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Auch Heinemann weg – Aufsichtsrat will Sportchef bis 2. Juni finden

23. Mai 2013

***Der HSV hat sein letztes Testspiel in Neuruppin mit 9:0 gewonnen. Bruma (2.), Ilicevic (5.), Rudnevs (34., 49., 51.), Beister (40., 61.), Jiracek (79.) und Nafiu (89.) trafen vor 2700 Zuschauern. Das für Freitag angesetzte Abschlusstraining wurde abgesagt. Feierabend!****

Die Entlassung Frank Arnesens kam für viele zwar nicht überraschend, sorgt aber für kontroverse Diskussionen. Und das, obwohl man sich vereinsintern erstaunlich einig ist bei der Entscheidung. Dafür aber bei den Anhängern. Schuld an allem hat der Aufsichtsrat – und natürlich die Presse. Aber dazu im Anhang an diesen Blog mehr und das auch gern nur für die, die diese sinnfreie Diskussion noch nicht Leid sind.

Dabei gibt es deutlich interessanter Ansätze. Einige davon werden auf unserer neuen Facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) diskutiert. Und das häufig auch sehr ergiebig. Zum Beispiel: Wer ist der beste Nachfolger? Felix Magath? Jörg Schmadtke? Oliver Kreuzer? Oder doch Dietmar Beiersdorfer? Fragen, die auch im Aufsichtsrat diskutiert werden. Natürlich. Denn die Kontrolleure sind bemüht, die Nachfolge möglichst schnell abzuklären. Manfred Ertel verweist darauf, sich einzig dem Thema widmen zu wollen, nicht aber darüber zu sprechen. Schon gar nicht öffentlich. Und der Rest des Rates wartet die Gespräche des Personalausschusses ab. Es herrscht angespannte Ruhe – und das ist auch mal ganz gut.

Zumal wir nicht lange warten müssen. Für Sonntagnachmittag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt. Ob bis dahin ein Nachfolger gefunden ist? Eher unwahrscheinlich. Und das, obwohl der Aufsichtsrat – zumindest ein Teil davon – sehr bemüht ist, die Thematik noch vor der ordentlichen Mitgliederversammlung am 2. Juni zu klären. „Klar ist aber auch, dass wir uns nicht nur des Termines wegen schnell entscheiden sondern alles im Sinne des Vereins machen“, sagt ein Aufsichtsrat, „und wenn das bedeutet, am 2. Juni auf den Deckel zu bekommen, dann ist das so. Wer das nicht abkann, hätte sich nie wählen lassen dürfen.“

Stimmt. Wobei ich mir auch ohne neuen Sportchef ziemlich sicher bin, dass es verbale Haue geben wird…

Aber zurück zur Gegenwart. Es sind keine schönen Tage, diese beim HSV. Heute musste das Trainerteam einen Abgang verzeichnen: Frank Heinemann zieht es nach Bochum zu seinem Kumpel Peter Neururer. „Wir hätten gern mit ihm weiter gearbeitet“, sagt HSV-Vorstandschef Carl Jarchow, bevor er dem ehemaligen Co-Trainer viel Glück wünscht. Und der wiederum wäre gern geblieben. “Ich hatte hier zwei überragende Jahre, aber es lag kein Angebot vor.” Hintergrund: Heinemanns Vertrag wäre Ende Juni ausgelaufen. Gespräche über eine Vertragsverlängerung hatten bislang nicht stattgefunden. Heinemann weiter: “Deshalb habe ich mich umgehört und von meinem guten Freund Peter Neururer vom VfL ein Angebort bekommen und zugesagt.” Wer neuer Assistent von Fink wird ist unklar. Gut möglich, dass der HSV die Position, die mit Patrick Rahmen bereits einfach besetzt ist und bleibt – nicht neu besetzt. Kosten einsparen ist das Zauberwort…

Egal wie, weshalb man nicht schon einige Monate vorher gesprochen hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings auch nicht, weshalb ein Heinemann nicht zu dem seinerzeit noch verantwortlichen Sportchef, Frank Arnesen, gegangen ist und ihn einfach darauf angesprochen/gefragt hat. Die beiden haben sich so oft gesehen und gesprochen – ein Satz in die Richtung hätte wahrscheinlich dieses Versäumnis verhindert. Es sei denn, die Trennung war erwünscht.

Aber irgendwie passt so ein Fall zur gegenwärtigen Situation. Auch, dass sich die mal wieder arg gescholtenen Aufsichtsräte jetzt schweigen. Bis ein Ergebnis vorliegt, wollten sich alle nur auf die Suche und die Kandidaten konzentrieren. Einer der Namen: Jörg Schmadtke. Der Düsseldorfer Ex-Profi und ehemalige Hannover-Sportchef gilt neben anderen als heißester Anwärter, soll aber auch vom 1. FC Köln umworben werden. Pikant hierbei: Anfang 2013 hatte sich Schmadtke nach anhaltenden Querelen in Hannover freistellen lassen und dies mit „privaten Problemen“ begründet. Über die genauen Gründe wurde seinerzeit und wird aktuell im Aufsichtsrat des HSV diskutiert. Klar ist aber, dass Schmadtke, der auch vom 1. FC Köln umworben wird, kein Selbstgänger wird.

Zumal, das möchte ich hier anführen, eine noch bessere Idee kam aus der Schweiz. Telefonisch. Von einem absoluten Insider, wie der sympathisch klingende Herr Sch. mir versicherte. Er sei ein enger Freund von Herrn Kühne und wisse von dem Milliardär und HSV-Fan: „Herr Magath wird’s. Er bekommt von Herrn Kühne 30 Millionen Euro an die Hand und übernimmt den Laden.“ Nachfrage: Ob Kühne das Geld einfach so zahle? „Nein, er hat einen besonderen Sponsor an der Hand: einen Scheich.“ Oha, klingt wie bei 1001 Nacht. Wobei ein Märchen auch eine gelungene Abwechslung zum aktuellen Alptraum sein könnte. Aber weiter im Text. Denn es bleibt nicht allein bei Magath und 30 Millionen, denn der HSV hat noch Größeres vor: „Jupp kommt auch. Zumindest will das Herr Kühne und einige Aufsichtsräte auch.“ Welcher Jupp? „Der Heynckes natürlich. Erste Gespräche gab es bereits“, weiß Herr Sch. Auf die Nachfrage, in welcher Funktion Jupp Heynckes kommen soll und was mit HSV-Trainer Thorsten Fink passiere, kam die schlüssige Antwort: „Beide machen es zusammen. Der Fink soll ja bleiben. Den wollen die nicht loswerden.“ Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: angesichts der gerade frei gewordenen Co-Trainerstelle würde das ganze auch wieder Sinn ergeben. Thorsten Fink rückt einfach eine Position zurück und arbeitet ab sofort als Assistent von und mit Don Jupp. Das hätte was…

Aber mal wieder, zurück zur Realität. Und die stellt mir eine Frage: wer leitet aktuell und bis zur Findung des neuen Sportchefs die sportlichen Geschicke leitet, wenn Arnesen nicht mehr im Amt ist? Wer führt die Verhandlungen beispielsweise mit Heung Min Son weiter? Die Antwort: Carl Jarchow. Der Vorstandsvorsitzende soll sich heute mit Frank Arnesen treffen und eine ordentliche Übergabe vollziehen. Dabei soll Jarchow von Arnesen in allen Verhandlungssachen auf den neuesten Stand gebracht werden.

Der Vorstandsvorsitzende als Sportchef: Eine Situation, die ich noch aus dem Juni 2009 erinnere. Damals musste Arnesens Vorgänger Dietmar Beiersdorfer gehen und Klubboss Bernd Hoffmann übernahm auch den sportlichen Part. Mit mäßigem Erfolg versuchte sich der Marketingexperte als Sportchef und musste dies länger machen, als ihm selbst lieb war, da kein neuer Sportchef gefunden wurde. Bis im Mai 2010 Interimslösung Bastian Reinhardt präsentiert wurde, dem wiederum mit Armin Veh ein erfahrener Trainer zur Seite gestellt wurde. Aber auch dieses Konstrukt hielt nicht einmal ein Jahr – bis Arnesen kam.

Der ist allerdings schon wieder weg. Nach zwei Jahren soll der Vertrag jetzt aufgelöst werden. Die Gespräche darüber laufen derzeit noch, es deutet aber vieles darauf hin, das der Däne einen Großteil seines ausstehenden Jahresgehaltes von zwei Millionen Euro bis Juni 2014 als Abfindung bekommt. Denkbar ist auch, dass der Vertrag einfach weiterläuft. Denn dann müsste sich Arnesen beim HSV melden, sollte er einen neuen Job antreten wollen.

Gemeldet haben sich auch verschiedene Aufsichtsräte bei Felix Magath und Dietmar Beiersdorfer. Offensichtlich gibt es im Kontrollgremium eine nicht gerade kleine Fraktion, die sich einen alten Bekannten nach Hamburg zurückwünscht – und das würde auf beide Kandidaten zutreffen. Gemeldet hat sich auch Dietmar Beiersdorfer, den ich in Russland erreicht habe. Allerdings wollte sich der Sportchef von Zenit St. Petersburg nicht zum Thema HSV-Sportchef äußern, da er in Russland unter Vertrag steht. Mehr als ein „Grundsätzlich interessiert mich immer alles, was beim HSV passiert“, war Beiersdorfer nicht zu entlocken.

Und obwohl ich glaube, dass Beiersdorfer absolut interessiert ist, nach Hamburg zu seiner hier lebenden Familie und zum HSV zurückzukehren, bin ich mir auch sicher, dass er nichts riskieren wird. Ähnlich wie der einstige Topkandidat Andreas Rettig, der plötzlich seinem Arbeitgeber DFL erklären musste, ob er tatsächlich mit dem HSV verhandele und deshalb dem HSV absagte, bevor er seinen Job bei der DFL riskierte. Beiersdorfer gilt als absolut loyaler Typ, der zu seinem Wort steht. Auch bei St. Petersburg, dessen Saison im Juni endet.

Ich weiß aber inzwischen auch, dass Beiersdorfer innerhalb des Aufsichtsrates ein sehr hohes Ansehen genießt. Gut möglich, dass sich der Personalausschuss der Kontrolleure in den nächsten Tagen auch offiziell und mit Aufsichtsratsmandat um den ehemaligen Sportchef des HSV bemüht.

Abschließen möchte ich diesen Blog – zumal im Nachklapp noch mal etwas kontrovers – mit versöhnlichen Worten von Frank Arnesen, der sich via hsv.de zu Wort meldete:

Liebe Fans, Partner, Sponsoren und Freunde des HSV!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Ihnen allen für zwei sehr interessante und intensive Jahre bedanken.

Natürlich bin ich enttäuscht darüber, dass ich meinen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllen werde. Aber ich kann die Entscheidung des Vereins respektieren und akzeptiere sie auch.

Da klar war, dass mein Vertrag kommenden Sommer nicht verlängert worden wäre, kann ich auch nachvollziehen, dass die Entscheidung jetzt so getroffen wurde. Ansonsten hätte es ständig Unruhe und Spekulationen gegeben.

Wir hatten schwere Momente zu überstehen und haben auch schöne Momente gemeinsam erlebt. Alles in allem war die Zeit beim HSV eine sehr gute Erfahrung für mich.

Der Verein ist aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Mit dem siebten Platz haben wir das vor der Saison gesteckte Ziel erreicht. Ich hoffe, dass mein Nachfolger die Dinge in Ruhe weiterentwickeln kann. Dann wird der HSV schon bald wieder dauerhaft im internationalen Geschäft dabei sein, was mich sehr freuen würde.

Ich hatte am Mittwochabend ein freundschaftliches Gespräch mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrates, in dem wir die Trennung professionell besprochen haben. So können wir vernünftig auseinander gehen.

Nochmals vielen Dank an alle. Auch an meine Vorstandskollegen, Mannschaft, Trainer und Mitarbeiter des HSV.

Viel Erfolg für die Zukunft.

Frank Arnesen

In diesem Sinne, Dir auch alles Gute, Frank! Und Euch sage ich: bis morgen. Da meldet sich dann Dieter wieder bei Euch.

Scholle

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Wer die Diskussion um Dieters und meine Rolle im HSV-Geschehen ebenso Leid ist wie ich, der/die kann sich an dieser Stelle ausklinken. Wer noch nicht weiß, dass wir nicht als Fans oder HSV-Offizielle bloggen und sich über unsere Kritik am Klub, an einzelnen und der Darstellung der Indiskretionen ärgert, kann gern weiterlesen. Für mich ist das Thema mit dem Punkt am Ende des letzten Satzes beendet.

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Aber: Einige Unbelehrbare wie „Ostermann“ („Mann, Scholle, ist das armselig.
Gestern noch den Sportchef denunziert, quasi verbal bespuckt und getreten und heute die öffentliche Demission als Posse anderer bezeichnen.
Würg!) schaffen es einfach nicht, den Beruf des Journalisten einzustufen. Ich bin einer und sicher nicht dafür verantwortlich, dass es dem HSV schlecht geht. Das machen die Verantwortlichen höchstselbst. Ich bin auf der anderen Seite auch nicht dafür verantwortlich, dass es dem Klub gut geht. So viel Einfluss habe ich nicht, will ich nicht und bekomme ich auch nicht. Ich bin ein Berichterstatter, der sich über HSV-Siege freut. Oder bedarf es einer noch genaueren Erklärung?

Vor allem aber: Wo bitte habe ich Arnesen denunziert, „Ostermann“? Ihr verlangt von mir, alles zigfach zu überdenken, ehe ich es poste. Und macht das selbst dann nicht. Vor allem: Wer bist Du, mir sowas vorzuwerfen? Kennen wir uns? Habe ich Dir gegenüber jemals etwas schlechtes über Frank Arnesen – zudem noch hinter seinem Rücken gesagt? Weißt Du vielleicht sogar mehr als ich über mich? Nein! Definitiv nicht. Im Gegenteil: Ich schreibe meine Gedanken in einem als personalisiert gekennzeichneten Blog auf. Für alle sicht- und lesbar. Auch für Arnesen. Und vor allem: Ich spreche sogar ehrlich und persönlich mit Frank Arnesen darüber. Und der mag nicht gern kritisiert werden, wer mag das schon?! Aber er mag es, wenn man ehrlich mit ihm umgeht. Und genau deshalb haben wir selbst jetzt noch ein sehr gutes und professionelles Verhältnis zueinander. Da fließt kein böses Blut, da ist nichts zu sehen von „absägen“ oder gar „denunzieren“.

Im Gegenteil. Nur ein Beispiel von vielen: Ich habe Arnesen im Trainingslager im Januar 2012 gefragt, ob er die Bundesliga unterschätzt hat. Weil ich das Gefühl hatte, dass dem so war. Die Frage an sich ist schon ein harter Kritikpunkt. Aber Arnesen war nicht sauer und hat ehrlich geantwortet: ja. Und obwohl es ein wunderbar offenes und ehrliches Gespräch war, habe ich selbstverständlich geschrieben, dass das ein großer Fehler des Sportchefs war und dass das einige Einkäufe nachträglich erklärt. Und wisst Ihr was? Selbst damit kam Arnesen klar. Er sprach weiterhin offen und ehrlich mit mir. So, wie mit fast allen anderen Journalisten auch. Er war nicht immer meiner Meinung, sah einiges anders – aber das war klar und absolut okay. Darüber wurde dann kurz diskutiert, ohne sich jemals zu verunglimpfen. Weil es normal ist. Weil es auch richtig so ist. Und genau so komme ich damit wunderbar klar. Nicht anders.

Danke.

Sportchefposse, Teil zwei? Aufsichtsrat beurlaubt Arnesen!

22. Mai 2013

Und täglich grüßt das Murmeltier… Wenn es nicht so tragisch wäre, es wäre schon fast wieder komisch. Allerdings offenbart die Sportchef-Posse, die es schon jetzt wieder einmal ist, die Problematik des HSV in vollen Umfängen. Mal wieder wird ein im Geschäft nicht unüblicher Vorgang frühzeitig bekannt und dadurch problematisch – es sagen wie Andreas Rettig sogar schon Kandidaten ab, bevor es offizielle Verhandlungsmandate gibt. Nur, um eines klarzustellen: Der Vorgang findet bundesweit bei fast allen Proficlubs in ähnlicher Form statt. Sogar fast genau so, wie jetzt beim HSV. Der wesentliche Unterschied dabei: Bei den meisten Clubs wird das nicht bekannt, bevor Tatsachen geschaffen werden. Selbst die Entlassung Arnesens wurde vermeldet, bevor der Auflösungsvertrag unterschrieben wurde.

Warum wieder alles bekannt wurde?

Weil schon gremienintern nichts geheim bleibt. Das oberste Vereinsgremium schafft es nicht, geschlossen ein Projekt zu verfolgen. Auch, weil der Personalausschuss (Ertel, Strauß, Meier, Westphalen) eigenmächtig Verhandlungen aufgenommen hatte und die anderen sich übergangenen fühlen. Allerdings, und damit komme ich zum banalen Kern des Kernproblems: wenn die anderen Räte den HSV an erster Stelle hätten, würden sie intern rügen und nach außen ruhig sein – zum Wohle der Sportchefsuche, zum Wohle des HSV. Denn alle wissen, dass das Bekanntwerden Kandidaten die aktuelle Verhandlungsposition des HSV mit möglichen Zugängen schwächt, Spieler abschreckt und die Suche nach einem neuen Sportchef massiv erschwert. Aber leider können einige der elf Räte ihr Ego einfach nicht hinter das Vereinswohl hintenanstellen. Und das kann böse auf den HSV zurückfallen – wenn sie nicht schnell den neuen Mann finden, der alles richtet.

Und auf dem Weg dahin musste der Aufsichtsrat einen ersten Kandidaten wieder streichen: Andreas Rettig. Der DFL-Geschäftsführer sagt ab. „Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag bei der DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mitgeteilt“, ließ Rettig per Pressemitteilung verlauten. Und es ist kein Geheimnis mehr, dass Rettig der frühen öffentlichen Diskussion um seine Person vorbeugen wollte und durch das sich anbahnenden monatelange Hin und Her Schaden für sich und seinen Posten bei der DFL befürchtet hat. Zu recht.

Es ist schon bitter, dass sich beim HSV auf oberster Ebene gegenseitig Knüppel in die Beine geschmissen werden. Und ausgerechnet derjenige, der bei der letzten Sportchefsuche – damals in seiner Funktion als Journalist – die zugegebenermaßen ebenso dilettantische Sportchefsuche des HSV sinngemäß als dilettantisch bezeichnete, ist jetzt eine der Triebfedern bei der Wiederholung der Posse. Und ich kann nur hoffen, dass der HSV sich der Folgen der damaligen Sportchefposse bewusst wird – denn die führten dazu, dass der HSV heute da steht, wo er steht – und diesmal schnell einen Nachfolger präsentiert.

Wo er beim HSV steht, weiß auch Felix Magath nicht. Der hat zwar den prominentesten Namen aller bisher genannten Kandidaten, steht aber längst nicht ganz oben auf der Liste. Und das, obwohl der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel noch immer einer facebook-Gruppe angehört, die den Arbeitstitel „Lieber Herr Magath, kommen sie nach Hause“ (https://www.facebook.com/pages/busty-kat/179834642095723#!/photo.php?fbid=374538292654598&set=a.319699004805194.71689.319662298142198&type=1&theater) hat. Dem Europapokalhelden Magath lagen zwar inoffizielle Anfragen einzelner Aufsichtsräte vor – aber das hat noch nichts zu bedeuten. Offizielle Anfragen kann es letztlich nur mit Aufsichtsratsmandat vom Personalausschuss der Kontrolleure geben. Und das war bisher nicht der Fall. Im Gegenteil, es kocht mal wieder jeder Rat sein eigenes Süppchen…

Weiterhin oben auf der Wunschliste rangiert dem Vernehmen nach durch die Absage Rettigs jetzt Jörg Schmadtke. Der ehemalige Düsseldorf-Keeper und zuletzt Sportchef von Hannover 96 gilt als schwieriger Zeitgenosse im Umgang, als Talententdecker – aber nicht als Visionär in Sachen Nachwuchsarbeit. Seine Transfers bei Hannover 96 als Basis genommen, würde ich ihm ein gutes Auge attestieren. Allerdings macht es mich ein wenig stutzig, dass sich Schmadtke aus privaten Gründen bis zu seinem Ende im April bei Hannover 96 rausgezogen hatte und immer wieder davon gesprochen hatte, auch einen kompletten Ausstieg nicht auszuschließen. Zumal er dabei immer wieder seinen Wunsch formulierte, in der Nähe seiner in Düsseldorf lebenden Familie sein zu wollen.

Aber, und da bin ich mir ganz sicher, es werden noch viele Namen öffentlich gespielt, ehe es den finalen Kandidaten gibt. Rettig – gestrichen. Magath – teuer und unwahrscheinlich. Schmadtke – sicher ein Kandidat. Ebenso wie KSC-Macher Oliver Kreuzer. Und auch Dietmar Beiersdorfer. Der wurde in den letzten Wochen immer wieder mal angerufen. Auch von Aufsichtsräten. Immerhin ist bekannt, dass Beiersdorfer seine Heimat beim HSV sieht. Und etwas mehr Identifikation mit dem HSV tut dem Klub nur gut. Zumal dann, wenn sie mit fachlicher Kompetenz verbunden ist. Aber Beiersdorfer wollte sich auf keine näheren Gespräche einlassen, solange keine Fakten geschaffen werden. Zudem müsste der Aufsichtsrat – und damit schließt sich eine Beiersdorfer-Rückholaktion eigentlich schon aus – geschlossen hinter der Verpflichtung stehen.

Das ist eine Bedingung von Beiersdorfer, der seine Lehren aus dem unrühmlichen Ende im Juni 2009 gezogen hat. Damals fühlte sich Beiersdorfer vom Aufsichtsrat im Stich gelassen. Zudem teilte Beiersdorfer den Kontrolleuren mit, dass er einen laufenden Vertrag habe (der zudem sehr gut bezahlt ist…), den er grundsätzlich einhalten wolle. Wenn er früher gehen würde, müsste er es dem Klub rechtzeitig mitteilen können. Und dieser Zeitpunkt scheint bereits verpasst zu sein. Und so bliebe Beiersdorfer am Ende einer von vielen Namen, die gehandelt wurden. Einer von vielen. Auch von einigen, die wir noch gar nicht genannt haben – aber sicher nennen werden. Weil einer immer redet.

Reden wollten auch Frank Arnesen und Heung Min Sons Berater Thies Bliemeister über einen neuen Vertrag. Das dürfte hinfällig sein. Ausgerechnet jetzt in der entscheidenden Phase – aber das hatten wir ja schon eingangs des Blogs. Auf jeden Fall aber scheint jetzt nach Tottenham und Dortmund auch Bayer Leverkusen richtig Ernst zu machen. Die Werkself ist wie der BVB an einer Verpflichtung von Bremens vom FC Chelsea ausgeliehenem Kevin de Bruyne (wie gern ich den hier sehen würde….!) interessiert, der Belgier aber tendiert zum BVB. Sollte Bayer seinen Wunschspieler nicht kriegen, soll Son die Lücke schließen. Geld genug ist vorhanden, Champions League ist erreicht – und der HSV führungslos. Wer jetzt auf Sons Verbleib wettet, dürfte gute Quoten bekommen…

Abgelehnt wurde Arnesens Vertragsentwurf für eine Verlängerung des Ersatzkeepers Jaroslav Drobny. Zu teuer, heißt es. Und: nachverhandeln! Nur, wer das macht, ist fraglicher denn je. Scheel wohl eher nicht. Also Jarchow? Oder doch Hilke, der schon beim Transfer van der Vaarts Verhandlungen übernommen hatte? Hauptsache, es macht jemand, bevor sich der/die Spieler gegen den HSV entscheiden.

Es bleibt festzuhalten: Gewonnen hat der HSV mal wieder nichts. Im Gegenteil, er verliert. Mal wieder. Viel Renommee – und viel Zeit. Viel wertvolle Zeit, um zweifellos vorhandene Mängel im Kader zu beheben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Für Sonntag ist die nächste Aufsichtsratssitzung anberaumt – und es könnte schon Ergebnisse geben. Obwohl, ganz ehrlich? Es sollte unbedingt Ergebnisse geben.

Und zum Abschluss: Dass ich hier eine Petition, bei der inzwischen schon 3000 Leute für Arnesen unterschrieben haben, unerwähnt gelassen habe, hat ebenso wenig politische Hintergründe wie sportliche Relevanz für die Causa Arnesen, die am heutigen Mittwochabend vom Aufsichtsrat persönlich mit Arnesen abgeschlossen werden soll. Ich will auch den Protestmarsch am 29. Mai nicht verschweigen, wo friedlich gegen den Aufsichtsrat demonstriert werden soll, wie es heißt. Der Marsch beginnt am 29. Mai um 18.30 Uhr auf dem Parkplatz braun. Wobei beide Fakten für mich nur einmal mehr unterstreichen, dass im Moment bei diesem HSV nicht viel zusammenpasst. Nicht einmal, was zusammen gehört.

In diesem Sinne, sofern nichts Dramatisches mehr passiert – bis morgen. Da werde ich den Tag über unsere neue facebook-Seite (www.facebook.com/groups/matzab) versorgen und am Abend vom HSV aus Neuruppin berichten.

Bis dahin, Euch allen einen schönen Restmittwoch!
Scholle

Arnesens Nachfolge Thema im Aufsichtsrat – der Blog ***Neu: Rettig sagt dem HSV ab***

21. Mai 2013

***Rettig sagt ab: Wunschkandidate Andreas Rettig hat dem HSV abegsagt. Der DFL-Geschäftsführer soll dem Vernehmen nach Zweifel gehabt haben, ob er durch die öffentliche Hängepartie sich und seinem aktuellen Arbeitgeber, für den er erst seit sechs Mopnaten tätig ist, Schaden zufügt. “Ich habe einen bis Ende 2015 laufenden Vertrag beid er DFL, den werde ich erfüllen. Das habe ich auch Liga-Präsident Rauball mnitgeteilt.”***

Es geht in die Vollen. Und das weniger unerwartet als viele meinen. Denn dass der Aufsichtsrat nicht wirklich zufrieden mit der Arbeit des Sportchefs war, hatte ich hier bereits vor einigen Monaten das erste Mal geschrieben. Auch, dass man sich Gedanken darüber machen würde, wie man sich auf der Position optimal besetzen könne. Vor allem: ob mit oder ohne Arnesen. Und in dieser Frage scheint eine Entscheidung gefunden zu sein: es wird wohl ohne den Dänen geplant. Inwieweit das jetzt schon für die aktuelle Kaderplanung zutrifft – offen. Zuletzt hatte sich Arnesen zusammen mit Trainer Thorsten Fink nach Mailand begeben um dort mit Bojan Krkic zu sprechen. Allerdings heißt es intern schon seit längerer Zeit, Arnesen sei nicht mehr alleiniger Entscheider und nicht mehr erster Ansprechpartner. Und der Neue stünde schon vor der Tür.

Dass hier plötzlich Leute die Arnesen-Bilanzen loben ist legitim. Was auch sonst? Stichwort Meinungsfreiheit. Dass sich aber einige hier aufschwingen und einen Manager wie Andreas Rettig als zu kleine Lösung abqualifizieren – Respekt! Der Mann hat schon ein paar Stationen hinter sich, hat Erfahrungen in Leverkusen, Freiburg, Köln und Augsburg gesammelt. Und er arbeitet bei der DFL als Geschäftsführer in einer Position, die nicht wirklich als ABM-Stelle ausgeschrieben wurde… Dem jetzt nachsagen zu wollen, er könne nicht HSV – ohne mich.

Allerdings, über die Eignung darf diskutiert werden. Wobei für mich entscheidend ist, dabei die Relationen im Blick zu behalten. Auf die Frage, warum Arnesen nicht in seinem warmen Nest in Chelsea geblieben ist, gibt es beispielsweise eine klare Antwort: Chelsea hatte Arnesen bereits im Laufe der Saison freigestellt, noch bevor er beim HSV unterschrieben hatte. Die sich daraus ergebende Gegenfrage „warum hat Arnesen seinen Job in Hamburg dann nicht deutlich eher angetreten?“ ist ebenso schnell und klar beantwortet: Er hätte beim FC Chelsea auf viel Geld verzichten müssen. Hat er aber nicht. Auch das ist okay. Wenn er es ehrlich zugeben würde. Was er nicht will. Aber auch damit kann ich leben.

Leben müssen wir alle mit einem Füllhorn neuer Sportchefs in Hamburg. Das gehört in solchen Phasen dazu. Obwohl der eine noch gar nicht gegangen ist, werden schon neue Namen gehandelt. Ob es ihn nachdenklich stimmt, so wenig Wertschätzung zu erfahren? „Nachdenklich nicht“, antwortet Arnesen, „was bedeutet schon Wertschätzung? Ich bin ein Profi und weiß, wie das Geschäft funktioniert.“ In aller Härte.

Und so werden in den nächsten Tagen weitere Namen kommen. Neben Rettig kommen auch Jörg Schmadtke und Oliver Kreuzer wieder aufs Trapez, zudem dürften altbekannte Namen wie Dietmar Beiersdorfer und sogar Martin Jol schnell aufgenommen werden. Bis auf Jol haben alle Kandidaten schon Gespräche mit Vereinsoffiziellen geführt, in denen mal so ganz nebenbei und unverbindlich die grundsätzliche Bereitschaft abgefragt wurde. Und Jol würde sich laut englischen und niederländischen Medien für den Managerposten interessieren. Kurios. Allerdings bringt der “Engländer” den Faktor, ein echter Sympathieträger zu sein, mit. Und dieser Faktor ist im Aufsichtsrat nicht zu unterschätzen.

Wobei die Räte intern gerade gar nicht sympathisch miteinander umgehen und eher mal wieder ein wenig verstimmt sind, ob des eigenwilligen Handelns einiger im Personalausschuss (Ertel, Jens Meier, Christian Strauß, Eckart Westphalen). Die waren nicht offiziell vom Gremium beauftragt worden, mit Kandidaten zu sprechen – taten dies aber nachweislich. „Wir werden nie einen geschlossen auftretenden Verein haben können, wenn wir in unserer Funktion nicht geschlossen und loyal auftreten“, kritisiert ein Aufsichtsrat. Und während dieser Kontrolleur überrascht über den Zeitpunkt der Diskussion ist, sagte mir heute ein anderer am Telefon: „Die Diskussion ist keinem neu. Aber sie gehört normalerweise nicht ins Vorfeld einer Saisonbilanz.“ Und die soll dem Vernehmen nach am 30. Mai stattfinden, wenn sich der Vorstand inklusive Frank Arnesen vor dem Aufsichtsrat verantwortet.

Vor allem aber wird klar: in Hamburg dreht sich das Transferkarussell mal wieder falsch herum. Anstatt jetzt eine ausgewogene Spielersuche und Kaderplanung umzusetzen, wird der Sportchef in Frage gestellt. Zu spät – oder eben zu früh. Eines von beiden ganz sicher. Aber sicher ist auch, dass das jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Immerhin ist Arnesen der Mann, dem man bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg alleinige Verantwortung zugesichert hatte. Der Mann, der zum teuersten Sportchef der Vereinsgeschichte aufstieg. Aber vor allem ist der Däne derjenige, der den Kader für die neue Saison plant. Er stellt zusammen mit dem Trainer eine Wunschliste zusammen, anhand derer die Gespräche mit den neuen geführt werden. Und er bringt seine Philosophie ein – bislang. Geht es nach dem Aufsichtsrat soll er dies nicht mehr lange verantworten.

Allerdings ist dieses Vorgehen fragwürdig, will man nicht die kommende Saison mit Nachteilen beginnen. Käme jetzt ein Neuer, ich bin mir ganz sicher, der würde mit vielen Arnesen-Ideen nicht so glücklich, weil er seine eigenen hat. Und der Neue hätte nicht die Zeit und den Vorlauf, alle Problemzonen beim HSV zu erkennen und gegenan zu arbeiten. Dafür aber hätte er immer die Ausreden, eben all die eben genannten Umstände erlebt zu haben. Auch er wäre frühestens ab der Wintertransferperiode wirklich zu beurteilen.

Warum also so spät mit dieser Diskussion begonnen wird? Keine Ahnung. Bislang galt ein Arnesen-Rauswurf als nicht zu realisieren, da eine saftige Abfindung fällig würde. Hintergrund: Arnesens Vertrag mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro per annum läuft noch bis 2014. Die Diskussion – das muss hier erwähnt werden – gibt es jedoch schon seit Monaten. Auch hier im Blog geschrieben, wenn Ihr Euch erinnert. Arnesen wurden zu lange Urlaube, zu wenig Transfererlöse im vergangenen Winter und ein unzureichendes Netzwerk vorgeworfen. Dem Mann wohlgemerkt, der bei seinem Einstieg als „Sportchef mit dem dicksten Telefonbuch“ vorgestellt wurde. Daran bestanden bei der Vorstellung neuer Spieler bereits erste Zweifel. Die fehlenden Verkäufe in diesem Winter gaben den meisten Aufsichtsräten den Rest. Die Frage aber ist: Reagiert der Aufsichtsrat zu spät? Oder ist er voreilig? Beides könnte fatale Folgen haben.

Obwohl auch klar ist, dass das Thema jetzt Fahrt aufgenommen hat und bei der heutigen Aufsichtsratssitzung weiter aufnehmen wird. Dort sollte es kurz einberufen eigentlich nur um die Verlängerung des Vertrages von Frank Heinemann gehen, der in sechs Wochen ausläuft – der aber von Arnesen ebenso wenig wie von seinen Vorstandskollegen bearbeitet geschweige denn verhandelt wurde. „Wir werden auch über andere Dinge sprechen, so viel ist klar“, kündigte ein Aufsichtsrat an – verstimmt über die ratsinterne Informationspolitik. Das Thema Ertel/Hoeneß hingegen soll nicht aufgenommen werden.

Eigentlich wollte ich Euch jetzt schon mit der einen oder anderen Neuigkeit aus der AR-Sitzung kommen. Allerdings ist damit heute eher nicht zu rechnen. Wird gemutmaßt. Die Herren tagen aber noch. Die beiden zu verlängernden Verträge werden wohl abgestimmt – und dieses Ergebnis liefere ich Euch dann sofort mit – aber in Sachen Arnesen soll es heute kein offizielles Statement geben. Sollte sich das wider Erwarten ändern, werde ich den Blog ebenfalls noch mal aktualisieren.

Bis dahin Euch allen erst einmal einen schönen Abend. Bis gleich. Oder morgen. Da ist kein Training, da die Mannschaft in Neuruppin weilt und dort dem Vernehmen nach eine Menge Spaß hat. Noch mit Arnesen, der morgen (am Mittwoch) wieder nach Hamburg reist, um sich dort mit der gesamten Scoutingabteilung zusammenzusetzen.

Scholle


*****Ergänzung: Nachdem die AR-Sitzung um kurz nach Mitternacht beendet war, wollten sich die Kontrolleure nicht zum Thema Arnesen äußern. Außer, dass der Däne zusammen mit seinen Vorstandskollegen den Vertrag für Drobny nachverhandeln solle. Soll heißen: der erste Vertragsentwurf für den Ersatzkeeper wurde vom AR abgelehnt. Zu teuer…

Fortsetzung folgt.

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