Archiv für das Tag 'Ertel'

Fink outet sich: “Mein Ziel ist die Europa League”

30. April 2013

Der Typ ist witzig, da lege ich mich fest. Und das sage ich gern auch gegen den Widerstand meiner Kollegen, nachdem Jaroslav Drobny noch immer aus nur ihm bekannten Gründen Gespräche mit der Presse boykottiert. Was aber noch viel wichtiger als sein Sympathiefaktor ist, ist seine Leistungsstärke. Und die hat der Tscheche zuletzt beim 1:0-Erfolg gegen Mönchengladbach unter Beweis gestellt. „Er ist da, wenn man ihn braucht“, hatte der damals noch als Kapitän fungierende Heiko Westermann gesagt – und er hat echt. Hoffentlich. Denn auch am Sonntag beim Spiel gegen den wieder erstarkten VfL Wolfsburg steht Drobny zwischen den Pfosten. Was er dazu sagt? Uns natürlich weiterhin nichts…

Muss er aber auch nicht. Besser ist eh, er lässt Taten sprechen. Und davon gehen beim HSV alle aus. Allen voran Trainer Thorsten Fink.“ Drobo ist ein richtig guter Keeper, dass wir dem voll vertrauen, muss ich gar nicht sagen. Wir haben mit ihm eine zweite Nummer eins, der sich als Teamplayer hervorgetan hat und der für genau diese Momente arbeitet.“ Für die Spiele. Wobei es fast widersprüchlich klingt, immerhin scheint sich Drobny mit der Rolle des Ersatzmannes abgefunden zu haben. Sagt ebenfalls Fink. „Drobo ist die Nummer zwei, ohne, dass er Ansprüche stellt. Er ist für diesen Fall da.“ Eben als Ersatz für den am Sonntag gelbgesperrten René Adler. „Wenn der Verein es finanziell schafft, soll er Drobo behalten. Ganz klar.“ Und Fink verrät auch gleich, warum er dem Verein dazu geraten hat, den Vertrag mit dem 33-Jährigen zu verlängern: „Drobo ist ein Keeper, der auch die Nummer eins sein könnte. Und ich habe mit ihm gesprochen – er hat auch Bock zu bleiben. Obwohl er weiß, dass wir mit René eine andere Eins vor ihm haben.“

Warum sich aber ein Keeper, der zumindest noch immer zum erweiterten Kader der tschechischen Nationalmannschaft gehört, mit dieser Rolle zufrieden gibt? Dafür gibt es nach meinen Informationen mehrere Gründe: Erstens, weil er hier sehr gut bezahlt wird. Zweitens, weil sich seine Familie und er in Hamburg sehr wohl fühlen. Drittens, weil er mit 33 Jahren nirgendwo mehr einen langfristigen Vertrag bekommt und sich für ein Jahr nicht mehr den ganz großen Umzugsstress antun will. Und viertens, weil seine alles andere als jugendlichen Knie und Knorpel ihm sehr dankbar sind, wenn sie nicht wöchentlich der Wettkampfbelastung ausgesetzt sind. Wobei viertens auch der Grund ist, weswegen er (drittens!) nirgendwo mehr langfristige Verträge bekommt.

Egal wie, am Sonntag steht Drobny im Tor und wird versuchen, seinen Teil dazu beizutragen, das heute – man höre und staune – von Trainer Thorsten Fink erstmals offiziell und öffentlich ausgegebene Ziel Europa League zu schaffen (siehe auch im Video: www.facebook.com/groups/matzab). Es sei in der Summe immer noch eine Überraschung, dennoch sei drei Spieltage vor Schluss bei einem Punkt (plus ein nicht mehr aufzuholendes Torverhältnis) Rückstand nichts anderes mehr auszugeben. „Den Gedanken hatte ich schon lange. Aber es hat keinen Sinn gemacht, ihn öffentlich zu formulieren. Weder nach den drei Niederlagen in Folge, noch nach den zwei Siegen. Und klar ist auch: unser Ziel hat sich im Laufe der Saison verändert. Daher gilt ab jetzt: offenes Visier und los!“

Klingt doch gut. Wie so oft. Die Frage ist nur, inwieweit die Mannschaft diesem Druck gewachsen ist. Bislang war sie s nicht. Sie unterlag regelmäßig in den so genannten Big-Point-Spielen. Das letzte Mal deutlich am vergangenen Sonntag mit 1:4 in Gelsenkirchen. Das wiederum war Anlass genug für Fink, auch mal laut die Qualitätsfrage zu stellen. Denn, das ist unverkennbar, dieser Mannschaft fehlt es an Qualität. Fußballerisch – und mental. Und während sich der junge Fußballprofi, wie er beim HSV aktuell vielfach vorzufinden ist, eine gewisse Reife dank der vielen Erfahrungen im Laufe der Zeit aneignen kann, lernt von den aktuellen HSV-Profis wohl keiner mehr den Fußball neu. Soll heißen: Es muss nachgebessert werden, wenn man seinem Ziel entsprechend auch fußballerisch international-tauglich aufgestellt sein will. Auch deshalb hat Fink dies jetzt – noch – leise formuliert. „Ich habe keine 20 neuen Profis gefordert“, relativierte er heute, „aber wir müssen punktuell nachbessern. Zuletzt Schalke hat gezeigt, dass uns noch etwas fehlt. Für ganz oben reicht es nicht.“

Wobei hier eines nicht missverstanden werden darf: Mit ganz oben meint Fink einen der Champions-League-Ränge, die paradoxerweise bis zum 1:4 tatsächlich aus eigener Kraft machbar waren für den HSV.

Nein, Fink spricht offen an, was alle wussten: diesem HSV fehlt fußballerische Qualität. Da dem Klub gleichzeitig auch das nötige Kapital fehlt, um noch mal nachzubessern, hat Fink sich gedacht, mache ich doch eine Win-Win-Situation daraus. Also formulierte er seine Forderungen, entzog sich selbst ein wenig der Verantwortung („Es fehlt Qualität für oben“) und vermittelte seinen Kickern eine Portion Zusatzmotivation, indem er sie so unter den Druck setzte, sich zeigen zu müssen. Denn, und das halte ich für absolut legitim und auch notwendig, Fink will sich bis Saisonende alle Spieler genau ansehen und dann entscheiden, wer bleiben soll und wer gehen kann. Dass der Klub etliche Akteure verkaufen muss, wissen alle. Wer also bleiben will, muss Gas geben.

Zumindest im Optimalfall. Denn, dass Druck auch negative Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel Heung Min Son. Der Südkoreaner steht seit Wochen im Mittelpunkt diverser Transfergerüchte und Vertragsverhandlungen mit dem HSV. „Das ist Stress und sicher nicht optimal für mein Spiel“, sagte der Angreifer in der vergangenen Woche und fügte optimistisch hinzu: „Aber ich versuche es nicht an mich heranzulassen.“ Auf Schalke schien dieser Versuch bei ihm wie bei fast allen Mitspielern – Jansen, Adler und mit Abstrichen Westermann nehme ich mal raus – gescheitert. Und für das Wolfsburg-Spiel könnte das auch bedeuten, dass Son aus der Sturmmitte rausrückt. „Es ist sehr gut möglich, dass ich Artjoms Rudnevs wieder beginnen lasse“, sagt Fink. Das würde allerdings nicht zwangsläufig eine Rotation Sons auf die Bank nach sich ziehen. Immerhin könne der auch auf der Außenbahn spielen. Zudem werden Dennis Diekmeier nach abgesessener Gelbsperre und Milan Badelj wieder ins Team rücken. Sofern der Kroate fit bleibt. „In der Abwehr werde ich ansonsten nichts verändern. Wer für Milan weichen muss, ist noch nicht klar.“ Allerdings deutet vieles darauf hin, dass es Dennis Aogo treffen wird, nachdem Fink zuletzt Arslan immer wieder positiv hervorgehoben hatte.

Abwarten. Es sind noch vier Trainingseinheiten bis zum Spiel eins nach Finks Outing. „Drei Spiele, die schwierig sind“, so der Coach heute, „aber eben auch absolut machbar. Wir haben allen Grund, optimistisch nach vorn zu schauen. Zumal wir meistens nach einem schlechten Spiel ein sehr gutes haben folgen lassen. Deshalb noch mal deutlich: wir wollen unsere letzten Spiele gewinnen und unser Ziel erreichen: die Europa League.“

Wir auch. Ich auch.

Also, dreimal noch Augen zu und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durch. Und am Ende rechnen wir ab. Denn, bei allem Verständnis für die Kritiker unter uns, sollte es die Europa League werden, hätte es die Mannschaft trotz aller Mängel verdient. Weil die Konkurrenz nicht besser ist.

In diesem Sinne, bis morgen, da wird übrigens um zehn Uhr an der Arena trainiert. Mit Dieter als Beobachter. Euch allen einen schönen Tanz in den Mai garniert mit einem Fußballfest aus Madrid.

Scholle

P.S.: Manfred Ertels unüberlegter Post auf seiner Facebook-Seite hat inzwischen auch die Münchner erreicht. Wie mir mein Münchener Kollege heute aus Barcelona mitteilte, ist die Geschäftsführung der Bayern AG ziemlich verstimmt über den schlechten Scherz des HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden. Im Moment soll das Champions-League-Halbfinale nicht gestört werden – allerdings soll es nach der Partie in Barcelona am Mittwoch einen Brief an den HSV geschickt werden, in dem Ertel, den ich heute nicht erreichen konnte, aufgefordert wird, sein Handeln zu erklären. Sofern er dies bis dahin nicht bereits gemacht hat. Fortsetzung folgt…

Ein Hamburg-Scherz auf Hoeneß’ Kosten

29. April 2013

Am Wochenende spielt die Bundesliga, und am Dienstag und Mittwoch können die Fans Fußball sehen. Im Fernsehen. Zum Glück gibt es ja die Champions League, und da wird noch richtig guter Fußball gespielt. So wie Fußball aussieht. Und nicht ein solch fades Gekicke wie zuletzt in Gelsenkirchen. Was uns allen ja trotzdem als Fußball vorgesetzt oder verkauft wird . . . Aber es ist ja so wie es ist. Und es soll ja auch alles schon sehr bald viel, viel besser werden. Und das wird es ganz bestimmt auch. Weil der HSV die richtigen Männer dafür hat.

Apropos. Von „Eiche“ gab es diesbezüglich einen Hinweis, und zwar einen Kommentar auf facebook:

Nun schaut mal liebe Leute: Bei uns ist ziemlich viel im Argen. Und was macht unser AR-Vorsitzender in dieser Zeit? Er äußert sich öffentlich in einem sozialen Netzwerk:

„FC Bayern vor nächstem Hammer-Transfer: Hoeneß zu JVA München!”

Ist das nicht fantastisch, souverän und abgeklärt? Hat einen Haufen Dilettanten um sich herum, aber Zeit für dumme Sprüche.
Ganz hanseatisch, der Herr Ertel. Toll.

Also, mal im Ernst. Ich kann und will nicht glauben, dass ein so überaus intelligenter Mann wie Manfred Ertel so etwas von sich gibt. Ich lehne es ab, das zu glauben, ich weigere mich auch schlichtweg, das zu glauben. Das kann nicht sein. Und es ist bestimmt auch nicht so. Herr Ertel ist Spiegel-Journalist, der weiß genau, was witzig ist, was Satire ist – und was nicht. Und er weiß sicherlich auch einzuschätzen, was ein Uli Hoeneß geleistet hat, und was er (Manfred Ertel) bislang im deutschen Fußball geleistet hat. Manfred Ertel weiß ganz sicher genau, dass er erst am Anfang einer großen Fußball-Funktionärs-Karriere steht, und dass Uli Hoeneß in dieser Republik trotz dieser Steuer-Affäre hohes Ansehen genießt. Bei vielen Leuten jedenfalls, auch wenn sich einige von ihm losgesagt haben. Aber selbst wenn dieser angekündigte „Hammer-Transfer“ klappen sollte – Hoeneß bleibt Hoeneß, der Vater aller Bundesliga-Manager. Er hat niemanden umgebracht, das ist schon mal gut, und er hat einen riesigen Fehler gemacht, indem er das Volk betrogen hat – aber das weiß ein so kluger Mann wie Uli Hoeneß auch selbst – und dafür wird er auch büßen. Ganz sicher. Deutschland ist schließlich ein Rechtstaat. Hoeneß wird seine Strafe auch akzeptieren, und dann wird auch Ende sein. Jedenfalls mit dieser Affäre.
Also, bitte nicht zu ernst nehmen das alles, empört euch nicht, das war Manfred Ertel, das ist meine Meinung, ganz bestimmt nicht, da hat sich einer unter seinem Namen einen ganz billigen Scherz erlaubt . . . Das ist im Internet ja gelegentlich an der Tagesordnung.

Und noch eines möchte ich noch loswerden: Sollte es dem HSV eines fernen Tages tatsächlich einmal so schlecht ergehen, dass er finanziell ums Überleben kämpfen muss, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, dann sollte dieser HSV besser nicht an die Tür von Uli Hoeneß dem Steuersünder klopfen. Ich befürchte, dass der Bayern-Boss dann so laut loslachen wird, wie er über diesen netten Spruch mit der JVA München gelacht hat.
Aber, um auch das einmal klar zu sagen: Der HSV wird nie in diese missliche Lage kommen, dass er jeden Cent dreimal umdrehen muss, denn da wacht ja ein aufgeweckter Aufsichtsrat drüber, dass so etwas nie im Leben passieren wird.
Und noch eine kleine, unmaßgebliche Anmerkung zu dieser JVA-München-Geschichte: Uli Hoeneß hat ja nicht nur dem FC St. Pauli geholfen, als dieser vor dem Kollaps stand, er hat auch unzähligen anderen Vereinen schon geholfen. Ist ja alles nachzulesen. Und dieser Uli Hoeneß, das weiß kaum einer, hat auch bereits dem oftmals sehr, sehr klammen HSV schon unter die Arme gegriffen – und geholfen. Das weiß nur dieser Witzbold, der unter dem Namen Ertel geschrieben hat, nicht. Sonst hätte er gewiss solche Zeilen nie in die Öffentlichkeit gebracht. Nie. Sage ich mal.

Ich schätze, das muss ich an dieser Stelle auch mal loswerden, Manfred Ertel eher so ein, dass er sich in erster Linie gradlinig, fair und selbstkritisch über und zu seinem HSV äußern würde – nach diesem neuerlichen Minus-Auftritt am Sonntag. Über diesen Anti-Fußball ließe es sich doch auf facebook sicherlich seiten- und tagelang schreiben. Um sich das nur einmal kurz vor Augen zu führen, was da Sache war: Da könnte eine Mannschaft (wie zum Beispiel der HSV) mit einem Sieg auf Schalke auf einen Champions-League-Platz (!) vorstoßen, führt auch schnell 1:0 – und lässt dann alles vermissen, was einen Auswärtssieg unter Dach und Fach bringen würde. Zum Beispiel mal Kampfgeist. Oder Einsatz. Engagement. Mannschaftliche Geschlossenheit. Herz. Biss. Leidenschaft. Laufbereitschaft. Willen. Kratzen. Kloppen. Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen (ohne Rücksicht auf Verluste). Oder auch nur mal 90 Minuten lang hammerhart in die Zweikämpfe gehen, nur um dem Gegenspieler mal kurz zu zeigen, was hier alles auf dem Spiel steht.

Aber, was haben wir gesehen?
Begleitschutz in Vollendung und zum Verlieben. Streicheln, schmeicheln, liebkosen, umgarnen, Süßholz raspeln. Wunderbar. Nach allen Regeln der Kunst.

Dieser HSV 2013 denkt nämlich nicht an die Champions League. Weil es ja doch schlicht und einfach nicht rechtens wäre, wenn dieser HSV im Konzert der ganz Großen des europäischen Fußballs mitspielen würde. Da sind sie ja alle in Hamburg Realisten genug. Deswegen war nur das vom HSV auf Schalke zu sehen, was wir gesehen haben, was wir sehen mussten: Schalke ist besser als der HSV, Schalke war besser als der HSV, deswegen war der Sieg auch völlig verdient, der HSV muss dann eben seine Punkte gegen andere, gegen schlechtere Mannschaften einfahren. Zum Beispiel gegen Greuther Fürth. Zum Beispiel Augsburg. Oder auch Freiburg. Nein, stopp. Freiburg ist ja derzeit Tabellensechster, also steht (viel) besser als der HSV. Da kann man dann auch mal ganz leicht keine Punkte holen. Wie wir wissen.

Ich kenne keinen HSV-Fan, keinen HSV-Anhänger, keinen Hamburger, der sich über eine solche traurige Vorstellung nicht aufregt. Und ich bin mir sicher, ganz sicher sogar, dass auch ein Mann wie Manfred Ertel diese traurigen 90 Minuten von und auf Schalke zum Anlass nehmen würde, den Verantwortlichen ins Stammbuch zu schreiben, wie grottig das alles war. Der HSV 2013 ist auch eine Frage der Qualität. Und diesbezüglich habe ich die Hoffnung aufgegeben, das sage ich offen und ehrlich. Diese Mannschaft spielt so, wie sie von der Qualität ihrer Spieler auch zusammengestellt worden ist. Brav, bieder, amateurhaft. Ich erwarte in den restlichen drei Spielen von dieser Truppe nichts mehr, dieses Team ist keine Einheit, wird es auch nie, diese Mannschaft setzt sich aus elf Einzelartisten zusammen, die es alle können – nur nicht gemeinsam.

Leider mache ich mir schon in Sachen nächster Spielzeit die allergrößten Sorgen um ein so großes Talent wie Hakan Calhanoglu, das bekanntlich im Sommer vom KSC zum HSV kommen wird. Ich befürchte, dass der junge Mann hier auch gleich so „eingeordnet“ wird, dass er nur untergehen kann. Das hat der HSV schließlich mit jedem noch so großen Talent geschafft – das wird auch im Fall Calhanoglu klappen. Ich bin mir da fast sicher.

Das läuft schließlich seit Jahren schon so. Obwohl es in dieser Saison auch ein Gegenbeispiel gibt: Marcell Jansen. Jahrelang verletzungsanfällig, jahrelang nicht in Bestform, jahrelang als einer jener Spieler bekannt, die viel reden, viel versprechen, von denen aber nicht allzu viel kommt. Auf dem Rasen. In dieser Saison aber zeigt Jansen es allen – auch mir. Jansen war auf Schalke einer derjenigen, die das brachten was sie können, und er geht seit Wochen, seit Monaten mit bestem Beispiel voran, wenn es darum geht, den Weg aufzuzeigen. Auch auf dem Rasen. Wenn sich, das behaupte ich auch mal frech, im Moment alle so den Hintern aufreißen würden wie Jansen, dann wäre es besser um den HSV bestellt. Ganz sicher.

Ausnahme Rene Adler. Der Mann mit den tausend Armen und Händen bringt – Ausnahme Hannover – immer seine überdurchschnittliche Leistung und bewahrt den HSV vor peinlichen Niederlagen und rettete der Mannschaft, seiner Mannschaft, auch schon so manchen Dreier. Der ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor, Keeper der Meistermannschaft von 1960, sagte mir zu diesem Themas: “Ich bewundere Rene Adler, wie der diese ganzen Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute wegsteckt, wie ruhig er bleibt. Ich könnte das nicht.” Schnoor weiter: “Rene Adler muss sich doch längst mal fragen, wo er hier reingeraten ist? Er ist doch der einzige HSV-Spieler, der konstant seine Leistungen bringt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wen er nicht doch noch zu einem anderen, zu einem besseren Verein wechseln würde, denn Angebote hat er ja wohl genug. Und ich würde ihm auch einen Wechsel nicht verübeln, denn wenn er bleibt, dann muss man ihn doch nach den meisten Spielen nur bemitleiden . . .”

Ich behaupte dazu auch gerne noch ein weiteres Mal: Wenn dieser HSV 2012/13 diesen Rene Adler nicht zwischen den Pfosten hätte, dann würde dieser HSV 2012/13 auf Augenhöhe mit Fürth, Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Werder stehen. Das mag bitter klingen, ist aber Realität. Und wenn ich dazu an Udo Bandow denke, dann wird mir ganz übel – vor der Zukunft des HSV. Denn, ich muss es noch einmal und noch einmal schreiben, der ehemalige Aufsichtsrats-Chef hatte sich ja kürzlich im „HSV Magazin live“ wie folgt geäußert und keine Entgegnungen seitens des Vereins geerntet: „Ich befürchte, dass der nicht durch Vereinsvermögensanlagen gedeckte Fehlbetrag in der laufenden Saison durch die Abschreibungen auf die teuren Neuverpflichtungen auf 20 Millionen Euro ansteigen wird.“

Diese Befürchtungen teilen viele und immer mehr, aber niemand unternimmt etwas, damit es dem HSV besser demnächst mal geht. Nicht mal der Aufsichtsrat. Oder geht da etwas an mir vorbei?

Ich frage mich: Wo und wie soll das alles noch enden? Auch wenn einige kluge und noch viel, viel klügere Menschen nun schon wieder sagen werden: „Was soll dieser Mist, Matz? Es ist doch nicht so schlimm um den HSV bestellt, wie du es immer fälschlich beschreibst . . .“
Abwarten, ihr netten Leute, abwarten. Und dazu vielleicht auch noch ein wenig in der Vergangenheit herumkramen und versuchen, sich zu erinnern: Inzwischen haben es ja doch auch schon einige (eigentlich Unbelehrbare) geschnallt, die es früher so oft nicht wahrhaben wollten, dass es nämlich finanziell schlecht um den HSV bestellt ist. Da wurden uns von Matz ab immer die klügsten, besten und tollsten Bilanzen vorgehalten, da wurden wir vernichtet und es wurde gerechnet und gerechnet und gerechnet. Und da wurden immer wieder noch die ältesten Ablösesummen von Kompany, Ujfaluis, Boulahrouz, de Jong und van der Vaart ins Feld geführt, mit denen der HSV wieder (ganz sicher) zur alten Stärke aufsteigen wird – wie Phönix aus der Asche. Dabei waren diese Summen schon lange vereinnahmt und wieder für neue (und schlechtere) Spieler ausgegeben worden.

PS: Ich mache mir schon Sorgen um diesen HSV, der aber immerhin in dieser Saison nicht in den Kreis der Abstiegskandidaten gerutscht ist (wie von vielen vorher befürchtet). Das war gut. Aber wie geht es weiter? Und eines ist auch klar: Ich mache mir keine Sorgen um Uli Hoeneß. Der ist stark genug, um sich selbst zu helfen. Und da behaupte ich mal: aber ganz, ganz sicher. Dem können sie nicht mal aus Hamburg ans Bein pinkeln . . .

PSPS: Ein Gerücht besagt, dass sich Hannover 96 diesmal nicht um Gojko Kacar, sondern vielmehr um Dennis Diekmeier bemüht. Öfter mal was Neues. „Scholle“ sprach in diesem Zusammenhang mit „DD“ und der Abwehrspieler sagte ihm: „Ich fühle mich sehr wohl beim HSV und könnte mir vorstellen, hier zu verlängern.“ Die Gespräche mit dem „großen“ HSV laufen zurzeit.

PSPSPS: Morgen (Dienstag) wird um 15 Uhr geübt.

Kurze Ergänzung: Am Abend wurde der “Hammer-Transfer-Spruch” von der betreffenden facebook-Seite zurückgezogen bzw gelöscht.

17.33 Uhr

Urlaubsstimmung beim HSV – Fink gibt frei

21. März 2013

Urlaubsstimmung. Nein, nicht generell, dafür ist das Wetter tatsächlich nicht einladend genug. Dafür aber beim HSV. Während am Mittwoch wirklich alles im Spaß-Training mitmischen durfte, was Fußballschuhe besitzt, wird morgen – gar nicht trainiert. Der HSV macht frei. Bis Montag. Es ist die Konsequenz daraus, dass gerade mal fünf gesunde HSV-Profis in Hamburg weilen. Und die haben, ohne, dass es für Außenstehende sichtbar war, „sehr gut mitgezogen“, wie Trainer Thorsten Fink sagt. Der HSV-Coach ist sich zudem sicher, dass seine Spieler über ausreichend Selbstdisziplin verfügen, die Freizeit sportlergerecht zu nutzen. „Ein Dennis Aogo und ein Marcell Jansen beispielsweise könnten ja gar nicht ohne etwas für sich zu tun.

Na dann. Ein paar schöne Tage!

Wobei, um hier keine falsche Tonlage reinzubekommen, zu einem derart späten Zeitpunkt der Saison ist ein Tag mehr Freizeit kein Grund mehr, die Fitness in Frage zu stellen. Und das mache ich auch nicht. Im Gegenteil, da auch das Spiel der U23 am Wochenende gegen den SV Wilhemshaven bereits abgesagt worden ist, können die Spieler so mal wieder Heimatbesuche machen. Und genau das macht Michael Mancienne. Der Innenverteidiger flog bereits am heutigen Donnerstag, unmittelbar nach dem Vormittagstraining, das fast komplett aus Kreisspiel bestand, in seine Heimat. „Die Familie mal wiedersehen“, freut sich Mancienne, der sich als Gewinner der letzten Wochen sehen darf, nachdem tatsächlich weder Jeffrey Bruma noch Slobodan Rajkovic langfristig überzeugen konnten. Dennoch glaubt Mancienne noch nicht daran, gleich wieder in die Startelf zu rücken. „Nein“, so Mancienne, „ich bin froh, wenn ich in München wieder zum Kader gehöre. Dafür muss ich schon sehr hart arbeiten und mich anbieten.“ Der Engländer ärgerte sich deshalb auch über die entgangene Spielpraxis, die Fink ihm bei Einsätzen für die U23 holen lassen wollte. „Ich hätte wohl gespielt und hatte mich darauf gefreut“, sagt Mancienne. Wobei mich insbesondere die Tatsache freut, dass Mancienne schon mal einer von denen ist, die der eigenen U23 helfen würden, nachdem Rajkovic bereits bewiesen hat, dass er Sportsmann genug ist, beim Unterbau Vollgas zu geben und somit eine Verstärkung zu sein. Und davon werden Cardoso und Co. noch etliche bestens gebrauchen können.

Womit ich noch mal ganz kurz auf den Blog vom Mittwoch eingehen möchte. Ihr hattet lange eine Nachwuchsgeschichte gefordert. Und das zurecht. Das Problem bei diesem Thema ist allerdings, dass die Probleme durchaus herauszufiltern sind, es aber keine Direkt-Verantwortlichen dafür gibt. Oder besser: es gibt zu viele. Denn nichts ist beim HSV-Nachwuchs konstanter als die Inkonstanz der Führungskräfte, denen man einzeln gar nicht den großen Vorwurf machen kann. Dafür sind sie – wie zuletzt Paul Meier oder auch Bastian Reinhardt – einfach zu kurz im Amt. Paul Meier beispielsweise, der sich durch seine wochenendlichen Heimflüge in die Schweiz beruflich angreifbar gemacht hatte und durch seine harsche Art den Trainern gegenüber von eben jenen angegriffen wurde, hatte eine klare Philosophie. Und die setzte er gegen alle Widerstände durch. „Ich habe eine große Verantwortung beim HSV-Nachwuchs – und diese übernehme diese“, hatte mir der Schweizer einst für ein Abendblatt-Interview gesagt, „daher muss ich auch die Entscheidungen verantworten. Würde ich dabei alle Wünsche der Trainer mit einbeziehen, käme ich nie zu einer klaren Philosophie.“ Sinngemäß sagte er mir damals – und dem konnte ich dann auch zustimmen -, dass es sicherlich etliche andere richtige Wege geben würde, es aber immer sinnvoller sei, an einem festzuhalten. „Ansonsten hat man viele halbe Dinge – aber nichts Ganzes“, so Meier, der letztlich nichts Ganzes erreichen durfte. Dass Meier mehr an seiner Art und den Befindlichkeiten seiner Trainer scheiterte, zeigt auch die Tatsache, dass sein Nachfolger Basti Reinhardt viele Punkte von Meier übernahm.

Wie Ihr seht, ist es beim HSV nicht einfach, den Hauptfehler zu greifen. Inkonstanz – okay. Das wissen alle. Aber wie stelle ich die ab, ohne dass ich einen starken Mann für den Nachwuchs zulasse? Meier war es, wurde aber nicht gestützt. Reinhardt war dies eher nicht. Im Gegenteil: Alle wussten, dass die Versetzung vom Sportchef zum Nachwuchs mehr seinem juristisch unangreifbarem Arbeitsvertrag bis 2013 denn seiner Eignung für den Nachwuchs geschuldet war. Arnesen war gekommen, hatte übernommen und brauchte Reinhardt nicht mehr. Daraus machte der Däne intern wohl auch keinen Hehl. Zumindest hörte Reinhardt schon Mitte 2012 von ihm wohlgesonnenen HSV-Mitarbeitern, dass sein im Juni 2013 auslaufender Vertrag nicht verlängert würde. Reinhardts Nachfragen ließ Arnesen unbeantwortet. Und jeder von uns kann sich vorstellen, wie motivierend so ein Wissen ist…

Wie dem auch sei, jetzt ist Michael Schröder der Nachwuchschef – ob er der starke Mann ist? Keine Ahnung. Er ist Ewigkeiten da und nie kam jemand auf die Idee, ihn zum Nachwuchschef zu machen. Bis jetzt. Aber der ehemalige Chefscout des HSV und ehemalige Jugendtrainer hat zumindest eine große Vision: Dritte Liga mit der U23 und in den höchsten Junioren-Klassen vertreten sein. Mehr geht kaum. Außer natürlich, dass dabei der eine oder andere Profi mehr für die Bundesligamannschaft herausspringt. Und darauf zielt Schröders Idee ab. Der Ex-Profi setzt eine offensive Spielweise und auf individuelle Ausbildung. Das, was mich als Jugendlichen früher abgeschreckt hat, zum HSV zu wechseln, wird wieder praktiziert: Die individuelle Optimierung der Spieler steht über dem mannschaftlichen Erfolg. Aber okay: es ist zumindest ein Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass Schröder beim Beschreiten des selbigen mehr Zeit gewährt bekommt als sein Vorgänger. Denn ansonsten gilt wieder: es wird vieles begonnen – aber nichts zuendegebracht.

Beendet wird indes das Engagement vom HSV-Psychologen Thorsten Weidig. Der war seinerzeit von Ex-Boss Bernd Hoffmann und Katja Kraus installiert worden und zunächst für die Profis sowie den Nachwuchs verantwortlich. Zuletzt kümmerte sich Weidig fast ausschließlich um die Jugend, weil die Profis seine Hilfe nicht in Anspruch nahmen. So zumindest hieß es in der Vorstandsbegründung, weshalb Weidig nicht weiter beschäftigt werden soll. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass gerade die aktuellen jungen HSV-Kicker – ältere natürlich nicht minder – viel von Gesprächen mit Weidig hätten profitieren können. Beister ist nur das auffälligste Beispiel von vielen.

Aber okay. Weidig wird nicht weiterbeschäftigt. Stattdessen müssen die Trainer auch psychologische Arbeit übernehmen. Und im Internat sind es Schröder und Co., die den jungen Spielern fernab ihrer Elternhäuser in schwierigen Phasen beistehen und helfen sollen. Dass der HSV damit rund 100000 Euro im Jahr einspart – gut für die Klubkasse…

Die würde sich am meisten über internationale Spiele freuen. Und während Fink weiterhin gerade mal das letzte und das nächste Spiel bespricht, wagten sich zuletzt Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, Rene Adler und auch Aufsichtsratsboss Manfred Ertel weiter vor. Heute folgte nun Michael Mancienne. Mit etwas Anlauf nahm auch er den von Fink beharrlich vermiedenen Begriff in den Mund: „Wir müssen immer das nächste Spiel als das wichtigste nehmen. Aber wir müssen auch die Ambition und das Ziel haben, die Europa League zu erreichen.“ Stimmt. Und das ist nicht überheblich. „Schneckenrennen um Europa“ hatte Ertel den Kampf um Platz vier bis sechs genannt. Und ich finde, er hat es damit ganz gut getroffen. Dass alle Teams, die hinter Bayern, Dortmund und mit Abstrichen Leverkusen stehen nicht zwingend Europa verdient haben – es stimmt. Dass der HSV, wie Mancienne sagt, ein Top-Vier-Team in der Bundesliga ist – ich bin mir da nicht wirklich sicher. Zumindest wäre es für die Qualität der Bundesliga kein Kompliment. Aber wen stört’s, wenn es der HSV am Ende irgendwo zwischen vier und sechs landet? Auch wenn ich mich damit wiederhole: Mich nicht…

In diesem Sinne, bis morgen! Da ist trainingsfrei. Genau wie Sonnabend und Sonntag. Über den Montag ist noch nichts bekannt.

Scholle

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