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0:1 gegen Freiburg – es geht weiter bergab!

6. April 2013

Das war es wohl mit einem internationalen Starplatz für den HSV – und wer weiß, wofür das gut ist. Vor 53 021 Zuschauern gab es gegen den SC Freiburg eine weitere Heimniederlage, wie schon gegen den FC Augsburg hieß es nach 90 Minuten 0:1. Es ist, da führt kein Weg dran vorbei, im Moment kein Staat mit dem HSV zu machen, die Spieler strotzen eben nicht vor Selbstvertrauen – es läuft nicht mehr viel zusammen. Zum Glück, das darf man vielleicht mal erwähnen, hat dieser HSV schon 38 Punkte, sodass der Abstiegskampf kein Thema mehr wird, aber die 50. Bundesliga-Saison wird wohl nur im Mittelmaß enden. Und damit werden die Sorgen des Clubs und der verantwortlichen ganz gewiss nicht kleiner, eher dürfte das Gegenteil der Fall sein. Der HSV geht in dieser Verfassung noch einigen schweren Tagen entgegen, bevor es in die Sommerpause geht. Vielversprechend sieht das nicht mehr aus, nachdem es vor einigen Wochen noch ganz brauchbar ausgesehen hatte. Die Mannschaft wurde mit Pfiffen verabschiedet.
Quo vadis, HSV?

Gewollt haben sie. Es war ihnen jedenfalls anzumerken. Sie rannte, sie kämpften, sie gaben Gas. Aber ein 2:9 von der Vorwoche schüttelt man eben auch nicht so einfach aus seinen Klamotten. Das spielt mit, das macht sich bei jedem Fehlpass bemerkbar, bei jedem Ding, was in die Hose geht. War ein Fußballfeuerwerk vom HSV erwartet hatte, der war auf jeden Fall falsch gewickelt. Und trotz allem muss anerkannt werden, dass der Wille von Beginn an da war. Und das fast jeder Hamburger auch gewillt war, sich körperlich einzusetzen, einfach mal dagegen zu halten – und sich nicht so mir nichts dir nichts, wie in München, umpusten zu lassen.

Und mit dem SC Freiburg kam natürlich auch ein denkbar schlechter Partner zur Aufbauhilfe nach Hamburg, wie die „Streicher“ höchst unbequem zur Sache gehen, sich 90 Minuten lang die Lunge aus dem Hals rennen. Und nebenbei können die Freiburger auch noch gut Fußball spielen, sie würden sonst wohl kaum vor dem HSV platziert sein. Nichts kommt von nichts. Und in der siebten Minute hatten die Freiburger schon mal locker in Führung gehen können – fast sogar müssen. Erst köpfte Rosenthal an die Querlatte, Rene Adler war noch dran, dann schoss Ginter den Nachschuss an den Pfosten, bevor sich Adler der Kugel bemächtigen konnte. Eine heiße Szene, die glücklich für den HSV ausging.

Auch die nächste gefährliche Situation hatten die Freiburger auf dem Fuß: Tolgay Arslan, der auf der Sechs nur sehr mäßig ins Spiel fand (dann aber durchaus auch gute Szenen hatte), hüpfte wie ein Jugendspieler unter einem Ball durch (Timing!), Rosenthal ging mit dem Ball auf und davon, an Michael Mancienne vorbei – aber Adler nahm dem ehemaligen Hannoveraner gerade noch den Ball vom Fuß (16.). Noch einmal Glück. Aber ein Torwart gehört ja auch dazu – und darf so etwas ja machen . . .

Symptomatisch für die derzeitige HSV-Atmosphäre: In der 20. Minute spielte Heiko Westermann, der bis dahin alles richtig gemacht hatte, seinen ersten Fehlpass. Zugegeben, es war ein haarsträubender Fehlpass (auf Mancienne), aber dass dann sofort einige Pfiffe kommen – ich verstehe es nicht. Aber das gehört wohl heutzutage zum guten Ton (eines Fans!). Auf jeden Fall stärken solche Pfiffe nicht, sondern sie verunsichern. Was Westermann danach sehr wohl anzumerken war, denn der Kapitän spielte danach noch eine Reihe von Fehlpässen. Schade, schade. Aber die Beziehung zwischen Mannschaft und Anhang ist zurzeit eben sehr fragil.

Die größte Tormöglichkeit für den HSV in Halbzeit eins hatte Heung Min Son, der herrlich von Arslan freigespielt worden war. Der Südkoreaner lief ein paar Schritte mit dem Ball, zog dann mit links ab – aber das kann er besser. Krmas und Baumann, die beiden Freiburger, retteten im Verbund – und mit viel Glück. Da war weit mehr drin gewesen für den HSV, als der anschließende Eckstoß (20.).

Wenn etwas nach vorne ging, dann war Son daran beteiligt. So holte er sich zwei Minuten später einen schier aussichtslosen Ball, zog von rechts in die Mitte – und zog mit links ab, aber genau auf Torwart Baumann, der mühelos hielt. Sekunden später pfiffen die HSV-Fans mal gegen den Schiedsrichter, denn nach einem Freistoß von Rafael van der Vaart zog der Freiburger Krmas Heiko Westermann zu Boden. Der HSV-Abwehrspieler reklamierte Elfmeter für sich, und in der Zeitlupe, die uns auf der Tribüne zur Verfügung steht, sah es tatsächlich nach Strafstoß aus. Dr. Felix Brych aus München aber ermahnte Westermann, nicht zu reklamieren. Vielleicht denkt der Unparteiische ja etwas anderes, wenn er die Szene heute Nacht im Fernsehen sehen wird. Nur dann hätte, wenn der Schiedsrichter dann anders denken würde, der HSV nichts mehr davon.

Und wenn ich gerade mal beim 23. Mann bin: Dr. Brych pfiff, so etwas habe ich seit Jahr und Tag nicht mehr erlebt, zwei falsche Einwürfe in Folge ab. Erst war Dennis Diekmeier „falsch“, dann der Freiburger. Dabei kann man heute doch gar nicht mehr falsch werfen, es wird doch geworfen wie jeder es will . . . Nun gut, Dr. Brych wollte es nicht. Nicht so jedenfalls. Ob er das auch in der Champions League als „falsch“ pfeifen würde? Mit Sicherheit nicht.

Der HSV gestaltete den zweiten Teil der ersten Halbzeit – in meinen Augen – etwas überlegen. Ein klein wenig jedenfalls. Was mich überraschte: Westermann marschierte auch aus dem Spielverlauf immer wieder mit nach vorne. Das habe ich sonst nur bei Standards gesehen, aber es war diesmal eine durchaus gute und auch belebende Variante. Mehr davon. Obwohl es nichts gebracht hat. Nichts Zählbares. Und von der 40. Minute an gab es dann auch vereinzelte Pfiffe gegen den doch insgesamt harmlosen HSV. Beim Halbzeitpfiff steigerten sich diese Pfiffe noch zu einem kleinen Konzert. Wobei diese Pfiffe aus allen Richtungen kamen . . .

Auch der zweite Durchgang begann mit Chancen. Rosenthal stand vier Minuten nach dem Wiederanpfiff frei vor Rene Adler, traf aber aus sechs Metern nur das Außennetz. Glück für den HSV! Auf der Gegenseite nur drei Minuten später ein großartiger HSV-Angriff! Endlich einmal! Artjoms Rudnevs per Hacke rechts aus Per Ciljan Skjelbred, der Norweger super in den Lauf von Son – das musste das 1:0 sein. Der Südkoreaner aber drosch die Kugel aus sieben Metern knapp vorbei. Unfassbar, aber wahr.

Unter diesem Motto lief dann auch die erste Auswechslung des HSV: Gojko Kacar kam für Skjelbred. War der Norweger verletzt? Er machte mir nicht den Eindruck. Warum nicht Petr Jiracek? Ich weiß es nicht, an Stelle des Tschechen würde ich mich fragen, was ich noch machen soll, um in eine solche schwache und verunsicherte Mannschaft doch noch einmal hinein zu kommen. Ganz bitter für Jiracek, wirklich ganz bitter. Und Kacar hatte einen „großartigen“ Einstand. Obwohl er keine Schuld am 0:1 trug. Freiburg kam über rechts, Kruse, der ehemalige Hamburger, zu Mujdza, der flach zur Mitte, und dort wirkten die HSV-Defensivkünstler in diesem Moment leider etwas unsortiert. Schmid stand ganz allein vor Adler und ließ dem Schlussmann aus sechs Metern keine Abwehrmöglichkeit (69.). Ganz, ganz bitter. Wieso konnte der Torschütze so frei stehen? Wieso?

Thorsten Fink brachte in dieser Minute Milan Badelj für Arslan, aber auch das bewirkte nicht den Umschwung. Die letzte Möglichkeit für den HSV vergab Rafael van der Vaart mit einem Schlenzer in der Nachspielzeit – Ende. Trostlos.

Quo vadis, HSV?

Die Einzelkritik:

Rene Adler war wenig beschäftigt, hielt das, was er halten konnte, am 0:1 völlig schuldlos.

Dennis Diekmeier engagiert, das ist ihm nicht abzusprechen, aber er müsste im Vorwärtsgang dynamischer und mutiger werden, er bricht zu oft noch ab – und spielt dann nur zurück.

Michael Mancienne verrichtete seine Defnensivarbeit solide, was aufregte, das waren seine vielen, vielen Rückpässe. Aber das war vielleicht auch mangelnde Spielpraxis.

Heiko Westermann ist immer einer, der will, der beißt – auch wenn das nicht jeder HSV-Anhänger sieht (oder anerkennt). Natürlich gab es wieder einige Fehlpässe, aber der Mann haut sich rein und will nur das Beste für seine Mannschaft. Note drei für den Kapitän.

Marcell Jansen spielte gut, begann sehr gut, ließ dann etwas nach, ohne abzufallen. Das war okay.

Tolgay Arslan leistete sich zu beginn einige „dicker Dinger“, fand dann in die Partie, ohne allerdings dominant zu sein (oder zu werden). Ihm war die Verunsicherung der vergangenen Wochen anzumerken. Spielet nur bis zur 69. Minute.

Per Ciljan Skjelbred wirkte auf mich unternehmungslustig, wollte viel, nicht alles gelang – aber er war für mich einer derjenigen, die etwas versuchen wollten. Durfte das nur bis zur 67. Minute.

Dennis Aogo war wieder überall zu finden, hatte aber nicht immer Glück mit seinem Abspiel und seinen Aktionen. Er kann es deutlich besser.

Rafael van der Vaart wollte, aber er konnte über 90 Minuten gesehen nicht immer (wie er wollte). Dennoch würde ich ihm eine Leistungssteigerung attestieren – Note drei.

Heung Min Son hätte den HSV nach vorne schießen können, fast sogar müssen, aber diesmal kam wieder der Jugendspieler in ihm zum Vorschein.

Artjoms Rudnevs war bemüht, fand aber nicht statt. Oder nicht so oft.

Gojko Kacar (ab 67. Min. für Skjelbred) durfte mal wieder ran, bewirken konnte er nichts mehr.

Milan Badelj (ab 69. Min. für Arslan) konnte keinerlei Impulse mehr geben, er scheint ein wenig (mehr9 von der Rolle zu sein.

Slobodan Rajkovic (ab 88. Min. für Aogo) sollte vorne etwas reißen, so wie der St.-Pauli-Keeper Tschauner kürzlich – wurde nichts

So, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache: Gleich wollen wir, trotz der Niederlage, wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, unsere Gäste sind heute Ernst-Otto Rieckhoff (ehemaliger Aufsichtsrats-Chef) und Carsten Kober, „Master of Grätsche“ und früherer HSV-Bundesliga-Profi.

20.30 Uhr

Arslan – ein klarer Kopf mit großem Potenzial

15. November 2012

Was bitte erlauben Ibrahimovic? Wie durchgeknallt muss man sein, um aus 30 Metern einen Fallrückzieher aufs Tor zu knallen? Antwort: Eben so, wie es Ibrahimovic ist. Und auch wenn ich den Schweden ob seiner stumpfen Art nicht wirklich zum Geburtstag einladen würde, ich möchte ihm dafür gratulieren und ihm den Schuss Genialität zuschreiben, der ihm von seinen Fans ja seit Jahren bereits attestiert wird. Das war einfach unfassbar! Das müsste eigentlich das Tor des Jahres werden! Die Einschränkung “müsste” auch nur, weil die Bewerbungsfrist der Fifa – völlig sinnfrei schon im November! – unmittelbar zuvor gestern Mittag bereits abgelaufen war. Insofern bleibt ihm nur noch das Tor des Jahrhunderts. Und ob wir das noch miterleben?

Ich hoffe es. Für uns alle. Vor allem aber hoffe ich (irgendwie auch für uns alle), dass ich meine Dauerwette mit einem meiner besten Freunde gewinnen und bis zum Renteneintritt noch einen HSV-Meistertitel feiern kann. Dass das dieses Jahr nichts wird ist klar. Dieses Jahr geht es noch darum, dass sich die Mannschaft nach einem miserablen Jahr und einem missglückten Start stabilisiert. Es geht darum, die jungen Talente ein- und aufzubauen, sie zu Stammspielern zu formen und aus ihnen Leistungsträger für die Zukunft zu machen. Eben so, wie es bei Heung Min Son sowie bei Tolgay Arslan in Ansätzen schon der Fall ist. Du während wir über Erstgenannten die letzten Tage häufiger und meines Erachtens erschöpfend diskutiert haben, wollte ich die Ruhe beim HSV nutzen, um mich mal einem meiner Lieblingsspieler zu widmen: Tolgay Arslan.


Und das aus gutem Grund. Immerhin hat der Spieler der Stunde beim HSV am Mittwoch seine Premiere im Dress der U21-Nationalelf gefeiert. Eine Premiere, die rundum gelungen war – zumindest, was seine Leistung anbetrifft. „Tolgay war für mich der beste Mann auf dem Platz“, lobte Trainer Fink seinen Emporkömmling und fügte scherzend hinzu: „Erst als er ausgewechselt wurde, konnten die Türken das Spiel drehen.“ Und obwohl Fink dabei lachte, empfand ich das ähnlich. Zumindest war mir schleierhaft, weshalb Adrion seinen Debütanten vom Platz nahm. „Alles gut“, so Arslan auf meine erstaunte Nachfrage, ob vielleicht Ermüdung oder gar eine Verletzung dazu geführt hätten. Egal, viel wichtiger ist, dass Arslan fit ist. Ebenso wie die anderen Nationalspieler – bis auf Sala. Der Italiener zog sich eine Wadenverletzung zu und wird am Sonnabend gegen Mainz nicht im Kader stehen.

Arslan hingegen wirkt hochmotiviert. Der Mann, der uns während der EM im Rahmen seines Matz-ab-Live-Auftrittes noch sagte, dass er sich selbst viel Zeit geben wolle, bis er seine Ziele erreicht. „Ich bin keiner von denen, die ankommen und durchstarten. Ich bin kein Überflieger, sondern einer, der jeden einzelnen Entwicklungsschritt mitnimmt. Vielleicht habe ich dafür eine gewachsenere Basis als das eine oder andere Supertalent.“

Wie Recht er behalten sollte. Nach Anfangsproblemen (vor allem verletzungsbedingt) spielte sich der ballsichere Youngster auf der Doppelsechs fest. Inzwischen ist er neben Milan Badelj nicht mehr wegzudenken. Selbst Nationalspieler wie Petr Jiracek mussten für ihn ihre Position räumen. Ob ihm seine inzwischen doch sehr rasante Entwicklung etwas zu schnell geht? „Nein. Ich genieße das und lerne. Ich nehme die positiven Dinge mit.“

Und zwar für die Deutsche Nationalmannschaft – trotz deutschen und türkischen Passes. „Mein Vater war für die deutsche Nationalelf, meine Mutter für die Türkei“, erklärt Arslan seine Entscheidungsfindung, „und da habe ich es mir leicht gemacht. Ich habe gesagt, wer mich zuerst einlädt, für den entscheide ich mich.“ Hundertprozentig sicher sollten sich die DFB-Verantwortlichen dennoch noch nicht sein. Denn laut Fifa-Reglement dürfte Arslan jetzt für die deutsche U21 auflaufen und dennoch anschließend noch für die türkische A-Nationalelf. Was passieren würde, wenn die Türkei ihn fürs A-Team will? „Das weiß ich nicht“, so Arslan, „aber bis dahin ist ja auch noch Zeit.“

Stimmt. Bei aller Euphorie: A-Nationalelf ist dann doch noch nicht drin. Allerdings sollte es Arslans Ziel bleiben. „Zunächst einmal will ich mit der U21 zur EM 2013 nach Israel“, sagt Arslan, der gegen die Türkei am Mittwoch ein sehr emotionales Spiel hinter sich gebracht hat. „Beim Einlaufen die türkische Fahne zu sehen, dann beide Nationalhymnen zu hören – das war schon komisch. Ich kannte ja beide Hymnen.“ Auf dem Platz schlug das komische Gefühl dann auch nicht mehr um. Im Gegenteil. Immer wieder musste sich der HSV-Profi harten Attacken seiner Landsleute erwehren. Ob er bepöbelt wurde? „Darauf habe ich nicht so geachtet. Aber ich kann sagen, dass ich härter attackiert wurde. Aber zum Glück waren sie mir gegenüber genauso wie die Leute auf der Tribüne nur im Spiel aggressiv.“

Harte Attacken darf Arslan auch am Sonnabend erwarten, wenn der FSV Mainz kommt. „Die haben keine Angst“, sagt Dennis Diekmeier, „die hauen richtig rein. Das wird ein echter Fight“, so der Rechtsverteidiger über den nächsten HSV-Gegner, den Fink auf Augenhöhe mit dem HSV sieht. „Mainz spielt das eigene Spiel mutig nach vorn. Ich erwarte ein gutes Spiel mit einigen Torraumszenen, weil der FSV sich nicht hinten reinstellt, sondern mitspielt.“ Ob Fink personell Änderungen plant? „Nee“, so die kurze, klare Antwort. Einzig in der Innenverteidigung ist der Platz neben dem gesetzten Abwehrchef Heiko Westermann noch vakant. Mein geschätzter Kollege Kai-Uwe Hesse versuchte es dann mit einer Suggestivfrage. Allerdings ließ Fink sich nicht in die Karten schauen. „Bruma oder Mancienne spielt. Mit Michael haben wir zuletzt viele Punkte geholt. Jeffrey war bis zu seiner Verletzung gesetzt und hat zuletzt in Freiburg sehr gut gespielt. Ich werde mir das im Training genau anschauen und dann entscheiden.“

Klar ist indes, dass Dennis Aogo weiter Geduld haben muss. Der Linksverteidiger steht derzeit hinter Marcell Jansen an. Ebenso wie Marcus Berg hinter Artjoms Rudnevs, wobei bei dem Schweden zu sagen ist, dass er heute schon wieder mittrainierte. Ich habe es vermieden, ihn anzusprechen, weil ich glaube, dass er andere Sorgen hat. Allerdings wollte ich es bei aller sportlicher Kritik – ich setze voraus, dass das mit seiner Frau Josefine abgesprochen ist – nicht vergessen, ihn dafür zu loben. Es spricht auf jeden Fall für seinen Ehrgeiz.

Für den HSV gegen Mainz spricht zudem, dass Fink sieben Punkte aus den drei Spielen Freiburg, jetzt Sonnabend gegen Mainz und in Düsseldorf am 23. November geholt werden sollten. Um diese Rechnung noch aufgehen zu lassen, ist ein Sieg gegen den FSV unabdingbar. „Das stimmt“, sagt Fink, der mit einem Sieg auch einen „Heimfluch“ abhaken will. Sechs Punkte im eigenen Stadion stehen acht in der Fremde entgegen. „Wir haben zwei Spiele gewonnen und drei verloren – es gilt diese Bilanz zu verbessern, die Serie (von zwei Heimniederlagen in Folge, d. Red.) zu beenden.“

Das sind mal Sorgen. Ich jedenfalls kann noch keine Negativ“serie“ erkennen.

Egal wie, am Sonnabend muss gewonnen werden, um den Tabellensiebten FSV Mainz punktetechnisch einzuholen und den Anschluss ans obere Mittelfeld herzustellen. Die Chance jetzt ist so groß wie in dieser Saison bislang noch nie. Denn, wie sagte Arslan heute so schön? „Außer Bayern marschiert in der Tabelle ja keine weg…“

Stimmt. Und Punkte gegen den FSV sowie anschließend gegen den fulminant gestarteten und langsam schwächelnden Aufsteiger Düsseldorf könnten den HSV endlich mal wieder in den einstelligen Tabellenbereich hieven!

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Aber ich werde Euch davon (heute trainierten nur die Spieler ohne Länderspieleinsätze) berichten.

Scholle

P.S.: Wer noch eine Anleihe zeichnen will, sollte sich nicht zu lange Zeit damit lassen. Bereits am ersten Tag wurden 1,6 Millionen Euro (von insgesamt 5 Millionen Euro) der so genannten „Schmuckanleihen“ gezeichnet. Einige wenige davon auch von mir…

Aus zwei mach’ eins – kombinieren wir Son und Rudnevs!

12. November 2012

Es ist wie immer: Urlaub ist extrem kurzweilig. Die Tage haben plötzlich nur noch gefühlt fünf Stunden. Und während man quasi noch in den Urlaubsvorbereitungen zu stecken scheint, sitzt man auch schon wieder im Büro. Genau so erging es mir. Allerdings muss ich zu meinem großen Glück sagen, dass ich einen Job habe, auf den ich mich tagtäglich freue. Mal mehr und mal etwas weniger – aber zumindest heute am ersten Tag kann ich sagen, dass ich meine Akkus aufgeladen und wieder richtig Bock habe. Auf das Abendblatt – und auf diesen Blog! Insofern: los geht’s!

Leider mit einem trainingsfreien und somit eher ereignisarmen Tag. Heute haben mal alle HSV-Verantwortlichen frei. Erholen vom kampfbetonten Spiel in Freiburg, über das Ihr hier immer noch fleißig diskutiert. Vor allem der Platzverweis von Paul Scharner wird hier sehr kontrovers gesehen. Dabei schien die Sache für mich ebenso klar, wie sie Mannschaftskollegen, Trainer und Scharner selbst anschließend analysiert haben: so etwas darf ihm nicht passieren. Taktische Fouls sind sicherlich mal notwendig. Aber zwei davon bedeuten nun mal gelbrot. Und das hätte auch ein Scharner wissen müssen. „Ich hätte routinierter handeln. Ich bin von meinem Auftritt selbst enttäuscht.“

Soweit würde ich dann aber nur ob des Platzverweises gehen. Der Rest mutete gut an. Scharner ist ein bissiger, guter Zweikämpfer mit ausreichend fußballtechnischen Qualitäten. Das hat er im Training bewiesen und auch im Spiel andeuten können. Der eigenwillige, ehrgeizige Österreicher, der laut medizinischer Abteilung mehr trainiert als nach menschlichem Ermessen möglich, muss sich jetzt dennoch hinten anstellen. Leider für ihn. Denn mit Bruma, der seine Sache als Scharner-Ersatz ab der 36. Minute sehr gut machte, dürfte erst einmal vor ihm sein. Und wahrscheinlich auch der bis zu seiner Verletzung gesetzte Michael Mancienne. Scharner wird sich gedulden müssen.

Aber warum nur meckern? Immerhin wissen wir so, dass wir zu unserer aktuellen Innenverteidigung noch mal Qualität in der Hinterhand haben. Denn somit dürften wir zumindest eines von zwei existenziellen Problemen langsam aber sicher im Griff haben: die Defensive.

Dagegen scheint es offensiv für uns alle zum Geduldsspiel zu werden. Denn hier fehlt mit Abstand am meisten. Zwar wusste Maxi Beister am Sonnabend in Freiburg mit Chancen und (leider nicht erfolgreichen) Abschlüssen aufzufallen, allerdings musste wieder konsterniert werden, dass im Angriffszentrum Qualität fehlt. Artjoms Rudnevs war sicher wieder fleißig. Allerdings offenbarte der Lette seine fußballerischen Mängel einmal mehr. Bei dem Letten wird es immer gleich sein: Entweder er trifft und qualifiziert sich durch Tore, oder er bekommt maximal Fleißpunkte mit gehörigen Abzügen für sein Spielverständnis und -vermögen. Nach außen beteuern Spieler wie Trainer weiterhin, dass sie an den bei allen Beteiligten sehr beliebten Letten glauben. Allerdings wird schon seit Monaten Ausschau nach einem weitern Angreifer gehalten, während der chancenlose Schwede Marcus Berg weiterhin verkauft werden soll.

Weshalb hier allerdings ausgerechnet jetzt, nach einem den Umständen entsprechend guten 0:0 in Freiburg eine Trainerdiskussion aufkommt, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Der ehemalige Bayern-Profi hat den HSV dahin geführt, wo er qualitativ hingehört. Dass bei optimalem Verlauf mehr drin wäre ist keine Frage. Aber Platz zehn ist keinesfalls als Enttäuschung zu werten nach dem misslungenen Saisonstart. Ganz im Gegenteil. Zudem: Fast noch wichtiger als die Frage nach dem „Ob man den Trainer diskutieren sollte“ ist, dass der HSV den Trainer nicht diskutieren kann und will. Momentan stehen für etwaige Trennungen absolut keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Das war schon bei den ersten Überlegungen in Richtung Arnesen vor einigen Wochen klargemacht worden: Im Moment wird niemand abgefunden.

Auf der anderen Seite werden im Moment auch keine Verträge verlängert. Weder bei Spielern noch bei den Angestellten. Der HSV sortiert sich und versucht, einen Gesamtüberblick zu haben. Dass dabei im Winter offen und hoffentlich auch schonungslos ehrlich über die Fehler in der Hinrunde gesprochen wird – ganz klar! Das muss sein, wenn sich der HSV irgendwann wieder in Richtung internationale Plätze entwickeln will.


Lasst es am Urlaub liegen, dass ich noch etwas positiver bin als viele hier, aber im Freiburg-Spiel hat sich für mich noch etwas sehr Positives hervorgetan: Der Auftritt von Rafael van der Vaart. Denn wenn ein Spieler in den HSV-Reihen den Respekt der Mitspieler hat, dann er. Der Niederländer ist für viele vorbildlich. Zumindest behaupten das Spieler wie Maxi Beister, Milan Badelj, Dennis Diekmeier und vor allem auch Heung Min Son. Denn der Südkoreaner ist für mich im Moment derjenige, von dem ich am meisten Steigerung erwarte. Gegenüber seinem Freiburg-Auftritt wird das nicht schwer. Auch nicht gegenüber seiner Partie gegen Bayern München. Immer wieder steht Son in der Startelf. Immer wieder darf er auf dem Platz bleiben, auch wenn es mal nicht so läuft. Allerdings muss sich der zuletzt ob seiner Tore (vielleicht schon überzogen?) gefeierte Offensivspieler endlich für das ihm vom Trainer entgegengebrachte Vertrauen sportlich bedanken. Denn es gibt allemal absolut keinen Grund, weshalb der zweifellos talentierte Rechtsfuß nicht wenigstens kämpfen kann…

So, wie es ihm unter anderen auch ein Tolgay Arslan vormacht. Der Junge, der mit Abstand den größten Sprung gemacht hat, seit Saisonbeginn. Arslan ist ballsicher. Er ist eben ein sehr guter Techniker. Aber für die Mannschaft sucht der völlig verdient zum U21-Nationalspieler berufene Rechtsfuß die Zweikämpfe im Mittelfeld. Arslan zieht sich nicht raus und noch weniger zurück. Und er gewinnt seine Zweikämpfe immer häufiger. Etwas, was bei Son einfach nicht zu erkennen ist. Son fällt durch Tore auf. Son ist schnell und schussstark. Aber Zweikämpfe führt er noch immer so, als habe er Angst. Auch deshalb sticht dem Zuschauer Arslan massiv ins Auge, während Son kämpferisch eher durch- als auffällt. Dass es am Läuferischen nicht liegen kann, beweist die Statistik (www.bundesliga.de), die besagt, dass Son mit 11,09 Kilometern gerade einmal 270 Meter weniger gelaufen ist als Arslan.

Oder man kombiniert beide Mängel – also Sons Defensivschwäche und Rudnevs fußballerische Schwäche und stellt Son einfach wieder in die Spitze. Denn, und auch das besagt die Statistik, Son absolviert mehr Sprints und intensive Läufe als Rudnevs, dem man genau das (neben Torerfolgen natürlich) als letzten Rechtfertigungsgrund für seine Aufstellung nachsagt…

Dennoch, ich sehe noch lange nicht so schwarz wie einige andere hier. Im Gegenteil: Ich glaube, die Verantwortlichen wissen um die Probleme und arbeiten im Hintergrund fieberhaft (an neuen Stürmern) daran. Und nur damit mich keiner falsch versteht, auch ich finde, dass die eine oder andere Personalie diskutabel ist. So, wie es hier bei uns passiert.

Bis morgen! Da geht’s wieder in die Vollen mit zwei Trainingseinheiten an der Imtech-Arena. Eine um zehn und die zweite um 15 Uhr. Ich freue mich darauf!

Bis morgen,
Scholle

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