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Entwarnung bei Lasogga – dafür fällt Jansen aus

11. März 2015

Dann also doch nur eine Vorsichtsmaßnahme. Zum Glück. Pierre Michel Lasogga konnte heute schon wieder individuell mit Rehatrainer Markus Günther trainieren. Ohne abzubrechen. Schon morgen oder spätestens am Freitag soll der bullige Angreifer wieder auf dem Platz voll mittrainieren können und am Sonnabend in Hoffenheim im Kader stehen. Da definitiv noch nicht dabei sein wird Marcell Jansen, der seinen Muskelfaserriss noch nicht ausreichend auskuriert hat, wie Röntgenaufnahmen heute bestätigten. Eine bittere Nachricht für den Linksfuß, der vor seiner Verletzung in guter Verfassung war und sich für einen neuen Vertrag empfehlen will. Noch bitterer für das HSV-Urgestein: Seine Verletzungsanfälligkeit, so oft sie auch in Sportunfällen begründet ist, dürfte eher gegenteiliges bewirken.

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Ebenfalls auszufallen drohte Rafael van der Vaart, der seine Grippe aber heute schon auskuriert hatte, bzw. sie an Maxi Beister weitergereicht hatte. Denn der Hoffnungsträger so vieler HSV-Fans lag heute flach. Ob Beister ausfällt, ist offen. Ich drücke ihm von hier aus auf jeden Fall beide Daumen, dass er endlich wieder hundertprozentig fit und den HSV-Angriff somit schnellstmöglich bereichern wird. Die Mannschaft braucht ihn. Ebenso wie einen gesunden Pierre Michel Lasogga, der im Hinspiel gegen die TSG den Treffer beim 1:1 erzielen konnte.

Damals ebenfalls dabei war Lewis Holtby, der wieder mit der Mannschaft trainiert und auf sein Comeback drängt. Auch heute war er wieder dabei und agierte sogar zweitweise im A-Team. Nicht unbedingt, weil er sich aufdrängen konnte. Dafür aber, weil es an Alternativen mangelt. Beister fehlt krank, Jansens und Müller (fünfte Gelbe) fallen aus. Bleiben für die Außen noch Green und Ilicevic, sowie der zuletzt gute Mohamed Gouaida auf den Außenbahnen, während zentral Zoltan Stieber – wer hätte das in der Hinrunde gedacht – als gesetzt gilt. Da scheint nicht mal mehr ausgeschlossen, dass Holtby gegen Hoffenheim sein Comebck feiert – wenn auch zunächst nur von der Bank aus.

 

Gestern jedenfalls absolvierte der Linksfuß – wie eigentlich immer – nach Trainingsende noch eine kleine Sondereinheit. Zusammen mit Brunst im Tor und Zoltan Stieber als Passgeber übte der Linksfuß den Torabschluss. Und das war wirklich imposant. Brunst chippte den Ball auf Steiber und Holtby im Wechsel, die die Kugel entweder direkt oder nach einmal hochhalten für den anderen auflegten.

Steht kurz vor seiner Rückkehr in den Kader: Lewis Holtby

Steht kurz vor seiner Rückkehr in den Kader: Lewis Holtby

Und ich habe mitgezählt: Von 19 Versuchen aus mehr als  20 Metern konnten die beiden dank ihrer überragenden Schusstechnik elf Treffer per Direktabnahme erzielen. Eine starke Quote. Insofern ist Holtby – bei Stieber ist das inzwischen bekannt – in Sachen Torschuss schon mal wieder auf der Höhe. Und ich bin gespannt, ob Zinnbauer das Wagnis eingeht, Holtby mitzunehmen.

Apropos Zinnbauer: Heute hat Thomas Doll in der „SportBild“ eine für mich ebenso wenig überraschende wie richtige Kritik am HSV geäußert. Den Kollegen sagte er im Interview: „Das Problem ist, dass seit Jahren nach jedem Trainerwechsel dieselben Spieler die gleichen Sprüche machen. Dann sagen sie: ‚Der neue Trainer spricht mit uns, wir trainieren mehr, stehen kompakter, arbeiten jetzt als Team.’ Drei Wochen später bringen sie wieder keine Leistung. Während die Trainer fliegen, sind diese Spieler noch immer da: Der HSV muss ausmisten. Der HSV muss sich dazu bekennen, dass er hinteres Mittelmaß ist. Da muss der Club wieder anfangen und kleine Brötchen backen. Da darf keiner Europa im Hinterkopf haben.“

Alles richtig. Und ich glaube, diese Gedanken sind gerade im Doppelpass mit der von meinem Kollegen Alexander Laux heute sehr anschaulich dargestellten düsteren Finanzsituation auch den Verantwortlich längst nicht mehr fremd. Zumindest erklärt das HSV-Direktor Bernhard Peters im Abendblatt-Interview, das morgen erscheinen wird: „Wir sind natürlich noch lange nicht da, wo wir mal hinwollen“, so Peters auf die Frage, wie er zum aktuell eher rustikalen denn technisch hochwertigen Fußball steht.


Bernhard Peters gilt als Trainerausbilder - auch für HSV-Coach Zinnbauer (l.)

Bernhard Peters gilt als Trainerausbilder – auch für HSV-Coach Zinnbauer (l.)

„Momentan sind wir in einer Situation, wo der Zweck die Mittel heiligt. Das ist aber auch völlig normal. Wir wollen beim HSV langfristig etwas aufbauen – und momentan sind wir eben ganz am Anfang dieser Entwicklung. Wir wollen eine HSV-Identität mit einer klaren Orientierung schaffen. Unser Ziel muss es sein, dass man eine HSV-Handschrift auf und neben dem Platz erkennt.“ In dem Interview erklärt Peters eindrucksvoll, was der HSV von Hoffenheim aber auch von Mainz und beispielsweise Freiburg lernen kann, welche nachvollziehbare Parallele Zinnbauer mit Pep Guardiola hat und wie sich der HSV seinem Entwicklungsziel nähern will. Ein definitiv lesenswertes Interview meines Kollegen Kai Schiller!

Dass Rafael van der Vaart den gesamten von Peters beschriebenen Weg mitgehen wird ist nahezu ausgeschlossen. Als Aktiver allemal. Denn wie ich gehört habe, ist auch die vorzeitige Abgabe von Rafael van der Vaart längst nicht mehr ausgeschlossen. Obwohl der Direktor Sport, Peter Knäbel, eine vorzeitige Abgabe gerade erst ausschloss, soll überlegt werden, ob man den Niederländer, der beim HSV nicht mehr über die Rolle des Reservisten hinauszukommen scheint, in der Länderspielpause an Sporting Kansas City abgibt und so neben einer kleinen Ablöse, die man kassieren würde, noch ein wenig Gehalt spart. Es wäre ein trauriges Ende eines großen HSVers mit enormen Verdiensten rund um diesen Verein – aber es wäre mit Sicherheit nicht die schlechteste Entscheidung. Für beide Seiten.

Und nur um das noch mal den wenigen klarzumachen, was ich gestern meinte, als ich den rustikalen Fußball als beste Lösung beschrieb: Es geht mir nicht darum, der Mannschaft das Potenzial für einen geordneten Spielaufbau und ansehnlichen Fußball abzusprechen, ganz sicher nicht. Ich glaube, dass dieses Potenzial da ist. Ich bin mir aber sicher, dass der HSV nicht die Zeit hat, das auszuprobieren. Dafür fehlt der gesicherte Klassenerhalt. Deshalb schrieb ich auch, dass dieser Fußball sicher nicht der Anspruch des HSV generell sein darf – er es aber im Moment sein muss. Soll heißen: Jetzt mit simpelsten Mitteln den Klassenerhalt sichern, und dann wieder Fußball probieren, wie ihn der FC Schalke gestern unter anderen mit den überragenden Meyer, Huntelaar und Fuchs spielte. Insbesondere der Erstgenannte war für mich so stark, dass Schalke schon sehr bald sehr großes Werben um ihn „befürchten“ muss…

 

In diesem Sinne, morgen melde ich mich nach dem Nachmittagstraining um 15.30 Uhr wieder.

 

 

Scholle

 

P.S.: Mit Lasogga trainierten heute auch Dennis Diekmeier und Johan Djourou vorsichtshalber individuell mit Lasogga und Rehatrainer Markus Günther. Alle drei sollen morgen oder spätestens Freitag wieder einsteigen können.

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