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Über schnelle Urteile und Unmut

6. Juni 2014

Didi auf Malle mit Gernandt bei Kühne. Didi am Telefon mit Mama Lasogga. Didi am Telefon bei Prinz Hakan. Didi in Kontakt mit dem Schweizerischen Fußball-Verband wegen Peter Knäbel, Didi am Rohr bei Nico Hoogma, eventuell um den Niederländer als Sportchef zu präsentieren. Überall Didi – es wird kräftig gearbeitet hinter den Kulissen, selbst wenn der Auflösungsvertrag von Dietmar Beiersdorfer mit Zenit St. Petersburg offenbar noch immer nicht unterzeichnet ist. Zumindest fehlt bis dato die Bestätigung dafür.


 

Gestern und heute wurde hier im Blog heftig diskutiert und geschimpft. Lasst uns gemeinsam mal versuchen, festen Grund unter die Sache zu bekommen. Ich glaube, dass Pöbelei und Unterstellerei nicht weiterführt. Wie ist die Lage? Auf dem Papier hat der HSV einen handelnden Aufsichtsrat und Vorstand. Die Gremien werden geführt von Carl Jarchow und Jens Meier. Jarchow und zumindest sein Kollege Oliver Kreuzer, der Sportchef, sind allerdings „lame ducks“. Sie sind nur noch pro forma im Amt und hängen in der Luft, denn in wenigen Wochen herrschen neue Leute.

 

Dazu übrigens eine Meldung der dpa:

Der amtierende Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow hat ein Transferverbot für Sportchef Oliver Kreuzer beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV dementiert. «Das ist Unsinn. So etwas gibt es nicht», sagte Jarchow der dpa am Freitag. «Wer soll denn das aussprechen? Ich glaube auch nicht, dass Herr Gernandt so etwas formuliert hat.»

In einigen Medien wurde berichtet, der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt habe Kreuzer ein Transferverbot erteilt, weil dieser Zoltan Stieber von der SpVgg Greuther Fürth in Absprache mit dem noch amtierenden Aufsichtsrat verpflichtet hatte. Gernandt wird im «kicker» zitiert, dass der Transfer «von unserer Seite aus so nicht eingefädelt worden wäre».

Die HSV-Gremien befinden sich derzeit in einer Übergangsphase. Weil die neue Fußball-AG erst ab 1. Juli offiziell ihre Tätigkeit aufnimmt, kann der noch nicht amtierende Gernandt Sportchef Kreuzer nicht reglementieren. Jarchow: «Es ist das Interesse aller handelnden Personen, dass der Übergang vernünftig läuft. Natürlich spricht sich Oliver Kreuzer auch mit Dietmar Beiersdorfer ab», sagte Jarchow. Auch vom designierten Vorstandschef der AG, der derzeit noch bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag steht, habe es keine Verbote gegeben.

 

Die neuen Leute jedenfalls, der designierte Aufsichtsrats-Vorsitzende der Fußball AG, Karl Gernandt, an der Spitze, und der oben angekündigte Dietmar Beiersdorfer als Chef des Vorstands, sind die eigentlich entscheidenden Figuren. Sie werden spätestens am 1. Juli im Amt sein. Das heißt, bei allen Entscheidungen, die im Moment fallen, haben sie später die Konsequenzen zu tragen. Jens Meier, seit Anfang dieses Jahres Vorsitzender des alten Aufsichtsrates, hält diesbezüglich engen Kontakt mit Karl Gernandt.

So weit, so gut. Dieter wurde hier gestern für seine Darstellungen von Euch ordentlich in die Mangel genommen. Er hatte sich kritisch mit der aktuellen Lage auseinander gesetzt. Dass tatsächlich nicht alles rund läuft in dieser Übergangszeit, das wissen wir inzwischen. Unzufriedenheit bei Pierre Michel Lasogga, Unstimmigkeiten beim Transfer von Zoltan Stieber. Genau um dies zu vermeiden, sind klare Zuständigkeiten nötig. Und dazu müssen aus meiner Sicht schnell folgende Punkte geklärt werden:

  • Dietmar Beiersdorfer erhält seine Freigabe aus St. Petersburg und unterschreibt seinen Vertrag beim HSV. Das ist auch unter den aktuellen Bedingungen, da der HSV noch ein e.V. ist, möglich. Sein Vertrag würde dann in einigen Wochen in die AG übertragen werden.
  • Im selben Atemzug würde der Posten neben Beiersdorfer vergeben – vermutlich an Joachim Hilke.
  • Mit Carl Jarchow muss geklärt werden, ob er weiter den e.V. leiten will oder nicht. Ansonsten: schnell ein neuer Mann / eine neue Frau.
  • Die Ebene unter dem Vorstand muss zügig eingebaut werden. Das gilt insbesondere für den Sportchef-Posten. Es ist für den HSV und für Oliver Kreuzer unerträglich, in diesem Schwebezustand zu sein.
  • Der neue Nachwuchschef muss kommen. Jetzt müssen die ersten Weichen gestellt werden, wie es mit der Jugend weitergeht. Trainer, Spieler, Konzept – eine Mammutaufgabe, die keine schnellen Früchte tragen wird. Aber der Startschuss muss erfolgen.
  • Klarheit über den Campus-Bau. Setzt der HSV weiterhin auf dieses Projekt oder nicht? Auch die Anleger haben ein Recht auf Klärung. Was passiert mit ihrem Geld?
  • Nebenbei braucht die Profi-Mannschaft dringend ein Gerüst. Klar ist: die sportlichen Ziele sollten nach unten geschraubt werden. Schnell die sicheren 27 Punkte erreichen für den Klassenerhalt – das muss das Ziel sein. Mehr vorzugeben, macht keinen Sinn.
  • Eine Idee: Heranrücken an die AG-Skeptiker auf Fan-Seite. Viele von denen, Ultras, engagierte „Supporters“ der letzten Jahre, waren verantwortlich für einen Großteil der Stimmung im Stadion, für die Auswärts-Unterstützung. Wenn sie mitgenommen werden wollen, wenn sie es wirklich wollen (!!!), sollte sie die Fußball-AG mitnehmen zur Befriedung des HSV.

Zum guten Ton gehört übrigens auch die gute Wortwahl. Die genannten Punkte sind in die Zukunft gerichtet. Wohin sonst? Aussagen von Karl Gernandt wie die mit dem „Hautausschlag“, den er beim Blick auf die letzten HSV-Jahre bekomme, sind überflüssig. Gernandt sollte sich hier vielleicht medial beraten lassen, ehe er so etwas sagt, nicht von einer PR-Agentur.

Jarchow genügt unseren Ansprüchen nicht. Fertig. Kreuzer genügt unseren Ansprüchen nicht. Fertig. Mehr ist nicht nötig. Monatelang wurde über die Versäumnisse des aktuellen Vorstands berichtet. Übrigens in großen Teilen auch hier im Blog. Der Blick in die Zukunft ist jetzt wichtiger als die billige Abrechnung mit dem Alten.

Im übrigen: so schön es ist, dass sie weitertickt – braucht der HSV wirklich diese Ewige Bundesligauhr im Stadion? Aus meiner Sicht ist es ein rückwärts-gewandtes Symbol. Ständig wurde diese Uhr in den letzten Monaten eingeblendet im Fernsehen, wie ein Mahnmal des Niedergangs. Die Spieler müssen schon schlecht geträumt haben von dem drohenden Ticken dieser Uhr. Okay, ein paar Groschen spendet ein Sponsor für diese Uhr. Aber ehrlich – ich will sie nicht mehr sehen. Alle wissen auch so, dass der HSV der Dino der Liga ist.

Zurück zum Wesentlichen. Ein großes Thema, im Verein und in Euren Kommentaren, ist die berühmte Außendarstellung des HSV. Schlecht sei sie, logisch. Die Presse ist sowieso Teil, wenn nicht Hauptbestandteil, des Niedergangs. So ist es immer wieder zu lesen. Der Reihe nach:

In der Ebene unter dem Vorstand ist der des Mediendirektors Jörn Wolf angesiedelt. Er regelt seit Klaus Toppmöllers Zeiten die Presse-Arbeit des HSV. In der Bundesliga genießt Wolf einen guten Ruf. Nicht zuletzt deshalb hat er den Führungswechsel 2011 von Hoffmann zu Jarchow überstanden. Wie alle führenden Posten wird nun auch über seinen debattiert nach der Devise: da muss der HSV doch von sich aus dafür sorgen, dass anders über ihn berichtet wird.

Das ist in großen Teilen so gar nicht möglich. Die Zugriffsmöglichkeiten des Mediendirektors sind begrenzt, insbesondere – und hier liegt das Kernproblem – wenn die Unterstützung von oben, die Haltung der Vereinsführung, die Konsequenzen für Zuwiderhandlungen fehlen. Spieler und deren Berater äußern sich über den Kopf des Mediendirektors hinweg in den Zeitungen. Aufsichtsräte, für die Wolf übrigens gar nicht zuständig ist, sind ohnehin nicht in seinem Kompetenzbereich. Außerdem liegt es in der Natur der Sache, das sind die Erfordernisse bei jedem Bundesligisten, dass sich die Vereins-Verantwortlichen selbst den Medien stellen, und sie nicht den Mediendirektor vorschieben, wie es vielleicht in der Wirtschaft der Fall ist.

Und außerdem: verantwortlich für die schlechte Presse der letzten Jahre sind in erster Linie die schlechten Nachrichten, die der Verein ohne Ende produziert. Schlechte Performance auf dem Platz, schlechte Wirtschaftsdaten, schlechte Personalpolitik, Reingequatsche von allen Ebenen, permanenter Wahlkampf für eine Position im Aufsichtsrat und und und. Viel zu viele Angriffsflächen hat dieser HSV geboten, und um diese Angriffsflächen zu minimieren, war gerade die Umwandlung nach HSV-Plus-Modell nötig. Ständig darauf herumzuhacken, wie schlecht doch die Presse ist, geht völlig am Thema vorbei. Es ist Energieverschwendung. Unterstellungen, Zitate seien gefälscht und Gespräche erfunden, sind darüber hinaus beleidigend und absurd. Diejenigen, die das behaupten, haben nicht den blassesten Schimmer – nicht den allerblassesten. Das ist nur mit völliger Ahnungslosigkeit und / oder Böswilligkeit zu erklären. Es gibt auch noch ein Presserecht. Und es gibt Pflichten der Presse. Nebenbei würde man sich strafbar machen.

Aber auch viele von Euch fordern in den Kommentaren hier ständig eine andere Berichterstattung der Medien. Ich bin mir sicher: hat der HSV künftig ein schlüssiges Konzept, tritt er homogen auf und produziert dann auch positive Ergebnisse, dann wird auch die Berichterstattung über den HSV besser. Das ist im Grunde eine einfache Logik. Dass es immer mal wieder im Einzelfall unterschiedliche Auffassungen gibt über die Beurteilung einzelner Personen, ist normal. Wir nehmen uns hier das Recht zu bestimmten Urteilen heraus, genauso könnt Ihr zu anderen Urteilen kommen.

Natürlich verändern sich auch Einschätzungen anhand fortgehender Entwicklungen. Beispiel: Oliver Kreuzer beurlaubt seinen Freund, wie es immer hieß, Thorsten Fink, holt dafür Bert van Marwijk. Mutige, richtige Entscheidung, über eine persönliche Bindung hinweg im Sinn des HSV. Ertrag: es geht zunächst aufwärts mit dem HSV. Zwischenfazit also: Gut gemacht, Kreuzer. Ein halbes Jahr später verblasst der schöne van-Marwijk-Schein. Das Team klappt zusammen, der Trainer ist überfordert und wird wieder abgelöst. Zugleich werden Vertragsdetails bekannt. Schon ist Kreuzers Entscheidung aus dem September in einem ganz anderen Licht.

So oder ähnlich läuft es doch ständig. Mit rasender Geschwindigkeit maßen wir uns an, Urteile zu fällen. Ich gebe zu, auch als Frank Arnesen kam, war ich am Anfang angetan von seiner Arbeit, von seinem Konzept. Warum auch nicht? Vertrauensvorschuss auch von medialer Seite ist Grundvoraussetzung für ruhiges Arbeiten. Wenn derselbe Arnesen etwas später Fehler um Fehler macht, sein Konzept nicht umsetzt – war dann das positive Urteil über ihn aus der Anfangszeit falsch? Oder hätte man Arnesen von Beginn an kritisieren müssen? (Oder hätten sich dann, wie gestern hier bei Dieter geschehen, diejenigen zu Wort gemeldet, die voreilige Kritik bemängeln?)

Am Ende hilft keine Schwarz-Weiß-Malerei. Neue Leute, neue Strukturen beim HSV sind nun am Werk. Jetzt schon, nicht erst am 1. Juli. Deswegen ist es völlig legitim, jetzt auch schon über Gernandt, Beiersdorfer und Co. zu berichten. Wäre ja wohl noch schöner wenn nicht.

Das soll es für heute gewesen sein. Kommen neue Nachrichten, vor allem aus Russland, wird dieser Blog zügig aktualisiert. Was Beiersdorfer angeht, können aber noch einige Tage vergehen.

Auf der Seite der „HSV-Supporters“ ist heute eine Stellungnahme zu lesen zu den möglichen Konsequenzen aus der AG-Abstimmung. Zu diesem Thema soll es dann morgen auch hier noch mehr geben.

Ich wünsche Euch einen schönen Länderspiel-Abend. Lasst uns alle gelassen und konzentriert nach vorn gucken.
Lars

17.50 Uhr

“Der HSV muss wieder hanseatisch werden”

5. Juni 2014

„In den letzten fünf Jahren ist es drunter und drüber gegangen.“ Das hat der neue Aufsichtsrats-Boss der HSV-Fußball-AG, Karl Gernandt, in einem Interview mit der Bild zugegeben. Wieso fünf Jahre, habe ich mich gefragt, wie kommt der Gernandt gerade auf diese Zahl? Geht es nicht schon viel länger im HSV drunter und drüber? Gefühlt zehn Jahre? Aber egal, wichtig ist, dass solche Aussagen jetzt kommen, denn solche und genau dieser Art hat es beim HSV zuvor nie gegeben. Da wurde immer alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zugedeckt. Obwohl jeder – oder fast jeder – wusste, auf welche gefährliche Art der HSV in Sachen Abgrund geführt wurde. Gernandt sagt auch drastisch: „Wenn man das Tohuwabohu sieht, da kriegt man Hautausschlag.“ Stimmt.


 

Und deswegen wird es Zeit, dass beim HSV die Aufräumarbeiten beginnen. Leider, leider ist bei der Mitgliederversammlung am 25. Mai keiner aus der HSV-Führung aufgestanden und hat mal offen und ehrlich Ross und Reiter genannt, warum es so gekommen ist mit dem Club. Ein Mann hatte es mir Wochen vorher versprochen, dass er Tacheles sprechen wird, dass es mal Butter bei die Fische geben wird – aber die Traute dazu ist ihm dann wohl doch „unterwegs“ auf der Strecke geblieben. Irgendwann, so hoffe ich weiter, wird es aber mal so kommen, dass die Mitglieder über alle die schlimmen Dinge, die da gelaufen sind, aufgeklärt werden. Hoffentlich. Ich kenne nur hartnäckige Gerüchte, aber es gibt ganz sicher Leute, die dazu auch die passenden Unterlagen hätten . . .

 

Seit dem bewussten 25. Mai sind neue Strukturen im HSV beschlossene Sache. 86,9 Prozent der anwesenden Mitglieder haben dafür gestimmt. Bis zum 1. Juli, also in 26 Tagen, darf die „alte“ Club-Führung noch „machen“, dann kommen die neuen Herren. Bis dahin sollte es Hand in Hand gehen, aber geht es das wirklich? Neue Strukturen soll es geben, aber davon ist bislang nichts zu sehen und zu spüren. Im Gegenteil. Es wird genau so weitergemacht, wie bisher. Es wird gewurschtelt. Stefan Schnoor, der ehemalige HSV-Spieler, hat zu diesem Thema ein großartiges Interview im heutigen Hamburger Abendblatt (Seite 26) stehen, das ist die Wahrheit, der „harte Hund“ von einst legt knallhart die Finger in (fast) alle HSV-Wunden. Wer es nicht gelesen hat – es ist wirklich sehr empfehlenswert.

 

Er spricht darin – unter anderem – auch über den AG-Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. Schnoor hätte an dessen Stelle lieber Holger Hieronymus gesehen – und Beiersdorfer als Sportchef. Geht mir ähnlich, sehe ich ähnlich. Ich hätte vor allem sehr gerne gehabt, dass Thomas von Heesen kein Aufsichtsrats-Mitglied ist, sondern im operativen Geschäft mitmischen kann und darf. Sind von Heesen die Hände gebunden, so verschenkt der HSV in meinen Augen ein unglaublich großes sportliches Potenzial. Und ich wiederhole mich gerne: ein unglaublich großes fußballerisches Potenzial.

 

Wobei ich bei einem Lieblingsthema von mir bin: Wo sind Hieronymus, Ditmar Jakobs und Horst Hrubesch, die sich einst für die Initiative „HSVPlus“ engagiert und stark gemacht hatten, denn jetzt eigentlich hin? Ich hatte mir erhofft und vorgestellt, dass mindestens alle drei Herren – möglichst noch mehr aus dieser Kategorie – in einem sportlichen Aufsichtsrat sitzen werden und den Trainer und den Sportchef bestimmen, mit ihnen Hand in Hand arbeiten. Aber so wie es jetzt aussieht, wird daraus ja wohl nichts (mehr). Was ich für äußerst schade halte, denn solche Experten, die zudem nicht auf irgendwelche Pöstchen – vielleicht auch HSV-Gelder – aus sind, stünden dem „Dino“ gerade jetzt sehr gut zu Gesicht. Diese „Ehemaligen“ hätten nicht ihre Eitelkeiten im Volkspark pflegen lassen, sondern sie hätten sich nur zum Wohle des HSV eingesetzt. Schade, schade.

 

Ich habe darüber mit Ditmar Jakobs gesprochen, obwohl er zuerst nicht so recht wollte: „Alles das, was es über den HSV momentan zu sagen gibt, das hat Stefan Schnoor heute im Abendblatt bereits getan – das war sehr, sehr gut, das waren viele sehr richtige Dinge dabei. Er hat es auf den Punkt gebracht. Mehr muss man gar nicht sagen.“ Ich habe trotz allem mal nachgebohrt. Zum Beispiel habe ich gefragt, warum es um ihn so still geworden ist, warum er beim neuen HSV nicht mitmacht? Der ehemalige HSV-Kapitän: „Es war klar, dass ich keine Rolle spielen werde. Klar war auch, dass ich HSVPlus unterstützen würde, weil es für mich die einzige Möglichkeit war, innerhalb des HSV etwas zu verändern. Das war die einzige Möglichkeit, und deswegen bin ich als Unterstützer von HSVPlus aufgetreten. Bis zur Mitgliederversammlung, so war es abgesprochen, so hatte ich es mir vorgenommen.“

 

Ich hatte diese Jakobs-Rolle etwas anders interpretiert, nämlich dass er dem HSV, seinem HSV, auch danach noch helfen würde. „Diesen Weg sind wir bis zum Schluss gegangen, Horst Hrubesch und auch Holger Hieronymus. Damit haben wir das gehalten, was wir vorher versprochen hatten, und wir schießen jetzt auch nicht quer.“ Jetzt soll der HSV und seine neue Führung mal machen . . .

 

Was bislang – wenn überhaupt – nur eingeschränkt funktioniert. Es wird mit Thomas Westphal einen neuen Teammanager aus Hannover geben – von Trainer Mirko Slomka geholt. Marinus Bester geht auf seinen alten Posten zurück – fühlt sich allerdings, das ist zugegeben, pudelwohl dabei. Sportchef Oliver Kreuzer hatte das Geschäft mit Zoltan Stieber (kommt aus Fürth) schon vor Monaten eingefädelt – und zog es jetzt durch. Obwohl es durchaus Widerstände gab – aber dieser Transfer war eben schon zu „alten“ HSV-Zeiten angeschoben worden . . . Zudem hat Kreuzer aus seiner Stadt Karlsruhe (und vom Karlsruher SC) den neuen U-23-Trainer (Nachfolger von Rodolfo Cardoso) Josef Zinnbauer geholt – allerdings auch schon vor dem 25. Mai. Damals machte im Prinzip jeder das, was er machen wollte. Hier kommt ein Freund, da der nächste. So holte einst Thorsten Fink aus Basel seinen ehemaligen Spieler Jacques Zoua. Warum? Das weiß in Hamburg bis heute kaum einer. Es sieht alles eher ein wenig nach Klüngel aus, aber nicht nach Profi-Verein.

 

Dabei war und ist meine ganz große Hoffnung doch die, dass man endlich Schluss machen würde mit dem Selbstbedienungsladen HSV. Dass in diesem Verein endlich einmal so richtig gut gearbeitet wird, dass man es als professionell bezeichnen könnte. Noch scheint es weiter drunter und drüber zu gehen, wie es Karl Gernandt nennen würde. Aber wahrscheinlich muss der neue Rat diese Kröte nun noch (bis zum 1. Juli) schlucken, damit es keinen Ärger gibt. Ärger, der dann womöglich in der Öffentlichkeit ausgetragen werden würde.

 

Das sieht wohl auch Ditmar Jakobs so. „Der HSV hat mit dem 25. Mai eine neue Philosophie bekommen, habe ich jedenfalls gedacht, aber diese Philosophie wird bislang nicht umgesetzt. Alles läuft so weiter wie zuvor. Dabei müssten Leute, die zum HSV kommen, sich dieser Philosophie unterstellen, mit diesem Konzept müssten sie konform gehen. Im Moment ist es so, wie es bislang beim HSV schon seit Jahrzehnten war: Sportchef und Trainer bringen ihre Philosophie durch, nicht die des HSV. Und das kann es nicht sein. Nach ein paar Monaten oder Jahren sind diese Leute weg, dann kommen neue Kräfte – und die bringen dann wieder nur ihre Philosophie durch? Und so geht es immer weiter? Dann kommt der HSV doch nie mehr auf einen grünen Zweig. Deswegen wird es Zeit, dass die Philosophie des Vereins umgesetzt wird, deswegen wurden doch jetzt die neuen Strukturen gewählt. Und wenn Sportchef und Trainer damit nicht einverstanden sind, dann müssen sie die Konsequenzen ziehen.“ Jakobs fügt hinzu: „So, wie es zurzeit noch läuft beim HSV, so darf es nicht laufen, das kann es ganz einfach nicht sein, und wie es anders läuft, das zeigt uns Bayern, das zeigt uns Dortmund. Da ordnen sich alle der Philosophie des Vereins unter.“ Mit großem Erfolg. Und selbst bei Mainz 05 ist es so . . .

 

Ditmar Jakobs wirkt leicht desillusioniert: „Ich finde das schade, dass dieses neue Vorhaben, das ja nun gewählt worden ist, ein wenig verwässert. Wirklich schade.“ Und weiter: „Wir wollten, dass die neuen Leute diesem Verein endlich eine Philosophie geben, dass ein neues Konzept mal über drei bis fünf Jahre umgesetzt wird. Und wenn ich jetzt sehe, wer wen da holt, wer einen Platz im HSV erhält, wer sich auch einen Platz innerhalb des HSV sicher will, dann sehe ich das Konzept schon wieder sehr infrage gestellt. Das finde ich schade. Denn da ist bislang nichts passiert, und meiner Meinung nach ist das noch überhaupt nicht richtig gelaufen.“

 

In der letzten Winterpause wurden mit Quasim Bouy und Ola John zwei Spieler vom Trainer geholt, nicht vom Sportchef. So soll es nie wieder laufen – im neuen HSV. Weil Sportchef Oliver Kreuzer bei Trainer Bert van Marwijk keinen Stich landen konnte. Jakobs hat noch ein anderes Beispiel parat: „Diese vier Aussortierten, was wurden die niedergetrampelt innerhalb des HSV. Wer hat damals nicht alles gesagt: ‚Unter meiner Führung spielen die nie mehr, sonst gehe ich . . .’ Und dann? Plötzlich spielten sie alle wieder. Und? Ist deswegen einer von seinem Posten zurückgetreten? Ich habe keinen gesehen. Aber ich weiß nur, dass der HSV ohne diese vier Aussortierten abgestiegen wäre. Das kann doch so nicht gehen. Diese vier Spieler wurden total verdammt, und niemand ist dagegen eingeschritten.“ Auch von „ganz oben“ niemand.

 

Stichwort Philosophie. Ditmar Jakobs sagt: „Das beinhaltet, wie ich mich als Verein in der Öffentlichkeit gebe, wie ich mich innerhalb des Clubs gebe, welches spielerisches Konzept ich habe, welche Spieler möchte ich haben, um dieses Konzept auch umsetzen zu können, wie die Nachwuchsarbeit laufen soll, ob ich vorzugsweise Leute aus der norddeutschen Region haben möchte – all das muss nach außen gekehrt werden. Der HSV muss wieder hanseatisch werden. Und Sportchef und Trainer müssen sich diesem Konzept voll unterordnen.“

 

Ob das alles so gehen wird, wie es sich die neuen Führungs-Herren vorstellen, oder vorgestellt haben? Weil ja doch Männer wie Mirko Slomka und Oliver Kreuzer zu anderen HSV-Zeiten geholt worden sind. Zu Zeiten, in denen der HSV wie ein Kaninchenzüchter-Verein geführt wurde.

 

So, zum Schluss noch etwas Aktuelles vom Tage:

 

Zhi Gin Lam hat heute einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Zweitliga-Club (!) Greuther Fürth unterschrieben – für ungefähr 200 000 Euro Ablöse.

 

Der designierte AG-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer weilte (weilt) heute in St. Petersburg, um seine Freigabe von Zenit zu erreichen. Bislang war nichts aus Russland zu vernehmen, ob diese Visite erfolgreich gewesen ist. Im HSV allerdings geht niemand mehr davon aus, dass dieser Deal noch platzen wird – Beiersdorfer kehrt zurück, ohne wenn und aber. Ich gehe, sonst bin ich da ja ein wenig vorsichtiger geworden, mal ganz mutig von 100 Prozent aus.

 

Dann stand in der „Bild“ eine Meldung, die aufhorchen ließ. Danach steht Hakan Calhanoglu an 13. Stelle der besten Fußball-Talente der Welt. Und dafür will Bayer Leverkusen nur zwölf Millionen Euro zahlen? Ein Witz! Zumal „Hackis“ Vertrag doch noch bis 2018 läuft. Wie es zu gehen hat, das hat Stefan Schnoor (auf Seite 26) heute ebenfalls schon erklärt. Nur so und nicht anders. Denn Leverkusen hat heute gerade seinen Spieler Can an Liverpool verkauft – für zwölf Millionen Euro. Da stimmt doch die Relation nicht, oder liege ich da falsch?

 

Das war es dann für heute in groben Zügen. Wir sind gleich, ich tippe mal auf 18.10 Uhr (auf jeden Fall in der Gegend), mit „Matz-ab-live“ auf Sendung. Unsere Gäste sind „Matz-abber“, mit denen ich über die abgelaufene Saison sprechen werde, über die abgelaufene Mitgliederversammlung, die neuen Strukturen und die neue Saison. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich zusehen könntet.

 

Einen schönen Feierabend wünscht Euch Dieter.

 

17.22 Uhr

Auch in der Kabine gab’s zu viel Misstrauen

4. Juni 2014

Ist er nun schon in St. Petersburg? Wie laufen die Verhandlungen mit Zenit? Wollen die Russen eine Millionen-Ablöse für ihn? Wann kommt also Dietmar Beiersdorfer wirklich zum HSV?

Gestern Vormittag, so hatte es den Anschein, herrschte keine Eile beim ehemaligen HSV-Sportchef. Besucher eines Cafes am Mittelweg konnten sich freuen über diesen ungewöhnlichen, vielleicht überraschenden Anblick: „Didi“ mit seinem früheren kongenialen, verhassten, umstrittenen, ein traumhaftes Pärchen bildenden Vorstands-Kollegen Bernd Hoffmann an der Seite. Es wurde gescherzt und gelacht – die ehemaligen Macher des HSV vereint – zumindest beim Latte macchiato.

Dass es eine berufliche Wiedervereinigung beim HSV geben wird, ist sehr unwahrscheinlich. Das liegt vor allem daran, dass der Vorstands-Posten neben Beiersdorfer für Joachim Hilke reserviert ist. Über Pfingsten, so heißt es, werden wir schlauer sein.

Was Joachim Hilke angeht, hat er vor etwa zweieinhalb Jahren ein vielbeachtetes Projekt angeschoben, nämlich eine weitreichende medizinische Zusammenarbeit mit dem UKE. Beide Seiten sollten davon profitieren. Der HSV wirtschaftlich und inhaltlich. Einerseits durch einen Pauschal-Vertrag, der die Kosten für die medizinische Betreuung der Profis verlässlich regelt, andererseits durch das Know-How der Klinik. Und auch das UKE hat sich von der Zusammenarbeit Einiges versprochen, das neue „Athleticum“ auf dem Klinik-Gelände wurde im Sommer 2012 eingeweiht – der HSV schien da als Werbe-Zugpferd gerade recht zu kommen.

Als Zwischenbilanz seither muss konstatiert werden, dass es zweieinhalb Jahre im Gebälk geknirscht hat, es immer wieder zu personellen Problemen und inhaltlichen Turbulenzen gekommen ist. Zuletzt hat der langjährige und anerkannte Physiotherapeut Stefan Kliche beim HSV gekündigt. Er ist nach der Neu-Orientierung des Vereins der letzte Mohikaner aus dem alten medizinischen Stab, der nun nicht mehr dabei ist. Neue Leute, neue Qualität? Die HSV-Profis, das ist die Beobachtung, lassen sich keinesfalls ausschließlich im UKE behandeln geschweige denn dort operieren.

„Es stimmt, dass es in diesem Bereich einige Diskussionen gegeben hat“, bestätigte Vereinschef Carl Jarchow. „Vielleicht ist das normal, wenn in ein bestehendes Team neue Elemente hineinkommen. Wir denken trotzdem, dass es ein gutes Konstrukt sein kann.“

Die ärztliche Betreuung ist ein ungeheuer sensibles Thema innerhalb eines Profi-Teams. Mit Gerold Schwartz, Oliver Dierk und Nikolaj Linewitsch hatte der HSV diesen Bereich vor dem UKE-Deal mit eigenen, direkt beim HSV angestellten Ärzten geregelt. Allesamt Fachkräfte, die teils hauptamtlich, teils neben ihrem Praxis-Betrieb in Hamburg als Mannschafts-Ärzte arbeiteten. Eine Reihe von Physios waren beschäftigt. Uwe Eplinius beispielsweise, mit dessen „Epi-Zentrum“ in Eimsbüttel zusammen gearbeitet wurde (die Zusammenarbeit mit Eplinius endete allerdings schon vor dem Deal mit dem UKE). Thomas Marquardt war über ein Jahrzehnt lang der Osteopath im Team, ein bundesweit bekannter Fachmann.

Übrig geblieben ist davon wenig bis nichts. Das UKE schickte seinen Facharzt Philip Catala-Lehnen zum HSV. Gleichzeitig wurden die Physios rund um die Profi-Fußballer nach und nach ausgetauscht. Dies führte zu erheblichen Verwerfungen innerhalb des bewährten Systems, die viel Unruhe nach sich zogen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen „neuen“ und „alten“ Kräften stand auf tönernen Füßen. Dass die „alten“ extrem unzufrieden waren, ist ein offenes Geheimnis – insbesondere ging es um die fachliche Qualität des neuen Inputs aus dem UKE. Osteopath Marquardt hat vergangenes Jahr gekündigt, Physio Kliche vor einigen Wochen – beide nicht im Einvernehmen mit dem Vereins-Vorstand. In jedem Fall ist der Vorstand immer wieder umfänglich über die aufgetretenen Spannungen informiert worden. Kompliziert wird es, weil alle Mitarbeiter des „Medical Staff“ allerdings keine Verträge mehr mit dem HSV haben, sondern eben mit dem UKE. Insofern stießen Beschwerden beim Vereins-Vorstand gleichsam ins Leere.

„Ich muss allerdings betonen“, hält Carl Jarchow entgegen, „dass das UKE auch immer auf unsere Anmerkungen eingegangen ist.“ Nur eben nicht in Übereinstimmung mit den alten Kräften unten in der Kabine beim HSV.

Auch unter den Trainern war dies ein Thema. Thorsten Fink und Bert van Marwijk waren die Coaches, die davon in erster Linie betroffen waren. Mittlerweile hat ja auch das UKE reagiert. Catala-Lehnen ist nicht mehr beim HSV. Auf der Suche nach einem Mannschaftsarzt geht der Verein offenbar wieder auf den alten Weg zurück. Mit Michael Joneleit aus Offenbach wurde zwischenzeitlich ein Top-Mann, so heißt es aus Ärzte-Kreisen, gefunden. Nach einer kurzen Probezeit hat Joneleit nun aber abgesagt, weil er seine neueröffnete Praxis in Offenbach nicht allein lassen konnte. Joneleit steht zwar noch auf der HSV-Homepage, aber er wird den Posten nicht fortführen. Bleibt Michael Schillings, aber der Verein sucht für ihn noch Unterstützung. Übrigens auch als UKE-Angestellte.

Alles in allem, und deswegen schreibe ich diese flüchtigen Eindrücke aus dem Kabinen-Innenleben hier auf, spiegelt sich in der Entwicklung in der medizinischen Abteilung wieder, was wir in den vergangenen Jahren häufig bei Personal-Entscheidungen im Profi-Kader beobachtet haben. Trennungen verlaufen im Unguten, verdiente Kräfte fühlen sich mehr oder weniger verjagt. Auch dies, und das ist meine Quintessenz aus der Geschichte, trägt am Ende dazu bei, dass die Kicker auf dem Rasen keine optimale Leistung zeigen können.

Es soll hier nicht an der Leistungsbereitschaft dieses Teams um das Team gezweifelt werden – im Gegenteil. Jeder einzelne hat mit Sicherheit sein bestmögliches getan. Die beschriebenen Schwierigkeiten gehen von oben aus, indem eine Konstruktion installiert wurde, ohne das Ausmaß der Folgen zu übersehen. Jetzt wird repariert, Stück für Stück, damit in der neuen Saison auf diesem Gebiet mal Ruhe einkehrt. An der generellen Zusammenarbeit mit dem UKE, so viel scheint jedenfalls sicher, möchte der Verein nicht rütteln.

In den vergangenen Tagen war zu hören und zu lesen, dass auch im Bereich der direkten Team-Betreuung Veränderungen vorgenommen werden. Marinus Bester rückt wieder in die Geschäftsstelle, dafür hat Mirko Slomka einen Vertrauten mit in die Kabine geholt. Bleibt zu hoffen, dass im Herbst oder im nächsten Frühjahr nicht wieder eine Masse an Abfindungen gezahlt werden müssen…..

Gute Nachrichten gab es heute aber auch. So hat der Verein mitgeteilt, dass mittlerweile 20.000 Dauerkarten-Kunden ihr Saisonticket auch für die nächste Serie gebucht haben. Es bleibt also dabei: egal was mit dem HSV ist, die Treue auf der Tribüne bleibt bestehen. Bis zum 7. Juni haben die alten Dauerkartenkunden noch ihr Vorkaufsrecht, anschließend startet der Mitglieder- und dann der freie Verkauf.

Die Kollegen der „Bild“ haben heute noch einmal getwittert, dass der HSV das Rennen um Pierre Michel Lasogga noch nicht verloren gibt. Demnach will sich Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal aufmachen, um dem Torjäger ein gutes Angebot zu unterbreiten. Aber ist Kreuzer überhaupt noch der richtige Ansprechpartner für Familie Lasogga? Wenn es stimmt, was Dieter hier gestern angedeutet hat – und es gibt wenig Grund daran zu zweifeln – dann könnte die Personalie Stieber zuletzt das endgültige Ende für Kreuzer einleiten.

Es wird ja darüber gemunkelt, dass der neue AG-Aufsichtsrat nicht unbedingt in Jubelschreie ausgebrochen ist, als er von der Verpflichtung Zoltan Stiebers erfahren hat. Ein 25 Jahre alter Zweitliga-Spieler, schon einmal in der Bundesliga (Mainz) gescheitert, für satte 1,2 Millionen Euro zum HSV – naja…. Aus Kreuzers Antrieb, Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit im Sinne des Vereins zu zeigen, könnte ein persönlicher Rohrkrepierer werden, wenn die Personalie von den neuen Leuten – inklusive Dietmar Beiersdorfer – kritisiert wird.

Genau um solche Situationen zu umgehen und nicht beim möglichen nächsten Transfer erneut in die Zuständigkeits-Falle zu tappen, muss die Entscheidung über Beiersdorfer und sein Team schnell fallen.

Ein Thema möchte ich abschließend noch kommentieren. Bei den Beurteilungen über Dietmar Beiersdorfer fällt immer wieder das alte Klischee, er sei so zögerlich, könne sich nicht entscheiden, schiebe Entschlüsse vor sich her, sei nicht geeignet für ein klares, wenn nötig auch konfrontatives Wort. Allen, die dies so sehen, glaube ich versichern zu können, dass sie sich irren. Ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Vertrauten von Beiersdorfer gesprochen, mich erkundigt unter Verhandlungspartnern, die er in den vergangenen Monaten hatte.

Beiersdorfer hat sich entwickelt. Das ist der einhellige Tenor. Wer sich behauptet in Salzburg unter einem Alleinherrscher wie Mateschitz ebenso wie in einer anderen Fußball-Kultur wie in St. Petersburg – soll bitte keiner behaupten, dort gebe es keinen Druck -, der ist von seiner Persönlichkeit auch für das Amt beim HSV gewappnet. Dort wo Oliver Kreuzers Schwächen einsetzen, wird Dietmar Beiersdorfer ganz sicher nicht weitermachen.

Für heute ein sportlicher Gruß von Lars

PS: Morgen, am Donnerstag, wird es ein “Matz-ab-live” geben. Kurz nach 18 Uhr werden einige Matz-abber mit Dieter über die vergangene Saison, über die Mitgliederversammlung vom 25. Mai und über die Aussichten bezüglich der neuen Saison diskutieren. Wir würden uns freuen, wenn Ihr einschalten würdet.

„Wir werden es schaffen!“ Wirklich?

16. Mai 2014

Strahlender Sonnenschein, lachende und johlende Fußballer, die sich beim Fußball-Tennis vergnügen. Dutzende Fans, die sich das Treiben angucken. Der Eiswagen fährt vor, Kinder rennen hin, um sich eine oder zwei Kugeln zu holen. So war der erste, flüchtige Eindruck heute morgen am Trainingsplatz des HSV. Bilder können täuschen.

 

In Wahrheit war die Stimmung gedrückt. Die Zuschauer hatten Runzeln auf der Stirn, und das lag nicht nur an der hereinkommenden Sonne. Das Gejohle der Spieler wirkte künstlich. Im Hintergrund schlenderten Trainer Mirko Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer diskutierend an der Seitenlinie entlang. Nur 0:0 gegen Greuther Fürth. Hat sich was mit guter Ausgangsposition fürs Rückspiel. Aber vor allem: Der Gegner aus der Zweiten Liga war streckenweise besser als der HSV. Das torlose Unentschieden noch eher für den HSV glücklich.

 

Vielleicht war es nur ein Zufall, dass die Ewige Bundesligauhr in der Ecke des Stadions eine Stunde nach Abpfiff des Fürth-Spiels ausfiel. „Das wichtigste ist, dass diese Uhr niemals stehen bleibt“, hatte Ehrengast und Box-Weltmeister Wladimir Klitschko einige Minuten zuvor noch in einer VIP-Loge gesagt.

Für Abendblatt-Blogs

 


Am Vormittag danach leuchteten die Ziffern wieder und der Sekundenzeiger tickte auch noch unaufhörlich – aber dieses „unaufhörlich“ könnte am Sonntag kurz vor 19 Uhr vorbei sein. „Jetzt ist es wirklich DAS Endspiel“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Ein Spiel, von dem alles abhängt.

 

Der HSV wäre nicht der HSV, wenn Spieler und Verantwortliche aus dem öden Spiel gegen Greuther Fürth nicht noch Positives ziehen würden. „Es war wichtig, dass wir zu Null gespielt haben“, sagte etwa Verteidiger Marcell Jansen. „Mal gucken, was uns jetzt in Fürth erwartet. Wir müssen auf jeden Fall unser Auswärtstor erzielen, um unsere Chance zu nutzen. Wir müssen das Finale voll angehen.“

 

Ja, logisch, das ist jetzt die Devise. Was kann man machen in den knapp 48 Stunden bis dahin? Die Zugriffsmöglichkeiten von außen sind jetzt beschränkt. Aus dieser Mannschaft wird niemand mehr berauschende Kombinationen herausquetschen können. Rafael van der Vaart und Pierre Michel Lasogga werden keinen spritzigeren Eindruck hinterlassen als beim 0:0 im Hinspiel. Aber zwei Dinge könnten sich doch verändern.

 

Zum Einen ist von Trainer und Sportchef ein klares taktisches Versäumnis erkannt worden. Der HSV hat viel zu große Räume gelassen zwischen Deckung, Mittelfeld und Offensive. Die vielgerühmte Kompaktheit hat Greuther Fürth gezeigt. Im Zweifel flog ein freier Ball immer einem Kleeblatt vor die Füße. Nicht, weil die Gäste mehr Glück hatten, sondern weil sie einfach besser standen, besser organisiert waren. Die Kompaktheit aus dem Bayern- und aus dem Mainz-Spiel – das sollte der HSV doch wohl in Fürth hinbekommen. Was heißt „sollte“, er muss es hinbekommen.

 

Wobei sich hier die Frage nach dem Einfluss von Mirko Slomka stellt. Genau genommen ist seine Bilanz der vergangenen Monate ebenso erschütternd wie die seiner Vorgänger Bert van Marwijk und Thorsten Fink. Deren Performance wurde als nicht gut genug bewertet. Slomka tritt in Hamburg ganz anders auf. Er ist eloquent, versteht zu vermitteln, worum es ihm in einem Fußballspiel geht, worauf es in der kritischen Lage des Vereins ankommt.

 

Aber unterm Strich stehen eben auch nur elf Punkte in 13 Bundesligaspielen und ein Relegations-Hinspiel, das gegen einen Zweitligisten glücklich Unentschieden endete. Nun gut, ich will hier keine Trainerdebatte anstrengen. Am Ende sind wir wieder bei dem Punkt, der auch all seine gescheiterten Vorgänger begleitet hat: Kriegt der jeweilige Trainer die Mannschaft nicht in den Griff, oder ist der Hebel nicht an einer ganz anderen Stelle anzusetzen?

 

Inhaltlich ist es von diesem Gedanken nur ein kleiner Sprung bis hin zur Mitgliederversammlung am 25. Mai. Aber das sparen wir uns jetzt mal an dieser Stelle. Es wird nächste Woche hoch hergehen, so viel steht fest. Montag und Dienstag werden sich verschiedene Personen und Gruppen beim HSV äußern und ihre Bedenken, Vorstellungen, Vorschläge in die Öffentlichkeit bringen. Das ist auch gut so, denn es sind ja dann auch nur ein paar Tage bis zur finalen Entscheidung über HSV-Plus. Gestern hat Thorsten Runge von den HSV-Senioren im Stadion ein zwölfseitiges Papier verteilt mit Anmerkungen zu seinen Änderungs-Vorschlägen, die in der Versammlung zur Abstimmung stehen. Alles hochinteressant, aber auch dies möchte ich gern verschieben in die nächste Woche.

 

Dann wird der Verein ja auch seine endgültigen Lizensierungsunterlagen an die DFL schicken. Vereins-Chef Carl Jarchow war deswegen schon in Frankfurt, er hat vorgefühlt, wie die DFL zur Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne, zur Bereitschaft der Banken auf Tilgungsaufschub steht. Hier gebe es positive Signale, so dass es dabei bleibt: Die Lizenz sollte der HSV erhalten, unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit.

 

Der zweite Aspekt, an dem der HSV anknüpfen will fürs Rückspiel, ist der mentale Faktor. Dass die Hamburger Spieler in dieser Hinsicht alles andere als stabil waren in dieser Saison, diese Erkenntnis gleicht dem Tragen der berühmten Eulen nach Athen. Und doch muss dieses 0:0 nichts Schlechtes für den HSV bedeuten. Der Gegner weiß, dass ein einziges Gegentor fatale Folgen haben kann. Natürlich ist es ein ziemlich kläglicher Hinweis von Trainer Slomka, sein Team sei auswärts immer in der Lage gewesen, einen Treffer zu erzielen. Bei der desolaten Bilanz auf fremdem Platz verbietet sich solch eine Anmerkung eigentlich. Und doch muss der Verlauf des Rückspiels nicht viel mit dem Charakter des Hinspiels zu tun haben.

 

Fürths Verteidiger Mergim Mavraj hat die Haltung seines Team jedenfalls deutlich aktzentuiert: „Wir haben Blut geleckt!” Das kann man sich wohl vorstellen. Und Trainer Frank Kramer ergänzte, dass die Mannschaft auch stolz auf ihre Leistung sein könne. Aber, so Kramer: „Stolz kann auch schnell zum Stolperstein werden.” Und hier sind wir an dem Punkt, an dem der HSV ansetzen muss. Hat nicht Fürth plötzlich etwas zu verlieren mit dem vermeintlich guten Hinspiel-Ergebnis? Werden sie nicht etwas mehr aufmachen? Und können sie überhaupt solch eine gute Leistung wie in Hamburg, die es ganz sicher war, wiederholen? Oder kommt endlich, endlich, endlich der Faktor zum Tragen, dass die Erfahrung und die Klasse auf Hamburger Seite sind. Bei Abpfiff des Hinspiels standen im HSV-Team sage und schreibe acht A-Nationalspieler, darunter vier mögliche WM-Teilnehmer.

 

„Es wird ein Spiel sein, in dem beide Mannschaften darauf bedacht sein werden, kein Gegentor zu bekommen. Wenn wir ein Tor schießen, braucht Fürth schon zwei. Der Ausgang und die Entwicklung des Spiels ist offen. Mit dem 0:0 aus dem Hinspiel lässt sich auch gut nach Fürth fahren.“ Apropos fahren: Die Mannschaft wird nach dem geheimen Abschlusstraining morgen per Charter nach Fürth reisen – und sich direkt nach dem Spiel auf den Weg zurück nach Hamburg machen.

 

Noch einmal zurück zum heutigen Trainingstag. Die Spieler haben gestern schon weitgehend ihre Aussagen zur Partie und zur Lage fürs Rückspiel getroffen. Wegen zahlreicher Medienanfragen hat sich Sportchef Kreuzer noch einmal vor die Presse gestellt. „Wir müssen einfach heiß sein. Es gibt keinen Morgen danach. Es ist ein Finalspiel, wie ein Champions-League-Finale. Es gibt kein Rückspiel mehr, auch kein Bundesligaspiel, wo man in der Folgewoche etwas gutmachen kann. Fürth muss gegen uns gewinnen. Wir haben etwas dagegen. Dementsprechend treten wir in Fürth auf, und wir schaffen das auch.“

 

Knapp 2000 Fans aus Hamburg werden live vor Ort sein in der Trolli Arena. Unter ihnen ist erneut Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der ja nicht unbedingt als großer Fußball-Fan bekannt war. Dass er nun aber bei fast jedem Spiel des HSV dabei ist, zeigt die Bedeutung, die dem Verein auch im Rathaus zugesprochen wird.

 

Torwart Rene Adler wird dem HSV aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Verfügung stehen. Seine Rückenbeschwerden haben auch heute kein Training zugelassen. Allerdings war sein Stellvertreter Jaroslav Drobny auch so sicher, dass hier keine Sorgen herrschen. Spätestens vor der Viererabwehrkette, die ja noch einigermaßen stabil war, beginnt aber schon die Problemzone. Milan Badelj, wieder einmal viel zu schwankend. Tomas Rincon auf Kriegsfuß mit dem Ball. Robert Tesche zu passiv. Gerade in der Zone des Platzes also, wo man ein Übergewicht haben muss, ist der HSV viel zu schwach besetzt. Im Übrigen schaffen es die drei Genannten auch überhaupt nicht, die oben angesprochene Kompaktheit herzustellen, selbst wenn dieser Mangel während des Spiels schon erkannt wird. Der einzige, der eigentlich beim Hinspiel aufmunterte und ermahnte, war Jaroslav Drobny.

 

Aber wie kann das auch alles funktionieren? Diejenigen, die Klasse versprechen, haben selbst zu viele Probleme und/oder kommen aus Verletzungen. Das betrifft Pierre-Michel Lasogga, der gegen Fürth Klassen schwächer war als in Mainz. Das betrifft Rafael van der Vaart, der zwar ein hohes Laufpensum hat, aber gar nicht mehr ins Tempo und damit in die Situation kommt, frei aufs Tor zu schießen.

 

Tolgay Arslan könnte jedenfalls wieder ins Team zurück kehren. Bei Ivo Ilicevic stehen die Chancen schlecht. Ebenso bei Jacques Zoua – aber diese verzweifelte Personalie traue ich mich kaum noch zu erwähnen. Offen ist der Einsatz von Heiko Westermann. Zu viele Fehler in den Vorwochen hatte Trainer Slomka schon als einen Grund für seine Nicht-Berücksichtigung im Hinspiel genannt. Außerdem ist HW4 seit Wochen gesundheitlich angeschlagen, spielte teilweise unter Antibiotika-Einsatz, was auf Dauer nicht eben förderlichfür Gesundheit und Leistung ist.

 

Nun denn, Sonntagabend wissen wir, wohin der Hase läuft. Wer zum Public Viewing ins HSV-Stadion möchte, kann ab 16 Uhr hereinkommen. Vor der Nordtribüne wird dann gemeinsam geguckt.

 

Viel Glück, HSV, wünscht Lars

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

Und noch ein kurzes Zwischenspielchen

2. Mai 2014

Da hat sich einer – wie so viele andere User auch – wieder einmal ganz vel Mühe gemacht: Waltero. Er hat die Situation des HSV noch einmal ganz besonders durchleuchtet und kam zu folgendem Ergebnis:

Hallo Herr Matz, hallo Scholle,

zum Saisonende möchte ich mich von der Statistik-Abteilung auch noch einmal kurz zu Wort melden 😉 Ihre Live-Sendung war ja insgesamt eine ziemlich herbe Kritik, der Enttäuschung sicherlich angemessen. Vieles davon sprach mir auch aus der Seele. Allerdings ergibt sich bei Betrachtung der Zahlen und insbesondere der Entwicklung doch ein differenziertes Bild, das ich kurz darstellen möchte. Hintergrund dieses Schreibens ist auch der Vorwurf, dass die Mannschaft nicht kämpft und nicht genug investiert. Das möchte ich etwas relativieren:

Betrachtet man nämlich die Tracking-Werte auf bundesliga.de, wird klar, dass die Mannschaft gestern eine ihrer besten Laufleistungen in der gesamten Saison abgerufen hat. Ich beziehe mich dabei insbesondere auf die schnellen Läufe, die wichtiger sind als die Gesamtdistanz: Bis auf die Sprintdistanz (sehr gute 5,1 km) stellen alle Indikatoren des gestrigen Spiels zu den schnellen Läufen HSV-Saisonbestwerte dar. Im Vergleich zu den (laufstarken) Augsburgern war der HSV in etwa gleichwertig (mit leichten Vorteilen für Augsburg). Im Ligavergleich haben der HSV und Augsburg an diesem Spieltag mit Abstand (!) die meisten Kilometer schnell und im Sprint abgespult. Eine Mannschaft, die sich bereits aufgegeben hat, wäre mit Augsburg vermutlich nicht derart mitgegangen.

Diese Laufleistung stellt eine fortlaufende Entwicklung unter dem Trainer Slomka dar und ist sicherlich auch auf sein intensiveres Training zurückzuführen. Ich erinnere mich noch sehr genau, dass Slomka bei Übernahme der Mannschaft v. A. die intensiven Läufe als eine der Ursachen des Misserfolgs ausgemacht und dahin gehend auch das Training angezogen hat. Der Erfolg lässt sich anhand der Zahlen leicht nachvollziehen: So gehört der HSV inzwischen zu den Mannschaften, die im Ligavergleich die meisten Kilometer schnell zurücklegen und auch die meisten Sprints anziehen. Auch im Vergleich zu Slomkas Trainer-Vorgängern hat sich die intensive Laufleistung spürbar verbessert: Die Sprintdistanz hat sich bspw. im Durchschnitt zu den van Marwijk-Spielen von 3,6 auf 4,1 km (+14 %), gegenüber den sechs Spielen unter Fink sogar um 39 % gesteigert. Bei den anderen Indikatoren sieht es ähnlich aus (Vergleich van Slomka/van Marwijk): Distanz intensive Läufe +10,5 %; Distanz schnelle Läufe +7,6 %; Anzahl der Sprints + 8,8 % usw (10 % plus entspricht einem Spieler mehr auf dem Platz – die Laufleistung unter van Marwijk war übrigens in der ersten Hälfte seinen Engagements keineswegs schlecht). Insofern sollte man Slomka auch wegen der Verletzten keine Vorwürfe machen – die Fehler haben sicherlich andere gemacht. Das intensivere Training ist meiner Meinung nach ohne Alternative, weil man nach der verkorksten Winterpause einfach nicht mehr konkurrenzfähig war.

Was vielleicht ein bisschen Hoffnung macht: Unter van Marwijk begann der HSV in den ersten Spielen mit einer recht guten Laufleistung, die dann aber kontinuierlich bergab ging. Unter Slomka wurde nicht so stark begonnen, die Laufleistung entwickelt sich aber von Spiel zu Spiel und hat gestern gegen Augsburg – trotz klarer Niederlage – seinen Höhepunkt gefunden. Seit dem Gladbach-Spiel (28. Spieltag) waren wir übrigens in allen Spielen läuferisch auf Augenhöhe. Unter Fink und van Marwijk waren Spiele, in denen wir läuferisch zumindest gleichwertig waren, dagegen die Ausnahme.

Wenn man sich noch die Statistik des Spiels gestern anschaut, fragt man sich allerdings, ob man gestern nicht doch ein anderes Spiel gesehen hat: gewonnene Zweikämpfe HSV 54,22 %, mehr Torschüsse (19:15), mehr Ballbesitz (52,55 % zu 47,45 %) und mehr Flanken… Entscheidend ist für mich jedoch, dass dem Spiel des HSV die Grundordnung und die Kompaktheit komplett abhanden gekommen ist. Ich erinnere mich noch an die ersten Spielen unter Slomka, in denen zwei klar zu erkennende Vierer-Reihen agierten, die nicht weit auseinander standen und insgesamt sehr kompakt wirkten. Dazu wurden spielführende Spieler des Gegners zum Teil schon an der Mittellinie mit einem oder mehreren Spielern attackiert. Wo ist diese Grundformation geblieben? Gestern hat man nur noch einen Hühnerhaufen gesehen, der wild gackernd (oder auch nicht) durcheinander läuft. Zudem sprach Slomka von schweren taktischen Fehlern. Genauer müsste man sicherlich sagen, dass die Tore nach schweren individuellen Fehlern gefallen sind (zweimal Badelj und einmal Adler) – drei individuelle Fehler, die zu Fehlern führen, kann kaum eine Mannschaft kompensieren. Dieser HSV jedoch schon gar nicht, auswärts… im Abstiegskampf. Zu viele Spieler dieser Mannschaft scheinen dem Druck nicht annähernd gewachsen zu sein.

Nichtsdestotrotz sollte wir die Hoffnung erst aufgeben, wenn das letzte Spiel gespielt ist. Wenn man wieder zu einer defensiveren Grundordnung findet (wie es im Abstiegskampf sicherlich angebracht wäre!) und die individuellen Fehler abstellt, hätte man sicherlich noch die Chance auf den einen oder anderen Punkt. Und dass Nürnberg oder Braunschweig noch genügend Punkte machen (mindestens zwei), ist ja auch noch nicht ausgemachte Sache. So recht möchte ich mir meinen Verein noch nicht in der zweiten Liga vorstellen (oder sogar in der vierten)!

Viele Grüße, Waltero

Vielen Dank für diese Statistik, lieber Waltero, diese Arbeit verdient Fleißnote eins. bei der Gelegenheit möchte es noch einmal erwähnen, dass ich täglich viele, viele Mails etc zugeschickt bekomme, dafür bedanke ich mich auch ganz, ganz herzlich – wir sitzen doch alle im selben Boot. Ich kann diese Zuschriften leider nicht alle beantworten, habt bitte dafür Verständnis, ich hoffe aber mit Euch, dass doch noch alles gut wird.

Dieter

PS: Vielen Dank auch für jene Mails und Anrufe, die mich darauf hinwiesen, dass ich heute (im Blatt) Uwe Seeler zehn Jahre zu spät habe abtreten lassen. Ich wusste es natürlich, es war selbstverständlich 1972 – aber der Zeitdruck für meine zu späte Geschichte lastete wohl zu gewaltig auf meinen zarten Schultern.

16.41 Uhr

War es das schon? Kreuzer resigniert

28. April 2014

***Leute, ich hab das Video jetzt vier mal hochladen müssen, bis es geklappt hat. Und für Euch ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn Ihr die hier geschilderten Eindrücke von mir noch etwas objektiver beurteilen könnt, indem Ihr Euch das Video anseht. Vor allem: Wer es NICHT sehen will, der klickt einfach NICHT den Link am Textende an. Das ist doch fair, oder?***

Wenn man den Eindruck aus dem Augsburg-Spiel auch einen Tag nach der desaströsen Leistung als Grundlage nimmt, dann muss das so sein. Dann darf man nicht mehr ernsthaft an Besserung geschweige denn den Klassenerhalt glauben. Denn wer sich eine Woche lang nach eigener Aussagen Tag für Tag auf die Bedeutung dieses Spiels einschwört, wer einen Tag früher anreist und sich nach eigener Aussage gegenseitig heiß macht und dann so eine Leistung abliefert, der hat einfach nichts mehr drauf. Zumindest aber, und das kann undiskutiert hier so stehen bleiben: Dieser HSV hat sich wiederholt bundesligauntauglich präsentiert. Und leider setzte er das auch am heutigen Montag fort.

Für Abendblatt-Blogs


„Wir müssen jetzt vermehrt auf die anderen Klubs schauen, das ist so“, sagt ein komplett ratlos wirkender Sportchef Oliver Kreuzer heute in die laufenden Kameras. Und auch auf Nachfragen fällt dem Sportlichen Leiter des HSV nichts ein, was man jetzt noch machen könne. Nichts mehr, was jetzt noch an diese Mannschaft glauben lässt. Und den Glauben scheint Kreuzer verloren zu haben, auch wenn er nach fünf Minuten in Worte gehüllter Verzweiflung sagt: „Aber klar ist, dass wir jetzt hier nicht die Löffel wegwerfen.“ Soll heißen: Aufgeben ist nicht.

Oder war es das schon?

Wenn ich den heutigen Auftritt des Sportchefs als Grundlage für meine Hoffnung nehmen soll, dann habe ich keine mehr. „Wir haben uns eingeschworen, hatten im Mannschaftshotel eine richtig gute Stimmung und haben geglaubt, diese Mannschaft zu spüren“, resümiert Kreuzer, „und dann geht das Spiel los und alles ist verpufft. Nichts ist mehr zu sehen von dem, was der Trainer vorgegeben hat.“ Im Gegenteil: Die Mannschaft ergibt sich mit Anpfiff – mit zusammengerechnet drei Ausnahmen: Westermann, Mancienne und zu 50 Prozent Diekmeier sowie Calhanoglu. Aber der Rest dieser Mannschaft war gegen Augsburg e9n Totalausfall.

In der aktuellen Situation und mit der Vorlage der anderen Ergebnisse, sich so den Relegationsplatz so gut wie sichern zu können – einfach völlig inakzeptabel.

Gestern nach dem Spiel habe ich überlegt, Matz ab Live fernzubleiben, um mich selbst zu schützen. Ich hatte so viele Gedanken, die in Worte gefasst von Spielern wie Offiziellen des HSV zivilrechtliche Verfahren gegen mich nach sich gezogen hätten. Letztlich saß ich mit einem massiv erhöhten Puls da und habe vielleicht zwei Prozent meines Unmutes und meiner Kritik in Worte gefasst. Aber wenn ich allein an das denke, was ich gern über Milan Badeljs Verhalten auf dem Platz hätte sagen wollen… Denn, und das muss ich loswerden, wie sich der Kroate beim 0:2 – und das immerhin schon nach einer massiven Mitschuld am 0:1 – plötzlich verweigert, grenzt nicht mal mehr an Arbeitsverweigerung. Das ist noch viel schlimmer…

Da begleitet einer der spielintelligentesten Profis im Kader Altintop bis zum Sechzehner, also bis zur größten Gefahrenzone. Und obgleich er sieht, dass gleich eine Flanke in den Sechzehner segeln wird und niemand sonst seinen Mann übernehmen kann, bleibt er stehen. Einfach stehen!!!!! Das ist in ungefähr so verantwortungsbewusst, wie sein Kleinkind tagsüber auf der Mittelspur der A7 Ball spielen zu lassen. Und auch wenn weder Kreuzer noch Trainer Mirko Slomka uns je sagen werden, was sie wirklich darüber denken – ich kann es mir denken…

Sergej Barbarez sagt, wie uns Lotto gestern verriet, dass der HSV es aus seiner Sicht schaffen würde, obgleich er nicht benennen kann, warum. Es sei einfach sein Gefühl. Und das allein kann man gelten lassen. Denn trotz der unfassbar schwachen Braunschweig-Darbietung in Berlin und Nürnbergs Minusauftritt in Mainz ist das Gesamtbild dieses HSV im Ganzen desaströs. Den Versuch, jetzt mit Bio-Genetikern, Wundermitteln und Kristallen da Besserung herbeizuführen will ich gar nicht aburteilen. Dass ich an derartige Mittel nicht glaube und stattdessen lieber eine Trainingseinheit mehr sehen würde, soll nicht als Besserwisserei missverstanden wissen. Nein, aber diese Maßnahme zeigt mir, wie verzweifelt auch ein Slomka ist, wenn irdische Dinge allein nicht reichen. Und deswegen tut mir Slomka auch ehrlich Leid. Denn während alle anderen hiesigen Entscheidungsträger sich den Schuh des Scheiterns anziehen müssen, kam er, als es eigentlich schon zu spät war. „Eigentlich“, weil da nicht davon auszugehen war, dass Nürnberg so eine Niederlagenserie hinlegen würde.

Die Frage, die ich mir nach diesem resignierenden Auftritt des Sportchefs stelle, ist: Wie soll am Sonnabend gegen die vielleicht beste Vereinsmannschaft der Welt anders als in einer gnadenlosen Katastrophe enden? Gut, Augsburg kann sich noch theoretische Chancen auf einen Europa-League-Platz ausrechnen und Nürnberg ist so schlecht, dass auch das Heimspiel gegen Hannover verloren werden kann. Aber sonst? „Wir haben in den letzten Wochen jedes mal alles versucht, um alle Kräfte zu bündeln“, lässt uns Kreuzer wissen, dass selbst das nichts gebracht hat. Oh Mann, es ist tatsächlich wie Sergej sagt. Wenn wir es schaffen, dann werden wir nur sagen können, dass die anderen eben noch schlechter waren.

Am Mittwoch soll Rafael van der Vaart wieder ins Training einsteigen. Topfit wird er demnach bis Sonnabend nicht sein. Und trotzdem hofft Kreuzer auf den Niederländer. Frei nach dem Motto: Alles, was anders ist, ist im Zweifel besser als das Jetzige. Dass mit van der Vaart genau das passieren könnte, was ich bei Jansen und Badelj vermute – denn die beiden wirkten alles andere als spieltauglich am Sonntag -, hebelt der Sportchef kurzerhand aus. Wobei ich dem Niederländer, dessen Abgang im Sommer immer mehr zum Wunsch aller Beteiligten zu werden scheint, durchaus zutrauen würde, dass er sich im Besten verabschieden will und daraus noch mal die Motivation zieht, gegen Bayern und/aber zumindest Mainz das Spiel entscheiden zu wollen. Allein ob das am Ende auch reicht vermag ich nicht zu sagen…

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wo man jetzt noch den Hebel ansetzen kann. Jetzt, wo auch zweifellose Weltklassespieler wie Rene Adler patzen. Sein achter schwerer Patzer war der Genickschuss für seine Mannschaft in Augsburg. „Ich weiß auch nicht, warum das so ist“, sagt Kreuzer und zuckt mit den Schultern. Und ich vermag hier eine These aufzustellen, von der ich absolut überzeugt bin: Rene Adler ist schlichtweg kein Führungsspieler. Zumindest keiner außerhalb des Platzes. Vielmehr musste Adler bei seiner bisherigen Station in Leverkusen nie führen. Es reichte stets, wenn er seine Leistung abrief – der Rest kam von selbst. Nationalelf, WM-Nominierung. Jetzt aber musste der Keeper einsehen, dass er sich ob dieser bundesligauntauglichen Kaderzusammenstellung um mehr als sich allein kümmern muss.

Dabei hat er mit sich allein allemal genug zu tun. Die WM steht vor der Tür, seine Nominierung ist alles andere als sicher und die Saison begann mit Patzern, auch weil er im Winter nur einen Bruchteil der Vorbereitung absolvieren konnte ehe er – das scheint beim HSV Methode zu haben – viel zu früh wieder ins Fahrwasser geschmissen wurde und erneut patzte.

Nein, das kann nicht gutgehen. Und auch hier gilt: Diesen Schuh müssen sich diejenigen anziehen, die diesen Kader geplant und die Verträge gemacht haben. Allesamt (Jarchow, Kreuzer, Fink, van Marwijk) haben sie verpennt, die schwerwiegenden Abgänge zu vermeiden oder zumindest zu kompensieren. Der Platz sieben in der Vorsaison darf durchaus als der einzige Unfall in den letzten drei Jahren betrachtet werden. Nicht umgekehrt. Man wollte diese Saison sogar noch besser abschneiden als in der vergangenen, wo man Siebter wurde. Herausgekommen ist schon jetzt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte. Mehr Fehleinschätzung ging nicht. Der Wunsch schlug die Realität – und lediglich eine Menge Glück verwischte die deutlichsten Symptome.

Jetzt leider (weil es zum Abstieg führen könnte) aber auch zum Glück (weil jetzt endlich alle aufwachen und sich dieser Verein hoffentlich wirklich neu aufstellt) nicht mehr.

Scholle

Das Interview im Video: http://youtu.be/wofZF9FnH30o:

Die Hoffnung auf die Rückkehrer – und: Was erlauben Fink?

23. April 2014

Okay, wenn der Thorsten das sagt. Mit ihm hätte der HSV also keine Abstiegsnöte durchleiden müssen – genau genommen sagte er: „Ich kenne die Mannschaft sehr gut und hätte es hinbekommen, den Schlendrian aus ihr herauszubekommen. Mit mir wäre der HSV in dieser Saison vielleicht nicht in den Europacup gekommen. Aber er hätte mit dem Abstieg nichts zu tun.“ Die Frage, die ich mir beim Lesen dieser Zeilen stelle, ist, wie er darauf kommt. Denn: Seinen Punkteschnitt von 0,8 Pro Spiel in dieser Saison vorausgesetzt würde bedeuten, dass der HSV jetzt (aufgerundet) 25 Punkte hätte – also zwei weniger als tatsächlich und gerade mal so viele wie der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig. „Ich kenne die Mannschaft, ich hätte den Schlendrian herausbekommen“, sagt der ehemalige Trainer via Sport Bild – und ich frage mich, warum. Immerhin habe ich Fink als durchaus loyalen Typen kennengelernt, der sich selten bis nie zu voreiligen Äußerungen – „Zoua ist ein Typ wie Guerrero“ im Sommer mal ausgenommen – hatte hinreißen lassen.

Jetzt also doch.

Denn ich empfinde diese Aussage als Affront und despektierlich seinen Nachfolgern gegenüber. Vor allem Slomka gegenüber, der letztlich nur noch das Übel seiner Vorgänger verwalten und ausbügeln muss. Denn für die Planungen des Kaders waren Fink im vergangenen Sommer und van Marwijk im Winter verantwortlich. Und immerhin hatte sich Fink im Sommer für einen Verkauf von Heung Min Son ausgesprochen und Artjoms Rudnevs als intern aufs Abstellgleis gestellt. Fink hatte zudem die Verpflichtung von Jacques Zoua empfohlen, er hat Sobiech mit Sportchef Oliver Kreuzer gescoutet und etliche Spieler (zum Verkauf) aus dem Kader suspendiert – ergo: Er hat maßgeblichen Anteil an der Planung des Kaders, dem inzwischen nicht nur ich fehlende Qualität attestiere.

Nein, das kann Fink schlichtweg nicht ernst meinen. Wobei, eine Erklärung für Finks plötzliches, öffentlich mutiges, lautes Auftreten gibt’s dann doch: Er hat etwas in der Pipeline und will sich nachhaltig ins Gespräch bringen.

Und tatsächlich, keine zwei Telefonate nach diesem ersten Verdacht bekomme ich tatsächlich die Info, dass Thorsten Fink vor einem neuen Engagement steht. Kein Quatsch. Am Wochenende wird sich der ehemalige HSV-Trainer, der zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt im Gespräch war, mit seinem noch bis Ende Juni beim HSV unter Vertrag stehenden Assistenten Patrick Rahmen sowie Vereinsoffiziellen unterreden, ob das Job-Angebot interessant ist. Meinen Recherchen nach handelt es sich bei Finks potenziell neuem Arbeitgeber diesmal um den HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf, um den 1. FC Nürnberg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder soll diese Kleinattacke den HSV im Abstiegskampf noch mal verunsichern und so die Chancen erhöhen, dass der FCN doch noch drin bleibt? Oder ist es doch Frankfurt? Ein perfides Gedankenspiel – hoffe ich zumindest…

Für Abendblatt-Blogs


Und wo ich schon mal dabei bin, zugegebenermaßen zu spekulieren: Auch Bayer Leverkusen sucht einen neuen Trainer (und soll sich mit Salzburgs Schmidt inzwischen einig sein). Das ist noch nicht besonders, weil bekannt. Allerdings hatte der Werksklub zuvor intern verlauten lassen, dass man sich mit dem FSV-Mainz-Trainer Thomas Tuchel so gut wie einig sei. Unter den Bundesligamanagern und bei den Spielerberatern galt das als fix. Tuchel allerdings hat inzwischen zur Überraschung aller abgesagt – und viele fragen sich: warum?

Ein Klub wie Bayer wäre für Tuchel finanziell ein Quantensprung – und sportlich ebenfalls eine massive Steigerung. „Was passiert aber, wenn Jogi Löw nach der WM sein Amt nicht mehr weiter ausführen soll oder will?“, fragte mich mein Gesprächspartner heute rhetorisch. Denn er spielte darauf an, dass – und das ist ein offenes Geheimnis – Jürgen Klopp in dem einen Fall Borussia Dortmund verlassen würde und zum DFB wechseln könnte. Dann würde Tuchel für den BVB als Klopp-Nachfolger hochinteressant.

Sollte da eine große Rochade vorgeplant sein?

Damit mich hier keiner falsch versteht, das ist eine zugegeben wilde Theorie. Und egal wie viele Konjunktive hier zweifellos zu nutzen sind, es ist zumindest eine interessante Theorie. Ebenso wie die von Finks Aussage im Zusammenhang mit einem Engagement in Nürnberg.

Gesund geworden, und das ist dann doch wichtiger als jede Trainerdiskussion, ist Milan Badelj. Ebenso wie Marcell Jansen absolvierte er heute erneut große Teile des intensiven Trainingsprogrammes, das immer wieder von Trainer Mirko Slomka unterbrochen wurde. Umschaltspiel stand auf dem Plan und Slomka forderte insbesondere Offensive Abschlüsse. Auffällig gut war hierbei Ivo Ilicevic – und auch Kerem Demirbay wusste zu gefallen. Dass Badelj am Sonntag in Augsburg in der Startelf steht, sofern ihm nichts mehr passiert, scheint klar. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen Slomka neben den Kroaten stellen wird. Die defensivste Lösung mit Tomas Rincon? Oder die spielerischere Lösung mit Tolgay Arslan? Oder setzt Slomka auf frisches Blut und die Willensstärke des Deutsch-Türken, der allen zeigen will, weshalb er nach Hamburg gewechselt ist. „Es fiel mir extrem schwer, immer zuzusehen und nicht mithelfen zu können“, hatte Demirbay kurz vor seinem Debüt gegen Wolfsburg gesagt. Und auch anschließend konnte er sich ob der 1:3-Niederlage nicht richtig freuen. „Das habe ich mir anders vorgestellt, das kann es noch nicht sein.“

Demirbay ist jung, unerfahren – aber heiß. Arslan hingegen ist auch jung, trotzdem relativ erfahren – aber im Moment außer Form. Gegen Leverkusen noch bärenstark, wirkte der Deutsch-Türke zuletzt zweimal völlig neben der Spur. Er war in Hannover ebenso wie zu Hause gegen Wolfsburg maßgeblich an den entscheidenden Gegentoren beteiligt und wurde ausgewechselt. Nicht wenig spricht dafür, dass Slomka Arslan auch gegen Augsburg eine Pause gönnt. Wobei ich dabei bleibe, dass in Arslan trotz seines fehlenden Sprinttempos deutlich mehr Potenzial steckt, als ihm der Großteil der Blogger hier zuspricht. „Das ist ein richtig guter Fußballer“, hatte mich auch Thomas Strunz, den ich als absoluten Fachmann schätzen- und kennenlernen konnte, am Sonntag in meiner Meinung bestärkt. Ebenso wie in der Annahme, dass Arslan eben Badelj defensiv zu viel zulässt.

Sicher fehlen werden Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Pierre-Michel Lasogga (Muskelbündelriss). Wobei Letztgenannter am Donnerstag nach München fliegt, um sich dort erneut von Nationalmannschafts-Doc Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Anschließend soll entschieden werden, ob und wann der Angreifer endlich wieder ins Training einsteigen darf. Heute jedenfalls absolvierte Lasogga schon einen ersten, lockeren Lauf mit Rafael van der Vaart, der ebenfalls noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann und dessen Rückkehr somit für Sonntag nahezu ausgeschlossen ist.

Ergo: Demirbay als Newcomer und Marcell Jansen sowie Milan Badelj als Rückkehrer sollen der gegen Wolfsburg wie Hannover zuletzt leblos wirkenden Mannschaft neue Impulse verleihen. So, wie der schärfere Ton im Training von Mirko Slomka. Immer wieder ermahnte er seine Offensivleute, den Abschluss zu finden – eine der wahrscheinlich größten Schwächen im Moment. Es fehlen einfach eigene Tore.

Ohne Angreifer ist das kein Wunder – womit sich der Kreis zu Fink wieder schließt, der maßgeblich am Verleih von Rudnevs mitgewirkt hat, indem er Sportchef Oliver Kreuzer klarmachte, dass der gehaltstechnisch teure Lette bei ihm keinen Platz hätte. Dafür empfahl er dem HSV Jacques Zoua, der seine Tauglichkeit eher ausnahmsweise unter Beweis stellen konnte. Bleiben noch die Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und – wie vor Wolfsburg als kleiner Hoffnungsschimmer von mir geschrieben – Ivo Ilicevic. Und der Kroate, der trotz seiner häufigen Verletzungen weiterhin auf einen Platz im WM-Kader der Kroaten hoffen darf, war auch heute wieder derjenige, von dem mal etwas außergewöhnlich Gutes im Eins-gegen-Eins zu sehen war. Zudem sucht der dribbelstarke Kroate die Zweikämpfe und sorgt somit zumindest für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der HSV zu seinen zuletzt einzigen Torchancen kommt: zu Freistößen von Hakan Calhanoglu.

Und obwohl ich lange überlegt habe, lasse ich hier und heute Vereinspolitik komplett ruhen. Wir haben akutere Probleme und die Geschichte mit der Lizenz haben wir gestern ausreichend erläutern können. Geändert hat sich seitdem eh nichts. Die Frage, die sich alle stellen (Ist der HSV in Liga zwei überhaupt überlebensfähig?) beantwortete Klubboss Carl Jarchow eindeutig: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Zeit erfüllen.“ Hoffentlich.

Morgen geht es um zehn Uhr an der Imtech-Arena weiter. Dann sollen Marcell Jansen und Milan Badelj ihr Pensum nochmals steigern, damit sie am Freitag komplett mitmachen können.

Bis dahin,
Scholle

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