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Zinnbauer sorgt für frischen Wind beim HSV

17. September 2014

„Er ist für mich ein super Trainer, und ich hoffe, dass er die ersten Punkte für den HSV holt.“ Das sagte der ehemalige HSV-Profi Hakan Calhanoglu nach dem Champions-League-Spiel von Bayer Leverkusen beim AS Monaco über die Berufung von Josef Zinnbauer zum Hamburger Cheftrainer.

Etwa zur gleichen Zeit saß Jürgen „Kloppo“ Klopp am Dienstag in Dortmund nach dem 2:0-Sieg über Arsenal London bei der Pressekonferenz und sagte und fragte in die Runde: „Ich freue mich sehr für Joe Zinnbauer, dass er Trainer des HSV geworden ist – hat jemand von Euch mal die Handy-Nummer, damit ich ihn anrufen kann, um zu gratulieren?“

 


 

Ja, so geht es dann doch auch. Man muss nicht alles nur schlecht machen oder schlecht reden, man könnte auch ein wenig Hoffnung aus dem Trainerwechsel beim HSV schöpfen. Hoffnung und Zuversicht. Den ersten Tag hat Zinnbauer nun hinter sich, und er hat ihn mit Bravour gemeistert. Er kam zwar exakt 30 Minuten zu spät auf den Trainingsrasen am Volkspark, aber nur deshalb, weil seine „Neu-Jahrs-Ansprache“ wohl einen Tick länger gedauert hatte. Zinnbauer kam mit Co-Trainer Patrick Rahmen und Torwarttrainer Stefan Wächter die „Show-Treppe“ im Süden des Stadions herunter, und unten durchschritten die drei Musketiere dann ein Spalier aus Fans und Medien-Vertretern. Die HSV-Anhänger applaudierten – es muss dem neuen Chef-Trainer heruntergegangen sein wie Öl. Genau fünf Minuten später erschien die Mannschaft. Sie ging auch durch das Spalier, aber ohne Beifall. Der muss sich erst wieder erarbeitet werden.
Übrigens: Zu spät wird Joe Zinnbauer wohl nie, denn er ist nicht nur fünf Minuten vor der Zeit da, sondern fast fünf Stunden . . . Heute fuhr er bereits um 7 Uhr vor den Eingang des Stadions, was noch verschlossen war – aber „Joe hat ja Schlüssel“. Und gestern, als er noch bei der U23 im Amt war, betrat er um 14 Minuten vor Zwölf das Stadion – das Training war für 15.30 Uhr terminiert. So ist der neue Mann des HSV.

 

Wer mehr über Joe Zinnbauer wissen will, oder fast alles, der sollte sich das hier eingebaute Video von seiner Vorstellung heute zur Mittagszeit ansehen (bitte die Play-Liste darunter beachten!). Und wer das wagt, der wird feststellen, dass an diesem Mann nichts Künstliches dran ist, sondern nur Normalität. Dieser Trainer ist authentisch, frisch, fromm, frei und von der Leber weg. Einfach erfrischend, dieser Typ. Und wenn er damit auch bei seiner Mannschaft „landen“ kann, wenn er seine etwas trockenen Profis, von denen viele, viel zu viele schon mit lethargischen Zügen über den Rasen traben, sich von dieser emotionalen Art auch nur etwas mitreißen oder anstecken lassen, dann wird dieser HSV auch wieder auf die Beine kommen. Habt Vertrauen.

 

Wie die beiden großen Agenturen den ersten Tag von Joe Zinnbauer erlebt haben, möchte ich Euch auch noch zukommen lassen, damit das Bild dann noch ein wenig runder wird. Zuerst der Beitrag der Deutschen Presse-Agentur:

HSV-Coach Zinnbauer: „Ich will die Zügel in der Hand haben“

Aufgezeichnet von Christopher Weckwerth

Der neue HSV-Trainer Josef Zinnbauer steht vor seinem Debüt in der Bundesliga: Nach fast 20 Jahren in Amateurligen wittert der 44-Jährige seine Chance, sich im Profibereich zu etablieren.

Josef Zinnbauer ist der neue Trainer beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV. Gleich im ersten Training mit der Profimannschaft am Mittwochvormittag gab der bisherige U23-CoachdesHSV lautstark den Ton vor:„Ich will die Zügel in der Hand haben“, erklärte der 44-Jährige anschließend auf einer Pressekonferenz in der Arena. Frage: Was für ein Trainertyp sind Sie? Antwort: Ich bin sehr leidenschaftlich und akribisch. Disziplin ist mir wichtig, ich will schon die Zügel in der Hand haben. Wenn man in Hamburg Trainer ist, sollte man alles ins Zeug legen – ich denke, das habe ich mit der U23 gemacht.
Frage: Haben Sie Respekt vor dem Sprung aus der vierten in die erste Liga? Antwort: Ich bin kein Neuling als Trainer. Ich bin im 26. Lebensjahr in das Geschäft eingestiegen, auch wenn es unterklassig war. Als Zweitligaspieler bei Mainz 05 habe ich auch als Profi auf dem Rasen gestanden – das ist nichts Neues für mich. Respekt habe ich natürlich, das ist doch klar. Aber vor 50 000 Zuschauern zu spielen, darauf freue mich, da sollte man keine Angst vor haben. Das ist doch geiler, als wenn ich vor zehn Leuten stehe. Ich habe Bock auf die erste Liga.
Frage: Wie schätzen Sie Ihre neue Mannschaft ein? Antwort: Mein erster Eindruck ist positiv. Stärken und Schwächen richten sich meiner Meinung nach danach, wie man spielen lässt. Ich will eine eigene Philosophie einbringen. Man kann die Schwächen auch verstecken. Ich habe aber auch der U23 viel zu verdanken: Da sind Spieler drin, die wir hoffentlich mal in der Bundesliga sehen.
Frage: In Mainz haben Sie an der Seite von Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gespielt. Haben Sie noch Kontakt? Antwort:Ja, ich habe ihm neulich noch bei Whatsapp geschrieben. Schon damals in Mainz hat Kloppo gesagt: Wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer . . .

 

Und beim Sport-Informations-Dienst war zu lesen:

 

„HSV-Joe“ Zinnbauer schießt scharf: „Ich kenne kein Pardon“

Emotionen ins Team bringen und vor allem Druck machen: Mit drastischen Maßnahmen will Josef Zinnbauer als neuer Cheftrainer des Hamburger SV den Profis des sieglosen Tabellenletzten Beine machen – auch schon gegen Bayern München.

Emotional, ehrgeizig, energisch – mit dieser erfrischenden Mischung will Josef Zinnbauer als 17. Cheftrainer binnen 13 Jahren Bundesliga-Schlusslicht Hamburger SV aus dem Tabellenkeller holen. „Ich habe Bock auf die 1. Liga. Es ist doch viel schöner, vor 50 000 statt vor 500 Zuschauern zu spielen“, sagte der 44-Jährige am Mittwoch bei seiner Präsentation in der Hansestadt.
Der einstige Zweitliga-Profi machte unmissverständlich deutlich, dass unter ihm ein anderer Wind wehen wird als bei seinem glücklosen Vorgänger Mirko Slomka, der am Montag nach drei Spielen ohne Sieg und ohne einen einzigen Torerfolg beurlaubt worden war: „An der Qualität der Mannschaft liegt es nicht. Man muss Emotionen reinbringen und am Kopf ansetzen. Wenn nur drei von elf Spielern da nicht mitziehen, funktioniert es einfach nicht.“
Der 44-Jährige, der bereits seit 18 Jahren als Coach arbeitet, hat das beste Druckmittel für lethargische Profis in der Hand. Das von ihm betreute U23-Team führt mit acht Siegen aus acht Spielen die Tabelle der Regionalliga Nord souverän an. So mancher Nachwuchsakteur wirft schon begehrliche Blicke Richtung Erstliga-Kader.
Und darf sich offenbar berechtigte Hoffnungen machen. Zinnbauer: „Wenn es oben nicht läuft, hole ich mir meine jungen Spieler dazu. Da kenne ich kein Pardon. Ich habe ihnen gesagt, dass mein Wechsel in die erste Liga eine große Chance für mich, aber eben auch für sie ist.“

 

Soweit die beiden Agenturen. Wie gesagt, Ihr selbst könnt Euch ein Bild vom neuen HSV-Trainer machen, indem Ihr das Video (plus Play-Liste) von der PK anklickt. Es lohnt sich.

 

Kurz noch zum Training. Rafael van der Vaart, Ivo Ilicevic und Marcell Jansen nahmen nicht daran teil, weil sie verletzt sind. Jansen betrat um 11.26 Uhr den Trainingsplatz und joggte, arbeitete dann aber auch kurz mit Reha-Trainer Markus Günther, der zuvor mit Slobodan Rajkovic beschäftigt war – anschließend gingen alle drei Männer im Volkspark laufen. Beim Profi-Training waren dafür auch drei Spieler aus der Zweiten dabei: Ashton Götz (er wird der erste Spieler sein, der den Sprung zu den Profis schaffen wird – ist meine Überzeugung!), Tolcay Cigerci und Ronny Marcus. Auch die Nachmittagsschicht begann mit einiger Verspätung, denn zuvor hatte es in der Kabine eine Video-Vorführung gegeben. Eine Art Folter-Training . . .

 

Im obligatorischen Trainingsspielchen gegen Ende der Einheit spielte A gegen B – und in dem A-Team standen drei ganz interessante Männer: Jaroslav Drobny im Tor, davor in der Innenverteidigung Heiko Westermann (neben Johan Djourou) und davor, auf der Sechs, Tolgay Arslan. Hat wahrscheinlich noch nichts zu sagen, aber es fand dennoch viel Beachtung. Am Nachmittag wurde dann sehr, sehr ideenreich trainiert, mit Spaß und Freude an der Sache. Eine Übung war so angelegt, dass die Spieler mit Ball und Tennisball zugleich “spielen” mussten . . . So etwas Kreatives gab es im Volkspark schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

 

Die Kritiken, die Joe Zinnbauer, der seit 1980 nunmehr mein 27. HSV-Trainer ist (allerdings mit Ralf Schehr, Holger Hieronymus und Frank Arnesen) nach und für seinen ersten Tag bekommen hat (Fans und Kollegen), waren durchweg positiv, meistens überaus positiv. Es weht, so war zu vernehmen, jetzt ein viel frischerer Wind durch den Volkspark, die Stimmung ist plötzlich eine ganz andere. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch bei der Mannschaft so aufgenommen und dann auch gelebt wird.

 

Das hofft natürlich – und in erster Linie – auch Club-Chef Dietmar Beiersdorfer, der sich ganz hinten in der letzten Reihe die erste Pressekonferenz von Joe Zinnbauer ansah und anhörte. Der „Didi“ wirkt auf mich etwas (sehr) gestresst, die Turbulenzen der vergangenen 48 Stunden zeigen sich in seinem Gesicht, er hat Augenränder. Natürlich. So etwas geht ja nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Er muss schließlich innerhalb von wenigen Stunden allerhand Männern erklären, dass sie in Zukunft keine Rolle mehr beim HSV spielen werden – und gehen müssen. Ganz sicher keine angenehme Aufgabe – und so etwas dann am Fließband. Ich stellte gestern ja noch die Frage, was aus Liga-Betreuer Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka im Sommer von Hannover 96 losgeeist hatte, heute sagte Beiersdorfer nur ganz kurz: „Er bleibt beim HSV.“ Was in diesen schweren Zeiten ja gewiss keine Selbstverständlichkeit ist . . .

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 15.30 Uhr (nicht, wie zuerst gemeldet, um 10 Uhr!) trainiert.

 
17.15 Uhr

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