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Werder heizt die Derby-Woche an!

24. Februar 2014

Derby-Woche im Norden! Das ewige Duell mit dem SV Werder steht vor der Tür. Es ist das 100. in der Bundesliga, und noch immer ist es möglich, dass es zunächst das letzte bleiben wird. Beide Teams stehen in der Nähe der Abstiegsränge – und ich lese die Tabelle so: gewinnt der HSV am Sonnabend im ausverkauften Weserstadion, steht er vor Werder. Ganz einfach!

In Bremen reden sie sich langsam schon heiß auf dieses Spiel. Trainer Robin Dutt sagte: „Ich bin froh, dass ich beim richtigen Nord-Verein angestellt bin.“ Cedrick Makiadi ergänzte: „Der HSV kommt mit breiter Brust, aber wir wollen die drei Punkte.“ In ganz Bremen werden derzeit Plakate geklebt: „1. März – 100. Derby – Scheiß-HSV!“ Klare Ansage aus Bremen, alles andere hätte überrascht.


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Beim HSV war heute mal wieder ein Montag in relativer Entspannung. Das gab es dieses Jahr noch gar nicht. Einige Profis haben sich trotz des trainingsfreien Tages am Stadion eingefunden, um in den Kraftraum zu gehen oder sich behandeln zu lassen. Rafael van der Vaart, Jaroslav Drobny, Zhi Gin Lam und Ivo Ilicevic nutzten das Angebot des Vereins. Gut für den HSV: Dennis Diekmeier ist nach überstandener Magen-Darm-Grippe heute schon wieder gelaufen. Er sollte in Bremen zur Verfügung stehen.

Ob er von Trainer Mirko Slomka auch eine Chance erhält, steht dann auf einem anderen Blatt. Natürlich ist er der gelernte Rechts-Verteidiger im Gegensatz zu Heiko Westermann, aber nach dem gelungenen Auftritt der gesamten Mannschaft ist es nicht ausgeschlossen, dass Coach Slomka keine Änderung vornehmen wird. So gut kennen wir den Mirko in Hamburg ja noch nicht, deswegen müssen wir uns überraschen lassen, wie er in Aufstellungsfragen denkt.

Das betrifft auch die Position des Spielgestalters. Lothar Matthäus hat ja kein gutes Haar gelassen an Rafael van der Vaart und ihn als „Zumutung“ für den HSV bezeichnet. Die Wortwahl ist sehr hart, wobei sich van der Vaart in seiner exponierten Rolle derartige Kritik gefallen lassen muss. Was ihn betrifft bleibt es aber bei der bekannten Beurteilung: Rafael van der Vaart ist kein Leader, der durch seine Persönlichkeit einer wankenden Mannschaft Halt verleiht. Das war er nie, wird er nie sein. Er blüht mit dem Team auf bzw. kann durch Einzelaktionen begeistern. Sieben Tore und sechs Assists in dieser Saison – ist diese Bilanz auch eine Zumutung? Mirko Slomka wird van der Vaart sicher bringen, sofern der Niederländer fit ist. Und dann gilt es für den „kleinen Engel“ wieder einmal, Kritikern entgegenzutreten – vielleicht schon in Bremen.

Nach einigen Wochen relativer Ruhe hat sich heute wieder Otto Rieckhoff zu Wort gemeldet mit seiner Initiative HSV-PLUS. Die entsprechende Veröffentlichung könnt Ihr unter www.hsv-plus.de nachlesen.

Aufhänger waren zum einen die sportliche Situation und der Hoffnungsschimmer, der durch das 3:0 gegen Borussia Dortmund entstanden ist. Zum anderen ist ja nun festgelegt worden, dass die entscheidende Vereins-Versammlung, auf der über HSV-PLUS abgestimmt wird, am 25. Mai abgehalten wird. Ausgerechnet am Jahrestag des Triumphs von Athen 1983.

„Wir werden auf jeden Fall am 26. Mai handlungsfähig sein“, verspricht Otto Rieckhoff für den Fall, dass sein Modell die nötigen 75 Prozent der Stimmen erhält. Das heißt: Schon am Tag der Versammlung soll – wenn HSV-PLUS beschlossen ist – ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden. Im Hintergrund arbeitet Otto Rieckhoff mit seinem Team an der Umsetzung und auch an der personellen Planung, zu der er allerdings noch keine konkreten Angaben machen möchte.

Wie genau das Procedere eines kompletten Vereins-Umbaus hin zur Schaffung einer Fußball-AG funktionieren wird, ist ein Thema der Vorbereitung in den nächsten Monaten. „Uns schwebt auch eine Übergangsregelung in einigen Bereichen vor, die bis zu sechs Monate dauern soll“, erklärt Rieckhoff.

Beschlossen ist, dass die Versammlung am 25. Mai eine ordentliche und keine außerordentliche sein wird. Das hat unter anderem den Vorteil, dass im Juni oder Juli nicht noch einmal eine derart große Veranstaltung abgehalten werden müsste. Etwas voreilig scheint allenfalls die Ankündigung von HSV-PLUS zu sein, dass der Ausgliederungsantrag nach Vorabsprache mit dem Vorstand schon fix als Tagesordnungspunkt eins abgehandelt werden muss. Erst im April wird die endgültige Tagesordnung stehen, und die Mitgliedschaft hat auf der Versammlung selbst – wie immer – das Recht, einzelne Punkte nach vorn oder nach hinten zu schieben. Wie auch immer: Im Laufe des 25. Mai werden wir alle Klarheit erhalten, wohin der Weg des HSV strukturell führt, erste personelle Entscheidungen werden auf den Weg gebracht (auch wenn HSV-PLUS scheitert, denn dann muss ja der „alte“ Aufsichtsrat neu gewählt werden).

Idealerweise steht an diesem Tag oder kurz danach der neue Vorstand der HSV Fußball AG, damit die Aufgaben der Zukunft ohne Verzögerung angegangen werden können. „Stallgeruch“ ist hier das Zauberwort. Die Namen Thomas von Heesen und Holger Hieronymus in einer Funktion beim HSV zu nennen, geht sicher über reine Spekulation hinaus.

Aber das ist ja auch genau das, was die überwiegende Zahl der HSVer will. Vereins-Verbundenheit, die über jeden Zweifel erhaben ist, kombiniert mit Kompetenz im Fußball-Geschäft. Die jeweilige Vita der genannten Herren ist bekannt. Ich weiß, dass es viele Skeptiker gibt, die die schwächeren Seiten dieser Lebensläufe betont. Hieronymus schon einmal gescheitert als Manager des HSV, zum Beispiel. von Heesen ohne große Erfolge in seiner gesamten Karriere nach dem aktieven Profi-Fußball. Mag sein, aber im Team gemeinsam für den Erfolg des HSV – das ist ein anderer Ansatz dieser HSV-Größen. Denn ds sind sie unbestritten.

Insbesondere auf wirtschaftlicher Ebene gibt es ja erhebliche Schwierigkeiten, die bedacht werden müssen. Bis zum 15. März muss der Verein seine Lizenzanträge für die erste und für die zweite Bundesliga bei der DFL einreichen. Erhebliche Mehrarbeit ist somit garantiert. Das betrifft vor allem den Fall, dass der HSV tatsächlich absteigt. Durch den Erfolg gegen Borussia Dortmund ist der Kreis derer, die dieses Schreckenszenario befürchten, sicher etwas kleiner geworden. Aber an der Verpflichtung, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ändert das für die Vereinsführung nichts.

„Wir müssen hart arbeiten für unsere Sponsoren“, sagt Marketing-Vorstand Joachim Hilke. Wer sich in etwa vorstellen möchte, wie die Einnahme-Situation im Unterhaus aussehen würde, für den haben die Vermarkter beim HSV eine Faustregel. Etwa 40 Prozent Mindereinnahmen hätte der Verein in der zweiten Liga. Diese Zahl kann variieren, je nach Reaktion der Sponsoren, VIP- und Logenkunden des HSV. Es gibt Verträge, die eine Staffelzahlung je nach Ligen-Zugehörigkeit vorsehen, andere Vereinbarungen sind nur für die erste Bundesliga getroffen worden.

Der Trainerwechsel und seine Kosten sowie die schlechte sportliche Situation trüben die Bilanz überdies. In diesem Zusammenhang ist die Vertragsgestaltung für Bert van Marwijk aus meiner Sicht unverantwortlich. Sie ermöglicht dem Niederländer, für fünf Monate Arbeit vier Millionen Euro zu kassieren. Das geht gar nicht – aber weil sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat dieses Paket abgesegnet haben dürften, müssen die Mitglieder am 25. Mai als oberste Instanz hier insistieren.

Schlecht sieht es auch bei den Zahlen aus dem aktuellen Fernsehtopf aus. In der vergangenen Saison hat der HSV laut vorliegender Bilanz 24,7 Millionen Euro eingenommen für die „Verwertung medialer Rechte“. Der überwiegende Teil daraus bezieht sich auf die Fernsehgelder. Vor dieser Saison hatte der Verein mit 28,7 Millionen Euro Einnahme geplant – das entspricht Platz sechs in der Fernsehtabelle. Zwischenzeitlich wurde diese Annahme auf Rang zehn reduziert – sollte der HSV allerdings dort bleiben, wo er heute ist, stünde er in der Fünfjahresrangliste TV-Gelder nur an zwölfter Stelle. Einnahme: lediglich 22,4 Millionen Euro. Mit anderen Worten: gegenüber der ursprünglichen Planung ergäbe sich eine Mindereinnahme von sechs Millionen Euro. Das ist ärgerlich, denn in seiner Saison-Prognose hatte der HSV noch geschrieben: „Es wird von einer positiven Umsatzentwicklung ausgegangen, die unter anderem auch von höheren Erlösen aus der Verwertung medialer Rechte in der neuen Rechteperiode beeinflusst wird.“ So wird es nun wohl nicht kommen, wobei theoretisch auch noch eine positive Entwicklung möglich ist. So könnte der HSV in der TV-Fünfjahreswertung die davor platzierten Freiburg, Stuttgart und Nürnberg noch schlucken. Drei zusätzliche Millionen würde dies bringen. Die Webseite www.fernsehgelder.de gibt eine gute Übersicht der gesamten Staffelung.

Weil von den Spielern, die abgegeben werden sollten, nur ganz wenige wirklich gingen, ist auch das Gehaltsniveau nicht so stark reduziert worden wie gewünscht – abgesehen von fehlenden Ablösesummen. Immerhin: Aogo, Rudnevs, Skjelbred und Kacar stehen nicht mehr auf der Gehaltsliste des HSV. Die Ablöse für Aogo fällt rechnerisch allerdings erst ins kommende Jahr. Und die leicht rückläufigen Zuschauerzahlen in der Bundesliga stehen der hohen Einnahme für den DFB-Pokal gegen Bayern München entgegen.

Unterm Strich wird es ziemlich sicher ziemlich eng mit der Schwarzen Null – vorsichtig ausgedrückt. Und natürlich verengt das auch jetzt schon den Spielraum für die kommende Saison. Doch weiter voraus schauen will ich jetzt nicht. Es gibt zu viele Unbekannte in der Rechnung. Kühne ja oder nein, HSV-PLUS und so weiter.

Kleiner Hinweis am Ende für Schuh-Fetischisten: der Fußball-Schlappen von Hakan Calhanoglu wird auf www.stylekicker.de verlost. Kleiner Schönheitsfehler: es handelt sich nicht um das Schuhwerk, dass Hakan beim Sensations-Tor gegen Dortmund getragen hat, sondern beim 0:5 im Pokal gegen die Bayern…. Aber auch das Spiel hatte ja irgendwie Kult-Charakter.

Zu schlechter letzt die Hohlheit des Wochenendes (sid):

Während der Schweigeminute für den verstorbenen Kult-Masseur Hermann Rieger vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV vor der Partie gegen Borussia Dortmund (3:0) ist es am Samstag offenbar zu einem Zwischenfall gekommen. In der stillen Andacht habe ein Mann aus dem Fanblock des BVB «Sieg Heil» gerufen. Das berichtete Spiegel online. Der Mann wurde daraufhin von Ordnungskräften des Stadions verwiesen. Bei der Aufnahme seiner Personalien soll der Mann den Vorfall bedauert und von einer Dummheit gesprochen haben. Es wurde Strafanzeige erstattet. Der mutmaßliche Täter war offenbar alkoholisiert. Dem Mann droht neben dem juristischen Ärger zudem ein bundesweites Stadionverbot.

Morgen ist wieder eine Doppel-Trainingseinheit angesetzt. Mirko Slomka macht keine Pause – um 10 und um 15 Uhr geht es rund am Stadion.

Und noch zwei TV-Hinweise für den Abend: gleich sitzt Jürgen Hunke auf dem roten Sofa bei DAS! Im NDR-Fernsehen, und Jens Meier, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, schließt seine Medien-Tage mit einem Besuch bei „rasant“ auf Hamburg 1 ab.

Bis nächstes Mal
Lars

Kurze Ergänzung, ich hoffe Lars verzeiht es mir (DM):

>
> Lieber Dieter, lieber Scholle!
>
> Ich bin ein junger Leser (15) eures Blogs und verfolge ihn regelmäßig. Eure Beiträge sind (meistens) echt erste Sahne und sprechen vielen HSV-Fans aus dem Gewissen!
>
> Ich habe hier ein Gedicht für euch, welches herrlich zu dem HSV generell und speziell zum Spiel HSV gegen Dortmund passt. Es ist von einem Freund von mir und wir sind beide HSV-Fans fürs ein Leben lang!
>
> Hier das Gedicht:
> _______________________________
>
> “Und wieder ist es nun soweit
> Die Hamburgflagge steht bereit
> Samstagmittag, Bundesliga
> Bin schon jetzt im Fussballfieber.
>
> Heut zu Gast der BVB
> Ich weiß schon jetzt gleich tut es weh
> Denn Hamburg spielt seit langen Zeiten
> Unter seinen Möglichkeiten.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt für den HSV
> Auch wenn wir noch so grottig spielen
> Werd’ ich niemals anders fühlen.
>
> Doch die Hoffnung stirbt zuletzt
> Denn es zählt das hier und jetzt
> Nach den ersten zehn Minuten:
> Mein Herz beginnt schon jetzt zu bluten
>
> Dortmund ist uns überlegen
> Kann mich vor Spannung nicht bewegen
> Doch zur Pause steht’s zum Glück
> 1:0 für uns, verrückt.
>
> Der Trainerwechsel scheint’s zu bringen
> Doch ich muss nun um Fassung ringen
> 2:0 Tor durch Lasogga
> Das ist unser Dortmundschocker.
>
> Calhanoglu kurz vor Schluss
> Mit einem megageilen Schuss
> 3:0 durch Freistoßtor
> Wir rücken auf Platz 16 vor.
>
> Nach diesem hochverdienten Sieg
> Träum’ ich von der Champions League
> Der Abstieg ist kein Thema mehr
> Ich bin heut glücklich und zwar sehr.
>
> Mein Herz schlägt schwarz, weiß und blau
> Mein Herz schlägt NUR FÜR DEN HSV.
>
> Gez. Tilo Moos (Künstlername)

Vielen Dank, Thilo, man kaann erkennen, dass Ihr sehr große HSV-Fans seid.

Und kurz noch in eigener Sache:

Sehr geehrter Herr Ditschi Ripp,

Sie haben natürlich Recht, ich durfte mich nicht bei den vielen Fans, die um Hermann Rieger so beeindruckend getrauert haben, bedanken, das ist natürlich einzig der Familie von Hermann Rieger vorbehalten, es tut mir leid, dass ich hier vorgeprescht bin, das war wirklich eine große und unpassende Anmaßung – ich nehme hiermit alles zurück.

Tah wird geschont – nur nicht von Beister

19. Februar 2013

Natürlich ist er gut drauf. Warum auch nicht. Immerhin steht Thorsten Fink mit dem HSV aktuell besser da, als es vor (und vor allem zu) Saisonbeginn erwartet wurde. Da fällt das Flachsen schon mal etwas leichter. Wobei, und das ist dann eigentlich viel auffälliger – der Trainer ist um Contenance bemüht. Jedem kleinen Flachs folgen zwei, drei Warnungen vor verfrühter Euphorie. Insbesondere im Bezug auf den bevorstehenden Auswärtsgegner Hannover 96 ist Fink um Zurückhaltung bemüht. „Hannover ist sehr variabel – gerade offensiv sind sie sehr stark.“ Abdellaoue, Diouf, Ya Konan, Sobiech und Schlaudraff bringen es zusammen auf 22 Buden – mehr als 50 Prozent aller Hannoveraner Bundesligatreffer. „Allerdings haben sie auch schon 41 Gegentreffer“, weiß Fink um eine schwäche der Niedersachsen, „und da gilt es für uns anzusetzen.“ Und das in fast identischer Besetzung. Einzig Rene Adler wird Jaroslav Drobny ersetzen, „ansonsten gibt es für mich nach Siegen in Dortmund und gegen Mönchengladbach nichts zu verändern“, sagt Fink.

Zumal er selbst über den formstarken 19-Tore-Angriff Son/Rudnevs verfügt. Und beide Angreifer wirbelten auch heute im Training munter weiter, trafen nach Belieben. Zwar in gegenüberstehenden Mannschaften – aber mehrfach. Rudnevs vergab zwar auch zwei so genannte „Hundertprozentige“, allerdings wusste der Lette zu gefallen. Immer wieder ließ der Rechtsfuß den Ball im Mittelfeld angespielt schnell prallen und startete in die Tiefe. Ein probates Mittel im Training, das hoffentlich in Hannover zur Waffe wird.

Klar ist, dass sich der große HSV beim kleinen HSV auf schnelle Konter aber eben auch eine behäbig wirkende Abwehr gefasst machen muss. „Wir wollen in Hannover, wie zuletzt gegen alle Gegner, unser Spiel machen. Ganz klar“, sagt Fink und wirkt überzeigt. Ähnlich überzeugt, wie die Mannschaft im Moment von sich ist und von sich auch sein kann. „Wir fahren mit großem Selbstvertrauen nach Hannover. Die 96er wittern zwar die große Chance, noch mal an uns ranzukommen – aber sie haben mehr zu verlieren als zu gewinnen, während wir eben die Chance haben, sie auf längere Sicht auf Distanz zu halten“, sagt Fink.

Vier Punkte Vorsprung sind es momentan – sieben sollen es werden. Dafür reist Fink auch am Donnerstag nach Hannover, schaut sich dort das Rückspiel der Niedersachsen gegen Anschi Machatschkala. 96 muss dabei ein 1:3 aus dem Hinspiel aufholen. Ob Fink auf einen schweren Gang mit Verlängerung hofft? „Ich hoffe, dass Hannover gewinnt. Zumal es eh keinen Unterscheid macht. Mannschaften, die im internationalen Rhythmus spielen, rotieren zwangsläufig. Gladbach hat gleich fünf Wechsel vorgenommen und mit einem komplett frischen Mittelfeld gegen uns gespielt. Und Hannover hat eine gute zweite Reihe, die werden gegen uns frisch sein.“

Insgesamt scheint sich Fink derzeit tatsächlich wenig mit den Gegnern zu beschäftigen. „Noch mal: Wir machen unser Spiel. Die Gegner müssen unsere Ausstrahlung spüren. Sie müssen wie zuletzt spüren, dass wir nicht verzweifeln, auch wenn mal etwas nicht so gelingt. Ich sehe darin bei uns einen richtigen Reifeprozess. Früher sind wir nervös geworden, haben den Faden verloren. Heute wissen wir, dass ein einziger Schuss alles drehen kann. Und genau das hat meine Mannschaft gut gemacht.“

Stimmt. Ein wichtiger Baustein dabei war und ist Per Skjelbred, der heute nicht mittrainieren konnte, weil er zur Berufungsverhandlung von Dortmunds Robert Lewandowski zum DFB nach Frankfurt reisen musste. Warum er seine Aussage persönlich vor Ort machen musste anstatt sie schriftlich einzureichen – es wird das Geheimnis des eh extrem bürokratischen und in seinen Abläufen oft antik wirkenden DFB bleiben. So musste der gefoulte selbst noch ein Handicap in kauf nehmen, auch wenn Fink es nicht so dramatisch formulieren wollte. „Per ist am Mittwoch wieder dabei und wird spielen“, sagt Fink. Vorausgesetzt, der Norweger verletzt sich nicht – was insgesamt seltener vorkommt als noch in der vergangenen Saison. Woran das liegt, werden jetzt einige fragen – und ich werde keine Antwort nennen können. Es ist reine Spekulation. Aber ich kann sagen, dass es mich nach zuletzt vielen Jahren mit oft kritischen Personalsituationen freut. Ebenso wie Fink. „Bis jetzt hatten wir personell noch keine Not. Und ich hoffe, es bleibt so“, sagt Fink und ich klopfe dreimal auf Holz, „aber selbst wenn sich einer verletzt, haben wir sehr gute Leute in der Hinterhand.“

Nicht dazu zu zählen ist Jonathan Tah, der am Dienstag seine erste Einheit bei den Profis absolviert und ab kommender Saison zu den Profis stoßen soll. Dem 192 Zentimeter großen U-17-Nationalmannschaftskapitän hatte der DFB jüngst eine Sonderspielgenehmigung ausgeschlagen – und Fink ist nur bedingt traurig. „Den Jungen müssen und werden wir noch schützen“, so der HSV-Trainer, „da bricht etwas über ihn ein, womit er in dem Alter noch gar nicht umzugehen weiß.“ Interviews laufen über die Pressestelle, und auch sportlich wird Tah noch nicht überfordert. „Er macht nächstes Jahr in dem Umfang mit, der schulisch vertretbar ist. Jonathan macht schon einen extrem präsenten Eindruck, ist auch physisch schon sehr stark. Aber ob er was wird, werden wir eh erst in zwei, drei Jahren sehen können. Und das habe ich ihm auch so gesagt. So lange ich hier bin, wird er die Zeit bekommen, die er braucht.“

Und Tah wird noch Zeit brauchen. Natürlich. Und das wurde ihm auch gleich in Person von Maximilian Beister deutlich gemacht. Der HSV-Angreifer wirbelte insgesamt sehr ordentlich, traf dreimal. Und er ließ Tah mit seinen jungen 17 Jahren oft alt aussehen. „Ich war ein bisschen aufgeregt“, gestand Tah, der nach einer kurzen Auswechslung zum Ende der ersten Halbzeit des Testspiels in der zweiten Hälfte wieder kam und sich steigerte. Zur Freude der Zuschauer, unter die sich auch DFB-Sportdirektor Robin Dutt – er gastierte am Montag bei der Zweitligatrainertagung und nutzte seinen Hamburg-Abstecher zum kurzen Besuch – mischte. Aber auch Tah selbst wirkte anschließend nicht unzufrieden. „Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden. Einige kannten sogar schon meinen Namen. Darüber war ich sehr überrascht.“ Tah wird wiederkommen. Das ist klar – und das macht mir Freude. Immerhin wusste Tah optisch ebenso zu überzeugen, wie in den unbedrängten Situationen. Der junge Mann, der mich in seinen Bewegungen an Jerome Boateng erinnert, ist spielerisch gut. Passsicher ist der Ball auf jeden Fall sein Freund. Und das konnten wir in den letzten Monaten und Jahren nicht von allen Innenverteidigern behaupten…

Womit ich nicht auf Slobodan Rajkovic anspielen will. Der Serbe pausierte am Dienstag, laboriert an einer leichten Knieprellung und absolvierte eine individuelle Einheit im Kraftraum. Rajkovic, der trotz der extremen Drucksituation im Spiel gegen Gladbach insgesamt ein starkes Spiel ablieferte, soll aber schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren. „Wenn alles glatt läuft und sich keiner verletzt, gehen wir genau so wie gegen Gladbach auch in Hannover an den Start“, sagte Fink – die Ausnahme Adler/Drobny ergänzend.

Stattdessen trainierte am Dienstag der 19-jährige Münchner Niklas Kreuzer mit. Der rechte Verteidiger vom FC Basel II soll noch einige Tage getestet werden. Am Mittwoch noch mal bei den Profis, anschließend in der U23 bei Rodolfo Cardoso, Soner Uysal und Richard Golz. Interessant: Niklas Kreuzer ist der Sohn von Oliver Kreuzer, der vor einigen Jahren als Kandidat für die Nachfolge Dietmar Beiersdorfers galt und unter etwas seltsamen Bedingungen sein Vorstellungsgespräch beim Aufsichtsrat kurzfristig absagte.

Aber egal, das ist Vergangenheit. Aktuell passt vieles gut zusammen und so soll es auch bleiben. Zumindest sportlich. Denn nach Hannover kommt Fürth, ehe es nach Stuttgart geht und daraufhin Augsburg in der Imtech-Arena zu Gast ist. Spiele, die es zu gewinnen gilt. Natürlich erst nach dem in Hannover. „Und nur darauf schauen wir jetzt“, verspricht Kapitän Heiko Westermann. Gut so.

Bis morgen,
Scholle

Morgen wird um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Veh gibt zum Saisonende auf – AKTUALISIERT!

8. März 2011

++++++++++++++AKTUALISIERUNG unter dem Video+++++++++++++++






Ich bin Hamburger. Und ich bin dem HSV seit meiner frühesten Kindheit verbunden. Meine HSV-Historie hatte ich Euch ja bereits erzählt. Und als ich im Jahr 2000 nach einem Praktikum beim Hamburger Abendblatt eine Festanstellung als HSV-Reporter angeboten bekam, war mein Glück vollkommen. Das dachte ich zumindest. Denn je mehr Einblick ich in die internen Abläufe bekam, desto weniger romantisch wurde mein Verhältnis zum Klub. Zumindest, was die Spieler und die Offiziellen betraf. Denn in den persönlichen Gesprächen fand ich nur zu schnell heraus, wie wenig Leidenschaft und wie viel monetäre Dinge sie mit dem Klub verbunden hatte. Eine Beschreibung, die nicht auf jeden zutraf und zutrifft, aber ganz sicher auf einen Großteil. Dennoch hatte ich bei aller Desillusionierung nicht gedacht, in welche Sphären sich meine Abneigung noch steigern könnte.

Den vorläufigen Höhepunkt haben wir aktuell erreicht. Leider.

Und damit meine ich nicht die Tatsache, dass Armin Veh seinen Vertrag nicht verlängert. Auch nicht die Tatsache, dass Bernd Hoffmanns Vertrag nicht über den 31. Dezember 2011 hinaus verlängert wurde. Das alles sind vereinspolitische Entscheidungen, die diskutabel sind, die aber vorkommen. Immer wieder. Auch bei anderen Klubs. Allerdings stellt sich mir mehr denn je die Frage, weshalb ein Verein wie der HSV, der sich auf dem Weg in die Europäische Elite wähnte, so gar keine Antworten parat hat. Schlimmer noch, die letzten Entscheidungsträger im Klub sind gar die, die statt Antworten zu liefern immer nur neue Fragen aufwerfen: Der Aufsichtsrat. Und ganz ehrlich, dabei wirken sie so hilflos, dass sich jeder Fan Gedanken machen muss.

Trainer Armin Veh nannte es heute bei seiner Rücktrittsrede (ich nenne das so, weil ich glaube, dass Veh am Seitenrand schon bald ersetzt wird) eine „große Gefahr, in der sich der tolle Klub befindet“. Und dem ist so. Wenn das aktuelle Führungschaos nicht in den nächsten Tagen schon behoben wird, droht dem HSV Schlimmes. Und damit meine ich nicht nur das aktuelle Verpassen des internationalen Wettbewerbes…

Der HSV ist führungslos. Und die, die führen, führen den HSV orientierungslos. Heute morgen war es der Ratsvorsitzende Ernst Otto Rieckhoff, der diesen Eindruck bei einer internen Ansprache vor den Mitarbeitern ungewollt unterstrich. Nachdem Katja Kraus und vor allem Bernd Hoffmann in sehr emotionalen Ausführungen den Mitarbeitern ihren Dank ausgesprochen hatten und dafür Applaus erhielten, schnappte sich Rieckhoff das Mikrofon. Er erklärte das Verhalten des Aufsichtsrates allerdings nicht wirklich, sondern klagte sein eigenes Gremium erneut an. Auf die Frage, weshalb das Kontrollgremium sich gegen Bernd Hoffmann und Katja Kraus entschieden hatte, ohne sich vorher das aktuelle Konzept erläutern zu lassen, antwortete Rieckhoff, das sei leider so. Ein Teil des Gremiums habe den Wechsel „unbedingt gewollt, unabhängig von einer inhaltlich sachlichen Auseinandersetzung. Leider“. Worte, die seine Gremiumskollegen nicht erfreuen werden – im Gegenteil. Ich glaube, Ernst Otto Rieckhoff hat sich, zumal in seiner Rolle als Ratsvorsitzender, weder bei den Geschäftsstellenmitarbeitern noch bei Aufsichtsratskollegen einen Gefallen getan.

Am schlimmsten aber finde ich, dass es bei dem eh schon vorherrschenden Chaos der letzte (Scheel und Reinhardt lasse ich raus) Entscheidungsträger nicht hinbekommt, eine klare Aussage zu treffen. Nicht einmal zur Personalie Bernd Hoffmann, die Rieckhoff gestern noch mit „wer weiß schon, was in den nächsten sechs Monaten alles passiert?“ offengelassen hatte. Heute legte er noch mal nach. In der Hoffnung, die Pro-Hoffmann-Mitarbeiter etwas beruhigen zu können, verunsicherte er sie nur noch mehr. Bei dem aktuellen Wesen seines Gremiums sei sicher nicht ausgeschlossen, dass auch noch mal mit Kraus und Hoffmann verhandelt würde.

Nun denn. Weniger Klarheit kann man nicht schaffen.

Das aktuelle Trauerspiel findet seine Fortsetzung auch im sportlichen Bereich. Armin Veh trat zurück (s. dazu das komplette Statement im Video), weil er sich mit der katastrophalen Vereinspolitik nicht mehr identifizieren kann und will. „Dieser Verein ist führungslos“, klagt er, „was hier passiert, habe ich noch nie erlebt. Das ist extrem gefährlich für den ganzen Klub. Wer jetzt glaubt, hier sei alles in Ordnung, der verkennt die Tatsachen.“ Sein Rücktritt zum Saisonende ist als direkte Reaktion auf die Demission Hoffmanns zu verstehen. Selbst das noch ausstehende Gespräch mit dem neuen Sportchef Frank Arnesen könne ihn jetzt nicht mehr umstimmen, sagt Veh. „Ich wollte das Gespräch abwarten, um mir anzuhören, was hier passieren soll. Aber jetzt weiß ich nicht mal mehr, mit wem ich zusammenarbeiten würde. Das Telefonat mit Arnesen wurde durch die jüngsten Ereignisse leider schnell eingeholt.“

Eigentlich wollte Veh erst in zwei Wochen etwas verkünden – der Aufsichtsrat hat seine Entscheidung allerdings forciert. Und was er von dem Gremium hält, zeigt schon sein Verweis auf eine Aussage von Willi Schulz, der den Aufsichtsrat als Gefahr für den Verein hinstellte und erklärte, es müsse wahrscheinlich erst einmal richtig was passieren, bis alle wach werden. „Dem kann ich nur zustimmen“, so Veh, „auch wenn ich mich eigentlich in die Vereinspolitik nicht einmischen darf – in dem Fall muss ich mal anecken, damit endlich mal was passiert.“

Was genau passieren muss, sagte Veh nicht. Musste er auch nicht. Alle hatten verstanden.

Auch die Mannschaft sei betroffen, so Veh. „Wir alle wollen in den internationalen Wettbewerb. Aber wie kommen wir dahin“, fragt Veh rhetorisch, „dazu gehört doch letztlich immer alles. Auch das Drumherum. Wir brauchen hier doch eine klare Ordnung. In der Mannschaft. Und im Klub. Aber was davon haben wir jetzt?“

Nichts. Nicht einmal den sportlichen Erfolg.

Weniger noch, der Verein steht mal wieder vor einer inneren Zerreißprobe. Einer hausgemachten natürlich. Via Internet werden Petitionen angestimmt, via SC-Forum (www.hsv-supporters.de) wurde ein Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingereicht. Selbst per Email an den Vorstand Oliver Scheel kamen zwei derartige Anträge. Allerdings eine von einem 16-Jährigen, der seit dem 1. März Vereinsmitglied ist. So wirkt sich die selbst herbeigeführte Führungslosigkeit im Klub aus. Plötzlich wollen alle etwas zu sagen haben. Vom kleinen Vereinsmitglied bis zum „großen Aufsichtsrat“. Aktionismus schlägt mal wieder Sachlichkeit. Ich glaube, so sieht Chaos aus.

Sportliches steht mal wieder im Hintergrund. Es tut mir leid, ich habe es bei den heutigen Entwicklungen tatsächlich nicht aus dem Presseraum geschafft. Ich hätte Euch gern mehr über Fußball geschrieben. Aber ich habe mir zumindest berichten lassen, dass Guy Demel und Joris Mathijsen heute nicht mittrainiert haben – trotzdem sollen beide am Wochenende in München einsetzbar sein. Selbst das Comeback von Dennis Diekmeier, der heute erstmals wieder auf dem Trainingsplatz stand und mit der Mannschaft mittrainierte, ging irgendwie unter. Stattdessen stellen sich jetzt alle, ihr wie wir, die Frage, ob Veh weiter Trainer bleibt oder abgelöst wird.

Kann ein Trainer, dessen Abschied feststeht, die Mannschaft noch erreichen?

Er kann. Das sieht zumindest ein Teil der Mannschaft so (und ich meine damit auch Spieler, die ob ihrer eigenen Situation sauer sein dürften…). Aber ich glaube es nicht. Von vielen Seiten ist zu hören, dass Michael Oenning schon bereitstehen soll, dass sich der Aufsichtsrat zumindest mit einer solchen Lösung vorsorglich beschäftigt hat. Veh war bei den Räten nicht mehr gut gelitten, seit er im Winter eine gewisse Amtsmüdigkeit suggeriert hatte. Dass Veh bis heute im Amt ist, ist allein dem überraschend guten Rückrundenstart geschuldet. Und das, obwohl Veh früh seinen Entschluss getroffen hatte, unter den gegebenen Voraussetzungen – das galt schon VOR der Entmachtung Hoffmanns – nicht weitermachen zu wollen. Einer der immer zahlreicher werdenden Gründe war auch das schlechte Verhältnis Veh/Aufsichtsrat. Der Trainer hatte nicht einmal heute den Aufsichtsrat vorher über seine Entscheidung informiert, bevor er sie uns mitteilte. „Ich habe vom Aufsichtsrat auch nie etwas gehört. Zumindest nicht direkt.“

Stattdessen haben sich einige Aufsichtsräte in der Zwischenzeit auch anderweitig nach Trainerkandidaten umgesehen und umgehört. Zwar sagte Rieckhoff auch heute wieder, das sei nicht sein beritt sondern ganz klar die Aufgabe des Vorstandes. Allerdings dürfte auch ihm nicht entgangen sein, dass es einen entscheidungsfähigen Vorstand in der Form seit Sonntag nicht mehr gibt.

Ergo: Der Aufsichtsrat sucht. Wie schon damals beim Sportchef…

Aber lassen wir das. Selbst Felix Magath ist bereits kontaktiert worden. Wobei ich weiß, dass der aktuelle Schalke-Trainer grundsätzlich großes Interesse an einer Rückkehr nach Hamburg gehabt hatte, als er vor der Inthronisierung von Huub Stevens zum Gespräch nach Hamburg bestellt worden war – und den ganzen Tag über sitzen gelassen wurde, bis er drohte abzureisen. Anschließend soll der verärgerte Magath eine Rückkehr nach Hamburg ausgeschlossen haben, solange Bernd Hoffmann in Hamburg im Amt ist.

Allerdings, das an dieser Stelle auch mal zur Ehrrettung der Kontrolleure in diesem Zusammenhang, sie haben vorgeplant. Frank Arnesen ist bereits seit der Vertragsunterschrift damit beauftragt, den Trainerposten jetzt und für die Zukunft zu besetzen. Kandidaten hierfür sind in Stale Solbakken, Ralf Rangick, Michael Laudrup und Robin Dutt bereits gefunden. Auch Mainz-Trainer Thomas Tuchel soll inzwischen auf dem Wunschzettel stehen. Aber wie ich schon vergangene Woche angekündigt hatte, werden hier noch etliche Namen genannt – und am Ende wird es doch nur einer. Veh soll in diesen Planungen allerdings von vornherein keine Rolle gespielt haben.

Eine große Rolle spielt indes weiterhin Björn Gulden als Nachfolger von Bernd Hoffmann als Vorstandsvorsitzender des HSV. Und das obwohl uns heute folgende email seines Arbeitgebers „Deichmann“ erreichte:

„Ich beziehe mich auf die Berichterstattung im Hamburger Abendblatt zum Thema HSV. Darin wird seit Samstag über einen möglichen Wechsel von Herrn Gulden aus unserem Hause zum HSV spekuliert.
Ich weise Sie darauf hin, dass an diesem Thema nichts dran ist. Für Herrn Gulden steht ein Wechsel zum HSV nicht zur Debatte. Ich bitte Sie, das bei der weiteren Berichterstattung zu berücksichtigen.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen/With kind regards

Ulrich Effing
Leiter Unternehmenskommunikation/Head of Corporate Communications“

Ein Dementi, dessen Halbwertszeit direkt von den Verhandlungen abhängt, die der Aufsichtsrat mit dem Norweger aufgenommen hat. Denn auch wenn Rieckhoff heute wieder einen Hoffnungsschimmer für alle Hoffmann-Freunde in den mit 120 Mitarbeitern gut gefüllten Presseraum der Imtech-Arena warf, soll der Ex-Profi des 1. FC Nürnberg weiter ein ganz heißer Kandidat sein, Hoffmann schon vor dem Vertragsende im Dezember abzulösen.

Womit Gulden zumindest ein kleines, vielleicht ja neben Arnesen DAS kleine Lichtlein am Ende des offenbar immer länger werdenden dunklen Tunnels ist.

In diesem Sinne,
auf deutlich mehr erhellende Momente,

Euer Scholle

19.45 Uhr

P.S.: ETWAS Fußball gibt es dann doch noch: Training ist morgen um 10 Uhr an der Imtech-Arena.

Rieckhoffs gewagte These: “Der Druck ist weg”

7. März 2011

Wären doch alle wie die Spieler. Das meine ich tatsächlich, auch wenn es sich nach dem erneuten Rückschlag beim 2:4 gegen Mainz ironisch anhören mag. Denn die haben keinen Hehl daraus gemacht, dass sie mit ihrer Leistung gegen den selbst ernannten „Karnevalsverein“ nicht zufrieden sind. Trainer Armin Veh lobte den Gegner sogar erfrischend ehrlich als „klar besser“ und nahm seine eigene Mannschaft betreffend kein Blatt vor den Mund. Warum ich das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, erwähne? Ganz einfach: in anderen Gremien werden Fehler weniger zugegeben, dafür aber in aller Regelmäßigkeit wieder und wieder gemacht. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich der HSV nach Sportchefsuche auch bei seinem Ersten Vorsitzenden in eine – vorsichtig formuliert – eingeschränkte Handlungsfähigkeit begibt?

Gestern stimmten die zwölf Aufsichtsräte nach langem Hickhack über die Zukunft von Klubboss Bernd Hoffmann und dessen rechte Hand Katja Kraus ab. Sieben Räte votierten pro, fünf contra Hoffmann/Kraus. In einer offenen Abstimmung zuhause bei Jürgen Hunke. Das ist bekannt. Wie es allerdings zu einem derartigen Stimmungswandel kommen konnte wusste niemand so recht. Hintergrund: eine Woche zuvor stimmten noch neun (!) Räte gegen Hoffmann/Kraus. Meine einzig logische Erklärung: Diesmal waren die notwendigen fünf Contra-Stimmen so schnell gefunden, dass sich der eine oder andere Hoffmann-Gegner nicht zusätzlich die Finger verbrennen wollte/musste und seinen Arm unten ließ.

Auch Chefkontrolleur Ernst Otto Rieckhoff wusste das veränderte und täuschende Stimmungsbild von 7:5 Stimmen pro Hoffmann nicht zu erklären. Oder besser gesagt, er wollte es wohl eher nicht. „Es ist nicht meine Aufgabe, eine Meinung zu haben, sondern die Meinungen im Aufsichtsrat zu einen.“

Aha.

Doch der Aufsichtsrat würde sich eh untreu, würde er nicht auch die neuerlich selbst geschaffene und unvorteilhafte Situation versuchen positiv darzustellen. „Wir wollten Klarheit. Jetzt haben wir sie“, erkennt Rieckhoff und verkennt: „Der Druck ist erst mal weg.“

Der Druck ist weg? Der HSV hat keinen Druck mehr? Gerade jetzt wo der HSV fünf Punkte Rückstand auf einen internationalen Wettbewerb hat? Jetzt, wo der HSV einen für den 1. Juli designierten, aber in London noch im Arbeitsverhältnis stehenden Sportchef, einen auf Raten ausscheidenden Trainer Armin Veh sowie einen frisch abgesägten Ersten Vorsitzenden hat? Jetzt, wo der HSV noch 20 offene Spielerverträge und den selbst angekündigt „großen Umbruch“ vor sich hat? Das verstehe wer will. Ich verstehe es nicht.

Passend hierzu auch die Erklärung, wie es denn jetzt auf der Trainerposition weiterginge. Rieckhoff: „Das ist Sache des Vorstandes.“ Klar. Das stimmt. So sieht es die interne Verantwortungsverteilung vor. Aber wer ist momentan eigentlich dieser „Vorstand“? Arnesen ist es offiziell noch nicht. Hoffmann und Kraus sind es dagegen nur noch offiziell. Gleiches gilt für Bastian Reinhardt, der gerade für Arnesen zum 1. Juli aus dem Vorstand komplimentiert wurde. De facto bleibt tatsächlich nur noch Oliver Scheel als unbeschadeter Vorstand übrig…

Nein, der werte Ernst Otto Rieckhoff versuchte die mit Sicherheit auch im Aufsichtsrat erkannt schwierige Situation nach außen hin schöner darzustellen, als sie ist. Das muss er als Vereinsrepräsentant auch, was bleibt ihm sonst übrig. Er versucht, etwas Ruhe in den intern mehr als aufgewühlten Klub zu bringen. Selbst wenn dafür einige Halbwahrheiten herhalten müssen. So sei bislang nicht über neue Kandidaten abgestimmt bzw. mit ihnen verhandelt worden. Dass sich der Aufsichtsrat zuvor mit Joachim Hilke getroffen und sich die Räte untereinander sogar ein Stimmungsbild eingeholt hatten, bleibt unerwähnt. Immerhin ist Hilke, der nicht mehrheitsfähig war, inzwischen abgehakt. Da wird schon mal verdrängt, frei nach dem Motto: aus den Augen – aus dem Sinn. Das allerdings darf nicht für Björn Gulden gelten. Der Norweger ist und bleibt ein heißer Kandidat auf die Hoffmann-Nachfolge. Und er bleibt vom Aufsichtsrat offiziell unbestätigt. Ebenso wurden Interimslösungen wie beispielsweise die mit dem ehemaligen Chefkontrolleur Udo Bandow als Obersten erfolglos angedacht.

Nein, optimale Lösungen gibt es derzeit auf keiner Entscheidungsebene des HSV.

Zwar gehen die Kontrolleure davon aus, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihre Verträge bis zum Jahresende erfüllen und ihre Aufgaben mit unverändertem Engagement ausfüllen. Immerhin „hochprofessionell“ seien beide mit der Entscheidung umgegangen. Und sie würden ebenso auch weiter arbeiten, prognostiziert Rieckhoff wider besseres Wissen. Dennoch, da lege ich mich fest und dafür habe ich auf menschlicher Ebene auch volles Verständnis, niemand kann ernsthaft von seinem Angestellten verlangen, dass dieser zu 100 Prozent loyal und mit unveränderter Passion für seinen Arbeitgeber weiterarbeitet, nachdem er gerade ein Misstrauensvotum gegen sich und zugleich seine Entlassungspapiere auf den Tisch gelegt bekommen hat. Auch nicht der HSV, der via Rieckhoff ein kleines Hintertürchen für Hoffmann und Kraus offen ließ. „Im Moment gehen wir davon aus, dass die Verträge zum Jahresende enden. Aber wer weiß, was in einem halben Jahr alles passiert.“

Das weiß tatsächlich niemand. Zumindest nicht bei diesem HSV.

Aber bei aller Kritik an den Aufsichtsräten, bzw. an deren Vorgehensweise, muss ich heute auch loben. So bezog Ernst Otto Rieckhoff heute klar Stellung, was den Aufsichtsrat als solchen betrifft. Und wie. „Ich kann nur sagen, dass mir nach den wiederholten Indiskretionen der Kragen geplatzt ist. Dieser Sonnabend hat meine Welt verändert. So geht man nicht mit Menschen um“, klagte Rieckhoff, „das belastete den gesamten Aufsichtsrat, sogar den gesamten Verein. Da wurde mit Indiskretionen regelrecht Politik gemacht. Und nachdem es derartige Indiskretionen gab, habe ich für Sonntag eine Aufsichtsratssitzung einberufen und den Antrag auf Abstimmung bezüglich eines Einjahresvertrages gestellt.“ Die Satzung sieht vor, dass nach Eingang eines solchen Antrages auch abgestimmt werden muss. Warum es über einen Ein- statt des normalen Dreijahresvertrages für Hoffmann ging? Rieckhoff: „Es war ein Kompromiss für mich.“ Mit dem bekannten Ergebnis.

Ein Ergebnis, das auf der Geschäftsstelle für Verunsicherung sorgt, sogar für eine gewisse Endzeitstimmung. Schließlich haben Hoffmann und Kraus etliche Leute neu eingestellt und niemand weiß, was die neue Führung auch an neuem Personal installieren wird. Noch heute vor seiner Abreise in den Skiurlaub mit der Familie will sich Bernd Hoffmann vor seine Angestellten stellen und die aktuelle Lage erläutern.

Die Trainerfrage wird darin nicht vorkommen. Zumal sie für alle Insider entschieden ist. Heute in 17 Tagen, so hatte es Trainer Armin Veh angekündigt, wird er selbst seine Entscheidung bekanntgeben. Bis dahin wartet der Coach noch ab, ob und in welcher Form sich Arnesen mit ihm unterhält. Allerdings rechnet tatsächlich nicht mal mehr Veh selbst damit, dass er bleibt.

Nur wer für ihn kommt ist – natürlich – offen. Zuletzt wurde der Däne Michael Laudrup gehandelt, ebenso Robin Dutt vom SC Freiburg und der aktuell vereinslose Ralf Rangnick. Weitere Namen werden folgen. Namen, über die der Vorstand zu entscheiden hat – ergo: Arnesen. Zumindest, wenn bis dahin kein neuer Erster Vorsitzender gefunden und mit der nötigen Zweidrittelmehrheit eingestellt wurde. Womit wir wieder beim Aufsichtsrat wären…

Ich hätte diesen Blog gern mit etwas sportlich Wertvollem beendet, kann Euch aber nach dem Regenerationstag mit Auslauftraining und einer kurzen Einheit für die Reservisten heute nur berichten, dass alle Spieler soweit gesund geblieben sind. Wobei, was heißt hier „nur“? Das ist doch auch schon was! Und dass wieder und trotz aller Umstände bis zu 7000 Fans mit zum Spiel in die Münchner Allianz-Arena reisen werden zeigt mir, dass es noch Dinge gibt, auf die man sich beim HSV verlassen kann. Vielleicht passen sich die Spieler wie Entscheidungsträger ja irgendwann dem Niveau ihrer Anhänger an…

In der (ist mir egal, ob es naiv ist oder nicht…) Hoffnung, dass in diesem Verein in hoffentlich naher Zukunft weniger persönliche Interessen und Differenzen denn das Gesamtwohl des Vereines im Vordergrund stehen und die fehlende Einheitlichkeit widergefunden wird, halte ich es mit den Worten Rieckhoffs. Der verurteilte die Unehrlichkeit und Indiskretion seiner Ratskollegen scharf und hofft auf einen Lerneffekt: „Ich kann nur an alle Räte appellieren: wer dem Verein schaden will, der macht es genau so…“

LG,
Scholle

19.45 Uhr

Trochowski hat gelernt

2. Dezember 2010

Sonnabend gegen den SC Freiburg. Einer dieser Überraschungs-Klubs der Saison. Der HSV wird höllisch aufpassen müssen, denn die Dutt-Truppe ist quirlig, schnell, ideenreich, hungrig, unberechenbar. Und hat mit Cisse einen überragenden Knipser in den eigenen Reihen. „Freiburg hat 21 Punkte, und eine solche Ausbeute bis zu diesem Zeitpunkt hat sicher kaum einer erwartet. Doch diese Saison ist ja ohnehin die Saison der Mannschaften, mit denen keiner gerechnet hat. Siehe auch Hannover“, sagt Armin Veh. Wobei der HSV-Coach auch vom Freiburger Trainer Robin Dutt eine hohe Meinung hat: „Ein guter Kollege, weil er auch einen Werdegang hat. Er hat nie in der Bundesliga gespielt, kam praktisch als Unbekannter, war kein großer Kicker, aber er hat schon bei den Stuttgarter Kickers seine Handschrift hinterlassen – und nun beim SC Freiburg. Er hat schon gezeigt, dass er etwas kann, er gehört auch zu jenen Trainern, die einen Plan haben. Das ist meine Meinung, ich bin aber nicht mit ihm befreundet.“

Dann darf man mal gespannt sein, wie sich das Verhältnis der beiden Herren am Sonnabend um cirka 17.20 Uhr so macht. Wobei ich jetzt schon sagen möchte: Armin Veh ist im Moment sehr gut drauf (siehe den vorherigen Bericht um 18.01 Uhr), und ich habe auch Robin Dutt schon einige Male getroffen – ein erstklassiger Fachmann, kein Lautsprecher, ein ruhiger Typ, immer souverän – insgesamt ein sehr netter Mensch.

Das trifft übrigens, um den Übergang zum HSV zu bekommen, auch auf Eljero Elia zu. Ist man mit ihm unter vier Augen, dann gibt er sich tatsächlich wie der nette Junge von nebenan, der kein Wässerlein trüben kann. Auch wenn genau das so mancher von Euch nicht so recht glauben wird. Ist aber so. Nun jedoch bin ich, das schrieb ich bereits, gespannt, wie der 23-jährige Niederländer seinen Hamburger Weg fortsetzen wird. Gestern hielt er sich meiner Meinung nach im Trainingsspiel etwas zurück, aber ich habe Armin Veh nach „seinem Sorgenkind“ gefragt, und der Trainer gab eher Lobendes in Richtung Elia von sich: „Er bessert sich. Und er verbessert sich. Ich habe ihn zuletzt ganz ordentlich gesehen, seine Kurve geht nach oben.“

Es wäre ja zu schön. Elia wird die Reise nach Freiburg sicher antreten, dennoch glaube ich, dass er erst über die Bank wieder in die Mannschaft kommen wird (kommen muss). Dieses Schicksal hat Piotr Trochowski in dieser Phase der Saison hinter sich. Der Billstedter hat einst sein erstes Bundesliga-Tor gegen den SC Freiburg erzielen können, hat seit dieser Zeit aber mit weiteren Treffern extrem gegeizt. Am Sonnabend absolviert er sein 185. Bundesliga-Spiel, er hat in diesen Partien nur 19 Tore erzielen können, viel, viel zu wenig – bei seinem Können, bei seiner Schusskraft. Wie wäre es, „Troche“, Freiburg wäre doch mal eine Gelegenheit, endlich eine Tor-Serie zu starten.

Die Form dazu wäre da. „Ich habe zuletzt immer gespielt, auch durchgespielt, deswegen habe ich den Rhythmus. Ich spüre auch das Vertrauen des Trainers“, sagt der deutsche Nationalspieler. Das sah am 25. September noch ganz anders aus. Die Bilder gingen durch die Republik: Weil Trochowski leichtfertig einen Ball vertändelt hatte, gab es für den HSV eine Niederlage bei Werder Bremen. Armin Veh sagte dem Mittefeldspieler noch auf dem Rasen, was er von diesem schweren Fehler hielt. Der Coach stauchte den kleinen Dribbler schwer zusammen.

Aber: Veh reichte dem „Unglücksraben“ auch am nächsten Tag schon wieder die Hand. Nachtragend ist Armin Veh nicht. „Es war ein dummer Fehler von mir, aber ich mache so etwas ja nicht mit Absicht. Das weiß der Trainer, und deswegen haben wir danach auch ganz normal weitergearbeitet. Er weiß genau, dass ich für die Mannschaft arbeite, dass ich alles dafür tue, damit wir Erfolg haben“, sagt Trochowski rückblickend.

Immerhin: Der Fauxpas von Bremen hat bei Piotr Trochowski für ein Umdenken gesorgt. Er gibt zu: „Nach der Weltmeisterschaft kam ich schwer wieder rein in den normalen Alltag, ich war verletzt. Dann gab es einige Situationen beim HSV, die unglücklich für mich liefen, nicht nur, aber auch die Situation in Bremen. Das war ein grober Schnitzer, daraus muss man lernen, und ich habe daraus gelernt. Ich habe mir meine Gedanken gemacht, ich vermeide jetzt das ganz große Risiko.“

Genau das habe ich nach den letzten Spielen schon beobachtet, er spielt seit Bremen solider. Und, das muss ich bei der Gelegenheit einmal anführen dürfen, es war heute tatsächlich das erste Gespräch, das ich mit Piotr Trochowski seit der WM im Sommer (wir sprachen vorher das letzte Mal – bis heute herrschte Pause) geführt habe. Wenn „Troche“ vom HSV zu einem Gespräch in den Presseraum gebracht wurde, dann war „lediglich“ mein (unser) Kollege Marcus „Scholle“ Scholz zugegen. Zufall, aber es war so.

Deswegen war ich schon erstaunt, wie sich Piotr Trochowski geändert hat. Glaubt es mir, er ist tatsächlich in sich gegangen. Kein großes Getöne mehr, keine Liebeserklärung mehr an andere Klubs im Ausland. Als ihn heute die DPA- Kollegin Britta Körber fragte, ob er denn nicht einmal für einen ausländischen Verein spielen wolle, hob er beschwörend beide Arme und sagte: „Keinen Kommentar. Daran verschwende ich keinerlei Gedanken. Ich denke nur an den HSV, dass wir möglichst schnell wieder bessere Spiele abliefern und Erfolg haben, an mehr denke ich nicht.“

Er hat (wohl) gelernt. Gleich mehrfach. Und wenn er sich darauf besinnt, was er alles kann, dann kann es nur weiter bergauf gehen mit ihm. Davon bin ich (natürlich, der Matz – werden jetzt wieder einige User sagen!) absolut überzeugt. Dennoch ist „Troche“ natürlich kein Leisetreter geworden. Er erklärt sachlich, warum es im Moment so gut für ihn läuft: „In der Vergangenheit war es doch so, dass man mal drin in der Mannschaft war, dann wieder draußen. Und jetzt, wenn man mal sieben oder acht Spiele durchspielt, dann hat man eben ein viel besseres Gefühl, kann die Situation vielleicht besser beurteilen, man macht sich selber nicht mehr so viel Druck.“

Zentral heißt dabei das Zauberwort. Zentral sieht ihn Armin Veh am stärksten, zentral hat Trochowski zuletzt auch meistens gespielt. „Dort kann man sich die Bälle holen, dort werden einem die Bälle zugespielt, dort kann ich das Spiel machen – das ist mein Spiel. Dort kommen meine Fähigkeiten eben besser zum Tragen, und das sieht der Trainer auch so“, sagt Trochowski. Gegen Freiburg könnte es aber sein, dass er wieder links draußen spielen muss. Egal? „Egal ist es mir nicht, aber wenn es nicht anders geht, dann muss es so gehen. Und mdann an muss sehen, was man aus dieser Rolle machen kann“, sagt er.

Es könnte aber natürlich auch so sein, dass Piotr Trochowski auch in Freiburg wieder in die zentrale Rolle schlupfen darf, quasi als zweite Spitze (neben und hinter Tunay Torun) aufläuft. Und links dann entweder Heung Min Son oder Eljeo Elia sowie rechts Jonathan Pitroipa. Abwarten, wie sich Armin Veh entscheiden wird.

Das gilt auch für einen anderen Coach, für „Jogi“ Löw. Immerhin weiß „Troche“, dass die Nationalmannschaft auch in Zukunft ein Thema für ihn sein wird, denn er sagt: „Der Bundestrainer hat mit mir gesprochen, als ich beim ersten Länderspiel nach der WM nicht nominiert wurde. Da ist alles im Lot, Joachim Löw weiß, was er an mir hat, und ich habe jetzt genügend Zeit, mich wieder für das erste Länderspiel 2011 zu empfehlen.“ Ich weiß, dass ihn einige HSV-Fans schon in Sachen Nationalmannschaft abgeschrieben haben, aber ich denke, er wird weiterhin für Deutschland spielen. Mal sehen, wer dann richtig liegt.

Quasi „nebenbei“ kann sich Piotr Trochwski auch auf seinem „Weg zurück“ für einen neuen Vertrag in den Vordergrund spielen. Beim HSV – oder eben für einen anderen Klub, wenn es keine Einigung in Hamburg geben sollte. Wobei der Mittelfeldmann auch zu diesem Thema sagt, dass er sich damit im Moment nicht beschäftigt: „Ich würde natürlich gerne weiter zentral spielen, weil es dort für mich am meisten Spaß bringt. Unabhängig einmal davon möchte ich jetzt keinen Blick voraus wagen. Ich weiß nicht, wie es im Sommer 2011 ausschauen wird, dazu ist es jetzt noch zu früh. Zurzeit mache ich mir diesbezüglich keinerlei Druck, ich hoffe nur, dass wir die nächsten drei Spiele positiv gestalten werden, und nach der Winterpause wir gehen dann in eine Rückrunde, in der wir noch viel erreichen können.“

Dann hoffen wir mal mit Piotr Trochowski. Und für den HSV!

So, zwei schnelle Dinge noch am Rande. Der Kollege „Scholle“ ist heute erfolgreich am Knie operiert worden (Knorpelschaden), ich möchte ihm auch auf diesem Wege gute Besserung wünschen.

Und dann heißt es ja so schön in der Werbung: Der nächste Winter kommt bestimmt. Und damit auch die Winterpause. Ich muss dabei einmal etwas beichten. Im Sommer hatten wir Eure Sommer-Geschichten, einige davon sind aber im Sommer nicht erschienen, weil dann die Saison schon weder begann. Ich habe gesagt, dass ich Eure Geschichten für diesen Winter aufbewahren werde, aber ich habe zu viel versprochen, denn: Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, gab es nun für das Hamburger Abendblatt ein neues System. Beim Übergang vom alten auf das neue sind nicht nur diese Eure Texte (leider, leider) verschwunden, sondern viel, viel mehr. Es wurde intensiv gefahndet, aber es wurden nur Bruchstücke gefunden. Es tut mir sehr, sehr weh – ehrlich.

Wenn Ihr aber Eure Geschichten noch gespeichert haben solltet, dann wäre es klasse, wenn Ihr sie mir noch einmal (unter der Gewinnspiel-Adresse im Internet – und dann mit dem Stichwort Wintergeschichte) schicken würdet. Und alle diejenigen, die sich noch nicht beteiligt hatten, es aber immer schon mal wollten – bitte. Und auch diejenigen, die sich beteiligt hatten, aber noch mehr auf Lager haben – bitte.
Ich würde mich sehr freuen, von Euch zu lesen.

Training am Freitag um 10.30 Uhr im Volkspark

22.00 Uhr

Endlich! Aogo ist wieder dabei

30. November 2010

Die Gratulanten waren nicht weit. Als sich Dennis Aogo mit einer energischen Grätsche heute den Ball gegen den einschussbereiten Änis Ben-Hatira sicherte. Allen war die Freude über das Comeback Aogos nach fast fünf Monaten Pause deutlich anzumerken. Auch, oder besser: besonders dem deutschen Nationalspieler selbst. „Ich fühle mich schmerzfrei“, freute sich auch Aogo hinterher, obgleich er noch eine leichte Reizung im operierten Bereich in der Leiste verspürt. „Jetzt gucken wir, was diese Woche im Training machbar ist und entscheiden dann, wie es weitergeht.“ Klar sei allein, dass sowohl Dennis als auch Trainer Armin Veh darauf setzen, dass der Linksverteidiger in Freiburg am Sonnabend dabei ist.

Insbesondere Veh hofft darauf, würde Aogo doch eine positive Kettenreaktion in gang setzen können. Immerhin könnte Aogo hinten links den ebenso improvisierten wie inzwischen desillusionierten Zé Roberto erlösen. Der Brasilianer würde dafür ins Mittelfeld geschoben werden, könnte in der Raute die linke Seite spielen und seine Kreativität wieder vermehrt offensiv einsetzen. „Sollte Dennis soweit sein, eröffnet uns das ganz neue Möglichkeiten“, freut sich Veh.

Allerdings ist noch längst nicht sicher, ob es bei Aogo für eine Startelfnominierung reichen wird. „Er ist sicher gesund“, sagt Veh, „aber er kann nach einer so langen Pause noch nicht fit sein.“ Wie fit er ist? „Ich habe nicht viel verloren, das habe ich gemerkt. Dafür habe ich mit Markus Günther auch zu hart gearbeitet. Aber ich werde mich nach den Einheiten mit dem Trainer und den Ärzten intensiv austauschen und dann sehen wir, was das Vernünftigste ist.“ Klar sei auf jeden Fall, dass er spielen wolle: „Freiburg war für mich immer das Ziel. Zumal es natürlich auch ein ganz besonderes Spiel für mich ist“, so der Ex-Freiburger.

Immerhin pflegt Aogo bis heute einen engen Draht zu seiner ehemaligen Heimat im Breisgau. Zuletzt habe er von SC-Trainer Robin Dutt sogar eine SMS erhalten, in der der Coach ihm eine schnelle Genesung wünscht. „Der Kontakt wird auch so schnell nicht abreißen“, untermauert Aogo seine freundschaftliche Verbundenheit, „zumal ich sehr, sehr viel von Dutt als Trainer halte. Er bereitet seine Mannschaft immer perfekt auf den Gegner vor. Ich habe es ja auch schon zu Saisonbeginn gesagt: Ich bin mir sicher, dass Freiburgs Erfolg momentan ganz eng mit ihm zusammenhängt.“ Und so würde es für den HSV ein ganz schweres Spiel.

Klar. Es wird schwer. Und dass gestern im Training neben Zé Roberto (kuriert leichte Knieprellung) auch Guy Demel und nach einer Stunde auch Heiko Westermann fehlten, braucht uns indes nicht zu sorgen. Alle drei sind einsetzbar, wurden lediglich geschont. Schließlich hat Veh gerade in der Innenverteidigung kaum noch Spielraum. So wenig sogar, dass er heute seinem ersten Gedanken vom Sonnabend („Wenn wir im Winter für hinten einen passenden Spieler finden, sollten wir darüber nachdenken“) eine Forderung machte. „Wir haben nach dem Ausfall von Joris hinten nur zwei Spieler für die Innenverteidigung. Im Sommer wussten wir, dass wir mit damals noch drei Innenverteidigern ein hohes Risiko eingehen. Und wir merken, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann.“ Ob Veh dem Vorstand seine Forderung schon unterbreitet hat? „Ich kann nur empfehlen, dass wir für die Innenverteidigung noch etwas machen. Wir schauen jetzt, wir müssen den Markt sondieren.“ Denkbar wäre auch ein Leihgeschäft.

Wobei sich mir natürlich sofort die Frage stellte, was mit Muhamed Besic ist, warum der 18-Jährige keine Alternative sein soll. „Er ist definitiv noch nicht soweit“, legt sich Veh fest, „ihm fehlt für einen Innenverteidiger das Kopfballspiel.“ Worte, die Besic nicht gern hören wird, die aber leider stimmen. Im Training weiß Besic weiterhin durch Einsatz, gutes Stellungsspiel und eine gute Spieleröffnung zu gefallen. Allerdings ist der sympathische Bosnier in der Luft ein absolutes Leichtgewicht. Schuld daran soll eine Kopfverletzung in Besics Jugend gewesen sein, wegen der er 18 Monate nicht hat köpfen dürfen. Sagt Veh. „Mo ist ein richtig guter Junge, der arbeiten will. Hier muss er noch einiges aufholen. Und das schafft er auch.“

Härter arbeiten müssen auch Paolo Guerrero und Eljero Elia. Während sich der Peruaner durch schwache Spiel- und Trainingsleistungen ins Hintertreffen gebracht hat, hat sich Elia aus selbigem noch gar nicht hervorgearbeitet. „Er war unter meiner Regie noch nie richtig fit und hat die ersten Spiele nicht zu meiner Zufriedenheit gespielt“, kritisiert Veh den alles andere als unumstrittenen Niederländer, dessen Verkauf im Winter längst nicht mehr ausgeschlossen ist. „Für Eljero wird es immer Angebote geben“, weiß Veh, „er ist ja auch eines der größten Talente überhaupt.“ Ob ein Verkauf im Winter Sinn machen könnte? Veh zögert, zuckt mit den Schultern und überlegt kurz, ehe er antwortet: „Wir müssen auch an die Finanzen denken. Und offensiv können wir immer etwas anbieten, da sind wir fast überbesetzt. Trotzdem ist Eljero keiner, den wir unbedingt abgeben wollen.“

Das klingt zumindest interpretierbar. Denn klar ist, dass man in Hamburg alles andere als zufrieden ist mit dem extrovertierten Jungstar. Schließlich fiel Elia in seiner Zeit beim HSV in 18 Monaten schon für 17 Spiele ausfiel, zudem in der vergangenen Saison nach dem Noveski-Foul in Mainz an ihm, nie wieder richtig in Form kam. Außerdem, und das könnte seine Halbwertszeit in Hamburg am stärksten beeinträchtigen, kokettiert der niederländische Nationalspieler immer wieder mit großen europäischen Topklubs. Zuletzt, als er vor zwei Wochen bei uns in der Fragerunde saß, wurde er nach einem möglichen Wechsel im kommenden Sommer befragt und antwortete ausweichend: „Das ist noch kein Thema.“ Eben nur „noch“ nicht. Wobei es sehr schade wäre. Denn ich bin mir sicher, dass der HSV mit Pitroipa rechts und Elia links eine der stärksten – und ganz sicher: schnellsten – Flügelzangen Europas stellen könnte.

Womit ich zu einem heikleren, schwer aufzulösenden Thema komme. Immer wieder werden momentan Zahlen lanciert. Zahlen, die Besorgnis erregen. Wenn sie denn stimmen. So wurde mir die Zahl 11000000 Euro genannt. So groß soll das Minus sein, dass der HSV nach Beendigung des Geschäftsjahres aufzuweisen hat. Grund genug, bei Katja Kraus nachzufragen, die sich sogleich mit dem Herrscher der HSV-Zahlen, Cay Dingworth zusammengesetzt hat. „Fakt ist“, so Kraus, „dass wir mit einer Schwarzen Null planen. Diese Zahl ist nach oben hin sogar noch positiver gestaltbar.“ Sollten alle Stricke reißen, drohe lediglich ein geringes, einstelliges Millionenminus.

Unstrittig ist allerdings, dass der HSV am Saisonende fast alle Raten für abgegebene Spieler eingenommen, dafür noch Restzahlungen offen hat. Zudem fehlen diese Saison internationale Einnahmen und einige teure, ausgeliehene Spieler (David Rozehnal, Alex Silva und Marcus Berg) sind noch nicht verkauft, würden zur kommenden Saison also wieder zu 100 Prozent vom HSV bezahlt werden müssen. Aber, um meiner Sorgfaltspflicht gerecht zu bleiben, werde ich mich hier nicht weiter in Spekulationen ergeben sondern gespannt auf die Bilanz im Januar warten. Spätestens dann wird sich zeigen, wie dieser HSV aufgestellt ist.

Unverkäuflich ist trotz allem Heiko Westermann. Auf jeden Fall für Armin Veh. Nicht nur wegen der aktuellen Knappheit an Innenverteidigern und trotz der anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten des deutschen Nationalspielers. „Heiko hatte am Anfang einige Abspielfehler“, räumt Veh ein, „aber ich habe von ihm auch den risikoreicheren Pass gefordert, da passiert so was. Inzwischen ist Heiko nicht nur einer der zweikampfstärksten Spieler der Liga“, lobt Veh, „sondern im Kopfballspiel ist auch kaum einer in der Bundesliga besser als er.“ Schon deshalb wiederholte Veh heute, an seiner Entscheidung, Westermann zum neuen Kapitän zu machen, noch immer nicht zu zweifeln. Im Gegenteil: „Heiko hat einen Fünfjahresvertrag und wird noch besser werden. Er wird hier eine ganz große Säule sein. Da sollten wir mal langfristig denken.“

Machen wir. Und wir hoffen, dass Veh Recht behält. Auf jeden Fall, was Westermann betrifft. Aber sehr gern auch, was Piotr Trochowski betrifft. Denn den lobt Veh seit Wochen. Genau genommen, seitdem er ihn nach dessen Fehler im Spiel in Bremen noch auf dem Platz vor laufenden Kameras zusammengestaucht hatte. „Früher wäre der Spieler nach so einem Ding bei mir unten durch gewesen“, sagt Veh, „heute bin ich nicht mehr nachtragend. Das habe ich mir abgewöhnt. Zum Glück.“ Denn gerade Trochowski hätte schon am Sonntag nach dem Spiel in Bremen super trainiert. „Seitdem ist er gut“, freut sich Veh, der allerdings noch mehr von dem dribbelstarken Rechtsfuß erwartet. „Ein Spieler mit einer derart ausgeprägten Schussstärke muss in jedem Jahr sieben oder acht Tore mindestens machen. Troche muss also ganz sicher noch torgefährlicher werden.“

Zum Schluss noch etwas aus der Kategorie „kurios“. Folgender Leserbrief erreichte uns heute. Darin schildert Andreas Witte seine Erfahrungen beim Spiel des FC St. Pauli in Bremen. Warum das hier stattfindet? Schaut und lest selbst. Für mich ist das ein Unding….

“Hallo Herr XXXXX,

am vergangenen Sonntag war ich als Besucher des Spiels Werder Bremen – St.Pauli im Bremer Weserstadion. Die Karte hatte mir kurzfristig ein Arbeitskollege vermittelt.

Seit Jahren bin ich als Dauergast im Volksparkstadion bei den Heimspielen des HSV dabei (Stehplatz Nordtribüne Block 22 A).
Hin und wieder reisen wir auch mit einer kleinen privaten Gruppe zu Auswärtsspielen des HSV, ich trage sowohl bei den Heim – als auch Auswärtsspielen immer neutrale Kleidung (keine Kutte usw. höchstens mal einen Supporters-Schal).
Mit meinen 47 Lebensjahren habe ich somit auch schon einige Stadien als Zuschauer erlebt.
Ich bezeichne mich als friedlichen normalen Fan des Fussballs.

Das Erlebnis vom Wochenende in Bremen zählt für mich leider zu den Höhepunkten im negativen Sinne:

Ich habe für das Sitzplatzticket 40 Euro bezahlt – dafür erhalte ich einen Platz in einem Käfig.
Die Einnahme von Speisen und Getränken ist in diesem Hochsicherheitstrakt ebenfalls strengstens untersagt – dies empfinde ich zudem als Diskriminierung , da in allen anderen Bereichen des Stadions diese Einschränkung nach meinem Kenntnisstand nicht existiert.

Bitte schauen Sie sich einmal die beiden Fotos an – das ist der tatsächliche Ausblick von den Sitzplätzen Block 113 Reihe 1, Platz 7 und 8.

Würde mich freuen, wenn sie diesen Missstand veröffentlichen würden.

Für eine Rückinfo bedanke ich mich im Voraus,

Grüße aus Seevetal,

Andreas Witte”

Ich bin mir sicher, dass sich der werte Nordrivale da etwas einfallen lassen muss. Zumal auf den Tickets für 38 Euro nicht ein einziger Hinweis auf eine bestehende Sichtbehinderung vorhanden ist.
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In diesem Sinne: Nur der HSV!

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