Archiv für das Tag 'Günther'

Entwarnung bei Lasogga – dafür fällt Jansen aus

11. März 2015

Dann also doch nur eine Vorsichtsmaßnahme. Zum Glück. Pierre Michel Lasogga konnte heute schon wieder individuell mit Rehatrainer Markus Günther trainieren. Ohne abzubrechen. Schon morgen oder spätestens am Freitag soll der bullige Angreifer wieder auf dem Platz voll mittrainieren können und am Sonnabend in Hoffenheim im Kader stehen. Da definitiv noch nicht dabei sein wird Marcell Jansen, der seinen Muskelfaserriss noch nicht ausreichend auskuriert hat, wie Röntgenaufnahmen heute bestätigten. Eine bittere Nachricht für den Linksfuß, der vor seiner Verletzung in guter Verfassung war und sich für einen neuen Vertrag empfehlen will. Noch bitterer für das HSV-Urgestein: Seine Verletzungsanfälligkeit, so oft sie auch in Sportunfällen begründet ist, dürfte eher gegenteiliges bewirken.

Für Abendblatt-Blogs


Ebenfalls auszufallen drohte Rafael van der Vaart, der seine Grippe aber heute schon auskuriert hatte, bzw. sie an Maxi Beister weitergereicht hatte. Denn der Hoffnungsträger so vieler HSV-Fans lag heute flach. Ob Beister ausfällt, ist offen. Ich drücke ihm von hier aus auf jeden Fall beide Daumen, dass er endlich wieder hundertprozentig fit und den HSV-Angriff somit schnellstmöglich bereichern wird. Die Mannschaft braucht ihn. Ebenso wie einen gesunden Pierre Michel Lasogga, der im Hinspiel gegen die TSG den Treffer beim 1:1 erzielen konnte.

Damals ebenfalls dabei war Lewis Holtby, der wieder mit der Mannschaft trainiert und auf sein Comeback drängt. Auch heute war er wieder dabei und agierte sogar zweitweise im A-Team. Nicht unbedingt, weil er sich aufdrängen konnte. Dafür aber, weil es an Alternativen mangelt. Beister fehlt krank, Jansens und Müller (fünfte Gelbe) fallen aus. Bleiben für die Außen noch Green und Ilicevic, sowie der zuletzt gute Mohamed Gouaida auf den Außenbahnen, während zentral Zoltan Stieber – wer hätte das in der Hinrunde gedacht – als gesetzt gilt. Da scheint nicht mal mehr ausgeschlossen, dass Holtby gegen Hoffenheim sein Comebck feiert – wenn auch zunächst nur von der Bank aus.

 

Gestern jedenfalls absolvierte der Linksfuß – wie eigentlich immer – nach Trainingsende noch eine kleine Sondereinheit. Zusammen mit Brunst im Tor und Zoltan Stieber als Passgeber übte der Linksfuß den Torabschluss. Und das war wirklich imposant. Brunst chippte den Ball auf Steiber und Holtby im Wechsel, die die Kugel entweder direkt oder nach einmal hochhalten für den anderen auflegten.

Steht kurz vor seiner Rückkehr in den Kader: Lewis Holtby

Steht kurz vor seiner Rückkehr in den Kader: Lewis Holtby

Und ich habe mitgezählt: Von 19 Versuchen aus mehr als  20 Metern konnten die beiden dank ihrer überragenden Schusstechnik elf Treffer per Direktabnahme erzielen. Eine starke Quote. Insofern ist Holtby – bei Stieber ist das inzwischen bekannt – in Sachen Torschuss schon mal wieder auf der Höhe. Und ich bin gespannt, ob Zinnbauer das Wagnis eingeht, Holtby mitzunehmen.

Apropos Zinnbauer: Heute hat Thomas Doll in der „SportBild“ eine für mich ebenso wenig überraschende wie richtige Kritik am HSV geäußert. Den Kollegen sagte er im Interview: „Das Problem ist, dass seit Jahren nach jedem Trainerwechsel dieselben Spieler die gleichen Sprüche machen. Dann sagen sie: ‚Der neue Trainer spricht mit uns, wir trainieren mehr, stehen kompakter, arbeiten jetzt als Team.’ Drei Wochen später bringen sie wieder keine Leistung. Während die Trainer fliegen, sind diese Spieler noch immer da: Der HSV muss ausmisten. Der HSV muss sich dazu bekennen, dass er hinteres Mittelmaß ist. Da muss der Club wieder anfangen und kleine Brötchen backen. Da darf keiner Europa im Hinterkopf haben.“

Alles richtig. Und ich glaube, diese Gedanken sind gerade im Doppelpass mit der von meinem Kollegen Alexander Laux heute sehr anschaulich dargestellten düsteren Finanzsituation auch den Verantwortlich längst nicht mehr fremd. Zumindest erklärt das HSV-Direktor Bernhard Peters im Abendblatt-Interview, das morgen erscheinen wird: „Wir sind natürlich noch lange nicht da, wo wir mal hinwollen“, so Peters auf die Frage, wie er zum aktuell eher rustikalen denn technisch hochwertigen Fußball steht.


Bernhard Peters gilt als Trainerausbilder - auch für HSV-Coach Zinnbauer (l.)

Bernhard Peters gilt als Trainerausbilder – auch für HSV-Coach Zinnbauer (l.)

„Momentan sind wir in einer Situation, wo der Zweck die Mittel heiligt. Das ist aber auch völlig normal. Wir wollen beim HSV langfristig etwas aufbauen – und momentan sind wir eben ganz am Anfang dieser Entwicklung. Wir wollen eine HSV-Identität mit einer klaren Orientierung schaffen. Unser Ziel muss es sein, dass man eine HSV-Handschrift auf und neben dem Platz erkennt.“ In dem Interview erklärt Peters eindrucksvoll, was der HSV von Hoffenheim aber auch von Mainz und beispielsweise Freiburg lernen kann, welche nachvollziehbare Parallele Zinnbauer mit Pep Guardiola hat und wie sich der HSV seinem Entwicklungsziel nähern will. Ein definitiv lesenswertes Interview meines Kollegen Kai Schiller!

Dass Rafael van der Vaart den gesamten von Peters beschriebenen Weg mitgehen wird ist nahezu ausgeschlossen. Als Aktiver allemal. Denn wie ich gehört habe, ist auch die vorzeitige Abgabe von Rafael van der Vaart längst nicht mehr ausgeschlossen. Obwohl der Direktor Sport, Peter Knäbel, eine vorzeitige Abgabe gerade erst ausschloss, soll überlegt werden, ob man den Niederländer, der beim HSV nicht mehr über die Rolle des Reservisten hinauszukommen scheint, in der Länderspielpause an Sporting Kansas City abgibt und so neben einer kleinen Ablöse, die man kassieren würde, noch ein wenig Gehalt spart. Es wäre ein trauriges Ende eines großen HSVers mit enormen Verdiensten rund um diesen Verein – aber es wäre mit Sicherheit nicht die schlechteste Entscheidung. Für beide Seiten.

Und nur um das noch mal den wenigen klarzumachen, was ich gestern meinte, als ich den rustikalen Fußball als beste Lösung beschrieb: Es geht mir nicht darum, der Mannschaft das Potenzial für einen geordneten Spielaufbau und ansehnlichen Fußball abzusprechen, ganz sicher nicht. Ich glaube, dass dieses Potenzial da ist. Ich bin mir aber sicher, dass der HSV nicht die Zeit hat, das auszuprobieren. Dafür fehlt der gesicherte Klassenerhalt. Deshalb schrieb ich auch, dass dieser Fußball sicher nicht der Anspruch des HSV generell sein darf – er es aber im Moment sein muss. Soll heißen: Jetzt mit simpelsten Mitteln den Klassenerhalt sichern, und dann wieder Fußball probieren, wie ihn der FC Schalke gestern unter anderen mit den überragenden Meyer, Huntelaar und Fuchs spielte. Insbesondere der Erstgenannte war für mich so stark, dass Schalke schon sehr bald sehr großes Werben um ihn „befürchten“ muss…

 

In diesem Sinne, morgen melde ich mich nach dem Nachmittagstraining um 15.30 Uhr wieder.

 

 

Scholle

 

P.S.: Mit Lasogga trainierten heute auch Dennis Diekmeier und Johan Djourou vorsichtshalber individuell mit Lasogga und Rehatrainer Markus Günther. Alle drei sollen morgen oder spätestens Freitag wieder einsteigen können.

Newcastle baggert immer noch an Lasogga

19. Januar 2015

Auf dem Trainingsplatz wurde Pierre-Michel Lasogga auch heute nicht gesehen. Ebenso wie alle schon gestern gegen Astana (0:0) geschonten Spieler war der Stürmer auch heute nicht gesund genug für eine lockere Einheit mit dem Rest der Truppe. Was am heutigen Montag auch nicht dramatisch war. Das Training war kurz, es nieselte die ganze Zeit, und nach ein paar lockeren Spielchen war auch schon wieder Feierabend. Zumindest sichtbar auf dem Rasen. In den Fitnessbereichen wurde kräftig individuell weiter gearbeitet.

Lasogga ist aber trotzdem immer wieder das Diskussions-Thema. Aktueller Anlass ist das Interesse von Newcastle United am HSV-Torjäger der vergangenen Saison. Das ist sogar soweit gegangen, dass den HSV-Verantwortlichen zuletzt konkretes Interesse aus England angezeigt wurde. Der Gedanke ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, schließlich hatte es Lasogga selbst immer wieder als seinen Fußball-Traum bezeichnet, auf der Insel zu kicken.

In der aktuellen Transferperiode, das allerdings sind die momentanen Informationen, wird sich in dieser Hinsicht nichts tun. So unbefriedigend Lasoggas Hinrunde für den HSV und garantiert auch für den Spieler selbst lief, so gering ist das Hamburger Interesse, den ohnehin schon dünn besetzten Sturm weiter auszudünnen. Erst recht, wenn keine Verstärkung unterschrieben hat. Und das ist der Stand der Dinge: Lasogga wird nicht abgegeben, stattdessen arbeitet Manager Peter Knäbel (ich weiß: offiziell heißt er „Direktor Profi-Fußball“, aber der Begriff ist mir zu sperrig) weiter an der Verpflichtung von Josip Drmic von Bayer Leverkusen.

Heute bekam die Debatte um Drmic eine interessante Wendung. Wie die Kollegen von der „Sport-Bild“ herausgefunden haben, hat sich Bayer Leverkusen – Drmic‘ aktueller Verein – in London nach Roberto Soldado (Tottenham Hotspur) erkundigt. Der Plan könnte nun logischerweise sein: Soldado zu Bayer, dann kann Drmic zum HSV. Dass ein entsprechender Hamburger Wunsch besteht, gab Peter Knäbel unumwunden zu. „Wir haben ihn noch nicht abgeschrieben“, so Knäbel. „Wir haben mit ihm auch schon so weit, dass wir gekonnt hätten. Aber da ist ja immer auch noch der Arbeitgeber.“ Also Bayer Leverkusen. Knäbel erwartet nun, dass sich die Entscheidung hinzieht, möglicherweise bis zum Ende der Transferperiode, das diesmal wegen des Wochenendes 31. Januar/1. Februar auf Montag, den 2. Februar gelegt wurde. Knäbel: „Wenn ich wüsste, was wann passiert, wäre ich ein guter Prophet.“

Allerdings verriet Peter Knäbel anlässlich eines Journalisten-Tages mit einheimischen Reportern im Mannschaftshotel „Meydan“ auch, dass er nicht alles auf die Karte Drmic setzen kann. Gerade im Winter seien Transfers oftmals schwierig zu realisieren. „Preiswert und verfügbar, das sind entscheidende Kriterien“, so Knäbel. „Und wenn es schwierig wird, muss man halt weitergucken.“ Andere Kandidaten von der Güte eines Josip Drmic sind aber sicher auf dem Markt kaum zu ergattern.

Dass Innocent Emeghara nicht unbedingt in das Anforderungsprofil passt, ist an dieser Stelle bereits angedeutet worden. Mit Ende des Trainingslagers wird dem Schweizer Stürmer mitgeteilt, ob ihn der HSV halten möchte oder nicht. Durch die Blume kündigte Knäbel eher einen negativen Bescheid an. „Er hat einige Zeit nicht mehr auf diesem Niveau trainiert, das sieht man“, so Knäbel. „Aber wenn man 20 bis 25 Trainingseinheiten hat, dann können wir schon erkennen, über welche Qualitäten ein Spieler verfügt. Insofern ist es auch nur fair, wenn wir nach dem Trainingslager eine Entscheidung fällen.“

Generell möchte Knäbel nach der Vorbereitungsphase einen Kader von etwa 28 Spielern haben, mit denen er in die Rückrunde geht. Das heißt, dass nicht nur Emeghara auf dem Prüfstein steht, sondern auch einige andere, die hier in Dubai dabei sind. Mit der Entscheidung, Ivo Ilicevic zu Hause zu lassen, ist in dieser Personalie eine deutliche Weiche gestellt worden. Und da gibt es auch kein Zurück mehr: „Wir haben ihm rechtzeitig angekündigt, dass es lohnenswert wäre, etwas zu suchen.“ Knäbel hat allerdings noch immer kein Angebot auf dem Tisch liegen, das ihm der Kroate oder dessen Berater Volker Struth weitergereicht hätten. Im Moment hält sich Ilicevic bei der U 23 in Hamburg fit und ebenso im Athleticum des UKE. Ob es eine Option ist, dass Ilicevic – wenn er keinen Verein findet – die Rückrunde bei der U 23 des HSV verbringt? Knäbel: „Das Thema mache ich gar nicht erst auf. Ich denke, es wäre immer noch am besten, wenn er einen Verein finden würde.“ Und zwar einen anderen als den HSV.

Tolgay Arslan ist zwar hier in Dubai mit dem HSV am Start, aber die Zeichen stehen unverändert auf Trennung. Ein Angebot ist den Hamburger Verantwortlichen bereits auf den Tisch geflattert, war aber für den HSV keine Diskussionsgrundlage. Wahrscheinlich wird nach der Rückkehr nach Hamburg am Donnerstag Fahrt aufgenommen. Favorit für die Zukunft Arslans ist nach wie vor Besiktas Istanbul. „Wenn es sich konkretisiert, dann wahrscheinlich nach dem Trainingslager“, bestätigte Peter Knäbel den Zeitrahmen.

Um die Liste der „üblichen Verdächtigen“ abgearbeitet zu haben hier die Wasserstand-Aussage von Marcell Jansen, der ja auch immer mit einem anderen Verein, vornehmlich Benfica Lissabon, in Verbindung gebracht wurde: „Ich bin sehr gerne Spieler des HSV. Es gibt nach wie vor keinen konkreten Kontakt zu einem anderen Verein. Wenn einer unbedingt möchte, könnte sich vielleicht etwas ändern. Aber wenn nicht, dann freue ich mich – wie die vergangenen sechseinhalb Jahre auch, HSV-Spieler zu sein!“

So, und nun noch die unerfreulichste Nachricht des Tages. Das DFB-Sportgericht hat den HSV mit einer Geldstrafe von 55.000 Euro belegt:

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Bundesligisten Hamburger SV im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines Falles von nicht ausreichendem Ordnungsdienst in Tateinheit mit einem unsportlichen Verhalten eines Anhängers und wegen dreier Fälle eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger, begangen durch vier rechtlich selbständige Handlungen, mit einer Geldstrafe in Höhe von 55.000 Euro belegt.
In der Nachspielzeit des Bundesligaspiels gegen den FC Bayern München am 29. Oktober 2014 lief ein Zuschauer aus dem Hamburger Fanbereich in Richtung des Münchner Spielers Franck Ribéry, schlug mit einem Schal in seine Richtung und traf ihn leicht im Gesichts- und Schulterbereich. Zudem zeigte er ihm den ausgestreckten Mittelfinger. Er wurde vom Ordnungsdienst in Gewahrsam genommen und vom Spielfeld geführt.
In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit des Bundesligaheimspiels gegen Bayer Leverkusen am 1. November 2014 wurden während eines Spielunterbrechung mehrere Feuerzeuge aus dem Hamburger Zuschauerblock in Richtung Leverkusener Spieler auf das Spielfeld geworfen.
Beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg am 9. November 2014 wurden im Hamburger Zuschauerbereich mehrere Bengalische Feuer abgebrannt.
In der 60. Minute des Heimspiels gegen den 1. FSV Mainz 05 am 7. Dezember 2014 wurde im Zuschauerbereich mehrmals irritierend mit einer Pfeife gepfiffen.
Der Verein hat dem Urteil zugestimmt, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Trainer Joe Zinnbauer hatte heute netten Besuch eines alten Hamburger Bekannten. Jens Paeßlack, früherer Stürmer und Fußball-Globetrotter (als gebürtiger Hamburger kickte er für den SV Lurup, später beim TSV Pansdorf und dem VfB Lübeck, aber auch in Zypern, Schottland, Island und bei hiesigen Zwetligisten) schaute auf ein Pläuschchen vorbei. Paeßlack lebt in Dubai und hat hier zuletzt eine Fußballschule betrieben.

Morgen ist wieder übliches Trainingsprogramm in Dubai mit mehreren Einheiten täglich. Hier das kurze Round-Up der Angeschlagenen:
Pierre-Michel Lasogga (Oberschenkel) arbeitet im Grundlagen-Ausdauerbereich, es gibt noch keinen Termin für seine Rückkehr ins Mannschaftstraining. Das Köln-Spiel ist aber noch nicht abgeschrieben.
Valon Behrami (Knie) setzt nach seiner OP die Reha fort.
Dennis Diekmeier (Oberschenkel) hat es etwas überraschend getroffen. Die Muskelbeschwerden sind aber nicht zu schlimm, er hat aber noch Probleme beim Laufen.
Nicolai Müller (Oberschenkel) wurde als Vorsichtsmaßnahme geschont zuletzt. Er könnte zügig ins Training zurückkehren.
Matthias Ostrzolek (Bänderdehnung) wird in Dubai wohl nicht wieder mit der Mannschaft trainieren.
Gideon Jung (Knie) hat eine leichte Knieprellung, schnelle Rückkehr wahrscheinlich.
Lewis Holtby (Schlüsselbein) ist bekannt, Pause für zehn Wochen.

Der HSV hofft, dass sich diese Liste schnell wieder reduziert. Gearbeitet wird daran auf Hochtouren, so viel steht mal fest, denn mit Markus Günther und Sebastian Grützner sind diesmal sogar zwei Reha-Trainer im Trainingslager dabei.

Bis morgen aus Dubai
Lars
18.21 Uhr

Von den “Verbannten” müsste mehr kommen

3. Dezember 2014

Gefühlt waren das heute minus zehn Grad. „Helm-Peter“ war diesmal ohne Helm erschienen, er trug Mütze. Den äußeren Umständen entsprechend. Winterzeit, Zitter-Zeit. Aber nur die Harten komm’ in’ Garten, Peter verschwand diesmal vorzeitig. Weil es ganz einfach unterirdisch kalt war. Das Thermometer im Auto zeigte mir zwar nur minus ein Grad an, aber das kann es nicht gewesen sein. Und die lieben Kollegen „machten mir auch noch Mut“, indem sie sagten: „Das ist erst der Anfang.“ Dann mal gute Nacht. Abartig, diese Kälte. Da hätte es kein noch so schönes Training bewirken können, dass ich nicht mehr friere, aber nun ist auch Schluss mit dem Gejammere. Wenn ich das nicht (mehr) abkann, dann hätte ich mir einen anderen Beruf suchen müssen. Sagt mein BILD-Kollege Babak Milani immer. Nur die Harten . . .

 


 

Der HSV hat heute tapfer 90 Minuten trainiert. Laufen zum Aufwärmen, Passspiel in mehreren Formen, dann ging es auf den „Geheim“-Rasen, wo zehn gegen zehn gespielt wurde – auf ein Tor. Wobei der Ball der angreifenden Mannschaft (wurde gewechselt, es griff auch mal das andere Team an) an Stangen vorbei über die Flügel gespielt werden musste. Auffällig dabei: Es wollte und wollte kein Tor fallen. Zwischen den Pfosten standen abwechselnd Alexander Brunst und Kevin Otremba, aber die mussten nicht einmal Großtaten vollbringen, die Spieler schossen ganz einfach zu schlecht. Sieben Tore eben . . . Besonders krass versagten Zoltan Stieber und Julian Green, die beide ganz allein auf das Tor zuliefen, den Ball aber mehr oder weniger auf den Keeper schossen. Von nichts kommt eben nichts, dem HSV fehlen nervenstarke Schützen. Obwohl er meistens ja gar nicht erst in Tornähe kommt.

 

Zwei Treffer fielen dann doch noch. Beim ersten war mir leider die Sicht versperrt (hinter dem weißen Zaun!), aber ich tippe auf Artjoms Rudnevs. Und das zweite Tor habe ich wieder live gesehen – Ronny Marcos. Später wurde dann ein kleines Spielchen gemacht, über die gesamte Länge des Feldes – mit zwei Torhütern. Da gab es dann ein 3:1 für das A-Team, zwei Tore davon erzielten Lewis Holtby (er war der einzige Profi, der in kurzen Hosen trainierte! Nur die Harten . . .) und Artjoms Rudnevs (er schoss auch einmal freistehend gefühlt acht Meter über das Tor!), den dritten Treffer kann ich wieder nicht genau zuordnen, ich tippe mal auf Nicolai Müller. Wie gesagt, es wurde auf dem „Geheim“-Platz trainiert, und da muss man schon Glück haben, wenn man durch ein kleines Loch irgendetwas erspähen kann – es ist auf jeden Fall keine böse Absicht, wenn ich etwas nicht so erkenne. Gesehen habe ich auch ein Tor von Pierre-Michel Lasogga, aber meines Wissens wurde diesem Treffer die Anerkennung versagt: abseits.

 

Was mir bei diesen beiden Spielchen auffiel: Ronny Marcos mischt richtig gut mit, bei den Profis, er hat in meinen Augen keinerlei Scheu, er wirkt auch nicht nervös auf mich – er gibt sich fast schon so wie ein „alter Hase“ – macht Spaß. Dagegen habe ich den Eindruck, dass die drei zuletzt auf die Tribüne verbannten Spieler ein wenig die Köpfe hängen lassen. „Der Kacar macht ja nicht einen Schritt zu viel“, kritisierten neben mir zwei Jugendliche, die ein etwas größeres Loch zum Durchgucken gefunden hatten. Das kann man so sehen, muss man aber nicht unbedingt. Und Zoltan Stieber und Ivo Ilicevic traten kaum einmal erwähnenswert in Erscheinung. Da müsste schon mehr kommen, damit sie wieder in den Kader kommen – aber kommt da noch einmal mehr? Da habe ich meine Zweifel. Bei Stieber irgendwie etwas weniger als bei Ilicevic. Er hat beim HSV viele Tiefen und selten mal Höhen gehabt, ob sich dieses Verhältnis noch einmal ändern wird? Ich glaube es – ehrlich gesagt – nicht mehr. Obwohl ich genau an diesem Punkt schon oft angelangt war, um dann doch noch irgendein Hoffnungsschimmer an ihm zu entdecken. Ob das diesmal wieder der Fall sein wird? Da tappe ich absolut im Dunkeln. Allgemein zum Training möchte ich mal (wieder) sagen: Es bemüht sich ein jeder Spieler, Tempo zu machen, mit hoher Geschwindigkeit zu spielen. Das fordert Zinnbauer immer wieder, das fordern auch die Spieler gegenseitig, und es wird auch die meiste Zeit über schon beherzigt. Ich lege mich da fest: Vom Tempo her wird von dieser Trainingsgemeinschaft schon ein viel höheres Tempo gespielt. Ausruhen oder gar Einschlafen am Ball, das war gestern. Nur wird es jetzt allmählich mal Zeit, dass das auch auf dem Bundesliga-Rasen und am Wochenende zu sehen ist.

 

Schlecht sehen kann ich also gut, gehört habe ich aber an diesem Nachmittag besser, und da fiel mir auf, dass Tolgay Arslan sehr, sehr oft von seinen Kollegen gelobt wurde. Er hatte in der Tat viele gute Szenen, vor allem in der Balleroberung. Lob gab es zwischendurch und am Ende der Einheit auch von Joe Zinnbauer. Der Trainer betrat heute als erster den Rasen, und lief dann, als alle Spieler ihm gefolgt waren, wieder in die Kabine. Um eine Kabeltrommel zu holen. Wozu die? Erst rätselten diejenigen, die das beobachtet hatten. Später sah man es: Der Coach verkleinerte damit das Spielfeld in der Breite. Wer es (als Spieler) nicht mitbekam, der lief Gefahr, sich in dem Kabel zu verfangen. Trick 17.

 

Beim heutigen Training hat Valon Behrami gefehlt, der Schweizer arbeitete im Kraftraum individuell, soll morgen aber wieder mit der Mannschaft trainieren. Ebenfalls im Kraftraum hat heute Rene Adler geschuftet – am Vormittag. Sein Torwart-Kollege Jaroslav Drobny war wohl mittags auch zuerst im Kraftraum, betrat dann aber nach 45 Minuten den Platz, um noch einige Minuten nach von Torwarttrainer Stefan Wächter geschossene und geworfene Bälle zu greifen. Bereits vor der regulären Einheit, die um 13 Uhr begonnen hatte, war Marcell Jansen auf dem Rasen zu sehen, er absolvierte unter der Leitung von Reha-Coach Markus Günther ein reines Lauftraining.

 

Ansonsten gab es heute zwei Themen, die von den wenigen Trainings-Kiebitzen lebhaft und lautstark diskutiert wurden: Wer ersetzt Heiko Westermann? Und wird Lasogga noch einmal – oder ein weiteres mal – auf der Bank Platz nehmen müssen? Zu Punkt eins: Spielt der HSV ohne Westermann, hat er bislang sechs Mal verloren. Das ist Fakt. Eine unheimliche Serie:
2011/12 gab es zu Hause ein 1:3 gegen Freiburg, dann in einer Saison ein 0:1 zu Hause gegen Augsburg, ein 1:3 bei den Bayern, ein 2:3 bei Mainz und ein 0:1 gegen Bremen. Und zuletzt ein 0:2 bei Hannover 96. Sechs Mal null (Punkte) bei null Westermann.

 

Wer aber ersetzt Heiko Westermann jetzt? Ich setze da verstärkt – oder in erster Linie – auf Cleber Reis, muss ich gestehen. Der Brasilianer hat heute trotz der eisigen Kälte munter mitgemischt im Training. Und am Rande des Profi-Auftritts heute habe ich gehört (weil ich es nicht gesehen habe), dass Slobodan Rajkovic am Sonnabend bei der Zweiten, bei der 1:2-Niederlage gegen Oldenburg, weit, weit weg von jeglicher Bestform war. Das, so wurde mir von neutralen Beobachtern versichert, das wird auch noch eine Weile dauern. Wobei Rajkovic selbst wohl auch weiß, dass er noch viel aufzuholen hat – ist ja auch völlig normal, nach einer solchen Verletzung (Kreuzbandriss). Da muss man ja auch erst wieder Vertrauen zu seinem Körper finden. Gojko Kacar wäre dann der Mann, der wohl erster Vertreter für Westermann wäre. Wobei der Serbe mir im Moment ein wenig – mental – angeschlagen zu sein scheint. Von wegen Berg- und Talfahrt. Es geht mit ihm ja in der Tat mal auf und mal ab, vielleicht wie bei keinem anderen HSV-Spieler; obwohl der eine oder andere sicherlich auch etwas die Flügel hängen lässt – die Situation ist eben ein wenig bescheiden.

 

Deswegen dürfen wir alle gespannt darauf sein, was es im Winter dann geben wird – quasi als Nach-Weihnachts-Geschenk. Am Montag waren Profi-Direktor Peter Knäbel und Club-Chef Dietmar Beiersdorfer in Dänemark und sahen das das Spiel des Tabellenführers FC Midtjylland gegen den FC Vestsjaelland (2:1). Sie beobachteten dabei den 19-jährigen Pione Sisto. Der Außen-Angreifer mit sudanischem Pass steht allerdings bei vielen Vereinen auf der Einkaufsliste. Und er dürfte trotz seines relativ geringen Marktwertes dann doch relativ teuer werden. Die HSV-Delegation sah im Stadion zum Beispiel die Späher mit der grünen Hose. Es dürfte demnächst also ein heiteres und gegenseitiges Hochbieten stattfinden, ich bin gespannt, ob der HSV da überhaupt wird mit einsteigen können. Immerhin, und das werte ich mal als gutes Zeichen, weiß der HSV, dass er im Winter noch etwas tun muss, ansonsten könnte es wieder einmal ganz eng werden – am Ende. Am Ende der Tabelle und am Ende der Saison.

 

Weil es vor allem ja an den mangelnden und fehlenden HSV-Toren liegt. Sieben Tore, das kann man sich nicht oft genug vor Augen führen, sieben Tore nach 13 Spiele sind und bleiben eine Katastrophe. Und für die entsprechende „Explosion“ fehlt es trotz des „HSV-Retters“ Lasogga und des wieder erwachten „Rudi“ Rudnevs an geeignetem Personal. Ich hoffe auf, das sage ich ehrlich und unverblümt, ich hoffe auf Klaus-Michael Kühne. Er hat (s)einen Weg nun eingeschlagen, und er wird, so denke ich mal ins Blaue hinein, seinen nun gerade angetretenen Weg nicht gleich wieder verlassen wollen. Aber vielleicht bin ich da auch ein wenig zu blauäugig. Die Hoffnung stirbt eben auch bei mir zuletzt.

 

Bis zur nächsten Einkaufs-Periode aber muss der HSV mit jenen Spielern auskommen, die sich bislang mehr oder weniger vergeblich um Durchschlagskraft bemüht haben. Da ist die Frage eben nur die: Rudnevs oder Lasogga? Ich glaube, dass diesmal Lasogga das Rennen machen wird. Weil Joe Zinnbauer auswärts in Augsburg auf Tempo-Fußball gesetzt hatte, und da schien im der „Rudi“ geeigneter zu sein, am Sonntag aber gegen Mainz könnte der „Brecher“ Lasogga wieder erste Wahl werden – weil der HSV ja nach vorne spielen muss. Er ist quasi zum Siegen verdammt, denn die vier letzten Spiele bis zum Jahreswechsel sind alle verdammt schwer. Natürlich, Weil, wir haben es oft genug beschrieben, es keine leichten Spiele mehr für den HSV gibt. Jetzt gegen Mainz – unangenehm. Dann in Freiburg: Die Voll-Streicher zeigen jedem Gegner, was Laufen im Fußball für eine Wirkung haben kann, der HSV wird Anschauungs-Unterricht aus erster Hand nehmen können. Dann kommt der VfB Stuttgart, und was Huub Stevens mit seinen Mannschaften macht, das wissen in Hamburg alle nur zu genau. Und danach geht es nach Gelsenkirchen, zu den Knappen, die immer unberechenbar sind. Gegen den HSV meistens nicht ganz so unberechenbar, denn in den meisten Fällen legen sie gegen den HSV ganz besonders los.
Oh, oh, das wird noch ein ganz, ganz harter Winter. Für den HSV und für uns. Nicht nur von den Temperaturen her. Aber natürlich auch. Siehe heute.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird (nur) um 15 Uhr trainiert. Das nur (in Klammern) gilt deswegen, weil eigentlich auch eine Einheit für um 10 Uhr geplant war, die aber entfällt.
 
Dieter
 

17.55 Uhr

Rudnevs und Cleber nur auf der Tribüne!

18. Oktober 2014

Sie müssten an diesem Sonntag alle hellwach sein, die HSV-Profis, vor allem um 15.30 Uhr. Damit der Rhythmus stimmt, hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer nun zweimal in Folge um 15.30 Uhr trainieren lassen, dann morgen der Anstoß um diese Zeit – und dann soll es rund gehen. Es bleibt ja nichts unversucht . . . Heute waren die Spieler alle zur rechten Zeit „heiß“. Besonders zu jenem Zeitpunkt, als gegen 16 Uhr das Abschluss-Spielchen begann. Meine Herren, war das laut. Da wurde sich angebrüllt, angeschrien, motiviert – so laut war es lange nicht mehr im Volkspark. Jeder war tatsächlich hellwach, und mittendrin – nicht nur dabei – war Joe Zinnbauer, der seine Mannschaft immer wieder antrieb. Schön zu sehen, schön zu hören. Hoffentlich geht das morgen genauso gut – hoffentlich.

 

„Zeigen, zeigen, zeigen.“ Oder: „Stellen.“ Und: „Positionen einnehmen!“ Dazu: „Schneller, schneller, schneller.“ Auch: „Nachschieben, nachschieben“, war zu hören. Zinnbauer trieb seine Mannen an, unaufhörlich. Aber er verteilte auch Lob, wenn es angebracht war. Gab es gute und schnelle Spielzüge, dann war der Coach verbal zur Stelle und verteilte Schmuse-Einheiten. Alles zu seiner Zeit – das macht der Trainer schon klasse. Und es ist in der Tat immer noch und immer wieder davon zu sprechen, dass jetzt im Volkspark ein ganz anderes Klima herrscht. Es muss nun – oder sollte – auch auf dem Rasen und dann morgen gegen Hoffenheim erkennbar sein. Gibt es den zweiten Sieg in Folge, den es so lange schon nicht mehr gegeben hat?

 

Auch heute ließ Zinnbauer in der Anfangsformation Rafael van der Vaart im zentralen Mittelfeld spielen. Rechts neben ihm Nicolai Müller, links neben dem Niederländer Lewis Holtby. Und vorne Pierre-Michel Lasogga. Auf der Doppel-Sechs Tolgay Arslan und Valon Behrami, in der Viererkette natürlich Dennis Diekmeier, Johan Djourou, Heiko Westermann und Matthias Ostrzolek, dahinter das heutige Geburtstagskind, Jaroslav Drobny. Der Tscheche wurde heute 35 Jahre jung – und musste an diesem Tag ganz schön hart ran. Torwarttrainer Stefan Wächter nahm keine Rücksicht auf den Geburtstag und scheuchte die Torhüter (Alexander Brunst und Johannes Kreidl) richtig nach allen Regeln der Kunst.

 

Drobny ist schon ein Phänomen. Er redet seit Jahren schon nicht mehr mit der Presse, aber trotz allem wird er von allen gemocht. Ich kenne niemanden, der einen „Rochus“ auf den HSV-Keeper hat, ganz im Gegenteil, sie schätzen ihn alle als großartigen Torwart, und ein feiner Kerl ist er ohnehin – trotz des großen Schweigens. Herzlichen Glückwunsch, „Jaro“. Und dazu morgen möglichst noch ein Spiel ohne Gegentor, das wäre es doch.

 

Um einen eventuell zusehenden Hoffenheim-Spion zu verwirren, änderte Joe Zinnbauer die Stamm-Formation nach einer Halbzeit. Marcell Jansen und Julian Green tauschten sich in die A-Elf, die dann van der Vaart und Lasogga verlassen mussten. Das aber dürfte wahrscheinlich nur deshalb geschehen sein, um sich nicht vorher schon in die Karten sehen zu lassen. Einen kleinen Schreck-Moment gab es dann noch gegen 16.13 Uhr, als Lasogga (nach einem Duell mit Johan Djourou?) plötzlich am Boden lag und vor Schmerzen mehrfach mit der Faust auf den Rasen schlug. Aber nach zwei Minuten ging es weiter – ohne Einschränkung, Einsatz morgen nicht gefährdet. So jedenfalls sah es beim Trainingsende um 16.40 Uhr aus.

 

Das B-Team spielte, um das schnell noch aufzuklären, mit Alexander Brunst; Ashton Götz, Gojko Kacar, Cleber, Slobodan Rajkovic; Matti Steinmann, Petr Jiracek; Valmir Nafiu, Zoltan Stieber, Marcell Jansen; Julian Green. Später dann die schon beschriebenen Wechsel. Ich lege mich aber nun fest: Rafael van der Vaart wird morgen in der Anfangsformation stehen. Ich gehe fest davon aus. Zum Abschluss des Spiels schoss – ganz nebenbei – Julian Green ein sehr schönes Tor – für das A-Team. Könnte er morgen am besten gleich wiederholen.

 

Am Rande dieses Tages war auch einiges los. Bereits um 15.05 Uhr kamen Reha-Coach Markus Günther und der angeschlagene Ivo Ilicevic aus der Kabine – mit zwei Bällen. Der ehemalige Lauterer trainierte dann bis 15.55 Uhr mit dem Ball – und das sah auch schon recht gut und flüssig aus. Lange kann es nicht mehr dauern . . . Und ebenfalls am Rande (von den Offiziellen sah diesmal Direktor Profi-Fußball, Peter Knäbel, zu) bewegten sich während des Abschluss-Spiels zwei andere Spieler: Artjoms Rudnevs und Kerim Carolus (unter der Anleitung von Markus Günther). Letzterer kommt aus der Zweiten, ist Abwehrmann und 20 Jahre alt. Dass er nicht am Spiel teilnahm, ist schon klar, etwas überraschender ist der Verzicht auf Rudnevs.

 

Schon gestern war der Lette „außen vor“, als gespielt wurde, heute wieder. Das ist ein Zeichen, das unübersehbar für ihn ist. Er muss wohl deutlich zulegen, er muss sich im Training mehr anbieten, viel mehr reinhängen. Dem guten „Rudi“ wird ja bescheinigt, dass er topfit sei, aber er macht nichts mehr draus. Er kann sich natürlich nur im Training zeigen und eventuell aufdrängen, aber das misslingt ihm – wenn er es denn will. Mir gefiel er schon im Spiel gegen die U23 nicht, das mit 3:0 gewonnen wurde. Rudnevs war in diesem Test quasi nicht zu sehen, und das wird Zinnbauer nicht entgangen sein. Nun will der Coach seinen „verhinderten“ Torjäger vielleicht ein wenig „kitzeln“ – oder auch nur aufwecken.

 

Im Kader für das morgige Spiel fehlt Rudnevs, das war keine Überraschung mehr. Es fehlen weiter Rajkovic, Steinmann und, man höre und staune, auch der Brasilianer Cleber. Oha, noch so ein Denkzettel. Vom Neuzugang kommt auch zu wenig, er muss ebenfalls viel besser werden. Dagegen ist Kacar mit im Kader, und Ashton Götz. Bravo! Der junge Mann aus der Zweiten spielt sich seit Wochen mehr und mehr in den Vordergrund – und irgendwann wird er in dieser Mannschaft stehen. Das steht für mich jetzt schon fest. Allerdings für wen? Das wüsste ich im Moment noch nicht, denn eines ist unübersehbar: Dennis Diekmeier befindet sich in sehr guter Verfassung und dürfte so schnell nicht aus der Mannschaft fliegen. Dazu besteht zurzeit keinerlei Veranlassung, muss man mal klar und deutlich sagen.

 

Erstaunlich, das muss ich auch schnell noch erwähnen, ist für mich, dass „Slobo“ Rajkovic nach seinem Kreuzbandriss schon wieder so gut mitmischt. Das hätte ich im Sommer noch nicht vermutet, da dachte ich eher, dass er erst im nächsten Jahr wieder zur Mannschaft stoßen würde – aber Rajkovic ist gut in Schuss, wirkt schlanker und beweglicher als noch vor seiner schweren Verletzung. Er dürfte schon bald eine vollwertige Alternative für Joe Zinnbauer sein. Es geht also auch personell wieder bergauf – hoffentlich auch in Sachen Punktekonto an diesem Sonntag.

 

So, das war der Sonnabend im Volkspark in groben Zügen. Morgen sind bei „Matz ab live“ zwei ehemalige Profis zu Gast. „Scholle“ und ich, wir freuen uns auf Bastian Reinhardt und den (verletzten) Mann aus der Zweiten, Fabio Morena. Und wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder so zahlreich wie zuletzt immer „einschalten“ würdet. Und, man kann es nicht oft genug wiederholen, dann möchte ich noch einmal (aber nicht zum letzten Mal) an den Termin des nächsten „Matz-ab-Treffens“ erinnern: Am 31. Oktober (Freitag), am Tag vor dem Leverkusen-Spiel, treffen wir uns um 19 Uhr im HSV-Restaurant „Anno 1887“ in Norderstedt, HSV-Anlage Ochsenzoll.

 

PS: Tabellenletzter wird der HSV an diesem Wochenende nicht mehr – dieser Spieltag hat gezeigt, dass sich auch andere Mannschaften Klatschen in München abholen können, nicht nur der HSV!

 

18.14 Uhr

Van der Vaart ist drin – oder doch nicht?

17. Oktober 2014

Angstgegner. Dieses Wort geistert seit Tagen durch den Volkspark, wenn über die nächste Bundesliga-Aufgabe des HSV gesprochen wird. Die TSG 1899 Hoffenheim soll der Angstgegner des HSV sein. Aber das ist nur die trockene Statistik. Fragt man beispielsweise Lewis Holtby danach, wie oft er mit dem HSV gegen Hoffenheim verloren hat, so wird er von keiner Niederlage berichten können. Anderen HSV-Spielern wie Nicolai Müller, Zoltan Stieber, Valon Behrami und weitere werden nur eine Antwort kennen: „Noch nie.“ Allein deswegen kann Hoffenheim doch kein Angstgegner für den „neuen“ HSV sein. Dass Hoffenheim unangenehm und höchst unbequem werden dürfte, das müsste nicht nur jedem Fan klar sein, sondern auch jedem Hamburger Spieler. Da kommt nicht nur der Tabellenzweite in den Volkspark, sondern eine Mannschaft, die sich inzwischen gemausert hat – zu einem echten Spitzen-Team.

 

Die Truppe von Trainer Martin Gisdol spielt nicht nur technisch einen feinen Ball mit viel Finesse, sondern ist auch enorm schnell, kontert zum Beispiel blitzartig. Nein, nein, alles was recht ist, diese 90 Minuten am Sonntag werden es schwer in sich haben. Das wird eine Aufgabe wie gegen die Bayern und die Dortmunder – auch wenn der HSV gegen beide Clubs zuletzt ohne Gegentor geblieben ist – und ungeschlagen blieb. Solche Leistungen müssen nun unbedingt wiederholt werden, sollte es am Sonntag aus Hamburger Sicht keine negative Überraschung geben.

 

Zwölf Spiele hat es in der Bundesliga-Vergangenheit zwischen Hoffenheim und dem HSV gegeben. Von den sechs Heimspielen konnte der HSV immerhin vier gewinnen. 1:0, 2:1, 2:0, 2:0. Dazu gab es im Dezember 2009 ein 0:0, und zuletzt, am 17. August 2013, eine herbe 1:5-Klatsche. Die sorgt noch immer für eine gewisse Nachhaltigkeit.

 

In Hoffenheim hat der HSV nie gespielt, dennoch sieht die Auswärts-Bilanz erschütternd aus. Vier zum Teil klare Niederlagen stehen zu Buche, wobei die erste, ein 0:3 (Trainer Martin Jol), noch in Mannheim geschah. In Sinsheim folgte eine 1:5-Niederlage, eine 0:4-Pleite und am 1. Februar 2014 eine 0:3-Niederlage. Dazu gab es im April 2011 ein 0:0, und einmal konnte der HSV sogar 4:1 gewinnen, das war im Mai 2013. Es ist also noch gar nicht so lange her, dass der „Angstgegner“ sogar auswärts geputzt wurde. Alles also halb so wild – wenn sich Hoffenheim nicht zur Zeit in einer sehr guten Verfassung befinden würde. Doch diese gute Verfassung wird ja auch dem HSV unter der Regie von Trainer Joe Zinnbauer bescheinigt. Vielleicht entscheidet ja auch nur die Tagesform . . .

 

Das heutige Training begann mit Applaus und ein wenig Indianergeheul – es hörte sich jedenfalls so oder so ähnlich an. Die Spieler und die Trainer beglückwünschten in einem Kreis den strahlenden Kollegen Tolgay Arslan zur Vaterschaft. Es ist ein Knabe geworden – Kian Ali heißt das hoffnungsvolle Talent. Herzlichen Glückwunsch den glücklichen Eltern, und dem Sohnemann alles, alles Gute auf dieser nicht selten zu hektischen und manchmal auch ungerechten Erde.

 

Zum Tag im Volkspark ist zu sagen, dass Ferienzeit ist. Der Trainingsplatz war „proppevoll“ mit Fans, die Fotos und Autogramme erhaschen wollten. Natürlich. Und nebenbei wurde es ein Wandertag, da die HSV-Mannschaft mal auf jenem Platz hinter der Südtribüne trainierte, und dann mal wieder „hinten links“. Gut für jene Fans, die sich ohnehin etwas bewegen müssen – jeder Gang macht schlank. Trifft auch auf mich zu, natürlich. Weil das Training, das nur zur Erklärung, erst um 15.30 Uhr begann und kurz nach 17 Uhr beendet wurde, erscheint dieser Beitrag auch etwas später. Wir können beim HSV vor Ort nicht mehr schreiben (weil wir nicht in die Räumlichkeiten dürfen), und die „Raute“ macht schon gegen 17.30 Uhr das Licht aus – also muss von zu Hause geschrieben werden. Und die Fahrt dorthin dauert im Feierabend natürlich seine Zeit – sorry. Mit einem Hubschrauber wäre das sicherlich etwas leichter . . .

 

Für Abendblatt-Blogs

 

So, zum Wesentlichen. Spielt er, oder spielt er nicht? Gemeint ist Rafael van der Vaart. Die Frage schien während zunächst klar und eindeutig geklärt. Er spielt. Der Niederländer lief im Hemdchen des A-Teams herum, mit ihm im Mittelfeld rechts Nicolai Müller, links Lewis Holtby. Draußen vor – und im blauen Hemdchen – blieb aus der siegreichen Dortmund-Formation Marcell Jansen. „Never change a winning team“ – ob Joe Zinnbauer davon etwas hält? Der hält auf jeden Fall nichts davon, zu früh seine Karten auf den Tisch zu legen. Und deswegen verwirrte er auch jeden Trainingskiebitz, denn er wechselte bunt hin und her. Spielten in der ersten Formation sogar elf Feldspieler (plötzlich trug Slobodan Rajkovic das Trikot der A-Elf), so waren beim abschließenden Spielchen Artjoms Rudnevs und Rajkovic dann „draußen“. Beide spielten unter der Aufsicht von Reha-Coach Markus Günther Fußball-Tennis.

 

Als zu Beginn alles noch „normal“ lief, Marcell Jansen im B-Team spielte und auch sonst nicht getauscht worden war, schossen Nicolai Müller und Matthias Ostrzolek einen 2:0-Vorsprung heraus. Als später Jansen im A-Team spielte, schoss er das dritte Tor des Abends. Zu dieser Zeit spielten aber auch Rafael van der Vaart, Tolgay Arslan, Pierre-Michel Lasogga und zum Beispiel auch Johan Djourou im Team der „Reservisten“. Also alles Kuddelmuddel. Zum Schluss spielten zwar noch immer zwei Mannschaften gegeneinander, doch dann sogar in drei unterschiedlichen Hemdchen-Farben: blau, rot und gelb. Verwirrung total. Und nichts Genaues weiß man nicht. Und das ist ja auch gut so, damit die Hoffenheimer noch nicht zu früh zu viel wissen. Auffällig an diesem Tag war auf jeden Fall, dass Joe Zinnbauer sehr oft unterbrach – und die Mannschaft um sich herum versammelte, um zu erklären, was und wie er es will. Das erinnerte den „Matz-abber“ Rudi Noack zum Beispiel an die HSV-Zeit mit Bruno Labbadia . . .

 

Gut für den HSV auf jeden Fall, dass Valon Behrami wieder mit dem Team trainieren konnte – und zwar ohne jede Einschränkung. Der Schweizer wird also – wenn nicht noch etwas beim Abschlusstraining am Sonnabend dazwischen kommen sollte – am Sonntag auf laufen können. Auch Zoltan Stieber mischte heute von Beginn bis zum Ende mit, eine Verletzung war ihm nicht anzumerken. Erfreulich (weiterhin für mich – vielleicht auch für Euch): Bernhard Peters, Peter Knäbel und Dietmar Beiersdorfer wurden heute wieder beim Training gesichtet – man kümmert sich also weiterhin intensiv um die Truppe. Und das ist auch gut so.

 

Ganz nebenbei bemerkt: In der HSV-Anhängerschaft scheint Rafael van der Vaart ein wenig an Rückhalt eingebüßt zu haben. Beim heutigen Training jedenfalls gab es viele Stimmen (oder so gesagt: mehr Stimmen), die gegen seinen Einsatz am Sonntag votierten. Einige Fans nehmen dem „kleinen Engel“ die Italien-Pläne, die der HSV-Kapitän in dieser Woche in seiner Heimat geäußert hat, doch einigermaßen übel. Ob sich van der Vaart damit einen Gefallen getan hat – ich weiß es nicht, oftmals wäre Schweigen doch Gold . . .

 

Diejenigen, die sich sportlich mit dem Spielführer des HSV auseinandersetzten, die favorisierten Lewis Holtby in der zentralen Mittelfeldrolle. Da scheint der deutsche Nationalspieler seine Fähigkeiten am besten entfalten zu können. Ich habe am Vormittag mit einem großen HSV-Spieler von einst gesprochen, der sich nicht einmischen will, der mir aber sagte, dass er bei Holtby links doch ein paar Bauchschmerzen hätte: „Weil er dann gemeinsam mit Ostrzolek auch die Defensive beackern müsste – und ob das dann defensiv so gut gehen würde? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.“ Ich auch nicht, ehrlich gesagt. Da hätte ich bei Marcell Jansen (mit Ostrzolek) doch etwas weniger Angst.

 

 

So, drei kleine Kleinigkeiten noch zum Schluss. Schiedsrichter der Partie am Sonntag ist Peter Sippel. Und wir haben bei „Matz ab live“ am Sonntag zwei ehemalige Spieler zu Gast. Es kommen Bastian Reinhardt und der (verletzte) Mann aus der Zweiten, Fabio Morena zu „Scholle“ und mir. Und wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder so zahlreich wie zuletzt immer „einschalten“ würdet. Und dann möchte ich noch einmal (aber nicht zum letzten Mal) an den Termin des nächsten „Matz-ab-Treffens“ erinnern: Am 31. Oktober (Freitag) treffen wir uns um 19 Uhr im HSV-Restaurant „Anno 1887“ in Norderstedt, HSV-Anlage Ochsenzoll.

 

PS: Das Abschlusstraining am Sonnabend findet wohl – wie üblich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es soll zur Bundesliga-Anstoßzeit durchgeführt werden. Ich werde berichten. Guten Abend noch für Euch. Und nochmals sorry für die Verspätung.

 

Dieter

 

PSPS: Da die Lokführer zum zweiten Mal in dieser Woche streiken, wird es wohl (größere?) Schwierigkeiten bei der An und Abreise geben. Die S-Bahn fährt in Richtung Stellingen (und nach dem Spiel von Stellingen) deutlich weniger als sonst an Spieltagen – es sollen deswegen Shuttle-Busse von der U-Bahn-Station Hagenbeckstraße in Richtung Arena verkehren.

 

19.18 Uhr

Zinnbauer sorgt für frischen Wind beim HSV

17. September 2014

„Er ist für mich ein super Trainer, und ich hoffe, dass er die ersten Punkte für den HSV holt.“ Das sagte der ehemalige HSV-Profi Hakan Calhanoglu nach dem Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen beim AS Monaco über die Berufung von Josef Zinnbauer zum Hamburger Cheftrainer.

Etwa zur gleichen Zeit saß Jürgen „Kloppo“ Klopp am Dienstag in Dortmund nach dem 2:0-Sieg über Arsenal London bei der Pressekonferenz und sagte und fragte in die Runde: „Ich freue mich sehr für Joe Zinnbauer, dass er Trainer des HSV geworden ist – hat jemand von Euch mal die Handy-Nummer, damit ich ihn anrufen kann, um zu gratulieren?“

 


 

Ja, so geht es dann doch auch. Man muss nicht alles nur schlecht machen oder schlecht reden, man könnte auch ein wenig Hoffnung aus dem Trainerwechsel beim HSV schöpfen. Hoffnung und Zuversicht. Den ersten Tag hat Zinnbauer nun hinter sich, und er hat ihn mit Bravour gemeistert. Er kam zwar exakt 30 Minuten zu spät auf den Trainingsrasen am Volkspark, aber nur deshalb, weil seine „Neu-Jahrs-Ansprache“ wohl einen Tick länger gedauert hatte. Zinnbauer kam mit Co-Trainer Patrick Rahmen und Torwarttrainer Stefan Wächter die „Show-Treppe“ im Süden des Stadions herunter, und unten durchschritten die drei Musketiere dann ein Spalier aus Fans und Medien-Vertretern. Die HSV-Anhänger applaudierten – es muss dem neuen Chef-Trainer heruntergegangen sein wie Öl. Genau fünf Minuten später erschien die Mannschaft. Sie ging auch durch das Spalier, aber ohne Beifall. Der muss sich erst wieder erarbeitet werden.
Übrigens: Zu spät wird Joe Zinnbauer wohl nie, denn er ist nicht nur fünf Minuten vor der Zeit da, sondern fast fünf Stunden . . . Heute fuhr er bereits um 7 Uhr vor den Eingang des Stadions, was noch verschlossen war – aber „Joe hat ja Schlüssel“. Und gestern, als er noch bei der U23 im Amt war, betrat er um 14 Minuten vor Zwölf das Stadion – das Training war für 15.30 Uhr terminiert. So ist der neue Mann des HSV.

 

Wer mehr über Joe Zinnbauer wissen will, oder fast alles, der sollte sich das hier eingebaute Video von seiner Vorstellung heute zur Mittagszeit ansehen (bitte die Play-Liste darunter beachten!). Und wer das wagt, der wird feststellen, dass an diesem Mann nichts Künstliches dran ist, sondern nur Normalität. Dieser Trainer ist authentisch, frisch, fromm, frei und von der Leber weg. Einfach erfrischend, dieser Typ. Und wenn er damit auch bei seiner Mannschaft „landen“ kann, wenn er seine etwas trockenen Profis, von denen viele, viel zu viele schon mit lethargischen Zügen über den Rasen traben, sich von dieser emotionalen Art auch nur etwas mitreißen oder anstecken lassen, dann wird dieser HSV auch wieder auf die Beine kommen. Habt Vertrauen.

 

Wie die beiden großen Agenturen den ersten Tag von Joe Zinnbauer erlebt haben, möchte ich Euch auch noch zukommen lassen, damit das Bild dann noch ein wenig runder wird. Zuerst der Beitrag der Deutschen Presse-Agentur:

HSV-Coach Zinnbauer: „Ich will die Zügel in der Hand haben“

Aufgezeichnet von Christopher Weckwerth

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer steht vor seinem Debüt in der Bundesliga: Nach fast 20 Jahren in Amateurligen wittert der 44-Jährige seine Chance, sich im Profibereich zu etablieren.

Josef Zinnbauer ist der neue Trainer beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Gleich im ersten Training mit der Profimannschaft am Mittwochvormittag gab der bisherige U23-CoachdesHSV lautstark den Ton vor:„Ich will die Zügel in der Hand haben“, erklärte der 44-Jährige anschließend auf einer Pressekonferenz in der Arena. Frage: Was für ein Trainertyp sind Sie? Antwort: Ich bin sehr leidenschaftlich und akribisch. Disziplin ist mir wichtig, ich will schon die Zügel in der Hand haben. Wenn man in Hamburg Trainer ist, sollte man alles ins Zeug legen – ich denke, das habe ich mit der U23 gemacht.
Frage: Haben Sie Respekt vor dem Sprung aus der vierten in die erste Liga? Antwort: Ich bin kein Neuling als Trainer. Ich bin im 26. Lebensjahr in das Geschäft eingestiegen, auch wenn es unterklassig war. Als Zweitligaspieler bei Mainz 05 habe ich auch als Profi auf dem Rasen gestanden – das ist nichts Neues für mich. Respekt habe ich natürlich, das ist doch klar. Aber vor 50 000 Zuschauern zu spielen, darauf freue mich, da sollte man keine Angst vor haben. Das ist doch geiler, als wenn ich vor zehn Leuten stehe. Ich habe Bock auf die erste Liga.
Frage: Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft ein? Antwort: Mein erster Eindruck ist positiv. Stärken und Schwächen richten sich meiner Meinung nach danach, wie man spielen lässt. Ich will eine eigene Philosophie einbringen. Man kann die Schwächen auch verstecken. Ich habe aber auch der U23 viel zu verdanken: Da sind Spieler drin, die wir hoffentlich mal in der Bundesliga sehen.
Frage: In Mainz haben Sie an der Seite von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gespielt. Haben Sie noch Kontakt? Antwort:Ja, ich habe ihm neulich noch bei Whatsapp geschrieben. Schon damals in Mainz hat Kloppo gesagt: Wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer . . .

 

Und beim Sport-Informations-Dienst war zu lesen:

 

„HSV-Joe“ Zinnbauer schießt scharf: „Ich kenne kein Pardon“

Emotionen ins Team bringen und vor allem Druck machen: Mit drastischen Maßnahmen will Josef Zinnbauer als neuer Cheftrainer des Hamburger SV den Profis des sieglosen Tabellenletzten Beine machen – auch schon gegen Bayern München.

Emotional, ehrgeizig, energisch – mit dieser erfrischenden Mischung will Josef Zinnbauer als 17. Cheftrainer binnen 13 Jahren Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV aus dem Tabellenkeller holen. „Ich habe Bock auf die 1. Liga. Es ist doch viel schöner, vor 50 000 statt vor 500 Zuschauern zu spielen“, sagte der 44-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in der Hansestadt.
Der einstige Zweitliga-Profi machte unmissverständlich deutlich, dass unter ihm ein anderer Wind wehen wird als bei seinem glücklosen Vorgänger Mirko Slomka, der am Montag nach drei Spielen ohne Sieg und ohne einen einzigen Torerfolg beurlaubt worden war: „An der Qualität der Mannschaft liegt es nicht. Man muss Emotionen reinbringen und am Kopf ansetzen. Wenn nur drei von elf Spielern da nicht mitziehen, funktioniert es einfach nicht.“
Der 44-Jährige, der bereits seit 18 Jahren als Coach arbeitet, hat das beste Druckmittel für lethargische Profis in der Hand. Das von ihm betreute U23-Team führt mit acht Siegen aus acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord souverän an. So mancher Nachwuchsakteur wirft schon begehrliche Blicke Richtung Erstliga-Kader.
Und darf sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen. Zinnbauer: „Wenn es oben nicht läuft, hole ich mir meine jungen Spieler dazu. Da kenne ich kein Pardon. Ich habe ihnen gesagt, dass mein Wechsel in die erste Liga eine große Chance für mich, aber eben auch für sie ist.“

 

Soweit die beiden Agenturen. Wie gesagt, Ihr selbst könnt Euch ein Bild vom neuen HSV-Trainer machen, indem Ihr das Video (plus Play-Liste) von der PK anklickt. Es lohnt sich.

 

Kurz noch zum Training. Rafael van der Vaart, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen nahmen nicht daran teil, weil sie verletzt sind. Jansen betrat um 11.26 Uhr den Trainingsplatz und joggte, arbeitete dann aber auch kurz mit Reha-Trainer Markus Günther, der zuvor mit Slobodan Rajkovic beschäftigt war – anschließend gingen alle drei Männer im Volkspark laufen. Beim Profi-Training waren dafür auch drei Spieler aus der Zweiten dabei: Ashton Götz (er wird der erste Spieler sein, der den Sprung zu den Profis schaffen wird – ist meine Überzeugung!), Tolcay Cigerci und Ronny Marcus. Auch die Nachmittagsschicht begann mit einiger Verspätung, denn zuvor hatte es in der Kabine eine Video-Vorführung gegeben. Eine Art Folter-Training . . .

 

Im obligatorischen Trainingsspielchen gegen Ende der Einheit spielte A gegen B – und in dem A-Team standen drei ganz interessante Männer: Jaroslav Drobny im Tor, davor in der Innenverteidigung Heiko Westermann (neben Johan Djourou) und davor, auf der Sechs, Tolgay Arslan. Hat wahrscheinlich noch nichts zu sagen, aber es fand dennoch viel Beachtung. Am Nachmittag wurde dann sehr, sehr ideenreich trainiert, mit Spaß und Freude an der Sache. Eine Übung war so angelegt, dass die Spieler mit Ball und Tennisball zugleich “spielen” mussten . . . So etwas Kreatives gab es im Volkspark schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

 

Die Kritiken, die Joe Zinnbauer, der seit 1980 nunmehr mein 27. HSV-Trainer ist (allerdings mit Ralf Schehr, Holger Hieronymus und Frank Arnesen) nach und für seinen ersten Tag bekommen hat (Fans und Kollegen), waren durchweg positiv, meistens überaus positiv. Es weht, so war zu vernehmen, jetzt ein viel frischerer Wind durch den Volkspark, die Stimmung ist plötzlich eine ganz andere. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch bei der Mannschaft so aufgenommen und dann auch gelebt wird.

 

Das hofft natürlich – und in erster Linie – auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer, der sich ganz hinten in der letzten Reihe die erste Pressekonferenz von Joe Zinnbauer ansah und anhörte. Der „Didi“ wirkt auf mich etwas (sehr) gestresst, die Turbulenzen der vergangenen 48 Stunden zeigen sich in seinem Gesicht, er hat Augenränder. Natürlich. So etwas geht ja nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Er muss schließlich innerhalb von wenigen Stunden allerhand Männern erklären, dass sie in Zukunft keine Rolle mehr beim HSV spielen werden – und gehen müssen. Ganz sicher keine angenehme Aufgabe – und so etwas dann am Fließband. Ich stellte gestern ja noch die Frage, was aus Liga-Betreuer Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka im Sommer von Hannover 96 losgeeist hatte, heute sagte Beiersdorfer nur ganz kurz: „Er bleibt beim HSV.“ Was in diesen schweren Zeiten ja gewiss keine Selbstverständlichkeit ist . . .

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 15.30 Uhr (nicht, wie zuerst gemeldet, um 10 Uhr!) trainiert.

 
17.15 Uhr

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

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So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

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