Archiv für das Tag 'Ehm'

Bandow will „Beiersdorfers Handschrift“ +++Breaking: Behrami bis 2018 in Watford+++

11. Juli 2015

Schöne Grüße aus dem Flieger. Am Nachmittag ist die HSV-Mannschaft per Charterflugzeug aus der Schweiz, genauer gesagt vom Flughafen in St. Gallen, aufgebrochen Richtung Düsseldorf. Von unterwegs sendeten Lewis Holtby, Nicolai Müller, Pierre Michael Lasogga und Ivica Olic einen fröhlichen Twitter-Gruß. Der erste Teil der Vorbereitung ist vorbei – und morgen steht also der erste öffentliche Gradmesser an für den HSV beim Telekom-Cup. Im Anschluss daran, dies müsst Ihr Euch bitte schon einmal vormerken, läuft wieder ein „Matz ab live“ – diesmal mit Joachim Dipner vom Hamburger Fußball Verband, der auch mit dabei war im Schweizer Trainingslager, sowie Trainer-Legende Bert Ehm. Los geht es gegen 19.30 Uhr, also nach Ende des Vierer-Turniers.

Natürlich kann man in Mönchengladbach keine Standortbestimmung erwarten. Das hat Bruno Labbadia schon nach wenigen Tagen im Trainingslager deutlich gemacht, und diese Aussage gilt nach wie vor – und sie gilt für alle teilnehmenden Teams: „Bei uns sind einige Spieler erst seit wenigen Tagen im Training und kommen mit unterschiedlicher Fitness. Es ist ein schönes Forum, um sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, aber es ist noch lange hin bis zum Bundesligastart.“

Wie es auch kommen mag und welche Transfers sich noch ergeben – der ehemalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow erwartet ein anderes Auftreten vom HSV als in der abgelaufenen Saison. „Der auch von mir mit großen Erwartungen wiedergewonnene Dietmar Beiersdorfer konnte kurzfristig nicht an die erfolgreichen Verpflich­tungen, die wir in unserer gemeinsamen Zeit seit 2002 hatten, anknüpfen“, sagt Bandow rückblickend. Der 83 Jahre alte Banker war vor 13 Jahren einer der großen Befürworter des Einstiegs von Dietmar Beiersdorfer, und er hat auch 2014 im Hintergrund Gespräche geführt, damit Beiersdorfer zurückkommen konnte.

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So könnte der neue HSV aussehen!

6. September 2014

Die HSV-Profis genießen ihr freies Wochenende, aber der HSV lässt trotz allem aufhorchen. Vor allem im Norden der Republik, denn die „Zweite“ setzte auch beim schweren Auswärtsspiel in Bremen ihre Erfolgsserie fort. Es ist beinahe unglaublich, aber es ist wahr: Die Zweite ist immer noch Tabellenführer der Regionalliga Nord, gegen Werder wurde mit 4:2 gewonnen – es war der siebte Sieg im siebten Spiel, 21 Punkte, mehr geht nicht. Dazu 22:5 Tore, die Leistungs-Explosion der Rothosen-Talente hält unvermindert an. Ganz sicher ein Verdienst von Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer, der die Mannschaft in eine hervorragende körperliche Verfassung gebracht hat. Der neue Nachwuchs-Coach ist schon jetzt im Hamburger Fußball in aller Munde, er ließ hart und härter trainieren, und er hat trotz allem für Spaß, Lust und für Schwung in der Truppe gesorgt. Hut ab!

 

Doch um ganz ehrlich zu sein, Zinnbauer ist nicht allein der Vater des Erfolgs – er ist einer von den Vätern. Die „neue“ Mannschaft wurde nämlich noch von Oliver Kreuzer und Michael Schröder zusammengestellt, und diese beiden Herren wurden mittlerweile ja auch schon aus ihren Ämtern entfernt. Bei der „Zweiten“, da führt kein Weg dran vorbei, haben sie ihre Sache trotz allem gut gemacht, dass sollte schon mal erwähnt werden. Und Kreuzer hat ja auch, anfänglich viel kritisiert (auch von mir, das will ich nicht verschweigen!), „Joe“ Zinnbauer aus Karlsruhe nach Hamburg geholt. Nebenbei ist Zinnbauer auch immer noch ein dicker Freund von Thorsten Fink.

 

In Bremen sorgte Ahmet Arslan mit seinen Treffern in der siebten und 43. Minute für eine 2:0-Führung. Der HSV hatte in diesem Spitzenspiel, wie schon kürzlich beim Gipfeltreffen mit dem Nachwuchs des VfL Wolfsburg, das Glück (wenn man das so sagen darf), dass mit Mainka bereits in der 16. Minute ein Bremer die Rote Karte gesehen hatte. Trotz allem kam Werder zunächst zum Anschlusstreffer, doch dann sorgten Tolcay Cigeri und der für Matti Steinmann (spielte nach einer Verletzungspause) eingewechselte Dominik Masek für die siegbringenden Hamburger Tore. Erst gegen Ende der Partie kamen Dominik Jordan und Christian Derflinger, die beide ja schon bei den Profis mittrainierten, zu ihren Kurzeinsätzen, vom Platz gingen Gideon Jung und Cigerci. Das spricht für den ausgeglichen und durchaus auch gut besetzen HSV-Kader. Und ich bin gespannt, wie sich der Nachwuchs in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin schlagen wird. Ob es beim Platz an der Sonne, sprich Tabellenführung (und dann Aufstieg) bleiben wird?

 

Was für den guten Geist und die hervorragende Stimmung in diesem Team spricht: Als wir nach dem Köln-Spiel im Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel, Holsteiner Chaussee) mit „Matz ab live“ auf Sendung waren, saßen am Nebentisch die Spieler der „Zweiten“ – die Mannschaft hatte fast komplett das Spiel der Profis verfolgt und saß auch nach diesem damaligen 0:0 noch einige Zeit beisammen. Das ist mit Sicherheit auch ein sehr gutes Zeichen. Und da ich gerade bei „Matz ab live“ und „Joe“ Zinnbauer war: Der Trainer, über den im Hamburger Fußball nun so viel gesprochen wird, war ja nach dem Pokalspiel der Profis in Cottbus der Gast von „Scholle“ und mir, wer sich also ein Bild davon machen möchte, wie Zinnbauer „tickt“, der sollte mal kurz zurückschauen. Es lohnt sich, das kann ich versprechen, ich wurde nach seinem Auftritt von vielen HSV- und Fußball-Fans angesprochen, die Josef Zinnbauer sehr lobten. Auf seinen weiteren Weg bin ich dann auch mal sehr gespannt . . . Ich denke mal, dass der Trainer zwar viel von seiner Mannschaft verlangt (Motto: „Du machst es nicht für mich, sondern ganz allein für Deine Karriere“), aber trotz aller Disziplin und Konsequenz auch immer Mensch (und nicht nur Chef) ist, um nicht das Wort Freund zu benutzen.

 

Gespannt bin ich auch darauf, wer von diesen Regionalliga-Spielern des HSV demnächst einmal im Kader – oder gar in der Mannschaft – der Profis auftauchen wird. Ihr habt Euch ganz sicher in den letzten Tagen genug Gedanken gemacht, wie die Bundesliga-Elf des HSV wohl künftig aussehen wird – ich habe in dieser Hinsicht natürlich auch „schwer“ nachgedacht. Allein schon deshalb, weil ich glaube, dass die meisten „alten“ HSV-Profis genügend Chancen hatten, sich besser zu präsentieren, auch für bessere Ergebnisse des HSV zu sorgen. Das haben sie nicht geschafft, der HSV hat reagiert, hat richtig gute Leute geholt – und die werden es jetzt meiner Meinung nach auch richten. Trainer Mirko Slomka möchte ja den Tempo-Fußball nach Hamburg bringen, möchte ein schnelles Umschaltspiel installieren, doch bislang ist er damit gescheitert. Jetzt aber, mit den „Neuen“ scheint diese Art von Fußball doch möglich zu sein. Hoffentlich.

 

Doch wenn ich bei einer, bei der „neuen“ HSV-Mannschaft bin, so muss ich sagen, dass Slomka ja schon bei der Besetzung des Torhüters ein wenig zurückgerudert ist. Vor ein paar Tagen schien noch ein Keeper-Wechsel möglich, den halte ich nach den neuesten Aussagen des Trainers (nach dem Spiel am Donnerstag in Neumünster) nun nicht für möglich. Gegen Hannover wird (wohl) wieder Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen. Und dazu, das muss ich zugeben, habe ich keine Meinung. Auf der einen Seite sehe ich, dass man einen Rene Adler nur noch mehr verunsichert, wenn man ihn nun auf die Bank setzen würde, auf der anderen Seite kann er doch nicht alles verlernt haben. Er war für mich einst Deutschlands Nummer eins. Und er hat in seiner ersten Saison beim HSV auch herausragend gehalten – er hat dazu ganz stark beigetragen, dass der HSV nicht in ganz arge Abstiegsnöte geraten war. Es stimmt, an diese Leistungen ist er danach nie wieder herangekommen, das belegen ja auch alle Statistiken und „Mannschaften des Jahres 2013/14). Aber die Hoffnung habe ich schon noch, dass ihm das demnächst schon noch gelingen wird.

 

Wobei ich keine Angst hätte, wenn Jaroslav Drobny an Adlers Stelle zum Einsatz kommen würde. Drobny ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass der HSV immer noch Erstigist ist, keine Frage, er hat gegen Fürth zweimal erstklassig gehalten – wer weiß, ob Adler das in seiner momentanen Verfassung geschafft hätte. Ich glaube nicht. Und deswegen hätte Drobny auch eine neue Chance durchaus verdient, keine Frage. Das sehen offenbar auch viele, viele HSV-Fans so, denn eines ist mir vor dem Paderborn-Spiel nicht entgangen: Als Droby kurz vor dem Spiel – allein – aus der Kabine kam und das Stadion betrat, brandete ein riesiger Beifall auf. Nur für ihn. Die Menschen feierten den Tschechen, auch weil sie nicht vergesse haben, was er in diesem Sommer für den HSV geleistet hat.

 

Was für mich überhaupt keine Rolle spielt ist die Tatsache, dass beide HSV-Torhüter keine großen Redner sind. Drobny spricht seit Jahren nicht mit der Presse, Adler seit Monaten. Beide machen ihr Ding, aber mit dem Umfeld haben sie keine großen Berührungspunkte. Das muss man akzeptieren, ich habe es längst akzeptiert, beide Herren sind eben so. Das gehört ja auch zur jahrzehntelangen Fußball-Geschichte, in der es schon immer heißt: „Torwart und Linksaußen . . .“ Ich kann damit leben, die Torhüter können damit leben, die Trainer des HSV haben damit bestens umgehen können, und der Verein letztlich ja auch. Also ist alles in bester Ordnung.

 

Meine gedachte neue HSV-Mannschaft sieht dann in der Viererkette wie folgt aus: Dennis Diekmeier, Cleber, Johan Djourou, Matthias Ostzrolek. Es wird viele überraschen, dass ich Heiko Westermann draußen lassen würde, aber ich habe mich deswegen dazu entschlossen, weil ich diese Entscheidung als längst gefällt ansehe – hinter den Kulissen. Sonst hätte der HSV keinen Cleber gekauft, sonst wäre Djourou nicht Vize-Kapitän geworden. Und dass links Ostzrolek statt Marcell Jansen spielt, das scheint mir ebenfalls nur logisch zu sein – warum sonst hätte man den Linksverteidiger sonst aus Augsburg geholt. Wobei ich sagen muss, das mir Ostrzolek bislang noch nicht so gut gefallen hat, wie ihn mir die Kollegen aus Augsburg offeriert hatten. Die hatten mit gesagt, dass Jansen in Zukunft hinten links abgemeldet ist, weil Ostrzolek von hinten nach vorne und wieder zurück 90 Minuten lang so richtig Dampf macht. Davon ist bislang, mehr oder wenig im Training, nichts zu sehen. Und ich bin schon sehr gespannt, wann das demnächst einmal der Fall sein wird.

Auf der Doppel-Sechs, wenn es sie denn weiterhin geben wird, sehe ich gleich zwei „Neue“: Valon Behrami ist schon jetzt, nach wenigen Wochen, absolut gesetzt, und offenbar wird es Mirko Slomka ja auf der zweiten Sechs mit Lewis Holtby wagen. Wagen schreibe ich deshalb, weil ich Holtby bislang mehr als Spieler mit großen Offensiv-Qualitäten angesehen habe. Das wird auch eine große Frage, wie sich das fügen wird, wie Holtby diese ihm zugedachte Rolle annehmen und spielen wird? Ganz sicher ist natürlich, dass der frühere Nationalspieler seinen Platz in dieser HSV-Mannschaft haben wird. Das ist überhaupt keine Frage, er ist gesetzt. Und auch meine ganz große Hoffnung, dass es mit diesem HSV endlich mal wieder bergauf gehen wird.

 

Dann komme ich nach vorne. Rechts spielt bei mir, so er denn fit ist, Zoltan Stieber. Weil er schnell ist, also genau in das Schema von Slomka passt. Das gilt links ebenso für Julian Green, der ebenfalls flott auf den Füßen ist, was ihn natürlich auch für ein schnelles und das gewünschte Umschaltspiel prädestiniert. In der zentralen Position sehe ich nach wie vor Rafael van der Vaart, der seinen Spaß wiederfinde wird, mit diesen neuen Leuten. Er wird endlich mal wieder Steilpässe spielen können, die ihn einst als Spielmacher auszeichneten. Ich bin überzeugt davon, dass sich der Niederländer von diesem neuen Schwung des HSV anstecken und mitreißen lassen wird, und dass er geradezu aufblüht. Und dazu hoffe ich natürlich, dass Pierre-Michel Lasogga seine „alte“ form wiederfinden wird, dass er sich in beste Fitness bringt, dass er alles dafür tun wird, um wieder bei 100 Prozent zu sein – dann müsste das alles schon viel, viel besser hinhauen, als in den vergangenen Monaten und Jahren.

 

Und eines muss man immer wieder mal ja sagen, dass sich die neue Führung wirklich super ins Zeug gelegt hat, um eine solche Mannschaft, eine fast neue Mannschaft, auf die Beine zu stellen. Der HSV ging ein hohes Risiko, nun bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Kräfte dieses Risiko auch belohnen. Sonst könnte es ganz, ganz eng werden für den HSV mit seiner neuen AG.

 

Für alle, die jetzt schon nicht mehr wissen, wer bei der unsäglichen 0:3-Pleite gegen Paderborn auf dem Rasen des Volkspark gestanden hat, seien die Namen schnell noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Es wird ein jeder feststellen, dass sich zwischen diesen beiden Teams ein gewaltiger Unterschied auftut:

Der HSV spielte vor einer Woche mit: Adler; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jansen (ab 71. Min. Ostrzolek); Badelj, Behrami; Arslan(ab 46. Min. Stieber), van der Vaart (ab 37. Min. Rudnevs), Ilicevic; Lasogga.

 

Ein ganz anderes Thema noch zum Schluss. Gestern schrieb ich ja über den zuletzt (passend zum Paderborn-Auftritt!) verkorksten Matz-ab-live-Auftritt, weil die ersten fünf Minuten tonlos geblieben waren und deswegen der Schere zum Opfer fielen. Ich stellte deswegen unsere beiden Gäste vor (die Hamburger Amateurtrainer Bert Ehm und Manfred Lorenz), und ich verteilte noch einmal ein Lob für die zuletzt von „Scholle“ geleistete Arbeit, weil er jeden Neuzugang „hatte“. Das war und ist immer noch großartig. Was auch der Fünf-Minuten-Schere zum Opfer fiel, was aber nicht verschwiegen werden soll: Es gab Proteste gegen mich, weil ich im Hamburger Abendblatt (Kommentar Seite zwei) geschrieben hatte, dass der frühere HSV-Nachwuchs-Trainer Dieter Kurz (kam in den 80-er-Jahren vom VfB Stuttgart) einst „mehr oder weniger kläglich gescheitert“ sei. Das rief gleich einige Wegbegleiter von Kurz auf den Plan.

 

Zum Beispiel Jürgen Stars. Der frühere HSV-Torwart war einst beim HSV der erste Torwart-Trainer – von Dieter Kurz dazu gemacht. Und „Starski“ protestierte vehement und nachhaltig: „Wenn Kurz damals gescheitert ist, dann nur an dem unbeweglichen Apparat beim HSV. Ansonsten hatte er brillante Ideen, hatte auch Erfolge und hat vielen Spielern den Weg in den Profi-Fußball geebnet.“ Ist angekommen! Ich meinte auch genau das, nämlich den eingefahrenen HSV, der schon damals nichts Neues zulassen wollte, „weil das schon immer so und nicht anders gemacht worden ist“. Dieter Kurz, zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte, war zweifellos ein sehr guter Trainer, und das habe ich ihm auch in meinem Artikel am 1. September bestätigt, wie ich zuvor geschrieben hatte: „Er kam trotz bester Ansätze . . .“

 

Zu diesem Thema erhielt ich dieser Tage dann auch noch einen Leserbrief vom ehemaligen Hamburger Auswahltrainer Wolf Brake. Er brach ebenfalls eine Lanze für Kurz und schrieb mir (u. a.): „Letzten Endes gescheitert ist Dieter Kurz an den HSV-Strukturen, mangelndem standing (er musste nach kurzer Zeit sein Büro in der Sportschule Ochsenzoll räumen und in den Kellertrakt des Umkleidegebäudes ziehen) und fehlender Loyalität.“ Brake nannte auch Namen von denen, die von Dieter Kurz aus der Jugend in den Herrenbereich gebracht wurden – und zwar überaus erfolgreich: Holger Stanislawski, Otto Addo, Oliver Geier, Thorsten Zehlicke und Michael Koch. Bei Wolf Brake in der HH-Auswahl spielten zudem noch spätere Größen wie Andreas Brehme, Thomas Wolter und Uwe Bonik.
Das musste ich aus Gründen der Fairness schnell noch loswerden, sorry deshalb, weil viele nun wieder genervt sein dürften, dass ich so lang geworden bin . . .

 

Ja, und dann möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es beim Hamburger Abendblatt schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues gibt:

 

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Heute feiert unsere “Eiche” Geburtstag, von hier aus ganz herzliche Glückwünsche – und noch viele, viele HSV-Siege für Dich!

 

PSPS: Dann bis morgen. Nein, nicht beim HSV-Training (ist Frei-Tag am Sonntag), sondern beim Tag der Legenden. Ihr kommt doch, oder? Ein schönes Wochenende für Euch!

 
18.11 Uhr

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

Für Abendblatt-Blogs


So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

‘Uns Uwe’ fordert: „Wir müssen Mumm haben!“

9. Dezember 2013

Heute morgen im Kindergarten. Ein Zettel hängt am Schwarzen Brett. „Es gibt Scharlach!“ Schon wieder, denke ich. Alle paar Monate dasselbe. Da denkst du, du kommst wieder zu Kräften, lebst gesünder und hast aus deinen Fehlern gelernt. Vielleicht hat sogar das neue Mittelchen gewirkt. Aber dann kommt von irgendwoher wieder der alte Virus, der dich bedroht.

Von diesem Gedanken aus dem Kindergarten bis zum HSV ist es nur ein ganz kurzer Weg. Schwerer Rückfall vorgestern gegen Augsburg. Wie unter Fink, wie unter Veh, wie unter Oenning, wie unter Labbadia und so weiter und so fort. Es stimmt, dass Bert van Marwijk nach dem 0:1 gegen Augsburg total entgeistert war. So etwas hat er wohl nur ganz selten gesehen. Wie gut, dass wir in Hamburg einen Vorteil haben: wir kennen das schon aus der Vergangenheit, wir haben Abwehrkräfte gegen solche Leistungen, wir werden wieder hingehen, bis zum nächsten Rückschlag.


Aber nun Schluss für heute mit dem Sarkasmus. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte mir vorhin Uwe Seeler. Zugegeben, aus diesem Satz spricht eigentlich nur ganz wenig Hoffnung, aber das dokumentierte sich heute morgen schon bei „Uns Uwe“ in einem Zitat der „Bild“-Kollegen. „Es wäre so schön gewesen, wenn wir eine Runde weitergekommen wären. Wirklich schade“, sagte Seeler zur DFB-Pokal-Auslosung, die dem HSV am 11. oder 12. Februar den FC Bayern beschert. Ob sie dann überhaupt noch gegen die Münchner antreten, die Jungs von Bert van Marwijk, wenn es eh schon gelaufen ist?

Bei Uwe Seeler wirkt das Augsburg-Spiel jedenfalls noch kräftig nach. „Ich hatte gehofft, dass die Mannschaft nach dem Sieg gegen Köln Schwung mitnimmt in die Bundesliga. Aber schon in den ersten 20 Minuten musste man ernsthafte Bedenken haben. Augsburg ist eigentlich so aufgetreten, wie der HSV hätte auftreten müssen“, sagte Seeler. Schade sei dies, fügte er einigermaßen milde hinzu. „Die Punkte, die wir da holen mussten, können wir nicht zurückholen.“

Der HSV verharrt bei 16 Zählern im unteren Mittelfeld der Tabelle. Die Kollegen von der „Mopo“ haben Adler, Rincon, Lasogga und den anderen im Schnitt sogar schlechtere Noten gegeben als den Spielern von Werder Bremen nach dem 0:7-Desaster gegen den FC Bayern. „So kann man nicht gewinnen“, meint Uwe zum Auftritt des HSV, auch wenn das Ergebnis in Hamburg deutlich knapper war als beim Konkurrenten von der Weser.

Vor einigen Wochen, als Bert van Marwijk noch relativ neu war in Hamburg, da hat Uwe Seeler große Stücke gehalten auf den neuen Mann aus den Niederlanden. Obwohl der Schritt nach oben ausbleibt und das Augsburg-Spiel solch eine Qual für die Augen war, will Uwe von seiner alten Einschätzung noch nicht abweichen. „Ich denke, der Trainer hat erkannt, woran es liegt. Mit Laufbereitschaft und Kampf ist Vieles möglich. Diese Mannschaft ist erst im Aufbau. Es fehlt ihr an Kontinuität.“


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Wie soll es bei diesem Urteil nur einigermaßen heil über die Bühne gehen am kommenden Sonnabend? Der HSV tritt um 15.30 Uhr in der Höhle des Löwen an, in der Münchner Allianz Arena. Im März gab es dort bereits eine historische 2:9-Klatsche. „Mit der entsprechenden Einstellung kann man einiges gut machen. Es wird auf die Moral ankommen. Wir müssen Mumm haben!“ Warum soll bei den Bayern das da sein, was schon gegen Augsburg fehlte? „Ich denke, der HSV hat gestandene Profis. Die müssen dagegen halten. Angst haben – das darf man auf keinen Fall.“ Gelingt die Umsetzung, davon ist Uwe Seeler überzeugt, kann es auch zu einem achtbaren Ergebnis in München reichen. Wenn nicht…

Im Sommer ist der HSV mit der Zielsetzung in die Saison gestartet, im Kampf um Platz sechs mitzumischen. „In der Rückrunde wird sich erst entscheiden, wohin er Weg geht“, sagt Uwe Seeler diplomatisch. „Aber mit jetzt 16 Punkten kann man keine großen Ambitionen haben. Ich habe den Druck Richtung Europa sowieso nie formuliert. Die Mannschaft muss erst Stärke und Konstanz kriegen.“

Zum Thema FC Bayern hat sich heute auch der frühere Mannschaftskapitän David Jarolim geäußert. Er stand mit auf dem Platz, als die Hamburger 2007 in München gewonnen haben – zum bislang letzten Mal. „Wenn du dorthin fährst, und denkst, dass Du verlierst, dann hast du schon verloren.“ Mehr dazu und von anderen, die in München schon einmal einen HSV-Sieg feiern konnten, lest Ihr in der Dienstags-Ausgabe vom „Hamburger Abendblatt“.

Gar nicht „amused“ ist heute Carl Jarchow, der Chef des HSV. „Die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, beschäftigt uns“, sagte Jarchow sehr ernst. „Immer diese ‚Ups‘ und ‚Downs‘“! Besonders von den erfahrenen Spielern, namentlich nennt Jarchow Rene Adler und Marcell Jansen, hätte mehr kommen müssen. Er habe allerdings volles Vertrauen in Bert van Marwijk, dass er die Mannschaft zurück auf Kurs kriege, sagte Jarchow. „Unser Trainer hat jetzt auch wieder eine neue Seite an seiner Mannschaft kennen gelernt.“ In Wahrheit, so Jarchow, habe er manches Mal ein schlechtes Gefühl, wenn es gegen Gegner wie Augsburg geht. „Da haben wir uns schon sehr häufig sehr schwer getan.“

Für die Partie beim FC Bayern erwartet Jarchow, dass sich der HSV ordentlich präsentiert. Als Beispiel nennt Carl Jarchow den Auftritt von Eintracht Braunschweig dort vor ein paar Wochen. Trotz eines schnellen Gegentores verloren die Niedersachsen nur mit 0:2 und hatten selbst einige Torchancen. Was ein „HSV-Virus“ angeht, hält Carl Jarchow dagegen: „Das empfinden wohl viele Fans so, wenn sie auf ihre eigene Mannschaft gucken. Ich glaube nicht, dass sich der HSV von anderen in dieser Hinsicht, also was Schwankungen angeht, wesentlich unterscheidet.“

Trotz des Rückschlags am Sonnabend will sich Jarchow nicht von seinem Saisonziel abbringen lassen. In München verlieren, gegen Mainz gewinnen – darf man dann mit 19 Punkten überhaupt noch an die Europa League denken? „Man muss“, entgegnet Jarchow. 30 Punkte, minimum, müsste der HSV in der Rückrunde einfahren, damit das Unterfangen einen Hauch von Realität haben soll. Kann sich ja jeder ausrechnen und ausdenken, ob das noch drin ist.

In England wird in der Zwischenzeit kräftig spekuliert über die Zukunft von Hakan Calhanoglu:

Die englischen Premier-League-Vereine FC Arsenal und FC Liverpool sollen Interesse an Hakan Calhanoglu vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV haben. Das berichtete die englische Tageszeitung „Sunday Mirror“. Beide Clubs hätten den 19 Jahre alte Türken bereits beobachtet, informierte das Blatt. Den Hamburgern liege jedoch weder ein Angebot noch eine Anfrage vor, teilte der Verein am Montag mit. Calhanoglu, der beim HSV einen Vertrag bis 2016 hat, erzielte in dieser Saison vier Tore und erwies sich bei Freistößen als Kunstschütze. Das seien „echte Waffen“, sagte HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer vor kurzem. Vor einigen Wochen hatten türkische Vereine Interesse an dem Mittelfeldspieler bekundet. Damals erklärte der Nationalspieler seines Landes, den Vertrag in Hamburg erfüllen zu wollen.

Das wird nicht die letzte Meldung dieser Art gewesen sein. Wo gerade der Name Oliver Kreuzer fällt: Unmittelbar nach Abpfiff der Augsburg-Partie hatte sich der Sportchef kräftig Luft verschafft. Bei den Bayern würde man mit einer ähnlichen Darbietung zwölf Stück bekommen, sagte Kreuzer und verabschiedete sich zu einer Dienstreise nach Brasilien (Kooperation mit einer Fußball-Schule).

Mit Sicherheit war es von Kreuzer nicht schlau, die HSV-Profis mit solch einer Aussage in Hamburg zurückzulassen. So sehr sie verständlich ist nach der Enttäuschung gegen den schwäbischen Underdog aus Augsburg. Wenn sich der HSV am nächsten Sonnabend schon vor Spielbeginn wie ein Hündchen auf den Rücken schmeißt vor dem übermächtigen Gegner, sollte er das seinen Fans im Vorwege mitteilen. Dann können sie alle vielleicht noch ihr Bahn- oder Busticket in den Süden stornieren.

Nicht falsch verstehen: ich glaube nicht, dass Kreuzer selbst aus solchem Holz geschnitzt ist und vorab einknickt. Aber einige Spieler in dieser Mannschaft sind es ganz sicher, und sie könnten – nein, ich fürchte, sie werden – den Satz ihren Vorgesetzten in den falschen Hals bekommen. Trotzreaktion nach dem Tiefschlag gegen den FC Augsburg? Das wäre mal eine Antwort. Wäre.

Vorhin hatte ich kurz Bert Ehm am Apparat. Hamburgs scheidendes Trainer-Urgestein, der bei Germania Schnelsen (Oberliga Hamburg) die Brocken hingeschmissen hat. Seine Idee für die Partie bei den Bayern ist interessant. „Ein Libero hinter der Abwehr, dann die Viererkette, und mit Rincon einen Abräumer davor.“ So ähnlich hat es bereits Eintracht Braunschweig gemacht.

Morgen wird um 15 Uhr am Volkspark trainiert. Passend dazu diese Meldung des HSV:

Nachdem sich Rafael van der Vaart am vergangenen Freitag aus bekannten privaten Gründen für die Trainingseinheiten sowie das Heimspiel gegen den FC Augsburg bei Trainer Bert van Marwijk abgemeldet hatte, absolvierte der niederländische Nationalspieler am Montag zum ersten Mal wieder eine lockere individuelle Einheit an der Imtech Arena. Einem kurzen Waldlauf folgte noch ein Kraftprogramm im Trainingszentrum. Nach einem Gespräch mit dem Trainer entschied van der Vaart zudem, dass er ab Dienstag wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren wird. „Ich denke, dass mir das Training mit der Mannschaft gut tun wird, um auch wieder auf andere Gedanken zu kommen“, sagte van der Vaart gegenüber HSV.de.

Dieter ist für Euch morgen wieder am Ball, um die Vorbereitung aufs Bayern-Spiel einzuläuten.

Viele Grüße von Lars

Neun Millionen werden für Wirbel sorgen

13. September 2013

Alles gut beim HSV. Die Sitzung des Aufsichtsrates filterte keine neuen Probleme hervor, es gab auch keinen neuen Maulwurf – und die Suche nach dem alten Mauwurf, die einst sogar die deutsche Justiz beschäftigen sollte, ist eingestellt worden. Alles haben sich (ab) jetzt nur noch ganz furchtbar lieb. Wobei furchtbar wohl wörtlich zu nehmen ist. Aber so ist es nun mal, es gibt keine gravierenden Dinge, die nun spontan beackert oder geklärt werden müssten – wie gesagt, alles ist gut. Und über die aufsehenerregende Rede, ich meine das Interview mit dem Hamburger Abendblatt, des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel, wurde in Reihen des elfköpfigen Rates auch nicht diskutiert – es war ja die private Meinung des AR-Bosses, nicht die Meinung des Rates insgesamt. Nein, wirklich alles bestens beim HSV. Nun müssen nur noch die Bundesliga-Fußballer am späten Sonnabend für Furore sorgen, indem sie bei der zweitbesten deutschen Mannschaft in Dortmund gewinnen, und schon ist wirklich alles allerbest. Und nebenbei bemerkt: Auch von einem Putsch war gestern nicht die Rede. Hatten vor Wochen einige Räte versucht, Manfred Ertel abzusetzen, so wurde dieser Versuch nun kein zweites Mal gewagt, weil es doch keinen Grund dafür gäbe, den AR-Boss von seinem Amt abzusetzen. Alles ist gut.

Bis vielleicht auf den SID-Bericht, den die deutschen Medien heute in ihre Redaktionen bekamen. Der wird für Wirbel sorgen, davon bin ich überzeugt, obwohl es keine Sensation ist, was da zu erfahren war. Und der las sich dann so:

Medien: HSV mit Minus von neun Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat das abgelaufene Geschäftsjahr offenbar mit einem deutlichen Minus abschlossen. Laut Informationen des Radiosenders NDR 90,3 fehlen den Hanseaten neun Millionen Euro in der Bilanz, die der Aufsichtsrat am Donnerstagabend diskutierte. Eine Bestätigung des HSV steht noch aus. Um ein befürchtetes zweistelliges Millionen-Minus zu vermeiden, hatte der Klub den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Dafür soll der Vermarkter auf ein Darlehen von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben. Auch die Ausleihe von Dennis Aogo an den Liga-Konkurrenten Schalke 04 verschaffte den Hamburgern ein wenig Luft. Am Ende der laufenden Saison soll beim Bundesliga-Dino in der Bilanz eine „schwarze Null“ stehen.

Es ist, das gebe ich zu, interessant zu lesen, ganz bestimmt, aber so richtig etwas Neues steht nicht darin. Diese Zahlen waren bekannt. Und auch die Unstände, die dazu geführt haben – und die auch dazu geführt haben, dass es nur 9,9 Millionen sind. Immerhin – keine zehn Millionen. Aber bekannt war das.

Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Interview im Abendblatt. Es war allen Beteiligten bekannt, dass der HSV in Sachen Strukturen ein Vorbild in Europa ist- wie es Manfred Ertel nun noch einmal kundtat. Natürlich wussten das alle. Ich habe heute versucht (weil die Bundesliga-Mannschaft in Essen trainiert, hatte ich Zeit), mit so vielen namhaften Befürwortern (die Ehemaligen) der strukturellen Veränderungen innerhalb des HSV zu reden – es ist mir auch gelungen. Nur öffentlich wollte sich keiner äußern. Warum wohl nicht? Weil alle wissen, dass der HSV ein Vorbild ist – ist doch klar. „Dazu äußere ich mich nicht, das sollte man so stehen lassen.“ Das war die Antwort, die ich von jedem zuerst vernommen habe. Als hätten sich die Herren abgesprochen . . . Nach dem sechsten Mann habe ich dann aufgegeben. Ich lasse es mal so gelten, dass der HSV ein strukturelles Vorbild in Europa ist – aber irgendwann werde ich den Herrn Uli Hoeneß dazu befragen. Irgendwann . . .

Halt, stopp, einem Ehemaligen habe ich gesprochen, der mir die folgenden Sätze gestattet. Thomas von Heesen, den ich auf einer Geschäftsreise im Ausland erreichte, erlaubte mir, die folgenden Dinge zu schreiben: „Tradition und Fortschritt – das geht. Ganz sicher sogar.“ Und er sagte auch: „Beim Tag der Legenden habe ich mit so vielen Kollegen aus Deutschland über den HSV gesprochen, sie alle wussten, dass ich im Team von Ernst-Otto Rieckhoff bin – und alle machten mir Mut. Sie sagten: ‚Zieht das Ding durch, bleibt beharrlich, lasst nicht locker, nur so kann es im heutigen Profi-Fußball gehen.’ Viele Spieler von einst machen sich durchaus Gedanken darüber, wie der Dino HSV überleben kann.“
Das nur mal am Rande. Schade übrigens, dass erst jetzt einige große HSVer erkannt haben, was ein Thomas von Heesen so auf dem Kasten hat. Zu spät. Ich habe das schon vor Jahren gesagt, ich habe TvH dem HSV vorgeschlagen und sogar angeboten, immer und immer wieder, aber man wollte ihn damals nicht. Weil sie alles besser wussten. Heute würde von Heesen nicht mehr beim HSV arbeiten wollen, denn er hat Arbeit über Arbeit – und kennt die Strukturen des schwerfälligen HSV nur zu genau. Das aber auch nur mal so am Rande.

Und wo ich gerade bei Uli Hoeneß war, dem besten Über-Manager der Liga – komme ich doch zum besten Sanierer der Bundesliga: Hans-Joachim Watzke. Er hat ja, gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportchef Michael Zorc, den BVB vor dem Tode bewahrt und wieder ganz nach oben geführt. Das fand überall in Deutschland größte Anerkennung, und es gab mal Zeiten, da tourte der Herr Watzke durch die Republik und stellte sein Sanierungskonzept bei den interessierten Vereinen vor. Auch beim HSV. Da genoss „Aki“ Watzke dann auch in Hamburg allerhöchste Wertschätzung – sodass er vom HSV auch gefragt wurde, ob er sich vorstellen können, zum HSV zu wechseln, um dann den Traditions-Club von der Rothenbaumchaussee wieder auf die Beine zu stellen. Watzke konnte nicht. Das heißt, Watzke konnte sich nicht vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Ob es an den Strukturen des HSV lag? Man weiß es nicht, man weiß es nicht (würde „Dittsche“ sagen). Eher aber lag es wohl doch daran, dass Borussia Dortmund schon zu jener Zeit, und ich spreche von einem Zeitraum von vor drei, vier Jahren, schon längst wieder auf einem aufsteigenden Ast saß.

Die Sache mit dem „damaligen Watzke“ habe ich tatsächlich erst heute erfahren, aber da kann man mal sehen, dass nicht nur einst Jürgen „Kloppo“ Klopp ganz hoch beim HSV im Kurs stand. Was letztlich zählt ist ja aber die Tatsache, dass beide (mit dem besten und größten Erfolg) in Dortmund arbeiten – und dann doch nicht beim HSV gelandet sind.

Ja, wenn ich dann schon beim morgigen HSV-Gegner bin, dann möchte ich Euch doch schnell noch Auskunft über die personelle Situation beim BVB geben. DPA schreibt:

Borussia Dortmund bangt vor dem Heimspiel gegen den HSV um den Einsatz von Jakub Blaszczykowski. „Das könnte eng werden“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Donnerstag. Der polnische Fußball-Nationalspieler klagt seit dem 5:1 in der WM-Qualifikation über San Marino am Dienstag über Knieprobleme. Wie eine medizinische Untersuchung ergab, ist die Verletzung jedoch nicht schwerwiegend. Dennoch will Klopp nur auf Blaszczykowski zurückgreifen, wenn die gesundheitlichen Probleme vollends ausgestanden sind: „Wir werden nichts riskieren.“

Bessere Chancen auf einen Einsatz in der Startelf haben die zuletzt ebenfalls angeschlagenen Marco Reus, Robert Lewandowski und Nuri Sahin. Alle drei Profis befinden sich laut Klopp auf dem Weg der Besserung.

In der Diskussion über die Form von Mats Hummels, der sich bei den WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer mit der Reservistenrolle begnügen musste, stärkte Klopp dem Manndecker demonstrativ den Rücken. „Ich bin sehr froh, dass Mats Spieler von Borussia Dortmund ist. Und ich bin mir ganz sicher, das er noch viele gute Spiele für den BVB machen wird.“

Der HSV fährt jetzt gerade zum Training (das schreibe ich um 17.04 Uhr – ich habe gerade mit Medien-Direktor Jörn Wolf telefoniert), aber ich gehe davon aus, dass Thorsten Fink alle Spieler auch danach noch gesund zur Verfügung hat. Die vielleicht wichtigste Frage ist die: Spielen Marcell Jansen und Zhi Gin Lam auf der linken Seite, bleibt Petr Jiracek deswegen draußen? Auf der einen Seite würde ich es ja für gut erachten, wenn Jansen wieder in die Mannschaft käme, auf der anderen Seite hat ihn Lam dort (hinten links) zuletzt zweimal ganz prima vertreten. Lam müsste dann ja nach vorne rücken – also eine andere Position spielen. Ob er das auch so gut macht wie ganz hinten? Das bleibt abzuwarten. Ich denke da an die vergangene Saison, als Tolgay Arslan auf der „Sechs“ großartig einschlug, dann aber, als sich Rafael van der Vaart verletzte, von der „Sechs“ auf die „Zehn“ geschoben wurde. Und als der „Rafa“ wieder fit war, war Arslan dann (einige Male) draußen. So könnte es Lam ja auch ergehen, obwohl ich von ihm hinten links, das muss ich zugeben, sehr angetan war. Mal sehen, wie sich Thorsten Fink entscheiden wird.

Kleine Ergänzung noch zum Spiel: Die Partie morgen wird geleitet von Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden.

So, ich habe heute noch einige Dinge in der Redaktion zu erledigen, dann an diesem Freitag (den 13.) habe ich meinen vorerst letzten Tag. Wie es mit mir weitergehen wird, das werde ich morgen verraten, wenn wir nach dem Spiel es HSV in Dortmund mit „Matz ab live“ auf Sendung sein werden. Unsere (Scholles und meine) Gäste sind zwei Trainer, die sich über Jahrzehnte im Hamburger Amateurfußball einen Namen gemacht haben: Bert Ehm und Manfred Lorenz. Mit beiden bin ich befreundet, Ehm und ich stiegen 1978 (oder 77?) gemeinsam als Trainer ein, mit Lorenz habe ich einst den B-Schein (in Ochsenzoll) „gemacht“ – sie sind auf jeden Fall echte Fußball-Fachleute und wissen, wovon sie reden. Ich freue mich auf die Sendung.

So, dann habe ich noch eine Ergänzung zum letzten Bericht:

Hallo Dieter, hallo Scholle,
ich danke euch für die positive Reaktion auf meine Einladung zur Podiumsdiskussion rund um den HSV. Leider ist das Wichtigste dabei untergegangen, die Einladung zur Veranstaltung selbst: Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr diese noch veröffentlichen könntet, damit möglichst viele HSVer die Chance zur Infogewinnung nutzen. Wir brauchen eine gemeinsame Lösung für den HSV, ohne dass eine Spaltung der Fans droht, deshalb müssen beide Seiten das Gespräch suchen.

Hier die Einladung:

Hallo zusammen,

es tut sich was beim HSV. Die Diskussion um die Neustrukturierung des Vereines nimmt Formen an. Da es aus der Ferne sehr problematisch ist, zu einer Meinungsbildung zu kommen, bieten wir allen HSV-Fans eine Plattform an um Informationen zu gewinnen und Fragen zu stellen. Wir, die HSV Freunde Burgwald 2002, veranstalten deshalb am Samstag, 28.09.2013 vor dem Samstagabendspiel in Frankfurt eine Podiumsdiskussion und Fragerunde für alle interessierten HSV-Fans. Grundlage der Diskussion wird die Idee der Initiative “HSVPlus” sein.

Es ist uns gelungen hierfür kompetente Offizielle und Aktive des HSV zu gewinnen:
• Oliver Scheel, Vorstandsmitglied des HSV
• JoJo Liebnau, Zaunleader, Mitglied der Chosen Fews und ein kritischer Betrachter von HSVPlus
• Nicky Hupertz, unser Regionalbetreuer für Nordhessen von den Supporters, Befürworter von HSVPlus
• ein noch nicht namentlich feststehender Vertreter der Initiative HSVPlus

Diese Besetzung verspricht eine hochinteressante Diskussion und hoffentlich viele Fakten. Wir alle sind interessiert an einem sachlichen, konstruktiven und offenen Meinungsaustausch, ohne Polemik und Anfeindungen der “Anderen”. Ihr als Fans bekommt die Möglichkeit, nach der Diskussionsrunde, Fragen an die Mitstreiter zu stellen und eure Meinung zu äußern. Beginn ist am 28. September um 12 Uhr in Bracht, die Dauer ist bis 15.00 Uhr angesetzt, sodass ihr danach alle nach Frankfurt zur SGE fahren könnt (Fahrtzeit PKW eine Stunde, Zug ab Marburg ebenfalls). Die Veranstaltung findet statt in der Mehrzweckhalle in 35282 Rauschenberg Bracht, Lohweg. Nutzt bitte diese Gelegenheit und kommt zahlreich. Bitte gebt mir eine Rückmeldung ob und mit wie vielen Personen ihr kommt und gebt diese Info auch an andere HSVer und andere Fanclubs weiter.Im Anschluss an die Veranstaltung könnt ihr mit uns gemeinsam das Spiel gegen die SGE (Beamer) schauen und weiter Meinungen austauschen.
Solltet ihr noch Fragen haben, kontaktiert mich bitte.
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Martin Schneider, Vorstand HSV Freunde Burgwald 2002, Mobil 0177 3421 836; Mail: hsvfreundeburgwald@googlemail.com

PS: Denkt immer daran, dass es schon etwas Besonderes ist, wenn der HSV gegen Dortmund gewinnt. Zweimal durfte der Rothosen-Anhang nun das ganz Besondere erleben (vergangene Saison), aber so geht es (leider, leider) nicht immer. Wer dann, im Falle einer Niederlage, mit dem HSV hadert, der sollte sich, um dieses Hadern in Grenzen zu halten, vielleicht doch schon mittags das neue HSV-Buch „111 Gründe, den Hamburger SV zu lieben“ kaufen. Lesen und dann vergessen (die Niederlage), das könnte ein Rezept sein. Wobei ich gerne noch eine Einschätzung der Autoren des Buches veröffentlichen möchte:

„Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, weshalb man den HSV einfach lieben muss, es stand nur noch nirgends geschrieben. Wir hätten auch 111 Gründe aufzählen können, warum uns der HSV oft wahnsinnig macht – aber das kann ja jeder.“

An diesem Sonnabend – so gegen 20.30 Uhr – gibt es dann wahrscheinlich den 112. Grund. Auf dieser oder auf jener Seite . . .

17.31 Uhr

Von Niederländern und Holländern und . . .

15. Juni 2012

Geht es euch auch so? Irland schwirrt immer noch in meinem (Fußball-)Kopf herum. Waren die nicht klasse, diese Irländer (würde Rudi Völler sagen)? Nicht fußballerisch, sondern stimmungsmäßig. Der größte Gesangsverein der Welt. Mein Freund Bert Ehm sagt ja über dieses Spiel (nur 0:4 gegen Spanien): „Das war so, als ob eine Landesliga-Truppe gegen Spanien angetreten ist – das war kein Unterschied, das war ein Erdrutsch nach dem anderen.“ Stimmt. Aber diese Fans! Unfassbar. Und ich sage auch: Wenn Irland mit einem Torhüter spielen würden, dann müssten sie noch nicht nach Hause fahren. Aber es ist ja wie es ist. Diese Anhänger in Grün jedoch, die sind einfach eine Sensation. Irland hätte auch 0:12 verlieren können, aber selbst dann hätten die Fans noch gesungen. Und auch gefeiert – ganz klar. Die Fischer-Chöre sind dagegen ja nur die reinste Hinterhof-Combo. Nein, diese Iren, die da von der Insel gekommen sind, das sind echte EM-Helden. Und irgendwie musste ich unwillkürlich auch an die HSV-Fans (speziell der vergangenen Saison) denken, denn die lassen und ließen sich ja auch durch nichts, durch keine noch so bittere Pleite, durch kein noch so großes fußballerisches Desaster beirren. Die hielten tapfer zur Raute. So wie diese grandios singenden „Irländer“ nun auch zu ihrer Landesliga-Truppe – die mit einem Welttrainer (Trapattoni) auf Europa-Tournee ist. Note eins, setzen!

Wobei: Es gibt ja einen Iren, dem diese Gesänge tatsächlich ganz stark auf den Geist gingen. Der Sport-Informations-Dienst (SID) schreibt heute:

Die irischen Fußballfans haben mit ihren friedlich-fröhlichen Fanfesten bei der EM die Herzen der Menschen erobert, doch ausgerechnet Irlands Ikone Roy Keane sind die grünen Partys nach Niederlagen ein Dorn im Auge. „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben“, kritisierte der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft.

Trotz der 0:4-Niederlage gegen Welt- und Europameister Spanien sowie dem vorzeitigen Vorrunden-K.o. hatten Zehntausende irischen Fans im Danziger Stadion nach dem Anpfiff noch minutenlang ihr Team und sich selbst gefeiert. Irlands Nationaltrainer Giovanni Trapattoni war überwältigt: „Unsere Fans standen immer hinter uns. Das dürfen die Spieler und ich nie vergessen.“

Auch international stieß die beeindruckende Leidensfähigkeit der Anhänger in Grün auf viel Bewunderung. „Wie kann man Irland nicht lieben?“, fragte die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza Daily.

John Delaney, Chef des irischen Fußballverbandes FAI, konnte Keanes Kritik nichts abgewinnen. „Die bleibende Erinnerung aus diesem Spiel ist, wie viele Tausende irische Fans das Lied ’Fields of Athenry’ kurz vor und kurz nach dem Schlusspfiff gesungen haben“, sagte Delaney.

Die Iren fahren also nach Hause. Ähnlich wie Deutschland bei der EM 2000 in Belgien/Niederlande. Da ging damals ja nichts. Obwohl wir ja nicht die Schlechtesten waren. Dänemark, unser Gegner am Sonntag, verabschiedete sich ohne Tor und ohne Punkt aus den Benelux-Ländern. Ich komme da drauf, weil ich nach dem Turnier bei einem HSV-Freundschaftsspiel in Westerrade war. Die tapferen Amateure, die sind in „irischer Form“ präsentierten (sie verloren 0:11), hatten, rührig wie Amateure nun mal sind, eine ganz kleine, ziemlich wackelige Holztribüne gebaut, auf der vielleicht so 20 bis 30 Leute Platz fanden. Ich stand da auch, und mit mir Thomas Gravesen, der noch seinen EM-Urlaub genoss, und auch Stig Töfting, der im Schlepptau mit Gravesen nach Westerrade gekommen war.

Beide standen auf dieser Tribüne – und der Flachs blühte. Gravesen nahm mich, aus reinem Übermut, zwischendurch mal in den Schwitzkasten, sodass ich die Engel singen hörte. Der Mann hat (hatte?) Bärenkräfte. Und beide Dänen plauderten von einem EM-Erlebnis der besonderen Art. Null Tore, null Punkte. Das galt nicht für das Mannschaftshotel, denn: Die verrückten Dänen holten sich einen Ball, spielten erst im Zimmer gegeneinander, dann auch dem Hotelflur. Barfuß. Und schossen so Bilder und Vasen um und dumm. Nichts blieb mehr heil. Und das wurde natürlich besonders gefeiert. Was sich später herausstellte: alle Spieler, die daran beteiligt waren hatten Brandblasen unter ihren Füßen. Weil sie ja barfuß auf dem groben Teppich gedaddelt hatten. Gravesen sagte damals: „Wir haben unsere medizinische Abteilung dazu verdonnert, nichts dem Trainer zu sagen.“ Und zu den Blasen generell sagte er: „Wir ahnten, dass so etwas auf uns zukommen würde, aber wenn man erst einmal dabei ist, der Ball rollt, dann muss man das auch durchziehen . . . Scheiß auf Blasen.“ Null Tore, null Punkte eben.

Als ich eben nachsah, wann dieses Spiel in Westerrade stattgefunden hat, blätterte ich durch das immer noch wirklich sehenswerte HSV-Buch von Axel Formeseyn („Unser HSV“) und blieb auf einer Seite der Saison 1999/2000 hängen. Da war, hättet ihr es noch gewusst, der HSV-Torhüter der HSV-Torjäger der Saison. Jörg Butt hatte neun Elfmeter verwandelt! Er lag damit gleichauf mit Roy Präger und Anthony Yeboah! Ich hatte das nicht mehr drauf – es ist doch auch eigentlich unglaublich, oder?

So, Themenwechsel. Die „deutsch-niederländische Freundschaft“. Der HSV hat ja schon einige Profis aus dem Nachbarland unter Vertrag gehabt. Und Trainer. Wobei Huub Stevens fuchsteufelswild werden konnte, wenn er als “Holländer” bezeichnet wurde. Dann wurde er nicht nur grantig, sondern böse und sauer – einige Male drehte er sich um und das Gespräch war beendet. Weil er darauf bestand: “Ich bin Niederländer, kein Holländer. Ich sage zu Ihnen ja auch nicht, dass Sie ein Bayer sind . . .” Ja, das ist Stevens. Und zu Hans van Breukelen gab es ja auch einige Reaktionen auf die gestrige Geschichte um und mit dem ehemaligen niederländischen Keeper. Dazu gab es zwei Mails an mich, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

„Moin Dieter,

ich hab mit Überraschung deine Ausführungen zu den „Aussagen” von Hans van Breukelen gelesen bzw. wozu diese dich verleitet haben. Ich hab den Artikel bei Sport Bild nicht gelesen. Aber bemerkenswerterweise wurde am 04.06.12 auf 11freunde.de ein Artikel von eben diesem Hans van Breukelen veröffentlicht. Überschrift:

„Ich bin verliebt in euch Deutsche”

Der Artikel ist in seiner ganzen Länge unter http://www.11freunde.de/artikel/hans-van-breukelen-ueber-die-rivalitaet-zwischen-deutschland-und-holland verfügbar. Aus dem Artikel kann ich ehrlich gesagt keinen „tief sitzenden Stachel” herauslesen.

Vielleicht bietet sich ja die Möglichkeit – wenn du überhaupt daran Interesse hast – deine „lieben Kollegen” von der Sport Bild zu fragen, wann und mit wem denn dieses Interview geführt wurde. Gerade vor dem Hintergrund seines Artikels halte ich deine Reaktion – auf „seine” Aussagen – für deutlich überzogen.

Ansonsten kann ich dir sagen, dass sich, soweit ich es – Mittwoch vor Ort in Kharkov! – mitbekommen habe, beide Fangruppen vorbildlich verhalten haben.

Hättest du im Übrigen einfach mal nach dem Namen “Hans van Breukelen” gegoogelt, wärst du auf den obigen Artikel sowie auf weitere aktuelle Interviews gestoßen, die deutlich keinen tief sitzenden Stachel erkennen lassen…

Beste Grüße, Michael S.“

Dazu dann auch noch die zweite Mail:

„Hallo Dieter,

ohne den Bericht in der Sportbild gelesen zu haben glaube ich, dass du Hans van Breukelen unrecht tust. Dass die Bild gerne mal ein wenig überzieht ist ja bekannt, im aktuellen 11 Freunde Magazin ist ein Bericht, geschrieben von Hans van Breukelen, den es sich durchaus lohnt einmal zu lesen. Hier ein paar Auszüge:
Zu seiner Begegnung mit Rudi Völler 1990

„Das war schon ein bisschen zu viel des guten. Hinterher, als ich die Bilder im Fernsehen sah, habe ich mich richtig geschämt und tue es bis heute.”

„Aber jetzt kommt eine Überraschung, also haltet euch fest: Ich bin verliebt in euch Deutsche! Da staunt ihr, was?”

Vielleicht führst du dir diesen Bericht einmal zu Gemüte.

Gruß Sven.“

Ich habe mir das Interview inzwischen durchgelesen – es ist gelungen. Und in der Tat, es ist kein Stachel mehr erkennbar. Ich werde aber die Kollegen der Sport Bild dennoch nicht fragen, denn ich bin nicht der Ober-Kontrolleur. Jeder macht seine Arbeit so, wie er es für richtig hält. Ich kann zu diesem Thema nur abschließend sagen: Ich habe oft Deutschland – Niederlande und Niederlande –Deutschland gesehen und miterlebt, es war meistens die Hölle. Sodass ich irgendwann in der Redaktion gesagt habe: „Sollte es irgendwann wieder mal Niederlande – Deutschland geben, so möchte ich bei diesem Spiel nur Innendienst machen . . .“ Das habe ich auch durchgezogen. Eisern. Vielleicht aber spielt auch ein Jugend-Erlebnis von mir eine große Rolle (im Unterbewusstsein). Mit der BU-Jugend, ich war 16 Jahre alt, fuhren wir mal zu einem riesigen Turnier in die Nähe von Amsterdam. Die Spiele war auf zweimal sieben, ahct oder neun Minuten angelegt. Uns pfiff im ersten Spiel ein Mann, der unser Opa hätte sein können. Auch er: Rundschnitt in Augenbrauenhöhe. Und der gute Mann brachte es fertig, in den ersten sieben Minuten drei Mann von uns vom Platz zu stellen. Für nichts. Ich würde es zugeben, wenn da etwas gewesen wäre, aber es gab nichts. Als „Opa“ dann im zweiten Durchgang den vierten Barmbeker vom Platz schickte (ich war, ganz seltsam, immer noch drauf!), da nahmen wir uns diesen Herren mal – mit Rudelbildung – zur Brust. Wörtlich genommen. Das Spiel wurde abgebrochen, das Turnier unterbrochen – weil wir uns auch, das muss ich zugeben, dann einfach total hirnrissig verhalten hatten. Eine Stunde lang wurde beraten, dann durften wir in diesem Turnier bleiben und weiter mitspielen (vielleicht erinnert sich ein hier mitlesender BU-Spieler von damals ja an diesen Skandal). Seit dieser Zeit aber habe ich eine ganz besondere Beziehung zu den Niederlanden gehabt . . .

Obwohl ich auch zugeben muss: Von dem erwähnten (im letzten Bericht) Qualifikationsspiel damals habe ich nichts gesehen. Die Schlachten in den Straßen von Rotterdam und rundum das Stadion sah ich in einem Polizei-Container, in dem alles haargenau auf zig Monitoren gezeigt wurde. Man konnte alles sehen und hören, was da ablief. Und ich saß bei einem niederländischen Polizisten, der mein Vater hätte sein können – und dieser Mann war so nett und liebenswürdig, der war einfach nur klasse. Den habe ich bis heute ins Herz geschlossen, obwohl ich ihn nie wieder gesehen und gesprochen habe. Aber es gibt natürlich auch solche Menschen – in beiden Ländern.

Anderes Thema. Auch diese Mail erhielt ich in diesen Tagen:

Hallo Dieter, hallo Scholle,

habe vor ca. 6 Monaten Euren Blog entdeckt, für mich hier in Bayern als in
der ferne lebender Hamburger und HSVer eine tolle Möglichkeit, mal wieder
mehr zu erfahren. Wobei mich vorher meine relative Unwissenheit zu den
aktuellen Vorgängen beim HSV doch hat ruhiger schlafen lassen.

Dies ist aber nicht der Grund warum ich schreibe. Vielmehr möchte ich
Euch kurz von einem E Jugend Turnier hier bei uns im tiefsten Oberbayern
(eigentlich schon eher Nordösterreich, 10 km von der Grenze entfernt :-) )
berichten, was mich doch sehr nachdenklich gemacht hat. Die Mannschaft
meines Sohnes (1. E Jugend ASV Großholzhausen) hatte sich für den
Inntalcup qualifiziert, ein relativ gut besetztes jährliches Turnier des
SV Nickelheim (minikleiner Dorfclub).

Meine Freude war riesengroß, als ich erfuhr, dass auch der HSV eine
Mannschaft schickt. Außerdem waren dabei:

1. FC Nürnberg, Karlsruher Sportclub, 1860 München, Rapid Wien, Ljubljana
(Slowenien), 1860 Rosenheim und 3 unserer Dorfvereine. Um es kurz zu
machen: Der HSV hat mit Müh und Not, unverdient und mit sehr viel Glück
einen 4. Platz erreicht. Karlsruhe, Nürnberg, 1860 München und Rapid Wien
waren so deutlich besser, wie ich es nicht erwartet hätte.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich finde es toll, wenn die Jungs
aus Hamburg hier zum Kicken kommen und es geht in dieser Altersklasse um
viel mehr als nur gut Fußball zu spielen, aber bei dem Einzugsgebiet, das
der HSV hat und bei so einem Namen (da will doch jeder Hamburger Jung
hin!!), hätte ich so einen Unterschied nicht erwartet. Wenn man die
technischen Fähigkeiten und die Spielübersicht der Spieler der anderen
genannten Vereine sieht, so war der Unterschied doch eklatant. Und das
sind Vereine, die bis auf Nürnberg nicht so einen Namen und solche
Möglichkeiten wie der HSV haben.

Dies ist sicherlich nur eine subjektive Momentaufnahme einer Nachwuchsmannschaft (und die Jungs können wirklich nichts dafür), die mich aber in Bezug auf die Nachwuchsarbeit beim HSV doch nachdenklich stimmt.

Das war es, wovon ich Euch erzählen wollte, ist sicherlich nichts für den
Blog, da ich hier keinen von den jungen Spielern schlecht machen möchte.
Bin gespannt, wie es die erste Mannschaft am 6. Juli hier in Rosenheim bei
einem Gastspiel macht.

Herzliche Grüße nach Hamburg, macht weiter so, Ihr seid Spitze, Gruß Frank.“

Dann gibt es heute noch einen Beitrag von der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der ein wenig in unser Thema hineinspielt:

In Zeiten sozialer Netzwerke – und nicht zuletzt auch von Smartphones – spiegelt sich die Fußball-EM auch gewaltig bei Facebook wider. Dort wird wie wild geschrieben und verlinkt. Dabei kristallisieren sich verschiedene Arten von Leuten heraus. Der Versuch einer Kategorisierung in zehn Typen. Anspruch auf Vollständigkeit nicht erhoben, Überschneidungen nicht ausgeschlossen:

– Der Plattitüden-Poster: Schreibt Sätze wie „Die Spanier kochen auch nur mit Wasser“ oder „Das Runde muss ins Eckige“ oder „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Geht’s noch?

– Der Foto-Verlinker: Nimmt auf seinem Profil jeden Bilderwitz, jeden Cartoon zur EM mit. Egal, ob Angela Merkel gerade jubelt oder sich irgendeine Zeitung oder ein Blogger in der Welt „etwas Lustiges“ zum Thema ausgedacht hat: Hier ist es alle paar Minuten zu sehen.

– Der Ego-Typ: Veröffentlicht am liebsten Fotos von sich in Fan-Klamotten beim Feiern. Schrecklich eitel.

– Der Chronist: Erwähnt jedes Tor sekundenschnell (als ob irgendeiner, der sich für Fußball interessiert, das Spiel nur bei Facebook verfolgt und auf diesen Eintrag warten würde…)

– Der Hyper-Patriot: Bei ihm dreht sich alles nur um Deutschland, Deutschland, Deutschland.

– Der Facebook-Feuilletonist: Zitiert gerne aus „11 Freunde“, dem Heft zur Fußballkultur, oder dessen Ticker schlaue Sätze zu den verschiedenen Partien. Zu Ukraine-Schweden etwa: „In dem einen Land gibt es jede Menge tolle Blondinen, dafür ist das Bier teuer. In dem anderen ist das Bier billig, aber Blondinen landen im Knast.“

– Der Meta-Kommentierer: Schreibt am liebsten nicht übers Spiel, sondern das mediale Drumherum, also über Tonpannen im TV, ach so schlimme Kommentatoren und so weiter. Laaaaangweilig!

– Der Besoffene: Alle Einträge lesen sich so, als wäre der Autor – hicks! – nicht ganz nüchtern gewesen.

– Der Facebook-„Hooligan“: Lässt außer seiner Meinung nix gelten. Beschimpft alle anderen. Möchte man nicht live begegnen – und eigentlich auch nicht im Internet.

– Der Frustrierte: Lädt spontan zum „fußballfreien“ Grillen ein und wundert sich dann, wenn keiner zusagt, sondern stattdessen nur „Du spinnst wohl“-Kommentare und Absagen kommen.

Und auch der HSV kommt in der heutigen Agentur-Landschaft zu Wort – bei dapd:

„Mit 30 Teams in drei Zehnerstaffeln startet am 25. August die den B-Juniorinnen vorbehaltene Nachwuchs-Bundesliga in ihre Premieren-Saison. Die Teilnehmer haben sich sich über die Regionalverbände qualifiziert haben. Eine bundesweite Liga für A-Juniorinnen gibt es nicht, da entsprechend der Regeln des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ab 16 Jahren in Frauenteams gespielt wird. Aktueller Junioren-Meister ist die TSG Hoffenheim, die vor Wochenfrist Rekordmeister Turbine Potsdam mit 3:1 entthronen konnte.

Die neue Bundesliga der B-Juniorinnen:

Staffel West/Südwest: 1. FC Saarbrücken, SC Bad Neuenahr, Herforder SV, FCR Duisburg, VFL Bochum, SG Essen, FSV Gütersloh, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen, 1. FC Köln.

Staffel Süd: SV Frauenbiburg, 1. FC Nürnberg, Bayern München, ETSV Würzburg, TSG Hoffenheim, VfL Sindelfingen, SC Freiburg, SV Albersweiler, Eintracht Frankfurt, 1. FFC Frankfurt.

Staffel Nord/Nordost: VfL Wolfsburg, Werder Bremen, Hamburger SV, SV Meppen, Holstein Kiel, Turbine Potsdam, Union Berlin, USV Jena, Magdeburger FFC, 1. FC Neubrandenburg.“

Und noch einmal nennt “dapd” den Namen HSV;

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Trainer Rodolfo Esteban Cardoso vom Regionalligisten Hamburger SV II wegen unsportlichen Betragens zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Dies gab der DFB in einer Pressemitteilung bekannt.

Der Ex-Bundesligaprofi hatte sich am 12. Mai im Spiel gegen den FC Energie Cottbus II unsportlich gegenüber dem Schiedsrichtergespann geäußert und war deshalb aus dem Innenraum verwiesen worden. Laut DFB haben der Verein beziehungsweise Cardoso dem Urteil zugestimmt.

Es trifft ja keinen Armen. Wen denn auch immer.

Übrigens: Was heißt Ausscheiden nach der Vorrunde auf Niederländisch?

HEIMROBBEN.

Das mache ich jetzt. Euch allen ein wunderschönes EM-Wochenende – und vor allem gutes Wetter.

17.02 Uhr

„Kämpferisch das schöne Gesicht gezeigt“

22. April 2012

Dieses Spiel passte wie die Faust aufs Auge zu dieser Seuchen-HSV-Saison. Spielerisch keine Offenbarung, und dann diese beiden Verletzungen. Zum Glück findet diese verkorkste Spielzeit ja bald ein Ende, es wird eine Erlösung sein – nur noch zweimal geht es um Punkte. Wird auch Zeit, ganz ehrlich. Nicht dabei sein wird dann Gojko Kacar, der wegen eines Knöchelbruchs und diverser Bandverletzung mindestens vier Monate ausfallen wird. Auch dieser herbe Rückschlag passt exakt zur Saison des HSV – und auch von Kacar, der eigentlich nie so richtig zu seiner Form fand. Gute Besserung von dieser Stelle aus! Nicht ganz so schwer hat es offenbar Torwart Jaroslav Drobny erwischt. Der Tscheche wurde noch nach dem Spiel in einem Nürnberger Krankenhaus untersucht, aber außer einer schweren Beckenprellung ist nichts festgestellt worden. Drobny flog mit der Mannschaft nach Hamburg, und Sportchef Frank Arnesen berichtete: „Nach dem ersten Bier ging es ihm schon besser, da war seine Laune schon wieder ganz okay, nach dem zweiten Bier dann noch etwas besser. Er will am Mittwoch wieder trainieren – und am Sonnabend gegen Mainz wieder im HSV-Tor stehen . . .“

Dazu HSV-Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen: „Jeder normale Mensch würde mit einer solchen Verletzung 14 Tage im Bett liegen, aber Jaroslav nicht. Wenn er sagt, dass er spielen will, dann spielt er auch, dann ist ihm das nicht zu verbieten.“ Stimmt wohl, denn der 32-jährige Drobny „schleppt“ sich ja schon seit einigen Wochen mit diversen Verletzungen von Spiel zu Spiel ins Tor – eigentlich ein Wunder, dass er nicht schon mal eher ausgefallen ist.

Aber die Frage, ob Drobny nun gegen Mainz im Tor stehen wird – oder nicht, die wird ohnehin erst gegen Ende dieser Woche eine Antwort finden. Immerhin hat der HSV schon einen würdigen Vertreter gefunden, denn Sven Neuhaus hat seine Sache in seinem ersten Bundesliga-Spiel ja sehr gut gemacht. Ich gebe zu, dass ich arge Bedenken hatte, denn ich sah vor einigen Wochen das Testspiel des HSV gegen Kopenhagen. In diesem Spiel machte Neuhaus auf mich einen sehr, sehr unsicheren Eindruck, er segelte unter vielen Flanken der Dänen durch. „Mangelnde Spielpraxis“, so schrieb ich damals. Davon war in Nürnberg aber nichts mehr zu sehen.
Zudem muss klar festgestellt werden, dass Sven Neuhaus bei seinen Kollegen einen sehr guten Ruf genießt, weil er ein „Super-Typ“ ist. Und darüber hinaus genießt er das volle Vertrauen der Mannschaft. Dennis Diekmeier, der am Sonnabend bei uns („Matz ab live“) zu Gast war, lobte Neuhaus in den höchsten Tönen und schwärmte auch von den großartigen Paraden des Ersatzkeepers im Training.

Sven Neuhaus selbst war nach dem Spiel in Nürnberg die Ruhe selbst – wie eigentlich auch schon im Spiel. Er sagte: „Ich hatte ja nicht so viel zu tun, weil wir in der Defensive sehr gut standen. Im Moment, das muss ich sagen, fühlt sich das erste Bundesliga-Spiel noch nicht so euphorisch an, vielleicht kommt das erst im Nachhinein, wenn man die Karriere beendet hat. Vielleicht sagt man sich dann, dass man mal ein Bundesliga-Spiel gemacht – eventuell freut man sich dann auch nachträglich darüber. Aber im Moment ist es eben das Wichtigste, mit der Mannschaft das Ziel zu erreichen. Und da fehlt uns noch ein Schritt.“ Neuhaus sagte weiter: „Obwohl wir ja mit dem 1:1 in Nürnberg ein wichtiges Etappenziel schon erreicht haben, indem wir nicht mehr direkt absteigen können. Wir haben in einigen dreckigen Spielen bewiesen, dass wir einen guten Charakter in der Mannschaft haben, um in solchen Situationen zu bestehen, das hat sich in den letzten Wochen ausgezahlt.“

Zu seinem plötzlichen Auftritt in der Ersten Bundesliga, als er in der 23. Minute zwischen die Pfosten musste, sagte Sven Neuhaus: „Ich habe gesehen, wie ihn Pekhart erwischt hat. Es ist immer schwierig für einen Torwart, wenn er beide Arme in der Luft hat und nach dem Ball greift – dann ist er ungeschützt. So kam es zu diesem Körperkontakt. Drobny ist sehr hart im Nehmen, und wenn er sich einmal behandeln lässt, dann hat das schon etwas zu sagen. Deshalb habe ich dann auch schon mal vorsorglich meine Fußballstiefel angezogen.“ Und? Nervös gewesen? Neuhaus: „Ich habe ein gesundes Kribbeln im Bauch gespürt. So wie man es haben sollte, wenn man in der Bundesliga spielt. Ich war aber nicht besonders nervös, weil mir meine Mitspieler und mein Trainerteam immer das Gefühl vermittelt haben, dass sie mir vertrauen. Bei mir müssen die ersten Ballkontakte sitzen, dann bekomme ich auch die nötige Sicherheit.“

Am 1:1 von Didavi war er schuldlos. Und machtlos. Obwohl Neuhaus sagt: „Ich bin immer der Meinung, dass es keine unhaltbaren Bälle gibt. Aber in einer solchen Situation muss man auch ein wenig Glück haben und hoffen, dass einen der gegnerische Spieler anschießt.“ Den Gefallen tat ihm der junge Nürnberger aber nicht. Und auch deswegen ist der HSV noch nicht endgültig gerettet. Es fehlt noch ein Pünktchen. Sven Neuhaus: „Wir richten den Blick weiter auf das Wesentliche, wir werden nicht blauäugig sein. Es ist in der Bundesliga schon so viel passiert, deshalb werden wir weiterhin konzentriert zur Sache gehen.“ Mit einem Jaroslav Drobny im Tor? Oder doch mit Neuhaus? Der 34-jährige Debütant auf die Frage, ob er bereit für einen Auftritt im eigenen Stadion wäre: „In Hamburg vor 57 000 zu spielen, das ist ja nun wirklich keine Strafe – darauf würde ich mich freuen.“

Aber ob das wirklich eine Freude sein wird? Nicht der eventuelle Einsatz von Neuhaus, sondern das „Endspiel“ gegen Mainz? Ich weiß es nicht. Die Mainzer mit ihrem „närrischen“ Trainer sind immer ein sehr unangenehmer und unbequemer Spielpartner – nicht nur für den HSV. Aber, was die „Arbeit“ erleichtern könnte: der HSV braucht nur noch einen Punkt (wenn überhaupt – kommt ja auch auf den 1. FC Köln an). Und wer in Nürnberg einen Zähler holt, der müsste doch eigentlich auch zu Hause . . . Abwarten.

„Unser Minimal-Ziel in Nürnberg war ein Punkt“, sagt Trainer Thorsten Fink. Und er ergänzt: „Das war ein ganz wichtiger Punkt, aber es ist auch ein wenig ärgerlich, dass es nur ein Punkt wurde, denn es war hier mehr für uns drin. Aber nun werden wir im eigenen Stadion den letzten Schritt gehen. Wir waren ja darauf eingestellt, dass es bis zum letzten Spiel hart sein wird, deswegen bin ich jetzt auch nicht geschockt oder enttäuscht. Die Mannschaft hat das ordentlich gemacht, zumindest kämpferisch haben wir unser schönes Gesicht gezeigt. Trotz allem dürfen wir nicht nachlassen, wir müssen weiterhin kämpferisch bleiben.“

Über die 90 Minuten befand Thorsten Fink: „Wir konnten nicht locker in das Spiel gehen, nicht einfach drauf losgehen, sondern mussten den Kampf annehmen, gut stehen, die richtige Einstellung zeigen – und das alles haben wir auch gemacht. Damit bin ich zufrieden.“ Dann sagte Fink auch noch: „Ich bin überzeugt davon, dass wir am nächsten Wochenende den Klassenerhalt schaffen werden, dass wir das packen.“ Und dann – halb scherzend und mit einem Auge zwinkernd: „Wir scheinen zu Hause ja eine Macht zu werden, das haben die letzten Spiele gezeigt. Das stimmt mich optimistisch. Wir wollen das mit und für unsere Fans schaffen – und dann feiern, das ist unser Anreiz.“

Heute am Vormittag war Thorsten Fink ja noch im „Doppelpass“ von „Sport 1“, und da sagte der HSV-Coach . . .

… über den fast gesicherten Klassenerhalt:

„Klar ist, dass wir das nächste Heimspiel gewinnen wollen, um alles perfekt zu machen. Das sind wir auch unseren Fans schuldig, gerade weil wir in den Heimspielen ja auch immer so sehr enttäuscht haben. Mit diesem Sieg hätten wir die Klasse gesichert. Das war ja auch unser Ziel als ich gekommen bin, das war der Auftrag. Wir haben jetzt natürlich auch Höhen und Tiefen gehabt. Das Ergebnis gestern war gut, das Spiel war nicht so gut.“

Thorsten Fink . . .

… über die neue Philosophie in Hamburg:

„Wir wollen natürlich junge Leute holen, die sich mit dem Verein identifizieren. Wir wollen Spieler von unten hoch bringen. Das ist klar und sollte auch Teil unserer Philosophie sein. Wir holen jetzt Maximilan Beister zurück. Der kommt aus Hamburg. Der ist jung, der ist hungrig, der will Erfolg und will spielen. Das ist schon mal ein kleiner Schritt. Ich sage nicht, dass alles so toll war. Wir schauen ja nach vorne und schauen nicht allzu weit zurück. Das war vielleicht schlecht in der Vergangenheit, aber jetzt arbeiten wir – Frank Arnesen, Carl Jarchow, und ich als Trainer – zusammen.
Wir ziehen an einem Strang und halten zusammen. Ich glaube, dass da was in Zukunft entstehen kann. Man muss uns aber auch Zeit geben. […] Man kann jetzt nicht wieder alles ändern. Wir wollen schon natürlich den ein oder anderen älteren Spieler abgeben. […] Wir wollen den Kader kleiner und konzentrierter machen, sodass wir da wirklich Klasse haben. […] Wir werden jetzt sicherlich nicht jeden Spieler holen können, den wir wollen. Wir müssen sehr genau hinschauen, haben aber auch eine Scouting-Abteilung, die sehr agil ist. Ich denke, dass wir eine gute Mannschaft hinkriegen. Trotzdem werden wir keine großen Sprünge machen können.“

Und Thorsten Fink sagte. . . .

… über die möglichen Transfers von Dirk Kuyt und Rene Adler:

„Er (Dirk Kuyt Anm. d. Red.) ist ein riesen Spieler und würde uns schon verstärken. Da bin ich mir ganz sicher. Ich habe mit dem Spieler nicht geredet. Frank Arnesen hat mit dem Berater geredet, das weiß ich. Aber inwieweit da etwas fortgeschritten ist, kann ich wirklich nicht sagen. […] Es ist nicht klar, dass Adler kommt, sonst würden wir es ja bekannt gegeben. […] Wir haben ja gesagt, dass wir Interesse haben. Das will ich auch nicht dementieren. Wir haben aber auch einen guten Torwart. Jaroslav Drobny ist ein hervorragender Torwart, der auch für Teamwork steht. Das ist ein Aspekt, der mir sehr wichtig ist. Aber Rene Adler ist ablösefrei und ein Torwart im besten Fußballeralter.“

Das war der Auftritt des HSV-Trainers in München. Über den Drobny-Ersatz Sven Neuhaus urteilte der Trainer wie folgt: „Er war überhaupt nicht nervös, er hat eine gute Ausstrahlung gehabt. Man sieht ihm seine Erfahrung an, wir vertrauen ihm, er ist sehr sicher gewesen – dafür ist er ja da. Wir wissen, dass wir uns auf ihn verlassen können.“

Ist doch klar. Sonst wäre er doch gar nicht beim HSV . . .

Zufrieden zeigte sich in Nürnberg auch der Sportchef. „Es war ein gutes Wochenende für uns, denn wir können nicht mehr direkt absteigen. Wenn es sehr, sehr schlecht läuft für uns, dann müssen wir in die Relegation, aber wir haben jetzt in fünf Spielen acht Punkte geholt, wir haben gezeigt, dass wir die Situation angenommen haben. Wir haben in Nürnberg sicherlich kein gutes Spiel gezeigt, aber wir waren kämpferisch stark und haben diszipliniert gespielt – mit dem Resultat bin ich zufrieden“, sagte Frank Arnesen.

Der Däne plauderte dann auch noch über zwei mögliche Neuzugänge. Zu Rene Adler befand er: „Ich hoffe, dass der Transfer nun näher rückt – so wie unsere Rettung nun näher rückt. Das geht Hand in Hand.“ Und dann schwärmte Arnesen geradezu von Dirk Kuyt, der noch für den FC Liverpool spielt: „Er hat so viel Qualität, Mentalität und Erfahrung, dass er uns einen großen Schritt weiterbringen würde – er ist ein fantastischer Typ. Und ein Vorbild auf dem Platz und neben dem Platz, er gibt immer alles für die Mannschaft. Er wäre auf jeden Fall sehr wertvoll für unsere Mannschaft.“ Frank Arnesen sagte aber auch: „Es ist ein langer und beschwerlicher Weg, ihn zu bekommen. Ich habe mit seinem Berater gesprochen, die Bundesliga wäre interessant für ihn. Dirk Kuyt ist topfit – aber aus unserer Sicht ist das noch alles auf dem Niveau ‚Hoffen’. Auf jeden Fall hat der Berater nicht gesagt, dass Kuyt nicht interessiert wäre, zum HSV zu kommen. Aber wir sind auch nicht der einzige Verein, der Interesse an Kuyt zeigt . . .“

Bliebe aber auch noch eine kleine weitere – nicht ganz unwichtige – Frage zu klären: wer soll das bezahlen? Dazu Arnesen: „Klar, ein Dirk Kuyt ist teuer, man muss sehen, ob man das machen kann. Oder ob man es nicht machen kann. Ich werde es aber auf jeden Fall probieren.“

Das klingt doch gut. Und irgendwie auch viel besser, als ich es noch in der vergangenen Woche angenommen habe. Lassen wir uns mal überraschen.

Übrigens: Dass David Jarolim am Saisonende doch plötzlich bleiben könnte (weil Kacar jetzt länger fehlen wird), das ist so gut (oder schlecht) wie ausgeschlossen. Frank Arnesen sagte dazu im “Sportclub live” des NDR: “Die Situation ist unverändert. Ich habe entschieden und dazu stehe ich. Ich muss gucken, was wir können und ich brauche ganz klar Geld, um auch etwas Neues zu machen.“
Das Interview zum Nachhören gibt es in Kürze im Video auf ndr.de/sport

Themen-Wechsel:

Soeben hat Augsburg 1:1 gegen Schalke gespielt – obwohl sicher auch ein Sieg des Aufsteigers möglich gewesen wäre, denn er hatte die besseren Chancen. Zum Glück für den HSV blieb es aber bei der Punkteteilung. Wobei zu sagen ist, dass mit Sebastian Langkamp ein ehemaliger Hamburger das 1:0 für Augsburg geköpft hat. Langkamp war von 2007 bis 2008 beim HSV (kam damals vom FC Bayern II) . . .

Da graut mir irgendwie schon ein wenig vor dem nächsten Sonnabend, denn da kommt Eric-Maxim Choupo-Moting mit Mainz in den Volkspark . . .
Abwarten.

Und noch ein „Ehemaliger“ spielte an diesem Wochenende eine Rolle:
Besart Berisha. Der frühere Bundesliga-Profi des HSV (und albanische Nationalspieler) ist mit seinem Club Brisbane Roar australischer Fußball-Meister geworden. Im Endspiel der A-League gegen Perth Glory gewann Brisbane am Sonntag dank zweier später Tore des ehemaligen Hamburgers (und Bielefelders) Berisha (84. und 90. per Foulelfmeter) mit 2:1.

So, ganz zum Schluss noch einmal in eigener Sache: „Matz ab live“

Wir stecken mit diesem Internet-Format noch in den Anfängen, noch in den Kinderschuhen, und selbstverständlich gibt es noch diverse Schwächen und Unebenheiten. Keiner von uns aber hatte erwartet, dass wir wie „Kai aus der Kiste“ kommen und in den „Charts“ an und auf die Nummer eins schießen. Gut Ding will Weile haben. Wir wollen den HSV im Gespräch halten, und dafür werden wir alle hart und akribisch weiter an dieser Talkrunde arbeiten. Damit wir irgendwann einmal sagen können: „Nun ist es gut, nun steht die Sendung optimal – nun sind wir da, wo wir sein wollten.“

Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich hoffe, dass ihr die Geduld aufbringen könnt – wir werden es. Und wir werden auch nach dieser Saison weiterhin „auf Sendung“ sein. Einmal pro Woche schwebt uns vor, dazu brauchen wir auch eure Hilfe, denn es soll über den HSV, unseren HSV, euren HSV – mit euch gesprochen werden. Ich stelle mir das ganz spannend vor – ihr hoffentlich auch. Vielleicht gibt ja schon mal der eine oder andere „Matz-abber“ ein kleines Zeichen, ob er dann (gegebenenfalls) mit von der Partie sein würde.

Bei der Gelegenheit bedanken wir uns, Scholle und ich, noch einmal bei Lotto King Karl, dass er bei der ersten Sendung (dem ersten Versuch!) mit von der Partie war, und dass nun mit Dennis Diekmeier auch schon der erste aktuelle HSV-Profi seine Visitenkarte bei uns abgegeben hat. Das war klasse, das war riesig! Von beiden. Vielen Dank dafür, super, super. Beide Herren werden in die „Geschichte“ von „Matz ab live“ eingehen – wie natürlich auch die drei anderen Herren, die bislang unsere Gäste waren: Carsten Kober, Bert Ehm und Manfred Lorenz.
Vielleicht werden wir eines fernen Tages sagen (und schwärmen) können: „Weißt du noch, wie du uns damals aus den Startlöchern geholfen hast . . ?“
Wir vom Hamburger Abendblatt werden uns, das kann ich versprechen, auf jeden Fall die größte Mühe geben, um euch, den Fans des HSV, eure „Liebe“ immer noch ein Stückchen näher zu bringen. Möglichst (natürlich) positiv.

PS: Am Montag ist kein Training im Volkspark.

18.28 Uhr

5:1-Sieg beim SC Victoria

31. August 2010

Versprochen gehalten, Spiel gewonnen. Vor einem Jahr hatte HSV-Chef Bernd Hoffmann dem künftigen Oberliga-Meister Hamburgs ein kostenloses Gastspiel zugesagt, das wurde am Dienstag eingelöst. An der Hoheluft traf der ersatzgeschwächte HSV auf den SC Victoria. Vor nur 2072 Zuschauern siegte die Veh-Mannschaft mit 5:1, Halbzeitstand 3:0.

Der HSV trat mit folgender Mannschaft an: Jaroslav Drobny, Hendrik Dettmann, Collin Benjamin, Dennis Aogo, Florian Brügmann; Robert Tesche, David Jarolim; Christian Groß, Paolo Guerrero, Piotr Trochowski; Daniel Nagy. Guerrero und Aogo spielten bis zur 70. Minute, Tesche und Jarolim bis zur 80. Minute. Drobny, Benjamin und Trochowski spielten durch.

Die Tore erzielten:
0:1 Groß auf Zuspiel von Guerrero.
0:2 Guerrero nach Vorarbeit von Trochowski.
0:3 Nagy auf Zuspiel von Tesche.
1:3 Freistoß Stephan Rahn (Hamburgs Amateur-Fußballer des Jahres).
1:4 Rafael Kazior.
1:5 George Kelbel.

Beste Noten verdienten sich in diesem Spiel Jarolim und Guerrero, dazu Kelbel aus der Regionalliga-Mannschaft.

Victoria-Coach Bert Ehm am Vorabend zu Hamburgs Trainer des Jahres gewählt, befand nach dem Spiel: „Alles war gut, ich bin zufrieden mit dem Spiel, mit dem Auftreten meiner Jungs und mit der Mannschaft, mit der der HSV hier antrat. Vorher hieß es ja in den Zeitungen, dass kaum ein Profi mitspielen würde, das hat uns einige Zuschauer gekostet – leider.“ Ehm weiter: „Das Spiel war sehr fair, und Armin Veh sowie sein Assistent Michael Oenning waren sehr nett zu uns, da gab es keinerlei Star-Gehabe, auch das war sehr erfreulich.“

Die 90 Minuten wurden von hamburgs Schiedsrichter des Jahres, Patrick Ittrich, sehr gut geleitet.

PS: Dank an “Benno Hafas” für die großartige Unterstützung.

21.34 Uhr