Archiv für das Tag 'Gomez'

Slomkas 100. Bundesligasieg muss her…

11. April 2014

Das hatte schon eine gewisse Situations-Komik. Der HSV trainierte vor dem so wichtigen Spiel bei und gegen Hannover 96 unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Fast jedenfalls. Denn im Osten der Anlage im Volkspark gibt es eine klitzekleine Lücke. Durch die hätte Mann sehen können, wenn die nicht von einem Ordner besetzt worden wäre. Ein Power-Ordner, der auch das Volumen hatte, diese Lücke vollständig zu verdecken. Ein Typ wie es einst Rudi Carrell gewesen ist, also lang und dünne, der hätte diese Lücke nicht ausfüllen können. Und so stand der etwas rundliche Herr (rundlicher als ich – auf jeden Fall!) dort eine Stunde und verdeckte die Lücke. Das erinnerte mich an David gegen Goliath, da hatte der Koloss ja auch eine Schwachstelle – aber die hatte der HSV eben selbst erkannt und entschlossen gehandelt.


Wenn keiner zusehen soll, dann ist es auch keiner. Der Ordner selbst verkniff sich das Zusehen dann auch – meistens jedenfalls, ab und an luscherte er schon, aber er wollte wohl nur wissen, ob das Training noch läuft – wg. Feierabend. Und dieser kam dann schon und doch nach 45 Minuten: Nach der Aufwärmphase gab es noch ein kleines Spielchen – und Ende. Es spielte dabei nicht die für 96 gedachte Mannschaft gegen die B-Elf, sondern zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften. Erkenntnisse, wer morgen spielt, gab es deshalb nicht.


Um ehrlich zu sein, riss mich dieses Spielchen auch nicht von den Socken. Eher war das Gegenteil der Fall. Da lief herzlich wenig zusammen. Ich telefonierte gerade mit einem Kollegen aus Hannover, als ich mich nach dem x-ten Fehlpass dazu hinreißen ließ zu sagen: „Wenn der HSV morgen so spielen sollte, dann . . .“ Gute Nacht. In Hannover. Nein, besonders rund lief es nicht. Das gipfelte in einem Elfmeter, den Ivo Ilicevic schießen durfte (er war im Nicht-van-der-Vaart-Team). Im Tor stand Jaroslav Drobny, und der sah den Ball gar nicht. Die Kugel stieg nicht nur über das Tor, sondern auch noch über den Zaun. Es gibt Gerüchte, nach denen die Ballholer die Pille immer noch suchen . . . Etwas zielsicherer war zuvor Rafael van der Vaart, der für das erste Tor in diesem Kick zuständig war – der Niederländer drosch die Kugel in den rechten oberen Winkel – Bing-Bong, Avon läutet schon bald auch bei Ihnen. Ansonsten aber, das muss ich auch erwähnen, war auch vom kleinen Engel nicht so viel zu sehen, eher war auch hier das Gegenteil der Fall. Aber, so mein Trost, vielleicht haben sich die Helden heute ja auch nur für morgen geschont.

Aber, auch das ist nun mal Tatsache, bei Hannover 96 läuft es ja auch nicht so, wie erwünscht. Lange nicht. Zum ersten Mal seit Jahren gab es vier Pleiten in Folge. Und deshalb ist die Luft an der Leine nicht so besonders rein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Mannschaft war nun drei Tage im Trainingslager in der Hotel-Residence Klosterpforte in Harsewinkel-Marienfeld, um sich auf dieses Abstiegs-Endspiel in aller Ruhe und Abgeschiedenheit vorzubereiten. Ob es hilft, werden wir alle morgen um 17.20 Uhr wissen.

Neben den gesperrten Hoffmann und Huszti wird auch Pocognoli fehlen, er hat Rücken. Und nicht zum Einsatz kommen sollen (auf jeden Fall nicht von Beginn an) die beiden Innenverteidiger Sane und Marcelo. Die beiden Spieler, einst auch von Mirko Slomka (und Sportchef Dufner) an die Leine geholt, haben bislang nicht das gebracht, was sich alle von ihnen erhofft hatten. Und zudem soll sich Sané in diesem Trainingslager mit Trainer Tayfun Korkut (der, da gibt es durchaus Parallelen zum HSV, auch und sehr wohl Trainer des eventuellen Zweitliga-Clubs Hannover 96 bleiben soll) angelegt haben – der Abwehrspieler zeigte dem Coach nicht genügend „Leben“ im Training. So kann es gehen. In der Innenverteidigung von 96 spielen deshalb zwei Leute, die eigentlich keine Innenverteidiger sind: Andreasen und Schulz. Beide werden sich wärmstens um Jacques Zoua kümmern. Und ob dazu auch um Mattia Maggio, dem Nachwuchsmann des HSV, das ist dann – etwas später als 15.30 Uhr – wahrscheinlich alles eine Frage des Spielstandes. Vor dem Spielchen heute nahm sich Mirko Slomka den Stürmer der U23 noch einmal kurz unter vier Augen zur Brust. Einstimmung für ein ganz, ganz wichtiges Spiel. Das übrigens von Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) geleitet wird.

Dass morgen viel auf dem Spiel steht, muss wohl niemandem plausibel gemacht werden – oder? Es ist ja alles auch eine Art Rechenexempel. Der HSV empfängt danach den VfL Wolfsburg, die wollen noch in Richtung Champions-League-Qualifikation. Dann geht es zum FC Augsburg, und dieser Club (vor allem Trainer Weinzierl und Sportchef Reuter) ist nicht besonders gut auf den HSV zu sprechen, weil die Hamburger sich in jüngster Zeit um zwei Augsburger (Vogt und Ostrzolek) für die kommende Saison bemüht haben soll. Da wird auf jeden Fall mal nichts an Geschenken zu erwarten sein. Danach kommen dann die Bayern, die sich (wohl) kein zweites „Augsburg“ erlauben können und wollen, und danach wartet der Karnevalsverein 05 in Mainz. Mit einem Trainer namens Tuchel, der immer nur eines kennt: Vollgas. Und siegen. Deswegen ist es für den HSV wohl besser, es schon mal morgen in Hannover zu versuchen, einen oder drei Punkte mit an die Elbe zu bringen. Besser wäre es.

Leider kann dabei, es ist ja inzwischen jedem HSV-Fan bekannt, Pierre-Michel Lasogga nicht mithelfen. Der Torjäger ist ja nun für 14 Tage ausgebremst worden, und man sagt ja (aus Erfahrung): „14 Tage Pause bedeuten 14 Tage Training, um sich wieder heran zu kämpfen.“ Dann kann sich jeder wohl ausrechnen, wie oft Lasogga noch im HSV-Trikot (diese Saison) auflaufen wird. Wobei ich diejenigen, die zuletzt schon meinten, dass sich Pierre Lasogga eventuell für einen neuen Club schonen könnte, absolut nicht verstehen kann. Miroslav Klose ist verletzt, Mario Gomez ist verletzt, wer soll da eigentlich (außer einer verkappen Neun) in der Mitte stürmen? Das wäre dann doch die Chance für Lasogga. Und ich glaube, dass er von dieser Chance auch durchaus etwas weiß. Ich vermute sogar, dass diese Chance Antrieb dafür war, dass er es immer wieder versucht hat – einige Male vielleicht oder wahrscheinlich sogar zu früh. Es ist schon bitter – für ihn und den HSV.

So, dann fertig machen zum Zittern. Wobei Mirko Slomka nicht nur die beste Punktebilanz aller Trainer beim HSV in dieser saison hat, sondern auch, weil der Ex-96-Coach ein Angsgegner der Niedersachsen ist. Fünfmal ging es für Hannover gegen Slomka (immer mit Schalke) – herausgekommen sind vier Slomka-Siege und ein remis. Zudem könnte Slokmka morgen in seinem 223. Bundesligaspiel als Trainer seinen 100. Sieg feiern. Also: Alles klar, oder??

Aber im Ersnst: Morgen spielen alle Abstiegs-Kandidaten um 15.30 Uhr, und das ist auch gut so. Es kann mal wieder ein hoch emotionales Hin und Her geben – mit dem hoffentlich besten Ende für den HSV. Also für den großen HSV. Die Rechnung ist klar: Mönchengladbach besiegt den VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg schießt den 1. FC Nürnberg weiter in den Keller, und der SC Freiburg und Eintracht Braunschweig trennen sich unentschieden. Das wäre es doch. Und wenn es dann so gut und super (oder so ähnlich) für den HSV gelaufen ist, könnte der HSV um 17.30 Uhr auf Tabellenplatz 13 rangieren. Okay, okay, ich will da gar nicht so viel „hochsterilisieren“ (wie Bruno sagen würde), aber es könnte ja immerhin sein. Nur ein Startplatz in der Europa League, der ist wohl nicht mehr so ganz drin . . . Ein Scherz, es ist nur ein Scherz. Wirklich.

Und so könnte der große HSV spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann – Arslan, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic (Jiracek) – Zoua.

Bis morgen! Dann auch wieder mit einem Matz ab live nach dem Spiel. Aus dem Champs senden wir dann mit Frank Rost sowie “Sexmachine” Andreas Fischer ab ca. 17.30 Uhr live.

Dieter und Scholle

EM: Tops und Flops und flotte Sprüche ***Aktualisiert***

1. Juli 2012

****ACHTUNG: Wenn Ihr heute Abend während der Live-Übertragung Fragen stellen wollt, dann macht das bitte in dem Blog, der auch das Video beinhaltet. Dort werden Scholle und ich während der Sendung reinschauen und versuchen, die eine oder andere Frage von Euch an Maxi Beister oder auch Heiko Westermann weiterzuleiten****

Nur der HSV! Noch nicht so ganz, denn es ist ja auch noch ein „bisschen“ EM, vor allen Dingen ist ja auch noch die „Abrechnung“ mit dem Bundestrainer ein Thema – aber mit dem heutigen Beitrag noch einmal EM, und dann ist Schluss. Weil am Montag ja bekanntlich wieder der Ball durch den Volkspark rollt, und das ist dann Thema Nummer eins. Beginn des Auftakt-Trainings ist um 15 Uhr.

Beginnen möchte ich trotz allem mit dem HSV. Noch nicht mit einem neuen Spieler, denn der Sportchef weilt ja nicht in Hamburg, sondern sieht in Kiew das EM-Finale, aber es dreht sich immerhin umeinen einstmals neuen HSV-Spieler. Der User „Jan B.“ hatte gefragt:

„Hab mir gerade die Mopo Liste mal angesehen und unter Macauley Christantus das Statement ‚keine Verwendung’ gefunden. Ich hab mal eine Frage an alle Fußballtrainer hier im Blog: Wie kann es sein das ein U17-Nationalspieler, hinter dem alle namhaften Clubs Europas hinterher waren, plötzlich das Fußball spielen verlernt und als nicht verwendbar abgestempelt wird? Das will einfach nicht in meinen Kopf. Der Junge war höchst veranlagt und hat geknipst zur U17 WM. Die Wahl war damals ziemlich eng zwischen Ihm und Toni Kroos zum Spieler des Turniers (Kroos gewann den Titel). Warum ist der eine einer der besten Fußballspieler Deutschlands und der andere nicht mal ein guter 2.Liga Spieler? Was machen wir falsch?“

Dazu platzierte der „Kieler HSV-Fan“ wohl eine Pressemeldung aus der damaligen Zeit:

„Der Hamburger SV hat sich die Dienste von Macauley Chrisantus gesichert. Der 17-Jährige Nigerianer, der mit sieben Treffern bei der diesjährigen U17-Weltmeisterschaft in Korea Torschützenkönig wurde und maßgeblichen Anteil am Titelgewinn seines Landes hatte, erhält zunächst einen Vertrag als Amateurspieler. Im nächsten Sommer soll der Angreifer einen langfristigen Profivertrag unterschreiben. Christantus spielte bislang beim nigerianischen Verein Abuja FC und wurde bei der U17-WM hinter Toni Kroos zum zweitbesten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Im Anschluss lagen dem 1,83 Meter großen Stürmer zahlreiche Angebote von europäischen Topklubs vor.

‚Wir sind froh, ihn von unserem Konzept überzeugt zu haben’, sagte Dietmar Beiersdorfer. Dieses sieht vor, ihn langsam an die Profimannschaft heranzuführen. Am Dienstagvormittag trainierte Chrisantus bereits mit den Profis an der HSH Nordbank Arena.“

Ja, warum setzte sich Chrisantus nicht durch? Eine gute Frage. Ich weiß es noch, als wäre es heute geschehen. Chrisantus kam, und der HSV, speziell Dietmar Beiersdorfer, wurde gefeiert. So, als hätte der HSV eben einen neuen Pele unter Vertrag genommen. Hinter dem jungen Stürmer waren viele Klubs her, auch englische – sogar der FC Chelsea. Und der HSV machte das Rennen. Und dann kam da so gar nichts. Null. Chrisantus zeigte im Training nichts, und er zeigte in der zweiten Mannschaft nichts. Er wirkte im Training mit den Profis wie ein Fremdkörper. Wenn Manfred Kaltz der „Schweiger“ genannt wurde, dann müsste Christantus eigentlich der „Schweiger hoch vier“ genannt werden. Ich weiß bis heute nicht, ob er reden konnte. Und auch nicht, ob er das Lachens fähig war. Deutsch konnte er auch nicht, und er lernte es auch nicht – der vielleicht größte Fehler, sein größtes Handicap. Und wenn du keinen Kontakt zu deinen Kollegen hältst, ihn auch nie willst, dann hast du im Sport, vornehmlich im Mannschafts-Sport, keine Chance, groß heraus zu kommen.

Chrisantus konnte in der Jugend bestimmt sehr gut Fußball spielen, aber man hatte ihm nicht beigebracht, wie es im Profi-Sport zugeht. Und, das muss ich auch dem Verein ankreiden: Immer wieder wurde, nicht nur bei ihm, gesagt: „Wir drängen ihn zum Deutsch-Unterricht.“ Wenn das tatsächlich geschah, dann war das aber auch schon alles. Kontrolliert wurde nämlich so gut wie nie, ob die Spieler denn auch tatsächlich ihre Deutsch-Stunden absolviert haben. Das wurde uns von etlichen Spielern im Laufe der Jahre immer wieder bestätigt. Ein schweres Versäumnis und ein total unprofessionelles Verhalten eines Profi-Sport-Vereins. Da wird viel Geld investiert, um den Spieler zu verpflichten, aber es wird nicht bis zur letzten Konsequenz kontrolliert, ob der Spieler dann auch alle Vereinbarungen einhält. Und die Sprache des Gastgeber-Landes zu lernen, das ist ja wohl mal möglich – man wird ja auch nicht dümmer dadurch. Mein Vorbild ist in diesem Punkt Tomas Rincon, der schon nach kurzer Zeit prächtig Deutsch sprechen konnte.

Dann gab es noch eine Mail zum Thema 1970, Italien gegen Deutschland 4:3.

„Danke Dieter,

endlich können auch mal die Jüngeren nachlesen, dass wir 1970, drei Monate vor meiner Geburt, total verpfiffen worden sind. Wenn über das Spiel geredet oder geschrieben wird, dann wird das immer total verschwiegen. Ich habe mir die Partie zweimal irgendwann zwischen 1990 und 2010 über die volle Spielzeit angesehen und muss sagen, dass ich wirklich selten einen schlechteren Schiedsrichter gesehen habe.

Um auch mal abschweifen zu dürfen: Zum Halbfinal-Rückspiel HSV-Werder (2-3) reden alle Leute immer nur über die Papierkugel. Ich sage dann immer, dass dies nichts (oder fast gar nichts) damit zutun hatte, weil zweitens eine Ecke nicht immer zu einem Tor führen muss und vor allem weil erstens der Spieler Michael Gravgaard beim Stande von 1-2 ein blitzsauberes Kopfballtor erzielt hatte, welches nicht gegeben wurde. Das Spiel wäre dann anders ausgegangen…

Zurück zu 1970: Im Wikipedia-Eintrag ist nichts von diesem unterirdischen Schiedsrichter zu lesen. Ich würde das am liebsten ändern. Aber ich glaube, ich benötige dazu eine Quellenangabe…
BWSG, Henning

So, und dann war der heutige „Doppelpass” auf „Sport 1” ja mit Hamburger „durchsetzt“. Thomas Helmer wohnt hier, Thomas Doll ist immer noch einer von Hamburgs Fußball-Lieblingen, und Marcell Jansen spielt hier, obwohl der neue Vertrag immer noch nicht unterschrieben worden ist.

Wer es nicht mitbekommen hat, hier die wichtigsten Aussagen von Marcell Jansen. Er sagt . . .

…über die Zukunft von Joachim Löw:
„Ich glaube, dass er sich stellt, weil er etwas vorzuweisen hat. Und er war auch für mich einer meiner wichtigsten Trainer in meiner Laufbahn – eine taktische und fußballerische Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau. Natürlich verstehe ich die Emotionalität nach dem Spiel, aber Jogi Löw hatte auch bereits als Co-Trainer 2006 eine ganz immens wichtige Position innerhalb der Mannschaft und hat mich persönlich sehr weit gebracht. Natürlich führt jeder Rückschlag dennoch zu Debatten und dazu, noch einen Schritt draufzusetzen. Das muss jetzt das Ziel sein. Jogi Löw ist da auch so ehrgeizig, das anzunehmen. Es ist doch schön, wenn wir jetzt wieder neue Ziele haben.“

…über fehlende Führungsspieler in der deutschen Mannschaft:
„Was fehlt ist die Frage, ist ein Spieler marketingtechnisch so aufgebaut oder ist er von Natur aus so? […] Und das ist der große Unterschied: Ob man sich in der Öffentlichkeit hinstellt und irgendetwas versucht, damit es sich hinterher gut anhört, oder ist man einfach so wie man ist? […] In der eigenen Darstellung muss jeder selbst Verantwortung für sich übernehmen und sich fragen, wie bin ich als Typ und wie möchte ich rüber kommen. Jeder muss da seinen Weg finden und das ist heutzutage allgemein schwierig, weil alles irgendwie vermarktet ist. […] Das ist eine sehr schwierige Diskussion, weil alles seit Jahren als gut und richtig anerkannt wurde. Jetzt sitzen wir heute hier, weil wir einmal nicht gut gespielt haben und verdient ausgeschieden sind. Wo war die Kritik als es noch lief?“

…über deutsche Spieler, die die Nationalhymne nicht mitgesungen haben:
„Wir haben ab 2006 wieder angefangen, eine Euphorie zu entfachen. Das hat gut getan und da ist auch das jetzige Trainerteam dafür verantwortlich, dass das so Schwung aufgenommen hat. […] Klar sind die Spieler dafür verantwortlich, auf dem Platz zu verkörpern, dass sie für unser Land auflaufen. […] Man muss aber aufpassen, dass man da nicht zu viel rein interpretiert. Dennoch muss man versuchen, sich über die Nationalhymne kurz vor dem Spiel noch eine Extra-Motivation zu holen. Ich denke, dass das bei den Jungs aber auch der Fall war.“

…über die Italiener und das heutige EM-Finale:
„Es ist beeindruckend, wie sie mit der Situation umgegangen sind, weil das ja auch ein Riesen-Druck war – gerade ein Buffon, der ja sehr hart kritisiert wurde. […] Wenn Italien in der Lage ist, in Führung zu gehen, können sie es auch schaffen. Wenn nicht, wird es sehr eng. […] Ich bin der Überzeugung, dass es Spanien macht, aber emotional wäre es auch Italien zu gönnen.“

Und Thomas Doll sagte auf Sport 1 . . .

…über die Entwicklung der deutschen Mannschaft:
„Wir sehen unsere Nationalmannschaft sehr gerne Fußball spielen. Wir können uns damit identifizieren und haben in den letzten sechs Jahren Riesen-Sprünge nach vorne gemacht. Nationen wie England und Frankreich wären froh, wenn sie da stehen würden, wo wir jetzt stehen. Und man kann nicht von einem einzigen Spiel ausgehen – auch wenn es das Halbfinale ist – ob Jogi Löw jetzt der richtige Trainer ist oder nicht. Jogi macht einen klasse Job und ist genau der richtige Mann – und auch der richtige Mann für 2014.“

Und noch ein ehemaliger HSVer hat ich zum Thema Nationalmannschaft und EM geäußert: Günter Netzer. Der ehemalige Manager äußerte sich in der „Bild am Sonntag“, und Insider wissen es vielleicht, wie ich denke: Wenn Günter Netzer etwas sagt, dann hat das in meinen Augen Gewicht. Er ist meine absolute Nummer eins in Deutschland. Der Mann ist super, der weiß wovon er spricht, der weiß auch genau, was er sagt. Das ist niemals ein Blabla:

Günter Netzer hat deutliche Kritik an den Führungsspielern und an der Rundumversorgung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geübt. Der Ex-Nationalspieler kritisierte nach dem EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) in einer Kolumne für die Zeitung „Bild am Sonntag“ besonders Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Lahm trete vor den Fernsehkameras „rhetorisch brillant“ auf. Aber in dieser Saison bei Bayern München und in der Nationalelf bei der EM habe er abgesehen vom Spiel gegen die Niederlande „gravierende Abwehrschwächen“ gezeigt. „Ihm sind der Drang nach vorne und die Effizienz verloren gegangen“, sagte Netzer. Podolski sei nur noch ein „Nationalspieler von Löws Gnaden“, Schweinsteiger „einfach keine Führungsnatur“.

Netzer hält die von Bundestrainer Joachim Löw gelobte flache Hierarchie für falsch. „Jede Mannschaft braucht eine Hierarchie. Das haben wir gegen Italien nicht gehabt. Dort waren wir nicht in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen“, schrieb Netzer. Die „paradiesischen Zustände“, wie sie dem Team im EM-Quartier Dwor Oliwski geboten wurden, betrachtete Netzer als „ein wenig zu viel des Guten“. Dass Löw von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach das Vertrauen ausgesprochen wurde, begrüßte Netzer aber. „Löw ist unbestritten einer der besten Trainer der Welt“, sagte er (aufgezeichnet von dapd).

Dann gibt es da noch die Tops und Flops der EM

TOPS

Gastfreundschaft: Die Geschichte der Deutschen in Danzig, Warschau, Lwiw oder auch Charkiw ist eine ganz spezielle – aber in der Gegenwart war es beeindruckend, wie freundlich und herzlich die Menschen in Polen und der Ukraine auch ihre deutschen Gäste bei sich willkommen hießen. Doch trug dazu sicherlich auch bei, dass diese Gäste sich bei ihrem Besuch zu benehmen wussten.

Fratelli d’Italia: Gianluigi Buffon singt sie im Gedenken an seine Großeltern, andere hatten andere Motive – aber alle gemeinsam intonierten Italiens Nationalspieler vor jedem Spiel die Hymne ihres Heimatlandes mit solcher Inbrunst, dass ihnen alleine dafür der Titel gebührte.

Die Königlichen: Fast in Mannschaftsstärke war Spaniens Meister Real Madrid im Halbfinale der EM vertreten, angeführt vom endlich einmal auch in Portugals Nationaltrikot überzeugenden Cristiano Ronaldo. Das Team der Vorrunde war hingegen der VfL Wolfsburg mit dem prompt teuer an Bayern München verkauften Dreifachtorschützen Mario Mandzukic sowie Petr Jiracek, der für Tschechien ebenso zweimal traf wie sein Landsmann und künftiger Teamkollege Vaclav Pilar.

Stratege: Der stets adrette Signore Cesare Prandelli pilgerte nach jedem Sieg von Italiens Nationalteam. Mit innerer Ruhe entwickelte er die perfekte Strategie, wie sich Verletzungssorgen und dem Wettskandal in der Heimat trotzen ließ und darüber hinaus die Exzentriker Mario Balotelli und Antonio Cassano ins Team zu integrieren waren.

Sonderpreis: Mit ihrer Version von „Low lie the fields of Athenry“ sorgten die irischen Fußballfans für den Gänsehautmoment dieser EM. „Wir alle waren beeindruckt von diesen Fans. Sie haben die Ergebnisse ihrer Mannschaft wettgemacht“, sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino über die Anhänger der sieg- und punktlosen Iren. Den Sonderpreis der Uefa, den Präsident Michel Platini ihnen auf Beschluss des Exekutivkomitees überreichen wird, haben sie zweifellos verdient. Fraglich ist nur, ob die Uefa sich nicht besser mit drängenderen Problemen beschäftigen sollte, etwa dem Torklau von Donezk. Und damit zu den…

FLOPS

Schummelei: Löw und der Balljunge und die Tränen von Fan Andrea – in mindestens diesen beiden Fällen schummelte die Uefa gewaltig beim weltweiten TV-Signal. Mindestens deshalb, weil wir nicht wissen, welche Szenen uns womöglich noch in aufgezeichneter Form untergejubelt wurden. Hatte Balotelli womöglich in einem ganz anderen Spiel zwei Tore geschossen? Fakt ist: Manipulation und Zensur empören ARD und ZDF – und nicht nur die.

Gastgeber: Vor vier Jahren waren die Ausrichter Österreich und Schweiz zu schwach für ein Weiterkommen, nun scheiterten auch die dank dieser Rolle ins Feld der EM-Teilnehmer gerutschten Polen und Ukraine schon nach der Vorrunde. Ein Gastgeber mit Erfolgsaussichten wäre also mal wieder schön. Ob aber ausgerechnet Frankreich das 2016 gelingen wird? Vielleicht hilft ihnen ja die Aufstockung auf 24 Teams…

Wertloser Weltrekord: Der EM-Titel war das erklärte Ziel, aber wieder einmal reichte es für Deutschlands beste Fußballer nur zum Halbfinale. Joachim Löw verzockte sich bei der Taktik gegen Italien, Bastian Schweinsteiger war zu keinem Zeitpunkt er selbst, Lukas Podolski spielte erst recht ein schwaches Turnier. Der Weltrekord von 15 Pflichtspielsiegen hintereinander ist wertlos, wenn andere das wahre Ziel erreichen und den Titelgewinn feiern.

Rassismus und Randale: Nationalistische Fahnen und Symbole und menschenverachtende Grunzlaute primitiver Fans waren bestimmende Themen der ersten Turnierwoche. Zum Glück nur der ersten Turnierwoche. Danach waren Russland und Kroatien ausgeschieden – und der friedliche Teil der Fans unter sich.

Störenfriede: Für die letzten Ausraster des Turniers sorgten der Trainer der Ukraine, Oleg Blochin, und Frankreichs Stürmer Sami Nasri. Beide bepöbelten ihnen missliebige Journalisten. Echte Störenfriede waren auch die Egoisten in Hollands Team, Klaas-Jan Huntelaar etwa, der sich selbst wichtiger nahm als den Erfolg seiner „Elftal“.

Und um die EM noch abzurunden, es gibt auch noch die Zitate der Fußball-Europameisterschaft

„Da heißt es, Stahlhelm aufsetzen und groß machen.“ (Deutschlands Assistenztrainer Hansi Flick am Freitag in Danzig auf die Frage, ob es wegen der Schusskünste von Cristiano Ronaldo eine Freistoßwarnung an die deutschen Spieler gegen Portugal geben werde)

„Das ist schließlich nicht Andorra. Obwohl: Gegen Andorra triffst du nicht immer so viel ins Netz.“ (Mittelfeldspieler Roman Schirokow nach dem furiosen 4:1 der Russen gegen Tschechien bei der Fußball-EM)

„Vor dieser Pressekonferenz habe ich noch ein Stündchen geschlafen. Ich bin entspannt wie ein kleines Kind, das seine Hausaufgaben gemacht hat.“ (Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli einen Tag vor dem Gruppenspiel gegen Spanien)

„Egoland – Legoland 0:1.“ (Fans der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter über die Leistung ihres Teams bei der EM-Auftaktniederlage gegen Dänemark)

„Ich werde nur die erste Hälfte der Frage beantworten, weil der Übersetzer weg ist. Ich glaube, er ist auf die Toilette gegangen.“ (Frankreichs Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc bei der Pressekonferenz vor dem EM-Spiel gegen England)

„Darf ich es waschen lassen?“ (Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano zu Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der ihm nach dem 1:1 gegen Spanien sein verschwitztes Trikot geschenkt hatte)

„Was hat mal ein ganz großer Kollege von mir gesagt, Giovanni Trapattoni: Ein Trainer ist kein Idiot!“ (Bundestrainer Joachim Löw auf die Frage, wie seine Personalentscheidungen zustande kämen, mehr aus Gefühl oder mehr aus Erkenntnissen)

„Ich habe euch nicht gebeten, zu warten.“ (Torschütze Samir Nasri nach der Dopingprobe beim 1:1 gegen England auf die Anmerkung eines Journalisten, man habe zwei Stunden auf ihn gewartet)

„Ich war schon geschockt über Mario, weil ich noch nie gesehen habe, dass er den Ball so mitgenommen hat. Wenn er solche Aktionen öfter hat, muss man aufpassen, dass er nicht nach Brasilien geht.“ (Bastian Schweinsteiger zum ersten Tor von Gomez beim 2:1 gegen die Niederlande)

„Spanien kann praktisch mit geschlossenen Augen spielen.“ (Irlands Trainer Giovanni Trapattoni nach dem 0:4 gegen Spanien)

„Mir blieb nichts anderes übrig, als den Ball reinzuschießen. Ich hätte 80 Meter wieder zurücklaufen müssen.“ (Lars Bender zu seinem Siegtor gegen Dänemark)

„Beim Spiel der Spanier wird nur der Ball müde.“ (Uefa-Präsident Michel Platini über die körperliche Fitness und das schnelle Kurzpassspiel der Spanier)

„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“ (Uefa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina nach dem Torklau von Donezk)

„Bei so einem Spiel dabei zu sein, hätte ich mir allenfalls an der Playstation vorstellen können.“ (Italiens Stürmer Alessandro Diamanti vor dem Viertelfinale gegen England)

„Es ist wie mit einem Ehepaar – wenn du immer alles unter den Teppich kehrst, fliegt das Ganze irgendwann auseinander.“ (Frankreichs Co-Trainer Alain Boghossian über die Auseinandersetzungen nach der 0:2-Niederlage gegen Schweden)

„Wir wissen alle, dass Mario eine schöne Frisur hat. Aber über meine Frisur geht nichts.“ (Marco Reus auf die Frage einer ausländischen Reporterin, ob er wisse, dass seine Frisur noch schöner sei als die von Teamkollege Mario Gomez)

„Ich habe einen Spaten daheim, den könnte ich Jogi Löw schicken, damit er den Maulwurf erschlägt.“ (Hoffenheims Trainer Markus Babbel zur sogenannten Maulwurf-Affäre bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft)

„Das war der schönste Abend meines Lebens.“ (Italiens Stürmerstar Mario Balotelli nach dem 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland)

„Wir haben viermal auf die Fresse gekriegt.“ (Mario Gomez nach dem 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale. Mit dem FC Bayern hatte er in dieser Saison dreimal knapp einen Titel verpasst)

„Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln.“ (Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nach dem EM-Aus gegen Italien)

„Ich habe viel Wodka getrunken.“ (Uefa-Präsident Michel Platini auf die Frage eines Journalisten, was er in den vergangenen Wochen so getan habe, außer EM-Spiele im Stadion zu schauen)

Und einmal EM habe ich noch – für jene, die am Bundestrainer zweifeln:

Die Positive Löw-Bilanz: Nur sechs Pleiten in 50 Pflichtspielen

Ausgerechnet in seinem 50. Pflichtspiel musste Joachim Löw die vielleicht bitterste Niederlage in seiner Amtszeit als Fußball-Bundestrainer hinnehmen. Es war erst die sechste in einem Wettbewerbsspiel. 39 Siege und fünf Unentschieden stehen für den 52-Jährigen zu Buche. Bei allen drei Turnieren als Bundestrainer konnte Löw den letzten oder vorletzten Schritt mit dem DFB-Team nicht machen, zweimal gegen Spanien und jetzt erstmals gegen Italien. Die sechs Pflichtspiel-Niederlagen unter Bundestrainer Löw:

17.10.2007 Deutschland – Tschechien 0:3 EM-Qualifikation *
12.06.2008 Deutschland – Kroatien 1:2 EM-Vorrunde
29.06.2008 Deutschland – Spanien 0:1 EM-Finale
18.06.2010 Deutschland – Serbien 0:1 WM-Vorrunde
07.07.2010 Deutschland – Spanien 0:1 WM-Halbfinale
28.06.2012 Deutschland – Italien 0:1 EM-Halbfinale * Die deutsche Mannschaft hatte sich wenige Tage zuvor für die EM 2008 qualifiziert (dpa).

Und dann auch noch das ganz kurz zum Thema Frauen-Fußball und Abmeldung der HSV-Bundesliga-Mannschaft:

Der Frauenfußball-Bundesligist FCR Duisburg hat nach eigenen Angaben die Insolvenz-Gefahr gebannt. „Nur mit dem unermüdlichen, monatelangem Einsatz aller Verantwortlichen und der Hilfe der treuen Sponsoren konnte die akut drohende Insolvenz jetzt endgültig abgewendet werden“, hieß es in einer Pressemitteilung des Klubs.
Der FCR musste zuletzt personell einen Aderlass verkraften. Neben Nationalspielerin Annike Krahn, die ihren Abschied am vergangenen Donnerstag verkündet hatte, verlassen unter anderem auch die Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Luisa Wensing und Simone Laudehr den Klub. Popp und Wensing schließen sich dem VfL Wolfsburg an, Laudehr wechselt zum siebenmaligen Meister 1. FFC Frankfurt. Krahn will ihren neuen Klub in Kürze bekannt geben.
Der Klub kündigte an, dass es aufgrund der angespannten Finanzlage „auch nach der Rettung nicht möglich sein wird, spektakuläre Neuverpflichtungen zu realisieren“. (SID)

So, nun ist auch Schluss mit lustig. Ich mache mich nun vom Acker (aus der Redaktion), weil es ins „Champs“ nach Schnelsen geht, aus dem am Abend „Matz ab live“ mit unseren Gästen Heiko Westermann und Maximilian Beister (und natürlich mit „uns Scholle“) gesendet wird. Ich werde dort eher in „Schweinsteiger-Verfassung“ auflaufen, also höchstens bei 70 bis 80 Prozent, weil ich immer noch leicht angeschlagen bin, aber dann wird es eben „Scholle“ richten müssen. Wird schon. Ich hoffe doch, dass ihr wieder mit von der Partie sein werdet.
Einen schönen Abend für euch und eure Lieben.

17.39 Uhr

Vom “Über-Jogi” zum Sündenbock

30. Juni 2012

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heißt es im Volksmund. Ist wohl auch was dran. Aber ich kann mich erinnern, dass wir im Kollegenkreis so gut wie fassungslos waren, als wir am Donnerstag von der deutschen Aufstellung für das Italien-Länderspiel erfahren hatten. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Bundestrainer seine 20 Millionen „Kollegen“ im Lande gefragt hätte, dass er mindestens zehn Millionen Einsprüche gegen diese Elf geerntet hätte. Wenn nicht noch viele, viele mehr. Nun gut, es ist jetzt ohnehin nicht mehr zu ändern, aber was nun im „Nachhinein“ auf „Jogi“ Löw einprasselt, das hätte ich nicht vermutet. Vor dem Halbfinale wurde er in ganz Deutschland als „Über-Jogi“ gefeiert – und nun hat er mit einem Spiel plötzlich soooooo viele Gegner gewonnen. Eine höchst zweifelhafte „Ehre“. Und wer da nicht alles was zu sagen hat. Ballack, Thon, Schumacher und, und, und. Besonders die ehemaligen Nationalspieler äußern sich ja jetzt sehr, sehr kritisch. Bin gespannt, wann in diese „Hetze“ auch noch der eine oder andere Bundesliga-Trainer mit einsteigen wird.

Mein Freund Klaus ist ja einer von den 20 Millionen Bundestrainern hierzulande. Er sagte mir heute am Telefon: „Ich würde jetzt Matthias Sammer als Bundestrainer bringen. Bei dem wären solche Fehler ganz sicher nicht vorgekommen.“
Mag ja sein, aber dafür passieren dem dann eben andere Fehler. Wer ist schon fehlerfrei? Ein Bundestrainer sicher nicht. In Deutschland gab es jedenfalls noch keinen fehlerfreien Bundestrainer. Um noch einmal kurz meine Meinung in Sachen Italien-Aufstellung einfließen zu lassen: Podolski, Gomez und Kroos hätten bei mir nicht gespielt. Und wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann gehörte auch Schweinsteiger nicht mehr in diese Mannschaft, denn der war bei dieser EM nie bei 100 Prozent. Zu keiner Phase.

Irgendein schlauer Mensch hat kürzlich, weit vor dem Italien-Spiel, zu mir gesagt: „Der hat nach seiner langen und schweren Verletzung beim FC Bayern viel zu früh wieder angefangen. Der sollte gegen diese verdammten zweiten Plätze ankämpfen, aber das ist ja bekanntlich gescheitert. Damit jedoch ist er verheizt worden, sodass er bei dieser EM nur mit höchsten 60 Prozent dabei war.“

Kann ja sein. Eventuell waren bei Schweinsteiger aber auch ganz besonders die drei zweiten Plätze des FC Bayern zu spüren, bei ihm haben sie eventuell doch mehr Wirkung gezeigt, als er, als der DFB und als „Jogi“ Löw zugeben wollen. Natürlich gehört Schweinsteiger in die deutsche Nationalmannschaft, natürlich gehört er auch zu den festen Größen des europäischen Fußballs, aber man muss eben auch mal „nein“ sagen können. Schweinsteiger selbst aber sagte vor dem Italien-Spiel: „Ich bin fit.“ Wie bitte? Durch einen Crash-Kurs? Er mag schmerzfrei gewesen sein, aber ganz sicher nicht fit. Und ich bin gespannt, wie lange es in der kommenden Saison dauern wird, bis der „Schweini“ wirklich wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber wenn es ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Bundestrainer gibt, wie es offensichtlich der Fall ist, dann hätte Löw seinem Star vielleicht in einem Vier-Augen-Gespräch klar machen müssen, dass es für die Mannschaft diesmal besser ist, ohne ihn . . .

Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt. Und warum bei Schweinsteiger anfangen, wenn schon Podolski und Gomez „mittun“ dürfen? Ich wurde ja bei „Matz ab“ ausgelacht, als ich kürzlich schrieb, dass mir der FC Arsenal Leid täte. Weil die Engländer einen Mann gekauft haben, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Da bin ich auch mal gespannt, wie sich das so auf der Insel entwickelt. Sehr, sehr, sehr gespannt sogar. Ich habe das Gefühl, dass Podolski unter die Denker gegangen ist. Er denkt zu viel über sein Spiel nach, statt wie früher unbekümmert den direkten Weg zum Tor zu suchen. Ich jedenfalls war total entsetzt über diese EM-Vorstellung des Kölners, besonders natürlich über diese 45 Minuten gegen Italien. Außer einem Foul von ihm habe ich nichts gesehen.

Nun gut, jetzt bin ich auch noch einmal mittendrin statt nur dabei. Interessant fand ich, was ZDF-Experte Oliver Kahn (43), Vize-Weltmeister von 2002 und dreimaliger „Welttorhüter des Jahres“, im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zum deutschen Scheitern im EM-Halbfinale gesagt hat. Da war nämlich enorm viel Kluges und Wahres dabei:

„Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist so ein bisschen das Verleugnen ganz wichtiger, ganz zentraler Tugenden und Werte, die den deutschen Fußball früher ausgemacht haben – Grundeinstellungen wie Zweikampfhärte, Wille, Leidenschaft, Einsatz. All das hat bei der deutschen Mannschaft diesmal gefehlt. Wir tun so seit einer gewissen Zeit, ca. seit 2006, als bräuchten wir all diese Tugenden nicht mehr, als könnten wir alles immer ganz leicht, spielerisch lösen. Man hat gerade in diesem Spiel gesehen, wie wichtig diese Dinge sind. Eine dieser Tugenden heißt: Verantwortung übernehmen. Wenn es 0:1 oder 0:2 steht, wo ist dann der Spieler, der Verantwortung für das Team übernimmt…?“

Oliver Kahn sagte auch:

„Es ist oft von den ‚flachen Hierarchien’ im deutschen Fußball die Rede. Der Nachteil dabei ist, dass die Spieler nicht zur Verantwortung erzogen werden. Und genau das hat in diesem Spiel letztlich gefehlt. Wir sollten uns auf die alten Tugenden besinnen, die den deutschen Fußball groß gemacht haben. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir die modernen Facetten des Fußball, die Spielphilosophie mit den alten deutschen Tugenden verbinden können.“

Und dann gab es noch eine kleine Kritik an Löw:

„Diesmal hat das Konzept, das der Bundestrainer sich ausgedacht hat, alles andere als funktioniert. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in diesem taktischen System noch nie zusammengespielt hat. Kroos hatte die Aufgabe, Pirlo fast schon in Manndeckung auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass sich Özil und Kroos fast immer auf den Füßen gestanden haben. Özil hat auch versucht, das Zentrum zu besetzen. Damit waren zwei in der Mitte, und die ganze rechte Seite blieb dann praktisch frei.“

Dabei waren dem früheren Welttorhüter auch folgende Dinge nicht verborgen geblieben:

„Wenn dann noch solche Fehler im Defensivbereich gemacht werden, eigentlich einfache, unverständliche Fehler, Konzentrationsfehler, dann muss man sich nicht wundern, wenn man gegen so eine hoch motivierte Mannschaft wie die Italiener rausfliegt. Fußball ist ja zunächst einmal ein Fehlervermeidungsspiel. Es geht darum – gerade auf diesem Niveau – so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wenn Du natürlich solche Klopse machst wie die deutsche Mannschaft im Defensivbereich, die Italiener geradezu dazu einlädst, die Tore zu erzielen, dann wird es natürlich sehr schwierig.“

Alles war recht ist, aber da hat Kahn schon viel Wahres gesagt. Ich habe ja auch bei „Matz ab live“ unseren Gast Lotto King Karl gefragt, ob Deutschland nicht auch der eine oder andere „harte Hund“ (einer wie der Spanier Ramos, wie van Bommel bei den Niederländern) fehlt? Mein Kollegen „Scholle“ hat mich ausgelacht, als ich meine Bedenken über unsere Innenverteidigung äußerte. Badstuber und Hummels wollen Fußball spielen. Deutschland war und ist stolz darauf, nur noch ganz wenige Fouls zu begehen – aber was nützt einem ein Fairness-Preis, wenn man die großen Titel nicht gewinnt? Balotelli ist eine richtige Kante, der zur Not auch durch Betonwände marschiert – mit dem Kopf voran. „Scholle“ aber sagte zu mir: „Ach was, der Balotelli ist doch auch kein Überflieger, der hat doch keine überragende Saison gespielt. Nein, nein, den legen die Deutschen schon an die Kette . . .“

Wie Kahn schon sagte: deutsche Tugenden. Ich weiß, ich weiß, keiner kann das mehr hören. Aber fehlt uns nicht so einer wie der frühere Stuttgarter „Eisenfuß“ Karlheinz Förster? Oder Jürgen Kohler? Oder ein Willi Schulz? Von dem hieß es stets: „Wer an Schulz vorbeikommt, hat selber schuld.“ So richtige „Hacker“ gibt es doch heute gar nicht mehr. Einen „Treter“, der schon beim Auflaufen die Ellenbogen ausfährt. Der einem Angst und Schrecken einjagt, wenn man ihn nur sieht. Die deutschen Abwehrspieler wollen „nur spielen“. Um keine Freistöße in Tornähe zuzulassen. Mag ja sein, dass so etwas auch ganz gut ist, aber einen Balotelli bekommt man nur zufassen, in dem man ihm auch mal die Kante gibt. Ohne unfair zu sein – einfach nur mit gesunder Härte. Spanien hat diesen Ramos, und der wird dem Balotelli schon zeigen, wo Bartel den Most holt.

Und so sehr ich es auch begrüße, dass in Fußball-Deutschland den jungen Leuten, sogar den ganz jungen Leuten das Fußball „spielen“ beigebracht wird – es dürfte auch schon der eine oder andere Hauch von Härte vermittelt werden. Heute sind die jungen Fußballer, die kurz vor den Bundesligen stehen, alle super und großartig mit viel, viel Technik ausgebildet, aber einen Schuss sollte irgendwann doch auch mal wieder ein Thema werden. Die Mischung macht’s.

Um noch einmal kurz auf Oliver Kahn zurückzukommen: Er war trotz allem nur zweiter Sieger bei dieser EM, denn sein frühere Kollege Mehmet Scholl, der war bei der ARD der große Gewinner dieser EM. Trotz des „Wundlegens“ mit Gomez. Was Scholl alles während dieser Meisterschaft an fußballerischen Weisheiten verkündete, wie er fußballerische Feinheiten aufklärte und erklärte, das war erste Sahne. Der Mann hat es drauf, und ich kann dem großen Trapattoni nur beipflichten: „Scholl wird mal ein großer Trainer.“

Und wo ich gerade bei Irland (Trapattoni) bin. Die Uefa wird den „irländischen“ Fans (würde Rudi Völler sagen, ich kann es mir nicht verkneifen!) einen Sonderpreis verleihen – weil diese Anhänger während der EM-Tage so positiv aufgefallen sind. Die haben gesungen, geschunkelt, gefeiert – obwohl die Iren nur verloren haben. Irlands Ikone Roy Keane waren die grünen Partys nach Niederlagen allerdings ein großer Dorn im Auge. Er sagte während der EM: „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben.“ Was der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft jetzt wohl sagt, dass Irland nun noch einen Preis für das Rumgesinge erhält. Wird Keane eventuell am Fußball generell zweifeln? Vielleicht. Ich aber habe mir damals schon gedacht: Jetzt dürfen die Fans schon nicht mal mehr singen, schunkeln und feiern. Sind zuschlagende Krawall-Brüder denn doch erwünschter? Oder wie kann man sich den idealen Zuschauer denn „schnitzen“? Schlagen sollen sie nicht, singen, schunkeln und feiern sollen sie auch nicht – eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir schon noch den „idealen Fan“ haben. Ob ich das allerdings noch erlebe, das bezweifle ich doch stark.

So, ansonsten bin ich froh, dass wir morgen den letzten EM-Tag vor uns haben. Nicht wegen der EM an sich, nein (es hat doch viel Spaß gebracht), sondern deswegen, weil einen Tag später der HSV in die neue Saison starten wird. Herrlich. Wunderschön. Endlich. Die Bundesliga hat uns wieder. Natürlich nicht gleich und sofort, aber den Hauch davon erleben wir auf jeden Fall schon mal. Und wenn dann noch der eine oder andere neue Spieler nach Hamburg kommen wird, dann sieht die ganz Geschichte ja auch schon wieder viel freundlicher (für den HSV und seinen Anhang) aus.

Zur Erinnerung: Morgen, nach dem EM-Finale zwischen Spanien und Italien, ist „Matz ab live“ wieder in Schnelsen und damit im „Champs“ zu Gast, und wir haben zwei besonders tolle Gäste: HSV-Kapitän Heiko Westermann und HSV-Heimkehrer Maximilian Beister. Ich freue mich – auch auf euch, wenn ihr wieder dabei seid. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gesundheitlich ein wenig schwächele – Magen-und-Darm-Grippe, aber volle Delle, den ganzen Tag im Bett. Und wir hatten so viel Sonne heute. Aber das sind wohl Nachwirkungen des deutschen EM-Aus . . .

Ein schönes Wochenende für alle “Matz-abber”

19.05 Uhr

Schweden-Star besteht den Elm-Test – Petric nach Malaga?

26. Juni 2012

Der Spielplan ist raus. Und so spannend es war, auf ihn zu warten, so unspektakulär ist letztlich alles. Auftakt gegen Nürnberg – okay. Das ist ein Spiel, an dem wir uns gleich messen können. Immerhin sollte der FCN ähnliche Ziele wie der HSV in dieser Saison verfolgen. Klassenerhalt möglichst früh sichern und dann schauen, was noch nach oben geht. Anschließend geht es nach Bremen zum Nordderby – schon besser! Frankfurt und Dortmund runden den Auftakt ab. Dass hier im Blog von 18 Punkten nach sechs Spieltagen gesprochen wird, kann ich nicht ernst nehmen. Das ist genau so vermessen, wie es zu pessimistisch sein dürfte, von einem Punkt aus sechs Partien zu sprechen.

Aber okay, ich bin von einer aussagekräftigen Prognose eh noch weit entfernt. Schon zwei, drei Personalien können die gesamte Saisonplanung verändern. Rasmus Elm soll weiter ein ganz heißer Kandidat sein. Der schwedische Nationalspieler weilt derzeit im Urlaub und will sich anschließend entscheiden, für welches Angebot er sich entscheidet. Dem Vernehmen nach – auch wenn sie beim HSV nur bestätigen, den Spieler „auf dem Zettel“ zu haben – hat der HSV namhafte Mitbieter. Unter anderem auch den FC Liverpool, was mich zunächst glauben ließ, das Ding sei entschieden. Allerdings habe ich gestern länger mit einem Kollegen vom schwedischen „Aftonbladet“ gesprochen, der mit Rasmus Elm befreundet ist. Er sagte mir, dass die Sache noch lange nicht klar sei. Immerhin habe sich Elm einst trotz Angebote aus Leverkusen, Liverpool und Spanien für den AZ Alkmaar entschieden, wo er noch heute spielt.

Was mir der schwedische Kollege erzählte, klang sehr gut. Und obwohl mir mein Bauchgefühl sagt, dass ein Schwede – wenn er nicht Ibrahimovic heißt – eher nicht die große Lösung sein kann, was ich von Elm zu hören bekam, klang sehr überzeugend. So soll der schwedische Nationalspieler ein sehr integrer, ehrlicher und ambitionierter Spieler sein, der sich alle Angebote anhört und anschließend persönlich vor Ort begutachtet. Elm überließe nichts dem Zufall, so mein Kollege.

Das klingt gut. der Schweden-Stra hat den Elm-Test bestanden…

Dass der 24-Jährige noch in dieser Woche vorgestellt wird, wie uns gestern erzählt wurde, ist allerdings ausgeschlossen. Zumal die heutige Vorstandssitzung wegen mangelnder Beteiligter (Jarchow und Scheel sind weg, Arnesen hatte Termine) ausfiel, auf der es angeblich um die mögliche Beteiligung Klaus Michael Kühnes gehen sollte. Wobei ich aus ziemlich sicherer Quelle weiß, dass sich der Speditionsmilliardär bereits mit dem Gesamtpaket Elm auseinandergesetzt hat.

Apropos Gesamtpaket: Elm hat noch zwei Brüder, die zufällig auch Fußballprofis sind. Nicht ganz so erfolgreich wie er, aber eben gut. David und Viktor heißen die beiden. Und Letztgenannter spielt beim SC Heerenveen. Auf einer Position, die Arnesen noch immer sucht: im defensiven Mittelfeld….

Aber okay, es werden noch einige Tage der Spekulationen vergehen. „Zwischen Anfang und Ende August rechne ich mit der meisten Bewegung auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, „da werden wir noch Geduld haben müssen. Bis dahin werden wir uns noch mit etlichen Spielern unterhalten.“

Auch mit Rafael van der Vaart? Passiert nichts – wie in dieser Sommerpause bislang fast durchgehend – dann taucht der Name van der Vaart wieder auf. Logisch! Weil er einer wäre, der dem HSV ganz sicher helfen könnte. Weil seine Frau berufsbedingt in Deutschland lebt. Und weil er der erklärte Liebling von Herrn und Frau Kühne (auch sie verfügt über ausreichend Liebe zum HSV…) ist. Heute äußerte sich van er Vaart via „Bild“, dass ihn das Interesse freue – aber er sagte auch, dass es aktuell keinen Kontakt gibt.

Und so gern ich VdV hier beim HSV sehen würde – es deutet nicht wirklich viel darauf hin. Leider.

Ein „leider“ muss ich auch der Personaldiskussion beim DFB anheften. Da geht es plötzlich darum, ob Müller oder Reus spielen soll. Warum? Warum sollten nicht beide spielen. Müller auf der rechten Seite wie beim FC Bayern und Reus auf links – wie bei Mönchengladbach des Öfteren. Für mich wäre eine Aufstellung mit beiden gegen Italien das Optimum. Ob davor Klose oder Gomez aufläuft ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Für mich ist das ein Luxusproblem sondergleichen. Gomez ist ne Torfabrik und Klose spielerisch einer der besten Stürmer Europas. Da kann Löw eigentlich nichts verkehrt machen.

Nicht so, wie es Heynckes gemacht hat, der meiner Meinung nach bei Müller im Laufe der Saison alles falsch gemacht hat. Robben und Ribery auf außen vorzuziehen, okay. Aber Müller dafür zentral spielen zu lassen, ist falsch. Und ich glaube, diese positionelle Inkonstanz ist der Hauptgrund, weshalb mein absoluter Lieblingsspieler in der deutschen Nationalelf (Hummels holt allerdings mächtig auf) bislang nicht die Form hat, die man von dem Weltklasse-Außen gewohnt ist. Und das, obwohl Müller ganz sicher nicht schlecht gespielt hat.

Aber okay – auch wenn ich das eigentlich nie so mache, irgendwie habe ich inzwischen ein Ur-Vertrauen in Löws Entscheidungen. Weil ich glaube, dass er so viele Entscheidungen richtig getroffen hat, dass ihm alle Spieler folgen. Löw besitzt inzwischen sozusagen das Recht au Bauchentscheidungen. Das Kuriose daran: Weil ihm alle folgen, nehmen sie die überraschenden Personalentscheidungen besser an. Was auch immer er macht, alle setzen eine gewisse Sinnhaftigkeit bei Löw voraus und nehmen seine Entscheidungen an. Auch ich. Hätte allerdings ein anderer Trainer die gleichen Entscheidungen verkündet – nehmen wir mal Michael Oenning, der in Hamburg ein ähnliches Problem hatte, als Beispiel – es hätte wahrscheinlich nicht so gut funktioniert. Erarbeitete Autorität nenne ich das. Auch wenn es eigentlich irgendwann nicht mehr logisch ist, es funktioniert. Und da es diesmal bei uns funktioniert, freue ich mich darüber.

Ebenso freue ich mich darüber, dass Mladen Petric offensichtlich einen neuen Verein gefunden hat. Auch wenn ich ihn noch nicht erreichen konnte, verdichten sich die Gerüchte, dass Petric dem spanischen Erstligisten FC Malaga anschließt. Obwohl die mit einem anderen HSV-Stürmer (Ruud van Nistelrooy) nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, sollen sich die Südspanier mit unserer ehemaligen Nummer zehn auf einen Dreijahresvertrag geeinigt haben.

Apropos zehn: Tolgay Arslan hatte mir erzählt, dass ihm gesagt worden sei, die Nummer zehn sei bereits vergeben für die neue Saison. Dem ist jedoch nicht so. Die Nummer wird frei gehalten für den fall, dass ein echter Zehner gefunden wird, der diese Nummer haben will. Sollte der Neue gefunden werden, aber nicht die Zehn wollen, soll Rudnevs sie bekommen.

Ansonsten ist es heute mal wieder ruhig beim HSV. Noch. Wobei David Abraham sich mit dem FC Getafe, bei dem er einen Vorvertrag unterschrieben hat, doch noch einigen können soll. Zumindest sieht es sein Berater Renato Cedrola so, der mit Neuigkeiten in den nächsten 14 Tagen rechnet.

Egal, auch das ist noch Spekulation. Ab Montag geht es los beim HSV. Und für alle, die es noch nicht gesehen haben, habe ich ans Ende noch mal den HSV-Spielplan 2012/2013 angehängt. Bis dahin aber gilt: Daumen drücken! Für Arnesens Kaderplanung – aber zunächst für unsere Nationalelf. Wir senden am Donnerstag wieder im Anschluss an das Spiel aus dem Champs. Wer die Gäste sein werden, geben wir Euch vorher bekannt. Ich freue mich jetzt schon auf den Donnerstag! Denn ganz ehrlich: Was hätte ich bitte für einen monstermäßigen Bock darauf, dass wir mal wieder einen richtig großen Titel einfahren. Zumal dann, wenn wir einen so begeisternden Fußball spielen wie im Moment…

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

Der Spielplan des HSV:

1. 25./26.08.2012 HSV – 1. FC Nürnberg
2. 31.08.-02.09.2012 SV Werder Bremen – HSV
3. 14.-16.09.2012 Eintracht Frankfurt – HSV
4. 21.-23.09.2012 HSV – Borussia Dortmund
5. 25./26.09.2012 Borussia Mönchengladbach – HSV
6. 28.-30.09.2012 HSV – Hannover 96
7. 05.-07.10.2012 SpVgg Greuther Fürth – HSV
8. 19.-21.10.2012 HSV – VfB Stuttgart
9. 26.-28.10.2012 FC Augsburg – HSV
10. 02.-04.11.2012 HSV – FC Bayern München
11. 09.-11.11.2012 SC Freiburg – HSV
12. 17./18.11.2012 HSV – 1. FSV Mainz 05
13. 23.-25.11.2012 Fortuna Düsseldorf – HSV
14. 27./28.11.2012 HSV – FC Schalke 04
15. 30.11.-02.12.2012 VfL Wolfsburg – HSV
16. 07.-09.12.2012 HSV – 1899 Hoffenheim
17. 14.-16.12.2012 Bayer 04 Leverkusen – HSV
18. 18.-20.01.2013 1. FC Nürnberg – HSV
19. 25.-27.01.2013 HSV – SV Werder Bremen
20. 01.-03.02.2013 HSV – Eintracht Frankfurt
21. 09./10.02.2013 Borussia Dortmund – HSV
22. 15.-17.02.2013 HSV – Borussia Mönchengladbach
23. 22.-24.02.2013 Hannover 96 – HSV
24. 01.-03.03.2013 HSV – SpVgg Greuther Fürth
25. 08.-10.03.2013 VfB Stuttgart – HSV
26. 15.-17.03.2013 HSV – FC Augsburg
27. 30./31.03.2013 FC Bayern München – HSV
28. 05.-07.04.2013 HSV – SC Freiburg
29. 12.-14.04.2013 1. FSV Mainz 05 – HSV
30. 19.-21.04.2013 HSV – Fortuna Düsseldorf
31. 26.-28.04.2013 FC Schalke 04 – HSV
32. 03.-05.05.2013 HSV – VfL Wolfsburg
33. Sa. 11.05.2013 1899 Hoffenheim – HSV
34. Sa. 18.05.2013 HSV – Bayer 04 Leverkusen

Der DFB-Pokal – und die EM

24. Juni 2012

Der HSV muss nach Karlsruhe. Zu einem Drittliga-Klub – keine Panik. Habe ich am Sonnabend still für mich gedacht. Viele meiner Freunde aber haben jetzt schon wieder arge Bedenken und Befürchtungen. Nämlich der Art, dass der HSV seine Pokal-Tradition beim Drittliga-Vertreter KSC, der ja gerade aus Liga zwei abgestiegen ist, nahtlos fortsetzen könnte. Ich schrieb es bereits, für den HSV war einst, und zwar am 31. Oktober 2000 in Runde zwei, schon frühzeitig das „Finale“ gekommen, denn es gab beim KSC eine 0:1-Niederlage. Und zwar für folgende HSV-Mannschaft: Butt, Kientz, Hoogma, Hollerbach, Kruse (72. Bester), Maul, Spörl, Doll (62. Hashemian), Spörl, Ketelaer, Yeboah (62. Heinz), Präger. Dieses Team, von Trainer Frank Pagelsdorf ins Feld geschickt, liest sich zwar ganz schön und gut, aber wenn man folgende Namen sieht, die damals GESCHONT wurden, dann weiß man, warum es diese Niederlage gab. Es fehlten nämlich: Barbarez, Fukal, Ujfalusi, Mahdavikia, Meijer, Cardoso, Hertzsch, Kovac, Groth, Panadic und, wer es möchte, auch Töfting. Schiedsrichter war in dieser Partie übrigens der Münchner Peter Sippel, und der war in den folgenden Jahren noch zwei weitere Male an Pokal-Pleiten des HSV „beteiligt“.

Allein in diesem Jahrtausend liest sich die Pokal-Bilanz des HSV wie ein fußballerischer Horror-Trip. Einmal wurde zwar immerhin das Halbfinale erreicht, aber ansonsten Pleiten, Pleiten ohne Ende. Und die sehen so aus:

27. November 2001, zweite Runde: 0:2 daheim gegen den VfB Stuttgart,
3. Dezember 2002, Achtelfinale, 0:1 daheim gegen den VfL Bochum (Schiedsrichter Sippel),
3. Dezember 2003, Achtelfinale, FC Bayern – HSV 3:0,
21. August 2004, Runde eins, SC Paderborn – HSV 4:2 – das Skandalspiel unter dem „Unparteiischen“ Robert Hoyzer,
21. Dezember 2005, Achtelfinale, FC Bayern – HSV 1:0 n. V.,
9. September 2006, Runde eins, Stuttgarter Kickers – HSV 4:3 n. V. (Schiedsrichter Sippel),
27. Februar 2008, Viertelfinale, VfL Wolfsburg – HSV 2:1 n. V.,
22. April 2009, Halbfinale, HSV – Werder Bremen 2:4 n. Elfmeterschießen,
23. September 2009, zweite Runde, VfL Osnabrück – HSV 7:5 n. Elfmeterschießen,
27. Oktober 2010, zweite Runde, Eintracht Frankfurt – HSV 5:2,
21. Dezember 2011, Achtelfinal, VfB Stuttgart – HSV 2:1 – ein unverdienter Erfolg der Schwaben. Aber das weiß heute niemand mehr.

Und nun geht es nach Karlsruhe. Wir lassen uns mal überraschen, ich bin aber (immer noch) ganz optimistisch.

So, in einem anderen Punkt muss ich ein wenig zurückrudern. Marcell Jansen hat noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Beide Parteien, der Ex-Nationalspieler und der HSV, haben sich zwar geeinigt, dass demnächst die Unterschrift erfolgen wird – aber das ist noch nicht geschehen. Eventuell ja an diesem Montag. Wobei bis auf die Unterschriften eben alles geklärt ist – also eigentlich nur noch eine Formalie . . .

In Sachen HSV gab es heute nur eine Meldung in den Agenturen, aber die ist durchaus „reiz-voll“:

Der Sport-Informations-Dienst (SID) meldet:

Fußball-Bundesligist Hamburger SV kann auf weitere finanzielle Unterstützung von Unternehmer Klaus-Michael Kühne bauen. „Ich stehe als Investor für neue Spieler durchaus zur Verfügung“, sagte Kühne der WirtschaftsWoche, „allerdings würde ich nur in einer Gruppe investieren.“ Eine ähnliche Aktion im Jahr 2010, als Kühne als alleiniger Investor 12,5 Millionen Euro für sechs HSV-Spieler ausgab und dafür die Rechte an den Transfererlösen erhielt, löste eine Welle von Kritik aus.

Er habe plötzlich in den Schlagzeilen gestanden, „obwohl ich dem Verein nur helfen wollte. Daher würde ich in Zukunft auf keinen Fall mehr den Alleinunterhalter machen, als der ich in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde“, äußerte Kühne.

Da geht noch was!
Oder die skeptische Variante: geht da noch was?

Kurz zu einem „netten“ Thema der Bundesliga: Bayer Leverkusen hat ja beantragt, nicht mehr an einem Freitag – und zwar an einem Abend – spielen zu wollen, zu müssen oder zu dürfen. Weil sich Anwohner (neben dem Stadion) über den Lärm beschwert hätten. Dazu sagte Holger Hieronymus, Noch-Geschäftsführer der DFL, in der „Bild am Sonntag“: „Grundsätzlich steht in der Lizenzierungsordnung, dass die Klubs eine uneingeschränkte Nutzung der Stadien gewährleisten müssen.“ Natürlich. Alles andere wäre doch auch Nonsens.

Ansonsten müsste der HSV (auch in meinem Namen – als Mitglied) auch einige Anträge stellen. HSV-Pokalspiele sollten nicht ab sofort mehr von Peter Sippel geleitet werden, und Bundesliga-Begegnungen nicht mehr von Günter Perl (Pullach in Bayern), meinem persönlichen “Freund”, gepfiffen werden. Und dann diese unsäglichen Sonntags-Spiele! Das ist ja überhaupt der Knackpunkt. Zehn dieser Art hatte es in der vergangene Saison für den HSV gegeben. Ein Unding. Da würde ich schon mal ganz stark beantragen, dass der HSV künftig sonntags nicht mehr anzusetzen ist. Ein Grunde dafür müsste sich schon finden lassen. Die enormen Sonntags-Zuschläge in Hamburg, die hohen Reisekosten mit Flugzeug und Bahn, auch höhere Hotelkosten, und überhaupt: sonntags könnte ja auch kein HSV-Spieler und kein -Trainer mehr in die Kirche gehen.

Dann gab es da noch eine Meldung über den „ewigen Loddar“ – Matthäus. Auf Vox gibt es nun eine Reality-Doku „Lothar – immer am Ball.“ Und das ist er ja tatsächlich. Kürzlich saß er bei „Lanz“, im Kreise anderer Fußball-Experten. Ich habe da mal reingezappt und ihm, dem „Loddar“, mal intensiv zugehört. Staunend, wie ich zugeben muss. Da hat der „Loddar“ nämlich viele gute und passende Dinge über den Fußball gesagt. Sodass Markus Lanz einmal sagte: „Sie sollten etwas mit Fußball machen . . .“ Weil Matthäus alles super erklärt hatte, was da lief und was warum nicht so gut war. Wie gesagt, ich staunte. Und dachte so bei mir: „Mensch, der Loddar, der kann es ja tatsächlich. Wenn er nun noch zugänglicher wäre, also nicht so unnahbar, nicht so unantastbar für seine Spieler, dann wäre der bestimmt ein sehr guter Trainer – ein sehr, sehr guter sogar.“

Aber dann müsste dieser „Überflieger“, dieser „Hans Dampf in allen Gassen“, endlich einmal vor allem eines machen: sich selbst auf „normal“ zurückfahren. Solange er glaubt, dass er der Nabel der Welt ist, dass sich alles nur um ihn zu drehen hat, solange wird das nichts mit dem Trainer Matthäus – jedenfalls nicht in Deutschland. Wenn ihm das mal einer sagen und dann auch beibringen würde, dann wäre er, so glaube ich, bestimmt ein exzellenter Trainer. Aber dazu gehört eben auch, dass man sich nicht mit den Händen tief in den Hosentaschen vor die Mannschaft stellt, um ihr etwas zu erklären. Dazu gehört auch keine „koddrige Schnauze“, dazu gehört auch ein wenig Demut. Und von solchen Sachen hat ein Weltstar wie er ganz sicher noch nichts gehört. Schade eigentlich, denn er hätte es wohl schon drauf, der gute „Loddar“.

Wo ich gerade bei Ansprache war. In diesen Tagen und Wochen werden ja wieder einmal die Kommentatoren von ARD und ZDF heftig kritisiert. Wie immer, möchte ich mal sagen. Das gibt es bei jedem großen Turnier, bei jedem großen Spiel. Aber nur deshalb, weil „Mann“ es ohnehin keinem recht machen kann. Diese öffentlich-rechtlichen Herren können doch erzählen was sie wollen, sie werden es nie gut genug machen. Die einen finden es zwar ganz okay, andere wiederum sind begeistert, viele sind aber einfach nur genervt von dem „Gesabbel“. Ich finde ja, dass die Jungs ihren Job bestens machen, und dass man mal (als Fan) über den Dingen stehen sollte. Fachlich haben sie es alle drauf, der eine mehr, der andere weniger. Sie alle aber werden mit Informationen über die beteiligten Mannschaften, Spieler, Trainer, Fans und sonstiges Umfeld versorgt. Ich möchte fast sagen, dass da Tonnen an DIN-A-4- Blätter angeschleppt werden, um die Zuschauer bestens informieren zu können. Daran kann es also nicht liegen, denn es fehlt an nichts. Und wenn der eine zu viel und der andere zu wenig redet? Der eine (Zuschauer) mag es, der andere ((Zuschauer) eben nicht – so ist das Leben. Und wenn einer mal etwas zu viel „Mist“ erzählt? Geht uns das nicht allen mal so?
Nein, ein Fußball-Kommentator kann ganz einfach nicht gewinnen, das ist jedem, der diesen Job macht, vorher schon hundertprozentig klar. Aber wir Konsumenten sollten eventuell ein wenig nachsichtiger sein – oder es werden.
Und wer überhaupt total genervt ist, der sollte den Ton abstellen. Ganz einfach (wäre das).
Um das aber mal zu bekennen: Ich bleibe bei Bela Rethy, Gerd Gottlob und Tom Bartels auf jeden Fall „auf Sendung“ – und „auf“ Ton.

Bei der Gelegenheit. Rethy hatte auch diesen netten Spruch parat:

„Er erklärt ihr die EURO, sie erklärt ihm den EURO.”

(Der ZDF-Live-Reporter vor dem Viertelfinale Deutschland-Griechenland mit Blick auf die Ehrentribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Uefa-Präsident Michel Platini)

Womit wir auch schon mitten in der EM wären. Ich gebe ja zu, dass ich während des Spiels Deutschland – Griechenland einige Mal aufgesprungen bin. Vor Entsetzen (Fehlpässe von Badstuber und Schweinsteiger, Stoppversuche von Klose), vor Ärger und vor Enttäuschung (vergebene Torchancen). Aber, so lese ich jetzt, auch der Bundestrainer ist mal (während des Spiels!) in den Kabinengang geflüchtet. Das war in der 25. Minute. Und „Jogi“ Löw gibt zu: „Ich habe mich einfach geärgert. Wir hatten zuvor drei, vier Chancen, aber wir haben kein Tor gemacht. Ich war ein bisschen sauer über die verpassten Möglichkeiten. Das waren eben Emotionen, die da rausgekommen sind.“ Genau. Wie bei mir . . .
Und bei euch?

Besonders bei den vielen unglaublichen Fehlpässen von Bastian Schweinsteiger sind mit mir die Gäule durchgegangen. Der Bayern-Profi hat mit diesen Bällen seinen Marktwert (fast schon dramatisch) heruntergefahren. Dass ein solcher Weltklasse-Mann solche verheerenden Fehlpässe spielen kann – ich kann es heute noch nicht glauben. Er selbst sagt ja auch: „Das darf einem Spieler wie mir nicht passieren.“ Dann hat er aber auch eine Erklärung für seine Schwäche-Periode parat: „Um ehrlich zu sein, macht mir der Knöchel Sorgen. Es geht um kleine Bewegungen, um Explosivkraft.“

Bitte, Herr Bundestrainer, nehmen Sie diese Geschenk an. Schweinsteiger hat Ihnen keinen Elfmeter vor die Füße gelegt, nein, er hat den Ball schon auf die Torlinie gerollt. Sie, lieber Herr Löw, müssen nur noch verwandeln . . .

Eine bessere Vorlage kann es nicht geben. Schweinsteiger weiß genau, dass er nicht in Bestform ist, dass er (wohl) auch nicht mehr (während der EM) in Bestform kommen wird. Nun ist „Jogi“ Löw aufgefordert, zu handeln. Ich habe es ja schon bei „Matz ab live“ erklärt: Das ist noch der Unterschied zwischen der deutschen und der spanischen Mannschaft. Spanien hat in den eigenen Reihen nie (behaupte ich) einen so krassen Ausfall wie Deutschland nun mit Schweinsteiger. Und dazu Klose beim Versuch, den Ball stoppen zu wollen, und Badstuber mit seinen kümmerlichen Versuchen, Pässe an den eigenen Mann bringen zu wollen. Bei Spanien dagegen spielen alle wie Maschinen, konstant und gut von der ersten bis zur letzten Minute. Da gibt es nicht einen „Schweinsteiger“. Reinhold Beckmann hat Mehmet Scholl (in der ARD) ja zu den Spaniern befragt. Ganz einfach, diese Frage: „Warum nimmt man den Spaniern nicht einfach mal den Ball weg?“ Scholl: „Weil das nicht ganz so einfach ist. Da ist nämlich jeder Spieler perfekt am Ball.“ Genau. Und wir (Deutschen) schenken dem Gegner den Ball durch unzählige Fehlpässe einfach so mir nichts dir nichts her.

Herr Löw, bitte übernehmen Sie!

Bei der Gelegenheit. Kürzlich schrieb ich hier ja über Mario Gomez und Miroslav Klose. Und nebenbei bemerkte ich, dass bei mir keiner von beiden spielen würde, sondern Marco Reus.
Ich finde, dass der Bundestrainer ruhig öfter (und früher) mal auf mich hören sollte und könnte . . .
Nein, bitte nicht explodieren, das war ein Scherz am Rande.

Drei kleine EM-Notizen zum Schluss:

Innenverteidiger Holger Badstuber muss keine Angst davor haben, ein mögliches EM-Finale zu verpassen (wie schon das Champions-League-Finale). Der Münchner sah zwar gleich im ersten Spiel Gelb (gegen Portugal), aber diese Karte wurde nach der Vorrunde gelöscht. Gäbe es nun im Halbfinale Gelb für Badstuber, wäre das seine „erste“ Gelbe Karte – also keine Sperre. Gilt auch für Jerome Boateng.

Dann ist, ganz erstaunlich, Deutschland eigentlich schon Europameister. Wenn man der Statistik Glauben schenken darf. Nach der hat nämlich der spätere Europameister immer sein erstes (Vorrunden-)Spiel gewonnen. 2012 haben fünf Teams ihr erstes Spiel gewonnen, aber nur noch Deutschland ist von diesen Erstrunden-Siegern noch im Turnier verblieben . . .

Und ganz zum Schluss ein netter Spruch von einem ganz „harten Hund“. Spaniens Sergio Ramos ist ja für mich der „Knochen“ dieser EM. Wo er auch auftaucht, wo er auch hinlangt – da wächst kein Gras mehr. So kannte ich den Abwehrmann noch gar nicht, aber das mag auch eine Bildungslücke von mir sein. Dieser Ramos sagte nun aber etwas, was bestens zum Muttertag passen würde:

„Auf dem Spielfeld die Liebe der Familie zu spüren, ist unbezahlbar. Danke, Familie! Ich liebe euch. Mama, ich schicke dir einen Kuss.“

Gibt es einen besseren Schluss?

PS: Heute gibt es noch einen kleinen Nachschlag. Gegen Mitternacht wird euch „uns Scholle“ noch mit einem besonderen Interview überraschen. Bis dahin – genießt die Zeit (des großen Regens).
Es ist ja alles so ätzend, wo bleibt der Sommer?

17.10 Uhr

HSV im DFB-Pokal beim KSC

23. Juni 2012

Nun weiß auch Joachim Löw, wie es beim HSV immer gewesen ist – früher. Der Bundestrainer sucht einen „Verräter“, einen Mann in seinem Kader, der Geheimnisse ausplaudert. Geheimnisse, die eigentlich bis zum Anpfiff des Viertelfinalspiels Deutschland gegen Griechenland auch geheim bleiben sollten. Denkste. Stunden vorher war alles schon publik geworden. Einer plaudert nämlich immer. Obwohl ich in diesem Fall sogar den Verdacht habe, dass es gleich mehrere gewesen sind. Aber es ist tatsächlich wie früher beim HSV im Aufsichtsrat. Das, was hinter verschlossenen Türen gesprochen und beschlossen wurde, sollte geheim bleiben, aber es stand bereits am nächsten Tag – natürlich – in den Zeitungen. Gefunden wurden die Plauderer nie. Der Gipfel war: Als AR-Boss Udo Bandow einst eine Sitzung einberief, um den Dampfplauderer zu entlarven, da ließ er von jedem eine Eidesstattliche Erklärung unterschreiben, dass derjenige NICHTS verrate hatte. Natürlich nicht. Denn alle unterschrieben . . . Und es standen auch danach weiterhin fast alle geheimen Beschlüsse tags darauf in der Zeitung – welche auch immer. Löw wird ebenso rätseln – aber er wird nichts finden. Damit muss auch ein Bundestrainer heutzutage immer rechnen. Bitter genug, denn so schneidet sich der Spieler, die Spieler, die Mannschaft bestimmt auch mal ins eigene Fleisch – gegen diese harmlosen Griechen ist es zum Glück noch einmal gut gegangen.

Die Frage, die meine Freunde mir heute immer wieder stellten war die: „Waren wir nun so gut, oder war Griechenland einfach zu schlecht?“ Letzteres war wohl der Fall. Wenn ein (deutscher) Torwart bereits in Halbzeit eins an der Mittellinie auftaucht, dann spricht das doch für sich. Das war auch eine Art von Anti-Fußball, man muss es so krass und so hart formulieren. Aber nun geht für die deutsche Mannschaft die EM ja auch erst richtig los. England oder Italien, das ist nun die Frage. Es ist ja auch diesmal kein Wunschkonzert, aber selbst wenn es eines wäre, ich wüsste nicht, wen ich mir für die Löw-Auswahl wünschen sollte. Italien kann von Haus aus Defensive, hat aber im ersten Spiel (gegen Spanien!) bewiesen, dass die Mannschaft auch offensiv viel gelernt hat. Das 1:1 damals hat mir imponiert, die Spielweise der Italiener sehr gefallen – ich war überrascht. Und England? Seit sich der FC Chelsea gegen Barcelona und gegen die Bayern den Champions-League-Titel ermauert hat, wissen die Engländer, wie man auch zu einem Titel kommen kann. England spielt defensiv fast schon besser als Italien – und die Italiener haben es einst erfunden (nicht die Schweizer!).

Mal abwarten, was sich „Jogi“ Löw im Hinblick auf Donnerstag einfallen lässt. Und ob das dann, was er für das Halbfinalspiel plant, auch tatsächlich bis zum Anpfiff geheim bleibt. Wäre schon wünschenswert. Und ich denke ja, dass der Bundestrainer wieder auf die Formation der ersten drei Begegnungen zurückgreifen wird. Mir wäre wohler dabei, obwohl ich damit auch die „Kröte“ namens Podolski schlucken müsste. Den Noch-Kölner würde ich schon lieber auf der Bank sitzen sehen, dafür wünschte ich mir Marco Reus auf links. Rechts wieder Thomas Müller, in der Mitte Mario Gomez für Miroslav Klose, der bis auf sein Tor zum 3:1 nicht viel auf die Beine gebracht hat. Und sein Tor wurde ihm ja vom griechischen Keeper total geschenkt. Nur deswegen stieg der Schalker Papadopoulos, der zuvor (bei dieser EM) 95 Prozent seiner Kopfballduelle gewonnen hatte, nicht mit Klose in die Luft. Er hat sich auf den Torwart verlassen – und war damit verlassen genug.

Kurz noch einmal zu „Jogi“ Löw und seine überraschende Aufstellung. Ich bin mir sicher, dass der Bundestrainer dass deswegen gemacht hat, weil er sich das gegen diese sturmschwachen Griechen erlauben konnte, und weil er so einige Ersatzleute bei Laune gehalten hat. Es mehrten sich ja die Stimmen, die davon sprachen, dass es sehr unangenehm und ungewohnt sei, nicht von Beginn an (wie in den Heimatvereinen) zu spielen. Nun haben einige gespielt, sie wissen jetzt auch, wie schwer das sein kann – und wenn Löw nun wieder etwas ändert, dann werden sie, die zuletzt dabei waren, ihren Mund eben nicht mehr so voll nehmen. Glaube ich jedenfalls. So hat Löw auf jeden Fall auch einige schon etwas schmollende Ersatzleute wieder ein wenig mehr auf seine Seite gebracht. Er ist eben nicht nur ein Taktik-Fuchs . . . Denn: Gomez, Müller und Podolski wurde nun vor Augen geführt, dass sie ersetzbar sind – die werden sich nun doppelt und dreifach reinhängen. Alles nur zum Wohle des Teams.

Trotz allem – es gab ja nicht nur Erfreuliches in und um dieses Spiel herum. Bastian Schweinsteiger wird wahrscheinlich nie wieder so viele Fehlpässe spielen, wie in diesen 90 Minuten. Das war fast schon unerträglich, dass ihm selbst die einfachsten Pässe (über sechs, sieben Meter) nicht gelingen wollten. Unfassbar. Ähnlich Holger Badstuber, der in Halbzeit eins einen Ball nach dem anderen zum Gegner oder ins Aus beförderte. Das darf in einem „engen“ Spiel niemals passieren, denn dann ist der Ofen aus. Ganz sicher. Zudem ist es ja schön und gut, wenn Andre Schürrle auf links seinen Gegenspieler umkurvt und dann zur Mitte zieht – aber muss er dann immer gleich losballern? Wenn ja, dann sollte er auch immer versuchen, dass Tor zu treffen. Schürrle hatte schon eine extreme Streuung. Und zum Schluss hätte er einige Male super in die Mitte flanken können, weil er dann doch den Platz dazu hatte – aber entweder zauderte er, oder er brach den Versuch einer Flanke schnell wieder ab und legte den Rückwärtsgang ein. Da hätte ich mir schon einen „echten“ Linksfuß gewünscht, der auch flanken kann – es muss doch nicht gleich Podolski sein . . .

Und hinten? Da gibt es auch bei Jerome Boateng, der einst von Hamburg aus in die große und weite Fußballwelt hineinspazierte, noch viel Luft nach oben. Sehr viel sogar. Er wirkt mir immer noch zu sehr so, wie er einst beim HSV begonnen hat: phlegmatisch. Und er war ja auch bei beiden Gegentreffern der Griechen nicht unbedingt im Bilde. Wobei ich sowohl beim ersten als auch beim zweiten Tor den Schiedsrichter nicht unbedingt auf Ballhöhe sah. Beim 1:1 hätte der Slowene Skomina sonst gesehen, dass Torschütze Samaras vorher Boateng im Laufduell am Trikot festgehalten und zurückgezogen hat. Das sah man im Fernsehen ganz deutlich, dadurch geriet der Wahl-Münchner ein wenig außer Tritt und in Rückstand (gegenüber seinem Kontrahenten). Der Grieche verschaffte sich durch das Zupfen einen entscheidenden Vorteil. Hätte der Schiedsrichter eigentlich sehen müssen.

Und beim 2:4? Das war doch ein lächerlicher Elfmeter. Boateng dreht sich zur Seite, wird aus nächster Nähe angeschossen – und der Mann in Schwarz zeigt auf den Punkt. Unfassbar. Unfassbar dumm auch. Ich will hier keine Verschwörungs-Theorie konstruieren, aber ich habe das stete Gefühl gehabt, dass Skomina lange Zeit auf eine solche Situation gewartet hat. Ich kann dazu nur sagen: Wolfgang Stark durfte nach nur einem Fauxpas gleich seine Koffer packen – und der Ungar Kassai, den ich für den zurzeit weltbesten Unparteiischen halte, ebenfalls. Das empfinde ich als ungerecht. Im höchsten Maße sogar. Wobei ich im Fall von Stark denke, dass er auch deswegen seine Koffer packen musste, weil Deutschland ja noch immer im Turnier vertreten ist – und egal wie er das nächste Spiel auch gepfiffen hätte, zu irgendeiner Seite wäre der eine oder andere Pfiff dann doch ausgelegt worden . . .

Aber, um das abschließend zu sagen (und zu fragen): Elfmeter war das doch nicht, oder?

Auch „uns Scholle“ sprach ja bei „Matz ab live“ von einem „lächerlichen“ Strafstoß – ohne dass wir uns abgesprochen hatten. Womit ich bei der gestrigen Sendung bin. Im „Champs“ herrschte eine wundervolle Atmosphäre, und wir hatten mit Tolgay Arslan, der Stunden zuvor gerade einen neuen Vertrag unterschrieben hatte, einen großartigen Gast. Einen Gast. Sonst hatten wir immer zwei, wollen auch immer zwei haben – aber diesmal sagte uns ein Gast ab, und da alle unsere Versuche, einen „Ersatz“ zu bekommen, scheiterten, blieb Arslan eben allein.

Aber, das möchte ich ausdrücklich sagen, das war kein Nachteil. Weder für ihn, noch für uns. Dafür, dass dieser junge Mann erst 21 Jahre alt ist, hat er sich großartig „verkauft“.

Es hat uns wirklich Spaß gebracht, Tolgay, du hast das wirklich bravourös gemacht. Und nochmals ein herzliches Dankeschön für Dein Kommen.

Das war einfach ein gelungener Auftritt – und er war in allen Lagen souverän. Wenn ich dazu dann nur wenig später Marco Reus in Danzig vor der ZDF-Kamera sah, wie der Noch-Gladbacher da ein wenig verlegen herumstammelte (kein Vorwurf, so etwas muss und will gelernt sein), dann war dieser Arslan-Auftritt wirklich gekonnt. Und auch ein Beispiel für alle anderen jungen HSV-Profis, wie man es machen kann – und vor allen Dingen, dass man es machen kann. Wer bei „Matz ab“ auftritt, der lernt etwas fürs Leben, denn der ist dann, wenn das „richtige“ Fernsehen kommt, schon mal gewappnet, dass die Kamera, die da vor dem eigenen Gesicht auftaucht, gänzlich ungefährlich ist. Aber Arslan hat es, nun ist auch Schluss damit (musste ich aber loswerden), wie ein „Alter“ gemacht.

Apropos: Ein „alter Hase“ hat nun ja auch seinen Vertrag verlängert, und zwar Marcell Jansen. Und zwar bis Sommer 2015. Der frühere Nationalspieler soll ja, so wünschen es sich Trainer und Sportchef, Verantwortung übernehmen und in eine Führungsrolle hineinschlüpfen, ich wünsche ihm (und dem HSV) dabei viel, viel Glück. Und dass sich die Verletzungen in Grenzen halten, aber das war in der angelaufenen Saison ja auch lange nicht mehr so schlimm wie einst.

So, ein Schritt in die neue Saison wurde heute schon gemacht, nämlich die erste Runde im DFB-Pokal wurde ausgelost. Der HSV muss zum Zweitliga-Absteiger Karslruher SC. Kein Freilos. Und unter Frank Pagelsdorf gab es dort einst schon mal ein frühes Pokal-Aus für den HSV . . . Gespielt wird entweder am 17. August, am 18. August, 19. August oder am 20. August.

PS: Am Donnerstag, nach dem Halbfinale, sind wir wieder im „Champs“ zu Gast, werden nach dem Spiel dann erneut mit „Matz ab live“ auf Sendung sein. Diesmal hat die Übertragung ja fehlerfrei geklappt, so soll und wird es bleiben. Sicher. Was uns noch gefehlt hat, das waren eure Fragen. Mehr davon. „Scholle“ beobachtet eure Zuschriften genau, ist immer auf „Ballhöhe“ – ihr müsst euch nur trauen.

18.33 Uhr

Wenn Stark Elfmeter gegeben hätte . . .

20. Juni 2012

„Vielen Dank für das große Interesse, das Sie an den Schiedsrichtern zeigen.“
„Die zwölf Schiedsrichter, die hier sind, gehören zu den Besten in Europa.“
„Sie haben recht, der Ball war hinter der Linie. Es war ein menschlicher Fehler, verursacht durch einen Menschen.“
„Wenn wir jetzt über einzelne Fälle von Schiedsrichterentscheidungen sprechen würden, säßen wir Weihnachten noch hier.“
Aussagen von Uefa-Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina am Mittwoch in Warschau.

Das Interesse an den Schiedsrichtern dürfte spätestens nach England gegen die Ukraine sprunghaft angestiegen sein. Wobei ich die Diskussion um dieses nicht gegebene Tor irgendwie auch unfair finde. Ich habe nämlich damals, als diese Torschiedsrichter eingeführt wurden, gleich gesagt habe, dass es auch mit diesen Herrn, denen ich den Spaß an diesen Dienstreisen durchaus gönne, zu Fehlentscheidungen kommen wird. Ist doch klar. Der Mann sieht diese Szene auch nur einmal. Soll der innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde sagen: „Ja dieser Ball war ganz drin.“ Das kann der doch gar nicht. Ich habe Gerd Gottlob, den ARD-Kommentator bewundert, dass der gleich gerufen hat: „Dieser Ball war drin!“ Ich habe es vermutet, aber erst später, nämlich dann, als die Szene angehalten wurde, gesehen, dass das tatsächlich ein Tor gewesen ist. Künstlerpech.

Was hätten wir wohl alle gesagt, wenn dieser Torrichter auf Tor entschieden hätte, die Kugel aber tatsächlich nur zu einem Dreiviertel und damit nicht im vollen Umfang „drin“ gewesen wäre? Das Fernsehen hätte das bewiesen, ganz sicher – aber der arme Kerl da an der Seite? Der sieht das doch auch nur einmal, wäre aber total zerrissen worden. Obwohl er natürlich nicht mal eine Zeitlupe oder ein Standbild da draußen hat. Ich behaupte, dass nur eine Spielunterbrechung und der Kamerabeweis helfen können. Und so viele strittige Szenen, ob nun Tor oder kein Tor, gibt es zum Glück ja auch nicht. Was also würde es wohl ausmachen, wenn eine solche Szene tatsächlich „draußen“ noch einmal durchleuchtet wird? Das ist doch nur eine (Verletzungs-)Pause mehr. Und es ist ja so: In einem solchen EM-Turnier geht es doch um Millionen, da wäre es doch nur okay, wenn man sich einer solchen professionellen Hilfe bedienen würde. Das würde nicht mal eine Minute kosten. Und das hätten nicht nur die Mannschaften verdient, sondern auch die Fans. Zudem wäre es ein zusätzlicher Nervenkitzel (wie beim Eishockey), und alle wären zufrieden. Alle. Denn alle, Freund und Feind, wüssten, dass das tatsächlich auch ein reguläres Tor gewesen ist. Oder auch nicht.

Und komme mir dabei niemand mit der „Gleichbehandlung“ im Fußball. Dass Profis und Amateure gleich zu behandeln wären, und dass es dann auch Torkameras bei den Amateuren geben müsste. Hirnrissig ist ein solches Argument, denn der Profi-Fußball hat sich heutzutage doch schon sehr weit, meilenweit von den Amateuren abgesetzt – das gibt es inzwischen doch viel zu viele Unterschiede. Und auf diese Unterschiede nimmt schon lange keiner mehr Rücksicht oder prangert sie an. Nein, solche umstrittenen Tor-Szenen sind nur durch eine Kamera zu lösen. Und da das Fernsehen ja jetzt schon auf der „Torlinie“ steht, wie gestern bewiesen, wäre es doch ganz leicht gewesen, auf Tor zu entscheiden. Anstatt dieses Männlein, das sich Torrichter nennt, den Fußball-Fans in aller Welt zum Fraß vorzuwerfen.

Aber das ist natürlich Sache der Uefa oder auch der Fifa. Und da dauert es manchmal . . . Weil die Herren inzwischen schon mein Alter erreicht haben – oder noch viel älter sind.

Das gilt übrigens auch für das Thema „Wolfgang Stark“. Den möchte ich bei der Gelegenheit einmal in Schutz nehmen. Wer mag nur auf die Idee gekommen sein, Stark für ein Spiel Spanien gegen Kroatien anzusetzen? Auch das war hirnrissig. Und zwar total. Was wäre wohl gewesen, wenn Stark diesen Elfmeter gegeben hätte – und Spanien wäre dadurch ausgeschieden? Dann hätte ganz Spanien „gejubelt“: „Ein deutscher Schiedsrichter eliminiert Spanien und macht den Weg frei für Deutschland.“ So wäre es doch gewesen. Nun schreit „nur“ Kroatien auf, aber die unterstellen Stark ja auch nur „Blindheit“, nicht aber Parteilichkeit.
Aber wenn Spanien wegen des Elfmeters hätte nach Hause fahren müssen, dann wären die Deutschen ganz sicher ihr 17. Bundesland losgeworden: Mallorca. Die Insel hätten sie uns deswegen, nur wegen des Elfmeters, hundertprozentig wieder weggenommen. Kurz und schmerzlos und ohne großartig die Bürokratie zu bemühen – einfach nur wech! Deswegen war es eigentlich nur logisch, dass Wolfgang Stark nicht auf Strafstoß entschieden hat.

Wobei ich von dieser ominösen Lippen-Ableserin doch schon mal ganz gerne erfahren hätte, was der „28. Mann“ da draußen an der Seite, nämlich Florian Meyer (er war wohl der Torrichter auf dieser Seite!?) unmittelbar nach diesem Foul an dem Noch-Wolfsburger Mandzukic in sein Mikrofon (in Richtung Wolfgang Stark) gesprochen hat. Hat er nun gesagt: „Du musst nicht pfeifen, Wolfgang, diesen Tritt hättest auch du überlebt, alles ganz harmlos. “ Oder hat er gesagt: „Wenn ich du wäre, würde ich nun auf den Elfmeterpunkt zeigen – aber ich bin ja nicht du.“ Vielleicht verrät es mir Florian Meyer ja später mal, wenn er, der Mann aus Burgdorf, mal wieder in Hamburg angesetzt ist, um ein HSV-Spiel zu pfeifen. Vielleicht.

Apropos Schiedsrichter. Es sind nur zwölf (erste) Herren in Polen und der Ukraine zugegen. Also zwölf Männer, die das Ding auch tatsächlich pfeifen. Bei der nächsten EM müssen es zwangsläufig mehr werden, dann wird die EM ja kräftig aufgestockt. Dann starten 24 Länder – man gönnt sich ja sonst nichts, bei der Uefa. Dann wird aus einer Europameisterschaft, die bislang fußballerisch wertvoller als jede Weltmeisterschaft war, doch eher ein verwässertes Turnier. Aber da bin ich ja wohl der letzte Mensch, der sich darüber (viel zu spät) aufregt. Aber es geht ja auch nicht um den Fußball an sich, sondern viel mehr ums Geld. Ist schon okay. . . Geld regiert die Welt.

Womit ich zur deutschen Mannschaft kommen möchte. Speziell zu Mesut Özil. Ich kann nämlich nicht begreifen, wieso dem ehemaligen Schalker unterstellt wird, bislang eine schlechte EM gespielt zu haben. Er war zwar in den ersten drei Spielen nie so überragend, wie er es aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten hätte sein könnte, aber dennoch gehörte er für mich stets zu den besseren deutschen Spielern. Was dieser Mann an und in den Beinen hat, ist unfassbar. Und dazu hat er es auch im Kopf, denn er denkt vor, legt vor, hat viele, viele kluge Ideen. Ich könnte mit dem Özil, so wie er sich bislang präsentiert hat, sehr gut leben, hoffe aber auch darauf, dass er noch „ein wenig explodiert“ – so wie es der Bundestrainer in Aussicht gestellt hat. Wäre aber ganz sicher nicht verkehrt, wenn dazu dann andere noch viel mehr explodieren würden. Wenn das passieren sollte, dann wäre Deutschland tatsächlich ein heißer Kandidat auf den Turniersieg. Aber bevor Özil explodieren „muss“, da sollten sich andere (Podolski, Gomez, Müller, Schweinsteiger . . .) doch schon mal etwas eher aufgerufen fühlen, ebenfalls noch kräftig zuzulegen.

Auch Toni Kroos gehört zu diesem Kreis, der noch zulegen sollte. Der Bayern-Spieler ist ja bekanntlich sauer über seine Reservistenrolle, aber in meinen Augen hat er nicht den geringsten Grund dazu. Im Gegenteil, Kroos sollte eher in sich gehen. Was er beim letzten Test vor dem EM, dem Länderspiel in Leipzig gegen Israel, geboten hat, das war gar nichts. Für mich war er bei diesem Kick der schlechteste deutsche Spieler, und mit einer solchen Leistung bietet man sich als ein Spieler, der „auf der Kippe steht“, nicht gerade an. Aber damit sind wir schon wieder bei dem leidigen Thema Selbstkritik. Ist leider schon lange zu einer Seltenheit verkümmert, wird auch immer mehr zu einer absoluten Seltenheit.

So, zum Abschluss dann etwas, was ich bei dieser EM noch nicht gesehen habe. Und irgendwie kann ich es auch immer noch nicht glauben. War es tatsächlich so? Oder habe ich etwas verpasst? Seitenwahl beim Spiel England gegen die Ukraine. Die beiden Kapitäne begrüßen die Schiedsrichter um den Ungar Kassai. Timoschtschuk gibt den Unparteiischen die Hand, dann auch Gerrard. Die Wahl wird vorgenommen, die Münze fällt, die Seiten werden verteilt und wer Anstoß hat. Dann gibt Gerrard den fünf Schiedsrichtern noch einmal die Hand – aber Timoschtschuk nicht mehr! Er drehte ab und ging. Lag es daran, dass Timoschtschuk nur der „Ersatz-Kapitän“ für Schewtschenko war und es nicht besser kannte? Oder hatte der Bayern-Profi einfach keine Lust mehr auf diese ganze „Schüttelei“? Denn, und das konnte und kann man während dieser EM sehr gut beobachten: Schon in den Katakomben der jeweiligen Stadien geben sich die Kapitäne und die Schiedsrichter schon mal zu Begrüßung die Hände. Auf dem Platz dann noch zweimal – bis auf Timoschtschuk. Endlich einmal bringt einer den Mut auf, sich zu verweigern – und deshalb bekommt er auch garantiert keinen „Tennisarm“.

So, einen kleinen, ganz, ganz kleinen Abstecher zum HSV habe ich auch noch. In dieser Woche wird noch etwas in Sachen Vertragsverlängerung passieren – aber neue Spieler sind noch nicht in Sicht.

Dafür gibt es ein „dickes Millionen-Ding“ von einem Ex-Hamburger:
Änis Ben-Hatira soll laut Medienberichten beim Absteiger Hertha BSC vor dem Absprung stehen. Der Club Baniyas SC aus Abu Dhabi soll dem Stürmer angeblich sechs Millionen Euro für einen Vier-Jahres-Vertrag geboten haben.
Sechs Millionen. Und immer fein die schöne Sonne auf dem lockigen Haar. Wer würde da schon nein sagen (wollen)? Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

In diesem Sinne, einen fröhlichen und ruhigen EM-freien Feierabend.

18.09 Uhr

Wie Thorsten Fink über Gomez denkt

14. Juni 2012

Warte, warte noch ein Weilchen, dann . . . Ja, dann werden wir sehen, ob der HSV noch den einen oder anderen Spieler an einen anderen Verein abtreten kann. Die „Welt“ hat kürzlich von den „Ladenhütern“ des HSV geschrieben. Aber wer will schon „Ladenhüter“ haben? Zumal dann, wenn sie von einem Fast-Absteiger kommen? In der Ersten Liga dürften nur Klub Interesse haben, die unten „mitspielen“, und die haben meistens auch kein Geld. Also dürften sich die Ablösesummen in Grenzen halten, mit denen der HSV kalkulieren könnte. Ein Teufelskreis, denn: „Erst verkaufen, dann einkaufen“ – das funktioniert eigentlich ganz anders. Es wird noch eine Zeit verstreichen, ehe es Bewegungen auf dem HSV-Transfermarkt geben wird. Derweil genießen Spieler und Trainer ihren außergewöhnlich langen Sommerurlaub. Und das ist ja auch ganz gut so, gehen die Profis doch dann völlig erholt und ausgeruht wieder an ihre Arbeit.

Gestern waren ja Dennis Aogo und Jörn Wolf bei „Matz ab live“ zu Gast, und ich möchte jenen „Matz-abbern“ danken, die diese Auftritte gelobt haben. Im neuen „Studio, das „Champs“ in Schnelsen, wirkte es alles großzügiger und auch schon etwas professioneller, auch deswegen kamen diese 34 Minuten vielleicht so gut an. Wobei klar festzuhalten ist, dass unsere beiden Gäste wirklich etwa zu sagen hatten – und das auch sehr gut in die Tat umsetzten. Auch an dieser Stelle noch einmal unser Dank an beide Herren. Das lechzt nach einer Wiederholung.

Aber es ist ja EM. Zum Glück. Und da gibt es ja genügend Dinge, die zu kommentieren sind. Ich habe gerade in der „Sport Bild“ gelesen, warum der frühere niederländische Nationaltorwart Hans van Breukelen „die Deutschen nicht mag“: 1.) Die Schwalbe von Hölzenbein im WM-Finale 1974. Ich habe fast geweint. 2.) Die Arroganz der Deutschen. Die meisten grüßen nicht mal. 3.) Deutsche machen sich über uns lustig mit Witzen wie diesem: Holländische Kinder haben so große Ohren, weil ihre Eltern sie daran hochziehen und sagen: „Schau mal, da drüben wohnen die Weltmeister.“

Okay, ich kann ja verstehen, dass der Stachel immer noch tief sitzt. Aber ich möchte mal die drei Gründe aufschlüsseln. Punkt eins: Selbst wenn Hölzenbein zum 1:1-Eöfmeter ein Schwalbe produziert haben sollte, später, als der Frankfurter im WM-Finale von Jansen tatsächlich umgegrätscht wurde, gab es keinen Strafstoß. Also ausgleichende Gerechtigkeit. Punkt zwei, die Arroganz. Soll ich Hans van Breukelen grüßen, wenn ich ihn sehe? Oder Frau Antje? Oder Harry Wijnvoord? Oder Ruud van Nistelrooy? Natürlich, den würde ich grüßen, aber ich würde doch keinen Menschen grüßen, den ich nicht kenne. Es sei denn, dieser Mensch grüßt mich. Dann grüße ich natürlich zurück. Weil mir Arroganz fremd ist. Und Punkt drei? Ich kenne Niederländer, habe aber die großen Ohren nicht gesehen Und Witze über Holland und Holländer? Ich glaube, das gleicht sich auch alles aus, denn auch die Niederländer machen (nicht gerade freundliche) Witze über die Deutschen.

Und bei der Gelegenheit. 26. April 1989, WM-Qualifikationsspiel in Rotterdam, Niederlande gegen Deutschland. Da wurde in der Stadt am Tag vor dem Spiel und am tag des Spiels alles attackiert, was Deutsch sprach. Und an deutschen Autos wurden Scheiben eingeschlagen und Spiegel abgetreten. Und unser riesiges Hotel, ein Glaskasten mitten in der Stadt, wurde mit schweren Seiten beworfen. Ich sehe noch heute unseren früheren Nationaltorwart Hans Tilkowski mit eingezogenem Kopf von der Rezeption in Richtung Fahrstühle flüchten, weil er richtig viel Angst hatte. Aber der eigentliche Höhepunkt folgte erst im Stadion. Wir waren fünf Kollegen, drei aus Hamburg, einer aus Lübeck, einer aus Frankfurt. Wir waren im inneren Ring des Stadions, kurz vor den Aufgängen zu unseren Plätzen. Draußen tobte eine Schlacht, wie ich sie so noch nie erlebt habe – das war wie Krieg. Und wir hatten die Treppe vor Augen, alles schien bestens, als plötzlich ein niederländischer Polizist mit seinem Pferd auf uns von hinten zuritt. Und ohne Vorwarnung zog dieser ältere Herr (Rundschnitt in Augenbrauenhöhe) seinen Gummiknüppel und drosch damit auf unseren ältesten Kollegen, der bundesweit bekannte Hartmut Scherzer, ein. Wir waren fassungslos. Niemand von uns hatte etwas getan oder gesagt, es war einfach nur ein feiger Angriff von hinten, total unbegründet. Da wollte sich ein älterer Niederländern mal kurz an einem älteren Deutschen „rächen“. Ich habe das damals – mehr aus Zufall – fotografiert, Jahre später erschien dieses Foto (oder Fotos) auch in der „Sport Bild“ – im Zusammenhang mit der „deutsch-niederländischen Freundschaft“. Dieser Vorgang ist mir unvergessen, aber er zeigt auch, dass die Dummen eben noch lange nicht aussterben. Siehe Hans van Breukelen. Manche lernen es nie.

Zum Fußball. Mein Freund Peter, ein Freund der Nationalmannschaft (FdN), rief ich heute an und sagte: „Dass Deutschland auch zu zehnt gegen die Niederländer gewinnt, das ist eine ganz wichtige Erkenntnis für mich.“ Wie, zu zehnt? Er: „Na ja, hat der Karnevalsprinz hat doch nun wirklich nicht teilgenommen.“ Aha, es geht also um Podolski. Haut den Lukas. Recht hat er ja, mein Freund, ich habe Podolski ja auch nicht gesehen. Wir haben uns dann aber gefragt, ob es Jogi Löw nicht auch so ergangen ist? Zweite Halbzeit zumindest. Da turnte der Ex-Kölner, den sie am Rein immer mit der Sänfte ins Stadion und zum Training getragen haben, ja auf der gegenüberliegenden Seite der Trainerbank herum. Deswegen, so schlossen wir daraus, konnte in Löw nicht sehen, folglich auch nicht auswechseln. Wer nicht mitspielt, der kann nicht vom Platz geholt werden. Logisch. Deswegen musste erst Mesut Özil (der dann oft vor der Trainerbank aufkreuzte) runter, dann auch noch Thomas Müller. Rechtsdraußen.

An Müller scheiden sich ja die Geister. Ich gebe zu, dass der Bayern-Profi nicht in Bestform zur EM gekommen ist. Aber er ist auch nicht in absolut schlechter Verfassung. Mir gefällt dieser Müller immer noch, gebe ich zu. Weil er viele gute Dinge mit dem Ball anstellt, weil er den Ball auch bestens unter Kontrolle hat – und weil er fleißig nach hinten arbeitet. Das ist vielleicht der Punkt, der bei Podolski zum springenden Punkt wird. Ihm hat man ja oft vorgeworfen, dass er kaum oder nicht nach hinten arbeitet. Jetzt arbeitet er nach hinten, aber er arbeitet kaum noch nach vorne. Wir er vorne geschickt, geht er kurz ab – bis zu jenem Punkt, an dem er den Ball hat. Früher wäre er dann mit dem Kopf durch die Wand Richtung Tor des Gegners marschiert, hätte alles um und dumm gelaufen und geschubst – heute spielt er den Ball gleich wieder zurück, oder er läuft mit der Kugel am Fuß wieder Richtung eigener Hälfte. Völlig harmlos. Und total wirkungslos. Ein Ausfall.

Apropos. Cristiano Ronaldo. Oliver Kahn spricht ja nur die Wahrheit aus: so schlecht wie nie. Zwei Super-Chancen, kein Tor. Der gute „John-Wayne“-Verschnitt (weil er vor seinen Freistößen immer so breitbeinig steht wie die Hollywood-Legende, bevor er aus der Hüfte schoss) läuft in dieser portugiesischen Mannschaft wie ein Fremdkörper herum. Wie einer, der um Liebe bettelt, den aber keiner wirklich lieb hat. Im Gegenteil. Oft habe ich bislang den Eindruck, als würden ihn seine „Kollegen“ ganz bewusst „außen vor“ lassen. Wenn sie ihm den Ball geben, ist er weg – so oder so. Das will keiner so richtig.

Im Gegensatz dazu Mario Gomez. Zwei Chancen, zwei Tore. Das ist der wahre „John Wayne“. Eiskalt. Auch ohne breitbeinig vor dem Ball zu stehen, ohne auf die Anzeigentafel im Stadion zu blicken, ob auch die Frisur noch gut sitzt. Mich würde ein Typ wie Ronaldo in meiner Mannschaft nerven – wenn er keine Leistung bringt und keine Tore schießt. Nur dann, natürlich. Aber an guten Tagen kann er es ja. Ausgerechnet bei dieser EM kann er es aber (noch) nicht. Zurück zu Gomez. „Ich kann die Kritik an ihm nicht verstehen, jund jetzt hat er mit seinen nunmehr drei Toren den Kritikern das Maul gestopft“, sagt HSV-Trainer Thorsten Fink (mit dem „Scholle“ sprach) über den deutschen Torjäger. Und in der Castrol-Analyse werden die Stärken des Münchner Stürmers noch einmal bestens „entlarvt“:

In der Form seines Lebens? Allerdings. Mit Killerinstinkt vor dem gegnerischen Tor? Keine Frage. Aber lauffaul? In diesem Punkt scheiden sich bei Mario Gomez die Geister. Die Analysen von Castrol, offizieller Partner der „UEFA EURO 2012 Statistik“, belegen, dass die Kritik an Deutschlands Torgarant mit der Nummer 23 nicht auf Fakten, sondern auf subjektiven Eindrücken beruht.

Beim 1:0-Sieg der DFB-Elf gegen Portugal hatte Gomez in 80 Spielminuten 8 797 Meter absolviert und gegen die Niederlande waren es bei seiner Auswechslung in der 72. Minute bereits 8 826 Meter. Hochgerechnet auf die volle Spieldauer käme Gomez auf eine Gesamtlaufleistung von knapp 9 896 Metern (gegen Portugal) bis 11 032 Metern (gegen die Niederlande) – und muss so den Vergleich mit anderen Goalgettern nicht scheuen: Der Ukrainer Andrij Schewtschenko brachte es im Spiel gegen Schweden in 81 Minuten Spielzeit auf 8 826 Meter und Zlatan Ibrahimovic in Diensten der Schweden kam über die volle Distanz auf ganze 9 362 Meter. Beide Angreifer stehen in ihrem Land übrigens außerhalb jeder Kritik.

Deswegen war Gomez im Spiel gegen die Niederlande auch der herausragende Akteur mit einer Wertung von 9,43 Punkten. An seiner Effektivität gibt es keinen Zweifel: seine beiden Treffer erzielte der Münchener mit nur drei Schüssen auf das Tor. Als offizielle Analyse der „UEFA EURO 2012 Statistik“ erfasst der Castrol alle Ballkontakte und Aktionen eines Spielers und bewertet, ob sie die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Tores erhöhen oder senken. In gleicher Weise werden Punkte für Defensivaktionen vergeben. Aus den gewonnen Daten ergibt sich eine Rangliste mit einer Bewertung von bis zu zehn Punkten – je höher die Punktzahl, desto besser die Leistung.

Auf Rang zwei der Liste landet Holger Badstuber (9,13 Punkte), der vor allem durch seine Balleroberungen auf sich aufmerksam machte. Der stärkste Niederländer war Robin van Persie mit einer Wertung von 9,08. Er überzeugte als Torschütze und Störfaktor im deutschen Spielaufbau. Er war außerdem der lauffreudigste Akteur seines Teams mit einem Pensum von 10 843 Metern. Beim Sieger war die Doppel-Sechs im Mittelfeld wieder fleißig unterwegs: Bastian Schweinsteiger setzte die Bestmarke mit 11 952 Metern vor Sami Khedira mit 11 336 Metern. Insgesamt absolvierte die deutsche Elf rund 106 Kilometer, Holland dagegen nur 104 Kilometer.

Khedira und Schweinsteiger – das waren zwei riesige Stützen in der Sieger-Mannschaft, die ihren Gegenspieler Mark van Bommel und Nigel de Jong (unser Nigel!) klar an die Wand spielten. Real-Spieler Khedira war in der Balleroberung Weltklasse, Schweinsteiger war Lenker, Denker und Kämpfer – wie (fast) zu seinen besten Tagen. Ich würde es ihm und der deutschen Mannschaft (und auch mir) wünschen, dass er noch während dieser EM zur alten Stärke zurückfindet, gegen die Niederlande war er fast schon wieder an jenem Punkt. Oftmals sieht es nicht sonderlich spektakulär aus, wie er etwas macht, aber fast alles ist enorm wirkungsvoll. Wie bei Khedira. Zwei große Trümpfe auf dem Weg zum Titel? Ich hatte ja vorher auf die Niederländer (Egoland) und als Außenseiter auf die Polen getippt, aber die Sache mit dem Tippen ist so eine Sache. Meistens liegt man daneben – ich total. Deswegen sage ich jetzt: unterschätzt mir die Italiener nicht. Die spielen bislang so gut, wie ich sie kaum zuvor mal gesehen habe. Die laufen, die rennen, die spielen kreativ, die kämpfen, die stehen gut, die treten als Einheit auf – da passt alles. Hätte ich vorher nie geglaubt, aber der Wettskandal scheint null Spuren hinterlassen zu haben. Kompliment!

18.59 Uhr

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