Archiv für das Tag 'Enke'

Der “alte Fritz” und die neue “Zehn”

27. September 2010

Welch ein Echo! Fix was los bei „Matz ab“. Was ein solches 2:3 in Bremen doch nicht alles bewirken kann. Keine Angst, ich werde auf keinen einzelnen Beitrag (mehr) eingehen, ich finde es klasse, dass Ihr Eure Meinung äußert – auch wenn sie oftmals konträr zu meiner ist. So lange es so fair und in den meisten Fällen auch sportlich gehalten ist, ist absolut alles in Ordnung. Bin ich der Fußball-Gott? Schieße ich im Schlaf Tore? Nein. Ich teile Euch meine Auffassung vom Fußball und vom HSV mit – und Ihr mir Eure. So soll es sein. Und so wird es auch bleiben. Dass es darunter auch einige Missverständnisse gibt, liegt in der Natur der Sache, früher hätte ich versucht, sie aufzuklären, aber auch das wird nicht mehr stattfinden, denn inzwischen habe ich den Eindruck, dass ich auch ganz bewusst mal falsch verstehen werde.

So, zum HSV. Es geht um die „Zehn“. Jawoll, um die Nummer, die einst der Spielmacher auf dem Rücken über den Rasen schleppte. Leute wie Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer. Wenn ich hier von der „Zehn“ schreibe, dann sind nicht Leute wie Walter, Overath oder Netzer gemeint, sondern der Mann, der hinter der einzigen HSV-Spitze spielen soll. Das waren bisher Paolo Guerrero, Piotr Trochowski, Mladen Petric und Eljero Elia. Ihr könnt mir glauben, dass ich inzwischen sehr wohl weiß, dass keiner dieser vier Herren so spielen kann, wie Walter, Overath oder Netzer. Und dennoch sprechen inzwischen alle, sogar die Leute beim HSV, von der „Zehn“. Ich werde das auch beibehalten. Obwohl ich weiß, dass es in diesem modernen Fußball keinen Spielmacher mehr gibt. Alles klar?

Wobei ich bei Elia gelandet wäre. Es enttäuscht mich schon ein wenig, wenn ich einige Kommentare sehe, die den Niederländer regelrecht zum Teufel wünschen. Er wird von einigen Usern hier fast schon vernichtet. Dabei weiß niemand hier, was in Eljero Elia zurzeit vorgeht. Er wirkt beim Training verschlossen, er wirkt bei Spielen in sich gekehrt und keineswegs in jener spaßigen und freudigen Stimmung, in der man Fußball spielen sollte. Was den jungen Mann aber bewegt, womit er sich derzeit beschäftigt, das weiß niemand. Doch genau deswegen sollten sich alle hüten, diesen jungen Menschen derart anzuprangern, wie es hier in den letzten 24 Stunden geschehen ist. Denkt an den „Fall Robert Enke“. Was wurde damals nicht alles gesagt und geschrieben, wer gelobte seinerzeit nicht alles Besserung, sprach von einem menschlicheren und faireren Umgang untereinander?

Alles schon vergessen?

Viele von Euch blicken im Moment ja etwas neidisch nach Dortmund und Mainz. Ich gebe zu, ich auch. Da spielen Fußballer mit Spaß, mit Herz, mit Leidenschaft. Und sie spielen nicht nur, sie rennen auch. 90 Minuten. Ich habe die Aussage eines Bayern-Spielers nach der 1:2-Niederlage gegen das Tuchel-Team gehört: „Wir konnten nie in Ruhe den Ball kontrollieren, 90 Minuten lang stand uns mindestens ein Mainzer auf den Füßen, um zu stören.“ Ein besseres Kompliment kann man einem Underdog wohl kaum machen. Und das ausgerechnet von einem Bayern-Profi! Der den Mainzern zudem bescheinigte, dass sie die vorgegebene taktische Marschroute meisterhaft eingehalten hätten.

Warum klappt das in Mainz, warum auch in Dortmund?

Okay, es sind erst sechs Spieltage absolviert. Kein Experte weiß heute, wie lange die Mainzer oder auch Dortmunder Fußball-Herrlichkeit noch andauern wird. Beide Vereine können noch ihren Einbruch erleben, doch auch das wäre ganz normal, weil ja jeder Klub im Laufe einer Saison mal eine Schwächeperiode durchläuft. Aber im Moment sind Mainz und Dortmund das Tagesgespräch, wenn über die Bundesliga diskutiert wird. Und, das sagen nicht wenige: Das sind zwei Klubs, die offensichtlich weit weniger Geld in der Kasse haben, als der HSV. Deswegen wird dort mit Auge statt mit Millionen eingekauft. Vor allen Dingen junge Leute.

Der HSV hat auch junge Leute. Elf von diesen jungen Burschen sind derzeit ausgeliehen. Und einige trainieren mit den Profis, einige spielen in der „Zweiten“. Aber sie spielen eben nicht in der Mannschaft von Trainer Armin Veh.

Noch nicht, möchte ich sagen. Viele haben es offenbar noch nicht geschnallt, einige haben es ignoriert, andere wiederum wollen erst gar nichts davon hören – aber es ist schon vielfach von kompetenter HSV-Seite prophezeit worden: In der nächsten Saison wird es finanziell noch einmal enger für die drei großen Hamburger Buchstaben. Ohne internationalen Wettbewerb fehlt dem Klub viel Geld, so dass kaum noch einmal große Sprünge in Sachen Neuverpflichtungen getan werden können. Schmalhans ist dann der Küchenmeister. Und das ist auch gut so.

SO, HIER MUSS ICH NUN EINMAL KURZ VOR MITTERNACHT EINGREIFEN, FÜR ALLE, DIE JETZT ODER AM DIENSTAG LESEN: ICH MEINE DEN FINANZIELLEN ENGPASS FÜR DIE NÄCHSTE SAISON – WEIL DER HSV IN DIESER (!) SAISON KEINE ZUSÄTZLICHEN EINNAHMEN DURCH DEN INTERNATIONALEN WETTBEWERB HAT. ICH MÖCHTE ALSO NICHT, WIE VON EINIGEN HIER VERMUTET, BEREITS DIESE SPIELZEIT NACH NUR SECHS SPIELTAGEN ABSCHENKEN. UM GOTTES WILLEN, NEIN, NATÜRLICH NICHT. ABER ETLICHE HSV-OBEREN HABEN ZULETZT DOCH SCHON DURCHBLICKEN LASSEN, DASS 2011 DAS GELD NOCH KNAPPER WIRD, ALS IN DIESEM JAHR. DAS, NUR DAS WAR DAMIT GEMEINT.
(Hinzugefügt am Montag um 23.55 Uhr)

Jetzt geht es weiter im Original-Text:
Natürlich werden die Betriebsblinden nach wie vor Weltstars nach Hamburg fordern. Und selbstverständlich ist nur das Beste gut genug für den HSV, selbst wenn zweistellige Millionensummen gezahlt werden müssten. Und natürlich würde jeder noch so mittelmäßige Einkauf nur milde belächelt werden, denn nicht nur in Bayern sagen sie: „Mia sind mia.“ In Hamburg klingt das ganz ähnlich: „Wir sind schließlich wir.“ Ich höre heute schon das Geschrei jener, die teure Weltstars hier haben wollen – und total enttäuscht werden, ich aber freue mich auf diese Zukunft, denn:

Dann muss der HSV auch mal mit Auge kaufen, und nicht mit Millionen. Das würde für mich heute shcon bedeuten: Junge, hungrige Leute, die sich darauf freuen, mit der Raute auf der Brust um Bundesliga-Punkte kämpfen zu dürfen. Dann ist die Scouting-Abteilung gefragt, dann sind diejenigen Beobachter dran, ihr Können unter Beweis zu stellen. Und wenn dann der HSV solchen jungen, hungrigen und engagierten Spieler in seinen Reihen hat, dann dürfen wir alle auch davon träumen, dass hier endlich einmal jener Fußball gespielt wird, der den Fans zurzeit in Mainz und Dortmund präsentiert wird.

Welch herrliche Perspektive!

Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV auch über Leute verfügt, die Fußballsachverstand und das dementsprechende Auge besitzen. Wobei ich dabei auch den Herrn Urs Siegenthaler noch mit einschließe. Er hat schließlich seine (beiden) Leute hier stationiert, die ihre Arbeit in seinem Sinne verrichten (sollen).

Und wenn dann der HSV eine so rollende und begeisterungsfähige Mannschaft besitzen sollte, die wir hier alle schon seit vielen Jahren sehen wollen, dann kann ich dazu nur sagen: Hamburg hat es endlich verdient! Weil doch viel zu lange schon gewartet wurde. Und weil es trotz der vielen, vielen Millionen, die hier in die Hand genommen wurden, immer viele, viele Enttäuschungen gegeben hat.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf einen lesenswerten Beitrag, den uns (wieder einmal) der Trapper „Doc“ Seitenberg um 13:43 Uhr aus Berlin schickte. Lieber „Doc“, Du hast Dich wieder einmal selbst übertroffen, Dein Bericht, Deine Analyse ist genial, ich hoffe sehr, dass Deine Zeilen auch von kompetenter HSV-Seite gelesen und registriert werden. Du schreibst genau das, was viele HSV-Fans jetzt denken, Du schreibst es sachlich, fair, ohne jede Polemik – das ist einfach nur überragend, vielen Dank, Deine Beiträge schmücken unser „Matz ab“. Sehr sogar.

Ein ganz anderes Thema:

Nie wieder Bremen!“ So sagt es „Benno Hafas“ nach diesem zurückliegenden „Super-Sonnabend“. Ich kann das nachvollziehen. Er bekam, weil er HSV-Fan ist, einen Faustschlag an den Kopf. Das mag ein Bremer ja einem harmlosen Rentner antun, aber so langsam beschleicht mich das Gefühl, als ob es wieder schlimmer und brutaler wird, im deutschen Profi-Fußball. Oder habt Ihr eine andere Meinung dazu? Ich möchte an dieser Stelle gerne einen Brief veröffentlichen, den ich nach dem Hamburger Derby erhalten hatte. Er sollte allen Fußball-Anhängern zu denken geben. Den Absender-Namen schicke ich natürlich nicht mit, ich bitte um Verständnis:

Sehr geehrter Herr Matz,
die Vorkommnisse vor, während und nach dem Derby in Hamburg veranlassen mich, diese Zeilen an Sie zu richten.

Ich habe als „Buttje“ am Rothenbaum erstmals Seeler und Co. gesehen und habe seit dieser Zeit die Raute im Herzen und zeige sie noch heute in der Arena und bei div. Auswärtsspielen sichtbar am Körper.
Durch meine Tätigkeit bei der Polizei habe ich u. a. diverse Jahre tiefe Einblicke in die Fan-Problematik und Fankultur gewinnen können und kann die nicht nur bei den zuständigen Behörden, sondern auch
bei den Vereinen angesiedelten Projekte, die sich mit den Ursachen und Erscheinungsformen von Gewalt von Fußballfans befassen, nur positiv bewerten.

Leider sind Aggressivität und massive Gewalt zu ständigen Begleiterscheinungen bei Fußballspielen geworden. Pöbeleien, Beleidigungen, körperliche Angriffe und Wurfgeschosse jeglicher Art gegenüber den Sicherheitskräften sowie das Werfen und Abbrennen von pyrotechnischer Gegenstände gehören mittlerweile zum Alltag vor und in den Stadien und finden in der medialen Berichterstattung kaum noch Beachtung.

Dass bei den „ Fanmärschen „ wie auf der Reeperbahn aus der Anonymität heraus mittels Wurfgeschosse bewusst und gewollt Sachbeschädigungen und Körperverletzungen vorgenommen werden, ist sicher kein reines Hamburger bzw. HSV-Phänomen.

Der Vorfall bei der Einlasskontrolle am St.-Pauli-Stadion, wo man sich, ohne im Besitz einer Karte zu sein, Zugang in das Stadion verschaffte und dabei billigend Schäden an der Gesundheit unbeteiligter Personen in Kauf nahm, ist für mich eine neue Dimension der Gewalt. Nur dem besonnen Handeln der vor Ort befindlichen Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass es zu keinen lebensgefährlichen Verletzungen kam.

Bisher habe ich dazu von den HSV-Verantwortlichen und den Vertretern des SC keine offizielle Stellungnahme vernommen. Hat man von dieser Seite sein Bedauern über die verletzten Beamten zum Ausdruck gebracht?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Übrigens: Ihr Blog wird von vielen Kollegen, die sowohl HSV- als auch Pauli-Fans sind, gelesen.

Ich, Dieter Matz, würde Ihnen gerne eine Antwort auf Ihren Brief geben – wenn ich denn eine hätte. Wie oben bereits skizziert, ich glaube dass es wieder mehr Randale gibt. Ich kenne HSV-Fans, die eigentlich ganz lieb, nett und zurückhaltend sind, die ich nie als gewaltbereit einschätzen würde – die beim Fußball aber ihr zweites Gesicht zeigen. Dann wird randaliert und geprügelt. Warum? Ich weiß es nicht. Ich werde demnächst versuchen, einmal (anonym) mit einem solchen HSV-Anhänger zu sprechen, darüber, was ihn zu dieser Gewalt animiert.

Ich kann an dieser Stelle nur immer wieder darum bitten: Macht den Fußball gewaltfrei, bitte bleibt besonnen, lasst Euch nicht von den Schlägern mitreißen oder provozieren. Man ist ganz sicher kein „Weich-Ei“, wenn man diesen Randalierern aus dem Wege geht.

Ich wünsche allen Verletzten, die in Bremen zu Schaden gekommen sind, weiterhin gute und schnelle Genesung. Alles Gute für Euch.

18.13 Uhr

War das der Fußball von morgen?

18. November 2009

Poldi
Das war mal ein echtes Freundschaftsspiel, die Partie Deutschland gegen die Elfenbeinküste. Kaum einmal ein böses Foul, und wenn es doch einmal eines gab, dann wurde sich schnell und gelegentlich auch unheimlich nett entschuldigt. Dazu hätte natürlich bestens ein Unentschieden gepasst, und das gab es dann ja auch noch mit dem 2:2 in letzter Sekunde. Ich frage mich jetzt, bevor es zu Bett geht: War das der Fußball von morgen? Im ersten Länderspiel nach Robert Enke? Es war diesmal so fair, so anständig, so rücksichtsvoll. Geht es nun so weiter?

Den etwas anderen Fußball hatte der geneigte Fan ja schon vorher bei Ägypten gegen Algerien (0:1) gesehen. Da hagelte es Gelbe Karten, da gab es viele Provokationen und einige böse Tritte – war das vielleicht doch eher der Fußball von morgen?

Ich möchte schnell noch bei dieser Begegnung bleiben, denn die Bilder, die wir vom Wochenende gesehen haben, als der durchlöcherte Mannschaftsbus der Algerier durch Ägypten fuhr, als einige algerische Nationalspieler blutende Kopfwunden davon getragen haben, die haben (nicht nur) mich entsetzt. Was ist das bloß für eine Art von Fußball? Ganz sicher nicht der, den die Welt sehen will. Deswegen freue ich mich, dass Algerien jetzt bei der WM ist. Der Fifa aber muss man unterstellen, nur aus der Ferne zugeschaut – und geschwiegen zu haben. Erinnert ihr Euch noch an die Partie Türkei gegen die Schweiz, dieses Skandalspiel? Komisch, da stand die Fifa sofort auf der Matte. Weil es um die Schweiz ging? Und diesmal? Kein Kommentar. Auch keine Drohung von den Fifa-Herren, auch nichts von Herrn Blatter. Der kann offensichtlich nur, wenn es um Europa geht . . .
Und wenn da 15 000 Sicherheitskräfte bei einem so brisanten WM-Qualifikationsspiel eingesetzt werden müssen, dann spricht das Bände, Ich bin gespannt, ob da noch etwas von den Fifa-Herren kommen wird – in meinen Augen muss da dringend etwas kommen!

Kurios bei diesem Entscheidungsspiel: Da lag ein Ägypter plötzlich im eigenen Strafraum am Boden, unmittelbar bevor ein Eckstoß für Algerien ausgeführt werden sollte. Als das Spiel unterbrochen war, hielt sich der am Boden Liegenden den Mund, er deutete damit an, einen Schlag eines Gegners abbekommen zu haben. Als der Hüne dann stand, humpelte er. Er humpelte! Ich traute meinen Augen nicht. Als er es selbst bemerkte, fasste er sich wieder voller Selbstmitleid an den Mund – und ging ganz normal weiter. Mann kann sich ja mal vertun, oder? Der Fußball von morgen? Eher nicht.

Zurück zum deutschen Spiel, das ja drei Hamburger in Gelsenkirchen erlebte. Jerome Boateng begann souverän und fast schon so abgeklärt, als bestreite er sein 100. Länderspiel (und nicht sein zweites), aber in der zweiten Halbzeit beging er zwei Fouls, die böse (für die deutsche Mannschaft) hätten enden können. Da muss Boateng noch an sich arbeiten, das Timing stimmte nicht immer – „Jogi“ Löw wechselte ihn völlig berechtigt (und zum Schutz) aus. Dass für den Hamburger dann der Hoffenheimer Beck kam, sehe ich mal als verunglücktes Gedankenspiel des Bundestrainers, aber auch das kann ja mal passieren.

HSV-Dribbler Piotr Trochowski trat auf wie zu besten Zeiten, trickreich, selbstbewusst und einfach nur gut. Auf jeden Fall besser als der Bremer Mesut Özil. Trochowski, der sich auch schneller vom Ball trennte als sonst (oder täuschte das?), traf mit links sogar einmal den Pfosten, seine Vorstellung konnte sich wahrlich sehen lassen. Und: Habt Ihr mal drauf geachtet: „Troche“ schlug die erste deutsche Ecke vor das Tor der Ivorer, und was für ein Teil. Da konnte man wirklich Eckstoß zu sagen. Warum klappt das bei der Nationalmannschaft, warum nur so selten beim HSV? Eine Frage der Konzentration? Dass Piotr Trochowski noch ausgewechselt wurde, war Künstlerpech. Und irgendwie auch unverdient. Oder lag es doch daran, dass er im zweiten Durchgang nicht mehr ganz so dominant aufgetreten war?

Auf der Gegenseite, bei der Elfenbeinküste, verursachte Guy Demel gleich zu Beginn des Spiels einen Elfmeter gegen Stefan Kießling. Er hätte es wissen müssen, wie schnell der Bayer-Torjäger immer fällt. Kommentar des ehemaligen HSV-Managers Günter Netzer zur Pause: „Das war ein glücklicher Elfmeter für uns.“

Apropos reden: Manchmal scheint es doch zu helfen. Im Falle Philipp Lahm jedenfalls, denn er war erstmalig Kapitän der Nationalmannschaft. Leistungsmäßig hatte er dieses Amt nicht verdient, denn er glänzte zuletzt nur durch Interviews, spielt bei Bayern eher eine dürftige Saison, und er war auch gegen die Elfenbeinküste schwach. Erst die Kopfballrückgabe, die fast zu einem Gegentor führte, dann reihenweise Stellungsfehler und schlechtes Zweikampfverhalten. Da schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass der gute Lahm in den vergangenen Wochen vielleicht doch das eine oder andere Mal zuviel geredet hat. Bei dem Gegenwind, den er oft geerntet hat, kommen vielleicht Zweifel auf, und die beeinträchtigen dann eventuell doch das eigene Spiel.

Um noch kurz auf den HSV an diesem Tag zurück zu kommen: Erstmalig seit Wochen sah ich Paolo Guererro, als er aus der Kabine humpelte. So sehr ich über den ersten Trainingstag von Mladen Petric erfreut war, weil der Kroate offenbar viel weiter ist, als alle wussten, so sehr war ich über den Peruaner erschrocken. Guererro hat zwar keine Krücken mehr, aber er geht ganz, ganz schlecht. Das sah wirklich nicht gut aus. Und ich hoffe, dass da wirklich noch alles gut wird – selbst wenn es noch Monate dauern sollte. Egal, Hauptsache, Paolo kommt wieder auf die Füße. Aber da hatten, nach dem ihn einige Fans so gehen sahen, doch der eine oder andere Anhänger schon große Zweifel – einer äußerte sie dann auch spontan: „Ich glaube ernsthaft, dass wir Paolo nicht wieder auf dem Rasen in der Arena sehen werden . . .“ Ich hoffe für Paolo Guererro und für alle die, die mit dem HSV sind, dass es nicht so eintreten wird. Eine solche gute Karriere darf doch die tolle Karriere des Stürmers nicht enden.

22.49 Uhr

Mehr Beachtung für die Mitmenschen

12. November 2009

Ich habe lange hin und her überlegt und Eure Beiträge gelesen. Ich finde alle Entscheidungen des DFB nachvollziehbar und möchte entgegen meiner gestrigen Ankündigung auch noch nicht zur „Normalität“ übergehen. Das geht nach so einem Vorfall wahrscheinlich auch gar nicht, bei mir jedenfalls nicht.

Wenn Robert Enkes Tod einen Sinn hatte, von dem wir möglicherweise alle etwas haben, dann ist es meines Erachtens der Umstand des Nachdenkens. Ich habe mich in den vergangenen Jahren gegenüber Freunden und auch gegenüber Kollegen immer wieder beklagt, wie groß die Anonymität vieler Menschen mitten in unserer Gesellschaft doch ist. Wie oft hört man von älteren Leuten, die in ihrer Wohnung sterben, die aber erst Wochen oder manchmal sogar Monate später entdeckt werden. Niemand vermisst sie, selbst direkte Nachbarn haben sie nicht auf dem Zettel.

Vielleicht löst so ein dramatischer Fall wie der von Robert Enke eine neue Sensibilität aus. Das wäre echt wünschenswert. Es geht nicht darum, dass man die Probleme anderer alle lösen soll oder es versuchen muss. Aber wenn jeder in seiner näheren Umgebung Augen und Ohren offen hält, sich auch mal Zeit für die Probleme von Mitmenschen nimmt, dann ist schon ein großer Schritt getan. Ich weiß, dass sich jeder selbst am nächsten ist, und ich bin bestimmt kein alter Mann mit utopischen Hirngespinsten. Ich glaube nur, dass ein bisschen mehr Gemeinschaftsleben und Teamwork der gesamten Gesellschaft gut tun würde.

Dass all diese Schritte einen Fall Enke auch nicht verhindern können, haben Hannovers Verantwortliche verständlich gemacht. Er hat seine Krankheit bewusst verheimlicht, mit allen Mitteln. Und grundsätzlich gilt: Die Öffentlichkeit und auch die Klubs nehmen ja fast nur noch Profis als Einzelunternehmer wahr, das ist ein Zeichen der Zeit. Persönliche Probleme, Krankheiten und ähnliches werden kaum noch mit in die Kabine und ins Mannschaftsleben getragen. Das ist wohl auch kaum zu ändern.

Trotzdem sollte auch für die Bundesliga, ihre Berichterstatter, für Trainer, Verantwortliche, Fans und Spieler immer klar sein, dass die Hauptdarsteller dieses Millionengeschäfts Menschen sind. Und die machen eben nicht nur alles richtig, die machen Fehler (und das nicht absichtlich), die haben Ängste, Sorgen und Probleme wie wir alle. Und dieses Recht sollten sie auch behalten, obwohl sie überdurchschnittlich verdienen und berühmt sind.

Jetzt reicht es aber auch mit dieser Thematik. Robert Enkes Freitod wird uns wohl alle noch etwas länger gedanklich begleiten. Und jeder sollte seinen Weg finden, wie er oder sie am besten damit klarkommt.

14:45 Uhr

Das Mitgefühl hat Priorität

11. November 2009

Es fällt mir heute schwer, zur Normalität und zum HSV-Alltag überzugehen. Ein paar Freunde und auch meine Frau haben mir gesagt, ich sollte bezüglich einiger Blog-Kommentare und diverser Diskussionen mahnende Worte wählen. Doch ich möchte das eigentlich nicht. Ich weiß, dass jeder anders mit Bestürzung, Trauer und Fassungslosigkeit umgeht. Einer braucht jede Menge Informationen, um sein Gemüt zu beruhigen, andere denken über ihr eigenes Leben nach – und wiederum andere befassen sich auch mit den zahlreichen Betroffenen, die so ein Todesfall mit sich bringt. Ich denke, dass jeder seinen eigenen Weg wählen darf und sollte, auch um einen Weg zurück in den normalen (auch gedanklichen) Alltag zu finden. Wir alle sollten uns dabei nicht in Meinungsverschiedenheiten aufhalten, sondern dem Mitgefühl für die Leidtragenden (und damit meine ich wirklich alle Leidtragenden) oberste Priorität einräumen.

Mir ist ehrlicherweise nicht danach, jetzt und an dieser Stelle über die Folgen zu schreiben. Sollte der DFB das Testspiel gegen Chile absagen? Müssen die anderen Bundesligaklubs, auch der HSV, großartig reagieren? Im Grund genommen gilt bei all diesen möglichen Maßnahmen dasselbe, was auch für die eben erwähnte Verarbeitung jedes Einzelnen mit diesem Freitod betrifft. Es gibt kein pauschales Richtig oder Falsch – und es wird immer Kritiker für die letztendliche Entscheidung geben.

Ab morgen, das verspreche ich Euch, werde ich mich wieder dem HSV und den spannenden sportlichen Themen rund um Bruno Labbadias Team widmen. Heute verarbeite ich das Geschehene und meine zahlreichen Gedanken dazu auf meine Weise, für mich selbst.

12:35 Uhr

Enkes Tod sorgt für Bestürzung

10. November 2009

Mein Telefon steht nicht still. Seit der Nachricht von Robert Enkes Tod haben mich enge Freunde, Blog-Bekannte und Kollegen angerufen und mir ihre Bestürzung mitgeteilt. Keiner kann fassen, dass Hannovers Nationaltorwart so plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Und viele wissen nicht, wie sie den Tod dieses gestandenen Mannes einordnen sollen. Ich schließe mich da an. Diese Informationsfetzen vom möglichen Selbstmord möchte ich eigentlich gar nicht so sehr an mich heranlassen, ehe mir nicht alle Umstände bekannt sind. Denn das wirft alles so viele traurige Fragen auf: Wie verzweifelt muss jemand sein? Und was muss seine Familie jetzt aushalten? Wie viel Schmerz lässt sich ertragen?

Ich möchte an dieser Stelle einfach nur mein Mitgefühl zum Ausdruck bringen und Euch sagen, dass es mich mit Stolz erfüllt, dass viele von Euch ungeachtet der Vereinszugehörigkeit, sportlicher Einschätzungen oder anderen Kriterien ihr Beileid kundgetan haben. Das ist für mich ein deutliches Zeichen, dass es immer noch Dinge gibt, die den Fußball und das ewige Konkurrenzdenken in den Hintergrund rücken und es eine Art Fußballfamilie gibt. Leider ist es in diesem Fall ein so tragisches Zeichen. Und darum möchte ich heute auch nicht mehr über den HSV schreiben. Ich bin fassungslos.

22:15 Uhr

Mathijsens Spielweise ist ein Beweis

29. Oktober 2009

Zum Thema Torhüterdiskussion wurde eigentlich genug geschrieben. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur eines noch klarstellen, damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich habe nicht an Robert Enkes Qualitäten gezweifelt. Mir geht es in diesem Fall nur eben so wie offenbar auch einigen von Euch – mein Bauchgefühl wehrt sich irgendwie gegen die Vorstellung, dass Enke hier der optimale Nachfolger für Frank Rost wäre. Ob es so kommen wird, steht ja noch in den Sternen. Und ich habe im Fußballgeschäft ohnehin längst aufgegeben, nur auf mein Bauchgefühl zu hören und zu vertrauen. Da gilt doch eher das Motto: Nichts ist unmöglich. Gar nichts – und darum habe ich mich auch in Sachen Rafael van der Vaart wie ein Politiker geäußert. Ich möchte mich zu dem „kleinen Engel“ aber erst wieder inhaltlich und mit Bewertungen äußern, wenn es tatsächlich einen Kontakt zwischen seinen Beratern und dem HSV gibt und sich die ernsthafte Chance anbahnt, dass er zurück zum HSV kommt. Inklusive Finanzierung.

Was mich momentan viel mehr beschäftigt, sind die anstehenden Duelle gegen die vermeintlich „Kleinen“. Dass Bruno Labbadia in den letzten Trainingseinheiten viele Standardvarianten hat üben lassen, spricht für seine Einschätzung, dass der HSV ab Sonnabend und dem Duell gegen Mönchengladbach auf wesentlich defensiver ausgerichtete Mannschaften treffen wird als zuletzt. Wobei anzumerken ist, dass Bayer Leverkusen in Hamburg auch nicht gerade stürmisch angetreten ist.

Falls jemand von Euch das Pokalspiel der Bayern in Frankfurt gesehen hat und die Münchener Taktik und Umsetzung genauer betrachtet hat, der kennt das Optimalrezept gegen „Kleine“ (zu denen zählt die Eintracht in ihrer aktuellen Verfassung auf jeden Fall): aggressives Pressing, ein frühes Tor, extreme Passsicherheit und Coolness. Was Louis van Gaals Mannschaft gegen die komplett überforderten Hessen auf dem Rasen gezeigt hat, war aller Ehren wert. Und für den Fall, dass es mit dem frühen Treffer gegen Abwehrbeton nicht klappen sollte, müssen eben auch Standardsituationen herhalten.

Heute Morgen, so hat mir Kollege Pletz übermittelt, haben Jonathan Pitroipa und Dennis Aogo im Training gefehlt. Wieder Verletzte? Kranke? Ausfälle? Bruno Labbadia konnte glücklicherweise sofort Entwarnung geben. Sie hatten abgestimmte wichtige Termine und sind heute Nachmittag wieder dabei – und ich erwarte sie eigentlich auch beide in der Anfangself gegen die Borussia.

Ist Euch eigentlich aufgefallen, an wem sich die spielerische Steigerung des gesamten HSV-Teams besonders erkennen lässt? An Joris Mathijsen. Wahrscheinlich ging es in den vergangenen Monaten, besonders in der letzten Saison, vielen von Euch wie mir: Wenn Mathijsen den Ball bekam und nach zwei bis fünf Sekunden keine unmittelbare Anspielstation sah, zudem noch angegriffen wurde, holte er einen Ball der Marke „hoch und weit bringt Sicherheit“ heraus – meist Bälle in die Tiefe ohne konkreten Adressaten. Mich haben solche vermeidbaren Ballverluste immer geärgert. Wer David Rozehnal in seinen ersten Trainingseinheiten in Hamburg betrachtet hat, sah ähnliche Szenen. Keine sofortige Anspielstation, langer Schlag – Gegner im Ballbesitz.

Und jetzt? Mathijsen spielt nur noch äußerst selten diese Art Verlegenheitsbälle. Das liegt zum einen an Trainer Bruno Labbadia, der diesen Mangel sofort thematisiert hat und die gesamte Mannschaft auffordert, am gezielten Spielaufbau teilzunehmen. Für Mathijsen heißt das: Bekommt er den Ball, sind mindestens vier Spieler gefordert, ihm eine Anspielmöglichkeit zu bieten. Und Mathijsen selbst hat sich in diesem Zusammenhang auch deutlich gesteigert. Er sucht nicht mehr nur den Weg über die linke Seite, er öffnet sich mehr und mehr auch für Spieleröffnungen über die „Sechser“ oder sogar über die offensiven Mittelfeldleute. Lange Bälle setzt der HSV wirklich nur noch in höchster Not oder ganz gezielt ein.

Damit wären wir wieder bei den so genannten „Kleinen“, gegen die lange Bälle nämlich durchaus ein gutes Mittel sein können. Schafft man es, die Abwehrreihen des Gegners möglichst weit vom Strafraum zu locken, kann man mit schnellen Offensivspielern (Elia, Pitroipa) in die Räume stoßen – sofern man Leute im Team hat, die so gezielte Pässe spielen können. Ich denke da beim HSV vor allem an Ze Roberto und David Jarolim, bei größeren Distanzen aber auch an Jerome Boateng, Dennis Aogo oder eben Mathijsen.

Und dann wäre da ja noch Frank Rost. Das Spiel der Torhüter hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich verändert. Reichte es früher noch, Bälle zu halten und Ruhe auf die Vorderleute auszustrahlen, sind die Torleute heutzutage die Initialzündungen für das Aufbauspiel. So ist es zu erklären, warum Rost manchmal nach einem abgefangenen Ball wie von einem Bienenschwarm verfolgt in Richtung Strafraumgrenze stürmt und nach einer Kontermöglichkeit per Abwurf oder Abschlag sucht. Denn gerade gegen die defensiv ausgerichteten Klubs bekommt man in solchen Situationen eher mal die Chance, eine Eins-gegen-eins-Szene zu erzwingen, was im normalen Abwehr/Angriff-Spiel selten vorkommt.

Ich bin wirklich schon jetzt gespannt, was sich Mönchengladbach für das Spiel in Hamburg ausdenkt. Der HSV ist jedenfalls motiviert genug. Schließlich kann Bruno Labbadias Team zurück an die Tabellenspitze stoßen – und ganz nebenbei noch zur besten (alleinigen) Heimmannschaft der Bundesliga werden.

14:05 Uhr

Frank Rost steht außer Frage

28. Oktober 2009

Rost oder Enke? Van der Vaart oder nicht? Unglaublich, wie viele Kommentare es zu den besagten Diskussionen gibt. Man könnte fast den Eindruck bekommen, der HSV stecke mitten in einer längeren Spielpause, denn sonst bliebe ja gar nicht so viel Zeit für so ausführliche Personalthemen. Na, das ist eben auch eine Folge des Pokalausscheidens und der ersten Nicht-Englischen Woche seit einiger Zeit. Während in Dortmund, Stuttgart und Duisburg Frust über das Ausscheiden den Mittwoch bestimmt, werden in Hamburg potenzielle Kaderveränderungen besprochen, kommentiert und aufgezeigt. Ich vermeide bewusst den Begriff Verstärkungen, weil ich gar nicht weiß, ob eine Verpflichtung beispielsweise eines Robert Enke eine personelle Verbesserung im Vergleich zu Frank Rost darstellen würde.

Wobei ich zum aktuellen Stand ganz eindeutig sagen kann: Besser als Rost momentan kann Enke gar nicht sein. In seiner aktuellen Form verkörpert der Schlussmann des HSV all das, was ein Trainer von einem Führungsspieler erwartet: Rost zeigt gute, stabile Leistungen, er strahlt Ruhe auf seine Vorderleute aus, er ist um eine stetige Verbesserung des gesamten Defensivverhaltens bemüht, er dirigiert, er organisiert, er kritisiert. Daher halte ich den jetzigen Zeitpunkt auch für mehr als unangebracht, um über die Torwartposition ernsthafte öffentliche Diskussionen anzustellen.

Denn eines ist ja auch klar: Sollte der HSV Robert Enke zur kommenden Saison holen, dann wird es bestimmt keine Konstellation Enke Nr. 1/Rost Nr. 2 geben. Dafür sind beide Torhüter zu alt, zu erfahren, zu ambitioniert. In Sachen Torhüter müsste beim HSV doch eigentlich folgendes angestrebt werden: Ein junger, talentierter Keeper wird für den Tag aufgebaut, an dem er Frank Rost als Nummer eins beerben kann. Das hat beispielsweise bei Bayer Leverkusen, wo Rene Adler für Jörg Butt zwischen den Pfosten ging, doch gut geklappt.

Ob Wolfgang Hesl das Zeug hat, Rosts Nachfolger zu werden, mag ich nicht einschätzen. Bei seinen bisherigen Einsätzen hat er trotz eines Aussetzers in Guingamp einen soliden Eindruck hinterlassen. Ich hätte jedenfalls keine Sorge, wenn Hesl Rost mal für eine oder zwei Partien ersetzen müsste. Aber ob es eben für eine ganze Saison reicht, auch um in großen Drucksituationen zu bestehen, das müssen und können nur die verantwortlichen Trainer, allen voran Claus Reitmaier, entscheiden. Und die werden es nur intern und ganz im Vertrauen tun, denn nichts ist schlimmer als ein verunsicherter oder auch übermotivierter Ersatztorwart, wenn er dann doch plötzlich ins Rampenlicht rückt. Eines ist jedenfalls klar: Hesl hat ein paar entscheidende Nachteile, die seine Position in Hamburg sicherlich nicht stärken. In der vergangenen Saison wurde er von Trainer Martin Jol eher mit Skepsis als Vertrauen bedacht, und der HSV durchforstete den Markt offenkundig nach zweiten Torhütern mit „Aufstiegspotenzial“. Das hat das Selbstvertrauen Hesls mit Sicherheit nicht gefördert, vielleicht aber eine Trotzreaktion hervorgerufen.

Wer Frank Rost regelmäßig im Training und auch in den Spielen beobachtet, der kann sicher sein, dass „Fäustel“ das Gegenteil eines Nervenbündels ist. Auch wenn ich ihn in der Vergangenheit nicht immer als DEN souveränsten Rückhalt betrachtet habe, so hat er meine Zweifel an seinen Qualitäten mittlerweile längst ausradiert. Mit guten Leistungen. Frank Rost ist mit Sicherheit kein Schmusetyp – auch oder gerade für die jungen Mitspieler nicht, gelegentlich auch für Claus Reitmaier nicht (dem er gelegentlich deutlich sagt, wenn er Übungen für sinnlos hält) -, aber er ist eine Größe, die Verantwortung übernimmt. Er entschuldigt sich für deplatzierte Abwürfe oder Abschläge, er stellt hohe Ansprüche an sein eigenes Agieren und fordert entsprechend viel von seinen Teamkollegen.

Allerdings – und darum existiert die Torwartdiskussion meines Wissens überhaupt – wird Frank Rost auch nicht jünger. Mit 36 Jahren ist er zwar noch nicht der älteste Bundesligaschlussmann, aber er gehört zum „älteren Eisen“. Aus Managementsicht wäre es fahrlässig, wenn sich die HSV-Verantwortlichen keine Gedanken um eine Torhüter-Nachfolge machen würden. Ob Enke, 32 Jahre alt, da das richtige Zeichen ist? Ich weiß ja nicht.

Das Thema van der Vaart möchte ich eigentlich gar nicht großartig kommentieren. Ich vertraue da voll und ganz den Informationen, die ich aus berufenem Munde erfahren habe. Demnach spielt der Niederländer in den aktuellen und mittelfristigen Planungen von Bruno Labbadia gar keine Rolle. Und trotzdem kann sich so etwas natürlich auch sehr schnell ändern. Der Fußballmarkt ist ja mittlerweile fast stündlich in Bewegung. Und warum sollte sich der HSV in der Winterpause nicht mal interessante Angebote anhören, sofern es denn welche gibt? Zuhören kann nie falsch sein.

Foto: RöhrbeinBelohnung für den 5000. Kommentar!
Mein Kollege Christian Pletz hat es noch in der Hand: das Hamburger Original-Trikot von Rafael van der Vaart mit der Rückennummer 23. Die Besonderheit an dem Dress: Auf der Vorderseite sind die Originalunterschriften von van der Vaart und seinen letztjährigen Teamkollegen. Der 5000. Kommentar in diesem Blog wird mit dem Trikot belohnt. Ein kleiner Tipp: Momentan liegen wir bei knapp 4700 Kommentaren (Foto: Röhrbein).

16:15 Uhr