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Analyse Teil fünf: Veh kam zur falschen Zeit

20. Mai 2011

Neue Leute braucht der Klub. Das hat der HSV erkannt. Und auch wenn es noch immer keine Namen von Neuzugängen gibt, mir wurde versichert: „Es ist alles bestens im Fluss.“ Also, wir alle werden uns noch in Geduld üben müssen. Unterdessen sind die „kleineren“ personellen Spielchen weiter im vollen Gange. Im Moment trennt sich der HSV von einigen Mitarbeitern, um auch für frisches Blut im Verein zu sorgen. Erstens soll abgespeckt werden, zweitens sollen, so wurde mir zugeflüstert, auch neue Kräfte für eine neue positive Stimmung innerhalb des Klubs sorgen – und auch im Umfeld der Mannschaft. Deswegen werden noch weitere Entscheidungen folgen, denn, so heißt es, der neue Sportchef Frank Arnesen will ein absolut positives, freundliches und emotionales Umfeld. Auf einen Nenner gebracht: Beim HSV soll wieder mehr Optimismus verbreitet werden, es soll auch wieder mehr gelacht werden – auch wenn es sportlich dafür nicht die besten Voraussetzungen gibt. Aber vielleicht ist das ja mal ein Anfang.

In der Saisonanalyse geht es heute um die Männer, die keine Tore schießen oder verhindern, dennoch etwas für den HSV tun. Der Stab um den Chef-Trainer.

Armin Veh trug bis Mitte März die Verantwortung für die Bundesliga-Mannschaft, dann wurde er von seinem Amt entbunden. Die 0:6-Vernichtung bei Bayern München war ausschlaggebend für diese Trennung, die aber keineswegs überraschend kam. Die Stimmung im Verein war auf dem Nullpunkt, die Mannschaft schien am Ende, der Trainer wirkte so, als würde er jeden tag auf seine Beurlaubung warten, nach so manche Aussage von Veh schien dieser Schritt überfällig – dann wurde er endlich vollzogen.

Ich sage es noch einmal: Armin Veh kam zum falschen Zeitpunkt zum HSV. Er hatte frühzeitig erkannt, dass es seine Hauptaufgabe sein würde, aus dieser Truppe eine Mannschaft zu formen, ich sage ausdrücklich: auch Veh hat es nicht geschafft. Wie alle seine Vorgänger. Am besten hatte es – für eine gewisse Zeit – noch Thomas Doll hinbekommen. Die se HSV-Profis aber waren nicht fähig, oder besser, sie wollten nicht fähig sein, als Team, als verschworener Haufen aufzutreten. Das war das große Dilemma – auch in der abgelaufenen Saison.

Ganz sicher hat auch Armin Veh einige Fehler begangen. Einige waren davon auch gravierender Art. Aber welcher HSV-Trainer war schon frei von Fehlern? Nicht einer. Es wird auch keinen geben, der fehlerlos ist. Von den Spielern jedenfalls waren lange keine Beschwerden über den Trainer (hinter der vorgehaltenen Hand) zu hören, wie es sonst so oft der Fall gewesen ist. Veh hatte die Spieler im Training am Band, wie es so schön heißt, sie taten das, was ihm der Trainer ansagte – aber mehr eben auch nicht. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn Veh einen anderen Spieler zum Kapitän befördert hätte. Heiko Westermann, den es als Neuzugang traf, hatte null Lobby in der Mannschaft. Ich hätte David Jarolim auf diesem Amt gelassen (ganz eindeutig), oder ich hätte, wenn es denn unbedingt einen neuen Spielführer hätte geben sollte, einen der „älteren“ Herren bestellt. Ze Roberto oder Joris Mathijsen. So mussten die Spieler einem Mann folgen, den sie gar nicht kannten. Das konnte nicht gut gehen.

Der „Fall Kapitän Westermann“ ist der Hauptgrund für mich, warum Armin Veh in Hamburg gescheitert ist. Er war es praktisch schon gegen Ende des Jahres 2010, damals galt Veh intern schon als entlassen, aber die Mitgliederversammlung rettete den coach noch einmal – weil der damalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann seine Wiederwahl nicht gefährden wollte. Bei einer Veh-Entlassung, dann noch unmittelbar vor der Versammlung, hätte es sicher Tumulte, Unmutserklärungen und Proteste gegen Hoffmann gegeben – also ging der Boss auf Nummer sicher.

Veh-Nachfolger Michael Oenning startete bravourös mit einem 6:2-Sieg gegen den 1. FC Köln. Es blieb leider in acht Spielen bis zum Saisonende sein einziger Dreier. Oenning bleibt aber trotzdem der Chef-Trainer, und ich bin sehr gespannt, wie und ob er seine Linie auch von Saisonbeginn an durchziehen wird und kann. Er hat, und das finde ich absolut erfreulich, die Zügel angezogen, er hat härter trainieren lassen – und das erwarte ich auch in Zukunft von ihm. Ich behaupte ganz einfach, dass diese HSV-Mannschaft in den vergangenen Jahren zu wenig im Training getan hat – und ganz offenbar hat auch Michael Oenning das erkannt. Ich hpoffe es jedenfalls. Wer mehr erreichen will, der muss auch mehr tun. Das hat einst Felix Magath hier verkündet – und es auch in die Tat umgesetzt. Ich plädiere dabei gewiss nicht für Medizinbälle, aber ich möchte, dass sich im Training wenigstens zwei Mal die Woche richtig (gut und schön und nach allen Regeln der Kunst) gequält wird. Auch das hat Magath eins propagiert: „Qualität kommt von Qual.“ Und überhaupt: Bei diesem Thema fällt mir spontan immer unser „Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas ein, der nach einem halben Jahr „Matz ab“ öffentlich fragte: „Wann wird beim HSV eigentlich mal Kondition trainiert? Nachts?“

Deswegen setze und hoffe ich auf Michael Oenning. Und auf Günter Kern, dessen Vertrag als Konditionstrainer gerade verlängert wurde. Diese beiden Herren haben es offenbar erkannt, dass ein bisschen mehr getan werden muss – sie werden es schon richten. Und wenn dann auch die fußballerische Komponente nicht zu kurz kommt (in der neuen HSV-Mannschaft 2011/12), dann könnte mit dem zu erwartenden Angriff auf die (Bundesliga-)Spitze quasi sofort begonnen werden.

Zum Trainer-Team der vergangenen Saison gehörte auch Torwart-Trainer Ronny Teuber. Jetzt, wo alles hinterfragt wird, wo offenbar viele Mitarbeiter auf dem Prüfstand stehen, einiges schon geändert wurde und auch noch geändert wird, hoffe ich darauf, dass Teuber bleibt. Er hat seine Sache – meiner Meinung nach – gut gemacht, er strahlt Ruhe aus und ist kompetent. Seine Ablösung ist aber derzeit auch kein Thema, doch in so unruhigen Zeiten wie diesen weiß man ja nie . . .

Und es hat ja jetzt auch schon Manfred Düring getroffen. Für mich eine überraschende Personalie. Aber sie hat sicher in erster Linie einsparenden Charakter. Es war dem „neuen HSV“ bestimmt der eine oder andere Trainer zuviel an Bord, und dann hat es Düring getroffen. Wobei ich mich vor allem an den Beginn dieser Saison erinnere, als der Leistungsdiagnostiker oftmals das Training (vor allem auf Sylt) leitete – und dabei einen erstklassigen Eindruck hinterließ. Das war meine Wahrnehmung, das war aber auch von den Spielern zu erfahren. In diesem Jahr jedoch stieß Günter Kern zu diesem Trainer-Stab, und diese Verpflichtung war sicher ausschlaggebend dafür, dass Düring nun gehen musste.

Bleiben darf dagegen Markus Günther. Der Reha-Trainer arbeitet still und im Hintergrund mit den verletzten Spielern, und diese Aufgabe erfüllt er schon seit Jahren sehr gut. Es ist kein Kriterium zum Bleiben, aber ich schreibe es trotz allem: Über Günther hat sich in all den Jahren, in denen er für den HSV arbeitet, noch nie ein Spieler abfällig geäußert. Das spricht für Günther.

Zum Schluss der Saison stieß noch Rodolfo Cardoso zum Team von Michael Oenning, aber dieses Gastspiel fand nun auch schon wieder ein schnelles Ende. Der ehemalige HSV-Regisseur kehrt zur Regionalliga-Mannschaft zurück, weil sich Oenning nun an Frank Heinemann (VfL Bochum) erinnerte – er ist der neue Assistent des neuen Chefs. Cardoso hat sich in den Wochen, in denen er bei den Profis auftaucht, nicht in den Vordergrund gespielt – es ist nicht seine Art. Der Argentinier ist eher ein leiser und zurückhaltender Mensch, und gerade deshalb habe ich es so empfunden, dass Rodolfo nicht besonders gut zu Oenning gepasst hat. Bei einem Training, erst recht bei einem Spiel, darf es meiner Meinung nach auch mal am Spielfeldrand krachen, so richtig schön laut und turbulent zugehen, damit die Spieler wissen, dass auch draußen Emotionen versprüht werden – ich hoffe sehr, dass auch daran verstärkt gearbeitet wird.

So, Euch allen ein wunderschönes Wochenende, dem HSV noch viele namhafte Verstärkungen (und die schon bald) und dem Klub eine interessante und lebhafte und faire Informationsveranstaltung am Sonntag (Beginn 11 Uhr) in der Westtribüne.

16.41 Uhr

“Es gibt voll Lack”

25. März 2011

So ruhig war es ja seit Monaten nicht mehr . . . Kein Gemecker, kein Gezanke, keine schlechte Stimmung im Volkspark. So kann, so darf, so muss es weitergehen. Herrlich, diese Ruhe, einfach nur herrlich. Die Trainings-Kiebitze können sich nun wieder – ganz ungewohnt – ausschließlich auf den Fußball konzentrieren, ist gibt nichts mehr zu „dibbern“. Die Lage wirkt total entspannt, so als hätte der Fußball-Gott jede Menge Weichspüler über den Volkspark gekippt. Jetzt müssten sich nur noch die sportlichen Erfolge wieder einstellen, und schon ist der HSV wieder ein ganz normaler Bundesliga-Verein. Im Training wird dafür richtig gut und hart gearbeitet. In dieser Woche mussten die Profis ordentlich laufen. So wie seit Jahr und Tag nicht mehr, hatte es den Anschein. Berg rauf, Berg runter, quer über den Platz, lang über den Platz, Steigerungsläufe und kurze Sprints, alles war dabei. Für Fußballer nicht gerade das ideale Training, aber im Moment, so scheint es, mögen es alle. Weil es irgendwie ja auch dazu gehört, dass es mal ans Eingemachte geht. Wie gesagt, lange nicht mehr erlebt, seit vielen Jahren schon nicht mehr, aber für mich auch deutlich ein Zeichen dafür, dass im Volkspark noch einmal jeder beißen will. Es darf geschwitzt werden.

Schade eigenlich, dass diese Programm nicht alle mitmachen (müssen, dürfen), denn es sind zurzeit ja nur Frank Rost, Heiko Westermann, Marcell Jansen, Ze Roberto, Robert Tesche, David Jarolim, Gojko Kacar, Dennis Diekmeier, Piotr Trochowski, Änis Ben-Hatira und Heung Min Son anwesend. Zur Regionalliga-Mannschaft waren heute Tom Mickel und Lennard Sowah „abkommandiert“ (2:0-Sieg gegen Oberneuland). Der „Rest“ weilt bekanntlich bei den Nationalmannschaften. Aber auch sie werden, wenn sie erst wieder in Hamburg weilen, die neue „harte Welle“ des HSV noch kennen lernen, da bin ich mir sicher.

„Wir haben schon immer gut trainiert, in den drei Jahren, in denen ich jetzt beim HSV bin. Aber es stimmt schon, was jetzt abläuft, das ist schon ganz speziell. Ich muss sagen, dass der Günter Kern das im Zusammenspiel mit Manfred Düring sehr gut macht. Wir hatten zwar vorher drei Tage frei, aber wir wussten schon, was danach auf uns zukommen würde. Und das haben wir auch heute wieder gespürt“, sagt Marcell Jansen, der anfügt: „Aber, das sage ich auch ganz klar, es ist völlig in Ordnung, es macht Spaß, es ist alles mit System – es ist gut. Es ist nicht immer schön, natürlich, aber es passt, die Stimmung ist trotz der härteren Anforderungen gut.“ Jansen nennt es ganz speziell: „Es gibt voll Lack.“ Und lobt noch einmal die Amateure von Eintracht Norderstedt, wo der HSV ja bekanntlich ein Benefizspiel ausgetragen und 4:0 gewonnen hat: „Die waren gut, die waren sogar sehr gut, die haben ordentlich dagegen gehalten, da mussten wir auch alles geben, um da zu gewinnen – da mussten wir schon ordentlich anziehen.“

Dabei fing alles erst ganz harmlos an. Ballschule, danach Pässe über das gesamte Spielfeld (quer). Es spielten zwei gegen zwei, die Bälle mussten in ein Quadrat von acht mal acht Metern gespielt werden, gelang das nicht, gab es den Punktgewinn für den Gegner. Die Teams wurden durchgewechselt, ein Gewinner-Team wurde von den Kiebitzen die „Bremer Fraktion“ genannt: David Jarolim und Piotr Trochowski. Warum wohl die „Bremer Fraktion“ . . ? Und erst nach diesen Spielchen ging es ans Laufen. Und ans Schnaufen. Kommentar Marcell Jansen: „Wir haben richtig gezogen, der Puls war kurz vorm Explodieren.“ Und: „Es ist ja nicht so, dass der Günter Kern uns sagt, dass wir einfach nur mal laufen sollen, nein, da wird schon komplexer gedacht, da wird schon moderner gedacht. Günter Kern und Manfred Düring, die machen sich richtig Gedanken, da steckt etwas hinter.“

Auch so darf es ja ruhig bleiben.

Und so ruhig natürlich auch. Die letzte Unruhe gab es in dieser Woche, als sich Marcell Jansen über seine Nicht-Nominierung der Nationalmannschaft aufregte – und dem HSV dabei eine gewisse Mitschuld einräumte. Deshalb gab es danach eine Unterredung mit Trainer Michael Oenning, und Jansen musste auch in die Chef-Etage, zu Noch-Sportchef Bastian Reinhardt. „Wir haben uns ausgesprochen, es gibt überhaupt kein Problem mehr, es geht wieder neu los, ich werde Vollgas geben, werde mich professionell erhalten – im Moment zählt nur der Verein. Unruhen gab es genug. Jetzt müssen wir gucken, dass wir alle an einem Strang ziehen. Ich wollte nicht draufhauen, es war ja auch nicht auf den jetzigen Trainer bezogen – also nicht auf Michael Oenning“, sagt Marcell Jansen. Also ging sein Seitenhieb in Richtung Armin Veh? Jansen: „Auch mit Veh habe ich mich gut verstanden. Wenn ich jetzt etwas gegen ihn sage, dann heißt es sofort wieder, dass ich gegen unseren ehemaligen Trainer nachtrete, aber das ist es ja nicht. Es ist ja einfach nur Fakt. Ob das berechtigt ist oder nicht, dass ist Ansichtssache, das soll jeder so für sich interpretieren, wie er das möchte. Es ist ja aber auch nicht so, dass ich – meiner Meinung nach – grottenschlecht gespielt habe . . .“

Der Nationalspieler gibt sich aber auch einsichtig: „Es geht nicht um mich, es handelt sich ja um Mannschaftssport, es geht um ein ganzes Gebilde, und da kommt man hier und da mal zu gut weg, und hier und da auch mal schlechter weg. Das ist eben so.“ Michael Oenning hatte zuletzt mehr Selbstkritik von Marcell Jansen gefordert. Der Mittelfeldspieler dazu: „Ich war bei zwei Weltmeisterschaften und bei einer Europameisterschaft, ich habe einige Länderspiele gemacht – wenn ich da nicht selbstkritisch gewesen wäre, dann hätte ich das nie geschafft, dann wäre ich in der Kreisliga A. Wenn man nämlich nicht selbstkritisch ist, dann kommt man nicht nach oben.“

Letztere Ausführungen könnten ruhig mit in die Satzungen des HSV mit aufgenommen werden. Wird das beherzigt, läuft es sicher immer rund und runder – und zwar auf allen Ebenen.

Zum Trainingsplan: Am Sonnabend und Sonntag herrscht Ruhe im Volkspark, die Spieler haben ein freies Wochenende, es geht erst am Montag um 15 Uhr weiter.

18.37 Uhr

Was läuft da mit van Nistelrooy?

26. November 2010

Es war sechs Minuten nach 16 Uhr, als ein HSV-Mitarbeiter an diesem Freitag die Loge des „Hamburger Weges“ betrat. Ich saß vor dem Computer, konnte nicht auf den Rasen sehen und fragte: „Was macht die Mannschaft in diesem Augenblick?“ Die Antwort kam ein wenig lakonisch: „Der HSV tritt auf der Stelle.“ Das musste ich mir dann doch ansehen. Also stand ich auf und sah: Die Spieler liefen in der Ecke Süd/West unter Anleitung von Leistungsdiagnostiker Manfred Düring tatsächlich auf der Stelle.

Später, beim Abschlussspielchen A gegen B, da hatte Armin Veh dann noch eine besondere Überraschung parat: Tunay Torun stürmte in der Stammformation, in der B-Elf aber hieße das Angriffsduo Ruud van Nistelrooy/Paolo Guerrero. Was ist da denn los? Spielt der kleine Türke im Angriff morgen gegen den VfB Stuttgart an der Seite von Mladen Petric? Das wäre in der Tat ein dickes Ding, aber ich glaube nicht dran. Zur Erinnerung: Am vergangenen Freitag hatte Veh beim Abschlussspiel vor der Partie in Hannover auch so eine kleine Unsicherheit für den Gegner (und für die Medien) präsentiert, indem er Änis Ben-Hatira im A-Team spielen ließ. In der AWD-Arena war es tags darauf dann aber Heung Min Son, der auf der linken Seite spielte. Immerhin aber sorgte die Vehsche Variante für einige Verwirrung – und auch der VfB Stuttgart dürfte sich nun einige Gedanken machen, die er sich vorher ganz sicher nicht gemacht hat. Zum Beispiel: Wer ist dieser Tunay Torun? Und wie spielt er? Wie ist er zurzeit drauf?

Das bleibt sein Geheimnis. Und ein kleines Rätsel bleibt für mich die Personalie Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer trainierte zwar mit, wie schon während der gesamten Woche, aber er wirkte dabei auf mich absolut uninspiriert. Schickte ihn Veh, der das ganz sicher auch erkannt hat, ihn deswegen in die Reserve? Auf jeden Fall ist das nicht mehr der „Ruud“, den ich vor einigen Wochen noch über den grünen Klee gelobt habe. Weil er erstens sehr gut spielte, zweitens sehr gute Analysen über das Spiel des HSV abgab, drittens von einer erfolgreichen Zukunft sprach – für sich selbst und für den Klub. Und nun lässt er den Kopf hängen . . . Eine charakteristische Szene: Nach dem Spielchen jonglierte van Nistelrooy für sich allein mit dem Ball vor sich hin. Langsam ging er in Richtung des Tores, das von Jaroslav Drobny bewacht wurde. Mit dem Fuß (!) legte sich der Niederländer die Kugel auf den Elfmeterpunkt. Als die Lage des Balles nicht so war, wie er es wünschte, korrigierte er – wieder mit dem Fuß, nicht mit der Hand oder den Händen. Das sah alles lustlos aus. Immerhin: Drei Elfmeter schoss van Nistelrooy, und alle waren drin.

Dennoch bleibt für mich eine Frage zurück: Was ist da passiert? Mental? Ruud van Nistelrooy startete voller Elan in die Saison, war gut drauf, traf auch einige Male – und er wollte Torschützenkönig der Bundesliga werden. Davon ist in diesen Tagen nichts, aber auch absolut nichts zu erkennen. Resignation? Weil er verletzt war und ist (die Wade soll zwicken)? Oder weil der HSV so spielt wie er spielt? Oder weil andere Torjäger inzwischen schon weitaus mehr getroffen haben als er?

Ich mache mir durchaus Sorgen. Auch deshalb, weil ich diesen Ausnahmefußballer gerne noch ein wenig länger hier in Hamburg sehen würde. Ob man da schon heute auf morgen (und den nächsten Sommer) schließen sollte? Besser nicht. Drei Euro für diesen Satz: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Elbe herunter.

Ansonsten bleibt es bei jener Aufstellung, die ich zuletzt schon angekündigt habe. Frank Rost im Tor, rechts Robert Tesche, daneben Guy Demel, Heiko Westermann, links dann Ze Roberto. Wobei Demel heute einige ganz gute Szenen hatte, die darauf deuten könnten, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass er nun besser werden will, dass er mehr investiert. Hoffentlich. Jetzt denke ich schon wieder voller Sorgen, dass „draußen“, an den Computern dieser Welt, schon wieder gelästert wird: „Matz wie immer – Friede, Freude, Eierkuchen beim Training. Und was ist mit dem Sonnabend-Spiel . . ?“

Ja, was? Wir werden es erleben. So oder so.

„Das Hannover-Spiel haben wir vergessen, abgehakt, es ist aufgearbeitet worden“, sagt Heiko Westermann. Der Kapitän hatte an der Leine vielleicht, so meinte einige Experten, sein bestes Spiel für den HSV gemacht. Kurios war nur, dass er von einigen (oder vielen?) HSV-Fans nach dem Schlusspfiff ausgepfiffen worden war. Westermann hat das in dieser Form nicht so wahrgenommen, sagt aber auch: „Wir haben dort verloren, und dann sind die Fans natürlich unzufrieden. Was soll auch sonst sein?“

Natürlich herrscht nach Niederlagen tiefer Frust. Dennoch muss objektiv auch eine gute Leistung (eines Spielers) anerkannt werden, selbst wenn nur verloren wurde. Definitiv hat Westermann in Hannover viele Lücken in der HSV-Defensive geschlossen, und er hat endlich einmal verbal „Gas gegeben“. Anweisungen, Motivation. Daran haperte es nicht nur zuletzt, daran hapert es schon seit Jahren beim HSV. Viel zu wenige Spieler machen während der Partie den Mund auf, um sich so gegenseitig helfen zu können. Das ist schon „ewige Zeiten“ ein großes Manko in Hamburg.

Nun kehrt mit Frank Rost ein weiterer Spieler zurück, der ebenfalls ein sprachgewaltiger Dirigent ist. Rost war zuletzt sogar oft der einzige, der während des Spiels redete. „Das ist auch gut so. Frank strahlt dieses Sieger-Gen aus, er will immer gewinnen, er lebt es vor, er hat den unbedingten Willen, als Sieger vom Platz zu gehen. Deswegen ist seine Präsenz auch wichtig für uns. Uns hilft es, wenn wir viele Spieler auf dem Platz haben, die viel reden“, sagt Heiko Westermann und sagt über sich: „Ich kann nicht ruhig sein, ich gebe immer Anweisungen während der 90 Minuten. Und weil wir von dieser Sorte Spieler nicht so viele haben, müssen eben die, die es können, ein wenig lauter sein.“

Der ehemalige Schalker war es auch schon in dieser Woche beim Training. Und er wird es wohl auch am Sonnabend wieder sein. Endlich sein, denn zu Beginn seiner Zeit in Hamburg war er es noch nicht. Was auch nur logisch scheint, denn als neuer Kapitän kannte er seine Mitspieler ja noch gar nicht (richtig), und dann verhält man sich eben ein wenig leiser. Gut nur, dass diese Zeiten nun der Vergangenheit angehören (sollen).

Dass Westermann mit Demel nun wieder einen neuen Mann an seiner Seite in der Innenverteidigung erhält, das ist für ihn nicht besonders gut, aber es ist wohl auch nicht zu ändern. Er lobt dann auch den neuen Mann an seiner Seite: „Guy ist zweikampfstark, ist ein Brocken, und der wird uns sicher auch bei Kopfballduellen helfen können.“

Wir werden abwarten müssen, wie sich die zentralen Abwehrspieler zurechtfinden, an diesem Sonnabend. Wenn es gut läuft, wird es dieses Duo bis Weihnachten richten müssen. Und wenn dazu aus Eurem Kreis nach Muhamed Besic gefragt wird, dann kann ich nur entgegnen: Dessen Lieblingsposten ist nach eigener Aussage die rechte Position in der Viererkette. . .

„Wichtig ist für uns, dass wir gegen Stuttgart als Sieger vom Platz gehen werden, egal wie das Spiel auch ist. Wir müssen drei Punkte einfahren, denn man ist ganz, ganz schnell auch mal in einem Strudel, der einen nach unten zieht. Da müssen wir aufpassen, deshalb müssen wir alles geben“, sagt Heiko Westermann zum Abschluss. Hoffen wir, dass sich alle diese Sätze zu Herzen nehmen und dementsprechend zur Sache gehen. Ein schmutziges 1:0 würde da ja schon reichen – und das ist auch mein Tipp.

Übrigens: “Abendblatt-Chefredakteur Claus Strunz hat übrigens auf seinem Facebook-Account ein 2:2 gegen den VfB Stuttgart getippt.”

Und noch ein PS: Dass es diese Trennungszeichen gab oder gibt in diesem Bericht, das liegt daran, dass das HA ein neues System bekommen hat. Und ich habe noch kleinere Anpassungsprobleme, bin aber damit nicht ganz allein. Danke für Euer Verständnis.

17.43 Uhr

Gewinner und Verlierer

30. Juli 2010

Der HSV ist wieder gut und heil in Deutschland gelandet. Am Vormittag wurde noch in Längenfeld trainiert, um 16 Uhr erfolgte dann von Innsbruck der Start in Richtung Heimat. Die Mannschaft wohnt an der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, in der am Sonnabend und Sonntag um den „Liga-total-Cup“ gespielt wird. Neben dem HSV sind Bayern München, Schalke und der 1. FC Köln am Start. Der HSV spielt um 16.45 Uhr gegen die Truppe von Felix Magath, live auf SAT.1 zu sehen.

Wie wird der HSV aus den Startlöchern kommen? Nach einem Trainingslager werden von den Journalisten immer wieder mal Gewinner und Verlierer der bisherigen Vorbereitung gekürt. Auch ich werde mich jetzt einmal daran versuchen, sage aber schon gleich: Es gibt mehr Gewinner als Verlierer. Meine persönliche Liste sieht wie folgt aus:

Die Gewinner:

David Jarolim: Ihr werdet es nicht glauben, viele werden fluchen – aber heut gegen Mitternacht werdet Ihr alle lesen, warum der ehemalige HSV-Kapitän bei mir an erster Stelle steht. Meine Wahl wird aus berufenem Munde genährt.

Manfred Düring: Der Leistungsdiagnostiker hat weite Teile und viele Phasen der Vorbereitung gestaltet, und er hat seine (Trainings-)Arbeit einfach überragend verrichtet. Wenn die Mannschaft am 21. August auf den Punkt fit sein sollte, dann ist es auch sein Verdienst. Kompliment.

Ruud van Nistelrooy: Der Niederländer hat hervorragend trainiert, hing sich voll rein, hatte trotz der Quälerei stets gute und beste Laune – und er war in Österreich der Liebling der Massen. Dass sich ein Weltstar so volksnah gibt, ist ungewöhnlich und eigentlich unfassbar. Selbst im größten Dauerregen blieb van Nistelrooy seiner unheimlich netten Linie treu – er ist ganz einfach ein Vorbild-Profi. Und ich erwarte von ihm eine ganz große Saison, weil die Grundlage dafür geschaffen wurde.

Heung Min Son: Um den Koreaner wurde in diesen Tagen viel Wirbel gemacht, ich sage jetzt: Wenn er das halten kann, was er in diesen Wochen verspricht, dann werden wir alle noch viel, viel Freude an ihm haben. Ich habe mich kürzlich ganz, ganz weit aus dem Fenster gelehnt, weil ich im Gespräch mit Armin Veh sagte: „Son erinnert mich an den 17-jährigen Cruyff.“ Ich weiß, ich weiß, sehr, sehr hoch gegriffen, ich werde eines Tages meine Worte „fressen“ müssen – aber ich stehe dazu. Mal abwarten, was wirklich wird.

Frank Rost: Tolle Leistungen im Training, er wirkt gefasst, hat seine Rolle (mit dem Konkurrenten Droby) offensichtlich angenommen, er schmollt nicht – und er wirkt absolut topfit und souverän. Bleibt das so, würde davon in erster Linie er – und der HSV profitieren.

Armin Veh: Ruhig, gelassen, mit Auge. Kein Schaumschläger, sondern mit beiden Beinen auf dem Boden – seine Ansagen sind klar und unmissverständlich. Beim HSV sitzt nun ein ganz anderes Kaliber auf der Bank.

Joris Mathijsen: Hat in dieser Saison noch nicht einmal mit dem Team trainiert, ist aber auf jeden Fall gesetzt. Welcher andere HSV-Spieler kann das schon von sich sagen?

Markus Günther: Der Reha-Trainer war in dieser Vorbereitung auch enorm gefragt, ich habe ihn oft bei seinem Programm beobachtet: klasse. Er macht sich Jahr für Jahr bei jedem HSV-Coach unentbehrlich, so läuft es auch in dieser Saison. Der „große Schweiger“ des HSV, der kaum einmal den Mund aufmacht, lässt seine gute Arbeit für sich sprechen. Das ist beste Eigenwerbung.

Ze Roberto: Fit wie ein Turnschuh. Und nicht verletzt. Tut viel, weil er daran anknüpfen möchte, was er im vergangenen Jahr zum Saisonstart gezeigt hat, damals war er Weltklasse.
Paolo Guerrero: Spielfreudig in neuer Rolle hinter der Spitze. Er blüht auf, hat Lust und Ideen, er kann richtig gut kicken. Und wenn er das auch über volle 90 Minuten zeigen kann, dann ist er aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Heiko Westermann: Kam, sah und spielte. Hat, wenn er unverletzt bleibt (oder ganz fit wird), seinen Stammplatz sicher. Weil er abwehren und aufbauen kann, zudem torgefährlich ist.

Romeo Castelen: Ihm drücken sie alle die Daumen, er macht schon wieder viel Spaß – und auch ich hoffe, dass er noch einmal so richtig Gas geben kann – und wird. Die Ansätze dazu waren in diesen Tagen schon wieder vorhanden, vielleicht wird der gute Kerl ja noch ein „Neuzugang“, den keiner auf dem Zettel hatte.

Jonathan Pitroipa: Leider verletzt (Knöchel), aber er ist in Schwung, er hat Mut, er hat auch die nötige Frische für sein Spiel. Sollte er nun auch noch im Abschluss sicherer werden, dann könnte er (endlich, so wie einst bei seiner Verpflichtung geplant) in der Liga für Furore sorgen. Auch wenn es ihm einige HSV-Fans immer noch nicht so richtig zutrauen – sie werden sich (wohl) dran gewöhnen müssen.

Die Verlierer:

David Rozehnal: Dem Tschechen klebt das Pech nach wie vor an den Stiefeln, er kommt von seiner Serie der unglücklichen Szenen einfach nicht los. Das ist tragisch für ihn – und für den HSV. Ich glaube, dass eine sofortige Trennung das Beste wäre, auch für ihn, denn wohl fühlen kann er sich in Hamburg eigentlich nicht mehr.

Wolfgang Hesl: Ihm wurde im Frühjahr viel versprochen, als er einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag beim HSV unterzeichnete. Nun kommt alles anders, er hat gleich zwei starke Konkurrenten vor der Nase und driftet ab zur Nummer drei, was er eigentlich, weil er sich in der vergangenen Saison deutlich verbessert hatte, nicht verdient hat.

Mladen Petric: Der HSV spielt nur noch mit einer Spitze, der Kroate muss als Linksfuß nun über rechts kommen – und ist nicht besonders glücklich darüber. Ob es doch noch klappt? Ich habe meine Zweifel. Auf jeden Fall ist Petric hinter van Nistelrooy nur die Nummer zwei als Spitze, und das wird ihm nicht sonderlich schmecken.

Mickael Taveres: Trainer Armin Veh plante gleich ohne ihn, Tavares trainiert mit, aber ohne zu glänzen – er wird sich einen neuen Verein suchen müssen, in Hamburg hat er null Zukunft.

Jaroslav Drobny: Er ist ein anerkannt guter, sogar sehr guter Torwart in der Bundesliga, aber noch hat Frank Rost (für mich) die Nase vorn. Drobny wird Geduld aufbringen müssen – ob er die hat? Ich habe ganz, ganz leichte Zweifel, würde mich aber freuen, wenn ich mich da irre.

Sören Bertram: Unter Labbadia noch ein ganz großes Talent, nun aber nicht mehr in Längenfeld dabei, weil Veh „mal andere Jünglinge sehen wollte“. Das klingt nicht danach, als könne er seinem Ruf als „eines der größten HSV-Talente“ noch gerecht werden. Es geht für ihn wohl nur über die Zweite (die Veh beobachten lassen will, oder selbst beobachten will).

Tunay Torun: Veh will nur vier Stürmer. Das sind van Nistelrooy, Petric, Guerrero und Son. Für den verletzten Torun (Kreuzbandriss) bleibt wohl kein Platz mehr übrig – es sei denn, Veh gewährt dem jungen Stürmer eine gewissen Zeit, sich wieder an das Team heran zu kämpfen.

Eric-Maxim Choupo-Moting: Er wird wohl durchfallen, sagt mir mein Bauch. Vom Trainer und seinen Assistenten gibt es noch keine Erklärung, aber das, was der WM-Teilnehmer Kameruns bislang zeigte, war nicht dazu geeignet, auf seine Karte zu setzen. Das ist der Kollege Son doch aus einem anderen Holz geschnitzt.

Änis Ben-Hatira: War einst ein großes, für mich sogar riesiges Talent, aber er ist stehen geblieben. Leider. Trainiert zurzeit in England (West Ham), aber ob er da sein Glück findet? Ich habe meine Zweifel, obwohl ich einst sein größter Fan war – er konnte doch so viel, hat sich aber zu oft verzettelt.

Urs Siegenthaler: Die größte Enttäuschung für mich, denn ich hatte voll auf ihn gesetzt, er sollte dem HSV eine Talentschmiede verpassen, die in einzigartig Deutschland gewesen wäre. Ich habe ihn einst (mehrfach) bei der Nationalmannschaft gesehen, gehört und kennen gelernt, er ist ein absoluter Experte und Fachmann, wenn er über den Fußball spricht, hängen alle an seinen Lippen – er ist nicht umsonst im DFB-Team von Joachim Löw. Aber dann diese völlig unmögliche Absage, die geht gar nicht, ein Novum. Deswegen ist Siegenthaler schon jetzt für mich die HSV-Luftblase des Jahres 2010.

20.07 Uhr

Der neue Fleiß – und eine Geschichte

2. Juli 2010

Herrlich! Auf Sylt gibt es keine Eintagsfliegen. Fußballerische Eintagsfliegen jedenfalls. Oder noch genauer: HSV-Eintagsfliegen. Grund dieser und meiner Erkenntnis: Am Donnerstag wurde bereits hart trainiert, und, jetzt kommt wieder Freude bei mir auf, am Freitag ebenfalls. Super. Die Jungs werden hart ran genommen, die Vormittagseinheit dauerte zwei Stunden und 20 Minuten. Bereits um 7.30 Uhr hatte Armin Veh sein Team zum Frühlauf gebeten, zweimal 15 Minuten. Auch wenn das Tempo da (bei einigen) nicht gerade hoch gewesen sein soll – die Herren tun etwas (mehr). Und diesem Freitag geht es auch noch weiter, denn nach dem Spiel Niederlande gegen Brasilien (sorry, ich war in Gedanken schon etwas weiter) wird noch eine Stunde auf dem Fahrrad verbracht, unterbrochen von 15 Minuten Dehnübungen. Mensch, das klingt alles so gut – von mir aus könnte diese Saison jetzt chon losgehen, ich bin auf diesen HSV gespannt wie ein Flitzbogen.

So, nun mal die Euphorie ein wenig runterfahren, denn die Profis werden ja auch bestens bezahlt, dafür dürfen sie sich dann auch ein wenig quälen. Ist nur so, dass ich eine solche Intensität seit über einem Jahr nicht mehr (beim HSV) gesehen hatte. Und es weht irgendwie auch ein anderer Wind im Training. Die erste halbe Stunde gehörte Co-Trainer Michael Oenning, und der ließ bei seiner Premiere-Einheit Passspiel üben. Mit einigen netten Kommentaren, die darauf hindeuteten, dass er keine „Luscherei“ duldet. Solche Töne gab es von einem HSV-Assistenten auch seit geraumer Zeit nicht mehr zu hören. Mir gefiel das.

Nach 30 Minuten übernahm dann, wie bereits am Donnerstag, Leistungsdiagnostiker Manfred Düring das Kommando. Kompliment an den diplomierten Sportwissenschaftler, er zieht sein Programm super durch. Offenbar hat er bereits das Vertrauen von Chef-Trainer Armin Veh erhalten, denn der neue Coach lässt Düring jegliche Freiheiten – und ich bin davon restlos überzeugt, dass sowohl Veh als auch der HSV davon profitieren werden. Düring hatte ein Zirkeltraining mit 15 Stationen aufgebaut, wer als Spieler nicht gerade an einer dieser Stationen „herumturnen“ musste, der lief einmal über das gesamte Spielfeld hin und zurück. Die jeweiligen Einheiten dauerten 30 Minuten, dann gab es aktive Erholung von 15 Minuten, in denen getrunken und dann gelaufen wurde.

Zum Tagesgeschäft. Der Transfer von Jaroslav Drobny zum HSV ist so gut wie perfekt. Der bisherige Hertha-Keeper hat den Medizin-Check des HSV überstanden, am Montag soll ein Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnet werden. Dann wäre der erste Neuzugang unter Dach und Fach. Und eventuell auch ein bisschen Ärger. Es sei denn, Frank Rost zieht die Konsequenzen und sucht sich auf die Schnelle noch einen neuen Arbeitgeber. Ich rechne ja fest damit. Auf’s Altenteil wird sich Frank Rost auf jeden Fall noch nicht setzen lassen.

Nach Drobny könnte durchaus schon in der nächsten Woche (?) ein weiterer Berliner zum HSV stoßen – Gojko Kacar. Die Verhandlungen mit dem Mittelfeldspieler sollen weit fortgeschritten sein, so dass es auch dort demnächst zu einer Unterschrift kommen könnte.

Gehandelt wird beim HSV ja auch der Schweizer Xherdan Shaqiri Das größte Talent der Schweiz (so heißt es immer wieder) spielt im Mittelfeld, dort vorzugsweise auf den Außenbahnen, mit Vorliebe dann auch links. Wie Marcell Jansen, Eljero Elia und Piotr Trochowski. Ob der HSV klug beraten ist, diese Position doppelt und dreifach zu besetzten? Oder, was ich auch schon gedacht habe: Shaqiri könnte ja auch eventuell über die rechte Seite kommen – als Linksfuß. Siehe FC Bayern und Arjen Robben. Wer hätte gedacht, dass van Gaal seinen Landsmann so eisern rechts spielen lässt? Und wer hätte dazu noch gedacht, dass das so gut funktionieren würde? Robben ist doch von rechts nicht mehr wegzudenken. Und eventuell funktioniert ein solches Modell ja auch beim HSV . . . Dann hätten sich die Hamburger eben mal etwas vom FC Bayer abgeguckt, na und?

So, es folgt noch die Sommergeschichte zum ersten Viertelfinale (hat aber weder etwas mit Brasilien noch mit den Niederländern zu tun).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich den Namen des Autoren nicht mit nach Sylt genommen habe, und dass ich von hier (der Insel) auch nicht in der Lage bin, ihn zu ergründen. Vielleicht meldet sich der Schreiber dieser Sommergeschichte und verrät uns seinen Namen – wäre schön. Auf jeden Fall einmal vielen Dank für die Zeilen und für die Mühe. Es ist ein weitere Beweis für mich, dass man auch überall auf der Welt HSV-Fan sein kann – sogar im Rheinland.

Es geht los:

Hallo HSVer,

nachdem ich hier so viele tolle Geschichten lesen durfte, die mich ein um das andere Mal an meine eigenen Erfahrungen mit dem HSV erinnerten, dachte ich mir, dass mein Beitrag da sicher ganz gut rein passen würde.

Ich bin HSV-Fan aus vollem Herzen, obwohl ich in der Nähe von Köln lebe. Angefangen hat alles damit, dass mein Papa mir zum zehnten Geburtstag mein erstes HSV-Trikot geschenkt hat. Er ist selber im Norden aufgewachsen und trägt die Raute ebenfalls im Herzen. Auf jeden Fall war ich von klein an in „unseren“ HSV verliebt.

Als ich noch Steppke war, hatten wir weder Internet, auf dem ich den HSV im Radio verfolgen konnte, noch konnte ich die Spiele in den hier gängigen Radio-Sendern verfolgen, da diese doch in sehr geringem Maße vom HSV berichteten. So ergriff ich sonnabends um 15:30 die einzig mir übrig bleibende Möglichkeit und schaltete den Fernseher an. Dann saß ich 90 Minuten vor der Videotext-Tafel, voller Spannung und in freudiger Erwartung, wenn das nächste Mal ein Ergebnis pink aufleuchtete. Was es immer tat, wenn dort gerade ein Tor gefallen war.

Besonders gut erinnere ich mich da an ein Tor von Roy Präger, ich weiß aber leider nicht mehr, gegen wen er dieses schoss. Meine Mutter hielt mich damals schon für bekloppt und konnte sich nicht erklären wieso ich so etwas mache, da ich ja schließlich in Köln aufgewachsen bin. Ich kann es ihr bis heute nicht erklären, aber ich kann ihr erklären, wieso ich mich jede Woche auf das Spiel vom HSV am Wochenende, oder wie in den letzten Jahren, auch meistens donnerstags so unglaublich freue.

Mein Herz schlägt einfach Schwarz-Weiß-Blau.

Dann wurde ich älter und mein Vater nahm mich zum ersten Mal zu einem Spiel zum HSV mit. Ich bin 1992 geboren und durfte nie in den Genuss des Volkparkstadions kommen. Dafür aber die atemberaubende Atmosphäre der AOL-Arena aufsaugen. Ich war begeistert, obwohl mein HSV über ein Unentschieden gegen den 1.FC Köln nicht hinauskam. Dies lag nicht zuletzt am schwachen Schiedsrichter, der ein klares Handspiel auf der Linie eines Kölners in der Nachspielzeit nicht erkannte, nachdem Sergej Barbarez den Ball nach einer Ecke aus fünf Metern Richtung Tor beförderte.

Für mein schönstes Erlebnis mit dem HSV muss ich jetzt allerdings einige Jahre weiter springen, sonst wird die Geschichte zu lang. Es war ein Auswärtsspiel in Leverkusen, vor drei Jahren. Das erste Mal Auswärtsblock Stehplatz. Zusammen mit meinem Onkel, meinem kleinen Cousin, die beide extra aus dem Norden angereist waren, sowie meinem Papa stand ich ganz unten am Zaun und feuerte den HSV an – so gut wie ich konnte. Doch allen Bemühungen des bis zum letzten Platz gefüllten Gästeblocks zum Trotz führte Bayer bis zur 70 Minute mit 1:0. Die HSV-Fans stellten sich schon auf eine Niederlage in Leverkusen ein, doch dann schlug die Stunde von Paolo Guerrero.
Der damalige HSV-Trainer Thomas Doll brachte also sein letztes Ass ins Spiel, der kurz darauf den Gästeblock mit einem Doppelpack innerhalb von fünf Minuten in ein Tollhaus verwandeln sollte. Man konnte jetzt eine Stecknadel in der ausverkauften Bay-Arena fallen hören, nur wir, der Gästeblock, waren obenauf. „Der HSV ist wieder da“, so hallte es nach Spielende durch Leverkusen.

Besonders freudig erinnere ich mich daran, dass Paolo Guerrero nach seinem zweiten Treffer an den Zaun des Gästeblocks lief, und weitere HSV-Spieler folgten, mit denen ich dann zusammen jubeln konnte. Es war so, als wäre ich Teil der Mannschaft, denn ich stand mit meinem Cousin ganz unten am Zaun. Auch die mich von hinten an den Zaun drückenden HSV-Fans konnten meine Freude nicht dämmen.
Wir feierten noch lange nach Schlusspfiff, und als ich nach Hause kam, schaute ich mir im DSF die Bundesliga am Sonntag an. Hierbei stellte ich stolz fest, dass ich beim gemeinsamen Jubel über das 2:1 im TV zu sehen war. Ein schönes Erlebnis. Es folgten weitere Auswärtsfahrten, die ich mit immer wieder enormer Begeisterung antrat.

In diesem Sinne, nur der HSV !!

PS: Eine Anmerkung noch von mir. Ein Matz-abber schrieb gerade, dass Frank Rost kürzlich im Flieger nach Manchester saß. das stimmt. Aber das hatte keine sportlichen Gründe, das war ein rein privater Besuch. Es muss von Eurer Seite also nicht gemutmaßt werden, ob Frank Rost demnächst im Tor von ManU oder von City stehen wird. Beides wird nicht passieren.

15.21 Uhr

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