Archiv für das Tag 'Fink'

Rudnevs: Einmal Griechenland und zurück!

5. August 2015

Griechenland und kein Ende. Seit Monaten drehte sich die große europäische Politik um dieses Land. Die Dauergrinser Tsipras und Varoufakis waren fast minütlich im deutschen Fernsehen zu sehen – man hatte die Nase voll davon. Und nun kommt einer aus Griechenland – und grinst nicht. Das ist Artjoms Rudnevs. Der HSV-Stürmer, fast hätte ich HSV-Torjäger geschrieben, hatte sich einen Tag – gemeinsam mit seiner Frau – in Griechenland umgesehen, weil der Spitzenverein PAOK Saloniki gerufen hatte. Eigentlich hatte der Lette gar nicht vor, zu wechseln, aber hinfliegen und ansehen, das kann man ja mal. Gesagt, getan. Den ganzen Beitrag lesen »

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Kein Fußball, keine Mentalität – wie durchbricht der HSV die Spirale nach unten?

16. Februar 2015

Tag zwei nach dem Unfassbaren. Wo man hingeht – alle reden über das 0:8 von München. Wo soll das nur hinführen? Kollektiv scheint der Glaube zu schwinden, dass es Ansätze für eine Besserung gibt. Dass es weiter Hoffnung gibt für den Patienten HSV.

Im Grunde genommen war doch schon die Taktik des HSV beim 2:1 gegen Hannover ein Offenbarungseid. Bälle nach vorn kloppen, dort im Stile kanadischer Eishockey-Mannschaften hinterher rennen und auf Fehler des Gegners warten bzw. sie erzwingen. Eigener Spielaufbau? Lieber nicht. Man weiß ja um die eigenen Unzulänglichkeiten mit dem Ball. Das Zustandekommen des Erfolges gegen den Nordrivalen wurde übrigens allseits ganz deutlich beschrieben. Glücklich war es, und ich kann mir nicht denken, dass irgendein HSV-Spieler dieser Einschätzung widersprochen hätte.


So was nennt man dann Abstiegskampf, wenn es gut geht. Was soll’s, Hauptsache drei Punkte. Die große Hoffnung war doch nun, dass die zwei Siege in Serie auch für eine schrumpfende Kopf-Blockade sorgen würde. Dass mit ein bisschen Sicherheit in der Tabelle so etwas Ähnliches wie Fußball zu sehen sein würde. Joe Zinnbauer hat diese Hoffnung in erster Linie getragen und sie kam in seiner Aufstellung bei den Bayern zum Ausdruck. Und Zinnbauer ist damit gnadenlos gegen die Wand gefahren. Denn die fußballerische Krise ließ sich auch nicht durch sechs Punkte in zwei Spielen wegoperieren. Gepaart mit zu viel Übermut kam die zweite Eigenschaft der HSV-Todesspirale zum Ausdruck. „Psychische Instabilität, die wahnsinnig ist“. Das sagte der Direktor Profifußball Peter Knäbel.

Genau genommen hat der HSV sich in München nicht anders verhalten als zum Rückrundenstart gegen den 1. FC Köln. Irgendwann gibt’s ein Gegentor – und dann ist das Spiel für den HSV beendet. Eigentlich könnten sich die Verantwortlichen unten am Spielfeldrand sofort mit dem 0:1 auf ein Ergebnis einigen. Klar ist nur: dieser HSV dreht die Partie nicht mehr. Alle brechen zusammen. Verstecken sich hinter Gegenspielern, wenn ein Mitspieler eine Anspielstation sucht. Vermeiden kritische Situationen in der eigenen Defensive, wenn Hilfe für den Nebenmann gefragt ist. Peter Knäbel wollte sich gestern nicht auf eine entsprechende Charakterfrage einlassen. Aber was ist es denn sonst? Dieses Team flattert wie eine Fahne bei Windstärke 12.

Weitere Beispiele.

  • 2. Spieltag, Heimspiel gegen Paderborn. Der HSV kassiert nach 29 Minuten das 0:1. Danach: nichts mehr. Die Partie endet 0:3.
    3. Spieltag, auswärts in Hannover. Hier steht’s nach 24 Minuten schon 2:0 für Hannover. Der HSV schlaff. Mirko Slomka fliegt.
    9. Spieltag. In Berlin geschieht es erst in der zweiten Halbzeit. Aber gegen einen schwachen Gegner kassiert der HSV nach einer knappen Stunde das 0:1. Fast ohne eigene Torchancen setzt es am Ende ein 0:3.
    11. Spieltag, Auswärtsspiel in Wolfsburg. Der Rückenwind aus dem Leverkusen-Spiel ist weg. Mitte der ersten Halbzeit das 0:1, am Ende 0:2.
    13. Spieltag. Nach glücklicher Pausenführung in Augsburg bringt der Ausgleich des FCA den HSV völlig ins Schwimmen. Am Ende: 1:3 verloren.
    16. Spieltag. Kellerduell daheim gegen Stuttgart. Was für ein Gegurke. Nach 42 Minuten fällt das 0:1 – der HSV k.o.

Das waren jetzt ein paar Beispiele. Situationen, in denen es anders lief, waren sehr selten. Nur in den Heimspielen gegen Frankfurt (1:2) und Hoffenheim (1:1) reagierte der HSV auf einen Rückstand – freilich ohne die Partien drehen zu können.

An diesem Punkt angekommen stellen sich zwei Fragen: Wie schafft der HSV aktuell den Klassenerhalt? Wie stellt sich der HSV ab Sommer auf, damit es besser wird? Viele der Kommentare auch hier in den vergangenen Tagen fangen mal mit der Antwort auf Punkt eins an, die aber eigentlich erst bei Punkt zwei gegeben werden kann. Der Trainer kann nichts – weg. Westermann, van der Vaart, Jansen sofort raus. Bringt alles nichts.

Die Kernfrage bei dieser Debatte ist doch immer: Wen holen wir uns stattdessen? Der HSV verpflichtete vor der Saison Nicolai Müller. Fußball-Hamburg dachte, ein guter Kauf. Kurz vor Transfer-Ende kam Lewis Holtby. Resonanz: Fast einhellig positiv. Lasogga sollte auf Jahre die Konstante werden im HSV-Sturm. Wie fällt denn das Zwischenfazit bei diesen drei Spielern aus? Mit anderen Worten: Ja, mit van der Vaart und Co. sind die Führungsstellen beim HSV falsch besetzt. Doch wer soll sie einnehmen? Und geschieht dann nicht das, was auch Müller und Holtby aktuell widerfährt? Petr Jiracek wurde mal als tschechische Lokomotive geholt. Er stößt seit Jahren in Hamburg nur kleine Wölkchen aus. Gojko Kacar galt als Top-Mann bei Hertha BSC. Einen Anspruch, den er in fünf Jahren Hamburg nicht annähernd erfüllen konnte. Ich könnte noch mehr Beispiele nennen. Sie alle eint nur diese Erkenntnis: Beim HSV wurde alles schlechter.

Hier bin ich übrigens bei Peter Knäbel und auch bei Scholles Einschätzungen von gestern: Auf Ronny Marcos herumzuhacken, ist extrem unfair. Sein ungleiches Duell mit Arjen Robben stand einfach nur exemplarisch für den krassen Unterschied der beiden Mannschaften. Natürlich hat er sich ungeschickt verhalten, aber das haben nicht nur alle im Stadion und am Fernseher gesehen, sondern auch seine zehn Mitspieler. Und die hätten ihm helfen können und müssen. Aber da sind wir wieder beim Thema: Das geht nur in einer funktionierenden Mannschaft.



Und noch was zu Knäbel – es ist doch klar, dass er vor den Mikrofonen weder Spieler noch Trainer vernichtet. Im Moment hat der HSV keine anderen Leute! Warum soll er nicht erzählen, dass er nach Bas Dost gefragt hat? Ihr freut Euch doch auch über Informationen und Innenansichten. Und die zu liefern, ist auch eine der Verpflichtungen des HSV. Ich hätte übrigens die Spieler nicht schützend aus der Presse genommen wie nach dem Bayern-Spiel geschehen. Ein paar Worte, insbesondere an die 6000 Gekniffenen im HSV-Fanblock, wären den Profis zuzumuten gewesen.

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Im Moment muss der HSV Richtung Sonntag gucken. Und hinter den Kulissen muss Knäbel Schlüsse ziehen und Entscheidungen vorbereiten. Und dabei muss er tatsächlich dieses eklatante Führungsloch auf dem Platz schließen. Nun übrigens auf Ivo Ilicevic und/oder Maxi Biester zu setzen, wäre ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Immerhin machen Cleber, Valon Behrami und Dennis Diekmeier Fortschritte. Hier die HSV-Meldung:

Zur Verfügung stehen könnte gegen Mönchengladbach wieder Cleber Reis. Der brasilianische Innenverteidiger wird nach seinem Faserriss in dieser Woche wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen.

Dies peilt so schnell wie möglich auch Valon Behrami an. Der Schweizer absolviert bereits fußballspezifisches Training. „Es ist geplant, ihn in dieser Woche wieder an das Mannschaftstraining heranzuführen“, sagt Mannschaftsarzt Dr. Götz Welsch zum Aufbauprogramm des Mittelfeldspielers. Fortschritte kann auch Dennis Diekmeier verzeichnen. Der Rechtsverteidiger könnte schon Mitte der Woche mit seinen Teamkollegen auf dem Platz stehen. Auch Ivica Olic plant so schnell wie möglich zurückzukehren. Der Kroate laboriert noch an leichten muskulären Problemen, nachdem er im Spiel in München schon in der Anfangsphase einen Schlag in den Rücken bekam und kurz darauf ausgewechselt werden musste. Am Donnerstag möchte „Ivi“ wieder auf dem Platz stehen.

Dies ist für Pierre-Michel Lasogga noch etwas entfernt. In dieser Woche steigt der Stürmer allerdings wieder ins Lauftraining ein. Auf dieses hofft Lewis Holtby in der kommenden Woche. Am Mittwoch bekommt der Mittelfeldspieler, der sich im Trainingslager in Dubai einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hat, einen Spezial-Panzer, mit dem er die kommenden Wochen sein Aufbauprogramm betreiben und damit auch Laufeinheiten absolvieren kann.

Gerade Cleber und Behrami gehören ja zumindest in die Kategorie Spieler, die Führungslücken schließen könnten. Ebenso wie Ivica Olic. Nicht umsonst hatten die Verantwortlichen zuletzt auch immer wieder betont, wie sehr einer wie Behrami fehlen würde. Aber es nützt nun nichts, und da kann man noch so viel draufdreschen, der Kader steht bis Saisonende.

Was die Position des Trainers angeht, hat das 0:8 Joe Zinnbauer erheblich geschwächt. Seine fußballerischen Einfälle haben nicht gezündet. Das war schon so in Augsburg, als mit Götz, Marcos und Gouaida gleich drei junge kamen (am Ende 1:3), das war so bei den Bayern, wo Zinnbauer noch ein paar Ideen mehr hatte. Und weil die Erfolgserlebnisse in solchen Spielen ausbleiben, verliert Zinnbauer unvermeidbar Vertrauen bei den Profis. Sein Ziel muss es sein, dieses Vertrauen herzustellen, so dass gegen Mönchengladbach wieder eine homogene Einheit auf dem Platz steht. So sehr es sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht, dass der HSV nach Rückständen wegbricht, so regelmäßig starten die Profis in fast allen ihren Bundesliga-Spielen anfangs motiviert und tatendurstig. Seit September konnte Zinnbauer die Mannschaft oft emotional packen, so dass es zu Kampf-Siegen kam (Leverkusen, Bremen, Paderborn, Hannover). Dieser Tatendurst lässt dann nur zu oft im Laufe der 90 Minuten nach. Und: Eine fußballerische Linie hat Zinnbauer auch nach 18 Liga-Spielen noch nicht einpflanzen können.

Ohne dass ich dazu Hinweise von einem HSV-Verantwortlichen bekommen hätte, habe ich mir zuletzt immer ein Trainer-Szenario vorgestellt. Zinnbauer rettet diesen HSV in dieser Saison vor dem Abstieg, entfacht Feuer in der Mannschaft und weckt Mentalität. Und auf dieser Basis könnte dann ab Sommer ein neuer Mann beginnen, dem die Verantwortlichen noch mehr zutrauen, einen Sprung nach vorn zu machen. Dieser „Plan“ mag auch nach diesem 0:8 noch so oder ähnlich sein, aber Joe Zinnbauer ist ganz konkret auf eine Reaktion der Mannschaft am Sonntag gegen Mönchengladbach angewiesen.

An Konsequenzen im negativen Fall mag ich aber, das sage ich ganz ehrlich, aus einem anderen Grund gar nicht denken. Was wäre denn, wenn im März plötzlich ein neuer Feuerwehrmann im Presseraum des ehemaligen und künftigen Volksparkstadions sitzen würde? Ginge es dann nach oben? Würde dann alles gut? Oder würden wir nicht alle skeptisch zu ihm schauen und denken: „Lieber Mann, wir wünschen Dir wie Deinen Vorgängern einen guten Vertrag. Spätestens beim nächsten Weihnachtsurlaub ist Deine Zeit in Hamburg sowieso wieder Geschichte.“ Das Trainer-Rausgekloppe beim HSV ist doch eine der unsäglichen Erscheinungen der vergangenen Jahre. Ertrag: gleich Null.

Sicher, das alles bedeutet nicht, dass ein Coach einen Freifahrtschein kriegen muss. Packt Zinnbauer das Team jetzt nicht richtig an, dann wird es einsam um ihn.

Vorhin hat Dieter mir eine kleine Geschichte erzählt aus dem Frühjahr 2013. Der damalige Trainer Thorsten Fink kam ganz beschwingt vom Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel bei den Bayern vom Übungsrasen. Wartet mal ab, was wir morgen zeigen, sagte Fink fröhlich im Vorbeigehen – offenbar in der Erwartung einer HSV-Sternstunde. Bekanntlich wurde es ein 2:9 und alles andere als eine Sternstunde – ein wenig erinnert diese Anekdote auch an Joe Zinnbauer, der nun mit verändertem Personal und veränderter Taktik zum Erfolg kommen wollte – und böse gelandet ist. Total verschätzt mit dieser HSV-Mannschaft.

Gegen Ende noch ein Hinweis auf Äußerungen von Frank de Boer, Trainer von Ajax Amsterdam. Der sagte dem Sender Fox Sports, angesprochen auf Rafael van der Vaart: „Mit seiner Erfahrung, denke ich, dass er allzeit willkommen ist.“ Zwar stehe van der Vaart nicht oben auf der Ajax-Liste, aber: „Unsere ersten Pfeile zielen auf eine andere Option. Aber ich denke, dass er für uns interessant werden kann.“

Und zum Abschluss noch eine traurige Nachricht. Egon Horst ist gestorben. Der baumlange Verteidiger spielte von 1965 bis 1969 für den HSV in der Bundesliga. Wie sein Freund Willi Schulz kam er von Schalke 04 nach Hamburg. Zu seinen aktiven Zeiten hieß es, Horst sei auf dem Platz noch härter als Schulz. Egon Horst wurde 76 Jahre alt.

Morgen Nachmittag trainiert die Mannschaft um 15 Uhr am Stadion. Am Vormittag finden individuelle Einheiten statt.

Lars
18.30 Uhr

Marcelo Diaz ist da – und mit ihm neue Spielkultur? ***Lasogga fällt aus***

2. Februar 2015

***Wieder einmal wird aus “einer reinen Vorsichtsmaßnahme” eine ausgedehnte Verletzung. Und wieder ist es Pierre Michel Lasogga, der diesmal mit einer Zerrung im Oberschenkel ausfällt. Vereinsangaben zufolge sicher für die nächsten beiden Spiele gegen Paderborn und Hannover.****

Marcelo Diaz ist da. „Aber er ist kein Heilsbringer“, schiebt der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, hohen Erwartungen gleich einen Riegel vor. Vielleicht, um genau dem Problem vorzubeugen, das immer wieder angesprochen wird. Oder besser gesagt, was immer gefragt wird: „Wieso werden gute Spieler beim HSV schlechter und nicht die Mannschaft besser?“

Bestand den Medizincheck problemlos:  Marcelo Diaz

Bestand den Medizincheck problemlos: Marcelo Diaz

Knäbel beugt damit dem Fall vor, dass der HSV auch mit seinem neuen Chilenen so unterirdisch schlecht spielt, wie gegen Köln. Denn, und das muss man so klar sagen, dass sich der HSV nicht einen Schritt nach vorn entwickelt hat. Im Gegenteil, das vermeintlich schlechteste HSV-Spiel der jüngeren Gegenwart gegen den VfB Stuttgart war nicht schlimmer als die „letzten 75 Minuten“ gegen Köln. Maxi Beister war derjenige, der es noch am deutlichsten und korrektesten formuliert hat. Alle anderen haben das Spiel nur eingeschränkt schlecht gesehen. Und so gern und leidenschaftlich ich auch Partei für den HSV ergreife, dieser HSV hat das (noch) nicht verdient. Aus verschiedenen Gründen.

Aber zurück zu der vielleicht am häufigsten gestellten Frage: Wieso werden die Spieler beim HSV in aller Regelmäßigkeit seit Jahren schlechter? Dazu muss man eigentlich nur die Gegenfrage stellen: Warum sollten die Spieler besser werden? Oder um es bildlich zu sprechen: Wird ein Abrisshaus sofort gut bewohnbar, nur weil man einen von zehn Fensterrahmen erneuert hat?

Nein. Es muss komplett saniert oder abgerissen und neu gebaut werden. Und so ist es auch hier. Dieser HSV ist ein über die letzten Jahre ziemlich erfolglos geflickter Pflegefall. Jede noch so hoch einzustufende neue Kraft (diese Saison Behrami, Holtby, Müller, Olic etc.) verliert ein Stück weit Wirkung, weil das Gesamte nicht funktioniert. Andererseits ist der einzelne Neue auch nicht stark genug, um das Ganze funktionieren zu lassen. Benötigt würde eine Kernsanierung der Achse – wie sie vor Saisonbeginn angekündigt wurde und wie es rein nominell auch gemacht wurde. Allein der Grad der Qualität ist noch nicht abzuschätzen – und wird auch noch eine ganze Weile auf sich warten lassen, da Behrami nun schon bis Mitte März ausfallen soll.


Jetzt also Diaz. Der technisch starke 166-Zentimeter-Mann gilt als außergewöhnlich passsicher und spielintelligent. Zwei Attribute, die dem HSV-Mittelfeld (auch mit Behrami) zuletzt fehlten. Der Versuch mit Petr Jiracek neben van der Vaart ist gescheitert. Nachhaltig, wie ich hoffe. Denn Jiracek ist weder ein außergewöhnlich guter Passgeber, noch lenkt er ein Spiel – und defensive Ordnung hält er auch nicht. Weniger noch: Jiracek sucht noch nach seiner besten Position – und bekommt er sie, hält er sie nicht. Zumindest blieb mir im Köln-Spiel bis zu seiner Auswechslung unklar blieb. Ich war fast geneigt, dem sympathischen Tschechen das Verständnis für dieses 4-1-4-1-System abzusprechen, so vogelwild lief er von links nach rechts, von vorn nach hinten und andersrum. Oder war es die Motivation, die unverhoffte Chance mit aller Macht nutzen zu wollen, die sich in diesem Überfluss kontraproduktiv auswirkte?

Egal wie, die Mannschaft aus dem Köln-Spiel hat keine Perspektive. Weniger Spielaufbau als bei dem 0:2 habe ich selbst im Amateurfußball lange nicht gesehen. Der 1. FC Köln musste sich nicht einmal anstrengen, um einen sicheren Auswärtssieg zu landen. Es reichte mal wieder, auf den einen oder anderen kapitalen Bock im HSV-Spiel zu warten. Und wenn ich als Gegner die Sicherheit habe, dass der HSV nicht in der Lage ist, offensiv gefährlich zu werden, kann ich dafür abwarten. Mit aller Geduld – und Effektivität. Zwei nahezu identische Konter offenbarten das HSV-Dilemma. Es ist auch nach der oft als intensiv und gut betitelten Vorbereitung keine Verbesserung zur Hinserie erkennbar gewesen. Und – so schade das auch ist – das Problem wird auch ein Diaz allein nicht ändern.

Nein, in diesem Fall muss Zinnbauer sich etwas einfallen lassen. Er muss die Aufstellung gegen Köln hinterfragen und entsprechende Konsequenzen für die Startelf gegen Paderborn ziehen. Westermann einen weiter zurückzuziehen wäre dabei nur ein kleiner Schritt von vielen – und sicher längst noch keine Lösung. Dem HSV fehlt es weiter an Kreativität. Diaz soll davon einiges mitbringen, aber er braucht über die Außen Anspielpunkte – wenn man nicht wieder mit langen Bällen ins Zentrum scheitern will. Nur, wenn der HSV es schafft, das Spiel über die Außenbahnen zu forcieren, macht eine einzige Spitze Sinn. Und die muss dann nicht einmal zwangsläufig Olic heißen – das könnte unter Umständen – ich weiß schlichtweg nicht, wie fit er ist – auch ein Lasogga sein. Der trainierte heute aber wieder nicht bis zum Schluss, was von Zinnbauer jedoch als „abgesprochene Dosierung“ betitelte. Oder eben ein Rudnevs, der heute im Trainingsspiel zunächst zusammen mit Olic in der A-Elf beim 4-4-2-System als zweite Spitze agierte, ehe Zinnbauer wieder auf einen Stürmer umstellte.

Dennoch, wenn man beim HSV von einem Kopf-Problem spricht, ist das wahr – aber es ist leider auch nicht mehr, als nur die halbe Wahrheit. Denn die lähmende Skepsis, ein Spiel eben nicht lenken und dominieren zu können, ist in der aktuellen Verfassung und Formation bei den Spielern berechtigt vorhanden. Wie heißt es so schön: Was Du nach vorn nicht machst, bekommst du hinten zu tun. Und dieser Problematik sieht sich der HSV seit Monaten ausgesetzt. Bis heute auch ohne brauchbaren Lösungsansatz. Weder Fink, Slomka noch Zinnbauer haben bisher ein Mittel gefunden. Und die Frage, die sich jetzt stellt, ist die, ob wenigstens die neue Führung mit den beiden Transfers von Olic und Diaz einen Schritt in die richtige Richtung gegangen ist. Ich hoffe es.

Fakt ist auf jeden Fall, zumal jetzt nach Ende der Transferfrist, dass Zinnbauer sein Material für den bevorstehenden Abstiegskampf beisammen hat. Mehr kommt nicht. Der HSV-Coach muss jetzt eine Lösung mit dem vorhandenen Kader finden. Dass das nicht mit der Elf gegen Köln klappt – augenscheinlich. Ein Mohamed Gouaida ist dabei noch der geringste Vorwurf zu machen. Dass er irgendwann ein Tief durchleben würde, war zu erwarten. Genauso wenig übersteigern darf man die Erwartung bei Ashton Götz. Der 21-Jährige spielt solide. Nicht weniger – aber eben auch nicht mehr. Er tastet sich weiterhin vorsichtig an den Bundesligafußball heran und vermeidet mit aller Macht Fehler, was ihn auch davon abhält, mehr Mut nach vorn zu haben. Flankenläufe, wie sie in dem aktuellen System mit einem zentralen Angreifer nötig wären, kommen kaum bis gar nicht. Und da auf der rechten Seite Nicolai Müller kaum mehr nach vorn kreiert, ist die rechte Seite wirkungslos.

Im Zentrum ist Rafael van der Vaart weiter nicht der Kreative Pol alter Zeiten. Nicht mal im Ansatz. Nun kann man philosophieren, ob er es nicht sein kann oder das Spiel leidet, weil er seine erhoffte Form nicht abruft. Letztlich aber ist das egal. Das HSV-Spiel leidet so. Und so schwer es mir fällt, das zu schreiben, aber es verdeutlicht: Rafael van der Vaart scheint leider nicht mehr in der Lage, dem HSV-Spiel seinen Stempel dauerhaft aufzudrücken. Bis zum Sommer ist er ein Bestandteil des aktuellen Kaders und besser (vor allem gesunder) als seine direkte Konkurrenz. Wobei, eigentlich ist er nach Holtbys Ausfall nahezu konkurrenzlos auf der Zehn. Leider.

In solchen Momenten wird gern nach frischen Spielern gerufen. In diesem Fall nach Spielern wie Ahmet Arslan, Philipp Müller etc., die in der ersten Halbzeit beim Test gegen Frankfurt in Dubai eine gute Leistung zeigten. Und ich stimme da gern mit ein. Allerdings nur bedingt, weil ich weiß, dass die in dem Moment in sie gesetzten Hoffnungen zu schwer wiegen. Nicht wenige fordern diese Namen zudem nur, weil sie im Vergleich zu den anderen eben noch nicht gescheitert sind. Auf jeden Fall sind die Bedingungen für einen Start in eine große Bundesligakarriere selten schlechter gewesen für unsere Youngster als jetzt unter diesem außergewöhnlichen Druck in einer nicht funktionierenden Mannschaft. Vielmehr, und damit schließt sich der Kreis zu meiner Einstiegsfrage, ist alles gegeben, um aus einem hoffnungsvollen Talent ein (zumindest in Hamburg) scheiterndes Talent zu machen.

Nein, der Moment schreit nach Erfahrung. Das haben auch Knäbel und Beiersdorfer so erkannt und entsprechend nachgerüstet. Olic für den Angriff und Diaz zentral defensiv. Denn Erfahrung bringt Diaz zweifellos mit. Der chilenische Nationalspieler absolvierte heute seinen Medizincheck und unterschrieb anschließend bis 2017. Wie Ihr im Video sehen und hören könnt, wirkt er sehr motiviert. Im Nachklapp erzählte er uns Printjournalisten noch, dass er sich unbedingt wieder auf der großen Bühne zeigen will. Und die Bundesliga sei für ihn die beste Liga der Welt, das Stadion eines der schönsten Schmuckkästchen der Welt. Sollte zudem das, was die Kollegen aus der Schweiz über ihn sagen, nur ansatzweise stimmen, können wir uns große Hoffnungen machen.

Quirlig, ballsicher, technisch gut: Marcelo Diaz macht Hoffnung

Quirlig, ballsicher, technisch gut: Marcelo Diaz macht Hoffnung

Denn Diaz gilt als sehr geradliniger Typ, der sehr zielorientiert arbeitet. Und er ist hart im Nehmen. Was heute abgeklärt wirkt, hat allerdings einen tragischen Hintergrund. So fand der Rechtsfuß im Alter von 17 Jahren seinen Bruder tot im Garten vor. Er hatte sich aufgehängt. „Es ist das eine, einen geliebten Menschen zu verlieren. Und etwas ganz anderes, ihn an ¬einem Baum hinter dem eigenen Haus hängen zu sehen“, sagt Diaz im Buch „Leones“ der beiden Journalisten Rodrigo Fluxá und Gazi Jalil.

In Hamburg ist Diaz bislang noch allein, seine Frau und sein sechsjähriger Sohn sollen möglichst zeitnah aus der Schweiz nachkommen. Ob er schon gegen Paderborn in der Startelf steht, ließ Zinnbauer noch offen. Dafür wolle er sich die beiden Trainingseinheiten heute und morgen noch ansehen. Und nach einer kurzen Phase im B-Team agierte Diaz neben van der Vaart im A-Team. Gouaida blieb zentral davor. Viel zeigen konnte er in dem unspektakulären, torlosen Spiel nicht. Außer die Ansätze, ein gutes Auge zu haben und stets anspielbar zu sein. Und ehrlich gesagt würden diese beiden Attribute allein schon helfen.

 


 

Zinnbauer probierte heute alles mal durch. Westermann als Rechtsverteidiger und in der Innenverteidigung, ein 4-1-4-1-System sowie anschließend ein 4-4-2-System. Rajkovic agierte zuerst im A-Team, wich dann aber für Westermann und Götz (als RV), während Ostrzolek links Marcos ersetzte und Jansen davor spielte. Und ich kann nur hoffen, dass Zinnbauer seine Startelf schnell findet. Am besten noch vor Paderborn…

In diesem Sinne, morgen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Bis dahin,
Scholle

Rudnevs und Cléber raus – wer folgt noch?

24. Oktober 2014

Es ist wie immer eine ganze Menge Feuer drin. Obgleich es das Abschlusstraining ist. Denn in solchen ist es nicht unüblich, dass vor allem darauf geachtet wird, dass sich bloß niemand mehr verletzt. Anders bei Zinnbauer: Der steht am Rand und feuert die Mannschaften auf, mehr zu machen. Obgleich die Intensität hoch ist. Und als das A-Team gegen das vermeintliche B-Team in Rückstand gerät, unterbricht er die Einheit, holt sich das A-Team zusammen und verdeutlicht lautstark, was fehlt. „Er verkauft es positiv. Kritik wandelt er geschickt in motivierende Aufforderungen um“, sagte mir sein vorheriger Assistent Soner Uysal zuletzt, „er sagt deutlich, was er sehen will und nimmt den Spieler dabei voll mit. Das kann er wie kaum ein anderer.“

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Ein Lob, das Zinnbauer in abgewandelter Form aber inhaltlich nahezu identischer Art zuletzt von allen Seiten bestätigt bekommen hat. Die Spieler überschlugen sich teilweise so in Komplimenten, dass ich schon anfing, meinen eigentlichen Beobachtungen nicht mehr ganz zu trauen. Soll heißen: Es war schon fast zu viel. Wobei sich der eine oder andere Spieler dem Hype sicher nicht anschließen wird. Zumindest gehe ich bei Artjoms Rudnevs und Cléber ganz stark davon aus, nachdem beide nach dem Hoffenheim-Spiel auch gegen Hertha BSC wieder nur auf der Tribüne landen bzw. in Hamburg blieben, während der 18-Mann-Kader samt Trainerteam gen Berlin abfuhr.

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Dabei hatte Rudnevs einen von drei Treffern im Abschlusstraining erzielt und war zusammen mit Cléber im Siegerteam. 3:0 gewann die vermeintliche B-Elf gegen die Stammelf. „Abschlussspiele sind bei mir kein Indiz für die Aufstellung“, sagt Zinnbauer, der in Berlin wieder vor der schwierigen Aufgabe steht, sich in Sachen van der Vaart/Holtby zu entscheiden. Spielen beide und Holtby rückt auf links – oder muss einer auf die Bank und Marcell Jansen rückt auf links? Und entgegen meiner Vermutung, dass beide spielen, glaube ich inzwischen, dass der HSV-Trainer seine Lobeshymnen auf van der Vaart vielleicht aus einer anderen Motivation heraus formuliert hat: Vorbeugend.

Zumindest machte es heute im Training den Anschein, als würde Marcell Jansen vor Ostrzolek auf links spielen. Zinnbauer ließ das Siegerteam aus Dortmund (nur Götz ersetzt den verletzten Diekmeier). Soll heißen, van der Vaart wechselte zur Halbzeit ins (erschreckenderweise deutlich besser wirkende) B-Team, Holtby rückte wieder in die A-Elf. Jansen hingegen blieb bis kurz vor Schluss auf der linken Seite und ich glaube, er wird auch in Berlin beginnen. Spannend ist es in jedem Fall – und das ist ein gutes Zeichen. Endlich hat der HSV wieder die Auswahl. Und egal, wofür sich Zinnbauer letztlich entscheidet, er hat mit dem, den er draußen lässt, das Potenzial auf der Bank, das Spiel nachträglich noch mal zu verändern.

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Nicht helfen wird dabei Cléber. Und ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz im Klaren darüber, warum Zinnbauer den Brasilianer nicht mitnimmt. Gut, er hat bei der Verpflichtung des Innenverteidigers nicht mitgewirkt und stattdessen ist Gojko Kacar dabei, der zweifellos gut trainiert. Allerdings machte das zuletzt wie heute auch Cléber. Den Neuzugang erneut gar nicht zu berücksichtigen, dürfte den Integrationsprozess nochmals verlangsamen – es sei denn diese Form von Kritik an den gezeigten (Trainings)Leistungen des Brasilianers kriegt Wortakrobat Zinnbauer intern tatsächlich auch noch positiv verkauft…

Mehr als etwas Kunst bräuchte Zinnbauer bei Artjoms Rudnevs – wenn er so wollte. Der Lette traf zwar im Abschlusstraining, flog aber für den im Training starken Valmir Nafiu, der die anderen zwei Treffer erzielte, aus dem Kader. Eine klare Ansage an den Letten, der es auf bislang fünf Einwechslungen und gerade einmal 120 Spielminuten bringt. Unter Zinnbauer wurde Rudnevs dreimal eingewechselt (18 Spielminuten). Und jetzt ist er zum zweiten Mal und beim dritten Trainer in Folge hintendran. Unter Slomka ebenso wie jetzt bei Zinnbauer – und vor den beiden bei Thorsten Fink. Dass der – ganz vorsichtig ausgedrückt – nicht viel von den Qualitäten des Angreifers hält, ist hinlänglich bekannt. Ebenso, dass Zinnbauer und Fink beste Freunde sind und sich regelmäßig austauschen. Ich bin mir sicher, das tun sie jetzt auch über ihre Erfahrungen mit den Spielern.

Dass Rudnevs jetzt aber schon für Nafiu seinen Platz räumen muss, nachdem ihm Pierre Michel Lasogga auch in unfittem Zustand immer wieder vorgezogen wurde, hat dieser registriert. Reden möchte er darüber nicht – und das ist absolut verständlich. Aber ich glaube, dass es hier schon sehr bald Gesprächsbedarf auf offizieller Seite geben wird und sich die sportliche Leitung mit dem Angreifer über dessen Perspektive in Hamburg unterhalten muss. Zumal immer wieder zu hören ist, dass sich der HSV insbesondere nach jungen Angreifern umschaut. Schon für den Winter.

Es ist schade für Rudnevs, den in der letzten Saison jeder HSV-Fan gern in Hamburg gesehen hätte, als Lasogga ausfiel. Und es ist zweifellos sehr schade für Cléber. Aber es zeigt auch, dass Zinnbauer keine unangenehmen Entscheidungen scheut. Er hätte alle Argumente auf seiner Seite gehabt, Kacar nach dessen verletzungspause über die U23 aufzubauen und Cléber auf die Bank zu setzen. Nach Nafiu hätte sicherlich auch keiner gefragt, wenn Rudnevs im Kader wäre. Dennoch mischt Zinnbauer die Mannschaft auf. Und das ist gut.

Deshalb kann ich mir tatsächlich auch vorstellen, dass Zinnbauer trotz aller Lobeshymnen seinen „Leader“ und Kapitän van der Vaart in Berlin auf der Bank lässt. Ich bin mir sicher, dass er eine solche Entscheidung seinem Kapitän ausführlich erläutern würde. Es hätte auch Charme, in Berlin die Auswärtssieger von Dortmund auflaufen zu lassen (mit der Ausnahme Götz für Diekmeier). Einen Holtby rauszunehmen dagegen würde ich persönlich nicht verstehen können. Zumindest nicht, ohne dass der in irgendeiner Weise angeschlagen, müde oder sonstwie gehandicapt ist.

Spanend ist es auf jeden Fall mal wieder. Für uns wie für den Gegner, der nicht wie lange Zeit üblich schon vorher sicher sagen kann, wie der HSV beginnt. „Wir sind mit dem vollen Kader sicher schwerer auszurechnen als in der Vorsaison“, hatte schon Slomka gesagt – und obgleich er es selbst nicht mehr wirklich miterleben durfte, bewahrheitet sich das langsam. Zumal mit Jiracek, Ilicevic sowie Diekmeier drei Verletzte in der kommenden englischen Woche wieder voll mitmischen sollen und selbst Slobodan Rajkovic nicht mehr weit weg ist vom Team.

Und wo wir gerade beim Thema Verletzte sind, „super“ geht es auch René Adler. Das sagte er heute so beim Verlassen der Imtech-Arena – nicht ganz frei von Ironie. Zu gern würde er wieder voll mitmachen und vor allem im Kasten stehen. Aber er wird sicherlich noch ein, zwei Wochen brauchen, bis er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Bis dahin vertritt ihn Alexander Brunst. Und nur um die Liste zu komplettieren, Maxi Beister wird auch weiterhin fehlen. Dafür ist der Offensivmann am morgigen Sonnabend bei uns zu Gast bei Matz ab live. Mit ihm begrüßen wir dann einen sehr interessanten jungen Spieler, dem viele Experten Großes zutrauen: Gideon Jung. Wir freuen uns darauf!

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Freitagabend. Bis morgen!

Scholle

HSV: Drobny – Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Arslan – Müller, van der Vaart, Jansen – Lasogga.
Kader: Brunst, Nafiu, Green, Holtby, Kacar, Steinmann, Stieber

Beiersdorfer: „Zeigen, dass der HSV lebt!“ – und van der Vaart schwärmt von Italien

16. Oktober 2014

Joe Zinnbauer hat heute mal kräftig Tempo rausgenommen. Drei Tage vor dem Spiel gibt es weder ein spektakuläres Training noch markige Aussagen in Richtung des kommenden Gegners aus Hoffenheim. Die Fans, die sich heute Vormittag am Stadion eingefunden haben, sahen nur ein paar joggende Profis – teils wegen der Regeneration nach dem Test gestern gegen die eigen U 23 (3:0) oder den absolvierten Länderspielen, teils aus Verletzungsgründen.

(Kleiner Hinweis an die Macher von hsv.de: Schreibt es doch auf die Internet-Seite, wenn das Training nichts für Fans ist. Gerade in den Ferien kommen viele Familien extra vorbei, um ihre Idole zu sehen und Autogramme zu sammeln.)

Dabei gibt es keine weiteren personellen Sorgen zu bewältigen. Valon Behrami gab heute „grünes Licht“. Er habe das letzte EM-Qualifikationsspiel seiner Schweizer Mannschaft (4:0 in San Marino) nur aus Sicherheitsgründen verpasst. Leichte Kniebeschwerden – da war sein Einsatz gegen den Zwergstaat nicht notwendig. Für den HSV am Sonntag gegen Hoffenheim steht seinem Einsatz allerdings nichts im Weg. Schon morgen soll Behrami wieder ins Training einsteigen.

Wie wichtig Valon Behrami ist, zeigt auch die Aussage von seinem Mittelfeldkollegen Tolgay Arslan gestern in der „Sport-Bild“. Behrami sei der neue Chef in der Mannschaft, ließ Arslan wissen – und auch wenn der Schweizer selbst dazu heute nichts Weiteres beisteuern konnte und wollte (schaut Euch hierzu und zu allen anderen Themen gern den Mitschnitt der Pressekonferenz mit Valon Behrami an), spricht aus Arslans Aussage eine Menge Hochachtung für den neuen Mitspieler.

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Vielleicht ist es problematisch, wenn aus der Mannschaft heraus nach so kurzer Zeit bereits eine derartige Aussage kommt. Könnte auf den ersten Blick etwas schleimig wirken. Doch Arslans Botschaft ist ja auch der Wunsch nach Sicherheit und Halt, den es in der Vergangenheit so eben nicht gegeben hat. An der Seite seines neues Mitspielers ist Tolgay Arslan, wie ich finde, in den vergangenen Wochen gewachsen. So ähnlich war das eigentlich auch schon vor zwei Jahren, als Rafael van der Vaart zum HSV kam. Arslan ist da für eine gewisse Zeit richtig aufgeblüht und hatte Freude an der neuen Konstellation. Jetzt spürt er, dass sich wieder etwas tut – und insofern bleibt allen Fans vor allem die Hoffnung, dass der Trend nach oben länger anhält und tatsächlich auch nachhaltig ist.

Arslan ist ja solch ein Paradebeispiel für nötige Geduld mit einem Spieler aus den eigenen Reihen. Er wird ja hier auch oft sehr kritisch beurteilt und natürlich waren seine Leistungen auch oft zu schwankend. Aber: In unterschiedlichen Situationen sind die Leistungen der Profis auch unterschiedlich. Stimmt das Umfeld, und da ist der HSV – nach allem, was wir auch aus der Mannschaft in den vergangenen Wochen gehört haben – auf einem guten Weg. „Wir müssen locker sein und nicht so sehr den Druck annehmen“, sagte heute Valon Behrami. Behrami meint diesen Druck, den jeder Einzelne – ob auf dem Platz oder der Tribüne – in der jüngeren bis mittleren Vergangenheit so häufig gespürt hat, wenn ein Bundesliga-Heimspiel des HSV im Volkspark begonnen hat. Diesen Druck, der dann schnell lähmt und die Spiele zu einer Gurkerei ohne Niveau werden lässt.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Wunsch von Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer fürs Hoffenheim-Spiel nachvollziehbar, den er am Montag auf der Hamburg Soiree geäußert hat. „Nein, ich habe keine Angst vor diesem Spiel. Es ist ein wunderbarer Gegner um zu beweisen, dass man im eigenen Stadion leidenschaftlich kämpft. Die Zuschauer spüren, dass es eine Mannschaft ist, die sich zerreißt. Ich hoffe, dass wir das wieder tun. Ich finde, es ist ein wunderbares Spiel um zu zeigen, dass der HSV lebt, und dass wir gewinnen wollen. Vor Dortmund haben wir ein halbes Jahr kein Spiel gewonnen. Ich habe es der Mannschaft immer wieder gesagt: Wir wollen einfach dieses Gefühl des Siegens wieder haben, dann kann man auch wunderschön leben in Hamburg. Ansonsten macht es alles keinen Spaß. Es ist nicht gut, wenn man nicht gewinnt.“

Genau 100 Tage ist Beiersdorfer morgen im Amt – welchen Einfluss er bisher genommen hat und welche Schritte eingeleitet, das ist bekannt. Nach wie vor gilt, was bei seinem Amtsantritt Anfang Juli galt: Die Hoffnung auf einen besseren HSV lastet vor allem auf seinen Schultern. Immerhin hat er sich einige Mitstreiter geholt, die eine viel versprechende Vita mitbringen. Beiersdorfer tritt, wie erwartet, vertrauensvoll auf und verfolgt einen Plan. Er nimmt Leute mit und trifft nachvollziehbare Personalentscheidungen.

Dass Wunder selten sind, stimmt allerdings auch. Rückschläge waren auch dabei ebenso wie ein Trainerwechsel und die unklare, im Hintergrund schwelende Lage rund um Investor Klaus-Michael Kühne. Entsprechende Begleiterscheinungen müssen Beiersdorfer und sein Team weiterhin schlucken, bis es dem HSV mal besser geht. Das wird auch in den kommenden 100 Tagen nicht zu ändern sein, selbst wenn der HSV dann sportlich deutlich besser dastehen sollte als aktuell.

Zur Stabilisierung würde beitragen, wenn das wirtschaftlich potente Umfeld in Person von Kühne und Karl Gernandt aus ihren Fehlern der vergangenen Wochen lernt. Ein entsprechender Effekt ist nur über die Zeitschiene zu erreichen. Das heißt: Was sie mit ihren Aussagen und Interviews, insbesondere im Juli, an Unruhe hinein gebracht haben, muss sich in den kommenden Monaten setzen und legen. So gewinnen sie Vertrauen zurück. Ankündigungen in diese Richtung hat es Montag auf der Soiree von Gernandt ja auch gegeben, wobei mir eine offenere Problematisierung seiner Doppelrolle mit möglichem Interessenkonflikt (engster Mitarbeiter von Kühne – Aufsichtsrats-Boss HSV) gefehlt hat.

Als Aufsichtsrats-Boss muss es sein Interesse sein, dass die wirtschaftliche Bewertung des HSV so hoch wie möglich ausfällt, um Anteile für so viel Geld wie machbar zu veräußern. Als rechte Hand von Kühne ist sein Interesse genau entgegen gesetzt. Ich will Karl Gernandt nichts Böses unterstellen, aber bei jedem anderen würde man sagen: Diese Konstellation ist Mist. Jedenfalls gilt auch hier, dass über die Zeitschiene Vertrauen gewonnen werden kann. Es ist ein hochsensibles Thema.

Natürlich würde auch Luft herausgehen, wenn in Zukunft weitere potente Wirtschaftsleute oder – unternehmen gefunden würden, die den HSV gleichfalls unterstützen. Ein bis zwei Partner sollen es ja demnächst sein, wie angedeutet wurde. Abwarten.

Wie Ihr in der Pressekonferenz von Trainer Joe Zinnbauer seht, hat er sich vor dem Anpfiff am Sonntag um 15.30 Uhr ziemlich zurückgehalten. Keine klare Ansage zum Einsatz von Rafael van der Vaart, auch wenn die Trainingseindrücke darauf hinweisen, dass der Kapitän seine Mannschaft nach sieben Wochen Pause wieder aufs Feld führen wird. Vielleicht ist die Zurückhaltung des Trainers ja auch nur ein Ablenkungsmanöver, weil er Hoffenheimer Spione in die Irre führen möchte. Aber auch das könnt Ihr im Stream nachverfolgen.

Mannschaftskapitän van der Vaart scheint sich in der Zwischenzeit mit einem nahenden Abschied aus Hamburg vertraut zu machen. Dem Internet-Portal nusport.nl sagte er: „Hamburg ist fantastisch, aber ich habe immer gerne neue Herausforderungen. Ich würde gerne in Italien spielen.“ Er habe nicht das Gefühl, für immer in Hamburg zu bleiben, fährt van der Vaart fort. Ältere Spieler wie Buffon, Totti und Pirlo würden dort auch in hohem Alter noch vergöttert. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus – und natürlich hat er auch die Zeichen der Zeit beim HSV erkannt. Selbst wenn es sportlich passen sollte in den kommenden Monaten, kann sich der Verein einen Rafael van der Vaart in Zukunft wohl nicht mehr leisten. Die Anschubfinanzierung von Klaus-Michael Kühne in Höhe von 25 Millionen Euro dürfte in etwa verbraucht sein (damit wäre auch Kühnes noch auszuhandelnde Beteiligung am HSV erschöpft), und mit Lewis Holtby steht der Nachfolger quasi schon unter Vertrag.

Es ist ja sowieso bitter, was sich beim Blick auf den kommenden Transfersommer ergibt. Rafael van der Vaart kann ablösefrei gehen – für ihn hat der HSV einmal 14,5 Millionen Euro hingelegt. Gojko Kacar kann gehen, der 5,5 Millionen gekostet hat. Heiko Westermanns Vertrag läuft aus – von den 7,5 Millionen Ablösesumme ist nichts mehr übrig. Dazu kommen Marcell Jansen (ehemals 8 Millionen Ablöse), Ivo Ilicevic (4 Millionen) und Slobodan Rajkovic (2,5). Mit anderen Worten: Spieler, für die der HSV im Laufe der Jahre 42 Millionen Euro an Ablösesummen ausgegeben hat, dürfen für Null gehen. Da sind alle weiteren Worte (fast) überflüssig, wobei dies natürlich nur die eine Seite der Medaille ist. In eine faire Analyse müssen auch die Beträge anderer Spieler einfließen, die der HSV für wenig Geld gekauft und für höhere Summen wieder abgeben konnte (wie Hakan Calhanoglu u.a.).

Zurück zum Tagesaktuellen: Gemeinsamer Nenner bei den beiden öffentlichen Auftritten von Führungsspieler Behrami sowie Coach Zinnbauer war ein gewisses Misstrauen was den Glauben in die eigene Konstanz angeht. Wie heute schön im Abendblatt aufbereitet, ist das Team seit eineinhalb Jahren ohne zwei Siege in Folge (Coach damals: Thorsten Fink) und schon satte vier Jahre ohne drei Dreier hintereinander (Coach damals: Armin Veh).

Kurz zur Personallage: Heiko Westermann musste wegen eines Infekts, den er sich wahrscheinlich bei seinen Kindern aufgehalst hat, heute passen, soll aber – wie Behrami – morgen ins Training einsteigen. Auch Julian Green steht nach überstandener Rippenverletzung wieder zur Verfügung, wobei der US-Nationalspieler sicher einen weiten Weg haben dürfte zurück in die Mannschaft.

Morgen wird wieder auf dem Platz trainiert, und zwar zur Spielzeit um 15.30 Uhr.

Lars
18.12 Uhr

Bravo! Die U 23 begeistert weiter!

11. Oktober 2014

Aus aktuellem Anlass stelle ich heute nicht die Profis nach vorn, sondern den Nachwuchs. Heute Nachmittag hat die U 23 des HSV ihre Serie fortgesetzt. In der Regionalliga Nord gewann das Team von Trainer Daniel Petrowsky mit 4:1 gegen Hannover 96. Und es war zeitweise Fußball wie aus einem Guss. Am Anfang kamen die Niedersachsen, auch angetrieben von ihren zahlreichen Fans, zum ersten Treffer. Doch der HSV hielt dagegen. Glänzend, wie der Ausgleich durch Tolcay Cigerci von Philipp Müller vorbereitet wurde (Ich musste spontan an Scholles Blog vorgestern denken, als er von Müller geschrieben hat. Der Bursche hat echt was drauf.)! Wunderbar die Kombination vor dem 2:1 mit dem letzten Pass von Kapitän Sven Mende in die Mitte zum Torschützen Mohamed Gouaida! Und ebenso klasse die Vorarbeit von Ronny Marcos, die wieder Cigerci zum 3:1 nutzte!

Es gab begeisterten Beifall des Publikums. 1400 Zuschauer haben sich an diesem sonnigen Tag auf den Weg an die Hagenbeckstraße gemacht – und sie haben ihr Kommen ganz sicher nicht bereut. Spielfreude und Tempo waren in der Partie. Das war ohne Einschränkungen wirklich erste Sahne. Nach zwölf Saisonspielen steht die Mannschaft bei elf Siegen und einem Unentschieden, also 34 Punkten, an der Tabellenspitze. 38:9 Tore hat sie geschossen. Eine beeindruckende Bilanz, und von der Stärke des HSV-Nachwuchses hat sich auch Uwe Erkenbrecher überzeugen können. „Erke“ ist aktuell Trainer des VfR Neumünster, des nächsten HSV-Gegners. Dann müssen die Hamburger Jungs auswärts antreten.

Im Publikum staunte übrigens auch die gesamte HSV-Prominenz. Trainer Joe Zinnbauer kam mit dem Fahrrad, auch Sportdirektor Bernhard Peters und der Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer waren da.

So spielte der HSV II: Brunst – Götz, Kim, Jung, Marcos – A. Arslan, Mende, Steinmann (83. Jordan), Gouaida – Cigerci (74. Masek), P. Müller (67. Brüning)
Tore: 0:1 Ernst (7.), 1:1 Cigerci (14.), 2:1 Gouaida (35.), 3:1 Cigerci (38.), 4:1 Arslan (55.)

Die Bundesliga-Profis hatten zum Zeitpunkt des Spiels ihre Einheit am Volkspark bereits hinter sich. Etwa eineinhalb Stunden wurde hier bei besten Bedingungen geübt. Im Mittelpunkt standen Kleinfeldspiele. Und auffällig dabei nicht nur für mich: Rafael van der Vaart in sehr guter Spiellaune. Es macht den Eindruck, als ob ihm seine kleine verletzungsbedingte Zwangspause Frische zurückgegeben hat. Und durch diese Frische hat er Handlungsschnelligkeit zurück erlangt und einige feine Törchen geschossen, die man so ganz sicher von keinem anderen HSV-Spieler sehen würde. Die Spannung steigt vor dem Bundesliga-Duell mit Hoffenheim in der kommenden Woche. Die Spannung über Aufstellung und Leistung im Mittelfeld des HSV.

Nach dem Training mit dem Ball ging es für einige Zeit noch zum Laufen in den Volkspark. Mit dabei war dann auch Julian Green, der sich das Balltraining noch geschenkt hatte. Wenn nach den beiden trainingsfreien Tagen morgen und am Montag dann am Dienstag wieder trainiert wird, wird wohl auch Artjoms Rudnevs wieder dabei sein. Der Lette hat sich gestern Abend in der EM-Quali gegen Island (0:3) die Gelb-Rote Karte eingefangen und ist somit beim nächsten Spiel der Letten nicht spielberechtigt. Zum Zeitpunkt der Hinausstellung stand es übrigens noch 0:0 – in Unterzahl ging das Spiel dann verloren.

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Eine Sache wollte ich schon immer mal ansprechen, sie ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder hochgepoppt. Seit geraumer Zeit werden wir ja überversorgt mit vielen Statistiken zu den Bundesliga-Spielen. Ganz besonders beliebt ist dabei immer wieder die Laufstatistik. Der HSV ist zu faul, läuft soundsoviele Kilometer weniger als der Gegner, ohne Laufen gewinnt man keine Spiele usw. Über bundesliga.de oder auch montags im kicker kann jeder Interessierte ganz viele Daten bekommen, die für viel Diskussionsstoff sorgen.

Ich möchte mich jetzt auf die Gesamt-Laufleistung beziehen, hier habe ich einen Zusammenhang festgestellt, der die vermeintlich klare erste Erkenntnis relativiert. Es steht nämlich diese Laufleistung eines Teams in der Regel in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ballbesitz-Statistik. Ganz konkret bedeutet dies: Hat eine Mannschaft einen deutlich höheren Balbesitzanteil als der Gegner, dann hat der Gegner die höheren Laufwerte. Das ist logisch, denn ohne Ball muss man hinterherlaufen und verteidigen. Ab einem deutlichen Ballbesitz-Übergewicht von mindestens 60 Prozent gibt es fast nie ein Team, das gleichzeitig auch mehr läuft. Mit anderen Worten: Der Laufwert ist nicht in erster Linie ein Indiz für Fitness oder Einsatzbereitschaft eines Teams, sondern für die Spielanlage. Unter Coach Thorsten Fink, der seine Philosophie auf Ballbesitz ausgelegt hatte, besaß der HSV fast immer schlechtere Laufwerte als der Gegner. Jetzt mit Joe Zinnbauer ist das anders. Die Hamburger Mannschaft agiert mit Gegenpressing, ähnlich Borussia Dortmund, was von Haus aus sehr laufintensiv in der Verteidigung ist. Das Spiel nach vorn wird nicht breit gemacht (hoher Ballbesitz, geringe Bewegung), sondern geht in die Tiefe (niedriger Ballbesitz, da riskantes Spiel, und mehr Bewegung).

Ich würde wetten: Wenn wir uns die kommenden Bundesliga-Statistiken unter diesen Kriterien anschauen, dann wird der Zusammenhang sichtbar. Ich schreibe dies, weil es mir oft schlicht zu einfach ist, die Kilometer-Leistung gleichzusetzen mit der eingebrachten Energie der Mannschaft. Ich finde zum Beispiel, dass der HSV hohen Aufwand (bei ganz geringem Ertrag) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt betrieben hat – am Ende stand ein lächerlich geringer Laufwert von 112 Kilometern. Aussagekräftiger finde ich schon die Statistik der angezogenen Sprints, weil sie auch zeigt, wie intensiv Druck ausgeübt wird auf den Gegner.

Am Ende ist natürlich vieles Glaubenssache – letztlich denke ich, dass Fußball-Statistiken häufig nicht so viel über ein Spiel sagen wie im Basketball oder Baseball.

Zu einem anderen Thema. Was ist eigentlich aus den Ermittlungsverfahren und Strafanträgen geworden, die Klaus Meetz in die Wege geleitet hat? Im Sommer war der ehemalige Volleyball-Star des HSV in aller Munde. Im Hintergrund werden verschiedene Verfahren weitergeführt. Zum einen ist da der Strafantrag, den Meetz gegen den “alten” HSV-Vorstand beantragt hat – der Vorwurf lautete Veruntreuung der Millionen-Anleihe, die im Zusammenhang mit dem Nachwuchs-Konzept “Campus” aufgelegt wurde. Das Ermittlungsverfahren wurde mittlerweile eingestellt. Warum, Herr Meetz, ist die Sache für Sie aber noch nicht erledigt?

Gegen den offensichtlich als “Gefälligkeit” erlassenen, abwegigen Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 11.09.2014 habe ich am 30.09.2014 form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel „Beschwerde” eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Oberstaatsanwältin Gräwe habe ich gleichzeitig, da offensichtlich keine “ernsthaften” Ermittlungen vorgenommen wurden, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 30.09.2014, in dem nochmals die strafbaren Handlungen der Herren Jarchow, Kreuzer, Hilke und Scheel und der dem HSV entstandene und noch entstehende Schaden (17,5 Mio. € zweckentfremdete “Campus-Anleihe”, zzgl. Zinsen und Rückzahlung!) nachgewiesen worden ist.

Die Schreiben liegen uns tatsächlich vor. Was den ablehnenden Bescheid der Staatsanwaltschaft angeht, wird dies insbesondere damit begründet, dass kein Geschädigter vorliege. Das heißt: nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei nach wie vor gesichert, dass die Anlagen-Zeichner ihr Geld zurückbekommen, wenn sie es wünschen. Und Meetz reicht diese Begründung eben nicht aus.

Zweites großes Thema ist die Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung
in eine AG. Auch hier laufen bzw. liefen Strafanträge gegen Richter des Amtsgerichts, darüber hinaus strebt Meetz nach wie vor an, die Ausgliederung anzufechten. Auch hier gab es bisher durch die Bank ablehnende Briefe der Gerichts – mit welchem Ziel gehen Sie weiterhin dagegen an?

Vorbemerkung:
Es gab bisher keinen einzigen ablehnenden Bescheid eines Gerichts. Am 14.08.2014 habe ich die gegen die Richter des Vereins- und Handelsregisters
gerichtete Strafanzeige ergänzt und sie aus gegebener Veranlassung begründet gegen die Justizsenatorin Schiedeck, den Amtsgerichtspräsidenten Rzadtki und den ersten Bürgermeister Scholz erweitert. Gegen den offensichtlich ebenfalls als “Gefälligkeit” erlassenen, abwegigen Bescheid der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 04.09.2014, mit dem die “Aufnahme von Ermittlungen” abgelehnt (!) worden ist (obgleich mir mit Schreiben vom 14.07.2014 die Einleitung des Ermittlungsverfahrens mitgeteilt worden war und die Akten des Vereins- und Handelsregisters von der Staatsanwaltschaft angeblich beigezogen worden sind!) habe ich form- und fristgerecht das gebotene Rechtsmittel “Beschwerde” eingelegt. Dieses Verfahren ist bei der Generalstaatsanwaltschaft anhängig. Gegen die unterzeichnende Staatsanwältin Wichmann habe ich gleichzeitig, wegen der von ihr offensichtlich begangenen strafbaren Handlungen (Rechtsbeugung, Strafvereitelung im Amt und Begünstigung) Strafanzeige gestellt. Mit Schreiben vom 26.09.2014 wurde mir von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass “das Ermittlungsverfahren gegen Wichmann unter o.a. Aktenzeichen geführt wird.” – 3404 Js 358/14. Insoweit verweise ich auf den Inhalt meines Ihnen vorliegenden Schreibens vom 19.09.2014, indem nochmals die strafbaren Handlungen der Beschuldigten begründet nachgewiesen worden sind. Mein simples Ziel ist es, in den Vorgängen die Einhaltung rechtsstaatlicher Normen zu erreichen und in der Folge, die “meinem” HSV entstandenen Schäden von deren Verursachern ersetzen zu lassen.

Dies für Euch einmal als Zwischenstand. Mit Sicherheit werden sich die Verfahren noch hinziehen. Klaus Meetz hat angekündigt, notfalls bis vor das Oberlandesgericht ziehen zu wollen.

Für heute einen schönen Länderspielabend!
Lars 18.14 Uhr

***AKTUALISIERT: HSV verhandelt mit Holtby*** Demirbay: “Ich hätte mir hier eine Chance gewünscht”

25. August 2014

***Der HSV verhandelte bereits vor Wochen vor Ort mit Lewis Holtby über einen Wechsel zum HSV. Sollte Rafael van der Vaart tatsächlich noch wechseln, soll der Ex-Schalker den HSV-Kapitän ersetzen. Der 23-Jährige gilt als Wunschspieler von Dietmar Beiersdorfer und Trainer Mirko Slomka, besitzt aber bei Tottenham noch einen Vertrag bis 2018 und laut transfermarkt.de einen Marktwert von 7,5 Millionen Euro***

Auch zwei Tage nach dem ersten Saisonspiel bin ich noch guter Dinge. Zum einen, weil noch immer Bewegung in der Kaderplanung des HSV ist, zum anderen, weil mich auch der aktuelle Kader glauben lässt, dass es in dieser Saison nicht erneut in die Abstiegszone geht. Und Leute, ganz ehrlich: DAS ist mein Anspruch. Zumindest bis jetzt. Denn die vergangene Saison hat zu deutlich gemacht, wie schnell alles den Bach runtergehen kann. Knapper als letztes Jahr ist noch keine Bundesligamannschaft erstklassig geblieben. Und das habe ich nicht vergessen. Sehe ich dann, dass zehn alte und ein neuer Spieler in Köln auflaufen und das Spiel über die gesamte Spielzeit zu größten Teilen im Griff haben – dann ist es ein erster guter Schritt. Das Glas ist zweifellos halbvoll – nicht halbleer.

Die Umstrukturierung hatte einige kleine Holperer – aber die (oder nur „der“?) neuen Besen kehren inzwischen gut. Allen voran Vorstandsboss und Sportchef in Personalunion, Dietmar Beiersdorfer. Der personifizierte Hoffnungsträger hat in der jetzigen AG mehr Verein geschaffen als der HSV e.V. vorher in den letzten fünf Jahren zusammen hatte. Er nimmt die Mitarbeiter aus dem Ticketing, dem Greenkeeping, der Geschäftsstelle und dem Marketing mit. Er ist mitunter verplant und mutet sich zu viele Termine zugleich zu. Aber er ist verbindlich, persönlich und integrativ. Vor der Saison hat er alle Mitarbeiter in der Mixed Zone versammelt, um von ihnen einen Auftrag mitzunehmen, den er an die Mannschaft herantragen kann. Soll heißen: Saisonziele werden nicht mehr großspurig nach außen getragen, sondern intern getroffen. Zusammen.

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Inzwischen arbeiten alle nicht mehr nur gern für den HSV, plötzlich scheint eine Interessengemeinschaft gefunden zu sein, in der die/der eine die/dem anderen hilft. Dieser HSV wird immer mehr zur Einheit. Auch auf dem Platz. Und die Basis für Letzteres hat Trainer Mirko Slomka gelegt. Er war es, der eine außergewöhnlich lange Vorbereitung angesetzt hat und seine Spieler in diesen acht Wochen gequält hat. Er konnte nie sicher mit neuen Hochkarätern planen und hat seine Arbeit auch nach harter Kritik von außen unbeeindruckt fortgesetzt. Mit sichtbarer Verbesserung.

Das allein macht noch keinen guten Trainer aus. Das ist mir klar. Aber Slomka hat diese für ihn nicht immer einfache Situation bislang nie angeprangert, obgleich er nach wie vor in Hamburg unter dem Druck steht, seine Klasse noch beweisen zu müssen. In der abgelaufenen Saison konnte er ob seines späten Wechsels nach Hamburg nicht auffällig viel verbessern, dafür aber das Minimalziel Klassenrehalt erreichen. Dieses Jahr soll und muss es besser werden. „Ich weiß, dass ich hier schnellen Erfolg haben muss“, wiederholt sich der Trainer seit Wochen. Er ist noch immer unter Druck, das spürt man in fast jedem Gespräch. Aber wer weiß, wozu das gut ist. Zumal das Verhältnis zwischen Slomka und Beiersdorfer gut zu sein scheint. Vertraut auf jeden Fall. Und auch das ist gut.

In Köln war tatsächlich ein Sieg drin. Meines Erachtens hätte der HSV auch mindestens einmal (Rudnevs rein) wechseln müssen, um noch mehr Druck auszuüben. Trotzdem darf man zufrieden sein. Und jetzt kommt Paderborn. Und alle sprechen vom ersten Dreier. Ich auch. Denn leistungsmäßig muss das der Anspruch sein. Zumal der HSV personell langsam wieder aus dem Vollen schöpfen kann. Zoltan Stieber trainierte heute wieder mit Ball und Nicolai Müller wurde in München noch einmal von Nationalelf-Doktor Müller-Wohlfahrt durchgecheckt. Sollte alles soweit in Ordnung sein, soll Müller schon am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Und nachdem zuletzt Slobodan Rajkovic das Training auf dem Platz mit Rehatrainer Markus Günther wieder aufgenommen hatte, ist jetzt auch Gojko Kacar zurück. Der Serbe trainierte heute wieder auf dem Platz und absolvierte dosiertes Lauftraining. Einzig Maxi Beister fehlt weiterhin.

Was genau fehlt, um ihn spielen zu lassen, ist mir bei Kerem Demirbay ehrlich gesagt nicht bekannt. Arslan und Badelj scheinen bei Slomka noch weit vor ihm zu stehen, Valon Behrami allemal. Dabei war der Deutsch-Türke in der Vorbereitung einer der auffälligeren Spieler. In Österreich hatte er eine kurze Durststrecke, ansonsten war er stark. „Ich habe meines Erachtens nach eine echt gute Vorbereitung gespielt“, sagt Demirbay, dem anzumerken ist, dass er enttäuscht ist. Er hatte sich ausgerechnet, in dieser Saison beim HSV seine Chance zu bekommen. Aber irgendwas scheint Slomka zu fehlen. Oder zu stören. Ob er irgendwann einmal etwas zu forsch dem Trainer gegenüber war, habe ich Demirbay gefragt. Immerhin ist der Mittelfeldspieler auf ebenso wie außerhalb des Platzes ein äußerst selbstbewusster, ehrgeiziger Typ. „Nein“, so Demirbay, „ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer und glaube nicht, dass irgendwas zwischen uns steht. Gerade deshalb bin ich so enttäuscht über meine Situation.“

Mit „die Situation“ meint Demirbay die Tatsache, dass er bei Slomka keine Chance erhält. Zuletzt wurde ihm mitgeteilt, dass sich der HSV gut vorstellen kann, ihn zu verleihen. „Meine Berater kümmern sich“, sagt Demirbay, der sich ein Jahr woanders inzwischen gut vorstellen kann: „Leider bekomme ich hier nicht die Chance, mich auf Bundesligaebene zu beweisen. Auch wenn ich das nicht wirklich verstehen kann. Aber ich brauche einfach Spiele. Und so gern ich in Hamburg bin und bleiben will – für meine Entwicklung sind die Spiele unumgänglich. Und wenn sich ein vernünftiger Verein findet, der mich braucht, dann ist das sicher interessant für mich.“ Ob auch ausländische Klubs interessiert sind? „Ich weiß ehrlich noch nicht, wer interessiert ist“, sagt Demirbay, „aber meine Berater, der HSV und ich werden das in den nächsten Tagen besprechen und eine Entscheidung fällen.“ Angeblich soll schon heute Abend eine Entscheidung fallen, in welche Richtung es Demirbay zieht.

Und während es für Jonathan Tah bislang keinerlei Anfragen beim HSV gibt, wäre der Abgang Demirbays der eines weiteren Talentes – allerdings nur auf Zeit. Zum Glück nur auf Zeit, denn Demirbay hat fußballerisch eigentlich alles, was nötig ist – außer Erfahrung. Und obwohl die Situation ein wenig an die Rudnevs-Verleihe (Kreuzer wollte ihn halten, Fink ihn aber partout nicht mehr einsetzen) erinnert, weiß ich aus einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden, dass auch er fußballerisch viel von Demirbay hält. Insofern bleibt Grund zur Annahme, dass ein Verleihgeschäft in diesem Fall tatsächlich gut durchdacht ist. So ein Jahr woanders kann auch gut sein, das hat nicht zuletzt Maxi Beister gezeigt. Zumindest hoffe ich es bei Kerem, so schade ich seinen Abgang auch fände…

Andererseits muss der HSV natürlich auch zusehen, seine Gehaltsetat zu kürzen. Demirbay ist hierbei natürlich nur ein kleiner Anfang, aber mit Per Skjelbred soll der nächste Abgang noch in dieser Woche folgen. Muss er sogar, denn heute in einer Woche ist die Transferperiode beendet. Hertha BSC jedenfalls steht weiter als erster Interessent auf der Liste für den Norweger, dessen Familie noch immer in Berlin wohnt. Ob Artjoms Rudnevs noch verliehen oder gar verkauft wird, ist ebenfalls offen. Dass es Interessenten für den Letten gibt, ist unbestritten. Aber konkret ist noch nichts. Wobei sich bei einem Abgang Rudnevs’ die Frage aufzwängt, wer dafür kommt. Denn nur abgeben funktioniert nicht. Das hat die Vorsaison gezeigt, da der HSV offensiv außer den Außen Nicolai Müller nichts dazubekommen hat. Quantitativ wie qualitativ würde dem HSV Ersatz für den Fall einer Lasogga-Verletzung fehlen. Auch das haben die ersten zwei Pflichtspiele gezeigt.

Im Grunde hat der HSV aktuell einen Stamm von vielleicht acht, neun Spielern, die tatsächlich unumstritten sind und nicht verkauft werden. Ansonsten ist der HSV für alles offen. Notgedrungen. Und das reichte bislang von der Innenverteidigung durchs zentrale Mittelfeld bis ganz nach vorn zu van der Vaart (soll jetzt bleiben), Zoua und Rudnevs. Und falls Ihr mich fragt, ich bin mir ganz sicher, dass Last-Minute-Didi seinem Namen in der letzten Transferwoche noch mal alle Ehre machen wird…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Allerdings ohne mich. Stattdessen meldet sich morgen Dieter bei Euch. Euch allen bis dahin erst einmal einen schönen Abend,

Scholle

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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