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Otto Rieckhoff: “Einen dreistelligen Millionenbetrag anstreben.”

22. November 2013

Nach dem Interview mit Manfred Ertel am vergangenen Wochenende haben wir nun Otto Rieckhoff im Programm. Wir haben ihn ausführlich und in zwei Teilen zu seiner Idee “HSV-PLUS” befragt, die er mit einigen Mitstreitern (Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Ditmar Jakobs, Thomas Doll, Dr. Wolfgang Klein u.a.) vorantreibt. Bevor es losgeht kurz zum Tagesaktuellen.

Marcell Jansen gab sich heute ganz gelassen, einen Tag nachdem ihn Bert van Marwijk zum Interims-Kapitän gemacht hat. Nicht viel würde sich für ihn nun ändern, er freue sich über das Vertrauen. „Rafa ist verletzt, das ist blöd. Natürlich freue ich mich, dass ich die Verantwortung jetzt übernehmen kann.“ Man kann diese Maßnahme, denke ich, durchaus als Belohnung betrachten für Jansens Entwicklung in den vergangenen Jahren. Er arbeitet top-professionell, hat sich mit Extratraining über seinen vielen Verletzungen hinweg gesetzt, und ist einer der stabilsten HSV-Profis der vergangenen Jahre.

Interessant heute auch Jansens Äußerungen über die Strukturdebatte – er hat sich recht klar für eine Ausgliederung der Profi-Fußball-Abteilung ausgesprochen. „Wenn man die Bilanz der letzten Jahre nimmt, kann man nicht immer die Schuld bei den handelnden Problemen suchen. Man muss sich überlegen, ob die Probleme nicht tiefer liegen.“ Er wünscht sich nun eine gute Lösung für den Verein, wie er sagte, und in dieser Analyse trifft Marcell Jansen sicher den Kern. Seit 2008 ist er in Hamburg und kennt diesen Verein und seine Schwierigkeiten ja sehr gut. Das Interview seht Ihr hier (Entschuldigung für die mäßige Bildqualität).

Was die Personalien und das heutige Training angeht, gab es vor allem eins: Entwarnung. Heiko Westermann, der noch etwas skeptisch zum Training gekommen war, hielt die Einheit fast bis zum Ende durch. „Das Knie ist noch geschwollen und tut etwas weh“, verriet Westermann. “Aber ich habe noch zwei Tage.” Sicherheitshalber ließ er sich das Knie kurz vor Ende des Trainings dick bandagieren und sich auf dem kleinen Golf-Car in die Kabine fahren. Trotzdem deutet sich an, dass er auf der rechten Verteidigerposition erneut auflaufen kann. Neben ihm würde dann Johan Djourou spielen. Für manchen mag das jetzt überraschend kommen, schließlich ist er noch nicht so sehr lange wieder im Training. Aber schon im Training gestern deutete sich an, dass Coach van Marwijk auf den Schweizer setzt.

So, nun aber zu Otto Rieckhoff, der heute gemeinsam mit Thomas von Heesen in Berlin zu seinem Modell „HSV-PLUS“ sprechen wird. Natürlich steht dieses Thema auch bei uns im Mittelpunkt.

Matz ab: Herr Rieckhoff, glauben Sie, dass Sie am 19. Januar mit Ihrem Modell „HSV-PLUS“ der strahlende Sieger sein werden?

Otto Rieckhoff: Wenn die Mitglieder den Vorstand zur Finalisierung des „HSV-PLUS“-Konzepts beauftragen, und es schließlich in einer weiteren Mitgliederversammlung angenommen wird, kann es nur einen Sieger geben: den HSV.

Matz ab: Welchen Zeitplan sehen Sie idealerweise vor bei der Umsetzung von
„HSV-PLUS“?

Rieckhoff: Ich erwarte den endgültigen Beschluss in der zweiten Mitgliederversammlung innerhalb des ersten Halbjahrs 2014.

Matz ab: Wie stehen Sie einem „Runden Tisch“ gegenüber?

Rieckhoff: Sehr positiv, wenn wir dann alle unsere Positionen noch einmal auf den Prüfstand stellen, um hoffentlich gemeinsame Positionen finden zu können. Vielleicht sind die aktuellen Koalitionsverhandlungen in der Politik Vorbild dazu. Allerdings gab es im Vorfeld ja bereits sehr deutliche Äußerungen der strikten Ablehnung im Hinblick auf die Schaffung einer HSV Fußball AG, die es uns erst ermöglichen würde, Eigenkapital durch entsprechende Beteiligung zu generieren und darüber hinaus eine schlanke und effiziente Struktur mit erstklassigem Personal gewinnen zu können. Auch wäre ja die Verlagerung des immensen finanziellen Risikos weg vom e.V. eingeschlossen und die sogenannte Rechtsformverfehlung wäre aufgehoben durch die klare Trennung zwischen Gemeinnützigkeit und Wirtschaftsbetrieb. Dauerhafte Verluste führen zum Verlust der Gemeinnützigkeit. „HSV-PLUS“ ist auch ein ganz wichtiger Schritt für den dauerhaften Erhalt des Amateursports im HSV.

Matz ab: Wären Kompromisse mit anderen Konzepten denkbar?

Rieckhoff: Das würde sich verständlicherweise aus solch einer Gesprächsrunde erst ergeben.

Matz ab: Welches andere Konzept sehen Sie als ernsthaftesten Konkurrenten?

Rieckhoff: Außer „HSV-PLUS“ habe ich natürlich keine Präferenz, weil keine Lösungen für Finanzierungsmöglichkeiten in den Angeboten sind. Es ergibt keinen Sinn, in unserer extrem schweren Situation auf halbem Wege stehen zu bleiben oder nur Satzungskosmetik zu betreiben.

Matz ab: Gab es bereits konstruktive Gespräche mit den Konkurrenten?

Rieckhoff: Konkret nicht, aber wir begegnen uns ja häufig bei diversen Veranstaltungen, bei denen wir unsere Positionen mit gegenseitigem Respekt austauschen.

Matz ab: Gibt es aktuell Unternehmen, die als Investoren bereitstehen könnten?

Rieckhoff: Es gibt bereits sehr positive Signale, dass wir nach endgültiger Umsetzung unseres Konzepts sehr attraktiv für potenzielle strategische Partner werden dürften.

Matz ab: Wie viel Geld müsste der/die bringen?

Rieckhoff: Das hängt natürlich von der prozentualen Beteiligung ab, die wir ja ohnehin nur unterhalb der sogenannten Sperrminorität zulassen wollen. Leider wurde dem Vorstand ja untersagt, bestimmte orientierende Vorarbeiten wie z. B. die Wertermittlung bestimmter Vermögenswerte zu leisten. Nach Einschätzung von Fachleuten, die mit dieser Materie vertraut sind, sollte für einen Anteil von 24,9 Prozent an der Tochtergesellschaft ein dreistelliger Millionenbetrag anzustreben sein. Die Basis hierfür ist keine betriebswirtschaftliche Kennzahl, sondern eine Einschätzung, was ist einem oder mehreren strategischen Partnern der HSV wert und wie ist der Markenwert aus Sicht des HSV. Eines der Kernziele unseres Konzepts ist eine so weit wie mögliche Entschuldung des Vereins, um endlich wieder frei handlungs- und gestaltungsfähig zu sein.

Matz ab: Wie viel Geld braucht der HSV sofort, um in der kommenden Saison
international zu spielen?

Rieckhoff: Die Nennung einer bestimmten Summe ist abwegig. Es muss eine langfristige Philosophie für ein sportliches Gesamtkonzept her, das auch den Nachwuchs einbezieht. Aktionismus und Stückwerk sind out. Aber sicher ist auch, dass wir erhebliche Mittel brauchen, um erstklassiges Personal zu gewinnen und vor allem endlich unsere eigenen Talente im Verein zu halten.

Matz ab: Wie viele Schulden hat der HSV aktuell – und wie viel davon muss der HSV Ihrer Einschätzung nach unmittelbar abbauen, um wieder
konkurrenzfähig zu sein?

Rieckhoff: Diese Frage müssen Sie in der Tat besser an den Vorstand oder Aufsichtsrat richten. Jedenfalls lassen die neu angehäuften Schulden der letzten 15 Monate nichts Gutes erwarten.

Soweit Otto Rieckhoff für heute.

Neues gibt es vom früheren HSV-Profi Mohamed Zidan. Der Ägypter wehrt sich gegen Vorwürfe des Scheckbetrugs. Und insbesondere wehrt er sich gegen die sechsjährige Haftstrafe, die er aufgebrummt bekommen hat. Hier die komplette Meldung der dpa:

Der frühere Bundesligaprofi Mohamed Zidan hat sich gegen Berichte über eine sechsjährige Haftstrafe wegen Scheckbetruges in seiner Heimat Ägypten gewehrt. «Das stimmt so nicht», schrieb Zidan in einem Brief an «Bild», den die Zeitung am Freitag auf ihrer Online-Seite veröffentlichte.
Er sei sehr schockiert über die Meldungen gewesen, betonte der 31-Jährige. Sein Fall sei aufgrund von Missverständnissen und Kommunikationsfehlern ohne sein Wissen vor Gericht gelandet. Dort sei in seiner Abwesenheit und ohne seine Kenntnis das noch nicht rechtskräftige Urteil gefällt worden. Er geht davon aus, dass das Urteil zurückgezogen wird.
Zidan steht eigenen Angaben zufolge bis 2014 beim SC Baniyas in Abu Dhabi unter Vertrag. In der Fußball-Bundesliga spielte er für Werder Bremen, den FSV Mainz 05, den Hamburger SV und Borussia Dortmund.
Zidan erklärte, er habe 2007 in einem Neubaugebiet in der Nähe von Kairo ein Grundstück erworben, auf dem ein Haus für ihn und seine Familie gebaut werden sollte. Die Villa sei zum vereinbarten Termin 2010 nicht fertig geworden, der Bau habe komplett geruht. Er habe daher über seine Bank alle Zahlungen eingestellt. Beim Baubeginn habe er – wie seinen Worten zufolge in Ägypten oft üblich – sämtliche für die Zahlungen vorgesehen Schecks ausgefüllt, die zu bestimmten Terminen eingezogen werden sollten. Die Missverständnisse mit der Baufirma habe er nun umgehend geklärt, unterstrich Zidan.

Hoffentlich löst sich alles in Zidans Sinn. Ich habe ihn in Hamburg zwar als sehr exzentrisch kennen gelernt, aber er ist auch immer ein kleiner Junge geblieben. Manche Leute ziehen solche Geschichten an – er gehört dazu.

Was ganz Neues ist heute vom HSV auf den Markt gebracht worden – und wer will, kann es schon ab morgen, Sonnabend, testen. Es gibt eine neue „HSV-Fankarte“. Hier kann man Fanmeilen gewinnen und dafür Prämien gewinnen. Hübsche Aktion, hübsche Karte und hübscher Flyer dazu. Wen es interessiert: www.hsvbonus.de !

Das war es für heute. Morgen gibt es hier letzte Impressionen vom Abschlusstraining vor dem Hannover-Spiel, ein paar Eindrücke vom Duell der U 23 gegen die Zweite des VfL Wolfsburg und natürlich den zweiten Teil des Interviews mit Otto Rieckhoff.

Am Ende noch beste Genesungswünsche an Charly Dörfel, der sich mit einem Tranchiermesser zwei Sehnen in der rechten Hand angeritzt hat und im Krankenhaus St. Georg liegt. Dieter hat schon persönlich Kontakt gehabt mit Charly, der bald wieder nach Hause kommt.

Bis morgen
Lars

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