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Gojko Kacar rettet den HSV erneut – 1:1!

8. Mai 2015

Das war knapp! In der letzten Minute schaffte der HSV doch noch den Ausgleich gegen den SC Freiburg. Das 1:1 hilft zwar nicht so gut wie die beiden letzten Siege zuletzt, aber immerhin wurde der Abstand zu den Breisgauern gewahrt. Deswegen war der Hamburger Jubel nach dem Schlusspfiff auch riesig, gigantisch, sensationell. Es bleibt aber festzuhalten, dass dieser HSV über eine Stunde lang wieder in alte Schwächen zurückgefallen war und nur ein sehr, sehr dürftiges Spiel abgeliefert hat. Das war weder Fleisch noch Fisch, das war kein Abstiegskampf noch war irgendwie etwas von spielerischer Linie zu sehen – von spielerischer Klasse mal ganz abgesehen. Das war Dusel, das war viel Glück – und das war wieder einmal Gojko Kacar, der in der 90. Minuten das 1:1 köpfte. Der Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, aber diesmal half auch das Glück – wieder einmal. Hoffentlich geht es gut – am nächsten Sonnabend geht es zum nächsten Abstiegsendspiel nach Stuttgart. Und an diesem Wochenende kann der HSV nun in Ruhe abwarten, was die Konkurrenz macht. Noch ist nichts entschieden, es wird noch eine ganz, ganz heiße Schlussphase dieser Spielzeit geben. Der Fußball-Gott möge dem HSV erneut so beistehen, wie im Sommer 2014!
Nur der HSV!


 

Man, man, man! Fußball-Hamburg auf Wolke sieben. Vorher. 3:1, 4:1, 3:0 – so kann es gehen. Nach zwei Siegen am Stück sind die Hanseaten nicht mehr zu bremsen, sie flippen regelrecht aus. Nur der HSV! Klar. Wer soll hier denn sonst siegen? Mehr Optimismus geht gar nicht. Vergessen ist der Rest der Saison, als hier Zweitliga-Fußball geboten wurde. Jetzt ist alles neu – der Trainer wird es schon richten. Immer wieder habe ich heute gehört, dass man Bruno Labbadia vor etwas weniger als sechs Jahren niemals hätte vor die Tür setzen dürfen. Ja, aber ein Trainer, auch wenn er noch so heiß ist, kann nur ohnmächtig am Rande stehen, wenn seine elf Spieler wieder einen Rückfall in alte Zeiten erleben. Oder hinlegen. Dramatisch. Freiburg spielte in Hamburg Fußball mit dem HSV. Auf meinem Notizblock habe ich nach 20 Minuten geschrieben: „Schon jetzt würde sich Bruno Labbadia wohl schon den Halbzeitpfiff ganz dringend herbeisehnen, damit er seine Truppe aufwecken kann.“ Und zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0 . . .

 

Allmählich werde ich neurotisch, gebe ich ehrlich zu. Wenn ich solche Trainer am Rande ausrasten sehe. An diesem Mittwoch Pep Guardiola in Barcelona, jetzt der Herr Streich in Hamburg. Unfassbar. Ob diesem Coach schon jemals 90 Minuten von ihm am Stück vorgeführt worden sind? Und ob er dann nicht sofort den Job hinschmeißen würde. Was Streich da am Rande fabriziert, wie er gestikuliert, jedem Ball die genau richtige Richtung anzeigt, jedes Foul erkennt, jeden Einwurf richtig zuordnet – man, wie geht mir das auf den Zeiger! Wann pfeift der Herr eigentlich sein erstes Bundesliga-Spiel? Das ist doch längst überfällig! Bereits nach einer Minute und 20 Sekunden wurde Streich beim vierten Offiziellen vorstellig, weil der Trainer natürlich erkannt hatte, dass Lewis Holtby nur mit einer Schwalbe einen Freistoß für sich herausgeholt hat. Das ist unmenschlich. Wie halten die Schiedsrichter so etwas aus?

 

Natürlich hat es daran nicht gelegen, dass der HSV so chancenlos und teilweise hilflos Fußball gespielt hat. Das hatte mit Streich nun wirklich nichts zu tun. Natürlich nicht. Dabei wurde die Mannschaft von Beginn lautstark unterstützt und von den Fans getragen. Mehr Stimmung geht nicht. Aber die HSV-Spieler ließen sich davon nicht anstecken. Leider, leider. Woran das lag? Vielleicht schon zu gut, die ganze Stimmung, die Euphorie in der Stadt?

 

Freiburg begann stark. Und blieb auch stark. Bereits nach acht Minuten hätte es 0:1 stehen können, doch Rafael van der Vaart grätschte am Elfmeterpunkt noch gerade so eben in den Schuss, sodass er damit einen Freiburger Treffer verhinderte. Großartig. In der 14. Minute der erste HSV-Schuss: Pierre-Michel Lasogga von der Strafraumgrenze, doch Bürki im SCF-Tor hält. Drei Minuten später der erste HSV-Eckstoß, getreten von rechts von van der Vaart. Abgewehrt, Konter. Darida gegen die HSV-Absicherung Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby. Innerhalb von Sekunden aber waren noch vier weitere Hamburger zurückgeeilt und beendeten den Vorstoß. Dafür gab es viel Applaus von den Zuschauern, die es honorierten, wie gut in diesem Fall verteidigt wurde.

 

In der 18. Minute höchste Alarmstufe im HSV-Strafraum. Van der Vaart, Slobodan Rajkovic verhinderten mit letztem Einsatz ein Gegentor, doch dann stand Freiburgs Klaus plötzlich drei Meter frei vor Adler – und der HSV-Keeper hielt mit einer Weltklasse-Parade a la Neuer sein Tor sauber. Die Chance der Freiburger eingeleitet hatte an der Mittellinie Ivica Olic, der einen Ball leichtfertig herschenkte. Das macht mich fassungslos, wieso das so einfach geht!
Spätestens jetzt hätte ein Umdenken in der HSV-Truppe erfolgen müssen, die Mannschaft sich zusammenreißen müssen, aber es wurde weiter nach Schema F gespielt. Amateurhaft. Null Aufbau. Hin und her und quer und zurück – dann ein langes Ding. So einfallslos. Oder soll man besser sagen: so hilflos, so ideenlos. Das ist zu wenig, wenn man im Abstiegskampf bestehen will. Viel, viel zu wenig.

 

Dennoch hätte es in der 24. Minute im Freiburger Tor klingeln können, denn Zoltan Stieber zog aus 15 Metern ab, der Ball wurde abgefälscht – und dennoch parierte Bürki die Kugel mit dem Fuß. Das Tor fiel dann Sekunden später auf der Gegenseite. Abstoß Bürki, kurz hinter der Mittellinie verlor Raijkovic das Kopfballduell gegen den ehemaligen HSV-Spieler (U23) Guede, Mehmedi lief Johan Djourou leichtfüßig davon – und schoss den Ball hart, aber nicht platziert auf das Tor. Der Schuss aus elf Metern (halbrechte Position) flog aber ins Tor, weil Rene Adler seine Arme nicht schnell genug hoch bekam. Haltbar? Ich vermag das nicht zu sagen, das sollen mir Torhüter erklären – aber ich würde eher haltbar sagen. Auf jeden Fall nicht unhaltbar. Und auf jeden Fall 1:0 für Freiburg, und das nicht unverdient.

 

Plötzlich und unerwartet war die alte Verunsicherung beim HSV wieder da. Sie war schon weg, in den Gedanken vieler jedenfalls, aber so schnell geht das im Fußball. Wenn die ersten Aktionen nicht klappen, dann geht es oftmals in die Hose. Da es spielerisch schon nicht klappen wollte, hätte die Mannschaft aber wenigstens hundertprozentig kämpfen sollen – aber das war auch kein Abstiegskampf. Höchstens Abstiegskämpfchen. Wenn überhaupt.

 

In der 40. Minute geht Stieber im Strafraum der Freiburger zu Boden, Klaus (der Sohn des ehemaligen HSV-Stürmers Fred Klaus) hatte ihn attackiert, aber der gute Schiedsrichter Knut Kircher ließ weiterspielen – und das war wohl auch richtig so. Für Trainer Streich ohnehin . . . Sekunden vor dem Pausenpfiff hatte Lasogga dann noch „einen“ auf dem Fuß, doch sein Drehschuss aus 16 Metern flog relativ weit am langen Pfosten vorbei ins Aus. Pfiffe zur Pause.

 

Beide Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Beim HSV überraschte das, aber wer hilft dem HSV in einer solchen Truppe, in der kaum etwas zusammenläuft? Da ist kein „Überflieger“ mehr auf der Bank. Bruno Labbadia hatte umgestellt, nahm Holtby ins Mittelfeld zurück, beorderte Olic neben Lasogga nach vorne. Ein Versuch. Es war ein Anfang für eine bessere Struktur in der Hamburger Offensive. Und immerhin gab es dann doch einen Wechsel: In der 58. Minute ging der schwache Holtby, für den Marcell Jansen kam. Der HSV spielte auf den Norden zu, der mächtig Stimmung machte – aber außer einigen kleineren Chancen war da nichts Zwingendes dabei. Es sah mitunter gefällig aus, mehr aber auch nicht.

 

Das Spiel wurde erst offener, dann wurde der HSV allmählich überlegen – bei Freiburg ließ die Kraft nach. Bruno Labbadia setzte in der Schlussphase voll auf Offensive – wa sblieb ihm auch anderes übrig? Und er setzte auf die richtige Karte. Der Ausgleich fiel doch noch. Zum Glück. Zum Glück! Eckstoß von links von van der Vaart, in der Mitte stiegen drei Hamburger hoch, Olic köpfte die Kugel (wohl?) auf das Tor, doch Bürki war zunächst mit einer Faust zur Stelle. Gojko Kacar aber gab nicht auf, er stieg in die Luft und köpfte den Ball noch an Bürki vorbei ins Netz. Der Rest war Jubel.

 

Bis auf die 95. Minute. Freistoß für Freiburg am HSV-Strafraum, abgewehrt. Es hätte ein Konter gefahren werden können, doch von der Freiburger Bank wurde kurzerhand ein zweiter Ball auf das Feld geschossen. Sehr sportlich. Aber Knut Kircher pfiff die Partie ab. Während sich am Rande beide Lager der Ersatzspieler zofften.
Ob der Herr Streich wohl wütend gegen den Mann vorgegangen ist, der den Ball auf dem Platz schoss? Müsste er doch – als Ehrenmann und als Sportsmann. Hat er bestimmt auch, er wird diesen Mann zur Rechenschaft ziehen, ganz sicher. Ganz, ganz sicher!

 

Niemals Zweite Liga. Vor allem im Norden wurde gefeiert. Weil der HSV doch noch so gerade dem Tod von der Schippe gesprungen war. Toll, diese Fans!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek (79. Min. Rudnevs); Kacar, van der Vaart; Stieber (86. Min. Beister), Olic; Holtby (58. Min. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 0:1 nicht ganz so glücklich aus, ansonsten aber zeigte er sich von seiner besten Seite und hielt mehrfach glänzend. Seine Fußarbeit (Abstöße) könnten aber besser werden.

 

Heiko Westermann ackerte hinten rechts – und zeigte eine gute Partie.

 
Slobodan Rajkovic war lange nicht so souverän, wie zuletzt.

 

Johan Djourou zeigte diesmal eine schwächere Partie, er wirkte unsicher, verlor sogar etliche Kopfballduelle – das war allerhöchstens Note fünf! Die Rettungsaktion in der 79. Minute bewahrte ihn vor einer glatten Sechs – da verhinderte der Schweizer das 2:0 gegen Petersen.

 

Matthias Ostrzolek stand zu oft zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, sodass der immer den Ball annehmen konnte. Ganz Hamburg wartet immer noch darauf, dass bei ihm mal der Knoten platzt. Ob der aber noch platzt? Ich habe meine Zweifel – so ganz allmählich.

 

Gojko Kacar fand langsam ins Spiel, aber dann war er fast in der Verfassung, in der er zuletzt so geglänzt hatte. Aber insgesamt nicht so wirkungsvoll wie in den Spielen zuvor. Er rettete den HSV erneut.

 

Rafael van der Vaart vergab viele Freistoßmöglichkeiten, weil die Bälle auf dem Weg in die Gefahrenzone „verhungerten“. Das war diesmal zu wenig, denn er hatte seine besten Szenen zu Beginn, als er gleich dreimal in höchster Not grätschend rettete.

 

Zoltan Stieber zeigte nur hin und wieder seine Gefährlichkeit, er tauchte zu oft zu lange ab. Da muss, nein, da müsste viel mehr kommen.

 

Ivica Olic fand in Halbzeit eins kaum einmal statt, dann auch nur sehr, sehr sporadisch. Von ihm aber kam der Kopfball in der 90. Minute, der dann noch zum späten Ausgleich führte – durch Kacar.

 


Lewis Holtby
war nie zu sehen, das war eher eine glatte Sechs.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb ohne echte Torszene, deswegen auch hinter den hohen Erwartungen, die er zuletzt geweckt hatte, zurück. Trotz seines Kampfeseifers.

 

Marcell Jansen
(ab 58. Min. für Holtby) spielte mit, mehr auch nicht. Schade.

 

Artjoms Rudnevs (ab 79. Min. für Ostrzolek) hatte in der 81. Minute das 1:1 auf dem Fuß, als er nach Jansens Flanke aus vier Metern zum Schuss kam – aber neben das Tor zielte. Ansonsten hätte ich ihn gerne wegen seiner unorthodoxen Art etwas eher gesehen.

 

Maximilian Beister (ab 86. Min. für Steiber) sollte noch etwas versuchen, ganz sicher wollte er es auch – aber die Zeit war zu knapp. Immerhin, mit ihm fiel der Ausgleich.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Freiburg. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die „Streich(er)“-Truppe zu sprechen. Unsere Gäste sind heute zwei ehemalige HSV-Profis. Der eine war einst der Nachfolger von Uwe Seeler, es handelt sich um Klaus Fock (Stammverein TuS Finkenwerder). Der zweite Mann an unserer Seite ist Stefan Böger, den wir nach dem (und seinem) Auftaktsieg gegen Augsburg als Glücksbringer gebeten haben, wieder mit von der Partie zu sein. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.
Dieter
 

22.39 Uhr

 

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