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Von den “Verbannten” müsste mehr kommen

3. Dezember 2014

Gefühlt waren das heute minus zehn Grad. „Helm-Peter“ war diesmal ohne Helm erschienen, er trug Mütze. Den äußeren Umständen entsprechend. Winterzeit, Zitter-Zeit. Aber nur die Harten komm’ in’ Garten, Peter verschwand diesmal vorzeitig. Weil es ganz einfach unterirdisch kalt war. Das Thermometer im Auto zeigte mir zwar nur minus ein Grad an, aber das kann es nicht gewesen sein. Und die lieben Kollegen „machten mir auch noch Mut“, indem sie sagten: „Das ist erst der Anfang.“ Dann mal gute Nacht. Abartig, diese Kälte. Da hätte es kein noch so schönes Training bewirken können, dass ich nicht mehr friere, aber nun ist auch Schluss mit dem Gejammere. Wenn ich das nicht (mehr) abkann, dann hätte ich mir einen anderen Beruf suchen müssen. Sagt mein BILD-Kollege Babak Milani immer. Nur die Harten . . .

 


 

Der HSV hat heute tapfer 90 Minuten trainiert. Laufen zum Aufwärmen, Passspiel in mehreren Formen, dann ging es auf den „Geheim“-Rasen, wo zehn gegen zehn gespielt wurde – auf ein Tor. Wobei der Ball der angreifenden Mannschaft (wurde gewechselt, es griff auch mal das andere Team an) an Stangen vorbei über die Flügel gespielt werden musste. Auffällig dabei: Es wollte und wollte kein Tor fallen. Zwischen den Pfosten standen abwechselnd Alexander Brunst und Kevin Otremba, aber die mussten nicht einmal Großtaten vollbringen, die Spieler schossen ganz einfach zu schlecht. Sieben Tore eben . . . Besonders krass versagten Zoltan Stieber und Julian Green, die beide ganz allein auf das Tor zuliefen, den Ball aber mehr oder weniger auf den Keeper schossen. Von nichts kommt eben nichts, dem HSV fehlen nervenstarke Schützen. Obwohl er meistens ja gar nicht erst in Tornähe kommt.

 

Zwei Treffer fielen dann doch noch. Beim ersten war mir leider die Sicht versperrt (hinter dem weißen Zaun!), aber ich tippe auf Artjoms Rudnevs. Und das zweite Tor habe ich wieder live gesehen – Ronny Marcos. Später wurde dann ein kleines Spielchen gemacht, über die gesamte Länge des Feldes – mit zwei Torhütern. Da gab es dann ein 3:1 für das A-Team, zwei Tore davon erzielten Lewis Holtby (er war der einzige Profi, der in kurzen Hosen trainierte! Nur die Harten . . .) und Artjoms Rudnevs (er schoss auch einmal freistehend gefühlt acht Meter über das Tor!), den dritten Treffer kann ich wieder nicht genau zuordnen, ich tippe mal auf Nicolai Müller. Wie gesagt, es wurde auf dem „Geheim“-Platz trainiert, und da muss man schon Glück haben, wenn man durch ein kleines Loch irgendetwas erspähen kann – es ist auf jeden Fall keine böse Absicht, wenn ich etwas nicht so erkenne. Gesehen habe ich auch ein Tor von Pierre-Michel Lasogga, aber meines Wissens wurde diesem Treffer die Anerkennung versagt: abseits.

 

Was mir bei diesen beiden Spielchen auffiel: Ronny Marcos mischt richtig gut mit, bei den Profis, er hat in meinen Augen keinerlei Scheu, er wirkt auch nicht nervös auf mich – er gibt sich fast schon so wie ein „alter Hase“ – macht Spaß. Dagegen habe ich den Eindruck, dass die drei zuletzt auf die Tribüne verbannten Spieler ein wenig die Köpfe hängen lassen. „Der Kacar macht ja nicht einen Schritt zu viel“, kritisierten neben mir zwei Jugendliche, die ein etwas größeres Loch zum Durchgucken gefunden hatten. Das kann man so sehen, muss man aber nicht unbedingt. Und Zoltan Stieber und Ivo Ilicevic traten kaum einmal erwähnenswert in Erscheinung. Da müsste schon mehr kommen, damit sie wieder in den Kader kommen – aber kommt da noch einmal mehr? Da habe ich meine Zweifel. Bei Stieber irgendwie etwas weniger als bei Ilicevic. Er hat beim HSV viele Tiefen und selten mal Höhen gehabt, ob sich dieses Verhältnis noch einmal ändern wird? Ich glaube es – ehrlich gesagt – nicht mehr. Obwohl ich genau an diesem Punkt schon oft angelangt war, um dann doch noch irgendein Hoffnungsschimmer an ihm zu entdecken. Ob das diesmal wieder der Fall sein wird? Da tappe ich absolut im Dunkeln. Allgemein zum Training möchte ich mal (wieder) sagen: Es bemüht sich ein jeder Spieler, Tempo zu machen, mit hoher Geschwindigkeit zu spielen. Das fordert Zinnbauer immer wieder, das fordern auch die Spieler gegenseitig, und es wird auch die meiste Zeit über schon beherzigt. Ich lege mich da fest: Vom Tempo her wird von dieser Trainingsgemeinschaft schon ein viel höheres Tempo gespielt. Ausruhen oder gar Einschlafen am Ball, das war gestern. Nur wird es jetzt allmählich mal Zeit, dass das auch auf dem Bundesliga-Rasen und am Wochenende zu sehen ist.

 

Schlecht sehen kann ich also gut, gehört habe ich aber an diesem Nachmittag besser, und da fiel mir auf, dass Tolgay Arslan sehr, sehr oft von seinen Kollegen gelobt wurde. Er hatte in der Tat viele gute Szenen, vor allem in der Balleroberung. Lob gab es zwischendurch und am Ende der Einheit auch von Joe Zinnbauer. Der Trainer betrat heute als erster den Rasen, und lief dann, als alle Spieler ihm gefolgt waren, wieder in die Kabine. Um eine Kabeltrommel zu holen. Wozu die? Erst rätselten diejenigen, die das beobachtet hatten. Später sah man es: Der Coach verkleinerte damit das Spielfeld in der Breite. Wer es (als Spieler) nicht mitbekam, der lief Gefahr, sich in dem Kabel zu verfangen. Trick 17.

 

Beim heutigen Training hat Valon Behrami gefehlt, der Schweizer arbeitete im Kraftraum individuell, soll morgen aber wieder mit der Mannschaft trainieren. Ebenfalls im Kraftraum hat heute Rene Adler geschuftet – am Vormittag. Sein Torwart-Kollege Jaroslav Drobny war wohl mittags auch zuerst im Kraftraum, betrat dann aber nach 45 Minuten den Platz, um noch einige Minuten nach von Torwarttrainer Stefan Wächter geschossene und geworfene Bälle zu greifen. Bereits vor der regulären Einheit, die um 13 Uhr begonnen hatte, war Marcell Jansen auf dem Rasen zu sehen, er absolvierte unter der Leitung von Reha-Coach Markus Günther ein reines Lauftraining.

 

Ansonsten gab es heute zwei Themen, die von den wenigen Trainings-Kiebitzen lebhaft und lautstark diskutiert wurden: Wer ersetzt Heiko Westermann? Und wird Lasogga noch einmal – oder ein weiteres mal – auf der Bank Platz nehmen müssen? Zu Punkt eins: Spielt der HSV ohne Westermann, hat er bislang sechs Mal verloren. Das ist Fakt. Eine unheimliche Serie:
2011/12 gab es zu Hause ein 1:3 gegen Freiburg, dann in einer Saison ein 0:1 zu Hause gegen Augsburg, ein 1:3 bei den Bayern, ein 2:3 bei Mainz und ein 0:1 gegen Bremen. Und zuletzt ein 0:2 bei Hannover 96. Sechs Mal null (Punkte) bei null Westermann.

 

Wer aber ersetzt Heiko Westermann jetzt? Ich setze da verstärkt – oder in erster Linie – auf Cleber Reis, muss ich gestehen. Der Brasilianer hat heute trotz der eisigen Kälte munter mitgemischt im Training. Und am Rande des Profi-Auftritts heute habe ich gehört (weil ich es nicht gesehen habe), dass Slobodan Rajkovic am Sonnabend bei der Zweiten, bei der 1:2-Niederlage gegen Oldenburg, weit, weit weg von jeglicher Bestform war. Das, so wurde mir von neutralen Beobachtern versichert, das wird auch noch eine Weile dauern. Wobei Rajkovic selbst wohl auch weiß, dass er noch viel aufzuholen hat – ist ja auch völlig normal, nach einer solchen Verletzung (Kreuzbandriss). Da muss man ja auch erst wieder Vertrauen zu seinem Körper finden. Gojko Kacar wäre dann der Mann, der wohl erster Vertreter für Westermann wäre. Wobei der Serbe mir im Moment ein wenig – mental – angeschlagen zu sein scheint. Von wegen Berg- und Talfahrt. Es geht mit ihm ja in der Tat mal auf und mal ab, vielleicht wie bei keinem anderen HSV-Spieler; obwohl der eine oder andere sicherlich auch etwas die Flügel hängen lässt – die Situation ist eben ein wenig bescheiden.

 

Deswegen dürfen wir alle gespannt darauf sein, was es im Winter dann geben wird – quasi als Nach-Weihnachts-Geschenk. Am Montag waren Profi-Direktor Peter Knäbel und Club-Chef Dietmar Beiersdorfer in Dänemark und sahen das das Spiel des Tabellenführers FC Midtjylland gegen den FC Vestsjaelland (2:1). Sie beobachteten dabei den 19-jährigen Pione Sisto. Der Außen-Angreifer mit sudanischem Pass steht allerdings bei vielen Vereinen auf der Einkaufsliste. Und er dürfte trotz seines relativ geringen Marktwertes dann doch relativ teuer werden. Die HSV-Delegation sah im Stadion zum Beispiel die Späher mit der grünen Hose. Es dürfte demnächst also ein heiteres und gegenseitiges Hochbieten stattfinden, ich bin gespannt, ob der HSV da überhaupt wird mit einsteigen können. Immerhin, und das werte ich mal als gutes Zeichen, weiß der HSV, dass er im Winter noch etwas tun muss, ansonsten könnte es wieder einmal ganz eng werden – am Ende. Am Ende der Tabelle und am Ende der Saison.

 

Weil es vor allem ja an den mangelnden und fehlenden HSV-Toren liegt. Sieben Tore, das kann man sich nicht oft genug vor Augen führen, sieben Tore nach 13 Spiele sind und bleiben eine Katastrophe. Und für die entsprechende „Explosion“ fehlt es trotz des „HSV-Retters“ Lasogga und des wieder erwachten „Rudi“ Rudnevs an geeignetem Personal. Ich hoffe auf, das sage ich ehrlich und unverblümt, ich hoffe auf Klaus-Michael Kühne. Er hat (s)einen Weg nun eingeschlagen, und er wird, so denke ich mal ins Blaue hinein, seinen nun gerade angetretenen Weg nicht gleich wieder verlassen wollen. Aber vielleicht bin ich da auch ein wenig zu blauäugig. Die Hoffnung stirbt eben auch bei mir zuletzt.

 

Bis zur nächsten Einkaufs-Periode aber muss der HSV mit jenen Spielern auskommen, die sich bislang mehr oder weniger vergeblich um Durchschlagskraft bemüht haben. Da ist die Frage eben nur die: Rudnevs oder Lasogga? Ich glaube, dass diesmal Lasogga das Rennen machen wird. Weil Joe Zinnbauer auswärts in Augsburg auf Tempo-Fußball gesetzt hatte, und da schien im der „Rudi“ geeigneter zu sein, am Sonntag aber gegen Mainz könnte der „Brecher“ Lasogga wieder erste Wahl werden – weil der HSV ja nach vorne spielen muss. Er ist quasi zum Siegen verdammt, denn die vier letzten Spiele bis zum Jahreswechsel sind alle verdammt schwer. Natürlich, Weil, wir haben es oft genug beschrieben, es keine leichten Spiele mehr für den HSV gibt. Jetzt gegen Mainz – unangenehm. Dann in Freiburg: Die Voll-Streicher zeigen jedem Gegner, was Laufen im Fußball für eine Wirkung haben kann, der HSV wird Anschauungs-Unterricht aus erster Hand nehmen können. Dann kommt der VfB Stuttgart, und was Huub Stevens mit seinen Mannschaften macht, das wissen in Hamburg alle nur zu genau. Und danach geht es nach Gelsenkirchen, zu den Knappen, die immer unberechenbar sind. Gegen den HSV meistens nicht ganz so unberechenbar, denn in den meisten Fällen legen sie gegen den HSV ganz besonders los.
Oh, oh, das wird noch ein ganz, ganz harter Winter. Für den HSV und für uns. Nicht nur von den Temperaturen her. Aber natürlich auch. Siehe heute.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird (nur) um 15 Uhr trainiert. Das nur (in Klammern) gilt deswegen, weil eigentlich auch eine Einheit für um 10 Uhr geplant war, die aber entfällt.
 
Dieter
 

17.55 Uhr

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