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Ostrzolek da, Müller trifft – 3:1 in Erfurt!

12. August 2014

Generalprobe gelungen. So spielt „man“ gegen einen Drittliga-Vertreter. Der HSV gewann das Testspiel gegen Rot-Weiß Erfurt mit 3:1 und ist für den Pokalfight am Montag in Cottbus gut gerüstet. Vor 5447 Zuschauern geriet dieser Erfolg zu keiner Phase des Spiels in Gefahr, der HSV diktierte gegen den Tabellensiebten der Dritten Liga von Beginn an das Geschehen und spielte fast in jeder Szene souverän. So müsste es eigentlich auch mit dem Sprung in die zweite Hauptrunde des DFB-Pokals klappen. Erfreulich aus Hamburger Sicht: Neuzugang Nicolai Müller war erstmalig von Beginn an dabei, spielte 59 Minuten mit und gefiel mit einigen Sprints und schoss zum Einstand gleich ein schönes Tor. Gut ebenfalls für den HSV: Heute wurde der Augsburger Matthias Ostrzolek unter Vertrag genommen.


Vor dem Anpfiff sah es wie bei einem Spiel im Volkspark aus. So viele Fans mit HSV-Trikots, das war und ist schon sensationell. Ja, aus Thüringen und aus dem Osten überhaupt kommen eben viele, viele HSV-Anhänger – aber es war schon wunderbar zu sehen. Und eine kleine Sensation war es auch, was Wilfried Mohren, der Pressechef der Rot-Weißen, vorher per Mikrofon aus dem Innenraum des Steigerwaldstadions verkündete: „Das verdient mal einen Sonder-Applaus, der HSV spielt hier heute in Erfurt ohne jede Antrittsgage.“ Es gab Applaus, aber auch einige erstaunte Gesichter. Der HSV verzichtet auf Geld? Er flog doch aus Hamburg nach Erfurt und dann am Abend noch zurück. Das kostet doch auch. Aber der Hintergedanke bei diesem Spiel war (wohl), dass Erfurt Drittliga-Vertreter ist, und erst kürzlich gegen den HSV-Pokal-Gegner Energie Cottbus um Punkte gespielt hat – in der Lausitz. 0:0. Das war für Trainer Mirko Slomka offenbar ein Wink mit dem Zaunpfahl. Drittligist, dazu gerade gegen Cottbus gespielt – einen besseren Test gibt es ja gar nicht.

Wir Hamburger Medien-Vertreter hatten das Glück, mit der Erfurter Mannschaft in den Innenraum gehen zu können. Bei der Gelegenheit, es bot sich an, kam die Frage: „Wie stark ist Cottbus?“ Da sprach ein Stammspieler der Rot-Weißen, ich möchte den Namen hier nicht nennen, um ihn nicht zu demaskieren: „Die können gar nichts, die sind so schwach – wir hatten etliche Chancen und hätten eigentlich klar gewinnen müssen.“ Na dann. Dann weiß der HSV ja, und ich schreibe diese Zeilen nun genau elf Minuten vor dem Anpfiff, nach diesem Test genau, was in Cottbus erforderlich ist, um die zweiten Pokalrunde zu erreichen.

So, um diesen Zwischenstand zu geben – das Spiel läuft. Der HSV spielt bei herrlichstem Sonnenschein in den Auswärtstrikots. Und der HSV spielt von Beginn an mit Neuzugang Nicolai Müller. Zweiter Neuling ist Valon Behrami. Und ein anderer „Neuer“ war dabei, obwohl er gar nicht mitspielte. In der Anfangsphase wurde bekannt, dass der HSV den Augsburger Linksverteidiger Matthias Ostrzolek unter Vertrag genommen hat. Ein guter, nein, ein sehr guter Mann, wie mir Kollegen aus Augsburg bescheinigt haben – ich freue mich schon auf ihn. Und gefreut haben sich sicherlich auch die Erfurter, auf den HSV. Aber eine so seltsame Stimmung habe ich selten mal in einem Stadion erlebt – wie hier. 20 Minuten gespielt, aber laut ist hier niemand. Ich komme mir vor wie in einem Opernhaus oder einem Theater. Es hat geklingelt, alle haben ihre Plätze eingenommen, gleich hebt sich der Vorhang. Es ist ein leises Gemurmel zu hören – mehr nicht. Seit 20 Minuten. Und indem ich fertig damit bin, skandieren die „stehenden“ HSV-Fans: „Auf geht’s Hamburg schießt ein Tor, schießt ein Tor . . .“ Aber danach sah es nun noch gar nicht aus. Keine Mannschaft hatte bislang eine Chance.

Ja, man muss eben nur davon schreiben. Nun führt der HSV 1:0. Dennis Diekmeier geht rechts durch, wird von Erfurts Czichos am rechten Strafraum gefoult, Schiedsrichter Schwermer erkennt – zum Glück – auf Vorteil, denn Nicolai Müller „übernimmt“ die Kugel und flankt. Nicht mal optimal, der Ball kommt halbhoch zur Mitte, und dort hechtet Jacques Zoua – 50 Zentimeter über der Grasnarbe – in die Flanke und köpft aus drei Metern ein (26.). Na bitte, es geht doch!

Und gleich noch einmal Müller. Diekmeier schickt ihn rechts steil, und dann geht der ehemalige Mainzer ab wie Schmidts Katze. Hey, da kommt Freude auf. Müller zieht los, wie ich es von einem Hamburger schon seit langer, langer Zeit nicht mehr gesehen habe. Die „Bild“ würde schreiben: „Raketenantrieb“. Da ist selbst Diekmeier, der hinter dem HSV-Neuling spielt, nicht so schnell. So kann Nicolai Müller aber eine hervorragende „Waffe“ des HSV werden. Ganz großartig.

Dieses Prädikat bekommt auch das 2:0 von mir. Ein kurioses Tor. Erst gab es Gelächter von den Rängen, als Jaroslav Drobny den Ball nach einen Rückpass ins Toraus spielt: Eckstoß. Der aber wird zum Konter für den HSV, Diekmeier zieht über rechts los, sprintet 40 Meter im Höchsttempo, lässt dabei drei Erfurter stehen, dann der mustergültige Pass zur Mitte, und dort stehen gleich drei Hamburger völlig frei und wirklich total allein vor Torwart Klewin. Rafael van der Vaart erhält das Zuspiel, und der Niederländer versucht sich mit einem tollen Heber – drin (45.). Ein Super-Tor, das viel Beifall erhielt – Halbzeit.

Im zweiten Durchgang zeigte Nicolai Müller dann auch gleich seinen Torriecher. Der eingewechselte Zoltan Stieber passte den Ball von links zur Mitte, wo Freund und Feind an der Kugel vorbeiliefen, doch am langen Pfosten lauerte Müller und drosch die Kugel hoch und hart unter die Latte – ein schönes Ding, ein traumhafter Einstand.

Doch auch Erfurt hatte noch etwas Schönes zu bieten. Weis hämmerte den Ball in der 63. Minute aus 18 Metern genau in den rechten oberen Torwinkel, da blieb dem guten Drobny nur das Nachsehen. „Erfurt eins, Hamburg null – danke“, sagte der Stadionsprecher, der an diesem 12. August morgens geheiratet hatte. Das ist mal Einsatz zu nennen. Und auch beim HSV gab es etwas zu feiern, nämlich den 35. Geburtstag von Co-Trainer Zlatan Bajramovic.

Gut beim HSV: Wieder einmal Valon Behrami, der im Mittelfeld sehr aufmerksam und konzentriert spielt, diesmal auch kaum einen Fehler (kurz nach dem Seitenwechsel aber legte er Erfurt „einen“ auf!) beging. Das, was der Schweizer spielt, hat Hand und Fuß, er ist mit Sicherheit eine große Bereicherung für den HSV und schon jetzt eine zentrale Figur im Mittelfeld – sowohl nach vorne als auch nach hinten (mit gutem Auge und Spielwitz). Was auffällig ist: Behrami sucht mehr als seine Kollegen das Zusammenspiel mit Rafael van der Vaart. Das heißt, der Schweizer füttert van der Vaart mehr als der das bislang von den Mitspielern gewöhnt war. Das stimmt mich sehr zuversichtlich. Da haben sich zwei gefunden – oder finden sich, die spielbestimmend werden könnten für den HSV. Könnten, oder dann doch auch sollten.

Gut, trotz seines kleinen Fehlers vor dem 2:0, auch Jaroslav Drobny. Der Tscheche spielte sehr gut mit, war bei Steil-Angriffen des Gegners schnell, blitzschnell, aus seinem Gehäuse und ließ so erst gar keine Gefahr aufkommen. Das sah wirklich schon wieder wie „Fürth“ aus, als Drobny den HSV vor dem Absturz bewahrte. Wobei er diesmal deutlich weniger zu tun bekam, das ist natürlich auch klar. Aber dann, wenn er gefordert war, dann war er auch zur Stelle.

Stabiler wird auch Johan Djourou, der längst nicht mehr so viele Stockfehler in seinem Spiel hat wie noch vor einigen Monaten. Nebenmann Heiko Westermann hatte zwar keinen großen Bock drauf, aber zwei, drei Sachen waren ganz sicher nicht souverän, doch sie wurden von diesem eher harmlosen Gegner nicht genutzt. Hinten links findet Petr Jiracek immer mehr zu Form, er speilt dort hinten (wo er ja gar nicht spielen möchte) durchaus souverän. Wobei ich gerne mal sehen würde, wenn er es mit einem schnellen und dribbelstarken Rechtsaußen zu tun bekommt – wie „Jira“ sich dann wehrt?

Vorne gefiel – zur Überraschung vieler – diesmal auch Jacques Zoua, und zwar nicht nur wegen seines Treffers zum 1:0. Er bewegte sich gut, und er spielte auch gut, brachte die Bälle an den eigenen Mann, bot sich dazu auch immer wieder fleißig an. Geht da doch noch was? Er ist ja noch sehr jung. Und irgendetwas muss doch Thorsten Fink damals, als er ihn holte, gesehen haben. Gut natürlich auch Nicolai Müller, auch wenn er im zweiten Durchgang abbaute, aber das war – nach seiner Verletzungspause – auch nicht anders zu erwarten. Sehr schön, dass er schon so lange wieder dabei war – jede Minute bringt ihn voran.

Alle anderen Hamburger enttäuschten zwar nicht, können aber noch zulegen. Das gilt für Dennis Diekmeier, dem seine Vorarbeit zum 2:0 sichtlich gut tat (er legte danach mächtig zu!), das gilt auch für Rafael van der Vaart, dem aber, ganz erfreulich, deutlich seine Spielfreude, die er nun wieder hat, anzumerken ist. Über die linke Seite, die lange nicht so auffällig war wie die rechte (mit dem Duo Diekmeier und Müller), gefiel Zoltan Stieber (kam zur 46. Min für Ilicevic) besser als sein Vorgänger, er war giftiger und spielfreudiger, nahm deutlich mehr teil am Spiel.

Der HSV begann in Erfurt mit: Drobny; Diekmeier, Westermann, Djourou, Jiracek; Badelj, Behrami; Müller, van der Vaart, Ilicevic; Zoua. Also ohne Pierre-Michel Lasogga, der immer noch nicht so fit ist, dass er mit der Mannschaft trainieren könnte. Zudem fehlte Marcell Jansen wegen einer Grippe – wie auch Per Ciljan Skjelbred.

In der zweiten Halbzeit kamen Arslan für Badelj und Stieber für Ilicevic (beide 46.). In der 59. Minute kamen Tah für Westermann, Demirbay für van der Vaart und Rudnevs für Müller. In der 75. Minute kamen für Diekmeier und Djourou noch Gideon Jung und Matti Steinmann.

PS: An diesem Mittwoch wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

20.44. Uhr

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