Archiv für das Tag 'Golz'

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

Nun gilt es: Aufstehen für den HSV

7. Februar 2014

Heute Mittag im Stadion-Restaurant „Die Raute“. Einträchtig sitzen die Vorstands-Kollegen Carl Jarchow, Joachim Hilke und Oliver Kreuzer beim Mittags-Buffet zusammen. Die Stimmung scheint ganz gut zu sein, aber zugegeben: beste Laune war aus den Gesichtern der drei Herren nicht zu erkennen. Logisch, die Anspannung vor dem enorm wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC am morgigen Sonnabend (18.30 Uhr) nimmt zu.

Hoffentlich gilt das auch für die Konzentration der Mannschaft, denn was in den vergangenen Tagen alles auf sie eingeprasselt ist und was sich an Nebenkriegsschauplätzen ergeben hat, war schon nicht ohne. Die Aufarbeitung der 0:3-Niederlage in Hoffenheim; die ellenlangen und im Kern überzogenen Debatten um die Interviews von Bert van Marwijk und Rafael van der Vaart nach dem Spiel; Trainer-Bekenntnisse von Oliver Kreuzer und Carl Jarchow; das Theater um den Vertrag von Jonathan Tah; den Fanmarsch vom Bahnhof Stellingen (wobei dies noch die positive Aktion war); Unstimmigkeiten um den Rauswurf von Rodolfo Cardoso; zuletzt auch noch die Geschichte um geklaute Nobel-Uhren der Herren Zoua und Djourou. Zwischenzeitlich, nicht zu vergessen, Vorwürfe gegen Coach van Marwijk und seine umstrittene Kabinenansprache („Ich steige nicht mit Euch ab!“), die womöglich in den falschen Kontext gestellt wurde. Alles in allem war es mal wieder eine typische HSV-Woche.

Ich frage mich, was bis zum 10. Mai und dem letzten Bundesliga-Spieltag bei Mainz 05 eigentlich noch kommen soll? Wie soll das noch gesteigert werden, wenn es erst noch ein paar Runden bis zum Ende sind? Vor diesem Hintergrund wäre es extrem hilfreich, wenn die Profis ihre Partie jetzt gegen Hertha tatsächlich für sich entscheiden würden. Allein um den Druck etwas herauszunehmen und sich mit einem Erfolgserlebnis zu belohnen.


Wir warten darüber hinaus im Stadion gespannt auf die eine oder andere weitere Aktion. Alle zehn Minuten soll ja beispielsweise ein „Steht auf für den HSV!“ angestimmt werden, das dann bitte auch alle befolgen sollen. Hierzu ein Brief, den Dieter bekommen hat:

Hallo Herr Matz,
Da ich ganz fest hoffe, dass morgen 12 HSVer auf dem Platz stehen, versuche ich gerade alles, dass auch die nicht Facebooker es mitbekommen. Sie haben eine so große Leserschaft!!!!! Haben Sie von der Steh-auf-Aktion gehört? Gibt es eine Möglichkeit, dass auch Sie die noch mal pushen??? Das wäre eine große Chance noch mehr Fans zu erreichen. Hier noch mal meine Aktion, wie ich sie bei Facebook formuliert habe:
… Und damit wirklich im Stadion auch die manchmal etwas zurückhaltenderen Fans auf den Geraden mitgerissen werden, denkt an die große Aktion: Steht auf für den HSV! Und zwar alle 10 Minuten (Spielminute 10,20,30 …) Singt alle mit! Steht alle auf! Macht alle 10 Minuten Radau! Lasst uns alle TANZEN! Schreit Euch die Seele aus dem Hals! Bring Luftschlangen in Massen mit (Bitte nicht aufs Spielfeld werfen) Schwenkt Eure Schals! Und ganz wichtig: Animiert auch den schüchternen Fan neben Euch! Und hört danach nicht gleich wieder auf. Wir müssen die ganze Zeit alles geben. Spätestens nach 10 Minuten wieder voll durchstarten. Wenn der erste Versuch in der 10. Minute gut, laut, lustig und megagenial wird, werden in der 20. Minute alle mitmachen. Auch die, die sich sonst nicht trauen.
Viele Grüße aus der Speicherstadt,
Frederik Braun
Miniatur Wunderland Hamburg GmbH

Etwas enttäuschend, aber nach den Darbietungen der vergangenen Monate auch nicht wirklich überraschend, ist die zu erwartende Zuschauerzahl. Bis zum Freitag-Nachmittag waren lediglich 47.000 Karten für die Partie gegen Hertha BSC verkauft. Nachwirkungen des Schalke-Spiels sind zu spüren, als Tausende Anhänger bereits eine halbe Stunde vor Spielende (bei allerdings auch arktischen Temperaturen) aus der Arena gelaufen sind.

Beim Training heute Nachmittag waren alle Augen auf Pierre Michel Lasogga gerichtet. Der Torjäger des HSV (schon neun Treffer in dieser Saison) konnte tatsächlich alles mitmachen und schien dabei auch keinerlei Probleme zu haben. Er könnte also eine Alternative für die Startelf sein. Oder vertraut Coach Bert van Marwijk zunächst noch auf Jacques Zoua, weil Lasoggas Comeback im Basel-Testspiel zu früh kam? “Alles gut, alles gut!” Das gab Leih-Angreifer Lasogga allen Neugierigen noch mit auf den Weg, ehe er in der Kabine verschwand. Ich tippe allerdings darauf, dass der bullige Angreifer zunächst von der Bank kommen dürfte.

Diese Frage wird jedenfalls erst unmittelbar vor dem Anpfiff beantwortet werden. Überhaupt ist van Marwijk diesmal schwer in die Karten zu gucken. Am ehesten taugt noch ein Blick auf das geheime Training am Donnerstag im Stadion. Lam als Rechtsverteidiger, Djourou in der Innenverteidigung für Tah, Bouy und Arslan im zentralen Mittelfeld (ohne Badelj), und tatsächlich wieder John auf dem Flügel (anstelle von Calhanoglu oder Ilicevic).

Zweite wichtige Personalie – die Torwartfrage. Rene Adler hat im Abschlussspielchen alles mitgemacht. “Ich werde aber mit der medizinischen Abteilung Rücksprache halten”, so Trainer van Marwijk nach der Einheit. Soll heißen: erst wenn das Licht für den lange am Fuß verletzten Nationalkeeper knallgrün gestellt ist, wird er auch in der Startformation beginnen. Auch hier tendiere ich zu der Prognose, dass der Trainer eher noch einmal auf Jaroslav Drobny baut, auch wenn der zuletzt gegen Schalke und in Hoffenheim nicht in großer Form war.

Wir werden es sehen und nach den Eindrücken und Äußerungen dieser Woche ist es vor allem wichtig, dass Bert van Marwijk die elf Spieler heraussucht, die brennen – ungefähr wie das Feuer, durch das alle nach Aussage von Rafael van der Vaart gehen wollen.

Neue Stimmung – neues Hotel. Auch in der Suche nach einer neuen Unterkunft vor der Partie gegen die Hauptstädter soll ein Puzzle-Teilchen gefunden sein. Statt ins Elysee zieht es die HSV-Truppe nach Harburg. Wohin genau, möchte der HSV nicht unbedingt hinaus posaunen. Das ist auch okay, entscheidend ist das Ergebnis.

Carl Jarchow und Oliver Kreuzer haben in den vergangenen Tagen eindeutig zu Bert van Marwijk gestanden. Ihre Aussagen, und zuletzt auch die von Jarchow in unserem Video-Interview, lassen keinen Spielraum für das Hertha-Spiel. Normalerweise bleibt Bert van Marwijk unangetastet, selbst wenn es erneut eine schlechte Leistung analog Schalke und Hoffenheim geben sollte.

Werden sie am Sonntag, nach einer wiederholt peinlichen Vorstellung, von ihren eigenen Worten eingeholt? Im Sinne des HSV wäre dies nicht, denn es würde bedeuten, dass die Mannschaft schon wieder ganz wichtige Punkte hat liegen lassen. Trotzdem geht es mit dieser Partie auch um die Glaubwürdigkeit und die Handlungsfähigkeit des Vorstands.

Es gibt offenkundig nicht wenige Aufsichtsräte, die mit dem Bild des Trainers, aber auch des Vorstands in diesen Tagen alles andere als zufrieden sind. Natürlich wird auch in diesem Gremium über die kritische Lage diskutiert. Sollte es also eine erneute Niederlage geben, reden wir nicht nur über die Trainerfrage, die dann aufs Neue gestellt wird, sondern auch über den Vorstand und dessen Verhalten.

Zur Einstimmung auf die kommenden Monate in Kurzform ein Rückgriff auf die drei Jahre, in denen der HSV in der jüngeren Vergangenheit schon einmal in einer sportlich Existenz-gefährdeten Lage war.

1997/98 hatte Trainer Frank Pagelsdorf vor dem ersten Spiel des neuen Jahres, der HSV stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 16, eine glorreiche Idee. Sein neuer Hinrunden-Keeper Hans-Jörg Butt sollte durch den erfahrenen Richard Golz ersetzt werden. Die Folge: Schon nach 9 Sekunden kassierte Golz im Spiel beim FC Bayern das 0:1, der Keeper erwischte insgesamt keinen guten Tag. Die Partie endete 0:3 und der HSV war Schlusslicht der Bundesliga. Erst mit einem Kraftakt und dank eines Schlüssel-Sieges gegen Werder Bremen am 28. Spieltag (2:1 durch ein spätes Yeboah-Tor – Pagelsdorf weinte anschließend hemmungslos) war der Klassenerhalt gesichert. Am Ende wurde der HSV sogar Neunter.

2006/2007 sorgte ein Trainerwechsel für die Rettung. Nach dem 19. Spieltag und einem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Energie Cottbus war für Thomas Doll „Finito“. Der HSV war Letzter und holte Huub Stevens als Feuerwehrmann. Noch ehe der „Knurrer“ richtig auf der HSV-Trainerbank Platz genommen hatte, kassierte sein neues Team durch einen Weitschuss in der Nachspielzeit von Mineiro eine 1:2-Niederlage bei Hertha BSC. Der HSV lag vier Punkte hinter dem rettenden Ufer – und drehte das Blatt. Auswärtssiege bei den Bayern, in Bremen und auf Schalke sorgten für das Happy-End. Am Ende stand ein – gemessen an der Vorrunde – sensationeller siebter Rang zu Buche.

2011/12 schließlich, daran können sich die meisten noch problemlos erinnern, wurde es etwas später knalleng. Nach einem 1:2 in Wolfsburg stand der HSV am 27. Spieltag erstmals auf Relegationsrang 16. Ziemlich unerwartet schlidderte das Team von Thorsten Fink, das zwischenzeitlich mit der Europa-League-Qualifikation geliebäugelt hatte, in den Abstiegsstrudel. Ein 1:0-Zittersieg auf dem Lauterer Betzenberg (Tor: Marcell Jansen) schaffte Erleichterung und letztendlich den zwar wenig berauschenden aber doch sehr erleichternde Verbleib in der Bundesliga.

Morgen um 18.30 Uhr geht es also erneut um die Wurscht für den HSV. Dieter und Scholle begrüßen anschließend Ex-Stürmer Andreas Merkle, der den Verein 1989 zu einem legendären 2:0-Erfolg nach Verlängerung gegen Real Saragossa geschossen hatte. Außerdem kommt Frederik Braun vom Miniatur-Wunderland – siehe oben. Viel Spaß mit den vier Herren!

Mögliche HSV-Aufstellung: Drobny (Adler) – Lam, Djourou, Westermann, Jansen – Bouy, Arslan – John, van der Vaart, Calhanoglu – Zoua (Lasogga)
Das Motto des Hertha-Tages: Aufs Wesentliche konzentrieren!
Schöner Gruß von Lars

Aktualisiert: Tesche-Wechsel geplatzt! Und: Horst Heese: “Die verstecken sich alle!”

31. Januar 2014

******ACHTUNG, WICHTIG!*****
Manchmal muss man sich ehrlich schämen. Da erreicht mich heute Vormittag die Nachricht, dass Eva mit fiesen, beleidigenden Mails bombardiert wird. Von dem einen war das zu erwarten. Aber dass es da mehrere gibt, kann ich nicht fassen. HSV-Fans beleidigen sich untereinander? Weil Eva sich mit fremden Federn schmückt?

BITTE?!?! GEHTS DENN NOCH??

Es steht in diesem Blog für alle nachlesbar, dass Eva mich bat, den Brief, den sie ebenso wie ich für eine sehr gute Sache halten, zu veröffentlichen. Für diesen Tipp war ich Ihr dankbar, daher habe ich sie im Blog nur zu gern erwähnt. Mit keinem einzigen Wort aber haben weder Eva noch ich jemals behauptet, der Brief sei von ihr verfasst. Also, bitte: Erst lesen, kurz drüber nachdenken – und dann kommentieren. Danke. Und entschuldige bitte, Eva!

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Es war in dieser Saison 1989/90, als der HSV am 29. Spieltag auf dem vorletzten Platz der Bundesliga rangierte. Damals trugen Spieler wie Richard Golz, Carsten Kober, Hans-Werner Moser, Dietmar Beiersdorfer, Ditmar Jakobs (neun Spiele lang), Holger Ballwanz, Thomas von Heesen, Armin Eck, Harald Spörl, Michael Schröder, Detlev Dammeier, John Jensen, Jan Furtok, Andreas Merkle, Nando und Oliver Bierhoff die Raute auf ihrer (Trikot-)Brust. Trainer waren Willi Reimann, der nach 21 Spielen von Gerd-Volker Schock abgelöst wurde. Und es gab einen HSV-Spieler namens Sascha Jusufi. Der kam eines Tages nach dem Training in Ochsenzoll laut fluchend und schimpfend aus der Kabine. „Was ist los, Sascha?“ Der Mittelfeldspieler: „Das ist mir alles zu lasch hier, es krempeln nicht alle die Ärmel auf. Das habe ich mal etwas lauter gesagt, denn ich habe keine Lust, auf jener Spieler-Liste zu stehen, die den HSV erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte haben absteigen lassen. Ich erwarte von jedem, dass er nun einen Schlag mehr reinhaut, wir müssen endlich kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir müssen uns mit allen Mitteln gegen den Abstieg wehren. Mit allen Mitteln.“

Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr

Der HSV hielt bekanntlich doch noch die Klasse, lief noch auf Rang elf ein, fünf Punkte Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Das war knapp. Und glücklich. So wie in der Saison 1972/73. Da taumelte der HSV monatelang auf dem letzten und vorletzten Platz herum, dann durfte doch noch gefeiert werden (den Nicht-Abstieg), denn dank „Retter“ Horst Heese lief der HSV noch auf Platz 14 ein. Drei Punkte vor einem Abstiegsplatz!

Mit Horst Heese sprach ich heute über den heutigen HSV, den er – in Ost-Belgien wohnend – immer noch sehr genau verfolgt. Drei Spiele seines Ex-Clubs hat er live im Stadion gesehen, die anderen im Bezahl-Fernsehen. Horst Heese (70) über seine derzeitige Stimmungslage: „Ich habe enorme Angst vor dem Abstieg des HSV, muss man doch. Weil keiner Verantwortung übernimmt, da schwimmen alle nur im seichten Gewässer mit, keiner geht nach vorne und reißt die anderen mit – Motto: ‚Jetzt geht es rund!’ So einen Mann sehe ich weit und breit nicht beim HSV – leider. Die verstecken sich alle. Alle.“

Können aber diese HSV-Profis, die nun den Karren aus dem Dreck ziehen sollen, noch das Kämpfen lernen? Heese: „Aber natürlich. Es geht doch innerhalb des Clubs um viele Arbeitsplätze dafür muss doch gekämpft und geackert werden. Obwohl die Spieler heutzutage ja gar keine Existenzängste haben müssen, die steigen ab und haben innerhalb von wenigen Tagen einen neuen Verein. Selbst die schlechtesten Spieler finden wieder einen neuen Arbeitgeber – das macht mich oft fassungslos.“

Woran aber liegt es seiner Meinung nach, dass der HSV so abgestürzt ist? Horst Heese: „Das liegt einzig und allein an der Zusammenstellung des Kaders. Da ist arglos gehandelt worden, da wurden sich von irgendwelchen Spielervermittlern Leute aufs Auge gedrückt worden, die gar nicht zusammenpassen. Diese Jungs arbeiten doch nicht zusammen, da ist jeder froh, wenn der Ball, weg ist. Jeder verdrückt sich so schnell er nur kann – furchtbar.“ Heese weiter: „Es gibt in diesem Team ja auch keine Hierarchie. Wenn ich da an den Kapitän Rafael van der Vaart denke, der hat mehr mit seinen Frauen als mit Fußball zu tun. Dabei hat der die Marschrichtung vorzugeben. Passiert aber nicht.“

Heese ging damals als Zugang gleich voran. Mit Leistungen, und auch verbaler Natur. Er sagt: „Da musste erst einmal in der Mannschaft aufgeräumt werden. Wir hatten Klasse-Spieler, aber es gab keine Spannung. Da habe ich dann einigen Jungs mal die Köpfe gewaschen – und dann ging es. Da ging es auch im Training zur Sache, da haben dann einige gespürt, wie es ist, wenn man zur Sache kommt. Und so sprang der Funke dann über.“

Auch taktisch ist der HSV schlecht aufgestellt. Heese: „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind viel zu groß, die Viererkette steht zu weit auseinander, der Abstand zwischen der Viererkette und den anderen Mannschaftsteilen ist zu groß – da kann jeder Gegner schön bequem aufspielen, da wird kaum einer gestört. Das sind elementare taktische Fehler, und ich kann mir auch gut vorstellen, dass daran gar nicht gearbeitet wird . . .“ Einmal Training am Tag. Wissenschaftlich erwiesen, dass das reicht – so der Trainer Bert van Marwijk. Und lieber mal nur einmal am Tag, dafür aber intensiver – so der Sportchef. Wobei „intensiver“ ja dehnbar ist. Horst Heese: „Ich habe gelesen, dass die Spieler einen zu großen Druck verspüren, jetzt muss man mir nur noch was vom Bio-Rhythmus erzählen, dann falle ich tot um. Die Spieler sollten sich mal andere Sportler ansehen, was die für einen Druck haben, dann wissen sie, woran sie noch zu arbeiten haben.“

Sportchef Kreuzer hatte zu Jahresbeginn darüber philosophiert, dass der Trainer seine Spieler künftig „härter anfassen“ wird. Aber denkste! Es wird weiter gepudert und mit Pampers gearbeitet. Heese: „Ich will gar nicht von früher sprechen, darüber lachen die Jungs ja heute nur, obwohl wir auch Fußball gespielt haben. Wir haben aber einst sieben Mal die Woche trainiert. Da ging dienstags die Post so etwas von ab, da waren die Zehnkämpfer Wanzen dagegen. Mensch, was will man in zwei, drei Einheiten trainieren? Da vergeht allein durch das Aufwärmen schon eine halbe Stunde. – Wahnsinn alles.“

Horst Heese über dieses Übel: „Diese Laschheit ist tödlich. Und das sieht man ja auch, diese HSV-Mannschaft hat ja nichts drauf. Die Spieler können gar kein Pressing spielen, die pumpen doch gleich . . . Man kann doch nicht immer nur die weiche Welle fahren. Die müssten Kilometer machen, die müssten rennen bis die Hacken brennen.“

Denkt Horst Heese an das morgige Spiel, dann wird ihm schlecht. Er glaubt an nichts Gutes mehr. „Wenn da morgen keine richtige Ansprache kommt, dann ist dieser Club zum Tode verurteilt. Da kann man den HSV lieben, da kann man HSV-Fans sein, da kann man dem HSV die Daumen drücken – wenn da keine vernünftige Absprache kommt, dann wird sich nichts ändern. Schluss, aus. Entweder ändert sich der Trainer, aber der verdrückt sich hinterher nach Holland und hat nichts mehr mit dem HSV zu tun. Dann ist das Thema für ihn erledigt. Er nimmt das Geld, und weg. Nach mir die Sintflut.“ Heese weiter: „Da hat auch die Führung des HSV versagt, denn da wurden und werden Trainer genommen, die einfach nicht passten. Wie zuletzt Thorsten Fink, der kommt zu einem Verein wie den HSV und hat keine Erfahrung. Schlimm.“

Zum Thema Umbruch hat Horst Heese auch noch seine persönliche Meinung: „Der HSV hat, durch den ganzen Chelsea-Mist, zwei Jahre an Aufbau-Arbeit verloren. Die Spieler aus London haben Plätze besetzt, die der HSV mit Amateuren hätte besetzen können. Das wäre besser gewesen. Zwei Jahre Aufbau-Arbeit sind verloren, dank Frank Arnesen. Dabei gibt es doch Spieler, die es könnten, die muss man nur suchen. Bei HSV aber wurde die bequeme Tour gefahren. Ein Toni Kroos oder ein Bastian Schweinsteiger sind doch auch nicht vom Himmel gefallen. Man muss aber schon suchen, in den Schoß fallen einem solche Talente nicht. Aber beim HSV denken sie schon seit Jahren so, das zieht sich durch den Club wie ein roter Faden. Da müsste meiner Meinung nach mal zusammengefegt werden – und dann müssten Köpfe rollen. Wobei ich nicht vom Vorstand spreche, da gibt es genügend andere Leute, die nichts machen oder nichts können.“

Wie wahr. Und genau deswegen zittern wir nun alle – wieder einmal um den HSV.

Ich gebe aber heute zu, dass ich seinerzeit, als es wieder einmal eine Minute vor Zwölf war, und zwar am 31. Januar 2007, so fest mit dem Abstieg des HSV gerechnet habe, wie vielleicht noch nie. Das erste Spiel des Jahres endete 1:1 in Bielefeld, dann gab es ebenfalls ein 1:1 zu Hause gegen Cottbus. Das war für mich das Ende – Abstieg. Thomas Doll wurde entlassen, es kam Huub Stevens. Der Retter. Der ließ die Null stehen – und gewann dann auch häufig. Ich habe es oft genug geschrieben: Stevens ist nicht mein Freund, wird es auch nie – aber für diese Leistung hätte man ihm eigentlich ein Denkmal setzen müssen. Neben dem Uwe-Seeler-Fuß. Und wer wird in diesem Jahr der Retter des HSV? Ich sehe noch keinen einzigen. Weit und breit nicht. Ich habe nur Angst. Und die ist längst so groß, wie im Januar 2007 – oder sogar noch größer. Ich gehe vom Schlimmsten aus, denn diese Mannschaft mag ja gute Fußballer in ihren Reihen haben, aber kämpfen kann sie nicht. Und da keiner von außen mit bestem Beispiel voran geht, wird sie es auch nicht mehr lernen.

Ich habe heute auch mit Bundesliga-Profi Nummer eins gesprochen. Harry Bähre, der war als Typ „Terrier“ ein echter und harter Kämpfer, will sich jedoch aus dem aktuellen Geschehen strikt heraushalten. Er sagte aber immerhin: „Ich mache mir, wie alle HSVer die ich kenne, ganz, ganz große Sorgen um den Club, denn so schlimm war es noch nie – obwohl es einige Male schon echt sehr schlecht um den HSV bestellt war.“ Ansonsten aber schweigt Harry Bähre. Es ist wohl die Angst, die ihn lähmt.

Was mich an der heutigen so prekären Lage des HSV stört: Wo gibt es denn noch einen Sascha Jusufi? Einen Profi, der sich wehren will, der dafür auch mal unbequem den eigenen Kollegen gegenüber wird? Der Tacheles spricht, der auf dem Rasen zur Sache geht, der Gras frisst? Solche Typen gibt es heutige nicht mehr. Auf jeden Fall nicht mehr beim HSV. Ich sehe ein solches Vorbild schon seit Jahren nicht mehr in diesem HSV. Und das ist das Gefährliche. Zumal sich der Club (wahrscheinlich wohl aus finanziellen Gründen? Ein Scherz!) nicht erlauben konnte, einen Typen wie Horst Heese zu verpflichten. Leider, Leider. Es wäre so schön gewesen, und es wäre gewiss auch ein kleiner Strohhalm gewesen. Wäre.

So wird sich der HSV an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen müssen. Ob ausgerechnet gegen Hoffenheim die Wende eingeläutet wird? Beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim gab es einen 4:1-Erfolg des HSV. Das macht schon mal Mut. Am 11. Mai 2013 schossen Heung Min Son, Dennis Aogo, Petr Jiracek und Artjoms Rudnevs den Sieg heraus – drei Spieler davon spielen zurzeit nicht mehr für den HSV, einer (Jiracek) spielt, obwohl ihm eigentlich mal kämpferische Qualitäten nachgesagt wurden, nur eine Nebenrolle in Hamburg. In den bisherigen fünf Spielen zwischen Hoffenheim und dem HSV gab es drei Heimsiege und ein Unentschieden. Diesmal prallen die beiden Schießbuden der Liga aufeinander, denn die TSG hat bereits 42 Gegentreffer, der HSV bringt es „nur“ auf 41. Schlechtere Vereine gibt es in dieser Statistik nicht. Die Null muss stehen? Das wäre wohl ein kleines Fußball-Wunder, oder sogar ein größeres, wenn das morgen klappen sollte – oder überhaupt noch einmal in dieser Spielzeit.

Beim HSV gibt es personell noch einige Wackelkandidaten. Fest steht: Johan Djourou blieb in Hamburg zurück, wird also ein weiteres Mal fehlen. Beim heutigen Vormittags-Training war in Sachen Aufstellung nichts zu erkennen, im Abschlussspielchen standen sich zwei bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber. Pech für den HSV, dass Marcell Jansen mit einer Knie-Prellung auszufallen droht. Für ihn gäbe es zwei Kandidaten, die einspringen könnten: Slobodan Rajkovic und Zhin Gin Lam. Letzterer hat heute erstmalig in dieser Woche mit der Mannschaft trainiert, Rajkovic wäre plötzlich und unerwartet mittendrin statt nur dabei.

Und das erinnert mich dann an die erste kostenlose Vorführung des HSV gegen Hoffenheim – und zwar am 26. Oktober 2008 in Mannheim. Trainer Martin Jol hatte – im Übermut (?) – Joris Mathijsen als Linksverteidiger aufgeboten, Innenverteidiger waren Alex Silva und Bastian Reinhardt. Alle drei Herren wurden schwindelig gespielt, und nicht nur die. Nach 35 Minuten hieß es bereits 3:0 – es war ein Desaster. Auch deshalb, weil Mathijsen von innen nach außen gedrückt worden war. Das konnte er nun ganz und gar nicht. Und Rajkovic? Ich habe nichts gegen „Slobo“, aber Linksverteidiger? Da habe ich aber meine ganz großen Zweifel.

Auf der Sechs wird es diesmal wohl das Duo Bouy/Badelj geben – Tolgay Arslan bleibt draußen. Ich bin gespannt, ob Quasim Bouy die Sechs kann, aber er soll es ja offenbar können. Grundsätzlich ist mir die HSV-Sechs aber stets zu offensiv besetzt, nur wer erkennt das, wer hat es in den letzten Jahren erkannt? Keiner! Ja, und dann gibt es noch die linke Offensiv-Position: Hakan Calhanoglu oder Ivo Ilicevic? Das Rennen ist völlig offen. Ich würde mich (anstelle des Trainers) für Calhanoglu entscheiden, aus dem Bauch heraus. Und vorne Jacques Zoua. Oder Zoua raus, „Calle“ vorne und Ilicevic links. Wobei rechts Ola John wirbeln soll. Hoffentlich tut er es, hoffentlich hat er sich vom HSV-Virus noch nicht packen lassen.

Übrigens hat ein „Matz-abber“ heute beim Training einen interessanten Vorschlag gemacht: „Rafael van der Vaart sollte eine Verletzung bekommen oder kriegen, damit er mal eine schöpferische Pause einlegen kann. Weil er zuletzt ohnehin nicht viel gebracht hat . . .“ Es darf diskutiert werden.

So, dann hat heute Patrick Owomoyela noch einen Vertrag beim HSV unterschrieben: für die Zweite. Der Kontrakt läuft bis zum Sommer 2014.

Dann gibt es noch in eigener Sache zu berichten:

Der „Matz-ab“-Schreiber Lars Pegelow sitzt am Sonntag beim Doppelpass auf „Sport1“, die Sendung beginnt elf Uhr Und der „Matz-ab“-Schreiber Dieter Matz ist am Sonntag zu Gast bei „0800 – Du bist dr@uf!“, von 21.30 Uhr bis 23 Uhr auf Sky Sport News HD. Die HSV Fans können bei der Sendung von Maik Nöcker live mitdiskutieren, via Telefon, kostenfrei unter 08000 366466. Oder Twitter mit #ssnhd oder direkt an @Sky_MaikN.

Und wer immer mehr HSV braucht und will: Sportchef Oliver Kreuzer sitzt am Sonntag von 18 Uhr an vor dem Mikrofon von NDR 90,3, die Sendung „Sportplatz Hamburg“ wird von Britta Kehrhahn moderiert.

Bereits am Sonnabend, nach dem Schlusspfiff in Sinsheim, werden wir mit „Matz ab live“ über das Spiel sprechen, unsere Gäste sind Lotto King Karl (der zurzeit allerdings ein wenig schwächelt – ich drücke ihm und uns die Daumen, dass er rechtzeitig gesund wird!) und der frühere Volleyball-Bundestrainer (und heutige „Matz-abber“) Olaf Kortmann. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet. Vielen Dank dafür.

Und dann noch ein Hinweis: „Scholle“ wird diesen Text noch ein wenig ergänzen – hat er gesagt. Das sollte zeitnah geschehen. Also immer noch einmal hier hineinschauen. Danke. Bis morgen.

***Ergänzung***
Robert Tesche steht – mal wieder – dem Vernehmen nach kurz vor einem Wechsel ins Ausland. Noch ist der Transfer aber nicht beschlossen. Sollte sich hier noch etwas tun, melde ich mich noch mal.

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Aktualisiert

Laut Tesches Berater Roland Kopp hat sich der Wechsel des HSV-Mittelfeldspielers zerschlagen. Die Engländer – es war von Wigan Athletic die Rede – hätten ihr Interesse zurückgezogen.

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Und dann bat mich Eva noch, einen offenen Brief hier reinzustellen. Oder besser gesagt, den Text und einen wichtigen Link dazu. Und das mache ich gern, weil es eine gute Sache ist. Und weil ich mir sicher bin, dass diese Mannschaft Hilfestellung von außen unbedingt braucht, da sie sich selbst momentan nicht helfen kann. Daher, hier der Text:

Verschwört Euch gegen die Umstände, die sich gegen Euch verschworen haben! Überwindet gemeinsam alle Widerstände!
Liebe Mannschaft!
Lieber Bert, Rafael, René, Jaroslav, Sven, Florian, Michael, Heiko, Johan, Lasse, Jonathan, Slobodan, Marcell, Dennis, Zhi Gin, Tomás, Milan, Matti, Gojko, Ouasim, Tolgay, Kerem, Robert, Petr, Hakan, Ivo, Ola, Pierre-Michel, Maxi, Jacques, Valmir
seit dem Wochenende wissen alle HSVer, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist ernst, sehr ernst.
Gemeinsam können wir, Ihr Spieler und wir Fans, das Ruder herumreißen.
Ihr seid die Mannschaft des HSV. Wir sind die leidenschaftlichen Fans. Gemeinsam sind wir ein TEAM!!!
Lasst es uns gemeinsam anpacken.
Der Verein befindet sich im Umbruch.
Lasst uns daraus eine positive Aufbruchstimmung machen.
Teilt uns mit, wie wir Fans Euch unterstützen, Euch helfen können.
Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Kurz – aber präzise. Wer diesen Brief an die Mannschaft unterschreiben will, kann das hier tun:

wir-sind-ein-team@gmx.de

Und ich bin auf die Reaktion der Mannschaft gespannt. Schon in Hoffenheim werden wir sehen können, ob diese Mannschaft noch ein Team ist. Denn wenn stimmt, was mir heute in einem langen Telefonat erzählt wurde, steht diese Mannschaft ziemlich hilflos da. Aufgeteilt in Grüppchen. Mit einem Kapitän, der intern Gift und Galle spucken soll. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Frust ausschließlich dazu führt, dass Rafael van der Vaart vorwegmarschiert…

In diesem Sinne, auch von mir noch mal: Euch allen einen schönen Freitagabend und hoffentlich bis morgen, wo wir nach dem ersten, kleinen schritt in die richtige Richtung bei Matz ab live darüber diskutieren, wie gut van der Vaart doch noch sein kann.

Oder so ähnlich zumindest.

Scholle

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

„Der konstruktive Dialog wird fortgeführt.“

20. Juni 2013

Fußball. Es gibt ihn ja doch noch. Wenn auch zurzeit nur fernab der Heimat, drüben in Brasilien, aber immerhin. Und da ich ja fast alles ansehe, was nach Fußball aussieht, habe ich mir am Mittwoch erst die deutschen Frauen gegen Kanada „reingepfiffen“, dann abends Brasilien gegen Mexiko und nachts auch noch Japan gegen Italien. Das volle Programm. Und ich muss sagen, dass das, was die kleinen, frechen, quirligen und wieselnden Japaner mit den alten italienischen Herren veranstaltet haben, dass das schon allererste Sahne war. Fußball vom Feinsten. Diese 90 Minuten hatten nur einen kleinen, aber doch nicht ganz unerheblichen Fehler: die falsche Mannschaft hat gewonnen.

Dass Italien mit 4:3 siegte, das ist eigentlich ein mittelschwerer Skandal. 12:4 hätte es für Japan stehen könne, 7:4 mindestens. Aber so ist Fußball. Und wenn ich mal kurz abdriften darf, wir haben ja Sommerpause und sind unter uns: Irgendwann in den 70-er-Jahren habe ich so etwas auch mal erlebt. Bezirksliga Nord, ich beim Wandsbeker FC, Tabellenführer. Wir haben nur ein Spiel in dieser Saison verloren, und das hätten wir 10:1 gewinnen müssen. Bei Wacker 04 in Billstedt – noch ohne Vorwärts. Ich stand auf dem Grandplatz (da ist er wieder!) in Öjendorf einmal auf der Torlinie, schoss an den linken Pfosten, der Ball prallte gegen den anderen Pfosten und raus. Nie wieder habe ich so etwas erlebt, ein solches Spiel zu verlieren. Aber es war passiert. Unvergessen. Und die kleinen Japaner werden an dieses 3:4 auch ihr Leben lang denken, ganz sicher. Weil sie Italien an die Wand gespielt hatten.

Ich hoffe ja auch insgeheim, dass der Turiner Juve-Klopper Giorgio Chiellini dieses Spiel nie vergessen wird. Mann Gottes, war der schlecht. Wie viele Knoten haben die Japaner diesem alten Hau-Degen denn in die Beine gespielt? Der wusste ja gar nicht mehr, was er machen sollte. Nicht einmal Treten half. Auch keine Ellenbogenchecks. Nichts. Unfassbar, einen so schlechten italienischen Nationalspieler habe ich noch nie gesehen. Und er musste durchspielen! Ich glaube, dass Chiellini sich schon während des Spiels gefragt hat, ob Fußballer noch der richtige Beruf für ihn ist. Wobei der hüftsteife Innenverteidiger ja jederzeit in jedem deutschen Tatort den Killer spielen könnte – also Not leiden müsste der Mann nicht.
Mir taten die Japaner Leid, die bis zum Umfallen gekämpft und gewirbelt hatten – und dennoch beim Confed Cup ausschieden. Wahnsinn. So ungerecht ist Fußball eben auch. Dazu schrieb die Agentur:

Unglück kommt selten allein: Besonders Japans Bundesligaprofis waren beim bitteren 3:4 beim Confed Cup gegen Italien vom Pech verfolgt. Der Schalker Atsuto Uchida traf zum 1:2 ins eigene Tor. Kapitän Makoto Hasebe vom VfL Wolfsburg unterlief das angebliche Handspiel vor dem Elfmeter zum 2:2. Und der Stuttgarter Shinji Okazak verpasste nach seinem Kopfball zum 3:3 das Siegtor mit einem Pfostenschuss. Dass der Ex-Dortmunder Shinji Kagawa den abprallenden Ball aus vier Metern an die Latte köpfte, passte ins Bild. Aus der Bundesliga waren ferner dabei: Sakai (Hannover 96) und Okazaki (VfB Stuttgart).

Dass der schwache argentinische Schiedsrichter Diego Abal zwei Elfmeter gab, die nie im Leben welche waren (einen für Japan, einen für Italien), rundete diese Partie noch ein bisschen ab. Ja, mehr Pech geht wohl wirklich nicht – für Japan. Aber zum Glück musste ich mich ja nicht groß drüber aufregen, war ja „nur“ der Confed Cup und nicht der HSV.

Und zum HSV gibt es auch an diesem Tag nicht viel Neues. In den Agenturen stand auch nur das, was wir alle schon gelesen haben:
Der HSV hat sein Bemühen um Roque Santa Cruz (31) verstärkt und dem früheren Bayern-Stürmer ein Angebot vorgelegt. „Roque liegt ein finanziell gutes Angebot von uns vor. Er hat uns mitgeteilt, dass er den HSV sehr interessant findet“, sagte HSV-Sportchef Oliver Kreuzer der Bild. Bis Ende kommender Woche soll eine Entscheidung fallen. Santa Cruz könnte bei den Hanseaten den zu Bayer Leverkusen wechselnden Angreifer Heung Min Son ersetzen. Der paraguayische Nationalspieler ist zurzeit von Manchester City an den FC Malaga ausgeliehen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, er wäre ablösefrei zu haben. „Roque hat sich eine Bedenkzeit von acht bis zehn Tagen erbeten“, sagte Kreuzer der Hamburger Morgenpost: „Aber bis Ende nächster Woche wüssten wir dann gern Bescheid – weil wir uns dann gegebenenfalls auch anderweitig orientieren müssen.“
Natürlich.

Ich gehe, das möchte ich schnell mal nebenbei bemerken, davon aus, dass der HSV sowohl Jacques Zoua als auch Santa Cruz verpflichten wird. All das aber wird in dieser Woche nicht mehr passieren.

In dieser Woche ist aber schon etwas anderes passiert. Etwas Erfreuliches. In Sachen Strukturen. Es gab die von mir erhoffte „Elefanten-Runde“, zu der sich Ernst-Otto Rieckhoff und Jürgen Hunke an einen Tisch setzten. Wie wunderbar, die Herren, Gratulation! Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam für eine gute Sache – gemeinsam für den HSV. Da stellt man dann auch schon mal alles Persönliche nach hinten, denn alle wissen sie (Hunke und Rieckhoff´), dass sie nur so eine Chance auf Veränderungen haben werden. Nicht gegeneinander, es geht nur miteinander. Und nur so!

Ernst-Otto Rieckhoff („Wenn nicht jetzt, wann dann?“) sagte mir: „Es gab nun ein Sondierungs-Treffen zwischen Jürgen Hunke und mir. Danach haben wir gemeinsam festgestellt, dass sich unsere Vorstellungen für eine dringend nötige Professionalisierung des HSV weitest gehend decken und derzeitige geringe Unterschiede von den Konzepten her überbrückbar scheinen. Der konstruktive Dialog im Sinne des gesamten HSV wird fortgeführt.“

Wie das klingt. Zunächst einmal gut. Abgesehen von ein wenig Beamten-Deutsch. Aber das ist unter Funktionären vielleicht so . . . Aber toll, dass sich beide Herren getraut haben, und dass sie erkannt haben, dass das der Weg zum Wohle des HSV ist. Weiter so! Und es waren ja auch noch andere HSV-Größen daran beteiligt, sodass ich jedem, dem dieses brisante HSV-Thema am Herzen liegt, nur sagen kann: Wartet ab, es ist etwas im Gange, es wird etwas passieren – diesmal verläuft es nicht wieder nur mal so im Sande, des wird mit emsiger Beharrlichkeit nachgesetzt. Endlich und Gott sei Dank.

Ich sprach mit Jürgen Hunke über dieses Treffen und er antwortete mir auf mein Lob, dass ich es sehr gut finde, dass sich beide Planer und „Veränderer“ nun an einen Tisch gesetzt haben: „Das Allerwichtigste ist , dass wir uns jetzt nicht in Detailfragen das Leben schwer machen. Es geht um ein großes Ganzes, es geht um den HSV. Die Menschheit lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, das Leben wurde und wird immer moderner, die Welt verändert sich permanent, und da müssen wir mit dem HSV mithalten und Schritt halten.“ Wie er das machen möchte? Hunke: „Wir müssen den Verein auf einen Sockel stellen und ihn schlank machen, wir müssen sehen wo wir einsparen können – denn ein viertes Jahr ohne internationalen Wettbewerb können wir uns ganz einfach nicht mehr leisten.“

Mein Reden schon seit Wochen und Monaten. Aufwachen, HSV! Hunke. „Wir müssen uns neu aufstellen, zielorientiert neue Strukturen schaffen.“ Dass Rieckhoff zunächst den einen Plan hatte, Hunke einen (etwas) anderen – das scheint im Moment jedenfalls nicht mehr im Vordergrund zu stehen – und auch nicht wirklich mehr ein Hindernis zu sein. Jürgen Hunke sagte mir, und das finde ich wirklich bemerkenswert und der Sache absolut dienlich: „Otto hat den Vortritt. Wenn er es schafft, seinen Plan in die Tat umzusetzen, dann ist es gut. Obwohl es mit dieser Dreiviertelmehrheit, die ja erreicht werden muss, sehr, sehr schwer werden wird.“ Hunke sagt auch noch: „Ich will ihm dabei helfen, dass unsere Pläne fast deckungsgleich sind.“ Dann sagte er noch generell: „Wir werden aber aufpassen müssen, dass wir das alles nicht deshalb machen, um Ärger zu bekommen. Wir müssen den Club modernisieren, wir brauchen professionelle Strukturen – damit der HSV funktioniert. Nur das zählt.“

Endlich einmal professionell funktioniert. Und nicht so wie zuletzt. Das entlarvende HA-Interview mit Richard Golz (auch hier bei „Matz ab“) hat schonungslos mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass es bei einem Bundesliga-Dino automatisch und auch stets und ständig professionell zugehen muss. Auch heute haben sich viele Menschen bei mir gemeldet (per Mail, Telefon und sms), die immer noch – wie ich, übrigens – total entsetzt darüber sind, dass so etwas Amateurhaftes beim Bundesliga-Club HSV möglich war. Was ich daraus schließe: Der HSV ist noch immer falsch gepolt. Er ist doch längst nicht mehr der Club von Welt, er schwimmt nicht mehr in Millionen, er müsste als Bundesliga-Mittelmaß eigentlich froh sein, dass er trotz dieser vorsintflutlichen Strukturen immer noch im Kreise der Großen mitmischen darf. Und da wäre es schon mal an der Zeit, dass auch innerhalb des Vereins alle begreifen, dass der HSV, dieser HSV 2013 ganz allmählich die etwas kleineren Brötchen backen sollte.

Dazu gehört auch, gewisse Geldausgaben einzudämmen. Geldausgaben, die früher zwar möglich waren (was kostet die Welt?), weil der HSV einstmals ein durchaus großer Nobel-Club und wer war. Geldausgaben, die aber heute besser nicht mehr an der Tagesordnung wären. Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Sportchef Frank Arnesen, ohnehin schon absolut fürstlich (viel zu fürstlich) entlohnt, macht während der EM 2012 für das dänische Fernsehen den Co-Kommentator (und wenig bis gar nichts für den HSV). Und bekommt dafür natürlich ein Honorar vom Fernsehen – nichts ist umsonst . . . Aber Arnesen bekommt dazu ja auch noch das Gehalt des HSV. Und das alles zusammen, HSV und TV (Dänemark), ist dann sogar fürstlich hoch fünf. Dabei sagt man immer, die erste Million ist die schwerste . . . Beim HSV fangen sie wahrscheinlich gleich mit der zehnten an. Und noch ein Beispiel: Arnesens rechte Hand Lee Congerton wird ebenfalls absolut über-fürstlich entlohnt. Und Richard Golz hat nun gesagt, er hätte ihn in HSV-Ochsenzoll, da wo der Engländer schalten und walten sollte, nur einmal getroffen. Keinen Menschen (vom HSV) aber hat das wohl jemals interessiert, was da wirklich vor sich geht . . . Professionell ist jedenfalls etwas anderes.

Aber gut, letzteres Thema hatte „Scholle“ ja auch gestern schon zufassen – und die wirklich großen Sorgen liegen ja auch in einem anderen Bereich: Wie baue ich mir eine funktionstüchtige Bundesliga-Mannschaft, die im Sommer 2014 möglichst Platz sechs erreicht hat?
Daran wird nun mit Volldampf gearbeitet. Vornehmlich von Oliver Kreuzer.

18.13 Uhr

Golz’ Worte machen nachdenklich

19. Juni 2013

Es gibt schlechte Interviews und welche, die gut sind. Es gibt Interviews, die Neuigkeiten hervorberingen und welche, die sich wiederholen und dann noch welche, die langweilen. Und es gibt Interviews wie das mit Richard Golz. Das hat mich in einigen Erkenntnissen der letzten Jahre bestätigt – aber leider nicht im positiven Sinne. Es zeigt nur sehr deutlich auf, wo es beim HSV seit Jahren und noch immer kapital hapert. Wenn der oberste sportliche Verantwortliche sich nicht um seine Angestellten und deren Verträge (Golz, Heinemann, Teuber, Diekmeier etc.) kümmert, sein Attaché die Jugendarbeit zwar offiziell auf die Fahne geschrieben bekommt, diese aber nicht nur vernachlässigt sondern sie größtenteils verweigert – dann kann sich nichts entwickeln. Es sei denn, die verweigerte Arbeit wird mit teurem Geld für fertige Spieler ausgeglichen. So, wie es der HSV lange Zeit machen konnte, weil die Umsätze und die sportlichen Erfolge stimmten. Aber so, wie es der HSV heute sicher nicht kann.

Aber jetzt?

Jetzt muss sich beim HSV einiges ändern. Das ist platt formuliert, bekannt und schon tausendmal gesagt – ich weiß. Aber es ist nach wie vor richtig. Wenn ich allein die Congerton-Aussage von Golz überdenke – wieso gibt es da keine Kontrolle? Oder wenn es denn intern bekannt war – wovon auszugehen ist – wieso gab es da keine Konsequenzen? So macht sich der HSV nur zu genau dem, was er nach eigener Aussage nicht sein will: Zum Selbstbedienungsladen mit extremem Arbeitnehmer-Wohlfühlfaktor und somit zu einem Verein mit einem Effizienzleck. Teure Leute (Congerton verdient 600000 Euro per annum, sein Chef Frank Arnesen hat dem Vernehmen nach 1,8 Millionen Euro im Jahr) holen, um nachhaltig und tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen, diese Leute aber unkontrolliert machen lassen, was sie wollen – das ist Dilettantismus in Reinkultur. Und in diesem Fall beißt es den HSV heftig in den Allerwertesten. Extrem teuer ist es zudem.

Die Konsequenzen hat der Aufsichtsrat, der nicht nur den Vorstand bestellt sondern selbigen auch kontrollieren soll, inzwischen gezogen, indem er Arnesen entlassen hat. Denn Congerton ist letztlich im Paket Arnesen enthalten. Dass sich auch der Vorstand hinterfragen muss – ganz klar. Die verbliebenen drei Herren (Oliver Kreuzer nehme ich da selbstverständlich raus) hätten eine Zielvereinbarung treffen müssen (was sie wahrscheinlich auch gemacht) und in ihren anschließenden, gemeinsamen Vorstandstreffen mit Arnesen zumindest Zwischenstände abfragen müssen. Wobei Arnesen nur zwei Jahre da war und eine Zeit erwischt hat, in der der Profibereich kriselte und einen außergewöhnlichen hohen Aufwand erforderte. Deshalb ist kaum einem aufgefallen, dass Congerton selten in Ochsenzoll war. Ob er wirklich nur ein einziges Mal da war – ich kann es nicht beantworten und auch ein Richard Golz wird das nicht sicher sagen können.

Viel schlimmer jedoch finde ich, und das ist meine persönliche Meinung, dass Congerton niemals das Aufgabenfeld Jugendarbeit hätte angetragen werden dürfen. Das ist nicht sein Gebiet, da kennt er sich auch nicht aus. Congerton ist jedoch jemand, der fleißig ist, sich im Profibereich extrem gut auskennt und sich ständig über verschiedenste Spieler (ab Herrenalter) informiert hat. Congerton verfügt zusammen mit Steve Houston über eine Datenbank, die inzwischen so groß und umfangreich ist, dass sie ihresgleichen sucht. Das ist auch das Aufgabengebiet, das Congerton mir gegenüber immer beschrieben hatte, wenn wir uns unterhalten hatten. Ich weiß noch aus einem Gespräch im Trainingslager in Marbella, wie Congerton sich und seine Position beschrieben hat. „Ich bin das Auge und das Ohr von Frank. Wir sammeln jeden Fetzen an Informationen, stecken ihn in die Datenhülle, die Houston entwickelt hat und haben so immer die Möglichkeit, bei Bedarf nach bestimmten Attributen suchen zu können. Ich bin sozusagen die personifizierte Suchmaschine für Frank.“ Und wäre es bei diesem Job geblieben – niemand hätte Congerton einen Vorwurf gemacht. Obwohl, angesichts der ganzen Chelsea-Spieler vielleicht schon.

Auf jeden Fall aber habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich gelesen habe, was Golz über Arnesen und Congerton gesagt hat. Denn das ist genau das, was aus Teilen des Aufsichtsrates als Begründung für Arnesens Entlassung kam.

Und jetzt soll Kreuzer die Versäumnisse der letzten Monate und Jahre mit einem Schlag aufarbeiten – na dann Prost. Nichts gegen den neuen Sportchef, wirklich nicht. Aber der dürfte angesichts der To-Do-Liste das kalte Kotzen kriegen. Er soll jetzt nicht nur die Spieler verkaufen, die im Winter nicht abgegeben werden konnten. Er soll zudem ohne viel Geld Verstärkungen nach Hamburg locken, den internationalen Wettbewerb erreichen und mal eben den Jugendbereich neu aufbauen. Bitter.

Einer, der genau solche Missstände schon als Spieler angesprochen und sich damit vereinsintern eine Menge Feinde gemacht hatte, wurde heute als neuer HSV-Sportchef vorgestellt. Allerdings beim Handball. Frank Rost leitet ab heute als Geschäftsführer die Geschicke des Champions-League-Siegers und nannte als eine seiner wichtigsten Aufgaben den eigenen Jugendbereich. Wobei man sagen muss, dass sich der HSV Handball in Sachen Nachwuchs einen guten Namen gemacht hat. „Trotzdem muss der Blick genau dorthin gerichtet sein“, so Rost, der in die Mentalitätskerbe von Golz schlägt: „Wenn wir unsere Spieler im eigenen Verein ausbilden, lernen sie die Vereinskultur und identifizieren sich mit dem Klub – für alle Außenstehenden ist das dann sichtbar. Und das wiederum macht den Verein für seine Fans greifbar, sympathisch. Es entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das zum Faustpfand des Klubs werden kann. Zumindest aber ist das eine mehr als lohnenswerte Vereins-Philosophie, die wir hier beim HSV verfolgen sollten.“

Und mir schien es fast so, als hätte Rost aus den Fehlern des großen Bruders von nebenan gelernt zu haben. Bislang sind zwar auch das nur Antrittsworte, ganz klar. Aber Frank Rost wird seinen Forderungen und Ankündigungen Taten folgen lassen. Koste es, was es wolle. Wetten dass….?!?

In diesem Sinne, ich verabschiede mich für ein paar Sommerpausentage und melde mich spätestens aus dem Trainingslager in Österreich im Zillertal wieder. Dass es dort einen hohen Grad an Unzufriedenheit gibt, weil der HSV nur fünf Tage dort weilt und anschließend noch einen Testspieltrip nach Klagenfurt (Kärnten) absolviert, ist mir bekannt. Noch jedoch ist keine Klage gegen den HSV eingereicht worden, wie hier einige vermuten. Bislang laufen Gespräche – Ergebnis offen. Aber sobald es dort einen neuen Vorgang gibt, berichten wir Euch davon.

Bis die Tage!
Euer Scholle

P.S.: In Sachen Transfers gab es heute nichts Neues.

Richard Golz: Gedanken zum Abschied

19. Juni 2013

Der aktuelle Bericht von “Scholle” sollte weiterhin viel Beachtung finden, er hat ja auch schon viel Beachtung gefunden und ist ja auch weiterhin zu lesen – ich stelle aber schnell einmal das Interview mit einem Scheidenden (nämlich aus Hamburg) rein: Richard Golz. Mein Kollege Alexander Laux und ich, wir haben uns mit dem ehemaligen HSV-Torwart und mit dem Cotrainer der Regionalliga-Mannschaft getroffen, um noch einige Sachen aufzuarbeiten. Der “Richie”geht bekanntlich nach Berlin, zur Hertha. Und ich, das darf ich sagen, finde es jammerschade. Einen so klugen Kopf, der so viele Erfahrungen im Profi-Fußball über Jahrzehnte gesammelt hat, den hätte der HSV eigentlich halten müssen. Natürlich weiß ich, dass dazu auch Positionen frei sein müssten – aber meiner Meinung nach wäre zumindest eine Position für ihn frei gewesen . . . Nun gut, das lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern, deswegen ist es eben so wie es ist. Hier nun das Interview, das in dieser Form heute auch in der Print-Ausgabe des Hamburger Abendblattes erschienen ist:

Alexander Laux
Dieter Matz

In den nächsten Tagen heißt es Koffer packen für Richard Golz. Sonntag startet Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC mit der Vorbereitung auf die neue Saison – mit dem 45-Jährigen, der von 2008 bis 2013 als Co-Trainer beim HSV-Nachwuchs gearbeitet hat, als neuem Torwarttrainer.

Hamburger Abendblatt: Herr Golz, sind Sie enttäuscht, Hamburg wieder mal verlassen zu müssen?

Richard Golz: Nein, wieso? Meine Sichtweise ist eher so, dass ich nach Berlin gehe. Ich verlasse Hamburg auch nicht ganz. Meine Familie bleibt in den kommenden drei Jahren hier, die Jungs sollen die Schule zu Ende machen.

Was hat Sie an Hertha gereizt?

Golz: Vor dem letzten Spiel der U 23 gegen Meppen klingelte das Telefon: Hallo, hier ist Jos Luhukay. Das Gespräch verlief so positiv, dass ich mir sofort vorstellen konnte, mit ihm zu arbeiten. Ich bin froh, dass ich im Nachwuchsbereich meine Erfahrungen sammeln durfte, aber in der Bundesliga spielt nun mal die Musik. Und dass es jetzt in Berlin weitergeht….

…Ihrer Heimatstadt…

Golz: …kommt noch dazu.

Dürfen wir Sie dennoch bitten, einen Blick zurück zu werfen. Hat es der HSV verpennt, mit Ihnen zu verlängern?

Golz: Es war schon relativ schwierig. Am Ende des Jahres suchte ich ein Gespräch mit Frank Arnesen, weil ich in irgendeiner Form weiterkommen wollte. Parallel zu meiner Tätigkeit beim HSV hatte ich ja ein Hochschulstudium zum Sport- und Eventmanager abgeschlossen. Ich habe ihm erzählt, dass ich mir vorstellen könne, nicht nur als Trainer zu arbeiten, sondern auch eine Funktion im Nachwuchsleistungszentrum zu übernehmen.

Wie hat Arnesen reagiert?

Golz: Er antwortete: Toll, das behalte ich im Kopf. Was die Trainer beträfe, könne er sich jetzt noch nicht festlegen. Sie würden schon gerne die besten Leute behalten wollen, aber erst im Frühjahr entscheiden und mit den Leuten sprechen.

Lassen Sie uns raten: Das Frühjahr zog sich hin.

Golz: Ich habe danach nie mehr ein Wort mit ihm gewechselt. Aber ich machte mir keine großen Sorgen, weil mein Vertrag nach fünf Jahren in einen unbefristeten Zustand übergegangen wäre. Es konnte nur niemand genau sagen, was ich inhaltlich machen soll. Es hieß nur hinter vorgehaltener Hand: Wir wollen umstrukturieren, vielleicht nicht mehr so viele Trainer bei der zweiten Mannschaft haben.

Sie streben danach, einmal ein Manageramt zu übernehmen. Beim HSV gab es häufiger Bedarf. Sind Sie traurig, nicht gefragt worden zu sein?

Golz: Ich bin nicht der Typ, der jedem hinterher rennt, um das Interesse an einem Job zu hinterlegen. Es ist halt so, dass Situation und Zeitpunkt passen müssen.

Mehr als zehn HSV-Trainer und Betreuer wussten nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ist es normal, dass man so lange hingehalten wird?

Golz: Ich glaube, Arnesen hat einfach lange nicht gewusst, was er machen soll, vielleicht hatte das auch mit Geld zu tun. Ich denke schon, dass man grundsätzlich den Trainern auch die Chance geben sollte, sich rechtzeitig etwas Neues suchen zu können.

Fühlt man sich ungerecht vom Verein behandelt?

Golz: Wie soll ich das formulieren? (Überlegt) Es hing einfach ganz viel an Arnesen. Er wollte viele Dinge entscheiden, hat sich aber nicht so richtig darum gekümmert. Lee Congerton, der technische Direktor, sollte sein Statthalter sein im Nachwuchsleistungszentrum. Den habe da ich nicht einmal gesehen. Ich korrigiere mich: Einmal war er bei einer Besprechung dabei. Einmal.

Unglaublich. Er sollte doch das Bindeglied sein.

Golz: Er wurde uns auch als unser Ansprechpartner angekündigt. Aber in diesem Nadelöhr sind dann einfach die Dinge stecken geblieben.

Es ist ja seit längerer Zeit in Mode, auf den Nachwuchs des HSV einzuprügeln. Wie fällt denn Ihr Urteil aus?

Golz: Ich war am Wochenende im Berlin, als die B-Junioren von Hertha im Endspiel auf Stuttgart trafen. Als ich da stand, habe ich mir überlegt: Wie viel besser sind diese Teams als unsere U-17 beim HSV? Gravierende Unterschiede habe ich nicht gesehen.

An HSV-Junioren in einem Endspiel können wir uns aber nicht erinnern.

Golz: Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.

Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt.

Golz: Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.

Wie würden Sie das machen?

Golz: Die Trainer, die auf die jungen Spieler losgelassen werden, müssen in dem Bereich richtig fit sein, nur dann kannst du auch besser sein als die anderen. Unsere Jungs sind fußballerisch nicht schlechter. Aber wenn man sich bei den 15-, 16- oder 17-Jährigen umschaut, da schüttelst du manchmal den Kopf und denkst: Wer steht denn da auf dem Platz?

Nämlich?

Golz: Die Abteilung der ganz Abgedrehten, die der moderne Fußball eigentlich nicht mehr vertragen kann. Das ist aber kein HSV-typisches Problem. Was ich meine: Gerade deshalb wäre es wichtig, die Trainer permanent fortzubilden. Natürlich werden in einem DFB-Lehrgang zur A-Lizenz Inhalte aus der Psychologie oder Pädagogik vermittelt, aber das ähnelt doch eher einem Crashkurs. Die Konsequenz daraus ist dann häufig, dass aus einem guten Fußballer kein richtig guter Mannschaftsspieler wird.

Zahlt der HSV auch den Preis für zu viele Wechsel in der Führung des Nachwuchsbereichs?

Golz: Natürlich. In einem Jahr kann man nichts bewirken. Jedes Jahr ein neuer Leiter und ein neues Konzept, das kann ja nicht funktionieren.

Da sie jetzt so viele Konzepte kennen: Gab es eines, das Sie überzeugt hat?

Golz: Paul Meier kam aus der Trainerausbildung, hat die HSV-Trainer besser gemacht und damit auch die Spieler. Diesen Ansatz finde ich sehr schlau, weil man sich so auch die Trainer für die höheren Mannschaften aufbauen kann. Du musst einfach alle Beteiligten permanent weiterentwickeln, unterstützen. Die Trainer aus dem Nachwuchs sind auf Dauer sehr viel besser als diejenigen, die gleich in der Bundesliga eingestiegen sind, davon bin ich fest überzeugt.

Dann könnte man vielleicht auch die häufig anzutreffenden Mentalitätsprobleme bei den Profis eliminieren.

Golz: Ich habe kürzlich mit Freiburgs Christian Streich gesprochen. Wissen Sie, was er gesagt hat? Das wichtigste Kriterium dort ist soziale Kompetenz, das heißt: Wie verhält sich ein Spieler beispielsweise gegenüber den Kollegen und den Fans.

Wie wichtig finden Sie es, ehemalige Spieler im Verein zu beschäftigen, Stichwort Identifikation?

Golz: Es geht häufig um so wichtige Entscheidungen, da spielt der Faktor fachliche Kompetenz eine wichtigere Rolle. Erst dann kommt die Frage, ob jemand mal das Trikot des Clubs getragen hat. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus.

Hat sich der Umzug der U-23 in den Volkspark positiv ausgewirkt?

Golz: Ich finde schon, dass sich das gelohnt hat. Wir hatten einen guten Austausch, besonders Frank Heinemann hat sich sehr darum gekümmert. Ich bin allerdings skeptisch, was jüngere Teams betrifft. Die sollten erst mal Gas geben, bevor sie vor Zuschauern trainieren dürfen. Womit wir wieder beim Thema Mentalität sind.

Hinter den Kulissen laufen Bestrebungen, die Strukturen des HSV zu ändern. Befürworten Sie das?

Golz: Ich glaube schon, dass man schneller handeln können muss.

Wenn immer erst mal der Aufsichtsrat einberufen wird…

Golz: …. ist das unpraktisch und macht auch keinen Sinn. Die Leute, die im Vorstand arbeiten, werden ja für ihre Arbeit bezahlt. Auf der anderen Seite sucht ein ehrenamtlicher Aufsichtsrat, der sein Amt aus Spaß ausübt, einen Sportchef. Unlogisch.

Sorgen Sie sich um die HSV-Zukunft?

Golz: Die Situation ist weiter schwierig. Auch wenn die letzte Serie ja ganz gut über die Bühne ging, heißt das nicht, dass die kommende Saison zwangsläufig besser wird. In der Bundesliga geht es mittlerweile so eng zu, dass jede Schwäche gnadenlos ausgenutzt wird. Es ist jedes Jahr ein harter Kampf. Auch für den HSV.

PS: Bitte nicht den “Scholle”-Beitrag vergessen, den ich nun “leicht” verdrängt habe. . .

9.37 Uhr

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