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Beister steht am Scheideweg

17. März 2013

Die Enttäuschung ist auch am Tag danach immer noch riesig. Der HSV hatte gegen den FC Augsburg 19:6 Torschüsse, 9:3 Ecken, 64:34 Prozent Ballbesitz – und hat dennoch mit 0:1 verloren. Riesige Zahlen einer gigantischen Pleite. Niemals im Leben, das gebe ich zu, hätte ich gedacht, dass der HSV nur 14 Tage nach der 1:1-Pleite gegen den Tabellenletzten Fürth erneut daheim so versagen würde – und gegen den Drittletzten eine 0:1-Heimpleite kassiert. Niemals. Aber man lernt eben nie aus. Und die HSV-Spieler haben offenbar aus ihren Fehlern nichts gelernt. Darüber werde ich nun schreiben, aber zuvor sei – ganz wichtig – angemerkt, dass ich nichts davon erwähnen werde, dass der HSV zu dumm für Europa ist. Das wäre mir viel zu billig. Erstens ist Europa immer noch drin, zweitens würde sich erst danach herausstellen, ob der HSV wirklich nicht Europa kann – und drittens: Wer fragt denn die Spieler und die Trainer immer wieder nach Europa? Na? Wer? Und? Um solche Antworten zu bekommen – und dann auf alle einzuprügeln, dass sie was gesagt haben? Das ist mir wirklich viel, viel zu billig.

Ich habe noch am Sonnabend, aber auch schon an diesem Sonntag einige Gespräche mit HSV-Fans geführt. Frust pur war aus allen Unterhaltungen herauszuhören. Von „Skandal“ über „Frechheit“ bis hin zur „Arbeitsverweigerung“ war da zu hören. Ich kann nur noch einmal davon schreiben, was mir nach dem Spiel aufgefallen war: Die meisten Zuschauer schlichen völlig „bedröppelt“ und mit gesenkten Köpfen Richtung Heimat. Kaum einer schimpfte, kaum einer meckerte, kaum einer fuhr lautstark aus der Haut. Nach dieser deprimierenden HSV-Vorstellung herrschte das große Schweigen im Volkspark. So, wie ich es selten zuvor einmal erlebt habe. Die meisten Fans waren unfähig, etwas zu sagen. HSV-Fan Klaus H. aus Buxtehude erzählte mir: „In der S-Bahn hat keiner den Mund aufgemacht, alle waren mit ihren Gedanken beschäftigt: wieso? Sonst herrscht in den Bahnen, die von Stellingen Richtung Hauptbahnhof fahren, eine unheimlich laute Atmosphäre, diesmal war alles ganz anders. Beklemmend. Aber für mich absolut nachvollziehbar. Ich war total bedient.“

HSV-Dauerkarten-Inhaber Frank P. berichtete mir, dass der neben ihm sitzende Däne besonders sauer auf Maximilian Beister war. Der Däne befand: „Ich fahre stundenlang nach Hamburg, um mir so etwas anzusehen. Schon die ersten Szenen von Beister waren so emotionslos, so lustlos – als hätte er überhaupt keinen Bock, hier noch was zu reißen. Und dann dieser Tritt! Was denkt er sich dabei?“ In diese Kerbe schlug auch Klaus. H., der vorschlug: „Der Beister soll mal mit mir aus Buxtehude zu einem HSV-Spiel fahren. Erst mit Bus, dann mit Bahnen, dann wieder mit Bus. Das dauert lange, das ist auch nicht unbedingt immer so ganz lustig, aber man nimmt es als Fan eben auf sich. Wenn Beister aber so etwas mal mitmachen müsste und würde, dann wüsste er, dass man sich als Profi ganz anders zu benehmen hat. Frust hin, Frust her – das ist keine Entschuldigung.“

Was der Norderstedter Manfred L. zu Beister gesagt hat, ist bezeichnend genug: „Anstatt sich in der Pause aufzuwärmen, hat Beister sich Bälle geschnappt und sie unter dem Gejohle der Fans auf der Nordtribüne ins Tor geschnibbelt. Was ist das bloß für eine verheerende Einstellung? Da wird mir schlecht!“

Ich wollte zum Thema Beister an dieser Stelle eigentlich noch gar nichts schreiben (erst am Ende), aber nun ist es eben so: Ich habe fast alle Trainingseinheiten dieser Woche gesehen, Maximilian Beister ist mir deswegen aufgefallen, weil er auch da schon immer nur herumtrottete, nur trabte, lustlos am Geschehen teilnahm. Das kann, so denke ich, einmal passieren, vielleicht auch zweimal, aber dann muss es sich auch wieder haben.

Ich bin seit 32 Jahren HSV-Reporter, ich muss aber gestehen, dass ich eine solche Einstellung, die sich über Tage, fast schon über Wochen erstreckt, von einem HSV-Profi noch nie erlebt habe. Es gab sicher mal einen Uli Stein, der keinen Bock mehr hatte, weil die Schiedsrichter anders entschieden hatten, als er es gerne gesehen hätte. Deswegen hat der HSV-Torwart schon gelegentlich „gemault“. Aber es hielt sich dennoch in Grenzen. Eine solche Fehl-Einstellung aber, wie sie Maximilian Beister an den Tag gelegt hat, habe ich nie kennengelernt.

Was mich erstaunt daran: Es gibt Mitspieler, die es sehr wohl bemerkt haben, das Beister vor lauter Frust etwas „kürzer getreten“ ist. Diese Kollegen haben mit ihrem jungen Stürmer gesprochen, um ihn wieder in die Spur zu bringen – es brachte nichts. Was mich nachdenklich stimmt: Wenn ich mich früher, als kleiner Verbands- und Landesliga-Spieler, nur zweimal im Training so lustlos gegeben hätte, dann wäre ich beim ersten Mal vom Trainer in die Kabine gejagt worden – und nach dem zweiten Mal hätte ich meine sieben Sachen packen müssen – und Ende Gelände. Thorsten Fink aber bringt den total frustrierten Maximilian Beister in der 68. Minute für Tomas Rincon. In meinen Augen ein schwerer Fehler.

Schon seit Wochen versteht Beister die Welt nicht mehr. Er wurde vom Trainer immer wieder gelobt, der Trainer sagte öffentlich, dass „Beister in einer hervorragenden Form“ ist, und zwar immer rund immer wieder wurde es gesagt, dann schießt Beister gegen Fürth das 1:1 und denkt offenbar: „Nun wird alles gut.“ Denkste! Wieder die Ersatzbank. Und da bin ich voll bei Thorsten Fink, denn: Artjoms Rudnevs und Heung Min Son haben die Tore für den HSV geschossen. Kein Trainer der Welt lässt einen Stürmer, der Tore schießt. Draußen, nur weil es einen dritten Stürmer gibt, der spielen will. Kein Trainer der Welt, das wiederhole ich gerne. Fink wollte mit seinem Lob, dass Beister in „hervorragender Form“ ist, für eine gewisse Beruhigung des Frustrierten sorgen, aber er hat damit – ganz offensichtlich – etwas ganz anderes erreicht. Beister fühlte sich zugleich bestätigt und links liegen gelassen. Da hätten offenbar andere Gespräche geführt werden müssen . . .

Und es hätte beizeiten eingegriffen werden müssen. Wenn ich an das Testspiel der HSV-Profis gegen die eigene Regionalliga-Mannschaft denke, das vor einigen Wochen stattfand. Es ist noch gar nicht so lange her – und hier nachzulesen. Da trat Beister gegen einen kleinen Nachwuchsmann des HSV so übel nach, dass der Sünder dafür in der Bundesliga mindestens sechs Wochen gesperrt worden wäre. Mindestens. Alle haben es gesehen – oder fast alle. Wenn das Trainergespann es nicht gesehen hat, dann hätten die, die am Rande standen und es gesehen haben, dem Trainergespann mal reinen Wein einschenken müssen. Damit der Trainer dann unter vier Augen mal Klartext spricht. Tenor: „So, mein lieber Maxi, geht es nicht, reiß dich zusammen.“ Dann folgte zuletzt der Test gegen Valerenga Oslo (2:3). Beister betrieb wieder Leistungsverweigerung. Thorsten Fink, auch darauf unmittelbar nach dem Spiel) angesprochen, sagte nur allgemein: „Die jungen Spieler müssen noch viel lernen . . .“ Stimmt. Aber einen Lernprozess kann man auch damit einläuten, dass man sich den einen oder anderen Spieler, in diesem Fall Beister, zu sich in die Kabine holt und ihm klar macht, dass es so nicht geht.
Und so geht es tatsächlich nicht. Nicht nur beim HSV nicht, sondern auch in allen kleinen Amateurmannschaften nicht.

Wir haben an diesem Sonntag in der Redaktion über den „Fall Beister“ gesprochen. Dabei sagte ein HSV-Fan und –Mitglied: „Ich habe trotz allem ein gewisses Verständnis für Beister. Den hat man zurück zum HSV geholt, hat um ihn gekämpft, hat ihm mit großen Worten eine tolle Erstliga-Karriere in Hamburg aufgezeichnet – und hat ihn dann doch nicht aufgestellt. Es spielte erst ein Marcus Berg, dann ein Artjoms Rudnevs. Von Beister war nichts zu sehen. Es hieß in dieser Zeit, dass er noch viel lernen müsse, dass der Sprung von Liga zwei in Liga eins zu groß sei, um ihn auf Anhieb zu schaffen. So wurde Beister immer wieder vertröstet. Obwohl ich denke, man hätte ihn viel eher mal ins kalte Wasser schmeißen müssen. Es hätte sich bezahlt gemacht, so denke ich.“

Ich denke so nicht. Beister hatte im ersten halben Jahr lange zu kämpfen, und er selbst hat es uns (Journalisten) auch einige Male gesagt, dass er es nachvollziehen könne, dass er noch draußen sitzt. Damals zeigte er durchaus Verständnis für den Trainer. Doch die Geduld ist ihm in diesem Jahr abhanden gekommen. Jetzt wollte er von den üblichen Vertröstungen nichts mehr wissen, jetzt wollte er endlich auf den Acker – und Tore machen. Doch da hatte er das Pech, dass es da nun schon zwei gab, die das in die Tat umsetzten, was Beister nur vorhatte: Tore machen. Sein Pech.

Aber darf man sich als Profi trotz dieses Pechs so hängen lassen? Nein. Was sollte denn ein Per Ciljan Skjebred machen? Rein, raus, rein, raus – sein Schicksal beim HSV. Und gegen Stuttgart (1:0) wurde dem Norweger bescheinigt, einer der besten Spieler auf dem Acker gewesen zu sein, vielleicht sogar der beste Mann auf dem Platz – und trotzdem: Skjelbred fehlte gegen Augsburg. Völlig. Und was bitte soll dieser Skjelbred nun mit seinem Frust machen? Um sich treten? Kopf hängen lassen? Dienst nach Vorschrift machen? Sich krankschreiben lassen? Oder sich zu Hause einsperren?

Und was bitte soll ein Jaroslav Drobny machen? Der tschechische Nationaltorwart (!) kommt an Rene Adler nicht vorbei. Und deshalb stellt sich dieser Drobny nun beim Training ins Tor – und hält nur jene Bälle, die auf Mann kommen. Lang macht er sich nicht mehr, in den Matsch wirft er sich erst recht nicht – er kommt doch an Adler nicht vorbei. Was soll das also? Sich deswegen einen Hintern aufreißen, nur weil man Ersatzkeeper beim HSV ist? Und dann noch Torwart Nummer drei: Sven Neuhaus. Der kommt in Zukunft nur noch zweimal die Woche zum Training – hat doch sowieso keinen Zweck mehr. Adler spielt, Drobny sitzt auf der Bank, warum soll man sich da noch anstrengen und mir das eine oder andere Bein ausreißen? Pustekuchen!“

Ja, und dann kann ich nur sagen: Alle drei Spieler, die ich hier nun – fiktiv – beschrieben habe, die reißen sich – sorry, wenn ich das so krass schreibe – in jedem Training den Arsch auf. Immer. Vorbildlich. Und genau deswegen kann ich diese laswche Einstellung, die Maximilian Beister zuletzt an den Tag gelegt hat, nicht tolerieren. Der große Felix Magath hat mir immer (privat) gesagt, wenn ich ihm mit gewissen Vorhaltungen kam: „Ein Profi hat zu funktionieren, er verdient sehr gutes Geld. Will er nicht funktionieren, dann soll er seinen Profi-Vertrag zurückgeben und irgendwo in einer dritten Herren spielen. So einfach ist das.“
Das klingt zwar hart, trifft aber im Grunde genommen den Kern.

Dass „Maxi“ Beister bei seinem Abgang (vom Platz) seinem Mitspieler Jeffrey Bruma einen Vogel zeigte (weil es der Niederländer wagte, ein paar passende Takte mit dem erzürnten Rot-Sünder zu wechseln), ist nur symptomatisch. Und dass die Fans, die ihn in der Pause (wegen der „Schnibbelei“) schon gefeiert haben, ihn noch nach der Roten Karte mit Sprechchören hypen, ist auch nur eine fatale Fehlleistung. Da wird ein Spieler zu einem Helden gemacht, der es nicht verdient hat. So jedenfalls nicht.

Trainer Fink hat über Beister gesagt: „Maxi hat sich mit seinen Aktionen erst einmal nah hinten manövriert. Weil Marcus Berg fehlte, hatte ich keine andere Möglichkeit.“ Ihn spielen zu lassen – meinte Fink. Der weiter sagte: „Maxi hätte einen Denkzettel verdient gehabt, er hat gegen Augsburg an seine Leistungen in dieser Woche angeknüpft . . .“
An seine Fehlleistungen, hätte es heißen müssen.

Was nun zu machen wäre? Jetzt sollten Trainer und Vereinsführung, ich meine auch, der Berater eindringlich mit Maximilian Beister sprechen. Sie alle müssen ihm dringend raten, dass er sein divenhaftes Verhalten ab sofort ablegt. Ansonsten würde er sich nämlich nur selber im Wege stehen – und seine Karriere in eine Sackgasse lenken. Es wäre schade drum. Trotz aller Defizite, die er zuletzt offenbart hat. Noch aber ist es für einen Wendepunkt in seiner Karriere nicht zu spät. Und er sollte sich endlich einmal einsichtig zeigen.

So, das wäre es, was ich zum „Fall Beister“ zu sagen hätte. Diese Eskalation hätte vermieden werden können, wenn dem Spieler rechtzeitig beschieden worden wäre, wo seine Grenzen sind.

Es muss aber auch trotz allem noch über diese schlimme 0:1-Nummer von Sonnabend geschrieben und diskutiert werden. Diese Pleite daran fest zu machen, dass ein erkrankt fehlender Rafael van der Vaart eben nicht zu ersetzen ist, wäre mir ebenfalls viel zu einfach. Obwohl der Niederländer (fiel wegen Fiebers und einer Magen- und Darmgrippe aus), der in diesem Jahr noch weit von seiner Bestform entfernt ist, natürlich sehr gefehlt hat – keine Frage. Aber auch mit dem „kleinen Engel“ hatte es ja zuvor auch dieses kümmerliche 1:1 gegen Fürth gegeben – oder?
Thorsten Fink zu seinem prominentesten Ausfall: „Ohne ihn haben die Überraschungsmomente im Spiel gefehlt, derjenige, der den entscheidenden Pass spielen kann. Das merkt man dann schon. Aber wir haben eigentlich gute Spieler, die ihn ersetzen sollten, aber heute haben viele ihr Niveau nicht erreicht.“ Der Trainer allgemein zur Leistung seiner Mannschaft: „Wir haben die erste Viertelstunde klar verschlafen. Wir haben den Gegner aufgebaut. Und wir haben nicht die Qualität, um konstante Leistungen abzurufen.“ Dann fügte er kurz an: „Noch nicht.“ Fink bekannte dann auch noch: „Das war heute ein Rückschritt, Trainer und Mannschaft haben nun viel zu erarbeiten – und einiges auch zu reden.“
Passen dazu der Kommentar von FCA-Trainer Markus Weinzierl: „Das war ein Spiel in eine Richtung. Wir haben mit Glück und Leidenschaft gewonnen.“

Eine Aussage, die auch zu denken geben könnte.
Oder müsste?

Ja, es gibt sicher viele Dinge, die nach einem solchen „unanständigen“ 0:1 nerven, die auch weh tun. Besonders tut mir aber diese Bemerkung des Augsburger Torschützen Jan-Ingwer Callsen-Bracker weh: „Wir hätten noch drei Stunden weiterspielen können. Dann hätten wir trotzdem 1:0 gewonnen.“ Gemeint hat er damit das Unvermögen des HSV vor dem FCA-Tor.

„Wir haben das Spiel über die gesamte Zeit bestimmt und einmal geschlafen. Deshalb haben wir verloren“, kommentierte Nationaltorhüter René Adler die Pleite und ergänzte: „Wenn wir nicht 100 Prozent abrufen, dann reicht es nicht. Dann haben wir nicht die spielerische Klasse, um nach Europa zu kommen.“ Adler hatte dann auch noch etwas erkannt, was durchaus nachdenklich machen könnte: „Standards entscheiden im modernen Fußball nun mal ganz oft die Spiele. Wenn man da nicht aufpasst, dann liegt man schnell mal 0:1 zurück. Und dann stellt sich eine Mannschaft wie Augsburg hinten rein und verteidigt – und wir sind dann auch noch zu blöd, die Tore zu machen. So verliert man.“ Da ist ganz sicher etwas dran. Auch zum Thema „schwacher Schiedsrichter” (Tobias Welz), zu dem ich mich ja schon am Sonnabend geäußert habe, sagte Adler (im ZDF) noch: „Er hat eine klare Linie gefahren, und die war von Anfang an Scheiße.“
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Aber zurück zum Wesentlichen. „Wenn man aus einem Meter das Tor nicht trifft, kann man das Spiel nicht gewinnen“, befand Marcell Jansen auch völlig richtig. Der ehemalige Nationalspieler wird nach seiner fünften Gelben Karte nun beim Auswärtsspiel in München fehlen. Zum Thema Europa fügte Jansen noch an: „Wir sollten kleinere Brötchen backen.“ Und mahnt eine Steigerung seiner Mannschaft an. „Ansonsten sollten wir nicht über irgendwelche Dinge sprechen.“ Rene Adler zu diesem brisanten Thema: „Wenn wir jetzt ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich Urlaub buchen . . .“

Die beiden vielleicht besten Chancen des HSV vergab diesmal der beste Torjäger. Artjoms Rudnevs verpasste zunächst eine Hereingabe von Jansen (28.) aus drei Metern, dann setzte er einen Kopfball nach Flanke von Dennis Aogo frei vor FCA-Torhüter Amsif neben den Kasten (40.). Das waren zwei dramatische Fehlleistungen. Aber warum soll nicht auch mal der Lette einen gebrauchten Tag haben? Der steht schließlich jedem mal zu . . .

So, ich bin am Ende. Nach dem 1:5 gegen Hannover 96h hatte Thorsten Fink den trainingsfreien Tag gestrichen und davon gesprochen, dass er die Zügel anziehen und dass er die Spieler direkter ansprechen werde. Genützt hat es wenig, denn danach gab es dieses kümmerliche 1:1 gegen Fürth. Wohl auch deswegen bleibt es diesmal so wie immer. Montags frei.

PS: Um versöhnlich zu enden – ich habe hier eine Mail, die ganz positiv für uns ist. Für „Matz ab“ und für die Gäste von „Matz ab live“, nämlich Axel Formeseyn und „el Presidente“, unser „Benno Hafas.“ An dieser Stelle noch einmal viele Dank an Axel und Benno für die Teilnahme an diesem Talk, und für die lebhafte Sendung mit unheimlich viel Klartext.
Hier aber nun die Mail dazu:

Moin Herr Matz und Herr „Scholle”.

Als erstes teile ich ihnen mit, das die Verständigung mit den Kopfmikrofonen super klappt.
Das wieder ein tolles Video mit tollen Gästen. Ich möchte mich nur zu einem Satz äußern den Axel Formeseyn gesagt hat: Er wüscht sich mehr Herzblut beim HSV, beim Vorstand angefangen bis runter zum letzten Spieler !Da hat er zu 199 % recht. Das ist das Wenigste was ein HSV-Fan und was ich als uralt HSV- Fan ( was ich schon seit Jahren vermisse!) verlangen kann.

Mit blau- weiß- schwarzen Grüßen ihr fast neuer „Matz- abber“ Klaus W. aus Bocholt.

Am Abend gab es noch diese Mitteilung des NDR, die ich für ganz interessant halte. Deswegen diese nun auch noch dran gehängt:

Europa spaltet HSV-Profis und Fink

Europa ja, nein oder doch eher vielleicht? Die HSV-Profis und Trainer Thorsten Fink sind sich offenbar in der Frage der Saisonziele zumindest in der Außendarstellung nicht immer einig. „Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin nicht im Kindergarten, ich bin ein erwachsener Mann. Wenn mir verboten wird, das Wort „Europa“ in den Mund zu nehmen, dann fange ich an zu lachen“, ärgerte sich Torhüter Rene Adler nach dem 0:1 gegen Augsburg am Sonnabend im Gespräch mit dem NDR Sportclub. „Wir sollen doch Ziele haben. So schaffen wir es nicht, das ist auch klar. Aber wenn jeder Woche für Woche an seine Leistungsspitze kommt, dann können wir nach Europa, dann bleiben wir da stehen. Mehr haben wir nicht gesagt, da stehe ich nach wie vor dazu“, betonte der 28-Jährige und ergänzte: „Wenn wir ausgeben, um Platz neun oder zehn zu spielen, dann kann ich jetzt buchen und in den Urlaub fahren.“

Zuletzt hatte sich bereits HSV-Star Rafael van der Vaart Finks Kritik eingehandelt, weil er für die Hamburger das Ziel Europa League ausgegeben hatte. „Wenn man etwas will, muss man es auch aussprechen“, meinte der Niederländer. Fink widersprach dem am Sonnabend allerdings erneut: „Spieler lassen sich schnell mal zu so einer Aussage hinreißen. Aber die Spieler sind nicht der Trainer. Ich glaube, dass die Mannschaft Ziele hat. Aber ich muss sie jedes Mal runterholen und sagen, dass wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren müssen. Dafür ist ein Trainer da“, unterstrich der Coach. Der HSV wolle seine Ziele nicht verändern und weiter „von Spiel zu Spiel schauen“.

Die O-Töne finden Sie in Kürze im Video auf NDR.de/sport. Mehr zum Thema am Sonntag im Sportclub ab 22.45 Uhr.

Und dann noch eine Mitteilung in eigener Sache. Morgen findet im Hotel “Le Royal Meridien” der “Oddset-Talk” des Hamburger Fußball-Verbandes statt. Die Gäste dieser Veranstaltung wurden eingeladen, die Veranstaltung ist ausgebucht. Die hochkarätigen Talkgäste sind Horst Hrubesch (DFB), Jörg Daniel (DFB), Uwe Jahn (HFV) und Joachim Philipkowski (St. Pauli). Es geht um das Thema: “Gestern noch in Windeln – heute schon Fußball-Profi?!” Es geht um den ausgebrochenen Jugendwahn im deutschen Fußball.

Diese Talkrunde wird heute im und vom Hamburger-Abendblatt-Internet live von 19.30 Uhr an übertragen.

17.32 Uhr

Das Orakel tippt auf den HSV ***Ergänzt mit Aogos Brief an die Fans***

15. März 2013

Der HSV wird gewinnen. Das hat mein Lütter gestern zu Hause so orakelt – und deshalb stimmt es auch. Tom irrt nicht. Zudem hat Trainer Thorsten Fink im Abschlusstraining heute wieder mitgewirkt – „das hat gegen Stuttgart Glück gebracht“, so Fink. Kein Wunder, dass egal wen ich auch Frage, es gibt tatsächlich nur ein Handvoll Leute, die an eine wiederholte Enttäuschung glauben. Der allergrößte Teil – auch unsere beiden Journalisten-Praktikanten Maik Stehn und Louis Vierth – glaubt an einen Sieg. Ich auch. Und zwar gerade weil der HSV gegen Fürth in der zweiten Halbzeit völlig die Ordnung verloren hat. „Wir haben das Spiel ausführlich analysiert – und in Stuttgart die Reaktion gezeigt“, sagt Fink – und er hat Recht. Beim VfB hat der HSV defensiv sehr gut gestanden – die Mannschaft weiß, was zu tun ist. Auch dank Tomas Rincon.

Der Venezolaner mit dem großen Herz hat mal wieder auf Knopfdruck funktioniert und will jetzt mehr. Verständlich. Zum ersten Mal seit dem 3.11.2012, dem Heimspiel gegen Bayern München, steht Rincon in der Imtech-Arena wieder in der Startelf. Verdientermaßen. Und die sieht folgendermaßen aus: Adler – Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen – Rincon, Badelj – Son, van der Vaart, Aogo – Rudnevs. Wobei van der Vaart als hängende Spitze agieren wird, also in der Reihenfolge auch nur durch ein Komma von Rudnevs getrennt sein könnte.

Dabei hatte Fink vor dem Stuttgart-Spiel noch gesagt, er würde gegen Augsburg wieder auf zwei richtige Spitzen umstellen. Ein Plan, der nicht umgesetzt wird. Weil die Doppelsechs so gut funktioniert hat. Und Rincon hofft auf eine lange Fortsetzung der Doppel-Sechs neben Milan Badelj, der dadurch die eine oder andere Freiheit offensiv bekommen soll. „Ich war beim Stuttgart-Spiel schon überrascht, aber ich habe auch sehr lange darauf gewartet. Es ist einfach geil, wenn ich spiele. Und jetzt will ich meine Chance nutzen. Ich habe noch große Ziele dieses Jahr.“ Welche das sind? „Ich will mit der Nationalmannschaft die WM-Quali schaffen, meinen Vertrag verlängern und mit dem HSV ins internationale Geschäft kommen.“ Da ist er wieder, der Satz, der tabu war aber nicht mehr ist. Und ich verspreche hiermit löblich, keinen HSV-Spieler daran aufzuhängen, dass er neun Spieltage vor Saisonende als aktuell Sechstplatzierter öffentlich die Europa League als anzustrebendes Ziel ausspricht. Warum auch?

Aber okay, das Thema hatten wir zuletzt oft. Und ich kann eigentlich nur dem zustimmen, was Olaf Kortmann vor einer Woche im Abendblatt-Interview gesagt hat. Der HSV bremst sich eher selbst aus, wenn er den größtmöglichen Erfolg nicht offen als zu verfolgendes Ziel ausgibt. Zumindest zu so einem späten Zeitpunkt der Saison. Niemand zwingt die HSV-Spieler, sich als internationale Klasse zu empfinden und/oder öffentlich so darzustellen. Aber wenn keine sechs Mannschaften national besser sind – und den Anschein hat es momentan – dann nehmen wir das doch mit. Oder? Immer mit dem Wissen, dass davon zu Saisonbeginn nicht auszugehen war und es als Überraschung zu sehen ist. Letztes Jahr waren wir überraschend schlecht platziert – diesmal ist es bislang eben andersrum. Mich stört es nicht. Ziele verändern sich mit Saisonverlauf, das ist nicht nur beim HSV so…

Allerdings ist für Höheres ein Sieg gegen Augsburg notwendig. Gegen die Mannschaft, die dem Rest der Nation beweist, was mit Teamgeist zu reißen ist. Gestern hatte ich das Vergnügen, mit Stefan Reuter, dem Augsburger Manager, zu sprechen. Reuter selbst habe ich in meinen jüngeren Jahren als Prototypen des Teamplayers empfunden. Mit Weltklasseformat garniert war Reuter für mich in jeder Mannschaft, in der ich ihn sah, ein Führungsspieler und Vorbild. Und genau das scheint er seiner Mannschaft mit auf den Weg gegeben zu haben. „Wir haben ganz sicher nicht die individuelle Klasse, um uns mit Teams wie den HSV anlegen zu können. Aber wir haben die Eigenschaft, dass alle immer bis an ihre Schmerzgrenze gehen. Und darüber hinaus“, hatte mir Reuter gesagt und ich glaube ihm. So empfand ich Augsburg schon in der Rückrunde 2011/2012 – und auch jetzt mit Reuter als Manager wieder. Dennoch glaube ich nicht, dass Augsburg mithalten kann, wenn der HSV genau diese Eigenschaften mit einbringt, womit ich wieder bei Tomas Rincon gelandet wäre…

Der Mittelfeldmann ist in der Mannschaft beliebt. Bei allen. Weil er die bei Fußballprofis seltene Gabe besitzt, nie aufzustecken, egal wie lange er nicht spielen darf. Rincon hofft sogar jetzt, wo er auf gerade drei Spiele über 90 Minuten bringt. „Das ist Kopfsache“, sagt Rincon und legt gleich mutig nach: „Es wird Zeit, dass wir mal wieder ein Heimspiel gewinnen. Darauf kommt’s an. Wenn wir unsere Heimspiele gewinnen, schaffen wir auch unsere Ziele. Denn auswärts spielen wir gut.“ Auch anschließend Woche bei den schier übermächtigen Bayern? „Erst Augsburg. Sonst nichts“, so Rincons prompte Antwort. Und er quatscht nicht nur, er meint es wirklich so. Gut so!

Ginge es nach der Stimmung im Team – und das tut es nicht -, der Sieg wäre beschlossen. Heute wurde auf verkürztem Feld gespielt. Mit Feuereifer, aber einer gewissen Lockerheit. Nach der offiziellen Einheit absolvierten fast alle Spieler (bis auf einige wenige, unter ihnen auch van der Vaart, der sofort in die Kabine ging) noch die eine oder andere Sondereinheit Schusstraining. Gar nicht dabei war Marcus Berg, der noch immer an einem grippalen Infekt leidet. Nicht im Kader sein werden zudem der gerade erst wieder genesene Michael Mancienne (macht im Training einen sehr fitten Eindruck) und Jacopo Sala, der anschließend zumindest bei der italienischen U21, für die er nominiert wurde, Spielpraxis sammeln soll. „Das wird eine ganz harte Nuss“, sagt Fink, „die stehen sehr kompakt, spielen sehr diszipliniert und sind nicht umsonst die sechstbeste Rückrundenmannschaft.“ Stimmt! Allerdings vergaß Fink zu sagen, dass der HSV die viertbeste Rückrundenteam ist…

Ansonsten war es heute weiter ruhig. Wie gewöhnlich am Tag des Abschlusstrainings vor einem Spiel, für das bereits 50500 Tickets verkauft wurden. Im Nachklapp findet Ihr noch ein paar kurze Infos, ansonsten verabschiede ich mich für heute bei Euch und tippe auf ein 2:0. Genau so wie Rudnevs im Übrigen auf hsv.de.

Ach ja, nebenbei: Auf die Frage, wo der HSV am Saisonende landen wird, antwortete Stefan Reuter: „Mindestens auf Rang sechs, wobei auch mehr drin ist. Der HSV hat genau im richtigen Moment die Kurve zum Positiven bekommen. Dieser HSV ist gut.“ Ich hoffe, er behält Recht…

In diesem Sinne, bis morgen, wo es nach dem Spiel traditionell wieder eine Matz-ab-Sendung geben wird. Diesmal freuen wir uns auf den ehemaligen Aufsichtsrat und HSV-Buch-Autor Axel Formeseyn.
Bis morgen,
Scholle

Kurze:
Nominiert: Rafael van der Vaart wurde in den endgültigen Kader für die WM-Qualifikationsspiele gegen Estland am 22. und gegen Rumänien am 26. März (beide Spiele finden in Amsterdam statt) berufen. Jeffrey Bruma testet mit der niederländischen U21 am 21. März gegen Israel und am 25. März in Waalwijk gegen Norwegen.

Beendet: Mehdi Mahdavikia hat seine Karriere offiziell beendet. Darauf verständigte sich der zuletzt immer häufiger verletzte ehemalige HSV-Publikumsliebling mit seinem Vereinstrainer im Iran.

Eingekehrt: Nachdem mir die Pressestelle des FCA im Gegensatz zu allen anderen 16 Bundesligavereinen (kein anderer Verein macht daraus ein Geheimnis) nicht verraten wollte, wo sie absteigen, hier die Info. Auch auf die Gefahr hin, dass sich beim FC Augsburg jetzt selbstredend Autokorsos und Menschenmassen vor dem Hotel bilden werden: Es ist das Park Inn in Schnelsen. Gute Nacht!

Appell: Dennis Aogo hatte sich nach dem Fürth-Spiel über pfeifende Fans geärgert. Dazu stellt er heute via “Facebook” in einem offenen Brief fest:

Hey Leute.

Hier soll es morgen gegen Augsburg rundgehen! Und ich wollte deshalb im Vorwege noch einmal Stellung beziehen zu dem, was ich nach dem letzten Heimspiel gegen Fürth gesagt habe. Ihr erinnert euch… es ging um die Pfiffe während des Spiels.

Eines vorab: Wir haben fantastische Fans, das weiß ich. Und genau aus diesem Grund wollte ich mit meinen Äußerungen deutlich machen, wie wichtig unsere Fans während des Spiels für uns da unten auf dem Rasen sind.

Wenn ein Spiel aus unterschiedlichen Gründen nicht gut läuft, dann kann ich den Unmut verstehen, doch es muss jedem klar sein, dass uns während der 90 Minuten eure Anfeuerungen sehr viel mehr helfen als Pfiffe. Nehmen wir das Fürth-Spiel als Beispiel: Der Gegner steht tief und kompakt, es gibt kaum eine Lücke. Da müssen wir immer wieder das Spiel verlagern, auch mal hintenrum spielen, den Gegner locken, um Räume zu schaffen. Dann aber kommen bei jedem Querpass Pfiffe und irgendwann fängt man an – um den Pfiffen der eigenen Fans zu entgehen – den Ball einfach lang nach vorn zu schlagen. Torgefahr erzeugt man so nur in den seltensten Fällen. Und als Quittung gab es vom Trainer die Kritik, wir hätten einen kühleren Kopf bewahren müssen.

Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen deutlich machen. Und nochmal: mir ist bewusst, dass die allermeisten von euch uns bedingungslos unterstützen und nur ein kleiner Teil seinen Unmut bereits während des Spiels kundgetan hat. Und wenn jemand unzufrieden ist, dann hat er natürlich auch das Recht zu pfeifen, keine Frage. Aber vielleicht im Sinne des gemeinsamen Ziels lieber erst nach dem Abpfiff, nachdem wir 90 Minuten lang alle gemeinsam versucht haben das Spiel zu gewinnen.

Es ging und geht mir nicht um Kritik an den Fans oder darum, die Schuld von uns Spielern abzuwälzen. Sondern es geht mir um den HSV und darum, dass wir alle gemeinsam erfolgreich sind. Ich wollte an uns alle appellieren, dass wir als HSV uns stärker machen. Und am stärksten sind wir nun mal gemeinsam!

Ich freue mich auf morgen! Euer Dennis

Da wächst ein echtes Team zusammen! Jarolim kann sich U23 vorstellen

4. Dezember 2012

***Korrektur: Summe Arslan ist nicht fünf- sondern vierstellig****

Es gibt keinen Tag Pause mehr – bis zur Winterpause, die am 16. Dezember beginnt und am 29. Dezember schon wieder für die HSV-Profis endet. Zunächst steht am Freitag Hoffenheim auf dem Plan. Lange Zeit bleibt anschließend nicht, immerhin fliegt die Mannschaft um 23 Uhr zum Testkick nach Brasilien. Ein Termin, der finanziell ebenso notwendig ist wie anstrengend. Dennoch gibt es beim HSV niemanden, den das ärgert. Zumindest nicht offiziell. Auch Heiko Westermann sagt: „Der Verein hat diesen Termin gemacht und braucht die Einnahmen. Das ist normal. Ich glaube auch, dass Brasilien eine lustige Reise wird, wenn wir das Spiel vorher gewinnen“, so der Kapitän, der zwar das erste Mal nach Brasilien reist – aber wenn es nach ihm geht, eben nicht das letzte Mal. Ob das vielleicht schon ein kleiner Test zum Kennenlernen für die WM 2014 mit ihm wird? Westermann lacht und nickt vorsichtig. Er hätte sicher nichts dagegen.

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Und auch Westermann ist sich der Chance bewusst, die sich dem HSV aktuell und mal wieder bietet. Mit einem weiteren Heimsieg, dem dann dann bereits dritten in Folge, kann der HSV mal wieder zu den internationalen Plätzen aufschließen. Und anschließend in Leverkusen ist für den HSV auch etwas drin, wie Westermann sagt. „Da haben wir eigentlich immer gut ausgesehen, was zwar nichts zu sagen hat. Was mich aber optimistisch stimmt. Wir müssen unsere Hausaufgaben gegen Hoffenheim machen – und dann auf Zusatzpunkte in Leverkusen hoffen.“

Und das wird nicht leichter, nachdem in Hoffenheim Frank Kramer, der ehemalige U-23-Trainer der TSG, übernimmt. Ein dort gefeierter Jungtrainer, der mit Sicherheit Feuer hat und wie alle anderen neuen Trainer erst einmal „eine ganz andere und viel bessere Ansprache an die Mannschaft“ finden wird, wie alle ach so ehrlichen Profis der TSG formulieren werden. „Die werden jetzt alle richtig Gas geben und sich versuchen, zu empfehlen“, weiß Maxi Beister, der zu gern dabei wäre. „Vom Schmerz her würde ich sagen, es geht. Aber aus medizinischer Sicht scheint das unvernünftig.“

Wohl wahr. Nutznießer ist dafür voraussichtlich Heung Min Son, über den wir im letzten Blog ausreichend berichtet haben. Der Südkoreaner soll helfen, „genau da anzuknüpfen, wo wir gegen Schalke aufgehört haben“, wie Westermann sagt. Soll heißen: Auch gegen Hoffenheim will der HSV Pressing spielen. „Dieses Spielsystem liegt uns am besten“, sagt Westermann. „Vorne attackieren liegt uns.“ Warum dieses kraftaufwändige Spiel nicht für 90 Minuten reicht? „Keine Ahnung“, so der HSV-Kapitän, der die Frage auch nach dem Spiel in Wolfsburg stellte. „Wir sind die letzten 30 Minuten überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen und haben fast logischerweise den Ausgleich kassiert.“ Ob irgendwer eine Antwort hatte? Westermann verneint. „Ich habe viele gefragt, und von allen kam nur, dass sie topfit sind. Und das sind wir auch alle. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir einfach mehr gelaufen sind.“ Und das stimmt tatsächlich. Zumindest im Spiel gegen Wolfsburg waren es 119,2 Kilometer Mannschaftslaufleistung. Und das ist ein wahrlich beachtlicher Wert. Zum Vergleich: die laufstarken Wolfsburger brachten es auf ebenfalls beachtliche 116 Kilometer (Bundesligaschnitt sind ca. 115 Kilometer/Spiel).

Insofern wird sich die Mannschaft ihre Kräfte einfach etwas besser einteilen müssen. „Vielleicht müssen wir das wirklich“, sagt Westermann, der ansonsten auch keine endgültige Lösung parat hat. Klar sei allerdings, dass der HSV weiter den hohen Aufwand betreiben wolle, um auf eine etwaige Verunsicherung des Gegners zu setzen. Das gepaart mit der Sicherheit im Defensivverbund sind die zwei Schlüssel zum Erfolg, wie Westermann sagt. „Wir stehen immer sicherer, stimmen uns immer besser ab“, sagt der Abwehrchef und lobt dabei neben den Außenverteidigern insbesondere seinen Nebenmann Michael Mancienne. „Michael wird immer sicherer. Er bekommt immer mehr Vertrauen in sich selbst. Wir sind eingespielt und der eine hält dem anderen den Rücken frei. Das ist sehr gut.“

Und fürwahr, Mancienne ist ein Spieler, für den man sich vielleicht den einen Tick mehr über dessen gute Leistungen freut. Denn der Brite zählt zu den technisch etwas limitierteren Spielern, die aber auf der Gegenseite das fehlende Talent mit unbändigem Einsatz ausgleichen. „Er ist ein absoluter Teamplayer“, schwärmt Trainer Thorsten Fink, „einer, auf den ich mich verlassen kann.“ Auch deshalb erhält Mancienne weiter den Vorzug vor dem sicher talentierteren Jeffrey Bruma, der sich in der Vergangenheit schon in Sphären wähnte, die er de facto sportlich nicht bestätigen konnte. Bruma hatte sich meines Erachtens zu oft zu sehr auf sein Talent verlassen, während sich Mancienne ob seines Einsatzes und Teamgeistes bei Fink zum Stammspieler mauserte. Wie wichtig Teamgeist aktuell ist, zeigt Westermanns Aussage: „Wir wachsen als Mannschaft immer enger zusammen. Das habe ich hier so noch nie erlebt – aber immer gehofft.“

Bestes Beispiel dafür war der gestrige Montagabend. Da lud Tolgay Arslan (für seine unnötige fünfte Gelbe im Schalke-Spiel) die Mannschaft bei „Mr. Kebap“ zum Essen ein. Und es kamen – 25 Mann. „Es war eine sehr nette Runde“, so Arslan, der am Ende einen vierstelligen Betrag zahlen musste, aber nicht verraten wollte, wie viel es letztlich genau war. „Darum geht es auch nicht“, so der Rechtsfuß, der gegen Hoffenheim wieder zur Startelf gehören wird. „Es war ein schöner Abend für uns als Mannschaft. Ich habe selten so gern eine Strafe beglichen…“

Von 18 bis 23 Uhr saß die Mannschaft in geschlossener Gesellschaft zusammen, speiste und trank. Sogar ein Discjockey wurde gestellt. Zum Vergleich: In der Saison 2010/2011 gab es einmal ein Babypinkeln in der „Bullerei“. Der Termin war lange angekündigt. Doch am Ende kamen gerade mal acht Leute, um mit ihrem Mannschaftskollegen dessen Kinderglück zu feiern. Noch schlimmer kam es, als die Mannschaft sich in derselben Saison zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollte. Da kamen am Ende gerade drei Leute…

Ich habe es damals häufiger geschrieben und meine es auch heute noch ernst: Solche Abende sind enorm wichtig. Solche Abende geben der Mannschaft oft mehr als Trainingseinheiten. Das ist im kleinen Fußballbereich nicht anders als bei den Profis. Denn genau bei solchen Gelegenheiten formt sich der Zusammenhalt, der am Ende in knappen Spielen über Sieg und Niederlage entscheidet. Insofern: Chapeau, HSV! Zumal es noch deutlich mehr Teilnehmer gewesen wären, wenn die Presseabteilung nicht schon lange vorher für denselben Zeitpunkt die Weihnachtsfeier mit uns Journalisten angesetzt hätte. Dort kamen wie immer auch die Trainer, „die aber allesamt persönlich und begründet bei uns abgesagt hatten“, so Arslan über einen Abend, der mich in den von Westermann formulierten Optimismus einstimmen lässt: Da formt sich eine Mannschaft!

Form nimmt langsam auch die Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat an. Und was lange vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Ralf Bednarek, aktuell noch Abteilungsleiter der Supporters, tritt am 13. Januar bei der Jahreshauptversammlung zur Wahl an. Insgesamt werden vier neue Räte zu wählen sein, für die bislang acht Kandidaten feststehen. Neben Bednarek sind das Klaus Krägel, Jens Meier, Stephan F. Rebbe, Otto Rieckhoff, Christian Strauß, Peter von le Fort und Cord Wöhlke. „Ich werde zum 12. Januar meinen Vorsitz bei den Supporters abgeben und mich anschließend zur Wahl stellen“, so Rechtsanwalt Bednarek.

Womit ich das Thema Aufsichtsräte auch schnell wieder beenden will. Das wird früh genug wieder für alle wichtig, hat aber mit der sportlichen Entwicklung aktuell nichts zu tun. Im Gegenteil: denn die macht Spaß…

Spaß am Gespräch hatte heute Abend auch David Jarolim. Der traf sich mit Sportchef Frank Arnesen und sprach über seine nähere Zukunft. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Jarolim, dem Arnesen nahelegte, die in den Abstiegsstrudel geratene U23 zu retten. „Ich bin froh, dass ich diesen Termin hatte“, so Jarolim, der in den nächsten Wochen abwarten will, ob sich für ihn noch etwas auf dem Transfermarkt für die Bundesliga ergibt. „Wir haben vereinbart, dass wir die nächsten Wochen noch abwarten und uns dann entscheiden“, sagt Jarolim, während Arnesen Verständnis für dessen Haltung hat: „Jaro ist ein vorbildlicher Profi mit toller Reputation – und er ist topfit. Ich kann ihn voll verstehen, dass er noch weiter als Profi spielen will.“ Sollte es sich dennoch nicht ergeben, kann sich Jarolim auch eine Rückkehr zum HSV vorstellen. Als erfahrener Dachs im jungen U23-Team. „Es ist alles vorstellbar“, so Jarolim, der heute Abend noch zurück zur Familie nach Prag fliegt. „Es ist ja auch nicht so, dass ich jedes Angebot annehmen würde. Im Gegenteil: es muss schon sehr gut passen. Ansonsten helfe ich meinem HSV.“

So, bei so viel Harmonie im sportlichen Bereich und weihnachtlicher Musik im Rücken – bevor mir die Tränen kommen verabschiede ich mich lieber für heute mit er klaren Ansage, dass der ehemalige Bremer Marko Marin beim HSV kein Thema ist. Im Anhang findet Ihr zudem noch ein nettes Gewinnspiel für eine sehr nette Veranstaltung. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Gewinnspiel und Ankündigung:

Am Donnerstag den 06. Dezember 2012 präsentiert das HSV-Museum den erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands: Am Nikolausabend wird Ben Redelings gemeinsam mit dem bekannten HSV-Autor Axel Formeseyn auf der Bühne stehen. Ben Redelings („Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten“, „Der Ball ist eine Kugel. Das große Buch der Fußballbücher“, „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ u.v.m.) und HSV-Autor Axel Formeseyn („Voll die Latte“, „Unser HSV“) werden zusammen mit Gästen und Zuhörern eine unterhaltsame Reise durch die letzten 50 Jahre Bundesliga bestreiten. Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Rudi Kargus und Stefan Schnoor. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Die Karten gibt es im HSV-Museum oder über den Merchandising-Shop der Supporters.

Oder eben hier. Denn wir verlosen zwei Tickets sowie je ein Buch „Voll die Latte“ und „50 Jahre Bundesliga“, das neue Buch von Redelings. Beantwortet einfach folgende Frage per Email bis zum 5. Dezember 2012 bis 18 Uhr an: preisfrage@abendblatt.de.

Gewinnfrage: Wer bestritt in 50 Jahren Bundesliga die meisten Bundesligaspiele für den HSV und wie viele waren es?

Die Gewinner/innen veröffentlichen wir an dieser Stelle im morgigen Blog, der um voraussichtlich 19 Uhr veröffentlicht wird. Alle Angaben sind ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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