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Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

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