Archiv für das Tag 'Götz'

Mails von Euch – und ein offener Brief vom DFB

10. Juni 2015

Liebe Matz-abber!

Keine Angst, es wird heute auch noch einen „vernünftigen“ Blog-Beitrag geben. Weil der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach heute mit einem „offenen Brief“ an alle Fußball-Anhänger gegangen ist, und weil die Zeitungen einen solchen langen Beitrag sicherlich nicht zu 100 Prozent abdrucken werden, versuche ich es einmal, diese Gedankengänge des Präsidenten näher zu bringen. Und zwar zu 100 Prozent.
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Nichts los im Volkspark – die Ruhe vor dem Sturm

9. Juni 2015

Die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen, und schon ist klar: Der HSV verpasst mal wieder einen gelungene Umbruch. So liest es sich zumindest größtenteils in den Kommentaren in verschiedenen Foren – nicht nur hier. Weil es heißt, Ivo Ilicevic soll einen neuen Vertrag bekommen. Einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag, weil Trainer Bruno Labbadia die Chance sieht, dauerhaft von den zweifellos vorhandenen Qualitäten des Offensivspielers profitieren zu können. Vergessen die Verletzungsarie des heute 28-Jährigen, der seit seiner Unterschrift 2011 für den HSV 61 Spiele verpasste, das heißt jeweils 15 Spiele pro Saison im Schnitt. Verletzt.
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Hilfe! Labbadia will nichts ändern!

1. Mai 2015

Wenn am Sonntag gegen halb drei in der Mainzer Coface-Arena die Mannschaftsaufstellungen vor der Bundesliga-Partie von Mainz 05 gegen den HSV verteilt werden, dann wissen alle Hamburger Fans schon, ob’s was werden kann. Im Training hat sich auch heute angedeutet, dass Coach Bruno Labbadia die elf Spieler auf den Rasen lässt, die beim 3:2 gegen Augsburg in der Startelf standen. Wahrscheinlich weiß Labbadia nicht, dass statistisch alles gegen ihn spricht, wenn er dabei bleibt. In dieser Saison hat der HSV immer verloren, wenn der jeweilige Trainer einer Elf vertraute.

Allein vier Mal in dieser Saison ist eine unveränderte HSV-Formation in ein Stadion eingelaufen. Die eindeutige Bilanz: vier Niederlagen. So vertraute Trainer Mirko Slomka am 2. Spieltag gegen den SC Paderborn den Spielern, die in der Woche zuvor ein 0:0 zum Saison-Auftakt in Köln geholt hatten. Das Ergebnis war desaströs, der HSV ließ sich beim 0:3 gegen den Aufsteiger geradezu vorführen.

Joe Zinnbauer ist anschließend drei Mal gescheitert, wenn er versucht hatte, absolute Konstanz in die Mannschaft zu bekommen. Auf sein 0:0 zum Start gegen die Bayern folgte mit selber Elf ein 0:1 in Mönchengladbach. Später holte die Fighter-Truppe, die Leverkusen 1:0 niederrang, eine 0:2-Pleite in Wolfsburg ab. Und schlimm wurde es kurz vor Ende der Hinrunde. 0:0 in Freiburg – der Lohn für eine passable Leistung war Bewährung beim nächsten Heimspiel gegen Stuttgart – das Vertrauen des Trainers wurde mit einer schwachen Leistung und einer 0:1-Niederlage verspielt.

Und hier die komplette Liste der Startelf-Veränderungen in dieser Saison:

  • 1. Spieltag: 0:0 in Köln
  • 2. Spieltag: 0:3 gegen Paderborn (0 Veränderungen)
  • 3. Spieltag: 0:2 in Hannover (7)
  • Trainerwechsel Slomka / Zinnbauer
  • 4. Spieltag: 0:0 gegen die Bayern (2)
  • 5. Spieltag: 0:1 in Mönchengladbach (0)
  • 6. Spieltag: 1:2 gegen Frankfurt (1)
  • 7. Spieltag: 1:0 in Dortmund (2)
  • 8. Spieltag: 1:1 gegen Hoffenheim (2)
  • 9. Spieltag: 0:3 bei Hertha (2)
  • 10. Spieltag: 1:0 gegen Leverkusen (2)
  • 11. Spieltag: 0:2 in Wolfsburg (0)
  • 12. Spieltag: 2:0 gegen Bremen (1)
  • 13. Spieltag: 1:3 in Augsburg (3)
  • 14. Spieltag: 2:1 gegen Mainz (5)
  • 15. Spieltag: 0:0 in Freiburg (1)
  • 16. Spieltag: 0:1 gegen Stuttgart (0)
  • 17. Spieltag: 0:0 in Schalke (4)
  • 18. Spieltag: 0:2 gegen Köln (5)
  • 19. Spieltag: 3:0 in Paderborn (2)
  • 20. Spieltag: 2:1 gegen Hannover (1)
  • 21. Spieltag: 0:8 bei den Bayern (2)
  • 22. Spieltag: 1:1 gegen Mönchengladbach (7)
  • 23. Spieltag: 1:2 in Frankfurt (1)
  • 24. Spieltag: 0:0 gegen Dortmund (4)
  • 25. Spieltag: 0:3 in Hoffenheim (2)
  • 26. Spieltag: 0:1 gegen Hertha (4)
  • Trainerwechsel Zinnbauer / Knäbel
  • 27. Spieltag: 0:4 in Leverkusen (2)
  • 28. Spieltag: 0:2 gegen Wolfsburg (5)
  • Trainerwechsel Knäbel / Labbadia
  • 29. Spieltag: 0:1 in Bremen (2)
  • 30. Spieltag: 3:2 gegen Augsburg (3)

In dieser Statistik, die natürlich auch eine Spielerei ist (Verletzungen und Sperren finden keine Berücksichtigung) fallen zudem die beiden Ausschläge nach oben auf. Mirko Slomka hat bei seinem letzten Versuch, in Hamburg noch alles zu retten, Risiko gewählt. Nach dem 0:3 gegen Paderborn krempelte er das Team fast komplett um, was ihm anschließend in Hannover nicht den gewünschten Erfolg brachte. Ebenfalls sieben Änderungen nahm Joe Zinnbauer nach dem 0:8-Debakel bei den Bayern vor, was im nächsten Spiel wenigstens zu einem Teilerfolg führte.

Klar ist jedenfalls: Aufpassen, Herr Labbadia, ein und dieselbe Elf des HSV hat in dieser Saison noch nie in zwei Spielen hintereinander überzeugt.

Zum Alltag der Bundesliga-Mannschaft. Trainer Bruno Labbadia hat am Vormittag zur 90-Minütigen Einheit auf dem Rasen gebeten. Auch wenn das Training hinter den Planen stattfand, war doch deutlich zu hören, dass Labbadia immer wieder unterbrochen hat und geradezu penibel genau darauf achtete, dass seine taktischen Vorgaben erfüllt sein müssen. Verschieben, Löcher zulaufen, Räume ausfüllen. Da muss jeder Einzelne genau aufpassen, sonst stimmt das gesamte Gefüge nicht. Im Grunde ist diese Art von Training Taktik-Grundlage für eine Saison-Vorbereitung. Was dabei herauskommt, würde man als Labbadias Handschrift bezeichnen, so wie sie im Sommer 2009 deutlich wurde, als der Coach mit einer unzweifelhaft stärkeren HSV-Mannschaft Tabellenführer der Bundesliga wurde. Das ist übrigens keinem anderen Trainer in Hamburg nach ihm gelungen.

Was die Aufstellung angeht, müssen sich Valon Behrami nach seiner Rot-Sperre sowie Lewis Holtby nach seiner Gelb-Sperre weiter offenbar hinten anstellen. Ivo Ilicevic bleibt vermutlich im Team, wobei er meiner Auffassung nach ein erster Wackelkandidat wäre. Holtby über die linke Seite oder Marcell Jansen – das wären die Alternativen. Übrigens trainierte Maximilian Beister, über den in den vergangenen Wochen so viel geschrieben wurde, bei den Profis mit und darf sich Hoffnungen auf eine Kader-Nominierung machen. Das trifft zunächst nicht auf die jungen Ashton Götz, Mohamed Gouaida und Ronny Marcos zu, die gestern beim 1:2 der U 23 in Meppen auf dem Rasen standen und heute nur leicht ausliefen.

Nach dem Mannschaftstraining und den taktischen Spielen stand noch der Torabschluss auf dem Programm. Offenbar hat Labbadia vor, Mainz über deren rechte Abwehrseite zu knacken. Matthias Ostrzolek haute die (guten) Flanken rein, in der Mitte profilierten sich insbesondere Pierre Michel Lasogga und Heiko Westermann mit kernigen Abschlüssen. Knifflig wurde es nur einmal: Ivica Olic war im „Dreikampf“ mit zwei Gegenspielern am rechten Fuß getroffen worden und humpelte danach vom Trainingsplatz. „Ist aber kein Problem“, sagte Olic anschließend, so dass sein Einsatz in Mainz wohl nicht gefährdet ist.

Heute habe ich die Bundesliga-Studie der DFL 2015 in die Hände bekommen. Die Studie ist zwar bereits im Januar erschienen, doch sie enthält viele interessante Daten. Generell ist da von der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der gesamten Liga und auch der 2. Bundesliga die Rede. Und es wird deutlich, dass der HSV zu den Vereinen gehört, die die Statistik noch deutlich nach unten zerren. Vieles im wirtschaftlichen Konstrukt des HSV ist ungesund. In Relation viel zu hohe Personalkosten, eine viel zu niedrige Eigenkapitalquote (11,5 % gegenüber 35,3 % in der Bundesliga) – nur fünf von 18 Bundesligisten haben zuletzt Rote Zahlen geschrieben. Mit einem Minus von 6,6 Millionen Euro gehörte der HSV natürlich dazu. Aber darauf wollte ich nicht hinaus, das ist überwiegend bekannt, und nicht zuletzt durch den Einstieg zweier Aktionäre (Klaus-Michael Kühne und Helmut Bohnhorst) sowie der Campus-Spende von Alexander Otto werden sich die Zahlen zum 30.6.2015 deutlich verschieben. Dennoch: Der “Bundesliga-Report 2015” ist lesenswert, ich kann sie jedem empfehlen, der sich bis Sonntagnachmittag langweilt.

Morgen trainiert die Mannschaft noch einmal ohne Öffentlichkeit. Dieter hält Euch dann über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden. Sonntag um 15.30 Uhr ist Anpfiff in Mainz – und in „Matz ab live“ begrüßen wir direkt anschließend Thomas von Heesen als Gast. Das solltet Ihr Euch vormerken.

Lars
18.15 Uhr

Das Gefühl der Deutschen Meisterschaft

30. April 2015

Wenn die Stimmung eines Trainers ein Gradmesser ist für die Atmosphäre im gesamten HSV, dann braucht sich niemand Sorgen zu machen um das Abschneiden des Teams von Bruno Labbadia am Sonntag in Mainz. Das 3:2 gegen den FC Augsburg war nicht nur punktemäßig ein Brustlöser, sondern auch atmosphärisch. Der Trainer kommt ungeheuer locker rüber, und vermittelt er seinen Spielern eine ähnliche Gelassenheit, dann sollte es grundsätzlich auch Anlass zu Optimismus geben für einen ordentlichen Auftritt in der Coface-Arena.

Einen Knackpunkt hat Labbadia, dessen Pressekonferenz ihr hier wie gewohnt und komplett sehen könnt, aber auch genannt. Der HSV-Coach erwähnte die Aussage von Rafael van der Vaart mitten in der Jubel-Welle vom vergangenen Sonnabend. „Ein Gefühl wie eine Deutsche Meisterschaft“ hat van der Vaart dort beschrieben. Und mit dieser Aussage kommt gleich zweierlei zum Ausdruck.

Zum einen beschrieb „Rafa“ damit die Bedeutung des Erfolgs, die er gespürt hat. Nach neun sieglosen Spielen muss den Hamburger Kickern ein Dreier in der Bundesliga wie die Erklimmung des Mount Everest, wie das Durchtauchen des Mariannen-Grabens oder die Umsegelung der Erde auf einem Surfbrett vorgekommen sein. Oder eben die Deutsche Meisterschaft. Eine unglaublich hohe Hürde wurde überwunden. Glückwunsch dazu.

Gleichzeitig wohnt in solch ungewöhnlich großen Leistungen, oder auch nur in der Empfindung dessen, auch schon der nächste Misserfolg inne. Dass der HSV in den vergangenen Jahren so unglaublich selten nach einem Sieg nachlegen konnte – ausnahmsweise im Februar mit den Siegen in Paderborn und gegen Hannover -, untermauert die Misserfolgsmentalität in Hamburg. Siege sind gar keine Selbstverständlichkeit mehr beim HSV, wie es Bruno Labbadia heute ausdrückte. Insofern ist in Hamburg nach einem Sieg zuletzt immer wieder eine Niederlage gefolgt. Keine Spannung, kein Druck, keine weitere Sehnsucht nach Erfolg, kein Sauerstoff mehr auf dem Gipfel des Mount Everest. Keiner von Labbadias Vorgängern hat diese Haltung ausmerzen können. Nun ist Labbadia dran. Vielleicht gelingt es ihm.

Ich hatte unter der Woche die Gelegenheit mit Henning Vöpel, dem Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu sprechen. Er hat hat eine Theorie genannt, warum der HSV nun schon dauerhaft der Musik hinterher rennt. Seiner Ansicht nach ziehe der HSV seit Jahren seine Motivation aus dem Erhalt des Dino-Images. Also der Vermeidung eines Misserfolgs. Da, so Vöpel, ist überhaupt keine positive Motivation bei, etwa einen Titel zu holen oder wenigstens eine bestimmte Punktzahl zu erreichen. Zwar wird oft genug ein positives Ziel formuliert von der Vereins-Führung, aber gelebt, so Vöpel, werde doch nur der Dino und die Ewige Uhr, die um Gottes Willen nicht aufhören darf zu ticken.

Sicherlich ein guter Ansatz, hiermit müssen sich die Vereins-Vorderen dann am Anfang der nächsten Serie auseinander setzen. Im Moment könnte man zwar versuchen, ein positives Ziel auszugeben (Platz 15), doch im Kern geht’s aktuell leider auch wieder nur um die Vermeidung eines sportlichen GAUs, des Abstiegs in Liga zwei. Immerhin packt Labbadia das Ganze positiv an und vermutlich auch mit der ersten Elf, die auch gegen den FC Augsburg auf dem Rasen stand.

Ob diese Prognose bis zum Sonntag Bestand hat, werden die nächsten Trainingseinheiten zeigen. Valon Behrami und Lewis Holtby stehen nach ihren abgesessenen Sperren jedenfalls wieder zur Verfügung. Ob Labbadia sie berücksichtigt – fraglich. Ziemlich unwahrscheinlich ist, dass Marcelo Diaz in Mainz zum Einsatz kommt. Nach seiner Adduktorenverletzung deutet doch eher vieles auf ein Comeback im Freiburg-Spiel fünf Tage später hin.

Was die Gerüchteküche angeht, ist heute mal wieder mit dem Namen von Rafael van der Vaart gespielt worden. Und zwar im türkischen Internet-Portal „Fanatik“. Dort werden gleich eine ganze Reihe von angeblichen Interessenten genannt: Besiktas und Fenerbahce, Trabzonspor und Bursaspor. Niederländische Spieler haben durchaus Tradition am Bosporus, und tatsächlich könnte man sich ja einen Wechsel des „kleinen Engels“ zum Ausklang seiner Karriere vorstellen. Wobei bekannt ist, dass van der Vaart durchaus daran liegt, dass wegen seines Sohnes alles familienverträglich läuft. Wie auch immer: türkische Vereins, Clubs aus den USA, Katar oder natürlich Ajax – sie alle werden gespielt, solange der HSV-Kapitän nicht offiziell irgendwo vorgestellt wird.

Gestern hat Peter Knäbel auf Nachfrage ein paar Kommentare abgegeben zu den Planspielen mit den verliehenen Spielern, die im Sommer mutmaßlich zum HSV zurückkehren werden. Gemeinsam mit der unklaren Zukunft der beiden Innenverteidiger Heiko Westermann und Slobodan Rajkovic, deren Verträge Stand heute auslaufen, ergibt sich jetzt schon dieses Kader-Bild des HSV für die kommende Saison. Ganz wichtig: Wir reden hier über den Fall des Verbleibs in der Bundesliga. Bei einem Abstieg würden sich ganz andere Nöte ergeben, die heute nicht ernsthaft vorherzusehen sind. Also, das ist der HSV 2015/2016:

  • Tor: Adler (Vertrag bis 2017), Drobny (2017)
  • Rechter Verteidiger: Diekmeier (2016), Götz (2017)
  • Innenverteidiger: Tah (2018), Djourou (2016), Cleber (2018), Sobiech (2016)
  • Linker Verteidiger: Ostrzolek (2017), Marcos (2017)
  • Defensives/zentrales Mittelfeld: Behrami (2017), Diaz (2017), Demirbay (2017), Holtby (2018), Jiracek (2016)
  • Flügelstürmer: Müller (2018), Gouaida (2018), Stieber (2017), Beister (2016)
  • Angreifer: Lasogga (2019), Rudnevs (2016), Olic (2016), Zoua (2016)

Auf dieser Grundlage operiert Peter Knäbel zur Zeit gemeinsam mit dem Vereins-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. 23 Spieler – das geht erst einmal.

Allerdings sind verschiedene Sachen zu bedenken. Einige der 23 werden sicher nicht die allerhöchste Wertschätzung genießen bei Beiersdorfer/Knäbel/Labbadia. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Verantwortlichen mit den Ausgeliehenen Lasse Sobiech (FC St. Pauli) und Jacques Zoua (Erciyesspor) in die nächste Saison gehen möchten. Was die Innenverteidigerfrage angeht, hat der HSV das Heft des Handelns mehr oder weniger in eigenen Händen, die Optionen liegen auf dem Tisch. Westermann und Rajkovic sind mögliche Alternativen.

Was die Lage im Sturm angeht – und angesichts der Tatsache, dass dort nur Pierre Michel Lasogga einen langfristigen Vertrag besitzt -, sind Veränderungen wahrscheinlich. Lasogga und Olic sind klar, aber wenn Zoua wirklich nicht wiederkommt und der HSV einen Verein finden sollte für Artjoms Rudnevs (letzte Chance, eine Ablöse zu bekommen, in dieser Saison bei allen Trainer nur zweite bis dritte Wahl), dann ist hier noch eine Verstärkung vonnöten.

Mit seinen neun Mittelfeldspielern kann der HSV zunächst ganz gut auskommen. Lediglich Maxi Beister und Petr Jiracek haben Verträge, die bereits 2016 auslaufen. Beim Tschechen Jiracek kann der Verein recht gelassen abwarten, was sich ergibt – bei Beister steht wohl mal ein Grundsatzgespräch an. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, ebenso seine Verbundenheit zum HSV. Ob topfit oder nicht – Berater hin oder her – Trainingsleistungen gut oder schlecht – all dies muss auf den Tisch und eine mittelfristige Perspektive besprochen werden. Ich würde mir wünschen, dass Beister länger an den HSV gebunden wird. In jedem Fall kann es sich der Club kaum erlauben, ihn im nächsten Jahr ablösefrei gehen zu lassen. Das wäre Verschwendung.

Johan Djourou ist im Moment der erfahrenste Innenverteidiger, der beim HSV in der kommenden Saison sicher unter Vertrag steht. Die Dominanz und die Klasse eines überdurchschnittlichen Bundesliga-Abwehrspielers hat er sicher nicht unter Beweis gestellt. Dennoch, zumal mit Tah und Cleber gerade zwei recht junge an seiner Seite stehen, müsste der HSV Djourous Zukunft auch demnächst in Angriff nehmen. Es sei denn, Knäbel und Co. entscheiden sich für Heiko Westermann als Stütze, ehe die nächste Generation verlässlich nachrückt.

Bei den Außenverteidigern ist der HSV soweit solide besetzt, wobei Ashton Götz und Ronny Marcos noch nicht die zuverlässigen Backups gewesen sind, die sie sein müssten. Ein flexibler Verteidiger zusätzlich würde dem HSV guttun. Und was die Torhüterfrage angeht, hat der Verein sicher kein Problem.

 

 

All diesen subjektiven Einschätzungen liegt die Frage zugrunde, wie der HSV in der nächsten Saison eine solide Basis legen kann für die Zukunft. Den meisten HSV-Anhängern und auch den Verantwortlichen und Spielern wäre ja schon mal geholfen, wenn eine normale durchschnittliche Spielzeit wie bei Eintracht Frankfurt oder Mainz 05 herausspringen würde. Selbst der 1. FC Köln hat es hinbekommen, ohne allzu große Erschütterungen durch die vergangenen Monate zu kommen.

Entscheidend für den Verlauf ist natürlich auch, was sich auf Führungsebene beim Bundesliga-Dino tut. Eine kritische Analyse für die Zeit nach Saisonende hat Peter Knäbel ja schon angedeutet. Hoffentlich stellen sich alle Verantwortlichen dieser kritischen Analyse.

Morgen und übermorgen trainiert die Mannschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einige kicken heute noch bei der U 23 mit, die um 19 Uhr in Meppen antritt. Maximilian Beister ist heute nicht in der Regionalliga dabei – er darf sich also wieder Hoffnung machen auf eine Kader-Berücksichtigung bei Bruno Labbadia.

Lars
18.05 Uhr

Ohne Beister nach Bremen – zur großen Chance

18. April 2015

Es ist nicht die Saison des HSV. Für keinen Spieler – und für einen noch weniger: Maxi Beister. Ein Jahr pausierte er, Anfang 2015 kämpfte er sich zurück ins Training. Er schaffte das Comeback gleich im ersten Rückrundenspiel, wo er 18 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde. Drei weitere Einwechslungen und insgesamt 64 Spielminuten in der Bundesliga stehen seither bei Beister zu Buche. Ein maßlos enttäuschender Wert, den er in Bremen aufbessern wollte – aber nicht wird. Denn Beister ist nicht einmal im Kader. Zusammen mit Ronny Marcos und Mohamed Gouaida soll er Spielpraxis bei der U23 sammeln, die am Sonntag um 14 Uhr gegen Neumünster ran muss. Gut für die U23 – bitter für Beister, der sich von dem Trainerwechsel sicher mehr erhofft hatte.

Auch ich hätte Beister gern in Bremen dabei gehabt. Und ich kann die Begründung, dass der Offensivmann Spielpraxis sammeln soll ebenso verstehen, wie ich sie den HSV-Verantwortlichen vorhalte. Denn dieses ständige, planlose Hin- und Her-Geschiebe zwischen den Mannschaften ist absurd.

Nicht einmal im Kader: Maxi Beister

Nicht einmal im Kader fürs Derby: Maxi Beister

Schlimmer noch: So wurde verpasst, eine zusätzliche Kraft für den Saisonendspurt zu aktivieren. Beister wurde nicht ausreichend gefördert, nicht spielfit bekommen. Ein Fehler sondergleichen, aber eben auch nur ein Versäumnis seiner Vorgänger, das Labbadia am Ende ausbaden muss. Und ich befürchte gar, dass diese Saison und dieser Umgang miteinander am Ende noch schlimmere Folgen haben können. So, wie zuletzt über Abgänge der ausgeliehenen Talente Tah und Demirbay spekuliert wurde und wird, dürfte auch über Beister zu sprechen sein. Zumindest ist Beister, der sich zu seiner Situation nicht äußern will, die Unzufriedenheit anzusehen.

Statt Beister ist am Sonntag Artjoms Rudnevs wieder dabei. Der Lette steht nach zuletzt drei Nichtnominierungen und insgesamt fünf Spielen ohne Einsatzzeit zumindest erst einmal ebenso wie Ivo Ilicevic im vorläufigen 19-Mann-Kader, wo noch ein Spieler gestrichen werden muss. Wer das am Ende sein wird, ist offen. Dabei sind auf jeden Fall Adler, Drobny, Westermann, Götz, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek, Jansen, Kacar, Jiracek, Behrami, Holtby, Ilicevic, van der Vaart, Müller, Stieber, Olic, Lasogga, Rudnevs.

Und egal wer am Ende auf dem Platz stehen wird, er hat die große Chance, den HSV wieder an die Konkurrenz heran- und dank der heutigen Ergebnisse sogar vorbeizuschieben. Stuttgart veliert in Augsburg,  Paderborn ist bei starken Dortmundern 3:0 unterlegen gewesen und hat dabei bis auf kurze Strecken der ersten Hälfte nie gezeigt, weshalb sie nicht absteigen werden. Im Gegenteil: Das Spiel der Breitenreiter-Equipe war so hoffnungslos schlecht wie die zweite Halbzeit des HSV gegen Wolfsburg. Dass heute auch Hannover mit 4:0 in Leverkusen unterging – es dürfte zumindest personell Folgen haben. Denn wenn ich meinen Hannover-Kollegen glauben darf, dann wird der bei Mannschaft wie Vorstand geschätzte und beliebte Trainer Tayfun Korkut jetzt doch gehen müssen.

Heute haben bislang alle für den HSV gespielt. Auch der SC Freiburg vergeigt sein Heimspiel gegen Mainz, womit ich nicht gerechnet – worauf ich aber gehofft hatte. Das bedeutet, dass die Mannschaft von neu- und Alt-Trainer Bruno Labbadia morgen die große Chance hat, sich tabellarisch mit einem Sieg wieder bis auf einen Punkt an Platz 14 heranzuspielen und nebenbei in dem prestigeträchtigen Nordderby eine Menge Selbstvertrauen für die letzten fünf Spiele zu tanken.

Wie Labbadia spielen lässt, ist offen. Heute wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Imtech-Arena trainiert. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Labbadia morgen nicht wenigstens eine überraschende Personalie aufbietet. Im Training deutete bis heute alles auf Adler – Westermann, Cléber, Rajkovic, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Stieber, van der Vaart, Olic – Lasogga. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass Labbadia versucht hat, Nicolai Müller ein wenig zu ködern und dessen Reaktion auf die vermeintliche Nichtnominierung abgewartet hat. Abetr egal wie, jetzt geht es also darum, dass der HSV die Vorlagen der Konkurrenz nutzt und endlich auch mal selbst für sich spielt. Mit neuem Trainer, altem Personal aber dennoch neuem Elan? Labbadia hofft es. Wir hoffen es.

Mehr gibt es an diesem Sonnabend nicht zu sagen, außer, dass ich nicht nachvollziehen kann, weshalb ich hier dazu aufgefordert wurde, einen Spieler wie Valon Behrami in Ruhe zu lassen. Und das auch noch von den Leuten, die sonst immer so für „schonungslose Analysen und knallharte Kritik“ plädieren. Wahnsinn! Zumal die Personalie Behrami tatsächlich eine ist, die der Mannschaft in sportlicher Topform ganz sicher helfen kann – die sie aber auch runterziehen kann, wenn sich der Schweizer weiterhin so gegenüber seinen Kollegen verhält, wie er es zuletzt tat. Aber okay, dazu muss ich ja nichts mehr schreiben. Es gibt hier ja sogar einen netten Blogger, der im Nachhinein immer schon alles vorher gewusst hat und der sowieso alles weiß und jeden kennt. Er wird Euch dann sicher auch davon berichten können ;-)).

Aber noch mal ohne Spaß und im Ernst: Ich für meinen Teil sehe in der Personalie Behrami einen echten Schlüsselreiz für die ganze Mannschaft. Wenn Labbadia den Schweizer noch mal einfangen konnte – Okay! Dann könnte Behrami tatsächlich mit seinen Defensivqualitäten ein Schlüsselspieler für den Erfolg werden, ganz klar. Dass der Nationalspieler über das dafür nötige Potenzial verfügt habe ich nicht anzweifeln wollen. Und niemand freut sich am Ende mehr als ich, wenn Behrami 100 Prozent bringt und der HSV gewinnt. Aber, und darauf deutete viel hin, sollte Labbadia den Schweizer noch nicht richtig gepackt haben, wird es schwer. Wobei das natürlich auch für zuletzt enttäuschenden van der Vaart, Holtby, Olic und Lasogga sowie noch mehr für Müller im Falle seiner Nominierung gilt.

Und dafür ist das Spiel in Bremen zu wichtig. Dieses Nordderby kann tatsächlich ein unfassbarer Startschuss werden. Per sofort für die Tabelle und auf Sicht natürlich auch fürs Selbstvertrauen. Pierre Michel Lasogga hat im Vorfeld ebenso wie Rafael van der Vaart vom Trainer sprichwörtlich noch einmal die Hand gereicht bekommen. Hinten wird Slobodan Rajkovic wie gewohnt mit 120 Prozent verteidigen, was zu verteidigen ist. Und wenn ich die Worte des Trainers unter der Woche richtig gedeutet habe, wird er den Spielern ihre jeweilige Kernkompetenz klarmachen – und dementsprechend ausschließlich selbige einfordern. Soll heißen: Hinten bekommt Cléber (wie zuletzt übrigens auch ausdrücklich von Knäbel) Daddelverbot. Klare Kante – nicht mehr, nicht weniger. Davor soll Behrami als Abfangjäger alle Energie darauf verschwenden, Werders Mittelfeldspiel zu zerstören und den Ball nach Ballgewinn sofort an einen der versierteren Passgeber (Holtby, van der Vaart, Stieber) abzugeben. „Ich habe den Spielern gesagt, was ich von jedem einzelnen erwarte“, so Labbadia unter der Woche. Hoffen wir mal, dass die Mannschaft es besser verstanden hat als zuletzt gegen den VfL.

Mehr gibt es eigentlich vor so einem wichtigen Derby nicht mehr zu sagen. Jetzt heißt es: Machen – nicht reden. Und ich hoffe darauf, dass die Mannschaft den Forderungen Labbadias nach „Geschlossenheit“ Rechnung trägt und seine Fans mit einer couragierten Leistung und bestenfalls drei Punkten belohnt. Am besten mit einem Ballgewinn Behramis den Konter über Holtby und van der Vaart einleiten, den Ball über Olic auf links zu Lasogga in den 16er bringen, der daraus das entscheidende Tor macht… Obwohl, wie sie gewinnen, ist mir ehrlich gesagt sch…egal. Wenn sie denn gewinnen auch, mit wem sie das schaffen. Hauptsache, sie tun’s.

In diesem Sinne, alle Mann an Bord. Ich bin dabei. Morgen nach dem Spiel sind übrigens Edelfan und HSV-Gönner Andreas Maske, Unternehmer und Erfinder des “Uwe-Seeler-Fußes”, sowie Ex-HSV-Angreifer Andreas Merkle bei „Matz ab live“ zu Gast. Bis dahin,

Scholle

Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

Zinnbauer vor dem Aus – Knäbel war das Spiel zu „wirr“

21. März 2015

Heute wird es keine Entscheidung geben über die Zukunft von Joe Zinnbauer beim HSV. So viel vorweg – aber das Wochenende ist noch lang. Denn ungeachtet des Zeitplans steht fest: Acht Spiele vor dem Ende dieser Bundesliga-Saison, die ähnlich desaströs zu werden scheint wie die vorige, ist die Zeit von Rettungsankern und Strohhalmen gekommen. Ein Trainerwechsel steht vor der Tür.

Manager Peter Knäbel, der sonst recht deutlich hinter Zinnbauer stand, ist von seiner ursprünglichen Wortwahl deutlich abgewichen. Das betrifft den Auftritt der Mannschaft: „Es gab viel zu viele Phasen, in denen wir zu wenig klar waren im Aufbauspiel und keine Struktur hatten. Als wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hat die Mannschaft nicht so umgeschaltet, dass die zwei Stürmer in Szene gesetzt wurden. In der zweiten Halbzeit war es, je länger es dauerte, wirr.“ Wo Knäbel sonst davon gesprochen hatte, sehr zufrieden mit Joe Zinnbauer zu sein, sagte er jetzt im Hinblick auf das Krisengespräch, das vermutlich am morgigen Sonntag ein Ergebnis haben wird: „Das allerwichtigste ist, welche Maßnahmen man trifft, um in den folgenden acht Spielen die Klasse zu halten. Es sind Fakten auf dem Tisch, es ist eine Situation zu klären. Das muss man in aller Nüchternheit tun und in aller Verantwortung für den Hamburger Sport Verein.“

Was ich jetzt hier schreiben könnte aktuell zum Hertha-Spiel, das ist auch an dieser Stelle schon tausend Mal geschrieben worden. Kampf und Einsatz waren zu Beginn da, wie so oft. Dann gelingt kein Tor, wie so oft. Dann zieht sich die Mannschaft zurück, wie so oft. Dann wird es planlos, wie so oft. Dann fällt das entscheidende Gegentor, wie so oft. Aus diesem Teufelskreis ist der HSV in dieser Saison nur sporadisch ausgebrochen – und wenn, dann nur unter allerhöchstem Einsatz und gelegentlich an der Grenze der Legalität.

Dass dies so gekommen ist, sorgt in der Führungsetage des Vereins für Ratlosigkeit. Eigentlich, so war man doch überein gekommen, hat man einen jungen und frischen Trainer geholt. Unverbraucht in der Bundesliga noch dazu. Die Mannschaft wurde aufgepeppt mit Lasogga, Holtby, Ostrzolek, Müller, Cleber, Olic und Diaz. Dazu frisches Blut mit Gouaida, Götz und Marcos. Und zwei Torhüter auf Top-Niveau, Adler und Drobny. Doch: Es passt alles nicht!

Nur zu gern hätten die Verantwortlichen den Schwung mitgenommen aus dem vergangenen Sommer und der Umwandlung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG. Doch das hat nicht funktioniert. Warum nur? Selbst Finanz-Spritzen im Winter durch Klaus-Michael Kühne und Alexander Otto, selbst etwas fürs Herz, die bevorstehende Rückkehr des „Volksparkstadions“, bewirken nichts. In einer Mannschaft, die vom vermeintlichen Können der einzelnen Spieler auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müsste, als sie das aktuell tut.

Warum also all dies? Johan Djourou hat ja recht, wenn er die Leistung gegen Hertha BSC skizziert: „Das ist nicht genug von uns. Zuhause gegen einen direkten Konkurrenten müssen wir einfach mehr tun. Es ist nicht gut genug!“ Und beim Blick auf den Spielplan wird einem sowieso Angst und Bange. Die nächsten Gegner heißen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagte Außenverteidiger Dennis Diekmeier, gegen Hertha sogar noch einer der Schlechtesten. „Die Mannschaft will und hält zusammen.“ Nun ja…

Ungeachtet struktureller Defizite, die die Arbeit der mittleren und fernen Zukunft betreffen, wird die HSV-Führung nun Handlungsfähigkeit in der Gegenwart nachweisen und der Notwendigkeit nachkommen, einen Cheftrainer zu präsentieren, der den Klassenerhalt schaffen soll. Joe Zinnbauer könnte in diesem Fall zur U 23 zurückkehren. Dort ist der Posten für die kommende Saison noch nicht besetzt. Und da Zinnbauer ohnehin einen Vertrag beim HSV bis 2016 besitzt, wäre diese Variante denkbar. Dass Dennis Diekmeier unmittelbar nach dem Ende des Hertha-Spiels davon sprach, die Mannschaft stehe voll und ganz hinter Zinnbauer, weil er immer Einsatz zeige, wird sich schnell überholt haben. Zinnbauer erreicht die Mannschaft nicht mehr, sie vertraut seinen Maßnahmen nicht. Diese These hat Mental-Trainer Olaf Kortmann vor einigen Wochen bereits in einem Interview genannt. Er scheint Recht zu haben.

Was mit Zinnbauer geschieht, ist bis hierhin noch Kaffeesatzleserei. Genauso gibt es noch keine konkreten Erkenntnisse, wer den Kahn wieder flott machen kann. Labbadia, Jol, von Heesen – das sind die Namen, die die Runde machen. Ich werde mich jetzt nicht ergehen in Prozentzahlen, wer wie wahrscheinlich ist. Nur eines vielleicht: Die heiße Spur soll nicht zu von Heesen führen.

In der aktuellen Lage muss das Dreigestirn beim HSV, zu dem noch Sportdirektor Bernhard Peters gehört, darauf setzen, dass dieser Club vor allem ein Trainerproblem hat. Dass ein Magier kommt und den verunsicherten Hanseaten die Laufwege zeigt, die zum Tor führen. Viele, die in den vergangenen Wochen und Monaten beim Training oder auch im Trainingslager dabei waren, haben beobachten können, wie intensiv Joe Zinnbauer gerade am schnellen Offensiv-Spiel gearbeitet hat. Aber ob ihm nun durch Verletzungen das Stammpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand oder die Übungen einfach nicht zur Umsetzung reichten – es nützt alles nichts: Die desaströse HSV-Offensive konnte Zinnbauer nicht beleben. Die Zahlen sind eine Katastrophe. Es sind die Zahlen eines Absteigers. Erst 16 Tore geschossen in 26 Partien. Aktuell auch wieder 315 Minuten ohne Treffer. Das ist alles an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, konnten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg ihre Bundesliga-Spiele des Nachmittags gewinnen. Paderborn hat einen Punkt geholt. Auch das noch. Der HSV ist erneut auf den Relegationsrang 16 zurückgefallen.

Gestern nach der Niederlage gegen Hertha habe ich einen extrem genervten HSV-Fan getroffen. „Das ist doch alles Verarschung hier mit dem HSV“, schimpfte er. „Voriges Jahr zittern wir so sehr, dass es wehtat. Wir haben so schlimm gelitten wie noch nie und alles gegeben für den HSV. Wir dachten, dass es ein Wunder ist, dass wir es geschafft haben. Das würde uns so schnell nicht wieder passieren und uns könnte nichts so schnell umhauen. Und was ist? Jetzt daddeln die sich wieder dem Abstieg entgegen, so als habe es die Erfahrung in Fürth nicht gegeben. Verarschung!“

Menschenskinder, nächste Woche ist das Abschiedsspiel von David Jarolim. Wem ist wohl aktuell zum Feiern zumute?

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen stehen einige Lauftests für Spieler auf der Tagesordnung, ehe am Montag eine Doppelschicht ansteht. Joe Zinnbauer leitet sie – Stand jetzt. Der Sonntag wird daran wahrscheinlich etwas ändern. Darüber hält Euch Dieter dann auf dem Laufenden.

Lars
18.05 Uhr

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