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Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

„Wir haben sicher kein Thema Knäbel!“ – Adler wieder Nr. 1

2. April 2015

Der Gründonnerstag ist traditionell ein ruhiger Medientag. Die Kollegen der Print-Branche machen frei oder höchstens halblang, denn am Karfreitag erscheint keine Tageszeitung. Heute war es jedoch alles andere als ruhig in der Gerüchteküche – Thema: Trainerfrage beim HSV -, auch wenn am Ende wenig Zählbares stand. Aber dazu am Ende mehr.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Fans sich einfinden zu den Trainingseinheiten am Stadion. Heute war es bestimmt wieder eine dreistellige Besucherzahl. Die meisten von ihnen mussten sich ganz schön strecken während der knapp zweistündigen Einheit. Denn je mehr Fans kommen, desto höher und undurchlässiger werden die Planen drum herum. Klar: Peter Knäbel hat gerade vor seinem ersten Spiel wenig Interesse daran, dass viel von seiner taktischen Richtung nach außen dringt. Morgen beim Abschlusstraining wird es übrigens garantiert gar nichts zu sehen geben. Die Einheit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion statt.

Was nun die spannendste offene Personalfrage angeht, spielt Knäbel noch einige Stunden auf Zeit. Drobny oder Adler – das will der Trainer am Donnerstagabend mit beiden Torhütern besprechen. Sobald ich von einer Entscheidung höre, wird der Blog hier aktuell ergänzt. Im Training haben beide in etwa gleichlange Einsatzzeiten im vermeintlichen A-Team erhalten. Wie dieses A-Team aussehen könnte, deutete sich zumindest an. Die Viererkette hinten mit Diekmeier, Djourou, Westermann und Ostrzolek, davor Behrami und Jiracek, schließlich eine offensive Dreierreihe mit Müller, Stieber und Ilicevic sowie der einzigen Spitze Olic. Wenig Neues also, aber das war wohl auch nicht zu erwarten.
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AKTUELL: Rene Adler ist ab sofort wieder die Nummer 1 im HSV-Tor. Das teilte Peter Knäbel den beiden Torhütern am frühen Abend mit. Adler habe sich seinen Einsatz verdient, so Knäbel.
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In dem heutigen Video seht Ihr wie gehabt die Pressekonferenz. Ich will hier jetzt nicht alle Einzelheiten schriftlich wiederholen, aber einige Passagen lohnen doch für einen zweiten Blick. Sportlich Erhellendes war nicht herauszuhören – da wollte Knäbel deutlich spürbar wenig preisgeben. Erfeulich jedenfalls, das hat Knäbel klar bestätigt, dass es vor der Partie wenig Säbelrasseln oder Revanche-Gelüste gibt, nachdem das Hinspiel ja vor Emotionen nur so kochte. Der HSV hatte das Calhanoglu-geprägte Spiel mit 1:0 für sich entschieden.


 

Natürlich wurde Peter Knäbel angesprochen auf die Äußerungen von Aufsichtsrats-Boss Karl Gernandt am vergangenen Sonntag. Sehr klar und gerade nahm Knäbel dazu Stellung, und es war zwischen den Zeilen zu hören, dass er nicht begeistert war über das, was er da von Gernandt hören konnte. Nachdem Vereinschef Dietmar Beiersdorfer ja angekündigt hatte, Knäbel werde so oder so auf den Posten des Sportdirektors zurückkehren, hatte Gernandt ebendiese Einschätzung in Zweifel gezogen. Knäbel würde die nötige Strahlkraft verloren gehen, wenn der HSV absteige. So umschrieb Unternehmer Gernandt seine Zukunftsprognose im Abstiegsfall.

Völlig zurecht hat Knäbel nun entgegnet, dass die fehlende Strahlkraft „bei jedem im HSV so sein wird, der Verantwortung trägt“. Eine banale Aussage eigentlich, aber sie trifft den Kern. Und sie offenbart auch den Fehler in der Gernandt-Aussage, denn wenn dieser HSV tatsächlich den Weg nach unten gehen muss, dann steht zwangsläufig alles auf dem Prüfstein. Einen Peter Knäbel da noch herauszunehmen, ist also überflüssig gewesen. Ist nicht im Abstiegsfall Karl Gernandt selbst gnadenlos gescheitert? Dietmar Beiersdorfer ebenso? Wie sieht es mit Bernhard Peters aus? Diese Debatten würden kommen, daran führt kein Weg vorbei. Insofern absolut korrekt, wenn Peter Knäbel heute schlussfolgert: „Wir haben aktuell alles – aber sicher kein Thema Knäbel.“

Weil Knäbel beim HSV auch um alles kämpft, nicht aber um seine persönliche Zukunft als Trainer, kann er auch die Diskussionen um Thomas Tuchel glaubhaft beiseite schieben. Er muss sie nicht deuten als Angriff auf seinen Posten, und darf sich deswegen auch – so wie heute geschehen – darüber freuen, dass ein begehrter Mann mit dem HSV in Verbindung steht. Es beeinflusse ihn überhaupt nicht, und selten habe ich bei einer Trainerdiskussion einen Satz gehört, der so glaubhaft war wie dieser von Peter Knäbel.

Natürlich sorgt dies nicht dafür, dass irgendwelche Sorgenfalten kleiner werden. Die gesamte HSV-Führung hat sich in den vergangenen Tagen immer wieder zitieren lassen mit selbstkritischen Bemerkungen. Dass offensichtlich niemand von den Granden befürchtet hat, dass die aktuelle Lage so misslich sein würde, wie sie jetzt ist, kann man als ehrliches Hinterfragen der eigenen Performance werten. Selbst wenn sie nichts an den Fehlern ändert, die Scholle hier in seinem gestrigen Blog, wie ich denke, klar und eindeutig aufgezeigt hat.

Die Verantwortlichen müssen sich sogar vorwerfen lassen, sich in ihrem mittel- und langfristigen Planen so sehr gefallen zu haben, dass sie die aktuelle Entwicklung nicht mehr in den Griff bekommen haben. Stand jetzt jedenfalls. In Wahrheit hat nicht eine einzige der personellen oder strategischen Entscheidungen von Beiersdorfer und Co. irgendeinen positiven Einfluss auf die laufende Saison gehabt. Mit vielen Maßnahmen sollten Weichen gestellt werden, und es liegt ja auch auf der Hand, dass ein Bernhard Peters beispielsweise mit einer Neu-Ausrichtung des Jugend- und Nachwuchsbereiches nicht nach einem halben Jahr am Ziel seiner Träume sein kann.

Ebenso klar ist, dass Beiersdorfers Identitätsfindung nicht, nachdem der Identitätsverlust des HSV über Jahre betrieben wurde, in einer Saison funktionieren würde. Auch Peter Knäbel konnte bislang keine einschneidenden Einflüsse auf das Transfergeschäft geltend machen – in seine Zeit beim HSV fällt gerade einmal eine Winter-Transferperiode. Mit anderen Worten: Das, was im Mai vergangenen Jahres als Aufbruch startete, kann nicht im April 2016 umgesetzt sein. Wer das geglaubt hat, ist naiv.

Leider muss dieser Vorwurf nach Naivität manchen Entscheidungsträger selbst treffen. Denn das trotz des Einsatzes großer Mittel und einer Mannschaft, die vom Gehaltsniveau und von der eigentlichen Leistungsstärke seiner einzelnen Kicker viel weiter oben stehen müsste, nicht mehr als Platz 16 mit 16 kümmerlichen Toren herausgesprungen ist, das ist eben auch ein Fehler der auf langwirkende Strategie setzenden hohen Herren beim HSV. Nachdem erkannt wurde, dass die Mannschaft in sich kein funktionierendes Gefüge und keine Hierarchie besitzt, die Leistungsfußball fördert, wurden strategisch fragwürdige Transfers getätigt. Der chronisch angeschlagene Behrami, um endlich einen Leader im Mittelfeld zu haben. Mit Cleber einen brasilianischen Innenverteidiger für drei Millionen Euro, um wirklich einen im positiven Sinne brutalen Abwehrspieler zu haben – egal ob er große Eingewöhnungsprobleme haben könnte und technisch etwas unter Thiago Silva steht. Mit Olic einen Rückkehrer im Sturm, der trotz seines Alters und des fehlenden Wiederverkaufswertes zumindest Leistung und Einstellung garantieren sollte, die das vorhandene, traumatisierte Personal nicht zu liefern imstande war.

Diese Transfers sind jeder für sich genommen als Rettungsanker nachvollziehbar, weil sie auf aktuelle Defekte, wie Dietmar Beiersdorfer es nannte, reagierten. Doch abgesehen davon, dass der sportliche Niedergang trotzdem nicht verhindert werden konnte, wird jede einzelne Maßnahme, die die eigene Strategie konterkariert, den dringenden Prozess des Umbruchs erneut verzögern. Und zwar nicht nur in dieser Saison, sondern auch in der nächsten. Finanzielle Mittel werden gebunden, die eigentlich für andere Transfers, die in die Zukunft gerichtet sein sollen, da sein müssten. Der eine oder andere Platz im Kader wird durch einen Arrivierten besetzt, wo doch ein Youngster hineinpreschen müsste.

Ich wurde vor zwei Wochen nach dem Trainerwechsel gefragt, ob damit nicht das gesamte neue Konzept erledigt sei. Im Abstiegsfall ist die Antwort eindeutig – dann ist erstmal alles erledigt. Unter welchen Bedingungen der HSV dann, mit welchem Personal und mit welchen Führungsfiguren, wieder aufstehen will, ist einigermaßen unklar. Was aber, wenn der Klassenerhalt doch gelingt?

In ferner Zukunft, das wird sich jeder HSV-Fan erhoffen, wird die Saison 2014/2015 dann unter Umständen als notwendige Zittersaison gesehen werden, die anschließend – analog Borussia Mönchengladbach – zum Aufschwung geführt hat. Ob es so kommt, wissen wir heute nicht. Wer garantiert, dass nicht eine weitere, dritte Horrorsaison folgt? Genau hier setzen die strategischen Entscheidungen der Vereins-Führung an. Und ich behaupte, dass man erst in der kommenden Saison beurteilen kann, ob die Beiersdorfer-Maßnahmen in die richtige Richtung geführt haben oder nicht. Eine Stabilisierung mit einer veränderten Mannschaft, die sich endlich wieder Leistungssport-Gesichtspunkten beugen muss, muss das Ziel sein. Das ist sicher nicht unmöglich, wenngleich das Hineinschliddern in die momentane Lage das Vertrauen in die führenden Personen erschüttert hat.

Und während ich so darüber nachdenke, was die Zukunft dem HSV bringen wird, blicke ich auf den Spielplan der kommenden Wochen. Auswärts Leverkusen, zu Hause Wolfsburg, auswärts Bremen. Wenn sich fortsetzt, was der HSV aktuell bietet, dann steht das Team nach diesen Partien – eventuell noch vor dem SC Paderborn – auf einem Abstiegsplatz in der Bundesliga. Und es sind nur noch fünf Spiele übrig. Das Konzept des HSV mit Dietmar Beiersdorfer hängt am seidenen Faden.

Und damit auch die Verpflichtung von Thomas Tuchel. Hier möchte ich am Beginn einhaken. Gegen Mittag, die HSV-Pressekonferenz lief gerade, erreichte mich eine Nachricht. Die Leipziger Volkszeitung habe getwittert, Thomas Tuchel gehe zu RB. Ich wollte Knäbel gerade danach fragen, da folgte schon das Online-Dementi. Der Twitter-Account der Zeitung sei geknackt worden – es war eine Falschmeldung.

Kurz danach meldete die „Rhein-Neckar-Zeitung“, Thomas Gisdol sei ein Trainer-Kandidat in Hamburg. Nicht unbedingt weit hergeholt, denn dass Bernhard Peters große Stücke auf Gisdol hält, ist bekannt. Allerdings dementierte der HSV die Meldung.

Es sind noch nicht einmal zwei Tage bis zum Spiel eins beim HSV unter Peter Knäbel. Die Spannung steigt.

Lars
18.40 Uhr

Der HSV ist Meister…

1. April 2015

im Machen halber Sachen. Außer in der Vorstandsetage gibt es in bislang noch jedem Bereich des Vereins halbe Sachen, offensichtliche Kompromissentscheidungen und offene Planstellen. Selbst im täglichen Training beherrschen Übergangslösungen und Kompromisse das Geschehen. In einer derart unsicheren Phase wie in diesem harten Abstiegskampf kann diese Unklarheit auf allen Ebenen ein wesentlicher Faktor werden. Befürchte ich. Aber der Reihe nach:

 

Der Nachwuchs: Bernhard Peters wischt hier seit Sommer radikal durch. Auf der einen Seite sorgt das für Unsicherheiten bei den Übungsleitern – auf der anderen Seite war das nach Jahren der Erfolglosigkeit zwingend notwendig. Selbst die Trainer der zwei wichtigsten Nachwuchsteams bekamen frühzeitig mitgeteilt, dass sie für diese Saison noch gut genug seien, ab der neuen Serie aber von anderen ersetzt werden. In der U23 soll ein Fußballlehrer kommen, während der gerade krankheitsbedingt als U23-Trainer zurückgetretene Daniel Petrowski den Fußballlehrer und Dauer-U19-Coach Otto Addo ablösen soll.

Kluger Kopf udn Stratege: Bernhard Peters sortiert den Nachwuchs um. Noch mit mäßigem Erfolg.

Kluger Kopf und Stratege: Bernhard Peters sortiert den Nachwuchs um. Bilsnag noch mit mäßigem Erfolg.

Seit der Mitteilung im Dezember läuft es bei beiden Mannschaften eher schlecht als recht. Dass jetzt ausgerechnet der vor Saisonbeginn bei der U23 gefeuerte und anschließend als Techniktrainer geparkte Rodolfo Cardoso interimsweise übernommen hat spricht für sich. Kurzum: Der Nachwuchsbereich gleicht weiter einer Baustelle ohne klares System. Noch. Denn wie zu hören ist, soll zur neuen Saison mit neuen Verantwortlichen strukturell Klarheit geschafft werden. Besser gesagt: Es muss Klarheit geschafft werden, will man in der Jugend der Konkurrenz nicht weiterhin hinterherlaufen.

 

Die Mannschaft: Auch heute pausierte Valon Behrami, obgleich er für die Schweiz zuletzt nicht auflaufen musste. Als absoluter Führungsspieler war er im Sommer angepriesen worden, obgleich er in allen Gesprächen vom Verein die Zusicherung einforderte, unter der Woche immer wieder pausieren zu dürfen, da seine Knie einfach nicht mehr hergeben. Im Gegenzug versprach er, jedes Spiel zu spielen – auch wenn er dafür mal Schmerzen in Kauf nehmen muss. Der HSV stimmte zu, weil er keine bessere Alternative hatte. Eine Kompromisslösung, die nur bedingt funktioniert. Trainieren kann Behrami selten. Zweifellos: Wenn er denn mal auf dem Platz ist, spielt Behrami sein Spiel und hilft dem HSV. Aber er musste im Winter operiert werden und fehlte in bislang sechs Rückrundenspielen. Erst dreimal wirkte er 2015 mit. Dass er sich intern ob seiner andauernden Trainingspausen mit der Mannschaft nicht optimal einspielen kann – keine Frage.

Fehlt oft - in Trainingseinheiten wie Spielen: Valon Behrami, der als "Aggressive Leader" der Mannschaft Impulse verleihen soll

Fehlt oft – in Trainingseinheiten wie Spielen: Valon Behrami, der als “Aggressive Leader” der Mannschaft Impulse verleihen soll

 

Hinzu kam, dass die zweite, entscheidende Personalie nicht griff, und der Kapitän einfach sportlich nicht mitkam. Im vergangenen Sommer entschied sich der HSV nach langen Überlegungen, Rafael van der Vaart doch zu behalten. Mehr noch: Der Niederländer ist sogar der festgelegte Kapitän. Und als in den ersten Spielen deutlich wurde, dass der einstige Weltklassemann einfach nicht mehr das nötige Tempo hat, wurde er auf die Sechs geschoben. Für ihn musste ein junger und zweifelsfrei talentierter Spieler wie Tolgay Arslan weichen und im Winter letztlich sogar gehen. Dabei setzte van der Vaart in bislang einem einzigen Spiel positive Signale: Im Hinspiel gegen Bayer Leverkusen. Ansonsten fiel der Held alter HSV-Tage hinten über. Allein die Trainer versuchten ihn immer wieder ins Team zu drücken und konterkarierten damit ihr eigens ausgerufenes Leistungsprinzip zu offensichtlich.

 

Dass jetzt auch noch die Torwartposition neu diskutiert wird, dürfte der Sicherheit im Team nicht zuträglich sein. Im Gegenteil: Trotz Adlers guter Listungen und einer zweifellos besseren, längerfristigen sportlichen Perspektive, ist die Abwehr mit Drobny eingespielt. Der Tscheche war unumstrittene Nummer eins bis zur Roten Karte. Er galt und gilt als verbaler Antreiber und zuverlässiger Rückhalt. Eine Änderung auf der Position wäre vertretbar – aber unnötig. Zumal Drobny in der Mannschaft aktuell ein höheres Standing genießt als Adler.

 

Der Trainer: Nachdem Slomka im Sommer mangels Alternative weitermachen durfte, folgte Zinnbauer auf ihn. Beide Trainer hatten immer den Namen Thomas Tuchel, der über ihnen schwebte und sich bis heute hält. Auch die Mannschaft registrierte, dass die Trainer nicht erste Wahl waren – was nie gut ist. Die Akzeptanz des Chefs leidet und die unzufriedenen Spieler trauen sich noch eher, schlechte Laune zu verbreiten und der Teammoral zu schaden. Peter Knäbel ist jetzt schon der dritte Übergangstrainer in einer Saison – ein Indiz, das einen Abstieg erklären könnte.

 

Für Knäbel spricht, dass er als Direktor Sport der oberste Vorgesetzte der Spieler ist. Auch jetzt als Trainer und Direktor Profifußball in Personalunion. Die Spieler wissen also, dass sie sich gerade bei ihm nichts erlauben dürfen, wenn sie in Hamburg bleiben wollen. Das lässt zumindest ein wenig hoffen. Aber selbst der neue, von allen hoch gelobte und von den Spielern jetzt schon gefeierte Cotrainer Peter Hermann ist nur bis Saisonende da. Derart viel Unruhe und Unklarheiten hat sonst kein Bundesligaklub auf der Position der sportlichen Führung.

 

Und das alles, um die Position für einen Trainer offen zu halten, der dem HSV zwar positive Signale sendet, der aber noch nicht zugesagt hat? Hier geht der HSV ein enorm hohes Risiko, selbstverschuldet den Weg in die zweite Liga antreten zu müssen. Denn klar ist, dass Beiersdorfer vor der Saison die Defizite erkannt und angesprochen hatte – nur abzustellen wusste auch er sie nicht. Vor allem aber verwunderte mich heute der – absolut zutreffende! – Satz Beiersdorfers in der Bild: „Es funktioniert beim HSV seit Jahren nicht, weil die Mannschaftsstruktur nicht gefestigt ist. Das müssen wir ändern. Wir müssen eine klare Linie reinbringen, die vorgibt, welche Spieler und Trainer für uns infrage kommen.“ Worte, die der Vorstandsboss so auch schon vor der Saison sagte, bevor er zusammen mit seinen Kollegen 33 Millionen Euro in neue Spieler investierte.

 

 

Ihr seht, das Konzept 2014/2015 ist nicht nur ohne Erfolg – es besitzt keine Stringenz. Selbst die Entscheider, die den Weg beim HSV derzeit vorgeben, waren anfänglich nicht komplett. Die Kaderplanung im Sommer wurde jedenfalls nur anteilig vom Hauptverantwortlichen (Knäbel) getätigt, das dieser erst spät im Sommer mit dem HSV einig wurde. Ich behaupte, dass Dietmar Beiersdorfer trotz seiner unbestrittenen herausragenden analytischen Fähigkeiten bei seiner Zusage die Tragweite der hier vorherrschenden Mängel nicht bewusst war. Dadurch ist der HSV weiterhin nichts anderes als ein Flickenteppich. Es gilt das Motto: Irgendwie die Klasse halten „und dann mal so richtig umstrukturieren“. Dann wird alles anders – und vor allem besser. Diesmal auch wirklich…! Mit Tuchel samt neuem Trainerteam, mit vier sicheren und einigen weiteren Abgängen sowie Zugängen für rund 25 Millionen Euro soll dem seit Jahren inflationär genannten Umbruch in Hamburg endlich mal Genüge getan werden.

 

Und damit Ihr mich nicht falsch versteht, ich hoffe, dass es so kommt. Ganz klar. Ich glaube auch, dass Beiersdorfer, Knäbel, Peters und letztlich auch Tuchel einen Plan haben, wie das umzusetzen ist. Aber ich weiß eben leider auch, wie knapp es in der vergangenen Saison war und wie hart das Restprogramm in dieser Saison ist. Und eindeutige Ansätze, dass es dieses Jahr klappen wird, habe ich nicht. Ich sehe in jedem Bereich offensichtliche Mängel – ohne klare Stärken, die man dagegen setzen kann. Ich habe das Gefühl, dieses Jahr herrscht sogar etwas mehr Abstiegsangst vor als letzte Saison.

 

Dass (auch ich) ohne Rücksicht auf vorliegende Fakten immer wieder sage: „Ach, irgendwie wurschteln die sich da durch“ ist (zumindest bei mir) nicht mehr als Zweckoptimismus. Gegen die eigene Überzeugung oder realitätsfremd mag man das nennen – aber es ist angesichts der schon jetzt verkorksten Saison auch das letzte Stilmittel, um der Mannschaft zumindest moralisch von außen noch zu helfen. Eben so, wie es Fans machen. Und wahrscheinlich auch so, wie es die Beiersdorfer, Knäbel, Peters, Hermann und Co. inzwischen machen. Und egal wie es am Ende ausgeht: Wundern muss sich in diesem Verein niemand mehr.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr trainiert. Dann soll auch Marcell Jansen wieder dabei sein, der heute entgegen eigener Hoffnungen noch nicht wieder mittrainierte. Auch Valon Behrami soll am Donnerstagnachmittag wieder voll einsteigen.

 

Bis dahin.

Scholle

P.S.: Hier noch – absolut passend zum heutigen Thema – eine unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Lasse führt sogar mit seinem Burgerentwurf in Hamburg. Logisch….!!!

Der Link zur Abstimmung:
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http://meinburger.mcdonalds.de/burger/20763720322113

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Zinnbauer vor dem Aus – Knäbel war das Spiel zu „wirr“

21. März 2015

Heute wird es keine Entscheidung geben über die Zukunft von Joe Zinnbauer beim HSV. So viel vorweg – aber das Wochenende ist noch lang. Denn ungeachtet des Zeitplans steht fest: Acht Spiele vor dem Ende dieser Bundesliga-Saison, die ähnlich desaströs zu werden scheint wie die vorige, ist die Zeit von Rettungsankern und Strohhalmen gekommen. Ein Trainerwechsel steht vor der Tür.

Manager Peter Knäbel, der sonst recht deutlich hinter Zinnbauer stand, ist von seiner ursprünglichen Wortwahl deutlich abgewichen. Das betrifft den Auftritt der Mannschaft: „Es gab viel zu viele Phasen, in denen wir zu wenig klar waren im Aufbauspiel und keine Struktur hatten. Als wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hat die Mannschaft nicht so umgeschaltet, dass die zwei Stürmer in Szene gesetzt wurden. In der zweiten Halbzeit war es, je länger es dauerte, wirr.“ Wo Knäbel sonst davon gesprochen hatte, sehr zufrieden mit Joe Zinnbauer zu sein, sagte er jetzt im Hinblick auf das Krisengespräch, das vermutlich am morgigen Sonntag ein Ergebnis haben wird: „Das allerwichtigste ist, welche Maßnahmen man trifft, um in den folgenden acht Spielen die Klasse zu halten. Es sind Fakten auf dem Tisch, es ist eine Situation zu klären. Das muss man in aller Nüchternheit tun und in aller Verantwortung für den Hamburger Sport Verein.“

Was ich jetzt hier schreiben könnte aktuell zum Hertha-Spiel, das ist auch an dieser Stelle schon tausend Mal geschrieben worden. Kampf und Einsatz waren zu Beginn da, wie so oft. Dann gelingt kein Tor, wie so oft. Dann zieht sich die Mannschaft zurück, wie so oft. Dann wird es planlos, wie so oft. Dann fällt das entscheidende Gegentor, wie so oft. Aus diesem Teufelskreis ist der HSV in dieser Saison nur sporadisch ausgebrochen – und wenn, dann nur unter allerhöchstem Einsatz und gelegentlich an der Grenze der Legalität.

Dass dies so gekommen ist, sorgt in der Führungsetage des Vereins für Ratlosigkeit. Eigentlich, so war man doch überein gekommen, hat man einen jungen und frischen Trainer geholt. Unverbraucht in der Bundesliga noch dazu. Die Mannschaft wurde aufgepeppt mit Lasogga, Holtby, Ostrzolek, Müller, Cleber, Olic und Diaz. Dazu frisches Blut mit Gouaida, Götz und Marcos. Und zwei Torhüter auf Top-Niveau, Adler und Drobny. Doch: Es passt alles nicht!

Nur zu gern hätten die Verantwortlichen den Schwung mitgenommen aus dem vergangenen Sommer und der Umwandlung des Profi-Fußball-Bereichs in eine AG. Doch das hat nicht funktioniert. Warum nur? Selbst Finanz-Spritzen im Winter durch Klaus-Michael Kühne und Alexander Otto, selbst etwas fürs Herz, die bevorstehende Rückkehr des „Volksparkstadions“, bewirken nichts. In einer Mannschaft, die vom vermeintlichen Können der einzelnen Spieler auf einem ganz anderen Tabellenplatz stehen müsste, als sie das aktuell tut.

Warum also all dies? Johan Djourou hat ja recht, wenn er die Leistung gegen Hertha BSC skizziert: „Das ist nicht genug von uns. Zuhause gegen einen direkten Konkurrenten müssen wir einfach mehr tun. Es ist nicht gut genug!“ Und beim Blick auf den Spielplan wird einem sowieso Angst und Bange. Die nächsten Gegner heißen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagte Außenverteidiger Dennis Diekmeier, gegen Hertha sogar noch einer der Schlechtesten. „Die Mannschaft will und hält zusammen.“ Nun ja…

Ungeachtet struktureller Defizite, die die Arbeit der mittleren und fernen Zukunft betreffen, wird die HSV-Führung nun Handlungsfähigkeit in der Gegenwart nachweisen und der Notwendigkeit nachkommen, einen Cheftrainer zu präsentieren, der den Klassenerhalt schaffen soll. Joe Zinnbauer könnte in diesem Fall zur U 23 zurückkehren. Dort ist der Posten für die kommende Saison noch nicht besetzt. Und da Zinnbauer ohnehin einen Vertrag beim HSV bis 2016 besitzt, wäre diese Variante denkbar. Dass Dennis Diekmeier unmittelbar nach dem Ende des Hertha-Spiels davon sprach, die Mannschaft stehe voll und ganz hinter Zinnbauer, weil er immer Einsatz zeige, wird sich schnell überholt haben. Zinnbauer erreicht die Mannschaft nicht mehr, sie vertraut seinen Maßnahmen nicht. Diese These hat Mental-Trainer Olaf Kortmann vor einigen Wochen bereits in einem Interview genannt. Er scheint Recht zu haben.

Was mit Zinnbauer geschieht, ist bis hierhin noch Kaffeesatzleserei. Genauso gibt es noch keine konkreten Erkenntnisse, wer den Kahn wieder flott machen kann. Labbadia, Jol, von Heesen – das sind die Namen, die die Runde machen. Ich werde mich jetzt nicht ergehen in Prozentzahlen, wer wie wahrscheinlich ist. Nur eines vielleicht: Die heiße Spur soll nicht zu von Heesen führen.

In der aktuellen Lage muss das Dreigestirn beim HSV, zu dem noch Sportdirektor Bernhard Peters gehört, darauf setzen, dass dieser Club vor allem ein Trainerproblem hat. Dass ein Magier kommt und den verunsicherten Hanseaten die Laufwege zeigt, die zum Tor führen. Viele, die in den vergangenen Wochen und Monaten beim Training oder auch im Trainingslager dabei waren, haben beobachten können, wie intensiv Joe Zinnbauer gerade am schnellen Offensiv-Spiel gearbeitet hat. Aber ob ihm nun durch Verletzungen das Stammpersonal nicht ausreichend zur Verfügung stand oder die Übungen einfach nicht zur Umsetzung reichten – es nützt alles nichts: Die desaströse HSV-Offensive konnte Zinnbauer nicht beleben. Die Zahlen sind eine Katastrophe. Es sind die Zahlen eines Absteigers. Erst 16 Tore geschossen in 26 Partien. Aktuell auch wieder 315 Minuten ohne Treffer. Das ist alles an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.

Während ich diese Zeilen geschrieben habe, konnten der VfB Stuttgart und der SC Freiburg ihre Bundesliga-Spiele des Nachmittags gewinnen. Paderborn hat einen Punkt geholt. Auch das noch. Der HSV ist erneut auf den Relegationsrang 16 zurückgefallen.

Gestern nach der Niederlage gegen Hertha habe ich einen extrem genervten HSV-Fan getroffen. „Das ist doch alles Verarschung hier mit dem HSV“, schimpfte er. „Voriges Jahr zittern wir so sehr, dass es wehtat. Wir haben so schlimm gelitten wie noch nie und alles gegeben für den HSV. Wir dachten, dass es ein Wunder ist, dass wir es geschafft haben. Das würde uns so schnell nicht wieder passieren und uns könnte nichts so schnell umhauen. Und was ist? Jetzt daddeln die sich wieder dem Abstieg entgegen, so als habe es die Erfahrung in Fürth nicht gegeben. Verarschung!“

Menschenskinder, nächste Woche ist das Abschiedsspiel von David Jarolim. Wem ist wohl aktuell zum Feiern zumute?

Heute hatte die Mannschaft trainingsfrei. Morgen stehen einige Lauftests für Spieler auf der Tagesordnung, ehe am Montag eine Doppelschicht ansteht. Joe Zinnbauer leitet sie – Stand jetzt. Der Sonntag wird daran wahrscheinlich etwas ändern. Darüber hält Euch Dieter dann auf dem Laufenden.

Lars
18.05 Uhr

Es stimmt hinten und vorne nicht!

15. März 2015

„Jetzt müssen wir am Freitag gegen Hertha BSC gewinnen, das ist sehr wichtig. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind.” Gesagt hat es Dennis Diekmeier, aber es dieses Zitat könnte von jedem HSV-Spieler und von jedem Offiziellen stammen. Es ist fünf vor Zwölf, obwohl ich gar nicht von der „ewigen Uhr” anfangen möchte. Neun Spiele hat der HSV noch, gegen Berlin, in Leverkusen, gegen Wolfsburg, in Bremen, gegen Augsburg, in Mainz, gegen Freiburg, in Stuttgart und gegen Schalke 04. Und einige Experten hatten schon vor Wochen errechnet, dass der HSV fünf, mindestens aber vier Siege benötigt, um zu überleben. Die Spiele aber werden immer weniger, und Hamburger Siege stellen sich partout nicht ein. Wo wird das enden? Immer mehr Fans, Experten und Ehemalige sind fertig mit den Nerven und behaupten: „Diesmal steigt der HSV ab!” Zumal sich die Entwicklung des Vorjahres noch nicht abzeichnet. Damals verloren Braunschweig und Nürnberg immer einträchtig mit, jetzt tun es die Stuttgarter noch, und Paderborn sackt immer tiefer ab – aber ansonsten wehren sich die Abstiegskandidaten 2015 wesentlich besser – als der HSV.

 


 

 


„Wir sind wieder ein Stück weitergekommen, auch wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber die werden irgendwann kommen, da bin ich mir ganz sicher.” Hat HSV-Trainer Joe Zinnbauer abends bei seinem zweiten Auftritt im ZDF-Sportstudio gesagt. Eine mutige Aussage, denn zu Buche stand und steht ja immerhin die 1:3-Niederlage in Augsburg.

 

Dieses „Dokument” habe ich heute per Zufall entdeckt. Es stammt vom 29. November 2014. Die Ergebnisse stimmen immer noch nicht, und es fällt mir persönlich schwer, daran zu glauben, dass sie noch einmal besser werden. Bei 16 geschossenen Toren! SECHSZEHN! In 25 Spielen. Ich sah gestern noch die Schlussphase von Dortmund gegen Köln (0:0). In der Schlussphase des Spiels fuhren die „Geißböcke”, denen nachgesagt wird, dass sie mauern würden, einen mustergültigen Konter-Angriff, wie ihn der HSV nicht hinbekommen würde. Sechs Kölner liefen im Sprinter-Tempo gegen den BVB-Strafraum an, sechs! Ich muss es wiederholen: sechs! Und Dortmund hat im Gegenzug kein Tor geschossen (logisch, bei 0:0), aber der BVB schoss auch deshalb kein Tor, weil alle Kölner – kurz vor Schluss – im Sprinter-Tempo wieder hinten waren. So geht Fußball. Beim HSV läuft meistens nur einer nach vorne, das ist der leidgeprüfte Ivica Olic, der arme Teufel – und die anderen sehen meistens zu und wünschen viel Erfolg. Warum sollten sie auch mit nach vorne laufen, der Ball geht doch gleich wieder verloren. Dann kann man auch hinten bleiben und getrost auf den nächsten Angriff des Gegners warten.

 

Nein, meine Herren, es stimmt hinten und vorne nicht. Vorne ganz offensichtlich, aber hinten deswegen, weil es kaum Unterstützung für den Einzelkämpfer dort vorne gibt. Sechszehn Tore: Das muss man sich mal vorstellen. In 25 Spielen. Das ist doch unfassbar. Und zu diesem Dilemma gesellt sich dann auch noch viel Pech. Hier ab und zu mal ein „falscher Elfmeter” (wie zum Beispiel in Augsburg und Frankfurt), dort mal ein „richtiger” Strafstoß mit anschließendem Platzverweis – und wer weiß schon, was es in Zukunft noch alles für und gegen den HSV geben wird? Auch an Verletzungen? Immer wieder aufbrechende Blessuren, oder auch neue, wie jetzt zum Beispiel Heiko Westermann. Der Routinier erlitt in Sinsheim eine Innenbandverletzung im Knie. Und eine solche Verletzung klingt nicht nur nicht gut, sie dürfte auch nicht schnell zu „beheben” sein. Zumindest das „Endspiel” gegen Hertha dürfte „HW4″, der in Sinsheim sein 150. Bundesliga-Spiel mit der Raute auf der Brust absolvierte, schon einmal verpassen.
Wobei ich mir jeglichen weiteren Kommentar verkneife, das darf sich ein jeder hier selbst eintragen . . .

 

Der HSV, das nur mal so zur Erinnerung, ist die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Zwei Siege, neun Pünktchen und sechs (!) zu 24 Törchen. Wir schreiben inzwischen März 2015 – wer soll denn aus der Bundesliga absteigen? Die Tabelle lügt nicht, heißt es immer so schön. Aber, und das sei nun mal zum Öffnen der Augen angeführt, aus welchem Stoff sind eigentlich Absteiger gebaut? Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt der Saison, wo es mit allen Entscheidungen enger, enger und enger wird, darf das ja mal gefragt werden. Und mal ehrlich, warum ist das Hertha-Spiel denn jetzt auf einmal so wichtig? Hoffenheim wäre auch mal ganz wichtig gewesen. Und die Gegner zuvor wären auch alle schon ganz, ganz wichtig gewesen. Wie oft haben wir das schon gehört, dass das alles so wichtig ist. Und dann? Passiert doch meistens nichts. Wie oft stand er HSV in der jüngeren Vergangenheit schon vor ganz wichtigen Spielen – und hat dann doch nichts geholt. Unzählige Male gab es das schon. Unzählige Male. Ich kann und mag es nicht mehr hören.

 

Natürlich hatte der HSV in Sinsheim das Pech, dass Jaroslav Drobny früh die Rote Karte gesehen hatte. Es war der zweite Platzverweis eines HSV-Torhüters seit de, 17. September 1994, als Uli Stein beim 1:1 gegen Bayern München Rot gesehen hatte. Die Statistik damals in den Spielen davor liest sich zudem ziemlich gruselig, das nur mal so nebenbei: Gelb
-Rot für Andreas Sassen (am 19. August gegen Stuttgart), Gelb-Rot für Valdas Ivanauskas (am 3. September gegen den KSC) und Rot für Michael Kostner am 10. September im Pokalspiel gegen Schalke – und danach Stein. Der hatte bekanntlich davor schon einmal „voll“ Rot gesehen, im DFB-Supercup gegen Bayern München (18. Juli 1987, 1:2 verloren), als er die „Kobra“ schlug – Jürgen Wegmann.

 

Ich sprach es ja bei „Matz ab live“ kurz an, es sei noch einmal erwähnt: Am 28. Januar 2001 verlor der HSV daheim gegen Hertha BSC 1:2. Rob Maas sah in der 28. Minute Rot, Jörg Butt verwandelte den Elfmeter zum 1:0 für den HSV – Halbzeit. Dann stellte Berlins Trainer Jürgen Röber um, von Vierer- auf Dreierkette, hatte dadurch einen Mann mehr im Mittelfeld – und der HSV verlor noch 1:2. Unterstützt auch durch eine Rote Karte für Rodolfo Cardoso (77.) – zu diesem Zeitpunkt hieß es 1:1. Aber, und das ist die Moral von der Geschicht, es geht doch, auch aus einer solchen schweren Situation noch „etwas“ zu machen.
Man muss es nur wollen? Nein, so einfach ist es dann doch nicht. Man muss auch die nötige Qualität haben, das trifft es wohl eher.

 

Und daran hapert es beim HSV gewaltig. Zwei mickrige Chancen hatten die Zinnbauers, die ja immerhin noch ohne Marcell Jansen, Slobodan Rajkovic, Marcelo Diaz, Nicolai Müller, Pierre-Michel Lasogga, Johan Djourou und Maximilian Beister auskommen mussten, in Sinsheim. Zwei. Ganze zwei. Nach einer Ecke kam Cleber zum Kopfball, Baumann hielt (61.). Und kurz vor Schluss, unmittelbar vor dem 0:3, zog Zoltan Stieber aus 16 Metern ab, traf aber genau TSG-Keeper Baumann. Ansonsten null Chancen.

 

„Anderen Mannschaften in Unterzahl wäre es nicht anders gegangen, als uns heute”, befand der für Drobny eingewechselte Rene Adler, befand zur misslichen Tor-Lage seines Teams aber auch: „Wir müssen auch mal einen machen, dann nehmen wir halt ein 1:1 mit. So machen wir blind auf und verlieren das.” Und zu diesem schwierigen Thema äußerte sich auch Joe Zinnbauer, der nach dem Spiel dem ZDF sagte: „Wichtig ist, dass die Tore in den wichtigen Spielen fallen. Am Freitag gegen Hertha BSC, da muss ein Tor fallen, und wenn wir dann keines bekommen, dann hätten wir schon mal drei Punkte mehr auf dem Konto . . .“ Wenn wir dann keines bekommen. Jawollo. Wenn.

 

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Erst einmal schwebt hier noch ein, zwei Tage Hoffenheim durch den Volkspark, und das ist schlimm genug. „Da geht man natürlich enttäuscht raus. Die Situation ist nach wie vor nicht gut”, sagte HSV-Sportdirektor Peter Knäbel. Zwei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz, nur zwei Pünktchen. Vor dem SC Paderborn, von dem sein Trainer Andre Breitenreiter nach der Niederlage in Frankfurt gesagt hat: „Heute haben wir gespielt wie ein Absteiger.“ Der Aufsteiger wandelt, zum Glück für den HSV (?), auf den Spuren von Nürnberg und Braunschweig. Ich glaube aber immer noch nicht, dass Stuttgart dort unten bleibt. Ich traue es Huub Stevens nach wie vor zu (und bin da ja in einem Boot mit den VfB-Verantwortlichen), dass der die Schwaben noch rettet. Denn eines muss ja festgestellt werden: So schlecht, wie es das 0:4 besagt, waren die Stuttgarter in Leverkusen nun wirklich nicht. Im Gegenteil, irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, dass der VfB noch ein ganz gute Offensive hat . . .
Und der HSV hat eben keine. Das muss man so sehen – bei nur 16 Dingern. Knäbel sagt vielsagend über die Freitags-Partie gegen die Berliner: „Da müssen wir das machen, was nötig ist – nämlich den direkten Konkurrenten zu Hause schlagen. Gegen einen direkten Konkurrenten haben wir aber nicht immer überzeugt . . .” Leider ist es so. Leider, leider. Deswegen fügt Knäbel auch hinzu: „Dieses Spiel ist das bisher wichtigste Spiel in der Rückrunde für uns.”

 

Stimmt. Und als HSV-Fan kann man nur hoffen. Trainer Zinnbauer aber weiß schon, wie es mit einem Dreier klappen könnte: „Ich hoffe, dass einige Verletzte zurückkommen. Dann werden wird das Ding schon hinkriegen.” Der HSV-Coach hatte sich in Sinsheim nach der Pressekonferenz kurz verlaufen, war statt in die HSV-Kabine in den TSG-Fanshop gegangen. Seine scherzhafte Erklärung: „Ich wollte noch ein paar Fan-Artikel kaufen.” Aber so gut war Hoffenheim doch wirklich nicht. Ich hätte es gerne mal gesehen, wie das Spiel bei elf gegen elf ausgegangen wäre. Aber es ist müßig, darüber zu lamentieren oder zu spekulieren, es ist wie es ist.

 

Und unter dem Strich ist es schlimm. Schlimm bestellt um den Dino. Obwohl, es gibt doch drei kleine Aspekte, eigentlich Aspektchen, die irgendwie einen kleinen Hauch von Optimismus versprühen, die auch etwas versöhnlich (?) stimmen (könnten):

1.) Rene Adler zeigte nach seiner Einwechslung eine starke Leistung, er verhinderte eine noch höhere Niederlage. Und er unterstrich dabei seine Ansprüche, wieder als Nummer eins ins Tor des HSV zurückkehren zu wollen. Nach dieser Vorstellung in Sinsheim muss man ihm bestätigen, dass er wieder auf einem guten Weg ist, zumal Drobny nach seinem Rot ja wohl mindestens für ein Spiel gesperrt werden wird.

2.) Lewis Holtby „turnte“ zwar nur einige Minuten über den Sinsheimer Rasen, aber in dieser kurzen Zeit machte er einige gute Sachen. Das macht (mir) Mut. Auch wenn er nach der langen Zwangspause natürlich noch nicht wieder in Form sein kann, das ist schon klar. Dennoch ist auch er einer, auf den die HSV-Anhänger noch hoffen dürfen. Ich hoffe mit. Aber ganz kräftig sogar.

3.) Großartig war, dass die HSV-Fans ihr Team in Sinsheim mit Beifall verabschiedeten. Das ist doch mal ein Zeichen. Super! Vielleicht ist das ein Anreiz für alle, ihren Lieblings-Club in den restlichen Spielen so zu unterstützen, wie es sich für einen „richtigen“ Fan gehört, anstatt eigene Spieler auszupfeifen. Ich wiederhole mich in diesem Punkt gerne: Jetzt muss alles dafür gegeben werden, damit der HSV „drin“ bleibt. Alles. Gepfiffen, gemeckert oder verurteilt darf dann im Sommer werden, dann ist genügend Zeit dazu da – es findet ja keine WM oder auch nur eine EM statt. Deswegen war der Beifall der „Mitgereisten“ eine echte Wohltat – mehr davon. Bitte, bitte mehr davon. Auch wenn es mitunter, bei der Art des Fußballs, der vom HSV dargeboten wird, schwerfällt.

 

Gefragt wurde ich seit gestern um 17.20 Uhr oftmals nach Rafael van der Vaart. Der „kleine Engel“ schmorte 90 Minuten auf der Ersatzbank. Ich muss immer noch gestehen, dass ich mir (es ist meine ganz persönliche Meinung, aber die will so mancher hier ja auch hören) wünschen würde, dass „Raffa“ wieder in dieses HSV-Team zurückkehrt. So schlecht, dass er in dieser gelegentlich richtig schlechten Mannschaft noch abfallen würde, ist er gewiss nicht. Er weiß immer noch, was er mit der Kugel am Fuß zu tun hat. Und gerade jetzt, wo es im Abstiegskampf um fast schon alles geht, ist auch ein Tick Erfahrung gefragt. Schnelligkeit hin, Langsamkeit her. Bekommt van der Vaart genügend Unterstützung von seinen Kollegen, und ich meine damit nicht nur die läuferische oder kämpferische Unterstützung, sondern auch die moralische, dann wird er es allen noch zeigen, dass er es nicht verlernt hat. Davon bin ich überzeugt, auch wenn das natürlich einige, etliche oder viele inzwischen längst anders sehen.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die Vergangenheit gehen. Der HSV hat ja schon oft genug mit dem Rücken zur Wand gestanden, wo wie jetzt. Immer wieder zog der Club noch den Kopf aus der Schlinge. Und ich muss, wenn ich daran denke, immer wieder an Sascha Jusufi denken. Der HSV-Mittelfeldspieler war in der Saison 1989/90 zwar kein Kapitän, er gehörte aber zum Mannschaftsrat, und er rüttelte wochenlang seine Mitspieler auf, schärfte alle Sinne für den Abstiegskampf. Bei den Spielen, im Training und drumherum. Der HSV stand am 29. Spieltag an vorletzter Stelle, lief dann aber noch auf Platz elf ein – fünf Punkte besser als der erste Absteiger (Waldhof Mannheim). Jusufi prägte damals ein Motto, dass heute, bei der heutigen Generation von Profis, wohl kaum noch Gehör finden würde. Er sagt immer und immer wieder: „Ich werde mir hier den Hintern aufreißen, ich werde alles für den HSV geben, und das erwarte ich auch von jedem meiner Kollegen, denn ich möchte nicht in der Reihe jener Spieler stehen, die erstmalig für den Abstieg des HSV in die Geschichtsbücher eingehen.“ Aber juckt das heute noch einige Spieler? Ich glaube nicht. Dann denke ich kurz mal wieder an jene Kicker, die vor einem Jahr nach Hamburg ´geholt wurden, die aber nie ankamen, die eigentlich und bestimmt nie wussten, für welchen Verein sie da jetzt die Knochen hinhalten sollen: Ola John und Quasim Bouy. Und von diesen Johns und Bouys gibt es heute, allgemein in der Bundesliga, genügend Vertreter. So irre ist das Fußball-Geschäft inzwischen geworden.

 

Fast zum Schluss möchte ich mit dem „Schneckenrennen” aussteigen. Das „Rennen“ der diesjährigen Abstiegskandidaten kommentierte Joe Zinnbauer in Sinsheim dann doch noch mit einem Schuss Humor: „Wenn man unten drin hängt, ist es manchmal gut, wenn es beim Schneckentempo bleibt. Sonst würden uns andere überholen.” In diesem Sinne, hofft darauf, dass die alte Dame aus Berlin am Freitag ihre Zähne in der Schublade lassen wird.

 

Dann möchte ich mich noch einmal für die Panne mit „Matz ab live“ entschuldigen, und zwar ganz, ganz herzlich. Wenn einer stirbt bei einer solchen Vorstellung, dann bin ich das. Das möge man mir glauben. Ich habe leider erst nach dieser Nicht-Sendung davon erfahren, und dann bin ich immer so am Ende, dass ich nichts mehr sehen, hören und schreiben will. Nur weg, nur weg vom Ort des Grauens. Tut mir leid, dass wir Euch so lange in Unwissenheit gelassen haben, es soll nicht wieder passieren. Aber da bleibt mir – wie in der oben ausführlich angeführten Sache – auch nur das Prinzip Hoffnung

Ich habe aber volles Verständnis dafür, wenn zum Beispiel der Herr „Scorpion” geschrieben hat:

„@ Mods, @ Dieter@ Scholle.
.
Sorry, aber Eure Öffentlichkeitsarbeit ist genau so grenzwertig, wie die des HSV.
.
Könnt Ihr nicht einmal proaktiv hier einstellen, ob, wann und ob überhaupt ein „Matz ab live” stattfindet?
.
Unprofessionell. Leider.”

Stimmt. Auch leider. Aber wie gesagt, ich erfuhr es erst nach der Nicht-Sendung. Gute Nacht.
Bei der Gelegenheit möchte ich mich schnell noch einmal bei Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor und Kult-Sänger Lotto King Karl bedanken, die wieder einmal Super-Gäste und ganz einfach nur klasse waren – vielen, vielen Dank dafür!
Dieter

 

PS: Im Prinzip dürfte morgen, am Montag, im Volkspark trainiert werden, weil ja jetzt schon am Freitag das nächste Spiel auf dem Programm steht, ich weiß aber leider nicht, wann dieses Training stattfinden wird.

 

18.31 Uhr

HSV nach Rot für Drobny chancenlos – 0:3!

14. März 2015

Auswärts nichts Neues. Der HSV gab seine Visitenkarte in Sinsheim ab und kassierte ein 0:3-Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Nichts Neues, aber alt und bekannt bleibt, dass dieser HSV immer tiefer in den Strudel Richtung Liga zwei kommt. Es ist im Fußball eine alte Weisheit, dass wenn man erst unten steht, kaum etwas geht. Und erst hatte der HSV kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu, denn in der 19. Minute foulte Torwart Jaroslav Drobny den durchlaufenden Schipplock, es gab Elfmeter und die Rote Karte für den Tschechen. Zu zehnt hatte der HSV, der schon komplett kaum zu Tormöglichkeiten kommt, keine reelle Chance mehr, auch nur ein Pünktchen zu holen. Es geht bergab, und am Freitag geht es im Volkspark gegen Hertha BSC – fast ein Endspiel, wenn man das sieht, was danach noch alle kommt. Und man mag es sich ja gar nicht weiter ausmalen, was passiert, wenn diese Pechsträhne weiter anhält. Es ist grausam – aber das Leben in der Bundesliga geht auch nach dem 25. Spieltag noch weiter.

 


 

Auf dem Weg zu diesem Artikel erfuhren wir die Aufstellung – und ich hätte fast einen Unfall gebaut. Fast wie fassungslos. Da hatte der Trainer aber wieder mal viel Bauchgefühl. Johan Djourou doch nicht, weil er im Hotel ein Infekt eingefangen haben soll. Dafür dann doch der Brasilianer Cleber, der während des Abschlusstrainings noch in Ungnade gefallen und von Joe Zinnbauer in die Kabine geschickt worden war. Aber dann: Ivo Ilicevic von Beginn an. Das ist mal eine Kehrtwendung. Vor Wochen ganz eliminiert, nun Hoffnungsträger. Und auch Julian Green dabei – auf der Bank. Der Leihspieler des FC Bayern fiel zuletzt bei der U23 in der Regionalliga nicht auf . . . Aber die Personalnot sorgt wohl für solche Kapriolen.
Und offenbar war Ilicevic auch besonders griffig und giftig, denn in der vierten Minute grätschte er sogar (unfreiwillig, natürlich) Valon Behrami um.

 

Apropos Behrami: Mit dem Auflaufen noch eine Überraschung: Der Schweizer ist der Ersatz-Kapitän! Sensationell. Das ist mal eine Karriere. Rafael van der Vaart, Johan Djourou und Rene Adler nicht im Team, Jaroslav Drobny wollte wohl nicht (oder hatte weniger Bock?), andere dann auch nicht – und Behrami macht ja auch Sinn. Nach den letzten „Schlag“-Zeilen stand er zu sehr im Mittelpunkt, und einen Kapitän stellt man als Schiedsrichter vielleicht nicht ganz so schnell vom Platz. Das schreibe ich um 15.42 Uhr – und nehme es auch nicht wieder zurück.
Bei der Gelegenheit, die älteren Herrschaften unter uns werden sich vielleicht daran erinnern, was ich zuerst gedacht habe, als Behrami die Mannschaft auf den Rasen führte: In den 60er-Jahren, ich weiß, ich weiß, es ist lange, lange her, kam der HSV schon einmal auf eine besondere Idee: Dieter Seeler wurde statt Uwe Seeler Kapitän. Weil Dieter nicht nur der Ältere war, sondern auch eisenhart. Er stand in fast jedem Spiel kurz vor einem Platzverweis! Dabei oft auch über die Grenze gehend. Aber als Kapitän genoss er bei den Unparteiischen dann einen gewissen Bonus, nicht ganz so schnell verwarnt zu werden. Das klappte sehr gut. Mal sehen, wie das mit Behrami klappt . . .

 

Wobei das nicht lange die wichtigste Frage dieses Spiels geblieben ist. Der HSV hatte sich des Drucks der Hoffenheimer zu erwehren, das tat er zunächst etwas hektisch, aber nach zehn Minuten koordinierter – und gut. Bis zur 19. Minute. Da wurde Schipplock in den HSV-Strafraum geschickt, Cleber kam nicht ran und auch nicht richtig hinterher, Jaroslav Drobny kam raus – Elfmeter. Es war einer, auch wenn „ganz Hamburg“ protestierte, auch der Keeper. Für ihn gab es Rot, Rene Adler wurde eingewechselt und Mohamed Gouaida musste raus. Pech für ihn, aber riesiges Pech für Drobny, und unfassbares Pech für den HSV. Ja, steht man erst einmal unten, dann kommt es eben immer knüppeldick. Obwohl auch die Frage gestellt werden darf, warum der HSV in dieser Szene so herrlich unsortiert stand – und so wunderschön offen? Darüber werden sich die Verantwortlichen aber ganz sicher (hoffentlich) noch Gedanken machen.

Den Elfmeter verwandelte Polanski mit Glück (22.), denn Adler dran noch war. Schade, schade. Aber wenn man erst da unten steht, dann . . .

 

Dann läuft es eben nicht mehr nach Wunsch, wenn man nur noch zu zehnt spielt. Dafür verkaufte sich der HSV bis zum Halbzeitpfiff noch ansehnlich. Vor allem oder in erster Linie im Defensivverhalten. Nach vorne ging kaum etwas, was nach Tormöglichkeit aussah – aber in diesem Punkt blieb auch der Gastgeber vieles schuldig. Das Spiel plätscherte irgendwie und meistens spannungslos still vor sich hin. Nur eine Chance hatte die TSG noch. Die aber war tatsächlich hochkarätig: Plötzlich kreuzte Firmino allein vor Adler auf, weil Dennis Diekmeier auf Abseits spielen wollte – der HSV-Keeper entschied das Duell für sich, er hielt den nicht allzu scharfen Schuss aus elf Metern sehr gut (44.). Pause.

 

Im zweiten Durchgang wollte Hoffenheim wohl ernst machen, die Hopp-Jünger drängten. Und hatten in der 48. Minute auch die große Chance zum 2:0. Diesmal aber schlug der freistehende Polanski, elf Meter vor dem Tor, ein Loch in die Luft – und am Ball vorbei. Das hätte er mal beim Elfmeter machen sollen . . .

 

Der Rest ist schnell erzählt. Hoffenheim ließ den HSV immer glauben, dass es noch zum 1:1 kommen könnte, aber dann gab es in der 81. Minute den Fangschuss. Wieder Polanski, diesmal traf er mit einem Schuss aus elf Metern in die lange Ecke – unhaltbar. Das war es dann mit dem HSV-Betriebsausflug nach Sinsheim.

 

Auch wenn der HSV in der 86. Minuten noch vor dem Anschlusstreffer stand, doch Baumann hielt den harten Schuss von Zoltan Stieber, der leider genau auf Mann gezielt (?) hatte. Im Gegenzug fiel dann in der 87. Minute das 3:0 für Rudy. Weil der HSV zum „Tag der offenen Tür“ gebeten hatte. Kurz-Kommentar von Trainer Joe Zinnbauer: er winkte kurz aber heftig ab! Zum Schluss zeigte der HSV bedenkliche (oder eher unbedenkliche?) Auflösungserscheinungen. Wenn es nicht das lange Spiel in Unterzahl war. Das wird zu ergründen sein.

 

Der HSV spielte mit: Drobny (bis 22. Min.); Diekmeier, Cleber, Westermann (ab 70. Min. Kacar), Ostrzolek (ab 80. Min. Holtby); Behrami, Jiracek; Gouaida (ab 22. Min. Adler), Stieber, Ilicevic; Olic.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny durfte nur bis zur 22. Minute, dann sah er Rot. Ganz bitter für ihn, aber es war wohl die richtige Entscheidung, denn die hohen und älteren Herren des Regelwerks wünschen ja diese dreifach Bestrafung: Elfer, Rot und Tor.

 


Dennis Diekmeier
hatte hinten rechts nur selten Probleme, aber nach vorne blieb er fast wirkungslos. Wenn er mal in der Rechtsaußen-Position auftauchte, kam die Flanke nicht zum richtigen Mann. Leider. Aber wer sollte sie denn auch in der Mitte abnehmen? Da steht ja höchst selten einmal ein Hamburger, der auf die Kugel lauert. Baute in der zweiten Halbzeit ab.

 

Cleber war nach dem Vorfall vom Abschlusstraining besonders giftig und zweikampfstark, aber beim 0:1 stand er nicht so gut. Ging bei jeder Standard-Situation des HSV mit vor das TSG-Gehäuse und war sichtlich bemüht, ein Tor zu erzielen. Das war lobenswert.

 

Heiko Westermann räumte ab, räumte auf, stand wie eine Eiche – der Rest wird jetzt von jedem von Euch erzählt . . . Musste in der 70. Minute, beim Stande von 1:0 für Hoffenheim, verletzt raus, das rechte Bein funktionierte nicht mehr so, wie er es wollte.

 

Matthias Ostrzolek war am Boden okay, in der Luft hat er (nach wie vor) Schwächen, auch im Spiel nach vorne, was fast gar nicht stattfand.

 

Valon Behrami hielt sich merklich zurück, wenn es um Zweikämpfe ging – das war okay, es geht also, die Koordination stimmt offenbar schon wieder. Der Kapitän lief viel, eroberte und erkämpfte etliche Bälle, das ist seine Stärke, die spielte er aus – Note drei.

 

Petr Jiracek knüpfte vor allem in Halbzeit eins an seine zuletzt guten Leistungen an, dann ließ er stetig etwas nach – ohne ganz abzufallen.

 

Mohamed Gouaida fand, wie zuletzt meistens, nicht sofort ins Spiel – und diesmal dann gar nicht. Weil er für den eingewechselten Rene Adler „geopfert“ wurde.

 

Zoltan Stieber war immer auf Achse, wollte viel, aber es gelang nicht ganz so viel. Auch die Standards fielen unter diese Rubrik.

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Ivo Ilicevic wirkte von Beginn an engagiert, aber das gab sich schnell – tauchte alsbald völlig ab. Sah aber noch Gelb, weil Volland nach Hollywood wollte – eine große schauspielerische Leistung, fast reif für einen Oscar. Aber die wurden nun ja gerade verteilt . . . Nur Freistoß für Hoffenheim, obwohl Ilicevic den Ball getroffen hatte.

 

Ivica Olic rieb sich als Einzelkämpfer vorne auf, weil er lief und lief und lief. Zum Abschluss aber kam und kommt er nicht, was sicher auch ein wenig an der Dezimierung lag.

 

Rene Adler
(ab 22. Min. für Gouaida) hielt sehr gut, aber wer hatte etwas anderes erwartet. So könnte er bald wieder die Nummer eins werden.

 

Gojko Kacar (ab 70. Min. für Westermann) wie man ihn kennt: Er könnte nachts um drei Uhr geweckt werden, und schon wäre er im Spiel. Stark.

 

Lewis Holtby (ab 80. Min. für Ostrzolek) kam rein, um noch etwas nach vorne zu bewegen – aber dann fiel das zweite TSG-Tor. Pech. Aber immerhin, es geht langsam aufwärts mit ihm.

 

Das war es zunächst vom Spiel aus Sinsheim gegen Hoffenheim, aber Ihr wisst es ja, es geht noch weiter – wie immer. Gleich sind wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die soeben erlebten 90 Minuten sprechen. Unsere Gäste versprechen eine hochinteressante Sendung. Wir haben den ehemaligen HSV-Profi Stefan Schnoor sowie Kult-Sänger und HSV-Legende „Lotto King Karl“ für die nächsten Minuten „eingefangen“ und freuen uns darüber sehr, sehr, sehr, denn es kommt Klartext auf den Tisch des Restaurants „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel), in dem wir uns erneut versammelt haben. Vielen Dank, dass Ihr dabei seid, „Scholle“ und ich freuen uns, wenn Ihr per Bildschirm wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

 

17.33 Uhr

Anmerkung von den Moderatoren um 19:40 Uhr: Es ist wohl so, dass jemand krank war und es deshalb zu Komplikationen mit dem Live-Stream kam. Die Aufzeichnung wird euch irgendwann zur Verfügung gestellt. Dieter tut es aufrichtig leid und er entschuldigt sich dafür.

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