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Slomka holt U23-Stürmer Maggio dazu

2. April 2014

Wann wird endlich wieder gespielt? Wann gibt es endlich wieder die Möglichkeit, dieses Horrorszenario mit Taten abzuwenden? Ich kann mir zwar vorstellen, dass Mirko Slomka gern ein paar Tage länger zwischen den Spielen Pause hätte, um so den einen oder anderen Verletzten genesen zu lassen – allerdings bin ich mir auch sicher, dass der HSV-Trainer mittelschwer genervt sein muss. Woche für Woche sitzt er oben auf der Empore im Presseraum der Imtech-Arena und appelliert. Er appelliert an die Mannschaft, den Glauben an sich nicht zu verlieren. An die Fans, dem Klub gerade jetzt weiter beizustehen. Und das allein ist auch noch vertretbar. Allerdings, sich jede Woche hinsetzen zu müssen und über die Schwere des Drucks und über die mentale Verfassung seiner Spieler philosophieren zu müssen – das würde mich zermürben.

Ob die Fahnen, die in der Stadt von solidarisierenden Fans aufgehängt wurden vielleicht auch Druck auf die Mannschaft ausüben? Wie viel Prozent Psychologe er jetzt auch sein müsse und dergleichen wurde Slomka heute gefragt. Auch, inwieweit der Kopf im Abstiegskampf entscheiden ist. Und obgleich er sicher gern mal sagen würde „Scheiße noch mal, wir müssen einfach mal die Eier haben, ein Spiel von der ersten Sekunde an physisch wie spielerisch zu dominieren und zu gewinnen“, formulierte es der studierte Sportlehrer gewohnt sachlich und für alle nachvollziehbar: „Wir waren sehr niedergeschlagen und es galt für uns als Trainerteam, die Vorfreude wiederzufinden und sie auf die Mannschaft zu übertragen. Jetzt sind 47000 Tickets verkauft – und wir freuen uns auf das Abendspiel am Freitag. Es ist eine brisantere Situation jetzt, weil wir auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht sind. Und hier zu Hause ist klar, dass wir das Spiel für uns entscheiden wollen – nein, sogar müssen ob der Tabellensituation. Wir müssen vorlegen und dafür werden wir alles mobilisieren, was wir zusammen mit den Fans auf die Beine stellen können.“ Dasselbe in etwas anderen Worten hatte Slomka schon zu Amtsantritt formuliert und seither Woche für Woche aufs Neue wiederholen müssen. Das muss hart sein.

Aber Slomka jammert nicht. Er macht das sogar richtig gut, wie ich finde. Der passionierte Tennisspieler lebt vor, worauf es ankommt: Immer wieder durchziehen – bedingungslos. Egal, was man in dem Moment gerade denkt oder lieber machen würde – es zählt nur das eine Ziel, der Klassenerhalt. Punkt. Und dafür muss alles investiert werden, was man hat. Auch Geduld.

Wobei die im Fall Pierre Lasogga sicher schwer fällt. Immerhin ist der Toptorjäger des HSV nur schwer zu ersetzen. „Pierre wird am Freitag auf jeden Fall nicht dabei sein können“, so Slomka heute. Bei dem Angreifer, der wiederholt Oberschenkelprobleme hat, soll jetzt eine zahnärztliche Untersuchung neue Schlüsse auf die Ursache der dauernden Verletzungen geben. „Wir wollen nach der Verletzungsmisere, die ja schon im Januar begonnen hat, alles abprüfen, ob es da einen Entzündungsherd gibt, den wir bislang nicht gefunden haben. Er wird ausgiebig untersucht und behandelt, sodass wir ihn hoffentlich nächste Woche in Hannover wieder dabei haben.“


Besser sieht es dagegen bei Ivo Ilicevic aus. Der Kroate absolvierte heute Vormittag einen härteren, schnelleren Lauf mit Rehatrainer Markus Günther. „Es geht von Tag zu Tag besser. Ich hege die Hoffnung, dass wir ihn am Donnerstag zumindest bei Teilen des Mannschaftstrainings dabei haben können.“ Dabei soll der Außenstürmer Sprints mit und ohne Ball absolvieren und die Belastung langsam aber stetig steigern, um eventuell doch schon etwas früher als erwartet ins Team zurückzukehren. Slomka hofft: „Das wäre sehr erfreulich. Wir haben die Hoffnung, dass Ivo am Freitagabend dabei sein kann.“ Der Rechtsfuß selbst sagte heute Morgen nach seinem Waldlauf: „Der Lauf war gut, es geht irgendwie. Ich kann es noch nicht endgültig sagen, aber wir testen jetzt und dann schauen wir mal.“

Schauen und Hoffen. Denn ein gesunder Ilicevic wäre eine dringend benötigte Alternative für das bislang lahmende Offensivspiel des HSV. Obgleich Slomka ebenfalls nicht müde wurde, seine Offensivkräfte zu stützen. „Wir haben schon den einen oder anderen Spieler, an dem wir sehen können, dass wir hier eine Entwicklung nach vorne haben. Nehmen wir mal einen Jacques Zoua als Beispiel. Der ist ja gerannt für zwei, hat geackert fürs Team und endlich sein Tor gemacht. Natürlich hätten wir gern noch ein zweites gemacht mit seiner Großchance in der zweiten Halbzeit – aber es ist eine Tendenz erkennbar, die nach oben geht. Und das ist extrem wichtig in unserer Situation.“

Auch den seit Wochen seiner Form hinterherlaufenden Rafael van der Vaart lobte Slomka erneut und ausdrücklich. Wobei ich ehrlich gesagt auch fand, dass van der Vaart in Gladbach präsenter war als zuvor und nicht umsonst endlich wieder an Torchancen beteiligt war. Nach einer Lobrede auf Rene Adler („Ich kenne keinen konstanteren Torwart – Manuel Neuer vielleicht mal ausgenommen – in den letzten Wochen“) ging Slomka zu seinem Kapitän über. „Der viel und oft kritisierte van der Vaart hat auch in Gladbach eine deutliche Leistungssteigerung gezeigt. Wenn wir das jetzt stabil hinbekommen für die letzten Wochen der Saison, dann ist mir nicht bange. Dann schaue ich voller Überzeugung auf Platz 15.“

Allerdings ist sich Slomka der Offensivschwäche bewusst. „Zu Hause 8 Punkte und 8:8 Tore – das ist in Ordnung. Aber ich würde mir schon eine positive Bilanz wünschen. Auch, was das Torverhältnis angeht. Aber genau daran sieht man ja, wo unser Problem liegt.“ Und Slomka reagiert. Heute trainierte (endlich) Mattia Maggio nach zuletzt vier Toren in drei Spielen für die U23 mit. Und der Deutsch-Italiener traf für die B-Elf (mit Jiracek – in der A-Elf spielte Rincon rechtes und Calhanoglu linkes Mittelfeld) beim 4:1-Erfolg doppelt. Und das auch noch gegen Rene Adler. „Gegen ihn zu treffen ist schon was anderes als in der Regionalliga“, freute sich Maggio, dessen Zukunft in Hamburg noch offen ist. Der Vertrag des in Nürtingen geborenen Angreifers läuft im Sommer aus – und die Zukunft ist noch unbesprochen.

„Bislang habe ich noch nichts vom Verein gehört“, so Maggio, der sich umso mehr über die Möglichkeit freut, sich bei den Profis zeigen und so für einen neuen Vertrag empfehlen zu dürfen. „Ich bin momentan tatsächlich ganz gut drauf. Dass ich mich gerade jetzt das erste Mal bei den Profis zeigen darf, freut mich tierisch.“ Ob er sich auch zutrauen würde, vor knapp 50000 Zuschauern in der Imtech-Arena gegen Leverkusen aufzulaufen? „Klar!“, so die eindeutige und selbstbewusste Ansage des Rechtsfußes, „das ist gar kein Problem. Das wäre doch eine riesengroße Ehre für mich“, so Maggio, der es bislang auf ein Profispiel in Italiens zweiter Liga bringt, zudem insgesamt acht Buden in 21 Spielen für die U23 erzielen konnte.

Maggio ist das Ergebnis einer Sitzung der sportlich verantwortlichen. Slomka: „Wir haben gestern zusammengesessen und uns über unsere Stürmerproblematik unterhalten. Wir haben das Problem ja in allen Leistungsmannschaften. Wir versuchen ja dann auch die Spieler herauszupicken, die treffen und die nicht zu viel nachdenken, bevor sie zum Abschluss kommen. Und ich hatte heute bei Mattia den Eindruck, dass das so ist.“ Deshalb soll der Nachwuchsstürmer am Donnerstag auch beim geheimen Abschlusstraining wieder dabei sein. „Er ist schnell, er kann links wie rechts schießen und ist als Gegenspieler sehr unangenehm. Deshalb hat er auch die Chance verdient, sich am Donnerstag im Training auch für den Kader am Freitag zu empfehlen“, so Slomka.

Neue Kräfte also – für alte Ziele. Aber es passiert etwas. Deshalb wurde heute auch insbesondere der Torabschluss geübt. Und das alles ist mir persönlich schon tausendmal lieber, als immer wieder etwas von einem „guten Gefühl“ zu hören. Auch Slomka wünscht sich Spieler, die weniger über die Situation nachdenken. „Das hilft wenig“, sagt Slomka, „aber ich glaube, dass wir einige Spieler haben, die das können wie beispielsweise Milan Badelj, der für uns ein Stabilisator ist. Der jemand ist, der das Spiel lenken und leiten kann. Der aber auch den nötigen Biss zeigen muss, um überhaupt erst an den ball zu kommen. Ein Spieler, der sich wenig Gedanken darüber macht, ob jetzt vielleicht ein schwerwiegender Fehler passieren kann. Denn wenn ich erst darüber nachdenke, passiert es eher.“

Der Angesprochene selbst fasste seine Maxime dann auch ebenso kurz wie simpel wie auch korrekt zusammen: „Wir müssen einfach spielen und gewinnen – etwas Besseres und Wichtigeres im Abstiegskampf gibt es nicht“, so Badelj, über dessen Rückkehr ich mich freue, weil er ein Spieler ist, der sich nie versteckt und der immer den Ball haben will. Nun weiß ich auch, dass hier im Blog viele Kritiker des Kroaten unterwegs sind, die mit ihrer Kritik auch punktuell absolut immer wieder richtig liegen. Allerdings ist Badelj momentan besser als andere im Kader – was allein natürlich längst noch kein Gütezeichen ist…

Nein, bei den immer wiederkehrenden Diskussionen um einzelne Spieler und deren Berechtigung, auf dem Platz zu stehen, dürfen wir nicht vergessen, dass der HSV aktuell eben nur diese Spieler hat. Ab Sommer können wir wieder anfangen, uns über fehlende Qualität im Kader und die Notwendigkeit von Neueinkäufen zu unterhalten. Aber bis dahin gilt das, was Slomka vorlebt: Wir müssen uns mit den Gegebenheiten arrangieren und dafür notfalls auch immer wieder mal auf die Lippen beißen. Kurzum: Wir müssen noch einmal alle Kräfte bündeln, so schwer es jedem einzelnen auch fallen mag. Und wir müssen das durchziehen. Immer und immer wieder – bis der Klassenerhalt geschafft ist. Die Situation lässt schlichtweg keine Alternative zu.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird leider nicht öffentlich trainiert.

Scholle

P.S.: Slomka freute sich natürlich über die automatische und 2,5 Millionen Euro teure Vertragsverlängerung von Johan Djourou beim HSV: „Ich habe ihn in Hannover damals schon ungern nach Hamburg gehen lassen und bin froh, dass wir jetzt wieder zusammenarbeiten können. Wir befruchten uns gegenseitig. Er ist für mich ein großer Stabilisator in der Innenverteidigung und hat bisher jedes Spiel gespielt. Ich glaube auch, dass die kleineren Fehler, die ihm unterlaufen sind als ich noch nicht da war, jetzt abgestellt sind. Und wir arbeiten daran, dass das so bleibt. Jetzt ist er ein Spieler des HSV und es liegt an uns, mit ihm einen ganz guten Weg zu beschreiten.“

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