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Castelen: “Der HSV wird wiederkommen – aber das dauert”

30. April 2012

Was für ein Wochenende! Und damit meine ich nicht das lustige Journalistentreffen. Noch weniger meine ich die „Qualität“ des Spiels gegen Mainz. Vielmehr meine ich die Erleichterung nach Kölns Debakel in Freiburg, Herthas Versagen auf Schalke – und natürlich die emotionalen Verabschiedungen der HSV-Profis David Jarolim, Mladen Petric und Romeo Castelen. Was aber am meisten imponierte, war die ungebrochene Loyalität der Fans gegenüber Jaro. Vor dem Stadion wurden Protestplakate hochgehalten, im Stadion wurde der Tscheche minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Sogar schon bevor er ausgewechselt wurde. Und es gab überall nur das eine Thema, oder besser, nur die eine Frage: Warum gibt der HSV diesen David Jarolim ab? Ich war es irgendwann leid, immer wieder dieselben Argumente aufzutischen und eigentlich auch fortwährend die gleichen Reaktionen der Fragenden zu registrieren. „Am Kunden vorbei“ nannte Dieter die Nicht-Verlängerung mit dem Tschechen. Und damit trifft er meiner Meinung nach komplett ins Schwarze. Denn bei der Personalie Jarolim schwingt primär große Sympathie für den „Verstoßenen“ mit. Die wiederum hat er sich sportlich hart erarbeitet, der gemeine Fan mag Jarolims Vorbildliche Einstellung und Identifikation mit dem Klub. Jaro gehört eben zur Familie. Und das ist auch gut so.

Es gibt einfach nur sehr wenige Argumente, die FÜR eine Trennung sprechen. Allerdings gibt es ein, zwei Argumente dann doch. Denn, wir dürfen bei aller gerechtfertigten Sympathie für Jaro auch nicht vergessen, wo der HSV hin will. Es ist nicht der Kampf gegen den Abstieg, wie Fink gesagt hat. Es sind die Top Acht, wie Arnesen gesagt hat. Angesichts der verkorksten Saison 2011/2012 aus meiner Sicht überraschend ambitionierte Ziele, die mit jungen Spielern erreicht werden sollen. Aber ganz ehrlich, wer von uns meckert denn noch, wenn der Sportchef plötzlich einen zweiten Nigel de Jong aus dem Hut zaubert, der auch noch voll einschlägt? Wer von uns regt sich über Jarolims Vertragsende auf, wenn der HSV in der kommenden Saison sportlich positive Schlagzeilen macht? Am Ende wahrscheinlich niemand. Nein, es bleibt dabei: Die handelnden Personen werden an ihren eigenen Aussagen gemessen. Man muss es eher so sehen: Arnesen hätte es sich leicht machen können, Jaro ’nen kleinen Vertrag geben und sich so aus der Schusslinie bringen. Jaro hätte dem HSV geholfen, ganz klar. Aber, und das möchte ich mal wohlwollend positiv formulieren: Arnesen ist mutig, sich gegen alle Widerstände von Jaro zu trennen, wissend, dass er insgesamt und insbesondere bei der Jaro-Nachfolge dadurch unter erhöhtem Druck steht…

Aber gut, das sollte es dann vorerst auch sein. Wir warten ab, was die nächsten Wochen und Monate an Personalentscheidungen bringen. Alles, was wir bislang machen, sind Vermutungen in den Raum zu stellen und unser (noch berechtigtes) Unverständnis über Jaros Abgang zu äußern. Dennoch hoffe ich, dass Arnesen einen gut durchdachten Plan verfolgt, dass er längst weiß, was er abgibt und was er braucht. Vielleicht steht der Nachfolger schon in den Startlöchern und Arnesen straft alle Skeptiker Lügen.

Wobei, das war zugegebenermaßen im letzten Sommer nicht der Fall. Damals hatte ich hier offen meine Befürchtung geäußert, dass der Däne die Bundesliga angesichts seiner Transfers zu unterschätzen scheint. Und ehrlich gesagt, gibt es wenig Anlass, jetzt zuversichtlicher zu sein – weil wir bis auf Adler, Beister und Rudnevs noch nichts haben, was wirklich optimistisch stimmt. Außer vielleicht, dass dieses Mal Trainer Thorsten Fink seinen Kader selbst zusammenschustert und nicht einen anderen übernimmt.

Was mich aber jetzt schon freut ist, dass unser Dauerpatient Romeo Castelen wieder gesund ist. Sagt er selbst auf jeden Fall. Deshalb habe ich mich heute mal mit dem sympathischen Niederländer unterhalten und stelle das kurze, nette Gespräch hier als Interview rein. Denn ich finde, dass bei den viel diskutierten und viel beachteten Abschieden Jarolims und von Mladen Petric der von Castelen zu kurz gekommen ist. Denn auch wenn er in den letzten vier Jahren verletzungsbedingt nicht allzu viele Spiele (17 Bundesliga- und fünf regionalliga-Spiele) für den HSV gemacht hat, war er dem Vernehmen nach ein sehr positiver Faktor innerhalb der Mannschaft. Generell aber schon deshalb hat er es verdient, hier noch mal gewürdigt zu werden. Das Gespräch:

Matz Ab: Romeo, am Sonnabend standst Du das letzte Mal für den HSV auf dem Rasen. Was war das für ein Abschied?
Romeo: Ein sehr schöner, ein sehr trauriger. Denn ich war sehr gern hier, wollte dem Verein viel mehr geben, als ich es letztlich konnte. Leider haben mich meine Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Aber ich glaube sagen zu können, dass es der richtige Schritt für mich war, nach Hamburg zu gehen. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden und einen Verein kennengelernt, der riesengroßes Potenzial hat. Sportlich wie menschlich.

MA: Was glaubst Du, wie geht es für den HSV weiter?
Castelen: Der Verein hat eine schwierige Phase gehabt und diese gemeistert. Jetzt steht der nächste Umbruch bevor, da sicherlich wieder viele Neue kommen. Aber an Gladbach hat man gesehen, was in der Bundesliga passieren kann. Eben noch Abstiegskandidat, jetzt schon Qualifikant für die Champions League. Die Bundesliga ist verrückt. Ich glaube, dass der HSV wieder die richtige Richtung einschlägt und auf Allerdings glaube ich auch, dass der HSV das nicht in einem Jahr alles auf einmal schaffen kann. Es wird dauern.

MA: Wie Deine Rückkehr. Du bist Ewigkeiten ausgefallen. Woran lag es?
Castelen: Das hatte viele Gründe. Ich hatte sehr viel Pech mit kleineren Verletzungen. Schlimmer kann es gar nicht mehr kommen. Dazu kam, dass ich falsch operiert worden bin.

MA: Falsch operiert? Was ist da passiert?
Castelen: Wir hatten damals die Wahl, welchen Eingriff wir machen und haben uns offenbar für den Falschen entschieden. Das konnte man vorher nicht wissen – aber ich habe meine Lehren daraus gezogen. Wie auch insgesamt aus der harten Zeit. Ich möchte mich hier an dieser Stelle auch noch mal für die tolle Unterstützung des HSV bedanken. Damals hat Bernd Hoffmann an mich geglaubt und die Fans sind sowieso unfassbar. Die waren damals schon sensationell, als wir um die Europa League spielten. Aber das waren auch gute Zeiten. Wie sie aber in diesem Jahr mit der Mannschaft umgegangen sind, das zeigt, dass sie richtig gute, positive und unterstützende Fans sind. So geduldig und so positiv – das ist schon außergewöhnlich. Ich habe das von außen miterlebt und vielleicht noch etwas differenzierter Wahrgenommen. Aber ich kann sagen: das hat mich beeindruckt.

MA: Zuletzt hast Du viermal für die U23 gespielt. Wie geht es sportlich für Dich weiter?
Castelen: Ich bin wieder gesund, kann endlich wieder spielen. Ich weiß noch nicht, wo ich nächste Saison spielen werde. Aber zum Glück gibt es aus meiner guten Zeit noch etliche Leute, die sich an mich erinnern und die wissen, wozu ich fähig bin. Klar ist, dass ich weiter professionellen Fußball spielen will. Unklar ist nur, in welcher Liga.

MA: Also wäre für Dich auch ein Wechsel in einer Zweite Liga denkbar?
Castelen: Naja, eigentlich meinte ich eher, dass ich noch nicht weiß, ob ich in der Deutschen, der Englischen, der Spanischen oder der Niederländischen Liga spielen werde. Ich bin jetzt gerade mal 28 Jahre alt, ich weiß um meine Qualität und ich habe noch eine Menge Ambitionen…

MA: Ah, okay! Das klingt doch sehr gut. Was genau nimmst Du aus Hamburg mit?
Castelen: Alles. Wir lassen nichts hier, werden aber immer wieder gern nach Hamburg zurückkehren. Die Stadt ist super schön.

MA: Ich meinte eher, was nimmst Du an besonderen Eindrücken, Lehren und Erinnerungen mit?
Castelen: Ach so. Aber auch da gilt: alles! Ich habe hier sehr viele Tiefen aber auch einige Höhen miterlebt, die ich nicht vergesse. Da war mein Tor beim Comeback in Wolfsburg, das ich als Glücksgefühl sicher nie vergessen werde. Das war unglaublich. Wie das gesamte erste halbe Jahr, in dem wir riesigen Fußball gespielt haben mit tollen Fußballern. Wenn ich nur an Kompany, van der Vaart, Olic denke, um nur einige zu nennen – das war schon richtig hochkarätig. Damals haben wir alle gedacht, dass wir schon sehr bald einen Titel feiern würden. Und wir haben europäisch gespielt. Die Zeit war super – vor allem, weil ich gut spielte und gesund war. Und dass es jetzt doch noch einige Vereine gibt, die mich trotz der langen Verletzungspause auf dem Zettel haben und holen wollen, das gibt mit neues Selbstvertrauen.

MA: Klingt so, als sollten für Dich jetzt endlich wieder ein paar fette Jahre folgen. Und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann als Gegner in der Champions League oder mit den Nationalmannschaften bei der WM in Brasilien wieder…
Castelen (lacht): Oh Mann, ja! Das wäre ein Traum!

MA: Mit sportlichen Niederlagen für Dich…
Castelen: Abwarten! Obwohl ich sagen kann, dass ich das keinem Verein mehr gönnen würde, als dem HSV.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Castelen ist einer, der sich nach außen extrem positiv verkauft. Ich glaube sogar, dass er wirklich ein richtig netter Kerl ist, der das Herz am rechten Fleck trägt. Und wer sich seine Leidensgeschichte einmal ansieht, der wird mir beipflichten, wenn ich Romeo Castelen auf seinem Weg etwas mehr Glück, einige Erfolge aber vor allem Gesundheit wünsche. Was hiermit geschehen ist.

In diesem Sinne, auch Euch wünsche ich ’nen schönen Abend und den einen oder anderen Tanz in den Mai. Am Dienstag wird um zehn Uhr trainiert, bevor es um 15 Uhr zum Testspiel bei Concordia Schönkirchen geht.

Scholle

Kurz notiert:
Abschied: Sören Bertram wechselt zum VfL Bochum. Der 20-jährige Mittelfeldspieler unterschreibt beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015.
Der Mittelfeldspieler der Rothosen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, erhält beim Zweitligisten einen Vertrag bis 2015. Seit 2015, damals im zarten Alter von 14 Jahren wechselte Bertram zum HSV und durchlief die B- und A-Jugendmannschaften. Er absolvierte in der Saison 2009/10 zwei Bundesligapartien für den HSV und wurde in der vergangenen Serie an den FC Augsburg verliehen. Diese Saison schaffte er sechs Treffer in 25 Spielen für die U23. Arnesen: „Wir wünschen Sören auf seinem weiteren Weg alles Gute”, sagte Frank Arnesen.“

Abschiedstour: Für den HSV geht es nach dem letzten Bundesligaspiel am Sonnabend in Augsburg weiter zu einer wahren Saison-Abschiedstour. Am Sonntag geht es anlässlich der 850-Jahrfeier von Bergedorf zum Oberligisten Bergedorf 85 (15 Uhr, Sander Tannen). Am 11. Mai geht in den Landkreis Stade zum SV Drochtersen/Assel (Anstoß: 18.30 Uhr) und am 13. Mai gegen den VfB Stuttgart im Büdelsdorfer Eiderstadion (15 Uhr). Den Abschluss der Testspielreihe bildet die Partie gegen den Lüneburger SK anlässlich dessen 111-jährigen Vereinsjubiläums (15. Mai, 19 Uhr, Wilschenbruch).

Und am Ende noch ein paar sehr lesenswerte, interessante Blogbeiträge.
Angefangen mit dem von „Mustang“:

„War mit dem jungen Schweden beim Spiel und danach ein wenig dabei; mein Gastgeber fragte FA nach den Gründen für die Jaro-Entscheidung und er hat bloß politisch korrekt geflunkert (“nachdem er in der Hinrunde nicht mehr zum Einsatz kam, wollte Jaro weg; da haben wir uns umorientiert”). Mein Gastgeber fragte Per Skjelbred, warum Jaro nicht mehr dabei sein würde und S. hob die herausragend-einmalige Rolle von Jaro in der Mannschaft, im Training und seine Akzeptanz im Team hervor – er selber wird versuchen, sich beim HSV endlich im ZOM durchzusetzen, wenn man ihn lässt und ihm eine Chance einräumt.

Unsere Vereinsführung versteht es nicht, an neue Finanzmittel heranzukommen – sie lässt sich allerdings gar nicht erst umfassend beraten, sondern will
allenfalls die Stadionfinanzierung umschulden – und der dänische Märchenonkel ist zwar charmant und weicht den wichtigen Fragen nicht ungeschickt aus, wie soll er sich unter ‘Mustang’ eine Person auch vorstellen; der Trainer war wirklich taktisch nicht besonders ideenreich. Der Eindruck musste entstehen, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht – man ist schon wieder mit dem Erreichten zufrieden und hat eigentlich keinen Schimmer, wie es konzeptionell auf allen Ebenen des Vereins weiter gehen soll und wo die Reise hingeht. Der Gesamtverein HSV ist ein derartkompliziertes Gebilde und abverlangt derart viel politisches Geschick seitens EOR, den Dampfer überhaupt über der Wasserlinie zu halten, dass die meiste Energie internen Grabenkämpfen und Eitelkeiten zum Opfer fällt. Hier wird handwerklich nicht mehr sauber gearbeitet, weder in finanzieller Hinsicht im Vorstand noch in Sachen merkliche Verbesserung der Kaderzusammenstellung, Spielkonzept und – philosophie auf SpoDi-Ebene, geschweige denn taktische Variabilität auf Seiten des Trainerstabs. Es ist TF nicht gelungen, die Spieler und das Spiel zu befeuern und merklich zu verbessern. Der kometenhafte Aufstieg von Töre ist verpufft (es hält sich in Istanbul hartnäckig das Gerücht, dass ein Tausch Milan Baros – Töre diskutiert wird; Sala zeigt Ansätze, Arslan ist wieder im Niemandsland angelangt, Per Skjelbred hat den Durchbruch nicht hinbekommen – eine reale Chance sieht allerdings auch anders aus – Bruma ist wechselhaft, Mancienne konnte sich beim TW bedanken, dass ein Klops nicht zur Niederlage führte, Son war direkt vor meinen und Collos Augen (er saß ein paar Plätze vor uns und hat mitgefiebert) als ROM viel zu wenig anspielbar, wenn ihm auch zentral ein paar ganz gute Ideen einfielen, das Spiel anzukurbeln, denn sonst tat es ja niemand. Unser ZOM und Spielaufbau liegt nämlich vor wie nach völlig brach.

Eine Palastrevolultion mit Didi Beiersdorfer als neuen VV und Symbolfigur für eine gewisse Integration der HSV-Fliehkräfte und Spielertradition mit Sachverstand im Management und Fußball ist zwar darstellbar, wenn man die Satzung juristisch überprüft – diese Kogge können wir kapern. Aber der Kraftakt, sie umzusetzen und mit neuen, professionell besseren Protagonisten auf allen jenen Ebenen zu besetzen, ist für Menschen mit Familienleben und einer normalen beruflichen Karriere in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, eine Privatperson nehme wirklich viel Geld in die Hand. Aber auch diese Herangehensweise würde als zu kontrovers niedergeschrien werden. Wir können uns in Versammlungen äußern und auch bei Matz-Ab was schreiben; Eiche zum Fußballerischen, Benno zum Atmospärischen, der junge Schwede, Rauten-Hannes, Mörfi, NeilYoung, Mustang und SW11 zur Vereinspolitik; Trapper, we are family und alnipe zur Taktik und Grundstimmung im Verein und auf den weiten Rängen; aber realistisch ist eine Wachablösung und Umsetzung der von Billy und Dieter Matz oftmals geforderten radikalen Neuorientierung des HSVs – für eine nachhaltige und bessere sportliche Zukunft, gar nicht mal einen Bayern-Konkurrenten – erst mal nicht.

Viel zu viele sind mit dem jeweils Erreichten viel zu zufrieden; diesmal war es der Nicht-Abstieg, der dem Umstand geschuldet ist, dass eine persönliche Differenz zwischen Babbel und Preetz den Niedergang der Hertha beschleunigt hat und der 1. FC Köln schon seit Jahren vor allem durch Selbstauflösung hervorsticht – Volker Finke hatte die Kurve in den letzten drei Partien der vorletzten Spielzeit mit drei Siegen gerade nochmal gekratzt.

Von „Fuxi“:

ZITAT: Von der – auch und vor allem von ihm – so oft hervorgehobenen und beschworenen „guten Qualität“ des HSV-Kaders war in dieser Saison jedenfalls nicht oft etwas zu sehen. Nur drei Heimsiege in 17 Spielen – das ist, um es noch einmal beim deutlich Namen zu nennen, einfach nur erbärmlich und spricht eine viel klarere Sprache, wie es wirklich um den HSV 2011/12 bestellt war.

Diese Aussage kann ich nur vollauf unterstützen. Die Tabelle lügt nicht. Sie kann nach wenigen Spieltagen etwas verzerrt sein, aber wenn eine Mannschaft während einer ganzen Spielzeit zwischen Platz 18 und Platz 12 pendelt, dann hat sie allenfalls mäßige, aber keine gute Qualität. 8 Siege in 33 undesligaspielen, davon gerade 3 Heimsiege, sprechen eine deutliche Sprache. 12 Unentschieden – heißt nichts anderes als mangelnde Siegfähigkeit. Und dann dazu noch drei mehr als klare, deklassierende Niederlagen gegen Dortmund und Bayern. Um nicht zu sagen: Schlachtfeste. Nein, der HSV stand in dieser Saison völlig zurecht dort, wo er stand.

ZITAT: Thorsten Fink sagte auch: „Es kann natürlich nicht unser Anspruch sein, immer gegen den Abstieg zu spielen, aber in dieser Saison war es nach diesem Beginn nicht anders möglich. Die Last des Fehlstarts haben wir durch das ganze Jahr tragen müssen.

Das ist eine nette Geschichtsklitterung, Herr Fink! Michael Oenning ging nach dem 6. Spieltag, da hatte der HSV gerade 4 Punkte und war Letzter. Thorsten Fink feierte sein Debüt am 10. Spieltag, da waren es 7 Punkte. In den folgenden 8 Partien unter seiner Regie holte der HSV 12 Zähler, nach dem 1:1 gegen Augsburg waren es also 19. Ordentliche Bilanz. Nach dem 23. Spieltag waren es 27 Punkte und damit Kontakt zu Rang 8. Nur: In den verbleibenden 10 Spielen gab es gerade 9 (!) Punkte – das hat REIN GAR NICHTS mit dem schwachen Saisonstart zu tun!

ZITAT: Dass aber auch David Jarolim, im Herbst schon still und heimlich auf das Abstellgleis geschoben, gehen muss, obwohl er (gemeinsam mit seinem Landsmann Jaroslav Drobny) den HSV fast im Alleingang gerettet hat, das fand (und findet immer noch nicht) keine Zustimmung in und um Hamburg herum

Auch ich bin wenig erbaut davon, dass das Leistungsprinzip dermaßen ausgehebelt wurde. Zumal David Jarolim von allen Feldspielern des HSV die beste Kicker-Durchschnittsnote aufweist, nämlich 3,41. In einer Mannschaft, in der nur fünf (!) Feldspieler mit mehr als 10 Einsätzen überhaupt einen
Notenschnitt oberhalb von 4,00 haben! Ich gehe jedenfalls auch davon aus, dass wir Jaro nächste Saison noch schmerzlich vermissen werden. Adler (wenn’s denn klappt) ist auf der Linie so gut wie Drobny, aber besser in der Spieleröffnung und in der Strafraumbeherrschung. Das ist aber nach aktuellem Stand die einzige wirkliche Verbesserung. Dass Artjoms Rudņevs so einschlägt wie erwartet, sehe ich noch nicht. Gerade mit seiner überschaubaren Größe von 1,78m ist er bei unserer Dauertaktik – Flanken von links wild durch den Sechzehner – nicht gerade ein Kopfballungeheuer… Dirk Kuyt übrigens mit seinen 1,84m auch nicht (da isser so groß wie Berg) – und der FC Liverpool ist auch lange keine Weltmannschaft mehr. Der ist kein zweiter Raúl. Wohl eher ein zweiter van Nistelrooy… Mit der Personalie Petric kann ich leben. Man muss einfach sagen, dass seine Saison absolut besch…eiden war und auch der Einsatz nicht so oft stimmte, wie man es von einem Stürmer seiner einstigen Klasse erwarten können müsste. Für seine gezeigten Leistungen in den drei Saisons davor hat er sich den Abschied jedoch redlich verdient, das sei hier auch klargestellt.

ZITAT: Aber diesen Ball nahm Carl-Edgar Jarchow auf und sagte zusammenfassend: „Es kann nur besser werden, und es wird besser werden.“

Naja, im Moment sieht es eher nicht danach aus. Im Gegenteil. Mit seiner Taktik, dass die Bundesliga keinerlei finanzielle Einschnitte machen muss, aber dafür sämtlichen anderen Abteilungen Mittel gekürzt werden sollen – was nichts anderes heißen kann, als dass neuerdings (wieder) Mitgliedsbeiträge, mit denen bisher nach meinem Wissen und Aussagen von Abteilungen ausschließlich der Breitensport finanziert wurde, für die Fußball-Bundesliga “zweckentfremdet” werden, da die gleichen Quellen angaben, keinerlei Finanzhilfen aus dem Bundesligatopf zu erhalten -, macht er sich keine Freunde. Ganz im Gegenteil. Wenn die Bundesligamänner bei der nächsten JHV wieder gegen den Abstieg arbeiten (oder dafür?), wird’s auf der Versammlung ganz schön knallen… Perspektivisch glaube ich, dass es auf der JHV krachen wird. Nur weil davon geredet wird, die Mannschaft dürfte gelernt haben, hat sie nicht gelernt. Ich sehe auch nicht, dass der Kader nächste Saison zwingend stärker ist. Geschweige denn, dass Fink das richtige Konzept hat, denn er geht taktisch nur äußerst widerwillig nach den Spielern, die er im Kader hat (siehe Personalie Jarolim, die anfangs nichts mit Leistung zu tun hatte, sondern nur mit dem Willen Finks), sondern versucht die vorhandenen Möglichkeiten in sein Konzept einzupressen, ob es passt oder nicht. Damit wird er genauso scheitern wie jeder andere “Konzepttrainer”, der Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren vortragen durfte, wie toll das doch alles auf Papier und in Powerpoint aussieht… Ich gebe ihm bis Weihnachten, dann ist der HSV spätestens wieder auf der Suche nach seinem Nachfolger, aus der reinen Not heraus.

Von „Thorsten“:

Moin, Moin!

Nachdem er Tagesausflug immerhin schöne Erinnerungen an die emotionalen Verabschiedungen von Jaro und Petric gebracht hat, beginnt wieder alles von vorne.

Die Presse spekuliert wild darüber, was kommen könnte oder nicht, beschimpft sportliche Führung und weiß natürlich alles besser. Ehrlich gesagt, macht dieser Blog nur noch deshalb Spaß, weil man sich darüber informieren kann, was andere HSVer so denken.

Zusammengefasst wird hier blogmäßig in der neuen Saison folgendes passieren:

1. Trainingslager
Es wird mit einer nie gekannten Intensität gespielt, Spielzgüe werden einstudiert, die den Rest der Liga ins VErderben stürzen werden. Mindestens zwei kommende Topstars werden entdeckt werden, denen die Torjägerkanone und eine als internationaler Topstars prognostiziert wird.

4. Spieltag
Die kommenden Weltstars spielen mäßig und treffen nur dreimal in den ersten 3 Spieltagen. Man fragt sich, ob man nicht in die falschen Spieler investiert hat.

8. Spieltag
Bei Matz-Ab wird stolz verkündet, das Troche in Spanien in einem Spieltag drei Tore geschossen hat und nun endlich ein ganz Großer wird. Das es Abseitstore waren, fällt als unwesentliches Detail unter den Tisch.

15. Spieltag
Der HSV hat zu Hause noch nicht verloren, drei Heimsiege eingefahren und Bruma hat bereits 6 assists per Flanke gegeben. Im Matz-Ab Blog wird er als der neue Manni Kaltz und Flankengott – auf Jahre hinweg – gefeiert.

17. Spieltag
Bruma hat in den letzten zwei Spielen nicht einmal geflankt. Matz-Ab rät zum sofortigen Verkauf bzw. Rückabwicklung des Geschäfts mit Chelsea. Das hätten doch alle sehen müssen, dass das nur Zufall war. Der Chronistenpflicht sei beigefügt, dass BRuma einmal gesperrt und einmal verletzt gefehlt hat.

Winterpause
Der HSV steht mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 9 und hat bereits 28 Punkte auf dem Konto. In Matz-AB werden Anekdoten aus den 70ern veröffentlicht. Außerdem wird
bekannt, dass DM den Kontakt zu RvN hergestellt und BH auf dessen Frage den Deal empfohlen hat.

19. Spieltag
Der HSV gewinnt 9:0 gegen Werder Bremen. Die Presse spricht von dem größten SPiel der Vereinsgeschichte. In Matz-Ab wird erklärt, warum man mit Troche und Jaro 12:-2 gewonnen hätte.

23. Spieltag
TF hat es geschafft, sein Team deutlich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. Die Mannschaft spielt guten Fußball, uns hat jetzt schon mehr Tore als in 2011/2012. Man hält Anschluss an die vorderen Plätze. Töre hat bereits zehn Tore geschlossen und beschließt seinen Nachnamen zu ändern.

28. Spieltag
Der HSV gewinnt 5:0 gegen Wolfsburg. Felix Magath erklärt spontan seinen Rücktritt und will fortan bei TF hospitieren. Außerdem tritt der den anonymen FUßballtrainern bei: “Hallo ich bin Felix unf ich muss pro Saison 37 Spieler kaufen.”

34. Spieltag
Durch ein Abseitstor in letzter Sekunde verdrängt der HSV Borussia Dortmund von den EL-Plätzen und feiert eine schnellere Rückkehr in internationale Geschäft. DM erklärt, warum man mit Troche, Jaro, Rost die Cl erreicht hätte.

:mrgreen:

P.S.:
Danke an Jaro und Petric für eine tolle Zeit, vorbildlichen Einsatz und viele Tore beim HSV!!