Archiv für das Tag 'Gündogan'

Lam verletzt sich – hoffen auf die Überraschung

21. September 2012

Vorneweg etwas in eigener Sache: Heute heiratet unser Moderator Dennis in Reinbek seine Freundin Bianca. Im Namen aller Blog-Verantwortlichen möchte ich ihm und seiner Lieben auf diesem Wege alles Gute und eine lange, gesunde, gemeinsame Zukunft wünschen. Zudem ist es eine tolle Gelegenheit, ihm sowie seinem Kompagnon Andre für die tolle Moderation dieses Blogs zu danken. Was die beiden leisten können tatsächlich nur die beurteilen, die es täglich miterleben. Und daher: Chapeau, meine Herren! Das ist ganz großer Sport.

Womit ich wieder zum HSV überleiten will. Da war für den heutigen Freitag ein geheimes Training angesetzt. Und das war auch gut so. Es klingt aus dem Mund (der Feder) eines Journalisten vielleicht etwas komisch, zumal der von den persönlichen Eindrücken lebt – allerdings kann ich mich in der aktuellen Situation diesbezüglich auch mal gut zurücknehmen. Zumal in Sachen Beurteilung der Einheiten nicht immer Einigkeit herrscht. Aber okay, das ist ein anderes Thema.

Und zwar ganz sicher nicht für heute. Denn die ersten Punkte sollen her – egal wie. Und wenn ein Geheimtraining dabei hilft, ist es die Mühen und den Verzicht unsererseits allemal wert. Dass es am Ende doch ein offenes Training wurde, war dann eher der Schonung des Stadionrasens geschuldet. Zudem wollte Trainer Thorsten Fink beim Abschlusstraining nicht nur seine erste Elf zusammenspielen lassen, sondern noch den einen oder anderen Spezialeffekt trainieren. Wobei sich die Spezialeffekte auf die Abwehrarbeit konzentriert haben dürften. Denn noch immer ist die Defensive die Achillesferse, obgleich der Sturm an sich noch nicht zu bestechen wusste. Gegen den BVB sollte Heung Min Son eigentlich als Spitze agieren. Im Abschlusstraining beorderte ihn Fink dann allerdings doch wieder auf die rechte Außenbahn und ließ dafür Artjoms Rudnevs vorne spielen. Nur gut, dass der Südkoreaner positionell nach eigenen Angaben keine Präferenzen hat. „Ob links, rechts, hinter den Spitzen oder ganz vorn ist mir egal. Hauptsache, ich spiele.“

Und das wird er gegen Dortmund. Das tut er schon seit einigen Spielen. Unter Fink ist Son zum Stammspieler mutiert, obgleich positionell abweichend. „Ich bin natürlich ganz zufrieden mit der Entwicklung“, sagt Son und meint damit seine persönlich, aber nicht die Entwicklung der gesamten Mannschaft. Das wiederum verwundert mich ein wenig, da ich noch immer fest davon überzeigt bin, dass Son nicht annähernd das abruft, was in ihm steckt. Noch immer hat der beidfüßige Offensivspieler zu viele Ballverluste, zu viele unnötig verlorene Zweikämpfe. Und noch immer kommt der schussgewaltige Südkoreaner zu selten zum Abschluss. Dass er mehr Potenzial hat, als bislang gezeigt, sieht Son ähnlich. „Ich muss im Training noch eine Menge Gas geben und mich noch weiter entwickeln.“

Dabei helfen soll auch Rafael van der Vaart, den Son „eine Bombe“ nennt. Von dem Niederländer will Son profitieren. In Form von gekonnten Zuspielen – aber vor allem auch von dessen Erfahrung. „Rafael ist ein Riesenspieler. Er hat ein gutes Auge, das Passspiel. Ich bin sehr, sehr froh, dass er zurückgekommen ist. Von ihm kann ich noch sehr viel lernen.“

Vor allem aber soll van der Vaart, und darauf hofft auch Son, für den sportlichen Aufschwung sorgen. „Wir haben vier Pflichtspiele verloren – das ist nicht gut. Die Tabelle sieht schon scheiße aus.“ Stimmt. Und etwas überraschend fügte Son hinterher: „Aber die Stimmung in der Mannschaft ist super.“ Einen kurzen Augenblick habe ich gestockt – dann aber wurde klar, dass Son nur sagen wollte, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat, dass sie trotz der Niederlagen nach vorn blickt. Gerade auch, weil mit van der Vaart, Badelj und dem leider noch zwei Spiel gesperrten Jiracek viel Qualität hinzugekommen ist. Son: „Wir haben Qualität. Wir dürfen uns einfach nicht zu viele Gedanken machen.“

Wohin das führen kann, war in den letzten Spielen zu erkennen. Auch bei ihm selbst. „Ich habe bei meiner ersten großen Chance zu viel nachgedacht. Das war mein Fehler.“ Anschließend habe zu lange seiner der Chance nachgetrauert. „Ich habe immer wieder gedacht, dass wir mit meiner Chance geführt hätten, dass das ganze Spiel anders gelaufen wäre.“ Bis zu seinem eigenen Treffer. Dort habe er instinktiv gehandelt. Ob er gegen Dortmund wieder versuchen würde, bei einer derart klaren 1:1-Situation den Torwart zu umspielen? „Das mache ich vom Dortmunder Keeper abhängig.“

Klar aber ist, dass Son der Torschütze ist, der den letzten Heimsieg herbeigeführt hat. Am 14. April sorgte er für den 1:0-Erfolg, der den Weg zum Klassenerhalt ebnete. „Das war vielleicht der schönste Moment in meiner HSV-Zeit bisher“, sagt Son, „das war damals sehr wichtig für die Mannschaft und für mich.“

Im Moment von großer Bedeutung für den HSV sind die ersten Minuten der Spiele. Immer wieder wirkt die Mannschaft schläfrig, kritisiert anschließend die ersten Minuten der jeweiligen Partien. „Auch in Frankfurt haben wir uns noch vor dem Spiel deutlich gesagt, wie wichtig gerade die ersten Minuten des Spiels sind“, sagt Son, „und wir konnten uns anschließend nicht erklären, weshalb es wieder schiefgegangen ist.“ Auch Son selbst hat keine Ahnung, woran es liegt. „Ich bin mir sicher, dass alle zugehört haben. Daran kann es nicht liegen. Aber vielleicht war es auch Pech…“

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Klar ist, dass der HSV gegen Dortmunds bärenstarke Offensive insbesondere defensiv geschlossener auftreten muss. Und dabei ist der Ausfall von Jeffrey Bruma, der heute beim Abschlusstraining gar nicht mitmachen konnte, kein Vorteil. Der Niederländer klagt noch immer über Schmerzen im Knie und wird nahezu sicher ausfallen. Für Bruma rückt der eigentlich schon auf die Bank degradierte Michael Mancienne wieder in die erste Elf. Der Engländer wird nach seinen durchwachsenen Spielen zuletzt neben Heiko Westermann eine neue Chance erhalten, während Dennis Diekmeier rechts verteidigt. Zudem spielte Zhi Gin Lam beim Abschlussspiel in der A-Elf Linksverteidiger, womit klar schien, dass Marcell Jansen vorne links bleibt. Stand 16.55 Uhr: Gegenüber Frankfurt gibt es nur die zwangsweisen personellen Veränderungen Bruma und Jiracek, den Tolgay Arslan ersetzen wird.

Das allerdings änderte sich schnell, als sich Lam plötzlich an den Oberschenkel fasste. Nur wenige Minuten vor Trainingsende musste der kleine umfunktionierte Linksverteidiger vom Platz getragen werden. Eine noch nicht näher definerte Muskelverletzung zwang Lam zum Abbruch und Fink somit um schnellen Umbau. „Ich war mir klar, jetzt muss ich alles umwerfen“, so Fink wenig begeistert. Allerdings dürfte der Umbau schnell gehen: Jansen rückt auf die linke Abwehrseite, während Ivo Ilicevic, bei dem noch immer alle auf den Durchbruch hoffen, auf die linke Offensivseite. Sollte der Kroate, von dem ich mir bei dessen Verpflichtung so viel erhofft hatte, endlich das zeigen, was ihn in Kaiserslautern stark gemacht hat, wäre der Tausch Lam/Ilicevic nicht zwingend eine Verschlechterung.

Abwarten und Daumen drücken.

Wobei die Partie gegen Dortmund natürlich ungleich schwerer werden dürfte, trotz des Ausfalles von Ilkay Gündogan, den Sven Bender ersetzen wird. Ansonsten kann BVB-Trainer Jürgen Klopp auf seine beste Elf zurückgreifen. Auch auf den zuletzt lange fraglichen Keeper Roman Weidenfeller. „Die spielen schon richtig guten Fußball“, lobt Son. Und er hat Recht.

Ebenso wie viele hier im Blog, die genervt sind vom Thema Vereinspolitik. Schon der teilweise abstrusen Diskussionen wegen lasse ich heute selbige komplett außen vor. Und ganz ehrlich: das interessiert mich unmittelbar vor einem solchen Spiel auch nicht die Bohne. Dass die ganzen Themen bestehen bleiben, ist klar. Darauf sollten hier alle gefasst sein. Da kommen noch viele kleine, mal dunkle, mal weniger dunkle, mal heikle, mal weniger heikle Geheimnisse ans Tageslicht. Die Grabenkämpfe sind nunmal da. Ob wir es gut finden oder nicht. Und um dem/der einen oder anderen Blogger/-in zu antworten: Die Gerüchte um Arnesen kommen nicht von mir, sie stehen seit Monaten im Raum und wurden auch nicht von mir öffentlich gemacht, sondern von der SportBild. Intern gibt es einige Leute, die sich in diesem Thema um eine lückenlose Aufklärung bemühen. Einige von ihnen sind damit zufrieden, dass bislang nichts Illegales nachzuweisen war, andere suchen weiter. Dafür kann ich nichts. Aber ich werde Euch zu gegebener Zeit davon berichten. Allerdings werde ich hier einen Teufel tun und mich zwischen die Fronten setzen. Warum auch? Ich bin Berichterstatter und komme dieser Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen nach. Ich lasse mich nicht von der einen oder der anderen Seite einspannen. Auch nicht von denen hier im Blog, die mich immer wieder irgendwelchen Fraktionen zurechnen wollen und die teilweise ebenso kreative wie abstruse Presse-vs-HSV-Verschwörungstheorien enttarnt haben wollen.

Wobei: Ich frage mich eigentlich immer wieder beim Lesen dieser Kommentare, was für Berichterstatter diese Blogger wären, die völlig unbelegt und nachweislich substanzlose Gerüchte über andre Blogger, Dieter oder auch mich hier in die Welt setzen, während sie sich genau darüber bei mir und meinen Kollegen so massiv beschweren….

Egal! Schon gar nicht werde ich hier Namen derer nennen, mit denen ich beim HSV spreche, solange die es nicht ausdrücklich autorisiert haben. Ich werde aber gern in den nächsten Blogs immer darauf hinweisen, wenn ich noch einen Teil zum Thema Vereinspolitik/Arnesen etc. schreibe. Dann können die, die nicht an einer umfänglichen Berichterstattung interessiert sind, den Teil meiden, ohne sich zu ärgern. Das ist auch völlig okay und stört tatsächlich niemanden.

In diesem Sinne, hoffen wir endlich mal wieder auf einen Festtag in der Imtech-Arena. Am besten mit einem Überraschungserfolg (schon ein Remis wäre sowas) gegen Dortmund. Zumal ich mich noch sehr gut an einen Sieg vor sieben Jahren am 24. September 2005 gegen den FC Bayern erinnere. Damals war ein gewisser Rafael van der Vaart neu beim HSV und erzielte im Duell mit dem damaligen Titelträger Bayern München das wichtige 1:0. Am Ende siegte der HSV dank eines Traumtores von Piotr Trochowski am Ende mit 2:0 und sorgte für die so oft herbeigesehnte Initialzündung, die den HSV letztlich sogar bis in die Champions League führte. Dass wir das heute nicht erwarten können, ist klar. Erwarten können wir aber, dass sich dieser HSV zerreißt und dem spielerisch übermächtig wirkenden BVB alles abverlangt.

Bis morgen!
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Arslan – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.

Jarchow: “Es gibt keine Trainer-Diskussion!”

18. September 2012

Das ist doch typisch! Kaum verliert der HSV einige Spiele, schon schießt sich die Presse auf den Trainer ein. Solche oder ähnliche Kommentare kenne ich aus den vergangenen drei Jahrzehnten zur Genüge. Immer ist es die Presse, die die Trainer an- und dann auch noch abschießen. Was ich stark bezweifle, aber ist der Ruf erst ruiniert, schießt es sich ganz ungeniert . . . Beim Training werde ich immer häufiger auf einen Trainerwechsel beim HSV angesprochen, und bei „Matz ab“ wird ja auch schon fleißig, emsig und häufig über einen neune HSV-Coach gesprochen. Hier einmal nur zwei Beispiele:

Von „schaengel” kam folgender Beitrag:

Was mich besonders wundert…warum schreibt denn die (lokale) Presse nichts über unseren Trainer? Ist denn nur hier im Blog die Stimmung so Anti oder gibt es ein Agreement zwischen der Presse und dem Verein?
Wenn man mal bei Google News nach „Fink” sucht, erscheint keinerlei „offizielle” Presseschelte, nur die Berichte von uns Uwe oder die herausragenden Aussagen von ThoFi wie „HSV hat Potenzial für TopTen”.
Warum ist es da (noch) so still? Was sagen den die Blogväter?

Und von „Peter Panther” gibt es das hier zu lesen:

Thorsten Fink vergisst bei seinem ganzen Gelaber und der Bitte nach mehr Zeit, dass er die längste Vorbereitungszeit hatte, die es je in der Bundesliga-Historie gab. Dazu mag er wohl nicht einsehen, dass er lediglich drei neue Spieler einbauen musste, die allesamt im Mittelfeld beheimatet sind, ergo jetzt die schlechte Defensiv-Leistung zu kritisieren, für die er letztlich Schuld trägt, denn die Abwehrreihe ist unverändert.

Mich stört auch, dass mangelnde Erfahrung herhalten soll, denn ein Jansen, Aogo (wenn auch jetzt verletzt), ein Westermann, dahinter ein Adler im Tor, sind erfahrene Profis, die schon durch Stahlbäder gingen. Da muss es möglich sein, die schwächeren Leistungen von Mancienne, Bruma oder Diekmeier zu kompensieren. Ging ja früher bei Boateng auch, wenn der sich mal wieder ’nen Klops leistete. Und alle drei haben auch schon in der vergangenen Saison ihre Spiele gemacht, ergo hätte Fink ihre Fehler in der Vorbereitung erkennen und ggf. abstellen müssen, bzw. sie ggf. nicht mehr aufstellen dürfen. Sich dann wegen einer Lappalie mit Raikovic zu überwerfen ist dann natürlich besonders clever, zumal wegen einer Sache, die bei jedem zweiten Bayern-Training Standard ist…

Alles in allem, ich schrieb es gestern bereits, ist Fink ein Maulheld, der mit vermeintlich großen Visionen angetreten ist und kläglich zu scheitern droht, eigentlich schon gescheitert ist. Das die Einkäufe von Arnesen dazu beitragen mag ich nicht wirklich glauben, denn mit Beister, Jiracek, Adler, Badelj und van der Vaart hat man gute Leute am Start, die zudem mit Jansen und Westermann eine solide Startelf aufbieten können. Das es im Sturm noch hakt gebe ich zu, allerdings kommen wir ja meist nicht mal vor das gegnerische Tor…

Man sollte sich langsam mal nach ’nem neuen Trainer umsehen… Das Fink noch seine Chance nutzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich!

Wohl gemerkt, und auch richtig bemerkt: Die Presse hält sich in diesem Punkt hanseatisch-vornehm zurück. Weil die Zeit im Moment und in meinen Augen auch noch lange nicht reif ist für einen neuen HSV-Trainer. Jeder weiß, dass sich der HSV seit einem Jahr im Umbruch befindet – und so etwas kostet eben seine Zeit. Und jeder zweite (User) weiß, dass der HSV kein geld mehr in der Kasse hatte, immer noch hat. Das Geld, was nun noch in letzter Sekunde für Petr Jiracek und Rafael van der Vaart floss, hatte der Verein gar nicht, wird der Verein auch in den nächsten fünf Jahren und mehr immer noch nicht haben. Der HSV hat viel riskiert – ich schrieb es bereits, finanziell ist es ein ganz heißer Tanz auf der Rasierklinge.

Und wenn der HSV kein Geld für neue Spieler mehr hat(te), dann gibt es erst recht kein Geld mehr für eine Trainerentlassung. Die zudem auch viel zu früh käme. Thorsten Fink hat doch völlig recht: Diese neue HSV-Mannschaft, die jetzt erstmalig in Frankfurt auf dem Rasen stand, die benötigt noch einige Zeit, um sich stetig besser einzuspielen. Und alle sollten ihr auch diese Zeit einräumen. So schwer es auch jedem Fan fällt. Zudem sollten die Ungeduldigen einmal kurz nach Hannover blicken. Dort startete Trainer Mirko Slomka vor zwei Jahren auch unglaublich schlecht, er stand auf der Liste der Trainer-Entlassungen auf Platz eins – und dann startete 96 bis heute unglaublich gut durch. Deswegen wird es von mir auch keine Forderungen nach einer Trainer-Entlassung beim HSV geben. Alles wird sich von allein ergeben. Gewinnt Thorsten Fink, dann geht es auch aufwärts mit dem HSV, bleibt er in den nächsten Wochen sieglos, dann wird der HSV – wohl oder übel – handeln müssen. Ich sage ganz klar: handeln müssen. So ist das Geschäft. Das weiß auch Fink. Aber noch besteht keinerlei Anlass zu einer solchen Handlung, auch kein Anlass zur Hektik oder gar Panik.
Immer schön flach halten, den Ball. Das Ding wird doch noch. Da bin ich mir absolut sicher.

Wobei ich gerne noch einmal im Matz-ab-Archiv gekramt habe. Denn das schrieb ich einst an dieser Stelle:

Tagesarchiv für den 14. August 2012

Die Zeile lautete:

Defensive okay – die Offensive muss nachlegen

14. August 2012

Und da stand zu lesen:

Zur Lage seiner Mannschaft befand Thorsten Fink im Anschluss daran: „Wir haben vor Saisonbeginn gesagt, dass wir an der Defensive arbeiten wollen, das haben wir getan, unsere Defensive ist jetzt verstärkt, wir habe da gut gearbeitet. Und nun müssen wir natürlich wieder versuchen, beides zu können: Abwehr und Offensive. Wir müssen nicht nur gut verteidigen können, wir müssen auch gut angreifen können, wir müssen auch im Ballbesitz bleiben, und wir müssen auch gut kontern können. Das alles gehört zum guten Fußball. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir besser und schneller nach vorne spielen können.“

Grundsätzlich befindet Fink: „Wir haben auch schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, das haben wir auch jetzt gegen große Gegner gezeigt, da hat meine Mannschaft bezeigt, dass sie nichts von ihrem Können verloren hat. Wenn wir in jedem Spiel gut stehen und wir gewinnen 1:0, dann muss man auch zufrieden sein. Dass wir dann mit der Zeit wieder etwas erarbeiten können, ist ja auch klar. Man muss nicht alles von der Mannschaft erwarten, dass wir schon alles perfekt können – wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“ Und Fink sagte auch: „Wir haben jetzt in 13 Spielen neun Gegentore bekommen, das ist nicht viel in der Vorbereitung, von daher bin ich damit schon mal zufrieden. Dass wir im Moment noch nicht so spielen können wie was weiß ich wer, das sollte keiner erwarten – und das hat ja auch keiner erwartet. Denn wenn wir schon alles so gut könnten, dann müssten wir auch schon wieder Ansprüche haben – und die haben wir im Moment nicht. Wir haben den Anspruch, dass wir uns im Spiel nach vorne verbessern wollen, und dass das eine oder andere auch gegenüber der vergangenen Saison besser klappt – und auch das haben wir schon bewiesen. Standardsituationen sind zum Beispiel schon verbessert worden, defensiv ist das okay – und offensiv war auch schon einiges ganz gut. Ich sehe schon einige Entwicklungen.“

Das ist eigentlich der Punkt, den ich zu kritisieren habe. In aller Ruhe, sachlich, und ohne (s)eine Entlassung und ohne seinen Kopf zu fordern! Kritik ist und muss erlaubt sein, wenn sie oberhalb der Gürtellinie angesiedelt ist, und diese hier ist oberhalb der Gürtellinie angesiedelt:
Thorsten Fink sieht mir zu schnell und zu viel zu rosig – bei seiner Mannschaft. Die Spiele nach diesen Aussagen haben ihm das Gegenteil gezeigt. Zur Erinnerung: Das, was da am 14. August gesagt wurde, war vor dem KSC-Pokalspiel. Und dann noch einmal zur Erinnerung: Nach dem Liga-Total-Cup in Hamburg, also einige Tage vorher, hatte Thorsten Fink in einem Interview mit der Bild versprochen: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“

In kurzen Hosen? Auf dem Rasen? Pünktlich?

Das meine ich: Fink setzt sich mit diesen Aussagen auch selbst gewaltig unter Druck. Wie oft sollte schon „die Post nach oben abgehen“? Statt tiefer zu stapeln greift der HSV-Trainer stets in die Vollen. Und wenn es dann schief geht, wenn der HSV dann wieder nur verloren hat, dann ist die Enttäuschung von mal zu mal größer. Weil der Trainer doch versprochen hat, das es endlich und schon bald aufwärts geht – mit dem HSV.

Deswegen begrüße ich es auch ausdrücklich, dass Thorsten Fink nun um Zeit und Geduld bittet. Jetzt, nach vier Niederlagen. Die Zeit des HSV wird kommen, da bin ich mir absolut sicher, aber es wird auch sicherlich noch dauern. Gegen Dortmund erwarte ich nichts, gegen Mönchengladbach kann es eventuell den ersten Punkt geben, gegen Hannover gibt es zum 125. Geburtstag noch eine Pleite, aber danach wird dann die Zeit des HSV kommen.
Mal sehen, ob ich zum Propheten tauge . . .

Aber gebt dem HSV und damit auch dem Trainer noch Zeit. Ihr alle habt doch beklagt, dass es in den letzten acht Jahren acht Trainer-Entlassungen beim HSV gegeben hat. Ihr habt beklagt, dass niemals Kontinuität in den Laden kommt, wenn stets und ständig (und bei der kleinsten Krise) sofort der Trainer vor die Tür gesetzt wird. Okay, jetzt ist es schon keine kleine Krise mehr, aber es sind in der Liga doch auch erst drei Spieltage absolviert. Nun haltet einmal tapfer durch, so schwer es auch fallen mag. Ich leide doch wie ihr unter dieser Misserfolgs-Serie. Aber mit den letzten (sehr guten) Verstärkungen, mit Milan Badelj, Petr Jiracek und Rafael van der Vaart, muss und wird sich der Erfolg doch auch bald einstellen. Und sollte der Trainer nun zum Dortmund-Spiel seine Mannschaft erfolgreich umkrempeln, dann geht es vielleicht auch schon (oder noch) etwas schneller.

Obwohl die Ungeduld eines jeden Fans, das sei absolut noch einmal bestätigt, auch völlig normal ist – bei dieser Tabellensituation. Und auch eine gewisse Unruhe im Klub. Carl-Edgar Jarchow, der Vorstandsvorsitzende, gab zu: „Die ganze Situation erfreut mich natürlich nicht, das ist ja klar, aber die Unruhe im Verein hält sich noch in Grenzen. Wir wissen natürlich, dass der Saisonstart schlecht war, die Fans sind enttäuscht – wir sind es auch. Aber wir haben ja auch noch Maßnahmen getroffen, die uns hoffen lassen, das es ist der Zukunft anders wird.“ Auf die Frage eines TV-Kollegen, ob der Trainer noch fest im Sattel sitzt, sagte Jarchow: „Ich werde hier mit Ihnen keine Trainer-Diskussion führen.“

Carl-Edgar Jarchow weiter: „Es gibt auch intern bei uns keine Diskussion über den Trainer. Weil dafür die Grundlage fehlt. Wir sind von dem Trainer überzeugt, dass er mit dieser Mannschaft vorankommt, deswegen gibt es da auch keine Diskussionen.“

Und wenn der HSV am 29. September, wenn der 125. Geburtstag gefeiert wird, immer noch so trostlos durch die Bundesliga bummelt? Was ist dann? Jarchow: „Wir werden auch dann das Jubiläum feiern, wenn wir bis dahin nicht so erfolgreich waren. Aber ich wünsche mir das natürlich anders, keine Frage.“

Einen nicht ganz unwichtigen Punkt möchte ich – im Zusammenhang mit dem Trainer – auch noch kurz ansprechen: Stichwort Kondition. Auch heute wurde ich wieder während des Trainings darauf angesprochen (wie fast jeden zweiten Tag!): „Wann trainiert diese Mannschaft eigentlich mal Ausdauer? Und wann schleichen die Spieler mal vor Erschöpfung vom Platz, sodass sie kein fröhliches Lied mehr auf den Lippen pfeifen können?“ Ich sage dann immer und immer wieder: „In der Bundesliga wird wissenschaftlich trainiert, da gibt es kaum noch einen Schleifer als Trainer . . .“ Ausnahmen bestätigen die Regel, aber in Hamburg gab es schon seit vielen, vielen Jahren keinen mehr. Eigentlich seit der Ära Felix Magath. Und alle anderen Trainer nach dem Felix haben so trainiert, wie jetzt Thorsten Fink. Also alles völlig normal. Hätte der HSV keine Kondition, keine Kraft, keine Ausdauer, dann hätte er in Frankfurt nicht mit zehn Spielern bis zum Schluss um den Ausgleich kämpfen können. Konnte der aber. Der HSV war in den letzten 20 Spielminuten das deutlich konditionsstärkere Team. Wohl gemerkt, mit zehn Mann. Es liegt also nicht daran, dass die Mannschaft im Training zu wenig gequält wird.

Nur die Ruhe also, obwohl, das gebe ich zu, ich ganz gerne auch mal den einen oder anderen Tag erleben möchte, an dem die HSV-Profis „vom Platz kriechen“, weil sie fix und foxi sind. Das müssen wohl meine masochistische Züge sein . . . Früher war eben alles wie früher, auch die Schinderei. Obwohl, wenn ich mich nicht irre hat Thorsten Fink auch zu Beginn der Vorbereitungszeit gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Wie er das wohl gemeint hat?

Noch kurz zu einem Wechsel, der gegen Dortmund anstehen könnte: Der ehemalige Dortmunder Thorsten Fink könnte den ehemaligen Dortmunder Tolgay Arslan aufstellen (weil Petr Jiracek gesperrt fehlen wird). Und Arslan befindet: „Das wäre super, ich freue mich drauf. Weil es gegen den Meister geht, und weil ich ja noch einige Dortmunder kenne, mit ihnen spielte ich einst in der Jugend zusammen für den BVB.“ Mit Reus, mit Götze und in der U-Nationalmannschaft mit Gündogan. Über Arslan hatte Thorsten Fink ja gesagt, dass der sich bestens mit Rafael van der Vaart versteht. Dazu der Deutsch-Türke voller Selbstbewusstsein: „es ist vielleicht zuviel gesagt, aber es stimmt schon. In den Testspielen stimmte es zwischen uns. Er spielt auch Fußball, ich denke, wir beide denken das Gleiche, und dann ist es vielleicht einfacher, mit einem Fußball zu spielen, der vielleicht auch auf der Straße groß geworden ist.“
Es war von Rafael van der Vaart die Rede.

Dass Tolgay Arslan nun auf der Sechs zum Einsatz kommen könnte, also sein Spiel defensiver angelegt sein müsste, das stört ihn nicht. Der Trainer hatte gesagt, dass er Arslan deswegen in dieser Woche noch intensiv im Training beobachten werde, ob er auch defensiv kann? Tolgay Arslan noch einmal voller Selbstvertrauen: „Ich kann defensiv. Das wird man sehen. Ich werde giftig sein. Natürlich werde ich dem Trainer beweisen, dass ich das kann. Man sagt immer, dass ich ein offensiver Spieler bin, aber ich werde das Gegenteil das beweisen. Jetzt spiele ich eine Position hinter der, die ich sonst spiele, aber ich werde es allen zeigen, dass ich es auch da kann.“
Auf geht’s, Tolgay, lass es krachen!

Kurz noch ein Satz zur Jubiläums-Anleihe. Ihr werdet es in allen Zeitungen und im Fernsehen sehen können, am 29. September so es so weit sein. Die Dinger sehen gut aus es gibt sechs Prozent pro Jahr (über sieben Jahre), und es gibt drei verschiedene Schmuck-Urkunden, auf denen jeweils die HSV-Vergangenheit (die gute!) abgebildet ist. Ich werde mir diese Schmucksachen ins Haus holen, klarer Fall! Es gibt sie für 125 Euro, für 404 Euro (weil Uwe Seeler einst in seiner großen Laufbahn 404 Tore für den HSV in Pflichtspielen erzielt hat) und für 1887 Euro, die Global-Urkunde gibt es für 500 Euro und für jeden Betrag mehr, der durch 500 teilbar ist.

Ein ganz anderes Thema:

Er hat die Raute immer noch ganz tief im Herzen – und Hamburg auch. Logisch, selbstverständlich, natürlich – klar. Als ich heute mit David Jarolim sprach, war seine erste Frage: „Was war da los in Frankfurt?“ Und dann: „Wieso hat der HSV 2:3 verloren?“ „Jaro“ wollte es genau wissen, woran es lag, dass es wieder nur eine Niederlage gab. Er selbst hatte 3:0 gewonnen. Der erste Saisonerfolg von seinem neuen Arbeitgeber FC Evian Thonon Gaillard, der Aufsteiger Bastia bezwang. Jarolim war 80 Minuten mit von der Partie und sagte: „Das war ganz schön hart, denn es war mein erster Einsatz seit vier Monaten. Dafür aber ging es ganz gut.“

Seine Mannschaft muss bei der „Jaro-Premiere“ wohl auch ganz gut gespielt haben, denn solche klaren Siege sind in Frankreich eigentlich nicht an der Tagesordnung. „In Frankreich wird etwas anders Fußball gespielt. Es ist irgendwie schneller und auch hektischer“, sagt „Jaro“, der aber dafür sorgte, dass immer dann Ruhe ins Spiel kam, wenn es nötig war. Er hielt den Ball klug und verteilte ihn auch geschickt. Sehr zur Freude seines neuen Trainers, der nun auch die Doppelrolle als Sportdirektor innehat. „Als ein solcher hat er mich vor Wochen nach Evian geholt. Er ist schon über 20 Jahre im Verein und legt großen Wert auf Disziplin, das finde ich sehr gut“, sagt „Jaro“, der gleich nach seiner Ankunft eine Trainerentlassung beim FC Evian miterleben durfte. Aber da hatte der tschechische Dauerläufer ja durch seine HSV-Zeiten gewisse oder auch beste Erfahrungswerte einzubringen . . . Das macht nur noch härter.

„Es ist landschaftlich wunderschön hier“, berichtet David Jarolim über seine neue „Wahl-Heimat“, hoch in den Bergen des Genfer Sees. Endlich einmal hat ein HSV-Spieler seinem neuen Klub im ersten Spiel gleich ein Erfolgserlebnis beschert. Es geht doch. Übrigens: Von dem Siegtor, das Piotr Trochowski am Wochenende für den FC Sevilla gegen Real Madrid schoss, hatte Jarolim auch in Frankreich schon gehört. Er sagte: „Das freut mich für Troche, ein solches Erfolgserlebnis wird ihm sicher viel Selbstvertrauen geben – und ein Siegtor gegen Real Madrid schießt man ja auch nicht alle Tage.“ Wie wahr.
Evian TG hat nun vier Punkte und liegt auf Tabellenplatz 15 (von 20 Vereinen).
Weiterhin alles Gute in Frankreich und mit dem FC Evian, „Jaro“.

Und für euch natürlich einen wunderschönen Feierabend.

PS: Am Mittwoch wird um 16 Uhr im Volkspark geübt.

18.11 Uhr

Zé hofft auf einen würdigen Abschied – Jansen auf die Linksverteidigerrolle

11. Mai 2011

Da saß er nun. Und zwischen seinen kunstvoll gedrehten Locken zeichnete sich keine einzige Schweißperle ab, obwohl er noch wenige Minuten zuvor auf dem Trainingsplatz stand und dort wie so oft mit technischen Raffinessen zu glänzen wusste und den Jungspunden im Team, denen er in der kommenden Saison seinen Platz räumen muss, in nichts nachstand. „Ich wäre gern noch länger hiergeblieben“, so dann auch die erste Ansage des Brasilianers, die schon etwas überraschend kam. Immerhin hatte der Linksfuß gerade erst bekanntgegeben, dass er Hamburg verlassen wird, obwohl ihn der Verein grundsätzlich halten wollte.

Aber der Reihe nach. Zuletzt hatte es geheißen, der HSV trenne sich von seinem Kreativspieler, den Trainer Michael Oenning nur zu gern behalten hätte, weil man sich nicht einigen konnte. Der Brasilianer soll demnach einen Zweijahresvertrag mit je vier Millionen Jahresgage gefordert haben, der HSV ihm allerdings nur einen Einjahresvertrag mit einem Jahressalär von nur zwei Millionen geboten haben. Jetzt sagt Zé, er wäre gern geblieben. Aber wohl nicht für weniger Geld, wollte ich wissen. „Das Geld hat bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Darüber haben wir gar nicht gesprochen. Das Geld war nicht das Problem, immerhin weiß ich um die Situation des Vereins“, sagt Zé, der allerdings unter keinen Umständen von seiner Forderung nach einem Zweijahresvertrag abrücken wollte und will. Warum er so stur ist? „Ich suche nach Stabilität für meine Familie, für meine Kinder, die zur Schule gehen.“ Und dafür wolle er nicht jedes Jahr umziehen müssen.

Okay, mal abgesehen davon, ob es nun die Kohle oder tatsächlich nur die Laufzeit war, weshalb er geht, ich verneige mich hiermit offiziell vor einem der besten Fußballer, die ich beim HSV jemals live erleben durfte. „Ich hoffe, das ganze Stadion feiert mit mir meinen Abschied“, sagt Zé und hat in mir einen zum Teil trauernden und zum anderen Teil einen verständnisvollen Fan gefunden, der sich brav bedanken und ihm von Herzen alles Gute wünschen wird.

Denn, und das muss ich bei aller Sympathie für das spektakuläre Spiel des Brasilianers mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten zugeben, er würde wohl tatsächlich nicht in die neue HSV-Philosophie passen. Darin sollen sich offenbar jüngere, zentrale Mittelfeldspieler wie Mehmet Ekici oder auch Ilkay Gündogan wiederfinden. Obgleich nun nach Gündogan (wechselt zu Borussia Dortmund) wohl auch aus Ekici nichts wird. Dem Vernehmen nach soll der an Nürnberg ausgeliehen Mittelfeldmann sich bereits mit Bayern München einig sein, die ihn für vier bis fünf Millionen Euro gen Werder Bremen veräußern wollen. Der HSV, der das Talent ausleihen wollte, hat demnach nur noch Außenseiterchancen.

Gleiches gilt für die Personalie Nils Petersen, der sich – sofern die Erzählungen stimmen und er nicht primär auf viel Geld aus ist – dazu entschieden hat, sich beim deutschen Rekordmeister durchsetzen zu können und zu wollen. Spätestens Anfang kommender Woche will der noch bei Energie Cottbus unter Vertrag stehende Topstürmer der Zweiten Liga seine endgültige Entscheidung bekanntgeben.

Klingt nicht zu gut für den HSV, der leer auszugehen droht. „Wir arbeiten nicht im luftleeren Raum“, entgegnet Oenning und ich bin gewillt, es ihm zu glauben. Zudem kommt ja schon Ende der kommenden Woche auch Frank Arnesen nach Hamburg. Und dann wird alles gut.

Zumindest glaubt Zé Roberto fest daran. „Ich denke, der HSV steht vor einer guten Zukunft. Es wird auf junge, gute Spieler gesetzt. Und davon sind schon einige da. Und der HSV hat einen Trainer mit Michael Oenning, der eine gute Philosophie hat. Das braucht der HSV. Wir hatten bislang immer viele individuell sehr gute Leute, die aber nicht immer zuerst an die Mannschaft gedacht haben. Das muss sich ändern. Es ist wichtig, dass der Verein eine komplett neue Philosophie bekommt. Dafür wird Geduld wichtig werden. Auch wenn Teile davon gegen Leverkusen vergangene Woche schon sehr gut funktioniert haben.“

Und damit beschloss Zé, dessen Kinder traurig über den Weggang aus Hamburg sind die heutige und wahrscheinlich letzte Runde als HSV-Profi. Ohne sein Ziel erreicht zu haben. „Ich wollte einmal mit dem HSV Champions League spielen“, trauert der 36-Jährige, der vier Jahre bei Bayer Leverkusen, sechs beim FC Bayern und zwei beim HSV gespielt hat und mit seinem 336. Bundesliga-Spiel als Ausländer mit den meisten Bundesligaeinsätzen verlassen wird. Zumindest klingt das so. „Ich habe bei Bayer und Bayern keine Blumen zum Abschied bekommen, weil es sich nicht ergab. Und ich bin in der Bundesliga geblieben. Jetzt bekomme ich Blumen – und ich glaube, dass der HSV auch die letzte Station in Deutschland sein wird, dass ich dann auch gehen werde.“ Neben Red Bull New York und einem finanzkräftigen Angebot aus Dubai hat Zé auch Angebote aus Brasilien, dessen Fußballmarkt durch die bevorstehende WM 2014 einen finanziellen Boom erlebt. „Bis Ende des Monats werde ich wissen, wohin es geht“, kündigt Zé an und man merkt, dass auch ein so erfahrener Mann wie Zé Roberto nach all der Zeit noch nicht emotional abgestumpft ist. Denn sichtlich traurig schiebt er nach: „Ich werde Hamburg vermissen. Die Stadt, die brasilianische Gemeinde, mit der wir uns immer sonntags getroffen haben, und vor allem das Stadion und die Fans. Ich werde nie vergessen, wie wir hier 1:0 gegen Bayern gewonnen haben, in meinem ersten Spiel gegen die nach dem Wechsel. Damals sind alle Fans verrückt geworden und ich wurde überall angesprochen. Die HSV-Fans geben immer 110 Prozent.“

Und sie dürsten nach Spielen wie das von Zé erwähnte. Allerdings, das in eigener Sache, ich muss mich outen. Sollte am Wochenende ein Gladbach-Sieg nötig sein, um die Borussia vor dem Abstieg zu retten, dann bin ich das erste Mal in meinem Leben bereit, eine Niederlage in Kauf zu nehmen. Ich finde einfach, dass ein sympathischer Klub wie die Gladbacher, noch dazu mit dem tollen Stadion, der großen Fangemeinde und der Geschichte einfach in die erste Liga gehören. Ich werde hier jetzt nicht sagen, wem ich bei einem Abstieg am wenigsten nachtrauern würde, nur so viel: Gladbach soll es nicht treffen.

Womit ich den Übergang zu einer zuletzt intern noch mehr als öffentlich umstrittenen Person geschafft hätte: Marcell Jansen. Ich hatte das Glück, den in Gladbach groß gewordenen Nationalspieler zusammen mit meinem Kollegen Kai Schiller interviewen zu dürfen und muss mal wieder zugeben, dass Marcell nur selten dummes Zeug redet. Sehr selten sogar. Und das, obwohl er (eben typisch Rheinländer) nicht mundfaul ist und offensichtlich und hörbar viel redet. Sehr viel sogar. Wie auch diesmal, wo wir uns über seine persönliche Entwicklung beim HSV unterhielten (das Interview stelle ich noch mal ans Textende für die, die es noch nicht gelesen haben). „Ich kann nicht zufrieden sein“, sagt Jansen und nimmt bei der Kritik nicht nur die Trainer („Ich hatte fünf in drei Jahren“) sondern sehr wohl auch sich in die Kritik. Im Sommer will er deswegen Extratraining in den USA absolvieren, und dann ganz neu angreifen. „Zuletzt habe ich mal hinten links, mal davor gespielt“, so der gelernte Linksverteidiger, der sich auch schon mit dem neuen Trainer Michael Oenning über die neue Saison unterhalten hat. „Ich habe ihm gesagt, dass ich natürlich alles spiele, mich aber ganz klar als Linksverteidiger am besten aufgehoben fühle.“ Soll heißen: Jansen macht seinem Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft, Dennis Aogo, Konkurrenz. Zwei Nationalspieler für eine Position. „Ja“, sagt Jansen, der diese Entscheidung auch wegen eines Perspektiv-Gespräches mit Bundestrainer Joachim Löw getroffen hat. „Ich hatte mich für die Defensive und die Offensive angeboten und bin auf der Strecke geblieben. Das darf nicht sein“, sagt Jansen und kündigt an: „Jetzt liegt es an mir. Ich muss hart arbeiten und mich erst mal wieder neu beweisen. Das ist meine erste Verantwortung.“

Ob dies zwingend beim HSV passiert, ist weiter offen. Auch Jansen weiß, dass er intern nicht unumstritten ist, sein Verkauf bei einem entsprechenden Angebot möglich wäre. Dennoch setzt er vorerst auf einen Neuanfang, nachdem er sich mit Oenning über die verkorkste Saison unterhalten hat („Ich hatte mich lange Zeit verloren gefühlt – jetzt ist alles geklärt“). Auch über das Spiel gegen Mönchengladbach haben sich die beiden unterhalten. Mit dem Ergebnis, das Jansen nicht spielen wird. Was ihn wiederum nicht allzu sehr stört. „Es wäre schon besonders emotional, gegen meinen Heimatklub zu spielen. Ich habe da 14 Jahre gespielt, kenne viele Leute und weiß, dass es auch um Arbeitsplätze geht. Ich hoffe, Gladbach bleibt drin.“

Ich auch. In diesem Sinne, morgen melde ich mich wieder, nachdem wir mit Ruud van Nistelrooy gesprochen haben.

Euch allen einen schönen Abend,

Scholle (19.37 Uhr)

P.S.: Am Donnerstag wird um 10 Uhr an der Arena trainiert.

Und hier noch mal das Interview aus der heutigen Abendblatt-Ausgabe für alle die, die es noch nicht gelesen haben:

Abendblatt: Herr Jansen, am letzten Spieltag trifft der HSV am Sonnabend auf Ihren früheren Klub Borussia Mönchengladbach. Um welchen Verein machen Sie sich derzeit mehr Sorgen?

Marcell Jansen: Ich mache mir gar keine Sorgen. Gladbach wird sich über die Relegation noch retten, und beim HSV bin ich guter Hoffnung, dass es im kommenden Jahr gut läuft.
Abendblatt: Was halten Sie als Ex-Borusse von der Gruppe um Stefan Effenberg, die den Gladbacher Vorstand stürzen will?
Jansen: In den vergangenen Jahren wurde immer sehr viel Geld in Gladbach investiert, trotzdem hat man dann nur gegen den Abstieg gespielt. Ich finde es gut, dass Stefan Effenberg nun überlegt, wie er dem Verein helfen kann. Man sollte ihm eine Chance geben.

Abendblatt: Was macht Ihnen beim HSV Hoffnung?
Jansen: Wichtig ist, dass unsere Mannschaft eine klare Struktur bekommt.

Abendblatt: Es scheint einen Konsens zu geben, dass die aktuelle Mannschaft nicht als Team funktioniert. Warum nicht?
Jansen: Das ist schwer zu beantworten. Jeder sollte sich im Sommer Gedanken über sich selbst machen und dann in der kommenden Saison neu angreifen.

Abendblatt: Haben die Führungsspieler des HSV in dieser Saison versagt?
Jansen: Es gibt viele Gründe, warum der Erfolg in dieser Saison ausblieb. Im Nachhinein auf einzelne Spieler zu zeigen, ist mir zu populistisch. Wir hatten beispielsweise einen Frank Rost in der Mannschaft, der immer als Führungsspieler vorangegangen ist und seinen Kasten sauber gehalten hat.

Abendblatt: Was lief dann schief?
Jansen: In Dortmund oder in Mainz sind alle Spieler für ein Ziel gelaufen. Das war bei uns in dieser Saison zu selten der Fall. Da wollen wir aber wieder hinkommen. In der Vergangenheit war das schon mal anders. Als ich vor drei Jahren nach Hamburg gekommen bin, waren wir eine tolle Truppe. Wir hatten Spieler wie Nigel de Jong, die einfach mal dazwischen gehauen haben. Natürlich haben wir damals auch mal schlecht gespielt, aber trotzdem haben wir 13 Spiele mit 1:0 gewonnen. Und wir hatten Erfolg, waren in zwei Halbfinals und in der Liga auch nicht so schlecht. Die Mischung hat offensichtlich zuletzt nicht mehr gepasst.

Abendblatt: Warum hat die Mischung vor drei Jahren gepasst, jetzt aber nicht mehr?
Jansen: In den vergangenen Jahren wurde zwar viel investiert, aber die Rendite blieb leider aus.

Abendblatt: Deswegen soll jetzt aus der Not eine Tugend gemacht und der Umbruch gewagt werden. HSV-Chef Carl Edgar Jarchow hat zuletzt betont, dass kein Spieler mehr unverkäuflich sei, auch Sie nicht.
Jansen: Das ist sein gutes Recht. Natürlich ist kein Spieler unverkäuflich, so ist das Geschäft.

Abendblatt: Wollen Sie in Hamburg bleiben?
Jansen: Obwohl es in dieser Saison nicht so gut gelaufen ist, fühle ich mich beim HSV wohl. Ich habe mich immer zu diesem Verein bekannt, auch in Phasen, in denen es mir nicht so gut ging. Ich erwarte nur Ehrlichkeit. Es muss eine klare Kommunikation untereinander geben. So war das auch vor drei Jahren bei Bayern, als ich mit Jürgen Klinsmann besprochen habe, dass es besser wäre, wenn ich wechseln würde.

Abendblatt: Vor sechs Wochen haben Sie kritisiert, der Verein habe Ihnen Steine in den Weg gelegt. Wie meinten Sie das?
Jansen: Ich habe damals vor allem betont, dass es überhaupt nicht primär um meine Person geht, sondern um den Verein. Trotzdem wollte ich klarmachen, dass ich mit meiner damaligen Situation nicht zufrieden war und nicht zufrieden sein konnte. Ich hätte mir ein Gespräch darüber gewünscht, warum ich nicht spielen durfte.

Abendblatt: Hat sich die Situation geändert?
Jansen: Ich habe mittlerweile mit Trainer Michael Oenning und auch mit Bastian Reinhardt länger gesprochen und die Sache aus der Welt geschafft. Im Nachhinein war es vielleicht ein Fehler, dass ich in der Vergangenheit nie an meine eigene Person gedacht habe. Ich bin eigentlich ein Linksverteidiger, habe aber immer ohne Murren im linken Mittelfeld gespielt. Das würde ich natürlich auch weiter so machen, wenn es der Trainer von mir fordert. Aber meiner Nationalmannschaftskarriere hat es nicht unbedingt geholfen.

Abendblatt: Wann haben Sie das letzte Mal mit Joachim Löw gesprochen?
Jansen: Wir haben kürzlich telefoniert, um gemeinsam mit Michael Oenning meine Reise in die USA abzusprechen.

Abendblatt: Was genau planen Sie in den USA?
Jansen: Ich fliege vor dem Trainingsauftakt zusammen mit Jerome Boateng für eine Woche nach Arizona. Chad Forsythe, der Fitnesstrainer der Nationalmannschaft, will uns richtig fit machen. Erst wenn ich wieder völlig gesund bin, kann ich mich über den Verein für die Nationalmannschaft qualifizieren.

Abendblatt: Ihr Ziel bleibt also die Europameisterschaft im kommenden Jahr?
Jansen: Dafür muss ich erst mal fit werden. Dann ist die Europameisterschaft aber natürlich mein Ziel. Und ich bin mir sicher, dass ich das schaffe.

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