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Ola John will spielen – Bouy kostet keinen Cent

17. Januar 2014

Der erste Tag von Ola John beim HSV war ziemlich lang. Gleich um acht Uhr morgens war der 21 Jahre alte Niederländer im UKE erschienen, um dort seinen Medizin-Check beim HSV hinter sich zu bringen. Das zog sich über Stunden, aber am Nachmittag hat es der Flügelflitzer doch rechtzeitig zum Training geschafft. Alles ist geklärt, Ola John ist bis Ende der Saison von Benfica Lissabon ausgeliehen.

„Ich hoffe, ich kann dem Team helfen“, sagte der 1,80 Meter große John nach dem Training. „Ich habe mich bei meinem ehemaligen Mannschaftskameraden Eljero Elia nach dem HSV erkundigt. Wir haben zusammen bei Twente gespielt. Er hat fast nur gute Sachen über Hamburg gesagt.“ Diese und weitere Höflichkeiten ließ John, der ein A-Länderspiel für die Niederlande bestritten hat, von sich hören in dem ersten freundlichen Kennenlerngespräch. Komplett seht Ihr das Mini-Interview hier, wobei der Kollege Jurek Rohrberg von Sky und ich definitiv fürs nächste Mal unser Business-Englisch aufbessern werden. Aber es war eben auch nur eine erste Plauderei…

Im Training war nun noch nicht so viel zu erkennen von den Fähigkeiten des jungen Niederländers, der ja nicht nur wegen der gemeinsamen Herkunft an Eljero Elia erinnern soll. Herausragende Fähigkeiten werden ihm zugeschrieben, vielleicht kann er sie nach der Luftveränderung in Norddeutschland andeuten.

Für Sportchef Oliver Kreuzer steht jedenfalls fest, dass diese Verpflichtung notwendig war. „Nach dem Ausfall von Maximilian Beister war uns klar, dass wir etwas machen müssen. Ich hoffe, Ola kann die Erwartungen erfüllen.“ Der Sportchef sieht den neuen Mann nicht nur als Ergänzungsspieler, sondern als potentielle Stammkraft. Er könne links oder rechts spielen, ließ Ola selbst wissen – beim HSV ist er sicher für rechts eingeplant als Beister-Ersatz.

Im Schlepptau Johns haben die Hamburger auch den zweiten Wintertransfer eingeleitet. Genau um 13.35 Uhr ist dessen ein Jahr jüngerer Landsmann Ouasim Bouy (sprich: Bui) am Stadion vorgefahren worden. Der zentrale Mittelfeldspieler hat gleich mit der Mannschaft trainiert, obwohl er erst am Sonnabend die offizielle medizinische Untersuchung machen wird.

„Die beiden Spieler haben denselben Berater, und der hat uns Ouasim wärmstens ans Herz gelegt“, berichtete Oliver Kreuzer heute. Trainer Bert van Marwijk kannte den jungen Spieler noch aus dessen Zeit bei Ajax Amsterdam. Zuletzt bei Juventus Turin habe er ihn aber ein wenig aus den Augen verloren. Deswegen wurden, wie Kreuzer erklärte, alle Verbindungen eingesetzt, um aktuelle Informationen über den Spieler zu bekommen. „Am Ende entstand ein positives Bild. Außerdem ist das Geschäft für uns ohne Risiko. Wir zahlen keine Leihgebühr und auch kein Gehalt“, stellte Kreuzer klar.

Wie gut die Beziehung zwischen Trainer van Marwijk und Spielerberater Mino Raiola ist, konnten zufällige Gäste im Stadion-Restaurant „Die Raute“ erleben. Lachend und scherzend saßen die beiden Herren beim Essen am Tisch. Wenn es am Ende alles zum Wohle des HSV geschieht, dürfen bald auch die Hamburger Fans über die Leih-Transfers lachen.

Für keinen der Neuen, weder John noch Bouy, besitzt der HSV eine Kaufoption. „Ola John hat einen Marktwert von mehr als zehn Millionen Euro, da macht es für uns keinen Sinn, solch eine Option einzufordern“, so Kreuzer mit dem Blick auf die leeren Kassen des Vereins. Und Bouy ist eben ein nice-to-have-deal nebenbei.

Durch die Verpflichtung Bouys, die am Sonnabend oder Sonntag auch offiziell durch Vertragsunterschrift über die Bühne gehen soll, scheint auch die Zukunft von Robert Tesche und Gojko Kacar geklärt. Beide waren nicht mit dabei im Trainingslager in Abu Dhabi. Bert van Marwijk will über deren Zukunft nach dem Basel-Spiel entscheiden. Dadurch, dass nun noch ein zentraler Mann verpflichtet wurde, können sich die beiden Abgeschobenen ausrechnen, dass sie bei der zweiten Mannschaft bleiben, wenn sie keinen neuen Verein finden.

Dass einer von ihnen, oder beide, noch im Winter wechseln, ist derzeit nicht absehbar. Konkrete Anfragen oder gar Angebote gebe es nicht, so Kreuzer. Das gilt übrigens auch für Tolgay Arslan, an dem ja angeblich Galatasaray Istanbul großes Interesse haben soll. Auf den HSV sind die Türken jedenfalls noch nicht zugegangen.

Abgesehen vom Medizin-Check von Ola John hatten noch eine Reihe anderer Profis Termin im UKE. Nach dem Trainingslager in Abu Dhabi mussten erst einmal die Verletzten durchnummeriert und einsortiert werden. Bei Kerem Demirbay hat sich der Verdacht auf Bänderriss im rechten Sprunggelenk leider bestätigt. Vier bis sechs Wochen Pause für ihn – so lautet die erste Prognose. Auch die Kapsel im Gelenk ist angeknackst.

Es scheint wirklich ein absolutes Seuchenjahr für das Mittelfeldtalent zu werden, der ja gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen war. Nicht so dramatisch sieht es bei Lasse Sobiech aus, der mit einem entzündeten Zeh aus den Emiraten zurück geflogen ist. Der Innenverteidiger, der am Persischen Golf ja einen guten Eindruck hinterlassen hat, konnte heute einigermaßen problemlos ins Training einsteigen.

Im Gegensatz dazu fällt Johann Djourou – schon wieder – aus. Muskelfaserriss in der Wade. Es ist zum verrückt werden, so kommt der Schweizer natürlich nicht in die Hufe. Schlechte Karten dürfte er damit beim HSV besitzen, schlechte Karten bedeutet das auch im Hinblick auf die Schweizer Nationalmannschaft und die Teilnahme an der WM in Brasilien. Eigentlich gibt es dafür nur noch eine Chance: nach drei Wochen wieder fit werden, sich beim HSV in die erste Elf kämpfen und so Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld wieder für sich gewinnen. Da darf für Djourou nun aber nichts mehr dazwischen kommen.

„Das ist ganz ärgerlich für ihn“, sagte OIiver Kreuzer. „Er ist mit dem Anspruch angetreten, zu zeigen, dass er besser ist, als er es bisher gezeigt hat.“ Nun also der erneute Rückschlag.

Eine weitere Untersuchung bei Rene Adler, der ja einen Bänderriss im Fuß erlitten hatte, der zunächst nicht diagnostiziert wurde, ergab eine mögliche Pause von etwa zwei Wochen. Adler könnte also Anfang Februar wieder ins Training einsteigen. Gegen Schalke und in Hoffenheim ist somit ziemlich sicher Jaroslav Drobny der Torwart des HSV.

Was bedeutet das nun alles für den Test morgen gegen den FC Basel? Es ist die Generalprobe vor dem Rückrunden-Auftakt am Sonntag in einer Woche. Das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen, bislang sind etwa 7000 Karten abgesetzt worden. Heiko Westermann, um bei der Aufzählung der angeschlagenen Spieler niemanden zu unterschlagen, wird nicht mit dabei sein.

Zwar mischte der Ex-Kapitän beim Training in Hamburg munter mit, er fliegt übers Wochenende allerdings zu abschließenden Untersuchungen zu seinem Arzt nach Augsburg, der ihm dann möglichst grünes Licht für den Rückrunden-Start kommende Woche gegen Schalke geben soll.

In der Innenverteidigung dürfte als das junge Duo Tah/Sobiech auflaufen. Eine Halbzeit lang soll auch Pierre Michel Lasogga mitmischen, der so langsam wieder in Tritt kommt. Eine schlagkräftige Mannschaft wird van Marwijk also auf den Platz bringen. Das kann man wohl vom Schweizer Meister FC Basel, der morgen um 15.30 Uhr zum Ablösespiel für Trainer Thorsten Fink im Volkspark antritt, nicht sagen. „Stürmer Marco Streller ist verletzt. Und es fehlen auch noch zwei weitere Leistungsträger“, wusste Oliver Kreuzer zu berichten. Trotzdem sei die Partie die wichtigste für den HSV vor dem Rückrundenstart, so Kreuzer.

Es scheint so zu sein, dass weniger Fans zum Basel-Kick ins Stadion kommen werden als zur Mitgliederversammlung einen Tag später im CCH. Der ungefähre Ablauf ist ja inzwischen so ziemlich bekannt, ebenso die Tagesordnung und die Grundideen aller Konzepte, um die es geht. Aber natürlich heißt das alles noch lange nicht, dass es so kommen muss wie erwartet.


So ist damit zu rechnen, dass es vor Einstieg in die Sitzung noch einige Änderungsanträge für die Tagesordnung geben wird. Im Moment ist es ja so vorgesehen, dass relativ früh in die Vorstellung in die und die Diskussion über die Reform-Modelle eingestiegen wird. Wahrscheinlich erfolgt aber auch mindestens ein Antrag, diese Tagesordnung wieder zu verändern und die Abarbeitung des alten Geschäftsjahres vorzuziehen.

Anhänger beider Varianten haben ihre Argumente. Am Ende wird diese oder jene Variante nicht viel an den Inhalten verändern, da bin ich mir recht sicher. Eine weitere, HSV-typische Scheindiskussion steht an, könnte man sagen.

Ich habe vorhin mit Oliver Scheel gesprochen und ihn gefragt nach dem Ablauf der Konzepte-Vorstellungen. Wie bekannt haben Vertreter der sechs Anträge jeweils 20 Minuten Zeit (plus „Nachspielzeit“ von fünf Minuten), um ihre Ideen darzustellen.

Der erste Antrag von Eckart Westphalen auf Vertagung wird dabei nicht anders behandelt als die konkreten Veränderungsmodelle von „HSV-PLUS“, „HSV-Reform“, „Tradition mit Zukunft“, „Rautenherz“ sowie das Stiftungsmodell. Das heißt: Es gibt sechs lange Vorträge, dann die Aussprache darüber, und anschließend wird in der entsprechenden Reihenfolge über alle Anträge abgestimmt. Und das wiederum bedeutet: Nach stundenlanger Diskussion könnte Antrag eins von Aufsichtsrat Westphalen auf Vertagung angenommen werden. Dieses Damokles-Schwert schwingt also über allen, fast die ganze Zeit.

Der Sport-Informationsdienst hat die Lage beim HSV heute kommentiert:

«Sozialtourismus» ist das Unwort des Jahres 2013 in Deutschland. Hätte die Jury ihre Erhebung auf Hamburg beschränkt, wäre sie wohl zu einem anderen Ergebnis gekommen. «Strukturreform» hätte es locker an die Spitze geschafft und passt nebenbei noch wunderbar zum Unwort des Jahres von 2010 – damals entschied sich die Jury nämlich für «alternativlos». Wobei wir beim Hamburger SV wären, diesem ewig unruhigen, kriselnden, launischen Erstligisten, der sich eigentlich zu den größten Klubs in Deutschland zählt. Seit Jahren rumort es, seit jeher verfehlt der HSV seine Ziele. Dass am Sonntag der erste Schritt zur großen Reform gemacht wird, ist für viele – alternativlos. Die Öffnung für Investoren, die die Initiative «HSVPlus» mit viel Werbeaufwand durchsetzen will, kann ein Schritt sein, um frisches Kapital in den klammen Klub zu schießen. Etwas mehr Geld würde kurzfristig sicher helfen. Doch das Grundübel der Hanseaten ist seit Jahren ein anderes. Macht, Intrigen und Eitelkeiten haben das Bild des HSV beschmutzt und in großem Maße dazu beigetragen, dass personelle Kontinuität auf wichtigen Posten unmöglich wurde. Den gleichen Eindruck vermittelte das Vorgeplänkel der Mitgliederversammlung. Die Verfechter fünf verschiedener Modelle haben in etlichen Diskussionen keine gemeinsame Basis für den HSV der Zukunft gefunden. Persönliche Eitelkeiten dürfen am Sonntag genauso wenig eine Rolle spielen wie egoistische Ambitionen auf (bezahlte) Jobs beim Tradtitionsklub. Nur wenn sich die Mitglieder des HSV wirklich auf die Inhalte einer möglichen Reform besinnen und sich gemeinsam auf den Weg in die Zukunft machen, ist Besserung in Sicht. So richtig dran glauben mag man noch nicht.

Was die Struktur-Reform angeht hier nur noch ein Link auf ein Video, dass „Rautenherz“ vor einigen Tagen ins Netz gestellt hat. Habe bislang noch nirgends einen Hinweis darauf gesehen, deswegen nun hier:

http://youtu.be/Nh_O7Q8dioA

Schließen möchte ich mit einem Kommentar von Oliver Scheel, der, wie er sagte, in den vergangenen Monaten unendlich viele Fragen gestellt bekommen hat – nur eine nicht. Wird der HSV sich durch die Mitgliederversammlung verändern? Scheels Antwort: „Der HSV wird nicht mehr so sein wie vorher.“

Schöne Grüße von Lars, wir sehen uns am Sonntag!

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