Archiv für das Tag 'Galatasaray'

Endlich geht’s wieder los! Oder?

24. Januar 2014

Ich kann nicht sagen, woran es liegt. Zumal es bei mir anders ist. Aber irgendwie macht sich dieses Jahr keine Stimmung breit rund um die Mannschaft. „Bei uns ist das anders“, sagt Tolgay Arslan und Rafael van der Vaart fügt hinzu: „Wir sind heiß.“ Ich auch. Aber irgendwie scheint sich seit Sonntag bei vielen Fans eine Art Jetlag breitzumachen. Gut, bei den Gegnern von HSVPlus kann ich das nachvollziehen. Aber beim Rest sollte sich jetzt, so sehr auch der Adrenalinpegel gesunken sein mag, langsam wieder Aufbruchsstimmung breitmachen. Immerhin kommt am Sonntag kein geringerer als das Liga-Schwergewicht Schalke 04 nach Hamburg. Ohne Aogo. Aber mit Huntelaar. Auch das Wetter darf nicht als Entschuldigung herhalten, so kalt und windig es auch ist. „ES liegt an uns, die Leute zu begeistern“, haut Arslan eine Plattitüde raus, die aber einfach wahr ist. Immerhin hat die Mannschaft bei seinen Anhängern noch einiges gutzumachen – gerade in Sachen Heimspiele.

Daher wird dien Aufgabe am Sonntag doppelt schwer. Dreifach sogar. Zum einen muss die Mannschaft ihre eigenen letzten Eindrücke bekämpfen. Zum anderen droht das erste Mal seit Ewigkeiten wieder Ruhe auf den Rängen. Zumindest auf Teilen, wenn ich die angekündigten Protestaktionen gegen „HSVPlus“ einiger Fans richtig verstanden habe. „Wir können uns da kein Urteil erlauben und wollen das auch gar nicht“, hatte van der Vaart gestern gesagt, und Tolgay Arslan stimmt seinem Mannschaftskapitän zu. Wie sie selbst damit umgehen würden? „Wir müssen alle begeistern. Wir können alle Fans wieder in die richtige, in eine gemeinsame Richtung lenken. Am besten, wir ackern einfach noch mehr als vorher.“

Einfach? Okay, das wird es tatsächlich nicht. Aber wenn sie es sichtbar versuchen, wird das Publikum nach einer kleinen Eingewöhnungszeit mitgehen – hoffe ich. Denn die Mannschaft ist tatsächlich das Glied in der Kette, das am wenigsten mit der Wahl am Sonntag zu tun hat. Und der Teil, der jetzt am meisten Unterstützung braucht. Denn obwohl sich alle Beteiligten hier mächtig Mühe geben, Optimismus zu verbreiten, ist ein Restzweifel spürbar. Auch beim Trainer, der sich bis zur letzten Sekunde Nachdenkzeit erbittet. Bis nach dem Abschlusstraining will Bert van Marwijk warten, ob Arslan wirklich einsetzbar und Heiko Westermann grünes Licht gibt. Und beide, obwohl sie erst diese Woche in Training einsteigen konnten, gelten bei van Marwijk als Hoffnungsträger. Soll heißen: Sind sie fit, spielen sie wohl auch.


„Ich habe keine Probleme mehr und werde jetzt noch zweimal Vollgas geben, um alles maximal auszutesten“, sagte uns Arslan vor dem Freitagstraining. Seinen Adduktorenproblemen würde mit Akupunktur und speziellen Aufwärmübungen vorgebeugt. Ob er sich selbst schon spielen lassen würde? „Ich habe eine Woche und zwei Spiele verpasst, den intensiven Teil aber mitgemacht“, sagt Arslan und lacht dabei, „und ja, natürlich würde ich mich aufstellen, wenn ich fit bin. Das würde wohl jeder Spieler so machen…“

Arslan will sich beweisen. Nicht zuletzt, weil er in den letzten Wochen mehr durch Wechselgerüchte denn sportlich aufgefallen war. Galatasaray Istanbul hatte zuletzt Interesse an Arslan vermeldet. Mit zehn Millionen Euro für vier Jahre hatte der türkische Rekordmeister gelockt – und auch Oliver Kreuzer auf den Plan gerufen. „Wir haben uns im Trainingslager in Abu Dhabi ein paarmal unterhalten und der Verein will mir in den nächsten Zeit ein Angebot machen“, weiß Arslan. Geht es nach Oliver Kreuzer, hat der HSV diesbezüglich noch etwas Zeit. Allerdings bestätigte der Sportchef, dass es Gespräche gab und geben wird.

Und dabei darf sich der HSV darauf einstellen, dass der Spieler teurer wird. Mal wieder ob eines Galatasaray-Angebotes. Wie schon bei Hakan Calhanoglu treiben die türkischen Offiziellen den Kurs bei Arslan in die Höhe. Fast möchte man meinen, dahinter ein System zu erkennen. Kassiert (Achtung: NICHT ernst gemeint!) Galatasaray vielleicht eine Provision bei seinen Landsleuten in Hamburg? Wobei, zum Ausgleich hat der HSV mit „Lassa“ einen neuen Sponsor gefunden – einen türkischen Reifenhersteller…

Wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass Arslan in den letzten zwei Jahren eine positive Entwicklung genommen hat. „Ich gehe langsamer vorwärts, aber ich mache jeden Schritt ganz“, hatte mir Arslan vor vier Jahren mal in einem Interview gesagt. Und er hielt Wort. Er war nie ein Überflieger, aber er entwickelt sich seit Jahren konstant nach vorn. Und das will der 23-Jährige jetzt auch finanziell spüren. „Natürlich erhofft man sich auch da eine Entwicklung. Das ist nur logisch“, sagt Arslan, der gehaltstechnisch noch längst nicht in der Kategorie Stammspieler angekommen ist – dort aber langsam hin will. „Galatasaray ist der beste türkische Klub, spielt regelmäßig Champions League. Aber ich bleibe dabei, dass der HSV für mich der richtige Verein ist. Die Bundesliga ist sportlich deutlich besser als die türkische Liga. Aber klar ist auch, für das gleiche Geld unterschreibe ich nicht.“ Oha, das klingt nach interessanten Verhandlungen zwischen Vater Arslan (kümmert sich um Tolgays finanzielle Belange) und Kreuzer.

Geht man nach dem heutigen Freitagstraining, wird Arslan spielen. Ebenso wie Heiko Westermann in der Viererkette, agierte auch Arslan im vermeintlichen A-Team. Zusammen mit Ivo Ilicevic, der noch den Vorrang vor Zugang Ola John erhielt. Ebenso wie Lam, der offenbar noch den Vorrang vor Dennis Diekmeier erhält. Demnach sehe die Startelf wie folgt aus: Drobny – Lam, Westermann, Tah, Jansen – Arslan, Badelj – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga. „Eine endgültige Entscheidung werde ich erst am Sonntag treffen“, sagt van Marwijk, der noch abwarten will, wie sich die Wackelkandidaten am Sonnabend im Training präsentieren und die letzten 30 Minuten heute komplett durchwechselte.

In diesem Sinne, mehr war heute nicht los. Übrigens, die gefühlte Temperatur am Sonntag soll Wettervorhersagen (u.a. auf hsv.de) zufolge bei minus 17 Grad Celsius liegen. Na dann: Lange Unterhose, dicke Jacke, Mütze und Schal anziehen – und ab geht’s. Endlich wieder! Und wenn es dann kalt wird im Stadion – warm singen! Das hilft allen…

Bis morgen. Dann mit Dieter. Wir sehen, lesen und hören uns am Sonntag wieder, wenn wir nach dem Auftaktsieg in der Rückrunde bei “Matz ab live“ den ehemaligen HSV-Torwart Jürgen Stars und das frühere Aufsichtsrats-Mitglied Axel Formeseyn begrüßen dürfen. Ich freue mich darauf. Aber vor allem aufs Spiel!

Scholle

Warten auf DAS Angebot – und auf den nächsten Neuen

29. August 2011

Dieser Blog kommt spät. Entschuldigt bitte! Aber es ist erklärbar. Denn, so hatte ich gestern gehört, heute sollte eigentlich ein erster Transfer verkündet werden. Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen, darauf habe ich bis jetzt gewartet. Es sollte einer werden, „der Dich zwar nicht vom Hocker hauen wird, der aber durchaus sinnvoll ist“, so die Ankündigung. Wobei mich das nicht verwunderte – also das mit dem „nicht-vom-Hocker-hauen“. Denn auch mir war klar, dass für spektakuläre, sprich für arrivierte Verstärkungen zunächst ein Spieler verkauft werden muss. Vorzugsweise, so hatten es die HSV-Oberen ja wiederholt formuliert, Eljero Elia.

Und bei dem war gestern Highlife in Tüten. Gerade zur niederländischen Nationalelf abgereist, hatte der Außenstürmer einen Termin nach dem anderen. Oder besser: sein Berater. Galatasaray, Arsenal London, Juventus Turin – um nur die bekanntesten Namen zu nennen, hatten sich bei Elia angekündigt. Eine Entscheidung war allerdings auch bis Ende dieses Blogs noch nicht gefällt.

Im Gegenteil, stattdessen gab es ein Gerücht, dass Paolo Guerrero ein Angebot vom FC Genua vorliegen haben soll. Vom HSV wollte das jedoch keiner bestätigen, im Gegenteil. Ein Wechsel des Peruaners gilt als ausgeschlossen. Schon allein, weil der HSV niemals Elia und Guerrero abgibt. Und als sicher gilt: Elia geht.

Unklar ist allerdings weiterhin, wer dafür kommt. „Ich habe mehrere Namen auf dem Zettel“, hatte Sportchef Frank Arnesen nach dem Köln-Spiel angekündigt. Kein Wunder, denn in tagelangen Sitzungen hatten Oenning und Sportchef Frank Arnesen schon vor Wochen etliche Pläne für den Verkauf des damals bereits umworbenen Niederländers entworfen. Pläne, die in der Zwischenzeit sogar noch um die Namen Michael Ballack und Diego erweitert wurden, wobei der Leverkusener Ex-Nationalspieler als eher unwahrscheinlich, weil vom Trainer nicht gewollt, gilt. Diego würde taktisch besser in das eher offensiv ausgerichtete System Oennings passen – allerdings mag beim HSV niemand ein etwaiges Interesse bestätigen. Nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Deswegen belasse ich es auch dabei, erst dann Namen von potenziellen Zugängen zu vermelden, wenn sie zumindest ein wenig gestützt sind. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das wiederum gilt nicht für Jaroslav Drobny. Der hatte zuletzt wenig glückliche Aktionen, die ihm nicht nur hier im Blog massiv um die Ohren gehauen wurden und werden. Wobei sich für mich ganz klar eine Frage stellt: wie konnte man ernsthaft erwarten, dass der Tscheche gleich durchstartet, nachdem er in der vergangenen Saison nicht nur nahezu die gesamte Spielzeit über auf der Bank saß. Nein, wenn Drobny spielen durfte, gab es für ihn auch meistens noch auf die Augen. Sein einziges „Zu-null-Spiel“ hatte er beim 0:0 gegen Bayern München, wo er den verletzten Rost kurz vor der Halbzeit ersetzte. Seitdem kassierte er 29 Gegentreffer in elf Pflichtspielen. Nein, so etwas verkraftet kein Spieler, der es zuvor gewohnt war, als Stammspieler geführt zu werden. Und dann ist es auch egal, wie viel Größe demjenigen von Außenstehenden angedichtet wird.

Apropos Größe, die zeigt sich auch darin, auf Schadenfreude zu verzichten. Eben so, wie es Frank Rost macht, der ehemalige HSV-Keeper in Diensten Red Bull New Yorks. Der hatte schon nach dem ersten Patzer Jaroslav Drobnys Anfragen verschiedener Medien. Entgegen dem offensichtlichen Trend, als Ex-HSV-Profi zur Schelte auszuholen und seine Befürchtungen zu äußern, verzichtete Rost. Genau wie jetzt. „Ich will nicht zu denen gehören, die aus der Ecke kommen, wenn es nicht so läuft. Warum auch? Ich freue mich nicht über Fehler anderer und am allerwenigsten darüber, wenn der HSV verliert oder nur Probleme hat. Nein, das können andere machen.“ Klare Worte des Mannes, den sich in Hamburg nach Drobnys erneutem Patzer einige zurückwünschen, die ihn letzte Serie noch weggewünscht hatten.

Aber damit sollte es das auch sein. Ich kenne Frank als echten Sportsmann, der zweifellos seinen eigenen Kopf hat und den auch mannschaftsintern durchsetzt. Frank ist ehrlich. Nicht immer diplomatisch, aber eben dem Erfolg verschrieben. Deshalb zuckte er nicht eine Sekunde, als er in der vergangenen Serie darauf angesprochen wurde, wie er es an Drobnys Stelle sehen würde, dem bei seiner Verpflichtung mehr versprochen als letztlich eingehalten wurde. „Sportlich“, so seine Antwort damals. Eben so, wie er es in der Sommervorbereitung nahm, als er sich sportlich gegen den Neuen durchsetzte. Schon deshalb wäre Rost eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Aber okay, dass er sich sorgenvolle Gedanken macht ob der aktuellen Situation, das muss er nicht explizit sagen. Rost leidet mit. Das ist klar.

Ebenso – nein, deutlich mehr leidet Drobny. Der reiste heute nach etwas mehr als einem Jahr Länderspielpause wieder zur tschechischen Nationalmannschaft, wo er sich auf andere Gedanken bringen will. Das muss er auch. Nach seinen Fehlern steht der 31-Jährige vermehrt im Mittelpunkt der Kritik. Und wer ihn nicht auch außerhalb des Platzes erlebt, könnte meinen, da steht jemand komplett ohne Selbstvertrauen. Ich habe auch ehrlich gesagt das Gefühl, dass sich hier eine Schraube in die falsche Richtung dreht. Leider. Denn sie dreht sich nach unten, nahezu egal was Drobny macht. Und noch mehr, wenn er es so macht, wie er es im Moment macht. Drobny steht in einer Bringschuld, die sich auch daraus begründet, dass er sich letzte Serie nicht gegen Rost durchsetzen konnte und jetzt erst beweisen muss, dass er den Routinier gleichwertig ersetzen kann. „Jeder, der Fehler macht, gerät in den Fokus der Öffentlichkeit weiß Trainer Michael Oenning aus eigener sehr aktueller Erfahrung zu berichten. Umso lobenswerter, dass sich Rost jeden Kommentar verkneift. Motivation hätte er genug, nachdem er von der damaligen HSV-Führung entgegen eigener Wünsche zum Aufhören bewegt wurde. „Ich trete nicht nach“, sagt Rost.

Nicht nachtreten, dafür nachlegen würde ich gern. Und das werde ich auch, sobald sich transfertechnisch etwas tut. Dann melde ich mich noch mal.

Ansonsten bis morgen. Dann sprechen wir mit Michael Oenning, dem heute schon eine Schonfrist von nur noch zwei Spielen angedichtet wurde. Ich bin gespannt, wie der Cheftrainer selbst seine Situation einschätzt. Vielleicht das dann ja schon vor dem Hintergrund einer oder gar zwei neuer Personalien.

In diesem Sinne, bis bald!

Scholle

Elia geht – kommen noch zwei Neue für Oenning?

28. August 2011

Die Diskussion ist in vollem Gange -. Und das erscheint auch nur logisch. Öffentlich wie beim heutigen Sport1-Doppelpass wie auch hier im Blog, wird beim HSV die aktuelle Misere hinterfragt. Die einen kommen zu dem Schluss, die Mannschaft würde nicht alles geben. Andere, wie Ex-Profi Thomas Strunz im „Doppelpass“ denken, es liegt an der Kaderzusammensetzung und der schwachen Wirkung Oennings auf die Mannschaft. Und wieder andere schieben die Schuld allein auf den Trainer. Wie einige Fans, die nach Schlusspfiff „Oenning raus“ skandierten. Forderungen, die beim HSV allerdings verebben, weil sich der Vorstand weiterhin eindeutig und schützend vor seinen Übungsleiter stellt. „Damit gehen wir sehr offensiv um und werden von unserer Seite darüber gar keine Diskussion führen! Es ist jetzt nicht die Frage des Trainers, es ist jetzt die Frage der Analyse dieses Spiels und der Spiele vorher. Da haben wir zwei Wochen Zeit – und die werden wir nutzen.“ Es ändere auch der Tabellen- und Punktestand nichts an dieser Haltung: „Die Spieler sind ja überwiegend sehr junge Spieler, die noch nicht das Selbstvertrauen gewinnen konnten, was man einfach braucht, um so ein Spiel über die Runden bringen zu können. Da fehlen einfach noch die Erfolgserlebnisse.“

Eine allemal diskutable Sicht der Dinge, wie ich finde. Denn erfahrene Profis wie Drobny, Westermann, Aogo, Jansen, Jarolim, Petric und dazu noch Diekmeier standen in der Startelf, später kamen noch Elia und Guerrero – und das soll nicht ausreichend Erfahrung sein, um ein Bundesliga-Spiel über die Runden zu bringen? Gegen Köln? Das darf nicht stimmen. Denn wie sollte sich das ändern? Im nächsten Spiel, dem brisanten Nordderby bei Werder Bremen? Okay, die Ansprüche an diesen und von diesem HSV sind (noch) nicht allzu hoch.
Sind sie vielleicht sogar zu niedrig?
Denn, keine Frage: der HSV hat gegen Köln sein bislang bestes Spiel gezeigt und sich ob (mindestens) zweier dummer individueller Fehler um den Lohn seiner Arbeit gebracht. In allen Statistiken war der HSV besser. 58 Prozent Ballbesitz, 16 zu 7 Torschüsse und sogar 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dennoch, im Gegensatz zu den HSV-Granden verwende ich extra nicht „wieder“ um den Lohn gebracht, denn bislang hatte der HSV in Dortmund, gegen Hertha und in München durch seine Spielweise nicht mehr verdient. Die Mannschaft, in der Neuzugang Rajkovic ein gutes Spiel machte und zusammen mit Westermann (85 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Top-Wert der Partie) die Abwehrmitte gut dicht bekam. Da zudem Tesche und Jarolim das Mittelfeldzentrum im Griff hatten, schien das Hauptproblem der letzten Wochen eigentlich behoben. Und trotzdem gab es vier Gegentore. Nummer elf bis 14 im gerade mal vierten Bundesligaspiel, was die utopische Summe von 119 Gegentoren auf 34 Spieltage ergeben würde.

Und das wird nicht passieren. Auch, weil ich glaube und hoffe, dass Arnesen die Zeichen der Zeit deutlich wahrnimmt. Denn neben der Rückendeckung für Oenning gab es nach dem 3:4 gegen Köln noch eine klare Nachricht: Dass der HSV noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird. In beide Richtungen. So sagte es Arnesen gestern und so bestätigte es der HSV-Sportchef auch heute. „Wir werden bis Mittwoch noch etwas machen“, so Arnesen, der offensichtlich auf den Verkauf vom gestern wieder unauffälligen Eljero Elia hofft. „Wir hatten gute Gespräche vor drei Wochen, wo Eljero klar gesagt hat, dass er bleiben will. Aber in den vergangene zwei Wochen hat sich einiges geändert. Die Tür ist jetzt offen. In diesem Moment gibt es aber kein konkretes Angebot, aber das kann sich bis Mittwoch noch ändern.“ Dem Vernehmen nach ist Juve der ernsthafteste Kandidat, aber auch Klubs aus Spanien und England (Arsenal) sowie Galatasaray Istanbul sollen interessiert sein. Arnesen: „Bislang haben wir kein konkretes Angebot vorliegen.“ Auch dass es ein Tauschgeschäft mit Amauri geben könnte, wie im Internet (auch hier im Blog) spekuliert wurde, schloss der HSV heute aus.
Geht es nach Oenning, soll ein offensiver Kreativspieler für das Mittelfeld kommen. „Es ist kein Geheimnis, dass uns eine solche Personalie sehr gut helfen würde“, so der HSV-Trainer, der sich vielleicht sogar auf zwei neue freuen darf. „Ich habe einige Spieler auf dem Zettel. Je nachdem, wie unsere Möglichkeiten sind, werden wir reagieren“, so Arnesen, der auf eine guten Preis für Elia und die späte Abgabe (und damit Gehaltseinsparung) bei Demel hofft. Denn, das hatte Jarchow nach dem Spiel klar gesagt: „Wir haben keine finanziellen Reserven.“

Klargestellt hat gestern Oenning – auch wenn er bei der Frage nach einem Torwartwechsel lange zögerte -, dass Drobny trotz seines erneuten Patzer die Nummer eins bleibt. „Jaro weiß, dass es ein Fehler war. Aber er ist erfahren und Sportsmann genug, um damit umzugehen.“ Heute trainierte der Tscheche im Kabinentrakt, anstatt mit der ersten Mannschaft. „Es tut sehr weh. Ich habe einen Fehler gemacht und fühle mich scheiße. Ich muss besser werden. Was soll ich sonst sagen?“

Nichts. Zumindest fiele auch mir im Moment nichts Sinnvolles ein. Vielleicht helfen dem ebenso sympathischen wie derzeit glücklosen Torwart die Tage bei der tschechischen Nationalelf, zu der er morgen abreist. Ich hoffe es. Für ihn. Für den HSV. Und für uns. Ebenso wie ich darauf hoffe, dass sich der HSV noch mal sinnvoll verstärkt und die zwei Wochen Pause nutzt, um sich der einen oder anderen Baustelle zu befreien. Es muss tatsächlich alles hinterfragt werden, bis am Mittwoch das Transferfenster bis zum Januar schließt.

Ein guter Anfang: Der zunächst frei gegebene Dienstag wurde gestrichen.

In diesem Sinne,
bis morgen,
Scholle (17.34 Uhr)

Zum Schluss noch mal die Zitate direkt nach Schlusspfiff, gesammelt von meinem Kollegen Alexander Berthold:

Dennis Diekmeier: „Ich bin stinksauer. Wir waren aggressiv, klar besser und kriegen solche beschissenen Tore. Ich kann es nicht fassen.“

Per Skjelbred:
„Das ist jetzt eine ganz harte Situation, aus der wir nur als Team herauskommen. Es geht nicht allein um Drobny. Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir zusammenhalten. Unglaublich: Wir schießen zuhause drei Tore und stehen ohne Punkte da…“

Heiko Westermann: „Wir haben heute vieles richtig gemacht. Wir wären der verdiente Sieger gewesen. Speziell die letzten beiden Gegentore dürfen einfach nicht fallen. Obwohl wir vier Gegentore bekommen haben, kann man nicht sagen, dass wir schlecht gestanden haben. Wir waren stabil. Nach dem Rückstand sind wir wieder aufgestanden.“
„Wir müssen nicht über Drobny reden. Wenn man zuhause drei Treffer erzielt, muss man das Spiel gewinnen. Köln schießt in 90 Minuten vier Mal aufs Tore und alle Bälle sind drin.“
„Wir müssen uns der Situation stellen und die sieht so aus: Ein Punkt aus vier Spielen. Es wird jetzt unruhig werden, aber da müssen wir Spieler jetzt durch. Es geht jetzt darum, dass wir Punkte sammeln und nicht über Abstiegskampf zu sprechen. Wir werden gegen Bremen mit der gleichen Leidenschaft auftreten. Dann werden wir nicht als Verlierer vom Platz gehen.“
„Mit Rajkovic hat es für das erste Mal richtig gut geklappt. Er spricht viel und ich unterstütze ihn dabei. Slobodan hat einen richtig guten Job gemacht.“

Frank Arnesen:
„Wir haben das beste HSV-Spiel dieser Saison gesehen. Wir hatten heute in einem Spiel mehr Torchancen als in den drei Partien zuvor. Aber so ist Fußball: Auch solche Spiele kann man verlieren. Wir haben guten Fußball gespielt, leider waren wir in der Defensive nicht so gut. Drei Treffer nach Standardsituationen muss man seriös (ich denke, er meint ernst nehmen) nehmen. Wir müssen das jetzt trainieren und darüber sprechen. 14 Gegentore sind einfach zu viel in dieser Saison.“
„Ich versuche sowohl die positiven als auch die negativen Dinge zu sehen. Und ich sehe sehr viele positive Dinge. Wir haben wenig zugelassen.“
„Es ist ja nicht so, dass ich jetzt ‚Hurra, Hurra‘ schreie und wir müssen jetzt genau überlegen, was wir machen. Niemand kann sagen, dass wir nicht gekämpft haben oder schlecht Fußball gespielt haben. Wir sind alle enttäuscht, dass wir nur einen Zähler nach vier Spielen haben. Aber noch mal: Ich habe eine Verbesserung im Vergleich zu den letzten Spielen gesehen. Ja klar, ich stehe zu Oenning.“
„Wir haben kein Torwartproblem. Keine Frage, Drobny hat unglücklich ausgesehen. Wenn ein Torhüter einen Fehler macht, ist es nun einmal gleich ein Tor. Wenn ein Stürmer eine Chance vergibt, kommt einfach die nächste Gelegenheit. Er hat in der Vorbereitung und auch gegen Hertha bis zu seinem Fehler sehr gut gehalten. Ich will ihn in Schutz nehmen.“

Holt Rijkaard Mathijsen?

25. Juni 2010

WM-Zeit ist Spekulationszeit. Das ist nicht neu. Und lässt sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Nun ist zum Glück wenigstens ein Thema endgültig geklärt. Michael Ballack wird in der kommenden Saison nicht für den HSV spielen. Das ist einerseits bedauerlich, weil so ein gestandener Spieler wie die Nummer 13 dem HSV natürlich gut zu Gesicht gestanden hätte. Es ist aber andererseits auch eine Wohltat, dass Bayer Leverkusen die intensiven Hamburger Bemühungen noch einmal getoppt hat. Auch finanziell, wie ich mir sagen ließ. Denn so kann sich der HSV womöglich doch einzig und allein dem Ziel widmen, die nach wie vor stark besetzte Mannschaft punktuell, sinnvoll und zugleich mit Perspektive zu verstärken.

Und ich kann Euch eines versprechen, weil es mir heute von verschiedenen Seiten gezwitschert wurde (nicht getwittert!): Beim HSV wird in dieser Sommerpause noch einiges passieren. Meine Informanten und auch ich rechnen aber nicht damit, dass vorm Ende der WM wirklich viel und Entscheidendes passieren wird. Bis dahin wird noch der eine oder andere Name gehandelt, das war ja auch heute wieder der Fall, und mit Sicherheit ist an einigen auch etwas dran, aber endgültige Verhandlungen und Abschlüsse – vor allem mit WM-Aktiven, die nicht aus Frankreich oder Italien kommen – können ja eh erst nach dem Turnier oder zumindest nach dem Ausscheiden der jeweiligen Nationen erfolgen.

Nach dem heutigen Tag gehe ich übrigens fest davon aus, dass wir alle in der kommenden Spielzeit einen neuen Abwehrboss sehen werden. Dazu haben nicht nur die Gerüchte und Berichte um und über Joris Mathijsen beigetragen, die ja von einigen guten Detektiven unter Euch mit einigen Zusatzinfos unterfüttert wurden, sondern auch entsprechende Bestätigungen aus der Türkei. Ich habe dort mit einem Freund telefoniert (nicht Thomas Doll), der sich bestens im Fußballgeschäft auskennt und mir schon den einen oder anderen Transfer weit vor der offiziellen Bekanntgabe gemeldet hat. Heute war er überrascht, als ich ihn anrief: „Willst du mich fragen, gegen wen wir im Achtelfinale spielen?“, sagte er, dabei hatte ich überhaupt keine Ambitionen dieser gemeinen Art. Als ich ihm dann von den Geschichten rund um den HSV erzählte, dass Galatasaray Istanbul an Joris Mathijsen dran sein könnte, plapperte er plötzlich los wie ein Wasserfall. Er bat um zwei Stunden Zeit und sagte anschließend zu mir: „Unglaublich – Gala ist wirklich an Mathijsen dran.“ Seine Informationen besagen, dass der Kontakt kurz vorm Ende der abgelaufenen Spielzeit bereits intensiv gewesen sein soll. Berichte über eine offizielle Offerte der Türken an den HSV konnte er aber nicht bestätigen, und auch beim HSV habe ich diesbezüglich keine Zustimmung erhalten. Trotzdem haben mir mehrere Insider, auch beim HSV, gesagt, dass Mathijsen bereit sein soll, nach der WM zu wechseln. Und wenn Frank Rijkaard, Trainer bei Galatasaray, ruft – dann würde ein Transfer schon Sinn machen, oder?

Irgendwie passen die Indizien doch alle zusammen. Ich dachte ja anfangs, dass der HSV einen zweiten Manndecker für die Position neben Joris Mathijsen suchen würde. Und war bei einigen gehandelten Namen überrascht, weil das doch eher erste Leute, also Abwehrchefs waren. Nun erklärt sich das von selbst. Ich wage daher mal folgende Prognose (ich weiß, ich lehne mich damit ziemlich weit aus dem Fenster): Bis zum 20. Juli wird der HSV Mathijsen verkaufen. Und in Hamburg wird mal wieder eine neue Abwehr-Ära beginnen müssen. Wenn ich freie Wahl in der Bundesliga hätte, wem ich den Posten in der Innenverteidigung geben sollte, würde ich mich für Mats Hummels entscheiden. Nicht wegen des Vornamens, sondern weil ich seine Entwicklung sehr gut finde und er für mich der Abwehrspieler der Zukunft ist.

Apropos Zukunft. An diesem Wochenende wird es bei den Verantwortlichen des Vorstandes und auch bei einigen Aufsichtsräten bestimmt wieder ein kopfschüttelndes Raunen geben. Grund dafür sind neue Kommentare aus Reihen der Supporters zum geplanten Investitionsprogramm des Milliardärs Kühne, die ja bekanntlich bei einigen Führungskräften für dauerhaftes Unverständnis sorgen. Die Lage ist wirklich angespannt. Die einen verstehen die „Nörgler“ nicht, dass sie das „Geschenk“ eines leidenschaftlichen Fans und potentiellen Gönners kaputtreden wollen. Die anderen verstehen die alten „Ja-Sager“ nicht, dass sie ohne große Nachfrage den millionenschweren Einstieg eines potenten Investors akzeptieren wollen und nicht vor dem Deal alle Einflusschancen und Konsequenzen eines solchen Geldflusses hinterfragen. Na, das werden noch spannende Wochen. Vorstand und Aufsichtsrat täten ebenso wie die Supporters-Führung gut daran, das Thema zeitnah in einer internen Zusammenkunft ein- für allemal aufzuarbeiten, sonst werden unnötige Kräfte vergeudet und Nebenkriegsschauplätze eröffnet, auf die wahrscheinlich die meisten von Euch liebend gern verzichten würden. Ich muss ehrlich gestehen: Ich auch.

So, da ich nicht zu allen Namen, die derzeit durch die Foren und auch durch Eure Kommentare rauschen, Stellung Beziehung kann und will, belasse ich es bei einer Information, die ich von einem der bestinformierten HSVer bekommen habe. Demnach ist derzeit noch gar nichts dingfest mit möglichen Neuen und auch nicht mit möglichen Abgängen. Das heißt für uns: Abwarten und Achtelfinals gucken.

22:50 Uhr

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