Archiv für das Tag 'Düsseldorf'

Beister: “Ich weiß, wo in Düsseldorf die Tore stehen”

19. November 2012

Ich gebe zu, ich gehörte nicht zu denen, die an einen Verbleib von Maxi Beister geglaubt haben. Nicht am Sonnabend. Auch ich hatte nach der ersten Hälfte gegen Mainz damit gerechnet, dass der Linksfuß ausgewechselt wird. Ich dachte, Trainer Thorsten Fink würde Dennis Aogo hinten links eine Chance geben und Marcell Jansen eine Position nach vorn rücken lassen.

Weit gefehlt.

Fink machte nichts. Beister blieb auf dem Platz und leitete mit seiner Hereingabe sogar den Siegtreffer von Heung Min Son ein. „Das war für mein Selbstvertrauen ganz wichtig“, gesteht Beister unmittelbar vor seinem ersten Duell mit seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr). Dass er in der ersten Hälfte einen gebrauchten Tag erwischt hatte – vergessen. Oder besser: abgehakt. „Mainz stand anfänglich defensiv sehr gut, da hatten wir Probleme. Wir mussten uns erst einmal in das Spiel hineinkämpfen. Alle. Aber dann wurde es besser. Für mich speziell sogar Minute für Minute nach meinem ersten Assist.“ Ergo: gerade rechtzeitig für das brisante Spiel in Düsseldorf? Beister grinst verschmitzt. „Das Spiel ist schon etwas Besonderes für mich.“ Ob er mit alten Weggefährten schon Kontakt hatte? „Noch nicht. Die müssen erst noch das Spiel vom Sonntag verarbeiten. Aber das wird kommen. Da wird mit Sicherheit gefrötzelt…“

Gewettet hingegen nicht. Zum einen, weil Beister nie wettet. Zum anderen, weil die Partie für ihn schon ausreichend Bedeutung hat und er dort nicht noch mehr Tamtam rund ums Spiel gebrauchen kann. „Der Druck dort wird eh schon groß genug sein“, sagt Beister, der die letzten zwei Saisons an das Team vom Rhein verliehen war. „Zwei Jahre, an die ich fast ausschließlich gute Erinnerungen habe. Gekrönt von dem Aufstieg 2012. Ich werde mit Sicherheit einen Schuss extra motiviert sein.“

Zumal sich Beister auf dem richtigen Weg wähnt. Nach Anfangsschwierigkeiten spielte der vor der Saison schon hoch gelobte Offensivmann zuletzt vier Mal von Beginn an. Wie er selbst seinen Leistungsstand beurteilen würde? „Ich bin in einer Entwicklungsphase, das geht alles nicht von heute auf morgen. Aber ich habe gerade in den letzten vier Wochen wieder viel gelernt, insbesondere was mein Defensivverhalten betrifft. Dazu kommt das Erfolgserlebnis mit dem Assist gegen Mainz. Vor vier Wochen habe ich mir natürlich mehr Einsatzzeiten gewünscht. Gerade weil ich mich entwickeln will. Dennoch glaube ich, dass ich jetzt auf dem richtigen Weg bin.“

Dabei hatte ich zwischendurch befürchtet, Beister könnte ein wenig den Anschluss verpassen. Weil es so wirkte, als würde Beister resignieren. „Ich war natürlich nicht zufrieden mit den wenigen Einsatzzeiten“, so Beister, „aber das will ich ändern.“ Immerhin bis zum Freitag sollte Beister seinen Startplatz halten können. Zumal Marcell Jansen angeschlagen (Kapselreizung im Knie) ist. Ob der zuletzt formstarke Links-Allrounder bis Freitag fit wird ist ungewiss. Allerdings gibt Jansen selbst die Hoffnung nicht auf.

Wobei sich Thorsten Fink links hinten kaum Gedanken machen muss, nachdem Dennis Aogo wieder fit ist. Denn – auch wenn es hier im Blog viele Kritiker von Aogo gibt – gegen Mainz brachte Aogo Schwung ins Spiel und wirkte hochmotiviert. Er ackerte, kämpfte – und er spielte gut. Zwar wäre Aogo das erste Opfer, sobald Jansen für Düsseldorf Grünes Licht gibt – aber Aogo ist wieder dran. Endlich wieder, wie er selbst sagt.

Weit weg und immer weiter weg scheint Petr Jiracek zu sein. Der Tscheche, bei dem als offizielle Verletzung am Sonnabend vom HSV eine Schambeinentzündung angegeben wurde, trainiert noch immer nicht mit der Mannschaft. Im Gegenteil, zuletzt wurde gar die Notwendigkeit einer Operation befürchtet, obgleich es medizinisch noch keine sichere Heilmethode für Schambeinentzündungen gibt. Klarere Anzeichen gibt es hingegen dafür, dass Jiracek, der sich noch immer nur im Rehatraining befindet die Hinrunde wohl leider nicht mehr zum Einsatz kommen wird.

Beister indes schon. Der Linksfuß will in Düsseldorf den nächsten Schritt machen, sich einem Stammplatz weiter annähern. „Das war mein Ziel vor Saisonbeginn und ich bin auf dem Weg“, so Beister, der selbst nicht glaubt, dass der Hype um seine Person vor und zu Saisonbeginn zu viel Druck auf ihn ausgeübt haben könnte. „Ich habe mich damit ehrlich nicht befasst“, so Beister, „ich wusste immer, dass es wesentlichere Dinge gibt, auf die ich mich konzentrieren will.“

Auf elf Einsätze in zwölf Spielen bringt es Beister, davon nur eins über 90 Minuten – und das war am Sonnabend gegen Mainz. „In Düsseldorf habe ich vor zwei Jahren zum selben Zeitpunkt einen Einsatz gehabt, insofern bin ich im Soll. Dass ich mehr will ist klar. Auch, dass ich mich stabilisieren will und noch eine Menge Steigerungspotenzial habe.“ Gänzlich unzufrieden sei er dennoch nicht. Auch nicht, wie zuletzt so oft vermutet, gefrustet ob seiner Rolle als Ein- und Auswechselspieler. „Nein, warum? Ich stehe in einem sehr guten Kontakt mit dem Trainer, der viel mit mir spricht. Ich weiß, worauf es ankommt, was der Trainer von mir sehen will.“

Neben der schon häufig erwähnten Defensivarbeit sind das auch Tore. Ob er sich über einen Treffer bei seinem und vor allem gegen seinen ehemaligen Klub freuen und jubeln würde? „Klar freue ich mich. Ich finde es auch etwas leidig, dass man plötzlich nicht jubeln darf. Ich würde es auf jeden Fall machen, Ohne zu provozieren, aber auch nicht künstlich gebremst.“ Immerhin wäre es sein erster Erstligatreffer. „Ich würde mich freuen, wenn ich das in Düsseldorf schon schaffe. Zumindest weiß ich ganz gut, wo dort die Tore stehen…“

Dann hoffen wir mal, dass er sich am Sonnabend ab 20.30 Uhr wieder genau erinnert und trifft. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert. Und das vermutlich weiter ohne Ivo Ilicevic (Aufbautraining nach Oberschenkelproblemen) und Tolga Arslan. Die Überraschung der Hinrunde laboriert an einer leichten Sprunggelenkverletzung, soll aber am Freitag problemlos auflaufen können. Und das ist gut so.

Scholle

P.S.: Zur Szene am Sonnabend in der ersten Halbzeit, wo er von Rafael van der Vaart auf dem Platz angeschrien wurde, sagt Beister heute: “Das ist doch nur gut, wenn Rafa mir Zeichen gibt, wenn er den Ball fordert. Ich bin auch nicht sauer. Dass man sich auf dem Platz mal anschreit, gehört dazu. Gerade als Jüngerer sollte man dabei den Älteren zuhören.”

Nächste Einträge »