Archiv für das Tag 'Götz'

Slomka hofft auf “bedingungslose Unterstützung”

6. März 2014

Fünf Minuten und 35 Sekunden lang dauerte das erste Statement am heutigen Donnerstag von Trainer Mirko Slomka. Und es war keine Brandrede. Auch kein vorbereitete Statement seine eigene Person betreffend, sondern die tatsächliche Aneinanderreihung der Verletzten und deren Prognosen für das Wochenende. „Wir wollen hier nicht jammern und uns auch nicht hinter Verletzten verstecken“, sagt der HSV-Trainer. Dabei gab es schon Trainer beim HSV, die bei weitaus weniger Verletzungspech rote Backen bekamen…




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Immerhin fallen am Wochenende Marcell Jansen – sein Bänderriss aus dem Länderspiel gegen Chile wurde bereits operiert – und Pierre-Michel Lasogga definitiv aus. Jansen sogar sechs bis acht Wochen. Und Rafael van der Vaart wird sich aller Voraussicht nach vorerst dazugesellen. „Er hatte am Mittwoch noch über 40 Fieber und muss mindestens 24 Stunden fieberfrei sein, bevor wir ihn belasten dürfen. Das wird eng.“ Stimmt. Klar sei unterdessen, dass Lasogga nicht spielen kann. Die Muskelverhärtung aus dem Training bei der A-Nationalelf sei nicht abgeklungen und das Risiko zu groß. „Wir folgen da der Empfehlung unserer medizinischen Abteilung.“

Bitter.

Zumal auch Slobodan Rajkovic, Zhi Gin Lam und Lasse Sobiech zuvor für das nächste Abstiegsendspiel gegen Frankfurt passen mussten. Und als sich Heiko Westermann heute am Trainingsende das Knie mit Eis behandeln und anschließend mit Verband vom Platz ging, schien alles Verletzungspech der Fußballwelt in Hamburg angekommen. „Ist nur ‚ne Vorsichtsmaßnahme“, gab Westermann schnell Entwarnung und sich Slomka wollte nichts wissen von einer unangenehmen Ausgangssituation.

Der Hannoveraner macht in meinen Augen alles richtig – er bleibt sich und seinem Linie treu, alles positiv anzugehen. „Es macht doch keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen, wenn man es eh nicht ändern kann“, sagt Slomka und man kann nur vermuten, wie oft er sich zuletzt bei seinen Statements auf die Lippen beißen musste. Slomka wolle nur nach vorne blicken und sich weniger mit den verletzten Spielern zu beschäftigen als mit denen, die spielen können. „Wir werden die anderen stark machen“, kündigt Slomka an. Zum Beispiel das Sechser-Duo Arslan/Badelj. „Mit Milan und Tolgay auf der Sechs haben wir schon eine besondere Klasse“, so der HSV-Trainer, ehe er auch auf den Rückkehrer Ivo Ilicevic eingeht: „Hakan ist wieder dabei, und Ivo. Das ist auch noch mal große Klasse. Da haben wir richtig Qualität.“

Die hat allerdings auch Frankfurt, obgleich der am Saisonende freiwillig dort scheidende Trainer Armin Veh immer wieder mangelnde Klasse seines Kaders moniert hatte. „Gerade offensiv ist die Eintracht stark. Die Außenverteidiger sind extrem offensiv ausgerichtet – das allein ist schon eine besondere Qualität.“ Zudem sei ein ehemaliger Hamburger zu erwähnen: „Alex Meier ist enorm kopfballstark, treffsicher und der beste Assistgeber“, so Slomka über den Mann, der in Hamburg beim HSV und beim FC St. Pauli spielte, ehe er nach Frankfurt wechselte.

Kümmern sollen sich voraussichtlich Heiko Westermann und Johan Djourou. Letztgenannter spielte für die Schweiz gegen Kroatien 90 Minuten durch. Und er blieb – das ist die beste Nachricht – unverletzt. „Johan hatte zuletzt 86 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 80 Prozent angekommene Pässe. Das sind Daten, an denen ich ihn messe.“ Ebenso Arslan, der gegen Dortmund stark spielte, allerdings zu wenig Ballbesitz hatte. „Ich habe ihm gesagt, dass er pro Spiel auf 100 Ballkontakte kommen muss. Gegen Bremen waren es schon etwas mehr, da waren es 79“, so Slomka fordernd.

Klar ist, dass der HSV am Sonnabend mit einer Mannschaft antreten wird, die so wahrscheinlich noch nie zusammen gespielt hat. Aber auch darin sieht Slomka etwas Positives. Immerhin sei so das Bewusstsein jedes einzelnen neu gefordert, sich auf seine Mitspieler einzulassen. Grundvoraussetzung bei allem Drumherum bleibt dennoch die Einstellung zum Spiel. „Es ist immer eine riesige Herausforderung, zu versuchen, die richtige Aufstellung zu finden. Zu sehen, wer bereit ist, den Weg zu gehen Und wir brauchen gegen Frankfurt eine sehr, sehr kampfstarke Mannschaft, die den Funken zum Publikum überspringen lässt.“ Denn gerade darin sieht Slomka den größten Vorteil des HSV. „Ich bin optimistisch, weil wir zu Hause spielen. Mit den Fans im Rücken spielen wir in Überzahl. Daher werden wir sie sehr gut gebrauchen.“ Angesichts des ausgerufenen Fahnentags und der Erfahrung aus der letzten Jahren behaupte ich an dieser Stelle: Diese Unterstützung wird da sein. Ein Publikum wie in Stuttgart am Mittwoch wird es nicht geben. Zumal alle um die Probleme im Kader des HSV wissen – um mal das Positive aus der besch… Verletztenmisere zu ziehen.

Fraglich ist noch, wer aus der U23 hochgezogen wird. Zuletzt hatte Francis Adomah auf der linken Seite Marcell Jansen ersetzt. Allerdings ist der 22-Jähreige mit gerade drei regionalligaspielen noch zu unerfahren, wie Slomka („Er macht sich ansonsten aber gut“) befindet. Und während ich zunächst den Verdacht hatte, er würde Jiracek im Falle einer Genesung (Slomka: „Es ist bei ihm noch sehr kritisch. Seine Muskelprobleme sind zäher als gedacht“) nach links hinten ziehen und Ilicevic davor beginnen lassen, schloss Slomka heute auch nicht aus, U23-Spieler Ashton Götz eine Chance zu geben. „Es gibt ja die eine oder andere Option. Götz ist sehr schnell. Er war zuletzt häufiger dabei und ist eines der größeren Talente aus der U23 und kann links wie rechts spielen“, so der HSV-Trainer. Aber zu viel basteln will und werde er nicht. Bliebe noch die Möglichkeit, Westermann auf die Außenbahn zu ziehen und Mancienne in der Mitte beginnen zu lassen. Wobei ich mir in dem Fall Gedanken um einen Spielaufbau von hinten aus der Viererkette (Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann) heraus machen würde.

Dennoch, noch liegt ein Trainingstag vor dem HSV und es sind Rückkehrer möglich. Selbst van der Vaart ist noch nicht gänzlich abgehakt. Aber wie schon vor zwei Tagen geschrieben – es ist am Ende tatsächlich egal, wer am Wochenende aufläuft – der Weg ist eindeutig und die Tabelle lässt keine Konjunktive mehr zu. Es sind Taten gefordert. Und die Fans, in die ich momentan die vielleicht sogar größte Hoffnung lege. Ich hoffe, dass sie wieder das Gespür für die Situation entwickeln und bedingungslos applaudieren. Wie gegen Dortmund erhofft sich auch Slomka ein „Bejubeln von allen Aktion, auch von Befreiungsschlägen. Denn das hilft der Mannschaft, das gibt ihr Sicherheit“.

Und dem werde und will ich mich nicht in diesem Fall entziehen. Ich bekomme vermehrt Zuschriften, die mich darum bitten, mal nicht so kritisch mit dem HSV umzuspringen sondern zur Gemeinsamkeit aufzurufen. Und auch wenn das grundsätzlich nicht meine Aufgabe ist und auch in Zukunft nicht sein wird, mache ich in diesem so prekären Fall eine Ausnahme.

Ergo: Lasst uns bis nach Schlusspfiff am Sonnabend versuchen, all die negativen Einflüsse aus der Vereinspolitik, aus den Gremien und auch vom Platz in den Hintergrund zu schieben. Damit Ihr mich nicht falsch versteht: Ich meine nicht, dass wir sie vergessen. Das darf nicht passieren! Im Gegenteil: Ich plane schon jetzt viele Stunden und Blogs ein, in denen wir uns massiv und kritisch mit al den Fehlern der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen müssen.

Aber wir stellen sie so lange hintenan, wie sie für das Ziel Klassenerhalt hinderlich sein könnten. Und um zu zeigen, was ich meine, lege ich gleich mal los und versuche, aus dem Ausfall Lasoggas keine (berechtigte) Grundsatzdiskussion in Richtung Kaderplanung zu führen, wie es eigentlich logisch wäre. Vielmehr versuche ich, die Situation positiv anzugehen – mit Slomkas Worten in Richtung Lasogga-Ersatz Jacque Zoua: „Er wurde als Stürmer verpflichtet, war in Basel ein zentraler Stürmer mit der Tendenz aus den letzten Wochen, gern als Doppelspitze zu fungieren, was in dieser Systematik denkbar ist. Er ist ein sehr lauffreudiger und williger Spieler. Er hat große Lust, der Mannschaft Gutes zu tun. Wir werden diskutieren, was wir brauchen“, so Slomka, der zudem die „extreme“ Kopfballstärke Zouas hervorhob. Und auch ich werde Zoua am Wochenende bedingungslos die Daumen drücken. Ebenso wie den Tesches, Johns, Bouys und was weiß welche HSV-Profis, denen Slomka gegen Frankfurt das Vertrauen schenkt.

Und dabei belasse ich es auch. Für heute.

Bis morgen! Da wird im Übrigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Nächste Einträge »