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Gojko Kacar rettet den HSV erneut – 1:1!

8. Mai 2015

Das war knapp! In der letzten Minute schaffte der HSV doch noch den Ausgleich gegen den SC Freiburg. Das 1:1 hilft zwar nicht so gut wie die beiden letzten Siege zuletzt, aber immerhin wurde der Abstand zu den Breisgauern gewahrt. Deswegen war der Hamburger Jubel nach dem Schlusspfiff auch riesig, gigantisch, sensationell. Es bleibt aber festzuhalten, dass dieser HSV über eine Stunde lang wieder in alte Schwächen zurückgefallen war und nur ein sehr, sehr dürftiges Spiel abgeliefert hat. Das war weder Fleisch noch Fisch, das war kein Abstiegskampf noch war irgendwie etwas von spielerischer Linie zu sehen – von spielerischer Klasse mal ganz abgesehen. Das war Dusel, das war viel Glück – und das war wieder einmal Gojko Kacar, der in der 90. Minuten das 1:1 köpfte. Der Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, aber diesmal half auch das Glück – wieder einmal. Hoffentlich geht es gut – am nächsten Sonnabend geht es zum nächsten Abstiegsendspiel nach Stuttgart. Und an diesem Wochenende kann der HSV nun in Ruhe abwarten, was die Konkurrenz macht. Noch ist nichts entschieden, es wird noch eine ganz, ganz heiße Schlussphase dieser Spielzeit geben. Der Fußball-Gott möge dem HSV erneut so beistehen, wie im Sommer 2014!
Nur der HSV!


 

Man, man, man! Fußball-Hamburg auf Wolke sieben. Vorher. 3:1, 4:1, 3:0 – so kann es gehen. Nach zwei Siegen am Stück sind die Hanseaten nicht mehr zu bremsen, sie flippen regelrecht aus. Nur der HSV! Klar. Wer soll hier denn sonst siegen? Mehr Optimismus geht gar nicht. Vergessen ist der Rest der Saison, als hier Zweitliga-Fußball geboten wurde. Jetzt ist alles neu – der Trainer wird es schon richten. Immer wieder habe ich heute gehört, dass man Bruno Labbadia vor etwas weniger als sechs Jahren niemals hätte vor die Tür setzen dürfen. Ja, aber ein Trainer, auch wenn er noch so heiß ist, kann nur ohnmächtig am Rande stehen, wenn seine elf Spieler wieder einen Rückfall in alte Zeiten erleben. Oder hinlegen. Dramatisch. Freiburg spielte in Hamburg Fußball mit dem HSV. Auf meinem Notizblock habe ich nach 20 Minuten geschrieben: „Schon jetzt würde sich Bruno Labbadia wohl schon den Halbzeitpfiff ganz dringend herbeisehnen, damit er seine Truppe aufwecken kann.“ Und zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0 . . .

 

Allmählich werde ich neurotisch, gebe ich ehrlich zu. Wenn ich solche Trainer am Rande ausrasten sehe. An diesem Mittwoch Pep Guardiola in Barcelona, jetzt der Herr Streich in Hamburg. Unfassbar. Ob diesem Coach schon jemals 90 Minuten von ihm am Stück vorgeführt worden sind? Und ob er dann nicht sofort den Job hinschmeißen würde. Was Streich da am Rande fabriziert, wie er gestikuliert, jedem Ball die genau richtige Richtung anzeigt, jedes Foul erkennt, jeden Einwurf richtig zuordnet – man, wie geht mir das auf den Zeiger! Wann pfeift der Herr eigentlich sein erstes Bundesliga-Spiel? Das ist doch längst überfällig! Bereits nach einer Minute und 20 Sekunden wurde Streich beim vierten Offiziellen vorstellig, weil der Trainer natürlich erkannt hatte, dass Lewis Holtby nur mit einer Schwalbe einen Freistoß für sich herausgeholt hat. Das ist unmenschlich. Wie halten die Schiedsrichter so etwas aus?

 

Natürlich hat es daran nicht gelegen, dass der HSV so chancenlos und teilweise hilflos Fußball gespielt hat. Das hatte mit Streich nun wirklich nichts zu tun. Natürlich nicht. Dabei wurde die Mannschaft von Beginn lautstark unterstützt und von den Fans getragen. Mehr Stimmung geht nicht. Aber die HSV-Spieler ließen sich davon nicht anstecken. Leider, leider. Woran das lag? Vielleicht schon zu gut, die ganze Stimmung, die Euphorie in der Stadt?

 

Freiburg begann stark. Und blieb auch stark. Bereits nach acht Minuten hätte es 0:1 stehen können, doch Rafael van der Vaart grätschte am Elfmeterpunkt noch gerade so eben in den Schuss, sodass er damit einen Freiburger Treffer verhinderte. Großartig. In der 14. Minute der erste HSV-Schuss: Pierre-Michel Lasogga von der Strafraumgrenze, doch Bürki im SCF-Tor hält. Drei Minuten später der erste HSV-Eckstoß, getreten von rechts von van der Vaart. Abgewehrt, Konter. Darida gegen die HSV-Absicherung Matthias Ostrzolek und Lewis Holtby. Innerhalb von Sekunden aber waren noch vier weitere Hamburger zurückgeeilt und beendeten den Vorstoß. Dafür gab es viel Applaus von den Zuschauern, die es honorierten, wie gut in diesem Fall verteidigt wurde.

 

In der 18. Minute höchste Alarmstufe im HSV-Strafraum. Van der Vaart, Slobodan Rajkovic verhinderten mit letztem Einsatz ein Gegentor, doch dann stand Freiburgs Klaus plötzlich drei Meter frei vor Adler – und der HSV-Keeper hielt mit einer Weltklasse-Parade a la Neuer sein Tor sauber. Die Chance der Freiburger eingeleitet hatte an der Mittellinie Ivica Olic, der einen Ball leichtfertig herschenkte. Das macht mich fassungslos, wieso das so einfach geht!
Spätestens jetzt hätte ein Umdenken in der HSV-Truppe erfolgen müssen, die Mannschaft sich zusammenreißen müssen, aber es wurde weiter nach Schema F gespielt. Amateurhaft. Null Aufbau. Hin und her und quer und zurück – dann ein langes Ding. So einfallslos. Oder soll man besser sagen: so hilflos, so ideenlos. Das ist zu wenig, wenn man im Abstiegskampf bestehen will. Viel, viel zu wenig.

 

Dennoch hätte es in der 24. Minute im Freiburger Tor klingeln können, denn Zoltan Stieber zog aus 15 Metern ab, der Ball wurde abgefälscht – und dennoch parierte Bürki die Kugel mit dem Fuß. Das Tor fiel dann Sekunden später auf der Gegenseite. Abstoß Bürki, kurz hinter der Mittellinie verlor Raijkovic das Kopfballduell gegen den ehemaligen HSV-Spieler (U23) Guede, Mehmedi lief Johan Djourou leichtfüßig davon – und schoss den Ball hart, aber nicht platziert auf das Tor. Der Schuss aus elf Metern (halbrechte Position) flog aber ins Tor, weil Rene Adler seine Arme nicht schnell genug hoch bekam. Haltbar? Ich vermag das nicht zu sagen, das sollen mir Torhüter erklären – aber ich würde eher haltbar sagen. Auf jeden Fall nicht unhaltbar. Und auf jeden Fall 1:0 für Freiburg, und das nicht unverdient.

 

Plötzlich und unerwartet war die alte Verunsicherung beim HSV wieder da. Sie war schon weg, in den Gedanken vieler jedenfalls, aber so schnell geht das im Fußball. Wenn die ersten Aktionen nicht klappen, dann geht es oftmals in die Hose. Da es spielerisch schon nicht klappen wollte, hätte die Mannschaft aber wenigstens hundertprozentig kämpfen sollen – aber das war auch kein Abstiegskampf. Höchstens Abstiegskämpfchen. Wenn überhaupt.

 

In der 40. Minute geht Stieber im Strafraum der Freiburger zu Boden, Klaus (der Sohn des ehemaligen HSV-Stürmers Fred Klaus) hatte ihn attackiert, aber der gute Schiedsrichter Knut Kircher ließ weiterspielen – und das war wohl auch richtig so. Für Trainer Streich ohnehin . . . Sekunden vor dem Pausenpfiff hatte Lasogga dann noch „einen“ auf dem Fuß, doch sein Drehschuss aus 16 Metern flog relativ weit am langen Pfosten vorbei ins Aus. Pfiffe zur Pause.

 

Beide Mannschaften kamen unverändert aus den Kabinen. Beim HSV überraschte das, aber wer hilft dem HSV in einer solchen Truppe, in der kaum etwas zusammenläuft? Da ist kein „Überflieger“ mehr auf der Bank. Bruno Labbadia hatte umgestellt, nahm Holtby ins Mittelfeld zurück, beorderte Olic neben Lasogga nach vorne. Ein Versuch. Es war ein Anfang für eine bessere Struktur in der Hamburger Offensive. Und immerhin gab es dann doch einen Wechsel: In der 58. Minute ging der schwache Holtby, für den Marcell Jansen kam. Der HSV spielte auf den Norden zu, der mächtig Stimmung machte – aber außer einigen kleineren Chancen war da nichts Zwingendes dabei. Es sah mitunter gefällig aus, mehr aber auch nicht.

 

Das Spiel wurde erst offener, dann wurde der HSV allmählich überlegen – bei Freiburg ließ die Kraft nach. Bruno Labbadia setzte in der Schlussphase voll auf Offensive – wa sblieb ihm auch anderes übrig? Und er setzte auf die richtige Karte. Der Ausgleich fiel doch noch. Zum Glück. Zum Glück! Eckstoß von links von van der Vaart, in der Mitte stiegen drei Hamburger hoch, Olic köpfte die Kugel (wohl?) auf das Tor, doch Bürki war zunächst mit einer Faust zur Stelle. Gojko Kacar aber gab nicht auf, er stieg in die Luft und köpfte den Ball noch an Bürki vorbei ins Netz. Der Rest war Jubel.

 

Bis auf die 95. Minute. Freistoß für Freiburg am HSV-Strafraum, abgewehrt. Es hätte ein Konter gefahren werden können, doch von der Freiburger Bank wurde kurzerhand ein zweiter Ball auf das Feld geschossen. Sehr sportlich. Aber Knut Kircher pfiff die Partie ab. Während sich am Rande beide Lager der Ersatzspieler zofften.
Ob der Herr Streich wohl wütend gegen den Mann vorgegangen ist, der den Ball auf dem Platz schoss? Müsste er doch – als Ehrenmann und als Sportsmann. Hat er bestimmt auch, er wird diesen Mann zur Rechenschaft ziehen, ganz sicher. Ganz, ganz sicher!

 

Niemals Zweite Liga. Vor allem im Norden wurde gefeiert. Weil der HSV doch noch so gerade dem Tod von der Schippe gesprungen war. Toll, diese Fans!

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann, Rajkovic, Djourou, Ostrzolek (79. Min. Rudnevs); Kacar, van der Vaart; Stieber (86. Min. Beister), Olic; Holtby (58. Min. Jansen); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler sah beim 0:1 nicht ganz so glücklich aus, ansonsten aber zeigte er sich von seiner besten Seite und hielt mehrfach glänzend. Seine Fußarbeit (Abstöße) könnten aber besser werden.

 

Heiko Westermann ackerte hinten rechts – und zeigte eine gute Partie.

 
Slobodan Rajkovic war lange nicht so souverän, wie zuletzt.

 

Johan Djourou zeigte diesmal eine schwächere Partie, er wirkte unsicher, verlor sogar etliche Kopfballduelle – das war allerhöchstens Note fünf! Die Rettungsaktion in der 79. Minute bewahrte ihn vor einer glatten Sechs – da verhinderte der Schweizer das 2:0 gegen Petersen.

 

Matthias Ostrzolek stand zu oft zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, sodass der immer den Ball annehmen konnte. Ganz Hamburg wartet immer noch darauf, dass bei ihm mal der Knoten platzt. Ob der aber noch platzt? Ich habe meine Zweifel – so ganz allmählich.

 

Gojko Kacar fand langsam ins Spiel, aber dann war er fast in der Verfassung, in der er zuletzt so geglänzt hatte. Aber insgesamt nicht so wirkungsvoll wie in den Spielen zuvor. Er rettete den HSV erneut.

 

Rafael van der Vaart vergab viele Freistoßmöglichkeiten, weil die Bälle auf dem Weg in die Gefahrenzone „verhungerten“. Das war diesmal zu wenig, denn er hatte seine besten Szenen zu Beginn, als er gleich dreimal in höchster Not grätschend rettete.

 

Zoltan Stieber zeigte nur hin und wieder seine Gefährlichkeit, er tauchte zu oft zu lange ab. Da muss, nein, da müsste viel mehr kommen.

 

Ivica Olic fand in Halbzeit eins kaum einmal statt, dann auch nur sehr, sehr sporadisch. Von ihm aber kam der Kopfball in der 90. Minute, der dann noch zum späten Ausgleich führte – durch Kacar.

 


Lewis Holtby
war nie zu sehen, das war eher eine glatte Sechs.

 

Pierre-Michel Lasogga blieb ohne echte Torszene, deswegen auch hinter den hohen Erwartungen, die er zuletzt geweckt hatte, zurück. Trotz seines Kampfeseifers.

 

Marcell Jansen
(ab 58. Min. für Holtby) spielte mit, mehr auch nicht. Schade.

 

Artjoms Rudnevs (ab 79. Min. für Ostrzolek) hatte in der 81. Minute das 1:1 auf dem Fuß, als er nach Jansens Flanke aus vier Metern zum Schuss kam – aber neben das Tor zielte. Ansonsten hätte ich ihn gerne wegen seiner unorthodoxen Art etwas eher gesehen.

 

Maximilian Beister (ab 86. Min. für Steiber) sollte noch etwas versuchen, ganz sicher wollte er es auch – aber die Zeit war zu knapp. Immerhin, mit ihm fiel der Ausgleich.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Freiburg. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie gegen die „Streich(er)“-Truppe zu sprechen. Unsere Gäste sind heute zwei ehemalige HSV-Profis. Der eine war einst der Nachfolger von Uwe Seeler, es handelt sich um Klaus Fock (Stammverein TuS Finkenwerder). Der zweite Mann an unserer Seite ist Stefan Böger, den wir nach dem (und seinem) Auftaktsieg gegen Augsburg als Glücksbringer gebeten haben, wieder mit von der Partie zu sein. Wir vom Abendblatt-TV würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich „einschalten“ würdet.
Dieter
 

22.39 Uhr

 

“Siegen oder untergehen”

7. Mai 2015

Christian Streich, der am Spielfeldrand in aller Regelmäßigkeit ausflippt, versucht sich in Ruhe. Bei der heutigen Pressekonferenz war der Trainer des SC Freiburg darum bemüht, seiner Mannschaft die Bedenken zu nehmen, nachdem er auf die gute Verfassung des HSV angesprochen worden war. Der HSV hätte zweifellos eine gute Phase und zwei Spiele gewonnen, die man vom Spielverlauf her nicht gewinnen musste – aber eben gewonnen hat. Es sei aber nur ein Punkt Unterschied, so Streich beruhigend, ehe er wieder ganz der Alte wurde und martialisch ankündigte: „Insofern gibt es nur zwei Wege. Entweder wir zeigen es allen – oder wir gehen in Hamburg unter.“

Ich bin für Letztgenanntes.

Und der HSV auch. Beim heutigen Abschlusstraining legte Bruno Labbadia erneut großen Wert auf das positionelle Verschieben, schnelles Umschalten mit Abschlüssen und Standards. Und während die Mannschaft bei der Generalprobe für den ausverkauften Abstiegskrimi gegen Freiburg in den 1:1-Situationen in aller Regelmäßigkeit kläglich am jeweiligen Keeper scheiterte (Ausnahme Holtby gegen Brunst), wurden die Standards gefährlicher. Angesichts noch nicht eines einzigen Treffers per durch eine Standardsituation (es sei denn Kacars Treffer wird so gewertet…) wird das auch Zeit.

Nicht zum Kader gehören wird erneut Julian Green, der einen Teil des Abschlussspiels sogar allein mit dem Fitnesstrainer arbeiten musste. “Wandschießen“ stand auf dem Programm. Statt des Leihspielers vom FC Bayern, der schon jetzt das Prädikat „Missverständnis“ hat, rückte Maximilian Beister für den verletzten Nicolai Müller in den Kader. Beister spielte im Abschlussspiel durchgehend im B-Team. Ebenso wie Petr Jiracek, der im Falle eines Ausfalls von Rafael van der Vaart nachrücken würde – wonach es heute nicht unbedingt aussah. Der Kapitän schonte sich zwar in einigen Phasen, trainierte aber voll mit. Vor van der Vaart, der wenig überraschend neben Gojko Kacar auf der Doppelsechs agierte, wirkte Lewis Holtby – noch ein wenig übereifrig. Der Linksfuß mit der Pferdelunge lief viel – aber war selten zu sehen. Außer einmal beim 1:1 gegen Brunst. Stattdessen wirkte Zoltan Stieber (spielte rechts für Müller) frisch. Insgesamt, das kann man festhalten, sah es heute nicht so aus, als würde einer der Spieler verkrampfen.

Erneut nicht auf dem Platz und offenbar auf dem Weg zum leisen Abschied war Valon Behrami. Der umstrittene Schweizer mit den Knie- und Oberschenkelproblemen pausiert ebenso wie Ivo Ilicevic, der den HSV am Saisonende definitiv verlassen wird. Ein Schicksal, das Behrami auch nach der Saison mit Ilicevic teilen könnte, sofern sich ein Interessent für ihn findet. Aber warten wir es ab. Aktuell sind auch Spieler plötzlich wieder Hoffnungsträger, die man schon mehrfach verkaufen wollte. Vor allem spielt es aktuell eine untergeordnete Rolle…

Wichtig ist nur, was die Mannschaft morgen auf den Platz bringt. Und vor allem, was dabei herauskommt. Denn so übertrieben dramatisch Streichs Worte auch zunächst klingen mögen, sie entbehren nicht jeder Grundlage. Denn für die Breisgauer könnte eine Niederlage wohl schon vorentscheidend sein, angesichts des Restprogrammes, das unten wie folgt aussieht:

13. Hertha BSC 34 Punkte
(A) Borussia Dortmund
(H) Eintracht Frankfurt
(A) 1899 Hoffenheim

14. Hamburger SV 31 Punkte
(H) SC Freiburg
(A) VfB Stuttgart
(H) Schalke 04

15. SC Paderborn 31 Punkte
(H) VfL Wolfsburg
(A) Schalke 04
(H) VfB Stuttgart

16. SC Freiburg 30 Punkte
(A) Hamburger SV
(H) Bayern München
(A) Hannover 96

17. Hannover 96 30 Punkte
(H) Werder Bremen
(A) FC Augsburg
(H) SC Freiburg

18. VfB Stuttgart 27 Punkte
(H) FSV Mainz 05
(H) Hamburger SV
(A) SC Paderborn

Und obwohl der FC Bayern derzeit sein eigenes Delta durchläuft, dürfte ein Sieg eher unwahrscheinlich sein. Der Druck auf Freiburg ist entsprechend – und Streichs Worte tatsächlich so zu nehmen, wie er sie gesagt hat. Die Breisgauer werden morgen Abend in der Imtech-Arena um ihre letzte Chance spielen – und der HSV wird mit allem Verfügbaren gegenhalten müssen, wenn er das erste Mal seit Ewigkeiten (ich glaube 2008/2009) wieder einen dritten Sieg in Folge einfahren will. „Morgen werdet ihr keine Sekunde mehr Zeit haben – im Gegenteil“, mahnte Labbadia heute. Nicht zu Unrecht.

Adler – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – van der Vaart (Jiracek), Kacar – Stieber, Holtby, Olic – Lasogga. So sah die A-Elf heute aus. Und geht man nach den letzten Wochen – dann wird sie so nicht bleiben. Denn eigentlich jedes Mal änderte Labbadia die A-Elf noch einmal über Nacht und überraschte seine Spieler. Ob er es auch diesmal macht? Viele Möglichkeiten bleiben eigentlich nicht. Dass er in der Viererkette etwas ändert halte ich für ebenso ausgeschlossen wie auf der Torwart- und der Sechserposition. Einzig Holtby und noch etwas mehr Stieber bieten die Möglichkeit auf einen Wechsel – und darauf, Beister einen Kaltstart hinlegen zu lassen. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich glaube, dass Labbadia der Mannschaft aus Mainz (mit Stieber für Müller) eine erneute Chance geben wird.

„Es ist auch wirklich komplett Banane, wer da morgen aufläuft“, sagte mir Dennis Diekmeier gestern. Wobei es schon ganz gut ist, dass zumindest er nicht dabei ist. Immerhin hat er bislang noch nie gegen Freiburg gewinnen können… Aber im Ernst: Ich glaube, dass Diekmeier nicht mehr der Einzige ist, der so denkt. Auch ein Marcell Jansen, der sich sicherlich gern intensiver von den HSV-Fans verabschieden würde, stößt in das selbe Horn. „Die Mannschaft hat erkannt, worum es geht“, sagt Labbadia – und ich hoffe, er hat Recht. Ich hoffe, dass die Mannschaft auch nach zwei Siegen in Folge und der trügerischen Tabellenplatzierung den Blick dafür hat, dass es gegen Freiburg (sorry!) ein „Alles-oder-Nichts-Spiel“ wird. Und zwar nicht nur für die Gäste. Denn klar ist: So sehr ein Sieg dem HSV helfen würde, so verheerende könnte eine Niederlage sein. Ein echtes Finale eben….

Ich freue mich darauf. Ebenso wie auf die Matz-ab-Sendung im Anschluss für die wir extra einen Glücksbringer verpflichten konnten. In diesem Sinne, alle Mann an Bord!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Sollte van der Vaart doch noch ausfallen, dürfte Jiracek reinrücken – was übrigens gar nicht soooo schlecht wäre. Immerhin erzielte der Tscheche in seiner Bundesligakarriere erst einen einzigen Doppelpack – und zwar gegen den SC Freiburg. An einem Freitagabend… ;-))

Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben – nur 1:1

26. März 2014

Der HSV steht immer noch auf dem Relegationsplatz, weil er zwei Tore (!) besser ist als der VfB Stuttgart, aber kein Frage, es bleibt dramatisch, es wird wohl noch dramatischer. Vor 44 629 Zuschauern an diesem Mittwoch im Volkspark konnte der ebenfalls stark abstiegsgefährdete Abstiegskandidat SC Freiburg nicht besiegt werden, es stand nach 90 Minuten ein 1:1 zu Buche. Dieser 27. Spieltag stand wahrlich unter einem ganz schlechten Stern für den Bundesliga-Dino, der beim Abpfiff genau seit 50 Jahren, 214 Tagen, vier Stunden, 49 Minuten und 44 Sekunden in der Ersten Liga spielt, denn die Konkurrenz siegt sich stark und langsam nach oben. Für den HSV gilt weiterhin das Prinzip Hoffnung, am Sonntag, erst nachdem viele der Clubs von unten bereits vorgelegt haben, geht es in Mönchengladbach wieder um alles. Das nächste Abstiegs-Endspiel. Daumen drücken, jetzt hilft nur noch hoffen.

Vor dem Spiel wieder viel Rauch. Im Nord-Westen. Diesmal aber kein Pyro-Theater, sondern hunderte Wunderkerzen. Sah wunderschön aus, sorgte auch für Qualm, aber das ist wohl erlaubt – hoffe ich jedenfalls. Das war schon mal eine gute Einstimmung auf einen netten und aus Hamburger Sicht erfolgreichen Fußball-Abend. Und auch auf dem Rasen sprang der Funke sofort über. Der HSV brannte. Fast sogar ein kleines Feuerwerk ab. Dank Pierre-Michel Lasogga war Leben in der Bude, kam der HSV auch zu guten Chancen, aber die Präzision fehlte. Oder Freiburgs Torwart Baumann stand im Wege. Im Hinspiel hatte der SCF-Keeper dem HSV noch drei wundervolle Geschenke gemacht, darauf verzichtete er diesmal. In der zehnten Minute reagierte der Torwart prächtig und lenkte einen 22-Meter-Freistoß von Lasogga zur Ecke. Super geschossen, leider auch super gehalten.

HSV-Trainer Mirko Slomka hatte für dieses Abstiegs-Endspiel eine neue Taktik gewählt, es ging mit zwei Spitzen zur Sache: Jacques Zoua und Lasogga. Beide waren viel unterwegs und sorgten dafür, dass der HSV feldüberlegen spielte. Freiburg blieb in Halbzeit eins total blass, die Mannschaft aus dem Breisgau war noch etwas harmloser und schwächer, als vor eineinhalb Wochen der 1. FC Nürnberg. Aber wahrscheinlich lähmt der Abstiegskampf doch viel, viel mehr, als die meisten es denken, denn eigentlich sind die Freiburger, die zuletzt sieben Tore in zwei siegreichen Begegnungen erzielt hatten, bestimmt viel besser, als sie es an diesem Abend gezeigt haben. In Bestform aber – immerhin – präsentierte sich SCF-Trainer Streich, der wie ein Stehaufmännchen an der Seitenlinie auf und ab sprang und marschierte, dabei meistens wild mit den Armen rudernd. Ob das seine Mannschaft braucht? Ich habe meine Zweifel, vielmehr denke ich, dass er selbst es braucht. Sonst würde er wohl explodieren . . . Der Mann ist die personifizierte Nervosität.

In der 36. Minute schien das Führungstor des HSV unvermeidlich, die meisten Fans hatten schon den Torschrei auf den Lippen: Freistoß von halbrechts, den Rafael van der Vaart mustergültig zur Mitte gab, Lasogga kam aus fünf Metern zum Kopfball, zirkelte die Kugel aber um Zentimeter daneben. Pech. Lasogga, immer wieder Lasogga. Der Mann ist ja soooo wichtig für den HSV. Das zeigte er auch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Zoua legte den Ball großartig in den Lauf von Lasogga, der schoss aus zehn Metern auch wuchtig auf das Tor der Freiburger, doch Baumann stand goldrichtig. Halbzeit.

Und in dieser gab es durchaus einige bedröppelte Gesichter im HSV-Lager, denn die Zwischenstände von den anderen Stadien verhießen nichts Gutes: Frankfurt führte 1:0 gegen Mönchengladbach, und Nürnberg führte 1:0 gegen Stuttgart. Wahnsinn. Und irgendwie musste ich dabei an Tolgay Arslan denken, der in dieser Woche ja gesagt hatte: „Irgendwie haben wir mehr Pech als die anderen Vereine . . .“

Das schien sich im zweiten Durchgang zu bewahrheiten, denn plötzlich – wie aus dem Nichts – führte Freiburg. Nach einem Einwurf! Unfassbar. Die HSV-Defensive total unsortiert, sodass Klaus völlig frei aus sieben Metern zunächst an den Pfosten schießen durfte, und im Nachschuss war dann Darida zur Stelle, der den Ball mit links flach ins Netz hämmerte. Ein Wort zu Klaus. Ja, Felix Klaus, der Sohn des früheren HSV-Profis Fred Klaus stürmt für Freiburg.

Zum Glück für den HSV aber hielt die 1:0-Führung der Breisgauer nicht zu lange. Genau genommen nur fünf Minuten. Zoua, der Sekunden zuvor nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß noch aus fünf Metern daneben geköpft hatte, legte den Ball am SCF-Strafraum gut auf van der Vaart ab, der Niederländer schoss auch aus 20 Metern – abgeblockt. Und diesmal hatte die Dame Fortuna dann doch ein Einsehen: Die Kugel prallte Pierre-Michel Lasogga vor die Füße, und der zog mit links ab und hatte dabei auch das Glück, dass dieser Schuss abgefälscht war – Tor! Welch ein ohrenbetäubender Jubel, welch eine Erlösung! Und der Beginn einer langen Schluss-Offensive des HSV, angefeuert und nach vorn getrieben von einem hervorragenden Publikum, federführend dabei – natürlich – die Fans aus dem Norden und Nord-Westen. Hervorragend! Erstligareif! So muss es ja auch sein, diese Mannschaft benötigt genau diese Unterstützung – Ihr seid der 12. Mann des HSV! Dringender benötigt denn je.

Trotz des unaufhörlichen Anrennens, es blieb beim 1:1. Zum Schluss schien dem HSV auch ein wenig die Kraft zu fehlen. Dieses Unentschieden ist zu wenig zum Leben, aber auch noch zu wenig zum Sterben – sprich Abstieg. Es bleibt verdammt eng. Und es wird auch immer enger, darüber müssen sich alle, wirklich alle im Klaren sein.

Die Einzelkritik kommt heute von „Scholle“:

Adler: Er wurde im Spiel nicht ein einziges Mal wirklich gefordert – und trotzdem stand’s plötzlich 0:1. Und das, ohne, dass er irgendwas machen konnte. Bitter für ihn. Dafür parierte er in der 83. einen gefährlichen Schmid-Schuss – Note 3.

Diekmeier: Gegen Nürnberg war das sicherlich deutlich effektiver. Aber der Trend beim Rechtsverteidiger ist nicht verkehrt. Immer wieder im Volltempo über die Außen kommen, flanken – alles ausbaufähig.

Mancienne: Er ist der perfekte Vorstopper. Er versucht immer vor dem Gegner am Ball zu sein und schafft das in aller Regel auch. Inzwischen wird der Engländer auch nach vorn mutiger. Auch wenn er das Kopfballduell vor dem 0:1 verlor war das ansonsten gut. Nein, das war sogar richtig gut!

Djourou: Er verlor kaum einen Zweikampf. Allein wenn er zum Aufbauspiel gezwungen wird, leidet seine Leistung. Und den einen oder anderen Bock (85.) muss man immer einkalkulieren. Insgesamt erfüllte er seinen Job dennoch gut.

Westermann: Er macht das, was er kann gut. Und er versucht, seine Position auch offensiv auszubauen. Mitunter sieht das tatsächlich seltsam unbeholfen aus – aber zwischendurch funktioniert’s sogar.

Badelj: Egal, ob er wieder einen Bock dabei hat oder nicht – ohne ihn würde das HSV-Mittelfeld überhaupt nicht funktionieren. Er ist der Mann, der sich nie versteckt. Auch wenn ihm noch immer die Idee nach vorn fehlt, heute war er der wertvollste Mann des HSV auf dem Platz. Dass er sich selbst wegen eines dummen Fehlpasses zum taktischen Foul und somit zur fünften Gelben (dadurch fehlt er Sonntag in Gladbach) zwang – umso bitterer.

Arslan: Wie immer bemüht – am Ball, in den Zweikämpfen und den Nickligkeiten. Er wehrt sich, obgleich von ihm offensiv noch deutlich mehr kommen muss.

Jiracek (bis 62.): Er ackert immer .- aber er läuft auch völlig wild durch die Gegend. Sich auf einer Seite mit ihm zu arrangieren ist schwer. Und dann noch eines, was mich schwer nervt: Er muss endlich diese unfassbar plumpen Foulspiele unterlassen.

Tesche (ab 62.): Kam gut rein und hatte ein paar gute Szenen defensiv wie offensiv. Okay.

Van der Vaart: Er bewegt sich viel – aber zu oft im gleichbleibenden Tempo und mit zu viel Alibi-Zweikämpfen. Defensiv arbeitete er null (soll er wohl auch nicht), offensiv war er bei Standard am gefährlichsten, ansonsten weitgehend unbeteiligt. Seine Rückkehr zum Führungsspieler war das heute noch nicht. Aber vielleicht hat er sich das für Gladbach aufbewahrt. Zumal, da war doch mal was…

Zoua: Er brauchte 20 Minuten bis zum ersten echten Ballkontakt, aber danach kam er langsam ins Spiel. Bei ihm weiß man, was man nie bekommen wird – aber er macht das, was er kann: Bälle verlängern, festmachen und ablegen. Und dafür hat dieser Kader keinen besseren parat.

Lasogga: Wie er gefehlt hat!! Mit ihm wurde es endlich wieder gefährlich. Sogar NUR mit ihm. Folgerichtig traf er zum 12. Mal und wahrte die kleine Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt. Er ist offensiv existenziell für diesen HSV.

Und dann zum Schluss noch ein Hinweis: Es gibt heute kein „Matz ab live“, da diese Sendung dann doch zu spät gekommen wäre. Am Sonntag, nach dem Spiel in Mönchengladbach, sind wir dann wieder voll dabei. Versprochen.

22.02 Uhr

0:1 gegen Freiburg – es geht weiter bergab!

6. April 2013

Das war es wohl mit einem internationalen Starplatz für den HSV – und wer weiß, wofür das gut ist. Vor 53 021 Zuschauern gab es gegen den SC Freiburg eine weitere Heimniederlage, wie schon gegen den FC Augsburg hieß es nach 90 Minuten 0:1. Es ist, da führt kein Weg dran vorbei, im Moment kein Staat mit dem HSV zu machen, die Spieler strotzen eben nicht vor Selbstvertrauen – es läuft nicht mehr viel zusammen. Zum Glück, das darf man vielleicht mal erwähnen, hat dieser HSV schon 38 Punkte, sodass der Abstiegskampf kein Thema mehr wird, aber die 50. Bundesliga-Saison wird wohl nur im Mittelmaß enden. Und damit werden die Sorgen des Clubs und der verantwortlichen ganz gewiss nicht kleiner, eher dürfte das Gegenteil der Fall sein. Der HSV geht in dieser Verfassung noch einigen schweren Tagen entgegen, bevor es in die Sommerpause geht. Vielversprechend sieht das nicht mehr aus, nachdem es vor einigen Wochen noch ganz brauchbar ausgesehen hatte. Die Mannschaft wurde mit Pfiffen verabschiedet.
Quo vadis, HSV?

Gewollt haben sie. Es war ihnen jedenfalls anzumerken. Sie rannte, sie kämpften, sie gaben Gas. Aber ein 2:9 von der Vorwoche schüttelt man eben auch nicht so einfach aus seinen Klamotten. Das spielt mit, das macht sich bei jedem Fehlpass bemerkbar, bei jedem Ding, was in die Hose geht. War ein Fußballfeuerwerk vom HSV erwartet hatte, der war auf jeden Fall falsch gewickelt. Und trotz allem muss anerkannt werden, dass der Wille von Beginn an da war. Und das fast jeder Hamburger auch gewillt war, sich körperlich einzusetzen, einfach mal dagegen zu halten – und sich nicht so mir nichts dir nichts, wie in München, umpusten zu lassen.

Und mit dem SC Freiburg kam natürlich auch ein denkbar schlechter Partner zur Aufbauhilfe nach Hamburg, wie die „Streicher“ höchst unbequem zur Sache gehen, sich 90 Minuten lang die Lunge aus dem Hals rennen. Und nebenbei können die Freiburger auch noch gut Fußball spielen, sie würden sonst wohl kaum vor dem HSV platziert sein. Nichts kommt von nichts. Und in der siebten Minute hatten die Freiburger schon mal locker in Führung gehen können – fast sogar müssen. Erst köpfte Rosenthal an die Querlatte, Rene Adler war noch dran, dann schoss Ginter den Nachschuss an den Pfosten, bevor sich Adler der Kugel bemächtigen konnte. Eine heiße Szene, die glücklich für den HSV ausging.

Auch die nächste gefährliche Situation hatten die Freiburger auf dem Fuß: Tolgay Arslan, der auf der Sechs nur sehr mäßig ins Spiel fand (dann aber durchaus auch gute Szenen hatte), hüpfte wie ein Jugendspieler unter einem Ball durch (Timing!), Rosenthal ging mit dem Ball auf und davon, an Michael Mancienne vorbei – aber Adler nahm dem ehemaligen Hannoveraner gerade noch den Ball vom Fuß (16.). Noch einmal Glück. Aber ein Torwart gehört ja auch dazu – und darf so etwas ja machen . . .

Symptomatisch für die derzeitige HSV-Atmosphäre: In der 20. Minute spielte Heiko Westermann, der bis dahin alles richtig gemacht hatte, seinen ersten Fehlpass. Zugegeben, es war ein haarsträubender Fehlpass (auf Mancienne), aber dass dann sofort einige Pfiffe kommen – ich verstehe es nicht. Aber das gehört wohl heutzutage zum guten Ton (eines Fans!). Auf jeden Fall stärken solche Pfiffe nicht, sondern sie verunsichern. Was Westermann danach sehr wohl anzumerken war, denn der Kapitän spielte danach noch eine Reihe von Fehlpässen. Schade, schade. Aber die Beziehung zwischen Mannschaft und Anhang ist zurzeit eben sehr fragil.

Die größte Tormöglichkeit für den HSV in Halbzeit eins hatte Heung Min Son, der herrlich von Arslan freigespielt worden war. Der Südkoreaner lief ein paar Schritte mit dem Ball, zog dann mit links ab – aber das kann er besser. Krmas und Baumann, die beiden Freiburger, retteten im Verbund – und mit viel Glück. Da war weit mehr drin gewesen für den HSV, als der anschließende Eckstoß (20.).

Wenn etwas nach vorne ging, dann war Son daran beteiligt. So holte er sich zwei Minuten später einen schier aussichtslosen Ball, zog von rechts in die Mitte – und zog mit links ab, aber genau auf Torwart Baumann, der mühelos hielt. Sekunden später pfiffen die HSV-Fans mal gegen den Schiedsrichter, denn nach einem Freistoß von Rafael van der Vaart zog der Freiburger Krmas Heiko Westermann zu Boden. Der HSV-Abwehrspieler reklamierte Elfmeter für sich, und in der Zeitlupe, die uns auf der Tribüne zur Verfügung steht, sah es tatsächlich nach Strafstoß aus. Dr. Felix Brych aus München aber ermahnte Westermann, nicht zu reklamieren. Vielleicht denkt der Unparteiische ja etwas anderes, wenn er die Szene heute Nacht im Fernsehen sehen wird. Nur dann hätte, wenn der Schiedsrichter dann anders denken würde, der HSV nichts mehr davon.

Und wenn ich gerade mal beim 23. Mann bin: Dr. Brych pfiff, so etwas habe ich seit Jahr und Tag nicht mehr erlebt, zwei falsche Einwürfe in Folge ab. Erst war Dennis Diekmeier „falsch“, dann der Freiburger. Dabei kann man heute doch gar nicht mehr falsch werfen, es wird doch geworfen wie jeder es will . . . Nun gut, Dr. Brych wollte es nicht. Nicht so jedenfalls. Ob er das auch in der Champions League als „falsch“ pfeifen würde? Mit Sicherheit nicht.

Der HSV gestaltete den zweiten Teil der ersten Halbzeit – in meinen Augen – etwas überlegen. Ein klein wenig jedenfalls. Was mich überraschte: Westermann marschierte auch aus dem Spielverlauf immer wieder mit nach vorne. Das habe ich sonst nur bei Standards gesehen, aber es war diesmal eine durchaus gute und auch belebende Variante. Mehr davon. Obwohl es nichts gebracht hat. Nichts Zählbares. Und von der 40. Minute an gab es dann auch vereinzelte Pfiffe gegen den doch insgesamt harmlosen HSV. Beim Halbzeitpfiff steigerten sich diese Pfiffe noch zu einem kleinen Konzert. Wobei diese Pfiffe aus allen Richtungen kamen . . .

Auch der zweite Durchgang begann mit Chancen. Rosenthal stand vier Minuten nach dem Wiederanpfiff frei vor Rene Adler, traf aber aus sechs Metern nur das Außennetz. Glück für den HSV! Auf der Gegenseite nur drei Minuten später ein großartiger HSV-Angriff! Endlich einmal! Artjoms Rudnevs per Hacke rechts aus Per Ciljan Skjelbred, der Norweger super in den Lauf von Son – das musste das 1:0 sein. Der Südkoreaner aber drosch die Kugel aus sieben Metern knapp vorbei. Unfassbar, aber wahr.

Unter diesem Motto lief dann auch die erste Auswechslung des HSV: Gojko Kacar kam für Skjelbred. War der Norweger verletzt? Er machte mir nicht den Eindruck. Warum nicht Petr Jiracek? Ich weiß es nicht, an Stelle des Tschechen würde ich mich fragen, was ich noch machen soll, um in eine solche schwache und verunsicherte Mannschaft doch noch einmal hinein zu kommen. Ganz bitter für Jiracek, wirklich ganz bitter. Und Kacar hatte einen „großartigen“ Einstand. Obwohl er keine Schuld am 0:1 trug. Freiburg kam über rechts, Kruse, der ehemalige Hamburger, zu Mujdza, der flach zur Mitte, und dort wirkten die HSV-Defensivkünstler in diesem Moment leider etwas unsortiert. Schmid stand ganz allein vor Adler und ließ dem Schlussmann aus sechs Metern keine Abwehrmöglichkeit (69.). Ganz, ganz bitter. Wieso konnte der Torschütze so frei stehen? Wieso?

Thorsten Fink brachte in dieser Minute Milan Badelj für Arslan, aber auch das bewirkte nicht den Umschwung. Die letzte Möglichkeit für den HSV vergab Rafael van der Vaart mit einem Schlenzer in der Nachspielzeit – Ende. Trostlos.

Quo vadis, HSV?

Die Einzelkritik:

Rene Adler war wenig beschäftigt, hielt das, was er halten konnte, am 0:1 völlig schuldlos.

Dennis Diekmeier engagiert, das ist ihm nicht abzusprechen, aber er müsste im Vorwärtsgang dynamischer und mutiger werden, er bricht zu oft noch ab – und spielt dann nur zurück.

Michael Mancienne verrichtete seine Defnensivarbeit solide, was aufregte, das waren seine vielen, vielen Rückpässe. Aber das war vielleicht auch mangelnde Spielpraxis.

Heiko Westermann ist immer einer, der will, der beißt – auch wenn das nicht jeder HSV-Anhänger sieht (oder anerkennt). Natürlich gab es wieder einige Fehlpässe, aber der Mann haut sich rein und will nur das Beste für seine Mannschaft. Note drei für den Kapitän.

Marcell Jansen spielte gut, begann sehr gut, ließ dann etwas nach, ohne abzufallen. Das war okay.

Tolgay Arslan leistete sich zu beginn einige „dicker Dinger“, fand dann in die Partie, ohne allerdings dominant zu sein (oder zu werden). Ihm war die Verunsicherung der vergangenen Wochen anzumerken. Spielet nur bis zur 69. Minute.

Per Ciljan Skjelbred wirkte auf mich unternehmungslustig, wollte viel, nicht alles gelang – aber er war für mich einer derjenigen, die etwas versuchen wollten. Durfte das nur bis zur 67. Minute.

Dennis Aogo war wieder überall zu finden, hatte aber nicht immer Glück mit seinem Abspiel und seinen Aktionen. Er kann es deutlich besser.

Rafael van der Vaart wollte, aber er konnte über 90 Minuten gesehen nicht immer (wie er wollte). Dennoch würde ich ihm eine Leistungssteigerung attestieren – Note drei.

Heung Min Son hätte den HSV nach vorne schießen können, fast sogar müssen, aber diesmal kam wieder der Jugendspieler in ihm zum Vorschein.

Artjoms Rudnevs war bemüht, fand aber nicht statt. Oder nicht so oft.

Gojko Kacar (ab 67. Min. für Skjelbred) durfte mal wieder ran, bewirken konnte er nichts mehr.

Milan Badelj (ab 69. Min. für Arslan) konnte keinerlei Impulse mehr geben, er scheint ein wenig (mehr9 von der Rolle zu sein.

Slobodan Rajkovic (ab 88. Min. für Aogo) sollte vorne etwas reißen, so wie der St.-Pauli-Keeper Tschauner kürzlich – wurde nichts

So, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache: Gleich wollen wir, trotz der Niederlage, wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung sein, unsere Gäste sind heute Ernst-Otto Rieckhoff (ehemaliger Aufsichtsrats-Chef) und Carsten Kober, „Master of Grätsche“ und früherer HSV-Bundesliga-Profi.

20.30 Uhr

Arslan – ein klarer Kopf mit großem Potenzial

15. November 2012

Was bitte erlauben Ibrahimovic? Wie durchgeknallt muss man sein, um aus 30 Metern einen Fallrückzieher aufs Tor zu knallen? Antwort: Eben so, wie es Ibrahimovic ist. Und auch wenn ich den Schweden ob seiner stumpfen Art nicht wirklich zum Geburtstag einladen würde, ich möchte ihm dafür gratulieren und ihm den Schuss Genialität zuschreiben, der ihm von seinen Fans ja seit Jahren bereits attestiert wird. Das war einfach unfassbar! Das müsste eigentlich das Tor des Jahres werden! Die Einschränkung “müsste” auch nur, weil die Bewerbungsfrist der Fifa – völlig sinnfrei schon im November! – unmittelbar zuvor gestern Mittag bereits abgelaufen war. Insofern bleibt ihm nur noch das Tor des Jahrhunderts. Und ob wir das noch miterleben?

Ich hoffe es. Für uns alle. Vor allem aber hoffe ich (irgendwie auch für uns alle), dass ich meine Dauerwette mit einem meiner besten Freunde gewinnen und bis zum Renteneintritt noch einen HSV-Meistertitel feiern kann. Dass das dieses Jahr nichts wird ist klar. Dieses Jahr geht es noch darum, dass sich die Mannschaft nach einem miserablen Jahr und einem missglückten Start stabilisiert. Es geht darum, die jungen Talente ein- und aufzubauen, sie zu Stammspielern zu formen und aus ihnen Leistungsträger für die Zukunft zu machen. Eben so, wie es bei Heung Min Son sowie bei Tolgay Arslan in Ansätzen schon der Fall ist. Du während wir über Erstgenannten die letzten Tage häufiger und meines Erachtens erschöpfend diskutiert haben, wollte ich die Ruhe beim HSV nutzen, um mich mal einem meiner Lieblingsspieler zu widmen: Tolgay Arslan.


Und das aus gutem Grund. Immerhin hat der Spieler der Stunde beim HSV am Mittwoch seine Premiere im Dress der U21-Nationalelf gefeiert. Eine Premiere, die rundum gelungen war – zumindest, was seine Leistung anbetrifft. „Tolgay war für mich der beste Mann auf dem Platz“, lobte Trainer Fink seinen Emporkömmling und fügte scherzend hinzu: „Erst als er ausgewechselt wurde, konnten die Türken das Spiel drehen.“ Und obwohl Fink dabei lachte, empfand ich das ähnlich. Zumindest war mir schleierhaft, weshalb Adrion seinen Debütanten vom Platz nahm. „Alles gut“, so Arslan auf meine erstaunte Nachfrage, ob vielleicht Ermüdung oder gar eine Verletzung dazu geführt hätten. Egal, viel wichtiger ist, dass Arslan fit ist. Ebenso wie die anderen Nationalspieler – bis auf Sala. Der Italiener zog sich eine Wadenverletzung zu und wird am Sonnabend gegen Mainz nicht im Kader stehen.

Arslan hingegen wirkt hochmotiviert. Der Mann, der uns während der EM im Rahmen seines Matz-ab-Live-Auftrittes noch sagte, dass er sich selbst viel Zeit geben wolle, bis er seine Ziele erreicht. „Ich bin keiner von denen, die ankommen und durchstarten. Ich bin kein Überflieger, sondern einer, der jeden einzelnen Entwicklungsschritt mitnimmt. Vielleicht habe ich dafür eine gewachsenere Basis als das eine oder andere Supertalent.“

Wie Recht er behalten sollte. Nach Anfangsproblemen (vor allem verletzungsbedingt) spielte sich der ballsichere Youngster auf der Doppelsechs fest. Inzwischen ist er neben Milan Badelj nicht mehr wegzudenken. Selbst Nationalspieler wie Petr Jiracek mussten für ihn ihre Position räumen. Ob ihm seine inzwischen doch sehr rasante Entwicklung etwas zu schnell geht? „Nein. Ich genieße das und lerne. Ich nehme die positiven Dinge mit.“

Und zwar für die Deutsche Nationalmannschaft – trotz deutschen und türkischen Passes. „Mein Vater war für die deutsche Nationalelf, meine Mutter für die Türkei“, erklärt Arslan seine Entscheidungsfindung, „und da habe ich es mir leicht gemacht. Ich habe gesagt, wer mich zuerst einlädt, für den entscheide ich mich.“ Hundertprozentig sicher sollten sich die DFB-Verantwortlichen dennoch noch nicht sein. Denn laut Fifa-Reglement dürfte Arslan jetzt für die deutsche U21 auflaufen und dennoch anschließend noch für die türkische A-Nationalelf. Was passieren würde, wenn die Türkei ihn fürs A-Team will? „Das weiß ich nicht“, so Arslan, „aber bis dahin ist ja auch noch Zeit.“

Stimmt. Bei aller Euphorie: A-Nationalelf ist dann doch noch nicht drin. Allerdings sollte es Arslans Ziel bleiben. „Zunächst einmal will ich mit der U21 zur EM 2013 nach Israel“, sagt Arslan, der gegen die Türkei am Mittwoch ein sehr emotionales Spiel hinter sich gebracht hat. „Beim Einlaufen die türkische Fahne zu sehen, dann beide Nationalhymnen zu hören – das war schon komisch. Ich kannte ja beide Hymnen.“ Auf dem Platz schlug das komische Gefühl dann auch nicht mehr um. Im Gegenteil. Immer wieder musste sich der HSV-Profi harten Attacken seiner Landsleute erwehren. Ob er bepöbelt wurde? „Darauf habe ich nicht so geachtet. Aber ich kann sagen, dass ich härter attackiert wurde. Aber zum Glück waren sie mir gegenüber genauso wie die Leute auf der Tribüne nur im Spiel aggressiv.“

Harte Attacken darf Arslan auch am Sonnabend erwarten, wenn der FSV Mainz kommt. „Die haben keine Angst“, sagt Dennis Diekmeier, „die hauen richtig rein. Das wird ein echter Fight“, so der Rechtsverteidiger über den nächsten HSV-Gegner, den Fink auf Augenhöhe mit dem HSV sieht. „Mainz spielt das eigene Spiel mutig nach vorn. Ich erwarte ein gutes Spiel mit einigen Torraumszenen, weil der FSV sich nicht hinten reinstellt, sondern mitspielt.“ Ob Fink personell Änderungen plant? „Nee“, so die kurze, klare Antwort. Einzig in der Innenverteidigung ist der Platz neben dem gesetzten Abwehrchef Heiko Westermann noch vakant. Mein geschätzter Kollege Kai-Uwe Hesse versuchte es dann mit einer Suggestivfrage. Allerdings ließ Fink sich nicht in die Karten schauen. „Bruma oder Mancienne spielt. Mit Michael haben wir zuletzt viele Punkte geholt. Jeffrey war bis zu seiner Verletzung gesetzt und hat zuletzt in Freiburg sehr gut gespielt. Ich werde mir das im Training genau anschauen und dann entscheiden.“

Klar ist indes, dass Dennis Aogo weiter Geduld haben muss. Der Linksverteidiger steht derzeit hinter Marcell Jansen an. Ebenso wie Marcus Berg hinter Artjoms Rudnevs, wobei bei dem Schweden zu sagen ist, dass er heute schon wieder mittrainierte. Ich habe es vermieden, ihn anzusprechen, weil ich glaube, dass er andere Sorgen hat. Allerdings wollte ich es bei aller sportlicher Kritik – ich setze voraus, dass das mit seiner Frau Josefine abgesprochen ist – nicht vergessen, ihn dafür zu loben. Es spricht auf jeden Fall für seinen Ehrgeiz.

Für den HSV gegen Mainz spricht zudem, dass Fink sieben Punkte aus den drei Spielen Freiburg, jetzt Sonnabend gegen Mainz und in Düsseldorf am 23. November geholt werden sollten. Um diese Rechnung noch aufgehen zu lassen, ist ein Sieg gegen den FSV unabdingbar. „Das stimmt“, sagt Fink, der mit einem Sieg auch einen „Heimfluch“ abhaken will. Sechs Punkte im eigenen Stadion stehen acht in der Fremde entgegen. „Wir haben zwei Spiele gewonnen und drei verloren – es gilt diese Bilanz zu verbessern, die Serie (von zwei Heimniederlagen in Folge, d. Red.) zu beenden.“

Das sind mal Sorgen. Ich jedenfalls kann noch keine Negativ“serie“ erkennen.

Egal wie, am Sonnabend muss gewonnen werden, um den Tabellensiebten FSV Mainz punktetechnisch einzuholen und den Anschluss ans obere Mittelfeld herzustellen. Die Chance jetzt ist so groß wie in dieser Saison bislang noch nie. Denn, wie sagte Arslan heute so schön? „Außer Bayern marschiert in der Tabelle ja keine weg…“

Stimmt. Und Punkte gegen den FSV sowie anschließend gegen den fulminant gestarteten und langsam schwächelnden Aufsteiger Düsseldorf könnten den HSV endlich mal wieder in den einstelligen Tabellenbereich hieven!

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Aber ich werde Euch davon (heute trainierten nur die Spieler ohne Länderspieleinsätze) berichten.

Scholle

P.S.: Wer noch eine Anleihe zeichnen will, sollte sich nicht zu lange Zeit damit lassen. Bereits am ersten Tag wurden 1,6 Millionen Euro (von insgesamt 5 Millionen Euro) der so genannten „Schmuckanleihen“ gezeichnet. Einige wenige davon auch von mir…

Aus zwei mach’ eins – kombinieren wir Son und Rudnevs!

12. November 2012

Es ist wie immer: Urlaub ist extrem kurzweilig. Die Tage haben plötzlich nur noch gefühlt fünf Stunden. Und während man quasi noch in den Urlaubsvorbereitungen zu stecken scheint, sitzt man auch schon wieder im Büro. Genau so erging es mir. Allerdings muss ich zu meinem großen Glück sagen, dass ich einen Job habe, auf den ich mich tagtäglich freue. Mal mehr und mal etwas weniger – aber zumindest heute am ersten Tag kann ich sagen, dass ich meine Akkus aufgeladen und wieder richtig Bock habe. Auf das Abendblatt – und auf diesen Blog! Insofern: los geht’s!

Leider mit einem trainingsfreien und somit eher ereignisarmen Tag. Heute haben mal alle HSV-Verantwortlichen frei. Erholen vom kampfbetonten Spiel in Freiburg, über das Ihr hier immer noch fleißig diskutiert. Vor allem der Platzverweis von Paul Scharner wird hier sehr kontrovers gesehen. Dabei schien die Sache für mich ebenso klar, wie sie Mannschaftskollegen, Trainer und Scharner selbst anschließend analysiert haben: so etwas darf ihm nicht passieren. Taktische Fouls sind sicherlich mal notwendig. Aber zwei davon bedeuten nun mal gelbrot. Und das hätte auch ein Scharner wissen müssen. „Ich hätte routinierter handeln. Ich bin von meinem Auftritt selbst enttäuscht.“

Soweit würde ich dann aber nur ob des Platzverweises gehen. Der Rest mutete gut an. Scharner ist ein bissiger, guter Zweikämpfer mit ausreichend fußballtechnischen Qualitäten. Das hat er im Training bewiesen und auch im Spiel andeuten können. Der eigenwillige, ehrgeizige Österreicher, der laut medizinischer Abteilung mehr trainiert als nach menschlichem Ermessen möglich, muss sich jetzt dennoch hinten anstellen. Leider für ihn. Denn mit Bruma, der seine Sache als Scharner-Ersatz ab der 36. Minute sehr gut machte, dürfte erst einmal vor ihm sein. Und wahrscheinlich auch der bis zu seiner Verletzung gesetzte Michael Mancienne. Scharner wird sich gedulden müssen.

Aber warum nur meckern? Immerhin wissen wir so, dass wir zu unserer aktuellen Innenverteidigung noch mal Qualität in der Hinterhand haben. Denn somit dürften wir zumindest eines von zwei existenziellen Problemen langsam aber sicher im Griff haben: die Defensive.

Dagegen scheint es offensiv für uns alle zum Geduldsspiel zu werden. Denn hier fehlt mit Abstand am meisten. Zwar wusste Maxi Beister am Sonnabend in Freiburg mit Chancen und (leider nicht erfolgreichen) Abschlüssen aufzufallen, allerdings musste wieder konsterniert werden, dass im Angriffszentrum Qualität fehlt. Artjoms Rudnevs war sicher wieder fleißig. Allerdings offenbarte der Lette seine fußballerischen Mängel einmal mehr. Bei dem Letten wird es immer gleich sein: Entweder er trifft und qualifiziert sich durch Tore, oder er bekommt maximal Fleißpunkte mit gehörigen Abzügen für sein Spielverständnis und -vermögen. Nach außen beteuern Spieler wie Trainer weiterhin, dass sie an den bei allen Beteiligten sehr beliebten Letten glauben. Allerdings wird schon seit Monaten Ausschau nach einem weitern Angreifer gehalten, während der chancenlose Schwede Marcus Berg weiterhin verkauft werden soll.

Weshalb hier allerdings ausgerechnet jetzt, nach einem den Umständen entsprechend guten 0:0 in Freiburg eine Trainerdiskussion aufkommt, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Der ehemalige Bayern-Profi hat den HSV dahin geführt, wo er qualitativ hingehört. Dass bei optimalem Verlauf mehr drin wäre ist keine Frage. Aber Platz zehn ist keinesfalls als Enttäuschung zu werten nach dem misslungenen Saisonstart. Ganz im Gegenteil. Zudem: Fast noch wichtiger als die Frage nach dem „Ob man den Trainer diskutieren sollte“ ist, dass der HSV den Trainer nicht diskutieren kann und will. Momentan stehen für etwaige Trennungen absolut keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Das war schon bei den ersten Überlegungen in Richtung Arnesen vor einigen Wochen klargemacht worden: Im Moment wird niemand abgefunden.

Auf der anderen Seite werden im Moment auch keine Verträge verlängert. Weder bei Spielern noch bei den Angestellten. Der HSV sortiert sich und versucht, einen Gesamtüberblick zu haben. Dass dabei im Winter offen und hoffentlich auch schonungslos ehrlich über die Fehler in der Hinrunde gesprochen wird – ganz klar! Das muss sein, wenn sich der HSV irgendwann wieder in Richtung internationale Plätze entwickeln will.


Lasst es am Urlaub liegen, dass ich noch etwas positiver bin als viele hier, aber im Freiburg-Spiel hat sich für mich noch etwas sehr Positives hervorgetan: Der Auftritt von Rafael van der Vaart. Denn wenn ein Spieler in den HSV-Reihen den Respekt der Mitspieler hat, dann er. Der Niederländer ist für viele vorbildlich. Zumindest behaupten das Spieler wie Maxi Beister, Milan Badelj, Dennis Diekmeier und vor allem auch Heung Min Son. Denn der Südkoreaner ist für mich im Moment derjenige, von dem ich am meisten Steigerung erwarte. Gegenüber seinem Freiburg-Auftritt wird das nicht schwer. Auch nicht gegenüber seiner Partie gegen Bayern München. Immer wieder steht Son in der Startelf. Immer wieder darf er auf dem Platz bleiben, auch wenn es mal nicht so läuft. Allerdings muss sich der zuletzt ob seiner Tore (vielleicht schon überzogen?) gefeierte Offensivspieler endlich für das ihm vom Trainer entgegengebrachte Vertrauen sportlich bedanken. Denn es gibt allemal absolut keinen Grund, weshalb der zweifellos talentierte Rechtsfuß nicht wenigstens kämpfen kann…

So, wie es ihm unter anderen auch ein Tolgay Arslan vormacht. Der Junge, der mit Abstand den größten Sprung gemacht hat, seit Saisonbeginn. Arslan ist ballsicher. Er ist eben ein sehr guter Techniker. Aber für die Mannschaft sucht der völlig verdient zum U21-Nationalspieler berufene Rechtsfuß die Zweikämpfe im Mittelfeld. Arslan zieht sich nicht raus und noch weniger zurück. Und er gewinnt seine Zweikämpfe immer häufiger. Etwas, was bei Son einfach nicht zu erkennen ist. Son fällt durch Tore auf. Son ist schnell und schussstark. Aber Zweikämpfe führt er noch immer so, als habe er Angst. Auch deshalb sticht dem Zuschauer Arslan massiv ins Auge, während Son kämpferisch eher durch- als auffällt. Dass es am Läuferischen nicht liegen kann, beweist die Statistik (www.bundesliga.de), die besagt, dass Son mit 11,09 Kilometern gerade einmal 270 Meter weniger gelaufen ist als Arslan.

Oder man kombiniert beide Mängel – also Sons Defensivschwäche und Rudnevs fußballerische Schwäche und stellt Son einfach wieder in die Spitze. Denn, und auch das besagt die Statistik, Son absolviert mehr Sprints und intensive Läufe als Rudnevs, dem man genau das (neben Torerfolgen natürlich) als letzten Rechtfertigungsgrund für seine Aufstellung nachsagt…

Dennoch, ich sehe noch lange nicht so schwarz wie einige andere hier. Im Gegenteil: Ich glaube, die Verantwortlichen wissen um die Probleme und arbeiten im Hintergrund fieberhaft (an neuen Stürmern) daran. Und nur damit mich keiner falsch versteht, auch ich finde, dass die eine oder andere Personalie diskutabel ist. So, wie es hier bei uns passiert.

Bis morgen! Da geht’s wieder in die Vollen mit zwei Trainingseinheiten an der Imtech-Arena. Eine um zehn und die zweite um 15 Uhr. Ich freue mich darauf!

Bis morgen,
Scholle

Töre beginnt gegen defensive Freiburger

15. März 2012

In Zeiten, in denen es nicht allzu viel Erfreuliches gibt, bewahrheitet sich der Zusammenhalt. Das ist fast überall so – und ganz sicher im Profifußball. Und das Schöne daran ist: zumindest in diesem Punkt gibt es beim HSV nur Positives zu berichten. Die Fans stehen zur Mannschaft wie lange nicht. Der Umbruch wurde anfänglich noch etwas skeptisch und mit einigen Pfiffen quittiert – allerdings hat sich dieses Blatt spätestens seit der Amtsübernahme von Trainer Thorsten Fink gewendet. „Die Fans sehen, dass sich etwas bewegt, dass diese Mannschaft will“, so Supporters-Chef Ralf Bednarek vor zwei Wochen, „und sie haben ein gutes Gespür für Stimmungen. Ich glaube, dass alle erkannt haben, dass man bei einem solchen Umbruch auch Geduld haben muss. Insbesondere mit den jungen Spielern, die vielleicht noch den einen oder anderen Fehler mehr machen.“

Stimmt. Wobei diese Nachsicht auch für die Spieler gilt, die durch besonderes Engagement auffallen. Beste Beispiele hierfür sind sicherlich Tomas Rincon, David Jarolim und auch Heiko Westermann. Der Kapitän gilt bei den Anhängern als Sinnbild für gute Einstellung. Dass er einige Stolperer in seinem Spiel hat – es wird ihm in der Regel verziehen. Zumal sich der Abwehrchef immer stellt. Den Kameras, uns Journalisten im Generellen und eben seinen Fehlern. Am besten kommt dabei an, dass sich Westermann um das Miteinander mit den Fans kümmert. Dafür besucht er selbst freiwillig Fanklubs – und er delegiert seine Teamkameraden, wirkt auf sie ein und baut Vorbehalte ab. Ebenfalls vorn mit dabei ist hierbei Dennis Aogo, der am Sonnabend gegen Freiburg leider ausfallen wird. Der Linksverteidiger erzählte uns heute von dem letzten Treffen mit den Fans – von gestern. Am Mittwochabend hatten sich Westermann, Aogo und der restliche Mannschaftsrat mit den „Chosen Few“ getroffen und über die Situation gesprochen. „Wir haben noch mal deutlich gemacht, wie wichtig unsere Fans für uns sind“, sagt Aogo, der an Johannes „Jojo“ Liebnau und Co. appellierte: „Wir haben gesagt, dass die Fans mit Geduld ins Stadion kommen sollen. Wir hoffen, dass sie auch nach 15 Minuten bei einem Rückpass zum Torwart geduldig sind – selbst wenn es dann noch 0:0 steht.“

Sollte eigentlich kein Problem sein, oder?

Denn ich finde, genau das seid Ihr, genau das sind die Fans im Stadion: geduldig. Und trotzdem finde ich die Aktion der HSV-Profis extrem gut. Schon letzte Saison führte der offene Dialog, damals unter anderem initiiert von Frank Rost, zu einem besseren Miteinander. Damals hatten Rost, Westermann und Co. die Fan-Klub-Vorsitzenden zum reinigenden Gespräch in die Kabine gerufen, nachdem es im Stadion Pfiffe gegeben hatte. Und die Ausläufer dieser damals schon lobenswerten Aktion wirken sich jetzt aus. Positiv. Sehr positiv sogar.

Letztes gilt auch für die größte Nachricht in der Pressekonferenz heute: Gökhan Töre wird von Beginn an gegen Freiburg spielen. „Er wird beginnen“, so Fink heute über Töre. Der Deutsch-Türke sei zwar noch nicht bei 100 Prozent, allerdings reicht sein Zustand, um seine Konkurrenten auf der Position (Son, Lam sowie den grippe-geschwächten Jacopo Sala) auszustechen. „Er hat Luft genug für 60 Minuten“, so Fink heute, ehe er etwas scherzhaft hinzufügte: „Die Zeit sollte reichen, um 1:0 in Führung zu gehen.“

Sollte sie. Allerdings dürfen wir uns gegen Freiburg auf ein zähes Stück Arbeit vorbereiten. Wer die Breisgauer unter ihrem neuen Trainer Christian Streich zuletzt mal gesehen hat, der weiß, dass die Freiburger den Abstiegskampf angenommen haben und sich gerade in den letzten Spielen (mit Ausnahme des 1:4 gegen Stuttgart) defensiv gefestigter sind als noch in der Hinserie. „Unter Streich spielt der SC Freiburg deutlich defensiver“, weiß Fink um die Stärke des nächsten Gegners, der für den HSV in der Hinrunde so etwas wie der verspätete Startschuss in diese Saison war – immerhin kam direkt im Anschluss an den 2:1-Erfolg unter dem Interimstrainerduo Arnesen/Cardoso der neue und heutige Trainer: Thorsten Fink.

Unterhält man sich mit den Freiburger Kollegen, bekommt man eine ähnliche Aufbruchstimmung aus dem Breisgau vermittelt. Dort ist Streich sozusagen der Fink. Und Streich erntet nur höchstes Lob. Auch vom Ex-SC-Profi Dennis Aogo. Der wird zwar wegen seiner Wadenprobleme – heute Laufband, morgen joggen und bis nächsten Freitag fit sein, das ist der Plan des Nationalspielers – nicht gegen seinen ehemaligen Klub mitwirken könne. Dennoch freut er sich. Auf Streich: „Er war mein A-Jugendtrainer und Internatsleiter in Freiburg damals“, erinnert sich Aogo an seinen sportlichen Ziehvater, „keiner kennt mich so gut wie er. Er war der entscheidende Trainer in meinem Leben. Er hat mir – und ich war damals wirklich der Chaot schlechthin – die Augen geöffnet. Ich schätze ihn sehr!“

Dass Streich den Klub noch rettet, wollte auch Aogo nicht behaupten. Aber er konnte gar nicht aufhören, seinen Ex-Trainer zu loben: „Es war mir immer klar, dass er irgendwann Cheftrainer in Freiburg wird.“ Weil der SC-Coach ein Fußballbesessener sei. Aogo: Er ist voller Leidenschaft. Er steigert sich manchmal so rein, dass er vor lauter Emotionen zu explodieren droht. Und er besitzt ein unglaubliches Fachwissen. Er ist voller Leidenschaft – ähnlich wie Moniz.“ Ricardo Moniz wohlgemerkt. Der Techniktrainer und Interimschef des HSV, den der Verein abgab, obwohl er mit die beste Innovation war, die der Klub in seinem Trainerstab zu bieten hatte. Immerhin wusste der heutige Cheftrainer von Red Bull Salzburg die Spieler für Extraeinheiten zu begeistern – und das gibt es heute kaum noch.

Dabei wäre es nötig. Gerade Aogo ist dafür ein gutes Beispiel. Immerhin hat es der Linksverteidiger bis zum Nationalspieler gebracht – um seither auf einem deutlich ausbaufähigen Level zu stagnieren, wie ich finde. Denn defensiv hat Aogo seit Jahren die gleichen Probleme. Weshalb also nimmt sich nicht einer der sechs (!!) Trainer des HSV dieser Schwachstelle an und trainiert Aogo individuell. Ein HSV-Mitarbeiter hat mir mal gesagt, er verstehe nicht, weshalb aus den Spielern nicht Projekte gemacht werden. Jeder Spieler hat seine individuellen Schwächen, die es zu verbessern gilt. Das kann ganz sicher im Mannschaftstraining verbessert werden – allerdings ist es so nicht annähernd so effektiv wie mit zusätzlichem Individualtraining. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass ein Spieler wie Tolgay Arslan, der jede Zusatzeinheit einwirft, die ihm geboten wird, plötzlich so einen Schub macht, während Aogo und andere stagnieren?

Einheitsbrei ist Trumpf. Leider. Alle werden zusammen trainiert, kriegen in Einzelgesprächen was gesagt, und verschwinden dann nach Hause. Ist ein Spieler – und davon gibt es eine ganze Menge – nicht so pfiffig, sich selbst zu helfen, fällt er ab. Dann funktioniert er nicht mehr, wird weniger eingesetzt und irgendwann gegen einen Spieler ersetzt, bei dem sich im schlechtesten Fall nach einiger Zeit das Gleiche einstellt. „Bei Spielern ist es fast immer das Gleiche“, hatte mir Moniz damals erzählt, „sie sind irgendwann zufrieden und glauben, am Ziel angekommen zu sein, nur weil sie es bis in die besten Mannschaften geschafft haben. Wirklich gut werden nur die zwei Prozent mit überdurchschnittlichem Talent und die, die ihre Schwächen erkennen und Hilfe annehmen.“ Wahre Worte, wie ich finde. Zumal Moniz noch nachschob: „Diejenigen, die es bis in den Profibereich schaffen, haben in der Regel alle ausreichend Potenzial, um aus ihnen richtig gute Fußballer zu machen. Und dafür bedarf es nur zwei Voraussetzungen: Erstens, der Spieler muss wollen. Er muss bereit sein, mehr zu arbeiten. Und zweitens: Der Verein muss sich dem Spieler annehmen, seine Stärken und Schwächen genauestens analysieren und ihm einen Plan erarbeiten, mit dem der Spieler seine Schwächen abstellt und zugleich seine Stärken verfeinert.“

Mit Nikola Vidovic hat der HSV schon einen Co-Trainer, der seine fachliche Hilfe den ganzen Tag anbietet. Der Kroate ist für die Spieler immer erreichbar und einsatzbereit. Aber zur Fitness hinzu gesellen muss sich eben auch fußballerische Qualität. Und um die zu steigern, sollte es bei sechs Trainern im Trainerstab und zumeist nur einer 90-Minuten-Einheit am Tag auch beim HSV ausreichend Möglichkeiten geben. Ganz sicher sogar…

Apropos neue Spieler, da müssen wir uns leider von einem Namen verabschieden: Chelsea Sturmtalent Romelu Lukaku. Wir konnten heute mit dem Sportchef sprechen, der erneut das HSV-Interesse an dem 18-Jährigen bestätigte, uns aber auch gleichzeitig zu verstehen gab, dass er diesen Transfer abgeschrieben habe. Hintergrund: In einem Gespräch mit Chelsea-Macher Roman Abramowitsch soll der Milliardär Arnesen mit den eigenen Waffen erlegt haben – indem er ihn an sein eigenes Motto erinnert habe. Das besagt, dass Spieler, die zu Chelsea kommen und sich nicht gleich durchsetzen können, innerhalb der Premier League verliehen werden sollten, um sich so an die Liga zu gewöhnen. Und bei Lukaku stehen die englischen Klubs Schlange. Aktuell soll der FC Everton (Glückwunsch, Babak!!) die besten Karten haben.

Noch nicht verabschieden, auch wenn verschieden Medien das so berichten, will sich Arnesen von Granit Xhaka. Der Baseler steht weiter auf dem Wunschzettel des HSV, nimmt dort den A-Rang auf der Position des kreativen Mittelfeldspielers ein. Allerdings sei auch klar, dass der HSV für den Fall einer Absage gewappnet sei. Denn für alle neu zu besetzenden Positionen hat Arnesen einen A-, einen B- und einen C-Plan. In diesem Fall seien die Gespräche mit der Alternativlösung B schon sehr weit fortgeschritten. Es bewegt sich etwas. Und das ist gut.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird leider wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

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