Archiv für das Tag 'Dörfel'

Van der Vaart vor seinem 100. Spiel

9. Mai 2013

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ich habe mich heute leicht „versabbelt“, die älteren User unter uns werden mit dem Namen noch etwas anfangen können: Bernd Dörfel. Der frühere Nationalspieler des HSV und jüngerer Bruder von Gert „Charly“ Dörfel lebt im Süden der Republik und war mal wieder im Lande. Er rief bei mir in der Redaktion an und sagte: „Lass uns mal gemeinsam eine Tasse Tee trinken . . .“ Gesagt, getan. Und dabei haben wir über alte Zeiten gesprochen – herrlich. Es hätte noch Stunden dauern könne, aber ich musste ja noch etwas schreiben . . . In einer Woche folgt Treffen Nummer zwei, da nehme ich mir dann etwas mehr Zeit, indem ich vorarbeite. Also, sorry allen „Matz-abbern“, die nun zu lange warten mussten – am Vatertag. Übrigens: Allen Vätern herzlichen Glückwunsch zu ihrem Tag! War ja nicht so tolles Bollerwagen-Wetter. Nun gut, Mann kann nicht alles haben.

Zum Fußball. Ganz aktuell gibt es etwas Erfreuliches vom HSV zu berichten, den die „Zweite“ setzte auch heute ihre Siegesserie in der Regionalliga fort. Gegen den Tabellenzweiten TSV Havelse, vom ehemaligen HSV-Profi Andre Breitenreiter trainiert, gab es einen überraschenden 2:1-Erfolg. Die Torfolge vor 310 Zuschauern in Norderstedt: 1:0 George Kelbel (9.), 1:1 Tayar (43.), 2:1 Fabian Graudenz (62.). Rettung ist in Sicht. Zumal der Konkurrent aus Oberneuland in erster Instanz noch keine Lizenz für die Regionalliga bekommen hat.

Das ist doch mal eine Sache – so wie sich die „Zweite“ von Rodolfo Cardoso entwickelt hat. Könnte sich die Mannschaft von Thorsten Fink sehr gerne ein Beispiel dran nehme Wobei ein Sieg bei der TSG 1899 Hoffenheim wohl durchaus etwas schwieriger werden dürfte, denn dort hat der HSV bislang noch nie gewonnen, hat er lediglich ein kleines Pünktchen geholt (mit einem 0:0). Drei weitere Spiele gab es im Süden gegen Hoffenheim, und die Ergebnis lauten wenig schmeichelhaft für den HSV: 0:3 (in Mannheim), 1:5 und 0:4.

Es wird, da muss man kein Prophet sein, auch diesmal sehr schwer. Trainer Thorsten Fink über Hoffenheim, das ums nackte Überleben kämpfen wird: „Das 2:2 in Bremen kann der TSG natürlich noch einmal einen Auftrieb gegeben haben, gerade nach einem 0:2-Rückstand dann noch zum Ausgleich zu kommen, das setzt schon Kräfte frei. Für die Moral war das bestimmt hervorragend. Trotzdem sind die Hoffenheimer natürlich darauf angewiesen, was die anderen Clubs machen, und das ist immer schwierig – man muss immer auf die Anzeigentafel gucken. Trotz allem ist Hoffenheim eine Mannschaft mit technisch hervorragender Qualität, und eine Mannschaft, die wieder an sich glaubt. Und das ist immer besonders schwierig, gegen solche Teams zu spielen.“

Wenn ich richtig gerechnet habe, dann steht Rafael van der Vaart an diesem Sonnabend vor seinem 100. Bundesliga-Spiel. Eine stolze Zahl für den 30-Jährigen. Der „kleine Engel“ hat in seinen Leistungen zugelegt, seit er Kapitän des HSV geworden ist, und er sagt über sich: „Ich denke, dass ich immer noch besser kann. Fünf Tore, zehn Vorlagen – damit bin ich nicht ganz zufrieden, ich will damit aber auch nicht unzufrieden sein.“ Es ist noch Luft nach oben da. „Rafa“ weiß das. Und das ist schon mal gut so.

Thorsten Fink sagt über seinen „Chef“: „Man braucht immer ein Jahr, um ganz wieder reinzukommen, aber Rafael hat das ordentlich gemacht. Die Verletzungen haben ihm leider ein wenig zugesetzt, aber gerade jetzt als Kapitän hat er sich gesteigert, er füllt seine Rolle immer besser aus – hat Tore geschossen und vorbereitet, die Standards kommen auch wieder besser, von daher bin ich schon sehr zufrieden. Insgesamt, so denke ich, können wir uns alle noch ein wenig steigern.“ Rückblickend, nämlich zum verkorksten Saisonstart, als danach Rafael an der Vaart zu HSV kam, befindet Fink: „Rafa war enorm wichtig für die Mannschaft. Er hat der Mannschaft Halt gegeben, neues Vertrauen und neue Hoffnung. Er hat auch dem gesamten Umfeld neue Hoffnung gegeben, und er hat positive Energie versprüht. Wenn ein Mensch das spürt, dann kann er bessere Leistungen abrufen, und das war damit gegeben. Er war ein absoluter Führungsspieler, bis er sich verletzt hat. Ich bin, man darf da nicht unbedingt das letzte Spiel gegen Wolfsburg sehen, schon sehr zufrieden mit ihm, das kann ich nur sagen. Rafa ist eigentlich an allen gefährlichen Situationen, die wir vor dem gegnerischen Tor haben, beteiligt.“

Dann fügt Fink noch ergänzend an: „Es wird mit ihm vom Spielerischen her in der neuen Saison noch besser mit ihm werden, davon ich restlos überzeugt.“ Dass dem Niederländer die Kapitänsbinde sehr gut getan hat, das weiß auch Thorsten Fink: „Es hat ihn vorangebracht. Und ich möchte niemanden weh tun, aber wenn ein Vize-Weltmeister nun Dinge innerhalb der Mannschaft anspricht, dann hört der eine oder andere Spieler ganz sicher noch intensiver zu. Allein dadurch hat Rafa uns schon geholfen und vorangebracht.“

Übrigens: Es ist nicht „alles Rafa – oder was?“. Rene Adler ist ja ach ein ganz, ganz wichtiger Eckpfeiler dieser HSV-Mannschaft – und dieser Adler, der so unglaublich gut fliegen kann, hat in seiner Bundesliga-Karriere noch nie gegen Hoffenheim verloren. Fünf Siege und ein Unentschieden. Ich drücke ihm die Daumen, dass daraus nun sechs Siege werden . . .

Und wo ich gerade dabei bin, schnell noch einen kurzen Blick zum Gegner des HSV. „Unsere Mannschaft hat in den letzten Wochen eindeutige Signale gesendet, wo sie hin will und wie wir die Zuschauer abholen wollen. Es ist wieder Leben drin“, meinte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol und fügte hinzu: „Wir haben viel Freude verursacht, wie wir versuchen, Fußball zu spielen. Die Zuschauer sind wieder dabei.“

Zuletzt in Bremen hatte sich Sven Schipplock mit einem Doppelpack empfohlen. Der Stürmer könnte dieses Mal in die Startelf rücken. „Es ist tatsächlich eine Überlegung. Der Junge ist gut drauf“, sagte Gisdol. Umbauen muss der Chefcoach in jedem Fall: Verteidiger Jannik Vestergaard sitzt seine Gelb-Sperre ab, Mittelfeldspieler Sebastian Rudy hat sich eine Muskelverletzung zugezogen, sein Einsatz ist sehr fraglich.

Abwehrspieler David Abraham (Nachwehen eines Muskelfaserrisses), Sejad Salihovic (Wadenprobleme) und Tobias Weis (Zerrung in der Hüfte) sollen auf die Zähne beißen. Mit der Verjüngung der Mannschaft hat Gisdol gleich nach seinem Amtsantritt am 2. April begonnen. Die beiden A-Jugendlichen Niklas Süle und Jeremy Toljan haben eine realistische Einsatzchance, betonte der Trainer ausdrücklich.

PS: Trainiert wird beim HSV an diesem Freitag um 11 Uhr im Volkspark.

19.11 Uhr

Nachwirkungen eines Erdrutsches

1. April 2013

Sorry, aber heute werdet ihr Geduld brauchen – ist etwas zu lang geworden.

In der Cafeteria des Springer-Hauses saßen heute, wie eigentlich immer am Wochenende, zwei rüstige Rentner – so um die 70. Ehemalige Fußballer. Einer offenbar, so habe ich mal am Rande aufgeschnappt, beim VfB Lübeck in der Oberliga Nord. Und worüber sprachen sie heute – ganz aufgeregt? Natürlich! Einer befand dann in gehobener Lautstärke: „Und ich sage dir, den jungen Burschen geht es heutzutage einfach zu gut. Einfach zu gut. Denen werden doch die Zuckerklümpchen nur so in den Hintern geblasen, jeden Tag. In Watte gepackt werden die, und zwar von allen. Vom Trainer, vom Club, von den Fans. Es wird langsam mal Zeit, gerade in den heute gewiss sehr schweren Zeiten, dass da mal ein Umdenken einsetzt.“ Ich habe mitgehört und mich jeglichen Kommentars enthalten. Wer weiß, wofür es gut war. Eines steht aber in jedem Falle fest: Der HSV bliebt das Gesprächsthema der Hamburger. Und bestimmt auch noch eine ganze Weile. Diese immer noch unfassbare 2:9-Pleite hat eine Welle der Emotionen ausgelöst.

Wobei ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Am besten so: Für das Abendblatt habe ich heute einen kleinen Bericht über das 2:9-Debakel vom 7. März 1964 geschrieben München 60 – HSV. Darüber sprach ich, ihr werdet ihn heute wohl in allen Zeitungen lesen, auch mit Gert „Charly“ Dörfel. Der Linksaußen hatte in diesem Spiel etwas getan, was ich am Sonnabend, bei diesem zweiten 2:9, so sehr vermisst habe: „Charly“ sagt: „Der Petar Radenkovic hatte als Torwart bereits vier Hamburger überlaufen, als er rechts außen über die Mittellinie dribbeln wollte. Da habe ich ihn einfach mal umgeschubst – der Torwart flog bis vor die erste Reihe der Tribüne. Da wollten die Fans mit ihren Regenschirmen auf mich los, um mich zu verprügeln.“ Dörfel hatte mal ein Zeichen gesetzt, setzen sollen. So richtig gefruchtet hatte es offenbar auch nicht, aber er war zunächst einmal seinen Frust los . . .

Eine solche Szene habe ich am Sonnabend nicht gesehen. Aber da ich sie noch immer drauf hatte, habe ich so etwas vermisst. Dieser HSV aber, der von 2013, ergab sich wie eine Lämmerherde – harmlos, armselig, brav und trottelig, in sein Schicksal.

Der Deutschen Presse-Agentur gegenüber hat sich heute auch der ehemalige Nationalspieler Willi Schulz zum 2:9 geäußert. Schulz befand: „Das ist ein Hieb, der ganz sicher nachhaltig sein wird. Solche Erlebnisse bleiben im Hinterkopf hängen.“ Gravierend sei, dass „nun in der Öffentlichkeit Hohn und Spott dazu“ komme, weiß Schulz, der 1967 mit dem HSV in Dortmund auch mal 0:7 verlor. Jetzt verbal auf die HSV-Spieler einzuschlagen, sei aber „völlig verkehrt“, so Schulz: „Die wissen, dass sie neun Dinger gekriegt und Mist gebaut haben. Nun gilt es, sie wieder aufzubauen.“

Und wenn ich schon mal bei „gestern“ bin, so sprach ich auch mit Meister-Torwart (von 1960) Horst Schnoor, der sich damals, am 7. März 1964, auch mal neun Dinger eingefangen hat. Ich sprach mit ihm aber über heute, über das zweite 2:9 – und er sagte: „Mir tut der Rene Adler enorm leid, er konnte ja nicht einen Treffer verhindern, die Vorderleute, die gar nicht da waren, haben ihn schön im Regen stehen lassen.“ Schnoor, der jedes Heimspiel des HSV live im Volkspark sieht, zur allgemeinen Lage: „Dieses Spiel war eine einzige Katastrophe. Und ich habe kaum Hoffnung, dass es wieder mal besser wird. Irgendwie sehe ich keinen Fortschritt.“ Um dann noch zu sagen: „Ich habe Nürnberg in Wolfsburg gesehen. Der Club lag schon 0:2 zurück – aber hat er aufgegeben? Nein, natürlich nicht. Die Nürnberger, und zwar alle Nürnberger, haben gekämpft wie die Löwen, das war Power pur, ganz großartig. Die haben sich gewehrt – und sich noch mit dem 2:2 belohnt. So etwas würde ich so gerne auch mal vom HSV sehen wollen – aber man sieht es nicht.“

Und dann, bevor ich zu den Aussagen des Vorstandsvorsitzenden komme, hatte ich auf der Fahrt in die Redaktion noch einen Anruf aus dem Süden. Darin wurde mir mitgeteilt, dass sich der Bayern-Fan „U-Boot“ wie folgt über den HSV geäußert hat: „Ich gehe seit über 30 Jahren zu den Heimspielen des FC Bayern, noch nie, wirklich, ich kann es sagen, noch nie gab es eine schlechtere Mannschaft hier zu sehen, wie dieser HSV. Der war schlechter als jede Zweitliga-Mannschaft, die hier mal im Pokal antreten musste. Dass eine Bundesliga-Mannschaft so schlecht spielen kann, hätte ich nicht für möglich gehalten – niemals.“

Ja, immer schön und tief rein, in die Wunde . . .

Kurz noch zur Sonntags-Runde von „Sky 90“ mit Moderator Patrick Wasserziehr. Da saßen ja auch HSV-Trainer Thorsten Fink (ein Kompliment, dass er sich dort hingequält hatte!), Lothar Matthäus und der großartige Unterhaltungskünstler (sowie dicker HSV-Fan) Olli „Dittsche“ Dittrich. Letztere Herren verteidigten Fink, und nachdem ich mal kurz per Telefon dazu geschaltet worden war, sagte der „Loddar“: „Ich sehe das nicht so wie der Kollege vom Hamburger Abendblatt. Der HSV hat doch in dieser Saison schon elf Siege errungen . . .“
Weil ich mich zuvor zum Thema „Charakter“ (Thorsten Fink bestätigte seinem Team „allgemein einen guten Charakter“) wie folgt geäußert hatte: „Es gibt Spieler wie Adler, Westermann, Aogo und van der Vaart, die haben einen guten Charakter, aber nicht alle sind so. Sonst hätte der HSV aus dem müden 1:1 gegen Fürth gelernt. Vor dem Augsburg-Spiel wurde eine Woche lang von den HSV-Spielern erzählt, sie hätten aus dem Fürth-Spiel ihre Lehren gezogen – und dann gab es doch nur eine peinliche 0:1-Heimpleite. Die hätte aber eine Mannschaft, in der alle Spieler einen guten Charakter haben, sicherlich vermieden. Weil sie sich einig gewesen wäre, was zu tun ist. Und vor allen Dingen: wie was zu tun ist. Gemeinsam.“

Wie gesagt, der „Loddar“ sah das etwas anders. Und Thorsten Fink, so glaube ich, sah das wie der „Loddar“ – das aber konnte ich nicht mehr hören, da mir das das Telefon aus der Sendung abgeschaltet worden war. Schicksal.

So, nun aber tatsächlich zu Carl-Edgar Jarchow. Der Club-Chef hat den Versagern von München mit Konsequenzen gedroht. „Aus diesem Spiel werden wir sicher unsere Schlüsse ziehen, die werden uns sicher auch beeinflussen bei dem Fazit am Ende der Saison“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Jarchow mit Ärger in der Stimme weiter: „Die Mannschaft hat total in sich versagt, und zwar alle zusammen. Eine Mannschaft, die schon nach fünf Minuten das Spiel in München aufgibt und in sich zusammenfällt, die hat total versagt. Ich finde es beschämend, wie die Mannschaft aufgetreten ist, ich kann mich dafür nur entschuldigen. Insbesondere bei jenen Fans, die die weite Reise nach München angetreten hatten, um uns dort zu unterstützen.“

Jarchow weiter: „Es bleibt festzuhalten, dass das, was in München passiert ist, einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig war, eines HSV nicht würdig war. Das ist ein Schaden, der uns noch eine Weile begleiten wird, unabhängig von den nächsten Spielen. Wir werden diese Niederlage intern knallhart ansprechen.“

Apropos knallhart: Die Mannschaft, die so sehr versagt hatte, musste am Sonntag danach trainieren, hatte aber heute, am Montag, frei. Jarchows Erklärung: „Wir haben eine Mannschaft, von der ungefähr 15 Leute in der letzten Woche für ihre Nationalmannschaften unterwegs waren. Da halten wir es auch aus anderen Gründen für vernünftig, dass am Montag mal kein Training ist. Dafür werden aber die restlichen Tage der Woche sehr gut ausgefüllt sein mit Training.“

Carl-Edgar Jarchow, der am Karfreitag 58 Jahre alt geworden ist (herzlichen Glückwunsch nachträglich!), hat bereits mit einigen Spielern gesprochen, morgen wird er es mit dem Mannschaftsrat tun. Grundsätzlich aber bleibt er seiner eher reservierten oder defensiven Linie treu: „Sich in dieser Situation groß aufzuspielen, als Wichtigtuer, das bringt nicht viel. Aber alle können sicher sein, dass wir den Spielern schon mit deutlichen Worten erklären werden, was wir von ihnen erwarten. Und ich werde ihnen auch deutlich machen, dass ich das, was ich da am Sonnabend gesehen habe, nicht so schnell vergessen werde.“

Und, Herr Jarchow, welche Konsequenzen schweben Ihnen nun vor?

Der HSV-Boss: „Welche Konsequenzen soll es während einer laufenden Saison schon geben, als die, dass man die Spieler erstens anspricht, sie zweitens trainieren lässt, und drittens personelle Aufstellungs-Varianten ausprobiert – am nächsten Sonnabend. Wir können die Mannschaft jetzt ja schwerlich entlassen, denn wir brauchen sie noch ein bisschen.“

Es werden Köpfe rollen, das scheint klar. Und es wird nicht der Trainer geopfert. Das ist auch klar. Carl-Edgar Jarchow stellt unmissverständlich klar: „Der Trainer muss nicht gehen, er wird nicht gehen, wir sind der Meinung, und zwar einhellig, dass wir mit Thorsten Fink weitermachen wollen – es gibt keine anderen Überlegungen.“

Und Spieler? Müssen Spieler gehen?

Carl-Edgar Jarchow: „Unsere finanziellen Mittel sind so, wie sie sind, das wird sich auch nicht entscheidend ändern. Aber wir haben natürlich schon Möglichkeiten uns zu unterhalten, mit wem wir weitermachen wollen, von welchem Spieler wollen wir uns trennen. Und das ist, das haben wir in München gesehen, eine Sache, die mit Mentalität zu tun hat. Und wir haben ja durchaus eine Mannschaft, in der viele Nationalspieler stehen. Drei davon saßen bei der deutschen Nationalmannschaft auf der Bank. Und von den Spielern erwarte ich, natürlich eine andere Reaktion, ein anderes Verhalten auf dem Platz, auch ein anderes Verhalten untereinander auf dem Platz – als ich, so meine ich, es auf dem Platz beobachtet zu haben. Nach fünf Minuten und mit dem 0:1 dann gleich auseinander zu fallen, das geht ganz einfach nicht.“

Dann habe ich eine ganz pikante Frage gewagt: „Herr Jarchow, bei den finanziellen Mitteln, die der HSV hat, denken Sie da darüber nach, noch einmal bei Herrn Kühne vorstellig zu werden?“
Carl-Edgar Jarchow: „Das ist im Moment gar kein Thema. Das wäre jetzt auch eine denkbar schlechte Woche dafür.“ Dann fügt Jarchow noch hinzu: „Wir werden da kreativ sein. Und ich denke ja auch nach wie vor, dass wir keine schlechte Mannschaft haben.“ Und: „Wir sind immer nur noch einen Punkt von Platz sechs entfernt. Wir können jetzt nicht die Federn strecken und sagen, dass die Saison gelaufen ist, und wir werden uns jetzt selbst zerlegen. Das werden wir nicht tun.“

Gott sei Dank.

Und nun bin ich auf die Umstellungen für den kommenden Sonnabend gespannt. Michael Mancienne wird kommen, da bin ich mir vollkommen sicher. Und auch Petr Jiracek. Der Tscheche ist überfällig. Marcell Jansen sowieso. Aber dann? Dann hat es sich schon – in meinen Augen. Mehr Möglichkeiten gibt es für Fink nicht. Leider. Dabei könnte er von den Versagern von München bestimmt acht bis zehn draußen lassen . . .

So, und dann doch noch einmal ein bisschen Ironie und Häme, das muss nach einem 2:9 erlaubt sein:

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass die Grillwürste, die am 21. April (einen Tag nach dem Düsseldorf-Spiel), „Nürnberger“ von Uli Hoeneß gespendet sind. Es soll demnach auch nur ein Gerücht sein, dass Hoeneß den harmlosen Hamburgern zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nach Hamburg schicken wollte, falls diesen harmlosen Hamburgern eine perfekte Vorbereitung der Bayern auf das Juve-Spiel gelingen würde. Das ist zwar fast gelungen, aber dennoch ist wohl ebenfalls unwahr, dass es die zwei Güterwaggons voller „Bratwürste“ nur deswegen nicht gibt, weil sich der HSV erdreistet hatte, zum Schluss doch noch zwei Tore zu köpfen. Das verunsichert jetzt doch ein wenig vor Turin.
Und noch ein kleines Gerücht – und wirklich nur ein Gerücht: Der HSV hat nach Eckbällen zwei Tore in München erzielt, da muss sich offenbar doch das harte Eckball-Training in der vergangenen Woche bezahlt gemacht haben.
Das aber stimmt nicht, ist auch kein vorgezogener Aprilscherz – es gab kein verschärftes Eckball-Training.

Um auch noch etwas für die Statistiker unter uns zu bringen:

Claudio Pizarro ist der sechste Vierfach-Torschütze des FC Bayern München in einem Bundesliga-Spiel. Der Peruaner war beim 9:2 des Fußball-Rekordmeisters am Sonnabend gegen den HSV erfolgreichster Torjäger auf dem Platz. Unerreicht bleiben aber die Müllers: Bayern-Legende Gerd Müller traf 14-mal im Vierer-Pack für die Bayern, Namensvetter Dieter Müller ist mit sechs Toren Bundesliga-Rekordschütze in einem Spiel. Die Rekordschützen in einem Bundesligaspiel:

Datum – Spieler – Team – Gegner – Tore

17.08.1977 Dieter Müller 1. FC Köln SV Werder Bremen 6

25.02.1984 Dieter Hoeneß Bayern München Eintracht Braunschweig 5
10.09.1976 Gerd Müller Bayern München Tennis Borussia Berlin 5
12.06.1976 Gerd Müller Bayern München Hertha BSC 5
05.05.1973 Gerd Müller Bayern München 1. FC Kaiserslautern 5
19.02.1972 Gerd Müller Bayern München Rot-Weiß Oberhausen 5

Alle Vierfach-Torschützen des FC Bayern:

30.03.2013 Claudio Pizarro Hamburger SV
10.09.2011 Mario Gomez SC Freiburg
17.08.2002 Giovane Elber DSC Arminia Bielefeld
17.06.1989 Roland Wohlfarth VfL Bochum
13.03.1984 Karl-Heinz Rummenigge Offenbacher Kickers
11.04.1981 Karl-Heinz Rummenigge MSV Duisburg
13.08.1977 Gerd Müller FC St. Pauli
23.04.1977 Gerd Müller Rot-Weiß Essen
30.10.1976 Gerd Müller Hamburger SV
08.09.1973 Gerd Müller FC Schalke 04
11.11.1972 Gerd Müller Hannover 96
27.11.1971 Gerd Müller Borussia Dortmund
30.04.1970 Gerd Müller Rot-Weiß Oberhausen
04.10.1969 Gerd Müller SV Werder Bremen
31.08.1968 Gerd Müller Hamburger SV
03.12.1966 Gerd Müller 1. FC Kaiserslautern.

Wobei mir dabei aufgefallen ist: Kein Verein wurde in dieser Liste, in diesen Listen, so oft genannt, wie der HSV. Zufall?

Dann gab (und gibt) es natürlich weiterhin unzählige Mails und Anrufe, die mich zum 2:9 erreichen. Hier eine besondere Zuschrift, nämlich die einer Dame. Oder, manche Frau möchte es so, die einer Frau.

Hallo Herr Matz,

wahrscheinlich waren Sie und auch Ihre Gäste gestern noch ziemlich
geschockt. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum nicht in erster
Linie thematisiert worden ist, wie es angehen kann, dass die Spieler
wiederholt – und diesmal kollektiv – nicht kompromisslos am Mann
verteidigen. Wird das vom Trainer vielleicht nicht konsequent genug
vermittelt und trainiert? Wird vielleicht zu viel Wert darauf gelegt,
dass hauptsächlich schön gespielt wird?

Wo das hinführt, sieht man ja auch schon bei der Nationalmannschaft.
Über das 4:4 gegen Schweden habe ich noch keine überzeugende Analyse
Vom Trainerstab gehört oder gelesen. Und wenn M. Neuer abenteuerliche
Ausflüge unternimmt und den gegnerischen Spielern mal zeigen will, wie
man Fußball spielt, und das Jogi noch verteidigt, wird die Mannschaft
wohl unter seiner Regie keinen Titel holen können, denn
Meisterschaften werden nun mal in der Verteidigung gewonnen! Jeder
Trainer weiß das, aber die jüngeren Trainer wollen in erster Linie
spielerisch überzeugen, egal ob sie die Spieler dazu haben oder nicht.
Das hat man ja schon bei Oenning gesehen. Immer schön weit aufrücken,
um anschließend mit Kontern vorgeführt zu werden.

Die HSV-Mannschaft könnte doch zunächst mal vorwiegend verteidigen, um
gelegentlich kontern zu können, denn schnelle Stürmer haben sie ja.
Stattdessen soll spielerisch nach vorn gespielt werden – bis der Ball
weg ist und dann brennt es regelmäßig im eigenen Strafraum, weil fast
keiner schnell genug nach hinten kommt.

Solange das Mittelfeld vom HSV nicht ausnahmslos mitverteidigt, wird
das nichts Vernünftiges mehr. Bei dem jetzigen Personal so aufzutreten
wie in München, grenzt schon an Größenwahn.
Ich vermisse einfach die taktischen Fähigkeiten vom Trainer.
Es ist sehr schade, dass der HSV nicht seinerzeit mal z.B. Herrn Favre
verpflichtet hat. Bei dem merkt man deutlich das blinde, also
einstudierte Verteidigungsspiel seiner Mannschaften. So etwas habe ich
in den letzten Jahren noch bei keiner Mannschaft des HSV gesehen. Das
muss doch aber die Basis sein, sonst passiert so etwas wie gestern.
Was nicht durch viel Training automatisiert wird, fällt bei größtem
Stress auseinander. Da ist dann nur noch Chaos im Kopf.

Vielleicht müsste mal ein deutsch sprechender italienischer Trainer
verpflichtet werden. Bierhoff hat mal erklärt, wie z. B. das
Abwehrverhalten beim AC Mailand trainiert wird (schon in frühester
Jugend übrigens). Dort hat er ja mal gespielt, wie Sie wissen. Seitdem
wundert mich nicht mehr, warum Deutschland bis heute „Angst“ vor
Italien hat.

Ich bin mal gespannt, wie Bayern gegen Juventus spielt.

Mit freundlichen Grüssen,

Regine H.

Vielen Dank für die Mail, war mal ganz interessant, wie es ein weiblicher HSV-Fan sieht. Zu unserer Matz-ab-live-Runde sei gesagt: Natürlich waren wir alle total geschockt – wer war das nicht. Und für ein 2:9 war Sven Neuhaus, ein aktueller HSV-Spieler, ganz sicher auch nicht der ideale Talkgast. Dennoch muss ich sagen, hat der Keeper seine Sache sehr, sehr gut gemacht (danke dafür noch einmal, Sven!) – wie auch Andreas Fischer (auch Dir noch einmal ein Dankeschön!). Ich glaube, dass wir schon gefragt haben, woran es lag, was falsch gemacht wurde. Wenn aber selbst Trainer Thorsten Fink kaum eine Erklärung dafür findet, dann spricht das für sich. Fink hat ja noch am tag danach festgestellt, dass auch nach dem 0:5-Rückstand weiter munter drauf los gespielt wurde. Vom HSV. Von seiner Mannschaft. Wenn er das feststellt, dann frage ich mich, wieso er es nicht geändert hat? Er, nur er hätte es doch können. Indem man drei Mal auf einmal auswechselt, indem man dem Kapitän zur Seite holt und die nötigen Anweisungen gibt, und, und, und. Wenn dann nichts passiert? Ja, dann weiß ich es auch nicht mehr. Dann aufgeben, Sachen packen und nach Hause fahren . . .

PS: Morgen, am Dienstag, wir um 10 Uhr und um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Mit einem Raum für das „Matz-ab“-Treffen bin ich noch nicht weitergekommen. Dafür habe ich inzwischen aber bereits viele Mails mit Absagen für den 19. April erhalten. Deswegen, versteht es bitte nicht falsch, denke ich inzwischen, ob sich dieses Treffen überhaupt lohnt. Vielleicht könnten „Matz-abber“, die kommen würden, ja mal Laut geben. Ansonsten könnten wir uns, ohne eingeladene Gäste vom HSV, am 19. April ja auch ganz zwang- und formlos in einem Restaurant (wie zum Beispiel das 1887 in Norderstedt) treffen. Was haltet ihr davon?

18.21 Uhr

Ein HSV-Tag zum Einrahmen!

10. Februar 2013

„Aufwachen ist der erste Schritt, seine Träume wahr zu machen.“
Hat einst die amerikanische Schauspielerin Diane Keaton gesagt. Schön gesagt. Und so treffend. Es blieb auf jeden Fall der Nachwelt erhalten, und genau dieser Spruch prangte auf dem Blatt des 9. Februars des (begehrten) Springer-Kalenders. Als ich das morgens beim Frühstück las, da keimte dann doch ein wenig Hoffnung auf. Sollte in Dortmund doch etwas gehen? Und dann wachte der HSV tatsächlich auf, und es wurde dieser 9. Februar ein so wunderbarer Tag. Auch wenn das Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach der 1:4-Heimpüleite natürlich völlig anders sah, denn er sprach von einem „Scheiß-Tag“, den niemand braucht. Einspruch, Euer Ehren, ich brauchte den. Darauf haben wir, genau auf einen solchen Tag, doch schon seit Jahren gewartet. Ich kann nur hoffen, dass HSV-Trainer Thorsten Fink sein kleine Geheimnis jetzt für immer in der Tasche behalten wird: den Glücks-Cent. Ihr erinnert euch? Am Freitag, nach dem Abschlusstraining, fand der Coach, kurz bevor er die Treppen in Richtung Kabine betrat, diesen Cent. Er hob ihn auf, bevor es ein anderer machen konnte, und sagte: „Der bringt Glück.“ Tat er tatsächlich. 4:1 in Dortmund ist ein Traum! Jetzt sollte mit diesem glitzernden Cent eine Sieges-Serie gestartet werden. Und dazu muss die Mannschaft nun auch stets hellwach bleiben – aufgewacht ist sie ja jetzt schon.


Am Tag danach war trainingsfrei. Das hatten sich die Helden auch verdient. Umso erstaunlicher, dass der Doppelpack-Torschütze Son an diesem Sonntag um 14 Uhr einen Fitness-Club in Eppendorf betrat, um dort nach allen Regeln der Kunst kräftig zu arbeiten. Wer rastet der rostet, und von nichts kommt nichts. Zur Nachahmung empfohlen. Auch wenn Per Ciljan Skjelbred nach dem grandiosen Erfolg im Westen ganz nüchtern festgestellt hatte: „Wenn man 4:1 gegen Dortmund gewinnt, dann hat man vieles richtig gemacht.“ So ist es. Und Marcell Jansen dachte schon an die nächsten Aufgaben: „Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft funktionieren, dieser Sieg war so wichtig für uns.“ Unheimlich wichtig. Denn mit diesem Dreier, auch mit diesem Spiel, hat sich der HSV zurückgemeldet und sich wieder einmal Respekt erspielt. Das war ein HSV-Tag zum Einrahmen.

„Wir haben diesen 4:1-Erfolg gefeiert wie eine Meisterschaft, wir waren an diesem Tag die bessere Mannschaft“, meinte Rafael van der Vaart. Und Dennis Aogo befand: „Dass wir gewonnen haben, das ist kaum zu glauben, weil der BVB normalerweise zu Hause eine Macht ist. Das sollte uns Auftrieb geben.“ Natürlich. Heung Min Son stammelte auch weit nach dem Schlusspfiff immer wieder: „Das ist ein Traum. Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben . . .“ Und dazu gehört wahrscheinlich auch die Tatsache, dass der HSV den Meister gleich zweimal in einer Saison besiegt hat. Thorsten Fink gab zu: „Mit diesem Sieg konnte keiner rechnen – nach der Heimniederlage gegen Frankfurt. Ich habe den Jungs aber gesagt, sie sollen nach vorn spielen. Das ist ein Teil meiner Philosophie, so stelle ich mir Fußball vor: Freude am Spiel zu haben und mutig nach vorn. Diesmal haben wir von Beginn an mutig gespielt.“

Europapokal, Europapokal, Eu-ro-pa-pokal . . . Platz fünf am Sonnabend sah doch schon mal super aus. Und träumen, das hat Armin Veh (der Eintracht-Trainer) im ZDF-Sportstudio gesagt, träumen ist erlaubt. Sonst macht das ganz Leben ja keinen Spaß.

Dortmunds Coach Jürgen Klopp, die sonstige Frohnatur, war natürlich bedient: „Das ist nicht leicht zu erklären. Das Spiel hat so viele Geschichten geschrieben. Ich habe nach dem Schlusspfiff gemerkt, das Leben geht weiter und endet nicht mit so einem Dreck. Leider gehören solche Scheißtage zum Leben eines Fußballers dazu. Das war für uns ein gebrauchter Tag gegen einen starken HSV.“ Und noch ein Lob in Richtung Hamburg hatte „Kloppo“ parat: „Das 2:1 war ein Weltklassetor von Son.“

Ja, der HSV-Angriff. Wer hätte das zu Beginn der Saison gedacht, dass Artjoms Rudnevs und Heung Min So mal das Prunkstück des HSV werden? Beide haben jetzt zusammen 19 der 26 HSV-Tore erzielt. Rudnevs zehn, Son, neun. Und mal unabhängig von diesen Treffern – wie sich beide bemühen, wie sich beide voll reinhängen, wie sie beide spielen und Torgefahr ausstrahlen, das ist schon klasse. Und wenn man Rudnevs immer daran festmacht, dass er ein „Grob-Techniker“ sei, dann konnte und kann das nicht für die Partie in Dortmund gelten. Da hatte der Lette nämlich auch viele gute und erstaunliche Szenen am Ball. Das Einzel- oder Sonder-Training macht sich bezahlt, keine Frage.

Natürlich kam dem HSV entgegen, dass BVB-Torjäger Robert Lewandowski in der 24. Minute (nach einem bösen Foul an Per Ciljan Skjelbred) vom Platz gestellt worden war. Eine völlig richtige Entscheidung. Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) hat ohnehin in diesem Spiel eine ganz starke Leistung gezeigt, hat sich auch von den 80 645 Zuschauern nie beeindrucken lassen und seine Linie konsequent beibehalten. Dass Rafael van der Vaart dem Unparteiischen eine kleine Nachhilfe-Minute in Sachen Platzverweis gegeben hat – Schwamm drüber. Das war aber in meinen Augen überflüssig. Auch wenn der Niederländer eine Befürchtung hatte: „Der Schiedsrichter wollte keine Rote geben. Da habe ich ein wenig Theater gemacht.“ Wie der „kleine Engel“ bemerkt haben will, dass Gräfe kein Rot ziehen wollte, bleibt mir schleierhaft, denn der HSV-Star lief ja sofort und total aufgebracht auf Lewandowski zu, um dem Polen schnell mal die Meinung zu „geigen“. Wie hat der gute „Raffa“ dabei noch den Schiedsrichter im Auge gehabt? Na gut, es muss ja ohnehin immer für alles im Fußball eine Erklärung geben, sonst sind wir wohl nicht zufrieden . . .

Dass van der Vaart nur wenige Minuten später vor der mit BVB-Fans („die Wand“) besetzten Südtribüne von einem Gegenstand am Körper getroffen wurde, wollte van der Vaart nach dem Schlusspfiff nicht an die große Glocke hängen. Und auch schon während des Spiels zog er keine große Show ab. Das war absolut okay, das war fair und hochanständig, so verhält sich in der heutigen Zeit (und in einer so hitzigen Atmosphäre!) absolut nicht jeder Profi. Leider, leider.

Pech hat der HSV jetzt allerdings mit seinen Innenverteidigern. Michael Mancienne verletzt, Paul Scharner verliehen, Jeffrey Bruma (60.) vom Platz gestellt und nun gesperrt. Jetzt schlägt die Stunde von Slobodan Rajkovic und wohl auch die von Gojko Kacar. Beide werden nun ganz dringend benötigt – so schnell kann es gehen. Für beide Spieler hat es mich aber auch gefreut, dass sie bei diesem Sieg dabei sein konnten (und durften). Es war ohnehin ein großartiger Tag für den Gemeinschaftssinn des HSV, denn es haben sich in Dortmund ja alle von ihrer besten Seite gezeigt. Skjelbred zum Beispiel spielte hervorragend mit und gewann vor dem 3:1 ein ganz wichtiges Kopfballduell (!) am Dortmunder Strafraumeck, danach flankte dann van der Vaart auf den Kopf von Rudnevs. Und dann erst das 4:1. Eine grandiose Einzelleistung von Jansen, der sich erst den Ball an der Eckfahne energisch erkämpfte (Super-Einsatz!), dann Slalom lief und den Ball anschließend zur Mitte passte, wo Son zur Stelle war – 4:1.

Ja, Jansen, er hatte in Dortmund einen unglaublichen Schokoladen-Tag, endlich einmal wieder, und er hatte ja auch schon das 1:1 traumhaft vorbereitet, als er einen millimetergenauen Pass auf Aogo gespielt hatte, der den Ball zur Mitte gab – Tor Rudnevs. Und den Pass auf Son, als der das 2:1 machte, hatte Bruma gespielt – was auch höchst selten vorkommt, dass der Niederländer mal als „Vorlagengeber“ glänzt. Nein, diesmal passte wirklich alles, diesmal griff tatsächlich ein Rädchen in das nächste.

Zum Abschluss möchte ich mich noch einmal (und an dieser Stelle) kurz bei Thomas Doll und Torsten Walter bedanken, dass sie gestern im „Grand Elysee“ unsere Gäste bei „Matz ab live“ waren. Es ist ganz sicher keine Selbstverständlichkeit, dass da ein Publikumsliebling wie Doll aufläuft, wir (und ich) wissen das zu schätzen – es hat Spaß gemacht. Und wir waren hinterher erleichtert: Weder „Scholle“ noch ich haben auch nur ein einziges Mal „Dolli“ gesagt. Weil er ja auch Thomas Doll heißt.

So von einem „Altmeister“ zum nächsten „Altmeister“, ein älterer „Altmeister“ sogar, der aber auch ein ganz großes Stück HSV-Geschichte mitgeschrieben hat. Morgen, am Montag, ist der große Flügelflitzer Gert „Charly“ Dörfel in der Sendung Rasant zu Gast, der Live-Auftritt beginnt um 20.15 Uhr – natürlich bei „HH1“. Ein paar “Matz-abber”, so wurde mir geflüstert, sind als Zuschauer auch mit von der Partie.

PS: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.58 Uhr

Nächste Einträge »