Archiv für das Tag 'Dörfel'

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
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. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

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Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

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Was hat Joe Zinnbauer vor?

21. November 2014

Das war mal eine Nebeleinheit heute Nachmittag. „Verschleierungstaktik“, twitterte der HSV schon am Morgen beim Blick über den diesigen Trainingsrasen heraus. Von „Fog – Nebel des Grauens“ war die Rede – und nicht wenige Zuschauer fragten sich besorgt, wie der Brasilianer Cleber wohl seine mutmaßlich erste Trainingsschicht bei derartigen Bedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen würde.

Zumindest die Sorge bezüglich des Südamerikaners war unbegründet. Cleber mischte munter mit, natürlich mithilfe dicker Handschuhe, einer Mütze und der langen Trainingshose. Ihm war sogar großer Einsatz anzusehen und auch anzuhören. Es ist schon jetzt unverkennbar, wenn seine dunkle Stimme über den Trainingsplatz dröhnt. Und die von Cleber war heute bei weitem nicht die einzige. 24 Feldspieler hat Trainer Joe Zinnbauer dabei gehabt, es wurde in verschiedenen Formen auf kleinem Feld geübt. Es war sehr laut und augenscheinlich, dass Zinnbauer zwei Absichten verfolgte.

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Zum einen deuteten die Übungen auf kleinem Feld immer wieder darauf hin, dass auch übermorgen im Nordderby gegen Werder Bremen ein harter Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld erwartet wird. Das Spiel eng machen, sich dort zweikampfstark und mit schnellen Zuspielen behaupten. Das erwartet uns alle also am Sonntag ab 15.30 Uhr im ausverkauften Volkspark. Zum zweiten möchte Zinnbauer durch den bewusst großen 24er-Kader den Konkurrenzkampf am Leben halten. Zum vermeintlichen Stamm zählten heute beispielsweise Mohamed Gouaida, Ronny Marcos, Ashton Götz, Julian Green – dafür mussten sich Matthias Ostrzolek oder auch Tolgay Arslan mit einer möglichen Reservisten-Rolle vertraut machen. Rafael van der Vaart könnte sich gegen Bremen im defensiven Mittelfeld wiederfinden.

Es ist kaum zu erwarten, dass Zinnbauer gleich ein ganzes Quartett unerfahrener U-23-Spieler ins Nordderby schicken wird. Aber warum sollte eigentlich nicht Mohamed Gouaida sein Debüt in der Bundesliga geben? Links im Mittelfeld fällt Marcell Jansen aus. Die Variante mit Lewis Holtby hat bei Hertha BSC nicht geklappt. Zoltan Stieber konnte dort ebenfalls noch nicht begeistern und Ivo Ilicevic bleibt fürs erste wegen seiner ständigen Verletzungen und Trainingspausen ein unsicherer Kandidat. Warum also nicht Gouaida, der vergangenen Sonnabend beim 2:2 der U 23 durch ein wundervolles Tor (übrigens nach Doppelpass mit Philipp Müller und nicht Ahmet Arslan, wie ich vergangene Woche irrtümlich geschrieben hatte) den Endstand erzielte? Der Bursche hat schon was, ist schnell und selbstbewusst. 21 Jahre alt ist der Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Straßburg geboren wurde, und den der HSV im Sommer vom SC Freiburg geholt hat.

Abwarten, was Joe Zinnbauer wirklich plant. Wie Ihr auch im Video von der heutigen Pressekonferenz hören könnt, möchte sich der Trainer alle Optionen offen halten. Wobei er auch klar sagt, dass vor den jungen Nachrückern immer noch eine Reihe Älterer steht, die „einen Schritt“ voraus seien. Aber punktuell kann man sicher mit einem jungen die alte Garde aufmischen. Nach den Länderspielen der vergangenen Woche sind vor allem die beiden Schweizer mit leichten Beschwerden zurückgekehrt. Allerdings gab es heute auch gleich Entwarnung. Sowohl Valon Behrami als auch Johan Djourou konnten im Training wieder dabei sein. Ihr Einsatz am Sonntag ist nicht gefährdet.

Auffällig ist ja vor diesem Nordderby, dem 101. Der Bundesliga-Geschichte, dass sich die Protagonisten mit allzu viel Gedröhne zurückhalten. Das mag auch wiederum zwei Gründe haben. Auf der einen Seite polarisiert die Werder-Truppe in Hamburg sicher nicht mehr so wie mit Tim Wiese oder Torsten Frings. Auf der anderen Seite ist die sportliche Lage sowohl an Weser wie an Elbe alles andere als dafür geschaffen, große Töne zu spucken. Wie würde sich das anhören, wenn die HSVer posaunen würden, Werder aus dem Stadion zu pusten? Da muss man nur mal die Heimstatistik rausholen. Und Werder, mit der zweitschwächsten Deckung der Liga, steckt in etwa so tief im Schlamassel wie der HSV.

Der Weg der beiden Vereine in den vergangenen Jahren lief ja parallel nach unten. Werder Bremen stand zwischenzeitlich fünf Mal in Folge in der Champions League. Geblieben ist von entsprechenden Einnahmen und vom hohen Marktwert der Spieler – nichts. Der HSV war internationaler Dauergast in den 2000er Jahren. Davon geblieben ist – noch weniger als nichts. Beide Nordvereine können ruhig als Prototypen herhalten für diejenigen Bundesliga-Vereine, die mit allergrößtem Aufwand und größtmöglichem Transferrisiko ihre Mannschaft aufgepumpt haben. Der sportliche Erfolg gab ihnen kurzfristig recht, doch sportliche Schwächephasen brachten das ganze Konstrukt zum Einsturz. Der HSV überhob sich (und überhebt sich noch) an seinen viel zu hohen Personalkosten. Werder wurde Opfer einiger teurer Transferflops. Als die Zeiten der genialen Spielmacher Micoud, Diego und Özil vorbei war, wurde teuer investiert in Nachfolger (Arnautovic, Carlos Alberto), die die Erwartungen nicht erfüllten. Was in Hamburg aufgefressen wurde durch zahllose Abfindungen, das ging auch an Werder nicht vorüber. Dort hat man darüber hinaus in Steine statt weitere Beine investiert. Das Stadion wurde umgebaut. Nachhaltig und sinnvoll, aber für den Moment ist Werder Bremen sportlich in einer tiefen Delle. Die Truppe ist eindeutig nicht gut, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Franco di Santo im Sturm besitzt der HSV ja berechtigte Hoffnungen, diesmal als Sieger vom Platz gehen zu können.

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Apropos Abfindungen. Vier Stunden tagten die DFB-Schlichter gestern mit den Anwälten des HSV und von Mirko Slomka und Nestor el Maestro. Dann war der Gütetermin friedlich beendet. Mehr als 1,4 Millionen Euro Abfindung wollte allein Slomka haben. Am Ende soll eine Summe von 1,8 Millionen herausgesprungen sein. Damit können wir zusammenfassen, dass der Ex-Trainer von Hannover 96 für seine sieben Monate in Hamburg knapp 2,5 Millionen Euro eingestrichen hat. Das ist etwas weniger als Bert van Marwijk für die knapp sechs Monate seiner Amtszeit erhalten hat. Es ist doch schön zu sehen, wie gnädig der HSV mit seinen leitenden Angestellten umgeht. Nicht, dass daraus nachher noch ein Sozialfall wird.

Aber im Ernst: Was ist da eigentlich los in den verantwortlichen Gremien des HSV? Was haben Anwälte, Vorstände und Aufsichtsräte für löchrige Verträge ausgehandelt? Wieso wird da ständig die Abfindung eingeklagt und nach oben verhandelt? Gibt’s das bei anderen Bundesligisten? Cardoso, Addo, Kreuzer, Slomka, el Maestro, van Marwijk – allein in den vergangenen Monaten? Die Verträge liegen dem HSV natürlich nur intern vor. Aber das hier ganz offensichtlich fehlerhaft gearbeitet wurde, liegt zunächst auf der Hand. Bei Kreuzer, so viel ist klar, hat der neue Aufsichtsrat bei der Vertragsumstellung Kreuzers von e.V. auf AG ein Versäumnis begangen und eine ursprünglich gültige Abfindungsregelung nicht übernommen. Glückwunsch dazu! Alle anderen Dinge, wie auch gestern von Scholle zum Fall Otto Addo beschrieben, sind im einzelnen sicher unterschiedlich. Zwei Prozesse stehen übrigens noch an. Am 1. Dezember geht es vor dem Arbeitsgericht um die fristlose Kündigung von Oliver Kreuzer. Und der Gütetermin mit dem ehemaligen Fitness-Trainer Nikola Vidovic, der heute vor dem Arbeitsgericht sein sollte, wurde kurzfristig verlegt. Dazu diese Mitteilung des Arbeitsgerichts:

Herr Vidovic wurde beim HSV e.V. mit Arbeitsvertrag vom 19. Oktober 2011 befristet bis zum 30. Juni 2014 eingestellt. Dieser Arbeitsvertrag wurde nachfolgend bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Herr Vidovic war direkt dem Cheftrainer unterstellt. Das Arbeitsverhältnis ging später auf die HSV Fußball AG über. Mit Schreiben vom 16. September 2014 wurde Herr Vidovic durch die HSV Fußball AG freigestellt und am 22. September zum 31. Oktober 2014 gekündigt. Gegen diese Kündigung wendet sich Herr Vidovic vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Weil beide Seiten eine einvernehmliche Regelung derzeit für nicht möglich halten, haben Sie beantragt, den Gütetermin vom 21.11.2014 zu verlegen, und den Kammertermin unmittelbar anzuschließen. Daher hat der Vorsitzende den Termin vom 21.11.2014 aufgehoben und zur mündlichen Verhandlung Termin anberaumt auf den 11. Februar 2015.

Verrückt, diese Prozessflut. Eigentlich kann es nicht im Sinn des Vereins sein, dass die anberaumten Verhandlungen tatsächlich öffentlich stattfinden. Im Zweifel würde wohl nur offenbar, welche Versäumnisse der HSV sich vorzuwerfen hat.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine neue Sonderausstellung im HSV-Museum. Mit 40 geladenen Gästen wurde vorhin der neue Bereich eingeweiht, der noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird und „Charly“ Dörfel gewidmet ist. „Charly“ selbst war anwesend, und das ist umso erfreulicher, weil der geniale Linksaußen von einst ja gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat. Aber, wie er selbst jetzt wohl sagen würde: „Unkraut vergeht nicht!“ Also: Ein Blick ins Museum lohnt sich mal wieder.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für die Matz-ab-live-Sendung am Sonntag nach dem Nordderby haben Dieter und Scholle den ehemaligen Torwart Sven Neuhaus zu Gast. Ein zweiter Gast folgt wie immer.

Lars
18.52 Uhr

Hat Sammer Muffe vor Zinnbauer?

18. September 2014

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Nachtrag (s.u.): Sieg der U 23 in Braunschweig
Statement von Mirko Slomka
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Ist es schon jemandem aufgefallen? In dieser Woche scheint pausenlos die Sonne! Liegt es vielleicht am neuen HSV-Trainer Joe Zinnbauer? Jedenfalls konnte der 44 Jahre alte Franke heute wieder bei besten Bedingungen auf den Trainingsplatz bitten. Und langsam manifestiert sich, was Zinnbauer für die Partie gegen den FC Bayern als Stammelf vorsehen könnte.

Wenn wir hinten anfangen, dann spricht das meiste für Jaroslav Drobny. Er stand erneut im Kasten der ersten Elf, und das bei zwei verschiedenen Spielformen. Rene Adler hatte gestern auch mal Kontakt zu den Stammspielern – aber Drobny doch überwiegend mehr. Also: Die Chancen stehen aktuell 90:10 für Drobny.

Die Viererkette dürfte mit Diekmeier, Djourou, Westermann und Ostrzolek besetzt werden. Beachtlich vor allem die mögliche Rückkehr von „HW4“. 2010 ist er für 7,5 Millionen Euro von Schalke 04 zum HSV gekommen. Zuletzt schien seine Zeit in Hamburg zu Ende zu gehen. Der Wechsel in Hannover, als ihn der Brasilianer Cleber erstmals vertrat, war für viele folgerichtig.

Heute hat Heiko Westermann über den Trainerwechsel Slomka/Zinnbauer gesprochen. Bzw. eigentlich nicht gesprochen, was als Spieler nachvollziehbar ist: „Ich bin nicht dafür da, um über Trainerwechsel zu sprechen. Wichtig ist, dass wir Erfolg haben. Wir haben letztes Jahr mit Slomka die Klasse gehalten, jetzt sind wir schlecht gestartet. Der Verein hat dann gehandelt.“ So pragmatisch muss man es wohl sehen als HSV-Profi. Nach Westermanns Einschätzung sind die Kardinal-Fehler des Vereins und der Mannschaft seit langer Zeit im Argen. „Ich habe es die letzten Jahre immer betont, dass wir als Team auftreten müssen. Das haben wir die letzten zwei Spiele wieder nicht getan, deswegen stehen wir im Keller. Wir müssen jetzt die Vorgaben des Trainers umsetzen, dass jeder für den anderen da ist. Sonst funktioniert es nicht.“


Ob es wohl gegen die Bayern funktioniert? Natürlich ist es der schwerste Gegner, der möglich ist. Westermann: „Wir sind klarer Außenseiter. Ich habe mir auch die Champions League Partie gegen Manchester angesehen. Sie sind wieder auf dem Weg, die beste Mannschaft der Welt zu sein. Es wird eine sehr schwere Aufgabe, aber wenn wir nicht dran glauben, ist auch nichts möglich. Wir müssen als Mannschaft auftreten. Kompakt, als Einheit und viel laufen.“

An der Außenseiterrolle des HSV ändert das nicht eben viel. Und trotzdem kommen aus München vorsichtige Töne. Dort hat sich Sportdirektor Matthias Sammer nach dem 1:0 in der Champions League gegen Manchester City über den nächsten Gegner in der Bundesliga geäußert: „Ich sage ihnen ganz ehrlich: vor unserem Spiel habe ich gehofft, dass wir gegen Manchester gewinnen, aber sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich in diesen Tagen an den HSV gedacht habe. Die Trainerkonstellation, wie sich dort ergeben hat – es ist nicht gerade so, dass uns das superrecht ist.“

Oha – da warnt aber einer vor dem HSV, vor dem Tabellenletzten der Bundesliga. Reicht der Ruf von Joe Zinnbauer als Motivator bis zum FC Bayern? Von wegen „Mia san mia“, oder wie? Na, ganz so weit wird es vielleicht nicht gehen, und man kennt ja auch den warnenden Sammer. Doch auch wir hier in Hamburg haben ja den Eindruck, dass der neue Trainer seine Aufgabe auch irgendwie anders, leidenschaftlicher und authentischer angeht als einige seiner Vorgänger.

Heiko Westermann kennt den Zinnbauer ja aus gemeinsamen Tagen im Frankenland. Das sei 13 Jahre her, er wisse gar nicht mal mehr wo die erste Begegnung war, so Westermann. „Über einen Trainer zu urteilen, ist allerdings schwierig. Es ist einfach wichtig, dass wir uns finden. Er steht für Ordnung, Disziplin und ein offensives Spiel. Alles weitere, was ihn ausmacht, wird man sehen.“

Zinnbauer wird vermutlich eine Mischung aus alten und neuen Spielern finden. Oder sind die Alten nicht einfach zu verbraucht? Westermann widerspricht dieser Einschätzung und spricht für sich: „Das Thema ist gegessen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei jemandem noch etwas auf der Schulter lastet. Wir müssen ein positives Gefühl reinkriegen, egal, was hinter uns liegt mit der Trainerentlassung.“

Schlusswort Westermann zum Bayern-Spiel: „Man hat schon viel mitgemacht beim HSV in den letzten Jahren, aber ich denke nicht groß über die Vergangenheit nach. Es ist viel passiert, aber man muss immer wieder aufstehen. Jetzt ist eine Riesenchance für uns, etwas gutzumachen. Die Chance ist vielleicht nicht groß, aber sie ist da. Jeder kommt schlecht rum, wenn man immer verliert. Am Sonnabend sind wir als Mannschaft gefordert – niemand sonst. Wir wollen eine gute Atmosphäre schaffen, das Stadion mitnehmen und versuchen, etwas zu drehen.“

Eine Riesenchance, etwas gutzumachen.

Zurück zur möglichen Aufstellung. Im Mittelfeld ist offenbar nur Valon Behrami vor der Viererkette gesetzt. Gestern musste er zwar früher mit dem Training aufhören, heute war er wieder erste Wahl. Im großen Trainingsspiel stand Petr Jiracek an seiner Seite. Joe Zinnbauer setzt also um, was er angekündigt hat. Er wechselt im Training durch, da ist die Wahl fürs Wochenende nicht so leicht vorauszusehen.

Die offensive Dreierreihe sowie der Sturm sind dagegen zu prognostizieren. Nicolai Müller über rechts, Lewis Holtby zentral, Zoltan Stieber über links, vorn Pierre Michel Lasogga. Viele andere Alternativen bieten sich Zinnbauer nicht. Julian Green, der in Hannover noch Lehrgeld zahlen musste, bleibt wohl zunächst nur auf der Bank. Nach gut eineinhalb Stunden war diese Trainingseinheit abgeschlossen.

Auffällig: Zinnbauer unterbrach immer wieder, ging zu einzelnen Spielern hin, um ihnen Ratschläge zu geben. Das Training ist intensiv, es gibt kaum Pausen. Aber das ist nur der Eindruck von außen. Entscheidend wird nachher sein, ob der neue Mann in der Kabine eine Atmosphäre erzeugt, die die Spieler mitreißt. Ob er sie in der Ansprache packen kann, und ob sie sich auch so packen lassen, wie es mit der U 23 möglich war.

Fehlen wird den Hamburgern übermorgen Ivo Ilicevic und Marcell Jansen – und wohl auch noch in den folgenden Spielen der Kapitän. Wie berichtet hat sich Rafael van der Vaart vergangene Woche an der Wade verletzt, und zwar an eben jener Stelle, die ihn auch schon kurz zuvor zu einer Pause gezwungen hatte. Trainer Mirko Slomka hatte auf der Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel ausführlich Stellung genommen zu dieser Verletzung, er bezeichnete sie sinngemäß als neue Verletzung, die nichts mit der alten Wadenverletzung des Niederländers zu tun habe. Dies ist, gelinde gesagt, nur ein Teil der Wahrheit – beide Verletzungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang.

So ist van der Vaart seine Wadenverhärtung, die sich durch Bluteinlagerungen im Muskel kennzeichnet, herausmassiert worden. Durch Anregung des Stoffwechsels ist dies relativ schnell möglich, der Schmerz lässt in diesem Fall schon nach wenigen Tagen nach. Die Symptome sind also verschwunden, was allerdings nicht bedeutet, dass die betreffenden Stelle oder das Gewebe drum herum schon wieder zu 100 Prozent leistungsfähig sind. Bei starker Belastung kann es zu einer neuerlichen Verletzung kommen, entweder an der alten Stelle oder in der Nähe. Genau das ist passiert. Dass Slomka ungehalten auf die entsprechende Nachfrage reagierte, ist nachvollziehbar. Schließlich wollte er nicht die Debatte aufkommen lassen, er oder jemand anderes habe diese erneute Verletzung fahrlässig provoziert.

Tatsächlich ist ihm dies auch nicht vorzuwerfen, schließlich hat er van der Vaart nicht gegen den Rat der Ärzte auf den Platz gescheucht. Genauso wenig ist van der Vaart selbst übertriebener Ehrgeiz in diesem Fall nachzusagen. Trotz allen Fortschritts sind Muskelreaktionen nicht auf den Punkt vorauszusagen, es kommt da natürlich viel auf Erfahrungswerte an. Aus diesem Grund ist van der Vaart, ohnehin ja schon anfälliger als andere Profis für Muskelverletzungen, nun zumindest vorsichtig geworden. Mit Sicherheit wird er beim nächsten Comeback-Versuch ganz genau aufpassen, nicht zu früh zu belasten.

Abschließend noch ein großer Glückwunsch. Charly Dörfel wird heute 75 Jahre alt. Lieber Charly, alles Gute zu Deinem dreiviertel Jahrhundert! Charly war ganz sicher einer der ganz großen Spieler, die der HSV hervorgebracht hat. Dass er immer ein bisschen anders war, verrückt und etwas eigensinnig, ist bekannt. Wahrscheinlich hat ihm sein flottes Mundwerk eine Welt-Karriere erschwert – aber Charly hat sich nie verbiegen lassen. Wie der „Bild“ zu entnehmen war, feiert Charly heute im Krankenhaus, nachdem er eine Bauch-OP hatte. Neben dem Glückwunsch also auch noch Gute Besserung!

Lars

18.24 Uhr

PS: Die Zweite siegt auch ohne Joe Zinnbauer – es ist der Wahnsinn. Aber herrlich! Bei der zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig, die bislang auch unbesiegt war, gab es den neunten Sieg im neunten Spiel. 4:1 wurde in Niedersachsen gewonnen, Daniel Petrosky war der Trainer am Spielfeldrand. Und die Tore für den unangefochtenen Tabellenführer der Regionalliga Nord erzielten Domink Masek (22), Nils Brüning (28.) zum 0:2, Tolcay Cigerci zum 1:3 (43.) und noch einmal Brüning (54.) zum Endstand. Glückwunsch dieser tollen Truppe!
P.P.S.: Mirko Slomka hat auf seiner Homepage Abschied genommen vom HSV. Hier sein Statement im Wortlaut:

“Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,
Liebe Fußball-Fans,

als ich im Februar das Training beim „Dino der Bundesliga“ übernommen habe, war ich mir sehr sicher, dass ich einiges verändern kann und den Verein zum so lange erwarteten Erfolg führen würde. Ich wollte etwas bewegen. Gemeinsam haben wir intensive Wochen erlebt und konnten den Abstieg verhindern. Für die bemerkenswerte Unterstützung in dieser Zeit kann ich mich nur erneut bedanken.
Ich wünsche dem Verein und den Verantwortlichen sehr, dass sie zeitnah nachhaltigen Erfolg mit ihrem Handeln haben werden – auch im Sinne meines Nachfolgers Joe Zinnbauer und seinem Team.

Ich bin schon früher immer gerne nach Hamburg gekommen, und das wird auch in Zukunft so sein. In der (zu) kurzen Zeit in der Hansestadt habe ich viele neue Ecken entdeckt und einige tolle Bekanntschaften gemacht. Der Verein hat ein sensationelles Stadion mit großartigen Fans und eine intakte, aber neu zusammengestellte Mannschaft, die noch etwas Zeit braucht. Die Stadt beheimatet viele Förderer und Sponsoren des Fußballs und begeistert mich mit all ihren Facetten. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des HSV und seiner Kooperationspartner. Unsere Wege werden sich hoffentlich bald wieder kreuzen. In Hamburg sagt man “Tschüss” – ich sage auch “Auf Wiedersehen!”
Alles Gute,

Euer Mirko Slomka”

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Otto Rieckhoff: “Einen dreistelligen Millionenbetrag anstreben.”

22. November 2013

Nach dem Interview mit Manfred Ertel am vergangenen Wochenende haben wir nun Otto Rieckhoff im Programm. Wir haben ihn ausführlich und in zwei Teilen zu seiner Idee “HSV-PLUS” befragt, die er mit einigen Mitstreitern (Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Ditmar Jakobs, Thomas Doll, Dr. Wolfgang Klein u.a.) vorantreibt. Bevor es losgeht kurz zum Tagesaktuellen.

Marcell Jansen gab sich heute ganz gelassen, einen Tag nachdem ihn Bert van Marwijk zum Interims-Kapitän gemacht hat. Nicht viel würde sich für ihn nun ändern, er freue sich über das Vertrauen. „Rafa ist verletzt, das ist blöd. Natürlich freue ich mich, dass ich die Verantwortung jetzt übernehmen kann.“ Man kann diese Maßnahme, denke ich, durchaus als Belohnung betrachten für Jansens Entwicklung in den vergangenen Jahren. Er arbeitet top-professionell, hat sich mit Extratraining über seinen vielen Verletzungen hinweg gesetzt, und ist einer der stabilsten HSV-Profis der vergangenen Jahre.

Interessant heute auch Jansens Äußerungen über die Strukturdebatte – er hat sich recht klar für eine Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung ausgesprochen. „Wenn man die Bilanz der letzten Jahre nimmt, kann man nicht immer die Schuld bei den handelnden Problemen suchen. Man muss sich überlegen, ob die Probleme nicht tiefer liegen.“ Er wünscht sich nun eine gute Lösung für den Verein, wie er sagte, und in dieser Analyse trifft Marcell Jansen sicher den Kern. Seit 2008 ist er in Hamburg und kennt diesen Verein und seine Schwierigkeiten ja sehr gut. Das Interview seht Ihr hier (Entschuldigung für die mäßige Bildqualität).

Was die Personalien und das heutige Training angeht, gab es vor allem eins: Entwarnung. Heiko Westermann, der noch etwas skeptisch zum Training gekommen war, hielt die Einheit fast bis zum Ende durch. „Das Knie ist noch geschwollen und tut etwas weh“, verriet Westermann. “Aber ich habe noch zwei Tage.” Sicherheitshalber ließ er sich das Knie kurz vor Ende des Trainings dick bandagieren und sich auf dem kleinen Golf-Car in die Kabine fahren. Trotzdem deutet sich an, dass er auf der rechten Verteidigerposition erneut auflaufen kann. Neben ihm würde dann Johan Djourou spielen. Für manchen mag das jetzt überraschend kommen, schließlich ist er noch nicht so sehr lange wieder im Training. Aber schon im Training gestern deutete sich an, dass Coach van Marwijk auf den Schweizer setzt.

So, nun aber zu Otto Rieckhoff, der heute gemeinsam mit Thomas von Heesen in Berlin zu seinem Modell „HSV-PLUS“ sprechen wird. Natürlich steht dieses Thema auch bei uns im Mittelpunkt.

Matz ab: Herr Rieckhoff, glauben Sie, dass Sie am 19. Januar mit Ihrem Modell „HSV-PLUS“ der strahlende Sieger sein werden?

Otto Rieckhoff: Wenn die Mitglieder den Vorstand zur Finalisierung des „HSV-PLUS“-Konzepts beauftragen, und es schließlich in einer weiteren Mitgliederversammlung angenommen wird, kann es nur einen Sieger geben: den HSV.

Matz ab: Welchen Zeitplan sehen Sie idealerweise vor bei der Umsetzung von
„HSV-PLUS“?

Rieckhoff: Ich erwarte den endgültigen Beschluss in der zweiten Mitgliederversammlung innerhalb des ersten Halbjahrs 2014.

Matz ab: Wie stehen Sie einem „Runden Tisch“ gegenüber?

Rieckhoff: Sehr positiv, wenn wir dann alle unsere Positionen noch einmal auf den Prüfstand stellen, um hoffentlich gemeinsame Positionen finden zu können. Vielleicht sind die aktuellen Koalitionsverhandlungen in der Politik Vorbild dazu. Allerdings gab es im Vorfeld ja bereits sehr deutliche Äußerungen der strikten Ablehnung im Hinblick auf die Schaffung einer HSV Fußball AG, die es uns erst ermöglichen würde, Eigenkapital durch entsprechende Beteiligung zu generieren und darüber hinaus eine schlanke und effiziente Struktur mit erstklassigem Personal gewinnen zu können. Auch wäre ja die Verlagerung des immensen finanziellen Risikos weg vom e.V. eingeschlossen und die sogenannte Rechtsformverfehlung wäre aufgehoben durch die klare Trennung zwischen Gemeinnützigkeit und Wirtschaftsbetrieb. Dauerhafte Verluste führen zum Verlust der Gemeinnützigkeit. „HSV-PLUS“ ist auch ein ganz wichtiger Schritt für den dauerhaften Erhalt des Amateursports im HSV.

Matz ab: Wären Kompromisse mit anderen Konzepten denkbar?

Rieckhoff: Das würde sich verständlicherweise aus solch einer Gesprächsrunde erst ergeben.

Matz ab: Welches andere Konzept sehen Sie als ernsthaftesten Konkurrenten?

Rieckhoff: Außer „HSV-PLUS“ habe ich natürlich keine Präferenz, weil keine Lösungen für Finanzierungsmöglichkeiten in den Angeboten sind. Es ergibt keinen Sinn, in unserer extrem schweren Situation auf halbem Wege stehen zu bleiben oder nur Satzungskosmetik zu betreiben.

Matz ab: Gab es bereits konstruktive Gespräche mit den Konkurrenten?

Rieckhoff: Konkret nicht, aber wir begegnen uns ja häufig bei diversen Veranstaltungen, bei denen wir unsere Positionen mit gegenseitigem Respekt austauschen.

Matz ab: Gibt es aktuell Unternehmen, die als Investoren bereitstehen könnten?

Rieckhoff: Es gibt bereits sehr positive Signale, dass wir nach endgültiger Umsetzung unseres Konzepts sehr attraktiv für potenzielle strategische Partner werden dürften.

Matz ab: Wie viel Geld müsste der/die bringen?

Rieckhoff: Das hängt natürlich von der prozentualen Beteiligung ab, die wir ja ohnehin nur unterhalb der sogenannten Sperrminorität zulassen wollen. Leider wurde dem Vorstand ja untersagt, bestimmte orientierende Vorarbeiten wie z. B. die Wertermittlung bestimmter Vermögenswerte zu leisten. Nach Einschätzung von Fachleuten, die mit dieser Materie vertraut sind, sollte für einen Anteil von 24,9 Prozent an der Tochtergesellschaft ein dreistelliger Millionenbetrag anzustreben sein. Die Basis hierfür ist keine betriebswirtschaftliche Kennzahl, sondern eine Einschätzung, was ist einem oder mehreren strategischen Partnern der HSV wert und wie ist der Markenwert aus Sicht des HSV. Eines der Kernziele unseres Konzepts ist eine so weit wie mögliche Entschuldung des Vereins, um endlich wieder frei handlungs- und gestaltungsfähig zu sein.

Matz ab: Wie viel Geld braucht der HSV sofort, um in der kommenden Saison
international zu spielen?

Rieckhoff: Die Nennung einer bestimmten Summe ist abwegig. Es muss eine langfristige Philosophie für ein sportliches Gesamtkonzept her, das auch den Nachwuchs einbezieht. Aktionismus und Stückwerk sind out. Aber sicher ist auch, dass wir erhebliche Mittel brauchen, um erstklassiges Personal zu gewinnen und vor allem endlich unsere eigenen Talente im Verein zu halten.

Matz ab: Wie viele Schulden hat der HSV aktuell – und wie viel davon muss der HSV Ihrer Einschätzung nach unmittelbar abbauen, um wieder
konkurrenzfähig zu sein?

Rieckhoff: Diese Frage müssen Sie in der Tat besser an den Vorstand oder Aufsichtsrat richten. Jedenfalls lassen die neu angehäuften Schulden der letzten 15 Monate nichts Gutes erwarten.

Soweit Otto Rieckhoff für heute.

Neues gibt es vom früheren HSV-Profi Mohamed Zidan. Der Ägypter wehrt sich gegen Vorwürfe des Scheckbetrugs. Und insbesondere wehrt er sich gegen die sechsjährige Haftstrafe, die er aufgebrummt bekommen hat. Hier die komplette Meldung der dpa:

Der frühere Bundesligaprofi Mohamed Zidan hat sich gegen Berichte über eine sechsjährige Haftstrafe wegen Scheckbetruges in seiner Heimat Ägypten gewehrt. «Das stimmt so nicht», schrieb Zidan in einem Brief an «Bild», den die Zeitung am Freitag auf ihrer Online-Seite veröffentlichte.
Er sei sehr schockiert über die Meldungen gewesen, betonte der 31-Jährige. Sein Fall sei aufgrund von Missverständnissen und Kommunikationsfehlern ohne sein Wissen vor Gericht gelandet. Dort sei in seiner Abwesenheit und ohne seine Kenntnis das noch nicht rechtskräftige Urteil gefällt worden. Er geht davon aus, dass das Urteil zurückgezogen wird.
Zidan steht eigenen Angaben zufolge bis 2014 beim SC Baniyas in Abu Dhabi unter Vertrag. In der Fußball-Bundesliga spielte er für Werder Bremen, den FSV Mainz 05, den Hamburger SV und Borussia Dortmund.
Zidan erklärte, er habe 2007 in einem Neubaugebiet in der Nähe von Kairo ein Grundstück erworben, auf dem ein Haus für ihn und seine Familie gebaut werden sollte. Die Villa sei zum vereinbarten Termin 2010 nicht fertig geworden, der Bau habe komplett geruht. Er habe daher über seine Bank alle Zahlungen eingestellt. Beim Baubeginn habe er – wie seinen Worten zufolge in Ägypten oft üblich – sämtliche für die Zahlungen vorgesehen Schecks ausgefüllt, die zu bestimmten Terminen eingezogen werden sollten. Die Missverständnisse mit der Baufirma habe er nun umgehend geklärt, unterstrich Zidan.

Hoffentlich löst sich alles in Zidans Sinn. Ich habe ihn in Hamburg zwar als sehr exzentrisch kennen gelernt, aber er ist auch immer ein kleiner Junge geblieben. Manche Leute ziehen solche Geschichten an – er gehört dazu.

Was ganz Neues ist heute vom HSV auf den Markt gebracht worden – und wer will, kann es schon ab morgen, Sonnabend, testen. Es gibt eine neue „HSV-Fankarte“. Hier kann man Fanmeilen gewinnen und dafür Prämien gewinnen. Hübsche Aktion, hübsche Karte und hübscher Flyer dazu. Wen es interessiert: www.hsvbonus.de !

Das war es für heute. Morgen gibt es hier letzte Impressionen vom Abschlusstraining vor dem Hannover-Spiel, ein paar Eindrücke vom Duell der U 23 gegen die Zweite des VfL Wolfsburg und natürlich den zweiten Teil des Interviews mit Otto Rieckhoff.

Am Ende noch beste Genesungswünsche an Charly Dörfel, der sich mit einem Tranchiermesser zwei Sehnen in der rechten Hand angeritzt hat und im Krankenhaus St. Georg liegt. Dieter hat schon persönlich Kontakt gehabt mit Charly, der bald wieder nach Hause kommt.

Bis morgen
Lars

Entsetzen und Ratlosigkeit

19. August 2013

Der HSV ist in aller Munde. Das hat ein Auftritt geschafft – dieses unglaubliche 1:5 gegen Hoffenheim. In der Stadt gibt es nur dieses eine Thema: HSV. Der HSV und die 1:5-Klatsche, die 1:5-Katastrophe. Ich bin immer noch total entsetzt, und mir fliegen die Mails nur so um die Ohren. Wobei ich eines einmal klarstellen muss: Ich habe hier gestern einen Brief und dazu einige Mails, die schon im Blog als Beiträge liefen, veröffentlicht. Es muss mir also niemand schreiben, um so einmal zitiert zu werden – es genügt der Blog. Und da rauscht es zurzeit ja ordentlich im Karton – kein Wunder. Und ein Thema spielt dabei bislang nur am Rande eine noch unterschätzte Nebenrolle: Zuschauer. Beziehungsweise keine Zuschauer. 47 483 Fans waren beim Hoffenheim-Spiel – noch. Club-Chef Carl-Edgar Jarchow hat es heute bei den Kollegen der Mopo richtig gesagt: „Wenn wir weiterhin so spielen, werden wir Probleme mit unseren Zuschauern bekommen.“ Das stimmt – und stimmt nicht, denn die Probleme gibt es schon. Und die, die am Sonnabend nach dem 1:4 aufstanden und die Arena verließen, die werden so schnell ganz sicher nicht wiederkommen. Das ist die Gefahr: Diese Mannschaft, das sollte sich jeder einmal vergegenwärtigen, diese Mannschaft spielt die treuesten und besten Fans aus dem Stadion! Aufwachen, HSV, und aufwachen, ihr HSV-Profis!

Dass es nun jede Menge bester Ratschläge für den HSV gibt, ist klar – das war in Krisenzeiten immer so – aber wir haben ja noch keine Krise. Wir haben jetzt erst zwei Spieltage hinter uns. Bedenklich ist es trotz allem.

Sky Experte Stefan Effenberg hat über die Situation beim HSV gesagt: „Van der Vaart ist schon derjenige, der die meiste Last auf den Schultern trägt. Aber es ist ja auch kein anderer da. Man braucht im Team eine Achse, an die sich jeder anlehnt, aber die ist nicht da. Du spielst gegen den HSV, nimmst van der Vaart aus dem Spiel und schon hast du das Spiel im Griff.“

Aber das ist ja nicht das einzige Problem. Es drückt doch überall der Schuh. Überall. Es liegt doch nicht nur an Rafael van der Vaart, ob der nun gut oder schlecht drauf ist – es liegt doch dann auch an den anderen zehn Leuten, die mit ihm auf dem Rasen stehen. Stehen. Fußball ist ein Laufspiel, und es wird mir beim HSV einfach zu wenig gelaufen. Andere Mannschaften, da liege ich mit vielen meiner Freunde, Bekannten und auch befreundeten Experten auf einer Linie, viele Mannschaft laufen ganz einfach viel mehr. Und schneller. Da müssen wir gar nicht so weit suchen, da genügt es, wenn man sich das Hoffenheim-Spiel noch einmal ansieht. Wie die Jungs gelaufen sind, gesprintet sind, wie sie von Angriff auf Abwehr umgeschaltet haben, wie sie die Räume zugestellt haben, wie sie sich auch gegenseitig geholfen haben ständig Anspielstationen für den Nebenmann gebildet haben, das war eine Augenweide. Und ist in dieser Form beim HSV nicht zu sehen. Null. Oder auf jeden Fall viel, viel zu wenig.

Ich habe heute mit einigen Altmeistern des HSV gesprochen, die jedes Spiel ihres Vereins sehen. Da hörte ich oft das blanke Entsetzen oder totale Ratlosigkeit heraus.

Horst Schnoor, Torwart der Meistermannschaft von 1960, sagte mir: „Nach einer solchen Niederlage muss man sich schon Sorgen machen. Wir haben alle etwas anderes erwartet, aber das 3:3 von Schalke wurde ja nun in Wolfsburg mit dem 0:4 relativiert. Wir waren viel zu optimistisch. Nun müssen wir aufpassen, dass wir in den nächsten Spielen genügend Punkte holen, sonst geht der Abstiegskampf wieder los.“ Woran aber liegt es, dass der HSV so schlecht spielt? Schnoor: „Wir spielen zu Hause immer nach dem gleichen Muster – und verlieren auch immer nach dem gleichen Muster: Wir fangen uns ein schnelles Tor ein, und dann rennen wir offen hinterher – und dann knallt es.“

Horst Schnoor weiter: „Ich will jetzt nichts gegen Thorsten Fink sagen, darauf lege ich großen Wert, der hat jetzt genügend Sorgen. Aber wir müssen vielleicht mal anders stehen, getreu dem Huub-Stevens-Motto: die Null muss stehen. Wir haben offensichtlich Schwierigkeiten, gegen gut gestaffelte Mannschaft das Spiel zu machen. Das dauert alles zu lange und ist viel zu umständlich.“ Und was sagt ein Torwart zu Rene Adler: „Er tut mir leid, denn er wurde gegen Hoffenheim absolut allein gelassen. Dann kann kein Torwart der Welt etwas halten. Nein, nein, an Adler liegt es nicht.“

Woran dann? Schnoor über den HSV ganz allgemein: „Wie hat sich den Dortmund wieder gefangen? Die waren schon tot, lagen am Boden – und dann? Dann haben drei Männer das Ding wieder belebt: Watzke, Zorc und Klopp. Drei Männer. Aber beim HSV wollen sie alle mitreden, das ist unser großes Problem. Und ich weiß nicht, wie das jemals geändert werden soll. Ich weiß es nicht.“

Und sportlich, Herr Schnoor: „Neue Spieler können wir nicht mehr kaufen, es gibt kein Geld. Da muss gearbeitet, gearbeitet und nochmals gearbeitet werden. Zu den zwei Tagen, die nun frei gegeben worden sind, möchte ich nichts sagen, der Trainer wird wissen, warum er das so getan hat.“

Apropos neue Spieler. Im Sturm ging Heng Min Son verloren, dafür wurde Jacques Zoua geholt. Wie urteilt Horst Schnoor über den Mann aus Basel? „Er soll ja ganz billig gewesen sein, aber wenn er nur einigermaßen gewesen wäre, dann wäre da ja nicht nur der HSV dran gewesen. So doll kann der also beim FC Basel nicht gewesen sein. Und wenn ich mir dann den Modeste, den Stürmer von Hoffenheim ansehe, dann muss ich sagen: da liegen Welten dazwischen. So einen haben wir weit und breit nicht. Maximilian Beister ist ein Konter-Stürmer, Artjoms Rudnevs kämpft und rennt 90 Minuten, macht wenigstens ab und zu mal ein Tor – den würde ich immer spielen lassen. Wir haben keinen besseren Stürmer, auch wenn er technisch Schwächen hat.“ Und der HSV nun in Berlin? Wie wird das? Schnoor: „Ich möchte wetten, dass der HSV dort nicht verliert. Die werden sich alle den Hinter aufreißen – wenn sie Charakter haben.“

Klaus Neisner, Rechtsaußen der Meistermannschaft von 1960 und immer noch (ein) Chef der Altliga des HSV, sagt zum 1:5: „Ich mache mir große Sorgen um den HSV, denn ich glaube, dass in dieser Mannschaft zu wenig Substanz steckt. Ein Rafael van der Vaart ist nicht mehr das, was er früher mal war, er kann nicht mehr der große Leader dieser Mannschaft sein. Das hat er schon seit Beginn dieses Jahres gezeigt, er hat für mich teilweise Alibi-Fußball gespielt. Er lässt sich nach hinten fallen, wird angespielt und spielt den Ball dann dem Nebenmann über sechs, sieben Meter wieder in die Füße.“ Ist denn das Thema Abstieg für den HSV ein Thema – in dieser Saison? Neisner: „Ich glaube nicht, dass der HSV absteigen wird, aber der HSV ist und bleibt für mich eine Wundertüte. Immer wieder mal gute Spiele, aber dann auch solche unbegreiflichen Auftritte wie jetzt am Sonnabend. Es wird sicherlich eine schwere Saison. Ich weiß auch nicht, ob die Spieler wirklich zu 100 Prozent austrainiert sind . . .“

Gert „Charly“ Dörfel, Linksaußen der Meistermannschaft von 1960, befindet zur aktuellen Lage: Das war desolat, keine Frage, aber der HSV hat immer noch mit den Ausläufern der Hoffmann-Ära zu kämpfen – kein Geld, um noch mal vernünftige Spieler kaufen zu können. Und die bräuchte der HSV jetzt dringend, es gibt davon zu wenige. Gegen Hoffenheim ist die Mannschaft wie ein Hühnerhaufen über den Rasen gelaufen. Dennoch glaube ich, dass sich die Spieler fangen werden, die spielen schon in Berlin wieder sehr viel besser. Auch van der Vaart wird noch in Bestform kommen, davon bin ich überzeugt. Und Thorsten Fink wird alles dafür tun, dass seine Mannen nicht wieder wie ein Sauhaufen über den Rasen laufen werden.“

Der Kapitän von 1960, Jochen Meinke (der Stopper), kam am Sonnabend nach dem 1:5 nach Hause und sagte zu seiner Frau: „So spielt ein Absteiger.“ Meinke weiter: „Ich war bedient. Es ist mir unbegreiflich, wie man auf Schalke so gut spielen kann, und dann so etwas. Die haben alle gespielt, als wären sie im Tran. Die waren ja alle viel langsamer als die Hoffenheimer. Und dann die Abwehr – eine Katastrophe. Da werden ja haarsträubende Fehler gemacht, vor allen Dingen von Heiko Westermann.“ Dann ergänzt Jochen Meinke: „Zum Glück ist ein solches Debakel gleich im zweiten Spiel passiert, das öffnet hoffentlich allen die Augen, jetzt weiß jeder, woran er ist. Gegen Hoffenheim haben ja alle versagt.“ Dann sagt Meinke noch: „Wir haben uns im Stadion fragend angesehen, als Thorsten Fink den Milan Badelj ausgewechselt hat – aber da hat wohl jeder Trainer seine eigene Ansicht. Ich aber hätte Badelj niemals ausgewechselt, da gab es doch genügend andere, die viel, viel schlechter waren.“

Und nun? Wie geht es weiter? Jochen Meinke: „Der Trainer darf jetzt keine Rücksicht mehr auf Namen nehmen. Dann nimmt er eben mal den jungen Jonathan Tah rein, oder den jungen Kerem Demirbay – schlechter wird es mit ihnen ganz sicher auch nicht laufen, denn schlechter kann man ja gar nicht mehr spielen. Und die jungen Leute haben vielleicht die viel bessere Einstellung, die wollen, die sind hungrig.“ Und zerreißen sich bestimmt. Meinke: „Ich bin heute noch entsetzt, wie unsere Leute neben hren Gegnern hergelaufen sind – vor allen Dingen bei den Toren. Unfassbar, wie wir immer nebenher trabten, so, als ginge es niemandem etwas an . . .“

Und noch ein Stopper sah dieses 1:5 – Ditmar Jakobs. Macht er sich jetzt schon Sorgen? Der frühere Nationalspieler sagt: „Warum soll ich mir Sorgen machen? Das gab es doch früher auch, dass man mal eine Klatsche bekam. Gegen den KSC haben wir mal 0:4 im Volkspark verloren. Grundsätzlich aber steht fest, dass wir Schwierigkeiten bekommen in dieser Saison. Und wer auch immer gesehen haben mag, dass wir im Sommer 2014 international spielen werden – ich sehe das auf keinen Fall. Da kann man nur sagen: ‚Leute, ihr habt noch 32 Spiele vor euch, wacht auf, reißt euch zusammen.’ Und dann hoffe ich, dass wir alle schon in Berlin am Sonnabend einen ganz anderen HSV sehen werden. Gut war an diesem 1:5, dass diese Niederlage im Kollektiv geschah, denn es waren alle schlecht, da kann sich keiner rausnehmen – außer dem Torwart.“

Ditmar Jakobs sieht allerdings auch nicht nur die Abwehr als schwach an, denn ein Abwehrverhalten beginnt schon wesentlich früher. Und weil nun auch die Führungsspiele, die „älteren Herren“ gefragt sind (und kritisiert worden sind), sagt „Jako“: „Die Jungen müssen genauso mitmachen, und wenn sie abtauchen, dann bekommt jeder erfahrene Spieler ebenfalls große Schwierigkeiten. Da muss schon ein Rad in das nächste greifen, da kann es nicht nur Jung und nicht nur Alt geben – du brauchst elf Leute, die Gas geben und sich einig sind.“ Aber es gibt wohl doch noch Licht am Ende des Tunnels: „Zu Hause tun wir uns schwer, auswärts sind wir besser. Obwohl es gegen den Aufsteiger nicht einfach wird – aber wir müssen das Spiel nicht machen, da wird die Hertha kommen.“

Dann sagt Ditmar Jakobs auch: „Die Medien haben auch eine Mitschuld an diesem Dilemma. Ihr habt sie doch alle aufgebaut, ihr habt sie zu Weltmeistern gemacht – nach diesem grandiosen 3:3 auf Schalke. Als wäre der HSV schon wieder deutscher Meister. Weil er doch auf Schalke wie der FC Barcelona gespielt hat. Eine Woche wurde in Hamburg gefeiert, weil der HSV doch wie Barcelona spielt. Sensationell. Was sollen die Spieler denn glauben? Die laufen dann so gegen Hoffenheim auf, als wären sie der FC Barcelona . . .“ Dann ergänzt Jakobs noch: „Alle wurden sie nach dem 3:3 nach oben gejubelt. Der HSV ganz oben, endlich haben es die Spieler begriffen, nun können sie es – und so haben wir Schalke ausgetrickst . . . Und dann trickst hier Hoffenheim. Und das hat eines gezeigt: Wir sind weiterhin so instabil, wie wir zuletzt immer waren. Das ist Tatsache.“

Und zur Erinnerung fügt „Jako“ noch an: „Wir haben am 26. September 1987 mal 2:8 in Mönchengladbach verloren. Das war auch grausam. 2:3 hieß es, und plötzlich sind alle nach vorne gelaufen. Ich stand dahinten teilweise allein gegen vier Borussen – und Tor. Aber solche Tage gibt es. Der Unterschied zu heute ist aber der, dass wir damals Qualität in der Mannschaft hatten. Wir hatten einen Manfred Kaltz, Dietmar Beiersdorfer, Thomas Kroth, Thomas von Heesen, Uwe Bein und zum Beispiel einen Bruno Labbadia. Solche Leute fehlen doch heute. Und auch ein Uwe Seeler ist ja mit dem HSV einst 1:8 in Oberhausen untergegangen.“ Der Rat von Jakobs: „Man darf sich jetzt nicht ins Höschen machen, man muss mutig und mit Herz auftreten, als wäre nichts gewesen. Man darf keinen Schiss haben, ganz klar. Und nun harren wir der Dinge, die da auf uns zukommen werden.“

Das macht auch ein weiterer HSV-Nationalspieler von einst, nämlich Holger Hieronymus. Der frühere DFL-Geschäftsführer war beim 1:5 live dabei – und ging, gemeinsam mit Jakobs, etwas früher. Hieronymus will sich eigentlich gar nicht äußern, sagte aber immerhin: „Jeder, dem der HSV nicht egal ist, und dazu zähle ich mich auch, macht sich schon seine Gedanken. Und das sind schon recht ernste Gedanken, das muss ich schon sagen. Dieses 1:5 war schon überraschend, das muss ich schon sagen – mehr aber auch nicht.“

In der DPA aber hat Deutschlands Mittelstürmer-Idol Nummer eins noch zum HSV Stellung bezogen:

Fußball-Idol Uwe Seeler hat den Hamburger SV vor vorschnellen Aktionen nach der hohen Niederlage gegen 1899 Hoffenheim gewarnt. Nach dem zweiten Spieltag der Fußball-Bundesliga sei noch nicht die Zeit gekommen, alles in Frage zu stellen. „Natürlich bin ich bedröppelt und niedergeschlagen. Mit dem 1:5 habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet“, sagte der 76-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa: „Das ist so im Fußball, jetzt muss man aufstehen und neu angreifen.“ Er glaube, dass sich die Mannschaft am kommenden Samstag bei Hertha BSC zusammenraufen werde.

Zur Kritik von Sportdirektor Oliver Kreuzer an der fehlenden Verantwortung der Führungsspieler bei den Norddeutschen sagte der ehemalige Stürmer: „Das ist immer so, dass die Erfahrenen die Mannschaft führen müssen. Ich hoffe, dass sie nun das Zepter übernehmen“.

Verstärkungen will Seeler angesichts der schwierigen finanziellen Lage nicht fordern: „Natürlich müssten noch neue Leute kommen, wenn wir oben mitmischen wollten. Aber wir wissen um die Situation und müssen uns durchwurschteln.“ Er lasse sich überraschen, was bis Ende des Monats und der Wechselfrist in der Bundesliga passiere. „Es wird für Kreuzer immer schwieriger, alle wissen, dass der HSV Not hat“, betonte Seeler. Um neu zu investieren, müssen die Hamburger zunächst einige ihrer fünf aussortierten Spieler von der Gehaltsliste bekommen.

Und dann gibt es auch etwas von Felix Magath, der nun wieder in fast aller Munde ist weil er zum HSV zurückkehren soll. Über Facebook meldete sich der „Held von Athen“ zu Wort:

Von „www.magath.net”:

„Nach meiner ersten Karriere als Spieler habe ich die zweite Karriere als Trainer gemacht und bin am überlegen, ob es Zeit für eine dritte Karriere ist oder ob ich die Trainerkarriere noch fortsetze. Bei dieser Entscheidung will ich mir Zeit lassen, aber natürlich bin ich offen für interessante Möglichkeiten. Sicher ist: Ich will noch was machen! Das Fußballgeschäft boomt und es gibt um den Fußballsport so viele Möglichkeiten.“

Zum Thema HSV: „Ich habe versucht, im Frühjahr hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, wer da welche Entscheidungen trifft – das war mir aber nicht möglich. Momentan ist das Bild, das der HSV in der Öffentlichkeit abgibt, nicht so schön. Natürlich ist der HSV der Verein, der mir am nächsten steht. Dort war ich zehn Jahre als Spieler, habe große Erfolge gefeiert. Wenn man zehn Jahre bei einem Verein ist, hat man schon was hinterlassen und ist emotional anders gebunden.“

So, dann möchte ich noch auf das morgige Dienstag-Training hinweisen. Es soll um 10 Uhr gelaufen werden, ob die Spieler überhaupt auf den Trainingsrasen kommen werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

19.03 Uhr

Van der Vaart vor seinem 100. Spiel

9. Mai 2013

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ich habe mich heute leicht „versabbelt“, die älteren User unter uns werden mit dem Namen noch etwas anfangen können: Bernd Dörfel. Der frühere Nationalspieler des HSV und jüngerer Bruder von Gert „Charly“ Dörfel lebt im Süden der Republik und war mal wieder im Lande. Er rief bei mir in der Redaktion an und sagte: „Lass uns mal gemeinsam eine Tasse Tee trinken . . .“ Gesagt, getan. Und dabei haben wir über alte Zeiten gesprochen – herrlich. Es hätte noch Stunden dauern könne, aber ich musste ja noch etwas schreiben . . . In einer Woche folgt Treffen Nummer zwei, da nehme ich mir dann etwas mehr Zeit, indem ich vorarbeite. Also, sorry allen „Matz-abbern“, die nun zu lange warten mussten – am Vatertag. Übrigens: Allen Vätern herzlichen Glückwunsch zu ihrem Tag! War ja nicht so tolles Bollerwagen-Wetter. Nun gut, Mann kann nicht alles haben.

Zum Fußball. Ganz aktuell gibt es etwas Erfreuliches vom HSV zu berichten, den die „Zweite“ setzte auch heute ihre Siegesserie in der Regionalliga fort. Gegen den Tabellenzweiten TSV Havelse, vom ehemaligen HSV-Profi Andre Breitenreiter trainiert, gab es einen überraschenden 2:1-Erfolg. Die Torfolge vor 310 Zuschauern in Norderstedt: 1:0 George Kelbel (9.), 1:1 Tayar (43.), 2:1 Fabian Graudenz (62.). Rettung ist in Sicht. Zumal der Konkurrent aus Oberneuland in erster Instanz noch keine Lizenz für die Regionalliga bekommen hat.

Das ist doch mal eine Sache – so wie sich die „Zweite“ von Rodolfo Cardoso entwickelt hat. Könnte sich die Mannschaft von Thorsten Fink sehr gerne ein Beispiel dran nehme Wobei ein Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim wohl durchaus etwas schwieriger werden dürfte, denn dort hat der HSV bislang noch nie gewonnen, hat er lediglich ein kleines Pünktchen geholt (mit einem 0:0). Drei weitere Spiele gab es im Süden gegen Hoffenheim, und die Ergebnis lauten wenig schmeichelhaft für den HSV: 0:3 (in Mannheim), 1:5 und 0:4.

Es wird, da muss man kein Prophet sein, auch diesmal sehr schwer. Trainer Thorsten Fink über Hoffenheim, das ums nackte Überleben kämpfen wird: „Das 2:2 in Bremen kann der TSG natürlich noch einmal einen Auftrieb gegeben haben, gerade nach einem 0:2-Rückstand dann noch zum Ausgleich zu kommen, das setzt schon Kräfte frei. Für die Moral war das bestimmt hervorragend. Trotzdem sind die Hoffenheimer natürlich darauf angewiesen, was die anderen Clubs machen, und das ist immer schwierig – man muss immer auf die Anzeigentafel gucken. Trotz allem ist Hoffenheim eine Mannschaft mit technisch hervorragender Qualität, und eine Mannschaft, die wieder an sich glaubt. Und das ist immer besonders schwierig, gegen solche Teams zu spielen.“

Wenn ich richtig gerechnet habe, dann steht Rafael van der Vaart an diesem Sonnabend vor seinem 100. Bundesliga-Spiel. Eine stolze Zahl für den 30-Jährigen. Der „kleine Engel“ hat in seinen Leistungen zugelegt, seit er Kapitän des HSV geworden ist, und er sagt über sich: „Ich denke, dass ich immer noch besser kann. Fünf Tore, zehn Vorlagen – damit bin ich nicht ganz zufrieden, ich will damit aber auch nicht unzufrieden sein.“ Es ist noch Luft nach oben da. „Rafa“ weiß das. Und das ist schon mal gut so.

Thorsten Fink sagt über seinen „Chef“: „Man braucht immer ein Jahr, um ganz wieder reinzukommen, aber Rafael hat das ordentlich gemacht. Die Verletzungen haben ihm leider ein wenig zugesetzt, aber gerade jetzt als Kapitän hat er sich gesteigert, er füllt seine Rolle immer besser aus – hat Tore geschossen und vorbereitet, die Standards kommen auch wieder besser, von daher bin ich schon sehr zufrieden. Insgesamt, so denke ich, können wir uns alle noch ein wenig steigern.“ Rückblickend, nämlich zum verkorksten Saisonstart, als danach Rafael an der Vaart zu HSV kam, befindet Fink: „Rafa war enorm wichtig für die Mannschaft. Er hat der Mannschaft Halt gegeben, neues Vertrauen und neue Hoffnung. Er hat auch dem gesamten Umfeld neue Hoffnung gegeben, und er hat positive Energie versprüht. Wenn ein Mensch das spürt, dann kann er bessere Leistungen abrufen, und das war damit gegeben. Er war ein absoluter Führungsspieler, bis er sich verletzt hat. Ich bin, man darf da nicht unbedingt das letzte Spiel gegen Wolfsburg sehen, schon sehr zufrieden mit ihm, das kann ich nur sagen. Rafa ist eigentlich an allen gefährlichen Situationen, die wir vor dem gegnerischen Tor haben, beteiligt.“

Dann fügt Fink noch ergänzend an: „Es wird mit ihm vom Spielerischen her in der neuen Saison noch besser mit ihm werden, davon ich restlos überzeugt.“ Dass dem Niederländer die Kapitänsbinde sehr gut getan hat, das weiß auch Thorsten Fink: „Es hat ihn vorangebracht. Und ich möchte niemanden weh tun, aber wenn ein Vize-Weltmeister nun Dinge innerhalb der Mannschaft anspricht, dann hört der eine oder andere Spieler ganz sicher noch intensiver zu. Allein dadurch hat Rafa uns schon geholfen und vorangebracht.“

Übrigens: Es ist nicht „alles Rafa – oder was?“. Rene Adler ist ja ach ein ganz, ganz wichtiger Eckpfeiler dieser HSV-Mannschaft – und dieser Adler, der so unglaublich gut fliegen kann, hat in seiner Bundesliga-Karriere noch nie gegen Hoffenheim verloren. Fünf Siege und ein Unentschieden. Ich drücke ihm die Daumen, dass daraus nun sechs Siege werden . . .

Und wo ich gerade dabei bin, schnell noch einen kurzen Blick zum Gegner des HSV. „Unsere Mannschaft hat in den letzten Wochen eindeutige Signale gesendet, wo sie hin will und wie wir die Zuschauer abholen wollen. Es ist wieder Leben drin“, meinte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol und fügte hinzu: „Wir haben viel Freude verursacht, wie wir versuchen, Fußball zu spielen. Die Zuschauer sind wieder dabei.“

Zuletzt in Bremen hatte sich Sven Schipplock mit einem Doppelpack empfohlen. Der Stürmer könnte dieses Mal in die Startelf rücken. „Es ist tatsächlich eine Überlegung. Der Junge ist gut drauf“, sagte Gisdol. Umbauen muss der Chefcoach in jedem Fall: Verteidiger Jannik Vestergaard sitzt seine Gelb-Sperre ab, Mittelfeldspieler Sebastian Rudy hat sich eine Muskelverletzung zugezogen, sein Einsatz ist sehr fraglich.

Abwehrspieler David Abraham (Nachwehen eines Muskelfaserrisses), Sejad Salihovic (Wadenprobleme) und Tobias Weis (Zerrung in der Hüfte) sollen auf die Zähne beißen. Mit der Verjüngung der Mannschaft hat Gisdol gleich nach seinem Amtsantritt am 2. April begonnen. Die beiden A-Jugendlichen Niklas Süle und Jeremy Toljan haben eine realistische Einsatzchance, betonte der Trainer ausdrücklich.

PS: Trainiert wird beim HSV an diesem Freitag um 11 Uhr im Volkspark.

19.11 Uhr

Nachwirkungen eines Erdrutsches

1. April 2013

Sorry, aber heute werdet ihr Geduld brauchen – ist etwas zu lang geworden.

In der Cafeteria des Springer-Hauses saßen heute, wie eigentlich immer am Wochenende, zwei rüstige Rentner – so um die 70. Ehemalige Fußballer. Einer offenbar, so habe ich mal am Rande aufgeschnappt, beim VfB Lübeck in der Oberliga Nord. Und worüber sprachen sie heute – ganz aufgeregt? Natürlich! Einer befand dann in gehobener Lautstärke: „Und ich sage dir, den jungen Burschen geht es heutzutage einfach zu gut. Einfach zu gut. Denen werden doch die Zuckerklümpchen nur so in den Hintern geblasen, jeden Tag. In Watte gepackt werden die, und zwar von allen. Vom Trainer, vom Club, von den Fans. Es wird langsam mal Zeit, gerade in den heute gewiss sehr schweren Zeiten, dass da mal ein Umdenken einsetzt.“ Ich habe mitgehört und mich jeglichen Kommentars enthalten. Wer weiß, wofür es gut war. Eines steht aber in jedem Falle fest: Der HSV bliebt das Gesprächsthema der Hamburger. Und bestimmt auch noch eine ganze Weile. Diese immer noch unfassbare 2:9-Pleite hat eine Welle der Emotionen ausgelöst.

Wobei ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Am besten so: Für das Abendblatt habe ich heute einen kleinen Bericht über das 2:9-Debakel vom 7. März 1964 geschrieben München 60 – HSV. Darüber sprach ich, ihr werdet ihn heute wohl in allen Zeitungen lesen, auch mit Gert „Charly“ Dörfel. Der Linksaußen hatte in diesem Spiel etwas getan, was ich am Sonnabend, bei diesem zweiten 2:9, so sehr vermisst habe: „Charly“ sagt: „Der Petar Radenkovic hatte als Torwart bereits vier Hamburger überlaufen, als er rechts außen über die Mittellinie dribbeln wollte. Da habe ich ihn einfach mal umgeschubst – der Torwart flog bis vor die erste Reihe der Tribüne. Da wollten die Fans mit ihren Regenschirmen auf mich los, um mich zu verprügeln.“ Dörfel hatte mal ein Zeichen gesetzt, setzen sollen. So richtig gefruchtet hatte es offenbar auch nicht, aber er war zunächst einmal seinen Frust los . . .

Eine solche Szene habe ich am Sonnabend nicht gesehen. Aber da ich sie noch immer drauf hatte, habe ich so etwas vermisst. Dieser HSV aber, der von 2013, ergab sich wie eine Lämmerherde – harmlos, armselig, brav und trottelig, in sein Schicksal.

Der Deutschen Presse-Agentur gegenüber hat sich heute auch der ehemalige Nationalspieler Willi Schulz zum 2:9 geäußert. Schulz befand: „Das ist ein Hieb, der ganz sicher nachhaltig sein wird. Solche Erlebnisse bleiben im Hinterkopf hängen.“ Gravierend sei, dass „nun in der Öffentlichkeit Hohn und Spott dazu“ komme, weiß Schulz, der 1967 mit dem HSV in Dortmund auch mal 0:7 verlor. Jetzt verbal auf die HSV-Spieler einzuschlagen, sei aber „völlig verkehrt“, so Schulz: „Die wissen, dass sie neun Dinger gekriegt und Mist gebaut haben. Nun gilt es, sie wieder aufzubauen.“

Und wenn ich schon mal bei „gestern“ bin, so sprach ich auch mit Meister-Torwart (von 1960) Horst Schnoor, der sich damals, am 7. März 1964, auch mal neun Dinger eingefangen hat. Ich sprach mit ihm aber über heute, über das zweite 2:9 – und er sagte: „Mir tut der Rene Adler enorm leid, er konnte ja nicht einen Treffer verhindern, die Vorderleute, die gar nicht da waren, haben ihn schön im Regen stehen lassen.“ Schnoor, der jedes Heimspiel des HSV live im Volkspark sieht, zur allgemeinen Lage: „Dieses Spiel war eine einzige Katastrophe. Und ich habe kaum Hoffnung, dass es wieder mal besser wird. Irgendwie sehe ich keinen Fortschritt.“ Um dann noch zu sagen: „Ich habe Nürnberg in Wolfsburg gesehen. Der Club lag schon 0:2 zurück – aber hat er aufgegeben? Nein, natürlich nicht. Die Nürnberger, und zwar alle Nürnberger, haben gekämpft wie die Löwen, das war Power pur, ganz großartig. Die haben sich gewehrt – und sich noch mit dem 2:2 belohnt. So etwas würde ich so gerne auch mal vom HSV sehen wollen – aber man sieht es nicht.“

Und dann, bevor ich zu den Aussagen des Vorstandsvorsitzenden komme, hatte ich auf der Fahrt in die Redaktion noch einen Anruf aus dem Süden. Darin wurde mir mitgeteilt, dass sich der Bayern-Fan „U-Boot“ wie folgt über den HSV geäußert hat: „Ich gehe seit über 30 Jahren zu den Heimspielen des FC Bayern, noch nie, wirklich, ich kann es sagen, noch nie gab es eine schlechtere Mannschaft hier zu sehen, wie dieser HSV. Der war schlechter als jede Zweitliga-Mannschaft, die hier mal im Pokal antreten musste. Dass eine Bundesliga-Mannschaft so schlecht spielen kann, hätte ich nicht für möglich gehalten – niemals.“

Ja, immer schön und tief rein, in die Wunde . . .

Kurz noch zur Sonntags-Runde von „Sky 90“ mit Moderator Patrick Wasserziehr. Da saßen ja auch HSV-Trainer Thorsten Fink (ein Kompliment, dass er sich dort hingequält hatte!), Lothar Matthäus und der großartige Unterhaltungskünstler (sowie dicker HSV-Fan) Olli „Dittsche“ Dittrich. Letztere Herren verteidigten Fink, und nachdem ich mal kurz per Telefon dazu geschaltet worden war, sagte der „Loddar“: „Ich sehe das nicht so wie der Kollege vom Hamburger Abendblatt. Der HSV hat doch in dieser Saison schon elf Siege errungen . . .“
Weil ich mich zuvor zum Thema „Charakter“ (Thorsten Fink bestätigte seinem Team „allgemein einen guten Charakter“) wie folgt geäußert hatte: „Es gibt Spieler wie Adler, Westermann, Aogo und van der Vaart, die haben einen guten Charakter, aber nicht alle sind so. Sonst hätte der HSV aus dem müden 1:1 gegen Fürth gelernt. Vor dem Augsburg-Spiel wurde eine Woche lang von den HSV-Spielern erzählt, sie hätten aus dem Fürth-Spiel ihre Lehren gezogen – und dann gab es doch nur eine peinliche 0:1-Heimpleite. Die hätte aber eine Mannschaft, in der alle Spieler einen guten Charakter haben, sicherlich vermieden. Weil sie sich einig gewesen wäre, was zu tun ist. Und vor allen Dingen: wie was zu tun ist. Gemeinsam.“

Wie gesagt, der „Loddar“ sah das etwas anders. Und Thorsten Fink, so glaube ich, sah das wie der „Loddar“ – das aber konnte ich nicht mehr hören, da mir das das Telefon aus der Sendung abgeschaltet worden war. Schicksal.

So, nun aber tatsächlich zu Carl-Edgar Jarchow. Der Club-Chef hat den Versagern von München mit Konsequenzen gedroht. „Aus diesem Spiel werden wir sicher unsere Schlüsse ziehen, die werden uns sicher auch beeinflussen bei dem Fazit am Ende der Saison“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Jarchow mit Ärger in der Stimme weiter: „Die Mannschaft hat total in sich versagt, und zwar alle zusammen. Eine Mannschaft, die schon nach fünf Minuten das Spiel in München aufgibt und in sich zusammenfällt, die hat total versagt. Ich finde es beschämend, wie die Mannschaft aufgetreten ist, ich kann mich dafür nur entschuldigen. Insbesondere bei jenen Fans, die die weite Reise nach München angetreten hatten, um uns dort zu unterstützen.“

Jarchow weiter: „Es bleibt festzuhalten, dass das, was in München passiert ist, einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig war, eines HSV nicht würdig war. Das ist ein Schaden, der uns noch eine Weile begleiten wird, unabhängig von den nächsten Spielen. Wir werden diese Niederlage intern knallhart ansprechen.“

Apropos knallhart: Die Mannschaft, die so sehr versagt hatte, musste am Sonntag danach trainieren, hatte aber heute, am Montag, frei. Jarchows Erklärung: „Wir haben eine Mannschaft, von der ungefähr 15 Leute in der letzten Woche für ihre Nationalmannschaften unterwegs waren. Da halten wir es auch aus anderen Gründen für vernünftig, dass am Montag mal kein Training ist. Dafür werden aber die restlichen Tage der Woche sehr gut ausgefüllt sein mit Training.“

Carl-Edgar Jarchow, der am Karfreitag 58 Jahre alt geworden ist (herzlichen Glückwunsch nachträglich!), hat bereits mit einigen Spielern gesprochen, morgen wird er es mit dem Mannschaftsrat tun. Grundsätzlich aber bleibt er seiner eher reservierten oder defensiven Linie treu: „Sich in dieser Situation groß aufzuspielen, als Wichtigtuer, das bringt nicht viel. Aber alle können sicher sein, dass wir den Spielern schon mit deutlichen Worten erklären werden, was wir von ihnen erwarten. Und ich werde ihnen auch deutlich machen, dass ich das, was ich da am Sonnabend gesehen habe, nicht so schnell vergessen werde.“

Und, Herr Jarchow, welche Konsequenzen schweben Ihnen nun vor?

Der HSV-Boss: „Welche Konsequenzen soll es während einer laufenden Saison schon geben, als die, dass man die Spieler erstens anspricht, sie zweitens trainieren lässt, und drittens personelle Aufstellungs-Varianten ausprobiert – am nächsten Sonnabend. Wir können die Mannschaft jetzt ja schwerlich entlassen, denn wir brauchen sie noch ein bisschen.“

Es werden Köpfe rollen, das scheint klar. Und es wird nicht der Trainer geopfert. Das ist auch klar. Carl-Edgar Jarchow stellt unmissverständlich klar: „Der Trainer muss nicht gehen, er wird nicht gehen, wir sind der Meinung, und zwar einhellig, dass wir mit Thorsten Fink weitermachen wollen – es gibt keine anderen Überlegungen.“

Und Spieler? Müssen Spieler gehen?

Carl-Edgar Jarchow: „Unsere finanziellen Mittel sind so, wie sie sind, das wird sich auch nicht entscheidend ändern. Aber wir haben natürlich schon Möglichkeiten uns zu unterhalten, mit wem wir weitermachen wollen, von welchem Spieler wollen wir uns trennen. Und das ist, das haben wir in München gesehen, eine Sache, die mit Mentalität zu tun hat. Und wir haben ja durchaus eine Mannschaft, in der viele Nationalspieler stehen. Drei davon saßen bei der deutschen Nationalmannschaft auf der Bank. Und von den Spielern erwarte ich, natürlich eine andere Reaktion, ein anderes Verhalten auf dem Platz, auch ein anderes Verhalten untereinander auf dem Platz – als ich, so meine ich, es auf dem Platz beobachtet zu haben. Nach fünf Minuten und mit dem 0:1 dann gleich auseinander zu fallen, das geht ganz einfach nicht.“

Dann habe ich eine ganz pikante Frage gewagt: „Herr Jarchow, bei den finanziellen Mitteln, die der HSV hat, denken Sie da darüber nach, noch einmal bei Herrn Kühne vorstellig zu werden?“
Carl-Edgar Jarchow: „Das ist im Moment gar kein Thema. Das wäre jetzt auch eine denkbar schlechte Woche dafür.“ Dann fügt Jarchow noch hinzu: „Wir werden da kreativ sein. Und ich denke ja auch nach wie vor, dass wir keine schlechte Mannschaft haben.“ Und: „Wir sind immer nur noch einen Punkt von Platz sechs entfernt. Wir können jetzt nicht die Federn strecken und sagen, dass die Saison gelaufen ist, und wir werden uns jetzt selbst zerlegen. Das werden wir nicht tun.“

Gott sei Dank.

Und nun bin ich auf die Umstellungen für den kommenden Sonnabend gespannt. Michael Mancienne wird kommen, da bin ich mir vollkommen sicher. Und auch Petr Jiracek. Der Tscheche ist überfällig. Marcell Jansen sowieso. Aber dann? Dann hat es sich schon – in meinen Augen. Mehr Möglichkeiten gibt es für Fink nicht. Leider. Dabei könnte er von den Versagern von München bestimmt acht bis zehn draußen lassen . . .

So, und dann doch noch einmal ein bisschen Ironie und Häme, das muss nach einem 2:9 erlaubt sein:

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass die Grillwürste, die am 21. April (einen Tag nach dem Düsseldorf-Spiel), „Nürnberger“ von Uli Hoeneß gespendet sind. Es soll demnach auch nur ein Gerücht sein, dass Hoeneß den harmlosen Hamburgern zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nach Hamburg schicken wollte, falls diesen harmlosen Hamburgern eine perfekte Vorbereitung der Bayern auf das Juve-Spiel gelingen würde. Das ist zwar fast gelungen, aber dennoch ist wohl ebenfalls unwahr, dass es die zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nur deswegen nicht gibt, weil sich der HSV erdreistet hatte, zum Schluss doch noch zwei Tore zu köpfen. Das verunsichert jetzt doch ein wenig vor Turin.
Und noch ein kleines Gerücht – und wirklich nur ein Gerücht: Der HSV hat nach Eckbällen zwei Tore in München erzielt, da muss sich offenbar doch das harte Eckball-Training in der vergangenen Woche bezahlt gemacht haben.
Das aber stimmt nicht, ist auch kein vorgezogener Aprilscherz – es gab kein verschärftes Eckball-Training.

Um auch noch etwas für die Statistiker unter uns zu bringen:

Claudio Pizarro ist der sechste Vierfach-Torschütze des FC Bayern München in einem Bundesliga-Spiel. Der Peruaner war beim 9:2 des Fußball-Rekordmeisters am Sonnabend gegen den HSV erfolgreichster Torjäger auf dem Platz. Unerreicht bleiben aber die Müllers: Bayern-Legende Gerd Müller traf 14-mal im Vierer-Pack für die Bayern, Namensvetter Dieter Müller ist mit sechs Toren Bundesliga-Rekordschütze in einem Spiel. Die Rekordschützen in einem Bundesligaspiel:

Datum – Spieler – Team – Gegner – Tore

17.08.1977 Dieter Müller 1. FC Köln SV Werder Bremen 6

25.02.1984 Dieter Hoeneß Bayern München Eintracht Braunschweig 5
10.09.1976 Gerd Müller Bayern München Tennis Borussia Berlin 5
12.06.1976 Gerd Müller Bayern München Hertha BSC 5
05.05.1973 Gerd Müller Bayern München 1. FC Kaiserslautern 5
19.02.1972 Gerd Müller Bayern München Rot-Weiß Oberhausen 5

Alle Vierfach-Torschützen des FC Bayern:

30.03.2013 Claudio Pizarro Hamburger SV
10.09.2011 Mario Gomez SC Freiburg
17.08.2002 Giovane Elber DSC Arminia Bielefeld
17.06.1989 Roland Wohlfarth VfL Bochum
13.03.1984 Karl-Heinz Rummenigge Offenbacher Kickers
11.04.1981 Karl-Heinz Rummenigge MSV Duisburg
13.08.1977 Gerd Müller FC St. Pauli
23.04.1977 Gerd Müller Rot-Weiß Essen
30.10.1976 Gerd Müller Hamburger SV
08.09.1973 Gerd Müller FC Schalke 04
11.11.1972 Gerd Müller Hannover 96
27.11.1971 Gerd Müller Borussia Dortmund
30.04.1970 Gerd Müller Rot-Weiß Oberhausen
04.10.1969 Gerd Müller SV Werder Bremen
31.08.1968 Gerd Müller Hamburger SV
03.12.1966 Gerd Müller 1. FC Kaiserslautern.

Wobei mir dabei aufgefallen ist: Kein Verein wurde in dieser Liste, in diesen Listen, so oft genannt, wie der HSV. Zufall?

Dann gab (und gibt) es natürlich weiterhin unzählige Mails und Anrufe, die mich zum 2:9 erreichen. Hier eine besondere Zuschrift, nämlich die einer Dame. Oder, manche Frau möchte es so, die einer Frau.

Hallo Herr Matz,

wahrscheinlich waren Sie und auch Ihre Gäste gestern noch ziemlich
geschockt. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum nicht in erster
Linie thematisiert worden ist, wie es angehen kann, dass die Spieler
wiederholt – und diesmal kollektiv – nicht kompromisslos am Mann
verteidigen. Wird das vom Trainer vielleicht nicht konsequent genug
vermittelt und trainiert? Wird vielleicht zu viel Wert darauf gelegt,
dass hauptsächlich schön gespielt wird?

Wo das hinführt, sieht man ja auch schon bei der Nationalmannschaft.
Über das 4:4 gegen Schweden habe ich noch keine überzeugende Analyse
Vom Trainerstab gehört oder gelesen. Und wenn M. Neuer abenteuerliche
Ausflüge unternimmt und den gegnerischen Spielern mal zeigen will, wie
man Fußball spielt, und das Jogi noch verteidigt, wird die Mannschaft
wohl unter seiner Regie keinen Titel holen können, denn
Meisterschaften werden nun mal in der Verteidigung gewonnen! Jeder
Trainer weiß das, aber die jüngeren Trainer wollen in erster Linie
spielerisch überzeugen, egal ob sie die Spieler dazu haben oder nicht.
Das hat man ja schon bei Oenning gesehen. Immer schön weit aufrücken,
um anschließend mit Kontern vorgeführt zu werden.

Die HSV-Mannschaft könnte doch zunächst mal vorwiegend verteidigen, um
gelegentlich kontern zu können, denn schnelle Stürmer haben sie ja.
Stattdessen soll spielerisch nach vorn gespielt werden – bis der Ball
weg ist und dann brennt es regelmäßig im eigenen Strafraum, weil fast
keiner schnell genug nach hinten kommt.

Solange das Mittelfeld vom HSV nicht ausnahmslos mitverteidigt, wird
das nichts Vernünftiges mehr. Bei dem jetzigen Personal so aufzutreten
wie in München, grenzt schon an Größenwahn.
Ich vermisse einfach die taktischen Fähigkeiten vom Trainer.
Es ist sehr schade, dass der HSV nicht seinerzeit mal z.B. Herrn Favre
verpflichtet hat. Bei dem merkt man deutlich das blinde, also
einstudierte Verteidigungsspiel seiner Mannschaften. So etwas habe ich
in den letzten Jahren noch bei keiner Mannschaft des HSV gesehen. Das
muss doch aber die Basis sein, sonst passiert so etwas wie gestern.
Was nicht durch viel Training automatisiert wird, fällt bei größtem
Stress auseinander. Da ist dann nur noch Chaos im Kopf.

Vielleicht müsste mal ein deutsch sprechender italienischer Trainer
verpflichtet werden. Bierhoff hat mal erklärt, wie z. B. das
Abwehrverhalten beim AC Mailand trainiert wird (schon in frühester
Jugend übrigens). Dort hat er ja mal gespielt, wie Sie wissen. Seitdem
wundert mich nicht mehr, warum Deutschland bis heute „Angst“ vor
Italien hat.

Ich bin mal gespannt, wie Bayern gegen Juventus spielt.

Mit freundlichen Grüssen,

Regine H.

Vielen Dank für die Mail, war mal ganz interessant, wie es ein weiblicher HSV-Fan sieht. Zu unserer Matz-ab-live-Runde sei gesagt: Natürlich waren wir alle total geschockt – wer war das nicht. Und für ein 2:9 war Sven Neuhaus, ein aktueller HSV-Spieler, ganz sicher auch nicht der ideale Talkgast. Dennoch muss ich sagen, hat der Keeper seine Sache sehr, sehr gut gemacht (danke dafür noch einmal, Sven!) – wie auch Andreas Fischer (auch Dir noch einmal ein Dankeschön!). Ich glaube, dass wir schon gefragt haben, woran es lag, was falsch gemacht wurde. Wenn aber selbst Trainer Thorsten Fink kaum eine Erklärung dafür findet, dann spricht das für sich. Fink hat ja noch am tag danach festgestellt, dass auch nach dem 0:5-Rückstand weiter munter drauf los gespielt wurde. Vom HSV. Von seiner Mannschaft. Wenn er das feststellt, dann frage ich mich, wieso er es nicht geändert hat? Er, nur er hätte es doch können. Indem man drei Mal auf einmal auswechselt, indem man dem Kapitän zur Seite holt und die nötigen Anweisungen gibt, und, und, und. Wenn dann nichts passiert? Ja, dann weiß ich es auch nicht mehr. Dann aufgeben, Sachen packen und nach Hause fahren . . .

PS: Morgen, am Dienstag, wir um 10 Uhr und um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Mit einem Raum für das „Matz-ab“-Treffen bin ich noch nicht weitergekommen. Dafür habe ich inzwischen aber bereits viele Mails mit Absagen für den 19. April erhalten. Deswegen, versteht es bitte nicht falsch, denke ich inzwischen, ob sich dieses Treffen überhaupt lohnt. Vielleicht könnten „Matz-abber“, die kommen würden, ja mal Laut geben. Ansonsten könnten wir uns, ohne eingeladene Gäste vom HSV, am 19. April ja auch ganz zwang- und formlos in einem Restaurant (wie zum Beispiel das 1887 in Norderstedt) treffen. Was haltet ihr davon?

18.21 Uhr

Ein HSV-Tag zum Einrahmen!

10. Februar 2013

„Aufwachen ist der erste Schritt, seine Träume wahr zu machen.“
Hat einst die amerikanische Schauspielerin Diane Keaton gesagt. Schön gesagt. Und so treffend. Es blieb auf jeden Fall der Nachwelt erhalten, und genau dieser Spruch prangte auf dem Blatt des 9. Februars des (begehrten) Springer-Kalenders. Als ich das morgens beim Frühstück las, da keimte dann doch ein wenig Hoffnung auf. Sollte in Dortmund doch etwas gehen? Und dann wachte der HSV tatsächlich auf, und es wurde dieser 9. Februar ein so wunderbarer Tag. Auch wenn das Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach der 1:4-Heimpüleite natürlich völlig anders sah, denn er sprach von einem „Scheiß-Tag“, den niemand braucht. Einspruch, Euer Ehren, ich brauchte den. Darauf haben wir, genau auf einen solchen Tag, doch schon seit Jahren gewartet. Ich kann nur hoffen, dass HSV-Trainer Thorsten Fink sein kleine Geheimnis jetzt für immer in der Tasche behalten wird: den Glücks-Cent. Ihr erinnert euch? Am Freitag, nach dem Abschlusstraining, fand der Coach, kurz bevor er die Treppen in Richtung Kabine betrat, diesen Cent. Er hob ihn auf, bevor es ein anderer machen konnte, und sagte: „Der bringt Glück.“ Tat er tatsächlich. 4:1 in Dortmund ist ein Traum! Jetzt sollte mit diesem glitzernden Cent eine Sieges-Serie gestartet werden. Und dazu muss die Mannschaft nun auch stets hellwach bleiben – aufgewacht ist sie ja jetzt schon.


Am Tag danach war trainingsfrei. Das hatten sich die Helden auch verdient. Umso erstaunlicher, dass der Doppelpack-Torschütze Son an diesem Sonntag um 14 Uhr einen Fitness-Club in Eppendorf betrat, um dort nach allen Regeln der Kunst kräftig zu arbeiten. Wer rastet der rostet, und von nichts kommt nichts. Zur Nachahmung empfohlen. Auch wenn Per Ciljan Skjelbred nach dem grandiosen Erfolg im Westen ganz nüchtern festgestellt hatte: „Wenn man 4:1 gegen Dortmund gewinnt, dann hat man vieles richtig gemacht.“ So ist es. Und Marcell Jansen dachte schon an die nächsten Aufgaben: „Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft funktionieren, dieser Sieg war so wichtig für uns.“ Unheimlich wichtig. Denn mit diesem Dreier, auch mit diesem Spiel, hat sich der HSV zurückgemeldet und sich wieder einmal Respekt erspielt. Das war ein HSV-Tag zum Einrahmen.

„Wir haben diesen 4:1-Erfolg gefeiert wie eine Meisterschaft, wir waren an diesem Tag die bessere Mannschaft“, meinte Rafael van der Vaart. Und Dennis Aogo befand: „Dass wir gewonnen haben, das ist kaum zu glauben, weil der BVB normalerweise zu Hause eine Macht ist. Das sollte uns Auftrieb geben.“ Natürlich. Heung Min Son stammelte auch weit nach dem Schlusspfiff immer wieder: „Das ist ein Traum. Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben . . .“ Und dazu gehört wahrscheinlich auch die Tatsache, dass der HSV den Meister gleich zweimal in einer Saison besiegt hat. Thorsten Fink gab zu: „Mit diesem Sieg konnte keiner rechnen – nach der Heimniederlage gegen Frankfurt. Ich habe den Jungs aber gesagt, sie sollen nach vorn spielen. Das ist ein Teil meiner Philosophie, so stelle ich mir Fußball vor: Freude am Spiel zu haben und mutig nach vorn. Diesmal haben wir von Beginn an mutig gespielt.“

Europapokal, Europapokal, Eu-ro-pa-pokal . . . Platz fünf am Sonnabend sah doch schon mal super aus. Und träumen, das hat Armin Veh (der Eintracht-Trainer) im ZDF-Sportstudio gesagt, träumen ist erlaubt. Sonst macht das ganz Leben ja keinen Spaß.

Dortmunds Coach Jürgen Klopp, die sonstige Frohnatur, war natürlich bedient: „Das ist nicht leicht zu erklären. Das Spiel hat so viele Geschichten geschrieben. Ich habe nach dem Schlusspfiff gemerkt, das Leben geht weiter und endet nicht mit so einem Dreck. Leider gehören solche Scheißtage zum Leben eines Fußballers dazu. Das war für uns ein gebrauchter Tag gegen einen starken HSV.“ Und noch ein Lob in Richtung Hamburg hatte „Kloppo“ parat: „Das 2:1 war ein Weltklassetor von Son.“

Ja, der HSV-Angriff. Wer hätte das zu Beginn der Saison gedacht, dass Artjoms Rudnevs und Heung Min So mal das Prunkstück des HSV werden? Beide haben jetzt zusammen 19 der 26 HSV-Tore erzielt. Rudnevs zehn, Son, neun. Und mal unabhängig von diesen Treffern – wie sich beide bemühen, wie sich beide voll reinhängen, wie sie beide spielen und Torgefahr ausstrahlen, das ist schon klasse. Und wenn man Rudnevs immer daran festmacht, dass er ein „Grob-Techniker“ sei, dann konnte und kann das nicht für die Partie in Dortmund gelten. Da hatte der Lette nämlich auch viele gute und erstaunliche Szenen am Ball. Das Einzel- oder Sonder-Training macht sich bezahlt, keine Frage.

Natürlich kam dem HSV entgegen, dass BVB-Torjäger Robert Lewandowski in der 24. Minute (nach einem bösen Foul an Per Ciljan Skjelbred) vom Platz gestellt worden war. Eine völlig richtige Entscheidung. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) hat ohnehin in diesem Spiel eine ganz starke Leistung gezeigt, hat sich auch von den 80 645 Zuschauern nie beeindrucken lassen und seine Linie konsequent beibehalten. Dass Rafael van der Vaart dem Unparteiischen eine kleine Nachhilfe-Minute in Sachen Platzverweis gegeben hat – Schwamm drüber. Das war aber in meinen Augen überflüssig. Auch wenn der Niederländer eine Befürchtung hatte: „Der Schiedsrichter wollte keine Rote geben. Da habe ich ein wenig Theater gemacht.“ Wie der „kleine Engel“ bemerkt haben will, dass Gräfe kein Rot ziehen wollte, bleibt mir schleierhaft, denn der HSV-Star lief ja sofort und total aufgebracht auf Lewandowski zu, um dem Polen schnell mal die Meinung zu „geigen“. Wie hat der gute „Raffa“ dabei noch den Schiedsrichter im Auge gehabt? Na gut, es muss ja ohnehin immer für alles im Fußball eine Erklärung geben, sonst sind wir wohl nicht zufrieden . . .

Dass van der Vaart nur wenige Minuten später vor der mit BVB-Fans („die Wand“) besetzten Südtribüne von einem Gegenstand am Körper getroffen wurde, wollte van der Vaart nach dem Schlusspfiff nicht an die große Glocke hängen. Und auch schon während des Spiels zog er keine große Show ab. Das war absolut okay, das war fair und hochanständig, so verhält sich in der heutigen Zeit (und in einer so hitzigen Atmosphäre!) absolut nicht jeder Profi. Leider, leider.

Pech hat der HSV jetzt allerdings mit seinen Innenverteidigern. Michael Mancienne verletzt, Paul Scharner verliehen, Jeffrey Bruma (60.) vom Platz gestellt und nun gesperrt. Jetzt schlägt die Stunde von Slobodan Rajkovic und wohl auch die von Gojko Kacar. Beide werden nun ganz dringend benötigt – so schnell kann es gehen. Für beide Spieler hat es mich aber auch gefreut, dass sie bei diesem Sieg dabei sein konnten (und durften). Es war ohnehin ein großartiger Tag für den Gemeinschaftssinn des HSV, denn es haben sich in Dortmund ja alle von ihrer besten Seite gezeigt. Skjelbred zum Beispiel spielte hervorragend mit und gewann vor dem 3:1 ein ganz wichtiges Kopfballduell (!) am Dortmunder Strafraumeck, danach flankte dann van der Vaart auf den Kopf von Rudnevs. Und dann erst das 4:1. Eine grandiose Einzelleistung von Jansen, der sich erst den Ball an der Eckfahne energisch erkämpfte (Super-Einsatz!), dann Slalom lief und den Ball anschließend zur Mitte passte, wo Son zur Stelle war – 4:1.

Ja, Jansen, er hatte in Dortmund einen unglaublichen Schokoladen-Tag, endlich einmal wieder, und er hatte ja auch schon das 1:1 traumhaft vorbereitet, als er einen millimetergenauen Pass auf Aogo gespielt hatte, der den Ball zur Mitte gab – Tor Rudnevs. Und den Pass auf Son, als der das 2:1 machte, hatte Bruma gespielt – was auch höchst selten vorkommt, dass der Niederländer mal als „Vorlagengeber“ glänzt. Nein, diesmal passte wirklich alles, diesmal griff tatsächlich ein Rädchen in das nächste.

Zum Abschluss möchte ich mich noch einmal (und an dieser Stelle) kurz bei Thomas Doll und Torsten Walter bedanken, dass sie gestern im „Grand Elysee“ unsere Gäste bei „Matz ab live“ waren. Es ist ganz sicher keine Selbstverständlichkeit, dass da ein Publikumsliebling wie Doll aufläuft, wir (und ich) wissen das zu schätzen – es hat Spaß gemacht. Und wir waren hinterher erleichtert: Weder „Scholle“ noch ich haben auch nur ein einziges Mal „Dolli“ gesagt. Weil er ja auch Thomas Doll heißt.

So von einem „Altmeister“ zum nächsten „Altmeister“, ein älterer „Altmeister“ sogar, der aber auch ein ganz großes Stück HSV-Geschichte mitgeschrieben hat. Morgen, am Montag, ist der große Flügelflitzer Gert „Charly“ Dörfel in der Sendung Rasant zu Gast, der Live-Auftritt beginnt um 20.15 Uhr – natürlich bei „HH1“. Ein paar “Matz-abber”, so wurde mir geflüstert, sind als Zuschauer auch mit von der Partie.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.58 Uhr

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