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***AKTUALISIERT: HSV verhandelt mit Holtby*** Demirbay: “Ich hätte mir hier eine Chance gewünscht”

25. August 2014

***Der HSV verhandelte bereits vor Wochen vor Ort mit Lewis Holtby über einen Wechsel zum HSV. Sollte Rafael van der Vaart tatsächlich noch wechseln, soll der Ex-Schalker den HSV-Kapitän ersetzen. Der 23-Jährige gilt als Wunschspieler von Dietmar Beiersdorfer und Trainer Mirko Slomka, besitzt aber bei Tottenham noch einen Vertrag bis 2018 und laut transfermarkt.de einen Marktwert von 7,5 Millionen Euro***

Auch zwei Tage nach dem ersten Saisonspiel bin ich noch guter Dinge. Zum einen, weil noch immer Bewegung in der Kaderplanung des HSV ist, zum anderen, weil mich auch der aktuelle Kader glauben lässt, dass es in dieser Saison nicht erneut in die Abstiegszone geht. Und Leute, ganz ehrlich: DAS ist mein Anspruch. Zumindest bis jetzt. Denn die vergangene Saison hat zu deutlich gemacht, wie schnell alles den Bach runtergehen kann. Knapper als letztes Jahr ist noch keine Bundesligamannschaft erstklassig geblieben. Und das habe ich nicht vergessen. Sehe ich dann, dass zehn alte und ein neuer Spieler in Köln auflaufen und das Spiel über die gesamte Spielzeit zu größten Teilen im Griff haben – dann ist es ein erster guter Schritt. Das Glas ist zweifellos halbvoll – nicht halbleer.

Die Umstrukturierung hatte einige kleine Holperer – aber die (oder nur „der“?) neuen Besen kehren inzwischen gut. Allen voran Vorstandsboss und Sportchef in Personalunion, Dietmar Beiersdorfer. Der personifizierte Hoffnungsträger hat in der jetzigen AG mehr Verein geschaffen als der HSV e.V. vorher in den letzten fünf Jahren zusammen hatte. Er nimmt die Mitarbeiter aus dem Ticketing, dem Greenkeeping, der Geschäftsstelle und dem Marketing mit. Er ist mitunter verplant und mutet sich zu viele Termine zugleich zu. Aber er ist verbindlich, persönlich und integrativ. Vor der Saison hat er alle Mitarbeiter in der Mixed Zone versammelt, um von ihnen einen Auftrag mitzunehmen, den er an die Mannschaft herantragen kann. Soll heißen: Saisonziele werden nicht mehr großspurig nach außen getragen, sondern intern getroffen. Zusammen.

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Inzwischen arbeiten alle nicht mehr nur gern für den HSV, plötzlich scheint eine Interessengemeinschaft gefunden zu sein, in der die/der eine die/dem anderen hilft. Dieser HSV wird immer mehr zur Einheit. Auch auf dem Platz. Und die Basis für Letzteres hat Trainer Mirko Slomka gelegt. Er war es, der eine außergewöhnlich lange Vorbereitung angesetzt hat und seine Spieler in diesen acht Wochen gequält hat. Er konnte nie sicher mit neuen Hochkarätern planen und hat seine Arbeit auch nach harter Kritik von außen unbeeindruckt fortgesetzt. Mit sichtbarer Verbesserung.

Das allein macht noch keinen guten Trainer aus. Das ist mir klar. Aber Slomka hat diese für ihn nicht immer einfache Situation bislang nie angeprangert, obgleich er nach wie vor in Hamburg unter dem Druck steht, seine Klasse noch beweisen zu müssen. In der abgelaufenen Saison konnte er ob seines späten Wechsels nach Hamburg nicht auffällig viel verbessern, dafür aber das Minimalziel Klassenrehalt erreichen. Dieses Jahr soll und muss es besser werden. „Ich weiß, dass ich hier schnellen Erfolg haben muss“, wiederholt sich der Trainer seit Wochen. Er ist noch immer unter Druck, das spürt man in fast jedem Gespräch. Aber wer weiß, wozu das gut ist. Zumal das Verhältnis zwischen Slomka und Beiersdorfer gut zu sein scheint. Vertraut auf jeden Fall. Und auch das ist gut.

In Köln war tatsächlich ein Sieg drin. Meines Erachtens hätte der HSV auch mindestens einmal (Rudnevs rein) wechseln müssen, um noch mehr Druck auszuüben. Trotzdem darf man zufrieden sein. Und jetzt kommt Paderborn. Und alle sprechen vom ersten Dreier. Ich auch. Denn leistungsmäßig muss das der Anspruch sein. Zumal der HSV personell langsam wieder aus dem Vollen schöpfen kann. Zoltan Stieber trainierte heute wieder mit Ball und Nicolai Müller wurde in München noch einmal von Nationalelf-Doktor Müller-Wohlfahrt durchgecheckt. Sollte alles soweit in Ordnung sein, soll Müller schon am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Und nachdem zuletzt Slobodan Rajkovic das Training auf dem Platz mit Rehatrainer Markus Günther wieder aufgenommen hatte, ist jetzt auch Gojko Kacar zurück. Der Serbe trainierte heute wieder auf dem Platz und absolvierte dosiertes Lauftraining. Einzig Maxi Beister fehlt weiterhin.

Was genau fehlt, um ihn spielen zu lassen, ist mir bei Kerem Demirbay ehrlich gesagt nicht bekannt. Arslan und Badelj scheinen bei Slomka noch weit vor ihm zu stehen, Valon Behrami allemal. Dabei war der Deutsch-Türke in der Vorbereitung einer der auffälligeren Spieler. In Österreich hatte er eine kurze Durststrecke, ansonsten war er stark. „Ich habe meines Erachtens nach eine echt gute Vorbereitung gespielt“, sagt Demirbay, dem anzumerken ist, dass er enttäuscht ist. Er hatte sich ausgerechnet, in dieser Saison beim HSV seine Chance zu bekommen. Aber irgendwas scheint Slomka zu fehlen. Oder zu stören. Ob er irgendwann einmal etwas zu forsch dem Trainer gegenüber war, habe ich Demirbay gefragt. Immerhin ist der Mittelfeldspieler auf ebenso wie außerhalb des Platzes ein äußerst selbstbewusster, ehrgeiziger Typ. „Nein“, so Demirbay, „ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer und glaube nicht, dass irgendwas zwischen uns steht. Gerade deshalb bin ich so enttäuscht über meine Situation.“

Mit „die Situation“ meint Demirbay die Tatsache, dass er bei Slomka keine Chance erhält. Zuletzt wurde ihm mitgeteilt, dass sich der HSV gut vorstellen kann, ihn zu verleihen. „Meine Berater kümmern sich“, sagt Demirbay, der sich ein Jahr woanders inzwischen gut vorstellen kann: „Leider bekomme ich hier nicht die Chance, mich auf Bundesligaebene zu beweisen. Auch wenn ich das nicht wirklich verstehen kann. Aber ich brauche einfach Spiele. Und so gern ich in Hamburg bin und bleiben will – für meine Entwicklung sind die Spiele unumgänglich. Und wenn sich ein vernünftiger Verein findet, der mich braucht, dann ist das sicher interessant für mich.“ Ob auch ausländische Klubs interessiert sind? „Ich weiß ehrlich noch nicht, wer interessiert ist“, sagt Demirbay, „aber meine Berater, der HSV und ich werden das in den nächsten Tagen besprechen und eine Entscheidung fällen.“ Angeblich soll schon heute Abend eine Entscheidung fallen, in welche Richtung es Demirbay zieht.

Und während es für Jonathan Tah bislang keinerlei Anfragen beim HSV gibt, wäre der Abgang Demirbays der eines weiteren Talentes – allerdings nur auf Zeit. Zum Glück nur auf Zeit, denn Demirbay hat fußballerisch eigentlich alles, was nötig ist – außer Erfahrung. Und obwohl die Situation ein wenig an die Rudnevs-Verleihe (Kreuzer wollte ihn halten, Fink ihn aber partout nicht mehr einsetzen) erinnert, weiß ich aus einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden, dass auch er fußballerisch viel von Demirbay hält. Insofern bleibt Grund zur Annahme, dass ein Verleihgeschäft in diesem Fall tatsächlich gut durchdacht ist. So ein Jahr woanders kann auch gut sein, das hat nicht zuletzt Maxi Beister gezeigt. Zumindest hoffe ich es bei Kerem, so schade ich seinen Abgang auch fände…

Andererseits muss der HSV natürlich auch zusehen, seine Gehaltsetat zu kürzen. Demirbay ist hierbei natürlich nur ein kleiner Anfang, aber mit Per Skjelbred soll der nächste Abgang noch in dieser Woche folgen. Muss er sogar, denn heute in einer Woche ist die Transferperiode beendet. Hertha BSC jedenfalls steht weiter als erster Interessent auf der Liste für den Norweger, dessen Familie noch immer in Berlin wohnt. Ob Artjoms Rudnevs noch verliehen oder gar verkauft wird, ist ebenfalls offen. Dass es Interessenten für den Letten gibt, ist unbestritten. Aber konkret ist noch nichts. Wobei sich bei einem Abgang Rudnevs’ die Frage aufzwängt, wer dafür kommt. Denn nur abgeben funktioniert nicht. Das hat die Vorsaison gezeigt, da der HSV offensiv außer den Außen Nicolai Müller nichts dazubekommen hat. Quantitativ wie qualitativ würde dem HSV Ersatz für den Fall einer Lasogga-Verletzung fehlen. Auch das haben die ersten zwei Pflichtspiele gezeigt.

Im Grunde hat der HSV aktuell einen Stamm von vielleicht acht, neun Spielern, die tatsächlich unumstritten sind und nicht verkauft werden. Ansonsten ist der HSV für alles offen. Notgedrungen. Und das reichte bislang von der Innenverteidigung durchs zentrale Mittelfeld bis ganz nach vorn zu van der Vaart (soll jetzt bleiben), Zoua und Rudnevs. Und falls Ihr mich fragt, ich bin mir ganz sicher, dass Last-Minute-Didi seinem Namen in der letzten Transferwoche noch mal alle Ehre machen wird…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 und um 15.30 Uhr trainiert. Allerdings ohne mich. Stattdessen meldet sich morgen Dieter bei Euch. Euch allen bis dahin erst einmal einen schönen Abend,

Scholle

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