Archiv für das Tag 'Gravgaard'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
Den ganzen Beitrag lesen »

“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Kommt doch kein neuer Innenverteidiger?

29. Dezember 2010

20 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Eine große Zahl. Eine größere als in den letzten Jahren, denn da hatte der Klub im Gegensatz zu den kommenden zwei Jahren jeweils noch offene Raten zu erwarten. Und diese Zahl gibt Anlass zur Sorge. Nicht allen. Muss sie auch nicht. Aber eben doch einigen. Auch mir sowie einigen von Euch. Die Zahl bereitet sogar so honorigen intimen Vereinskennern wie Uwe Seeler, Dr. Peter Krohn und Dr. Wolfgang Klein Sorgen. Und ich weiß, auch das muss noch nicht bedeuten, dass die geäußerten Befürchtungen der Weisheit letzter Schluss sind. Aber es verdeutlicht doch, dass sich viele Menschen, die seit Jahrzehnten um das Wohl dieses Vereins bemüht sind, derzeit Sorgen machen. Zudem, und das nur, um hier mal den Vorwurf des Politisierens gegegn Vorstandsboss Bernd Hoffmann etwas zu entkräften, Dr. Klein ist übrigens einer der engeren Vertrauten Bernd Hoffmanns. Ihm ist es genauso fremd wie mir, den Vorstandsboss zu diskreditieren. Ihm geht es absolut nicht um Politik. Ihm geht es um die Sache – genau wie mir.

Dass ich dabei auch mal falsch liegen kann, wusste ich. Das hat mir nicht zuletzt auch das Beispiel Armin Veh bewiesen. Da hatte ich mich festgelegt, dass der Trainer noch bis Ende dieser Woche hinschmeißt – und jetzt bleibt er Trainer. Ihr könnt Euch aber sicher sein, dass ich hier nichts einfach mal hineinschreibe, ohne einen glaubhaften, klaren Ansatz dafür zu haben. Ich verwette keinen Table-Dance, wenn ich nicht sicher bin, die Wette zu gewinnen. Und trotzdem kommt es manchmal anders. Das ist wie mit den Pferden vor der Apotheke…

In diesem Fall gestehe ich gern ein, dass meine Vermutung, die ich wie immer auf mir gegenüber getätigte Äußerungen der direkt beteiligten Entscheidungsträger begründet hatte, falsch war. Sie wird nicht eintreffen. Veh wird Trainer bleiben und ich mich letztlich geirrt haben. Allerdings ist das alles kein Grund, sich zu entschuldigen. Wofür auch? Das würde ich machen, wenn ich Euch bewusst oder zumindest fahrlässig getäuscht hätte. Dem war nicht so. Es ist lediglich so, dass ich mich geirrt habe und Veh doch Trainer bleibt. Und damit kann ich gut leben. Mit beidem.

Ich würde auch gut damit leben können, wenn meine Vermutung falsch wäre, dass der HSV in diesem Winter nichts mehr macht. Personell wohlgemerkt. Das habe ich so gehört. Das soll der Status Quo sein. Es gilt demnach aktuell als ausgeschlossen, dass Elia verkauft wird. Es gilt aber mangels Angebot auch als mehr als wahrscheinlich, dass sich der HSV auf das vorhandene Spielermaterial verlässt, trotz anderslautender Ankündigungen im Winter keinen Nezuzgang mehr präsentiert. Der sportliche und finanzielle Aspekt seien nicht vereinbar. Zumal die Wunschspieler allesamt bei ihren Vereinen unter Vertrag stehen und nicht frei zu bekommen sind.

Allerdings ist klar, dass sich alles ganz schnell ganz anders darstellen könnte, wenn beispielsweise der VfL Wolfsburg seinen Top-Angreifer Edin Dzeko für die kolportierte Ablösesumme von 35 Millionen Euro (oder sogar noch mehr?) zu Manchester City ziehen ließe. Dann wären die weiterhin (und nie angezweifelt) an Elia interessierten VW-Städter sicher bereit, ihre bisher locker angedeutete Ablösesumme für den Linksaußen aufzustocken. Plötzlich könnten sie sie der vom HSV nahe der 20 Millionen Euro angesiedelten Schmerzgrenze gefährlich nahekommen.

Allerdings, und da vertraue ich meinen Informationen, ist der HSV derzeit nicht gewillt, seinen Kader in irgendeiner Weise auszudünnen. Und die Verantwortlichen haben sich mit der medizinischen Abteilung besprochen und anschließend etwas Fahrt aus der als so dringend notwendig eingestuften Suche nach einem weiteren Innenverteidiger genommen, nachdem klar wurde, dass Joris Mathijsen nach seinem doppelten Bänderriss nun doch schon zu Rückrundenbeginn fit sein könnte.

Zudem, und das ist für mich ein absolut nachvollziehbarer Gedanke, haben sich die HSV-verantwortlichen ob der finanziellen Situation gegen eine überhastete Entscheidung ausgesprochen. Schon die interne Diskussion, ob es nun eher ein perspektivischer Transfer eines jungen Spielers oder die Verpflichtung (je nach Preis als Kauf- oder Leihgeschäft) eines eher gestandenen, erfahrenen Mannes werden solle. In beiden Kategorien ist der HSV gerade mal zweieinhalb Wochen vor Rückrundenbeginn noch nicht fündig geworden.

Dabei hatte Veh nicht nur den Wunsch geäußert, einen neuen Verteidiger zu holen sondern diesen auch schon mit ins Trainingslager am 2. Januar nach Dubai nehmen zu können. Er wollte damit, das hatte er betont, nicht den Druck auf handelnde Personen erhöhen, sondern alte Fehler vermeiden. Denn wie es laufen kann, wenn ein Spieler erst spät verpflichtet und sofort ins kalte Wasser geworfen wird, das hat schon Nigel de Jong im Januar 2006 bewiesen, als er in Nürnberg nach nur einer Einheit mit der Mannschaft in der Startelf auftauchte und der HSV nach schwachem Spiel verlor.

Ich teile grundsätzlich Vehs Einschätzung, dass für die Innenverteidigung noch Handlungsbedarf besteht. Heiko Westermann hat langsam ins Team gefunden, wirkt inzwischen sicherer. Daneben stehen Muhamed Besic und Guy Demel als Alternativen bereit. Allerdings kann und darf man Besic aus Altersgründen noch nicht als Ultimo einplanen. Gleiches gilt für Demel – bei dem Ivorer allerdings aus der Erfahrung seiner zuletzt gezeigten, viel zu schwankenden Leistungen. Der HSV braucht unabhängig von etwaigen Verletzungen noch mindestens einen echten Innenverteidiger. Allerdings, und da stimme ich dem Vorstand zu, darf dies kein Einkauf der Marke Gravgaard sein. Der Däne war ein netter Kerl, passte menschlich in die Mannschaft und hatte sich trotz einer sehr kurzen Eingewöhnungszeit im Winter schnell einspielen können. Allerdings konnte der Däne nicht die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen. Und mit derart Spielern blockiert der HSV lediglich immer seltener werdende finanzielle Mittel.

Die größte Hoffnung heißt demnach Mathijsen. Besser gesagt, es ist die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr von Joris Mathijsen. Auch daran glaube ich, darauf setze ich sogar. Aber was, wenn Mathijsen einen Rückschlag erleidet, das sehr ehrgeizig früh gesetzte Comeback platzt? Dafür bräuchte der HSV meines Erachtens nach eine Soforthilfe, denn wir alle wissen, dass der Start in die Rückrunde am 15. Januar ausschlaggebend sein kann. Denn sollte der HSV bei den wieder erstarkten Schalkern gewinnen, könnte – zusammen mit dem Erfolgserlebnis aus dem letzten Hinrundenspiel in Mönchengladbach – ein kleiner, allerdings auch dringend notwendiger Positivlauf entstehen.
Dass dieser noch immer eine mögliche Wende herbeiführen kann, ist unumstritten. Und so wenig Anlass uns die Hinrunde geben kann, daran zu glauben, so sehr hoffen wir darauf. Auch ich. Allerdings, und darin habe ich immer meine Priorität erachtet, ich werde weiterhin nur das schreiben, was ich sehe, was ich höre, und was ich glaube. Ich werde dabei keine Rücksicht auf Berufsoptimisten nehmen, weil ich weiß, dass der Großteil von uns mit der Realität konfrontiert werden möchte, um möglichst realitätsnah zu diskutieren und zu posten. Ich werde weiter den Finger in die Wunden legen, um Missstände anzuprangern. Ich werde weiter alles loben, was gut läuft. Kurzum: ich werde mich immer nach bestem Wissen und Gewissen an der Wahrheit orientieren. Auch wenn sie mal unangenehm ist. Wie gestern.

Euch und uns allen einen schönen Abend. Auch wenn der Artikel heute mal nicht so viel Anlass für hitzige Diskussionen bietet. Bis morgen.

17 Uhr