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Das war Pech – 1:1 in der Nachspielzeit!

22. Februar 2015

Es hätte so schön sein können, es hätte. Bis in die Nachspielzeit träumte der HSV von einem 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, dann war leider, leider ausgeträumt. Statt des erhofften Dreiers gab es mit dem 1:1 nur einen Punkt. Unfassbar. Es liefen die letzten Sekunden, dann führte die letzte Tormöglichkeit für die Westdeutschen doch noch zur Punkteteilung. Der HSV aber kann trotz dieser Enttäuschung zufrieden sein, denn eine solche konzentrierte, diszipliniere Leistung hätten ihm die meisten Fans und Experten nach dem 0:8-Dilemma von München gar nicht zugetraut. Zumal es im Moment wieder etliche verletzte Stammspieler gibt, die diesem Team natürlich fehlen. Gegen Ende des Spiels waren viele Profis, die kaum Spielpraxis hatten, dann auch mit den Kräften am Ende – letztlich hat das noch zum Ausgleich geführt. Aber immerhin ein Punkt, den auch viele Konkurrenten an diesem Wochenende holten, immerhin. Und nun muss am kommenden Wochenende in Frankfurt weiter gepunktet werden. Es sollte. Auch wenn es schwer wird. Natürlich.



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Das Spiel begann temperamentvoll. Das sah nach Spitzenfußball aus. Dreimal konnte der HSV in den ersten beiden Minuten in oder an den Strafraum der Gladbacher kommen, einmal schien es so, als schalte Ivica Olic bei einer Chance etwas zu langsam – Möglichkeit vertan. Dann schlug die Borussia, bei der vier Spieler, die noch am Donnerstag in Sevilla gespielt hatten, auf der Bank saßen, zurück. Der Hamburger Max Kruse (spielte einst bei Vier- und Marschlande) traf in der dritten Minute das Außennetz, und Herrmann in der fünften Minute den Pfosten. Und damit hatten dann auch schon beide Mannschaften ihr Feuerwerk für die erste Halbzeit abgebrannt. Tormöglichkeiten blieben danach jedenfalls Mangelware.

 

Dafür ging es aber in den ersten 20 Minuten schön aggressiv auf dem Rasen zu. Genau so muss es im Abstiegskampf sein. Matthias Ostrzolek beförderte bei einem Gladbacher Konter seinen Gegenspieler Traore (ohne Ball in der Nähe) zu Boden. Sekunden später revanchierte sich Traore gegen Ostrzolek, indem er den Fuß drüber hielt – Gelb. Konnte man geben, aber MG-Trainer Lucien Favre schlug sich entsetzt die Hände vor das Gesicht. Ja, wenn die Trainer mal Bundesliga-Spiele pfeifen würden, dann würden wir uns alle wohl ganz schwer wundern – was da so entschieden wird, oder was nicht. Dennis Diekmeier wurde nur wenig später vom früheren HSV-Spieler Andre Han zu Boden getreten, beide standen danach Nase an Nase und mussten von Schiedsrichter Zwayer ermahnt werden. Und wenig später mussten auch Gojko Kacar und Kruse ein wenig zur Ruhe gebracht werden – funktionierte aber, danach wurde es ein wenig fairer und nicht mehr ganz so hektisch auf dem Platz. Wobei der ausgeruhte HSV gegen die in der Europa League beschäftigen Borussen erstaunlich gut mitspielten. Das war nach dem 0:8 nicht zu erwarten, obwohl es natürlich erhofft worden war. Aber dieser angeschlagene HSV-Mannschaft zeigte eine gute Reaktion auf das Debakel von München, keine Frage, selbst wenn festgehalten werden muss, dass es fußballerisch natürlich nicht das Gelbe vom Ei ist, was dort unten auf dem rasen stattfindet. Aber auch das ist Abstiegskampf.

 

Und wenn man erst unten steht . . . Dann kommt meistens immer mehr Pech hinzu. So auch diesmal. Ivica Olic, der schon gegen die Bayern aufgeben musste, weil der Oberschenkel zwickte, signalisierte schon um die 20. Minute herum, dass er wieder raus muss. Für ihn kam Artjoms Rudnevs, folglich fehlen nun beide Wintereinkäufe, Olic und Marcelo Diaz. Ganz bitter.

 

Dass der HSV dazu freiwillig auf seinen Antreiber oder Regisseur (oder soll man sagen Sechser?) verzichtete, gab diesem Spiel noch eine besonders pikante Note. Mich hat in der Woche die Ehrlichkeit von Rafael van der Vaart überrascht. Nicht etwa deshalb, weil es der Kapitän war, sondern deshalb, weil solche offene Selbstkritik im heutigen (Profi-)Fußball eigentlich gar nicht mehr üblich ist. Da wird doch eigentlich immer nur auf die Fehler der Nebenleute hingewiesen, aber dass einer mal sagt, dass er zurzeit einfach (zu) schlecht spielt und nicht in Form ist, das ist eine absolute Rarität. Vielleicht jedoch liegt es ja auch daran, dass van der Vaart auch schon einer anderen (älteren) Generation angehört, als die jungen Leute von heute, die nur sich kennen, denen wahrscheinlich auch die Berater (ja, sie tun dann tatsächlich mal etwas!) täglich einimpfen, ja keinerlei Schwächen zuzugeben – weil es schlecht für das Geschäft ist. Ich ziehe jedenfalls den Hut vor van der Vaart und hoffe, dass er schon bald – zum Wohle des HSV – wieder in jene Form schlüpfen kann, mit der er der Mannschaft dann auch tatsächlich helfen kann.

 

Zurück zum Sonntagsspiel. Viele Plätze in der Arena waren leer geblieben, obwohl es eigentlich doch 52 105 Zuschauer dabei gewesen sein sollen. Lag es am Mega-Stau auf der Autobahn? Sind dadurch einige gleich wieder umgedreht und nach Hause gefahren, weil sie wussten, dass sie niemals pünktlich ankommen würden? Sonntagsspiele, so meine Erfahrung, stehen unter einem besonders schlechten Stern, was die Verkehrslenkung betrifft, und so wird es wohl auch bleiben. Entweder man macht sich Stunden vorher auf den Weg, oder eben gar nicht. Auf jeden Fall ist es schon mal äußerst nervig, auf der BAB zu stehen – nicht wissend, ob man es noch bis zum Anpfiff schafft. Wobei ich zwei Stunden eher ins Stadion wollte, das mal nebenbei.

 

Zweimal bis zum Halbzeitpfiff stieg die Spannung noch bei den HSV-Fans. Erst als Zoltan Stieber von links flankte, eigentlich bildschön, Rudnevs kam aus 14 Metern frei zum Schuss – und senste halbwegs am Ball vorbei (37.). Der Ball flog ins Seitenaus . . . Und als Stieber eine Ecke von rechts zur Mitte schlug, stieg Slobodan Rajkovic der Kugel entgegen, kam auch mit dem Kopf dran, der Ball aber flog aus vier Metern relativ ungefährlich am langen Eck vorbei (41.). Gladbach hatte nur zwei Standards, die Gefahr versprachen, die aber nicht auf das HSV-Tor kamen. Halbzeit. Auf dem Gang in die Kabinen erhielten die Spieler Beifall. Rehabilitierung geglückt.

 

Im zweiten Durchgang sah das Spiel lange Zeit so aus, als ginge es nicht in erster Linie um Tore. Ich dachte mehrfach an Jupp Derwall. Der ehemalige Bundestrainer soll ja mal gesagt haben: „Ihr acht spielt nun fünf gegen zwei.“ Diesmal spielten 22 „fünf gegen zwei“. Bis zur 73. Minute. Dann doch noch die Erlösung – für den HSV. Slobodan Rajkovic fing an der Mittellinie einen Steilpass der Gladbacher ab, die Kugel kam zu „Rudi“ Rudnevs, und der lief, Bis kurz vor den Strafraum der Borussia, dann bediente er Stieber. Und der machte es wie einst Helmut Rahn: Von rechts nach innen gekurvt, dann mit links abgezogen. Aus 17 Metern flog die Kugel wunderbar ins lange Eck, ein traumhaft schönes Tor, das den Volkspark in Entzückung versetzte. Welch ein Jubel!

 

Dass zum Schluss gleich einige Hamburger kräftemäßig „durchhingen“, das war zu erwarten, einige von ihnen hatten lange keine 90 Minuten mehr gespielt. Und in der Nachspielzeit waren dann etliche Hamburger „auf“. Es durfte gezittert werden, und es ging doch noch schief. In der 93. Minute gab es noch einmal Eckstoß für Gladbach, und den köpfte der eingewechselte Hrgota ein. Trotz der massiven Proteste der Hamburger, denn Jiracek, der diesen Eckstoß verschuldet haben soll, reklamierte schon vorher vehement auf Abstoß. Es half alles nicht. Ein Pfeifkonzert begleitete das Schiedsrichtergespann in die Kabine – statt Heimsieg nur 1:1.
Aber immerhin!

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Kacar (ab 86. Min. Westermann), Jiracek; Müller, Stieber, Gouaida (ab 76. Min. Götz); Olic (ab 25. Min. Rudnevs).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny blieb so gut wie beschäftigungslos und verlebte einen ausgesprochen netten Nachmittag.

 

Dennis Diekmeier hatte seine Seite defensiv gut im Griff (Traore, mit dem er es oft zutun hatte, wurde ausgewechselt), aber seine Flanken müssen besser werden, sie verfehlten fast alle ihr Ziel, obwohl es zweite Halbzeit etwas besser wurde. War nach seiner Verletzungspause in der Schlussphase mit seinen Kräften am Ende, hielt aber tapfer durch.

 

Johan Djourou sah Gelb wegen Festhaltens, was falsch war, ansonsten hatte er alles im Griff und spielte souverän.

 

Slobodan Rajkovic schlug einige Pässe in den leeren Raum, aber hinten stand er wie ein Baum, räumte oben und unten alles bestens ab.

 

Matthias Ostrzolek bot eine solide Vorstellung, spielte sogar ein wenig körperbetonter als zu Saisonbeginn. Das war okay.

 

Gojko Kacar war auf der Sechs ein Gewinner des Spiels. Überragend seine Kopfballstärke. Dazu schaltete er sich sogar einige Male mit in die Offensive ein, das konnte sich sehenlassen.

 

Petr Jiracek war eine große Stütze seiner Mannschaft, lief viel, antizipierte gut, opferte sich in vielen Duellen auf – vorbildlich.

 

Nicolai Müller war viel aktiver als sonst, er hat jetzt wohl doch noch das Beißen gelernt – und will. Seine bislang beste Leistung im HSV-Trikot?

 

Zoltan Stieber zeigte Spielwitz, lief viel, bot sich immer wieder an, wollte Verantwortung übernehmen (von Anfang an) und fädelte einige gute Dinge ein. Dass er ein herrliches Tor erzielte, war ihm zu gönnen – und es war die gerechte Belohnung für eine engagierte Leistung.

 

Mohamed Gouaida spielte eine Stunde lang sehr, sehr gut das war wirklich erste Sahne, dann verließen ihn die Kräfte – kein Problem.

 

Ivica Olic tanzte nur 20 Minuten durch den Frühling im Volkspark, ohne groß aufzufallen, dann verletzt raus.

 

Artjoms Rudnevs (ab 25. Min. für Olic) zeigte wieder einige Male technische Unfertigkeiten, aber man kann ihm nicht absprechen, dass er kämpft, dass er sich einbringt, dass er will. Gut so.

 

Ashton Götz (ab 76. Min. für Gouaida) kam im Mittelfeld zum Einsatz, und das kann er ja auch. Sollte das 1:0 mit über die Runden bringen – was leider nicht klappte. Beim Gegentor sah er schlecht aus, das muss festgehalten werden, denn er sprang unter dem Eckball durch – Tor.

 

Heiko Westermann (ab 86. Min. für Kacar) durfte noch einige Minuten, aber er konnte nicht mehr helfen – leider, leider.

 

Das war es zunächst vom Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, aber es geht ja noch, wie gewohnt, in die Verlängerung – in der allerdings keine Tore mehr geschossen werden können. Gleich sind wir mit „Matz ab live“ zur Stelle und werden über die eben erlebten 90 Minuten sprechen. Zu Gast bei uns sind dann der ehemalige HSV-Profi Andreas Merkle (zuletzt auch im HSV-Aufsichtsrat tätig) und der ehemalige Volleyball-Bundestrainer und Sport-Psychologe Olaf Kortmann, der auch HSV-Ehrenmitglied ist. „Scholle“ und ich würden uns freuen, wenn er wieder bei uns sein würdet – bis gleich.

 

PS: Die Zweite hat in der Regionalliga wieder verloren, diesmal gab es in Lüneburg ein 1:3 – es geht weiter bergab, weil die Profis die besten Spieler raufgezogen haben. Kein Vorwurf, das geht leider ja nicht anders.

 

17.38 Uhr

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