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0:0 gegen Astana – der HSV im Dubai-Tief

18. Januar 2015

Baulärm und Krangeräusche von nebenan, wo gerade eine neue Schwimmhalle entsteht. Überall Absperrzäune. Keine Tribüne, sondern nur zwei kleine, abgegrenzte Bereiche hinter einem Tor für etwa zwei Dutzend Zuschauer aus Deutschland und ein Dutzend aus Kasachstan. Sogar ein paar Wolken sind zu sehen und helles Flutlicht von den Masten. Ein paar Kilometer entfernt ragt der mehr als 800 Meter hohe Burj Khalifa in den Himmel. Unter diesen Bedingungen fand heute das zweite Testspiel des HSV in Dubai statt. Am Ende wurde es ein 0:0 gegen den FK Astana aus Kasachstan. „Immerhin zu Null gegen einen Euro-League-Verein“, so HSV-Trainer Joe Zinnbauer. „Das sind keine schlechten.“

Den Gegner als nicht schlecht zu bezeichnen und die eigene Leistung als gut – soweit würde aber wohl keiner der Hamburger Verantwortlichen und Profis gehen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr müder Kick bei passender äußerer Kulisse. Bis auf den dritten Torwart Alexander Brunst setzte Zinnbauer alle 22 gesunden Spieler ein, die er augenblicklich noch zur Verfügung hat. Das Ergebnis war irgendwo abzusehen, insbesondere weil sich die Kicker ganz augenscheinlich am körperlichen Tiefpunkt der Vorbereitung befinden.

„Ich bin generell niemand, der Testspiele überbewertet“, sagte Torwart Rene Adler. „Heute hat man gesehen, dass wir ziemlich platt sind. Man hat gesehen, dass wir in einem leichten Trainingsloch sind, was ja auch gewollt ist. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir da wieder rauskommen.“ Joe Zinnbauer ergänzte die positiven Aspekte: „Wir wollten den Inhalt sehen und haben Wert auf eine gute Spieleröffnung gelegt. Unser Gegner sollte tief stehen. Dazu haben wir sie auch gezwungen. Von der Seite bin ich zufrieden.“


In der ersten Halbzeit wirkte der Auftritt des HSV noch einigermaßen frisch. Das Resultat waren drei hochkarätige Torchancen. Zunächst scheiterte Maximilian Beister mit einem Heber am kasachischen Keeper (4.). Etwas später landete ein abgefälschter Schuss von Ahmet Arslan am gegnerischen Pfosten (14.). Und schließlich war es erneut Ahmet Arslan, der freistehend am Astana-Torwart scheiterte.

So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Götz, Djourou, Kacar, Jansen – Mende, T. Arslan – A. Arslan, Green, Beister (32. Marcos) – Rudnevs

Keeper Jaroslav Drobny hatte nur eine Gelegenheit sich auszuzeichnen – und zwar gleich zu Beginn des Spiels, als er eine verunglückte Kopfballrückgabe von Gojko Kacar aus der rechten unteren Torecke kratzen musste. Ansonsten konnte sich kein HSV-Spieler wirklich abheben, mit Ausnahme vielleicht von Ahmet Arslan, der die auffälligsten Szenen hatte. Die ganz offensiven Julian Green und Artjoms Rudnevs blieben völlig blass. Aus der Zentrale versuchte Sven Mende Sicherheit auszustrahlen, was auch gelang – allerdings ging er mit seinen Pässen nicht ins Risiko. Tolgay Arslan an seiner Seite riskierte mehr, machte deswegen aber auch den einen oder anderen Fehler mehr.

In Durchgang zwei wurde komplett durchgewechselt. Insgesamt präsentierte sich diese Mannschaft nicht ausgeschlafen. Hier gab es nur eine echte Gelegenheit. Nach Vorarbeit von Philipp Müller scheiterten Mohamed Gouaida und Innocent Emeghara nacheinander aus aussichtsreicher Position (66.). Nicht ganz zufällig vielleicht, denn diese beiden gelang nicht viel. Das Urteil von Joe Zinnbauer über Testspieler Emeghara fiel denn auch alles andere als überschwänglich aus: „Es ist schwer, ihn zu bewerten. Wir haben schon im Training gemerkt, dass er langsam einbricht. Er war gegen Frankfurt dynamisch, aber das Potenzial konnte er heute nicht abrufen, weil er müde war.“ Wahrscheinlich erhält Emeghara am Mittwoch gegen Manchester City noch eine dritte Bewährungschance. Der ganz große Durchbruch für den HSV wäre seine Verpflichtung also nicht, aber das war ja schon vorher abzusehen.

So spielte der HSV in der 2. Halbzeit: Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Marcos – Stieber, Jiracek – P. Müller, van der Vaart, Gouaida – Emeghara

Gegen Ende der zweiten Halbzeit zog Joe Zinnbauer Emeghara sogar auf die linke offensive Seite zurück und stellte Rafael van der Vaart in die Spitze. Der Schweizer Emeghara sollte also auf einer weiteren Position getestet werden. In dieser Formation gefiel mir übrigens Zoltan Stieber ganz gut, trotz des einen oder anderen ungenauen Abspiels. Er präsentiert sich allgemein ordentlich hier in Dubai, nachdem er – als Fehleinkauf aus oberen Vereinsgremien gebrandmarkt – denkbar schlechte Startbedingungen beim HSV hatte.

0:0 also gegen Astana – mit diesem Resultat kann man nicht angeben, aber wenn sechs potentielle Stammspieler fehlen, sind mildernde Umstände angemessen. Lewis Holtby ist heute aus dem Krankenhaus entlassen worden. Mit Armbinde erschien er nach seinem Schlüsselbeinbruch aus dem Frankfurt-Spiel wieder in Dubai und soll nun doch bis zum Ende des Trainingslagers hier bleiben. Devise: In Hamburg kann er auch nichts machen, da soll er sich lieber in der Nähe des Teams aufhalten und die Wärme genießen. Auch Holtbys Lebensgefährtin ist mittlerweile nach Dubai geflogen.

Mit welchen angeschlagenen Spielern Joe Zinnbauer morgen um 12 Uhr Ortszeit zum Training rechnen kann, ist noch etwas offen. Auf jeden Fall wünscht er sich relativ zügig den Wiedereinstieg von Dennis Diekmeier, Nicolas Müller und Pierre Michel Lasogga, die allesamt mit Muskelbeschwerden zu tun haben. Bei Nicolai Müller wurde heute eine Kernspin-Untersuchung vorgenommen, zur Sicherheit, aber nichts Gravierendes gefunden. Er hat nur eine Verhärtung im Oberschenkel.

Wie hier bereits gestern geschrieben, drosselt Joe Zinnbauer sein Programm nun auch ganz offen. „Es kommt jetzt die Phase der Verletzungen, deswegen werden wir den Plan kürzen“, so Zinnbauer. „Wir arbeiten weniger, aber trotzdem konzentrierter. Man merkt, dass die Spieler wollen, Gas geben und über den Punkt gehen. Wir nehmen Rücksicht auf ihre Müdigkeit und gestalten das Programm in den Einheiten entsprechend.“ So viel Zeit bleibt ja nun auch nicht. Die Partie gegen Man City ist sicher eine Nagelprobe.

Matthias Ostrzolek plagt sich mit den Folgen einer Bänderdehnung im Fuß herum – das sollte auch kein langfristiges Problem werden. Schon eher die Kniebeschwerden von Valon Behrami. Dem Beobachter ist der Schweizer hier noch gar nicht unter die Augen gekommen. Behrami kann nur im Kraftraum und im Gym arbeiten. Natürlich ist er gegen Köln am 31. Januar sowieso gesperrt, aber danach ist er ziemlich sicher wieder gesetzt, weshalb sein Ausfall aktuell alles andere als ein gutes Zeichen ist. Und vor allem eben auch für die Mannschaft ein großer Nachteil, die sich mit diesem zentralen Spieler nicht einspielen kann.

Die Personallage ist also kompliziert. Dazu Rene Adler: „Irgendwo ist das normal – wobei fünf oder sechs natürlich sehr viel sind. Wir hoffen, dass Nicolai oder Lasogga mit ihren Muskelbeschwerden schnell zurückkehren, weil es Spieler sind, die ums im Moment äußerst gut weiterhelfen würden.“ Siebter Verletzter im Bunde ist Gideon Jung (Knieprellung) – bei ihm ist es eine Frage der (kurzen) Zeit, wann er wieder trainieren kann.

HSV-Wunschstürmer Josip Drmic hat gestern noch einmal für seinen Verein Bayer Leverkusen gespielt. Getroffen hat er zwar nicht bei der 1:2-Niederlage seinen Teams gegen die Corinthians Sao Paulo, aber doch den Treffer vorgelegt. Übrigens gingen beide Treffer für die Brasilianer auf das Konto von Paolo Guerrero. Wäre er noch in Hamburg, hätte der HSV ein Stürmer-Problem weniger. Und wo wir gerade von Ex-Hamburgern sprechen – es ist manchmal einfach nur zum Kopfschütteln. Ich will es gar nicht groß kommentieren, aber Eljero Elia hat nach seiner Ausleihe zum FC Southampton kräftig zugeschlagen und beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Newcastle erzielt. Und Marcus Berg, flüsterte mir heute eine Statistik, liegt bei Panathinaikos Athen mittlerweile bei 27 Treffern in 50 Liga-Spielen.

Abschließend möchte ich Euch auf die Montag-Ausgabe des Hamburger Abendblatts hinweisen. Kai Schiller hat hier in Dubai ein Interview mit Marketing-Vorstand Joachim Hilke geführt. In diesem Interview fordert Hilke einen neuen Verteilerschlüssel für den TV-Vertrag. „Der HSV wird sich für einen neuen Schlüssel einsetzen, weil wir das Gefühl haben, dass wir in Bezug auf unsere mediale Aufmerksamkeit nicht entsprechend honoriert werden. Wir sind immerhin eine der Haupt-Quotenbringer im Pay-TV.“ Bislang ist der Quotenschlüssel eng an den Tabellenplatz geknüpft – da schneidet der HSV logischerweise nicht gut ab. Außerdem spricht Hilke über die Gespräche mit Hauptsponsor Emirates, Klaus-Michael Kühne und den Campus-Bau. Sehr lesenswert.

Morgen wird hier also vor allem dosiert trainiert. Mittags geht es kurz auf den Platz, und dann geht der HSV seinen Sponsoren-Verpflichtungen nach im Rahmen einer großen Pressekonferenz, an der Trainer und Spieler des HSV teilnehmen werden. Damit beginnen also die letzten drei aktiven Tage hier in Dubai, ehe es zurück geht in die Kälte. „Wir wollen auf den Punkt gegen den 1. FC Köln fit sein“, sagte Rene Adler abschließend. „Es nützt uns nichts, wenn wir unsere Gegner hier wegknallen. Wenn man nach acht Tagen Trainingslager fit ist und man sich gut fühlt, dann hat man etwas falsch gemacht. Insofern ist alles im Rahmen.“

Und ganz abschließend schicke ich – auch im Namen von Dieter und Scholle – einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an Benno Hafas. Alles Gute, lieber Benno, wir freuen uns alle weiter über Deine Beiträge und Fotos!

Lars
18.25 Uhr

Na bitte: HSV schlägt Werder 3:2!

22. November 2014

Ein wunderbarer Konter über drei Stationen. Wir schreiben die 90. Minute. Melvin Krol gibt den Ball gekonnt weiter auf Johann Buttler, dessen Vorarbeit Leon Deichmann zum Siegtreffer nutzt. Großer Jubel im Stadion und bei Trainer Otto Addo – der HSV hat Werder Bremen mit 3:2 besiegt! So war es heute Mittag an der Hegenbeckstraße im Derby der U-19-Mannschaften der beiden Nordrivalen. Aus Sicht des HSV ein schöner Vorgeschmack auf das, was 57.000 Zuschauer mehrheitlich am Sonntagnachmittag im Volkspark erleben wollen.

„Vielleicht nehmen unsere Profis diesen Spielerverlauf und dieses Ergebnis ja auch ein wenig mit in ihr Spiel“, freute sich Siegtorschütze Deichmann. Ein paar Stunden später ließen es die Profis dann krachen bei ihrer Trainingseinheit, der abschließenden vor dem Nordderby, neben dem Stadion. Flanken von links, Flanken von rechts, garniert mit erfolgreichen Torschüssen – so wurden den Spielern noch einmal Erfolgserlebnisse ermöglicht, die ja in den Pflichtspielen dieser Saison noch äußerst rar waren.

Die Frage schlechthin, die sich viele Fans vor der Partie stellen, wurde auch bei der Einheit heute nicht endgültig beantwortet. Wieviele von den U-23-Spielern stellt Joe Zinnbauer morgen in die Startelf? Bei den vier Tests der vergangenen zwei Wochen hat er vielen der nachrückenden Talente Bewährungschancen gegeben, und einige scheinen sie genutzt zu haben. Mit Nachwuchstorwart Alexander Brunst, den Außenverteidigern Ronny Marcos und Ashton Götz sowie mit Flügelstürmer Mohamed Gouaida steht gleich ein ganzes Quartett junger Spieler im 18-Mann-Kader für morgen. Wird Zinnbauer auf sie setzen? Im Trainingsspielchen durften Götz, Marcos und Gouaida zunächst gleich gemeinsam ran. Später wurde getauscht. Götz und Marcos wurden durch die Stamm-Außenverteidiger Dennis Diekmeier und Matthias Ostrzolek ersetzt. Außerdem kam Tolgay Arslan rein und – durch verschiedene Verschiebungen – Pierre Michel Lasogga ging raus. Was den Kader angeht, sind gegen Werder mit Zoltan Stieber, Gojko Kacar, Ivo Ilicevic und Julian Green nicht dabei.

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Die Personalie Lasogga ist nun, wie ich finde, interessant. Nicolai Müller gab in der zweiten Trainings-Formation den Götze. Geht Lasogga vielleicht nur auf die Bank? Aber auch das bleibt unwahrscheinlich, denn wenn Lasogga als Joker in Betracht käme, müsste nicht noch Artjoms Rudnevs im Kader sein – ist er aber. Insofern dürfte von der Revolution vermutlich nur eine kleine Variante übrig bleiben – mit Mohamed Gouaida für den verletzten Marcell Jansen. Aber vielleicht überrascht Joe Zinnbauer ja noch alle mit einer ganz anderen Variante.

Zurück noch einmal zu Pierre Michel Lasogga. In einem Interview hat er unter der Woche gesagt, dass ihn die Kommentare und die Kritik von außen kalt ließen. Schön wäre es, denn dann würde er sich unbeeindruckt auf seine Stärken besinnen können. Aber das konnte er in dieser Saison viel zu selten. Abgesehen von seiner Torquote und der Tatsache, dass er auch sehr wenige Bälle bekommt, ist Lasogga schwächer als im Vorjahr. Mit Fitnessproblemen, wie zu Beginn der Saison, kann das inzwischen nichts mehr zu tun haben. Die hat er längst aufgeholt. Auch Lasogga leidet offensichtlich unter der Erfolglosigkeit des Teams. Das muss er auch nicht öffentlich bestreiten. Es ist völlig normal, dass er sich Gedanken macht. Lasogga hat sich im Sommer ganz bewusst für den HSV entschieden, weil er etwas aufbauen wollte. Der HSV hat tief für ihn in die Tasche gegriffen, vermutlich tiefer, als es vernünftig gewesen wäre. Und dann legt der Verein solch einen miesen Saisonstart hin – da kann, nein da muss man nachdenklich werden. Aus der Mannschaft, zuletzt vor einigen Wochen von Tolgay Arslan, haben wir gehört, dass Lasogga sehr wohl ruhiger geworden ist. Ich finde das normal, und umso wichtiger ist, dass der Stürmer an seinen Schwächen arbeitet. Nur dann kann er – und das gilt ja für das gesamte Team – aus der aktuell miesen Lage herauskommen. Übrigens: In den Testspielen zuletzt war Lasogga nicht mit einem einzigen Treffer dabei – bei insgesamt 17 Toren der gesamten Mannschaft.

In diesem Zusammenhang wird ja auch schon Kritik laut an Joe Zinnbauer. Verständlich, denn neun Punkte und vier Tore aus elf Spielen sind keinesfalls allein das Werk seines Vorgängers Mirko Slomka. Es gehörte in Hamburg in den vergangenen Jahren zum guten Ton, nach relativ kurzer Zeit die Schwächen des jeweiligen Übungsleiters herauszukehren. Das war meist relativ einfach, denn allen fehlten schließlich nach gewisser Zeit die Ergebnisse. Kann Joe Zinnbauer nur die eine Masche – die des Motivators? Überfrachtet er die Mannschaft mit Video-Analysen? Versteht ihn das Team immer noch nicht? Verunsichert er zusätzlich durch das permanente Loben der jungen Spieler?

Um diese Zweifel beiseite zu räumen, braucht es Ergebnisse. Schon morgen im Nordderby – das würde für Nachhaltigkeit und Rückendeckung sorgen. Joe Zinnbauer muss es gelingen, im Team die entscheidenden Spieler auf seine Seite zu ziehen. Sein Weg mit jungen Leuten muss mitgetragen werden – er kann den Karren nicht allein ziehen, sondern muss durch Valon Behrami, Jaroslav Drobny und ein paar andere unterstützt werden. Ein Trainer kann nur funktionieren, wenn er sich auf verlängerte Arme auf dem Rasen verlassen kann. Mein Lieblingsbeispiel: Kurt Jara, der Österreicher, hatte 2001 bis 2003 ganz sicher keine Top-Mannschaft zur Verfügung, aber er hat sich die Haudegen Bernd Hollerbach, Nico Hoogma und Martin Pieckenhagen zur Seite genommen, die seinen Weg auf dem Rasen weitergegangen sind. So entstand, fußballerisch limitiert, eine Einheit, die 2003 sogar auf Platz vier in der Bundesliga landete.

Zinnbauer muss diesbezüglich den Jara machen. Er muss die richtigen Strategen finden, vielleicht gehören Johan Djourou und Lewis Holtby auch perspektivisch dazu, dann hat sein Konzept eine Chance. Fühlen sich zu viele Arrivierte vor den Kopf gestoßen durch den Jugendwahn, steht der „neue“ HSV auf noch tönenderen Füßen, als er es ohnehin schon tut.

Was hören wir heute aus Bremen? Franco di Santo ist verletzt – soviel war klar. Nun fällt Trainer Viktor Skripnik auch Innenverteidiger Sebastian Prödl aus. Der Österreicher hat Probleme im Oberschenkel. Und dann hat sich ein ehemaliger HSV-Spieler, der Niederländer Eljero Elia, auf Facebook gemeldet. Leider unterste Schublade. Dazu kein weiterer Kommentar.

Der Vollständigkeit halber noch ein Wort zu Kerem Demirbay. In den Kommentaren gestern wurde nach dem an Kaiserslautern ausgeliehenen Mittelfeldspieler gefragt. Zufällig habe ich vergangene Woche mit einem Kollegen aus dem Südwesten gesprochen, der die Roten Teufel seit Jahrzehnten begleitet. Tenor: Demirbay macht dort einen sehr guten Eindruck. Aktuell ist er mit einem Außenbandriss im Sprunggelenk, den er sich nach einem üblen Tritt eines Gegenspielers zugezogen hatte, noch außer Gefecht. Aber Demirbay wird vielleicht schon nächste Woche zurückkehren in die erste Elf. Spielerisch gut, effektiv, guter Auftritt außerhalb des Rasens – das sind die lobenden Worte über den jungen Demirbay, der unter Mirko Slomka im Sommer keine Chance hatte. Offenbar gefällt es ihm sogar sehr gut auf dem Betzenberg. In der Mannschaft sind allein fünf U-21-Nationalspieler, die sich alle gut verstehen. Diese Aussagen mal zugrunde gelegt ist also ein positives Zwischenfazit zu ziehen. Demirbay wird im kommenden Sommer ganz sicher ein Kandidat für den erweiterten Stamm der HSV-Profis sein.

So könnte der HSV gegen Werder Bremen spielen: Drobny – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, van der Vaart – Müller, Holtby, Gouaida – Lasogga.
Weiter im Kader: Brunst, Arslan, Cleber, Götz, Jiracek, Marcos, Rudnevs

Und jetzt rein ins 101. Nordderby der Bundesliga! Anschließend, ab etwa 17.45 Uhr, melden sich Dieter und Scholle mit “Matz ab live” und ihren Gästen – einer wird Ex-Torwart Sven Neuhaus sein.

Lars
18.28 Uhr

Ola John will spielen – Bouy kostet keinen Cent

17. Januar 2014

Der erste Tag von Ola John beim HSV war ziemlich lang. Gleich um acht Uhr morgens war der 21 Jahre alte Niederländer im UKE erschienen, um dort seinen Medizin-Check beim HSV hinter sich zu bringen. Das zog sich über Stunden, aber am Nachmittag hat es der Flügelflitzer doch rechtzeitig zum Training geschafft. Alles ist geklärt, Ola John ist bis Ende der Saison von Benfica Lissabon ausgeliehen.

„Ich hoffe, ich kann dem Team helfen“, sagte der 1,80 Meter große John nach dem Training. „Ich habe mich bei meinem ehemaligen Mannschaftskameraden Eljero Elia nach dem HSV erkundigt. Wir haben zusammen bei Twente gespielt. Er hat fast nur gute Sachen über Hamburg gesagt.“ Diese und weitere Höflichkeiten ließ John, der ein A-Länderspiel für die Niederlande bestritten hat, von sich hören in dem ersten freundlichen Kennenlerngespräch. Komplett seht Ihr das Mini-Interview hier, wobei der Kollege Jurek Rohrberg von Sky und ich definitiv fürs nächste Mal unser Business-Englisch aufbessern werden. Aber es war eben auch nur eine erste Plauderei…

Im Training war nun noch nicht so viel zu erkennen von den Fähigkeiten des jungen Niederländers, der ja nicht nur wegen der gemeinsamen Herkunft an Eljero Elia erinnern soll. Herausragende Fähigkeiten werden ihm zugeschrieben, vielleicht kann er sie nach der Luftveränderung in Norddeutschland andeuten.

Für Sportchef Oliver Kreuzer steht jedenfalls fest, dass diese Verpflichtung notwendig war. „Nach dem Ausfall von Maximilian Beister war uns klar, dass wir etwas machen müssen. Ich hoffe, Ola kann die Erwartungen erfüllen.“ Der Sportchef sieht den neuen Mann nicht nur als Ergänzungsspieler, sondern als potentielle Stammkraft. Er könne links oder rechts spielen, ließ Ola selbst wissen – beim HSV ist er sicher für rechts eingeplant als Beister-Ersatz.

Im Schlepptau Johns haben die Hamburger auch den zweiten Wintertransfer eingeleitet. Genau um 13.35 Uhr ist dessen ein Jahr jüngerer Landsmann Ouasim Bouy (sprich: Bui) am Stadion vorgefahren worden. Der zentrale Mittelfeldspieler hat gleich mit der Mannschaft trainiert, obwohl er erst am Sonnabend die offizielle medizinische Untersuchung machen wird.

„Die beiden Spieler haben denselben Berater, und der hat uns Ouasim wärmstens ans Herz gelegt“, berichtete Oliver Kreuzer heute. Trainer Bert van Marwijk kannte den jungen Spieler noch aus dessen Zeit bei Ajax Amsterdam. Zuletzt bei Juventus Turin habe er ihn aber ein wenig aus den Augen verloren. Deswegen wurden, wie Kreuzer erklärte, alle Verbindungen eingesetzt, um aktuelle Informationen über den Spieler zu bekommen. „Am Ende entstand ein positives Bild. Außerdem ist das Geschäft für uns ohne Risiko. Wir zahlen keine Leihgebühr und auch kein Gehalt“, stellte Kreuzer klar.

Wie gut die Beziehung zwischen Trainer van Marwijk und Spielerberater Mino Raiola ist, konnten zufällige Gäste im Stadion-Restaurant „Die Raute“ erleben. Lachend und scherzend saßen die beiden Herren beim Essen am Tisch. Wenn es am Ende alles zum Wohle des HSV geschieht, dürfen bald auch die Hamburger Fans über die Leih-Transfers lachen.

Für keinen der Neuen, weder John noch Bouy, besitzt der HSV eine Kaufoption. „Ola John hat einen Marktwert von mehr als zehn Millionen Euro, da macht es für uns keinen Sinn, solch eine Option einzufordern“, so Kreuzer mit dem Blick auf die leeren Kassen des Vereins. Und Bouy ist eben ein nice-to-have-deal nebenbei.

Durch die Verpflichtung Bouys, die am Sonnabend oder Sonntag auch offiziell durch Vertragsunterschrift über die Bühne gehen soll, scheint auch die Zukunft von Robert Tesche und Gojko Kacar geklärt. Beide waren nicht mit dabei im Trainingslager in Abu Dhabi. Bert van Marwijk will über deren Zukunft nach dem Basel-Spiel entscheiden. Dadurch, dass nun noch ein zentraler Mann verpflichtet wurde, können sich die beiden Abgeschobenen ausrechnen, dass sie bei der zweiten Mannschaft bleiben, wenn sie keinen neuen Verein finden.

Dass einer von ihnen, oder beide, noch im Winter wechseln, ist derzeit nicht absehbar. Konkrete Anfragen oder gar Angebote gebe es nicht, so Kreuzer. Das gilt übrigens auch für Tolgay Arslan, an dem ja angeblich Galatasaray Istanbul großes Interesse haben soll. Auf den HSV sind die Türken jedenfalls noch nicht zugegangen.

Abgesehen vom Medizin-Check von Ola John hatten noch eine Reihe anderer Profis Termin im UKE. Nach dem Trainingslager in Abu Dhabi mussten erst einmal die Verletzten durchnummeriert und einsortiert werden. Bei Kerem Demirbay hat sich der Verdacht auf Bänderriss im rechten Sprunggelenk leider bestätigt. Vier bis sechs Wochen Pause für ihn – so lautet die erste Prognose. Auch die Kapsel im Gelenk ist angeknackst.

Es scheint wirklich ein absolutes Seuchenjahr für das Mittelfeldtalent zu werden, der ja gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen war. Nicht so dramatisch sieht es bei Lasse Sobiech aus, der mit einem entzündeten Zeh aus den Emiraten zurück geflogen ist. Der Innenverteidiger, der am Persischen Golf ja einen guten Eindruck hinterlassen hat, konnte heute einigermaßen problemlos ins Training einsteigen.

Im Gegensatz dazu fällt Johann Djourou – schon wieder – aus. Muskelfaserriss in der Wade. Es ist zum verrückt werden, so kommt der Schweizer natürlich nicht in die Hufe. Schlechte Karten dürfte er damit beim HSV besitzen, schlechte Karten bedeutet das auch im Hinblick auf die Schweizer Nationalmannschaft und die Teilnahme an der WM in Brasilien. Eigentlich gibt es dafür nur noch eine Chance: nach drei Wochen wieder fit werden, sich beim HSV in die erste Elf kämpfen und so Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld wieder für sich gewinnen. Da darf für Djourou nun aber nichts mehr dazwischen kommen.

„Das ist ganz ärgerlich für ihn“, sagte OIiver Kreuzer. „Er ist mit dem Anspruch angetreten, zu zeigen, dass er besser ist, als er es bisher gezeigt hat.“ Nun also der erneute Rückschlag.

Eine weitere Untersuchung bei Rene Adler, der ja einen Bänderriss im Fuß erlitten hatte, der zunächst nicht diagnostiziert wurde, ergab eine mögliche Pause von etwa zwei Wochen. Adler könnte also Anfang Februar wieder ins Training einsteigen. Gegen Schalke und in Hoffenheim ist somit ziemlich sicher Jaroslav Drobny der Torwart des HSV.

Was bedeutet das nun alles für den Test morgen gegen den FC Basel? Es ist die Generalprobe vor dem Rückrunden-Auftakt am Sonntag in einer Woche. Das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen, bislang sind etwa 7000 Karten abgesetzt worden. Heiko Westermann, um bei der Aufzählung der angeschlagenen Spieler niemanden zu unterschlagen, wird nicht mit dabei sein.

Zwar mischte der Ex-Kapitän beim Training in Hamburg munter mit, er fliegt übers Wochenende allerdings zu abschließenden Untersuchungen zu seinem Arzt nach Augsburg, der ihm dann möglichst grünes Licht für den Rückrunden-Start kommende Woche gegen Schalke geben soll.

In der Innenverteidigung dürfte als das junge Duo Tah/Sobiech auflaufen. Eine Halbzeit lang soll auch Pierre Michel Lasogga mitmischen, der so langsam wieder in Tritt kommt. Eine schlagkräftige Mannschaft wird van Marwijk also auf den Platz bringen. Das kann man wohl vom Schweizer Meister FC Basel, der morgen um 15.30 Uhr zum Ablösespiel für Trainer Thorsten Fink im Volkspark antritt, nicht sagen. „Stürmer Marco Streller ist verletzt. Und es fehlen auch noch zwei weitere Leistungsträger“, wusste Oliver Kreuzer zu berichten. Trotzdem sei die Partie die wichtigste für den HSV vor dem Rückrundenstart, so Kreuzer.

Es scheint so zu sein, dass weniger Fans zum Basel-Kick ins Stadion kommen werden als zur Mitgliederversammlung einen Tag später im CCH. Der ungefähre Ablauf ist ja inzwischen so ziemlich bekannt, ebenso die Tagesordnung und die Grundideen aller Konzepte, um die es geht. Aber natürlich heißt das alles noch lange nicht, dass es so kommen muss wie erwartet.


So ist damit zu rechnen, dass es vor Einstieg in die Sitzung noch einige Änderungsanträge für die Tagesordnung geben wird. Im Moment ist es ja so vorgesehen, dass relativ früh in die Vorstellung in die und die Diskussion über die Reform-Modelle eingestiegen wird. Wahrscheinlich erfolgt aber auch mindestens ein Antrag, diese Tagesordnung wieder zu verändern und die Abarbeitung des alten Geschäftsjahres vorzuziehen.

Anhänger beider Varianten haben ihre Argumente. Am Ende wird diese oder jene Variante nicht viel an den Inhalten verändern, da bin ich mir recht sicher. Eine weitere, HSV-typische Scheindiskussion steht an, könnte man sagen.

Ich habe vorhin mit Oliver Scheel gesprochen und ihn gefragt nach dem Ablauf der Konzepte-Vorstellungen. Wie bekannt haben Vertreter der sechs Anträge jeweils 20 Minuten Zeit (plus „Nachspielzeit“ von fünf Minuten), um ihre Ideen darzustellen.

Der erste Antrag von Eckart Westphalen auf Vertagung wird dabei nicht anders behandelt als die konkreten Veränderungsmodelle von „HSV-PLUS“, „HSV-Reform“, „Tradition mit Zukunft“, „Rautenherz“ sowie das Stiftungsmodell. Das heißt: Es gibt sechs lange Vorträge, dann die Aussprache darüber, und anschließend wird in der entsprechenden Reihenfolge über alle Anträge abgestimmt. Und das wiederum bedeutet: Nach stundenlanger Diskussion könnte Antrag eins von Aufsichtsrat Westphalen auf Vertagung angenommen werden. Dieses Damokles-Schwert schwingt also über allen, fast die ganze Zeit.

Der Sport-Informationsdienst hat die Lage beim HSV heute kommentiert:

«Sozialtourismus» ist das Unwort des Jahres 2013 in Deutschland. Hätte die Jury ihre Erhebung auf Hamburg beschränkt, wäre sie wohl zu einem anderen Ergebnis gekommen. «Strukturreform» hätte es locker an die Spitze geschafft und passt nebenbei noch wunderbar zum Unwort des Jahres von 2010 – damals entschied sich die Jury nämlich für «alternativlos». Wobei wir beim Hamburger SV wären, diesem ewig unruhigen, kriselnden, launischen Erstligisten, der sich eigentlich zu den größten Klubs in Deutschland zählt. Seit Jahren rumort es, seit jeher verfehlt der HSV seine Ziele. Dass am Sonntag der erste Schritt zur großen Reform gemacht wird, ist für viele – alternativlos. Die Öffnung für Investoren, die die Initiative «HSVPlus» mit viel Werbeaufwand durchsetzen will, kann ein Schritt sein, um frisches Kapital in den klammen Klub zu schießen. Etwas mehr Geld würde kurzfristig sicher helfen. Doch das Grundübel der Hanseaten ist seit Jahren ein anderes. Macht, Intrigen und Eitelkeiten haben das Bild des HSV beschmutzt und in großem Maße dazu beigetragen, dass personelle Kontinuität auf wichtigen Posten unmöglich wurde. Den gleichen Eindruck vermittelte das Vorgeplänkel der Mitgliederversammlung. Die Verfechter fünf verschiedener Modelle haben in etlichen Diskussionen keine gemeinsame Basis für den HSV der Zukunft gefunden. Persönliche Eitelkeiten dürfen am Sonntag genauso wenig eine Rolle spielen wie egoistische Ambitionen auf (bezahlte) Jobs beim Tradtitionsklub. Nur wenn sich die Mitglieder des HSV wirklich auf die Inhalte einer möglichen Reform besinnen und sich gemeinsam auf den Weg in die Zukunft machen, ist Besserung in Sicht. So richtig dran glauben mag man noch nicht.

Was die Struktur-Reform angeht hier nur noch ein Link auf ein Video, dass „Rautenherz“ vor einigen Tagen ins Netz gestellt hat. Habe bislang noch nirgends einen Hinweis darauf gesehen, deswegen nun hier:

http://youtu.be/Nh_O7Q8dioA

Schließen möchte ich mit einem Kommentar von Oliver Scheel, der, wie er sagte, in den vergangenen Monaten unendlich viele Fragen gestellt bekommen hat – nur eine nicht. Wird der HSV sich durch die Mitgliederversammlung verändern? Scheels Antwort: „Der HSV wird nicht mehr so sein wie vorher.“

Schöne Grüße von Lars, wir sehen uns am Sonntag!

Es weihnachtet noch immer sehr

26. Dezember 2013

Es passt nicht ganz zum festlichen Anlass, denn es weihnachtet ja noch immer sehr – aber was Wahrheit ist, das soll auch Wahrheit bleiben.

„Das tut mir leid, die Fans zahlen für eine solche Scheiße auch noch Geld.“

Mit diesem Spruch hat es Rene Adler in die ZDF-Sprüche-Sammlung der Hinrunde geschafft. Der Nationalkeeper, der diesen Satz nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim gesagt hatte, ist damit der einzige Hamburger, der in diesem „erlauchten“ Kreis aufgenommen worden ist – auch eine Ehre. Anderweitig sind HSV-Profis oder die „Rothosen“ allgemein ja kaum einmal ganz vorne zu finden. Mal abgesehen davon, dass der HSV in der Statistik „Rückpässe“ bereits nach nur 17 Spielen die Deutsche Meisterschaft errungen hat – keine andere Mannschaft kann in diesem Punkt den Hamburgern das Wasser reichen. Oder den Titel abspenstig machen. Ja, von dieser Hinrunde bleiben einmal mehr viele, viele „großartige“ Eindrücke.

Kurz vor dem Heiligabend hatten wir, die Hamburger Medien-Vertreter, ja noch die Weihnachtsfeier mit dem HSV. Vorstand, Trainer-Team und die Presse-Abteilung waren anwesend, und was mir jetzt gerade einfällt, was ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber nun doch raus muss: Ich habe bei meiner Rede, die ich als Dienstältester halten durfte (oder musste), ganz vergessen, mich im Namen der Kollegen bei der Presse-Abteilung um Medien-Direktor Jörn Wolf herum für die Zusammenarbeit in diesem Jahr zu bedanken. Das hole ich hiermit nach. In der Hoffnung, dass mir ein solcher Fauxpas im nächsten Jahr, so ich dann noch immer Dienstältester sein sollte, nicht wieder passiert.

Was ich aber hauptsächlich von der Weihnachtsfeier schreiben wollte war dies: Irgendwann zu vorgerückter Stunde kamen wir auf Trainer zu sprechen. Trainer, die sich in Hamburg versucht haben. Davon gibt es ja enorm viele. Dass wir uns über diese Fußballlehrer unterhielten, lag vielleicht auch daran, dass Bert van Marwijk, der im Gegensatz zu seinem Kollegen und Landsmann Louis van Gaal kein „Feier-Biest“ sein soll, immer noch „da war“ – womit wir (fast) alle gar nicht gerechnet hatten. Der Niederländer hörte allerdings nicht zu, als wir an unserem Tisch (und auch am Nebentisch) über eine besondere Spezies von Menschen sprachen und diskutierten: „Wer war eigentlich der schlechteste HSV-Trainer in der Bundesliga-Geschichte?“

Nach einigen Minuten hatten wir „ihn“. Und es herrschte Einigkeit. Nachdem zuvor einige Namen „gehandelt“ wurden: Michael Oenning (3/11 – 9/11), Bruno Labbadia (7/09 – 4/10), Klaus Toppmöller (10/03 – 10/04), Kurt Jara (10/01 – 10/03), Egon Coordes (3/92 – 9/92) und Josip Skoblar (7/87 – 11/87), das waren die Kandidaten, aber „gekrönt“ wurde dann doch ein anderer: Rudi Gutendorf, vom 1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977 HSV-Trainer, weil Dr. Peter Krohn es so wollte. Nur einer von vielen, vielen Irrtümern. Mein persönlicher Tipp aber wäre Labbadia gewesen, das gebe ich zu. Jörn Wolf, den ich hiermit schon das zweite Mal erwähne (und er will es überhaupt nicht!), behauptet ja bis heute und bis übermorgen, dass ich deswegen auf Labbadia so schlecht zu sprechen bin, weil er mir seine Telefonnummer nicht gegeben hat – aber das ist Blödsinn. Labbadia war zwar der erste HSV-Coach seit Ernst Happel (von dem ich die Festnetz-Nummer aus seiner Wohnung im Lütjenmoor in Norderstedt hatte – er hatte sie mir gegeben), der mir die Handy-Nummer nicht gegeben hatte, aber das war mir wurscht, weil eine solche Aktion ganz einfach zu ihm passte.

Ich kam aus einem anderen, nein, zwei anderen Gründen nicht mit ihm klar. Erstens redete, redete, redete und redete er beim Training so viel, dass es denen drinnen und den draußen auf den Geist ging. Selbst bei minus sechs, sieben oder mehr Grad, es wurde geredet. Weil Labbadia alles ganz genau wusste – obwohl er Nationalspieler trainierte (Ze Roberto, Mladen Petric zum Beispiel), die wesentlich mehr erlebt hatten, als ihr Trainer. Es gab Spieler, die die Augen verdrehten – ob der Reden. Und die hinterher mit uns darüber sprachen (hinter der vorgehaltenen Hand), dass wir ja selbst sehen würden, was da läuft, was da nicht läuft, wie es eigentlich laufen müsste. Nein, die großen Reden des Bruno L. trieben mich an den Rand des Wahnsinns.

Und dann gab es da eine Geschichte, über die ich bisher geschwiegen habe – eine Art Nähkästchen. Viele von Euch werden sich an einen der wenigen großen Tage erinnern, die der HSV in den vergangenen Jahren doch hatte – tatsächlich. Das war am 23. August 2009, das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Es war der vierte Spieltag der Saison, der HSV war immer noch ungeschlagen – und führte in Wolfsburg nach sieben Minuten durch Tore von Paolo Guerrero und Eljero Elia 2:0. Als es in Halbzeit zwei plötzlich 2:2 hieß, legte der HSV wieder zu und gewann nach Treffern von Mladen Petric und Romeo Castelen 4:2. Ganz Hamburg lag sich in den Armen. Das war Fußball! Das war endlich einmal wieder ein Spiel, in dem Super-Fußball geboten worden ist, und zwar vom HSV. Das war ein Wahnsinns-Spiel, das war Spitzenklasse.

Wir warteten danach in Ruhe und Freude im Presseraum des VfL auf die Pressekonferenz. Wow, dieses Spiel – traumhaft! Plötzlich stand – oh, schon wieder – dann Jörn Wolf neben mir und sagte: „Kommst du mal bitte mit, Bruno möchte dich sprechen.“ Oha, das musste ja ganz etwas Besonderes gewesen sein, wenn mich der HSV-Trainer nach einem solchen Titan-Spiel sprechen will. Vorbei an allen Ordnern (an denen ich sonst natürlich nie vorbeigekommen wäre) nahm mich der HSV-Mediendirektor mit bis vor die HSV-Kabine: „Warte kurz hier.“ Natürlich. Drinnen hörte ich fröhliche und laute Stimmen, die Freude über den Sieg und dieses tolle Spiel war bis draußen zu vernehmen – und zu spüren. Und dann kam er, Bruno Labbadia.

Und es haute mich um, was er von mir wollte: „Dieter, du hast heute einen Artikel über mich im Abendblatt gehabt, in dem du mich mit Felix Magath vergleichst. Schreibe so etwas nie wieder. Weil das Mist ist. Ich möchte nie mit Felix Magath verglichen werden, weil ich ein ganz anderer Typ bin. Also, klar? Nie wieder mit Felix Magath vergleichen.“

Wie bitte?

Aber klar, natürlich klar.

Ich war fassungslos. Das blieb so auf der Rückfahrt, das blieb so in den nächsten Tagen – im Prinzip hält das bis heute an. Da hat ein Trainer ein solches Erfolgserlebnis, da spielt die Mannschaft eines Mannes so guten Fußball, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte – und dann hat dieser Trainer nur Minuten nach einem solchen Triumph nichts anderes zu tun, als zu sagen, dass er nie wieder mit Felix Magath verglichen werden wolle. Oha. Dieser Stachel muss wohl tief gesessen haben. Aber egal, ich kann so etwas bis heute nicht verstehen. Wenn Labbadia es mir in den folgenden Tagen gesagt hätte – alles okay, aber nur Minuten nach einem solchen Super-Auftritt, und selbst dann, wenn er nur jubelnde Spieler um sich herum hat . . . Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber so ist er.
Obwohl ich das Ganze nun auch nicht wieder so hochsterilisieren möchte . . .

Ganz anderes Thema. Lars hat ja schon aus der neuesten „supporter news“ zitiert, Ausgabe Dezember. Da geht es, wie zuletzt überwiegend, um die Strukturen des HSV. Diesen Pass möchte ich jetzt aber nicht aufnehmen, ich glaube ohnehin, dass wer jetzt nicht weiß, wie er sich am 19. Januar entscheiden muss, der wird es dann auch nicht wissen. Das wäre dann die Sache mit Hopfen und Malz . . . Nein, ich möchte mich mit zwei Artikeln von Ulie Liebnau auseinandersetzen. Beziehungsweise, ich möchte sie loben. Als ich das gelesen habe, dachte ich auf Anhieb: „Aber hallo, so etwas hast du ja in diesem Blatt noch nie gelesen.“ Das nie mag nicht stimmen, aber es kam auf jeden Fall sehr überraschend für mich. Und nochmals: Kompliment.

Auf Seite 51 geht es unter der Überschrift „Zurechtgerückt“ und „Scheinheilig. Die Dritte“ auch um die Strukturen, über die Ulie Liebnau in der sn-Ausgabe 74 geschrieben hatte: „Wir brauchen keine Strukturveränderungen und auch keine scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller!“ Das brachte, neben anderen, auch Jürgen Hunke auf den Plan, der darauf antwortete: „Wer mich richtig kennenlernt weiß, dass ich alles zum Wohle des Vereins mache.“

Daraufhin trafen sich Ulie Liebnau und Jürgen Hunke – und das Fazit nach diesem Treffen lautete (U. L.): „Ich habe Jürgen Hunke als Menschen kennengelernt, der sich in der Vergangenheit erfolgreich für den HSV eingesetzt hat und der sich auch heute noch hoch motiviert für das Wohl des Vereins engagiert. Dass seine dynamischen, wortreichen und immer auf Überzeugung ausgerichteten Auftritte auch Verwunderung, Widerstand und vielleicht auch Neid, erzeugen können, ist nachvollziehbar, ihn aber in die Gruppe der „scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller“ zu stecken, wird ihm nicht gerecht. Auf mich wirkte Jürgen Hunke authentisch.“

Das, lieber Ulie Liebnau, zeugt von menschlicher Klasse, das ist einfach nur gut. Trotz allem möchte ich mich noch einmal überrascht äußern, so etwas hätte ich in den „sn“ nicht erwartet. Ulie Liebnau schreibt dann noch weiter: (Nachtrag in Klammern: Mein Urteil über Jürgen Hunke habe ich revidiert. Offen bleibt für mich die Beurteilung derer, die sich zur Zeit um den HSV Sorgen machen und mit großem Einsatz öffentlich für eine radikale Struktur-Änderung einsetzen. Aber das ist ein anderes Thema.)

In der Tat.

Der Sinneswandel in Sachen Jürgen Hunke aber ist immer noch großartig. Hier wurde erst etwas in den Raum gestellt (vielleicht auch auf Jürgen Hunke bezogen, vielleicht), dann zog sich ein Mann (Jürgen Hunke) den Schuh an – und es wurde miteinander gesprochen. Ich wette, dass es den meisten Leuten, die teilweise so blindwütig auf Jürgen Hunke eindreschen und ihn ins Abseits stellen (teilweise sogar vernichten), nach einem persönlichen Gespräch (mit J. H.) ganz anders denken würden. So wie Ulie Liebnau jetzt. Dass Ulie Liebnau das so offen zugibt – hervorragend. Ganz, ganz stark. Ich jedenfalls, da bin ich auf der Linie von Liebnau, habe Jürgen Hunke schon vor Jahrzehnten so kennengelernt. Der Mann geht seinen Weg, der kennt mitunter auch nicht links und rechts – aber der HSV steht in seinem Fokus. Jürgen Hunke ist gewiss nicht einfach, aber er selbst hat es sich auch nie einfach gemacht. Er ging auch dann seinen Weg, wenn er genau wusste, dass es höchst unangenehm für ihn werden könnte. Das habe ich stets an ihm geschätzt – und werde es auch immer schätzen. Unabhängig einmal davon, ob er mit seinem Struktur-Veränderungs-Modell nun richtig liegt – oder nicht. Mir wäre in diesem Fall wohler, und mehr sage ich zu dieser Struktur-Vielfalt auch nicht, wenn sich HSVPlus und Hunke am Ende einigen und dann auch vereinigen könnten. Damit es nicht noch eine weitere Spaltung in und zu diesem Thema gibt, dann die könnte letztlich alles zunichte machen.

Und noch einmal Ulie Liebnau. Und auch dafür ein dickes Kompliment. Auf Seite 66 der „sn“-Dezember-Ausgabe schreibt er unter der Überschrift: „Scheiß Sankt Pauli?“, dass beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft und den Fans der Nordtribüne (nach dem 3:1-Sieg über Hannover 96) auch jemand etwas nicht so sehr Freundliches gerufen hätte. Nämlich „Scheiß Sankt Pauli!“ Und dass die Nordtribüne zurückgebrüllt hätte: „Scheiß Sankt Pauli!“

Liebnau schließt seinen Kommentar wie folgt ab: „Nun gut, ich bin schon etwas älter als der Durchschnitt der Brüller und hab’ mal gelernt, dass bei Hunden der Kleinere den Großen ankläfft, nicht umgekehrt. Und darum frag ich euch HSV-Begeisterte: Habt ihr das nötig, den kleineren Hamburger Verein zu beleidigen?“

Wenn das keine Realsatire ist, und davon gehe ich in diesem Moment einmal aus, dann ist auch das klasse. Weil ein solcher (kleiner) Beitrag auch zum Nachdenken anregt. Was hat, das habe ich mich schon immer gefragt, Sankt Pauli bei einem HSV-Spiel zu suchen, wenn Sankt Pauli gar nicht beteiligt ist?

Dass Ulie Liebnau dazu anregt, sich einmal zu hinterfragen, passt bestens in diese Tage – vor dem 19. Januar. Wir alle sollten uns einmal hinterfragen, ob dieses oder jenes (im Streit der Strukturen) nötig ist, nötig wird? Letztlich muss der Verein, unser HSV, eine demokratische Wahl (und nicht nur die eine, hoffentlich) überstehen, ohne Schaden zu nehmen, ohne auseinander zu brechen. Darüber sollten sich spätestens jetzt einmal alle Gedanken machen, die bislang ganz scharfe Geschütze aufgefahren haben.

Ich frage jeden, der in diese Richtung tendiert:

Habt Ihr das nötig?

So, nun werde ich mir in Ruhe den englischen Fußball ansehen, West Ham United (ohne Guy Demel) gegen Arsenal (mit Mertesacker und Özil) – ganz ohne Fußball geht es ja nicht . . .
Lasst das Weihnachtsfest schön, ruhig und stressfrei ausklingen, dann haben diese Tage ihren Sinn erfüllt.

16.15 Uhr

Ein halbes Dutzend will noch zur WM

11. Oktober 2013

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Aktuelle Spielabsage, Sonnabend Vormittag:
Die Partie der U 23 des HSV gegen den VfB Oldenburg um 14 Uhr ist wegen der Regenfälle abgesagt worden.
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Letzter Ferientag in Hamburg – das letzte Mal bis zum Winter die Gelegenheit für Kinder und Familien, vormittags beim Training zu gucken. So war auch an diesem Tag ordentlich was los neben dem Trainingsplatz. Auf dem Rasen ließ es Bert van Marwijk ruhig angehen mit seinem Dutzend Verbliebener. Und so stand einer im Interview-Vordergrund, der gerade pausieren muss. Immerhin ist Tomas Rincon seit einigen Tagen im Stadion wieder bei der Mannschaft. Beim Spiel gegen Werder Bremen vor knapp drei Wochen hatte sich der Venezolaner den Kiefer gebrochen. Er berichtet, dass es ihm gut gehe, dass er im Kraftraum bereits wieder erste Einheiten unter Anleitung von Athletik-Trainer Markus Günther absolviert habe. Bislang war Rincon vor allem auf dem Crosstrainer und an Kraftgeräten aktiv. „Nächste Woche will ich wieder raus. Aber erstmal nur laufen.“ Nach seiner Verletzung sind ihm drei Titanplatten eingesetzt worden. Zwei am Kinn und eine am Oberkiefer. Ob diese Platten in einem oder in zwei Jahren wieder raus müssen, ist noch nicht klar. Feste Nahrung, so sagte er heute lachend, könne er noch nicht zu sich nehmen. „Fisch geht schon!“ Härteres aber noch nicht. Im Übrigen macht Tomas Rincon einen ausgesprochen positiven Eindruck. Er erzählte über seine Frau, die gerade schwanger ist, und die damit einhergehende Beschwerden hat, so dass die beiden sich zu Hause in den vergangenen Wochen gegenseitig mit ihren Malaisen geholfen haben.

Sehr witzig schilderte Tomas Rincon auch, wie er den Unfall selbst am 21. September erlebt hat. „Ich hatte nach dem Zusammenprall mit meinem Gegenspieler das Gefühl, ich hätte ein Loch im Mund. Dann habe ich unseren Arzt gebeten, nachzuzählen, ob ich noch alle Zähne habe.“ Auf die entsprechende Antwort, die Zähne seien unversehrt, aber sein Kiefer gebrochen, hatte Rincon die einzig logische Antwort parat. „Ich habe gesagt, gut, dann spiele ich weiter!“ Erst als er anschließend aufstand und ihm schwindelig wurde und die Schmerzen kamen, musste der Kämpfer eingestehen, dass ein Weiterspielen wohl keinen Sinn mache. Diese Verletzung kann durchaus als Baustein bei der Entlassung von Thorsten Fink gewertet werden. Zum Zeitpunkt seiner Auswechslung lagen die Hamburger erst mit 0:1 hinten (Endstand 0:2) und Rincon war der beste HSV-Profi an diesem Tag. Aber das ist ja nun auch Schnee von gestern.

Mit dem neuen Mann Bert van Marwijk hat sich Rincon, wie er sagte, einmal kurz unterhalten. Es sei eine Art Kennenlerngespräch gewesen. Mehr als das war der Meinungsaustausch zwischen Rincons Berater und Sportchef Oliver Kreuzer in der vergangenen Woche. Hier ging es ganz konkret um die Zukunft der Nummer 8 des HSV. Rincons Vertrag in Hamburg läuft noch bis Sommer 2014. „Nach fast fünf Jahren in dieser Stadt kann ich sagen, dass ich gelernt habe, den Verein zu lieben. Mit dem neuen Vertrag muss natürlich alles passen, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg“, so Rincon. Ein weiteres Treffen ist bereits verabredet, so dass einer der dienstältesten HSV-Profis womöglich länger bleibt. Noch unter dem damaligen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer hatte Rincon im Januar 2009 den Weg von seinem Heimatclub Deportivo Tachira ins kühle Europa gefunden.

Tomas Rincon wird mit seiner venezolanischen Nationalmannschaft vermutlich nicht bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr dabei sein. In der Südamerika-Quali liegt sein Team nur auf dem 6. Platz, erwartet in der kommenden Nacht den Tabellenletzten Paraguay. Die Chancen auf eine Teilnahme an der Endrunde in Brasilien sind vor dem letzten Spiel für Venezuela nur noch theoretischer Natur.

Nach aktuellem Stand der Dinge haben sechs HSV-Profis ganz konkrete Möglichkeiten, im kommenden Jahr an die Copacabana zu fahren – und zwar nicht zum Urlaub. Mit Spannung erwarten wir natürlich den Auftritt von Marcell Jansen im deutschen Spiel gegen Irland. Jansen hat mit einer guten Vorstellung eine realistische Chance, sich für einen Stammplatz als linker Verteidiger zu empfehlen. Marcel Schmelzer, sein Konkurrent von Borussia Dortmund, ist verletzt, und ich finde ohnehin, dass Schmelzer sowohl beim BVB als auch in der Nati oft ein Schwachpunkt war. Also, hau rein, „Cello“.

Mit Jansen ist Rene Adler eine feste Größe bei Bundestrainer Joachim Löw – wenn auch nur als Nummer zwei. Gelingt heute endgültig der Schritt nach Brasilien, dann könnte Adler am Dienstag in Schweden eingesetzt werden. Vielleicht sein nächstes Länderspiel. Zuletzt war Adler beim HSV nicht in Topform, aber das ist sicher auch seiner schlechten Saison-Vorbereitung geschuldet. Was heißt schlecht – Adler musste weite Strecken wegen einer Knieverletzung aussetzen. Jetzt sollte er wieder in den Rhythmus kommen, der ihn für die Mannschaft in der vergangenen Saison so wertvoll gemacht hat.

Das HSV-Trio bei Jogi Löw vervollständigt im Moment Heiko Westermann. Scholle hat hier im Blog vor einigen Tagen eine Lanze für den Franken gebrochen. Ich kann mich dieser Einschätzung nur anschließen, aber ob es für die WM-Teilnahme reicht, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

Sicherer Kandidat für die WM ist außerdem Rafael van der Vaart, dessen Niederländer das Ticket bereits in der Tasche haben. Heute Abend spielen die „Oranjes“ in Amsterdam (Heimspiel für van der Vaart!) gegen Ungarn.
Vierter Hamburger im Bunde, der Chancen auf die WM im kommenden Jahr besitzt, ist Jacques Zoua. Mit Kamerun spielt Zoua übermorgen das Playoff-Hinspiel gegen Tunesien. Das Rückspiel findet dann im November statt.

Einige andere HSVer sind außen vor. Ivo Ilicevic und Milan Badelj sind zuletzt nicht einmal mehr zur kroatischen Nationalmannschaft eingeladen worden. Ilicevic, dessen schon fast chronische Muskelverletzungen zermürben, konnte heute erneut mit seiner Mannschaft im Volkspark trainieren – nun schon zwei Tage in Folge, allein das ist ein Fortschritt. Für ihn gilt eigentlich nur eins: endlich dauerhaft fit werden. Als er vor zwei Jahren aus Kaiserslautern kam für vier Millionen Euro, galt das als gutes Geschäft. Ich habe das auch gedacht, zumal Eljero Elia im selben Atemzug für neun Millionen an Juventus Turin abgegeben wurde. Auf die Beine gekommen ist Ilicevic aber bisher nicht recht. Eine Zeitlang hieß es, der Kroate arbeite nicht ernsthaft genug an seinen physischen Schwächen. Ich weiß, dass dies inzwischen anders ist und dass vor allem der Verein mehr Professionalität eingefordert hat. Nun wird es eigentlich Zeit, dass der Körper Ilicevic belohnt. Was könnte er doch für eine Bereicherung sein mit seiner Quirligkeit. Ich bin mir sicher, Ilicevic kann sich vom Potential her ein heißes Duell mit Hakan Calhanoglu um den Platz links im offensiven Mittelfeld des HSV liefern. Aber das ist, wie gesagt, erst der zweite Schritt. Schritt Nummer eins: Fitness.

Zurück zum Thema Nationalmannschaft. Ilicevic‘ Landsmann Milan Badelj ist auch nicht mitgeflogen zum Spiel der Kroaten gegen Belgien. Offenbar haben seine durchwachsenen Leistungen im Verein nicht gerade überzeugend gewirkt auf Nationaltrainer Igor Stimac. Auch in den jüngsten Bundesliga-Spielen unter Bert van Marwijk war Badelj, trotz Aufwärtstrend im gesamten Team, einer der Schwächeren. Warum eigentlich? Und warum spielt er trotzdem in der ersten Elf? Fußballerisch bringt Badelj alles mit. Außerdem ist er das, was man einen „guten Kopf“ nennt. Er ist bodenständig, erfahren, kein bunter Hund, der sich ablenken lässt. Aber er macht immer wieder dieselben Fehler. Dreht sich mit dem Ball in Gegenspieler herein, spielt also zu kompliziert, was zu schlimmen Ballverlusten führt, und manchmal scheint es mir, dass er immer noch Probleme mit dem Tempo in der Bundesliga hat. Aber: Badelj kämpft. Exemplarisch beim Spiel in Nürnberg zu sehen, und das muss Bert van Marwijk auch bewogen haben, den Kroaten auf zentraler Position trotz einer Reihe von Fehlpässen auf dem Rasen zu lassen. Badelj lässt sich nicht entmutigen, sondern fordert trotz eigener Fehler den Ball und übernimmt Verantwortung. Unterbleiben dann in Zukunft die einfachen Fehler, dann wird er das Vertrauen van Marwijks rechtfertigen. Und dann kann er auch wieder eine Alternative unter Nationalcoach Stimac werden – spätestens im November, wenn sich Kroatien (aktuell Gruppenzweiter) tatsächlich für die Europa-Playoffs qualifiziert.

Richtig jubeln kann heute Abend vielleicht Johan Djourou. Im vorletzten Gruppenspiel tritt die Schweiz in Albanien an und kann Platz eins sicherstellen. Ein Sieg in Tirana, und das Ding ist durch für Djourou und Co. Das wäre ein großer Erfolg für die Eidgenossen, die bereits 2010 in Südafrika dabei waren und im Gruppenspiel den späteren Weltmeister Spanien mit 1:0 besiegen konnten. Diese WM-Teilnahme und dieser eine Sieg (die Schweiz ist trotzdem nach den Gruppenspielen ausgeschieden) muss auch der Grund gewesen sein, warum die Mannschaft diesmal eine derart leichte Quali-Gruppe erwischt hat. Neben Albanien sind und waren Island, Norwegen, Zypern und Slowenien die Gegner…

Wer HSV gucken will, sollte morgen zur Hagenbeckstraße kommen. Die U 23 von Rodolfo Cardoso trifft um 14 Uhr auf den VfB Oldenburg, und nach fünf sieglosen Spielen in Folge wäre mal wieder ein Dreier fällig. Mit Michael Mancienne und Zhi Gin Lam werden zwei Profi-„Leihgaben“ dabei sein. Auf jeden Fall ist es mal wieder ein guter Termin, um sich über den Stand im HSV-Nachwuchs zu informieren.

In diesem Zusammenhang hat sich Ex-Profi Thomas von Heesen, bekanntlich ein Aushängeschild des Strukturmodells „HSVplus“, gemeldet. „Man gewinnt den Eindruck, dass die Nachwuchsarbeit beim HSV nicht wirklich funktioniert“, sagt von Heesen. Fehlende Kontinuität in der sportlichen Führung macht von Heesen dafür verantwortlich. „Alle müssen eine Philosophie unterstützen. Die Philosophie muss von oben gelebt werden – egal, wer gerade dafür verantwortlich ist. Aber ohne Fußballkompetenz in den Gremien funktioniert das natürlich nicht.“ Von Heesen habe darüber hinaus von Beratern signalisiert bekommen, „dass der HSV aktuell keine seriöse Adresse darstellt was die Zukunft ihrer Nachwuchsspieler angeht“. Ein harter Vorwurf – wir werden hier in Kürze mit den im Moment Verantwortlichen des HSV über diese These sprechen und über Lösungsmöglichkeiten.

Die Profis haben ansonsten ein freies Wochenende. Montagnachmittag geht’s weiter am Volkspark. Und der DFB hat das Achtelfinale im Pokal gegen den 1. FC Köln terminiert. Die Partie wird am Dienstag, den 3. Dezember, um 19 Uhr im Volkspark angepfiffen.

Bis die Tage, schönes Wochenende, oder vielleicht bis morgen an der Hagenbeckstraße!

Lars

Ertel: “Es ist Zeit für einen Neuanfang”

22. Januar 2013

Heute war frei. Zumindest für Trainer und Mannschaft. Allein der Vorstand sowie die elf neuen Aufsichtsräte treffen sich heute Abend in der Imtech-Arena. Dabei sollen die Vorstände den Kontrolleuren aufzeigen, wie der Stand der Dinge ist und wird. Wirtschaftlich wie sportlich eine Prognose abgebe, wobei sich finanziell durch ausbleibende Verkäufe entsprechend auch noch nicht viel verbessert hat. Zudem geht es darum, dass der Aufsichtsrat samt seiner vier neuen Mitglieder Katrin Sattelmair, Ali Eghbal, Jens Meier und Christian Strauß den Vorstand kennenlernt – und andersrum. Vorab hatte ich die Möglichkeit, mit dem neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, dem 62-jährigen Spiegel-Journalist Manfred Ertel, zu sprechen. Aber lest selbst. Das erste Interview mit dem neuen Aufsichtsratsboss:

Herr Ertel, der Aufsichtsrat hat noch bis 22.15 Uhr getagt. Wie war die Nacht für Sie? Konnten Sie ganz normal einschlafen oder hat Sie die Wahl noch lange beschäftigt?
Manfred Ertel: „Ich habe tatsächlich nicht so gut geschlafen. Aber das kann ich jetzt nicht mit der Wahl in Verbindung bringen. Im Gegenteil, ich habe am Abend noch lange mit meiner Frau telefoniert, die sich sehr für mich gefreut hat.“

Allerdings kommt eine schwierige Aufgabe auf Sie zu. Der Verein steckt sportlich im Umbruch und finanziell im Minus. Der Druck des Vorstandes lastet auch auf dem Aufsichtsrat, der den Großteil der Transfers in den letzten Jahren abgesegnet hat. Warum wollten Sie das Amt trotzdem?
Ertel: „Natürlich spüre ich den neuen Druck. Aber andererseits bin ich auch kein Newcomer in derartigen herausgehobenen Positionen. Zudem freue ich mich sehr über das sehr große Vertrauen der Kollegen und die Zusammensetzung der Führung mit Jens Meier und Eckart Westphalen und Christian Strauß als Finanzausschussvorsitzenden. Wir sind ein sehr gutes Team als Gesamt-AR aber auch in den neuen „Führungspositionen“, verstehen uns auch menschlich sehr gut. Allein das nimmt schon einmal einen Teil des Drucks von mir. Sollten wir so gut weiterarbeiten wie zuletzt mit Alexander Otto und Eckart Westphalen, sind wir richtig gut. Bauen wir das noch aus, wären wir sogar sehr gut.“

Gemessen werden aber auch Sie in und nach Ihrer einjährigen Amtszeit an den Zahlen und Ergebnissen.
Ertel: „Die finanzielle Konsolidierung des Vereins ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, die wir mit vorantreiben wollen. Dabei müssen wir auch, so hart das klingt, den Vorstand überwachen. Das verlangt die Satzung, das müssen wir im Interesse des Vereins und unserer Mitglieder ernst nehmen. Allerdings verstehen wir diese Kontrolle so, dass wir den Vorstand unterstützen und ihm helfen, den Weg freizuräumen. Das Vertrauen in unseren Vorstand ist sehr groß, was schon die zuletzt getätigten Vertragsverlängerungen unserer Vorstände Carl Jarchow und Joachim Hilke dokumentieren. Der Aufsichtsrat will nicht mit steuern, sondern helfen und seiner satzungsgemäßen Aufgabe als Kontrollgremium nachkommen.“

Der Aufsichtsrat war zuletzt sehr auffällig – ist aber eher als Verhinderer der Entwicklungen wahrgenommen.
Ertel: „Wir haben aus den letzten Monaten, in denen der Aufsichtsrat in Teilen der Öffentlichkeit deutlich schlechter dargestellt wurde als er tatsächlich gearbeitet hat, eine wichtige Lehre ziehen können: Wir wollen vereinspolitische Debatten und Streitereien aus dem Aufsichtsrat heraushalten. Unser Ziel ist es, uns streng auf unsere satzungsgemäßen Aufgaben zu konzentrieren. Ich werde auch definitiv nicht alle vier Wochen öffentlich etwas kommentieren. Im Gegenteil. Denn wenn wir still, leise und effektiv arbeiten und möglichst weit im Hintergrund bleiben, haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.“

Allerdings wurden auch die 6,4 Millionen Euro, die Sportchef Frank Arnesen im Winter durch Verkäufe einnehmen und einsparen muss, öffentlich. Von einem Aufsichtsrat…
Ertel: „Die Sparauflage kommt ja nicht aus der Mitte des Aufsichtsrates, sondern vom Vorstand selbst. Wir unterstützen dieses Vorhaben, von dem der Vorstand sehr überzeugt ist, ausdrücklich. Und wir warten ab, bis die Transferperiode beendet ist und ein Ergebnis vorliegt.“

Was passiert den, wenn Frank Arnesen das interne Ziel von 6,4 Millionen Euro nicht erreicht?
Ertel: „Ich halte nichts von einer „Wenn-Dann-Pädagogik“. Wir warten ab und hören uns die Schlussfolgerungen des Vorstandes ganz in Ruhe an: Wir sehen den aktuellen Stand nicht als ein halbleeres, sondern als ein halbvolles Glas.“

Die Ziele der Mannschaft sind mit den Top-Ten relativ konservativ formuliert. Marcell Jansen hingegen hat zuletzt kritisch angemerkt, dass der HSV bei seinen Investitionen höhere Ziele haben muss. Er sagte, dass es nicht angehen könne, dass Mannschaften mit deutlich geringeren Etats vor dem HSV stehen.
Ertel: „Man sollte nicht allein auf die Zahlen schauen. Ich finde es gut, dass Marcell als Führungsspieler einen Anspruch an sich selbst und seine Mitspieler formuliert. Das spricht für ihn. Ich glaube auch, dass die Mannschaft gezeigt hat, was sie kann. Mannschaft, Trainer und Vorstand sind auf einem guten Weg.“

Den hatte zuletzt auch der Aufsichtsrat unter der Führung Alexander Ottos eingeschlagen, der trotz etlicher Überredungsversuche nicht von seinem Rücktritt abzubringen war. Wie viel Otto steckt in Ihnen, was haben Sie sich bei Alexander Otto abschauen können?
Ertel: „Von Herrn Otto kann man sich einiges abgucken. Er besitzt beispielsweise eine Autorität, Gelassenheit und ein Geschick für vermittelnde Moderation bei Kontroversen, an der man sich – auch ich – orientieren kann. Sein Motto ‚Vermitteln statt Spalten’ gilt auf jeden Fall auch weiterhin, auch für mich.“

Sie werden öffentlich noch oft als Fan im Aufsichtsrat wahrgenommen. Insbesondere im Blog „Matz ab“ wurde Ihre Wahl sehr kritisch beurteilt. Wie begegnen Sie den Kritiken an Ihrer Person?
Ertel: „Es ist Zeit, jetzt mal einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen. Via Internet können mit großer Leichtigkeit Behauptungen aufgestellt werden. Und gegen derartige üble Nachrede im Internet und den Blogs kann ich mich schlecht bis gar nicht wehren. Aber ich kann von mir behaupten, dass ich noch immer im Einverständnis mit Leuten auseinandergegangen bin, die mir sehr kritisch begegnet sind und das Gespräch mit mir gesucht haben. Daher kann ich auch nur hoffen, dass mich meine Kritiker nicht anonym via Internet kritisieren, sondern persönlich ansprechen.“

Wie lösen Sie das Kommunikationsproblem?
Ertel: Wir werden allen anbieten, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir überlegen gerade, wie man das am besten umsetzen kann. Da werden wir uns in den nächsten Wochen was einfallen lassen.“

Trotz aller Widerstände haben Sie sich für das höchste Amt im HSV beworben. War Ihnen schon länger klar, irgendwann den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleiden zu wollen? Oder haben Sie gezögert?
Ertel: „Ich bin in letzter Zeit von sehr vielen Leuten aus dem Verein gebeten worden, mich um das Amt zu bewerben. Ich selbst habe aber lange gezögert und mich erst am Sonntag dazu entschlossen, zu kandidieren. Meine zwei engsten Freunde und meine Frau hatten mir sogar davon abgeraten – und sich am Ende sehr mit mir gefreut. Für mich zählt jetzt, dass mir meine Kollegen im Aufsichtsrat einen riesigen Vertrauensvorschuss entgegengebracht haben.“

Das war das erste Interview mit dem neuen Aufsichtsratsboss des HSV. Und ich finde, dass Manfred Ertel entgegen der hier vorherrschenden Meinung sehr wohl einige positive Ansätze liefert. Natürlich sind es bislang auch nur Ansätze, die erst noch mit Taten belegt werden müssen. Klar! Aber so ist es am Anfang doch bei jedem. Von daher halte ich es wie immer und gebe Manfred Ertel zusammen mit seinen Stellvertretern Jens Meier, Eckart Westphalen sowie allen anderen Kontrolleuren die faire Chance, die sie verdient haben. Wer weiß, wie sich die neue Zusammensetzung des Rates auf dessen Arbeit auswirkt?

In diesem Sinne, ich hoffe, dass der Aufsichtsrat den Otto’schen Handlungsstil beibehält und ausbaut. Ich melde mich morgen wieder. Dann wieder mit Fußball, denn da wird um 10 und um 15 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Euch allen einen schönen Rest-Dienstag,
Scholle

P.S.: Eljero Elia ist heute im Training in Bremen übel umgegrätscht und anschließend mit Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort allerdings gab es schnell Entwarnung: nur eine Fußprellung. Der ehemalige HSV-Profi kann somit am Sonntag bei Bremens 1:3-Niederlage gegen den HSV dabei sein. Gut so!

Eduardo kommt nicht zum HSV – Elia schon

3. August 2012

So, seit 14 Uhr gibt’s nen Aufnahmestopp für die Fragen an Herrn Jarchow. Ich werde die gesammelten Werke einmal überfliegen und nur die Fragen rausnehmen, die wie gestern erwähnt einfach nur den Sinn erfüllen, den HSV-Vorstandsvorsitzenden zu beleidigen. Aber, versprochen: grenzwertige Fragen bleiben drin. Und die schicke ich noch heute Abend per Email an Herrn Jarchow. Der Klubboss hatte davon bereits gelesen, als ich ihn gestern Nachmittag darauf ansprach. Und was in den letzten zehn Jahren als Ding der Unmöglichkeit galt, wird möglich. „Wenn ich gefragt werde, antworte ich“, so Jarchow, den auch die teilweise grenzwertigen Kritiken im Blog nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil. Er bleibt ruhig. „Fragen bieten dem gefragten immer auch die Möglichkeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Dass ich es nicht schaffe, restlos jeden zu überzeugen, war mir klar, als ich mein Amt antrat.“

Und egal, wer hier was auch immer von Jarchow hält, so eine Aktion zollt mir allerhöchsten Respekt ab. Denn ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es in der Bundesliga keinen zweiten Klubboss gibt, der so etwas mitmachen würde. Das nur für die unter uns, die das als selbstverständlich erachten…

Selbstverständlich ist seit Messi sportlich nichts mehr. Dennoch gab es jetzt aus München Entwarnung. „Ich nehme den Cup sehr ernst“, sagt Bayern-Trainer Jupp Heynckes und kontert damit die etwas undurchdachte – oder einfach nur ehrliche? – Aussage von Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. „Ich denke nicht, dass wir mit der ersten Elf auflaufen. Auch die anderen werden noch durchwechseln“, sagt Weidenfeller vor dem Halbfinale gegen den HSV am Sonnabend (16.30 Uhr/Sat.1 überträgt live). Nicht dabei sein wird Mario Götze (Bindehautentzündung), dafür aber Marco Reus, von dem offenbar nicht nur ich ein großer Fan bin fehlen. „Ich bin ein Fan von Reus“, sagte Frank Arnesen heute, „er ist kreativ, schnell, torgefährlich – eben ein moderner Angreifer.“

Aber leider keiner, den sich der HSV angeln kann. Ob demnächst der neue beim HSV zu erwarten ist? Wohl eher nicht. Frank Arnesen ließ durchblicken, dass wohl zuerst ein Innenverteidiger kommen dürfte. Zumindest ein Anfang.

Dabei hatte ich vor zwei Tagen gehört, dass der HSV unmittelbar vor der Verpflichtung des neuen Kreativen stünden. Nach gemeinsamen Recherchen mit meinem Kollegen Kai Schiller kamen wir auf den Namen Carlos Eduardo, der bei Rubin Kazan keine Rolle mehr spielt. Demnach hätte der HSV Interesse an der Verpflichtung des ehemaligen Hoffenheimers, der seit knapp zwei Jahren kaum noch spielt und den Kazan abgeben wolle. Die von transfermarkt.de kolportierten 15 Millionen Euro Marktwert werden auf Beraterbene mit inzwischen nur noch 5 Millionen Euro gehandelt. Ein Betrag, der dem HSV schwer fallen dürfte – der aber nicht unmöglich sein dürfte. Zumal dann nicht, wenn Eduardo zunächst mit Kaufoption ausgeliehen würde.

Allerdings hat sich diese Info nicht bestätigt. Stattdessen habe ich erfahren, dass Eduardo vor einem Wechsel nach Wolfsburg steht. Zumindest hat Trainer Felix Magath, er den Brasilianer schon im Winter zum Werksklub holen wollte, bei Kazan sein neuerliches Interesse hinterlegt. Dem Vernehmen nach geht es jetzt nur noch darum, dass Diego abgegeben wird. Und für den hätte ich einen Abnehmer…

Apropos Problemfälle. Ein solcher war (ist?) auch Eljero Elia. Zumindest beim HSV. Und auch bei Juventus Turin ist der Niederländer mit zweifellos überdurchschnittlichem Talent nicht glücklich geworden. Jetzt versucht es der pfeilschnelle Rechtsfuß bei Werder Bremen und ist mit dem Nordrivalen morgen und Sonntag zu Gast in der Imtech-Arena. Grund genug, den Rückkehrer zu befragen.

Eljero Elia über…
…seine Rückkehr nach Hamburg:
„Ich freue mich auf die Spiele im Liga-Pokal und auf das Wiedersehen mit al-ten Bekannten. Besonders mit Jeffrey Bruma, Dennis Aogo und Tomas Rincon stehe ich im Kontakt. Sobald ich mal frei habe, werde ich sie in Hamburg besuchen. Die HSV-Fans werden mich möglicherweise weniger herzlich begrüßen, aber das ist doch ganz normal. Mich macht das nur noch stärker.“

…die Gründe für seinen Wechsel zu Werder: „Ich hatte ein sehr schweres Jahr in Turin, habe eigentlich nie eine echte Chance bei Juventus erhalten. Ich wollte unbedingt wieder Fußball spielen, und diese Chance hat mir Werder geboten. Für mich ist der Wechsel nach Bremen auch deshalb so wichtig, weil ich endlich Konstanz in meinem Leben haben möchte. Ich habe auch meiner Freundin gesagt, dass ich keine Lust habe, nächstes Jahr schon wieder zu wechseln. Als Fußballer kann man natürlich niemals nie sagen, aber ich werde definitiv nicht zu einem anderen Verein mehr wechseln, der auf einem ähnlichen Level wie Werder ist. Gemeinsam mit unserer Tochter haben wir auch ein schönes Häuschen in Bremen bezogen, aus dem wir so schnell nicht ausziehen wollen.“

…über die Saisonziele von Werder und den HSV: „Ich bin mir sicher, dass wir mit Werder um einen europäischen Platz spielen können. Bremen ist schon in der vergangenen Saison sehr gut gestartet, ist dann leider in der Rückrunde etwas eingebrochen. Was den HSV betrifft, so weiß ich nicht ganz genau, was da in der kommenden Saison möglich sein wird. Wie in der vergangenen Spielzeit sind auch in diesem Sommer wieder viele gute Jungs wie Mladen Petric, Paolo Guerrero, Gökhan Töre oder David Jarolim verkauft worden. Es wird wohl keine ganz einfache Saison für Hamburg.“

…sein schweres Jahr in Turin: „Obwohl ich kaum spielen durfte, habe ich den Wechsel nie bereut. Juventus ist eine der größten Vereine der ganzen Welt, da musste ich mein Glück einfach versuchen. Aber mir ging es auch privat nicht so gut in Turin. In unser Haus wurde dreimal eingebrochen, da habe ich meine Familie zurück nach Holland geschickt. Für mich war es aber wichtig, dass ich auch so eine Phase in meinem Leben überstehe.“

…seinen Ruf als Problemprofi: „Ich weiß nicht, warum ich immer als Problemprofi abgestempelt werde. Obwohl ich in Turin nie spielen durfte, habe ich nie Ärger gemacht. Ich habe fast ein Jahr lang kein Interview mehr gegeben, weil ich lieber Taten statt Worte sprechen lassen wollte. Mein Wunsch ist, dass die Verantwortlichen in Turin eines Tages bereuen, mich haben gehen zu lassen.“

…eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft: „Natürlich ist es mein Ziel, wieder für die Niederlande zu spielen. Dafür muss ich mich aber erst mal bei Werder mit Leistung anbieten. Für mich kann es ein großer Vorteil sein, dass Louis van Gaal neuer Bondscoach ist. Er ist ein Supertrainer, der mich damals als Bayerncoach unbedingt nach München holen wollte. Die Verhandlungen zwischen ihm, Bernd Hoffmann und meinem Berater waren damals auch sehr weit fortgeschritten, ein Wechsel nach München ist nur ganz knapp gescheitert.“

…seinen Wechsel der Berater: „Nach dem schwierigen Jahr in Turin wollte ich einen kompletten Neuanfang. Frank Schouten ist immer noch ein guter Freund von mir, aber trotzdem habe ich mich mit Rodger Linse für einen neuen Berater entschieden. Ich wollte einfach alles ändern, ich bin jetzt ein ganz neuer Ellie.“

…die Hilfe von Marko Arnautovic in Bremen: „Ich kenne Marko schon seit einer Ewigkeit. Wir haben gemeinsam in Enschede gespielt, er war 17 und ich war 19 Jahre alt. Und wir haben uns immer super verstanden, der Kontakt riss nie ab. Als ich beim HSV war hat mich Marko häufiger in Hamburg besucht und auch während meiner Juventus-Zeit haben wir viel miteinander telefoniert. Mit Marko ist es für mich hier ein wenig leichter.“

…sein zwiespältiges Verhältnis zu Medien: „In der Vergangenheit wurde nicht immer nur positiv über mich berichtet, aber das ist abgehakt. In Turin habe ich nur deswegen keine Interviews mehr gegeben, weil ich nicht gespielt habe. Aber wenn ich in Bremen wieder mehr spiele, dann ist es auch ganz normal, dass ich wieder häufiger Interviews gebe.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf das Turnier. Bis morgen, dann wieder mit Dieter.

Scholle

Arnesen – nett, höflich und unverbindlich

2. Juni 2012

Diese Woche war ich im Osten. Erst Magdeburg, dann Leipzig. Weil ich es dort spannend finde. Nämlich zu sehen, wie sich der Osten entwickelt. Toll. Besonders Leipzig ist eindrucksvoll. Rein zufällig fand da auch das Länderspiel gegen Israel statt, und darauf werde ich auch noch kurz eingehen. Zuerst aber das Wichtigste – was ich „vor lauter Leipzig“ fast vergessen hätte:
Der Matz-abber “Altona” schrieb:

Heute erledigte ich wie immer meinen wöchentlichen Großeinkauf bei Penny in der Kieler Straße. Wie jeden Samstag wartete nach dem Einkauf der Hinz-und-Kunzt-Verkäufer neben dem Einkaufswagensammelplatz auf Käufer des Straßenmagazins. Ich gab ihm wie immer 50 Cent mit der Ausrede, dass ich das Magazin schon an anderer Stelle gekauft hätte. Der Verkäufer
entgegnete mir sofort, dass das unwahrscheinlich sei, da das aktuelle Magazin erst gestern erschienen sei und zudem diesmal übrigens 28 Seiten EM-Sonderbeilage enthielte.

Schlagfertig wie ich bin, wusste ich zu antworten, dass ich schon alles über die kommende Fußball-EM wüsste, da ich fast alle Sonderausgaben der Fußball-Presse im Zeitschriftenkiosk
Eppendorfer Weg gekauft hätte. Doch der Hinz-und Kunzt-Verkäufer gab sich noch nicht geschlagen und holte seine letzte Trumpfkarte aus dem Ärmel. „Die Ausgabe enthält auch einen zweiseitigen Artikel des bekannten Abendblatt-Sportreporters Dieter Matz”, warf er mir in der Hoffnung zu, dass ich den Namen schon einmal gehört hätte. Volltreffer. Na, da hatte er
einen gelandet.

„Ok”, meinte ich, „Sie haben mich überzeugt, ich nehme die Zeitung”. Er gab mir – korrekt wie er war, die 50 Cent zurück und ich gab ihm 2 Euro für das Magazin, dass zum Preis von 1,90 Euro angeboten wird.

Damit hatte der Verkäufer also statt 50 Cent 1,10 Euro verdient, denn von jedem verkauften Magazin dürfen die Hinz-und-Kunzt-Verkäufer einen Euro für sich behalten.

@Dieter, ich finde das einfach ganz große Klasse, dass Du Dich für sozial Schwächere engagierst. Deinen zweiseitigen Artikel habe ich natürlich gleich verschlungen, will aber nicht auf Details eingehen, vielleicht wird ja noch der eine oder andere Matz-abber neugierig und hat auch 1,90 Euro übrig. Nur soviel: Natürlich plaudert Dieter u. a. auch über den Spieler, der nach Meinung vieler Matz-abber Dieters Lieblingsspieler war . . . Ihr wisst schon, wen ich meine, oder?

Danke, lieber „Altona“, Du hast mich gerettet. Und auch ich werde mir dieses Heft von „Hinz und Kunzt“ – selbstverständlich – noch kaufen.

So, womit nun anfangen? Mit dem Erfreulichen? Genau, mit dem Erfreuliche. Der HSV verkauft Dauerkarten wie geschnitten Brot. Wahnsinn! Und großartig zugleich. Ich finde es einfach nur super, wie die HSV-Fans zum Verein, zu ihrer Raute, halten. Phänomenal! Ich hätte es nie gedacht, denn gegen Ende der vergangenen Saison blieben ja schon viele (Dauerkarten-)Plätze im Volkspark leer. Aus Protest gegen den Fußball, der dort geboten wurde. Ich kenne etliche Fans, die sich das nicht mehr antun wollten. Und nun das! Es ist unfassbar für mich, und nun hoffe ich, dass sich auch so mancher Logen-Inhaber doch noch auf seine heimliche und große Liebe besinnt – nämlich den HSV.

Wir haben doch schon so manches Tief durchlitten, und wir sind doch alle immer wiedergekommen. Jetzt, wo es ja wirklich nicht mehr schlechter geht, jetzt sollten wir zusammenstehen und gemeinsam dafür sorgen, dass es wieder bergauf geht. Der Anfang ist von euch, ihr treuen Fans, gemacht, nun heißt es auf allen Ebenen nachzusetzen, damit der Aufschwung keine Utopie bleibt.

Und ich bin nicht als Nepper, Schlepper, Bauerfänger vom Herrn Jarchow eingekauft worden, das möchte ich mal betonen, es ist meine innerste Überzeugung, dass es nur so geht, wie ich es beschrieben habe. Anders wird das nichts.

Apropos Carl-Edgar Jarchow. Seit dem Interview, das ja am Mittwoch und Donnerstag hier veröffentlicht wurde, hatte ich keinen Kontakt mehr zum HSV-Klub-Chef. Ich hoffe mal, dass alles in Ordnung war, dass es von Jarchows Seite aus keine Beanstandungen gab. Wenn, dann werde ich es ja demnächst hören. Von den Beiträgen her war es ja wohl so, dass der Mittwoch gelobt und der Donnerstag eher zerrissen wurde. Damit kann ich leben – und der Herr Jarchow liest es ja ohnehin nicht, was in Foren anonym über ihn geschrieben wird. Ich kann nur jedem, wirklich jedem Matz-abber sagen, dass Carl-Edgar Jarchow dieses Interview ganz gelassen über sich ergehen ließ, und dass er in jeder Lage auch absolut souverän war und blieb. Das habe ich schon ganz anders erlebt, deswegen von hier aus und an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Herr Jarchow. Und viel Glück und ein gutes Händchen für die nächste Saison. Könnten wir alle wohl ganz gut gebrauchen.

So, schnell noch zum Abstecher nach Leipzig. Es war nach langer Zeit das erste Länderspiel, das ich nur aus Jux und Dollerei besuchte, ohne arbeiten zu müssen. Was zur Folge hatte, dass ich nicht nur (gemeinsam mit Frau M.) ganz entspannt auf der Tribüne sitzen konnte, sondern auch mit vielen interessanten Leuten noch einige Worte wechseln durfte. Zum Beispiel mit gleich einigen Spielerberatern, die natürlich zahlreich vertreten waren. Und da hatte ich gleich eine ganze Batterie von Fragen, ist doch klar – so richtig privat ist man ja doch nie.

„Welche Leute kommen zum HSV? Ich möchte Namen wissen.“ Natürlich erhielt ich keine Auskunft. Da will sich niemand das Geschäft kaputtmachen lassen. Dennoch gab es einige Sachen, die mich erstaunten. Zum Beispiel fragte ich einen Herrn, was denn nun an Schalke und Rafael van der Vaart sei. Und die Antwort überraschte mich: „Schalke will zwar, aber meiner Meinung nach kann Schalke sich weder einen van der Vaart erlauben, noch einen Eljero Elia. Klappern gehört zum Handwerk, aber Schalke hat noch weniger Geld in der Kasse als der HSV . . .“ Da kam doch wieder ein wenig Hoffnung bei mir auf.

Und der HSV? Was macht der HSV? Ein Spielerberater: „Der HSV kommt nicht so recht in die Hufe. Und ich weiß nicht, woran das liegt? Sind die so unentschlossen, weil sie noch nicht wissen, welcher Spieler doch noch bleiben? Oder liegt es nur am fehlenden Geld, was ich nicht glaube? Ich weiß es nicht.“ Meine Frage, wie sich der Herr Arnesen denn so macht, wurde wie folgt beantwortet: „Er ist unglaublich nett und höflich, aber total unverbindlich. Er lässt sich nie in die Karten schauen.“ Und als das gesagt wurde, gesellte sich noch ein weiterer Spielerberater zu uns. Und der pflichtete seinem Kollegen sofort bei: „Wenn ich ihm einen Spieler anbiete, dann sagt er immer sofort: ‚Guter Mann, wirklich, das ist ein sehr guter Mann, ganz bestimmt . . .’ Aber mehr sagt er auch nicht. Und es kommt auch weiter nichts von ihm.“
Eben nett, höflich und total unverbindlich. Zum Wochenbeginn kehrt Frank Arnesen von seinem Kurz-Urlaub aus Spanien wieder zurück nach Hamburg, und dann wird er sicher weiter am HSV 2012 basteln. Wie es heißt, stehen die Vertragsverhandlungen von Marcell Jansen und Tolgay Arslan ganz oben auf dem Programmplan. Und weitere Verpflichtungen? Da gib es ja noch so viel Zeit . . .

Erst einmal ist EM. Und da gibt es ja für Bundestrainer Jogi Löw noch viele, viel Probleme. Als ich da oben auf der Leipziger Tribüne saß, dachte ich auch unwillkürlich an den HSV. Nicht deshalb, weil mit Dennis Aogo der Hamburger im DFB-Aufgebot fehlt, sondern weil es ja eine Menge Fragezeichen gibt. Fragezeichen, die auch oft in Hamburg zu sehen und zu erleben waren. Mit Schweinsteiger, Götze, Klose und Mertesacker gibt es gleich vier „Wackelkandidaten“ im DFB-Kader, alle sind auf ihre Art ein „Überraschungs-Ei“, denn niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, was sie wirklich bringen werden. Mich erinnert das alles auch ein wenig an die WM 1982 in Spanien. Okay, ist schon lange her, aber damals gab es mit Karl-Heinz Rummenigge auch einen angeschlagenen Spieler, der in jedem Spiel dabei war, aber höchsten bei 70 oder 80 Prozent. Trotz allem setzte Bundestrainer Jupp Derwall immer wieder auf den Münchner – sehr zum Ärger einer Mitspieler. Und auch zum Ärger viele Fans, die nämlich glaubten, dass Deutschland mit einem Spieler, der bei 100 Prozent gewesen wäre, noch besser gewesen wäre – als mit einem Rummenigge mit 70 oder 80 Prozent.

Und jetzt gibt es gleich vier Spieler im deutschen Aufgebot, die noch nach ihrer Form suchen – weil sie längere Zeit verletzt waren. Hat Löw zu viel gewagt? Ist er ein zu großes Risiko eingegangen? Zum Beispiel der „Fall“ Götze/Draxler. Löw hat Götze mitgenommen – ich hätte es umgekehrt gemacht. Oder Schweinsteiger? Wird er der neue „Rummenigge“?
Aber gut, wir werden es nun abwarten müssen, zu ändern ist jetzt ohnehin nichts mehr.

Dennoch erinnert mich diese Problematik auch in vielen Facetten an den HSV. Als zum Beispiel Armin Veh HSV-Trainer war, hatte er einst, so um die Weihnachtszeit, die Faxen dicke. Er kündigte für das nächste Spiel an: „Ab jetzt spielen nur die Spieler, die auch in der Lage sind, 90 Minuten zu laufen und zu kämpfen.“ Sollte heißen: Keine Rücksicht auf große Namen, die eventuell angeschlagen sind oder es waren, dafür junge, hungrige und frische Kräfte rein.

Veh hatte es öffentlich angekündigt, aber was helfen alle noch so guten Vorsätze, wenn die junge, hungrigen und frischen Kräfte dann doch nicht die Erwartungen des Trainers erfüllen? Wenn es keinen HSV-Erfolg gibt? Dann verfährt (und verfuhr) jeder HSV-Trainer doch lieber so: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern . . .“ Dann werden eben doch die älteren, erfahrenen Kräfte gebracht, egal ob sie beim 100 oder nur bei 80 Prozent sind. Denn in der Öffentlichkeit wird auch jener (HSV-)Trainer zerrissen, der große Namen draußen lässt um dann mit den unbekannten Talenten zu verlieren. Da sind dann die Experten, die Fans und auch die Journalisten, das will ich gar nicht verhehlen, unerbittlich – dann hagelt es Kritik am Trainer.

So wie es einst Armin Veh gemacht (und angekündigt) hat, so gab es in der jüngeren Vergangenheit noch manchen HSV-Coach, dem auch irgendwann einmal die Hutschnur platzte – weil die Leistungen der Arrivierten nicht stimmten. Letztlich aber sind sie alle immer wieder zu ihren namhaften Spielern zurückgekehrt, was ganz offenbar das geringere Risiko ist.

Mit Blick auf diese EM bin ich sehr gespannt, ob Löw mit Schweinsteiger, Mertesacker, Götze und Klose mehr Glück haben wird. Wer meine Meinung dazu hören (oder lesen) will: ich glaube nicht, dass das alles gutgehen wird. Aber wenn „Scholle“ das jetzt liest, wird er wieder sauer sein – weil ich stets eher Pessimist als Optimist bin.

Nun bin ich für heute schon fast wieder am Ende. Sommerpause eben. Ich habe während meiner Abwesenheit in Hamburg etliche Zuschriften erhalten, die ich entweder beantworten muss, oder die ich zu einem Thema für „Matz ab“ machen kann, darauf werde ich morgen eingehen.

Eines muss ich noch aufklären: Beim letzten „Matz ab live“ hatte ich ja ein HSV-Trikot für denjenigen User ausgelobt, der am schnellsten errät, in welchem Trikot ich dort am Tisch saß. Zwei Leute hatten dann genau zur selben Minute erraten, aber einer hatte die Lösung „Hitzelsperger“ falsch geschrieben. Ich wollte mir etwas überlegen, doch dann hat „Wortspieler“ verzichtet. „Lorenzo vom Matterhorn“, der Gewinner, sollte (so er denn will) einmal Kontakt zum Moderatoren-Team aufnehmen, damit ich weiß, wohin das HSV-Trikot zu schicken ist. Es wäre auf jeden Fall sehr nett, wenn er es denn täte. Danke dafür schon einmal vorab.

19.14 Uhr

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