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Sorgen um Lasogga – Freude bei Djourou ***Kreuzer im Videointerview***

9. April 2014

Was für ein Fußballabend mit dem BVB. Und am Ende muss ich ehrlich sagen, dass ich deutlich enttäuschter war über das Aus, als dass ich mich über die tolle Unterhaltung gefreut habe. Diese Leistung hatte zweifellos mehr verdient – und es wäre auch so leicht möglich gewesen. Aber just in dem Moment, wo ich eine Art Mitleid für die BVB-Fans entwickelte, fiel mir wieder ein: Dieses Gefühl kennst Du doch. Auf deutlich niedrigerem sportlichen Niveau – zugegeben. Aber genauso bitter…


Apropos bitter: Mitleid habe ich auch mit dem HSV – für seine Finanzpolitik. Die Geschichte meines Kollegen Achim Leonie, in der erklärt wird, weshalb die Regionalliga-Spieler der Tischtennisabteilung wegen fehlender rund 5000 Euro abgemeldet werden müssen, ist erschütternd. Erschütternder als dieser Umstand ist eigentlich nur noch die Interpretation einiger HSVPlus-Gegner, die mit diesem Beispiel aufzuzeigen versuchen, wohin der HSV mit einer AG steuert.

Merken die noch was?

Das Beispiel der Tischtennisspieler ist ein absolutes Pro-Argument für die Ausgliederung. Immerhin hätten die Tischtennisspieler ihr Glück danach in der eigenen Hand, da sie sich im e.V. nicht an den Millionen-Schulden der Fußball-Bundesligamannschaft orientieren müssten und zudem ihre Vermarktung selbst in die Hand nehmen könnten. Und ich würde wetten, dass sie den Betrag über Spenden und Sponsoren schnell aufgetrieben bekämen.

Allerdings, und das möchte ich damit noch mal ganz ausdrücklich betonen: Dieser Fehlbetrag der Tischtennismannschaft MUSS für einen 140 Millionen Euro umsetzenden Verein einfach machbar sein. Punkt!!! Alles andere ist es einfach nur noch peinlich.

Erfreulicher sind da die personellen Aussichten bei den Fußballprofis des HSV – gewesen? Heute pausierte nämlich der Topstürmer Pierre-Michel Lassogga wieder, weil er wieder leichte Probleme hatte, nachdem er gestern zwei Einheiten mitgemacht hatte. Ob und wann er wieder einsteigen kann, ist offen. Also: Daumen drücken!

Klar ist dagegen, dass Jacques Zoua, Rafael van der Vaart und Ivo Ilicevic wieder dabei sein werden, während Milan Badelj ausfällt. Auch Johan Djourou ist wieder dabei. Der Schweizer Nationalspieler freut sich ebenso wie Slomka (s. Interview im Anhang) auf die Partie bei seinem Ex-Klub. “Das Spiel gegen Hannover ist schon sehr speziell für mich, ich hatte sechs gute Monate dort. Eigentlich wollte ich wegen Trainer Slomka dort bleiben. Der Trainer hat eine sehr große Persönlichkeit, er verbreitet auch sofort gute Stimmung. Für mich war es ein Glücksfall, dass er zum HSV gekommen ist.”

Stimmt. Seither verteidigt der bullige Innenverteidiger tatsächlich ziemlich ordentlich. Fußballerisch ist das Ganze sicher noch stark ausbaufähig, aber zusammen mit dem ebenfalls formstärker werdenden Michael Mancienne passt es für den Moment. Mit dem Engländer verstehe er sich nicht nur in der Verteidigung gut, sondern auch privat, erklärt Djourou: “Er ist ein sehr guter Freund geworden. Wir vertrauen uns sehr. Ich weiß, dass er hinter mir ist, wenn ich nach vorne gehe und umgekehrt.” Und das passt. Unter Slomka hat sich die Gegentorquote nahezu halbiert.

Und Djourou macht die Leistungssteigerung – nicht nur seine eigene – speziell am Trainer fest. “Ich war vorher nicht so ganz fit, hatte eine Verletzung. Wir haben mit dem alten Trainer nicht so hart trainiert wie unter Slomka. Die Mannschaft ist jetzt einfach fitter.” Auch er. Djourou fühlt sich in Hamburg richtig wohl – auch, weil sich sein Vertrag hier nach dem 20. Einsatz automatisch verlängert hat. “Es ist schon gut, dass jetzt meine Zukunft geklärt ist. Aber ich war mir immer sicher, dass ich diese 20 Spiele machen werde.”

Fünf weitere folgen noch in dieser Saison. Beginnend mit einem so genannten “Überholspiel” gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Ob er noch Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen hat? “Ja”, sagt Djourou, “ich habe noch Kontakt zu Ya Konan und zu Mame Diouf. Mit Ya Konan habe ich diese Woche noch per SMS Kontakt gehabt.” Und daraus wolle er seinen Vorteil ziehen. “Es ist ganz sicher gut, dass ich sowohl Ya Konan als auch Rundevs gut kenne. Didier ist technisch sehr stark, gut am Ball und hat den Blick für das Tor. Rudi ist schnell im Kopf, ist ein Instinktfußballer.”

Stimmt. Und Rudi, der mit Hannover aktuell ein Kurztrainingslager bezogen hat, fehlt nicht nur in Hamburg, er ist auch in Hannover gelandet, weil er von Mirko Slomka dorthin gelotst wurde, wie Ihr im anschließenden Interview lesen könnt. Apropos lesen: Dieser Blog ist auf der Minitastatur meines iPads entstanden, nachdem mein Laptop irgendein Update seit nunmehr anderthalb Stunden hochzuladen versucht. Daher meine Bitte: Verzeiht mir meine Rechtschreibfehler. Heute noch mehr als sonst… 😉

In diesem Sinne, im Abspann findet Ihr noch das komplette Interview mir unserem Trainer Mirko Slomka. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle bis morgen. Da wird übrigens um 15 Uhr trainiert.

Scholle

Das Interview:

Hamburger Abendblatt: Herr Slomka, wie war Ihre Gefühlswelt am Sonntag? Waren Sie als HSV-Trainer glücklich über Hannovers heftige 0:3-Klatsche gegen Braunschweig oder haben Sie als früherer 96er mit Ihrer ehemaligen Mannschaft gelitten?

Mirko Slomka: Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich weder gefreut noch großartig geärgert. Natürlich ist Hannover 96 ein ganz besonderer Verein für mich, das ist doch klar. Aber da wir nun am Sonnabend gegen Hannover spielen, habe ich das Spiel nur durch die Brille des HSV-Trainers gesehen. Mein Co-Trainer war im Stadion und ich habe das Spiel Zuhause im TV verfolgt. Und wir haben dann telefoniert, wenn uns Dinge aufgefallen sind, die uns für die Partie helfen könnten. Für mich war es aber extrem überraschend, dass Hannover überhaupt wieder da unten reingerutscht ist.

Im Dezember wurden Sie in Hannover entlassen, um das Ziel Europa nicht zu gefährden. Nun können Sie Ihren Ex-Club mit dem HSV tief in den Tabellenkeller stürzen. Ganz ehrlich: Empfinden Sie auch ein bisschen Genugtuung?

Slomka: Ganz so war das nicht. Die Begründung für meine Entlassung war, dass Hannover eine ruhige Rückrunde spielen wollte. Man wollte nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben…

…von einer ruhigen Rückrunde ist Hannover weit entfernt.

Slomka: Das ist richtig. Aber Genugtuung ist völlig fehl am Platz. Ich habe einen Großteil meines Arbeitslebens bei Hannover 96 verbracht, war lange im Nachwuchs, als Co-Trainer und schließlich als Cheftrainer tätig. Ich hatte immer eine enge Verbindung zum Verein, zu den Verantwortlichen, zu den Fans und auch zur Stadt. Aber jetzt habe ich nun mal eine neue Aufgabe.

Wie lange hat es gedauert, Ihre emotionale Bindung mit Hannover zu kappen?

Slomka: Natürlich richtet sich mein zweiter Blick immer auf das Ergebnis von Hannover. Es wäre Unsinn, wenn ich leugnen würde, dass mich die Entwicklung von 96 nicht interessiert. Und ich hoffe auch, dass Hannover und wir die Klasse halten. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit dem HSV am Sonnabend dort gewinnen will.

Beim 0:3 gegen Braunschweig wirkten Hannovers Profis ähnlich von der Rolle wie die Hamburger vor Ihrer Verpflichtung. Wie haben Sie die HSV-Profis so schnell wieder in die Spur bekommen?

Slomka: Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft eine positive Ansprache brauchte. Sie stand in den vorangegangenen Wochen extrem in der Kritik, da musste man Aufbauarbeit leisten. Ganz wichtig ist aber, dass die Spieler vom ersten Moment verstehen, was der neue Trainer eigentlich will. Wenn dann das, was der Trainer ändert, auch umgehend zum Erfolg führt, schafft man Glaubwürdigkeit. Der 3:0-Sieg gegen Dortmund bei meinem Einstieg hat uns schon sehr geholfen.

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Fußballlehrer, haben auch Mathematik und Sport auf Lehramt studiert. In wie fern ist der Trainerjob mit dem Beruf des Lehrers vergleichbar?

Slomka: Psychologisches Halbwissen kann in beiden Berufen schon hilfreich sein (lacht). Aber Spaß beiseite, es geht in beiden Berufen darum, Selbstvertrauen und einen eigenen Willen zu fördern. Ansonsten muss man die jüngeren Spieler ähnlich auf einen guten Weg bringen wie man es als Lehrer an der Schule mit seinen Schülern macht, aber im Großen und Ganzen sind die meisten Profis ja bereits gestandene Erwachsene. Gerade unsere jungen Spieler beim HSV machen einen sehr reifen Eindruck auf mich.

Ist der Unterschied zwischen der jüngeren und der älteren Generation in Ihrer Mannschaft gravierend?

Slomka: Die Mischung ist in jedem Fall sehr spannend. Und weil die Unterschiede doch erheblich sind, muss man natürlich auch immer eine ganz eigene Ansprache finden. Ich muss mich anders mit einem Jungprofi unterhalten, der sich vielleicht über seinen ersten Porsche definiert, als mit einem 30 Jahre alten Familienvater, den das Lob seiner Kinder nach dem Spiel am wichtigsten ist. Dabei dürfen Sie auch eines nicht vergessen: Meine öffentlichen Aussagen haben natürlich oft einen ganz anderen Tonfall als meine internen Ansagen. Ich kann auch einem jungen Spieler in der Videoanalyse mal sehr deutlich seine Fehler aufzeigen, würde das so aber niemals öffentlich vor den Kameras tun. Ich habe auch das Gefühl, dass gerade die jüngeren Spieler alles aufsaugen, was man ihnen als Trainer so mit auf dem Weg gibt. Wobei ich auch sehr aufpassen muss, dass ich mir in all den Einzelgesprächen, die ich mit den Jungs so führe, nie widerspreche. Die Spieler merken sich jedes Wort, was man ihnen sagt.

Sind diese persönlichen Gespräche der Schlüssel zum Erfolg für Sie?

Slomka: Längere Einzelgespräche sind in jedem Fall eminent wichtig. Ich muss doch als Trainer auch verstehen lernen, wie die Jungs so ticken, wie sie leben, was sie bewegt. Bei Jacques Zoua ist beispielsweise gerade seine Frau nach Hamburg gezogen. Das ist wichtig für ihn – und das kann dann auch wichtig für die Mannschaft sein. Auch mit Jonathan Tah war ich letzte Woche länger im Wald laufen, habe mich intensiv mit ihm ausgetauscht. Ich habe ihn gefragt, wie das mit der Veröffentlichung seines Vertrages in seiner Schule angekommen ist. Er ist ja auch gerade erst aus dem Internat in seine erste eigene Wohnung gezogen. Da will ich als Trainer dann auch so ganz profane Dinge wissen, wie er sich zum Beispiel jetzt ernährt, ob er kocht oder ob er immer nur essen geht. Ich will niemanden kontrollieren, will nicht wissen, wer wann auf der Piste war oder Ähnliches. Denn wenn sich ein Spieler hängen lässt, dann ist er der erste, der darunter leidet, weil er nicht mehr spielt. Aber als Trainer ist man eben nicht nur für das Geschehen auf dem Rasen verantwortlich. Deswegen muss ich mich natürlich erkundigen, wenn ich das Gefühl habe, dass einen meiner Spieler gerade etwas beschäftigt. Mir geht es eher um die Dinge, die einen Spieler im Herzen treffen. Wenn sich beispielsweise ein Spieler absondert, sich zurückzieht, dann frage ich schon nach, ob er irgendwas hat, ob es ihm gut geht, ob es seiner Frau und seinen Kindern gut geht. Ich bemühe mich, empathisch zu sein. Das habe ich auch in meiner Zeit in Hannover gelernt. Denn nur wenn man als Trainer menschlich ist, könnte man die Dinge erfahren, die einen Spieler beschäftigen. Immer gelingt das aber auch nicht. Ich spreche auch mal mit einem Psychologen, hole mir Ratschläge. Aber als Trainer darf man durch zu viel Nähe zu den Spielern auch nicht die nötige Distanz verlieren.

Wann ist für Sie diese Grenze überschritten?

Slomka: Klar ist, dass ich als Trainer eine Grenze ziehen muss. Ich würde beispielsweise niemals mit meinen Spielern nach dem fünften Sieg in Folge in die gleiche Bar auf ein Bier gehen. Das ist ein absolutes No Go. Aber ich erlaube mir schon, einem jungen Nachwuchsspieler auch mal zu sagen, dass er sich vielleicht nicht nach seinem ersten Bundesligaspiel gleich einen Porsche zulegen sollte.

Ihre Tochter Lilith ist mit 16 Jahren gerade mal zwei Jahre jünger als beispielsweise Jonathan Tah. Hilft sie Ihnen auch manchmal dabei, die Welt der Jungprofis zu verstehen?

Slomka: Ich weiß nicht ganz genau, ob eine pubertierende 16-Jährge in der gleichen Welt wie beispielsweise Jonathan Tah lebt, aber sie hält mich definitiv jung. Und natürlich lerne ich von ihr genauso wie ich auch von unseren jungen Spielern lernen kann.

Machen wir einen kleinen Test: Der 20 Jahre alte Hakan Calhanoglu benutzt häufiger das Wort Babo. Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet?

Slomka: Da muss ich leider passen.

Babo ist das Jugendwort des Jahres 2013 und bedeutet Anführer, Chef, Boss. Wer ist denn der Babo des HSV?

Slomka: Es gibt mehrere Babos bei uns. René Adler natürlich, aber auch Heiko Westermann zum Beispiel. Er zeigt jeden Tag auf dem Trainingsplatz, in der Arena und auch in der Kabine, dass er ein gestandener Profi ist. Man kann sich auf ihn verlassen, auch wenn ihm mal der Ball wegspringt oder er sich einen Schnitzer erlaubt. Er ist ein echter Typ, von mir aus auch ein Babo.

Und wer ist der Babo im Hause Slomka?

Slomka: Zuhause brauchen wir keinen Babo. Vielleicht ist aber auch mein neunjähriger Sohn Luk unser Babo, der hält unseren Laden jedenfalls ganz schön auf Trab.

***ERGÄNZT*** Rudnevs wechselt zu Hannover – Djourou und Lasogga fallen aus

9. Januar 2014

***Ergänzt****

Nun also doch. Nachdem sich das Gepokere um einen Wechsel von Artjoms Rudnevs zu Hannover 96 ohne Einigung totgelaufen zu haben schien, ging es dann plötzlich doch ganz schnell. Heute Morgen reiste der Lette aus dem Trainingslager in Abu Dhabi ab und flog in das Trainingslager der Niedersachsen in die Türkei in den Robinson Club nach Belek. Der 12-Tore-Mann der letzten Saison absolviert aktuell gerade seinen Medizincheck und wechselt auf Leihbasis bis zum Saisonende zu Hannover 96.

„Es ist für uns alle eine Win-Win-Situation“, sagt Oliver Kreuzer, der somit das Gehalt des Torjägers für die Rückrunde (rund 600000) spart und zusätzlich 500000 Euro Leihgebühr einstreicht. Zudem vereinbarten beide Klubs eine Kaufoption für Hannover, die bei rund zwei Millionen Euro liegen soll. „Rudi war mit seiner Situation natürlich unzufrieden und wollte mehr spielen“, so Kreuzer, „und wir entlasten unser Budget ein wenig.“

Es ist ein Wechsel, der die HSV-Situation verdeutlicht: Man freut sich schon, wenn man den einen oder anderen Spieler abgeben und dessen Gehalt sparen kann. Dass Hannover am Ende inklusive Leihgebühr zwei Millionen Euro weniger bezahlen würde für Rudnevs als dieser den HSV gekostet hat – es wird in Kauf genommen. Man freut sich sogar darüber, dabei hat der HSV jetzt keinen zweiten Stoßstürmer als Backup für Lasogga. Es sei denn, ihr zählt Zoua und/oder Beister in diese Kategorie. Ich tue das nicht.

Nein, beim HSV hat man derartige Minusgeschäfte längst einkalkuliert, sich damit arrangiert. Weil der HSV sparen muss. Bedingungslos. Und das wissen auch die anderen Klubs, die diese Situation für ihre Zwecke zu nutzen wissen. Leider ist das noch so – und wie so oft in den letzten Wochen verbleibt mir an dieser Stelle wieder nur der Hinweis auf den 19. Januar. Ansonsten war Rudnevs nur ein kleiner Anfang…

Wie van Marwijk taktisch auf das Szenario reagiert, wenn Lasogga verletzt ist, werden wir schon morgen (hoffentlich) sehen können, da der Toptorjäger des HSV mit Muskelproblemen gegen Vitesse Arnheim (18.30 Uhr unserer Zeit) ausfällt. Ob das Geld aus dem Rudnevs-Deal reinvestiert wird, ist derzeit noch unklar – aber zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Im Gegenteil, dem Vernehmen nach war Rudnevs Abgang mit der Bedingung des Trainers gekoppelt, einen Ersatz zu holen. Van Marwijk, der Rudnevs ganze 23 Bundesligaminuten gönnte, soll seine Wunschliste bereits beim Sportchef hinterlegt haben. Kreuzer selbst wollte sich, darauf angesprochen, noch nicht festlegen. Allerdings deutete der HSV-Sportchef an, dass in den nächsten Tagen etwas auf dem Transfermarkt passieren könne.

Und da bin ich wirklich gespannt. Ob der HSV es in diesem Winter tatsächlich schafft, die Mannschaft zu verstärken? Ohne Geld? Oder wird der eine oder andere Ladenhüter verkauft? Das Gerücht, dass der HSV Tomas Rincon bei anderen Klubs anbieten würde, dementierte Kreuzer vehement. Der HSV-Sportchef will von einem Verkauf des Kämpfers nichts wissen. Was sich aber schnell ändern könnte, immerhin gilt es als intern beschlossen, den Venezolaner abzugeben, sobald ein passendes Angebot reinkommt. Sofort.

Aber gut, bei Rincon gibts noch etliche Konjunktive, sicher ist dagegen, dass Johan Djourou im morgigen Test gegen Vitesse Arnheim ebenso wie Adler, Westermann (Lauftraining) und Lasogga fehlen wird. Der Abwehrspieler zog sich im heutigen Morgentraining eine Muskelverletzung in der Wade zu und wird vorläufig pausieren müssen. Und während Westermann dem Mannschaftstraining immer näherkommt, ist unklar, ob Adler das erste Rückrundenspiel am 26. Januar gegen Schalke schaffen wird. Bei facebook schrieb der Keeper heute:

Das Sprunggelenk ist leider immer noch überstrapaziert und schmerzt bei starker Belastung. Deshalb werde ich meinen Fuß nun eine Woche komplett schonen und Reha-Maßnahmen am UKE durchführen, dann auftrainieren, um anschließend wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können. Wir wollen alle nichts überstürzen, sondern mit der nötigen Geduld den natürlichen Heilungsprozess unterstützen, sodass ich 100% fit für die Rückrunde bin!”

So Leute, Nachdem das Nachmittagstraining vom Platz kurzerhand ins Mannschaftshotel verlegt wurde und dort nur Stabiübungen mit Fitnesstrainer Nikola Vidovic auf dem Plan standen, gibt es heute nicht mehr aus dem Trainingslager zu berichten. dafür aber morgen. Mit dem Spiel gegen Arnheim – ohne Rudnevs, dafür mit …… – abwarten. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am kommenden Dienstag (14. Januar) findet in den Räumlichkeiten des NDR in der Rothenbaumchaussee das 11. Sportforum von NDR 90,3, dem Hamburger Abendblatt und Matz ab statt. Dabei dreht sich natürlich alles um die Strukturdebatte beim HSV und die bevorstehende Mitgliederversammlung. Als Vertreter ihrer Reformmodelle sind Otto Rieckhoff für die Initiative „HSVPlus“, Aufsichtsratsboss Manfred Ertel für die „HSV-Reform“ und Jürgen Hunke für „Zukunft mit Tradition“ die Gäste. Moderiert wird die Veranstaltung von Lars Pegelow (NDR 90,3) und Alexander Laux (Abendblatt) dabei sein möchte, kann sich dafür online bewerben. Einfach eine Email an Abendblatt@Abendblatt.de schicken.
GANZ WICHTIG: Als Betreff bitte “Sportforum” angeben! Ansonsten verfehlt die mail ihr Ziel vielleicht noch…
Sollte die Anzahl der Bewerbungen unser Ticketkontingent übersteigen, entscheidet das Los. Einsendeschluss ist am Sonntag (12. Januar 2014) um 15 Uhr. Alle Gewinner werden bis Sonntagabend per Email informiert. Viel Glück!!

Djourou: “Ich bin ein weißer Schwarzer”

4. Juli 2013

Zuerst einmal: Hallo. Und: schön, wieder da zu sein. Wobei, ich fühle mich nicht so, als wäre ich weg gewesen. Zumindest ist beim HSV alles beim Alten. Spieler, die verkauft werden sollen sind noch nicht verkauft. Nein, sie mosern sogar rum. Und der Aufsichtsrat zerpflückt sich mal wieder selbst nach allen Regeln der Kunst. Diesmal sogar in einem Maß, wie es das bislang noch nie gegeben hat. „Wir haben eine Konstellation gefunden, die uns das gemeinsame Arbeiten erleichtern wird“, hatte Manfred Ertel unmittelbar nach den letzten Wahlen gesagt. Und davon ist mal so gar nichts übrig geblieben. Im Gegenteil. Inzwischen ist der Aufsichtsratsvorsitzende selbst die Zielscheibe der Hetzer aus den eigenen Reihen und spricht offen von “Intrigen”gegen ihn. Aber seht selbst:

Und während Mursi inzwischen widerwillig kapitulieren musste, wehrt sich Ertel weiterhin tapfer. „Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass hier aus einer Minderheitenposition heraus eigene Politik betrieben wird und handelnde Personen diskreditiert werden sollen“, so der „Spiegel“-Redakteur im Interview mit meinem Kollegen Alex Laux. „Den Versuch, den Vorstand in seiner Existenz zu erschüttern, verurteile ich aufs schärfste. Und ich werde mich dagegen wehren, meine persönliche und berufliche Integrität durch üble Nachrede erschüttern zu lassen. Vor solchen Niederträchtigkeiten zu kapitulieren und ihren Urhebern den Verein zu überlassen, kommt aber nicht infrage.“

Als wäre das Gremium so wichtig. Nein. Dieser Aufsichtsrat bietet die volle Breite an Unfähigkeit. Und ich lege mich fest: Diese Konstellation wird letztlich dafür verantwortlich sein, dass der Rat quantitativ verschlankt wird. Womit der „Club der Ahnungslosen“, wie die wohl erfolgloseste Startelf der Bundesliga von der „Bild“ genannt wird, zumindest eine gute Veränderung bewirkt hätte…

Aber egal, weg vom Peripheren – anders sollte man diesem Aufsichtsrat nicht mehr begegnen – und hin zum Sportlichen. Leider auch mit zwei Negativmeldungen zu Beginn. Denn während Christian Norgaard heute im Training übel umknickte und mit dem Golf-Cart abtransportiert werden musste, meldete sich Dennis Aogo bereits am Mittwoch verletzt. Der Linksallrounder wurde am Tag vor seinem persönlichen Trainingseinstieg zur Kernspin geschickt. Ergebnis: Zerrung in der linken Wade. „Er hat sich beim Lauftraining verletzt“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogo wohl ebenso wenig wie Norgaard und Rene Adler (Knieprobleme) mit ins am Freitag beginnende Trainingslager nach Österreich nehmen wird. „Ich gehe davon aus, dass nach Rene auch diese beiden fehlen werden.“

Fink selbst war dennoch alles andere als schlecht drauf. Obgleich ihm der Verein durch seine internen Querelen sicher nicht in die Karten spielt. Immerhin muss noch ein Stürmer her. Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer, der für zehn Tore aufwärts garantiert. „Wir können gut arbeiten“, versucht Fink, Fahrt aus diesem Thema zu nehmen, „und das werden wir auch weiter können.“

Muss ja auch. Zumal jetzt fünf intensive Tage anstehen im österreichischen Mayrhofen. Dort will sich Fink dem Vernehmen nach besonders um die Integration der Neuen bemühen und vermehrt Wert auf taktische Details legen. Das morgige Spiel in Innsbruck gegen eben Innsbruck nimmt Fink nicht allzu ernst. Dafür fehlen einfach noch zu viele Spieler. „Wir messen dem Spiel den Trainingsfaktor bei. Auf das Ergebnis achten wir dabei erst auf den zweiten Blick“, so Fink, der morgen auch Tomas Rincon wieder im Training begrüßen will.

Fehlen werden in Innsbruck Rajkovic, Arslan – aber nicht van der Vaart. Obwohl der heute im Training fehlte. Der Kapitän, den Fink diese Serie verstärkt in die Pflicht zu nehmen scheint, reiste in die Heimat, um dort an einem Geburtstagskick für seinen Entdecker und Förderer Sjaak Swart teilzunehmen. Mit der Erlaubnis von Fink, der auch sagt: „Rafael war in seinem gesamten Auftreten sehr wichtig für uns in der vergangenen Saison. Aber ich erwarte im zweiten Jahr noch mehr von ihm.“

Ich auch. Vor allem, dass er als Kapitän nicht mit Übergewicht in die Saison geht. Denn genau das war es, was ihm Kritiker immer wieder vorwarfen. Zumal van der Vaart nicht zu den Fleißigsten außerhalb der vorgegebenen Trainingseinheiten gehört. Aber egal wie, als Kapitän muss er nicht der Mann im Team sein mit der hochrangigsten Karriere. Vielmehr muss er als Respektsperson anerkannt werden – was zweifellos der Fall ist. Aber Rafael wirkte auch in der vergangenen Saison nicht immer taufrisch auf mich. Zunächst hoffte ich auf eine vorübergehende Phase. Aber irgendwie passt es nicht ins Bild, dass er zur Vorbereitung – so ehrlich er es dann auch zugibt – mit Übergewicht ankommt. Das sollte einem Kapitän nicht passieren.

Zumal auch Neue dabei sind. Wie zum Beispiel Johan Djourou. Der Schweizer war heute bei uns in der Runde und hinterließ einen guten Eindruck. Und das auf mich, weil der Innenverteidiger sehr selbstbewusst auftrat, ohne arrogant zu wirken. Er stellte große Forderungen an sich und den HSV – und wirkt überzeigt von seiner Entscheidung, nach Hamburg zu kommen. Zumal ihm ein alter Bekannter den entscheidenden Tipp gab: „Mein Freund Vincent Kompany hat mir erzählt, dass der HSV eine große Nummer ist und weit hinter dem eigenen Anspruch herhinkt. In England kennen wir vor allem Bayern und Dortmund, klar. Aber der HSV ist schon die Nummer drei. Dieser Verein hat alles, was man braucht“, sagt Djourou, der über sich selbst sagt: “Ich bin an der Elfenbeinküste geboren worden, aber mit 15 Monanten schon nach Europa gekommen. Ich bin ein eher weißer Schwarzer.”

Forsche Töne des Neuen, der in Hannover schwach begann, woran ich mich noch genau erinnere. Ich habe die ersten beiden Spiele von Hannover tatsächlich gesehen und war erschüttert. Da kommt einer mit über 100 Premier-League-Spielen und ist so übel. Da ging gar nichts. Anschließend jedoch wurde Djourou in Hannover zum absoluten Leistungsträger. Und genau das soll er auch in Hamburg werden. Und genau das will er auch. „Ich will der Mannschaft etwas geben, was sie vorher nicht hatte. Meine Qualität ist das Spiel hinten raus. In England bei Arsenal hattest Du auch als Verteidiger immer den Ball. Das war in Hannover anders. Da habe ich mein Zweikampfverhalten verbessert. Und jetzt habe ich beides.“

Hoffentlich. Denn das brauchen wir hier genauso sehr wie einen richtig guten Stürmer – und schweigende Aufsichtsräte…

In diesem Sinne, morgen melde ich mich aus Innsbruck im Anschluss an das erste Testspiel dieser Vorbereitung bei Euch, das auf hsv.de übrigens übertragen wird. Bis morgen!

Scholle

P.S.: Glückwunsch, Sabine Lisicki!! Das war/ist ganz großes Tennis!!!!!

Erster Sieg 2013 – aber van der Vaart und Arslan verletzt

7. Januar 2013

So sollte es mal nicht beginnen. Zumindest nicht alles. Denn trotz eines 3:1-Sieges im ersten Testspiel des Jahres 2013 gegen den nominell eher drittklassigen usbekischen Klub Lokomotive Taschkent vor handgezählten 14 Zuschauern musste HSV-Trainer Thorsten Fink in Abu Dhabi gleich zwei Verletzungen hinnehmen. „So etwas im ersten Test nervt natürlich gewaltig“, sagte Fink, der sich ob des ansonsten überzeugenden Sieges nicht so recht freuen wollte. Immerhin hatte es (mal wieder) ausgerechnet den Top-Spieler getroffen, Rafael van der Vaart. Bereits nach 35 Minuten deutete der Niederländer Probleme mit dem rechten Oberschenkel an und musste ausgewechselt werden. Wieder 35 Minuten später musste dann auch noch van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan nach einem übel aussehenden Zusammenprall mit Tashkents Torschützen Abdullaev Sadr den Platz verlassen. „Ich denke, dass es bei Tolgay nichts Schlimmes ist“, so Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen, der sich bei genauen Diagnosen aber noch zurückhielt.

Dennoch, auch van der Vaart selbst signalisierte bereits auf dem Weg in die Kabine, dass es wohl nicht so schlimm sei. Zumindest ist es nicht die gleiche Stelle wie zuletzt. Zur Erinnerung: Gegen Düsseldorf musste van der Vaart am 23. November mit einem Faserriss im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden und pausierte seitdem. „Möglicherweise ist es eine Zerrung“, so van der Vaart, „aber ich glaube, dass es nicht wirklich schlimm ist.“ Worte, die zuletzt auch bei der Verletzung von Maximilian Beister benutzt wurden. Und der fällt für den Rest des Trainingslagers voraussichtlich aus. Und so blieb zunächst einmal offen, ob van der Vaart und Arslan im Trainingslager noch mal einsteigen können.

Sportlich hatte es indes schon ganz gut funktioniert. Nachdem die A-Elf am Vormittag fleißig Standards trainiert hatte (van der Vaart von links, Arslan von Rechts, die Ecken wurden auf den kurzen Pfosten geschlagen) war es am Abend insbesondere die Offensive, die den gerade mal 14 Zuschauern im 60000 Zuschauer fassenden Zayed-Sport-Stadium zu gefallen wusste. Artjoms Rudnevs besorgte in der 50. Minute nach glänzender Vorarbeit des starken Heung Min Son das 1:0, Dennis Aogo konnte elf Minuten später nach einer nicht minder schönen Kombination sogar nachlegen. Dem Anschluss von Sadr (71.) folgte in der 74. Minute das 3:1 des kurz zuvor für Son eingewechselten Marcus Berg. „Abgesehen von den Verletzungen, bin ich mit der Partie zufrieden“, zog Finks leicht verbittertes Fazit.

Nicht mitwirken konnte Gojko Kacar. Der Serbe trainiert derzeit in Hamburg mit der U23 und wartet. Er wartet auf seine Mannschaft, die in Dubai wie oben beschrieben den ersten Test erfolgreich bestreiten konnte. Und er wartet auf eine Lösung seines Problems. Immerhin will der HSV ihn nicht mehr (auf der Gehaltsliste) haben – er selbst will aber auch nicht weg, zumindest nicht um jeden Preis. In der Mopo wurde heute geschrieben, sein Gehalt erhöhe sich auf 1,8 Millionen Euro per annum. Und obwohl sich Kacar nicht zu seinen genauen Vertragszahlen äußern wollte, wollte er sich dennoch dagegen wehren, er sei vermessen. „Ich habe lange nichts gesagt, weil sich der Verein und mein Berater um alles gekümmert haben. Ich dachte, dass der Wechsel nach Hannover klappen würde. Das ist jetzt anders. Und jetzt werden leider viele Dinge behauptet, die so nicht stimmen.“

Im Gegenteil. Sagt er zumindest selbst. Allein, dass er nicht ins Trainingslager fliegen sollte, sei falsch. „Ich habe das zusammen mit dem HSV so entschieden, weil lange die Wahrscheinlichkeit bestand, dass ich wechsele und dann sofort mit Hannover ins Trainingslager nach Portugal fliegen sollte. Und im Nachhinein hinzufliegen war nicht so sinnvoll, da ich hier beste Bedingungen habe. Aber von Aussortieren war ganz sicher nie die Rede.“ Vielmehr hatte sich Kacar darauf verlassen, zum „kleinen HSV“ zu wechseln. „Hannover war eine tolle Möglichkeit, ein großer Verein. Es ist sehr schade, dass das nicht geklappt hat.“ Noch trauriger sei er darüber, dass er jetzt mit angeblich zu hohen Gehaltsforderungen als gierig dargestellt wird. „Ich wollte eigentlich nie weg vom HSV. Hätte der HSV mich nicht angesprochen, ich hätte über einen Wechsel gar nicht nachgedacht. Aber ich bin ganz sicher auch keiner, der seinen vertrag aussitzen will. Ich will spielen.“ Deshalb habe er sich während der Verhandlungen mit dem HSV und Hannover auch bereiterklärt, auf Geld zu verzichten. „Ich bin Fußballer und habe noch sehr viele Ziele. Hannover schien sehr interessiert an mir und bietet mit Europa League auch eine tolle Möglichkeit, die ich so in Hamburg nicht hatte. Auch deshalb habe ich gesagt, ich würde auf 20 Prozent meines Gehaltes verzichten. Ich bin runtergegangen mit meinem Gehalt, damit es klappt – mehr ging dann aber nicht. Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen.“ Und: Selbstverständlich ist so etwas bei Fußballprofis allemal nicht. Ganz im Gegenteil. Fälle wie Albert Streit zeigen, wie es oft laufen kann.

Dennoch reichte auch das nicht. „Wir waren sehr nah beieinander und hätten uns in der Mitte treffen können – wenn alle gewollt hätten“, sagt Kacar und sieht den Grund des Scheiterns bei seiner langwierigen Verletzung und Zweifeln bei Hannover. „Sie sollten viel Geld für mich bezahlen, ohne genau zu wissen, wie ich nach neun Monaten Pause wieder zurückkomme. Das verstehe ich. Jetzt haben sie zwei andere gefunden und ich bleibe beim HSV.“

Zumindest, wenn sich nicht noch ein weiterer, interessierter Verein meldet. „Grundsätzlich bin ich gesprächsbereit, wenn der HSV es so will. Sollte ein passendes Angebot kommen, müssen wir alle neu überlegen. Aber nach meiner langen Verletzung dürfte das schwierig werden. Das ist doch klar. Und ganz ehrlich, ich will auch nicht um jeden Preis den HSV verlassen, weil ich mich hier noch immer sehr, sehr wohl fühle. Es ist ein großer Klub und wir entwickeln uns. Ich habe noch 2,5 Jahre Vertrag und glaube, dass sich in der Zeit hier vieles tun wird, woran ich mitwirken möchte. Deshalb denke ich jetzt wirklich an nichts anderes als den HSV. Ich werde weiter jeden Tag hart arbeiten und allen zeigen, dass ich wieder topfit bin. Ich bin mir sicher – egal, was jetzt gesagt oder geschrieben wird – wenn ich gesund bleibe und der Trainer sieht, dass ich kämpfe, werde ich mir meine Chance erarbeiten – und die dann nutzen.“

Dass er in die U23 abgeschoben wird, glaubt Kacar nicht. „Das glaube ich nicht. Warum auch? Ich denke schon, dass ich wieder zur Mannschaft stoßen werde, sobald sie wieder in Hamburg ist. Wir sind alle Profis und werden mit Sicherheit auch so handeln.“ Doch selbst, wenn alle Stricke reißen sollten und der HSV ihn abschieben sollte in die U23, käme Kacar damit klar. „Ich habe neun ganz schlimme Monate hinter mir. Etwas Schlimmeres als diese Zeit hatte ich nie und werde ich nicht mehr haben. Insofern kann alles nur besser werden.“

Hoffen wir es. Für ihn – und für den hoffentlich künftig verletzungsfreien HSV.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

HSV im ersten Test 2013: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Badelj – Arslan (74. Nafiu), Aogo – van der Vaart (35. Skjelbred) – Son (67. Berg), Rudnevs.

P.S.: Weil es gefragt wurde und auf Dieters Wunsch, noch mal: Dieter hatte gestern den Van der Vaart erst um 19.30 Uhr freigeschaltet, um den Kollegen gegenüber fair zu bleiben. Immerhin war es keine von Matz ab recherchierte, exklusive Geschichte sondern der Hilfe der Kollegen vor Ort zu verdanken, dass wir diese O-Töne hatten. Da wäre es mehr als unfair gewesen, wenn wir (Online geht immer am schnellsten) den Tageszeitungen noch weiter als mit 19.30 ja eh schon vorgreifen. Ich glaube, das dürfte jeder nachvollziehen können.

Fink: “Marcell redet manchmal etwas schnell – und etwas viel”

27. September 2012

Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht, dass es nur zu einem Punkt in Mönchengladbach gereicht hat. Ich habe selten so überlegen geführte Partien des HSV gesehen. Und ich habe selten so viele potenzielle Großchancen. Denn neben den beiden Toren und dem Elfmeter hatte der HSV gefühlte 100 Konterchancen gegen überfordert wirkenden Gladbacher. Es fehlte leider immer der finale Pass. Arslan versuchte sein ansonsten sehr gutes Spiel mit einem Traumpass in die Tiefe zu vergolden und scheiterte mehrfach. Am schlimmsten erwischte es letztlich Ivo Ilicevic, der offensiv viele gute Szenen hatte und auch bei den Kontern bis zum letzten Pass alles richtig machte. „Wir haben gekontert wie die Amateure“, schimpfte Marcell Jansen direkt nach der Partie. Wobei Jansen einfach nur anprangern wollte, wie fahrlässig der HSV mit potenziell guten Chancen gerade bei Kontern umgegangen war. Und damit hatte er Recht, wie ich finde, auch wenn Fink alles ein wenig relativierte: „Wir haben unsere Konter nicht zum Abschluss gebracht. Aber ich teile nicht, dass das amateurhaft war. Auch wenn wir die Möglichkeiten noch mehr nutzen müssen – ich glaube, nach dem Spiel rutscht es einem Spieler schon mal raus.“ Vor allem Marcell Jansen, der sogar von einer gefühlten 0:6-Niederlage sprach. Fink über die Äußerungen seines wortstarken Linksverteidigers mit einem Schmunzeln: „Marcell redet manchmal etwas viel – und etwas schnell…“

Dass es nicht zum Tor reichte, wäre allerdings auch nicht so schlimm gewesen, hätte der HSV das 2:1 über die Zeit gerettet. So aber fingen sich Rafael van der Vaart und Co. trotz eines fast durchgehend souverän geführten Spiels nach einem völlig überflüssigen Foul von Ilicevic noch das 2:2 und verschenkten damit zwei sicher geglaubte und eigentlich auch verdiente Punkte. Wobei dieses Tor leicht zu verhindern gewesen wäre, ohne Ilicevic-Foul – und von Marcus Berg. Der Schwede, der für mich unverständlicherweise für den gestern guten Rudnevs (dazu später mehr) gekommen war, ließ seinem Gegenspieler im Sechzehner mehr Raum als mir in meiner eigenen Wohnung zur Verfügung steht. „Ich verstehe nicht, wie man seinen Mann so laufen lassen kann“, schimpfte Kapitän Heiko Westermann nach dem Spiel eindeutig in Richtung Berg, der sich schon unmittelbar nach der kritisierten Szene einige sehr harte Worte von Torhüter Rene Adler gefallen lassen musste. „Beim zweiten Standard muss jemand dabei sein. Es gab eine klare Einteilung und derjenige muss eigentlich beim Mann bleiben“, bemängelte Fink das fehlende Stören Bergs, ohne dessen Namen auszusprechen. „Ich mache hier keine Einzelkritik, sondern werde mit ihm sprechen.”

Berg ist vielleicht der einzige – zumindest aber der größte Verlierer. Und ganz ehrlich, ich will Berg hier auch nicht in Schutz nehmen. Dafür hatte er einfach schon zu viele Chancen. Allerdings halte ich dem sensiblen Angreifer zugute, dass er unmittelbar vor Saisonbeginn noch mal gesagt bekommen hatte, dass er gehen könne bei einem passenden Angebot. Das ist für jeden Profi hart. Zumal auch Berg mitbekommen haben dürfte, dass der HSV gern noch einen Angreifer holen wollte und weiterhin holen will. Alles das dürfte an ihm nagen, ihn ablenken und seine unmotiviert wirkende Körpersprache erklären – allerdings nicht entschuldigen. Denn, und da lege ich mich fest, Berg hätte ebenso wie der HSV die Reißleine ziehen können. Oder besser: Er hätte sie ziehen müssen. Genau so, wie er sich jetzt zusammenreißen und in den Dienst der Mannschaft stellen muss, ohne sich selbst sowie sein eigenes Schicksal zu bedauern.

Ein gutes Beispiel, wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Negativsog ziehen kann, ist Artjoms Rudnevs. Der erste lettische Bundesliga-Torschütze belohnte sich gegen Gladbach für ein mal wieder sehr laufintensives Spiel. 10,11 Kilometer lief der bullige HSV-Angreifer – in 77 Minuten. Ich bin mir sicher, dass die Nummer Zehn des HSV in den verbliebenen 13 Minuten noch mindestens zwei Kilometer gemacht hätte und sich somit in die Top-Drei des HSV in Sachen „zurückgelegte Distanz“ katapultiert hätte. Das wiederum ist besonders beachtenswert, weil Rudnevs seine Kilometer in einem durchschnittlich deutlich höheren Tempo als ein Mittelfeldspieler zurücklegt. Aber okay, genug Statistik. Das nächste Spiel steht an. Mit Rudnevs, den Fink lobte: „Dass er sich viele Chancen erarbeitet, ist seine Stärke. Er ist schnell und unbequem, verfügt über einen tollen Teamgeist und hat ein schönes Tor gemacht. Und es ist ja oft so, dass Stürmer nach ihrem ersten Treffer im nächsten Spiel wieder treffen…“

Schon deshalb will Fink mal wieder versuchen, wenig zu verändern. Am besten nichts. „Ich werde nur umstellen, wenn einer nicht 100 Prozent fit ist“, so der Trainer, dem am Sonnabend gegen Hannover sicher wieder Petr Jiracek und eventuell wieder Jeffrey Bruma zur Verfügung stehen. Insbesondere Erstgenannter hatte überzeugt, bis Schiri Stark eine Idee hatte und ihn in Frankfurt für ein gelbwürdiges Foul überhart mit Rot (was bitte hätte denn dann Xhaka gestern bei seinem gestreckten Bein gegen Adler bekommen sollen???) abstrafte. „Jiracek ist ein guter Fußballer“, lobt Arslan, der die Position des Tschechen in Gladbach gut (für sehr gut fehlte der finale Pass) vertrat und seinerseits Ansprüche anmeldet: „Ich kann viele Positionen spielen – aber Jiracek kann auch außen spielen“, so Arslan, „ich glaube auch nicht, dass ich gegen Hannover wieder auf die Bank muss.“

Ganz sicher dabei sein dürfte Milan Badelj. Der Dauerläufer (12,95 Kilometer waren der absolute Topwert des Spiels), der zusammen mit Ivo Ilicevic für die beiden Qualifikationsspiele der kroatischen Nationalmannschaft zur WM 2014 gegen Mazedonien (12.10.) und auf Wales (16.10) nominiert wurde, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Mit einer Bärenruhe reißt der technisch versierte Mittelfeldmann seine Kilometer mit maximal 26,4 Kmh (unterer Durchschnitt) ab. Und das so passsicher wie lange keiner mehr beim HSV! Sagenhafte 60 von 61 Pässen des Neuzugangs kamen an. Das sind 98,33 Prozent „angekommene Pässe“. Unfassbar, da es auch nicht nur Dreimeterpässe waren, sondern unter anderen auch die schöne Flanke zum 2:1 von Rudnevs. „Man sieht, dass wir da einen guten Mann gekauft haben“, sagt Fink, „Milan kann das Spiel lesen und sein Puls geht scheinbar nie hoch.“ Stimmt. Und das ist auch gut so. Badelj ist das Gehirn im Mittelfeld. Wie sagte Dietmar Beiersdorfer einst so treffend (damals über Atouba): „Er versteckt sich nie und stellt so immer eine Lösung für seine Mitspieler dar.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dann wird Dieter Euch darüber informieren, wer am Sonnabend im Vorfeld der 125-Jahr-Gala (es gibt noch rund 1000 Tickets) gegen den kleinen (aber stetig wachsenden) HSV aus Niedersachsen von Beginn an aufläuft. Und dass wir hier wieder darüber diskutieren können, wer am besten helfen kann ist sehr, sehr positiv. Denn das Schlimmste an der vergangenen Saison war doch, dass wir beim Zusammenstellen unserer Wunschstartelf danach entschieden haben, wer der Mannschaft am wenigsten schadet… Ergo: es geht aufwärts. Fink nannte das Spiel in Gladbach „das beste Spiel, seit ich da bin“. Und ich stimme dem zu. Auch wenn das alles sehr relativ ist. Denn bei aller Freude über den Sieg gegen Dortmund und das gute Spiel in Gladbach – der Weg ist noch weit. Und hoffentlich gerade erst beschritten worden…

Scholle

P.S.: Aus gegebenem Anlass wollte ich noch mal ganz kurz eine Diskussion widergeben, die ich mitbekommen habe. Hauptdarsteller ist ein sehr guter Bekannter von mir (St.-Pauli-Fan) und sein Arbeitskollege (HSV-Fan). Mein Bekannter erwehrte sich dabei der Forderung des Kollegen, dass Ilicevic zum Schiedsrichter hätte gehen müssen, um zu sagen, dass es kein Foul und somit kein Elfer war. Denn so wäre Stranzl (wurde für ein Spiel gesperrt) nicht mit Rot vom Platz gegangen.

Soweit so gut. Fair wäre es. Insofern bislang keine Einwände.

Aber als der Kollege auch noch Stranzl als gutes Beispiel zitierte, da dieser ja nach dem Spiel auch zugegeben hätte, dass sein Treffer irregulär war, musste ich einschreiten. Denn: was bringt es der Welt NACH dem Spiel? Hätte Stranzl wirklich diesen außergewöhnlichen Drang zur Ehrlichkeit, hätte er es im Spiel machen müssen. Und, damit Ihr mich nicht falsch versteht: ich fordere nicht, dass jedes Aufstützen, jedes Zupfen etc. beim Schiri per Selbstanzeige gemeldet wird. Es ist auch gut, dass er es zugibt. Aber in dem Moment zählt das Tor schon – da ist es auch leicht und hält dem eben erwähnten Vergleich leider absolut nicht Stand. Anders gestaltet sich das Beispiel Miroslav Klose, der für Lazio beim Stand von 0:0 seinen Handtreffer beim Schiedsrichter anmeldete, obwohl der das Tor gegeben hatte. Dabei hatte der Schiedsrichter nicht einmal gefragt. Bitter dabei nur: Lazio verlor letztlich mit 0:3 – aber die Römer feierten Klose als kleinen Helden…

Fink warnt – und Jansen hat sein Glück gefunden

24. November 2011

Ein langer Tag. Mal wieder. Allerdings muss ich zugeben, dass er auch deshalb so lang war, weil schon heute langsam die Vorfreude auf das Spiel in Hannover steigt. Sonnabendabend das Topspiel des Tages in Niedersachsen – dort, wo der HSV in den letzten Jahren fast nie gut aussah. „Wir haben mehrere Negativserien durchbrochen“, freute sich heute auch Trainer Thorsten Fink nach dem ersten Heimsieg der Saison. Allerdings, und das unterstreicht die Ambitionen des neuen HSV-Cheftrainers, warnte er zugleich. Er mahnte sogar zu frühe Zufriedenheit an. „Die Interviews in dieser Woche sind mir alle zu positiv. Wir gehen einen guten Weg. Aber ich verlange, dass wir weitermachen.“ Zwar habe er grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Spieler nach dem Sieg etwas gelöster seien. Allerdings dulde er keinen Stillstand. Denn: „Zufriedenheit bedeutet Rück-schritt“, so Fink in seiner betont ernst geführten Pressekonferenz heute.

Und obwohl mir die übermäßige Zufriedenheit bei den Spielern nicht explizit aufgefallen ist, freue ich mich. Ich finde es gut, dass Fink nicht nur in schlechten Phasen auf Optimismus macht, sondern auch in vermeintlich besseren Phasen vor zu früher Zufriedenheit mahnt. Denn genau daran ist der HSV in den letzten Jahren immer wieder gescheitert. Immer dann, wenn die Mannschaft einen ganz großen Sprung machen konnte, vergab sie die Chance. Und das Trainer übergreifend.

Nein, am Wochenanfang hatten wir die Möglichkeit, Thorsten Fink in einem längeren Interview auch zu persönli-chen Dingen zu befragen. Und auch dabei machte der Coach eine gute Figur. Das Ergebnis dürften einige von Euch wahrscheinlich schon in der Print-Ausgabe vom Dienstag oder auch im Internet gelesen haben. Allerdings gab es noch einige Dinge, die das Interview in der zeilenmäßig eingeschränkten Form zwangsläufig nicht komplett transportierte. Denn Fink zeigte sich von seiner sensiblen Seite. Wobei er immer seine bestimmte, klare Art bei-behielt und mit jedem Satz sein Selbstvertrauen und Ehrgeiz präsent war.

Aber er gewann – auf jeden Fall bei mir – mit seiner familiären Art. Wie Fink über seinen Vater sprach, wie er seine Jugend umschrieb, wie er dafür seine Eltern lobte – all das zeigt mir, dass Fink geerdet ist. Egal wie er auch auf die Tonne haut, wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was er über seinen Vater gesagt hat, dann wird er niemals zu weit abheben können. Seinem Vater, dem Zechenarbeiter, sei dank.

Ich weiß, das alles bringt zwar noch keine Punkte. Klar! Aber es macht es einfacher, an jemanden zu glauben. Daran, dass den starken Worten auch starke Taten folgen. Wie bei Marcell Jansen zuletzt. Auch der wieder er-starkte, inzwischen sogar wieder torgefährliche Linksfuß war heute auf dem Podium – und um den Blog nicht noch später erscheinen zu lassen, als nötig, stelle ich Euch die Printgeschichte vom Freitag hier rein. Viel Spaß:

Als ihn Horst Köppel das erste Mal 1999 beobachtete, war dem ehemaligen Nationalspieler mit geschultem Trai-nerblick sofort klar, dass hier ein außergewöhnliches Talent vorspielte. Dabei war Köppels erste Begegnung mit Marcell Jansen eher dem Zufall geschuldet: „Eigentlich wollte ich meinem Sohn zugucken, der damals mit Marcell in der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach spielte. Aber ich habe sofort gesehen, dass Marcell die weitaus größere Begabung hatte. Er war schnell und körperlich schon sehr gut entwickelt.“
Elf Jahre später sitzt Marcell Jansen, 26, blaue Trainingshose, schwarze Jacke, auf dem Podium im Presseraum der Imtech-Arena. Vor der Tafel mit den Logos der HSV-Sponsoren spricht der Nationalspieler über die Lage des HSV im allgemeinen und seine persönliche Situation im besonderen. Jansen war noch nie jemand, dem man zu solchen Terminen zwingen musste. Reden, das ist ohne Frage einer seiner Stärken – auch in Zeiten, wo es mal nicht so gut läuft. Doch gestern machte Jansen der Auftritt besonderen Spaß. „Ich fühle mich gut. Ich bin wieder voll im Saft“, sagt er, die Hände lässig auf dem Kinn gestützt.
Ein Trainerwechsel, dies ist eines der Naturgesetze der Branche, teilt eine Mannschaft immer in Gewinner und Verlierer. Zu den großen Gewinnern der Ablösung von Michael Oenning und der Verpflichtung von Thorsten Fink zählt ohne Frage Jansen. Unter Oenning bestritt er nur zwei Spiele über 90 Minuten, je zwei Mal wurde er aus- und eingewechselt. Fink machte den Teil-zeitarbeiter wieder zur Stammkraft – Jansen verpasste unter ihm nur fünf von insgesamt 360 Bundesliga-Minuten. Auch im Spiel am Sonnabend (18:30 Uhr) bei Hannover 96 ist er gesetzt. Jansen traf sowohl in Leverkusen (2:2) als auch gegen Hoffenheim (2:0). Damit hat er unter Fink in vier Spielen genauso viele Tore erzielt wie in der insgesamt 14 Monate währenden Ära Vehs und Oennings. Das neue Offensiv-Spielsystem, erklärt Jansen, komme gerade ihm entgegen: „Wir haben mehr Ballbesitz, dadurch werden meine Laufwege kürzer.“
Findet Jansen bei seinem siebten HSV-Trainer – die Interims-Übungsleiter Ricardo Moniz und Rudolfo Cardoso eingerechnet – endlich sein Glück? Nach seinem überraschenden Wechsel für acht Millionen Euro im Sommer 2008 von Bayern München wurde er zwar sofort unter Trainer Martin Jol zur Stammkraft. Doch schon unter Nachfolger Bruno Labbadia holte ihn das Verletzungspech wieder ein. Mit Armin Veh und Michael Oenning geriet er dann auch menschlich aneinander. Beide warfen Jansen mangelnde Einsatzbereitschaft vor. Zu lange habe er wegen eines schnöden Zehbruchs pausiert.
Einen Vorwurf, den Jansen bis heute nicht akzeptiert. Er habe sich sehr wohl gequält, im Sommer sogar auf eigene Kosten einen Fitness-Trainer in den USA engagiert: „Das war mein Vor-Vorbereitungslager“, sagt er. Auch Horst Köppel, der ihn in seiner Trainerzeit bei Borussia Mönchengladbach zum etablierten Stammkraft machte, hat Jansen nur positiv in Erinnerung: „Bei mir hat er sogar Sonderschichten mit dem Co-Trainer eingelegt, um seinen Antritt zu verbessern.“
Womöglich braucht Jansen auch schlicht einen Trainer wie Thorsten Fink. „Er ist ein positiver Typ“, sagt Jansen. Ohne Frage ticken die beiden ähnlich: Selbstbewusst, eloquent, clever. Jansen baut sich schon jetzt ein zweites berufliches Standbein auf. Bereits vor fünf Jahren gründete er die Agentur „MJ GmbH“. Eines der großen Projekte ist das Online-Poker-Portal „v-i-poker.de“, wo man gegen Prominente antreten kann. Die Poker-VIPs akquiriert Jansen im Kollegenkreis: Virtuell werben auf der Seite Nationalspieler wie Mesut Özil oder Lukas Podolski. Zu gewinnen gibt es signierte T-Shirts von der WM 2010.
Noch fehlt das aktuelle EM-Trikot. Kein Wunder, Jansen bestritt sein letztes Länderspiel vor über einem Jahr beim 1:0-Sieg am 3. September 2010 in Brüssel gegen Belgien. 36 Länderspiele sind eher enttäuschend für einen Mann, der mit 20 als eines der größten Hoffnungen im deutschen Fußball galt – inklusive Werbevertrag als Nutella-Boy. Aber Jansen glaubt weiter an seine Chance: „Ich habe die Teilnahme an der EM 2012 noch nicht abge-schrieben. Auch bei der WM 2010 bin ich ja noch im letzten Moment auf den WM-Zug aufgesprungen.“ Positiv denken konnte Jansen schließlich schon immer.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass Fink und Jansen den bisher eingeschlagenen Weg weitergehen. Spaß macht der mir jetzt schon.

Euch allen – nein, uns allen eine gute Nacht! Bis morgen, dann wieder zu 100 Prozent für den Blog unterwegs,

Scholle

P.S.: Mladen Petric konnte wegen seiner Wadenprobleme auch heute nicht trainieren. „Mladen wird in Hannover voraussichtlich noch nicht dabei sein können“, so Trainer Thorsten Fink heute.

Hannover ist schon der letzte Strohhalm

15. April 2011

Na dann! Los geht’s. Die letzte Chance auf die Europa League, das erste der letzten fünf Endspiele? „Unser letzter Strohhalm“, sagt Kapitän Heiko Westermann, „und wir haben gegen die auch noch etwas gutzumachen.“ Eine 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel. „Ja, aber wir waren besser und haben die Punkte da liegenlassen.“ Deshalb gelte aus zweierlei Sicht nur ein Ziel: Der Dreier gegen den Dritten morgen ab 15.30 Uhr in der Imtech-Arena. Und auch Cheftrainer Michael Oenning setzt auf Sieg, will ggen die konterstarken Niedersachsen stürmisch agieren lassen. „Er lässt nach vorne spielen“, weiß sein Assistent Rodolfo Cardoso zu berichten, „ihm ist das Ergebnis nicht ganz so wichtig wie die Art zu spielen. Allerding nur so lange, wie wir gewinnen natürlich.“

Das muss der HSV, sofern er sich die Chance auf den fünften Rang und somit die Teilnahme an der Europa League erhalten will. Drei Punkte gilt es auf Mainz aufzuholen, die wiederum heute Abend gegen Gladbach vorlegen in einem Spiel, das sich wohl die gesamte HSV-Mannschaft im Mannschaftshotel ansehen wird.

Wie sehr viele von Euch werde auch ich es sehen. In der Hoffnung, dass die Gladbacher sich im Abstiegskampf etwas Luft verschaffen können und so dem HSV helfen. Denn, wenn man mal ehrlich ist, hat Mainz das leichteste Restprogramm derer, die um Platz fünf kämpfen. „Aber wenn wir weiter gewinnen und Druck aufbauen, muss die sehr junge Mainzer Mannschaft damit erst einmal klarkommen“, stichelt Cardoso, mit dem wir (Kai Schiller und ich) uns heute in der Raute getroffen haben. „Unsere Mannschaft hat die Erfahrung und alle sind ganz gut drauf. Warum nicht?“, so Cardosos rhetorische Frage.

Ehrlich gesagt, ich habe keinen Grund. Zumindest keinen, den ich nennen werde. Denn auch ich halte mich jetzt an die Maxime, in den letzten fünf Spielen nichts anderes zählen zu lassen, als den sportlichen Erfolg. Erst, wenn die letzte theoretische Chance vorbei ist, werde ich damit aufhören. Wie viele von Euch wahrscheinlich auch. Das ist sicher nicht die intelligenteste Art, mit der Situation umzugehen, aber die einzige, die mir Spaß macht.

Spaß hat derzeit auch die Mannschaft, das ist inzwischen inflationär oft genannt worden. Aber es ist auch tatsächlich jeden Tag zu sehen. Auch heute wieder im Training. Denn so konkurrierend die Spieler untereinander sind und so hart sie in den Trainingsspielen um einen Platz in der Startelf auch kämpfen, sie sind sich in ihrem Ziel eins. „Es war eine harte Woche“, sagt Dennis Diekmeier, „weil alle mitziehen. In den Spielen, wo eine A- gegen eine B-Elf gespielt hat, hat die B-Truppe immer richtig gut dagegengehalten. Es lässt sich keiner hängen.“ Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen teilweise bis ins Halbfinale international gespielt wurde und somit eine Doppelbelastung (mit DFB-Pokal sogar dreifach), scheint die Mannschaft zum Saisonende hin nicht abzubauen sondern ihre zweite Luft zu bekommen.

Wer diese einsetzen kann, scheint noch offen zu sein. Zumindest lässt sich Oenning mal wieder nicht in die Karten schauen. Im Training folgte heute auf eine kurze Laufeinheit ein verlängertes Kreisspiel. Aktive Erholung – mehr nicht. Und für uns keine Antwort auf die Frage, wer den gelbrot-gesperrten Änis Ben-Hatira ersetzen wird. Eine Frage, die übrigens auch Cardoso stellte. Doch auch der sympathische Argentinier vermochte sich nicht festzulegen. „Michael wird eine Idee haben. Und wir werden sicher auch darüber sprechen. Er akzeptiert meine Meinung – aber am Ende entscheidet er.“ Wen Rodolfo spielen lassen würde? Der ehemalige Zehner diplomatisch: „Da bieten sich gleich mehrere ebenbürtige Konstellationen an.“ Zum einen wäre das Tunay Torun, zum anderen Jonathan Pitroipa. Und die für mich wahrscheinlichste Lösung wäre Eljero Elia auf rechts, während Marcell Jansen in seinem dann 150. Bundesligaspiel die linke offensive Seite vor ausverkauftem Haus übernehmen könnte.

Und während es über rechts eine Bauchentscheidung Oennings wohl zwischen Torun und Elia geben wird, bin ich mir sicher bei der Aufstellung in der Abwehr. Dort beginnt Diekmeier rechts, daneben wird es auf Gojko Kacar und Westermann ankommen, während Dennis Aogo links hinten anfängt. Allerdings gibt es nur wenige Alternativen, da Benjamin nicht im Kader steht, Muhamed Besic bei der Regionalliga-Elf aufläuft und Joris Mathijsen (Knöchel) sowie Guy Demel (Magen-Darm-Probleme) ausfallen.

Und das gegen niemand geringeren als Didier Ya Konan (13 Tore, sieben Vorlagen) und Mohammed Abdeallaoue (9/1), die zusammen an 30 der insgesamt 42 Treffer der Niedersachsen beteiligt waren. „Hannover ist sehr lauf- und kampfstark, steht kompakt und spielt schnelle Konter mit zwei starken Stürmern“, analysiert Cardoso und auch Diekmeier und Westermann sind sich einig: „Das wird ein Schlüssel zum Sieg, hinten wieder so eng wie in großen Teilen der Partie gegen Dortmund zu stehen“, so Westermann, der zugleich auf die eigene Stärke setzt: „Wir müssen ganz sicher besonders auf die beiden achten. Aber wir werden trotzdem hoch (offensiv ausgerichtet, Anm. d. Red.) stehen, weil uns keiner weglaufen wird. Wir haben in der Verteidigung genug Tempo.“

Immerhin vier Siege in den letzten fünf Spielen haben sich die Hannoveraner vorgenommen, um so zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Champions League zu erreichen. „Das können sie ja auch noch, wenn sie bei uns verloren haben“, sagt Westermann, der den nächsten Gegner als „die größte Überraschung der Saison“ bezeichnet.

Nicht wirklich überraschen würde mich indes, wenn nach dem Hannover-Spiel eine Entscheidung in Sachen Trainer fällt. So zumindest wird gemutmaßt. Und einen Sieg gegen Hannover vorausgesetzt, kann ich mir da nichts anderes vorstellen, als dass es eine Entscheidung pro Oenning geben wird. Alles andere könnte die konzentrierte Arbeit stören. Und wie wichtig die Europa League auch finanziell für den HSV wäre, wisst ihr alle selbst.

In diesem Sinne,

ich freue mich auf das HSV-Duell!

Bis morgen,
Scholle

18.05 Uhr

Letzte Fakten zum Spiel:

Hamburger SV: Rost – Diekmeier, Kacar, Westermann, Aogo – Jarolim – Jansen, Zé Roberto, Elia – Petric, van Nistelrooy

Kader: Mickel, Tesche, Trochowski, Pitroipa, Torun, Son, Guerrero
Nicht dabei: Ben-Hatira (Gelb-Rot-Sperre), Mathijsen (Sprunggelenksprobleme), Demel (Magen-Darm-Grippe), Drobny (Handbruch), Stepanek (Aufbautraining nach Kreuzbandriss), Castelen (Aufbautraining nach Knie-OP), Besic, Choupo-Moting (HSV II), Benjamin, Rincón (nicht berücksichtigt)

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz – Schmiedebach, Pinto – Stindl, Rausch – Ya Konan, Abdellaoue
Nicht dabei: Andreasen (Aufbautraining)

Schiedsrichter:
Christian Dingert (Lebecksmühle)

Eine einfach nur bittere Niederlage

20. November 2010

Ich wollte eigentlich mit Schlusspfiff bloggen. Aber ich muss zugeben, ich weiß noch immer nicht so recht, wie ich dieses Spiel deuten soll. In Hannover verloren, das darf nicht der Anspruch sein. Klar. Aber wenn ich mir ansehe, wie dieses Spiel verloren wurde, muss ich relativieren. Denn dieses Spiel war eine klare Steigerung zur Vorwoche, es war teilweise sogar richtig ansehnlich. Die Mannschaft wollte auch, das war deutlich zu erkennen.

Aber der Reihe nach.

Am Anfang war ich einfach nur froh, dass es die Reportertaste bei Sky gibt. Denn was sich der werte Sky-Kommentator da in der ersten Halbzeit abgekniffen hat, war unterirdisch. Son schlecht zu reden, nachdem der allein in den ersten fünf Minuten schon drei Riesenszenen hatte – unfassbar. Dann auch noch Pitroipa in genau den zehn Minuten zu loben, in denen er kurzzeitig abgetaucht war, das passte da nur ins Bild. Aber egal. Das Spiel war besser als der Kommentator, zum Glück.

Es war ein typisches HSV-Spiel. Wieder feldüberlegen und mit mehr Ballbesitz fangen sie sich einen Treffer ein, der individueller nicht sein kann. Ausgerechnet Debütant Besic, der mir ansonsten sehr gut gefiel, schießt als letzter Mann Stindl an und der rennt allein auf Drobny zu, zielt – und trifft. 1:0 für den kleinen HSV, der bis dahin kaum stattgefunden hatte.

Allerdings hatte der Gegentreffer nicht die verheerenden Folgen, die viele erwartet hätten. Im Gegenteil. Der HSV bäumte sich auf. Der heute starke Westermann nahm sich Besic, munterte ihn auf. Eine Szene, die ich bislang in dieser Saison so noch nicht gesehen hatte. Endlich ein Anzeichen von Teamgeist. Zumal Westermann auch insgesamt mehr als sonst den Mund aufmachte. Er dirigierte, er forderte und er stellte seine Leute. Er war endlich DER Kapitän. Der Abwehrchef. Wobei ich nicht verschweigen will, dass auch Besic viel dirigierte und motivierte – allerdings diente das wahrscheinlicher eher ihm selbst als der Mannschaft.

Und so war es auch wenig verwunderlich, dass der HSV noch vor der Pause zum Ausgleich kam. Pitroipa setzte sich über links gleich gegen zwei Hannoveraner durch, zog bis auf die Grundlinie und passte unkonventionell in die Mitte, wo Son den Ball über die Torlinie stochern konnte (40. Minute).

Und der HSV legte sogar noch nach. Nach einigen kleinen Problemen gegen stürmisch beginnende Niedersachsen setzte sich wieder Pitroipa durch – diesmal über die rechte Seite – und seine Flanke findet in Son einen dankbaren Abnehmer. Und wie! Der Südkoreaner steigt am zweiten Pfosten hoch und legt den Ball per Kopf wunderschön an 96-Keeper Fromlowitz vorbei ins lange Eck (54.). Ein traumhaft schön herausgespieltes Tor.

Allerdings hielt die Führung nicht lang. Schulz sorgte nur fünf Minuten später mit einem Fallrückzieher für den erneuten Ausgleich. Ein Treffer, bei dem zuerst die gesamte Abwehr (weil sie Schulz völlig ungedeckt ließ) und anschließend auch Torwart Jaroslav Drobny schlecht aussahen. Der Tscheche, der gegen Stuttgart am kommenden Sonnabend mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder vom wieder genesenen Frank Rost ersetzt wird, stand hierbei zu weit vor seinem Kasten und wurde schlicht überlupft. Das 2:2.

Aber leider noch nicht der letzte Treffer. In der Nachspielzeit war es Mike Hanke, der per Kopf das 3:2 für Hannover besorgte. Zuerst sah es so aus, als hätte Hanke seinen Gegenspieler Tomas Rincon umgerissen. Aber bei genauerem Hinsehen wurde deutlich, dass sich der Venezolaner, den ich bis dahin ganz stark gesehen hatte, einfach verschätzte. Bitter. Bitter für Rincon. Und bitter für den HSV, der ein Spiel verliert, das er nie und nimmer verlieren darf. Ganz im Gegenteil. In diesem Spiel war (im Gegensatz zur Dortmund-Partie) mehr drin.

Angefangen bei Heiko Westermann, der vielleicht sein bestes Spiel bislang für den HSV machte, über Besic, der nur einen einzigen Fehler im Spiel hatte. Selbst Rincon spielte nach zehn Minuten Anfangsschwierigkeiten sehr stark – bis kurz vor Ende. Ebenso dramatisch war das Spiel für Drobny, der eine Flanke unterlief und einmal zu weit vor seinem Kasten stand. Ansonsten hielt er, was zu halten war. Er rettete zudem in der 85. Minute sensationell gegen Hanke. Aber wie bei Besic und Rincon wurden seine wenigen Fehler bitter bestraft.

Mann des Spiels war trotz der zwei Tore von Son für mich Jonathan Pitroipa. Zehn Minuten Pause gönnte er sich in der ersten Halbzeit, aber die restlichen 80 Minuten war er brandgefährlich. Er bereitete beide Tore mustergültig vor. Allerdings muss er auch das dritte Tor machen, als er sich in der zweiten Halbzeit super durchsetzt und allein vor Fromlowitz mit links knapp verzieht.

Und während Petric sowie van Nistelrooy nach dessen Einwechslung einfach nur unauffällig blieben, machten David Jarolim und Piotr Trochowski ein unauffälliges, aber gutes Spiel. Während Jarolim sich wieder eine Fleißnote erarbeitete, zudem durch viele Ballgewinne bestach, scheint Trochowski langsam zu begreifen, dass er nicht immer das Besondere machen muss. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass er bemüht war, sachlich zu spielen, das Spiel nicht durch seine für ihn typischen Drehungen um die eigene Achse zu verschleppen. Er spielte effizient.

Auffälliger war dagegen Guerrero. Allerdings am meisten, als er sich nach dem 2:1-Führungstreffer von verschiedenen Hannoveranern provozieren ließ. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees hatte ihn gefragt, ob er vor dem 2:1 Hand gespielt hätte. Er hatte. Aber er gab es nicht zu, was die Hannoveraner Spieler aufbrachte. Es kam zur Rangelei, Guerrero und Schlaudraff erhielten Gelb. Die fast logische Folge war Guerreros Auswechslung (ohne mit Trainer Veh abzuklatschen) und im Ergebnis eine eher schwache Partie des Peruaners.

Besser war dagegen Youngster Son. Der Südkoreaner begann bärenstark, tauchte eine ganze Weile ab aber war an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Addiert man seine zwei Tore hinzu bleibt unter dem Strich ein starkes Spiel auf der linken Seite, die er sich mit Zé Roberto teilte. Der Brasilianer, der erneut auf der ungeliebten Linksverteidigerposition auflief, enttäuschte dagegen. Einem guten Sololauf standen heute etliche unnötige Ballverluste und ein ungewohnt schwaches Zweikampfverhalten entgegen. Ich weiß nicht, was mit Zé heute los war, aber das wirkte schon sehr müde, fast lustlos.

Trotzdem möchte ich diesen ob der Niederlage natürlich enttäuschenden Nachmittag positiv beschließen. Denn neben Besic und Son konnte heute noch ein dritter Junger überzeugen. Und zwar Tunay Torun. Der Deutschtürke steuerte beim 3:0-Erfolg der U23 gleich zwei Treffer bei und untermauerte seine gute Form.

In diesem Sinne: Kopf hoch, HSV!

18.22 Uhr

Aus der Not eine T(J)ugend machen

19. November 2010

So blöd es bei der prognostizierten Ausfallzeit von acht Wochen auch klingen mag, Joris Mathijsen hat noch Glück gehabt. Ich hatte mich mit einem ehemaligen HSV-Arzt über die Bilder unterhalten, wie Mathijsen gegen die Türkei umgeknickt war, und auch der studierte Mediziner hatte einen Knöchelbruch befürchtet. Sein O-Ton: „Wenn da nichts am Knochen ist, kannst Du auch das Pech haben, dass sämtliche Bänder durch sind.“ Dem ist nicht so. Es sind „nur“ zwei Bänder gerissen. Ob Joris jetzt operiert wird, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Klar ist aber, dass die Hinrunde für ihn gelaufen ist.

Und mit Muhamed Besic steht der Nachfolger bereit. Obwohl auch der junge Bosnier kurz um seinen Startplatz zittern musste, als sich Guy Demel zum Abschlusstraining plötzlich auf den Trainingsplatz begab. Allerdings dauerte es keine zwei Minuten und keine zwei Sätze von Co-Trainer Reiner Geyer, da war der Ivorer wieder verschwunden. Und obwohl sich Veh nicht zu dem Vorfall äußern wollte scheint klar, dass hier Ärger ins Haus steht. Schließlich hatte auch der HSV via Pressemitteilung bereits Demels Ausfall verkündet.

Und ich frage mich ganz ehrlich, was Demel wollte. Er verletzt sich in Dortmund und wird zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt. Verletzt (!) wohlgemerkt. Und so angeschlagen wie er ist, reist er zwei Tage später zum Länderspiel und spielt über die volle Distanz von 90 Minuten! Wäre er heil zurückgekehrt, hätte vielleicht niemand etwas gesagt. Aber stattdessen klagt er seither über Achillessehnenprobleme. Am Donnerstag fiel er damit aus, auch heute scheint er dem Trainerteam vor der Einheit keine Besserung signalisiert zu haben. Und ganz ehrlich: sein Platzverweis von Geyer ist letztlich nur die Krönung von Guys bisheriger Saison.

Aber gut. Reden wir lieber über die, die mit nach Hannover reisen. Über die, die endlich wieder einen Dreier einfahren sollen. Und über die möglichen Startelfformationen. Denn die haben seit heute eine neue Variante. Ich hatte ja schon geschrieben, dass Änis Ben-Hatira in den letzten Tagen im Training auffällig agierte. Heute bekam der 23-Jährige dafür seine Quittung – in der freundlichen Form einer Startelfnominierung. Zuerst agierte er beim taktischen Training auf links in der Viererkette, wechselte aber bereits nach einer Minute mit Zé Roberto wieder ins Mittelfeld. Ob Veh ihn von beginn an spielen lassen will? „Es kann sich noch etwas ändern. Aber Änis hat die Woche über sehr gut trainiert“, lobte ihn Veh.

Und so sah es aus: Ben-Hatira spielte rechts neben den beiden Sechsern Trochowski und Jarolim, während Pitroipa auf der linken Mittelfeldseite agierte. Davor ließ Veh heute mit zwei Spitzen, Paolo Guerrero und Mladen Petric üben. Gut möglich erscheint allerdings, dass Ben-Hatira durch Heung Min Son ersetzt wird, der mit den restlichen Reservisten (Ruud van Nistelrooy, Robert Tesche, Eljero Elia, Maxim Choupo Moting, Tom Mikkel und Lennard Sowah) auf der zweiten Platzhälfte trainierte.

Dazu ließ Veh Tomas Rincon hinten rechts spielen. Und Muhamed Besic startet, wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Wobei ich wirklich sehr gespannt bin. Auf der einen Seite ist Muhamed mit 1,80 Meter und gerade 77 Kilogramm körperlich für einen Innenverteidiger sicherlich nicht optimal. „Aber ich spiele mit Auge, gerade weil ich körperlich zu leicht weggeschoben werden kann“, sagt er selbst.

Ich muss wiederholt zugeben, der Junge imponiert mir. Heute saß er bei uns in der Presserunde und wurde mit Fragen ohne Ende bombardiert. Und Besic saß da, antwortete ruhig und gewählt. Er versuchte seine Nervosität zu überspielen. Was unnötig ist. Denn es ist eine Nervosität, die dazugehört. Immerhin steht er nach seiner Bundesligapremiere in Dortmund, seinem ersten Länderspieleinsatz (zehn Minuten gegen die Slowakei) auch vor seinem Startelfdebüt. „Ich werde versuchen, mir keinen Kopf zu machen“, sagt Besic. Das sei der Tipp seiner Mannschaftskameraden gewesen.

Ich wollte wissen, ob er wirklich so cool ist, wie er tut. Muahmed grinste leicht verlegen und gab zu: „Grundsätzlich ist das vielleicht eine Stärke von mir. Aber ich bin mir sicher, dass die Aufregung noch kommt. Aber es wäre auch komisch, wenn nicht.“

Besic’s Stärken liegen allerdings nicht nur in seinem Gemüt, sondern auf dem Platz auch eindeutig im fußballerischen Bereich. Der Bosnier, der vor 18 Monaten aus Berlin ins HSV-Internat wechselte, besticht durch kluges Aufbauspiel. Genau mit dem, was diesem HSV bisher etwas abging. Zudem ist Besic eher der Typ Instinktfußballer. Er ist kein Sprinter, aber er antizipiert gut.

Im Übrigen: Daher ist mir die Kombination mit Westermann auch fast noch lieber als die mit Mathijsen. Denn Joris, seine Konstanz in allen Ehren, ist auch kein Sprinter. Beide zusammen könnten läuferisch gegen quirlige Spieler wie jetzt Hannovers Didier YaKonan arge Schwierigkeiten bekommen. Deshalb setze ich darauf, dass Westermann den Abräumer spielt, seine Zweikampf- und Laufstärke einbringt und damit wenns nötig wird den einen oder anderen Fehler seines jungen Nebenmannes ausbügelt und Besic mit dieser Sicherheit im Rücken seine spielerischen Stärken entwickelt. „Ich werde mein Bestes geben“, sagt Besic, „auch wenn sicherlich noch nicht alles klappen wird.“

Gut möglich. Besic wird in Hannover der Spieler auf dem Platz sein, dem alles verziehen wird, was nicht so gut läuft. Das haben ihm seine Kollegen schon mitgeteilt. Auch Trainer Armin Veh. Besic soll nach Son und vielleicht ja auch mit Ben-Hatira zusammen stellvertretend für einen möglichen Umbruch stehen. Und dazu gehört Zeit. Dazu gehört Geduld. Mehr als man beim HSV zuletzt hatte. Das weiß auch Veh. „Wenn wir keine Ergebnisse liefern, interessiert sich später keiner dafür, wie das zustande gekommen ist.“ Da hat er wahrscheinlich Recht. Trotzdem freue ich mich, dass der Trainer den Mut hat, jetzt seine Jungen reinzuwerfen. Vielleicht entsteht ja so aus der Not eine T(J)ugend.

Zudem darf die Zahl von zehn Verletzten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bank wieder außerordentlich gut besetzt ist. Da sitzen talentierte Fußballer wie Choupo-Moting, wahrscheinlich Son sowie Ruud van Nistelrooy und Eljero Elia, die zwar noch nicht bei 100 Prozent sind, aber allemal das Zeug haben, auch nach einer Einwechslung ein Spiel allein zu entscheiden. Veh hat ein paar Asse in der Hinterhand.

Vielleicht entwickelt sich so endlich eine Mannschaft. Die schwierige Situation zum eigenen Vorteil nutzen, hatte Veh seine Hoffnung formuliert. Und er hat ein klares Zeichen gesetzt, nicht auf Biegen und Brechen seine alte Garde aufzubieten. Egal wie angeschlagen sie ist. Leidtragender war diesmal Guy Demel. Hoffentlich mit der richtigen Wirkung. Zum Wohle der Mannschaft. Zum Wohle des Vereins. Und zu unserer Freude.

Mit folgender Startel: Drobny – Rincon, Besic, Westermann, Zé Roberto – Ben-Hatira (Son), Jarolim, Trochowski, Pitroipa – Guerrero, Petric.

In diesem Sinne: Nur der (große) HSV!

18.35 Uhr

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