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3:0 – die Profis besiegen die “Unbesiegbaren”

15. Oktober 2014

Schon wieder gewonnen! Nach dem 1:0-Sieg in Dortmund folgte ein 9:0 gegen den Oberliga-Vertreter Buchholz 08, und heute nun ein 3:0 gegen die „Unbesiegbaren“, nämlich die vereinseigene Zweite, die noch immer ungeschlagen in der Regionalliga unangefochten (zehn Punkte Vorsprung vor Werder II) auf Platz eins steht. Die Profis traten dabei ohne Heiko Westermann, der individuell trainierte, und ohne Valon Behrami, der sich zu einer ärztlichen Untersuchung noch in der Schweiz aufhielt, an. Behrami, der von der Nationalmannschaft der Schweiz zuletzt geschont wurde, soll am heutigen Abend noch in Hamburg einschweben und morgen ganz normal mit der Mannschaft trainieren können. Hoffentlich ist es auch so. Training, um das vorweg zu nehmen, ist morgen um 10 Uhr im Volkspark. Ebenfalls nicht mit von der Partie bei diesem Trainingsspielchen war Zoltan Stieber, der leicht angeschlagen von der Länderspielreise zurück nach Hamburg gekommen ist, für Ungarn am Dienstag auch nicht gegen die Faröer gespeilt hatte. Morgen aber soll Stieber wieder mit der Mannschaft trainieren können. Auch Johan Djourou war nicht dabei, er war noch nicht wieder rechtzeitig von der Nati der Schweiz zurück nach Hamburg gekommen.


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Das heutige Testspiel hätten die Profis auch viel höher gewinnen können, denn sie vergaben einige oder sogar etliche Groß-Chancen. Normal wäre auch ein Ergebnis wie gegen Buchholz möglich gewesen.

 

Die HSV-Aufstellung der ersten Halbzeit:
Drobny; Diekmeier, Kacar, Cleber, Ostrzolek; Arslan, Jiracek; Müller, van der Vaart, Holtby; Lasogga.

 

Die HSV-Aufstellung der zweiten Halbzeit:
Brunst; Götz, Kacar, Jung, Marcos; Steinmann, Jansen; Nafiu, Ph. Müller, Green; Rudnevs.

 

Für das 1:0 sorgte in der 21. Minute Lewis Holtby, der geschätzt aus 18 Metern flach unten rechts einschoss. Torwart Otremba hatte die Gefährlichkeit des Schusses wohl ein wenig zu spät erkannt. Für das 2:0 sorgte Pierre-Michel Lasogga, der nach einer flachen Eingabe des agilen Dennis Diekmeier aus vier Metern eindrückte (43.). Es war der vierte Versuch Lasoggas, der zuvor drei klare „Dinger“ (10., 25., 31.) vergeben hatte. Tolgay Arslan vergab in der 36. Minute eine „Hundertprozentige“, Petr Jiracek wollte ihm in der 44. Minute nicht nachstehen und schoss auch daneben. Es kann im Prinzip nur im Sinne von Joe Zinnbauer gewesen sein, denn ein Kantersieg hätte vielleicht für Übermut in Richtung Hoffenheim gesorgt.

 

Im Mittelfeld kam zentral Rafael van der Vaart zum Einsatz, der Niederländer hatte einige gute Szenen, in denen er den Ball geschickt verteilte, ansonsten aber spielte er recht unauffällig. Ob der „kleine Engel“ am Sonntag gegen Hoffenheim zum Einsatz kommen wird, ist natürlich weiterhin offen, Trainer Joe Zinnbauer will ja die gesamte Trainings-Woche abwarten (um sich ein Bild zu machen), um dann zu entscheiden: ja oder nein.

 

Interessant am Rande: Da trainierten (oder machten sich warm) die Profis gemeinsam mit den Regionalliga-Spielern. Schön zu sehen, dass es da keinerlei Berührungsängste gibt, sondern das zusammenwächst was auch zusammengehört. Das war eine Freude, es in dieser Form zu sehen.

 

Im zweiten Durchgang wechselten beide Mannschaften fast komplett, lediglich Gojko Kacar blieb bei den Profis an Bord. Zunächst bestimmte die B-Mannschaft von Zinnbauer noch das Geschehen, doch es wurden wiederum beste Chancen ausgelassen. Marcell Jansen (50., 84.), Philipp Müller (55.), Julian Green (57.) und Valmir Nafiu (66.)
taten sich dabei „hervor“. Für den 3:0-Endstand sorgte dann Müller in der Schlussminute, indem er im Strafraum plötzlich durchstartete und den Ball mit links ins Tor schoss – klasse gemacht.

 

Die „Zweite“ hatte mit dem zweiten Anzug im zweiten Durchgang keine einzige Tormöglichkeit, die Profis aber taten sich zwischendurch auch eine gewisse Zeit sehr schwer, die Überlegenheit in Chancen umzuwerten. In der ersten Halbzeit war ganz sicher Dennis Diekmeier der beste Mann seines Teams, nach ihm wären (mit einigem Abstand) Nicolai Müller und Tolgay Arslan zu nennen. Petr Jiracek war sehr engagiert, gewann einige wichtige Zweikämpfe, leistete sich aber auch einige Abspielfehler, die seine Leistung ein wenig schmälerten. Im zweiten Durchgang tat sich kaum ein Spieler so hervor, als dass er erwähnt werden müsste. Wenn man es trotz allem machen möchte, dann sind wohl Ronny Marcos, Julian Green, Gideon Jung (als Innenverteidiger) und Marcell Jansen in erster Linie zu nennen, auch Philipp Müller hatte vielversprechende Szene, aber diesmal eher wenige.

 

Auffällig in Halbzeit zwei: Joe Zinnbauer musste verbal häufiger (und dann auch lauter) eingreifen, während er im ersten Durchgang fast nie in Erscheinung trat. Was ebenfalls auffiel: Das Tempo in diesem Trainings-Kick war hoch, das wurde vom Trainer immer wieder gefordert: „Tempo, Tempo, Tempo.“ Diesbezüglich hat sich beim HSV nach dem Trainerwechsel schon sehr viel getan, es ist (für mich) schonsehr gut erkennbar, wie sehr die Profis um Schnelligkeit bemüht sind – vorher ging es dagegen oft viel zu gemächlich und eher „tutig“ zu, jetzt schläft hier niemand mehr ein. Falls das jemand versuchen würde, er würde sehr unsanft geweckt werden. Was dazu passt: Niemand ruht sich auch aus, wenn er den Ball abgespielt (und losgeworden ist) hat. Es wird sich sofort freigelaufen und angeboten. Das hat im Übrigen auch die „Zweite“ sehr gut für sich verinnerlicht.

 

Am Rande sahen nicht nur die Spieler beider Mannschaften zu, sondern auch der neue Direktor Profi-Fußball, Peter Knäbel, sowie der Direktor-Sport, Bernhard Peters. Ferner zu sehen: Vorstandsmitglied Joachim Hilke. Auch das ist (ein wenig am Rande) bemerkenswert, denn es war früher nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

 

Und noch eine bemerkenswerte Szene am Rande. Nach dem Spiel lief Joe Zinnbauer noch einige Meter hinter dem Schiedsrichter-Gespann hinterher, um sich per handschlag für die gute Spielleitung zu bedanken. Bravo! Vorbildlich und nachahmenswert. Welcher Profi-Trainer des HSV hat so etwas jemals gemacht – ich wüsste keinen!

 

Interessant bei diesem Spiel war auch die Personalie Gojko Kacar, den Joe Zinnbauer auch in die Innenverteidigung stellt (wie Vorgänger Mirko Slomka. Ob sich da doch noch einmal eine weitere Alternative für die Viererkette ergibt? Es sieht fast so aus. Kacar (27) wird nach seinem Innenband-Anriss noch nicht wieder bei 100 Prozent sein, aber er sagt über sich: „Mir geht es wieder gut. Und ich freue mich sehr, zurück auf dem Platz zu sein.“ Aber inzwischen ist die Konkurrenz groß oder größer geworden, das weiß der Serbe, der es jetzt deutlich schwerer hat als noch im Sommer (da war er bei Slomka gesetzt!), natürlich ganz genau: „Erst die Verletzung, und dann wurde mit Cléber noch ein Innverteidiger verpflichtet. Das war für mich persönlich schon sehr viel Pech.“ Einzelschicksale aber, das sagte einst schon Kapitän Rafael van der Vaart, spielen beim HSV keine Rolle, und das ist auch Gojko Kacar bekannt: „Ich bin ein Mannschaftstyp. Wichtig ist nur, dass wir weiter punkten und weg vom Tabellenende kommen. Und zwar schnell.“ Und irgendwann will er nicht nur mal mitspielen, sondern ein wichtiger Bestandteil dieses Teams sein. Er hat ja nie, das zeichnete ihn immer aus, aufgegeben, egal wie schlecht es gerade für ihn lief. Auch dann nicht, als er ganz, ganz unten war. Auch jetzt ist er Optimist: „Irgendwann werde ich meine Chance bekommen, denn im Fußball weiß man ja nie genau, was passiert. Das geht manchmal ganz schnell, es ist ein ständiges Auf und Ab.“

 

Wobei jetzt für den gesamten HSV zu hoffen ist, dass es nur noch bergauf geht. Auch wenn am Sonntag gleich wieder ein ganz dicker Brocken wartet. Aber leichte Gegner, das müssten inzwischen alle gelernt haben, gibt es in dieser Bundesliga ja ohnehin nicht.

 

18.04 Uhr

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