnoor von links flanken sollte, aber auch der 38. Versuch nicht in die Luft steigen wollte. Der Ball natürlich. Ich habe wohl am lautesten gelacht, ich musste deshalb gehen. Irgendwie auch verständlich, dieses Lachen war ja auch eher kontraproduktiv . . .

Und bei Thorsten Fink konnte ich deshalb nicht „fliegen“, weil er, wie geschrieben, erstens Humor hat, und weil ich zweitens außerhalb der Platzanlage stand. Übrigens, wer es noch nicht weiß: Der grüne Sichtschutz ist wieder verschwunden. Ob das aber auf Dauer gilt, wage ich zu bezweifeln, wie ich erfuhr, wird an einem neuen „gebastelt“. Der soll dann mit Werbung (Adidas) versehen werden. Schaun mer mal. Gegen den alten Sichtschutz hatten diverse Fans ja auch schon einige „Attentate“ verübt – das Grün war verbrannt worden und hatte wohl auch schon zu viele Löcher.

So, zurück zum Abschlusstraining. Die wichtigste Nachricht zuerst: Heiko Westermann hat bis zum Ende durchgehalten. Der Kapitän war lange vor den Kollegen mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Platz, um sich richtig warm zu machen. In der rechten Waden schmerzt ja nach wie vor ein Bluterguss. Westermann machte aber alles tapfer mit, obwohl er später zugab: „Schmerzfrei bin ich noch nicht. Aber ich habe heute auch keine Schmerztablette genommen . . .“ Diese Option hätte er ja morgen noch, wenn um 17.30 Uhr die Partie beim VfB Stuttgart angestoßen wird. Ich gehe mal davon aus, dass der Innenverteidiger dabei sein kann, er hat heute mit links und rechts geschossen – den weitesten Schuss allerdings mit links: Nach einem Gegentor drosch Westermann den Ball aus Wut und laut fluchend über den Zaun – so um 30, 40 Meter in die Botanik.

Während ich nun sage, dass ich Westermann morgen spielen sehe, bleibt Thorsten Fink noch skeptisch: „Das war ja heute kein hartes Training, man muss mal abwarten, wie sich die Beschwerden bis morgen entwickeln. Eines ist klar: Heiko wird nicht spielen, wenn er nicht bei 100 Prozent ist. 70 oder 80 Prozent sind zu wenig, dieses Risiko gehe ich nicht ein.“ Verständlich. Auch wenn Thorsten Fink den Kapitän natürlich viel lieber an Bord hätte. Ich auch, denn die Mannschaft dürfte seinen Verlust nicht so mir nichts dir nichts verkraften. Auch wenn das einige HSV-Fans (?) anders sehen – was mir immer total weh tut, das muss ich schon zugeben. Und auch heute, die diesem ja eigentlich belanglosen Trainingsspielchen, war Heiko Westermann hundertprozentig bei der Sache, er wollte dieses „Ding“ nicht verlieren. Hat er letztlich auch nicht, denn seine „Grünen“ gewannen ja 5:4 – trotz eines Eigentores von Slobodan Rajkovic.

Kurz noch einen ganz anderen Abstecher in Sachen Innenverteidiger: Bevor die Bundesliga begann, sah ich im FA-Cup die Viertelfinal-Partie Everton gegen Wigan. Der krasse Außenseiter Wigan gewann fast sensationell 3:0 – mit dem „HSVer“ Paul Scharner. Der Österreicher trug die Rückennummer 33, spielte mit Handschuhen – und bot eine gute Leistung. So jedenfalls hat er beim HSV in seinen Einsätzen nicht gespielt, aber er saß ja auch meistens nur auf der Tribüne. Entweder verletzt oder gesperrt.

Zurück in den Volkspark: Aus den Aufstellungen war allerdings nicht erkennbar, wie Fink morgen im Ländle spielen lassen will. Bei „Grün“ stand Drobny im Tor, davor spielten Dennis Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Petr Jiracek, Tomas Rincon, Maximilian Beister, Son und Co-Trainer Heinemann. Das erste Tor für diese Formation erzielte übrigens Diekmeier. Ein gutes Omen? Oh, da hätte ich noch etwas, das passt zu diesem Thema: Es schneite ja unaufhörlich, aber von den drei Trainingsplätzen waren zwei grün – dank der Rasenheizung. Da es aber dunkel war, wurde das Flutlicht eingeschaltet. Und bitterkalt war es. Richtig schön kalt – durch den Ostwind. So kalt, dass Dennis Aogo eine lange Trainingshose trug. Meistens, zu 98 Prozent, würde ich mal sagen, versucht sich Aogo mit kurzer Hose, aber heute nicht. Und beim Gang in die Kabine sprach ich ihn darauf an. Und seine Antwort: „Vor dem Werder-Spiel Ende Januar trug ich auch lang, und dann habe ich mein erstes Bundesliga-Tor für den HSV erzielt . . .“ Dann lief er die Treppen hoch und schrie seine Hoffnung und auch seine Entschlossenheit in Richtung menschenleeres Stadion: „Und morgen mache ich mein zweites . . .“
Ich hätte nichts dagegen. Wirklich nicht – hau rein, Dennis!
Gilt auch für Diekmeier.
Obwohl ich auch, und zwar schon seit Tagen, ein sehr gutes Tor-Gefühl bei (und für) Rafael van der Vaart habe. Warum auch immer, aber ich glaube, dass er morgen treffen wird.

Überrascht war ich, wie Jaroslav Drobny trainierte. Nämlich ohne jede Einschränkung. Er schoss gelegentlich (gemeinsam mit Torwart-Trainer Ronny Teuber) auf das Tor von Rene Adler, und da ist irgendwie dann doch ein medizinisches Wunder. Drobny soll doch etwas in der Wade gerissen sein . . . Komisch. Diese dubiose Verletzung. Auf jeden Fall trainierte der Tscheche ohne jegliches Anzeichen von einem Schmerz.

Bleibt nur die Frage, wie der HSV morgen in Stuttgart spielen wird? Ich tippe mal auf folgende Mannschaft:

Adler; Diekmeier, Westermann, Rajokovic, Jansen; Rincon, Badelj; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Rudnevs. Letzterer machte auch mich auch heute nicht den Eindruck, als würde er sich zurzeit in Bestform befinden, aber das kann er ja morgen doch etwas korrigieren. Der „gute Rudi“ hatte auf jeden Fall heute noch eine Schrecksekunde zu überstehen, denn er wurde von Co-Trainer Heinemann von den Beinen geholt. Das tat weh. Aber als Heinemann den Schopf des Letten tätschelte, da ging es nach einem kurzen Humpeln dann doch weiter.

Offen sind bis zum Anpfiff noch zwei Personalien beim HSV:
Wer ist der zweite Innenverteidiger neben Westermann? Ich tendiere zu Rajkovic, der heute ja auch in der zusammengewürfelten Mannschaft neben dem Kapitän verteidigte. Und so wirklich für einen Einsatz aufgedrängt hat sich Jeffrey Bruma heute auch wieder nicht, obwohl er keinen großen Fehler beging. Ich bin aber immer noch und immer wieder davon überzeugt, dass Bruma mehr könnte – bei etwas mehr Engagement. Aber jeder so, wie er es will . . .

Und dann die Sache mit dem Angriff. Nur Rudnevs – und dahinter der lauernde Rafael van der Vaart? Ich denke, dass es so kommen wird, aber Fink ließ sich das noch offen. Der Trainer hat noch eine Alternative im Kopf: Auf der Sechs nur Tomas Rincon, Milan Badelj nur Ersatz – und vorne das bewährte Duo Rudnevs/Son. Denn Fink sagte: „Son hat heute sehr gut trainiert.“ Stimmt. Er wirkte im Schnee quirlig, schnell – und treffsicher. Aber er könnte eventuell ja auch noch als Joker kommen. Und wo ich gerade bei Lob bin: Gojko Kacar hat mir auch heute wieder gefallen. Er ist ja aber auch im Kader. Wenn auch nicht mit so großen Einsatzchancen, da müsste schon sehr viel passieren.

Noch einmal zurück zum (fehlenden) Sichtschutz. Wir diskutierten darüber heute auch mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Erschlug in jene Kerbe, in die auch in der Woche schon Werder-Trainer Thomas Schaaf geschlagen hatte: „Man kann ja nichts unbeobachtet machen. Keine Standards trainieren, keine Aufstellung verheimlichen. Immer sind die Fans und die Journalisten dabei. Ich kann alle Trainer verstehen, wenn sie sich darüber beklagen . . .“ Ich auch irgendwie. Aber wie soll das Problem gelöst werden?

Die Nationalmannschaft trainiert ja schon seit Jahren (gelegentlich) unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dieser Trend hat sich in der Bundesliga noch nicht so richtig durchgesetzt. Obwohl der DFB, wenn er etwas vorgibt oder vorlebt, ansonsten immer „erhört“ wird. Ich denke, dass sich in der neuen Saison etwas beim FC Bayern tun wird, denn dort hat der neue Trainer Pep Guardiola schon angekündigt, dass er das öffentliche Training nicht so sonderlich liebt. Und auch die Einzelgespräche mit Journalisten, aber das ist noch ein anderes Thema. In England wird schon lange ohne Fans trainiert, und in Italien – so glaube ich – auch. Ich war einst, 1990, nach dem Wechsel von Thomas Doll vom HSV zu Lazio Rom, beim Training der Römer (damals unter dem großen Dino Zoff), hätte aber nie Zutritt zum Trainingsgelände erhalten, wenn ich mich nicht vorher für das Training (!) hätte akkreditieren lassen. Ich kam dann rauf auf das Lazio-Gelände, aber durfte nur von einem ganz kleinen Haus (mit nur zwei kleinen Fenstern) aus zusehen – mit den italienischen Kollegen. Und von diesem Haus war dann auch nicht alles zu sehen. Wenn Zoff wollte, trainierte er „um die Ecke“ – und wir machten Nase.
Ich glaube ja, dass das demnächst auch in Deutschland so sein wird. Ich will da nichts beschreien, aber der Trend geht zum Ausschluss. Von allen. Deswegen mein Rat an alle Fans (und die Kollegen): genießt noch diese paradiesischen Zustände, sie werden bald der Vergangenheit angehören.

Aber zunächst mal ist Bundesliga-Alltag. Und beim Spiel in Stuttgart können alle dabei sein, die wollen, die Partie ist noch nicht ausverkauft.

Und wer nicht ins Stadion geht (gehen kann), der wird eventuell vor dem Fernseher sitzen. Und hinterher vor dem Computer – wenn „Matz ab live“ erstmalig aus unserer „neuen Heimat“, dem Block House Eidelstedt, gesendet wird. „Scholle“ und ich haben dann Hamburg seine Perle zu Gast, nämlich Lotto King Karl, und das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Ich freue mich darauf – und freue mich auch, wenn ihr wieder zusehen werdet. Wobei ich gerade in der nun abgelaufenen Woche drei HSV-Fans aus dem Süden der Republik getroffen habe, die uns für das „Matz ab live“ sehr gelobt haben. Danke dafür. Ich kann mich erinnern, als wir im August 2009 mit „Matz ab“ starteten, dass viele HSV-Fans darum baten, eine HSV-Talkrunde einzuführen. Weil beim „Doppelpass“ von Sport 1 ja meistens und zu viel über den FC Bayern gesprochen wird. Nun haben wir diese Runde – sogar nach jedem Spiel, und deswegen würden wir uns freuen, wenn dieses „Ding“ immer mehr Beachtung finden würde.

Ein schönes Wochenende für euch – und ein erfolgreiches Wochenende für den HSV. Wobei die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso heute schon gespielt und wieder einmal verspielt hat. 1:3-Heimniederlage gegen Cloppenburg. Das ist schon tragisch. Der HSV II steht nun sogar auf einem direkten Abstiegsplatz, weil der SC Victoria gegen Neumünster gewonnen hat. In Neumünster hatte zuletzt der HSV II verloren . . .
Aber wäre es wirklich so dramatisch, wenn die Zweite des HSV absteigen würde? Ich kann das nicht wirklich sehen. Aber vielleicht habt ihr da ja die besseren Argumente.

17.31 Uhr

Rudnevs Spitze – van der Vaart dahinter

8. März 2013

Sonntags tippe ich für „Die Woche“, das ist eine Extra-Beilage im Hamburger Abendblatt, schon immer den nächsten Bundesliga-Spieltag. Einmal hatte ich so schon von neun Spielen acht Mal die Tendenzen richtig. Am vergangenen Wochenende von neun Begegnungen sieben. Immerhin. Und am vergangenen Sonntag habe ich mich dazu hinreißen lassen, bei Stuttgart gegen den HSV einen 1:0-Sieg für die Schwaben vorher zu sagen. Schande. Und Asche über mich. Irgendwie hatte ich nach dem 1:1 gegen Fürth das Zutrauen in die Hamburger Truppe verloren. Nun aber sah ich den VfB Stuttgart gegen Lazio Rom. 0:2, für die, die es noch nicht wissen, haben die Herren aus dem Ländle verloren. Und nun würde ich meinen Tipp vom Sonntag gerne noch einmal ändern – aber das geht aus technischen Gründen nicht. Das ist, so nennt man dieses Produkt („Die Woche“), ein Vorandruck. Und dieser Vorandruck ist nun schon, wie der Name es schon sagt, an diesem Freitag gedruckt. Natürlich mit meinem Tipp: VfB Stuttgart – HSV 1:0. Jetzt aber würde ich anders tippen. Weil ich davon überzeugt bin, dass der HSV am Neckar nicht verlieren wird. Ich denke sogar an einen 2:1-Sieg für die Finken – aber leider steht diese dumme 0:1-Niederlage in der HA-Beilage.

Warum ich jetzt anders tippen würde? Nicht deshalb, weil der HSV über Nacht wieder zur alten (Dortmunder) Stärke erwacht ist. Sondern vielmehr deshalb, weil Stuttgart gegen die Italiener ja so schwach war. Um Gottes Willen, was war das denn für eine Vorstellung? Wenn ich allein dieses eine Tor zum 0:2 sehe: Da läuft der Römer Onazi (in Wahrheit ein Nigerianer) von der Mittellinie los – und alle Schwaben gehen ihm freundlich aus dem Weg. Der Höhepunkt war der 2,50-Meter-Innenverteidiger Rüdiger, der die Hände wie beim Eislaufen auf dem Rücken hatte, artig zur Seite ging, anstatt sich in den Weg zu stellen. So etwas habe ich noch nie gesehen, bestimmt noch nie – erst recht nicht im internationalen Fußball. Deswegen: HSV-Sieg. Auch wenn ich weiß, dass VfB-Torjäger Ibisevic diesmal wegen einer Sperre nur zugesehen hat – aber ein guter Mann rettet diese harmlosen Stuttgarter auch nicht mehr. Wobei ich doch stark hoffe, dass dieses VfB-Trainer-Team noch einmal (und wenn es ein letztes Mal ist) auf Sakai hinten rechts bauen wird. Der Japaner spielt, wann immer ich ihn sehe, allerhöchstens Zweitliga-Niveau. Und als er gestern nach der Achtelfinal-Hinspielniederlage noch lange so kurz vor 21 Uhr allein und nachdenklich auf der verwaisten Spielerbank saß, da hat er sicherlich auch gegrübelt, warum er sich Fußball-Profi als Beruf ausgewählt hat . . .

Pech hatten die Stuttgarter allerdings in der Szene, als Debütant Alexandru Maxim den Ellenbogen des Römers Hernanes mit Wucht auf die Nase bekam. Es gab in der 38. Minute nur Gelb statt der überfälligen Roten Karte für den Übeltäter, und Maxim erlitt einen Nasenbeinbruch sowie eine Gehirnerschütterung. Da lag Schiedsrichter Tudor (Rumänien), der ansonsten recht gut gepfiffen hat, leider gründlich daneben.

Aber mal abgesehen von dieser Szene: Der VfB hatte in meinen Augen nur eine ganz starke Szene, als Okazaki mit einem fantastischen Flugkopfball (wie einst Uwe Seeler) an Lazio-Torwart Marchetti scheiterte. Wie der Keeper den gehalten hat, weiß er wahrscheinlich selbst nicht. Ansonsten boten die Schwaben nur biederes Mittelmaß – so spielt ein Tabellenelfter. Deswegen noch einmal: HSV-Sieg. Obwohl mir heute ein (Hamburger) Kollege eine Wette anbot, dass es wieder eine HSV-Niederlage geben wird. Ich habe aber abgelehnt. Ganz so weit ist die Überzeugung dann doch noch nicht gediehen . . . Aber noch einmal muss ich sagen: Wir reden ja schon seit Wochen davon, dass der HSV noch nicht das Zeug für die Europa League hätte. Aber der VfB? Und der ist immerhin noch der letzte deutsche Vertreter in diesem Wettbewerb.

Zum heutigen Training, das bei eisiger Kälte (weil der Wind aus dem Osten so penetrant pfiff?) stattfand – und mit einigen Regentröpfchen. Ich bin zuletzt in meinen Wagen gekrochen . . . Von dort aus aber habe ich alles gesehen. Bei der Torschuss-Übung gefiel mir Heung Min Son am besten, der Südkoreaner traf und traf und traf. Und jubelte auch am meisten und lautesten. Wie ei Lausbub. Da kam Freude (am Rand) auf. Die meisten anderen Schützen hatte meiner Meinung nach viel zu viele Fahrkarten dabei. Besonders dann, wenn mit dem „verkehrten“ Fuß geschossen werden musste. Erstaunt war ich dabei am meisten von Dennis Diekmeier, der – so sehe ich das rückblickend – quasi ohne linken Fuß ein richtig guter Bundesliga-Spieler geworden ist. Wenn ich da so an Heung Min Son denke, der einst nur mit einem rechten Fuß nach Hamburg gekommen ist, heute aber mit links einen präzisen Hammer nach dem anderen loslässt – alle Achtung. Das wäre vielleicht auch mal ein Fall für „Papa“ Diekmeier, denn Sons linke Klebe hat ja wohl größtenteils „Papa“ Son in Fleiß-, Freizeit- und Schwarz-Arbeit ausgebildet.

Nicht mit an Bord war im heutigen Training – erwartungsgemäß – Heiko Westermann. Er wird an diesem Abend noch einmal „verarztet“ und will dann morgen im Abschlusstraining (nicht öffentlich!) dabei sein. Er hofft, wie er selbst sagt, dass es gehen wird – er weiß es aber noch nicht. Ansonsten heißt das Innenverteidiger-Duo Slobodan Rajkovic und Jeffrey Bruma. Letzterer hatte heute nach dem offiziellen Trainingsschluss noch eine „Privat-Audienz“ bei Co-Trainer Frank Heinemann: Kopfball aus dem Lauf heraus. Auch Michael Mancienne war heute auf dem Platz zu sehen, aber er nahm noch nicht am Mannschaftstraining teil, ging auch früh in die Kabine. Das dauert noch. Und ich gebe zu, dass ich zu Saisonbeginn nie im Traum daran gedacht hätte, dass ich den Engländer eines Tages (und in dieser Spielzeit) mal vermissen würde. Aber ich vermisse ihn jetzt schon. Weil er im Zusammenspiel mit Westermann doch der beste Innenverteidiger des HSV ist – Bruma und Rajkovic kommen da (noch) nicht ran. Und dabei denke ich auch an das Trainingsspielchen, in dem mir Rene Adler viel zu viele Tore von den Reservisten eingefangen hat.

Apropos Trainingsspielchen. Dennis Aogo gefiel mir heute besonders gut, er sprühte vor Spiellaune – und schoss mit rechts das erste Tor in diesem Kick. Das sah richtig gut – und vielversprechend aus. Eine Überraschung hatte es in Sachen Aufstellung gegeben, denn Son sowie Maximilian Beister (schoss ein besonders schönes Tor mit der Hacke!) spielten gegen das A-Team. Und in diesem A-Team stürmte – neben der Spitze Artjoms Rudnevs – auch Rafael van der Vaart – als „verkappte“ (?) Spitze. Rechts spielte Per Ciljan Skjelbred, links Dennis Aogo, und auf der „Doppel-Sechs“ gab das Duo Tomas Rincon und Milan Badelj seinen Einstand. So könnte es auch am Sonntag aussehen, ich denke sogar, so wird es am Sonntag aussehen.

Unterdessen hat Trainer Thorsten Fink schon angekündigt, dass zum nächsten Heimspiel (gegen den FC Augsburg) wieder zwei HSV-Stürmer auf dem Rasen stehen werden. Oder besser: zwei HSV-Stürmer werden stürmen.

Kurz noch zum HSV-Gegner vom Sonntag und damit zum VfB-Coach. Mit Bruno Labbadia sprach heute Marcus „Scholle“ Scholz. Der ehemalige HSV-Trainer sagte ihm über seine Hamburger Phase: „Es war definitiv eine prägende Zeit für mich als Trainer. Es war meine erste Entlassung. Leider haben damals einige wichtige Leute im Verein die Nerven verloren, sonst wären wir noch ins Europa-League-Finale eingezogen. Es war sehr schade. Wir waren auf einem sehr guten Weg.“

Labbadia fühlte sich beim HSV oft allein gelassen: „Das war in Hamburg sicher ein Problem. Ich konnte mich damals als Trainer nicht immer gegen alles wehren, was von außen kam. Und es wurde viel hereingetragen. Ich konnte aber nicht laut sagen, was gesagt werden musste, weil ich sonst in einen Konflikt mit der Mannschaft geraten wäre. In solchen Fällen ist es gut, wenn man jemanden an seiner Seite hat. Einen Manager, der genau das sagt. Doch gerade in Hamburg wurden viele Dinge falsch dargestellt. Da hätte man mich verteidigen müssen. Ein Manager wäre damals sicher wichtig gewesen.“ Dietmar Beiersdorfer aber war gerade gegangen . . .

Zurück zum heutigen HSV-Training. Von den Reservisten gefiel mir an diesem Freitag Petr Jiracek am besten, der Tscheche wirkte unternehmungslustig und ballsicher – dazu auch schnell in seinen Aktionen. Er kommt. Da fehlt nicht mehr so viel. Einige gute Szenen hatte für mich auch Gojko Kacar, der mir positiv auffiel. Und gelegentlich hatte auch Marcus Berg einige vielversprechende Aktionen – um dann doch wieder beim nächsten oder übernächsten Mal einen kleinen Stockfehler zu produzieren. Dabei denke ich, wenn Berg mal so etwas wie Konstanz in sein Spiel bekäme, dann könnte er vielleicht doch noch einmal kommen, denn der Schwede macht auf mich zurzeit einen restlos fitten Eindruck.

Und ein Norweger wird – wieder einmal – zum Einsatz kommen: Skjelbred. Rein, raus, rein, raus, rein, raus – das ist sein Schicksal. Konstant ist bei ihm eigentlich nur, dass er die Achterbahnfahrt des HSV hautnah und wohl so wie keiner seiner Kollegen vorlebt. Mal ist er drin, mal ist er draußen, das geht ganz ratz-fatz. Und er sagt dazu lächelnd und verständnisvoll: „So ist das Leben.“ Um dann anzufügen: „Natürlich will ich immer spielen, aber wichtig ist, was für die Mannschaft gut ist. Erst kommt die Mannschaft, nur sie ist wichtig. Ich denke von Woche zu Woche.“ Und von Spiel zu Spiel. Träumt dabei davon, mal ein Tor zu schießen. Das tat er heute im Training – und die Freude darüber war bei ihm ebenso groß wie die gewöhnlich von Son. „Ich muss versuchen, häufiger in die Box zu kommen“, sagt Skjelbred. Doch bislang war er noch nicht so oft im gegnerischen Strafraum zu finden.

So könnte der HSV am Sonntag spielen – wobei ich eher nicht mit Westermann rechne:
Adler; Diekmeier, Bruma, Rajkovic, Jansen; Rincon, Badelj; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Rudnevs.
Schiedsrichter ist Christian Dingert (Lebecksmühle).

17.54 Uhr

Alle wollten sich auf van der Vaart stürzen . . .

2. Januar 2013

Sie wurden ja noch einmal gefordert, die HSV-Profis. Vor der Abreise nach Abu Dhabi am Mittag wurde noch zu einer Einheit in den Volkspark gebeten. Etwas vor der Zeit wurde begonnen, und dann über eineinhalb Stunden geackert. Keine Kondition gebolzt, nein, das nicht, es wurde vielmehr die gepflegte Ballschule geübt. Und zum Abschluss noch ein Spielchen über etwas weniger als ein Viertel des Platzes. Auffällig dabei: Dennis Aogo bezwang Rene Adler mit einem satten Rechtsschuss (!), Tomas Rincon traf – unglaublich – mit einem echten „Hammer“ ins Tor (und zeigte danach jedem die Faust!), Gojko Kacar trainierte und bemühte sich, als ging es für ihn noch um einen Stammplatz in Hamburg, und kurz vor Ende des Spiels lieferten sich noch Michael Mancienne und Artjoms Rudnevs ein ganz heißes Duell, bei dem am Ende beide kurzzeitig am Boden lagen. Mancienne allerdings hielt sich etwas länger die Stöcker . . . Letztlich aber ging es auch bei ihm weiter.


Kurz noch eine kleine Personalie am Rande: Marcell Jansen trainierte lange Zeit mit den Kollegen (als es um die Ballschule ging), dann wurde er „ausgegliedert“ und trainierte mit Fink-Assistent Frank Heinemann separat. In meinen Augen nur eine Vorsichtsmaßnahme, weil Jansens letzte Verletzung noch nicht ganz so lange her ist – sicher ist sicher. Der ehemalige Nationalspieler wirkte danach völlig zufrieden, gab viele Autogramme und lächelte oft in die Fotoapparate der Fans hinein. Ist also alles bestens mit ihm.

Trainings-Kiebitze waren an diesem Mittwoch natürlich wieder jede Menge vor Ort, aber Kamerateams, so schien es, waren doch leicht in der Überzahl! Der Kollege der Mopo hatte letztlich zehn gezählt, für mich waren es gefühlte 30. Und alle – fast alle – wollten sich nach dem Training natürlich und selbstverständlich auf Rafael van der Vaart stürzen. Aber der wollte nichts sagen. Und er sagte auch nichts, wurde zudem gut und bestens vom Sicherheitsdienst abgeschirmt – sicher ist auch in diesem Fall sicher. Falls dann einer doch mal dabei ist, der Sylvie eventuell mal rächen wollte . . .

Ja, das Thema van der Vaart war natürlich der Hammer an diesem 2. Januar. Ich sage dazu etwas auf Video, schreiben möchte ich dazu eigentlich nichts – was hat eine Ehekrise oder eine mögliche Scheidung schon mit Fußball zu tun? Nichts. In meinen Augen. Ich finde es allerdings schon höchst bedauerlich, dass ein solches Thema nur Stunden danach in fast allen Zeitungen auf der Seite eins steht – und so breit getreten wird. Kein Kommentar – das wäre wohl das Beste in einem solchen Fall, aber ich bin auch nicht prominent, weiß deshalb nicht, ob man da nicht mit den Medien MITspielen muss? Schön finde ich es trotz allem nicht, aber es ist wohl so, dass der Bürger Otto Normalverbraucher wohl doch alles sehr, sehr genau wissen muss, was bei den Promis so los ist. Ich kann nur hoffen, dass sich niemand daran ein Vorbild nimmt, seine Frau zu schlagen – so etwas geht nämlich gar nicht. Egal – unter welchen Umständen auch immer, egal, was es vorher für Provokationen gegeben haben könnte – eine Frau schlagen geht gar nicht. Das weiß die „ewige 23“, die sich diesmal leider nicht wie ein “kleiner Engel” benommen hat, ganz sicher selbst – und wird sich deshalb auch schön schämen.

Bei der Gelegenheit: „Scholle“ (und damit auch ich) wusste schon Anfang Dezember, dass es zur Trennung kommen würde, oder dass die Trennung sogar schon beschlossene Sache ist. „Scholle“ sprach deshalb mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der aber nicht groß auf diese Sache eingehen wollte. Und da auch „Scholle“ davon überzeugt war und ist, dass eine solche Sache eher eine Privatangelegenheit ist, hat er nichts weiter davon gemacht. Und das war auch gut so.
In diesem Zusammenhang aber ist es schon erschreckend, was es plötzlich für viele (und schlimme) Gerüchte gibt. Ich glaube ja, dass sich diese Ehekrise noch etwas hinziehen wird – und dass uns auch noch einige pikante Einzelheiten noch auf dem Präsentierteller gelegt werden. Ich hoffe es für beide van der Vaarts eigentlich nicht, aber bei diesem Hype wird es wohl nicht anders gehen – es droht uns ein Fortsetzungs-Roman. Wie gut, dass „Raffa“ nun erst einmal in Abu Dhabi trainieren muss . . .

Bei den vielen Mails und Anrufen, die ich in diesem Zusammenhang erhielt, wurde überwiegend eine Frage zum Schluss gesetzt: „Vermutest du, dass sich das alles auch auf den HSV abfärben könnte, dass deshalb nun wieder Unruhe herrscht – und die Leistungen der Mannschaft auch wieder schlechter werden?“ Sogar das Wort „Abstieg“ wurde einige Male mit einbezogen. Ich sage: nein! Ganz klar nein. So weit wird es nicht kommen. Wir werden es aber erleben – so oder so.

Ansonsten fliegt die Mannschaft zurzeit der Sonne entgegen, es hat personell keine Veränderungen im Kader gegeben. Robert Tesche hat heute noch einmal mit der Mannschaft trainiert (wollte danach aber nicht mit den Medien-Vertretern reden), wird sich in den nächsten Tagen dann bei der Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso fit halten. Und sich wohl parallel dazu nach einem neuen Verein umsehen (müssen). Auch wenn sei Berater darüber weniger erbaut ist. Aber so ist das Leben in der Marsch. Das ist eine Schattenseite des Profi-Fußballs. Wobei es in den meisten Kommentaren hier ja auch schon durchgeklungen ist: Tesches Vertrag wurde erst noch verlängert, das allein hätte nie und nimmer passieren dürfen, das war eine absolute Fehlleistung. Und diese will der Klub nun mit dieser Maßnahme (der Nicht-Berücksichtigung für das Trainingslager) noch schnell ein wenig korrigieren. Ich sehe aber immer noch das blanke Entsetzten meiner Kollegen vor Augen, als sie damals erfuhren, dass mit Tesche – völlig überraschend – verlängert wurde. Und die meistgestellten Fragen waren die: „Warum? Wieso war das nun nötig? Haben die keine Augen im Kopf . . ?“ Okay, das ist nun Geschichte, der HSV blickt nach vorne – und wir sollten es nun auch tun. Tom Mickel ist weg, Gojko Kacar fast, wenn dazu noch Tesche und auch noch Marcus Berg kämen, dann hätte der HSV schon mal eine (kleine?) finanzielle Belastung weniger an der Backe.
Dass Tesche schon einmal kurz vor einem Wechsel zu Hannover 96 stand, das ist wahr. Viel hat damals nicht gefehlt. Wenn ich mich aber richtig erinnere (ihr könnt mir auf die Sprünge helfen), dann war es Michael Oenning, der sich dafür einsetzte, dass Tesche doch in Hamburg blieb. Oder es war Armin Veh, der keinen Spieler mehr abgeben wollte – und Oenning war der große Befürworter, dass Tesches Vertrag verlängert wurde. So war es, meine ich. Denn Oenning setzte in seiner kurzen Ära ja als fast erster HSV-Trainer “voll” auf Tesche. Ohne allerdings dafür belohnt worden zu sein – mit guten Leistungen.

Und gleich noch einmal Hannover 96. Bei Kacar sieht es nun ganz nach einem Wechsel zu den Niedersachsen aus. Die Agentur schrieb dazu heute:

(dpa/lni) – HSV-Sportchef Frank Arnesen rechnet beim geplanten Transfer des Mittelfeldspielers Gojko Kacar von Hamburg zu Hannover 96 mit einer schnellen Entscheidung. Innerhalb von 48 Stunden soll laut Arnesen Klarheit herrschen. „Wir reden noch und müssen sehen, dass wir klarkommen“, sagte der Sportchef der Hamburger am Mittwoch vor dem Abflug ins Trainingslager: „Positiv ist, dass alle drei Seiten wollen.“ Der 25 Jahre alte Serbe war im Sommer 2010 aus Berlin zum HSV gewechselt.

Der serbische Nationalspieler selber hatte über den Transfer nach Hannover gesagt: „Die Sache würde ich gerne machen.“ Der defensive Mittelfeldakteur reiste wie Robert Tesche nicht mit ins HSV-Trainingslager nach Abu Dhabi.

„Wir sind im Gespräch“, sagte 96-Manager Jörg Schmadtke zu einem möglichen Wechsel von Kacar. Der von Hertha BSC gekommene Profi, der nach einem Knöchelbruch wieder fit ist, konnte sich in Hamburg nicht durchsetzen. Der klamme (und große) HSV muss im Winter über Ablösesummen und eingesparte Gehälter 6,4 Millionen Euro erwirtschaften.

Gojko Kacar sagte dem Sky-Kollegen heute in unserem Beisein: „Ich muss mit Hannover noch etwas abklären, und das wird in den nächsten Tagen geschehen. Hannover ist ein Super-Verein, es gefällt mir, dass sich ein solcher Verein für mich interessiert. Ich würde dort gerne spielen. Jetzt werde ich meinen Kopf freimachen, damit ich die richtige Entscheidung treffen kann.“ Hannover 96 fliegt am 5. Januar ins Trainingslager, der Wechsel, so sagen es alle Beteiligten, wäre also bis zum 4. Januar äußerst sinnvoll, denn dann könnte Gojko Kacar mit dem „kleinen“ HSV mitfliegen.

Auch in Sachen Marcus Berg gibt es ein wenig Bewegung. Der Schwede hat dem HSV signalisiert, dass er dann einem Wechsel nach Spanien zustimmen würde, wenn der richtige Verein käme. Ich glaube, dass mit „richtiger Verein“ nicht unbedingt Real Madrid oder der FC Barcelona gemeint sind. Aber angeblich soll es ja über Berater doch ein, zwei oder gar drei lockere Interessenten aus Spanien für Berg geben – und das klingt doch gut. Oder auf jeden Fall ausbaufähig . . .

Und noch eine Personalie könnte sich noch ergeben, vielleicht aber erst nach der Rückkehr der Mannschaft aus dem Trainingslager: Jeffey Bruma möchte wohl weg aus Hamburg, das hat er Frank Arnesen auch mitgeteilt. Wohl noch einmal, und wohl noch einmal ein bisschen vordinglicher als die Male zuvor. Aus den Niederlanden soll sich ja auch noch etwas tun (können), wie zu hören war, deshalb glaube ich daran, dass sich auch da noch etwas tun wird. Obwohl Arnesen sagt: „Wir werden da nicht leichtfertig handeln, denn Jeffrey ist rechts der erste Mann hinter Dennis Diekmeier, und auch in der Innenverteidigung könnte er sehr wohl einmal benötigt werden, falls es dort personelle Engpässe geben sollte. Jeffrey ist ja eng dran, es ist nur sein Pech, dass die Männer, die vor ihm sind, konstant gut spielen.“

Und dieses Problem wird, wenn er denn bleiben sollte, nicht nur ein Jeffrey Bruma haben. Wenn ich so an das „dichtbevölkerte“ Mittelfeld denke, dann könnte es dort noch viel enger werden – und auch den einen oder anderen noch etwas prominenteren Kollegen mit einem kurzfristigen oder auch längerfristigen Bankdasein treffen. Da muss nur schnell mal ein jeder bis vier zählen . . .

So, nun warte ich zunächst einmal die Landung des HSV in Abu Dhabi ab (ich weiß, zuerst in Dubai!), dann geht es weiter. Der HA-Kollege Kai Schiller ist mit der Mannschaft vor Ort und wird mir berichten.

Ganz kurz noch zum Thema Schiedsrichter, zu dem ich um „Toleranz“ gebeten hatte. Was mir natürlich – ich hatte es nicht anders erwartet – sofort um die Ohren flog. Günter Perl ist hier das Stichwort. Ich gebe ja auch zu, dass ich da (in diesem Punkt) ein wenig über das Ziel hinaus geschossen bin, aber ich glaube, dass ich bislang in dieser Saison nur sehr, sehr wenig an den Schiedsrichter herumgemäkelt habe. Sogar an Perl nur ganz wenig, wenn ich mich auch da richtig erinnere. Und ansonsten gibt es noch zwei Punkte zu diesem Thema zu sagen: Erstens gab es in der Hinrunde, bis auf den Kollegen Wolfgang Stark (beim Spiel in Frankfurt, als Petr Jiracek die lächerlichste und überflüssigste Rote Karte der letzten zehn Jahre sah), überwiegend gute oder auf jeden Fall ordentliche Leistungen des 23. Mannes, und zweitens habe ich mir vorgenommen, tatsächlich mit (viel) mehr Nachsicht über die Herren „Schwarzkittel“ zu schreiben und zu urteilen. Was mir bislang eigentlich ganz gut gelungen, was bislang aber nicht bei allen meinen Kollegen auf viel Verständnis gestoßen ist. Einige Kollegen sehen die Unparteiischen nämlich sehr viel schlechter als ich . . .
Vielleicht können wir uns ja auf folgende Formel einigen: Ich werde nachsichtiger mit den Herren umgehen – und ihr dann auch. Wäre das ein guter Kompromiss? Ich bin dabei.

18.09 Uhr

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