Willi Schulz: “Wer Dortmund 4:1 besiegt . . .”
26. April 2013
Nun soll der zuletzt so lange verletzt fehlende Klaas-Jan Huntelaar sogar in der Schalker Startelf stehen, wenn die Partie gegen den HSV am Sonntag um 17.30 Uhr auf Schalke angestoßen werden soll. Auch das noch. Bei Huntelaar denke ich immer sofort auch an Claudio Pizarro, der bekanntlich als Bremer und jetzt als Bayer bevorzugt gegen den HSV traf und trifft. Der Niederländer ja auch. Oder auf jeden fall fast so, denn in vier Spielen gegen den HSV schoss Huntelaar vier Tore. Das muss ja nicht unbedingt heißen, dass das immer so weitergeht, aber es könnte ja immerhin doch sein. Und irgendwie hat der HSV ja auch stets ein Herz für Clubs und Gegenspieler, die dringend mal wieder aufgebaut werden müssen. Obgleich ich mir das in der jetzigen Phase einfach nicht vorstellen kann, denn der HSV hat gestern und auch heute sehr, sehr gut trainiert. Das war Leben in der Bude, da war Feuer drin, da war viel Spaß dabei – das sah wirklich, ich kann es nur immer wieder betonen, richtig gut aus. Was natürlich auch nichts heißen muss, denn gut trainiert hat der HSV sicherlich schon des Öfteren, um dann im Spiel zu versagen – aber ich, der ansonsten immer leicht zum Pessimismus neigt, bin diesmal ganz zuversichtlich. Ich lege mich mal aus dem Fenster und behaupte frech: der HSV wird auf Schalke nicht verlieren.
Natürlich wird Trainer Thorsten Fink noch einmal das morgige Abschlusstraining (wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit) abwarten wollen, bevor er sich auf eine Startformation festlegt, aber alles läuft darauf hinaus, dass folgende elf Männer im HSV-Trikot beginnen werden:
Rene Adler; Jacopo Sala, Michael Mancienne, Heiko Westermann, Marcell Jansen; Tolgay Arslan, Dennis Aogo; Per Ciljan Skjelbred, Petr Jiracek; Rafael van der Vaart; Heung Min Son.
Schiedsrichter der Partie ist Peter Sippel aus München
Beim heutigen (und sehr langen) Vormittagstraining überzeugten mich gleich einige Spieler dieser Formation. Dennis Aogo zum Beispiel wirkte auf mich wie aufgezogen, er hatte richtig viel Spaß und Lust, sich auszutoben – auch wenn er beim abschließenden Spielchen mit einem schlimmen Patzer das 0:1, das Tolgay Arslan erzielte, ermöglichte. Aber wie Aogo über den Platz rannte und wieselte, das war schon sehenswert. Dazu hatte Rene Adler einen echten Schokoladen-Tag, wie er durch die Luft segelte, wie er Schüsse und Kopfbälle aus nächster Nähe entschärfte, das hatte was. Lediglich Artjoms Rudnevs traf gegen den Nationaltorwart zum zwischenzeitlichen 1:1. Und das Marcell Jansen das Siegtor für sein Team (um Rafael van der Vaart und Arslan) erzielte, das war auch kein Zufall. Jansen ist zurzeit einfach gut drauf – und wer kann sich eigentlich erinnern, dass er zuletzt mal verletzt ausgefallen ist? Das gibt es gar nicht mehr! Und sein Tor hat er mit einem sehr schwierigen und deshalb besonders sehenswerten Dropkick erzielt, das war Haltungsnote eins. Ein solches Ding auch auf Schalke – und es wird das Tor des Monats.
Apropos Schalke. Denk ich an Schalke bei der Nacht, frag ich mich gleich, was Willi macht? Willi Schulz. Der ehemalige Schalker. Er ist natürlich am Sonntag vor Ort – auf Schalke. Wie sich das für einen Jungen aus dem Ruhrpott gehört. Obwohl der „World-Cup-Willi“ ja längst HSVer und Hamburger ist. Er wird auch dementsprechend die Prioritäten setzen – und dem HSV die Daumen drücken. Was ist drin für die „jungen Finken“? Willi Schulz: „Der HSV ist auswärts ja besser als zu Hause, und Schalke ist daheim nicht gerade überzeugend – deswegen glaube ich, dass alles möglich ist, auch ein HSV-Sieg. Und den erhoffe ich mir natürlich. Der HSV kann ja seine zuletzt gute Form, die mit zwei Siegen untermauert wurde, unter Beweis stellen. Und dazu auch zeigen, dass die Sache mit dem neuen Kapitän keine Eintagsfliege ist. Rafael van der Vaart hat neuen Schwung in den Laden gebracht und für Frische gesorgt, und wenn das wieder da ist, dann gewinnt der HSV.“ Dann fügt Willi Schulz auch noch an: „Alle sprechen im Moment vom FC Baern und Dortmund, und hat nicht der HSV zuletzt zweimal gegen den BVB gewonnen? Und wer gegen Dortmund zweimal gewinnt, dabei auch ein 4:1 in Dortmund schafft, der kann auch auf Schalke gewinnen . . .“
Aber hundertprozentig.
Und noch einmal zu einem ehemaligen Schalker, und das ist ja der ehemalige HSV-Kapitän Heiko Westermann: Der Abwehrmann verließ gestern ja das Trainingsgelände mit einem dick bandagierten rechten Knie. Eine Vorsichtsmaßnahme. Heute ging es ohne Verband, obwohl es noch ein wenig zwickt und schmerzt. Westermann aber ist ja ein „harter Hund“, der zur Not auch mit dem Kopf unter dem Arm aufläuft, er wird auch gegen seinen früheren Arbeitgeber Gas geben – für den HSV. Und schnell noch eine Personalie: Maximilian Beister, dessen Rot-Sperre am Sonntag nach dem Schalke-Spiel enden wird, fehlte auch heute noch erkrankt. Aber er hat ja dann bis zum nächsten Sonntag, wenn das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg auf dem Programm steht, Zeit, sich zu erholen.
Nicht auf Schalke dabei sein wird, erwartungsgemäß, Milan Badelj. Der Mittelfeldspieler nahm heute auch nicht am Mannschaftstraining teil, sondern lief mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark. Thorsten Fink zum Fitness-Stand des „Sechsers“: „Milan ist gut gelaufen, sogar sehr gut, aber er müsste morgen noch einen Belastungstest mit Markus Günther machen, doch wir spielen ja schon einen Tag später. Deshalb ist mir das Risiko doch zu groß – zumal ich unheimlich viel Vertrauen habe in die Männer, die dann auf der Sechs spielen werden.“ Fink sagte noch ergänzend: „Ich schaue mir den Milan noch mal am Sonnabend an, und sollte sich im Training noch einer verletzten, dann würde ich ihn eventuell auch noch mitnehmen – aber nur für den Notfall. Ich will kein Risiko eingehen. Und wir haben ja auch danach noch drei schwere Spiele vor uns, da brauchen wir ihn dann gesund.“
Die Entscheidung auf der „Sechs“ pro Dennis Aogo und gegen Tomas Rincon begründet Thorsten Fink wie folgt: „Wir wollen auf Schalke im Ballbesitz bleiben, das könnte mit Dennis Aogo besser klappen. Ich finde auch, dass er seine Sache zuletzt gegen Düsseldorf auch gut gemacht hat, wenn man mal davon absieht, dass er beim Gegentor und der Standardsituation ein bisschen geschlafen hat.“ Die zweite „Sechs“ ist ja Tolgay Arslan, der zum Düsseldorf-Spiel ja erkrankt ausgefallen war. Und „Ali“, wie Arslan nur von den Kollegen gerufen wird, macht auf mich im Training auch einen erstklassigen, engagierten und aggressiven Eindruck – das musste ich schnell noch einmal loswerden.
Übrigens sprach ich heute ganz kurz mit Thorsten Fink über das Thema „Champions League“. Und schoss dabei ein bildschönes Eigentor, was die Lacher der Kollegen hervorrief. Ich sagte nämlich: „Ist das nicht eine verrückte Saison? Nach diesen Resultaten, einem 1:5 und einem 2:9 ist für den HSV jetzt sogar noch ein Platz in der Champions League möglich. Ich will da ja gar nicht groß drüber sabbeln, aber verrückt ist es schon, oder?“ Finks Antwort sorgte für die Lacher: „Ich will da auch gar nicht drüber sabbeln . . .“ Gelächter. Und dann sagte er: „Wenn man gewinnt, dann ist alles möglich, ganz klar, aber dazu müssen wir auf Schalke gewinnen. Letztlich aber wollen wir uns mal darauf konzentrieren, dass wir da überraschen können, dass Schalke auch Druck hat – und dass wir diesen positiven Druck haben. Den sollten wir mitnehmen ins Spiel und dann versuchen, es erfolgreich zu bestreiten. Ein Punkt wäre auch schon toll, ein Sieg wäre noch schöner – und dann kann sich jeder selbst ausrechnen, was noch möglich ist.“ Der Coach weiter: „Aber erst einmal sehen, was wir auf Schalke tatsächlich bringen. Nachher verlieren wir dort und dann muss man wieder sehen, dass man Platz acht oder Platz neun belegen kann. Es geht alles so schnell. Aber es ist eben in dieser Saison alles möglich, dass sehen wir alle, auch die anderen Clubs – und jetzt wird es ja auch eng, denn wir haben schon den 31. Spieltag . . .“
Wenn man so will: Der HSV hat am Sonntag ein Endspiel um die Champions League.
Und immerhin hat Schalke zuletzt mit der Niederlage in Frankfurt bewiesen, dass die Formkurve der „Knappen“ nicht kontinuierlich nach oben zeigt. Und das Schalke durchaus verwundbar ist – trotz Klaas-Jan Huntelaar. Schlusswort von Thorsten Fink: „Es kommt immer darauf, was WIR aus diesem Spiel machen.“ Genau, Trainer. Nun macht mal schön.
PS: Unser User “Enno” erinnert sich – und korrigiert mich dabei (was ich zuletzt schrieb):
“Denkt doch bitte einmal kurz zurück, ich sprach mit einigen Kollegen heute vor der Pressekonferenz darüber, wie es damals mit Hasan Salihamidzic war. Als der 1998 vom FC Bayern gekauft wurde, war er gerade mal 21 Jahre alt.”
Gekauft? Salihamidzic ist damals vom HSV ablösefrei zu Bayern gegangen, er wurde also nicht ge- bzw. verkauft.
Danke für diese Korrektur.
18.25 Uhr