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Endlich geht’s wieder los! Oder?

24. Januar 2014

Ich kann nicht sagen, woran es liegt. Zumal es bei mir anders ist. Aber irgendwie macht sich dieses Jahr keine Stimmung breit rund um die Mannschaft. „Bei uns ist das anders“, sagt Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart fügt hinzu: „Wir sind heiß.“ Ich auch. Aber irgendwie scheint sich seit Sonntag bei vielen Fans eine Art Jetlag breitzumachen. Gut, bei den Gegnern von HSVPlus kann ich das nachvollziehen. Aber beim Rest sollte sich jetzt, so sehr auch der Adrenalinpegel gesunken sein mag, langsam wieder Aufbruchsstimmung breitmachen. Immerhin kommt am Sonntag kein geringerer als das Liga-Schwergewicht Schalke 04 nach Hamburg. Ohne Aogo. Aber mit Huntelaar. Auch das Wetter darf nicht als Entschuldigung herhalten, so kalt und windig es auch ist. „ES liegt an uns, die Leute zu begeistern“, haut Arslan eine Plattitüde raus, die aber einfach wahr ist. Immerhin hat die Mannschaft bei seinen Anhängern noch einiges gutzumachen – gerade in Sachen Heimspiele.

Daher wird dien Aufgabe am Sonntag doppelt schwer. Dreifach sogar. Zum einen muss die Mannschaft ihre eigenen letzten Eindrücke bekämpfen. Zum anderen droht das erste Mal seit Ewigkeiten wieder Ruhe auf den Rängen. Zumindest auf Teilen, wenn ich die angekündigten Protestaktionen gegen „HSVPlus“ einiger Fans richtig verstanden habe. „Wir können uns da kein Urteil erlauben und wollen das auch gar nicht“, hatte van der Vaart gestern gesagt, und Tolgay Arslan stimmt seinem Mannschaftskapitän zu. Wie sie selbst damit umgehen würden? „Wir müssen alle begeistern. Wir können alle Fans wieder in die richtige, in eine gemeinsame Richtung lenken. Am besten, wir ackern einfach noch mehr als vorher.“

Einfach? Okay, das wird es tatsächlich nicht. Aber wenn sie es sichtbar versuchen, wird das Publikum nach einer kleinen Eingewöhnungszeit mitgehen – hoffe ich. Denn die Mannschaft ist tatsächlich das Glied in der Kette, das am wenigsten mit der Wahl am Sonntag zu tun hat. Und der Teil, der jetzt am meisten Unterstützung braucht. Denn obwohl sich alle Beteiligten hier mächtig Mühe geben, Optimismus zu verbreiten, ist ein Restzweifel spürbar. Auch beim Trainer, der sich bis zur letzten Sekunde Nachdenkzeit erbittet. Bis nach dem Abschlusstraining will Bert van Marwijk warten, ob Arslan wirklich einsetzbar und Heiko Westermann grünes Licht gibt. Und beide, obwohl sie erst diese Woche in Training einsteigen konnten, gelten bei van Marwijk als Hoffnungsträger. Soll heißen: Sind sie fit, spielen sie wohl auch.


„Ich habe keine Probleme mehr und werde jetzt noch zweimal Vollgas geben, um alles maximal auszutesten“, sagte uns Arslan vor dem Freitagstraining. Seinen Adduktorenproblemen würde mit Akupunktur und speziellen Aufwärmübungen vorgebeugt. Ob er sich selbst schon spielen lassen würde? „Ich habe eine Woche und zwei Spiele verpasst, den intensiven Teil aber mitgemacht“, sagt Arslan und lacht dabei, „und ja, natürlich würde ich mich aufstellen, wenn ich fit bin. Das würde wohl jeder Spieler so machen…“

Arslan will sich beweisen. Nicht zuletzt, weil er in den letzten Wochen mehr durch Wechselgerüchte denn sportlich aufgefallen war. Galatasaray Istanbul hatte zuletzt Interesse an Arslan vermeldet. Mit zehn Millionen Euro für vier Jahre hatte der türkische Rekordmeister gelockt – und auch Oliver Kreuzer auf den Plan gerufen. „Wir haben uns im Trainingslager in Abu Dhabi ein paarmal unterhalten und der Verein will mir in den nächsten Zeit ein Angebot machen“, weiß Arslan. Geht es nach Oliver Kreuzer, hat der HSV diesbezüglich noch etwas Zeit. Allerdings bestätigte der Sportchef, dass es Gespräche gab und geben wird.

Und dabei darf sich der HSV darauf einstellen, dass der Spieler teurer wird. Mal wieder ob eines Galatasaray-Angebotes. Wie schon bei Hakan Calhanoglu treiben die türkischen Offiziellen den Kurs bei Arslan in die Höhe. Fast möchte man meinen, dahinter ein System zu erkennen. Kassiert (Achtung: NICHT ernst gemeint!) Galatasaray vielleicht eine Provision bei seinen Landsleuten in Hamburg? Wobei, zum Ausgleich hat der HSV mit „Lassa“ einen neuen Sponsor gefunden – einen türkischen Reifenhersteller…

Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass Arslan in den letzten zwei Jahren eine positive Entwicklung genommen hat. „Ich gehe langsamer vorwärts, aber ich mache jeden Schritt ganz“, hatte mir Arslan vor vier Jahren mal in einem Interview gesagt. Und er hielt Wort. Er war nie ein Überflieger, aber er entwickelt sich seit Jahren konstant nach vorn. Und das will der 23-Jährige jetzt auch finanziell spüren. „Natürlich erhofft man sich auch da eine Entwicklung. Das ist nur logisch“, sagt Arslan, der gehaltstechnisch noch längst nicht in der Kategorie Stammspieler angekommen ist – dort aber langsam hin will. „Galatasaray ist der beste türkische Klub, spielt regelmäßig Champions League. Aber ich bleibe dabei, dass der HSV für mich der richtige Verein ist. Die Bundesliga ist sportlich deutlich besser als die türkische Liga. Aber klar ist auch, für das gleiche Geld unterschreibe ich nicht.“ Oha, das klingt nach interessanten Verhandlungen zwischen Vater Arslan (kümmert sich um Tolgays finanzielle Belange) und Kreuzer.

Geht man nach dem heutigen Freitagstraining, wird Arslan spielen. Ebenso wie Heiko Westermann in der Viererkette, agierte auch Arslan im vermeintlichen A-Team. Zusammen mit Ivo Ilicevic, der noch den Vorrang vor Zugang Ola John erhielt. Ebenso wie Lam, der offenbar noch den Vorrang vor Dennis Diekmeier erhält. Demnach sehe die Startelf wie folgt aus: Drobny – Lam, Westermann, Tah, Jansen – Arslan, Badelj – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga. „Eine endgültige Entscheidung werde ich erst am Sonntag treffen“, sagt van Marwijk, der noch abwarten will, wie sich die Wackelkandidaten am Sonnabend im Training präsentieren und die letzten 30 Minuten heute komplett durchwechselte.

In diesem Sinne, mehr war heute nicht los. Übrigens, die gefühlte Temperatur am Sonntag soll Wettervorhersagen (u.a. auf hsv.de) zufolge bei minus 17 Grad Celsius liegen. Na dann: Lange Unterhose, dicke Jacke, Mütze und Schal anziehen – und ab geht’s. Endlich wieder! Und wenn es dann kalt wird im Stadion – warm singen! Das hilft allen…

Bis morgen. Dann mit Dieter. Wir sehen, lesen und hören uns am Sonntag wieder, wenn wir nach dem Auftaktsieg in der Rückrunde bei “Matz ab live“ den ehemaligen HSV-Torwart Jürgen Stars und das frühere Aufsichtsrats-Mitglied Axel Formeseyn begrüßen dürfen. Ich freue mich darauf. Aber vor allem aufs Spiel!

Scholle

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