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‘Uns Uwe’ fordert: „Wir müssen Mumm haben!“

9. Dezember 2013

Heute morgen im Kindergarten. Ein Zettel hängt am Schwarzen Brett. „Es gibt Scharlach!“ Schon wieder, denke ich. Alle paar Monate dasselbe. Da denkst du, du kommst wieder zu Kräften, lebst gesünder und hast aus deinen Fehlern gelernt. Vielleicht hat sogar das neue Mittelchen gewirkt. Aber dann kommt von irgendwoher wieder der alte Virus, der dich bedroht.

Von diesem Gedanken aus dem Kindergarten bis zum HSV ist es nur ein ganz kurzer Weg. Schwerer Rückfall vorgestern gegen Augsburg. Wie unter Fink, wie unter Veh, wie unter Oenning, wie unter Labbadia und so weiter und so fort. Es stimmt, dass Bert van Marwijk nach dem 0:1 gegen Augsburg total entgeistert war. So etwas hat er wohl nur ganz selten gesehen. Wie gut, dass wir in Hamburg einen Vorteil haben: wir kennen das schon aus der Vergangenheit, wir haben Abwehrkräfte gegen solche Leistungen, wir werden wieder hingehen, bis zum nächsten Rückschlag.


Aber nun Schluss für heute mit dem Sarkasmus. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte mir vorhin Uwe Seeler. Zugegeben, aus diesem Satz spricht eigentlich nur ganz wenig Hoffnung, aber das dokumentierte sich heute morgen schon bei „Uns Uwe“ in einem Zitat der „Bild“-Kollegen. „Es wäre so schön gewesen, wenn wir eine Runde weitergekommen wären. Wirklich schade“, sagte Seeler zur DFB-Pokal-Auslosung, die dem HSV am 11. oder 12. Februar den FC Bayern beschert. Ob sie dann überhaupt noch gegen die Münchner antreten, die Jungs von Bert van Marwijk, wenn es eh schon gelaufen ist?

Bei Uwe Seeler wirkt das Augsburg-Spiel jedenfalls noch kräftig nach. „Ich hatte gehofft, dass die Mannschaft nach dem Sieg gegen Köln Schwung mitnimmt in die Bundesliga. Aber schon in den ersten 20 Minuten musste man ernsthafte Bedenken haben. Augsburg ist eigentlich so aufgetreten, wie der HSV hätte auftreten müssen“, sagte Seeler. Schade sei dies, fügte er einigermaßen milde hinzu. „Die Punkte, die wir da holen mussten, können wir nicht zurückholen.“

Der HSV verharrt bei 16 Zählern im unteren Mittelfeld der Tabelle. Die Kollegen von der „Mopo“ haben Adler, Rincon, Lasogga und den anderen im Schnitt sogar schlechtere Noten gegeben als den Spielern von Werder Bremen nach dem 0:7-Desaster gegen den FC Bayern. „So kann man nicht gewinnen“, meint Uwe zum Auftritt des HSV, auch wenn das Ergebnis in Hamburg deutlich knapper war als beim Konkurrenten von der Weser.

Vor einigen Wochen, als Bert van Marwijk noch relativ neu war in Hamburg, da hat Uwe Seeler große Stücke gehalten auf den neuen Mann aus den Niederlanden. Obwohl der Schritt nach oben ausbleibt und das Augsburg-Spiel solch eine Qual für die Augen war, will Uwe von seiner alten Einschätzung noch nicht abweichen. „Ich denke, der Trainer hat erkannt, woran es liegt. Mit Laufbereitschaft und Kampf ist Vieles möglich. Diese Mannschaft ist erst im Aufbau. Es fehlt ihr an Kontinuität.“


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Wie soll es bei diesem Urteil nur einigermaßen heil über die Bühne gehen am kommenden Sonnabend? Der HSV tritt um 15.30 Uhr in der Höhle des Löwen an, in der Münchner Allianz Arena. Im März gab es dort bereits eine historische 2:9-Klatsche. „Mit der entsprechenden Einstellung kann man einiges gut machen. Es wird auf die Moral ankommen. Wir müssen Mumm haben!“ Warum soll bei den Bayern das da sein, was schon gegen Augsburg fehlte? „Ich denke, der HSV hat gestandene Profis. Die müssen dagegen halten. Angst haben – das darf man auf keinen Fall.“ Gelingt die Umsetzung, davon ist Uwe Seeler überzeugt, kann es auch zu einem achtbaren Ergebnis in München reichen. Wenn nicht…

Im Sommer ist der HSV mit der Zielsetzung in die Saison gestartet, im Kampf um Platz sechs mitzumischen. „In der Rückrunde wird sich erst entscheiden, wohin er Weg geht“, sagt Uwe Seeler diplomatisch. „Aber mit jetzt 16 Punkten kann man keine großen Ambitionen haben. Ich habe den Druck Richtung Europa sowieso nie formuliert. Die Mannschaft muss erst Stärke und Konstanz kriegen.“

Zum Thema FC Bayern hat sich heute auch der frühere Mannschaftskapitän David Jarolim geäußert. Er stand mit auf dem Platz, als die Hamburger 2007 in München gewonnen haben – zum bislang letzten Mal. „Wenn du dorthin fährst, und denkst, dass Du verlierst, dann hast du schon verloren.“ Mehr dazu und von anderen, die in München schon einmal einen HSV-Sieg feiern konnten, lest Ihr in der Dienstags-Ausgabe vom „Hamburger Abendblatt“.

Gar nicht „amused“ ist heute Carl Jarchow, der Chef des HSV. „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, beschäftigt uns“, sagte Jarchow sehr ernst. „Immer diese ‚Ups‘ und ‚Downs‘“! Besonders von den erfahrenen Spielern, namentlich nennt Jarchow Rene Adler und Marcell Jansen, hätte mehr kommen müssen. Er habe allerdings volles Vertrauen in Bert van Marwijk, dass er die Mannschaft zurück auf Kurs kriege, sagte Jarchow. „Unser Trainer hat jetzt auch wieder eine neue Seite an seiner Mannschaft kennen gelernt.“ In Wahrheit, so Jarchow, habe er manches Mal ein schlechtes Gefühl, wenn es gegen Gegner wie Augsburg geht. „Da haben wir uns schon sehr häufig sehr schwer getan.“

Für die Partie beim FC Bayern erwartet Jarchow, dass sich der HSV ordentlich präsentiert. Als Beispiel nennt Carl Jarchow den Auftritt von Eintracht Braunschweig dort vor ein paar Wochen. Trotz eines schnellen Gegentores verloren die Niedersachsen nur mit 0:2 und hatten selbst einige Torchancen. Was ein „HSV-Virus“ angeht, hält Carl Jarchow dagegen: „Das empfinden wohl viele Fans so, wenn sie auf ihre eigene Mannschaft gucken. Ich glaube nicht, dass sich der HSV von anderen in dieser Hinsicht, also was Schwankungen angeht, wesentlich unterscheidet.“

Trotz des Rückschlags am Sonnabend will sich Jarchow nicht von seinem Saisonziel abbringen lassen. In München verlieren, gegen Mainz gewinnen – darf man dann mit 19 Punkten überhaupt noch an die Europa League denken? „Man muss“, entgegnet Jarchow. 30 Punkte, minimum, müsste der HSV in der Rückrunde einfahren, damit das Unterfangen einen Hauch von Realität haben soll. Kann sich ja jeder ausrechnen und ausdenken, ob das noch drin ist.

In England wird in der Zwischenzeit kräftig spekuliert über die Zukunft von Hakan Calhanoglu:

Die englischen Premier-League-Vereine FC Arsenal und FC Liverpool sollen Interesse an Hakan Calhanoglu vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV haben. Das berichtete die englische Tageszeitung „Sunday Mirror“. Beide Clubs hätten den 19 Jahre alte Türken bereits beobachtet, informierte das Blatt. Den Hamburgern liege jedoch weder ein Angebot noch eine Anfrage vor, teilte der Verein am Montag mit. Calhanoglu, der beim HSV einen Vertrag bis 2016 hat, erzielte in dieser Saison vier Tore und erwies sich bei Freistößen als Kunstschütze. Das seien „echte Waffen“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer vor kurzem. Vor einigen Wochen hatten türkische Vereine Interesse an dem Mittelfeldspieler bekundet. Damals erklärte der Nationalspieler seines Landes, den Vertrag in Hamburg erfüllen zu wollen.

Das wird nicht die letzte Meldung dieser Art gewesen sein. Wo gerade der Name Oliver Kreuzer fällt: Unmittelbar nach Abpfiff der Augsburg-Partie hatte sich der Sportchef kräftig Luft verschafft. Bei den Bayern würde man mit einer ähnlichen Darbietung zwölf Stück bekommen, sagte Kreuzer und verabschiedete sich zu einer Dienstreise nach Brasilien (Kooperation mit einer Fußball-Schule).

Mit Sicherheit war es von Kreuzer nicht schlau, die HSV-Profis mit solch einer Aussage in Hamburg zurückzulassen. So sehr sie verständlich ist nach der Enttäuschung gegen den schwäbischen Underdog aus Augsburg. Wenn sich der HSV am nächsten Sonnabend schon vor Spielbeginn wie ein Hündchen auf den Rücken schmeißt vor dem übermächtigen Gegner, sollte er das seinen Fans im Vorwege mitteilen. Dann können sie alle vielleicht noch ihr Bahn- oder Busticket in den Süden stornieren.

Nicht falsch verstehen: ich glaube nicht, dass Kreuzer selbst aus solchem Holz geschnitzt ist und vorab einknickt. Aber einige Spieler in dieser Mannschaft sind es ganz sicher, und sie könnten – nein, ich fürchte, sie werden – den Satz ihren Vorgesetzten in den falschen Hals bekommen. Trotzreaktion nach dem Tiefschlag gegen den FC Augsburg? Das wäre mal eine Antwort. Wäre.

Vorhin hatte ich kurz Bert Ehm am Apparat. Hamburgs scheidendes Trainer-Urgestein, der bei Germania Schnelsen (Oberliga Hamburg) die Brocken hingeschmissen hat. Seine Idee für die Partie bei den Bayern ist interessant. „Ein Libero hinter der Abwehr, dann die Viererkette, und mit Rincon einen Abräumer davor.“ So ähnlich hat es bereits Eintracht Braunschweig gemacht.

Morgen wird um 15 Uhr am Volkspark trainiert. Passend dazu diese Meldung des HSV:

Nachdem sich Rafael van der Vaart am vergangenen Freitag aus bekannten privaten Gründen für die Trainingseinheiten sowie das Heimspiel gegen den FC Augsburg bei Trainer Bert van Marwijk abgemeldet hatte, absolvierte der niederländische Nationalspieler am Montag zum ersten Mal wieder eine lockere individuelle Einheit an der Imtech Arena. Einem kurzen Waldlauf folgte noch ein Kraftprogramm im Trainingszentrum. Nach einem Gespräch mit dem Trainer entschied van der Vaart zudem, dass er ab Dienstag wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren wird. „Ich denke, dass mir das Training mit der Mannschaft gut tun wird, um auch wieder auf andere Gedanken zu kommen“, sagte van der Vaart gegenüber HSV.de.

Dieter ist für Euch morgen wieder am Ball, um die Vorbereitung aufs Bayern-Spiel einzuläuten.

Viele Grüße von Lars

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