Archiv für das Tag 'Guerrero'

Beiersdorfer freut sich auf den FC Bayern – Gregoritsch soll der erste Neue werden

26. Juni 2015

Kaum zu fassen! Der HSV hat die alte Bundesliga-Saison abgeschlossen mit dem Relegations-Krimi in Karlsruhe – und der HSV eröffnet das neue Spieljahr gleich mit dem ersten Auftritt beim FC Bayern München. Was haben sich die Spielplangestalter der DFL dabei bloß gedacht? Wahrscheinlich ist ein Eröffnungsspiel noch nie unter solch klaren Vorzeichen gestartet worden. Das schreibe ich zwar jetzt hier knapp zwei Monate vor dem Anpfiff, aber an der Konstellation wird sich nicht nennenswert etwas ändern. Den ganzen Beitrag lesen »

Der HSV will Olic, Olic will nach Hamburg – aber Wolfsburg blockt

27. Januar 2015

Es ist wieder einer dieser Tage – die niemand wirklich mag. Weder die Offiziellen, die binnen Minuten eine Vielzahl von Personalplanungen durchdenken und (um)entscheiden müssen. Kommt Zdravko Kuzmanovic, der als Sechser erste Wahl ist? Kommt letztlich doch noch Drmic aus Leverkusen, oder muss der HSV erneut umplanen? Nein, wie im Sommer ist auch diese letzte Woche der Transferperiode vollgepackt mit Transfergerüchten. Paolo Guerreros mögliche Rückkehr war heute Vormittag noch am meisten diskutiert, und wäre in meinen Augen auch ein sehr interessanter Schachzug gewesen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Beim HSV war der Peruaner jedenfalls nicht erste Wahl. Das war lange Zeit Josip Drmic von Bayer Leverkusen – und der Schweizer Nationalspieler ist noch immer. Zumal Guerrero (31)– so begeistert ich von ihm als Fußballer auch bin – nicht wirklich als Investition in die Zukunft gesehen werden dürfte.

Ein anderer Rückkehrer ist das auch nicht und macht vom spielerischen Profil her eher weniger Sinn – ist dafür aber offensichtlich die deutlich heißere Nummer. Mehr noch, nachdem die „Bild“ gegen 16 Uhr mit der Nachricht des bevorstehenden Wechsels von Olic zum HSV überflutete, gab es kein anderes Thema mehr.

Er würde gern zurückkommen, darf aber (noch) nicht: Ivica Olic

Er würde gern zurückkommen, darf aber (noch) nicht: Ivica Olic

Zunächst hieß es, der HSV sei an Olic und Olic am Wechsel zum HSV interessiert, der VfL Wolfsburg sei zudem informiert. Doch dieser Anfangsverdacht wich schnell einer an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Rückkehr. Mehr noch, Olic soll schon am Sonnabend zum Rückrundenauftakt für den HSV auflaufen, wie das Fachmagazin „kicker“ vermeldete. „Der Mann mit der Pferdelunge“ (O-Ton Dietmar Beiersdorfer) unterschreibt demnach in den kommenden Tagen beim HSV einen Vertrag bis 2016 (so lang läuft sein Vertrag auch in Wolfsburg) und verzichtet dafür auf eine Menge Gehalt. Immerhin soll der Kroate in Wolfsburg rund vier Millionen Euro per annum verdient haben. Beim HSV soll es nur noch etwas mehr als die Hälfte sein. Zudem soll Olic nach seiner Karriere weiter für den HSV arbeiten. Auf den Wechsel angesprochen, schwieg Olic heute. Noch.

Und wie so viele andere auch (mehr Fragen über Messenger als bei Aufkommen dieses Gerüchtes gehen nicht…) würde ich mich über diesen Wechsel freuen. Und das im Wissen, dass Olic ganz sicher nicht der Typ Stürmer ist, der dem HSV aktuell fehlt. Zumindest ähnelt er in seiner Spielweise sehr dem Letten Artjoms Rudnevs. Und damit wäre einer von beiden (ziemlich sicher Rudnevs) über – der spielstarke Stürmertyp allerdings noch nicht verpflichtet. Passend dazu kursiert seit heute das noch unbestätigte Gerücht, der OSC Lille sei daran interessiert, Rudnevs auszuleighen.

Egal wie, kommt Olic, meckert keiner. Im Gegenteil: Nachdem Olic 2012 gern nach Hamburg gewechselt wäre und ihm abgesagt wurde, weil er dem HSV zu alt sei, wäre es ein Happy-End. So viel macht Sympathie gepaart mit Leistung aus. Die HSV-Fans haben nicht vergessen, wer in 115 Spielen immer vollen Einsatz gezeigt hat, dabei 48 Tore acht Vorlagen verbuchen konnte. Auch aktuell ist er beim VfL mit fünf Treffern der torgefährlichste Angreifer…

Beiersdorfer und Knäbel dürften für diesen Deal erneut gefeiert werden. . Denn selbst wenn sie Drmic als A-Lösung nicht zum Wechsel bewegen konnten, wäre diese „B-Lösung“ immer noch ein Hammer. Denn der HSV ist nicht in der Situation, finanziell offensiv vorgehen zu können – er musste lauern. Abwarten, bis sich die ultimative Chance bietet. Auf dem Weg dahin müssen viele B-Lösungen so lange hingehalten werden, bis man weiß, ob die A-Lösung realisierbar ist oder eben nicht. Sollte das mit einem Großkaliber wie Olic funktioniert haben – Chapeau! Denn dass in dieser Phase Spieler verloren gehen, weil sie sich anderweitig orientieren, ist nur logisch. Und unvermeidbar. Dennoch werden diese Namen immer wieder gegen die geschnitten, die am Ende kommen. Soll heißen: Drmic gegen Olic.

Oder kommen beide?

Eher nicht. So gern die HSV-Führung noch immer Drmic an die Elbe lotsen würde, so unwahrscheinlich ist dieser Wechsel nach einer Olic-Verpflichtung. Vielmehr soll ein weiterer „ic“ kommen – Zdravko Kuzmanovic. Der defensive Mittelfeldspieler von Inter Mailand ist und bleibt die A-Lösung von Trainer Zinnbauer und seinen Sportlich Verantwortlichen. Er kennt die Bundesliga aus seiner Zeit in Stuttgart und kann sich dem Vernehmen nach auch eine Rückkehr in die Bundesliga sehr gut vorstellen. Zudem bringt der Serbe etwas mit, was sich die HSV-Verantwortlichen wünschen: Torgefahr. Weniger bei Inter (1 Treffer in 49 Spielen), dafür aber zuvor beim VfB Stuttgart. Dort schaffte er 22 Treffer in 127 Spielen und lernte den Abstiegskampf in der Bundesliga kennen.

Aber zurück zum Thema Olic, das sich heute hin- und her drehte. Emotional betrachtet steht niemand mehr für ehrliche Maloche auf dem Platz als Olic, der es mit seiner Art zum Publikumsliebling schaffte. Und der Kroate trifft zudem. Und da ich es oben bereits einmal angeführt habe, freue ich mich ab hier nur noch über die mögliche Rückkehr des sympathischen kroatischen Nationalspielers. Vor allem, weil Olic schon am Sonnabend gegen Köln auflaufen soll.

So war der Stand – bis ca. 17.30 Uhr. Eben bis Klaus Allofs vor die Mikros trat. Der Sportliche Direktor des VfL Wolfsburg war gerade aus Frankfurt zurückgekehrt, da dementierte er schon heftig. Und das so eindeutig, dass mir die Kollegen vor Ort sagten: „Das war nicht gespielt.“

Erteilte einem Olic-Wechsel zum HSV (noch) eine Absage: VfL-Manager Klaus Allofs

Erteilte einem Olic-Wechsel zum HSV (noch?) eine Absage: VfL-Manager Klaus Allofs

Allofs gegenüber meinen Kollegen vom „Kicker“: „Richtig ist dass der HSV wohl Ivi kontaktiert hat. Und Ivi ist dann auch auf uns zugekommen ist und hat gesagt, das wäre eine vorstellbare Sache. Je nachdem, wie wir mit ihm planen. Daraufhin habe ich auch kurz einmal mit Dietmar Beiersdorfer gesprochen. Aber wir sehen da keine Chance.“ Vielmehr sei das Gespräch nur aus Respekt dem Spieler gegenüber geführt worden. „Ich habe mit ihm gesprochen und nochmals: Ivi schickt man nicht raus und sagt Blödsinn. Da muss man zumindest einen Moment drüber nachdenken. Daher auch das Gespräch mit Didi Beiersdorfer.“ Wie Olic reagiert hat? Allofs: „Es ist, wie es ist. Er hat gesagt, diese Möglichkeit besteht. Er wusste aber, dass die Tatsache, dass wir uns damit beschäftigen nicht bedeutet, dass er wechseln kann und soll. Er hat noch eineinhalb Jahre Vertrag und ist ein wichtiger Stürmer für uns.“

Oha. Eine ernst gemeinte Absage an den HSV? Oder doch nur der Anfang eines Verhandlungspokers? Ich hoffe auf letzteres und darauf, dass sich dieser Werksklub in Sachen Transferverhandlungen von dem anderen abhebt. Positiv. Spannend bleibt es allerdings vorerst.

Spannend ist es leider auch wieder in Sachen Startelf geworden. Denn nachdem sich alle sicher waren, in Cléber und Djourou eine harmonisierende und vor allem funktionierende Innenverteidigung gefunden zu haben, verletzte sich Cléber jetzt. Ein Muskelfaserriss zwingt den Brasilianer zu einer rund zweiwöchigen Pause. Damit verpasst er die so wichtige erste Englische Woche mit den Spielen gegen Köln, Paderborn und Hannover. Offen ist, ob Heiko Westermann, der zuletzt auf der Sechs zu überzeigen wusste, wieder in die Innenverteidigung rutscht oder Slobodan Rajkovic seine Chance erhält.

Und wer jetzt glaubt, dieser Schwebezustand auf den verschiedenen Ebenen sei kaum mehr auszuhalten, der möge doch bitte einmal überlegen, wie sich Zinnbauer jetzt fühlen dürfte…

In diesem Sinne, sollte noch was passieren (was durchaus drin ist), melde ich mich natürlich noch mal.

Bis dahin,
Scholle

 

Arslan ist weg, noch kein Neuer da – Guerrero-Comeback unwahrscheinlich

26. Januar 2015

Dietmar Beiersdorfer hatte Grund zum feiern – und auch wieder nicht. Denn während der Vorstandsboss beim Boulevard ob der Millionenspritzen der HSV-Milliardäre Klaus Michael Kühne und Alexander Otto als „Dukaten-Didi“ Renaissance feiert, hat er sportlich noch lange nichts verbessert. Im Gegenteil. Bisher steht nur der Abgang von Tolgay Arslan zu Besiktas Istanbul (500000 Euro Ablöse und Beteiligung am Weiterverkauf) fest, den es nun doch zu Besiktas zieht. Und das, obwohl er bei Trabzonspor (Arsenal London war keine ernsthafte Option) dem Vernehmen nach bis zu drei Millionen Euro netto per annum hätte verdienen können. Via facebook verkündete er: „Ich freue mich, euch berichten zu können, dass ich einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterzeichnet habe. Letzten Endes konnte ich trotz verlockender Angebote nur auf mein Herz hören und das schlägt für Besiktas!!! Ich möchte mich aber vor allem auch bei dem HSV und seinen Fans für die unglaublichen Jahre mit vielen Höhen und Tiefen bedanken. Vielen Dank für eure Unterstützung – Hamburg ist und bleibt mein zu Hause und ich werde euch immer in meinem Herzen behalten!
Euer Tolgay“. Um 16.30 Uhr hob der defensive Mittelfeldspieler dann per Flieger gen Istanbul ab. Alles Gute Tolgay!

 

Arslan musste gehen, nachdem Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer unmissverständlich klar gemacht hatte, dass Arslan bei ihm nicht spielen würde. Einzig die Frage nach dem „Warum?“ wurde nie wirklich erklärt. Und auch Tolgay äußerte sich nicht. Dabei soll der junge Mittelfeldspieler im Zuge der Enttäuschung nur kurz nach Amtsübernahme Zinnbauers gemeckert haben. Dabei schimpfte Arslan dem Vernehmen über das neue System Zinnbauers, das ihn zum Reservisten degradierte. Pech für Arslan war in diesem Fall, dass im Nebenraum Cotrainer Patrick Rahmen saß und alles mit anhören konnte. Seither soll das Verhältnis Arslan/Zinnbauer nachhaltig beeinträchtigt gewesen sein – vorsichtig formuliert…

 

Wobei, glaubt man den schnellen italienischen Medien, hatte der HSV schon Ersatz, als es Arslan per Flieger in die Türkei zog. Gegen Mittag sollen sich demnach der HSV und Inter Mailand auf einen Wechsel des Serben Zdravko Kuzmanovic geeinigt haben. Das aber dementierte der HSV umgehend. Noch.

 

Nicht geleugnet – aber auch betont „nur Alternative“ ist Paolo Guerrero. Bislang zumindest. Wobei ich noch immer ein bekennender Fan seines Fußballs bin und glaube, dass der Peruaner genau der Typ Spieler ist, den der HSV für vorn sucht. Technisch stark kann kaum einer besser den Ball festmachen und verteilen als er. Allerdings würde es mich wundern, wenn Guerrero selbst kann sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu wechseln. Allerdings würde ich mich wundern, wenn es der HSV schaffte, den 31-Jährigen finanziell glücklich zu machen, ohne sich zu verheben. Rund drei Millionen Euro im Jahr soll der 31-Jährige bei Corinthians kassieren. Und die Brasilianer wollen den ehemaligen HSVer unbedingt halten.

 

Aber wie dem auch sei, heute passiert eher nichts mehr. Zumindest kommt kein Neuer. Dennoch rechnen beim HSV intern alle fest damit, dass die benötigten Verstärkungen bis zum Transferende am 2. Februar kommen. Dass Dietmar Beiersdorfer den Wunschkandidaten Josip Drmic bereits mehr oder weniger abschreibt („Es würde mich sehr wundern, wenn er zu uns wechselt“) werte ich nicht als Aufgabe. Der HSV will und muss Bayer Leverkusen klar machen, dass sie die Entscheidung des Werksklubs nicht über Wohl und Wehe des HSV entscheidet, und dass der HSV Alternativen hat. Daher wird Guerrero, den Leverkusen übrigens mit der Begründung ablehnte, dass Drmic ja bleiben würde, nicht abgehakt – aber intern eben auch nur als B-Lösung betrachtet.

 

Immer erste Kategorie war David Jarolim. Menschlich wie sportlich war er ein Vorzeigeprofi. Heute war der Tscheche in Hamburg, um sich sportärztlich untersuchen zu lassen. Und der ehemalige Sechser nutzte die Gelegenheit, um noch einmal in eigener Sache für sein Abschiedsspiel am 28. März zu werben – obgleich das kaum nötig ist. Und er freut sich: „Natürlich hast du am Anfang immer Angst, dass die Leute es nicht annehmen. Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele Tickets abgesetzt wurden. Es wird einer der emotionalsten Augenblicke, die ich je in diesem tollen Stadion erleben durfte.“

Anbei ein Videointerview mit Jarolim im (entschuldigt bitte!) unüblichen Hochformat…

Der Sportdirektor von Mlada Boleslav hat es geschafft, dass bereits mehr als 21000 Tickets abgesetzt sind. Als Fünftbeliebtester HSVer aller Zeiten wählten ihn die Leser der „BILD“ zuletzt. „Das fühlt sich gut an“, so Jarolim, dem der HSV immer wieder nahegelegt hatte, ihn im eigenen Nachwuchs unterbringen zu wollen. Als Trainer. „Ich werde das jetzt auch machen“, so Jarolim, „allerdings erst einmal bei uns im Klub. Ich bleibe Sportdirektor und werde zusätzlich die Woche die U19 von Boleslav trainieren, um erste Erfahrungen zu sammeln. Ich will meine Lizenzen erwerben – dann schaue ich weiter.“

 

 

Allerdings, einmal hier, kam Jaro nicht umhin, sich auch zum HSV zu äußern. „Ich glaube, dass der HSV die richtigen Leute auf den wichtigen Positionen hat und dass sie die Situation erkannt haben. Deshalb bin ich auch optimistisch. Es wird wieder eine schwierige Saison, aber sie wird nicht noch mal so schlimm wie die letzte Saison.“ Dass der HSV noch in dieser Wintertransferphase Verstärkung braucht – auch Jaro sieht es so. Obwohl er überlegt, etwas anderes zu sagen, gibt er zu: „Wenn die Möglichkeit besteht, jemanden zu bekommen, der helfen würde, dann sollte man es machen.“ Ob er Guerrero empfehlen würde? „Das kann ja nicht klappen – der hat doch Flugangst…“, scherzte Jarolim, um dann hinzuzufügen: „Paolo ist ein super Fußballer. Helfen könnte er immer.“

 

Womit ich noch einmal kurz auf die Mitgliederversammlung eingehen will. Die hat gezeigt, was eine Person des Vertrauens bewirken kann. Wobei es sicher mindestens zwei waren, die der Versammlung zu einem friedlichen Verlauf verholfen haben, wie wir ihn schon Ewigkeiten nicht mehr miterleben durften. Immerhin in einer finanziell und sportlich derart angespannten Situation – das war für mich dann doch überraschend. Aber nehmen wir die auf deutlich zu persönlicher Ebene geführten Reden von und gegen Manfred Ertel mal aus, war es letztlich ein sehr erfreulicher Sonntag. Die Verantwortlichen der Campus-Anleihe wurden zwar unter dem Eindruck der Zehn-Millionen-Spende von Alexander Otto unverdient wenig in die Verantwortung genommen – andererseits hätte es mehr als neuen Ärger dadurch auch nicht gegeben. Moralisch verheerend sind die Herren Jarchow, Hilke, Arnesen und Scheel rechtlich abgesichert – das Kleingedruckte macht’s möglich.

 

Dennoch war bei der Veranstaltung ein Hauch von Einigkeit zu spüren, die dieser Verein dringend benötigt. Und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer ist das Gesicht der Neuausrichtung – zusammen mit Otto. Und Klaus Michael Kühne natürlich. Wobei die beiden Millionen-Unterstützer unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier Otto, der bewusst zurückhaltend agiert und keine Anteile zeichnen sondern in letzter Instanz dem Amateursport helfen will. Und auf der anderen Seite Kühne – der Mann, der sein Darlehen lang und hart verhandelte, ehe er es in Anteile umwandelte und der gern öffentlichkeitswirksam sagt, was er denkt. Aber – in diesem Fall sollte man es nur so nehmen, wie es im Moment ist: als unfassbar große Hilfe für die Konsolidierung des HSV. Den Dank haben sich die beiden Milliardäre verdient.

 

In diesem Sinne, der Testspieler Innocent Emeghara wird nicht genommen, Ivo Ilicevic darf vorerst ebenso bei den Profis weiter mittrainieren, wie die U23-Youngster Philipp Müller, Ahmet Arslan und Nils Brüning (Marcos, Götz und Gouaida bleiben natürlich auch). Pierre Michel Lasogga ist wieder einsatzbereit, hat aber morgen frei, da kein Training ist.

 

Bis dahin, Scholle

 

P.S.: Angeblich ist Mpoku (Standard Lüttich) in Deutschland zu Verhandlungen. Und Inter Mailands Trainer Roberto Mancini soll sich nun doch gegen die Abgabe Kuzmanovics entschieden haben. Diese Gerüchte habe ich deshalb ins „P.S.“ gestellt, weil sie in fünf Minuten wieder überholt sein werden. Wetten dass…?

0:0 gegen Astana – der HSV im Dubai-Tief

18. Januar 2015

Baulärm und Krangeräusche von nebenan, wo gerade eine neue Schwimmhalle entsteht. Überall Absperrzäune. Keine Tribüne, sondern nur zwei kleine, abgegrenzte Bereiche hinter einem Tor für etwa zwei Dutzend Zuschauer aus Deutschland und ein Dutzend aus Kasachstan. Sogar ein paar Wolken sind zu sehen und helles Flutlicht von den Masten. Ein paar Kilometer entfernt ragt der mehr als 800 Meter hohe Burj Khalifa in den Himmel. Unter diesen Bedingungen fand heute das zweite Testspiel des HSV in Dubai statt. Am Ende wurde es ein 0:0 gegen den FK Astana aus Kasachstan. „Immerhin zu Null gegen einen Euro-League-Verein“, so HSV-Trainer Joe Zinnbauer. „Das sind keine schlechten.“

Den Gegner als nicht schlecht zu bezeichnen und die eigene Leistung als gut – soweit würde aber wohl keiner der Hamburger Verantwortlichen und Profis gehen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr müder Kick bei passender äußerer Kulisse. Bis auf den dritten Torwart Alexander Brunst setzte Zinnbauer alle 22 gesunden Spieler ein, die er augenblicklich noch zur Verfügung hat. Das Ergebnis war irgendwo abzusehen, insbesondere weil sich die Kicker ganz augenscheinlich am körperlichen Tiefpunkt der Vorbereitung befinden.

„Ich bin generell niemand, der Testspiele überbewertet“, sagte Torwart Rene Adler. „Heute hat man gesehen, dass wir ziemlich platt sind. Man hat gesehen, dass wir in einem leichten Trainingsloch sind, was ja auch gewollt ist. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir da wieder rauskommen.“ Joe Zinnbauer ergänzte die positiven Aspekte: „Wir wollten den Inhalt sehen und haben Wert auf eine gute Spieleröffnung gelegt. Unser Gegner sollte tief stehen. Dazu haben wir sie auch gezwungen. Von der Seite bin ich zufrieden.“


In der ersten Halbzeit wirkte der Auftritt des HSV noch einigermaßen frisch. Das Resultat waren drei hochkarätige Torchancen. Zunächst scheiterte Maximilian Beister mit einem Heber am kasachischen Keeper (4.). Etwas später landete ein abgefälschter Schuss von Ahmet Arslan am gegnerischen Pfosten (14.). Und schließlich war es erneut Ahmet Arslan, der freistehend am Astana-Torwart scheiterte.

So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Djourou, Kacar, Jansen – Mende, T. Arslan – A. Arslan, Green, Beister (32. Marcos) – Rudnevs

Keeper Jaroslav Drobny hatte nur eine Gelegenheit sich auszuzeichnen – und zwar gleich zu Beginn des Spiels, als er eine verunglückte Kopfballrückgabe von Gojko Kacar aus der rechten unteren Torecke kratzen musste. Ansonsten konnte sich kein HSV-Spieler wirklich abheben, mit Ausnahme vielleicht von Ahmet Arslan, der die auffälligsten Szenen hatte. Die ganz offensiven Julian Green und Artjoms Rudnevs blieben völlig blass. Aus der Zentrale versuchte Sven Mende Sicherheit auszustrahlen, was auch gelang – allerdings ging er mit seinen Pässen nicht ins Risiko. Tolgay Arslan an seiner Seite riskierte mehr, machte deswegen aber auch den einen oder anderen Fehler mehr.

In Durchgang zwei wurde komplett durchgewechselt. Insgesamt präsentierte sich diese Mannschaft nicht ausgeschlafen. Hier gab es nur eine echte Gelegenheit. Nach Vorarbeit von Philipp Müller scheiterten Mohamed Gouaida und Innocent Emeghara nacheinander aus aussichtsreicher Position (66.). Nicht ganz zufällig vielleicht, denn diese beiden gelang nicht viel. Das Urteil von Joe Zinnbauer über Testspieler Emeghara fiel denn auch alles andere als überschwänglich aus: „Es ist schwer, ihn zu bewerten. Wir haben schon im Training gemerkt, dass er langsam einbricht. Er war gegen Frankfurt dynamisch, aber das Potenzial konnte er heute nicht abrufen, weil er müde war.“ Wahrscheinlich erhält Emeghara am Mittwoch gegen Manchester City noch eine dritte Bewährungschance. Der ganz große Durchbruch für den HSV wäre seine Verpflichtung also nicht, aber das war ja schon vorher abzusehen.

So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Marcos – Stieber, Jiracek – P. Müller, van der Vaart, Gouaida – Emeghara

Gegen Ende der zweiten Halbzeit zog Joe Zinnbauer Emeghara sogar auf die linke offensive Seite zurück und stellte Rafael van der Vaart in die Spitze. Der Schweizer Emeghara sollte also auf einer weiteren Position getestet werden. In dieser Formation gefiel mir übrigens Zoltan Stieber ganz gut, trotz des einen oder anderen ungenauen Abspiels. Er präsentiert sich allgemein ordentlich hier in Dubai, nachdem er – als Fehleinkauf aus oberen Vereinsgremien gebrandmarkt – denkbar schlechte Startbedingungen beim HSV hatte.

0:0 also gegen Astana – mit diesem Resultat kann man nicht angeben, aber wenn sechs potentielle Stammspieler fehlen, sind mildernde Umstände angemessen. Lewis Holtby ist heute aus dem Krankenhaus entlassen worden. Mit Armbinde erschien er nach seinem Schlüsselbeinbruch aus dem Frankfurt-Spiel wieder in Dubai und soll nun doch bis zum Ende des Trainingslagers hier bleiben. Devise: In Hamburg kann er auch nichts machen, da soll er sich lieber in der Nähe des Teams aufhalten und die Wärme genießen. Auch Holtbys Lebensgefährtin ist mittlerweile nach Dubai geflogen.

Mit welchen angeschlagenen Spielern Joe Zinnbauer morgen um 12 Uhr Ortszeit zum Training rechnen kann, ist noch etwas offen. Auf jeden Fall wünscht er sich relativ zügig den Wiedereinstieg von Dennis Diekmeier, Nicolas Müller und Pierre Michel Lasogga, die allesamt mit Muskelbeschwerden zu tun haben. Bei Nicolai Müller wurde heute eine Kernspin-Untersuchung vorgenommen, zur Sicherheit, aber nichts Gravierendes gefunden. Er hat nur eine Verhärtung im Oberschenkel.

Wie hier bereits gestern geschrieben, drosselt Joe Zinnbauer sein Programm nun auch ganz offen. „Es kommt jetzt die Phase der Verletzungen, deswegen werden wir den Plan kürzen“, so Zinnbauer. „Wir arbeiten weniger, aber trotzdem konzentrierter. Man merkt, dass die Spieler wollen, Gas geben und über den Punkt gehen. Wir nehmen Rücksicht auf ihre Müdigkeit und gestalten das Programm in den Einheiten entsprechend.“ So viel Zeit bleibt ja nun auch nicht. Die Partie gegen Man City ist sicher eine Nagelprobe.

Matthias Ostrzolek plagt sich mit den Folgen einer Bänderdehnung im Fuß herum – das sollte auch kein langfristiges Problem werden. Schon eher die Kniebeschwerden von Valon Behrami. Dem Beobachter ist der Schweizer hier noch gar nicht unter die Augen gekommen. Behrami kann nur im Kraftraum und im Gym arbeiten. Natürlich ist er gegen Köln am 31. Januar sowieso gesperrt, aber danach ist er ziemlich sicher wieder gesetzt, weshalb sein Ausfall aktuell alles andere als ein gutes Zeichen ist. Und vor allem eben auch für die Mannschaft ein großer Nachteil, die sich mit diesem zentralen Spieler nicht einspielen kann.

Die Personallage ist also kompliziert. Dazu Rene Adler: „Irgendwo ist das normal – wobei fünf oder sechs natürlich sehr viel sind. Wir hoffen, dass Nicolai oder Lasogga mit ihren Muskelbeschwerden schnell zurückkehren, weil es Spieler sind, die ums im Moment äußerst gut weiterhelfen würden.“ Siebter Verletzter im Bunde ist Gideon Jung (Knieprellung) – bei ihm ist es eine Frage der (kurzen) Zeit, wann er wieder trainieren kann.

HSV-Wunschstürmer Josip Drmic hat gestern noch einmal für seinen Verein Bayer Leverkusen gespielt. Getroffen hat er zwar nicht bei der 1:2-Niederlage seinen Teams gegen die Corinthians Sao Paulo, aber doch den Treffer vorgelegt. Übrigens gingen beide Treffer für die Brasilianer auf das Konto von Paolo Guerrero. Wäre er noch in Hamburg, hätte der HSV ein Stürmer-Problem weniger. Und wo wir gerade von Ex-Hamburgern sprechen – es ist manchmal einfach nur zum Kopfschütteln. Ich will es gar nicht groß kommentieren, aber Eljero Elia hat nach seiner Ausleihe zum FC Southampton kräftig zugeschlagen und beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Newcastle erzielt. Und Marcus Berg, flüsterte mir heute eine Statistik, liegt bei Panathinaikos Athen mittlerweile bei 27 Treffern in 50 Liga-Spielen.

Abschließend möchte ich Euch auf die Montag-Ausgabe des Hamburger Abendblatts hinweisen. Kai Schiller hat hier in Dubai ein Interview mit Marketing-Vorstand Joachim Hilke geführt. In diesem Interview fordert Hilke einen neuen Verteilerschlüssel für den TV-Vertrag. „Der HSV wird sich für einen neuen Schlüssel einsetzen, weil wir das Gefühl haben, dass wir in Bezug auf unsere mediale Aufmerksamkeit nicht entsprechend honoriert werden. Wir sind immerhin eine der Haupt-Quotenbringer im Pay-TV.“ Bislang ist der Quotenschlüssel eng an den Tabellenplatz geknüpft – da schneidet der HSV logischerweise nicht gut ab. Außerdem spricht Hilke über die Gespräche mit Hauptsponsor Emirates, Klaus-Michael Kühne und den Campus-Bau. Sehr lesenswert.

Morgen wird hier also vor allem dosiert trainiert. Mittags geht es kurz auf den Platz, und dann geht der HSV seinen Sponsoren-Verpflichtungen nach im Rahmen einer großen Pressekonferenz, an der Trainer und Spieler des HSV teilnehmen werden. Damit beginnen also die letzten drei aktiven Tage hier in Dubai, ehe es zurück geht in die Kälte. „Wir wollen auf den Punkt gegen den 1. FC Köln fit sein“, sagte Rene Adler abschließend. „Es nützt uns nichts, wenn wir unsere Gegner hier wegknallen. Wenn man nach acht Tagen Trainingslager fit ist und man sich gut fühlt, dann hat man etwas falsch gemacht. Insofern ist alles im Rahmen.“

Und ganz abschließend schicke ich – auch im Namen von Dieter und Scholle – einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an Benno Hafas. Alles Gute, lieber Benno, wir freuen uns alle weiter über Deine Beiträge und Fotos!

Lars
18.25 Uhr

Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

Die Hoffnung auf die Rückkehrer – und: Was erlauben Fink?

23. April 2014

Okay, wenn der Thorsten das sagt. Mit ihm hätte der HSV also keine Abstiegsnöte durchleiden müssen – genau genommen sagte er: „Ich kenne die Mannschaft sehr gut und hätte es hinbekommen, den Schlendrian aus ihr herauszubekommen. Mit mir wäre der HSV in dieser Saison vielleicht nicht in den Europacup gekommen. Aber er hätte mit dem Abstieg nichts zu tun.“ Die Frage, die ich mir beim Lesen dieser Zeilen stelle, ist, wie er darauf kommt. Denn: Seinen Punkteschnitt von 0,8 Pro Spiel in dieser Saison vorausgesetzt würde bedeuten, dass der HSV jetzt (aufgerundet) 25 Punkte hätte – also zwei weniger als tatsächlich und gerade mal so viele wie der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig. „Ich kenne die Mannschaft, ich hätte den Schlendrian herausbekommen“, sagt der ehemalige Trainer via Sport Bild – und ich frage mich, warum. Immerhin habe ich Fink als durchaus loyalen Typen kennengelernt, der sich selten bis nie zu voreiligen Äußerungen – „Zoua ist ein Typ wie Guerrero“ im Sommer mal ausgenommen – hatte hinreißen lassen.

Jetzt also doch.

Denn ich empfinde diese Aussage als Affront und despektierlich seinen Nachfolgern gegenüber. Vor allem Slomka gegenüber, der letztlich nur noch das Übel seiner Vorgänger verwalten und ausbügeln muss. Denn für die Planungen des Kaders waren Fink im vergangenen Sommer und van Marwijk im Winter verantwortlich. Und immerhin hatte sich Fink im Sommer für einen Verkauf von Heung Min Son ausgesprochen und Artjoms Rudnevs als intern aufs Abstellgleis gestellt. Fink hatte zudem die Verpflichtung von Jacques Zoua empfohlen, er hat Sobiech mit Sportchef Oliver Kreuzer gescoutet und etliche Spieler (zum Verkauf) aus dem Kader suspendiert – ergo: Er hat maßgeblichen Anteil an der Planung des Kaders, dem inzwischen nicht nur ich fehlende Qualität attestiere.

Nein, das kann Fink schlichtweg nicht ernst meinen. Wobei, eine Erklärung für Finks plötzliches, öffentlich mutiges, lautes Auftreten gibt’s dann doch: Er hat etwas in der Pipeline und will sich nachhaltig ins Gespräch bringen.

Und tatsächlich, keine zwei Telefonate nach diesem ersten Verdacht bekomme ich tatsächlich die Info, dass Thorsten Fink vor einem neuen Engagement steht. Kein Quatsch. Am Wochenende wird sich der ehemalige HSV-Trainer, der zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt im Gespräch war, mit seinem noch bis Ende Juni beim HSV unter Vertrag stehenden Assistenten Patrick Rahmen sowie Vereinsoffiziellen unterreden, ob das Job-Angebot interessant ist. Meinen Recherchen nach handelt es sich bei Finks potenziell neuem Arbeitgeber diesmal um den HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf, um den 1. FC Nürnberg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder soll diese Kleinattacke den HSV im Abstiegskampf noch mal verunsichern und so die Chancen erhöhen, dass der FCN doch noch drin bleibt? Oder ist es doch Frankfurt? Ein perfides Gedankenspiel – hoffe ich zumindest…

Für Abendblatt-Blogs


Und wo ich schon mal dabei bin, zugegebenermaßen zu spekulieren: Auch Bayer Leverkusen sucht einen neuen Trainer (und soll sich mit Salzburgs Schmidt inzwischen einig sein). Das ist noch nicht besonders, weil bekannt. Allerdings hatte der Werksklub zuvor intern verlauten lassen, dass man sich mit dem FSV-Mainz-Trainer Thomas Tuchel so gut wie einig sei. Unter den Bundesligamanagern und bei den Spielerberatern galt das als fix. Tuchel allerdings hat inzwischen zur Überraschung aller abgesagt – und viele fragen sich: warum?

Ein Klub wie Bayer wäre für Tuchel finanziell ein Quantensprung – und sportlich ebenfalls eine massive Steigerung. „Was passiert aber, wenn Jogi Löw nach der WM sein Amt nicht mehr weiter ausführen soll oder will?“, fragte mich mein Gesprächspartner heute rhetorisch. Denn er spielte darauf an, dass – und das ist ein offenes Geheimnis – Jürgen Klopp in dem einen Fall Borussia Dortmund verlassen würde und zum DFB wechseln könnte. Dann würde Tuchel für den BVB als Klopp-Nachfolger hochinteressant.

Sollte da eine große Rochade vorgeplant sein?

Damit mich hier keiner falsch versteht, das ist eine zugegeben wilde Theorie. Und egal wie viele Konjunktive hier zweifellos zu nutzen sind, es ist zumindest eine interessante Theorie. Ebenso wie die von Finks Aussage im Zusammenhang mit einem Engagement in Nürnberg.

Gesund geworden, und das ist dann doch wichtiger als jede Trainerdiskussion, ist Milan Badelj. Ebenso wie Marcell Jansen absolvierte er heute erneut große Teile des intensiven Trainingsprogrammes, das immer wieder von Trainer Mirko Slomka unterbrochen wurde. Umschaltspiel stand auf dem Plan und Slomka forderte insbesondere Offensive Abschlüsse. Auffällig gut war hierbei Ivo Ilicevic – und auch Kerem Demirbay wusste zu gefallen. Dass Badelj am Sonntag in Augsburg in der Startelf steht, sofern ihm nichts mehr passiert, scheint klar. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen Slomka neben den Kroaten stellen wird. Die defensivste Lösung mit Tomas Rincon? Oder die spielerischere Lösung mit Tolgay Arslan? Oder setzt Slomka auf frisches Blut und die Willensstärke des Deutsch-Türken, der allen zeigen will, weshalb er nach Hamburg gewechselt ist. „Es fiel mir extrem schwer, immer zuzusehen und nicht mithelfen zu können“, hatte Demirbay kurz vor seinem Debüt gegen Wolfsburg gesagt. Und auch anschließend konnte er sich ob der 1:3-Niederlage nicht richtig freuen. „Das habe ich mir anders vorgestellt, das kann es noch nicht sein.“

Demirbay ist jung, unerfahren – aber heiß. Arslan hingegen ist auch jung, trotzdem relativ erfahren – aber im Moment außer Form. Gegen Leverkusen noch bärenstark, wirkte der Deutsch-Türke zuletzt zweimal völlig neben der Spur. Er war in Hannover ebenso wie zu Hause gegen Wolfsburg maßgeblich an den entscheidenden Gegentoren beteiligt und wurde ausgewechselt. Nicht wenig spricht dafür, dass Slomka Arslan auch gegen Augsburg eine Pause gönnt. Wobei ich dabei bleibe, dass in Arslan trotz seines fehlenden Sprinttempos deutlich mehr Potenzial steckt, als ihm der Großteil der Blogger hier zuspricht. „Das ist ein richtig guter Fußballer“, hatte mich auch Thomas Strunz, den ich als absoluten Fachmann schätzen- und kennenlernen konnte, am Sonntag in meiner Meinung bestärkt. Ebenso wie in der Annahme, dass Arslan eben Badelj defensiv zu viel zulässt.

Sicher fehlen werden Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Pierre-Michel Lasogga (Muskelbündelriss). Wobei Letztgenannter am Donnerstag nach München fliegt, um sich dort erneut von Nationalmannschafts-Doc Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Anschließend soll entschieden werden, ob und wann der Angreifer endlich wieder ins Training einsteigen darf. Heute jedenfalls absolvierte Lasogga schon einen ersten, lockeren Lauf mit Rafael van der Vaart, der ebenfalls noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann und dessen Rückkehr somit für Sonntag nahezu ausgeschlossen ist.

Ergo: Demirbay als Newcomer und Marcell Jansen sowie Milan Badelj als Rückkehrer sollen der gegen Wolfsburg wie Hannover zuletzt leblos wirkenden Mannschaft neue Impulse verleihen. So, wie der schärfere Ton im Training von Mirko Slomka. Immer wieder ermahnte er seine Offensivleute, den Abschluss zu finden – eine der wahrscheinlich größten Schwächen im Moment. Es fehlen einfach eigene Tore.

Ohne Angreifer ist das kein Wunder – womit sich der Kreis zu Fink wieder schließt, der maßgeblich am Verleih von Rudnevs mitgewirkt hat, indem er Sportchef Oliver Kreuzer klarmachte, dass der gehaltstechnisch teure Lette bei ihm keinen Platz hätte. Dafür empfahl er dem HSV Jacques Zoua, der seine Tauglichkeit eher ausnahmsweise unter Beweis stellen konnte. Bleiben noch die Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und – wie vor Wolfsburg als kleiner Hoffnungsschimmer von mir geschrieben – Ivo Ilicevic. Und der Kroate, der trotz seiner häufigen Verletzungen weiterhin auf einen Platz im WM-Kader der Kroaten hoffen darf, war auch heute wieder derjenige, von dem mal etwas außergewöhnlich Gutes im Eins-gegen-Eins zu sehen war. Zudem sucht der dribbelstarke Kroate die Zweikämpfe und sorgt somit zumindest für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der HSV zu seinen zuletzt einzigen Torchancen kommt: zu Freistößen von Hakan Calhanoglu.

Und obwohl ich lange überlegt habe, lasse ich hier und heute Vereinspolitik komplett ruhen. Wir haben akutere Probleme und die Geschichte mit der Lizenz haben wir gestern ausreichend erläutern können. Geändert hat sich seitdem eh nichts. Die Frage, die sich alle stellen (Ist der HSV in Liga zwei überhaupt überlebensfähig?) beantwortete Klubboss Carl Jarchow eindeutig: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Zeit erfüllen.“ Hoffentlich.

Morgen geht es um zehn Uhr an der Imtech-Arena weiter. Dann sollen Marcell Jansen und Milan Badelj ihr Pensum nochmals steigern, damit sie am Freitag komplett mitmachen können.

Bis dahin,
Scholle

Es weihnachtet noch immer sehr

26. Dezember 2013

Es passt nicht ganz zum festlichen Anlass, denn es weihnachtet ja noch immer sehr – aber was Wahrheit ist, das soll auch Wahrheit bleiben.

„Das tut mir leid, die Fans zahlen für eine solche Scheiße auch noch Geld.“

Mit diesem Spruch hat es Rene Adler in die ZDF-Sprüche-Sammlung der Hinrunde geschafft. Der Nationalkeeper, der diesen Satz nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim gesagt hatte, ist damit der einzige Hamburger, der in diesem „erlauchten“ Kreis aufgenommen worden ist – auch eine Ehre. Anderweitig sind HSV-Profis oder die „Rothosen“ allgemein ja kaum einmal ganz vorne zu finden. Mal abgesehen davon, dass der HSV in der Statistik „Rückpässe“ bereits nach nur 17 Spielen die Deutsche Meisterschaft errungen hat – keine andere Mannschaft kann in diesem Punkt den Hamburgern das Wasser reichen. Oder den Titel abspenstig machen. Ja, von dieser Hinrunde bleiben einmal mehr viele, viele „großartige“ Eindrücke.

Kurz vor dem Heiligabend hatten wir, die Hamburger Medien-Vertreter, ja noch die Weihnachtsfeier mit dem HSV. Vorstand, Trainer-Team und die Presse-Abteilung waren anwesend, und was mir jetzt gerade einfällt, was ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber nun doch raus muss: Ich habe bei meiner Rede, die ich als Dienstältester halten durfte (oder musste), ganz vergessen, mich im Namen der Kollegen bei der Presse-Abteilung um Medien-Direktor Jörn Wolf herum für die Zusammenarbeit in diesem Jahr zu bedanken. Das hole ich hiermit nach. In der Hoffnung, dass mir ein solcher Fauxpas im nächsten Jahr, so ich dann noch immer Dienstältester sein sollte, nicht wieder passiert.

Was ich aber hauptsächlich von der Weihnachtsfeier schreiben wollte war dies: Irgendwann zu vorgerückter Stunde kamen wir auf Trainer zu sprechen. Trainer, die sich in Hamburg versucht haben. Davon gibt es ja enorm viele. Dass wir uns über diese Fußballlehrer unterhielten, lag vielleicht auch daran, dass Bert van Marwijk, der im Gegensatz zu seinem Kollegen und Landsmann Louis van Gaal kein „Feier-Biest“ sein soll, immer noch „da war“ – womit wir (fast) alle gar nicht gerechnet hatten. Der Niederländer hörte allerdings nicht zu, als wir an unserem Tisch (und auch am Nebentisch) über eine besondere Spezies von Menschen sprachen und diskutierten: „Wer war eigentlich der schlechteste HSV-Trainer in der Bundesliga-Geschichte?“

Nach einigen Minuten hatten wir „ihn“. Und es herrschte Einigkeit. Nachdem zuvor einige Namen „gehandelt“ wurden: Michael Oenning (3/11 – 9/11), Bruno Labbadia (7/09 – 4/10), Klaus Toppmöller (10/03 – 10/04), Kurt Jara (10/01 – 10/03), Egon Coordes (3/92 – 9/92) und Josip Skoblar (7/87 – 11/87), das waren die Kandidaten, aber „gekrönt“ wurde dann doch ein anderer: Rudi Gutendorf, vom 1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977 HSV-Trainer, weil Dr. Peter Krohn es so wollte. Nur einer von vielen, vielen Irrtümern. Mein persönlicher Tipp aber wäre Labbadia gewesen, das gebe ich zu. Jörn Wolf, den ich hiermit schon das zweite Mal erwähne (und er will es überhaupt nicht!), behauptet ja bis heute und bis übermorgen, dass ich deswegen auf Labbadia so schlecht zu sprechen bin, weil er mir seine Telefonnummer nicht gegeben hat – aber das ist Blödsinn. Labbadia war zwar der erste HSV-Coach seit Ernst Happel (von dem ich die Festnetz-Nummer aus seiner Wohnung im Lütjenmoor in Norderstedt hatte – er hatte sie mir gegeben), der mir die Handy-Nummer nicht gegeben hatte, aber das war mir wurscht, weil eine solche Aktion ganz einfach zu ihm passte.

Ich kam aus einem anderen, nein, zwei anderen Gründen nicht mit ihm klar. Erstens redete, redete, redete und redete er beim Training so viel, dass es denen drinnen und den draußen auf den Geist ging. Selbst bei minus sechs, sieben oder mehr Grad, es wurde geredet. Weil Labbadia alles ganz genau wusste – obwohl er Nationalspieler trainierte (Ze Roberto, Mladen Petric zum Beispiel), die wesentlich mehr erlebt hatten, als ihr Trainer. Es gab Spieler, die die Augen verdrehten – ob der Reden. Und die hinterher mit uns darüber sprachen (hinter der vorgehaltenen Hand), dass wir ja selbst sehen würden, was da läuft, was da nicht läuft, wie es eigentlich laufen müsste. Nein, die großen Reden des Bruno L. trieben mich an den Rand des Wahnsinns.

Und dann gab es da eine Geschichte, über die ich bisher geschwiegen habe – eine Art Nähkästchen. Viele von Euch werden sich an einen der wenigen großen Tage erinnern, die der HSV in den vergangenen Jahren doch hatte – tatsächlich. Das war am 23. August 2009, das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Es war der vierte Spieltag der Saison, der HSV war immer noch ungeschlagen – und führte in Wolfsburg nach sieben Minuten durch Tore von Paolo Guerrero und Eljero Elia 2:0. Als es in Halbzeit zwei plötzlich 2:2 hieß, legte der HSV wieder zu und gewann nach Treffern von Mladen Petric und Romeo Castelen 4:2. Ganz Hamburg lag sich in den Armen. Das war Fußball! Das war endlich einmal wieder ein Spiel, in dem Super-Fußball geboten worden ist, und zwar vom HSV. Das war ein Wahnsinns-Spiel, das war Spitzenklasse.

Wir warteten danach in Ruhe und Freude im Presseraum des VfL auf die Pressekonferenz. Wow, dieses Spiel – traumhaft! Plötzlich stand – oh, schon wieder – dann Jörn Wolf neben mir und sagte: „Kommst du mal bitte mit, Bruno möchte dich sprechen.“ Oha, das musste ja ganz etwas Besonderes gewesen sein, wenn mich der HSV-Trainer nach einem solchen Titan-Spiel sprechen will. Vorbei an allen Ordnern (an denen ich sonst natürlich nie vorbeigekommen wäre) nahm mich der HSV-Mediendirektor mit bis vor die HSV-Kabine: „Warte kurz hier.“ Natürlich. Drinnen hörte ich fröhliche und laute Stimmen, die Freude über den Sieg und dieses tolle Spiel war bis draußen zu vernehmen – und zu spüren. Und dann kam er, Bruno Labbadia.

Und es haute mich um, was er von mir wollte: „Dieter, du hast heute einen Artikel über mich im Abendblatt gehabt, in dem du mich mit Felix Magath vergleichst. Schreibe so etwas nie wieder. Weil das Mist ist. Ich möchte nie mit Felix Magath verglichen werden, weil ich ein ganz anderer Typ bin. Also, klar? Nie wieder mit Felix Magath vergleichen.“

Wie bitte?

Aber klar, natürlich klar.

Ich war fassungslos. Das blieb so auf der Rückfahrt, das blieb so in den nächsten Tagen – im Prinzip hält das bis heute an. Da hat ein Trainer ein solches Erfolgserlebnis, da spielt die Mannschaft eines Mannes so guten Fußball, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte – und dann hat dieser Trainer nur Minuten nach einem solchen Triumph nichts anderes zu tun, als zu sagen, dass er nie wieder mit Felix Magath verglichen werden wolle. Oha. Dieser Stachel muss wohl tief gesessen haben. Aber egal, ich kann so etwas bis heute nicht verstehen. Wenn Labbadia es mir in den folgenden Tagen gesagt hätte – alles okay, aber nur Minuten nach einem solchen Super-Auftritt, und selbst dann, wenn er nur jubelnde Spieler um sich herum hat . . . Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber so ist er.
Obwohl ich das Ganze nun auch nicht wieder so hochsterilisieren möchte . . .

Ganz anderes Thema. Lars hat ja schon aus der neuesten „supporter news“ zitiert, Ausgabe Dezember. Da geht es, wie zuletzt überwiegend, um die Strukturen des HSV. Diesen Pass möchte ich jetzt aber nicht aufnehmen, ich glaube ohnehin, dass wer jetzt nicht weiß, wie er sich am 19. Januar entscheiden muss, der wird es dann auch nicht wissen. Das wäre dann die Sache mit Hopfen und Malz . . . Nein, ich möchte mich mit zwei Artikeln von Ulie Liebnau auseinandersetzen. Beziehungsweise, ich möchte sie loben. Als ich das gelesen habe, dachte ich auf Anhieb: „Aber hallo, so etwas hast du ja in diesem Blatt noch nie gelesen.“ Das nie mag nicht stimmen, aber es kam auf jeden Fall sehr überraschend für mich. Und nochmals: Kompliment.

Auf Seite 51 geht es unter der Überschrift „Zurechtgerückt“ und „Scheinheilig. Die Dritte“ auch um die Strukturen, über die Ulie Liebnau in der sn-Ausgabe 74 geschrieben hatte: „Wir brauchen keine Strukturveränderungen und auch keine scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller!“ Das brachte, neben anderen, auch Jürgen Hunke auf den Plan, der darauf antwortete: „Wer mich richtig kennenlernt weiß, dass ich alles zum Wohle des Vereins mache.“

Daraufhin trafen sich Ulie Liebnau und Jürgen Hunke – und das Fazit nach diesem Treffen lautete (U. L.): „Ich habe Jürgen Hunke als Menschen kennengelernt, der sich in der Vergangenheit erfolgreich für den HSV eingesetzt hat und der sich auch heute noch hoch motiviert für das Wohl des Vereins engagiert. Dass seine dynamischen, wortreichen und immer auf Überzeugung ausgerichteten Auftritte auch Verwunderung, Widerstand und vielleicht auch Neid, erzeugen können, ist nachvollziehbar, ihn aber in die Gruppe der „scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller“ zu stecken, wird ihm nicht gerecht. Auf mich wirkte Jürgen Hunke authentisch.“

Das, lieber Ulie Liebnau, zeugt von menschlicher Klasse, das ist einfach nur gut. Trotz allem möchte ich mich noch einmal überrascht äußern, so etwas hätte ich in den „sn“ nicht erwartet. Ulie Liebnau schreibt dann noch weiter: (Nachtrag in Klammern: Mein Urteil über Jürgen Hunke habe ich revidiert. Offen bleibt für mich die Beurteilung derer, die sich zur Zeit um den HSV Sorgen machen und mit großem Einsatz öffentlich für eine radikale Struktur-Änderung einsetzen. Aber das ist ein anderes Thema.)

In der Tat.

Der Sinneswandel in Sachen Jürgen Hunke aber ist immer noch großartig. Hier wurde erst etwas in den Raum gestellt (vielleicht auch auf Jürgen Hunke bezogen, vielleicht), dann zog sich ein Mann (Jürgen Hunke) den Schuh an – und es wurde miteinander gesprochen. Ich wette, dass es den meisten Leuten, die teilweise so blindwütig auf Jürgen Hunke eindreschen und ihn ins Abseits stellen (teilweise sogar vernichten), nach einem persönlichen Gespräch (mit J. H.) ganz anders denken würden. So wie Ulie Liebnau jetzt. Dass Ulie Liebnau das so offen zugibt – hervorragend. Ganz, ganz stark. Ich jedenfalls, da bin ich auf der Linie von Liebnau, habe Jürgen Hunke schon vor Jahrzehnten so kennengelernt. Der Mann geht seinen Weg, der kennt mitunter auch nicht links und rechts – aber der HSV steht in seinem Fokus. Jürgen Hunke ist gewiss nicht einfach, aber er selbst hat es sich auch nie einfach gemacht. Er ging auch dann seinen Weg, wenn er genau wusste, dass es höchst unangenehm für ihn werden könnte. Das habe ich stets an ihm geschätzt – und werde es auch immer schätzen. Unabhängig einmal davon, ob er mit seinem Struktur-Veränderungs-Modell nun richtig liegt – oder nicht. Mir wäre in diesem Fall wohler, und mehr sage ich zu dieser Struktur-Vielfalt auch nicht, wenn sich HSVPlus und Hunke am Ende einigen und dann auch vereinigen könnten. Damit es nicht noch eine weitere Spaltung in und zu diesem Thema gibt, dann die könnte letztlich alles zunichte machen.

Und noch einmal Ulie Liebnau. Und auch dafür ein dickes Kompliment. Auf Seite 66 der „sn“-Dezember-Ausgabe schreibt er unter der Überschrift: „Scheiß Sankt Pauli?“, dass beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft und den Fans der Nordtribüne (nach dem 3:1-Sieg über Hannover 96) auch jemand etwas nicht so sehr Freundliches gerufen hätte. Nämlich „Scheiß Sankt Pauli!“ Und dass die Nordtribüne zurückgebrüllt hätte: „Scheiß Sankt Pauli!“

Liebnau schließt seinen Kommentar wie folgt ab: „Nun gut, ich bin schon etwas älter als der Durchschnitt der Brüller und hab’ mal gelernt, dass bei Hunden der Kleinere den Großen ankläfft, nicht umgekehrt. Und darum frag ich euch HSV-Begeisterte: Habt ihr das nötig, den kleineren Hamburger Verein zu beleidigen?“

Wenn das keine Realsatire ist, und davon gehe ich in diesem Moment einmal aus, dann ist auch das klasse. Weil ein solcher (kleiner) Beitrag auch zum Nachdenken anregt. Was hat, das habe ich mich schon immer gefragt, Sankt Pauli bei einem HSV-Spiel zu suchen, wenn Sankt Pauli gar nicht beteiligt ist?

Dass Ulie Liebnau dazu anregt, sich einmal zu hinterfragen, passt bestens in diese Tage – vor dem 19. Januar. Wir alle sollten uns einmal hinterfragen, ob dieses oder jenes (im Streit der Strukturen) nötig ist, nötig wird? Letztlich muss der Verein, unser HSV, eine demokratische Wahl (und nicht nur die eine, hoffentlich) überstehen, ohne Schaden zu nehmen, ohne auseinander zu brechen. Darüber sollten sich spätestens jetzt einmal alle Gedanken machen, die bislang ganz scharfe Geschütze aufgefahren haben.

Ich frage jeden, der in diese Richtung tendiert:

Habt Ihr das nötig?

So, nun werde ich mir in Ruhe den englischen Fußball ansehen, West Ham United (ohne Guy Demel) gegen Arsenal (mit Mertesacker und Özil) – ganz ohne Fußball geht es ja nicht . . .
Lasst das Weihnachtsfest schön, ruhig und stressfrei ausklingen, dann haben diese Tage ihren Sinn erfüllt.

16.15 Uhr

Uli Stein: “Es gibt kein Aufbäumen . . .”

10. Dezember 2013

Es gibt heute zwei Nachrichten vom HSV, eine gute, eine schlechte. Zuerst die gute: Rafael van der Vaart hat heute mit der Mannschaft trainiert, und das sah richtig gut aus – alles scheint gut zu werden. Und nun die schlechte: Ivo Ilicevic fehlte heute beim Training aus „familiären Gründen“, er soll allerdings morgen (Mittwoch) wieder dabei sein. Wenn nicht, dann könnte es eng werden mit einem Einsatz am Sonnabend bei und gegen die Bayern, und das wäre nicht so gut, denn weil Maximilian Beister wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, müsste Ilicevic eigentlich von Beginn an ran. Kurz zurück zu van der Vaart. Der sagte nach der Einheit am späten Nachmittag: „Ich bin froh, wieder auf dem Platz zu stehen, Fußball ist für mich jetzt die beste Ablenkung.“ Wenn ich an den „kleinen Engel“ und den FC Bayern denke, gegen den es am Sonnabend geht, dann fällt mir der 28. April 2007 ein. In München gewann der HSV nicht nur 2:1, sondern machte damit auch endgültig den Klassenerhalt sicher. Und neben Paolo Guerrero schoss Rafael van der Vaart ein Tor, als er nach Pizarros 1:0 ausglich. An einen solchen Spielausgang mag ich, das gebe ich ehrlich zu, aber in diesen Tagen nun wirklich nicht denken – ich halte ihn für schlicht unmöglich.


Damals spielte der HSV (unter der Regie von Huub Stevens) mit Rost, Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba; Demel (56. Mahdavikia), Jarolim, de Jong (68. Guerrero), Sorin van der Vaart (82. Laas); Olic. Quervergleiche hinken ja, aber diese Mannschaft vom April 2007 glänzte ja auch nicht gerade mit den ganz großen Stars – oder? Und trotz allem gewann der HSV in München. Weil der FC Bayern damals schwächer war als heute? Sicher auch das. Aber sicherlich war die damalige Mannschaft auch (etwas mehr) als Einheit zu bezeichnen.

Aber gut, ich schrieb es bereits, Quervergleiche hinken. Mit Tomas Rincon sprachen wir heute, wie der HSV die Aufgabe am Sonnabend angehen sollte. „Wir wissen alle, was Bayern München für eine Mannschaft ist, vielleicht die beste der Welt. Aber wir müssen dort hinfahren und uns dort nicht verstecken, weil wer nicht daran glaubt, dass er eine Chance hat, der sollte besser gleich zu Hause bleiben. Wir müssen uns gut vorbereiten, und dann müssen wir auch unser bestes Spiel abliefern. Nur wenn wir unser bestes Spiel machen, kann man dort auch gewinnen“, sagt Rincon kämpferisch. Er gibt auf jeden Fall noch nichts von vornherein verloren und sagt weiter: „Ich habe gelernt, dass man auch gegen Argentinien und Brasilien gewinnen kann, man muss gut arbeiten und richtig gut Gas geben. In München muss es uns gelingen, auch mit zwei Mann gegen einen Bayern zu spielen, wir müssen Überzahl schaffen. Und wir dürfen und sollten uns dort nicht verstecken.“ Dann ergänzt „Popeye“ noch: „Wir respektieren die Bayern, wir gratulieren den Bayern auch dazu, was sie jede Woche machen, aber treten in München an, um drei Punkte zu holen.“

Mutig, mutig, der Tomas Rincon. Er hat ganz offenbar die letzten HSV-Klatschen in München total verdrängt, und er hat auch die Augsburg-Pleite schon restlos abgehakt. Fast jedenfalls. Denn er sagt: „So ein Spiel wie gegen Augsburg darf nie wieder passieren, das ist klar, jedes Spiel ist aber anders – und vielleicht machen wir dann doch tatsächlich in München unser bestes Spiel und gewinnen dort. Wer weiß? Natürlich ist es bitter, so wie gegen Augsburg zu verlieren, aber jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren.“ Tomas Rincon gibt zu: „Wir waren nach dem Augsburg-Spiel alle sehr enttäuscht, weil wir unglaublich schlecht gespielt haben – ich selber auch. Ich habe mir über mein Spiel selbst viele Gedanken gemacht, das, was ich gespielt habe, das war ich nicht. Jetzt versuche ich, wieder meine Leistung zu bringen, ich bin mir hundertprozentig sicher, dass ich besser spielen kann, als ich gespielt habe – und meine Kollegen auch. Das war ganz bitter, das tat mir auch für die Fans leid . . .“

Die taten sich selbst ja auch sehr, sehr leid. Ich habe am vergangenen Sonnabend niemanden getroffen, der zufrieden nach Hause gegangen ist. Und ich sprach mit dem HSV-Helden von einst, Torwart-Legende Uli Stein, der zuletzt gegen Köln und gegen Augsburg im Stadion war (Sky-Experte). Ich habe ihn gefragt, ob er entsetzt von „seinem“ HSV war, aber Uli Stein ist offenbar Kummer gewohnt: „Entsetzt war ich eigentlich nicht, aber ich hatte einen solchen Rückfall in alte Zeiten auch nicht gerade erwartet. Der HSV schien mir unter Bert van Marwijk wieder auf einem guten Weg, in Wolfsburg wurde sehr gut gespielt, gegen Köln im Pokal gewonnen – das hätte für Selbstvertrauen sorgen sollen, aber nichts da. Dass es aber so schwach werden würde, das hatte ich in der Tat nicht erwartet. Und die Art und Weise, wie der HSV zu Werke ging, die war schon erschreckend.“

Dann blickte Uli Stein noch ein Spiel zurück: „Schon gegen Köln war der HSV nicht gut, da hat er schon recht glücklich gewonnen, denn taktisch und spielerisch war der Zweitliga-Club besser.“ Das deckte sich mit meinen Beobachtungen, auch wenn die nicht jeder Hamburger als richtig empfand. Nun gut, Augsburg hat „gewisse“ Schwächen durchaus schonungslos offenbart. Uli Stein: „Gegen die Augsburger ist es natürlich auch sehr schwer, das muss man schon sagen, der FCA hat schon vielen Gegnern das Leben unglaublich erschwert, die Augsburger sind unbequem und nicht leicht zu spielen. Schon gar nicht für den HSV, der dann in Schwierigkeiten kommt, wenn er das Spiel machen muss. Das kann er nicht, dazu ist die Mannschaft spielerisch nicht in der Lage, die klasse hat dieses HSV-Team ganz einfach nicht, das muss man so deutlich sagen.“

Wobei Uli Stein erkannt hat: „Es stimmt vorne und hinten nicht. Die Abwehr ist desolat, im Mittelfeld ist der HSV nicht gut aufgestellt, und nach vorne kommt einfach zu wenig. Was mich besonders stört ist die Tatsache, dass es in dieser Truppe kein Aufbäumen gibt. Es gibt nicht einen, der dann die Ärmel aufkrempelt, wenn es bergab geht. Keiner sagt etwas, keiner tut so richtig was – obwohl dieser HSV ja auch durchaus einige hochbegabte Talente in seinen Reihen hat.“ Stein weiter: „Der HSV muss jetzt sehen, dieses Jahr einigermaßen abzuschließen, dann gut über die Rückrunde zu kommen – aber die Verantwortlichen sollten jetzt schon bemüht sein, nach Verstärkungen, nach neuen Leute Ausschau zu halten – mit dieser Mannschaft wird das nichts.“


Das klingt irgendwie auch nach ein wenig Abstiegsgefahr, oder? Uli Stein sagt aber: „Der HSV hat auch diesmal das Glück, dass es noch schwächere Mannschaften gibt, so wie Eintracht Braunschweig und den 1. FC Nürnberg. Diese beiden Clubs werden die größten Probleme bekommen, und dazu kommen dann noch Freiburg und Frankfurt. Nein, der HSV hat das Glück, dass es wieder drei schlechtere Mannschaften gibt.“

Und dann noch ein Wort von Torwart zu Torwart. Rene Adler ist in den vergangenen Wochen nicht nur gelobt, sondern auch einige Male recht deftig kritisiert worden. Wie sieht Uli Stein den HSV-Keeper derzeit? Der Europapokal-Held von 1983 sagt: „Klar ersichtlich ist, dass Rene Adler im Moment nicht in der Form ist, die er noch vor einem Jahr hatte. Ich vermute, dass er unter dem Gesamtzustand der Mannschaft leidet, dass er sich von den Schwächen seiner Vorderlaute hat anstecken lassen. Kein Wunder, wenn man so oft die Bude voll bekommt, dann wird man schnell mal davon angesteckt.“ Uli Stein sagt aber auch: „Ich bin total davon überzeugt, dass Rene Adler aus diesem Tief auch wieder herauskommen wird, ganz klar. Er hat im Moment nicht die Form, aber er ist immer noch einer der besten deutschen Torhüter, und ich bin davon überzeugt, dass er im Sommer 2014 mit zur WM fahren wird. Ich drücke ihm die Daumen, ich hoffe diese WM-Teilnahme für ihn.“

Ja, WM ist die eine Sache, Bundesliga die andere. Und die steht am Sonnabend noch auf dem Programm. Die Bayern, so denke ich, werden sich von ihrem Publikum mit einer (hoch) anständigen Leistung in die Winterpause verabschieden wollen, und genau das wird die Aufgabe für den HSV nicht einfacher machen. Mal sehen, was passieren wird – ich bin schon jetzt gespannt wie ein Flitzbogen.

So, Themenwechsel: Wenn nicht alles täuscht, dann hat ein früherer HSV-Trainer bald wieder Arbeit: Thomas Doll. Der (frühere) HSV-Publikumsliebling steht mit dem ungarischen Erstliga-Verein Ferencvaros Budapest in Verbindung und könnte Nachfolger des ehemaligen HSV-Trainers Ricardo Moniz werden, der kürzlich in Budapest entlassen worden ist. Thomas Doll war bereits in Ungarn, hat sich über den Club schlau gemacht, hat mit den Verantwortlichen gesprochen – und weiß, dass er einer von vier Kandidaten (einer könnte Lothar Matthäus sein) ist. Die Entscheidung soll in den nächsten zwei, drei Tagen fallen. Thomas Doll sagte mir: “Ferencvaros will wieder ganz nach oben, da bewegt sich einiges, im nächsten Frühjahr bekommt der Club ein neues Stadion, das nach dem Vorbild von Hoffenheim und Sinsheim gebaut worden ist. Im Moment kämpft Ferencvaros noch darum, mindestens Platz drei zu erreichen, um in die Europa League zu kommen.”

Ich drücke Dir, lieber Thomas Doll, die Daumen, dass es mit diesem Engagement klappt – Du hast es verdient, denn Du warst in meinen Augen ein sehr guter HSV-Trainer, der letztlich gescheitert ist, weil es zu viele schwere Verletzungen bei seinen Spielern gab. Ich drücke ganz fest die Daumen, Ferencvaros Budapest klingt gut und wäre eine prima Aufgabe.


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Zu einem ganz, ganz anderes Thema. Heute beim Training bin ich darauf angesprochen worden, dass es beim Augsburg-Spiel schon zu – sagen wir mal – Tumulten unter HSV-Fans gekommen ist. „HSVPlus“-Anhänger gegen „andere“. Wobei die HSVPlus-Anhänger dabei attackiert wurden. Ihnen sollen Schals (oder nur einer?) entwendet worden sein, und die Schals (der Schal) landeten dann in der Toilette, in der dann einige „Jungs“ auf den Schal urinierten.

Unfassbar. Aber genau das haben einige HSV-Mitglieder schon vor Wochen und seit Wochen vorausgeahnt und gesagt. Bitter, bitter. Ich glaube ja auch, dass das nicht der einzige Vorfall dieser Art bleiben wird. Wenn einigen „Jungs“ die Argumente ausgehen, dann gibt es eben auf die etwas andere Art und Weise zurück. Unserem „Matz-abber“ „JU“, wollten, so wurde mir mitgeteilt, einige Jungs aus 22c sogar an die Wäsche, weil er in 22b ebenfalls mit dem „HSVPlus“-Schal herumlief und herumstand. Dazu bekam ich auch noch einen Leserbrief, den ich hier schnell veröffentlichen möchte:

„Ich finde das Matz-ab Team könnte mal eine richtig große Geschichte um den jüngsten Skandal machen.
Dort wurden Menschen (auch Kindern) gewaltsam HSVPLus Schals abgenommen. Die Krönung ist aber, dass man Schals ins Urinal packt und draufpinkelt hat. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Netter Typ mit Not-for-sale-Schal. HSV+ hin oder her, aber auf einen eigenen Vereinsschal urinieren? Auf die Vereinsfarben? Und sich dann als Supporter des HSV hinstellen?“

Das geht ja gar nicht. Aber man kann nur hoffen, dass das nicht noch schlimmer wird. Dann, ja dann hätten die HSVer wohl die richtige Ahnung gehabt, die schon seit Wochen und Monaten davon sprechen, dass der Verein durch die Strukturen-Debatte die Teilung in zwei Teile erleben wird. Noch wäre das zu verhindern, wenn statt solcher Taten mehr mit dem Hirn gearbeitet werden würde. Und zwar nur zum Wohle des HSV. Mit Hirn und mit einer demokratischen Einstellung.

Dann noch schnell, die Zeit läuft einem ja bei diesem späten Nachmittags-Training total weg, zu einem Kommentar bei Matz ab, und zwar den von User „Waltero“. Der schrieb nämlich einen sehr beachtenswerten Artikel, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. „Waltero“ schrieb:

Moin, ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf meinen Kommentar von gestern um 18.32 Uhr verweisen. Mein Kommentar ist zwar sehr statistisch und ausführlich, wirft aber sicherlich einige Fragen auf. Es wäre schön, wenn die Blogbetreiber diese Fragen auch einmal in die Richtung der Offiziellen des HSV richten könnten (die Zahlen lassen sich auf Bundesliga.de nachlesen).
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Ich fasse mal kurz die Ergebnisse meiner Beobachtungen kurz zusammen:
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– Nur zwei Mannschaften liefen an diesem Spieltag weniger als der HSV (Gesamtdistanz). Zudem lief keine andere Bundesligamannschaft an diesem Spieltag durchschnittlich langsamer als der HSV.
– Hinsichtlich schneller Läufe sind wir an diesem Spieltag in etwa Bundesligadurchschnitt gewesen, waren Augsburg läuferisch trotzdem hoffnungslos unterlegen.
– Der HSV sprintete zwar überdurchschnittlich häufig gegen Augsburg, wies aber im Bundesligavergleich die zweitkürzeste durchschnittliche Sprintdistanz auf. Anders ausgedrückt: Die Spieler des HSV brachen die Sprints deutlich früher ab als die Konkurrenz (fehlen da die Körner?).
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Um diese Beobachtungen in Relation zu setzen, haben ich mir auch die Tracking-Werte
der anderen Partien des HSV in dieser Saison angesehen. In den Werten ist z. B. deutlich der Trainer-Effekt zu sehen: Ab dem 7. Spieltag steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit der Mannschaft sprunghaft an. Bewegt sich die Mannschaft unter Fink in einer Geschwindigkeit zwischen 6,5 und 7 km/h über den Platz, schwankte die die Geschwindigkeit in den ersten fünf Spielen unter BvM zwischen 6,9 und 7,5 km/h. Seitdem ist die Durchschnittsgeschwindigkeit aber wieder rückläufig (Trainer-Effekt schon verpufft?).
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Das Spiel gegen Augsburg zwar von der Gesamtschwindigkeit gesehen eher schlecht (aber nicht die langsamste Saisonleistung…), von der Anzahl der intensiven Läufe und Sprints war es dagegen unsere beste (!) Saisonleistung. Von der zurückgelegten Distanz intensiver Läufe war es die drittbeste Leistung (nur gegen Leverkusen und Gladbach wurde etwas mehr schnell gelaufen).
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Vergleicht man die Tracking-Daten der HSV-Spieler mit denen der Gegner, so wird deutlich, dass unsere Jungs in den meisten Spielen läuferisch unterlegen waren: in lediglich drei Spielen war man besser (Braunschweig, Leverkusen Gladbach – wobei Braunschweig läuferisch in der Bundesliga schon außer Konkurrenz schlecht ist), in zwei weiteren in etwa gleichwertig (Hertha und Nürnberg) und in den restlichen zehn Spielen (!) bei Gesamtbetrachtung der Werte unterlegen. Die drei Spiele mit besseren Tracking-Daten sind auch zu relativieren, da Gladbach und Leverkusen aufgrund ihrer spielerischen Überlegenheit weniger laufen müssen (beide Spiele wurden ja auch verloren). Das wird gegen Bayern nicht anders sein.
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Wenn man sich diese Zahlen anschaut, muss man sich übrigens auch nicht wundern, dass der HSV regelmäßig die erste Halbzeit verschläft. Da man läuferisch offensichtlich nicht konkurrenzfähig ist, muss man sich seine Kräfte natürlich gut einteilen. Gut zu sehen gegen Wolfsburg, die letztendlich zwar eingebrochen sind, aber über das gesamte Spiel hinweg mehr und schneller als der HSV gelaufen sind. Gegen eine läuferische Top-Mannschaft, wie den FC Augsburg, geht das natürlich schief – da kommt dann ein Spiel wie letzten Samstag heraus.
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Wieso laufen die Profis gerade einmal fünf Spiele schneller unter dem neuen Trainer uns verfallen dann wieder in den alten Trott? Warum ruft die Mannschaft ihr läuferisches Potenzial nicht mehr ab – hat es mentale Gründe oder fehlen einfach die Körner? Oder bringen die Spieler die Voraussetzungen nicht mit, sind also eher laufschwach?
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Für die weitere Saison macht das alles nicht viel Hoffnung…

Das war der (zweite) Beitrag von „Waltero“. Interessant, wirklich interessant. Es ist allerdings schwierig, daraus die richtigen (und wahren?) Lehren zu ziehen, denn das Thema „Laufen“ ist nur auf dem ersten Blick leicht zu beurteilen. Laufen, Kondition und Kondition zu trainieren. Zuletzt in Wolfsburg hat der HSV den VfL in den letzten 20 Minuten „an die Wand gelaufen“. Und eine Woche, oder zwei Wochen später ist davon nichts mehr zu sehen oder zu merken? So oft wurde schon versucht (auch von uns Journalisten), den HSV als laufschwach und lauffaul zu bezeichnen, und wenn es tatsächlich doch mal geschah, dann kam der jeweilige HSV-Trainer immer mit dem Argument: „Vor einer Woche haben wir beim 1:1 in XY bis zur 90. Minuten gekämpft, sind gerannt, gelaufen – viel mehr als der Gegner . . .“ Ja, und dann waren alle anderen Argumente mit einem Schlag vom Tisch.
Ich gebe zu, dass ich eher bei „Waltero“ bin, aber ich habe es mir abgewöhnt, einen schwachen HSV nur mit dem wenigen Laufvermögen zu verbinden. Ich glaube, dass man das nicht schaffen wird, weil es immer auch andere Dinge gibt, die da mit hineinspielen.
Wobei ich mich immer an meine eine ganz, ganz kleine Fußballgeschichte erinnere. Wir hatten beim WFC (als wir von der Bezirksliga bis in die Verbandsliga – heute Oberliga – aufstiegen) mit Wolfgang „Jule“ Rauert (er lebt leider nicht mehr) einen Trainer, der uns laufen, laufen, laufen ließ. Manche hatten sehr, sehr oft die Nase davon voll. Sonntags aber liefen wir alle Gegner, jeden Gegner, an die Wand. Mühelos. Es fiel niemandem schwer.
Daraus darf dann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Besonders diejenigen, die seit Jahren beim HSV-Training anwesend sind. Wobei ich ganz klar sagen muss: Da waren sich in der Vergangenheit alle, wirklich alle HSV-Trainer gleich. Die einzige Ausnahme war und ist tatsächlich Felix Magath . . .

PS: Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

19.06 Uhr

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