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1:2 – der HSV bleibt Tabellenschlusslicht!

28. September 2014

Der HSV hat einen neuen Rekord, über den sich niemand freut, außer eventuell einige Damen und Herren in Bochum – den Torlos-Rekord. Noch nie war ein Bundesliga-Verein so lange ohne eigenes Tor, wie der HSV. Das aber ist nur eine Randnotiz, denn der HSV verlor auch sein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 1:2 und bleibt weiterhin das Schlusslicht der Bundesliga. Dramatisch! Dabei wäre durchaus mehr möglich gewesen, besonders in der zweiten Halbzeit spielte der HSV gut und mutig und schnell nach vorne, hatte einige Möglichkeiten, aber oft kam der letzte Pass nicht an – oder das Pech verhinderte mehr. „Hast du Scheiße am Bein, hast du Scheiße am Bein“, hat zu einer ähnlichen Situation einst der frühere Hamburger und Weltmeister Andreas Brehme gesagt und ging damit in die Geschichte ein. Aber so wird sich jetzt der HSV fühlen, der zur Pause noch ausgepfiffen worden war, der nach dem Schlusspfiff aber durchaus Beifall für eine dann engagierte Leistung erhalten hatte. Die Zuschauer, diesmal waren 47 463 dabei, erkennen es durchaus an, dass sich die Mannschaft bemüht – aber das allein wird nicht reichen, um sich aus der Abstiegszone zu lösen, es wird nicht reichen. Da muss noch viel mehr kommen – und ich glaube auch immer noch, dass da noch mehr kommen wird. Vielleicht nicht gerade am Sonnabend, wenn es in Dortmund gegen die kriselnden Borussen um weitere Bundesliga-Punkte geht, aber dann. Hoffentlich.

 

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Eine Überraschung gab es schon vor dem Anpfiff. Dennis Diekmeier saß nur auf der Bank, für ihn kam Neuzugang Cleber in die Mannschaft, spielte in der Innenverteidigung, dafür ging Heiko Westermann auf die rechte (Diekmeier-)Seite. Ob der Rechtsverteidiger, der in der Woche einige gesundheitliche Probleme hatte, nicht bei 100 Prozent war, oder ob Trainer Joe Zinnbauer eine neue Viererkette haben will – das blieb noch offen. Aber wir werden es alle noch erfahren. Und das Spiel begann dann auch gleich mit einer Schrecksekunde für die HSV-Defensive, denn fast hätte es nach 19 Sekunden schon ein klassisches Missverständnis gegeben. Cleber ging nicht zum Ball, und wenn nicht Jaroslav Drobny so energisch zum Ball gegangen wäre, hätte es gleich 0:1 gestanden. Cleber machte danach aber seinen Fehler wieder wett, indem e den allein auf Drobny zulaufenden Frankfurter Seferovic noch in letzter Sekunde vom Ball trennte – eine Super-Rettungstat (3.).

 

Der HSV wollte, aber er konnte nicht. Frankfurts Taktik war einfach und wirkungsvoll: Zwei Viereketten, und die beiden Spieler davor attackierten den ballführenden Hamburger und verhinderten somit ein gutes Aufbauspiel. So muss man gegen den HSV spielen, dann kommt man zu was. Weil die Mannschaft nicht in der Lage ist, eine solche massive Deckung auszuspielen, beziehungsweise zu überspielen. Sie können es einfach nicht, da unterscheidet sich dieses Hamburger Team nicht die Bohne von den vorhergehenden HSV-Teams. Es ist niemand in der Lage, einen genauen Pass zu spielen, geschweige denn durch ein gelungenes Dribbling Platz zu schaffen. Das ist brav, bieder, ideen- und einfallslos. Armer HSV! Und wenn es einmal Platz gab, schnell in die Spitze zu spielen, dann wurden Pässe geschlagen (Tolgay Arslan), die niemand, auch wirklich niemand erlaufen kann. Das waren Bälle, die nicht nur in die Tiefe gespielt wurden, das waren Reise-Pässe in die Antarktis. Schuhspanner-Pässe, soll heißen, wenig Fuß, noch weniger Gefühl aber viel Schuhspanner im Buffer. Am Rande verzweifelte Joe Zinnbauer . . .

 

Fast hätte der HSV doch noch eher getroffen als die Hessen, aber auch nur fast. Nach einer Müller-Ecke köpfte Cleber aus fünf Metern, aber genau auf Eintracht-Schlussmann Wiedwald – Pech (27.). Das Tor fiel dann aber doch auf der Gegenseite. Heiko Westermann verstolperte vorne rechts (25 Meter vor dem Eintracht-Tor) den Ball und leitete einen Frankfurter Konter ein. Von rechts flankte Chandler, das heißt, er schlug den Ball flach vor das HSV-Tor, dort schlug der Brasilianer Cleber am Ball vorbei, und aus dem Hintergrund kam Seferovic und schob den Ball ein (44.). Mein Gott, der arme Trainer. So viel Unvermögen auf einen Haufen, dabei kann jeder Coach am Rande nur kaputtgehen. Und mich machen diese Patzer einfach nur fassungslos. Was machen diese Herren beruflich?

 

Sekunden vor dem Halbzeitpfiff hätte es trotzdem fast 1:1 gestanden – fast. Lewis Holtby flankte von links, Valon Behrami stieg in der Mitte hoch und köpfte wuchtig auf das Eintracht-Tor – aber um Zentimeter drüber. Halbzeit. Und der zweite Durchgang begann verheißungsvoll für den HSV, der nun auf die Nordkurve zustürmte – oder spielte. Pass von Westermann auf Holtby, der umkurvte Torwart Wiedwald – und schoss mit rechts (seinem schwachen Fuß) ans Außennetz (53.). Immerhin mal eine sehr gute Aktion.

 

Eine ganz andere Aktion wurde danach sichtbar, denn im Norden hingen zwei Plakate, auf den stand zu lesen:
„Ein Verein, der auf Kühnes Mediendruck reagiert, das wäre mit HSV-Plus nicht passiert.“
Das nur am Rande.
Wo der HSV ohne Kühnes Geld stehen würde? Darf sich jeder selbst beantworten.

 

Zurück zum Sport – und das wurde dann erfreulich. Das erste HSV-Tor der Saison 2014/15. Welch eine riesige Erleichterung! Zenterschwere Steine sind nicht nur mir vom Herzen gefallen. Holtby steckte am Eintracht-Strafraum durch zu Nicolai Müller, er allein vor Wiedwald – und tunnelt den Keeper. Wenn dieser Ball nicht drin gewesen wäre, was hätte dann wohl Pierre-Michel Lasogga gemacht. Der wartete auf einen Querpass und hätte mit dem Ball ins Tor laufen können . . . Zum Glück aber war der Ball drin! Aufatmen. Und dieses Tor steigerte die Stimmung im Stadion noch einmal. Es war bombig. Und der HSV drängte auf den Führungstreffer.

 

Der aber fiel nicht. Trotz guter Ansätze. Dafür gab es in der 90. Minute den „Fangschuss“. Petr Jiracek grätschte wie „ein Wilder“ 26 Meter vor dem HSV-Tor, es gab Freistoß. Und den schoss der eingewechselte Piazon genau in den oberen rechten Winkel – unhaltbar. Drobny konnte überhaupt nicht reagieren. Ende, wieder verloren, immer noch Letzter, aber immerhin ein Tor. Wer sich darüber freuen kann, der soll es tun . . .

 

Der HSV mit: Drobny; Westermann, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Arslan (86. Jiracek); Müller (90. Diekmeier), Holtby (86. Rudnevs), Stieber; Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny blieb fast beschäftigungslos – und musste dennoch einen Treffer schlucken. Das ist Künstlerpech. Er war fehlerlos, spielte immer gut mit.

 

Heiko Westermann auf rechts – ob das sein Ding ist? Hinten gab er sich kaum mal eine Blöße, er eroberte einige Bälle, aber nach vorne wirkte er gelegentlich ein wenig überfordert, er passte dann sehr oft nur zurück. Defensiv aber war das okay, und das ist ja auch was.

 

Johan Djourou blieb ohne große Fehler, aber sein Spiel sah dennoch nicht souverän aus, da schleicht sich hin und wieder mal ein ganz schlampiger Pass ein, der nur von den Mitspielern in höchster Not korrigiert werden kann. Zudem spielt Djourou oft auch einen Mitspieler an, der eigentlich gedeckt ist – und dann wird es eng.

 

Cleber hatte gute Szenen und weniger in seinem Repertoire. Den Klopfer des Tages aber leistete er sich vor dem 0:1, als er am Ball vorbeischlug – bitter. Auch sonst sah sein Spiel nicht gerade souverän oder auch nur solide aus. Da muss noch mehr kommen.

 

Matthias Ostrzolek macht seine Sache immer besser, das muss festgehalten werden. Da ging einiges nach vorne, und hinten war er meistens im Bilde. Das war alles okay.

 

Valon Behrami kämpfte, ackerte, rieb sich in unzähligen Duellen auf, er dirigierte und stellte, er trieb seine Mannschaft auch immer wieder an – da wächst eine Führungspersönlichkeit heran. Gutes Spiel.

 

Tolgay Arslan begann wieder elanvoll, aber dann leistete er sich einige haarsträubende Pässe, die niemand als Pässe erkennen konnte – bitter. Im zweiten Durchgang riss er sich mächtig zusammen, spielte auch keine 80-Meter-Pässe mehr, sondern fing bei acht Metern an. Der erste Weg zur Besserung.

 

Nicolai Müller war lange nicht zu sehen, aber dann taute er auf – und schoss das Tor! Es wird ihm Auftrieb geben, keine Frage, denn bislang hat Hamburg den „wahren Müller“ noch nicht gesehen – aber er kommt noch.

 

Lewis Holtby benötigte diesmal eine länger Anlaufphase, aber dann machte er viele gute Dinge, dann liefen auch viele gute Dinge über ihn. Er ist schon jetzt aus dieser Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

 

Zoltan Stieber legte von Beginn an sehr gut und sogar mächtig los, spurtete viel, bediente die Kollegen – das konnte sich sehenlassen. Sein bestes Spiel bislang für den HSV.

 

Pierre-Michel Lasogga wollte sicherlich, er arbeitete unermüdlich, aber er ist vom Glück verlassen. Erstens bekommt er kaum Vorlagen, zweitens trifft er dann auch den Ball nicht, wenn, wie in der 81. Minute, Ostrzolek flankt und der gute Pierre aus sechs Metern einschießen könnte.

 

Petr Jiracek (ab 86. Min. für Holtby) grätschte einmal noch in höchster Not und verhinderte so erst einmal das 1:2 – bis er dann die Blutgrätsche in der 90. Minute ansetzte. Das war höchst übermotiviert, leider, leider, denn so war er letztlich für die Niederlage mitverantwortlich.

 

Artjoms Rudnevs (ab 86. Min. für Arslan) wurde bei seiner Einwechslung gefeiert, konnte sich aber nicht mehr dafür revanchieren (mit einem Tor zum Beispiel).

 

Dennis Diekmeier (90. Min. für Müller) durfte noch mal, aber was sollte er noch bewegen – gerade war das 1:2 gefallen!

 

PS: Gleich sind wir natürlich wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung. „Scholle“ und ich begrüßen wieder zwei Gäste, diesmal ist es unser Kollege Oliver Wurm (bekannt aus dem Doppelpass) und der DFB-Sicherheits-Beauftragte Eberhard „Eddy“ Münch. Wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder zahlreich – wie zuletzt immer – zusehen würdet.

 

19.35 Uhr

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