Archiv für das Tag 'Golz'

Schmadtke scheint der Favorit zu sein

24. Mai 2013

Der Neue ist noch nicht da. Immer noch nicht. Aber das wird schon noch, davon bin ich restlos überzeugt. Vielleicht ja schon am Sonntag. Neue Parolen aber sind zurzeit nicht im Umlauf, die Leute vom HSV-Aufsichtsrat sind (alle?) auf Tauchstation gegangen und haben sich vorher einen Maulkorb verpasst. Keiner will so recht raus mit der Sprache. Nach meinen Kenntnisse sind Dietmar Beiersdorfer und Felix Magath raus aus dem Rennen. Oliver Kreuzer hat gute Karten, Jörg Schmadtke noch bessere. Er scheint derzeit der Favorit zu sein. Derzeit. Für mich ist er der Mann, der im Moment die Nase vorn hat. Aber vielleicht gibt es ja sogar noch Mister X, der die besten Karten von allen hat. Wobei mir keine weiteren Alternativen genannt worden sind.
Ich hätte aber von mir aus noch drei Namen in den Ring zu werfen, die allesamt die Raute im Herzen tragen:

Kandidat Nummer eins:
Thomas von Heesen, den ich für einen überragenden, nein, für den Fußball-Fachmann überhaupt halte. Ich wünschte es wirklich einmal jedem, dass er sich mit dem früheren HSV-Kapitän mal über Fußball unterhalten könnte – ein jeder wäre, das kann ich garantieren, hinterher total von den Socken, was dieser Mann in Sachen Fußball drauf hat.

Kandidat Nummer zwei:
Nico Hoogma, der mit dem No-name-Club Heracles Almelo in den Niederlanden immer wieder überlebt – der ehemalige HSV-Kapitän kann es also, das hat er jetzt schon über Jahre bewiesen.

Kandidat Nummer drei:
Dann wäre da noch Richard Golz zu nennen. Der frühere HSV-Torwart arbeitet zurzeit (noch) beim HSV (Co-Trainer von Rodolfo Cardoso) und ist als – man höre und staune – Sportchef beim SC Freiburg im Gespräch. Beim SC Freiburg. Als Sportchef. Nicht beim HSV. Golz ist ein absolut schlauer und intelligenter Mann, hat sich neben dem Fußball stets weitergebildet, er kennt sich bestens aus im Profi-Geschäft – man müsste ihm nur mal eine Chance geben. Aber ich befürchte, dass er in Hamburg niemals auch nur den Hauch einer Chance bekommen wird. Der Prophet im eigenen Lande . . .

Es darf also noch ein wenig munter weiter gerätselt werden. Wobei ich beobachten werde, ob sich tatsächlich jeder Aufsichtsrat daran hält, zu schweigen. Ich kann es nicht glauben.

Wie ich immer noch nicht glauben, kann, was da in den letzten Tagen und Stunden über Scholle und mich hereingebrochen ist. Wobei es für meine Kolumne im heutigen Abendblatt auch viel Lob gab – aber das ist ja meistens so: Viele verdammen, was viele loben. Die erste SMS gab es heute um 8:29:53, und da hieß es: „Großartige Kolumne! Glückwunsch.“ Und sogar mein alter HA-Sportchef Hermann Rüping meldete sich bei mir. Um zu loben: „Dieter. Heute hat mir das Abendblatt mal wieder sehr viel Spaß gebracht, du hast eine großartige Kolumne geschrieben – genauso, wie du es geschrieben hat, ist es.“
Geschmäcker sind eben verschieden.

Aber wo sind eigentlich die „Matz-abber“, die nicht entsetzt sind, sondern die sich einfach nur mal ärgern, weil Matz und Scholle dafür verantwortlich gemacht wurden und werden, dass Frank Arnesen entlassen worden ist. Geht es eigentlich noch? Das ist doch nicht zu glauben, was da in die Welt gesetzt wird. Und dann soll man bei einer solchen gequirlten Schreibe noch ruhig bleiben? Den möchte ich sehen, der das schafft.

Aber gut, so ist wohl das Internet.

Und noch kurz zu meinem Artikel in der heutigen Abendblatt-Ausgabe. Dazu kann ich nur sagen: Ich habe meine Vorstellungen von einem Sportchef zu Papier gebracht. So, genau so wünschte ich mir den neuen Mann – egal wie er heißt. Was allerdings nicht heißen soll, dass Frank Arnesen genau das Gegenteil von alledem, was ich mir von dem Neuen wünsche und vorstelle, gewesen ist. Wenn der Däne so gewesen wäre, dann war er so gut oder so mittelprächtig, wie alle seine Vorgänger zuvor. Jeder von ihnen hat seine Stärken und Schwächen gehabt, jeder von ihnen hat mit Sicherheit auch einige Dinge gehabt und gemacht, die ich jetzt so gerne beim Arnesen-Nachfolger sehen würde. Aber jeder hat eben nicht die 100 Prozent gehabt, die ich mir nun, gestern, heute und morgen, wünsche. Der eine hat es vor Jahren oder Monaten vielleicht auf 60 Prozent gebracht, der andere auf 70, noch ein anderer auf 80. Ich aber möchte jetzt einen engagierten Mann haben, der rund um die Uhr alles für diesen angeschlagenen HSV gibt – 100 Prozent. Mehr nicht. Dass Frank Arnesen sicherlich Fehler gemacht hat, die ich auch angeschnitten habe, versteht sich wohl von selbst. Sonst wäre ganz sicher keine Trennung erfolgt. Wobei ich gerne noch einmal allen, die ihren Verstand noch beisammen haben, zurufen möchte:

Matz und Scholz haben Arnesen nicht entlassen, sie, Matz und Scholz, waren weder eingeweiht noch in irgendeiner anderen Art involviert. Ich hoffe, dass das nun auch fast alle verstanden haben. Was ja einige „Matz-abber“ auch schon vorher verstanden hatten, denn sie haben ja entsprechend gepostet. Vielen Dank dafür.

Bei der Gelegenheit kann ich noch mit folgender erfreulichen Meldung für jene User aufwarten, die im Moment – aus welchen Gründen auch immer (kann sogar nichts mit dem HSV zutun haben) enttäuscht sind, die ihre Köpfe hängen lassen. Sie alle werden nun – von null auf 100 in einer Sekunde – die Arme in die Luft reißen und mindestens ein kurzes Lächeln über ich vergrämtes Gesicht schicken können – und sogar Sportchef-Suche Sportchef-Suche sein lassen:

Ich, Dieter Matz, werde „Matz ab“ im Herbst verlassen.
Am 24. September 2013 werde ich 65 Jahre jung, dann werde ich in Rente gehen. Diese Entscheidung hat nichts mit dem augenblicklichen Wirbel um meine Entlassungs-Zutaten im Fall Arnesen zu tun, die Entscheidung resultiert auch nicht aus (m)einer gewissen Beleidigung heraus, sondern diese Entscheidung wurde schon vor einigen Wochen getroffen. Es waren sogar ein, zwei, drei „Matz-abber“ schon damals eingeweiht, zum Glück für mich, ansonsten könnte ich es kaum widerlegen, dass ich NICHT beleidigt bin . . .
Ihr dürft – oder müsst – euch also noch gute vier Monate über mich (und eventuell mit mir) ärgern, dann aber müsste von Oktober an eine gewisse Neu- oder Um-Orientierung stattfinden. Wobei der „Matz-ab“-Blog im Hamburger Abendblatt aber bestehen bleibt. Es geht also weiter, nur in anderer Besetzung. Nur die aktuelle Sportchef-Suche und die Fahndung nach neuen Spielern wird noch ein wenig mit und von mir begleitet – für „Matz ab“.

So, falls es noch nicht alle mitbekommen haben. Felix Magath hat sich heute bei Facebook geäußert. Und zwar wie folgt:

Liebe Facebook-Freunde und Fans,
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herzlichen Dank an dieser Stelle vielen HSV-Fans für Grüße und Wünsche wie natürlich eure Erinnerungen an Athen 1983. Zu HSV-Themen habe ich heute in einem Radio-Interview auf NDR 2 etwas gesagt, für euch möchte ich dies gern wiederholen, nicht alle werden die Sendung verfolgt oder den Sender verfügbar haben.
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Seit längerem sehe auch ich mit Sorge auf unseren HSV. Denn meiner Ansicht nach scheint mir die Diskussion etwas zu kurz gesprungen, wenn man darüber redet, der HSV bräuchte einen neuen Sportdirektor. Ich glaube, der HSV wäre gut beraten, wenn er nicht nur einen neuen Sportdirektor sucht, sondern sich auch Gedanken machen würde über seine Ausrichtung. Was will der Verein und wohin will der Verein überhaupt, welches Niveau möchte er erreichen?
Ich denke, da muss man beim HSV an deutlich mehr arbeiten als nur an einem neuen Sportdirektor. Selber hatte ich auch Gespräche mit Verantwortlichen, aber ich habe beim HSV keinesfalls Verhandlungen geführt.
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Unten findet ihr den Link zu meinem vollständigen Interview.
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Aus dem Urlaub sende ich euch sehr herzliche Grüße, wünsche euch und euren Familien ein schönes Wochenende und natürlich allen ein tolles Champions League-Finale.
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Bis bald,
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Euer Felix Magath

http://www.magath.net

17.59 Uhr

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Heiko Westermann: “Die Verantwortung liegt nun auf fünf, sechs Schultern”

2. Oktober 2012

Fix was los im Volkspark – es sind ja wieder Ferien. Da strömen die Kiebitze in Massen zum HSV. Der Klub ist ja wieder in aller Munde, nicht nur wegen des 125. Geburtstages, sondern wegen der sieben Punkte. Diese sieben Punkte haben – so hat es den Anschein – die Welt eines jeden HSV-Fans verändert, haben die Fußball-Welt eines HSV-Anhängers wieder ins Lot gebracht. Es macht nach dieser sportlichen Wiederauferstehung endlich wieder Spaß, zum HSV zu gehen, mit dem Klub zu zittern, sich zu freuen, mit zu fiebern. Und zu diskutieren. Das wird am Rande des Trainings ja auch immer reichlich gemacht. Wenn die Spieler und Trainer wüssten, wie heiß und wie hoch es dabei gelegentlich zugeht, dann würden sie ganz sicher den Ball Ball sein lassen und schnell mal an den Rand kommen, um zuzuhören. In diesen Tagen allerdings wird lange nicht mehr so aggressiv miteinander gesprochen, wie noch zu jenen Zeiten, als beim HSV noch die Null eisern dort stand, wo sonst die Punkte erscheinen. Platz zehn sieht doch schon wieder mal viel freundlicher aus.

An diesem Mittwoch spielt der HSV ja bei Lech Posen (Posnan), dem ehemaligen Klub von Artjoms Rudnves. Nicht alle Spieler werden allerdings mit von der Partie sein können, denn die englische Woche hat Kraft gekostet. Marcell Jansen hat Rücken, Ivo Ilicevic hat einen Muskelfaserriss erlitten und fällt nicht nur morgen, sondern auch am Sonnabend beim Auftritt in Fürth aus. Fehlen wird auch Heiko Westermann, der bekanntlich mit einem Muskelfaserriss gegen Hannover 96 gespielt hat. Heute lief der HSV-Kapitän mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, es dürfte als für das Spiel gegen den Aufsteiger ganz gut aussehen. Nicht mit nach Polen fliegen morgen auch Rafael van der Vaart und Milan Badelj, die beide leichte muskuläre Schwierigkeiten haben. Nichts Großes, aber der HSV will kein Risiko eingehen, denn am Wochenende soll (und muss) ja der Aufwärtstrend fortgesetzt werden. Möglichst mit einem Auswärtssieg, den dann die beste Mannschaft einfahren soll. Wie gesagt, die englische Woche war hart und kräftezehrend genug, wir alle konnten einen gewissen Verschleiß ja auch schon im zweiten Durchgang bei van der Vaart ausmachen . . .

Wieder mit im Training waren heute zwei „Spätheimkehrer“. Tomas Rincon und Gojko Kacar mischten wieder mit, und das uneingeschränkt. Wie schön, dass diese beiden Spieler bald auch wieder Alternativen sein werden – für das Posen-Spiel allerdings spielen sie natürlich noch keine Rolle. Ebenfalls mit dem Team trainiert hat Jeffrey Bruma, der zuletzt ja zweimal hatte passen müssen. Und am Montag soll dann ja auch wieder Dennis Aogo ins Mannschaftstraining einsteigen – personell geht es also auch weiter bergauf, wenn man mal von der Verletzung, die sich Ilicevic zugezogen hat, absieht.

Für Artjoms Rudnevs, der heute am Vormittag einige Tore erzielen konnte (noch mehr schoss allerdings Marcus Berg, der auch besonders schöne und wuchtige Treffer für sich verbuchen konnte – sieh an, sieh an!), ist der Trip nach Posen eine Reise in die Vergangenheit. Und darauf freut sich der Lette ganz besonders: „Es ist toll, dass es dieses Spiel gibt, denn so kann ich mich noch einmal richtig von den Lech-Fans verabschieden. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Und auch das spricht für „Rudi“, der, ich habe es schon vor Tagen erwähnt, bei allen seinen Teamkollegen sehr beliebt ist. Und er sagt über den (und seinen) „neuen“ HSV: „Die beiden Tore, die ich zuletzt geschossen habe, die taten dem Team sehr gut – und auch mir. Sie waren enorm wichtig. Ich bin sehr glücklich darüber, dass der Trainer und der Sportchef immer an mich geglaubt haben. Und mit Rafael van der Vaart sowie mit Milan Badelj sind wir nun noch viel stärker geworden als zuvor.“

Hoffentlich setzt sich dieser Trend auch am Sonnabend fort. Einige Kiebitze waren an diesem Vormittag ja schon wieder recht skeptisch, denn sie glauben, dass der HSV nach sieben Punkten nun schon wieder gedanklich zum Höhenflug ansetzt – und die Aufsteiger von Greuther Fürth unterschätzen wird. Wäre dem so, könnte es in der Tat ein böses Erwachen geben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft durch die Zugänge von van der Vaart, Badelj und Jiracek einen Crashkurs in Sachen Reife hinter sich gebracht hat. Diese Leute bürgen in meinen Augen dafür, dass kein Schlendrian aufkommen wird. Jedenfalls nicht so schnell, wie einige nun schon befürchten. Und ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Einschätzung auch richtig liege.

Über die neue Stärke des HSV sprach auch heute ganz kurz der Kapitän. Heiko Westermann befand: „Es ist auf jeden Fall sehr gut für uns, dass die Verantwortung innerhalb der Mannschaft nun auf fünf, sechs Schultern verteilt ist. Wir sind zwar noch ganz am Anfang des Weges, aber man merkt, dass wir gestärkt sind.“

Daran hat auch zum Beispiel Milan Badelj einen großen Anteil, denn der Kroate brilliert nicht nur bei den Spielen mit seinem technischen Können, seiner Ballfertigkeit und seinem Überblick, sondern auch im Training. So richtig spektakulär ist sein Spiel zwar nicht, aber es ist von einer ganz besonderen Effizienz geprägt. Alles, fast alles, was Badelj macht, gelingt ihm und ist von Vorteil für diese HSV-Mannschaft. Und ich bin mir sicher, dass ich das auch schon sehr bald über Petr Jiracek werde schreiben können. Mit ihm sprach Trainer Thorsten Fink übrigens nach dem Training noch lange unter sechs Augen (Co-Trainer Nikola Vidovic war dabei), es ging dabei offensichtlich um gewisse Szenen im Spiel, zu denen der Coach nun seine Tipps gab.

So, kurz noch zu einem besonderen Jubilar.

Hermann Rieger wird heute 71 Jahre alt. Gestern noch zu Gast beim Fernsehsender „HH1“, heute war der Kult-Masseur ebenfalls hart auf Achse. 100 Jahre Budnikowsky, dieses Jubiläum musste gefeiert werden – uns „Hermann the german“ immer mittenmang. Und abends ging es dann in seine neue Heimat und zu seinen Freunden nach Alfstedt. Herzlichen Glückwunsch, mein Hermann, Deine Popularität ist ungebrochen, im Gegenteil, es scheint immer mehr damit zu werden – Du wirst überall dort, wo Du auftauchst, gefeiert, umjubelt und geliebt. Und alle freuen sich mit Dir, dass es Dir wieder so gut geht wie in Deinen besten Tagen. Du hast gekämpft und gewonnen, lebe und liebe jeden Tag Deines großartigen Lebens. Du bist der HSV auf zwei Beinen.

Und wo ich gerade bei „HH1“ war. Die gestrige Sendung (ein Link steht am Ende des Berichtes) war auch für mich ein echtes Highlight, denn es waren ja viele große und großartige HSVer dabei. So wohl gefühlt habe ich mich schon lange nicht mehr beim Fernsehen, und wenn mir heute einige Kiebitze (und zum Beispiel auch Thomas Doll, Horst Schnoor oder auch Richard Golz) Lob dafür aussprachen, was ich noch alles vom HSV (und den Spielern) weiß, so muss ich klar sagen: Ich bin da wie jeder anderer Fußballfan. Wer mit Herz und Leidenschaft dabei ist, der vergisst doch gewisse Szenen nie. Das geht euch doch genau so. Wäre Fußball (und der HSV) nur ein Job für mich, bei dem ich um 17.30 Uhr bis morgens um 10 Uhr strikt abschalten würde, dann könnte ich tatsächlich niemals so viele Dinge im Kopf behalten haben. Aber wer das alles zu 100 Prozent lebt, der vergisst so etwas eben nicht.

Bei der Gelegenheit – vielen Dank für die Fotos, die uns (und mir) „Fotolehrling“ und auch „Franky“ schickten. Sind ganz toll geworden – eine schöne Erinnerung an eine wirklich großartige Sendung („Diese Veranstaltung war hervorragend und sehr gelungen – sagte der Veranstalter“ – aber so ist das nicht gemeint).
Ihr könnt euch diese rasante Sendung hier ansehen (vielen Dank an „HH“ und an Tim Niemeyer – ich hoffe, dass es funktioniert):

Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen Einheits-Tag (morgen). Genießt es (so wie ich), dass Deutschland wieder ein Land geworden ist, denn ich habe nie daran gedacht, dass ich das noch erleben werde. Dass es nun so ist, wie es ist, finde ich fantastisch, großartig, sensationell – weil ich so schon viele, viele schöne Ecken und auch besonders nette Menschen im Osten der Republik kennenlernen durfte.

18.15 Uhr

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