Archiv für das Tag 'Harnik'

Mach et, Lasse!

30. Oktober 2013

ACHTUNG: Heute wird NICHT ÖFFENTLICH trainiert. Morgen geht es um 16 Uhr mit dem Abschlusstraining weiter!

Er ist gefragt. Fast täglich – nein, tatsächlich täglich – laufen beim HSV Interviewanfragen für Pierre Michel Lasogga ein. Doch der Stürmer mit der Rekord-Torquote bleibt ruhig. Wie immer. Und das, obwohl ihm aus Berlin der Ruf vorauseilte, er sei leicht abzulenken, einfach noch sehr jung. Nur gut, dass ich mich wie immer erst selbst überzeugen wollte. „Ich weiß doch selbst, wie schnell das geht. Jetzt wirst du hochgejubelt, triffst Du dann nicht, geht’s schnell andersrum“, hat Lasogga nach dem Freiburg-Spiel gesagt – und damit Recht. Vor allem aber wirkt Lasogga vielleicht jugendlich – aber absolut fleißig, ehrgeizig, lernwillig und bodenständig. Eben einfach gut.


Es ist einfach schön zu sehen und zu hören, wie sich der Leihspieler beim HSV einbringt. Seine Geschwister waren in der vergangenen Woche mit in Hamburg und immer um ihren großen Bruder herum. „Die Familie ist und bleibt für mich immer das Wichtigste“, sagt Lasogga und lebt es uns vor, „es geht nichts drüber. Ich orientiere mich nicht an irgendwelchen Stars, sondern an meinen Leuten zu Hause. Das garantiert mir, dass ich nicht abhebe.“ Egal, wie hoch er von (uns) Medien gehoben wird. „Ich mache mir da mal gar keine Sorgen“, sagt Rafael van der Vaart, „Pierre ist ein überragender Typ, der immer erst an die Mannschaft denkt. Er ist einer, den jede Mannschaft haben will – und auch braucht.“

Ähnlich reden inzwischen die Berliner von Per Skjelbred, der sich nicht minder schnell zum Stammspieler entwickelt hat. „Per macht seine Sache mehr als ordentlich, ist ein ganz wichtiger Faktor in unserem Spiel“, lobt Hertha-Manager Michael Preetz, der den Deal Lasogga/Skjelbred als „Glücksgriff für alle Beteiligten“ bezeichnet. Und damit hat Preetz Recht. Sich jetzt hier hinzustellen und darüber zu philosophieren, ob Skjelbred in der Verfassung auch dem HSV geholfen hätte, ist meiner Meinung nach überflüssig. Zum einen, weil er nun mal nicht mehr hier ist – zum anderen aber auch, weil der HSV im Mittelfeld momentan sicherlich so gut funktioniert wie lange nicht. Die Frage, die sich mir stellen würde, wäre eher: Hätte sich Skjelbred beim HSV so wie jetzt bei Hertha durchgesetzt, nachdem er es hier zwei Jahre lang nicht geschafft hatte? Ich glaube nicht. Wen hätte er jetzt verdrängt? Arslan? Sicher nicht. Badelj – noch weniger. Und die beiden Außenbahnen sind an Calhanoglu und Beister vergeben, wobei auf rechts vielleicht kurzzeitig die Tür für Skjelbred offen gewesen wäre.

Skjelbred war zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort. Leider. Denn der Norweger, dem verschiedene Angebote vorliegen sollen, ist ein charakterlich ebenso einwandfreier Typ wie Lasogga. Einfach für jede Mannschaft eine Bereicherung. Deshalb sollten wir die Situation jetzt so nehmen, wie sie ist – denn die hilft allen. Lasogga, dem HSV und Skjelbred samt seiner Hertha. Letztlich haben sogar beide Vereine eine deutliche Wertsteigerung ihrer Spieler, die sie zurückfordern oder eben verkaufen.

Apropos verkaufen: Ich habe mir wie die meisten hier, das beachtenswerte Werk monatelanger Recherchen auf spielverlagerung.de (http://spielverlagerung.de/2013/10/29/finanz-analyse-hamburger-sportverein-hsv/) durchgelesen. Das allein hat mich Stunden gekostet, weil der Bericht angereichert war mit Organigrammen, die den Verein anschaulich durchleuchten. Aber es war die Mühen wert. Bis auf kleine Ausnahmen steht dort zwar nicht viel Neues drin, was nicht schon mal irgendwo geschrieben wurde – aber dafür zeichnet sich das Stück durch seine Komplexität aus. Es steht wirklich alles zusammengefasst drin, was das geneigte HSV-Mitglied vor der Mitgliederversammlung im Januar wissen muss. Jeder kann sich hier ein Bild vom HSV machen, wie der Verein funktioniert, wer wo das Sagen hat – und warum eine Strukturreform so wichtig ist. Daher das Prädikat: Extrem empfehlenswert!

Das Prädikat „jung aber stark“ hat indes der HSV gefunden. Auch hinten in der Innenverteidigung. Dort spielten zuletzt der zweite Shootingstar neben Lasogga – Jonathan Tah – und Lasse Sobiech. Der eine 17, der andere 23 Jahre alt. „Aber das Alter täuscht hier“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer, „denn gerade die beiden spielen sehr abgeklärt.“ Und sie werden von Rene Adler (170 Bundesligaspiele), Marcell Jansen (213 Bundesligaspiele) und Heiko Westermann (270 Spiele) umrahmt. „Was soll da schiefgehen“, lacht Sobiech, „mehr Erfahrung um einen herum geht doch gar nicht.“

Allein, sie kämen auch mit weniger klar – behauptet zumindest Marcell Jansen, der nicht nur Sobiech und Tah in der Viererkette direkt neben sich hat, sondern auch noch Bundesliga-Neuling Hakan Calhanoglu auf links vor sich. „Reden müssen alle, das ist unabhängig vom Alter. Dafür ist das Spiel einfach zu schnell geworden. Deshalb trainieren wir das jetzt auch auf dem Platz, weil wir gemerkt haben, wie wichtig eine gute Kommunikation da ist. Aber die Jüngeren brauchen keine großen Ansagen mehr von uns, höchstens mal ne Aufmunterung, wenn mal etwas nicht so klappt“, sagt der Linksverteidiger, der am Sonnabend seine Familie in Hamburg begrüßen will. Im doppelten Sinne. Denn neben seiner echten Familie kommt auch sein Heimatklub Mönchengladbach nach Hamburg. „Dass da Heimatgefühle aufkommen, ist klar. Es ist ein geiles Spiel für mich. Zwei Traditionsvereine, ich habe dort 14 Jahre gespielt. Aber ich hoffe, dass ich die Punkte hier behalten werde und sich alle früh mich freuen.“

Dass es trotz der Gladbacher Auswärtsschwäche (erst ein Punkt in fünf Spielen) schwer wird, das weiß auch Jansen. Zumal der HSV auch erst vier Punkte in vier Heimspielen sammeln konnte. „Es wird ein spannendes Spiel“, so Jansen. „Am Sonnabend treffen zwei Mannschaften mit Trainern aufeinander, die für eine klare Philosophie und taktische Disziplin bekannt sind. Es ist allerdings ziemlich wahrscheinlich, dass es diesmal nicht so ein Spektakel wird wie zuletzt. Eher ein Spiel, wo zwei Mannschaften auf Fehler lauern und versuchen, den Gegner zu zermürben.“

Sich nicht zermürben lässt Lasse Sobiech. Im Gegenteil: Sobiech brennt auf seinen Einsatz, der unter normalen Umständen für die Partie gegen Gladbach gesichert sein sollte. Gerade, weil er Schwierigkeiten hatte, die letzten Spiele von draußen zu sehen. „Das war natürlich nicht schön, alles andere als einfach. Aber so eine Phase haben die meisten Fußballer mal in ihrer Karriere. Aber es war auch eine Form der Extramotivation, dem Trainer zu zeigen, dass man in die erste Elf gehört.“ Wie jetzt am Sonnabend – und am vergangenen Sonntag, als er nach 21 Minuten für den verletzten Johan Djourou kam, der voraussichtlich zehn bis 14 Tage ausfällt. Ob er sich selbst gewundert hat, nach seiner Einwechslung so schnell ins Spiel gefunden zu haben? „Ehrlich gesagt ja“, so Sobiech, „denn der Platz in Freiburg war eklig zu bespielen, der SC hat Druck gemacht. Aber ich hatte ja keine Zeit, groß nachzudenken – das hat wahrscheinlich geholfen.“ Wer in der Innenverteidigung – gibt es überhaupt eine jüngere Innenverteidigung in der Liga? – das Sagen hat? „Alle“, antwortet Sobiech, „wir verstehen uns so gut, dass wir uns alle helfen, da muss sich keiner mehr profilieren.“ Außer er. Oder? „Ja, klar. Aber das geht am besten über das Kollektiv. Funktionieren wir als Mannschaft, funktioniert auch der einzelne besser.“ Gutes Omen für Sobiech: Mit Gladbach kommt ein alter Bekannter nach Hamburg: Max Kruse. Der hier verschmähte Torjäger spielte mit Sobiech zusammen beim FC St. Pauli: „Ich freue mich auf ihn. Er ist ein toller Typ – und ich weiß, wie man ihn ausschalten kann.“

Na dann. Mach et, Lasse!

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 16 Uhr an der Arena trainiert. Lars ist vorher bei der Pressekonferenz mit Bert van Marwijk sowie anschließend beim Training dabei und berichtet ausführlich wie immer. Ich melde mich dann am Freitag wieder bei Euch. Bis dahin: Macht’s gut!

Scholle

P.S.: Nach Martin Harnik beschleicht mich auch beim Zuhören (aber vor allem beim Zusehen seiner Spiele) von Max Kruse (http://www.youtube.com/watch?v=IPDLKCNPiq0) wieder so ein bedrückendes Gefühl: Warum ist der aus Hamburg weg, ohne beim HSV gespielt zu haben? Und ganz ehrlich, ich weiß zwar, warum der HSV ihn damals nicht genommen hat. Aber ich habe es damals nicht verstanden und werde es wohl auch nie verstehen.

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