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Nun gilt es: Aufstehen für den HSV

7. Februar 2014

Heute Mittag im Stadion-Restaurant „Die Raute“. Einträchtig sitzen die Vorstands-Kollegen Carl Jarchow, Joachim Hilke und Oliver Kreuzer beim Mittags-Buffet zusammen. Die Stimmung scheint ganz gut zu sein, aber zugegeben: beste Laune war aus den Gesichtern der drei Herren nicht zu erkennen. Logisch, die Anspannung vor dem enorm wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC am morgigen Sonnabend (18.30 Uhr) nimmt zu.

Hoffentlich gilt das auch für die Konzentration der Mannschaft, denn was in den vergangenen Tagen alles auf sie eingeprasselt ist und was sich an Nebenkriegsschauplätzen ergeben hat, war schon nicht ohne. Die Aufarbeitung der 0:3-Niederlage in Hoffenheim; die ellenlangen und im Kern überzogenen Debatten um die Interviews von Bert van Marwijk und Rafael van der Vaart nach dem Spiel; Trainer-Bekenntnisse von Oliver Kreuzer und Carl Jarchow; das Theater um den Vertrag von Jonathan Tah; den Fanmarsch vom Bahnhof Stellingen (wobei dies noch die positive Aktion war); Unstimmigkeiten um den Rauswurf von Rodolfo Cardoso; zuletzt auch noch die Geschichte um geklaute Nobel-Uhren der Herren Zoua und Djourou. Zwischenzeitlich, nicht zu vergessen, Vorwürfe gegen Coach van Marwijk und seine umstrittene Kabinenansprache („Ich steige nicht mit Euch ab!“), die womöglich in den falschen Kontext gestellt wurde. Alles in allem war es mal wieder eine typische HSV-Woche.

Ich frage mich, was bis zum 10. Mai und dem letzten Bundesliga-Spieltag bei Mainz 05 eigentlich noch kommen soll? Wie soll das noch gesteigert werden, wenn es erst noch ein paar Runden bis zum Ende sind? Vor diesem Hintergrund wäre es extrem hilfreich, wenn die Profis ihre Partie jetzt gegen Hertha tatsächlich für sich entscheiden würden. Allein um den Druck etwas herauszunehmen und sich mit einem Erfolgserlebnis zu belohnen.


Wir warten darüber hinaus im Stadion gespannt auf die eine oder andere weitere Aktion. Alle zehn Minuten soll ja beispielsweise ein „Steht auf für den HSV!“ angestimmt werden, das dann bitte auch alle befolgen sollen. Hierzu ein Brief, den Dieter bekommen hat:

Hallo Herr Matz,
Da ich ganz fest hoffe, dass morgen 12 HSVer auf dem Platz stehen, versuche ich gerade alles, dass auch die nicht Facebooker es mitbekommen. Sie haben eine so große Leserschaft!!!!! Haben Sie von der Steh-auf-Aktion gehört? Gibt es eine Möglichkeit, dass auch Sie die noch mal pushen??? Das wäre eine große Chance noch mehr Fans zu erreichen. Hier noch mal meine Aktion, wie ich sie bei Facebook formuliert habe:
… Und damit wirklich im Stadion auch die manchmal etwas zurückhaltenderen Fans auf den Geraden mitgerissen werden, denkt an die große Aktion: Steht auf für den HSV! Und zwar alle 10 Minuten (Spielminute 10,20,30 …) Singt alle mit! Steht alle auf! Macht alle 10 Minuten Radau! Lasst uns alle TANZEN! Schreit Euch die Seele aus dem Hals! Bring Luftschlangen in Massen mit (Bitte nicht aufs Spielfeld werfen) Schwenkt Eure Schals! Und ganz wichtig: Animiert auch den schüchternen Fan neben Euch! Und hört danach nicht gleich wieder auf. Wir müssen die ganze Zeit alles geben. Spätestens nach 10 Minuten wieder voll durchstarten. Wenn der erste Versuch in der 10. Minute gut, laut, lustig und megagenial wird, werden in der 20. Minute alle mitmachen. Auch die, die sich sonst nicht trauen.
Viele Grüße aus der Speicherstadt,
Frederik Braun
Miniatur Wunderland Hamburg GmbH

Etwas enttäuschend, aber nach den Darbietungen der vergangenen Monate auch nicht wirklich überraschend, ist die zu erwartende Zuschauerzahl. Bis zum Freitag-Nachmittag waren lediglich 47.000 Karten für die Partie gegen Hertha BSC verkauft. Nachwirkungen des Schalke-Spiels sind zu spüren, als Tausende Anhänger bereits eine halbe Stunde vor Spielende (bei allerdings auch arktischen Temperaturen) aus der Arena gelaufen sind.

Beim Training heute Nachmittag waren alle Augen auf Pierre Michel Lasogga gerichtet. Der Torjäger des HSV (schon neun Treffer in dieser Saison) konnte tatsächlich alles mitmachen und schien dabei auch keinerlei Probleme zu haben. Er könnte also eine Alternative für die Startelf sein. Oder vertraut Coach Bert van Marwijk zunächst noch auf Jacques Zoua, weil Lasoggas Comeback im Basel-Testspiel zu früh kam? “Alles gut, alles gut!” Das gab Leih-Angreifer Lasogga allen Neugierigen noch mit auf den Weg, ehe er in der Kabine verschwand. Ich tippe allerdings darauf, dass der bullige Angreifer zunächst von der Bank kommen dürfte.

Diese Frage wird jedenfalls erst unmittelbar vor dem Anpfiff beantwortet werden. Überhaupt ist van Marwijk diesmal schwer in die Karten zu gucken. Am ehesten taugt noch ein Blick auf das geheime Training am Donnerstag im Stadion. Lam als Rechtsverteidiger, Djourou in der Innenverteidigung für Tah, Bouy und Arslan im zentralen Mittelfeld (ohne Badelj), und tatsächlich wieder John auf dem Flügel (anstelle von Calhanoglu oder Ilicevic).

Zweite wichtige Personalie – die Torwartfrage. Rene Adler hat im Abschlussspielchen alles mitgemacht. “Ich werde aber mit der medizinischen Abteilung Rücksprache halten”, so Trainer van Marwijk nach der Einheit. Soll heißen: erst wenn das Licht für den lange am Fuß verletzten Nationalkeeper knallgrün gestellt ist, wird er auch in der Startformation beginnen. Auch hier tendiere ich zu der Prognose, dass der Trainer eher noch einmal auf Jaroslav Drobny baut, auch wenn der zuletzt gegen Schalke und in Hoffenheim nicht in großer Form war.

Wir werden es sehen und nach den Eindrücken und Äußerungen dieser Woche ist es vor allem wichtig, dass Bert van Marwijk die elf Spieler heraussucht, die brennen – ungefähr wie das Feuer, durch das alle nach Aussage von Rafael van der Vaart gehen wollen.

Neue Stimmung – neues Hotel. Auch in der Suche nach einer neuen Unterkunft vor der Partie gegen die Hauptstädter soll ein Puzzle-Teilchen gefunden sein. Statt ins Elysee zieht es die HSV-Truppe nach Harburg. Wohin genau, möchte der HSV nicht unbedingt hinaus posaunen. Das ist auch okay, entscheidend ist das Ergebnis.

Carl Jarchow und Oliver Kreuzer haben in den vergangenen Tagen eindeutig zu Bert van Marwijk gestanden. Ihre Aussagen, und zuletzt auch die von Jarchow in unserem Video-Interview, lassen keinen Spielraum für das Hertha-Spiel. Normalerweise bleibt Bert van Marwijk unangetastet, selbst wenn es erneut eine schlechte Leistung analog Schalke und Hoffenheim geben sollte.

Werden sie am Sonntag, nach einer wiederholt peinlichen Vorstellung, von ihren eigenen Worten eingeholt? Im Sinne des HSV wäre dies nicht, denn es würde bedeuten, dass die Mannschaft schon wieder ganz wichtige Punkte hat liegen lassen. Trotzdem geht es mit dieser Partie auch um die Glaubwürdigkeit und die Handlungsfähigkeit des Vorstands.

Es gibt offenkundig nicht wenige Aufsichtsräte, die mit dem Bild des Trainers, aber auch des Vorstands in diesen Tagen alles andere als zufrieden sind. Natürlich wird auch in diesem Gremium über die kritische Lage diskutiert. Sollte es also eine erneute Niederlage geben, reden wir nicht nur über die Trainerfrage, die dann aufs Neue gestellt wird, sondern auch über den Vorstand und dessen Verhalten.

Zur Einstimmung auf die kommenden Monate in Kurzform ein Rückgriff auf die drei Jahre, in denen der HSV in der jüngeren Vergangenheit schon einmal in einer sportlich Existenz-gefährdeten Lage war.

1997/98 hatte Trainer Frank Pagelsdorf vor dem ersten Spiel des neuen Jahres, der HSV stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 16, eine glorreiche Idee. Sein neuer Hinrunden-Keeper Hans-Jörg Butt sollte durch den erfahrenen Richard Golz ersetzt werden. Die Folge: Schon nach 9 Sekunden kassierte Golz im Spiel beim FC Bayern das 0:1, der Keeper erwischte insgesamt keinen guten Tag. Die Partie endete 0:3 und der HSV war Schlusslicht der Bundesliga. Erst mit einem Kraftakt und dank eines Schlüssel-Sieges gegen Werder Bremen am 28. Spieltag (2:1 durch ein spätes Yeboah-Tor – Pagelsdorf weinte anschließend hemmungslos) war der Klassenerhalt gesichert. Am Ende wurde der HSV sogar Neunter.

2006/2007 sorgte ein Trainerwechsel für die Rettung. Nach dem 19. Spieltag und einem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Energie Cottbus war für Thomas Doll „Finito“. Der HSV war Letzter und holte Huub Stevens als Feuerwehrmann. Noch ehe der „Knurrer“ richtig auf der HSV-Trainerbank Platz genommen hatte, kassierte sein neues Team durch einen Weitschuss in der Nachspielzeit von Mineiro eine 1:2-Niederlage bei Hertha BSC. Der HSV lag vier Punkte hinter dem rettenden Ufer – und drehte das Blatt. Auswärtssiege bei den Bayern, in Bremen und auf Schalke sorgten für das Happy-End. Am Ende stand ein – gemessen an der Vorrunde – sensationeller siebter Rang zu Buche.

2011/12 schließlich, daran können sich die meisten noch problemlos erinnern, wurde es etwas später knalleng. Nach einem 1:2 in Wolfsburg stand der HSV am 27. Spieltag erstmals auf Relegationsrang 16. Ziemlich unerwartet schlidderte das Team von Thorsten Fink, das zwischenzeitlich mit der Europa-League-Qualifikation geliebäugelt hatte, in den Abstiegsstrudel. Ein 1:0-Zittersieg auf dem Lauterer Betzenberg (Tor: Marcell Jansen) schaffte Erleichterung und letztendlich den zwar wenig berauschenden aber doch sehr erleichternde Verbleib in der Bundesliga.

Morgen um 18.30 Uhr geht es also erneut um die Wurscht für den HSV. Dieter und Scholle begrüßen anschließend Ex-Stürmer Andreas Merkle, der den Verein 1989 zu einem legendären 2:0-Erfolg nach Verlängerung gegen Real Saragossa geschossen hatte. Außerdem kommt Frederik Braun vom Miniatur-Wunderland – siehe oben. Viel Spaß mit den vier Herren!

Mögliche HSV-Aufstellung: Drobny (Adler) – Lam, Djourou, Westermann, Jansen – Bouy, Arslan – John, van der Vaart, Calhanoglu – Zoua (Lasogga)
Das Motto des Hertha-Tages: Aufs Wesentliche konzentrieren!
Schöner Gruß von Lars

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