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Adler könnte eine Sogwirkung haben

9. Mai 2012

Frank Arnesen wirkte bestens gelaunt. Er strahlte vor Glück, er lächelte oft, er lachte mitunter aus vollem Herzen. So hatte man den Dänen lange nicht mehr gesehen. Die Erleichterung darüber, dass der HSV-Aufsichtsrat am Abend zuvor den beiden – ersten – großen Transfers zugestimmt hat. „Ich bin sehr, sehr zufrieden, denn alle ist glatt verlaufen. Nun muss ich in den nächsten sechs Tagen mit den Verträgen alles klarmachen“, sagte Arnesen und betonte noch einmal: „Ich bin sehr zufrieden.“ Es war unübersehbar. Rene Adler und Artjoms Rudnevs werden HSV-Profis, der Anfang ist gemacht, jetzt wird in den nächsten Wochen weiter am neuen HSV 2012/13 gebastelt. Frank Arnesen über seinen „Königstransfer“ Adler: „Wenn man den deutschen Nationaltorwart bekommen kann, 27 Jahre alt, ablösefrei, große Zukunft vor sich, dann ist das eine spezielle Chance, dann muss man ganz einfach zuschlagen. Und man muss, wenn man ihn dann bekommt, ganz einfach glücklich sein – und ich bin sehr, sehr glücklich.“

Andere sind es offensichtlich auch. Mich rief heute am Vormittag ein alter Freund an und sagte begeistert: „Ich wollte keine Dauerkarte mehr kaufen, aber jetzt, wo Adler kommen wird, ist das ganz anders. Ich hole mir wieder meinen Platz, weil ich auf Adler ganz einfach Bock habe.“ Ich könnte mir vorstellen, dass etliche HSV-Fans so denken und so handeln werden. Und auch auf dem Spielermarkt könnte der Adler-Transfer eine Sogwirkung für den HSV haben. Der Keeper von Bayer Leverkusen soll für fünf Jahre unterschreiben, Adler wird Handgeld erhalten – und verdient 2,7 Millionen Euro, so wird erzählt, pro Jahr in Hamburg.

Wenn er erst in der Stadt ist (wohnt und spielt), dann wird er sicherlich auch eines Tages jene beiden Herren begegnen, die ihn einst in Leipzig besucht hatten. Vor vielen, vielen Jahren. Damals saßen die Eltern Adlers mit am Tisch, als zwei HSV-Leute (die mir persönlich bekannt sind) mit dem talentierten Jugendtorwart über einen Wechsel zum HSV verhandelten. Es wurde zum Abschluss eine Summe X aufgerufen, die hätte der HSV aufbringen müssen, dann wäre Adler nicht nach Leverkusen, sondern schon früh nach Hamburg gewechselt – allein der HSV scheute das Risiko. Weil schon damals Ebbe in der Rauten-Kasse herrschte. Es wurde aus Hamburger Sicht (zum Leidwesen der beiden HSV-Herren, die in Leipzig verhandelt hatten) auf Adler verzichtet, und nun ist er eben – über einen kleinen Umweg – doch noch da. Willkommen!

Noch allerdings haben Adler und auch Rudnevs nicht unterschreiben, doch Frank Arnesen sagt: „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Mit Rene Adler sprach der Sportchef schon gestern am späten Abend: „Er freut sich sehr, er ist voller Ehrgeiz, ist auch nach einem Jahr ohne Bundesliga-Spiel total heiß. Ich hoffe, dass er über gute Leistungen beim HSV in die Nationalelf zurückkommen kann. Rene hat eine achtmonatige Reha hinter sich und ist fit, er hat sich eine achtmonatige Auszeit genommen, um wieder total fit zu werden.“ Letzteres wurde in den zurückliegenden Wochen immer wieder einmal bestritten, doch die Offiziellen des HSV wollen davon nichts wissen. Alles soll absolut okay sein: „Alles, was wir gesehen haben, das ist sehr gut, da liegt kein Stein mehr im Weg. Er wird wieder auf ganz hohem Niveau spielen können“, so der HSV-Sportchef.

Bliebe noch Jaroslav Drobny. Der Tscheche könnte der teuerste Ersatztorwart der Liga werden. Zumal sich die Wechselabsichten Drobnys, zum FC Bayern zu gehen, zerschlagen haben – die Münchner wollen ihn nicht mehr und haben ein erstes Angebot schon wieder (und ganz schnell) zurückgezogen. „Mit Frank Rost und Drobny waren vor zwei Jahren auch zwei starke Torleute da“, sagte Arnesen, der auch die Reservekeeper Tom Mickel und Sven Neuhaus halten will. Es dürfte in diesem Zusammenhang spannend sein, ob Drobny sich noch eine weitere „Bank-Leere“ (für ein Jahr) in Hamburg antun wird, oder ob er selbst die Initiative ergreifen wird, um einen neuen Arbeitgeber zu suchen und zu finden. Arnesen: „Wenn Drobny sagt, dass er beim HSV bleiben will, dann bleibt er.“

Spannend dürfte es auch künftig im HSV-Sturm sein. Noch sind Marcus Berg, Heung-Min Son und Paolo Guerrero da, hinzukommen wird Maximilian Beister – und nun auch Rudnevs. Eine Spitze? Allerhöchstens aber zwei! Es dürfen ein Hauen und Stechen geben – zur Freude von den Fans, die von einem solchen Konkurrenzkampf durchaus profitieren könnten. Wie natürlich auch Trainer Thorsten Fink – und der gesamte HSV, der in den zurückliegenden Jahren ja die meiste Zeit mehr als sturmlahm war. Weil von einem Sturm oft nichts zu sehen war. Nicht einmal von einem lauen Lüftchen.

Aber vielleicht wird ja auch noch der eine oder andere Stürmer, der bislang bewiesen hat, dass er keine großen Bäume ausreißen kann, noch gehen (müssen). Schließlich benötigt der HSV noch etwas Kleingeld, um einen kreativen „Kracher“ für das Mittelfeld zu verpflichten. „Wir suchen nach Spielern, die bezahlbar sind, das müssen wir. Aber diese Spieler müssen auch Qualität haben. Mit Adler und Rudnevs haben wir zwei solcher Spieler gefunden. Darüber hinaus würden wir als HSV-Vorstand nie aus den Augen verlieren, dass wir ein Budget haben, das knapp ist. Das wissen wir, und damit müssen wir arbeiten. Spieler mit einem Top-Gehalt, das geht bei uns nicht“, sagt Frank Arnesen.

Und was ist mit einem Investor? Namens Kühne? Der Sportchef: „Wir können nicht von anderen abhängig sein, das geht nicht, wir müssen mit den Bedingungen arbeiten und zurechtkommen, die wir haben, wir müssen mit unserem eigenen Geld arbeiten. Könne wir aber Geld von außen bekommen, dann nehme ich das sehr gerne, dann wäre das ein Plus für uns . . .“ Mal abwarten, was dazu die Mitgliederversammlung m 20. Mai sagen wird, es gibt zu diesem Punkt ja einen interessanten Antrag – der aber, so war hinter der vorgehaltenen Hand zu erfahren, schon halbwegs geklärt sein soll. Man soll sich bereits irgendwie „arrangiert“ haben – bin gespannt, ob das stimmt, oder ob da die Wellen auch weiterhin sehr hoch schlagen werden.

Geradezu ins Schwärmen gerät Frank Arnesen, wenn er über Artjoms Rudnevs (24) spricht. Der Lette, der zuletzt für Lech Posen stürmte, ist hierzulande ja fast noch ein Unbekannter, doch der Sportchef klärt auf: „Das ist ein Knipser. Und wenn ein Stürmer in einem Jahr viele Tore macht, ist das gut. Wenn er aber bei seinen letzten drei Klubs immer der Top-Scorer war, dann ist das sehr gut. Er ist frisch, hungrig, er ist auch physisch sehr stark, er geht steil – das ist etwas, was gut für uns sein wird.“

Der 1,83 Meter große Rudnevs, der kopfballstark ist und beidfüßig schießen kann, hat in 29 Liga-Spielen für Lech 22 Tore erzielt. Auch drei englische Erstliga-Klubs zeigten Interesse, aber der HSV war im November bereits der erste Interessent und hat seitdem die besten Karten. „Er hätte in England viel mehr verdienen können, aber er wollte zum HSV. Das zeigt mir, dass zu seinen großen Fähigkeiten im Strafraum noch ein Plus in Sachen Charakter kommt“, klärte Frank Arnesen auf und ergänzt noch: „Ich freue mich, dass wir einen sehr, sehr guten Spieler für einen sehr, sehr guten Preis bekommen konnten.“ Der Sportchef sagte dann auch noch etwas sehr Interessantes: „Der Transfer Rudnevs ist ein gutes Exempel, er zeigt mir was möglich ist, wenn eine Scouting-Abteilung früh reagiert und immer auf Ballhöhe ist.“

„Gib mir mehr davon, gib mehr davon, etwas mehr als vorher, das vertrag ich schon . . . „, so heißt es ja in einem deutschen Schlager, wobei ich im Moment nicht weiß, wer das gesungen hat. Egal. Wer nur schön. Wenn die Scouting-Abteilung mehrere solcher Goldfische an Land ziehen könnte. Denn von dieser Sorte, schnelle, hungrige, ehrgeizige, physisch starke Spieler, könnte der HSV sicherlich noch viele, viele mehr gebrauchen.

Zum Beispiel für das Mittelfeld. Wie wäre es denn mit einer Rückholaktion? Rafael van der Vaart? Der Herr Kühne wollte einst schon einmal an dieses Thema ran, wurde aber letztlich vom damaligen Trainer (der jetzt beim VfB Stuttgart ist) leicht ausgebremst. Wobei Kühne nicht die gesamte Summe für den „Heimkehrer“ gegeben hätte, immerhin aber ein stattliches Sümmchen. Vielleicht ließe sich dieser Versuch ja wiederholen, denn nun hat der HSV ja mit Thorsten Fink einen anderen Coach – eventuell würde Fink ja „ja“ dazu sagen. Arnesen sagt zu dem Thema Mittelfeldmann: „Das müssen wir sehen, wie wir das machen. Das könnte eventuell von anderer . . .“ Dann bricht er ab. Und setzt irgendwie anders fort: „Da müssen wir flexibel sein. In diesem Moment . . .“ Wieder wechselt er den Gedankengang: „Wir müssen das, wir sind dran, ich will alles probieren, um einen starken Spieler für diese Position zu holen.“ Gibt es denn schon einen Kandidaten? Arnesen: „Nein, noch nicht – wir sind ja früh dran. Wir haben heute den 9. Mai, das ist noch sehr früh.“

Ende des Monats (spätestens) soll dann ja auch entschieden werden, ob der FC Chelsea seinen zum HSV ausgeliehenen Spieler Jeffrey Bruma schon in diese Sommer wieder zurückhaben will. Arnesen: „Das müssen wir abwarten. Jeffrey aber will gerne hier bleiben, weil er in Hamburg sehr zufrieden ist, und wir wollen, dass er bleibt, denn auch wir sind sehr zufrieden mit ihm.“ Besonders als Rechtsverteidiger hat Bruma den Sportchef überzeugt – mich nebenbei auch. Da hat er seine besten Spiele für den HSV gemacht. Und vielleicht spielt in diesem Zusammenhang ja auch dem HSV in die Karten, dass Bruma nicht für die Niederlande und die EM nominiert worden ist.

Das gilt übrigens auch für einen weiteren Niederländer, der einst beim HSV spielte – und seit dieser Zeit sein (Fußball-)Glück kräftig mit Füßen tritt: Eljero Elia. Zu ihm gab es heute vom Sport-Informations-Dienst (SID) folgende Meldung:

Der ehemalige Hamburger Bundesliga-Profi Eljero Elia will den italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin verlassen. Der 25-Jährige, für den Juve im vergangenen August neun Millionen Euro nach Hamburg überwiesen hatte, war in dieser Saison nur zu vier Kurzeinsätzen gekommen und hatte kaum Anteil am Meistertitel seines Klubs.

„Ich muss anderswo aufs Neue beginnen. Ich habe den Teamkollegen zum Meistertitel gratuliert, doch dieser Titel fühlt sich nicht nach meinem an, und sie begreifen das“, sagte Elia. Er habe keine Gelegenheit bekommen, zu spielen und sich auszudrücken, sagte der Niederländer, der auch nicht dem Kader des Vize-Weltmeisters für die EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) angehört.

Elia war im Sommer 2009 für neun Millionen Euro von Twente Enschede zum Hamburger SV gewechselt, für den er 52 Bundesligaspiele absolvierte. Im August hatte er einen bis 2015 laufenden Vertrag mit Juve unterzeichnet. „Jetzt möchte ich wieder spielen. Ich bin erst 25 Jahre und habe noch viel Zeit vor mir“, sagte Elia.

Und dann noch schnell in eigener Sache. Die folgende Mail erhielt ich heute aus dem Süden der Nation:

Hallo Dieter,

die Mail von „UvD”, welche Sie im Blog zitiert haben, muss ich einfach kommentieren, da ich das soooo nachvollziehen kann. Auch ich lebe seit über 40 Jahren fern der Heimat (HH) in der tiefsten oberbayrischen Provinz und habe zwei Fußball spielende Söhne. Bei dem größeren ging die Erziehung fußballerisch in die Hose, er ist überzeugter Bayern Fan, was natürlich 40 km von München entfernt nicht sonderlich überraschend ist. Beim kleineren der beiden konnte ich meine Neigungen durchsetzen und er wurde schon im frühen Kindesalter, trotz aller Warnungen seines Vaters („Überleg dir das gut, du wirst Zeit deines Lebens immer ein Außenseiter sein, der deswegen immer dumm angeredet werden wird.” usw usw.) zum eingefleischten HSV Fan.

Beim Training seiner E-Jugend Mannschaft ist er unter 15 roten der einzige blaue, der nieeee ohne komplette HSV Tracht ins Training gehen würde. Man muss sich das vorstellen, alle rot (zum Glück ist einer der Trainer zumindest ein Löwe und kann somit Misserfolge seit Jahren nachvollziehen) und einer, der die Raute auf allen möglichen Bekleidungsteilen mit voller Überzeugung trägt. Er hat es übrigens selbst im letzten Punktspiel trotz strenger bayrischer Fußballregeln zwecks einheitlicher Trikots fertig gebracht, anstatt der vorgeschriebenen schwarzen Vereinshose die eigene schwarze HSV Hose (mit Raute) ins Spiel zu schmuggeln und in dieser auch zu spielen . . .

Und ich kann „UvD” nur so zustimmen, dass unsere hochbezahlten Profis sich mal nach einem miesen Spiel (und davon gab es ja in letzter Zeit wirklich nicht zu wenig) diese jungen Fans anschauen sollten, wie sie leiden, welche Tränen da in die HSV-Bettwäsche gedrückt werden – das wäre mal Motivation genug, sich so richtig den A….. aufzureißen. Da wird hier in Oberbayern die ferne HSV Mannschaft gegen alle Anfeindungen verteidigt und dann gehen unsere Profis mit so einer Einstellung in die Spiele….. Und der Satz von „UvD“: „Ich glaube, wenn die Spieler einmal die traurigen Augen der enttäuschten Kinder sehen würden, müssten sie gar nicht mehr darüber nachdenken, wo ihre Motivation her kommen soll” der trifft den Nagel so dermaßen auf den Kopf . . . Kann man das nicht mal an unsere Spieler weiterleiten?

Wir (meine Söhne und ich) hatten in den letzten 2 Jahren das zweifelhafte Vergnügen, „unseren” (zumindest der von 66% der männlichen Familie) HSV live in der Arroganz Arena sehen zu dürfen, das Ergebnis mit 0:11 Toren dürfte allen noch in bester Erinnerung sein, man kann sich sicherlich ohne große Fantasie vorstellen, wie wir hier im Süden leiden, oder? Und leider haben wir es in den letzten Jahren nie fertig gebracht, unseren HSV mal zu Hause in der Imtech-Arena zu erleben (die bayrischen Schulferien fallen leider meistens in die Sommerpause), die tolle Stimmung zu erleben, wir kennen halt nur die Arroganz Arena mit lauter vom Erfolg verwöhnten, stummen Zuschauern, in denen die mitgereisten 1000 HSV Fans die über 60 000 Münchener locker übertönen, ja fast komplett unhörbar machen, schnief.

Lieber Dieter, ganz herzlichen Dank für die tollen Berichte über unseren HSV, wir sind hier im Süden darauf angewiesen, denn sonst wüssten wir doch überhaupt nix von unserem Lieblingsverein! Und wir bleiben optimistisch…

NUR DER HSV!!!

Mit freundlichen hanseatischen Grüßen, Boris L.

Lieber Boris,
diese Zeilen muss ich eigentlich nicht an die Spieler weiterleiten, denn die „guten“ HSV-Profis lesen hier mit. Das ist ganz sicher. Also sind ganz sicher auch einige Spieler dabei, die sich solche Zeilen zu Herzen nehmen.

PS: Donnerstag Training um 15.30 Uhr im Volkspark, am Freitag dann Spiel um 18.30 Uhr Spiel in Drochtersen (bei Stade).

17.11 Uhr

Diesmal scheint es ernster zu sein . . .

1. September 2011

Endlich herrscht Ruhe. Endlich sind die Fronten geklärt, wer bleibt, wer geht, mit wem kann geplant werden. Die Transferzeit ist mir entschieden zu lang, aber das ist nur mein persönliches und total unwichtiges Empfinden. Für den HSV finde ich es gut, dass es jetzt die Länderspielpause gibt, denn die Herren im Volkspark können sich nun erholen, neu sammeln und vermehrt daran arbeiten, dass es wieder bergauf geht. Das ist die erste HSV-Pflicht. Nicht auszudenken, wenn die nächsten beiden Bundesliga-Spiele, das in Bremen und das gegen Mönchengladbach, nicht erfolgreich bestanden werden. Aber gut, ich will nicht groß unken, ich werde, wir Ihr auch, abwarten (müssen). Heute am Vormittag wurde beim Training Fußballtennis gespielt – und die Stimmung war ganz sicher nicht so, wie man es für einen Tabellenletzten annehmen würde. Das macht mir zum Beispiel Hoffnung, muss aber nicht von allen übernommen werden.

Ja, ich hatte nun drei Wochen und drei Tage Urlaub. Abschalten vom Thema HSV konnte ich nie. Durch „Matz ab“ schon nicht, durch Freunde, Bekannte und durch die Medien ebenfalls. Mir wird angst und bange hatte ich einst geschrieben, bevor ich weg war, für diesen Artikel habe ich viel um und auf die Ohren bekommen – vielleicht hat der eine oder andere User mal daran gedacht? Ich habe es immerhin vorher geschrieben.

Aber egal, dieses Thema möchte ich auch nicht wieder aufwärmen. Zum Schluss dieses Beitrags möchte ich nur einen Artikel veröffentlichen, den mir ein (bekannter) Kollege privat geschrieben hat – aus Sorge um seinen HSV. Ich habe den Verfasser dieser Zeilen gefragt (und gebeten), dass ich seine Zeilen veröffentlichen darf – und ich durfte. Eventuell spricht dieser Freund und „Matz abber“ ja dem einen oder anderen von Euch aus der Seele.

Wie gesagt, dem Thema HSV konnte ich auch während des Urlaubs nicht ausweichen, zumal der Urlaub hier verbracht wurde (also nicht im Ausland). Ich war während der drei Wochen in Hamburg, ich habe mich mit etlichen HSV-Persönlichkeiten getroffen und unterhalten, ich war auch auf der (großartigen) Fußball-Gala des Hamburger Fußball-Verbandes im Hotel Elysee. Auch dort traf ich viele große HSVer, die allesamt in großer Sorge um ihren Klub sind. Fast hätte ich geschrieben, dass NATÜRLICH niemand seinen Namen erwähnt haben möchte, wenn mit den drei großen Buchstaben das Thema Abstieg verbunden wurde, aber es gab mir schon zu denken, was der eine oder andere HSVer zur Situation zu sagen hatte . . .

Es gab schon oft sehr prekäre Situationen, mit denen sich der „Dino“ konfrontiert sah. Das war immer wieder zu hören. Doch diesmal scheint es noch ernster zu sein.1996/97 war die Rettung vor allem deshalb möglich, weil Borussia Dortmund vier Tage später das Endspiel der Champions League zu bestreiten hatte. 2000/01 retteten 22 Tore von Sergej Barbarez die Klasse, so rechnete mir ein Alt-HSVer vor, un 2006/07 hießen die Retter Huub Stevens, Frank Rost und Ivica Olic, die im Winter geholt worden waren, als der HSV nach 20 Spielen gerade einmal 15 Punkte hatte. Es war also schon einige Male ganz, ganz eng, aber – wie schon geschrieben – in dieser Spielzeit scheint es noch einmal eine Nuance enger zu werden.

Obwohl es auch HSVer gibt, die in der Verantwortung stehen und jetzt zu mir sagten: „Nur keine Panik. Wir haben erst vier von 34 Spielen absolviert. Wir jedenfalls sind ruhig.“

Was ich aber immer und überall gehört habe, ist jenes Argument: „Es sind viele erfahrene Profis abgegeben worden, und viele, viele unerfahrene Jünglinge geholt worden. Spieler, die zwar talentiert sind, die aber kaum Erstliga-Erfahrung haben. „Und die sollen nun den HSV retten? Die sollen den HSV nach vorne bringen?“ Das war immer zu hören, die Angst ist da.

Mein Argument dafür, dass der HSV ja durchaus noch Spieler mit Bundesliga-Erfahrung habe, wurde kaum gehört. Angst essen Glaube auf, möchte ich das beschreiben. Den Glauben an die Wende. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät. Nun steht der HSV bis zur Winterpause, die erste Elf muss sich finden und gefunden werden – und dann Augen zu und durch. Im Januar könnte dann ja, wenn der Bedarf da sein sollte, noch nachgebessert werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich mir aber mal eine Elf vor Augen führe, dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der HSV mit Drobny (Mickel), Diekmeier, Rajkovic, Westermann, Aogo; Jarolim, Kacar; Ilicevic, Jansen; Guerrero, Petric zum Beispiel, dazu noch Leute wie Tesche, Skjelbred, Son und zum Beispiel Bruma muss doch die Bundesliga halten können. Und einen Namen trage ich in mir, dem ich eine großartige Zukunft prophezeihe: Gökhan Töre. Der junge Mann kann viel, der hat mehr als viele seiner (jungen) Kollegen, der zeigt mir auf dem Rasen Herz und Leidenschaft, der will – den sehe ich langfristig in der ersten Elf des HSV. Aber zum Glück habe ich das ja nicht zu entscheiden . . .

„Die Mannschaft ist intakt.“ So hat es, ich habe es mir genau gemerkt, Mladen Petric nach dem 3:4 gegen den 1. FC Köln in die Mikrofone gesagt. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube. Von einer Einheit erwarte ich, dass sie sich selbst aus dem Sumpf zieht, wenn es schlecht läuft. Auch während der 90 Minuten. Und das passierte mir in den bisherigen fünf Spielen (inklusive Pokal beim VfB Oldenburg) bislang viel zu wenig – bis gar nicht. Und daran muss (auch jetzt) stetig gearbeitet werden. Nur zu sagen, dass diese Mannschaft intakt sei, das genügt nicht. Über eine intakte Mannschaft hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren stets und ständig jeder HSV-Profi Auskunft gegeben, nur waren das immer nur Lippenbekenntnisse. Wir alle wissen es inzwischen doch viel besser – es war ja ohne Ende schlechter, es gab nie eine intakte Mannschaft.

Nun aber „steht“ der Kader, nun muss sich arrangiert werden. Und vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere HSV-Spieler auch daran, dass dieser HSV noch nie in der Geschichte abgestiegen ist. Und dass genau diese Tatsache Ansporn sein sollte, sein könnte, sich mit allen Kräften gegen den Misserfolg zu wehren – damit genau sein Name nicht mit einem ersten Desaster für immer verbunden ist. Aber vielleicht ist das auch nur ein wenig blauäugig von mir, so etwas zu glauben.

Ein Eljero Elia zum Beispiel, der nun für Juventus Turin kicken wird, dürfte sich mit dieser Art der HSV-Geschichte kaum oder nur unwesentlich auseinander gesetzt haben. Ich gebe zu, dass ich froh bin, dass der HSV diesen Spieler noch in letzter Sekunde los geworden ist. Früher wäre zwar besser gewesen, weil der Klub dann noch zwei statt nur einem Neuzugang (in aller Ruhe) hätte verpflichten können, aber auch so ist dieser Transfer in meinen Augen sehr gut gelaufen. Elia ist in Hamburg nie wieder zu jener Form gekommen, die ihn am Anfang seiner HSV-Zeit ausgezeichnet hatte. Viele machen dafür das böse Foul des Mainzers Noveski verantwortlich, ich aber glaube ganz einfach, dass Elia noch viel zu unreif war (ist). Er hat es nicht begriffen, um was es hier ging. Ob er es nun in Turin begreifen wird? Ich habe meine Zweifel.

Elias Scheitern beim HSV ist auch ein Scheitern des Beraters. Da gibt es ein Juwel, dem alle Experten ein riesiges Talent bescheinigen, doch konnte dieses Talent sein Potenzial nie abrufen. Erkenne ich das als Berater, dann miete ich mir für ein halbes Jahr ein Zimmer in Hamburg – und spiele wirklich mal den Berater in allen Lebenslagen, um diesen Jungen in die richtige Spur zu bringen. Zum Profi-Dasein gehören nicht nur Autogramme, Länderspiele und flotte Flitzer, da gehört auch jede Menge Verantwortung gegenüber seinem Arbeitgeber, der Mannschaft und den Fans. All das aber hatte Elia nicht begriffen.

Ähnlich verhält es sich mit Guy Demel. Er sollte weg, er wollte weg – das stand ja schon am Ende der vergangenen Saison fest. Für alle Seiten. Der gute „Giiiiiiee“ hatte es ja auch schon abgelehnt, mit einem Trainingsplan, der für die Sommerpause galt (erhielt ein jeder Spieler), in den Urlaub zu gehen. Weil für ihn das Thema HSV zu 100 Prozent beendet war. Dass er nun nicht zu einem großen Klub ging, dass er nun bei einem Erstliga-Absteiger anheuerte, das ist seiner Pokerei zu verdanken. Demel hatte bis zuletzt versucht, so billig wie möglich gehen zu können, möglichst ohne Ablöse – verpokert.

Dass Änis Ben-Hatira auch noch ging, das sehe ich auf der einen Seite als schade an, auf er anderen Seite aber begrüße ich es auch. Weil Änis zuletzt stagnierte. Der Bursche hat ohne Zweifel Talent, aber er rief es, ähnlich wie Elia, viel zu selten ab. Vielleicht sorgt eine neue Umgebung (und ein neuer Trainer) dafür, dass er es doch noch lernt. Er wird sich den Hintern aufreißen müssen, etwas, was er hier nicht mehr konnte. Leider nicht mehr konnte. Änis war zu sehr von sich und seinem Talent überzeugt, er sah die Kollegen neben ich und befand sich oftmals (im stillen Kämmerlein) als besser – das ist (noch) sein großer Fehler. Ich hoffe für ihn, dass Markus Babbel das in den Griff bekommen wird.

Zurück zum HSV. Marcus Berg schoss zwei Tore beim 8:0 gegen Bremerhaven. Endlich mal wieder Tore für den Schweden, endlich mal wieder Erfolgserlebnisse. Er sagt dazu: „Mein erstes Spiel in dieser Saison, das hat Spaß gemacht, auch wenn es nur 30 Minuten waren. Ich hätte gerne länger gespielt, aber es war auch so ein schönes Erlebnis.“ Berg ist ohne Schmerzen, aber 90 Minuten traut er sich noch nicht zu: „Ich habe nun vier Wochen mit der Mannschaft trainiert, alles lief gut, nun hoffe ich darauf, dass ich gegen Bremen im Kader bin – und dann über die Bank ins Spiel komme.“

Dass der HSV jetzt an letzter Stelle steht, das hätte er sich „natürlich niemals vorstellen können“, aber er sagt auch: „Es sind erst vier Spiele absolviert, wir bleiben nicht dort unten. Gegen Köln zuletzt haben wir gut gespielt, da hätten wir gewinnen müssen.“, meint Berg und mahnt auch zugleich: „Wir dürfen nicht in jedem Spiel drei, vier Gegentore bekommen, denn dann wird es schwer, zu siegen . . .“ Wohl wahr. Hoffentlich hat das schon bald jeder HSV-Profi für sich verinnerlicht.

Kurz noch einmal zurück zum heutigen HSV-Training. Reha-Coach Markus Günther war am Vormittag erst mit Muhamed Besic und Miroslav Stepanek auf dem Rasen, später noch mit Tolgay Arslan, der jetzt auch leicht mit dem Ball trainierte. Im Mannschafts-Training standen 16 Spieler: Neuhaus, Mickel, Mancienne, Westermann, Berg, Aogo, Jansen, Guerrero, Petric, Kacar, Castelen, Tesche, Jarolim, Skjelbred, Sternberg und Behrens.
Am Freitag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark geübt.

Während des heutigen Trainings wurde ich auch zur „Sache“ Koo, Magath und Frank Arnesen gefragt. Der Wechsel, der nicht zustande kam, weil Felix Magath sich wohl „quer stellte“. Ich habe deswegen nicht mit dem Wolfsburger Trainer gesprochen, aber meine Gedanken sind die: Magath hat nun die „Altmeister“ Hitzlsperger, Chris, Salihamidzic und Kyrgiakos geholt, in meinen Augen ein Wagnis. Sollte dann ein junger Mann wie Koo zum HSV gewechselt sein und dort sogar Karriere gemacht haben, würde sich das wohl nicht ganz so gut machen. Deswegen, so könnte ich mir vorstellen, ist dieser Wechsel doch noch geplatzt. Schade für den HSV.

So, nun zu jenem Schreiben, das ich während meines Urlaub erhielt. Es gab einige Beiträge dieser Art, ich mache einen öffentlich, weil er eventuell vielen Fans aus dem Herzen spricht. Wie geschrieben, es ist ein Freund und Kollege (vom Fernsehen), der mir seine Gedanken zum HSV zukommen ließ:

Hallo Didi,
man macht sich ja so seine Gedanken über den HSV. Ich habe die mal kurz festgehalten.
Wie siehst Du das?

Zu viele Gegentore

Der HSV hat in vier Spielen 14 Tore kassiert. Macht 3,5 Tore pro Spiel. Jeder
weiß, dass das nicht bundesligatauglich ist.

Zu viele Gegentore pro Spiel, dieses Problem hatte Gladbach in der letzten
Saison. Trainer Lucien Favre sagt in der FAS vom 28. August: „Wir hatten
2,7 Gegentore pro Spiel bekommen. Das ist zu viel. So bist du in der Liga
ohne Chance.“ Gladbach verbesserte den Schnitt auf 1,9 Gegentreffer und
konnte sich grade eben noch retten.

Man kann aber auch mit weniger Gegentoren absteigen. So wie 2010 Hertha
BSC. 1,6 Gegentreffer pro Spiel. Vorletzter Bochum kassierte 1,8 Gegentore.
Der HSV liegt jetzt bei fast doppelt so vielen Gegentoren pro Spiel!

Einziger Trost, Hannover 96 kassierte in der vorletzten Saison mit 67 Toren
die meisten Gegentreffer aller Bundesligaklubs. Macht 1,97 Tore pro Spiel.
Hannover wurde 15. und blieb drin. Im Jahr darauf wurden sie Vierter und
spielen jetzt international.

Trainer- oder Torwartproblem?

Als Mirko Slomka in Hannover Trainer wurde, hat er die ersten sechs Spiele
verloren. Michael Oennings Bilanz ist noch verheerender: von 29 Spielen
als Cheftrainer konnte er nur vier gewinnen.

Die Frage ist aber nicht, wie lange bleibt Oenning noch Trainer beim HSV.
Die Frage ist, wie geht der Trainer mit Westermann, Diekmeier und Torwart
Drobny um? Vor allem der Torwart hat mit seinen Fehlern maßgeblich dazu
beigetragen, dass der HSV in den letzten Minuten gegen Hertha und jetzt
gegen Köln wichtige Punkte verloren hat.

Dzeko und Grafite

Soll Oenning also weiter zu seinem Torwart halten, oder soll er es machen,
wie einst Felix Magath in Wolfsburg? Der hat im Dezember 2007 Torhüter
Simon Jentzsch in der Halbzeit beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
ausgewechselt und holte in der Rückrunde Diego Benaglio. Die Wolfsburger
wurden am Ende 5ter. Und das in einem Jahr des Umbruchs. 14 neue Spieler.
Darunter der noch völlig unbekannte Edin Dzeko und Grafite.

Und noch mal zu den Gegentoren. In jener Saison hießen die Absteiger
Nürnberg, Rostock und Duisburg. Mit 1,6 bzw. 1,5 Gegentoren pro Spiel.
Sollte Oenning sich also zu einem Torwartwechsel entscheiden, könnte das
die Rettung sein. Fragt sich nur – wer beim HSV ist Dzeko und wer Grafite?

Ich wünsche allen “Matz abbern” einen schönen Feierabend, eine gute Nacht und einen stressfreien Freitag.

18.29 Uhr

Elia flüchtet – Lauterns Ilicevic im Anflug

30. August 2011

***Ergänzt mit Sperre Ilicevic***

Der eine geht, der andere kommt. Denn während Eljero Elia bereits seinen Medizincheck bei Juventus Turin absolviert und noch heute Nacht, spätestens aber morgen Vormittag als offizieller Zugang bis 2015 bei Juventus Turin vermeldet werden soll, sitzt Ivo Ilicevic in Kaiserslautern auf gepackten Koffern. Und sobald der Deal mit Elia und Juve abgewickelt ist, wird der Vertrag des Mittelfeldspielers in Hamburg unterschrieben. Kurios: Eigentlich wollte Elia (“Zu Juve zu wechseln würde keinen Sinn machen”) gar nicht zur Alten Dame nach Italien. Viel lieber wäre er auf die Insel nach England gewechselt, hätte dort beim FC Arsenal unterschrieben. Aber, und das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis des Elia-Transfers, am Ende war es ihm dem Vernehmen nach am wichtigsten, Hamburg zu verlassen. Egal wohin. Fast wie eine Flucht.

Aber egal wie, in Hamburg sagt man Tschüss.

Und das mache ich nett, ohne nachzutreten. Mit Elia verlässt uns einer der letzten und wenigen Spieler des HSV, denen man die Portion Genialität nachsagt, die ihn bis ihn die Fußball-Weltspitze führen kann. Eben jenes Potenzial, das Eljero in Hamburg zu selten abzurufen wusste. Es ist wie so oft: alle können die Abgabe des Spielers nachvollziehen, weil er sich in Hamburg nicht durchsetzen konnte. Und dennoch habe ich die Befürchtung, dass Elia plötzlich aufblüht. Ich habe sogar ein richtig ungutes Gefühl, dass wir ihn in ein, zwei Jahren auf großer Bühne als gefeierten Mann wiedersehen. Und sollte er das bei Juve schaffen, hätten die Italiener ein echtes Schnäppchen gemacht. Und ich würde mich ärgern.

Aber was blieb dem HSV übrig. In der Vorbereitung hatte Oenning den sensiblen Niederländer gestärkt und selbst nach schwachen Leistungen auch in der Bundesliga gebracht. Allein es half nichts. Elia der intern genauso umstritten ist wie hier im Blog, brachte wieder nicht das, was er selbst von sich behauptet zu sein: Weltklasse. Leider nicht. Ein paar Spiele unter Bruno Labbadia brillierte der Niederländer, bis ihn der Mainzer Noveski übel traf – eine Verletzung, von der sich Elia zumindest beim HSV nie mehr erholte. Aber vielleicht startet er ja jetzt bei der Alten Dame Juve noch mal durch.

Versüßt wird dem HSV dieser Abschied mit rund zehn Millionen Euro Ablösesumme zuzüglich einer Erfolgsprämie von maximal rund zwei Millionen Euro. Geld, das nach Möglichkeit gleich wieder investiert werden soll in einen kreativen Mittelfeldspieler. Schon heute soll diesbezüglich eine Entscheidung gefällt werden, wobei am Nachmittag sogar die Möglichkeit eingeräumt wurde, dass einer, zwei oder vielleicht sogar gar kein Neuer kommen könnte. Letzteres nahm ich mit Befremden auf. Und ich hoffe, dass dem auch nicht so sein wird. Denn klar ist doch, dass sich dieser HSV verstärken muss. Zumal, wenn man eine (zumindest potenzielle) Offensivkraft wie Elia weggibt.

Diego und Ballack sind es nicht, Rosicky ebenso wenig. Was diesen Blog heute umso schwerer macht, denn alles dreht sich nur um das, was eventuell und zu jeder Sekunde passieren könnte. Und niemand weiß, wann und wer kommt.

Ein potenzieller Neuzugang (und zwar der, er mich nicht vom Hocker hauen würde) soll der Koreaner Koo Ja-Cheol vom VfL Wolfsburg gewesen sein, den Trainer Felix Magath allerdings nicht ziehen lassen wollte. Womit die Suche nach dem oder den Neuen (alles andere würde ich nicht verstehen können!!) weitergeht. Aber schaut selbst. Unter: http://www.bundesliga.de/de/dfl/transfer/ könnt Ihr die aktuelle Transferliste einsehen. Jeder Spieler, der einen Bundesligisten verlässt oder zu einem wechselt. Muss vorher hier aufgeführt sein.

Das gilt auch für den Lauterer Ivo Ilicevic, dessen Berater Volker Struth heute zu Verhandlungen in der Imtech-Arena war. Der 24-Jährige Mittelfeld-Allrounder soll noch heute seinen Vertrag in Hamburg unterschreiben und rund vier Millionen Euro Ablöse kosten. Der FCK-Profi war in dieser Saison bislang in allen vier Partien von Anfang bis Ende auf dem Platz und erzielte einen Treffer. Letzte Serie brachte er es auf insgesamt fünf Bundesligatore und sieben Assists bei 21 Einsätzen. Und mehr als 26 Spiele wird er für den HSV auch nicht absolvieren können, da er gerade für vier Spiele gesperrt wurde. Ein bitterer Beigeschmack…

So viel vorerst zum Thema Transferaktivitäten des HSV. Sollte hier heute noch etwas passieren, oder ich noch Reaktionen auf den dann schon als perfekt vermeldeten Transfer des Kroaten haben, werde ich diesen Blog entsprechend ergänzen und das in der Überschrift auch kenntlich machen.

In diesem Sinne,

hoffentlich bis gleich,

Scholle (17.24 Uhr)

P.S.: Sören Bertram steht kurz vor dem Wechsel zu Alemannia Aachen. Das HSV-Talent soll für ein Jahr auf Leihbasis in die Zweite Liga wechseln, um dort Spielpraxis zu sammeln.

Warten auf DAS Angebot – und auf den nächsten Neuen

29. August 2011

Dieser Blog kommt spät. Entschuldigt bitte! Aber es ist erklärbar. Denn, so hatte ich gestern gehört, heute sollte eigentlich ein erster Transfer verkündet werden. Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen, darauf habe ich bis jetzt gewartet. Es sollte einer werden, „der Dich zwar nicht vom Hocker hauen wird, der aber durchaus sinnvoll ist“, so die Ankündigung. Wobei mich das nicht verwunderte – also das mit dem „nicht-vom-Hocker-hauen“. Denn auch mir war klar, dass für spektakuläre, sprich für arrivierte Verstärkungen zunächst ein Spieler verkauft werden muss. Vorzugsweise, so hatten es die HSV-Oberen ja wiederholt formuliert, Eljero Elia.

Und bei dem war gestern Highlife in Tüten. Gerade zur niederländischen Nationalelf abgereist, hatte der Außenstürmer einen Termin nach dem anderen. Oder besser: sein Berater. Galatasaray, Arsenal London, Juventus Turin – um nur die bekanntesten Namen zu nennen, hatten sich bei Elia angekündigt. Eine Entscheidung war allerdings auch bis Ende dieses Blogs noch nicht gefällt.

Im Gegenteil, stattdessen gab es ein Gerücht, dass Paolo Guerrero ein Angebot vom FC Genua vorliegen haben soll. Vom HSV wollte das jedoch keiner bestätigen, im Gegenteil. Ein Wechsel des Peruaners gilt als ausgeschlossen. Schon allein, weil der HSV niemals Elia und Guerrero abgibt. Und als sicher gilt: Elia geht.

Unklar ist allerdings weiterhin, wer dafür kommt. „Ich habe mehrere Namen auf dem Zettel“, hatte Sportchef Frank Arnesen nach dem Köln-Spiel angekündigt. Kein Wunder, denn in tagelangen Sitzungen hatten Oenning und Sportchef Frank Arnesen schon vor Wochen etliche Pläne für den Verkauf des damals bereits umworbenen Niederländers entworfen. Pläne, die in der Zwischenzeit sogar noch um die Namen Michael Ballack und Diego erweitert wurden, wobei der Leverkusener Ex-Nationalspieler als eher unwahrscheinlich, weil vom Trainer nicht gewollt, gilt. Diego würde taktisch besser in das eher offensiv ausgerichtete System Oennings passen – allerdings mag beim HSV niemand ein etwaiges Interesse bestätigen. Nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Deswegen belasse ich es auch dabei, erst dann Namen von potenziellen Zugängen zu vermelden, wenn sie zumindest ein wenig gestützt sind. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das wiederum gilt nicht für Jaroslav Drobny. Der hatte zuletzt wenig glückliche Aktionen, die ihm nicht nur hier im Blog massiv um die Ohren gehauen wurden und werden. Wobei sich für mich ganz klar eine Frage stellt: wie konnte man ernsthaft erwarten, dass der Tscheche gleich durchstartet, nachdem er in der vergangenen Saison nicht nur nahezu die gesamte Spielzeit über auf der Bank saß. Nein, wenn Drobny spielen durfte, gab es für ihn auch meistens noch auf die Augen. Sein einziges „Zu-null-Spiel“ hatte er beim 0:0 gegen Bayern München, wo er den verletzten Rost kurz vor der Halbzeit ersetzte. Seitdem kassierte er 29 Gegentreffer in elf Pflichtspielen. Nein, so etwas verkraftet kein Spieler, der es zuvor gewohnt war, als Stammspieler geführt zu werden. Und dann ist es auch egal, wie viel Größe demjenigen von Außenstehenden angedichtet wird.

Apropos Größe, die zeigt sich auch darin, auf Schadenfreude zu verzichten. Eben so, wie es Frank Rost macht, der ehemalige HSV-Keeper in Diensten Red Bull New Yorks. Der hatte schon nach dem ersten Patzer Jaroslav Drobnys Anfragen verschiedener Medien. Entgegen dem offensichtlichen Trend, als Ex-HSV-Profi zur Schelte auszuholen und seine Befürchtungen zu äußern, verzichtete Rost. Genau wie jetzt. „Ich will nicht zu denen gehören, die aus der Ecke kommen, wenn es nicht so läuft. Warum auch? Ich freue mich nicht über Fehler anderer und am allerwenigsten darüber, wenn der HSV verliert oder nur Probleme hat. Nein, das können andere machen.“ Klare Worte des Mannes, den sich in Hamburg nach Drobnys erneutem Patzer einige zurückwünschen, die ihn letzte Serie noch weggewünscht hatten.

Aber damit sollte es das auch sein. Ich kenne Frank als echten Sportsmann, der zweifellos seinen eigenen Kopf hat und den auch mannschaftsintern durchsetzt. Frank ist ehrlich. Nicht immer diplomatisch, aber eben dem Erfolg verschrieben. Deshalb zuckte er nicht eine Sekunde, als er in der vergangenen Serie darauf angesprochen wurde, wie er es an Drobnys Stelle sehen würde, dem bei seiner Verpflichtung mehr versprochen als letztlich eingehalten wurde. „Sportlich“, so seine Antwort damals. Eben so, wie er es in der Sommervorbereitung nahm, als er sich sportlich gegen den Neuen durchsetzte. Schon deshalb wäre Rost eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Aber okay, dass er sich sorgenvolle Gedanken macht ob der aktuellen Situation, das muss er nicht explizit sagen. Rost leidet mit. Das ist klar.

Ebenso – nein, deutlich mehr leidet Drobny. Der reiste heute nach etwas mehr als einem Jahr Länderspielpause wieder zur tschechischen Nationalmannschaft, wo er sich auf andere Gedanken bringen will. Das muss er auch. Nach seinen Fehlern steht der 31-Jährige vermehrt im Mittelpunkt der Kritik. Und wer ihn nicht auch außerhalb des Platzes erlebt, könnte meinen, da steht jemand komplett ohne Selbstvertrauen. Ich habe auch ehrlich gesagt das Gefühl, dass sich hier eine Schraube in die falsche Richtung dreht. Leider. Denn sie dreht sich nach unten, nahezu egal was Drobny macht. Und noch mehr, wenn er es so macht, wie er es im Moment macht. Drobny steht in einer Bringschuld, die sich auch daraus begründet, dass er sich letzte Serie nicht gegen Rost durchsetzen konnte und jetzt erst beweisen muss, dass er den Routinier gleichwertig ersetzen kann. „Jeder, der Fehler macht, gerät in den Fokus der Öffentlichkeit weiß Trainer Michael Oenning aus eigener sehr aktueller Erfahrung zu berichten. Umso lobenswerter, dass sich Rost jeden Kommentar verkneift. Motivation hätte er genug, nachdem er von der damaligen HSV-Führung entgegen eigener Wünsche zum Aufhören bewegt wurde. „Ich trete nicht nach“, sagt Rost.

Nicht nachtreten, dafür nachlegen würde ich gern. Und das werde ich auch, sobald sich transfertechnisch etwas tut. Dann melde ich mich noch mal.

Ansonsten bis morgen. Dann sprechen wir mit Michael Oenning, dem heute schon eine Schonfrist von nur noch zwei Spielen angedichtet wurde. Ich bin gespannt, wie der Cheftrainer selbst seine Situation einschätzt. Vielleicht das dann ja schon vor dem Hintergrund einer oder gar zwei neuer Personalien.

In diesem Sinne, bis bald!

Scholle

Elia geht – kommen noch zwei Neue für Oenning?

28. August 2011

Die Diskussion ist in vollem Gange -. Und das erscheint auch nur logisch. Öffentlich wie beim heutigen Sport1-Doppelpass wie auch hier im Blog, wird beim HSV die aktuelle Misere hinterfragt. Die einen kommen zu dem Schluss, die Mannschaft würde nicht alles geben. Andere, wie Ex-Profi Thomas Strunz im „Doppelpass“ denken, es liegt an der Kaderzusammensetzung und der schwachen Wirkung Oennings auf die Mannschaft. Und wieder andere schieben die Schuld allein auf den Trainer. Wie einige Fans, die nach Schlusspfiff „Oenning raus“ skandierten. Forderungen, die beim HSV allerdings verebben, weil sich der Vorstand weiterhin eindeutig und schützend vor seinen Übungsleiter stellt. „Damit gehen wir sehr offensiv um und werden von unserer Seite darüber gar keine Diskussion führen! Es ist jetzt nicht die Frage des Trainers, es ist jetzt die Frage der Analyse dieses Spiels und der Spiele vorher. Da haben wir zwei Wochen Zeit – und die werden wir nutzen.“ Es ändere auch der Tabellen- und Punktestand nichts an dieser Haltung: „Die Spieler sind ja überwiegend sehr junge Spieler, die noch nicht das Selbstvertrauen gewinnen konnten, was man einfach braucht, um so ein Spiel über die Runden bringen zu können. Da fehlen einfach noch die Erfolgserlebnisse.“

Eine allemal diskutable Sicht der Dinge, wie ich finde. Denn erfahrene Profis wie Drobny, Westermann, Aogo, Jansen, Jarolim, Petric und dazu noch Diekmeier standen in der Startelf, später kamen noch Elia und Guerrero – und das soll nicht ausreichend Erfahrung sein, um ein Bundesliga-Spiel über die Runden zu bringen? Gegen Köln? Das darf nicht stimmen. Denn wie sollte sich das ändern? Im nächsten Spiel, dem brisanten Nordderby bei Werder Bremen? Okay, die Ansprüche an diesen und von diesem HSV sind (noch) nicht allzu hoch.
Sind sie vielleicht sogar zu niedrig?
Denn, keine Frage: der HSV hat gegen Köln sein bislang bestes Spiel gezeigt und sich ob (mindestens) zweier dummer individueller Fehler um den Lohn seiner Arbeit gebracht. In allen Statistiken war der HSV besser. 58 Prozent Ballbesitz, 16 zu 7 Torschüsse und sogar 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dennoch, im Gegensatz zu den HSV-Granden verwende ich extra nicht „wieder“ um den Lohn gebracht, denn bislang hatte der HSV in Dortmund, gegen Hertha und in München durch seine Spielweise nicht mehr verdient. Die Mannschaft, in der Neuzugang Rajkovic ein gutes Spiel machte und zusammen mit Westermann (85 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Top-Wert der Partie) die Abwehrmitte gut dicht bekam. Da zudem Tesche und Jarolim das Mittelfeldzentrum im Griff hatten, schien das Hauptproblem der letzten Wochen eigentlich behoben. Und trotzdem gab es vier Gegentore. Nummer elf bis 14 im gerade mal vierten Bundesligaspiel, was die utopische Summe von 119 Gegentoren auf 34 Spieltage ergeben würde.

Und das wird nicht passieren. Auch, weil ich glaube und hoffe, dass Arnesen die Zeichen der Zeit deutlich wahrnimmt. Denn neben der Rückendeckung für Oenning gab es nach dem 3:4 gegen Köln noch eine klare Nachricht: Dass der HSV noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird. In beide Richtungen. So sagte es Arnesen gestern und so bestätigte es der HSV-Sportchef auch heute. „Wir werden bis Mittwoch noch etwas machen“, so Arnesen, der offensichtlich auf den Verkauf vom gestern wieder unauffälligen Eljero Elia hofft. „Wir hatten gute Gespräche vor drei Wochen, wo Eljero klar gesagt hat, dass er bleiben will. Aber in den vergangene zwei Wochen hat sich einiges geändert. Die Tür ist jetzt offen. In diesem Moment gibt es aber kein konkretes Angebot, aber das kann sich bis Mittwoch noch ändern.“ Dem Vernehmen nach ist Juve der ernsthafteste Kandidat, aber auch Klubs aus Spanien und England (Arsenal) sowie Galatasaray Istanbul sollen interessiert sein. Arnesen: „Bislang haben wir kein konkretes Angebot vorliegen.“ Auch dass es ein Tauschgeschäft mit Amauri geben könnte, wie im Internet (auch hier im Blog) spekuliert wurde, schloss der HSV heute aus.
Geht es nach Oenning, soll ein offensiver Kreativspieler für das Mittelfeld kommen. „Es ist kein Geheimnis, dass uns eine solche Personalie sehr gut helfen würde“, so der HSV-Trainer, der sich vielleicht sogar auf zwei neue freuen darf. „Ich habe einige Spieler auf dem Zettel. Je nachdem, wie unsere Möglichkeiten sind, werden wir reagieren“, so Arnesen, der auf eine guten Preis für Elia und die späte Abgabe (und damit Gehaltseinsparung) bei Demel hofft. Denn, das hatte Jarchow nach dem Spiel klar gesagt: „Wir haben keine finanziellen Reserven.“

Klargestellt hat gestern Oenning – auch wenn er bei der Frage nach einem Torwartwechsel lange zögerte -, dass Drobny trotz seines erneuten Patzer die Nummer eins bleibt. „Jaro weiß, dass es ein Fehler war. Aber er ist erfahren und Sportsmann genug, um damit umzugehen.“ Heute trainierte der Tscheche im Kabinentrakt, anstatt mit der ersten Mannschaft. „Es tut sehr weh. Ich habe einen Fehler gemacht und fühle mich scheiße. Ich muss besser werden. Was soll ich sonst sagen?“

Nichts. Zumindest fiele auch mir im Moment nichts Sinnvolles ein. Vielleicht helfen dem ebenso sympathischen wie derzeit glücklosen Torwart die Tage bei der tschechischen Nationalelf, zu der er morgen abreist. Ich hoffe es. Für ihn. Für den HSV. Und für uns. Ebenso wie ich darauf hoffe, dass sich der HSV noch mal sinnvoll verstärkt und die zwei Wochen Pause nutzt, um sich der einen oder anderen Baustelle zu befreien. Es muss tatsächlich alles hinterfragt werden, bis am Mittwoch das Transferfenster bis zum Januar schließt.

Ein guter Anfang: Der zunächst frei gegebene Dienstag wurde gestrichen.

In diesem Sinne,
bis morgen,
Scholle (17.34 Uhr)

Zum Schluss noch mal die Zitate direkt nach Schlusspfiff, gesammelt von meinem Kollegen Alexander Berthold:

Dennis Diekmeier: „Ich bin stinksauer. Wir waren aggressiv, klar besser und kriegen solche beschissenen Tore. Ich kann es nicht fassen.“

Per Skjelbred:
„Das ist jetzt eine ganz harte Situation, aus der wir nur als Team herauskommen. Es geht nicht allein um Drobny. Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir zusammenhalten. Unglaublich: Wir schießen zuhause drei Tore und stehen ohne Punkte da…“

Heiko Westermann: „Wir haben heute vieles richtig gemacht. Wir wären der verdiente Sieger gewesen. Speziell die letzten beiden Gegentore dürfen einfach nicht fallen. Obwohl wir vier Gegentore bekommen haben, kann man nicht sagen, dass wir schlecht gestanden haben. Wir waren stabil. Nach dem Rückstand sind wir wieder aufgestanden.“
„Wir müssen nicht über Drobny reden. Wenn man zuhause drei Treffer erzielt, muss man das Spiel gewinnen. Köln schießt in 90 Minuten vier Mal aufs Tore und alle Bälle sind drin.“
„Wir müssen uns der Situation stellen und die sieht so aus: Ein Punkt aus vier Spielen. Es wird jetzt unruhig werden, aber da müssen wir Spieler jetzt durch. Es geht jetzt darum, dass wir Punkte sammeln und nicht über Abstiegskampf zu sprechen. Wir werden gegen Bremen mit der gleichen Leidenschaft auftreten. Dann werden wir nicht als Verlierer vom Platz gehen.“
„Mit Rajkovic hat es für das erste Mal richtig gut geklappt. Er spricht viel und ich unterstütze ihn dabei. Slobodan hat einen richtig guten Job gemacht.“

Frank Arnesen:
„Wir haben das beste HSV-Spiel dieser Saison gesehen. Wir hatten heute in einem Spiel mehr Torchancen als in den drei Partien zuvor. Aber so ist Fußball: Auch solche Spiele kann man verlieren. Wir haben guten Fußball gespielt, leider waren wir in der Defensive nicht so gut. Drei Treffer nach Standardsituationen muss man seriös (ich denke, er meint ernst nehmen) nehmen. Wir müssen das jetzt trainieren und darüber sprechen. 14 Gegentore sind einfach zu viel in dieser Saison.“
„Ich versuche sowohl die positiven als auch die negativen Dinge zu sehen. Und ich sehe sehr viele positive Dinge. Wir haben wenig zugelassen.“
„Es ist ja nicht so, dass ich jetzt ‚Hurra, Hurra‘ schreie und wir müssen jetzt genau überlegen, was wir machen. Niemand kann sagen, dass wir nicht gekämpft haben oder schlecht Fußball gespielt haben. Wir sind alle enttäuscht, dass wir nur einen Zähler nach vier Spielen haben. Aber noch mal: Ich habe eine Verbesserung im Vergleich zu den letzten Spielen gesehen. Ja klar, ich stehe zu Oenning.“
„Wir haben kein Torwartproblem. Keine Frage, Drobny hat unglücklich ausgesehen. Wenn ein Torhüter einen Fehler macht, ist es nun einmal gleich ein Tor. Wenn ein Stürmer eine Chance vergibt, kommt einfach die nächste Gelegenheit. Er hat in der Vorbereitung und auch gegen Hertha bis zu seinem Fehler sehr gut gehalten. Ich will ihn in Schutz nehmen.“

Egal wie, der erste Dreier muss her!! ***Arsenal will Elia**

26. August 2011

****Eljrro Elia soll in den nächsten Tagen ein Angebot vom FC Arsenal London erhalten. Der Champions-League-Teilnehmer hatte in den letzten Wochen durch Verkäufe seiner Stammkräfte auf sich aufmerksam gemacht. Beim HSV ist bislang allerdings noch kein offizielles Angebot eingegangen. Es wird aber damit gerechnet*****

Heiß war es. Ohne Klimaanlage bei mehr als 30 Grad Außentemperatur im fünften Stock, da staunte selbst Dennis Diekmeier nicht schlecht. Allerdings, und das war dann auch der schnell gefundene Übergang, es soll ja auch heißhergehen. Oder besser: es muss endlich heißhergehen, wenn am morgigen Sonnabend der 1. FC Köln in Hamburg zu Gast ist. „Da gibt’s keine Ausreden, da muss von Beginn an gepowert werden“, sagt der Rechtsverteidiger. Es soll quasi der Saisonstart für den HSV erfolgen. Und für Diekmeier, für den es ein Déja vu sein dürfte, schließlich feierte er vor einem Dreivierteljahr ausgerechnet gegen den FC sein Comeback. Übrigens: Auch damals hatte der HSV direkt zuvor eine herbe Klatsche in München kassiert. Wie hoch, weiß ich nicht mehr.

Ich erwähne es zumindest bewusst nicht, weil ich es heute so halten will wie die Mannschaft. „Wir schauen nicht mehr zurück“, so Diekmeier, „weil wir wissen, dass wir es können. Wir haben in der Vorbereitung gezeigt, dass wir gut sind.“ Nein, das Spiel gegen Köln ist sehr wichtig, „auch wenn Diekmeier nicht von einem Endspielcharakter wissen will. Dennoch weiß auch Diekmeier, dass ein Sieg wichtiger denn je ist. Zum einen, um nicht zu früh hinterherzulaufen, zum anderen auch, um die kommenden zwei Wochen Länderspielpause auch mal wieder mit erfreulichen Themen begehen zu können und nicht weiter darüber diskutieren zu müssen, was alles nicht funktioniert. Geschweige denn eine Trainerdiskussion zu führen.

Von der will im Übrigen auch Oennings Musterschüler nichts wissen. Oder besser: Diekmeier blendet sie aus. „Weil sie mich auch nicht interessieren. Wir wissen alle, dass Michael Oenning ein guter Trainer ist. Und jetzt müssen wir als Mannschaft das zeigen.“ Mit einem Sieg gegen Köln. „Klar. Alle müssen wollen, auf dem Platz, auf der Bank – einfach alle. Und wir müssen gleich mit Volldampf ins Spiel kommen“, so Diekmeier, der dabei immer wieder die Hände zu Fäusten ballt, „wir müssen einfach viel, viel aggressiver sein als zuletzt.“

Klingt gut – muss allerdings auch endlich umgesetzt werden. Einer, der dabei helfen soll, ist Slobodan Rajkovic, der unmittelbar nach seiner Verpflichtung am Mittwoch nach drei Trainingseinheiten schon gegen Köln in der Startelf stehen wird. Neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung und Diekmeier rechts. Links soll sich Dennis Aogo mit guten Leistungen wieder für die Nationalelf empfehlen will, aus der ihn Bundestrainer Jogi Löw gerade strich. Womit ich ’nen kurzen Abstecher wage: Vor einiger Zeit wurde Kevin Kuranyi ausgeschlossen, weil er das Stadion frühzeitig verlassen hatte. Eine Maßnahme, die ich damals hart aber absolut vertretbar fand. Bis heute. Oder besser, bis zu Philipp Lahms Buch und der Entscheidung, ihn nicht nur weiter als Nationalspieler dabei zu haben – als Kapitän zudem. Welches Maß legt dieser DFB bitte an?

Aber egal, das nur am Rande. Entscheidend für unser Wohlbefinden ist der Weltklasse-Außenverteidiger sicher nicht, das obliegt eher dem HSV. Und der begann heute 40 Minuten später mit dem Abschlusstraining. Im Stadion. Und , weil die Frage hier vermehrt danach gestellt wurde, zum ersten Mal in dieser Woche mit einem Abschlussspiel über den ganzen Platz. Dachten wir. Allerdings wurden lediglich Spieleröffnungen geübt. Mit vielen Unterbrechungen und Ansagen Oennings. Dabei agierte die oben bereits erwähnte Viererkette in der vermeintlichen A-Elf. Die hatte zudem Jarolim und etwas überraschen – auch wenn er es gestern schon so spielen ließ – Robert Tesche defensiv im Mittelfeld, Son auf rechts, Skjelbred zentral und Jansen links, während Petric als einzige Spitze agierte. Vier Änderungen gegenüber dem Bayern-Spiel, und die fünfte unterschiedliche Startaufstellung im fünften Spiel.

Rincon raus, Elia raus, Bruma und Töre raus – dazu Guerrero nicht dabei – das Gute an dieser Auflistung: Oenning hat so für alle Bereiche echte Verstärkungen auf der Bank. Und die wird er brauchen, sollte der HSV wie heute und in den letzten Tagen im Training bereits angedeutet, ein sehr laufintensives Pressing spielen wollen, das er auch heute üben ließ. Das und Standards. Wobei mit Guerrero und Kacar bei der B-Elf (nach Ecken von Castelen und Töre) sowie nach dem Seitenwechsel Westermann für die A-Elf (nach Ecke Jarolim) trafen. Die anschließenden Freistöße aus halblinker Position trat Aogo. Und von halbrechts – auch. Ohne, dass dabei Tore fielen.

„Wir haben im Training sehr viel Selbstvertrauen tanken können“, erzählte uns Diekmeier heute. auch Skjelbred sieht Fortschritte. Bei sich. „Ich bin jetzt zweieinhalb Wochen hier und habe meine Kollegen alle kennenlernen können. Es ist wichtig, dass man sich zu 100 Prozent auf dem Platz versteht“, so der Norweger vor dem Duell gegen seinen Landsmann Stale Solbakken, den er früher zunächst als Gegenspieler, dann als gegnerischen Trainer miterlebte. „Solbakken ist in Norwegen einer der größten Trainer des Landes.“ Aber all das sei unwichtig, so Skjelbred, „denn wir müssen zusehen, dass wir usnere Trainingsleistungen auf den Platz bringen.“

Mit Mladen Petric, der in Hamburg ein ähnlich hohes Ansehen genießt wie Solbakken in Norwegen. Sagt zumindest Diekmeier. „Über Mladens Wichtigkeit brauchen wir ja wohl nicht zu reden“, so der Rechtsverteidiger, „schon mal gar nicht in Hamburg.“ Auch nicht in Köln. Denn der FC durfte im März in der Imtech-Atena gleich drei Gegentreffer des Kroaten bestaunen. „Er ist sehr wichtig für die Mannschaft,“, ergänt Skjelbred, „jede Mannschaft braucht einen echten Goalgetter.“ Auch deshalb wird Petric auch diesmal von Beginn an spielen, wissend, dass er mit Guerrero und Berg zwei Spieler im Nacken hat, die die vielleicht Besten in dieser Trainingswoche waren.

Nach 40 Minuten Training war heute übrigens Schluss. „Fünf Minuten frei“, rief Oenning, der sich zuvor schon Westermann und Bruma und anschließend Jarolim zum Sechs- bzw. Vier-Augengespräch bat und zusammen mit der Mannschaft um 17.34 Uhr den Platz verließ. Und das mit dem besten Vorhaben gegen Köln. Und wie heißt es so schön, „manchmal ist weniger eben mehr“. Auch hier im Blog.

In diesem Sinne, bis zum ersten Dreier der Saison – wollte ich eigentlich so schreiben. Aber stattdessen tippe ich heute mal auf ein 0:1. Und bevor hier wieder meine Freunde anfangen, mich zu beschimpfen: ich mache das nur, weil ich in den drei bisherigen Spielen immer auf Sieg getippt habe und damit falsch lag. Vielleicht bringt so ein Tipp ja Glück. Einen Versuch ist es allemal wert.

Bis morgen!

Scholle
(18.07 Uhr)


So könnten sie spielen:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Jarolim, Tesche – Son, Skjelbred, Jansen – Petric.
Zudem im Kader: Mickel, Bruma, Rincon, Kacar, Töre, Elia, Berg, Guerrero.

Und während aus dem vorläufig 19 Mann umfassenden Aufgebot bis zum Spiel noch einer gestrichen werden muss, ist Romeo Castelen überraschenderweise gar nicht erst im Kader.

Rajkovic stellt sich vor – noch etwas müde…

24. August 2011

Da isser nu. Der fünfte Chelski-(Reserve-)Spieler. Und er macht Eindruck. Zumindest optisch. Denn Slobodan Rajkovic misst stattliche 1,91 und bringt auch entsprechend Gewicht auf die Waage. „Er ist einer, der Angst und Schrecken verbreitet“, hatte Michael Oenning gesagt. Davon wiederum war heute nichts zu sehen. Weder sportlich im Training, wo der Serbe das eine oder andere Mal übel stehen gelassen wurde. Und das nicht nur von den antrittsschnellen Spielern. Selbst Kacar hatte leichtes Vorbeikommen. Aber gut, es ist ja auch erst das erste Training gewesen. Wie dem Rest der Mannschaft werde ich auch ihm ne gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen.

Und, auch wenn mich heute ein befreundeter Spielerscout anrief, der Rajkovic bewusst gescoutet hatte und dem HSV sehr wohlgesonnen ist, und tatsächlich nur wenig bis nichts Gutes über den neuen Innenverteidiger zu berichten wusste, werde ich mitnichten hier den Stab über Rajkovic brechen. Im Gegenteil, der Serbe machte einen sympathischen Eindruck, hat einen starken linken Fuß, spielt vielleicht etwas zu viele lange Bälle, die allerdings dafür ziemlich zielgenau. Zudem bleibt die Hoffnung, dass das heute nur ein holpriger Start war und der Innenverteidiger in den nächsten Einheiten die Müdigkeit aus den Beinen schüttelt, um dann die erhoffte Verstärkung zu werden.

Bis dahin sollte dann auch die Geschichte mit dem Spucken bei Olympia 2008 in Peking und der einjährigen Sperre für alle internationalen Spiele mit Serbien ad acta gelegt werden. Ich weiß, dass meine Kollegen vom Boulevard schon ob der jeweiligen Chef-Ansage gar nicht drumherumkommen, die Geschichte bis in die letzte Faser zu recherchieren. Aber für uns hier im Blog muss das nicht gelten. Wir sollten Rajkovic unabhängig von Vorgeschichten versuchen, möglichst objektiv zu beurteilen. Schon deshalb werde ich im Blog heute noch mal Rajkovics Sicht vom Vorfall darstellen und das Fass anschließend schließen. „Ich kann Euch in die Augen gucken und besten Gewissens sagen, dass die Fifa einen Fehler gemacht hat. Ich habe niemanden angespuckt. Es gab auch nie einen Beweis für meine Schuld, selbst auf Videos ist nichts zu sehen. Ich kann nicht für meine Kollegen von damals sprechen, vielleicht hat ja einer wirklich gespuckt. Aber ich war das nicht. Ich bin ein Spieler, der immer viel Respekt hat – das weiß auch jeder, der mich schon mal auf dem Platz gesehen hat.“

Was wir noch von dem Neuzugang auf dem Platz erwarten dürfen? „Ich spreche ungern über mich selbst“, so Rajkovic, „ich zeige lieber auf dem Platz, dass ich immer bis an die Schmerzgrenze gehe und 110 Prozent gebe.“ Ganz praktisch ist dabei, dass der in Belgrad geborene 22-Jährige Gegentore „hasst“, wie er sagt. „Ich werde dann immer richtig aggressiv.“ Weswegen ihn Chelsea nicht behalten wollte? „Wollten sie eigentlich“, Konter Rajkovic, „aber ich habe keine Arbeitserlaubnis bekommen.“ Dafür hätte er 75 Prozent der serbischen Länderspiele in den letzten zwei Jahren oder 60 Prozent der letzten 20 Länderspiele absolvieren müssen. „Aber zum einen hat die Sperre mir nicht weitergeholfen, mich zu integrieren.“ Zum anderen habe er in der Nationalmannschaft mit den internationalen Spielern wie Kolarov von ManCity, Vidic (ManU), dem ehemaligen HSV-Wunschspieler Ivanovic (Chelsea) und auch Subotic von Borussia Dortmund sehr starke Konkurrenz in der Verteidigung. Warum er sich bei Chelsea nicht durchgesetzt hat? Immerhin war er schon mit 16 Jahren als damaliges Jahrhunderttalent für den stolzen Preis von fünf Millionen Euro Ablöse zum Premier-League-Klub gewechselt. „Ich habe die hohe Ablöse damals auch als Druck empfunden und war vom Kopf her überhaupt noch nicht reif. Ich habe viele Dinge einfach nicht verstanden. Ich habe einfach den Kopf verloren und zu wenig nachgedacht.“ Das sei heute zum Glück ganz anders. „Ich bin tatsächlich ruhig geworden.“

Der bekennende Single, der im Stadtzentrum eine Wohnung sucht, wird in Hamburg die Nummer 23 erhalten. Womit auch den letzten Träumern, zu denen ich mich zähle, klar sein dürfte, dass sich ihr Wunsch nicht mehr erfüllen wird: Denn ansonsten hätte der HSV ganz sicher nicht Rafael van der Vaarts Trikotnummer neu verteilt… Ein Umstand, der Rajkovic erst im Nachhinein bewusst wurde. „Ich habe die Frage danach erwartet. Und meine Antwort ist eigentlich ganz unspektakulär: ich habe die Nummer 23 genommen, weil ich nächstes Jahr 23 werden.“ Und als wir ein paar Minuten später nach seinem Idol fragten, hatte er gleich die Antwort parat: „Michael Jordan.“ Hintergrund: der vielleicht beste Basketballspieler aller Zeiten trug in seiner aktiven Zeit immer die Nummer 23…

Humor hat Rajkovic offenbar. Freunde auch. Ob er schon vorher mal in Hamburg gewesen sei? „Ja, ich habe hier vor zwei, drei Jahren mit Freunden Freunde besucht, die noch immer hier leben und mir die Eingewöhnung sicher erleichtern werden.“ Zudem kennt er Gojko Kacar als Teamkollegen in der serbischen Nationalelf, die vier vor ihm nach Hamburg gewechselten Ex-Chelsea-Spieler aus gemeinsamen Vorbereitungen in England sowie Eljero Elia als ehemaligen Mannschaftskameraden bei Twente Enschede in der niederländischen Eredivisie. „Ich werde mich hier schnell eingewöhnen“, so Rajkovic sicher.

Sportlich soll das sogar schon am Sonnabend klappen. “Ich bin fit”, sagt Rajkovic selbst. Und auch von Trainerseite her besteht die Hoffnung, dass der Neue bis zum Kellerduell gegen den 1. FC Köln (Sa., 15.30 Uhr, Imtech-Arena) im Training so zu überzeugen weiß, dass man gar nicht mehr um ihn herumkommt.

Apropos Oenning. Was meine Kollegen von der „SportBild“ da herausgefunden und aufgeschrieben haben, hat mir die Sprache verschlagen. Ich war schon nach dem Hertha-Spiel irritiert, als Oenning davon sprach, dass Skjelbred schon in den Trainingseinheiten der Tage zuvor einen müden Eindruck gemacht hatte – denn Oenning ließ den Norweger trotzdem spielen. Ich war nicht weniger irritiert, als Oenning jetzt davon sprach, dass sich Aogo nach zehn Minuten gegen Bayern durch die gelbe Karte selbst aus dem Spiel genommen hatte – ohne dass er ihn aber ausgewechselt hatte. Der jetzt bekannt gewordene Freud’sche Fehler, womit Oenning die SportBild-Geschichte erklärte, haut mich aber aus den Socken. Vor versammelter Mannschaft vor einem Spieler zu warnen, der längst nicht mehr beim Gegner spielt – das ist peinlich, das ist amateurhaft. Das ist eine Sache, die ihn angreifbar macht, die ihm mit Sicherheit von unzufriedenen Spielern immer wieder vorgehalten werden kann. Wie jetzt mit dem SportBild-Souffleur passiert. Und dann noch das Ding mit Mickel, den er nach dem Dortmund-Spiel fragte, wie es bei den Amateuren war – bitter! Immerhin war Mickel am Tag zuvor zusammen mit Oenning und der Mannschaft in Dortmund…

Da hilft die Generaldeckung seitens des Vorstandes – so eine Art Amnestie für Oennings vorübergehende Amnesie – nur bedingt. Nein, ich bin mir sicher, dass diese Geschichten jeweils eine Erklärung haben, die wahrscheinlich sogar nachvollziehbar ist. Aber selbst die besten Erklärungen können nicht den Eindruck verwischen, dass hier ähnlich „unkonzentriert“ gearbeitet wurde, wie anschließend von der Mannschaft beim 0:5 in München. Und noch eines ist sicher: Sollte Oenning weiter Misserfolg haben, wird die Trainerdiskussion in der kommenden Woche mit Sicherheit alles andere als abebben. Dann muss sich der HSV-Trainer auf zwei sehr ungemütliche Wochen vorbereiten. Zum einen, weil der Blogvater ab Mittwoch wieder übernimmt ;-). Zum anderen aber, weil diese jüngsten Anekdoten immer wieder zitiert werden. Sie werden als Indizien für Oennings angebliche Unfähigkeit herhalten müssen. Und er hat auch noch selbst Schuld. Leider.

Umso mehr ist ihm/uns/der Mannschaft/dem Verein gegen Köln ein Sieg zu wünschen. Das würde alles ein wenig entspannen. Und anschließend hat die Mannschaft in den zwei Wochen Länderspielpause ausreichend Zeit, um sich sich intensiv auf Rudi Völler…äääh….Claudio Pizarro (nur ’n Joke, entschuldigt bitte!!) vorzubereiten.

Scholle
(19 Uhr)
P.S.: Training am Donnerstag ist um 15 Uhr an der Arena.

0:5 in München – eine Demütigung und die Frage: was jetzt?

20. August 2011

Dieser Tag hatte außer Sonnenschein für keinen HSV-Fan etwas zu bieten. Mit 0:5 ging der HSV bei den Bayern unter. Ein Spiel, das allen Verantwortlichen noch mal deutlich vor Augen geführt hat, dass es mit dieser Mannschaft in der Verfassung einzig um den Klassenerhalt gehen kann. Eine Erkenntnis, die ebenso bitter wie realistisch ist. Wie ein Sparringspartner wirkten die Hamburger beim Rekordmeister. Komplett chancenlos wurde der schwächste Start in der Bundesliga seit knapp 30 Jahren für den HSV hingelegt. Für Michael Oenning das elfte Spiel als HSV-Trainer, das zehnte ohne Sieg. „Wir haben zu ängstlich gespielt“, resümierte David Jarolim anschließend, „und die Art und Weise ist nicht gut. Wir können noch froh sein, dass wir nur fünf Tore bekommen haben. „ Und dann kam das, was sich auch dem geneigten Zuschauer aufdrängte: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass der Zug nicht ohne uns wegfährt.“

Ehrliche, alarmierende und richtige Worte. Passend dazu hatte mein Tag eh schon das Motto „Sturzflug“. Zum Geburtstag hatte ich von meiner Freundin einen Kunstflug geschenkt bekommen. Ihr wisst schon, Schrauben fliegen, Looping – und eben Sturzflug. Um 11.30 Uhr sollte es losgehen, ich hatte mir extra nur leichte Kost gekauft, um nicht zu viel im später arg strapazierten Magen herumzutragen. Und dann das: die Sonne schien, blauer Himmel, aber fürs Fliegen sollte es nicht reichen. Mein Pilot Herr M. sagte mir, die Hitze habe die Regenmassen im Erdboden derart erwärmt, dass über Hamburg eine Dunstglocke hängt. Das würde meine Sicht (hab ich die bei den ganzen G, die auf mich wirken, wirklich??) so stark einschränken, dass er eine Absage vorschlagen würde. Ich schlug ein. Damit war der Sturzflug verschoben. Etwas, was ich mir von der Mannschaft in München auch erhofft hatte. Und was mir leider nicht gewährt wurde. Im Gegenteil.

Doch leider hatten die Münchener etwas dagegen. Zwölf Minuten gaben sie dem anfänglich kämpferisch guten Hamburgern, dann war es soweit. Ein unnötiges Foulspiel von David Jarolim gegen Thomas Müller, halbrechte Position (aus Bayern-Sicht). Arjen Robben, der bis hierhin mit allen Mitteln von Aogo bearbeitet worden war, schlug die Flanke rein und Daniel van Buyten traf per Kopf zum 1:0. Wobei ich mir die Frage stelle, inwieweit es Sinn macht, mit einer relativ uneingespielten Abwehr mit Raumdeckung zu agieren. Aber egal wie, van Buyten eröffnete den Torreigen, der keine vier Minuten später von Franck Ribery fortgesetzt wurde. Eine Flanke von Müller nahm der Franzose an. Und weder Rincon noch Diekmeier wussten den Münchener vom Torschuss abzuhalten – das 2:0 (17.). Ein Zwischenergebnis, das Bösestes erahnen ließ. Und eines, das in der 34. Minute weiter in die Höhe geschraubt wurde. Robben, der überragende Mann trotz seiner 70-Prozent-Fitness, setzte sich gegen Jansen und Aogo über außen locker durch und krönte seine bloßstellende Aktion mit einem fast schon arroganten Lupfer – das 3:0.

Jetzt fing es an, peinlich zu werden. Auf der Tribüne lachten Hoeneß und Co. über die Leichtigkeit, mit der der Rekordmeister den völlig chancenlosen HSV auseinandernahm. Auf der anderen Seite mussten die HSV-Vorstände Jarchow, Scheel, Hilke und Arnesen erst einmal tief durchatmen, ehe sie fassungslos mitansahen, wie bundesliga-untauglich sich ihr junges Team präsentierte. Michael Oenning auf der Bank wusste gar nichts mehr entgegenzusetzen und blieb nur noch auf seiner Bank sitzen – immer mit dem Blick zur Uhr, die wohl jeder HSVer am heutigen Tag nur zu gern um ne Stunde vorgedreht hätte.

Keine echte Torchance, nur ein Schuss von Diekmeier, dazu hinten komplett überfordert und im Mittelfeld vorgeführt – es war hart für alle, mitanzusehen, wie der HSV sein zehntes Spiel in Folge nicht in der Bundesliga gewinnen konnte.

Es war mehr als ein Klassenunterschied, der verbietet, hier zu loben. Und das hätte neben dem bemitleidenswerten Torwart Jaroslav Drobny einzig der für Petric aufgestellte Töre verdient gehabt. Denn es wurde nicht besser. In der zweiten Halbzeit spielte weiter nur ein Team: der FC Bayern. Gomez legte quer auf Müller, der volley verzog (51.). Drei Minuten später die gleichen Spieler, die Kombination umgekehrt – und erfolgreich. Müller lupft auf Gomez, der Mancienne stehen ließ und aus spitzem Winkel zum 4:0 einschieben konnte.

Und nachdem die Bayern durch Gomez (59.) und Müller (64.) eine höhere Führung vergaben, versuchte Oenning zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er brachte Tesche und Kacar, zog Westermann nach hinten in die Innenverteidigung und Mancienne dafür auf die Rechtsverteidigerposition. Zudem musste der beste HSVer, Gökhan Töre, für Tesche weichen und Son spielte fortan als einzige Spitze. Defensiver geht es nicht. Der HSV ergab sich in sein Schicksal. Die Bayern nahmen zudem mit den Auswechslungen von Robben, Ribery und Gomez einen Gang raus und demonstrierten, dass ihre 65 bis 70 Prozent für diesen HSV tatsächlich reichen. Denn Ivica Olic legte in der 80. Minute sogar noch mal nach. Nachdem Drobny einen 100-POrozentigen des ehemaligen HSVers parieren konnte, traf Olic unmittelbar im Anschluss per Kopf zum 5:0. Dass Oenning in der 87. Minute auch noch den eh schon gefrusteten Eljero Elia einwechselte muss ich mir von ihm erklären lassen. Aber mein erster Impuls war: warum jetzt noch? Warum noch das Risiko eingehen, damit einen eh schon frustrierten Spieler noch zusätzlich zu provozieren?

Nein, heute passte nichts. Gar nichts. Und bei aller Geduld, bei allem Verständnis für fehlende Eingespieltheit – niemand kann jetzt noch sagen, dass der HSV personell nicht reagieren muss. Es sei denn, er will sehenden Auges den einzigartigen Dinostatus der Bundesliga verspielen.

Und ganz ehrlich, ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass Fachleute wie insbesondere Arnesen das auch wissen und nur zu gern etwas machen würden. Auch wenn er nach dem Spiel die Stärke der Bayern als Hauptargument nannte und Oenning stärkte (“Er kriegt die Zeit, die er braucht”), würde er nur zu gern jetzt das Risiko eingehen können, was in den letzten beiden Jahren jeweils eingegangen wurde, um den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Nein, da ich weiß, wie gern Arnesen in letzter Sekunde noch mal 15 Millionen (wie einst für Berg und Rozehnal) in letzter Sekunde ausgeben würde, wie gern er personell nachlegen würde und wie partout ihm die Hände gebunden sind, appelliere ich hier an diejenigen, die immer noch glauben, in den letzten Jahren habe der HSV vernünftig gehaushaltet.

Auch diejenigen sollten jetzt endlich erkennen, dass da nichts – aber auch gar nichts mehr in der Kasse ist. So wenig, dass noch nicht einmal ins Risiko gegangen werden kann. Und woran das liegt, wissen wir alle. Auch die, die sich hier immer wieder aufschwingen und die Vergangenheit schönreden. Auch die müssen jetzt endgültig einsehen, dass diese aktuelle Chancenlosigkeit das Ergebnis der letzten Jahre ist. Insbesondere der letzten zwei Jahre. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren konnte der HSV sein dabei jeweils eingegangenes finanzielles Risiko nicht per Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb nachträglich rechtfertigen – geschweige denn finanziell decken. Es entstanden Altlasten, die die neue Führung noch immer nicht zu bewältigen weiß und die die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV gefährdet.

Soviel Ehrlichkeit muss sein.

In diesem Sinne, die letzte Meldung lasse ich unkommentiert: am Sonntag ist trainingsfrei.

Scholle (17.45 Uhr)

HSV: Drobny – Diekmeier (68. Kacar) , Mancienne, Bruma, Aogo – Rincon, Westermann, Jarolim, Jansen – Son (87. Elia), Töre (68. Tesche).

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