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Kein April-Scherz: Guerrero vorläufig suspendiert!

1. April 2011

Als ich das Training heute beobachtete, war mir sofort klar: Meine Wette verliere ich. In der Form wird Paolo Guerrero niemals von Beginn an spielen. Als er dann bei den Standards schon ins B-Team gesteckt wurde und dies auch im Abschlussspiel blieb, war klar: der Peruaner bleibt draußen. An seiner Stelle spielte Heung Min Son neben dem zum Glück wieder genesenen Mladen Petric. Dass es am Ende aber noch härter für Guerrero kommen sollte, hatte ich nicht gedacht. Schließlich strich Cheftrainer Michael Oenning den Peruaner aus dem Kader.

Ein Grund dafür dürfte ein Radio-Interview mit dem peruanischen Sender „CPN Radio“ gewesen sein, das Guerrero während seiner Länderspielreise gegeben hatte. Darin wird er nach seiner Form gefragt und beantwortet die Frage mit: „Ich denke, langsam erreiche ich mein bestes Niveau. Ich wog 84 Kilo, jetzt 79. Ich fühle mich viel leichter. Wenn ich mein bestes Niveau erreicht habe, werde ich wohl den Verein wechseln. Das wird in den nächsten Monaten passieren.“ Paolo selbst stellte die Antwort heute etwas anders dar: „Ich habe gesagt, dass ich mich darauf konzentrieren muss, mein bestes Niveau zu erreichen. Dann kämen sicher auch große Klubs. Daraufhin fragte man mich, wann das passieren würde und ich habe geantwortet: ‚Das kann immer passieren, sogar in den nächsten Monaten‘. Aber ich habe auch gesagt, dass ich mich beim HSV sehr wohl fühle, und dass ich bleiben will. Und jetzt habe ich richtig Probleme.“ Mehr als das. Er ist für das Spiel in Hoffenheim suspendiert. Eine Aufhebung der Strafe ist längst nicht garantiert.

Eine Dummheit des in den letzten Jahren immer wieder mit derartigen Schlagzeilen aufwartenden Angreifers. Und so hoch ich seine sportliche Qualität einschätze, so schwach ist er im sozialen Umgang. Er lernt es einfach nicht. Nachdem er nun schon für gravierende Dinge wie den Flaschenwurf, aber auch für die albernsten Dinge öffentlich aufgeknüpft worden war, muss er wissen, dass er unter einer ganz besonderen Beobachtung steht. Und gerade in Peru hatten ihm die Medien (Zeitung, Fernsehen und Radio) in den letzten Jahren das Leben schwer gemacht. Ihm wurden Liebesaffären zugeschrieben, während er hier eine Freundin hatte. Ihm wurden überzogen lange Disco-Nächte nachgesagt – wofür eine Journalistin wegen Falschaussage sogar verurteilt wurde. Ergo: dort wird es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. „Die schreiben ganze Interviews, ohne jemals mit mir gesprochen zu haben“, hatte mir Guerrero mal erzählt. Damals hatte er mir auch gesagt, er würde aus Prinzip nicht mehr mit peruanischen Journalisten reden.

Was ich gut fand. Es klang einfach logisch und richtig. Bis er alles selbst mit diesem dummen Radio-Interview über den Haufen schmiss.

Und was die ganze Sache noch schlimmer macht: das Interview war wohl nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht haben soll. Es sei eine Marginalie im Gegensatz zu den anderen Gründen, die zur Suspendierung geführt hätten. So soll sich Paolo in den letzten Tagen und Wochen intern undiszipliniert verhalten haben. Wie genau, darüber gab es keine Auskunft. Vielleicht auch, um die Sache nicht noch schlimmer zu machen. Immerhin hat der Peruaner in Hamburg noch einen Vertrag bis 2014, und soll dem Vernehmen nach im Sommer trotzdem abgegeben werden. Das allerdings möglichst teuer. Großes Theater – und ganz sicher Kadersuspendierungen – würden den Marktpreis von aktuell 6,5 Millionen Euro (Quelle: Transfermarkt.de) unnötig senken. Schon deshalb dürfte Guerrero in den nächsten Wochen noch auf seine Einsätze kommen.

Das gilt auch für Dennis Diekmeier. Zum Glück nur das mit den Einsätzen. Denn der Rechtsverteidiger gilt als gesetzt. Trainer Michael Oenning hatte zuletzt die Qualitäten seines Schützlings aus Nürnberg immer wieder betont. Worte, die Diekmeier nicht wundern. „Er weiß, was er an mir hat, er kennt mich schon länger“, so Diekmeier, der gegen Hoffenheim zum zweiten Mal in Folge und demnach zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf steht. Und das, obwohl er erst seit Anfang März wieder im Mannschaftstraining ist, davor die gesamte Saison ausgefallen war. „Gegen Köln ging es 55 Minuten lang schon sehr gut“, sagt Diekmeier, der in den zwei Wochen Länderspielpause viel Kraft gesammelt hat: „Die Einheiten waren gut für mich. Ich bin bereit für 90 Minuten.“

Diekmeier beginnt hinten rechts und soll mit seiner überdurchschnittlichen Geschwindigkeit immer wieder für gefährliche Vorstöße über die rechte Seite sorgen. Vor ihm startet Änis Ben-Hatira, der dem pfeilschnellen Außenverteidiger Vorstößer ermöglichen soll: „Änis ist sehr laufstark“, lobt Diekmeier seinen Kompagnon auf rechts, „wenn ich mit nach vorne gehe, ist er immer in der Lage, mich defensiv abzusichern.“

Apropos Laufstärke, die wurde in der Länderspielpause hart trainiert. Härter als sonst. Kraft- und Ausdauerübungen gaben sich die Hand. „Da waren drei Tage so hart wie sonst sieben Tage“, sagt Kapitän Heiko Westermann, der gegen Hoffenheim wieder zentral-defensiv im Mittelfeld beginnen wird. In der Innenverteidigung erhielt heute Gojko Kacar wieder den Vorzug. Dafür muss David Jarolim wieder auf die Bank.

„Mir ist egal, ob auf der Sechs oder in der Innenverteidigung – Hauptsache eine zentrale Position“, sagt Westermann, der dann noch ehrlich nachlegt, dass gerade im Hinblick auf die Nationalmannschaft, für die er nicht nominiert worden war, dauerhafte Einsätze in der Innenverteidigung, seiner eigentlichen Position, hilfreich wären. „Das stimmt. Das wäre sicher schön und hilfreich“, so Westermann, der sich allerdings nicht zum Inhalt von Personaldiskussionen machen will. „Das ist nicht angebracht“, so der Kapitän, „wir müssen jetzt zwei, drei Spiele in Folge gewinnen, um überhaupt wieder in die Nähe unseres Zieles zu kommen.“ Und das heißt weiterhin Europa League.

Da dies nur mit Zusammenhalt innerhalb des Vereines zu schaffen ist, hat sich Michael Oenning als Ziel auf die Fahnen geschrieben, jegliche Unruhe im Keim zu ersticken. So geschehen bei Rost/Aogo, jetzt bei Guerrero – und mit Sicherheit auch bei jeder weiteren Verfehlung. Und das ist gut so.

Gut ist auch, dass in Hoffenheim offensiv agiert werden soll. Aus dem Auswärtsspiel ein Heimspiel machen – so ähnlich hatte schon Ernst Happel gedacht und den HSV einst zu einer Serie von 36 Spielen ohne Niederlage geführt. Wobei, um mal wieder etwas ernster zu werden, mir vorerst ein Sieg gegen Hoffenheim reichen würde. Mit den drei Punkten würde der HSV den Anschluss an den fünften Rang halten oder gar verkürzen können. Und das soll in der von Tobias Welz (Wiesbaden) geleiteten Partie mit folgender Aufstellung gelingen: Rost – Diekmeier, Kacar, Mathijsen, Aogo – Ben-Hatira, Westermann, Zé Roberto, Elia – Son, Petric. Ebenfalls noch im Kader sind: Tom Mickel, Marcell Jansen, Robert Tesche, David Jarolim, Guy Demel, Piotr Trochowski, Tunay Torun.

Klingt gut. Wird gut! Hoffentlich.

In diesem Sinne,

Scholle

P.S.: Die per Petition angestrebte außerordentliche Mitgliederversammlung ist jetzt nach intensiven Gesprächen zwischen Verein und der Initiative „Pro HSV“ zu einer Info-Veranstaltung umfunktioniert und auf den 22. Mai gelegt worden.

P.P.S.: Ruud van Nistelrooy absolvierte heute nach Trainingsende als einziger noch 400-Meter-Runden auf Zeit bei Fitnesstrainer Günter Kern.

P.P.P.S: Weil es hier gefragt wurde, möchte ich kurz antworten: Ich halte nicht viel davon, dass hier in der Darstellung des Blogs viel verändert wird. Ich bin der Meinung, dass mein Name als Autor am Ende des Blogs absolut ausreicht, um den Leser über den Verfasser des Artikels zu informieren. Ich hoffe, Euch reicht das auch.

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