Archiv für das Tag 'Gert Dörfel'

Belohnung von Bruno

8. Januar 2010

Der Freitag in Belek war überragend. Und überraschend. Es war warm, die Sonne zeigte sich in voller Pracht, und dazu gab es keine einzige Wolke am Himmel. Belohnung für einen 3:0-Sieg am Vorabend gegen Kayserispor? Nein, damit kam erst Trainer Bruno Labbadia. Nach dem Auslaufen am Vormittag hatte er das Mittagessen im Hotel Kempinski kurzerhand auf die Terrasse verlegt – und gemeinsames Grillen angeordnet. Nicht nur unter der Sonne, sondern auch mit „echtem“ Fleisch, das auf den Teller kam. Und, um die Belohnung auch noch vollständig und rund zu machen: Labbadia gab den Spielern am Nachmittag zum ersten Mal in diesen türkischen Tagen frei.

Um noch einmal auf das Spiel gegen die Türken zurück zu kommen: Einige von Euch haben mir vorgeworfen, dass ich Tomas Rincon zu gut gesehen habe. Inzwischen habe ich mich „schlau“ gemacht, sprach auch mit einigen Kollegen und sehe ein: ich lag falsch. Ich habe ihn, das sage ich noch einmal, in Halbzeit eins solide gesehen, und im zweiten Durchgang über die eine oder andere Schwäche hinweg gesehen. Nicht deshalb (wurde mir so unterstellt), weil ich zu sehr Fan bin, sonder weil ich auch „wollte“, dass Rincon eine gute Partie ablieferte, denn: Wer soll denn am Sonnabend, wenn es gegen den SC Freiburg (16. Januar) wieder in der Bundesliga losgeht, rechter Verteidiger sein? Ich sehe keinen anderen als ihn. Bruno Labbadia brachte schon Robert Tesche ins Spiel, aber den sehe ich dort ganz sicher nicht. Erstens traue ich ihm diese Position nicht zu, zweitens hat er noch nicht bewiesen, dass er auch dort spielen könnte.

Kurz noch einmal auf den Schiedsrichter eingehend: Ich wollte nicht schon wieder auf den 23. Mann einprügeln, sonst hätten mir viele von Euch schon eine Neurose untergejubelt. Und zum „harten Spiel“, mit „Hakan und Ösan“: Ich achte eben sehr, sehr gerne auch auf die kleinsten Kleinigkeiten, wenn der Ball schon weg ist, ob dann noch etwas folgt. Und da folgte schon noch das eine oder andere Foul – ohne Pfiff. Ihr werdet Euch erinnern: Bei mir sagte dann auch der Trainer des HSV unter anderem: „. . . gegen einen robusten Gegner.“ Warum sagt Bruno Labbadia „robust“, wenn es sich doch nur um ein Freundschaftsspiel gehandelt hat?

Anderes Thema: Warum kein Talent aus dem Schuppen der Zweiten? Das sehe ich zurzeit noch nicht. Ich habe nun immer beim Training in Belek zugesehen, Ihr könnt mir glauben, dass ich mich riesig mit den jungen Leuten freuen würde, wenn sie den Sprung zu den Profis denn schaffen würden, aber: Es bot sich in der Türkei nicht wirklich einer zwingend an. Es waren noch zu viele technische Fehler erkennbar, fast bei jedem jungen Mann, es gab in Sachen Tempo Probleme, mental waren sie auch nicht „da“, zudem wären sie mit dem Spielsystem überfordert. Auch wohl deshalb, weil sie in der Regionalliga anders spielen.

Es wurde ja heute aus Eurem Kreis schon gefragt, wo denn gegen Kayserispor die Rasselbande blieb, aber mit der obigen Einschätzung möchte ich diese Frage kurz einmal beantwortet haben. Mein Fazit: Es geht noch nicht. Womit ich nicht gesagt haben will, dass das nie etwas werden wird. Das wird schon noch. Siehe Tunay Torun. Der hat sich nie entmutigen lassen. Mit viel Geduld wird der eine oder andere junge Mann ganz sicher seinen Weg gehen. Und allen von ihnen sei auch noch schnell ins Stammbuch geschrieben: Bitte lasst nun die Köpfe nicht hängen, gebt auf keinen Fall auf, sondern nehmt die Erfahrung dieses Trainingslagers mit den Profis mit in die Rückrunde. Und dann so richtig Gas geben.

Nun sind wir bei den Gerüchten. Ich habe alle, wirklich alle Eure Einträge von heute gelesen, vielen Dank dafür. Wie immer witzig und wie immer auch gut. Um es kurz zu machen: Ich bin nicht nur auf der Seite von „Eiche Nogly“, sondern unterstreiche ausdrücklich, was er in Sachen Höwedes, Demel und Boateng geschrieben hat. „Eiche“ könnte glatt beim Abendblatt anfangen. Woher er diese, seine Informationen hat, das weiß auch ich nicht, aber sie decken sich mit den meinen. Klingt unglaublich, ich weiß, ist aber so. Kompliment „Eiche“. Bleibt nur abzuwarten, was letztlich dabei rumkommt? Ich fürchte, auch da bin ich ganz nah bei „Eiche“, dass nichts aus diesen Plänen wird, denn es ist ja alles eine Frage des Geldes. Und davon hat der HSV eben nicht ganz so viel, wie zum Beispiel die Bayern, wie Hoffenheim oder wie Wolfsburg. Ich kann nur hoffen, dass ein Mann wie Höwedes in echter „Ivanauskas-Manier“ sagt, dass er nicht in die Provinz (Wolfsburg) gehen will.

Dass ich ihn (Höwedes) gerne in Hamburg sehen würde, liegt nun auf der Hand. Der junge Noch-Schalker ist demnächst Nationalspieler. Und: Wenn er jetzt käme, dann wäre der HSV auf jeden Fall für den Fall gewappnet, falls Jerome Boateng im Sommer (für läppische zwölf Millionen Euro) seine Koffer packen sollte. Nicht zum FC Bayern, natürlich, sondern gleich zu einem Spitzenklub. In der Größe von Chelsea, ManU oder FC Barcelona. Und irgendwie beschleicht mich schon seit Jahresbeginn das dumpfe Gefühl, dass Boateng hier nur noch bis zum Sommer tanzt. Kann mich natürlich täuschen, aber so ist es nun einmal. Weil ja auch noch die WM in Südafrika auf ihn (und uns) wartet, und die wird er schon – ganz nebenbei natürlich – zum Vorspielen in eigener Sache nutzen.

So, zum Schluss noch zwei Dinge in eigener Sache. Ich bin wieder in Hamburg, vorzeitig zurück geflogen, weil ich am Freitag, beim Neujahrsempfang des Abendblattes in der Elbphilharmonie, die Meisterspieler von 1960 betreuen durfte. Es waren alle da: Horst Schnoor, Erwin Piechowiak, Franz Klepacz, Gerhard Krug, Jochen Meinke, Klaus Neisner, Uwe Seeler und Gert „Charly“ Dörfel. Und die „alten Herren“ erhielten von der gesamten Hamburger Prominenz donnernden Applaus, als sie von Chefredakteur Claus Strunz vorgestellt wurden. Ein Vorgeschmäckle auf den Sommer, wenn sich der Gewinn der Meisterschaft zum 50. Mal nähert. Es war, das gebe ich zu, ein unglaublich schöner Tag, mit meinen Helden von einst einen ganzen Vormittag verbringen zu dürfen. Und ich war, um Euch ein wenig neidisch zu machen (nur ein Scherz, bitte, nur ein Scherz), nicht nur nebenbei, sondern immer mittendrin. Für einen, der früher um Autogramme bei den Herrschaften bettelte, war das wie ein Sechser im Lotto.

Und die zweite Sache: Immer wieder taucht sie auf, diese Frage, warum ich nicht mehr im Abendblatt schreibe, schreiben darf. Ich will mich da nicht zu lange erklären, es gab einige Meinungsverschiedenheiten verbaler Natur, ich bin Angestellter des Springer-Verlages – und gehorche. War bitter für mich, nach 30 Jahren HSV-Reporter, aber so ist es nun einmal, das Arbeitsleben von heute. Mehr verbirgt sich nicht dahinter, und ich hoffe auch, dass diese Erklärung Euch nun reicht. Und, weil es gerade passt, schnell noch zu der Frage, ob es vor Matz ab schon einmal bei anderen Tageszeitungen so etwas gegeben hat? Nein, hat es nicht. Aber, und das finde ich klasse, es wollen nun viele nachahmen. Oder einige auf jeden Fall. Aber noch wehren sich die arrivierten Kollegen, vom Print in den Blog zu gehen – ich konnte mich, wie eben geschrieben, nicht so richtig wehren . . .

Bitte, bitte, keinen auf den Deckel geben, aber ich habe das Spiel am Sonnabend schlicht vergessen. Tut mir leid, ist mir gerade in der U-Bahn eingefallen. Also: Sonnabend, 19.15 Uhr (deutscher Zeit), das Testspiel (und das “Finale”) gegen Besiktas Istanbul. Der letzte Härtetest vor dem Freiburg-Spiel. Das hier habe ich nun um 21.12 Uhr ergänzt.

Und wo ich gerade dabei bin: Meine Trennung als Schreiberling vom HA hat nichts, wirklich nichts mit der HSV-Berichterstattung zu tun, es ging, so viel sei noch einmal verraten (dann soll dieses leidige Thema auch für immer schlummern), um persönliche Dinge. Dieses musste ich zum Schutze der Kollegen jetzt schnell noch einmal ergänzend sagen.

19.46 Uhr (ergänzt um 21.12 Uhr)