Archiv für das Tag 'Günther'

Ein 1:1 – ein Traum, das Wunsch-Ergebnis!

17. Mai 2014

Jetzt zieht der HSV tatsächlich alle Register. Alle. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, jetzt geht es ans Eingemachte. Das bekam die versammelte Medien-Landschaft zu spüren, denn die erhielt heute, an diesem Vortag des vielleicht wichtigsten Tages der Vereins-Geschichte die Rote Karte unter die Nase gehalten. Ich will nicht meckern, ich will nicht dagegen mosern, der HSV hat im Volkspark das Hausrecht und kann vor die Tür setzen, wen auch immer er will. Am letzten Trainingstag der Saison allerdings mutet es etwas eigenwillig an. Oder auch nur kurios? Während des Geheimtrainings in der Arena erschien plötzlich ein junger Mann und bat uns im Namen des HSV, das Stadion zu verlassen. Auf die Frage, warum, entgegnete er: „Weil das ein Geheimtraining ist, aber jedes Mal doch nichts geheim bleibt, sondern alle die Aufstellung veröffentlichen – sodass dann doch nichts geheim ist.“ Stimmt ja. Keine Frage, aber am letzten Tag? Nun gut, es geht um alles, und dazu gehört wahrscheinlich auch eine solche Aktion. Und, das ist ernst gemeint, ich will nicht klagen, nicht meckern und nicht schimpfen – es ist okay. Und wenn der HSV tatsächlich damit, auch damit, die Erste Bundesliga hält, dann verdient diese Aktion das Prädikat „Weltklasse“.

 

Zum Wesentlichen. Solange wir Medien-Vertreter noch zusehen durften, wurde wie immer trainiert. Aufwärmen, dann Pass-Übungen. Zwei Spieler liefen jeweils mit Ball aufeinander zu, wenn sie auf einer Höhe waren, mussten sie die Kugel den „außen“ wartenden Kollegen in den Fuß spielen – und dann musste der mit dem Ball los . . . Wie gesagt, mehr war dann nicht zu sehen, dann gab es den Platzverweis.

 

Als wir dann vor der Tür waren, bekamen wir immerhin mit, wie sich Rene Adler zu seinem Auto quälte. Der Nationaltorwart wurde von seiner Freundin abgeholt und setzte sich – natürlich – auf die Beifahrerseite. Adler hat einen Bandscheibenvorfall erlitten, und dementsprechend bewegte er sich. Wie ein alter Mann. Ich war total erschrocken. So habe ich einen aktuellen HSV-Torwart noch nie gehen sehen – nur Arkoc Özcan, aber der ist ja auch mittlerweile 75 Jahre alt und gesundheitlich schwer angeschlagen (weil er einst Torwart war!). Auf jeden Fall muss festgehalten werden, dass Adler wirklich krank ist. Das schreibe ich deswegen, weil unter den Fans verschiedentlich schon so hören war, dass sich Adler vor den entscheidenden Spielen „schnell mal vom Acker“ gemacht hätte. Das stimmt garantiert nicht, da tut man dem HSV-Keeper bitter Unrecht.

 

Ansonsten war zu beobachten, dass Ivo Ilicevic mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark gelaufen ist, sodass klar ist, dass der Mittelfeldspieler morgen in Fürth nicht mit von der Partie sein wird. Gleiches gilt für Ola John und Quasim Bouy, beide Winter-Leihgaben wurden aus dem Kader gestrichen und können damit schon heute einen Haken unter ihre Hamburger Zeit setzen. Und tschüs. Und wech. Und vielen Dank noch einmal an Bert van Marwijk und Oliver Kreuzer, dass wir diese beiden Spieler von den Welt-Vereinen Juventus Turin und Benfica Lissabon hier einmal an der Elbe unter die Lupe nehmen durften. Klasse-Aktion von allen, und wenn dann morgen doch noch die Klasse gehalten wird, dann können wir alle auch einen großen Haken unter diese 51. Erstliga-Spielzeit machen.

 

Und wenn nicht? Ich mag gar nicht daran denken. Und sooooooo viele HSV-Fans mit mir. Und nicht nur Fans. Ich habe in den letzten Tagen nach dem 0:0 am Donnerstag mit so vielen Ehemaligen gesprochen, sie sind alle total bedient – und auch fertig mit den Nerven. Niemand mag mehr etwas sagen. Was auch schon? Es ist doch längst alles gesagt. Immer und immer wieder. Die Spieler haben versprochen, sich den Hinter aufzureißen, sie haben es gefühlt vor den letzten 30 Spielen gesagt. Und der Trainer auch. Wenn ich nur an diese Woche denke, an die Schlagzeile der Bild. Slomka: „Ich rette den HSV.“ Da dachte ich sofort an Jürgen Hunke. Als der zum ersten Mal Präsident des HSV war, hat die Bild auch mal eine Aufstellung veröffentlicht. Im Tor: Hunke. In der Viererkette: Hunke, Hunke, Hunke, Hunke. Auf der Doppel-Sechs: Hunke, Hunke. Rechts draußen: Hunke. Links draußen: Hunke. Hinter der Spitze: Hunke. Und als Spitze: Hunke. Das stellte ich mir dann mit Slomka vor: „Ich rette den HSV.“ Mit sechs Glanzparaden, acht Torvorlagen und sieben Treffern! Klasse.

 

Aber vielleicht rettet der Coach, den ich nach wie vor absolut ausnehme, bei diesem riesigen HSV-Dilemma eine Mitschuld zu haben, tatsächlich den HSV. Bis auf eine kleine Tatsache: Westermanns Einwechslung in der 90. Minute (!) gegen Fürth habe ich nicht ganz verstanden. Wollte der Trainer damit Zeit von der Uhr nehmen? Oder hat er schon an ein eventuelles Elfmeterschießen gedacht? Wenn er mit Heiko Westermann noch irgendetwas hätte bewirken wollen, dann wäre diese Einwechslung wahrscheinlich in der 80. Minute wohl etwas sinnvoller gewesen. Aber gut, wie sagte ein früherer HSV-Mittelstürmer einst so treffend: „Das ist allein Sache des Bundestrainers.“ Und noch einmal: Slomka hat keinerlei Verantwortung dafür, dass diese Mannschaft nichts drauf hat. Er wird eines Tages sicherlich sein Unverständnis darüber äußern, dass er einen solchen desolaten HSV her vorgefunden hat. Jetzt – oder auch nur etwas später – kann er es (noch) nicht sagen, denn das wäre ja Kollegen-Schelte, und die betreibt man bekanntlich unter den Trainern nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man ein Ehrenmann ist.

 

Zurück noch einmal zu den Ehemaligen des HSV. Einige rief ich an, andere meldeten sich besorgt beim mir, um zu erfahren, ob es noch etwas Neues von und bei „ihrem“ Verein geben würde. Neu ist zurzeit nur, dass sowohl Tolgay Arslan als auch Jacques Zoua wieder im Kader sind, also mit in Fürth weilen werden, wenn es um das Überleben des HSV geht.

 

Bei den Ehemaligen, also den Experten, herrscht übrigens die Meinung vor, dass es der HSV morgen nicht schaffen wird. Weil der HSV am Donnerstag nicht nur läuferisch klar schlechter war als der Zweitliga-Dritte, sondern auch spielerisch früh an seine Grenzen gestoßen ist. Für mich aber ist das auch eine Chance für den Bundesliga-Dino. Die Franken müssen jetzt ein Tor schießen (wenn sie sich nicht auf ein Elfmeterschießen verlassen wollen – und wer würde das schon wollen?), wenn sie in Liga eins aufsteigen wollen. Und sie wollen. Garantiert. Aber wenn der HSV noch einmal gut dagegenhält, wenn er noch einmal das Glück auf seiner Seite hat, und wenn er sich noch einmal auf den guten Schlussmann Jaroslav Drobny verlassen kann – dann könnte doch schon ein Hamburger Konter für die Entscheidung sorgen. 1:0 für den HSV, oder auch 1:1. Letzteres Resultat habe ich in den letzten Stunden immer wieder als Wunsch-Ergebnis vernommen. Davon berichtete mir eben auch noch Talent-Chef Michael Schröder, den ich (nach unserem Rausschmiss aus dem Volkspark) noch beim Regionalliga-Spiel Norderstedt – SC Victoria (3:0) traf. Schröder, der „nebenan“ bei der B-Jugend der Eintracht „spioniert“ hatte, sagte mir: „Überall, wohin ich auch höre, sprechen sie nur noch von einem 1:1 in Fürth.“ Weil das doch am ehesten möglich erscheint, oder? Unser „Matz-abber“ „Eiche“, der gerade unser Gast bei „Matz-ab-live“ war, der hat einen anderen Traum ausgeplaudert: „Unserem ehemaligen Keeper Wolfgang Hesl unterläuft ein ganz schwerer Patzer, und damit gewinnt der HSV 1:0.“ Wäre ja auch nicht so schlecht . . .

 

Doch egal wie, ich hoffe letztlich nicht nur auf einen guten sportlichen Ausgang für den HSV, sondern auch auf ein friedliches Ende. Selbst dann, wenn es nicht nach Wunsch aller Hamburger laufen sollte. Geht es letztlich doch negativ aus, dann darf getrost behauptet werden, dass daran nicht nur die beiden Relegationsspiel schuld sind, sondern das Übel in der gesamten Saison zu suchen ist. Geht es positiv aus, was ich natürlich hoffe, dann wird mit einem gewissen Abstand nach den Gründen für die schlechteste Erstliga-Saison des HSV aller Zeiten zu forschen sein. Und das machen dann auch hoffentlich alle, um daraus die entsprechenden Lehren zu ziehen – und wir von „Matz ab“ machen mit.

 

Bei der Gelegenheit möchte ich mich, auch im Namen von „Scholle“ (heute 1:1 mit Niendorf in Curslack-Neuengamme – er hat das 1:1 schon geholt!) und Lars Pegelow bei allen Usern von „Matz ab“ ganz herzlich für die Treue bedanken. Das war unsere fünfte Spielzeit, und wir können feststellen, dass es mit diesem Blog des Hamburger Abendblattes immer weiter bergauf gegangen ist. Wir hatten 2012 fast 20 Millionen Besucher, 2013 waren es schon über 20 Millionen, und „Scholle“ hat mir gerade heute gesagt, dass wir nun schon stramm auf die 30-Millionen-Grenze zumarschieren. Ich habe mich nie so wirklich für diese Zahlen interessiert, weil ich keine „Quoten-Sau“ werden wollte. Ich wollte nie eine hohe Zahl hören, um dann ein Jahr später zu erfahren, dass es steil bergab gegangen ist – aber im Moment ist, wie geschrieben, noch das Gegenteil angesagt. Und das freut uns nicht nur, dafür bedanken wir uns ernsthaft und ehrlich. Ihr macht diesen Erfolg aus, nur Ihr. Danke, danke, danke.

 

Ich, da möchte ich nur mal für mich sprechen, habe durch „Matz ab“ so viele tolle, großartige Menschen kennengelernt – das hätte ich nie für möglich gehalten. Letzter in dieser Reihe ist „Tante Käthe“, der mir am Donnerstag unbedingt die Hand schütteln wollte – und es auch geschafft hat. Er hatte eine Karte für die West-Tribüne (!) und stand mir plötzlich im Osten auf der Presse-Tribüne gegenüber. Super gemacht, „Tante“, und auch Du, das muss ich hier mal sagen, passt großartig in den Reigen jener Menschen, die ich durch „Matz ab“ kennengelernt und schätzen gelernt habe. Bei der Gelegenheit, weil es da in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Gerüchte gegeben hatte: „Eiche“ und ich waren immer im besten Einvernehmen, auch wenn er sich ein wenig rarer im Blog gemacht hatte. Wir hatten immer Kontakt, wir waren nicht eine Sekunde im Bösen (wie uns mal angedichtet worden ist) – das zeigt wohl auch die Tatsache, dass unsere alte „Eiche“ am Donnerstag bei „Matz-ab-live“ zu Gast war. Und für seine Ausführungen mehrheitlich viel Lob erntete. Auch das passt wunderbar zur HSV-„Matz-ab-Familie“.

 

Spezielle Grüße möchte ich schnell noch nach Mülheim (a.d.R.), Essen, Isny, Altenburg, Buxtehude, Delmenhorst (MiF), Schwerin, Norderstedt, Frankfurt (a.M.), Kiel, St.-Peter-Ording, Boston, Houston und in die ganze Welt hinausschicken, ein dickes Dankeschön an alle unsere Gäste bei „Matz-ab-live“ – was wären wir ohne Euch!? Ihr seid alle die Wucht in Tüten! Weltklasse. Bleibt uns bitte gewogen – in welcher Liga auch immer; „Matz ab“ ist ein großer Erfolg, wir werden, Ihr werdet in der gesamten Republik wahrgenommen, das hörte ich beim Länderspiel gegen Polen von vielen, vielen Kollegen aus der ganzen Republik. Weiter so!

 

Und alles, alles Gute für den morgigen Sonntag, den 18. Mai 2014. Es muss ganz einfach klappen, es muss, es muss, es muss!

 

Denkt dran: 1:1 – das ist der Sieg!

 

Und jetzt ist alles gesagt, von nun an sind nur noch die Helden dran!

 

Macht euer Ding!

 

18.18 Uhr

 

PS: Morgen gibt es auch wieder ein “Matz-ab-live”, unsere Gäste sind dann zwei ehemalige Aufsichtsräte, aber natürlich (und zugleich) auch zwei ehemalige HSV-Stars: Sergej Barbarez und Frank “Macke” Mackerodt (langjähriger Kapitän der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft). Wir würden uns, wie immer, sehr freuen, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet!

PSPS: Die Zweite des HSV hat an diesem Sonnabend ihr Regionalliga-Heimspiel gegen Cloppenburg mit 0:2 verloren und steht auf dem 14. Tabellenplatz – der VfR Neumünster mit einem Spiel weniger könnte noch vorbeiziehen.

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