Archiv für das Tag 'Formeseyn'

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
Den ganzen Beitrag lesen »

Ein bisschen Rieckhoff, ein bisschen Hieronymus – und einige neue Gerüchte

17. November 2014

Oh Mann, was für ein zäher Tag. Kein Training, keine Spieler erreichbar, die Offiziellen nicht im Haus. Und das keine sieben Tage vor einem Nordderby. Ach was, vor DEM Nordderby gegen Werder Bremen immerhin. Erst morgen um zehn Uhr geht es weiter. Noch ohne die Nationalspieler, die sich heute via Twitter von ihren verschiedenen Länderspielstationen meldeten. Apropos Meldung, eine davon wurde mir just von meinem Blog-Freund Leon Heinemann zugespielt. Demnach soll im Winter das 18-jährige Sturmtalent Batuhan Altintas zum HSV wechseln. Nach Drmic und dem jungen Schweizer ist das bereits der dritte Name, der mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Zumindest berichtet das der türkische Radiosender „Lig Radyo“. Demnach soll sich der HSV mit Altintas’ abgebendem Klub Bursaspor auf den Wechsel verständigt haben – was durchaus Sinn ergeben würde. Denn der Verein selbst hat den Youngster wettbewerbsübergreifend bis Juni 2015 gesperrt. Der junge Mittelstürmer soll im Sommer Vertragsverhandlungen (Vertrag läuft im Sommer 2015 aus) platzen lassen haben und seither in Ungnade gefallen sein. Totes Kapital also für den türkischen Erstligisten – es sei denn, er wird noch vor seinem Vertragsende verkauft. Bei einem Marktwert von knapp 400000 Euro ein machbares Geschäft für den HSV – sofern der eine oder andere hier nicht mehr gebrauchte Spieler abgegeben werden kann.

Allerdings ist das so genannte „Tote Kapital“ etwas, was man beim HSV nur zu gut kennt. Leider. Monat für Monat überweisen die hiesigen Verantwortlichen Funktionären Millionen von Euro, obwohl diese schon lange nicht mehr tätig sind. Und in dieser Woche will man sich von wenigstens zweien dieser Angestellten endgültig trennen. Am Donnerstag hat der HSV seinen Schlichtungsgespräch in Sachen Mirko Slomka, am Freitag den Arbeitsgerichtstermin mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Nikolai Vidovic. Beide waren telefonisch nicht zu erreichen, was eigentlich auch nur logisch ist. Dennoch dürften diese beiden Termine unmittelbar vor dem Nordderby noch mal interessant werden. Zumindest dann, wenn man sich – wie erwartet wird – nicht sofort einigen kann.

Interessant und täglich neu befeuert wird auch das Thema Präsident im e.V., der im Januar gewählt werden soll. Zuletzt wurden hier Carl Jarchow und Oliver Scheel als potenzielle Kandidaten geführt, ehe auch Otto Rieckhoffs Name genannt wurde. Zwar weniger vom bestimmenden Beirat, dafür aber von einer Entourage, die schon ziemlich weit gediehen ist. Den Schatzmeister und seinen Vizepräsidenten bringt der einstige Kopf der HSV-Plus-Bewegung gleich mit. FussballRieckhoff soll sich sein Team bereits zusammengestellt haben. Und zwar namentlich mit dem Vorzeige-Fan Axel Formeseyn sowie dem Unternehmer Dr. Konstantin Rogalla (HSV-Realos). Allein im Beirat wurde der Name Rieckhoff bislang eher beiläufig genannt. Gefragt wurde Rieckhoff noch nicht nach seiner Bereitschaft. Zwei Monate vor der wichtigen Mitgliederversammlung sicher kein Grund für den einstigen Aufsichstratsboss, nervös zu werden.

Im Gegenteil, Rieckhoff selbst lässt alles auf sich zukommen und will sich selbst gar nicht äußern. „Das behalte ich auch so lange bei, wie ich es für nötig halte“, so Rieckhoff, der sich auch über die Vorwürfe nicht ärgert, er würde sein eigenes Versprechen brechen. „Sollen die anderen doch reden“, ist Rieckhoffs einziges Statement. Wobei Rieckhoff sehr wohl weiß, dass die anderen genau das tun. Der 63-Jährige hat sich in seiner Zeit als Werbeträger von HSV-Plus nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Selbst innerhalb der HSV-Plus-Bewegung gab es etliche Zerwürfnisse. Die einstigen 83-er-Helden, die auf Werbeveranstaltungen oft den Platz neben Rieckhoff einnahmen, stiegen mit der Wahl am 25. Mai geschlossen wieder aus.

Wobei einer von ihnen jetzt als Kandidat für den Posten des Präsidenten immer wieder genannt wird: Holger Hieronymus. Der ehemalige HSV-Sportchef und DFL-Geschäftsführer soll beim Beirat, der die zur Wahl stehenden Kandidaten letztlich zulässt, mehr als einen Befürworter haben. Fussball„Ich weiß davon nichts“, so Hieronymus heute, „und ich beschäftige mich mit dem Thema auch nicht unnötig.“ Ob er es sich anhören würde, wenn der Beirat an ihn herantritt. „Ich bin gut erzogen, von daher schon aus Respektsgründen ja. Zudem bin ich grundsätzlich an HSV-Themen immer interessiert. Aber ich kann auch sagen, dass es mir ohne Amt momentan auch sehr, sehr gut geht. Ich vermisse nichts – abgesehen vom sportlichen Erfolg des HSV.“

Und damit will ich den vereinspolitischen Sch… auch schon wieder zurücklegen. Nicht, weil er mich nicht interessiert. Nein, nur, weil ich weiß, dass das ganze Theater leider wieder früh genug und dann mit annehmbarer Sicherheit auch in Massen auf uns zukommt. Im Vorfeld der Strukturreform hat dies bei mir zu einem Overkill Vereinspolitik geführt. Ich bekam täglich neu vor Augen geführt, dass es in diesem Zusammenhang einen verschwinden geringen Anteil wirklich ehrlicher Kandidaten gibt, denen es ausschließlich um den Verein geht. Und diese Erfahrung hat meine Leidensfähigkeit mit dem HSV einst auf eine harte Probe gestellt. Und solche Phasen brauche ich nicht allzu oft…

Brauchen tue ich dagegen Fußball. Den ehrlichen Fußball auf dem Platz. Und der nimmt morgen mit der ersten Trainingseinheit in dieser Woche um 10 Uhr wieder Fahrt auf. Ich werde da sein und melde mich im Anschluss daran bei Euch. Mit Fußball. Viel Fußball hoffentlich…

Bis dahin!
Scholle

Bitte den Weg frei machen! Und: Noch keine Entscheidung bei Lasogga

9. Juni 2014

Und schon geht’s wieder los. Eine Woche Urlaub – und der war gefühlt nach anderthalb Tagen schon wieder vorbei. Vor allem, weil ich noch immer nicht abschalten kann. Diese Saison hat so viele kleine und vor allem auch größere Narben hinterlassen, dass die Pflege selbiger noch Wochen, Monate und schlimmstenfalls sogar noch Jahre dauern wird. Vor allem aber kam ich selbst auf Lanzarote nicht umhin, mir jeden Tag die verschiedenen Zeitungen und Online-Medien durchzulesen. Denn dafür ist die aktuelle Phase zu brisant. Gerade jetzt, unmittelbar nach der Wahl von 25. Mai sortiert sich der HSV neu. JETZT ist die Zeit, die für die nächsten Jahre (mit)entscheidend wird. Denn jetzt geht es darum, das Personal zu bestimmen, das diesen heruntergewirtschafteten HSV wieder in erfolgreichere, erfreulichere Gefilde führen muss.

Auch auf der Fanseite. Und es fiel mir wirklich gerade in diesem Beritt sehr schwer (und war nur durch Dieters Veto möglich), mich im Urlaub nicht in Blog-Form zu Wort zu melden, als ich las, dass die SC-Führung überlegt, sich aufzulösen.


 

Auflösen?? Bitte?? Wer ist denn der SC, wer darf etwas so weitreichendes entscheiden?

In den letzten Jahren bin ich von den führenden Supporters immer wieder dafür sensibilisiert worden, bei Pyro-Aktionen oder sonstigen Verfehlungen von HSV-Fans nicht pauschal vom SC zu sprechen. Es seien ja nur einige wenige und die seien sicher nicht stellvertretend für den gesamten Supporters Club. Und das habe ich genauso gesehen, das stimmte sicherlich auch. Warum aber die gleichen Leute heute meinen, sie seien stellvertretend für den SC und könnten anfangen, eine Schließung des SC zu diskutieren – das erschließt sich mir nicht, um es mal ganz, ganz lieb zu formulieren.

Nein. Der Supporters Club an sich ist eine gute Institution – er wurde in den letzten Jahren schlichtweg immer weiter an seinen Mitgliedern vorbei geführt. Bis er selbige verloren hatte. „Dieser SC ist eine Allegorie auf das gesamte Miteinander beim HSV, eine Allegorie auf das größte Dilemma des HSV“, formuliert es Axel Formeseyn, der sich zuletzt immer wieder darum bemüht hatte, zwischen den Fronten der „HSVPLusser“ und der aus etlichen Supporters bestehenden Opposition zu vermitteln. Das allerdings noch erfolglos, wie er selbst findet. „Ich kann verstehen, dass viele der Gründungsmitglieder des SC aus 1993 heute sagen, sie können und wollen den Supporters Club so nicht guten Gewissens führen. Sie wollen nicht nur noch Konsument sein. Und das will ich auch nicht. Aber ich will wieder mal einfach nur Fan sein. Ich will als Supporter nicht automatisch ein Fan-Politiker sein und würde mir sehr wünschen, dass der SC eine vernünftige Übergabe hinbekommt. Denn dieser Verein braucht eine gute Fan-Organisation mehr denn je. Auch, wenn es sicherlich nicht falsch sein muss, dem Kind einen neuen Namen zu geben.“

Zumal die Chancen definitiv nicht so schlecht stehen, wie es die niederschmetternde Wahl am 25. Mai auszusagen scheint. Gerade, weil mit Dietmar Beiersdorfer ein Vorstandsvorsitzender inthronisiert werden soll (und wird), der für beide Seiten unverdächtig ist. Schon bei seinem ersten Amtsantritt 2004 hatte sich der damalige Vorstand Sport immer wieder intensiv mit den Supporters (damals auch mit Formeseyn) ausgetauscht und ihren Wünschen im Vorstand zu Gehör verholfen. „Didi Beiersdorfer, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, interessiert sich für die Fans, für die Mitglieder des HSV. Er will eine gemeinsame Philosophie aller HSVer im Verein, auch in der Rechtsform einer AG, weil er ein gutes Gespür für die Bedürfnisse innerhalb des Klubs hat. Deshalb ist dieser Neustart seine – aber eben auch unsere Kardinalsaufgabe. Eine Vereinsphilosophie funktioniert nicht ohne Fans. Aber auch innerhalb der Fangruppierungen darf ich nicht so tun, als sei der so genannte inner circle entscheidend. Und das wurde in den letzten Jahren einfach zu oft falsch gemacht“, so Formeseyn.

Stimmt!

Und genau das ist es, was ich meinte, als ich HSVPlus als alternativlos bezeichnet hatte. Ich nenne es mal „Die Opposition“, weil nicht alle Gegner von HSVPlus Supporters waren und sind, aber gerade die Opposition hätte im Sommer 2013 die Zeichen der Zeit erkennen müssen. Damals stand Otto Rieckhoff auf und formulierte den Gedanken, dass sich alles ändern müsse – und erntete massiven Applaus. Gleiches im Januar mit dem ersten Wahlsieg für HSVPlus. Formeseyn fragte im Sommer 2013 übrigens sogar einen führenden Aufsichtsrat in einem persönlichen Brief, ob ein Rücktritt nicht sinnvoll sei, wenn er sich dem Wunsch der Mehrheit entgegenstellen wolle. Formeseyn wollte so zusätzlichen Schaden vom SC abzuwenden. Erfolglos. „Damals auf der MV war durch die Reaktion der anwesenden Mitglieder schon erkennbar, dass sich auch der SC verändern muss. Dass ein Konzept her musste, wie es besser wird. Und anstatt sich hinzustellen und zu schreien, dass sich mit Rieckhoff ausgerechnet derjenige meldete, der den Karren als Aufsichtsratsboss selbst in den Dreck gefahren habe, hätte man auf seine Leute zugehen müssen. Man hätte eingestehen müssen, dass man in zu vielen Bereichen an der eigenen Masse vorbeiagiert.“

Leider blieb Formeseyn hier erfolglos.

Und so ist Formeseyn plötzlich ein ganz wichtiger Faktor auf dem Erfolgsweg von HSVPlus geworden. Nicht, weil er bedingungslos hinter dem Konzept steht oder die Art der Neuen huldigen will. Im Gegenteil: „Die offensiven Ansagen von Herrn Gernandt lange vor seinem Amtsantritt bestätigen leider Kritiker.“ Nein, Formeseyn geht es um den HSV, wie er betont. Es sei wünschenswert, wenn sich alle Verantwortlichen eine Zeitlang verbal zurückhielten und stattdessen Taten sprechen lassen würden. Er äußert sich auch nur, weil er die Mitte zwischen zwei Radikalen suche und sich der SC weiter selbst bombardieren würde.

Denn weiterhin würde weniger mit eigenen Inhalten denn mit Kritik am gegnerischen Modell agiert. Anstatt das klare Votum der Mitglieder zu erkennen und zurückzutreten, schwangen sich Ertel und andere SC-Führende wie Christian Reichert sogar zu großen Reden auf. „Es wären niemals 75 Prozent im Januar geworden, wenn es vorher einige Rücktritte gegeben und das Signal ausgesendet worden wäre, dass man aufeinander zugehen wollen würde. Es fehlte das Zeichen, dass man seine Leute versteht. Dabei war der Sommer 2013 die perfekte Vorlage und die Supporters hatten alle Trümpfe in der Hand. Aber: Stattdessen wurde Misstrauen propagiert und weniger mit eigenen Inhalten geglänzt. Und: Bei 60000 von insgesamt 70000 Mitgliedern in den eigenen Reihen nicht einmal 25 Prozent für sich und seine Überzeugung gewinnen zu können ist ebenso armselig wie ein klares Zeichen, dass hier nicht HSVPlus gewählt, sondern Verantwortungsträger abgewählt wurden.“

Stimmt. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle einen Punkt machen. Aber das kann es nicht sein. Denn dieser SC verfügt weiterhin über das Potenzial der Mitte. Vielleicht nicht bei den Biebersteins, Ertels und Reicherts. Vielleicht nicht in der SC-Führung. Aber dafür sollten andere nachrücken und das fortführen, was den SC so wichtig macht. Denn eines ist mal ganz klar: die Fans sind und bleiben das größte Kapital des HSV. Das wissen alle. Auch die Damen und Herren von HSVPlus…

Apropos Wissen, in dieser Hinsicht hat auch ein so erfolgreicher Geschäftsmann wie Karl Gernandt in den letzten Tagen und Wochen dazugelernt. Nachdem er im Zuge des Wahlkampfes den Namen Dietmar Beiersdorfer sehr offensiv angekündigt hatte, bekommt er jetzt die Reaktion der Russen zu spüren, die sich noch immer zieren, den Auflösungsvertrag final zu unterschreiben. Aktuell weilt Beiersdorfer in Russland, führt dort die Gespräche mit seinem Noch-Arbeitsgeber. Und die Tatsache, dass russische Medien die Aussagen Gernandts aufgegriffen haben und sie so interpretiert haben, dass eine Einigung zwischen dem HSV und dem neuen Aufsichtsrat bereits besteht, erleichtert es dem designierten neuen Vorstandsboss in St. Petersburg nicht unbedingt. Dennoch, nur um hier Missverständnissen vorzubeugen: Ich zweifle nicht daran, dass Beiersdorfer kommt. Ich glaube nur, man hätte es sich deutlich leichter machen können, wenn man etwas vorsichtiger bei der Wortwahl geblieben wäre.

Aber, und auch da bin ich mir sicher, Karl Gernandt wird diesen Fehler, der zu Teilen wohl auch bewusst gemacht wurde, weil er wahlkampffördernd war, nicht wiederholen. Und damit hat er vielen Aktuellen HSVern ganz offensichtlich und hör- sowie lesbar schon einiges voraus…

Den Blick voraus gerichtet, sollte am morgigen Dienstag eine Entscheidung in Sachen Pierre Michel Lasogga fallen. Darauf angesprochen, reagierte Sportchef Oliver Kreuzer verwundert. „Ich glaube nicht, dass der Dienstag alles entscheiden wird. Es ist vielmehr ein laufender Prozess. Ich bin ständig im Austausch mit Pierre und seiner Mutter“, so Kreuzer, der weiterhin Hoffnung hat, den Publikumsliebling in Hamburg zu halten. „Pierre kommt es nicht allein aufs Geld an, er schätzt Werte sehr hoch. Und auch wenn es sicherlich schwer wird für uns, gebe ich die Hoffnung nicht auf, solange er uns nicht absagt und woanders unterschrieben hat. Pierre weiß schon sehr genau, was er an Hamburg hat.“ Zudem hegt auch Kreuzer große Hoffnungen, dass auch Lasogga die Strukturreform als Argument für einen Verbleib ansieht. Lasogga sprach vergangene Woche mit Beiersdorfer, Kreuzer tauscht sich schon seit längerer Zeit mit seinem künftigen Vorgesetzten aus. Er informiert Beiersdorfer über alles, was in Sachen Kaderplanung passiert. „Wir kommen weiter“, widerspricht Kreuzer der Meldung, ihm sei ein Transferstopp auferlegt worden, obgleich es in Sachen Matthias Ostrzolek noch keine Annäherung mit dem FC Augsburg gibt.

Und ganz ehrlich, solange es den Austausch zwischen dem aktuellen Sportchef und seinen designierten Vorgesetzten gibt, habe ich kaum bis keine Bedenken. Denn sowas wie bei Stieber darf nicht mehr vorkommen. In doppelter Hinsicht. Zum einen muss die Kaderplanung, schon um massive Spannungen mit dem neuen Vorstand zu vermeiden, mit den neuen Verantwortungsträgern abgestimmt werden. Zum anderen darf aber der neue Verantwortliche – schon gar kein Aufsichtsrat – nicht anfangen, irgendeinen Kaderspieler schlechtzureden. Nie. Oder besser noch: nie mehr. Warum auch? Denn wie viel totes Kapital man riskiert, wenn man unter Vertrag stehende Spieler kleinredet, das hat der HSV in den letzten Jahren mit Rajkovic, Tesche, Kacar usw. schmerzlich erfahren…

Fazit: Es geht darum, die großen Chancen im Neuanfang zu sehen und gemeinsam zu nutzen. Wobei die Betonung auf gemeinsam liegt. Und das auf allen Ebenen. Und bitte, wer da nicht mitmachen kann oder will – der soll doch bitte endlich und einfach den Weg freimachen. Im Sinne des HSV.

Bis morgen.
Scholle

Das alte Spiel beginnt – und die größten Fehler werden nicht behoben

28. Januar 2014

Es ist wie immer: der HSV spielt schlecht und alle fordern mehr Einsatz, mehr Leidenschaft und weniger individuelle Fehler. Was beim Sieg gegen Nürnberg und Freiburg noch gut war unter van Marwijk, ist jetzt schlecht.

Weil es nicht läuft.

„Business as usual“, so nennen es die Trainer, die der Reihe nach in Hamburg verschlissen werden. „Nicht an der richtigen Stelle hinterfragen“ nennen es dagegen Insider, die selbst nicht die Traute haben, Misstände anzuprangern. Sie wollen schlichtweg nicht zum HSV-Snowden werden – obgleich vielen damit geholfen wäre.


Und beide Seiten haben Recht. Denn dieser HSV bietet fast die gesamte Bandbreite verfehlter Fußballpolitik inklusive derer Auswirkungen auf dem Platz. Denn dass der HSV keinen Führungsspieler hat, wussten alle schon vor zwei Jahren, als Thorsten Fink den HSV vor dem Abstieg rettete. Geändert wurde dieser Zustand nicht. Im Gegenteil: Fink wurde gefeiert, weil er (ob der Dusseligkeit Hertha BSCs) die Klasse hielt. Und er wurde gefeuert, als es nicht mehr lief. Damit hatten die Offiziellen nicht mehr und nicht weniger getan als das, was in der Regel jeder Fußballklub macht, der in Not gerät. Und ich will diese Entscheidung auch gar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Aber was alle dabei zu vergessen scheinen: die Probleme an der Basis sind geblieben. Sie wurden totgeschwiegen und mit dem Trainer als Bauernopfer übertüncht. Es gab keine Rücktritte. Weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat. Und die Folge ist, dass die Leute, die um die Mannschaft herum falsche Entscheidungen getroffen haben, Entscheidungsgewalt behalten haben. Teilweise bis heute.

Wie soll es da besser werden?

Und heute wiederholt sich das Trauerspiel, das in Hamburg häufiger zu sehen ist als gute Spiele: Der Trainer wird in die Pflicht genommen, steht nicht nur in der Kritik sondern gar auf der Kippe. Weil er keinen Erfolg hat. Ein Punkt im Schnitt und ein Relegationsplatz – da muss sich tatsächlich auch jeder Trainer hinterfragen. Zumindest muss er seine Entscheidung sich diesen HSV anzutun. Und wie man hört, macht van Marwijk das.

Dass Bert van Marwijk sich bei so einer Bilanz Kritik gefallen lassen muss, ist klar. Er weiß genau, dass er jetzt in den Fokus rückt. Und lieferte er anfangs zumindest in der Theorie noch Lösungsansätze, sind die längst verpufft. Van Marwijk erscheint diesmal tatsächlich ratlos. „Das war von allem zu wenig“, so die Kernaussage über das Schalke-Spiel, die ebenso richtig wie resignierend klingt.

Was folgt ist das Spiel, das in Hamburg Hochkonjunktur hat: Von außen wird genau das vom Trainer gefordert, was er intern gerade nicht gemacht hat. Erschwerend hinzukommt, dass der Trainer Fehler macht, die vermeidbar wären. Immerhin hatte Fink es vorgemacht und hatte Heimatausflüge der Präsenz hier vorgezogen, als es nicht so lief – was das Fass am Ende überlaufen ließ. Eben das macht jetzt auch van Marwijk, der trotz der Ansage des Sportchefs, dass am Mittwoch eine zusätzliche Trainingseinheit am Vormittag wichtig wäre, in die Heimat fuhr – wissend, dass er sich so angreifbar macht.

„Ich bin lang genug dabei und kenne das Spiel“, sagte van Marwijk anfangs beim HSV und niemand würde ihm da widersprechen. Auch ich nicht. Aber genau deshalb frage ich mich, warum er den Kritikern freiwillig Nahrung zuwirft? Hätten ihn die paar Stunden weniger in der Heimat wirklich umgebracht?

Nein, die Kritik an van Marwijk verwundert wirklich nicht. Weder ihn noch irgendwen sonst. In einer Phase wie jetzt muss jeder genau aufpassen, was er macht. Denn es wird alles hinterfragt. Und jeder. Von A wie Aufsichtsrat bis Z wie Zeugwart oder auch Zweikampfverhalten. Irgendwo dazwischen ist dabei eben auch das T wie Trainer(-team). Nicht mal van Marwijk selbst wundert sich. Ganz sicher nicht. „Wenn es hier mal nicht so laufen sollte, wird nicht mehr gefeiert – dann wird selbst das kritisiert, was vorher gut war. Und das ist okay“, hatte van Marwijk immer wieder gesagt und so erklärt, weshalb er den großen Lobeshymnen zu Beginn nicht trauen mochte. Er sei ja kein Träumer, sagte er damals. Er wusste vielleicht schon, was kommen würde…

Nun muss man wissen, dass van Marwijk ein sehr von sich überzeugter Trainer ist, der nur wenige Ratgeber zulässt. In Dortmund beispielsweise gab es davon fast keinen. Van Marwijk kam, sah und entschied – was ihm im Gegenzug nicht viele Freunde einbrachte. Aber er hatte zunächst Erfolg und alle blieben ruhig. Erst, als der Motor stotterte, kamen die ersten Kritiker hervor. Unter ihnen auch der wortgewaltige Klubboss Joachim Watzke, der sich nach eigener Aussage aus Selbstschutz heute lieber gar nicht mehr über van Marwijk äußert.

Auch beim BVB durchlebten Verein und Trainer jene Situation, die dem Niederländer hier gerade angelastet wird. Es lief nicht und der Trainer gab weiter frei. So, wie vorher. In Dortmund war es sogar der identische Rhythmus: Spiel, früh auslaufen, Ruhetag und dann am Nachmittag das nächste Training. Und das wurde stillschweigend geduldet – so lange es lief. Aber irgendwann lief es nicht mehr und Klubboss Joachim Watzke machte den Trainer darauf aufmerksam, dass es taktisch unklug wäre, weiter den Heimaturlaub durchzudrücken. Dass es besser wäre, mal etwas zu verändern, als Trainer voranzugehen und mehr zu arbeiten, um so ein Zeichen zu setzen. Worte, die bei van Marwijk damals ebenso verhallten wie aktuell von Oliver Kreuzer. Es waren aber auch Worte, die van Marwijk klarmachten, was ihm bevorstünde. Van Marwijk sieht seine Fehler nicht ein. Daher wird er sich auch jetzt nicht über die Schärfe der öffentlichen Kritik wundern.

Nein, ich befürchte sogar, dass der Trainer das ganze Theater hier billigend in Kauf nimmt. Dass hier alles früher als vertraglich vereinbart zu Ende geht und es ihn nicht mal stört. Warum sonst ist der Trainer tatsächlich nicht bereit, der Situation geschuldet eigene Opfer zu bringen? Warum lernt er aus der Vergangenheit nicht?

Wobei, eines ist ebenso klar wie abstrus: Gewinnt van Marwijk mit dem HSV in Hoffenheim, hat er erst mal wieder Recht. Aber das bereits eingeläutet, unschöne Spiel würde nur um ein Kapitel erweitert. Oder zwei, wenn gegen Hertha gewonnen wird. Vielleicht sogar um drei Kapitel, wenn eine kleine Serie gestartet werden kann. Allein, wer glaubt daran, wenn es die Spieler nicht tun, der Sportchef nicht kann und der Trainer nicht mehr zu wollen scheint?

Letztlich verliert ein Trainer, der sich über alles im Verein hinwegsetzt fast immer. Selbst Double-Gewinner und Autoritätsperson Felix Magath machte in München diese Erfahrung. Ebenso „der General“ van Gaal. Zumal dann, wenn zudem der Erfolg ausbleibt wie jetzt beim HSV. Womit wir wieder zum Kernproblem kommen: Denn Erfolg, da lege ich mich fest, den bekommt hier in Hamburg mit dieser Mannschaft keiner auf Dauer hin. Dafür wurden im Vorfeld zu viele Fehler gemacht, ein falscher Kader zusammengestellt und die falschen Entscheidungen von den falschen Entscheidungsträgern getroffen. Und ich befürchte, dass van Marwijk genau das erkannt hat und sein Ende in Hamburg unter diesen Voraussetzungen nicht bedauern würde. Dass er damit nur ein weiteres Opfer vererbter Fehler würde wie Fink und zu viele Trainer zuvor beim HSV – einfach nur traurig.

Wie es zu erklären ist, dass sich mehr als 80 Prozent auf HSVPlus stürzen, werde ich immer wieder gefragt. Meine Antwort: Weil van Marwijk mit seiner Erkenntnis offensichtlich nicht allein ist. Neben ihm haben offenbar zigtausende HSV-Fans erkannt, dass die Voraussetzungen für erfolgreichen Fußball beim HSV nicht mehr gegeben sind. Es muss sich etwas ändern.
Wobei, „etwas“ ändern reicht nicht – es muss alles und jeder hinterfragt werden. Sicherlich auch der Trainer. Aber eben längst nicht nur er…

Scholle

Van der Vaart outet sich als Bremen-Fan – aber will beim HSV bleiben

21. Januar 2014

Oha, wenn die hiesige Stimmung repräsentativ ist, dann verlieren die Supporters gerade eine Menge Mitglieder. Zumindest auf unserer Facebook-Seite und im Blog brüsten sich etliche damit, dass sie aus der SC-Abteilung zu den Förderern Amateursport wechseln oder schon gewechselt sind. Ein Protest, der legitim ist. Und bitter für den SC, der sich, ebenso wie der Verein, in einer Umbruchphase befindet. Nicht zuletzt die beachtliche Rede vom ehemaligen Aufsichtsrat und führenden Supporter Axel Formeseyn hat die Stimmungslage in der eigenen Abteilung verdeutlicht.

Es wurde im Vorwege der Mitgliederversammlung immer von drohenden Gräben gesprochen – und fleißig dementiert. Dabei wussten und wissen alle, dass eine derartige Glaubensfrage wie die aktuelle Strukturdebatte für einige zum unüberwindbaren Endpunkt würde. Viele sind und wären nicht in der Lage, das Ergebnis im Sommer zu akzeptieren. Auf beiden Seiten. Wobei „beide Seiten“ falsch ist, immerhin sind die absoluten Mehrheiten Supporters-Mitglieder und längst nicht alle Gegner von HSVPlus. Zumal keine fanatischen, wie Jojo Liebnau in seiner sehr ausgewogenen Rede („Das ist Demokratie, und dann akzeptiere ich das“) bewies.


Egal wie, am Ende verliert der SC Mitglieder. Schade, da die Abteilung vom Grundsatz her sehr gut ist und in den letzten zehn Jahren aus dem HSV-Publikum des Volksparkstadion ein Stimmungsfeuerwerk in der Imtech-Arena gemacht hat. Der SC hat dem HSV eine Fankultur gebracht, wie sie vorher nie da war.

Den Mitgliedern war es dennoch zu viel. In einigen Bereichen ist der SC bei allen guten Gedanken zu weit vorgedrungen. Das Ergebnis war die Wahl am Sonntag. Wobei hinter allen Konzepten immernoch das große Fragezeichen steht, wer es umsetzen soll. Und die Frage nach Personen im HSVPlus-Konzept wurde bislang – außer von Rieckhoff selbst, der im Matz-ab-Interview noch mal deutlich macht, dass er partout kein Amt übernehmen will – immer ein wenig ausweichend beantwortet. Klar ist, dass sowohl Thomas von Heesen als auch Holger Hieronymus bereit sind, dem HSV aktiv zu helfen. Hinzu sollen sich etliche Ehemalige gesellen (nicht nur 83er!), die flankiert von Wirtschaftsgrößen den verein wieder zu alter Stärke zurückführen sollen. Ditmar Jakobs wird vorerst nicht dabei sein, da er als Versicherungsmakler Geschäfte mit dem HSV macht und sich nicht einem Interessenkonflikt aussetzen und somit leicht angreifbar machen will. Leider auch (noch) nicht dabei ist Horst Hrubesch, vielleicht der Sympathiefaktor schlechthin.

Ich sage leider, weil ich Horst Hrubesch genau so kennengelernt habe, wie er nach außen wirkt. Unkompliziert, gerade heraus und ehrlich. Ein richtig guter Typ. Fast wäre er am Sonntag sogar sitzen geblieben, als er nebst oben genannten Leuten aufstehen sollte und von der ganzen Halle im CCH gefeiert wurde. Warum? Weil er noch nicht aktiv helfen kann und sich nicht mit fremden federn schmücken wollte. Denn wie in der letzten Woche geschrieben, hat Hrubesch noch das große Ziel, mit der U21-Nationalmannschaft, für die er bis 2016 unter Vertrag steht, eben 2016 in Rio olympisches Gold zu gewinnen. „Danach“, fragte mich Hrubesch, der dann 65 wäre und in Pension gehen wird, „danach ist es eine neue Situation. Mal schauen…“

Zum Glück weiß ich, dass Hrubeschs Qualitäten bei den HSVPlus-Initiatoren sehr hoch geschätzt werden. Holger Hieronymus und von Heesen sind zudem eng mit „dem Langen“ befreundet und bearbeiten ihren ehemaligen Mannschaftskollegen nach dem Prinzip „der stete Stein…“, wissend, dass Hrubesch vor 2016 nicht zu haben ist. Dann aber soll der Mann, der im Nachwuchs mit den DFB-Nationalteams etliche Titel gewinnen konnte, zum HSV kommen. „Nach Hause“, wie Hieronymus gestern sagte – obgleich Hrubesch in Hamm geboren wurde und seit nunmehr 14 Jahren in Frankfurt beim DFB arbeitet.

Und ich kann gar nicht oft genug sagen, wie gut ich diese Idee finde. Horts Hrubesch könnte hier der Hermann Gerland des Nordens werden. Ein typ, der in seiner Karriere fast alles erreicht hat, bodenständig geblieben ist und inzwischen 14 (dann sogar 16) Jahre lang mit den größten Talenten Deutschlands gearbeitet hat. Hrubesch hat die Erfahrung, den Identifikationsfaktor, das Wissen und vor allem das Netzwerk, um die weiterhin stagnierende Jugend des HSV wieder bundesweit konkurrenzfähig zu machen. Und nur für die, die das jetzt als Kritik an Michael Schröder, dem aktuellen Nachwuchsleiter sehen – das meine ich mitnichten. Schröder hat in den wenigen Monaten im Amt bereits etliche Neuerungen eingefordert und umgesetzt. Allerdings wäre es vermessen, von ihm das zu erwarten, was von Hrubesch zu erwarten wäre.

Noch keine allzu großen Erwartungen hegt Ola John. Der Niederländer wusste zwar im Test gegen Basel mit Einzelaktionen zu überzeugen – als Stammplatzgarantie sieht er das aber nicht. Im Gegenteil, John weiß, dass er sich über das Training anbieten muss. „Ich bin neu und habe Ziele, auch das, auf dem Platz zu stehen. Aber dafür muss ich jeden Tag aufs Neue zeigen, was ich kann.“ Obgleich der Trainer ihn kennt. „Er hat mich in die Nationalelf berufen, er kennt mich. Er muss mir auch nicht mehr sagen, wie er mich findet“, so John, für den van Marwijk ein ganz wesentlicher Faktor beim Wechsel nach Hamburg war. „Der andere Grund ist die Bundesliga, die für mich sehr anziehend ist. Hier, vor allem auch mit dem HSV, haben viele meiner Freunde sehr gute Erfahrungen gesammelt. Und das will ich auch.“

Das größte Ziel hinter allem bleibt für John die WM in Brasilien im Sommer. „Ich würde lügen, würde ich etwas anderes sagen“, so der sympathische Rechtsfuß, „so ein Turnier will doch jeder Fußballer mal spielen, das ist menschlich.“ Dass er dafür in Hamburg fast übermenschliches Leisten müsste – John glaubt das nicht. Den Vergleich zwischen seinem Exklub, dem Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon und dem HSV gibt John nicht komplett verloren. „Die Bundesliga ist anders als Portugal, hier ist alles deutlich physischer, deshalb ist der Vergleich schwer. Leverkusen hat uns auch das Leben schwer gemacht.“ Schade nur, dass der HSV (noch) weit hinter Leverkusen einzuordnen ist. Aber sicherlich nett gemeint von John, der in Hamburg auf seine Glücksnummer 15 (trägt Rene Adler) verzichten muss, dafür die 25 („Immerhin die Fünf ist drin“) trägt und wenigstens seine Freundin aus Portugal mitbringen konnte. Noch wohnen beide zusammen im Hotel und John hat nichts von der Stadt gesehen – „aber dafür nur Gutes gehört. Ich hole alles nach, wenn wir gut spielen und in der Liga besser werden. Bis dahin konzentriere ich mich auf den Fußballplatz“, sagt John, den van der Vaart schon mit Eljero Elia vergleicht.

Apropos van der Vaart, der Niederländer war heute zusammen mit Pierre Michel Lasogga in der Raute bei den HSV-Fans in der Talkrunde. Dabei lobten sich die beiden Protagonisten und offenbarten schwere Sünden: Lasogga ist seit Kindesalter Schalke- und van der Vaart war vor einiger Zeit mal Werder-Fan, ehe er nach Hamburg kam. Glücklicherweise löste van der Vaart seine Aussage später auf – es war ein Scherz… Und obgleich van der Vaart anprangerte, der Mannschaft fehle der Leitwolf – sollte er das nicht sein – war die Veranstaltung, auf der wir als Pressevertreter unerwünscht waren (Vielen dank an dieser Stelle noch mal an Mister X, der mir per Whatsapp fleißig tickerte…!!), dem Vernehmen nach ein Erfolg. Beide Spieler präsentierten sich gewohnt Fan-nah und appellierten an die anwesenden Fans, weiter positiv zu bleiben, auch wenn es mal den einen oder anderen Fehlpass gibt. Und spätestens als van der Vaart offenbarte, dass es sein größter Wunsch wäre, nach seiner aktiven Karriere in Hamburg zu bleiben und für den HSV zu arbeiten, kannte die Begeisterung der Anwesenden kaum mehr Grenzen.

Klingt ja auch gut. Im Gegensatz zum verletzten- und Krankenstand beim HSV. Rene Adler (Sprunggelenk und Bänderriss) fällt gegen Schalke ebenso sicher aus wie Maxi Beister (wurde am Montag in Augsburg erfolgreich operiert) und Tomas Rincon. Der Venezolaner leidet an einer bakteriellen Entzündung im Arm und muss eine Woche pausieren – wäre aber eh gesperrt. Hoffnung hat dagegen weiterhin Marcell Jansen, der heute ob eines grippalen Infektes aussetzte, aber ebenso wie Tolgay Arslan möglichst am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll.

Ach ja, und um diesen Blog zu klammern (thematisch am Anfang und am Ende gleich), noch einmal zurück zum Thema Strukturreform. Bislang ist noch unklar, ob es zwei Mitgliederversammlungen geben wird. Also einmal die geplante im Mai und dann noch eine außerordentliche, um das Thema Strukturreform zum Ende zu bringen. Wobei ich mir sicher bin, dass die Initiatoren um Vorstand Oliver Scheel nicht den Fehler machen werden, kurz nacheinander zwei Veranstaltungen abzuhalten, auf denen es um existenzielle Abstimmungen geht. Denn das wäre den von weit her anreisenden Fans schlichtweg nicht zuzumuten.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um 15.30 Uhr trainiert.

Scholle

****Aktualisiert****Das große Rieckhoff-Interview am Montag

20. Januar 2014

****AKTUALISIERUNG mit einigen interessanten Jarchow-Zitaten****

Liebe “Matz-abber”,

sorry, aber am Tag danach ist der Wurm bei uns drin. Aber wie! Ich hatte eben lang und breit geschrieben, warum wir noch nicht “auf Sendung” sind – wir, “Scholle” und ich, haben große, nein riesige Probleme mit unseren Laptops. “Scholle” hat heute ein “neues Ding” bekommen, er kommt damit gar nicht erst ins Internet, ich habe ein neues Programm erhalten, stellte meinen “Ersatz-Text” hier rein – und er war weg. Einfach weg! Unfassbar. Wir bemühen uns, noch etwas auf die Beine zu bringen, Ihr könnt unterdessen ein heute geführtes Interview mit Ernst-Otto Rieckhoff sehen.

Derweil ist bekannt geworden, dass der Aufsichtsrats-Boss Manfred Ertel bei der konstituierenden Sitzung nicht mehr als AR-Chef kandidieren, aber im Rat bleiben wird.

Zu derzeitigen HSV-Situation gibt es gleich bei “Rasant” auf “HH1″ eine Sendung mit HSV-Held Holger Hieronymus aus dem Rieckhoff-Team, sowie “Scholle” und Sky-Kollege Sven Töllner, Moderator ist Uli Pingel. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr und wird danach auch wiederholt.
So nun hoffe ich, dass der Text nicht gleich wieder weg ist . . .


Dieter hatte Glück: Der zweite Text ist nicht weg, womit ich mich spät, aber hoffentlich nicht zu spät bei Euch melde. Einen Tag nach der historischen Mitgliederversammelung bin ich noch immer positiv überrascht, wie geordnet die Veranstaltung war. Wobei an dieser Stelle auch dem Versammlungsleiter Dr. Peters ein großes Kompliment gebührt. Wobei, andererseits aber können sich viele Komplimente abholen. Axel Formeseyn für eine starke Rede, Jojo Liebnau für seine diplomatische Art mit einer Niederlage umzugehen, Manfred Ertel für seine Konsequenz – und natürlich dem Team um die Initiative HSVPlus. Und diese Glückwünsche gelten auch heute noch, morgen sicher auch – selbst übermorgen noch.

Aber dann geht es wieder los.

Holger Hieronymus hat es heute bei “rasant” schön formuliert, “ab dann tritt alles, was nicht Fußball ist, in den Hintergrund”. Worte, die ich ihm abnehme. Wahre Worte.

Dass hinter der Fassade weiter Wahlkampf betrieben wird ist logisch. Vielleicht sogar noch intensiver als vorher, wenn man beispielsweise den Ankündigungen von Jürgen Hunke glauben darf. Aber ich kann nur hoffen, dass der Wahlkampf keine wichtigen Entscheidungen beeinflusst, soll heißen, dass sich bei aller Rivalität der Strukturvertreter alle Beteiligten klar darüber sind, wie schlecht man sportlich noch dasteht und dass es für den Klassenerhalt unablässlich ist, dass alle wenigstens in dieser einen Thematik eng zusammenarbeiten. Auch der Aufsichtsrat, der sich in der kommenden Woche trifft, um über die Nachfolge Ertels zu besprechen und zu lösen. Dem Vernehmen nach ist Jens Meier der große Favorit auf den Posten.

Weiter im Amt und dazu noch mit einem klaren Bekenntnis ist Carl Jarchow, den meine Kollegen Kai Schiller und Alexander Laux heute zum Interview getroffen haben. Ein paar Auszüge aus dem interessanten Gespräch gibts hier als Blogabschluss vorab. In diesem Sinne, gute Nacht und bis morgen, Scholle

Abendblatt: Was bedeuten diese beeindruckenden 79,4 Prozent für HSVPlus nach einer Nacht des Drüberschlafens?

Jarchow: Es war die größte Mitgliederversammlung der HSV-Geschichte und eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder von 79,4 Prozent hat sich für ein Konzept entschieden, das wir als Vorstand nun umzusetzen haben. Das ist ein sehr demokratischer Vorgang, den ich natürlich auch begrüße.

Es gab viele Gewinner, aber auch lautstarke Verlierer. Gibt es nicht doch eine Zerrissenheit im Verein?

Jarchow: Einen wirklichen Riss kann ich nicht erkennen. Es gehört zur Demokratie, dass es auch Unterlegene gibt. Und es ist doch ganz klar, dass es auf deren Seite auch Enttäuschungen und Befürchtungen gibt. Deswegen empfinde ich es auch als eine meiner Aufgaben, diese Enttäuschten auf unserem weiteren Weg mitzunehmen.

Wie sieht dieser Weg aus?

Jarchow: Selbstverständlich werden wir uns nun zeitnah darum kümmern, die entsprechenden Fachleute mit der Aufbereitung von HSVPlus zu beauftragen. Zunächst geht es nur um die Erststellung der Ausgliederungsdokumentation. Das ist kein Hexenwerk, aber man muss das Schritt für Schritt abarbeiten.

Der Antrag auf Fernwahl verfehlte am Sonntag die erforderliche Dreiviertelmehrheit. Bedauern Sie das?

Jarchow: Ich bin kein großer Anhänger von Fernwahlen. Im Prinzip war ich immer gegen Fernwahl, weil ich immer der Meinung war, dass ein Verein wie der HSV wichtige Entscheidungen in der Mitgliederversammlung verabschieden sollte. Das Einzige, was ich mir hätte vorstellen können, wäre bei einzelnen, sehr wichtigen Entscheidungen eine Briefwahl ähnlich wie bei der Bundestagswahl einzuführen.

Den Rest des sehr interessanten Gesprächs könnt Ihr in der Dienstagsausgabe des Hamburger Abendblattes lesen. Viel Spaß dabei! Training ist übrigens um 15.30 Uhr

So, nun bin ich (DM) total verzweifelt. Was hat der Internet-Gott gegen uns? Mein Text, der dritte, war auch wieder verschwunden. Unerklärlich. Es tauchten nur fünf Zeilen auf, das war es. Nun ist es mir aber doch noch gelungen, etwas zu retten – und das folgt nun noch.
Nein, ganz, ganz bitter ein solcher (Internet-)Tag.

Der dritte Versuch an diesem Montag. „So is Lebbe“, würde der „Stepi“ sagen. Aber das war schon ein bitteres Erlebnis – Text weg. Weil ich, um besonders schnell zu sein, direkt in den Blog geschrieben habe – und weg. Dann sitzt man wie ein Häuflein Elend vor dem Computer und versteht die Welt nicht mehr. Vielleicht wäre noch etwas zu retten gewesen, aber „Scholle“ war auf dem Weg in die Sendung „Rasant“, und von den Moderatoren war keiner erreichbar, weil sie bis um 21 Uhr einen Termin hatten. Ja, und dann kam das, was nicht hätte passieren dürfen. Solche Tage muss ich, der keinerlei Ahnung von solchen „Rettungsversuchen“ im Internet hat, nicht so oft haben. Das muss ich gestehen. Hoffentlich wird der Dienstag etwas angenehmer – obwohl dann „Scholle“ dran ist. Und der konnte heute nicht einmal ins Internet, weil sein Laptop neu ist und irgendetwas seinen Dienst nicht so tat, wie es hätte sein müssen. Dienstag wird er es wieder tun müssen, sonst ab in die Alster mit dem neuen „Ding“.

Ihr lieben „Matz-abber“, zunächst möchte ich Euch danken. Danken dafür, dass Ihr Euch an diesem vergangenen Sonntag so oft bei uns gemeldet habt, und dass Ihr Euch so oft ganz herzlich für diesen „Matz-ab“-Blog bedankt habt. Das tat uns so gut, ich bin beeindruckt und überwältigt, das muss ich gestehen, vielen, vielen Dank dafür. Ganz großartig war aber auch, wie viele HSV-Mitglieder sich an diesem 19. Januar 2014 auf den Weg nach Hamburg und ins CCH gemacht haben. Ich hoffe sehr, dass Ihr alle, die aus dem Süden, Westen und Osten der Republik angereist waren, gesund und auch pünktlich wieder zu Hause gelandet seid. Unglaublich und zugleich sensationell, welche riesigen Strapazen Ihr auch Euch genommen habt, um an diesem Tag dabei zu sein, wenn der HSV seine Zukunft neu gestaltet. Das war einfach nur hervorragend! Deswegen finde ich es doppelt und dreifach schade, dass Ihr nicht auch an Ort und Stelle schon belohnt worden seid: Fernwahl. Das war bitter, zweimal so knapp zu verlieren – und dann den Jubel der „Sieger“ hören und ertragen zu müssen. Welch ein Sieg? Und warum wurde ein so „erschütternder“ Sieg so enthusiastisch von der „Gegenseite“ gefeiert? Erleichterung? Angst? Schadenfreude?

Ich habe einige, ich denke sogar viele, von jenen HSV-Mitgliedern kennengelernt, die am Sonntag aus der Ferne angereist waren. Sie kamen nicht bequem aus Meiendorf, Blankenese, Langenhorn oder Lüneburg, sondern auch aus Zwickau (herzliche Grüße!), aus Bad Hersfeld, aus Forst, aus Darmstadt, aus Düsseldorf, sogar aus Italien und, und, und. Es stimmt mich traurig, dass es für diese HSVer nur ein Erfolgserlebnis gegeben hatte, wenn natürlich auch das größte und beste. Leider, leider aber muss ja festgestellt werden, dass es durchaus HSV-Mitglieder gibt, die mit vielen anderen HSV-Mitgliedern keine gemeinsame Sache machen wollen, und dass diese „besonderen“ HSV-Mitglieder schlicht und einfach nur Angst davor haben, dass eine Brief- oder Fern-Wahl dafür sorgen könnte, dass sie „ihren HSV“ total aus den Händen verlieren könnten. Mein Kommentar dazu: Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Wie auch der HSV-Aufsichtsrat. Aus diesem Gremium wurde ja nur gegen „HSVplus“ um Ernst-Otto Rieckhoff „geschossen“. Dieses Konzept musste und sollte, so diese Räte, verhindert werden. Monatelang wurde versucht, gegen „HSVplus“ zu kämpfen, und dann dieses Ergebnis: 79,4 Prozent für Rieckhoff und Co. Ob dieser Aufsichtsrat inzwischen schon gemerkt und gerechnet hat, dass er nur für 20,6 Prozent der HSV-Mitglieder gekämpft hat? Da setzt sich das oberste Gremium des HSV so lange und so vehement für eine Minderheit ein. Zeichen der Zeit nicht erkannt, klarer Fall. Und dass dieser Aufsichtsrat an diesem Sonntag – und ganz zuletzt – dann auch keine Entlastung erhalten hat, das passte zu dieser trostlosen Vorstellung nur haargenau. Noch ein dicker Denkzettel. Aber ob all diese Denkzettel ausreichen? Da habe ich meine allergrößten Zweifel. Irgendwie wird an dieser (eigentlich entscheidenden) Stelle im Verein nichts gemerkt . . . Schade.

Dass sich der Aufsichtsrats-Boss Manfred Ertel bei der konstituierenden Sitzung (kommende Woche) des Kontroll-Gremiums nicht zur Wiederwahl als AR-Chef stellt, das war schon vorher vermutet worden, dass er Mitglied des Rates bleiben will, ist dagegen schon äußerst bemerkenswert. Zeichen der Zeit . . . Die hatte der Herr Ertel offenbar schon vor der Versammlung erkannt, er will seinen Rückzug schon einige Tage zuvor beschlossen und nur noch nicht verkündet haben . . .

Die Zeichen der Zeit hatte zum Glück noch der Vorstand erkannt. Wobei vor allem Joachim Hilke zu nennen ist, der ohne Rücksicht auf sein Amt und seine Position seine Sicht der Dinge schilderte. Schonungslos, kompromisslos, ehrlich. Ich weiß nicht, die wievielte Jahreshauptversammlung des HSV es für mich war, aber ich weiß eines: Ganz, ganz selten hat mich eine Rede mehr beeindruckt und begeistert, als dieser Hilke-Vortrag. Der enthielt alles, was es zur derzeitigen Situation des Clubs zu sagen gibt und gab, alles. Und ich werde so schnell nicht vergessen, mit welchen ungläubigen Blicken auf dem Podium diese Rede verfolgt wurde. So mancher Mund ging vor Erstaunen nicht mehr zu . . . Joachim Hilke und auch Vorstands-Chef Carl-Edgar Jarchow, die monatelang zu etwaigen Struktur-Änderungen geschwiegen hatten, die hatten sie erkannt – die Zeichen der Zeit. Dankeschön.

Ich danke auch den „Ehemaligen“, die gemeinsame und gute Sache mit Ernst-Otto Rieckhoff machen. Dass Horst Hrubesch (aus der Nähe von Uelzen), Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus und Thomas von Heesen anwesend waren, das war ein richtiges und wichtiges Zeichen. Meine ganze Hoffnung liegt auf den Schultern der 83er-Helden, die mit ihrem Sachverstand dafür sorgen werden, dass sich die Fehlentscheidungen im HSV minimieren. Ganz sicher wird es so sein, und nun hat der Club die Gelegenheit dazu bekommen, dass es endlich so wird. Der HSV wird endlich und wirklich ein „richtiger“ Fußball-Profi-Verein, davon bin ich seit dem 19. Januar 2014 restlos überzeugt.

Zum Schluss möchte ich noch zwei besondere Dinge hervorheben. Ihr werdet, sofern Ihr es noch nicht gesehen und gelesen habt, hier ein ausführliches Interview mit Ernst-Otto Rieckhoff sehen können. Darin spricht der Sieger vom Sonntag über die Zukunft des Clubs, über seine Zukunft und darüber, wie es nun weitergeht mit „HSVplus“. Es ist sicher sehenswert.

Und dann möchte ich doch noch schnell einmal sportlich werden. Ein kurzer Rückblick auf das Basel-Spiel sei mir gestattet, denn ich frage mich, ob ich eine Sache richtig deute, ob ich sie richtig wahrgenommen habe. Als in der 64. Minute (so glaube ich) Heiko Westermann eingewechselt wurde, da brandete lauter Beifall auf, besonders aus dem Norden. Habe ich das richtig gehört, deute ich das richtig- oder ist das nur Wunschdenken? Es wäre in meinen Augen auch ein richtiges und ein richtig gutes Zeichen, wenn nun auch der letzte HSV-Fan erkennen würde, dass es nichts bringt, einen „eigenen“ Spieler auszupfeifen. Es wäre wunderbar, wenn ich tatsächlich „richtig“ gehört und wahrgenommen hätte. Wenn dem so ist, dann danke ich auch dafür ganz, ganz herzlich. Weiter so.

Kreuzer: “Qualität und Charakter stimmen”

25. August 2013

„Wir haben letztes Jahr nach drei Spielen null Punkte gehabt und waren am Ende trotzdem nah dran an den Europa-League-Plätzen. Jetzt ist die Situation sicherlich ähnlich, aber sie ist noch besser als im letzten Jahr.“ Die Kurz-Analyse von Thorsten Fink. Womit der HSV-Trainer gar nichts Falsches sagt, keine Frage, denn ein Punkt ist natürlich besser als keiner.
Das kann man auch mal so stehen lassen.

Ansonsten ist doch alles normal. Ungewöhnlich wäre es doch gewesen, wenn der HSV auf Schalke einen Punkt geholt hätte, und danach Hoffenheim und Hertha aus dem jeweiligen Stadion gefegt hätte. Das konnte nun wirklich niemand erwarten, obwohl es sich viele genau so erhofft hatten. Nun ist aber die Realität wieder nach Hamburg zurückgekehrt, und alles ist nicht nur normal, sondern wie immer. Kleine Brötchen backen heißt es zunächst einmal, und wer an den vergangenen Saisonstart zurückdenken mag, der wird sich erinnern: 0:1 zu Hause gegen Nürnberg, 0:2 gegen Werder, 2:3 in Frankfurt – und dann kam Dortmund. 3:2 gewonnen. Daraus ziehe ich folgenden Schluss: Am Sonnabend wird gegen Eintracht Braunschweig gewonnen und somit auch die Wende zum Guten eingeläutet. So sieht das nämlich aus . . . Alles wird gut.

Wahrscheinlich. Wenn ich aber sehe, was mir im Moment an Mails, SMS und Telefonaten alles um die Ohren fliegt, dann ist beim HSV-Anhang allerdings alles andere als gut. Danach muss im Gegenteil vieles schlecht sein, manches sogar katastrophal. Ich glaube aber, dass es so wie immer (in den vergangenen Jahren) beim HSV ist – kein Grund zur Panik. Das ist die Wahrheit, die Wirklichkeit, das und so ist der HSV 2013. So und nicht anders. Es mag ja sein, dass sich viele (auch gelegentlich ich, gebe ich zu) etwas mehr vom HSV versprochen haben, aber erstens kann das noch immer kommen, und zweitens muss doch die Frage erlaubt sein: Woher soll das denn kommen? Geld regiert diese (Fußball-)Welt, und genau davon, nämlich von diesen so wichtigen Scheinchen, hat der HSV derzeit nicht ganz so viel. Deswegen ist das, was wir alle jetzt erleben, doch völlig normal. Vereine, die etwas mehr Geld haben als der HSV, die würden jetzt, in den letzten Tagen dieser Transferperiode, noch mit dem einen oder anderen Einkauf reagieren, das aber kann der HSV nicht. Das müssen wir alle endlich mal einsehen. Kleinere Brötchen backen eben, auch wenn es schwer fällt.

Der HSV kann nur in einer Form reagieren: mit Arbeit. Mit harter, harter Arbeit. Mit Training, Training, Training, und mit üben, üben, üben. Thorsten Fink wird, weil es ihm von allen Seiten um die Ohren fliegt (und zwar noch immer), wissen, dass zwei freie Tage nach der Hoffenheim-Pleite das völlig falsche Signal gewesen an die Spieler gewesen ist, aber es ist jetzt auch nicht mehr zu ändern. Ich denke jedoch, dass sich Fink hüten wird, so etwas ein zweites Mal zu probieren. Und Ende Gelände.

Natürlich verlieren viele HSV-Fans so ganz allmählich die Geduld. Und das ist irgendwie auch verständlich. Zu lange treten die Rothosen in der Liga schon auf der Stelle. Dann, wenn es ein kleines Fünkchen Hoffnung geben könnte, dann geht es wieder bergab. Und nicht nur die Fans sind ungeduldig. Ich habe in der vergangenen Woche mit sehr, sehr vielen Ehemaligen des HSV gesprochen, viele davon haben die schönsten und größten Kapitel des HSV mitgeschrieben. Ich kann nur eines sagen: Keiner, wirklich keiner, hat ein gutes Wort über seinen HSV verloren, alle sind im höchsten Maße unzufrieden mit dem, was da abläuft. Aber, ich gestehe das auch, keiner will das veröffentlicht haben. „Hakt mich da raus“, oder „Damit will ich nichts mehr zu tun haben“ – so habe ich es immer wieder gehört. Und so manches Mal bei mir gedacht: Wenn doch nur die Verantwortlichen des Clubs das hören würden, vielleicht würden sie doch ihre Lehren daraus ziehen. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Nur wissen sollten es die Herren durchaus einmal, um nicht alles so (in meinen Augen viel zu leichtfertig) abzutun, dass es nur die böse Presse ist, die alles schlecht macht und schlecht sieht.

Wobei mir der eine oder andere Fan (oder „Matz-abber“ – aber der ist ja auch Fan) heute schon gesagt oder mitgeteilt hat, dass ich das Spiel in Berlin zu gut gesehen habe. Hertha war grottenschlecht, der HSV schlecht. Dennoch, diese Partie hätte, wenn es denn einen Sieger hätte geben müssen, nur von Hamburg gewonnen werden dürfen. Wenn die Hamburger denn erkannt hätten, wie schlecht die Hertha ist. So oder so ähnlich habe ich es heute sehr oft gehört. Aber da ist es eben schon wieder, das „Ding mit die kleinen Brötchens“ . . .

Ich finde trotz allem auch heute, am Sonntag, immer noch, dass sich der HSV gegenüber Hoffenheim (gut, das ist auch kein Maßstab, aber trotz allem) deutlich verbessert hat. Diszipliniert und konzentriert wurde gespielt, bis Mitte zweite Halbzeit auf jeden Fall. Dann war es Maximilian Beister (und nicht, wie einige vermuteten, Milan Badelj), der den Berliner Schulz ziehen ließ – davon profitierte dann Ramos mit seinem Schuss zum 1:0. Zuvor hätte Artjoms Rudnevs in „Normalform“ drei Tore (in Worten drei!) erzielen können, vielleicht sogar müssen, und dann wäre die Frage des Siegers lange geklärt gewesen. Aber der gute „Rudi“ wirkt irgendwie auch leicht verunsichert. Gut ist in diese Falle nur, dass „Rudi“ diese Möglichkeiten immerhin hatte. So etwas gab es gegen Hoffenheim nämlich nicht einmal. Und dann hatten in der Nachspielzeit ja auch Rafael van der Vaart und Heiko Westermann noch zweimal per Kopf die Chance, das 1:1 zu erzielen – das war nur Pech.

Genau deswegen waren die Führungsherren des HSV – trotz der Niederlage – auch nicht generell unzufrieden. „Die Mannschaft hat hier gezeigt, dass sie nicht führungslos ist, dass sie die Qualität hat und auch der Charakter stimmt“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer, der sich als einziger HSVer mit recht deftigen Sätzen gegen die Kritik von Milliardär Klaus-Michael Kühne („Kreuzer ist ein Drittliga-Manager“) gewehrt hat. Er bleibt seiner Linie treu. Kreuzers Wunsch liest sich allerdings ein wenig wirklichkeitsfremd: „Es wäre schön, wenn wir eine Woche hätten, in der wir uns nun in Ruhe auf Braunschweig vorbereiten könnten.“ Das wird ganz sicher nicht der Fall sein. Erstens hat Kühne eine Lawine losgetreten, zweitens wissen auch alle Spieler, dass kaum Ruhe herrschen wird. Nach dem 1:5 gegen Hoffenheim wussten Rene Adler und Heiko Westermann fast unisono: „Das wird eine Kack-Woche . . . “ Und so richtig hat sich an diesem Zustand ja nichts geändert.

Zur Kühne-General-Schelte befand übrigens Thorsten Fink: „Das hat das zur Leistung der Mannschaft nicht gerade beigetragen. Vor allem in der ersten Halbzeit hat man gemerkt, dass die Mannschaft solche Aussagen nicht so gut wegsteckt. Dennoch hat meine Mannschaft kämpferisch ein sehr gutes Spiel gezeigt, ein Remis wäre verdient gewesen. Wir schauen aber positiv nach vorn.“ Der Trainer selbst allerdings zeigte sich – äußerlich – total unbeeindruckt von der Kühne-Sache: „Ich konzentriere mich auf meine Mannschaft. Egal, was von da von außen an uns herangetragen wird. Das kann ich nicht ändern, das kann ich nicht verhindern – ich will es aber auch nicht kommentieren. Für mich persönlich ist es auch unwichtig. Ich lese zwar auch Zeitung, aber nicht mehr so viel.“ Dann sagte er auch: „Ich werde mich nicht zermürben lassen. Wir halten zusammen, der Club hält zusammen.“

So denkt auch Club-Chef Carl-Edgar Jarchow: „Ich bemühe mich um Realismus und gehöre nicht zu den Leuten, die sagen wir wären schon abgestiegen.“ Jarchow im ZDF über die Trainer-Frage, die natürlich keine ist: „Wir sind der Meinung, dass Thorsten Fink das hinbekommt. Er hat unsere Unterstützung auch weiterhin. Alles andere, was sonst noch diskutiert wird, hat sicherlich einen anderen Hintergrund . . .“
Vielleicht den der Opposition. Leute, die den HSV gerne anders, vor allen Dingen professioneller, aufgestellt sehen würden.

In Richtung Kühne hatte noch Nationaltorwart Adler eine besondere Meinung abzugeben: „Ich lese seit drei Wochen keine Zeitungen mehr, mich interessiert das nicht die Bohne. Mich interessieren auch keine Kommentare von irgendwelchen Leuten, die nicht im Verein involviert sind.“ Oha. Das ist mal ’ne Aussage. Sportlich befand Adler: „Wir haben eine andere Hamburger Mannschaft gesehen. Die hat gefightet und wollte unbedingt gewinnen, das war nicht zu vergleichen mit dem Hoffenheim-Auftritt“, der optimistisch nach vorne blickt: „Wenn wir jetzt gegen Braunschweig gewinnen, dann kommen wieder aus dieser schwierigen Situation ach wieder heraus.“ Etwa negativer sah diese 0:1-Niederlage der Kapitän. Rafael van der Vaart sprach von einem „Fehlstart“ und räumte ein: „Wenn man verliert, ist das immer ein Schritt zurück. Es ist enttäuschend und insgesamt auch zu wenig.“ Natürlich auch von ihm, keine Frage. Aber daran kann ja in dieser Woche auch hart gearbeitet werden.

PS: An diesem Montag ist trainingsfrei.

PSPS: Die A-Jugend hat ihr Bundesliga-Heimspiel gegen Hansa Rostock heute mit 1:2 verloren. Nach drei Spielen drei Punkte – Platz neun.

PSPSPS: Wer mehr über die aktuelle Lage des HSV erfahren möchte, der sollte sich das Video von „Matz ab live“ ansehen – es ging hoch her. Vielen Dank bei der Gelegenheit an die Gäste Jürgen Stars und Axel Formeseyn – sie waren großartig. Wir hätten noch stundenlang diskutieren können.

18.26 Uhr

Beister steht am Scheideweg

17. März 2013

Die Enttäuschung ist auch am Tag danach immer noch riesig. Der HSV hatte gegen den FC Augsburg 19:6 Torschüsse, 9:3 Ecken, 64:34 Prozent Ballbesitz – und hat dennoch mit 0:1 verloren. Riesige Zahlen einer gigantischen Pleite. Niemals im Leben, das gebe ich zu, hätte ich gedacht, dass der HSV nur 14 Tage nach der 1:1-Pleite gegen den Tabellenletzten Fürth erneut daheim so versagen würde – und gegen den Drittletzten eine 0:1-Heimpleite kassiert. Niemals. Aber man lernt eben nie aus. Und die HSV-Spieler haben offenbar aus ihren Fehlern nichts gelernt. Darüber werde ich nun schreiben, aber zuvor sei – ganz wichtig – angemerkt, dass ich nichts davon erwähnen werde, dass der HSV zu dumm für Europa ist. Das wäre mir viel zu billig. Erstens ist Europa immer noch drin, zweitens würde sich erst danach herausstellen, ob der HSV wirklich nicht Europa kann – und drittens: Wer fragt denn die Spieler und die Trainer immer wieder nach Europa? Na? Wer? Und? Um solche Antworten zu bekommen – und dann auf alle einzuprügeln, dass sie was gesagt haben? Das ist mir wirklich viel, viel zu billig.

Ich habe noch am Sonnabend, aber auch schon an diesem Sonntag einige Gespräche mit HSV-Fans geführt. Frust pur war aus allen Unterhaltungen herauszuhören. Von „Skandal“ über „Frechheit“ bis hin zur „Arbeitsverweigerung“ war da zu hören. Ich kann nur noch einmal davon schreiben, was mir nach dem Spiel aufgefallen war: Die meisten Zuschauer schlichen völlig „bedröppelt“ und mit gesenkten Köpfen Richtung Heimat. Kaum einer schimpfte, kaum einer meckerte, kaum einer fuhr lautstark aus der Haut. Nach dieser deprimierenden HSV-Vorstellung herrschte das große Schweigen im Volkspark. So, wie ich es selten zuvor einmal erlebt habe. Die meisten Fans waren unfähig, etwas zu sagen. HSV-Fan Klaus H. aus Buxtehude erzählte mir: „In der S-Bahn hat keiner den Mund aufgemacht, alle waren mit ihren Gedanken beschäftigt: wieso? Sonst herrscht in den Bahnen, die von Stellingen Richtung Hauptbahnhof fahren, eine unheimlich laute Atmosphäre, diesmal war alles ganz anders. Beklemmend. Aber für mich absolut nachvollziehbar. Ich war total bedient.“

HSV-Dauerkarten-Inhaber Frank P. berichtete mir, dass der neben ihm sitzende Däne besonders sauer auf Maximilian Beister war. Der Däne befand: „Ich fahre stundenlang nach Hamburg, um mir so etwas anzusehen. Schon die ersten Szenen von Beister waren so emotionslos, so lustlos – als hätte er überhaupt keinen Bock, hier noch was zu reißen. Und dann dieser Tritt! Was denkt er sich dabei?“ In diese Kerbe schlug auch Klaus. H., der vorschlug: „Der Beister soll mal mit mir aus Buxtehude zu einem HSV-Spiel fahren. Erst mit Bus, dann mit Bahnen, dann wieder mit Bus. Das dauert lange, das ist auch nicht unbedingt immer so ganz lustig, aber man nimmt es als Fan eben auf sich. Wenn Beister aber so etwas mal mitmachen müsste und würde, dann wüsste er, dass man sich als Profi ganz anders zu benehmen hat. Frust hin, Frust her – das ist keine Entschuldigung.“

Was der Norderstedter Manfred L. zu Beister gesagt hat, ist bezeichnend genug: „Anstatt sich in der Pause aufzuwärmen, hat Beister sich Bälle geschnappt und sie unter dem Gejohle der Fans auf der Nordtribüne ins Tor geschnibbelt. Was ist das bloß für eine verheerende Einstellung? Da wird mir schlecht!“

Ich wollte zum Thema Beister an dieser Stelle eigentlich noch gar nichts schreiben (erst am Ende), aber nun ist es eben so: Ich habe fast alle Trainingseinheiten dieser Woche gesehen, Maximilian Beister ist mir deswegen aufgefallen, weil er auch da schon immer nur herumtrottete, nur trabte, lustlos am Geschehen teilnahm. Das kann, so denke ich, einmal passieren, vielleicht auch zweimal, aber dann muss es sich auch wieder haben.

Ich bin seit 32 Jahren HSV-Reporter, ich muss aber gestehen, dass ich eine solche Einstellung, die sich über Tage, fast schon über Wochen erstreckt, von einem HSV-Profi noch nie erlebt habe. Es gab sicher mal einen Uli Stein, der keinen Bock mehr hatte, weil die Schiedsrichter anders entschieden hatten, als er es gerne gesehen hätte. Deswegen hat der HSV-Torwart schon gelegentlich „gemault“. Aber es hielt sich dennoch in Grenzen. Eine solche Fehl-Einstellung aber, wie sie Maximilian Beister an den Tag gelegt hat, habe ich nie kennengelernt.

Was mich erstaunt daran: Es gibt Mitspieler, die es sehr wohl bemerkt haben, das Beister vor lauter Frust etwas „kürzer getreten“ ist. Diese Kollegen haben mit ihrem jungen Stürmer gesprochen, um ihn wieder in die Spur zu bringen – es brachte nichts. Was mich nachdenklich stimmt: Wenn ich mich früher, als kleiner Verbands- und Landesliga-Spieler, nur zweimal im Training so lustlos gegeben hätte, dann wäre ich beim ersten Mal vom Trainer in die Kabine gejagt worden – und nach dem zweiten Mal hätte ich meine sieben Sachen packen müssen – und Ende Gelände. Thorsten Fink aber bringt den total frustrierten Maximilian Beister in der 68. Minute für Tomas Rincon. In meinen Augen ein schwerer Fehler.

Schon seit Wochen versteht Beister die Welt nicht mehr. Er wurde vom Trainer immer wieder gelobt, der Trainer sagte öffentlich, dass „Beister in einer hervorragenden Form“ ist, und zwar immer rund immer wieder wurde es gesagt, dann schießt Beister gegen Fürth das 1:1 und denkt offenbar: „Nun wird alles gut.“ Denkste! Wieder die Ersatzbank. Und da bin ich voll bei Thorsten Fink, denn: Artjoms Rudnevs und Heung Min Son haben die Tore für den HSV geschossen. Kein Trainer der Welt lässt einen Stürmer, der Tore schießt. Draußen, nur weil es einen dritten Stürmer gibt, der spielen will. Kein Trainer der Welt, das wiederhole ich gerne. Fink wollte mit seinem Lob, dass Beister in „hervorragender Form“ ist, für eine gewisse Beruhigung des Frustrierten sorgen, aber er hat damit – ganz offensichtlich – etwas ganz anderes erreicht. Beister fühlte sich zugleich bestätigt und links liegen gelassen. Da hätten offenbar andere Gespräche geführt werden müssen . . .

Und es hätte beizeiten eingegriffen werden müssen. Wenn ich an das Testspiel der HSV-Profis gegen die eigene Regionalliga-Mannschaft denke, das vor einigen Wochen stattfand. Es ist noch gar nicht so lange her – und hier nachzulesen. Da trat Beister gegen einen kleinen Nachwuchsmann des HSV so übel nach, dass der Sünder dafür in der Bundesliga mindestens sechs Wochen gesperrt worden wäre. Mindestens. Alle haben es gesehen – oder fast alle. Wenn das Trainergespann es nicht gesehen hat, dann hätten die, die am Rande standen und es gesehen haben, dem Trainergespann mal reinen Wein einschenken müssen. Damit der Trainer dann unter vier Augen mal Klartext spricht. Tenor: „So, mein lieber Maxi, geht es nicht, reiß dich zusammen.“ Dann folgte zuletzt der Test gegen Valerenga Oslo (2:3). Beister betrieb wieder Leistungsverweigerung. Thorsten Fink, auch darauf unmittelbar nach dem Spiel) angesprochen, sagte nur allgemein: „Die jungen Spieler müssen noch viel lernen . . .“ Stimmt. Aber einen Lernprozess kann man auch damit einläuten, dass man sich den einen oder anderen Spieler, in diesem Fall Beister, zu sich in die Kabine holt und ihm klar macht, dass es so nicht geht.
Und so geht es tatsächlich nicht. Nicht nur beim HSV nicht, sondern auch in allen kleinen Amateurmannschaften nicht.

Wir haben an diesem Sonntag in der Redaktion über den „Fall Beister“ gesprochen. Dabei sagte ein HSV-Fan und –Mitglied: „Ich habe trotz allem ein gewisses Verständnis für Beister. Den hat man zurück zum HSV geholt, hat um ihn gekämpft, hat ihm mit großen Worten eine tolle Erstliga-Karriere in Hamburg aufgezeichnet – und hat ihn dann doch nicht aufgestellt. Es spielte erst ein Marcus Berg, dann ein Artjoms Rudnevs. Von Beister war nichts zu sehen. Es hieß in dieser Zeit, dass er noch viel lernen müsse, dass der Sprung von Liga zwei in Liga eins zu groß sei, um ihn auf Anhieb zu schaffen. So wurde Beister immer wieder vertröstet. Obwohl ich denke, man hätte ihn viel eher mal ins kalte Wasser schmeißen müssen. Es hätte sich bezahlt gemacht, so denke ich.“

Ich denke so nicht. Beister hatte im ersten halben Jahr lange zu kämpfen, und er selbst hat es uns (Journalisten) auch einige Male gesagt, dass er es nachvollziehen könne, dass er noch draußen sitzt. Damals zeigte er durchaus Verständnis für den Trainer. Doch die Geduld ist ihm in diesem Jahr abhanden gekommen. Jetzt wollte er von den üblichen Vertröstungen nichts mehr wissen, jetzt wollte er endlich auf den Acker – und Tore machen. Doch da hatte er das Pech, dass es da nun schon zwei gab, die das in die Tat umsetzten, was Beister nur vorhatte: Tore machen. Sein Pech.

Aber darf man sich als Profi trotz dieses Pechs so hängen lassen? Nein. Was sollte denn ein Per Ciljan Skjebred machen? Rein, raus, rein, raus – sein Schicksal beim HSV. Und gegen Stuttgart (1:0) wurde dem Norweger bescheinigt, einer der besten Spieler auf dem Acker gewesen zu sein, vielleicht sogar der beste Mann auf dem Platz – und trotzdem: Skjelbred fehlte gegen Augsburg. Völlig. Und was bitte soll dieser Skjelbred nun mit seinem Frust machen? Um sich treten? Kopf hängen lassen? Dienst nach Vorschrift machen? Sich krankschreiben lassen? Oder sich zu Hause einsperren?

Und was bitte soll ein Jaroslav Drobny machen? Der tschechische Nationaltorwart (!) kommt an Rene Adler nicht vorbei. Und deshalb stellt sich dieser Drobny nun beim Training ins Tor – und hält nur jene Bälle, die auf Mann kommen. Lang macht er sich nicht mehr, in den Matsch wirft er sich erst recht nicht – er kommt doch an Adler nicht vorbei. Was soll das also? Sich deswegen einen Hintern aufreißen, nur weil man Ersatzkeeper beim HSV ist? Und dann noch Torwart Nummer drei: Sven Neuhaus. Der kommt in Zukunft nur noch zweimal die Woche zum Training – hat doch sowieso keinen Zweck mehr. Adler spielt, Drobny sitzt auf der Bank, warum soll man sich da noch anstrengen und mir das eine oder andere Bein ausreißen? Pustekuchen!“

Ja, und dann kann ich nur sagen: Alle drei Spieler, die ich hier nun – fiktiv – beschrieben habe, die reißen sich – sorry, wenn ich das so krass schreibe – in jedem Training den Arsch auf. Immer. Vorbildlich. Und genau deswegen kann ich diese laswche Einstellung, die Maximilian Beister zuletzt an den Tag gelegt hat, nicht tolerieren. Der große Felix Magath hat mir immer (privat) gesagt, wenn ich ihm mit gewissen Vorhaltungen kam: „Ein Profi hat zu funktionieren, er verdient sehr gutes Geld. Will er nicht funktionieren, dann soll er seinen Profi-Vertrag zurückgeben und irgendwo in einer dritten Herren spielen. So einfach ist das.“
Das klingt zwar hart, trifft aber im Grunde genommen den Kern.

Dass „Maxi“ Beister bei seinem Abgang (vom Platz) seinem Mitspieler Jeffrey Bruma einen Vogel zeigte (weil es der Niederländer wagte, ein paar passende Takte mit dem erzürnten Rot-Sünder zu wechseln), ist nur symptomatisch. Und dass die Fans, die ihn in der Pause (wegen der „Schnibbelei“) schon gefeiert haben, ihn noch nach der Roten Karte mit Sprechchören hypen, ist auch nur eine fatale Fehlleistung. Da wird ein Spieler zu einem Helden gemacht, der es nicht verdient hat. So jedenfalls nicht.

Trainer Fink hat über Beister gesagt: „Maxi hat sich mit seinen Aktionen erst einmal nah hinten manövriert. Weil Marcus Berg fehlte, hatte ich keine andere Möglichkeit.“ Ihn spielen zu lassen – meinte Fink. Der weiter sagte: „Maxi hätte einen Denkzettel verdient gehabt, er hat gegen Augsburg an seine Leistungen in dieser Woche angeknüpft . . .“
An seine Fehlleistungen, hätte es heißen müssen.

Was nun zu machen wäre? Jetzt sollten Trainer und Vereinsführung, ich meine auch, der Berater eindringlich mit Maximilian Beister sprechen. Sie alle müssen ihm dringend raten, dass er sein divenhaftes Verhalten ab sofort ablegt. Ansonsten würde er sich nämlich nur selber im Wege stehen – und seine Karriere in eine Sackgasse lenken. Es wäre schade drum. Trotz aller Defizite, die er zuletzt offenbart hat. Noch aber ist es für einen Wendepunkt in seiner Karriere nicht zu spät. Und er sollte sich endlich einmal einsichtig zeigen.

So, das wäre es, was ich zum „Fall Beister“ zu sagen hätte. Diese Eskalation hätte vermieden werden können, wenn dem Spieler rechtzeitig beschieden worden wäre, wo seine Grenzen sind.

Es muss aber auch trotz allem noch über diese schlimme 0:1-Nummer von Sonnabend geschrieben und diskutiert werden. Diese Pleite daran fest zu machen, dass ein erkrankt fehlender Rafael van der Vaart eben nicht zu ersetzen ist, wäre mir ebenfalls viel zu einfach. Obwohl der Niederländer (fiel wegen Fiebers und einer Magen- und Darmgrippe aus), der in diesem Jahr noch weit von seiner Bestform entfernt ist, natürlich sehr gefehlt hat – keine Frage. Aber auch mit dem „kleinen Engel“ hatte es ja zuvor auch dieses kümmerliche 1:1 gegen Fürth gegeben – oder?
Thorsten Fink zu seinem prominentesten Ausfall: „Ohne ihn haben die Überraschungsmomente im Spiel gefehlt, derjenige, der den entscheidenden Pass spielen kann. Das merkt man dann schon. Aber wir haben eigentlich gute Spieler, die ihn ersetzen sollten, aber heute haben viele ihr Niveau nicht erreicht.“ Der Trainer allgemein zur Leistung seiner Mannschaft: „Wir haben die erste Viertelstunde klar verschlafen. Wir haben den Gegner aufgebaut. Und wir haben nicht die Qualität, um konstante Leistungen abzurufen.“ Dann fügte er kurz an: „Noch nicht.“ Fink bekannte dann auch noch: „Das war heute ein Rückschritt, Trainer und Mannschaft haben nun viel zu erarbeiten – und einiges auch zu reden.“
Passen dazu der Kommentar von FCA-Trainer Markus Weinzierl: „Das war ein Spiel in eine Richtung. Wir haben mit Glück und Leidenschaft gewonnen.“

Eine Aussage, die auch zu denken geben könnte.
Oder müsste?

Ja, es gibt sicher viele Dinge, die nach einem solchen „unanständigen“ 0:1 nerven, die auch weh tun. Besonders tut mir aber diese Bemerkung des Augsburger Torschützen Jan-Ingwer Callsen-Bracker weh: „Wir hätten noch drei Stunden weiterspielen können. Dann hätten wir trotzdem 1:0 gewonnen.“ Gemeint hat er damit das Unvermögen des HSV vor dem FCA-Tor.

„Wir haben das Spiel über die gesamte Zeit bestimmt und einmal geschlafen. Deshalb haben wir verloren“, kommentierte Nationaltorhüter René Adler die Pleite und ergänzte: „Wenn wir nicht 100 Prozent abrufen, dann reicht es nicht. Dann haben wir nicht die spielerische Klasse, um nach Europa zu kommen.“ Adler hatte dann auch noch etwas erkannt, was durchaus nachdenklich machen könnte: „Standards entscheiden im modernen Fußball nun mal ganz oft die Spiele. Wenn man da nicht aufpasst, dann liegt man schnell mal 0:1 zurück. Und dann stellt sich eine Mannschaft wie Augsburg hinten rein und verteidigt – und wir sind dann auch noch zu blöd, die Tore zu machen. So verliert man.“ Da ist ganz sicher etwas dran. Auch zum Thema „schwacher Schiedsrichter” (Tobias Welz), zu dem ich mich ja schon am Sonnabend geäußert habe, sagte Adler (im ZDF) noch: „Er hat eine klare Linie gefahren, und die war von Anfang an Scheiße.“
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Aber zurück zum Wesentlichen. „Wenn man aus einem Meter das Tor nicht trifft, kann man das Spiel nicht gewinnen“, befand Marcell Jansen auch völlig richtig. Der ehemalige Nationalspieler wird nach seiner fünften Gelben Karte nun beim Auswärtsspiel in München fehlen. Zum Thema Europa fügte Jansen noch an: „Wir sollten kleinere Brötchen backen.“ Und mahnt eine Steigerung seiner Mannschaft an. „Ansonsten sollten wir nicht über irgendwelche Dinge sprechen.“ Rene Adler zu diesem brisanten Thema: „Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich Urlaub buchen . . .“

Die beiden vielleicht besten Chancen des HSV vergab diesmal der beste Torjäger. Artjoms Rudnevs verpasste zunächst eine Hereingabe von Jansen (28.) aus drei Metern, dann setzte er einen Kopfball nach Flanke von Dennis Aogo frei vor FCA-Torhüter Amsif neben den Kasten (40.). Das waren zwei dramatische Fehlleistungen. Aber warum soll nicht auch mal der Lette einen gebrauchten Tag haben? Der steht schließlich jedem mal zu . . .

So, ich bin am Ende. Nach dem 1:5 gegen Hannover 96h hatte Thorsten Fink den trainingsfreien Tag gestrichen und davon gesprochen, dass er die Zügel anziehen und dass er die Spieler direkter ansprechen werde. Genützt hat es wenig, denn danach gab es dieses kümmerliche 1:1 gegen Fürth. Wohl auch deswegen bleibt es diesmal so wie immer. Montags frei.

PS: Um versöhnlich zu enden – ich habe hier eine Mail, die ganz positiv für uns ist. Für „Matz ab“ und für die Gäste von „Matz ab live“, nämlich Axel Formeseyn und „el Presidente“, unser „Benno Hafas.“ An dieser Stelle noch einmal viele Dank an Axel und Benno für die Teilnahme an diesem Talk, und für die lebhafte Sendung mit unheimlich viel Klartext.
Hier aber nun die Mail dazu:

Moin Herr Matz und Herr „Scholle”.

Als erstes teile ich ihnen mit, das die Verständigung mit den Kopfmikrofonen super klappt.
Das wieder ein tolles Video mit tollen Gästen. Ich möchte mich nur zu einem Satz äußern den Axel Formeseyn gesagt hat: Er wüscht sich mehr Herzblut beim HSV, beim Vorstand angefangen bis runter zum letzten Spieler !Da hat er zu 199 % recht. Das ist das Wenigste was ein HSV-Fan und was ich als uralt HSV- Fan ( was ich schon seit Jahren vermisse!) verlangen kann.

Mit blau- weiß- schwarzen Grüßen ihr fast neuer „Matz- abber“ Klaus W. aus Bocholt.

Am Abend gab es noch diese Mitteilung des NDR, die ich für ganz interessant halte. Deswegen diese nun auch noch dran gehängt:

Europa spaltet HSV-Profis und Fink

Europa ja, nein oder doch eher vielleicht? Die HSV-Profis und Trainer Thorsten Fink sind sich offenbar in der Frage der Saisonziele zumindest in der Außendarstellung nicht immer einig. „Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin nicht im Kindergarten, ich bin ein erwachsener Mann. Wenn mir verboten wird, das Wort „Europa“ in den Mund zu nehmen, dann fange ich an zu lachen“, ärgerte sich Torhüter Rene Adler nach dem 0:1 gegen Augsburg am Sonnabend im Gespräch mit dem NDR Sportclub. „Wir sollen doch Ziele haben. So schaffen wir es nicht, das ist auch klar. Aber wenn jeder Woche für Woche an seine Leistungsspitze kommt, dann können wir nach Europa, dann bleiben wir da stehen. Mehr haben wir nicht gesagt, da stehe ich nach wie vor dazu“, betonte der 28-Jährige und ergänzte: „Wenn wir ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich jetzt buchen und in den Urlaub fahren.“

Zuletzt hatte sich bereits HSV-Star Rafael van der Vaart Finks Kritik eingehandelt, weil er für die Hamburger das Ziel Europa League ausgegeben hatte. „Wenn man etwas will, muss man es auch aussprechen“, meinte der Niederländer. Fink widersprach dem am Sonnabend allerdings erneut: „Spieler lassen sich schnell mal zu so einer Aussage hinreißen. Aber die Spieler sind nicht der Trainer. Ich glaube, dass die Mannschaft Ziele hat. Aber ich muss sie jedes Mal runterholen und sagen, dass wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren müssen. Dafür ist ein Trainer da“, unterstrich der Coach. Der HSV wolle seine Ziele nicht verändern und weiter „von Spiel zu Spiel schauen“.

Die O-Töne finden Sie in Kürze im Video auf NDR.de/sport. Mehr zum Thema am Sonntag im Sportclub ab 22.45 Uhr.

Und dann noch eine Mitteilung in eigener Sache. Morgen findet im Hotel “Le Royal Meridien” der “Oddset-Talk” des Hamburger Fußball-Verbandes statt. Die Gäste dieser Veranstaltung wurden eingeladen, die Veranstaltung ist ausgebucht. Die hochkarätigen Talkgäste sind Horst Hrubesch (DFB), Jörg Daniel (DFB), Uwe Jahn (HFV) und Joachim Philipkowski (St. Pauli). Es geht um das Thema: “Gestern noch in Windeln – heute schon Fußball-Profi?!” Es geht um den ausgebrochenen Jugendwahn im deutschen Fußball.

Diese Talkrunde wird heute im und vom Hamburger-Abendblatt-Internet live von 19.30 Uhr an übertragen.

17.32 Uhr

Das Orakel tippt auf den HSV ***Ergänzt mit Aogos Brief an die Fans***

15. März 2013

Der HSV wird gewinnen. Das hat mein Lütter gestern zu Hause so orakelt – und deshalb stimmt es auch. Tom irrt nicht. Zudem hat Trainer Thorsten Fink im Abschlusstraining heute wieder mitgewirkt – „das hat gegen Stuttgart Glück gebracht“, so Fink. Kein Wunder, dass egal wen ich auch Frage, es gibt tatsächlich nur ein Handvoll Leute, die an eine wiederholte Enttäuschung glauben. Der allergrößte Teil – auch unsere beiden Journalisten-Praktikanten Maik Stehn und Louis Vierth – glaubt an einen Sieg. Ich auch. Und zwar gerade weil der HSV gegen Fürth in der zweiten Halbzeit völlig die Ordnung verloren hat. „Wir haben das Spiel ausführlich analysiert – und in Stuttgart die Reaktion gezeigt“, sagt Fink – und er hat Recht. Beim VfB hat der HSV defensiv sehr gut gestanden – die Mannschaft weiß, was zu tun ist. Auch dank Tomas Rincon.

Der Venezolaner mit dem großen Herz hat mal wieder auf Knopfdruck funktioniert und will jetzt mehr. Verständlich. Zum ersten Mal seit dem 3.11.2012, dem Heimspiel gegen Bayern München, steht Rincon in der Imtech-Arena wieder in der Startelf. Verdientermaßen. Und die sieht folgendermaßen aus: Adler – Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Aogo – Rudnevs. Wobei van der Vaart als hängende Spitze agieren wird, also in der Reihenfolge auch nur durch ein Komma von Rudnevs getrennt sein könnte.

Dabei hatte Fink vor dem Stuttgart-Spiel noch gesagt, er würde gegen Augsburg wieder auf zwei richtige Spitzen umstellen. Ein Plan, der nicht umgesetzt wird. Weil die Doppelsechs so gut funktioniert hat. Und Rincon hofft auf eine lange Fortsetzung der Doppel-Sechs neben Milan Badelj, der dadurch die eine oder andere Freiheit offensiv bekommen soll. „Ich war beim Stuttgart-Spiel schon überrascht, aber ich habe auch sehr lange darauf gewartet. Es ist einfach geil, wenn ich spiele. Und jetzt will ich meine Chance nutzen. Ich habe noch große Ziele dieses Jahr.“ Welche das sind? „Ich will mit der Nationalmannschaft die WM-Quali schaffen, meinen Vertrag verlängern und mit dem HSV ins internationale Geschäft kommen.“ Da ist er wieder, der Satz, der tabu war aber nicht mehr ist. Und ich verspreche hiermit löblich, keinen HSV-Spieler daran aufzuhängen, dass er neun Spieltage vor Saisonende als aktuell Sechstplatzierter öffentlich die Europa League als anzustrebendes Ziel ausspricht. Warum auch?

Aber okay, das Thema hatten wir zuletzt oft. Und ich kann eigentlich nur dem zustimmen, was Olaf Kortmann vor einer Woche im Abendblatt-Interview gesagt hat. Der HSV bremst sich eher selbst aus, wenn er den größtmöglichen Erfolg nicht offen als zu verfolgendes Ziel ausgibt. Zumindest zu so einem späten Zeitpunkt der Saison. Niemand zwingt die HSV-Spieler, sich als internationale Klasse zu empfinden und/oder öffentlich so darzustellen. Aber wenn keine sechs Mannschaften national besser sind – und den Anschein hat es momentan – dann nehmen wir das doch mit. Oder? Immer mit dem Wissen, dass davon zu Saisonbeginn nicht auszugehen war und es als Überraschung zu sehen ist. Letztes Jahr waren wir überraschend schlecht platziert – diesmal ist es bislang eben andersrum. Mich stört es nicht. Ziele verändern sich mit Saisonverlauf, das ist nicht nur beim HSV so…

Allerdings ist für Höheres ein Sieg gegen Augsburg notwendig. Gegen die Mannschaft, die dem Rest der Nation beweist, was mit Teamgeist zu reißen ist. Gestern hatte ich das Vergnügen, mit Stefan Reuter, dem Augsburger Manager, zu sprechen. Reuter selbst habe ich in meinen jüngeren Jahren als Prototypen des Teamplayers empfunden. Mit Weltklasseformat garniert war Reuter für mich in jeder Mannschaft, in der ich ihn sah, ein Führungsspieler und Vorbild. Und genau das scheint er seiner Mannschaft mit auf den Weg gegeben zu haben. „Wir haben ganz sicher nicht die individuelle Klasse, um uns mit Teams wie den HSV anlegen zu können. Aber wir haben die Eigenschaft, dass alle immer bis an ihre Schmerzgrenze gehen. Und darüber hinaus“, hatte mir Reuter gesagt und ich glaube ihm. So empfand ich Augsburg schon in der Rückrunde 2011/2012 – und auch jetzt mit Reuter als Manager wieder. Dennoch glaube ich nicht, dass Augsburg mithalten kann, wenn der HSV genau diese Eigenschaften mit einbringt, womit ich wieder bei Tomas Rincon gelandet wäre…

Der Mittelfeldmann ist in der Mannschaft beliebt. Bei allen. Weil er die bei Fußballprofis seltene Gabe besitzt, nie aufzustecken, egal wie lange er nicht spielen darf. Rincon hofft sogar jetzt, wo er auf gerade drei Spiele über 90 Minuten bringt. „Das ist Kopfsache“, sagt Rincon und legt gleich mutig nach: „Es wird Zeit, dass wir mal wieder ein Heimspiel gewinnen. Darauf kommt’s an. Wenn wir unsere Heimspiele gewinnen, schaffen wir auch unsere Ziele. Denn auswärts spielen wir gut.“ Auch anschließend Woche bei den schier übermächtigen Bayern? „Erst Augsburg. Sonst nichts“, so Rincons prompte Antwort. Und er quatscht nicht nur, er meint es wirklich so. Gut so!

Ginge es nach der Stimmung im Team – und das tut es nicht -, der Sieg wäre beschlossen. Heute wurde auf verkürztem Feld gespielt. Mit Feuereifer, aber einer gewissen Lockerheit. Nach der offiziellen Einheit absolvierten fast alle Spieler (bis auf einige wenige, unter ihnen auch van der Vaart, der sofort in die Kabine ging) noch die eine oder andere Sondereinheit Schusstraining. Gar nicht dabei war Marcus Berg, der noch immer an einem grippalen Infekt leidet. Nicht im Kader sein werden zudem der gerade erst wieder genesene Michael Mancienne (macht im Training einen sehr fitten Eindruck) und Jacopo Sala, der anschließend zumindest bei der italienischen U21, für die er nominiert wurde, Spielpraxis sammeln soll. „Das wird eine ganz harte Nuss“, sagt Fink, „die stehen sehr kompakt, spielen sehr diszipliniert und sind nicht umsonst die sechstbeste Rückrundenmannschaft.“ Stimmt! Allerdings vergaß Fink zu sagen, dass der HSV die viertbeste Rückrundenteam ist…

Ansonsten war es heute weiter ruhig. Wie gewöhnlich am Tag des Abschlusstrainings vor einem Spiel, für das bereits 50500 Tickets verkauft wurden. Im Nachklapp findet Ihr noch ein paar kurze Infos, ansonsten verabschiede ich mich für heute bei Euch und tippe auf ein 2:0. Genau so wie Rudnevs im Übrigen auf hsv.de.

Ach ja, nebenbei: Auf die Frage, wo der HSV am Saisonende landen wird, antwortete Stefan Reuter: „Mindestens auf Rang sechs, wobei auch mehr drin ist. Der HSV hat genau im richtigen Moment die Kurve zum Positiven bekommen. Dieser HSV ist gut.“ Ich hoffe, er behält Recht…

In diesem Sinne, bis morgen, wo es nach dem Spiel traditionell wieder eine Matz-ab-Sendung geben wird. Diesmal freuen wir uns auf den ehemaligen Aufsichtsrat und HSV-Buch-Autor Axel Formeseyn.
Bis morgen,
Scholle

Kurze:
Nominiert: Rafael van der Vaart wurde in den endgültigen Kader für die WM-Qualifikationsspiele gegen Estland am 22. und gegen Rumänien am 26. März (beide Spiele finden in Amsterdam statt) berufen. Jeffrey Bruma testet mit der niederländischen U21 am 21. März gegen Israel und am 25. März in Waalwijk gegen Norwegen.

Beendet: Mehdi Mahdavikia hat seine Karriere offiziell beendet. Darauf verständigte sich der zuletzt immer häufiger verletzte ehemalige HSV-Publikumsliebling mit seinem Vereinstrainer im Iran.

Eingekehrt: Nachdem mir die Pressestelle des FCA im Gegensatz zu allen anderen 16 Bundesligavereinen (kein anderer Verein macht daraus ein Geheimnis) nicht verraten wollte, wo sie absteigen, hier die Info. Auch auf die Gefahr hin, dass sich beim FC Augsburg jetzt selbstredend Autokorsos und Menschenmassen vor dem Hotel bilden werden: Es ist das Park Inn in Schnelsen. Gute Nacht!

Appell: Dennis Aogo hatte sich nach dem Fürth-Spiel über pfeifende Fans geärgert. Dazu stellt er heute via “Facebook” in einem offenen Brief fest:

Hey Leute.

Hier soll es morgen gegen Augsburg rundgehen! Und ich wollte deshalb im Vorwege noch einmal Stellung beziehen zu dem, was ich nach dem letzten Heimspiel gegen Fürth gesagt habe. Ihr erinnert euch… es ging um die Pfiffe während des Spiels.

Eines vorab: Wir haben fantastische Fans, das weiß ich. Und genau aus diesem Grund wollte ich mit meinen Äußerungen deutlich machen, wie wichtig unsere Fans während des Spiels für uns da unten auf dem Rasen sind.

Wenn ein Spiel aus unterschiedlichen Gründen nicht gut läuft, dann kann ich den Unmut verstehen, doch es muss jedem klar sein, dass uns während der 90 Minuten eure Anfeuerungen sehr viel mehr helfen als Pfiffe. Nehmen wir das Fürth-Spiel als Beispiel: Der Gegner steht tief und kompakt, es gibt kaum eine Lücke. Da müssen wir immer wieder das Spiel verlagern, auch mal hintenrum spielen, den Gegner locken, um Räume zu schaffen. Dann aber kommen bei jedem Querpass Pfiffe und irgendwann fängt man an – um den Pfiffen der eigenen Fans zu entgehen – den Ball einfach lang nach vorn zu schlagen. Torgefahr erzeugt man so nur in den seltensten Fällen. Und als Quittung gab es vom Trainer die Kritik, wir hätten einen kühleren Kopf bewahren müssen.

Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen deutlich machen. Und nochmal: mir ist bewusst, dass die allermeisten von euch uns bedingungslos unterstützen und nur ein kleiner Teil seinen Unmut bereits während des Spiels kundgetan hat. Und wenn jemand unzufrieden ist, dann hat er natürlich auch das Recht zu pfeifen, keine Frage. Aber vielleicht im Sinne des gemeinsamen Ziels lieber erst nach dem Abpfiff, nachdem wir 90 Minuten lang alle gemeinsam versucht haben das Spiel zu gewinnen.

Es ging und geht mir nicht um Kritik an den Fans oder darum, die Schuld von uns Spielern abzuwälzen. Sondern es geht mir um den HSV und darum, dass wir alle gemeinsam erfolgreich sind. Ich wollte an uns alle appellieren, dass wir als HSV uns stärker machen. Und am stärksten sind wir nun mal gemeinsam!

Ich freue mich auf morgen! Euer Dennis

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.