Archiv für das Tag 'Diekmeier'

Noch drei Tage bis „Buffalo“…

13. Mai 2015

… Nun, ganz so weit ist es vielleicht nicht, denn das Gedicht von Theodor Fontane bezieht sich auf den letzten Teil einer Reise – eben nach Buffalo – und für den HSV ist Stuttgart ja vielleicht nur die vorletzte Station bis zum Klassenerhalt. Doch wenn’s besonders gut läuft, dann könnte Stuttgart für den HSV zum „Buffalo“ mit gutem Ausgang werden.

Aufatmen heute beim Training. Johan Djourou, der gestern mit dickem Knöchel das Training abbrechen musste, war offensichtlich ohne größere Probleme am Start. Er sei leicht umgeknickt, hatte der HSV schon vorher mitgeteilt. Nun spielte er im Trainingskick wieder mit, so dass die HSV-Defensive sich nicht verändern wird. Auch Dennis Diekmeier, genesener Rechtsverteidiger, muss sich gedulden und Heiko Westermann des Vortritt lassen.

Offen ist nur die Besetzung der offensiven Mittelfeldreihe. Ivo Ilicevic und Lewis Holtby streiten hier wohl um den letzten freien Platz. Ansonsten bleibt es im Wesentlichen bei der Mainz- und der Freiburg-Formation. Die beiden Spieler mussten sich heute immer wieder abwechseln, so dass Bruno Labbadia wohl nach den Trainingseindrücken aus dem Bauch heraus entscheiden wird. Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Peter Knäbel haben sich weite Strecken des Trainings übrigens auch angesehen – zusammen mit Michael Schröder, der Allzweckwaffe des HSV im Scouting-, Nachwuchs-, Trainerbereich.

Gestern habe ich Euch hier lang und breit wieder gegeben, was Rene Adler an Einschätzungen vor dem Spiel genannt hat. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber in Euren Kommentaren bekam der Torwart dafür überwiegend auf die Glocke. Zum Beispiel ist es nicht gut angekommen, dass er dem Stuttgart-Spiel den Endspiel-Status abgesprochen hat. Was ist an dieser Aussage so schlimm? Ich finde Adlers Perspektive schlau. Es nützt doch nichts, dieses Stuttgart-Spiel zum Ultimativen Finale zu erklären. Was passiert, wenn danach immer noch alles unklar ist? Wenn der HSV gar in die Relegation muss? Was kommt nach dem Endspiel???

Ich fand einen Satz von Gojko Kacar nach dem 1:1 gegen Freiburg Besorgnis erregend. Er sei mental platt, hat Kacar gesagt. Deswegen ist jetzt alles erlaubt und richtig, was Spieler mental aufrichtet – denn darauf kommt es an. Und sei es das „sich-stark-reden“ und den Druck nehmen, in dem man dem anstehenden Spiel in der Bundesliga eine angemessene Bedeutung gibt. Glaubt jemand, Adler nehme Stuttgart leicht, nur weil es für ihn kein Endspiel ist?

Ob einem Golf nun Spaß macht oder nicht – ein freier Tag mit vom Fußball abgeschaltetem Kopf ist ebenso notwendig. Das ist doch eine Binsenweisheit. Ich bin noch nie ein Freund gewesen davon, der Mannschaft immer alle freien Tage zu streichen. Straftraining als PR-Gag – davon hat noch keine Mannschaft profitiert. Wenn der Akku immer auf Reserve ist, dann gibt’s keine Beschleunigung mehr. Entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz passiert. Hier muss die Mannschaft knallhart arbeiten, so wie Adler es auch betont. Zumindest die letzten drei Spiele in der Bundesliga haben gezeigt, dass der Fokus wieder sitzt. Nicht mehr auf Interviews, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Sprechblasen-Interviews gibt es zur Genüge. Wer Adlers Aussagen im TV gesehen hat, der wird gespürt haben, dass hier keine Sprechblasen kamen. Wie ich Euch gestern geschrieben habe, machte Adler einen sehr konzentrierten und klaren Eindruck bei seinen Aussagen – den er nach meinem Dafürhalten in den vergangenen Jahren beim HSV nicht immer hinterlassen hat. Diesmal aber hat er es getan, und alle Signale aus der Mannschaft sprechen dafür, dass jetzt anders geackert wird als vorher – zumindest so, wie es der Abstiegskampf erfordert. Über mehr und anderes sprechen wir hier nicht.

Ob das dann am Ende alles reicht in Stuttgart, oder der VfB, der mit Huub Stevens einen besonders guten Motivator hat, die Oberhand behält – wir werden es erleben. In jedem Fall wollte ich noch einmal eine Lanze für Adler brechen. Was er gesagt hat, war aus meiner Sicht völlig okay, und es passte zu seinen jüngsten Auftritten. Immerhin hat der HSV trotz spielerischer Schwächen mentale Härte demonstriert – eigentlich hat Adler nichts anderes gesagt.

Am Freitag endet offiziell die Amtszeit von Carl Jarchow als Vorstands-Mitglied des HSV. Ich habe eine Zeit überlegt, ob ich das hier noch einmal thematisieren soll. Über Jarchow wurde viel geschrieben, hier im Blog ist er sowieso bei den meisten untendurch. Seine Bilanz muss hier jedoch nicht noch einmal bis ins Kleinste aufgezeichnet werden. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow, der deutlich erfolgreichere Zeiten zu verantworten hatte, sagt von sich selbst oft bescheiden, er sei „a man of yesterday“. Auf Jarchow trifft das seit einem Jahr im Grunde auch zu, denn mit der AG war seine Zeit als Vorstands-Vorsitzender des HSV beendet.

Dass Jarchow insgesamt gut aus seiner HSV-Amtszeit heraus gekommen ist und nicht mit kübelweise Dreck überschüttet wurde, ist sicher seinem Gentleman-Auftreten geschuldet. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann hatte es da schwerer. Hoffmann polarisierte allein schon durch sein Erscheinen, wenngleich seine Amtszeit von sportlichen Erfolgen gekennzeichnet war. Aber ich will nicht in alten Geschichten wühlen: Jarchow ist Geschichte, dem HSV ging es bei seinem Amtsantritt deutlich besser als heute. Doch er hat immer mit offenen Karten gespielt, und allein das verdient (bedauerlicherweise) schon Erwähnung beim HSV der vergangenen Jahre. Jarchow hat sich intern übrigens stets für eine Ausgliederung ausgesprochen, auch wenn er dies nicht polternd und plump tat, um Wohlgefallen zu erregen.

Auf der anderen Seite lag er mit sportlichen Einschätzungen und Entscheidungen – zusammen mit dem jeweiligen Sportchef – zu häufig daneben, um dem HSV eine ordentliche Gesundung zukommen zu lassen. So nachvollziehbar es vom damaligen Aufsichtsrat unter der Führung von Otto Rieckhoff war, Jarchow 2011 zu holen, um den HSV zu befrieden – so falsch war seine Vertragsverlängerung 2012. Schon damals zeigte die Entwicklung so deutlich nach unten, dass der Aufsichtsrat radikales Eingreifen hätten einfordern müssen. Solch ein Kurswechsel war mit Jarchow nicht durchzuziehen. Es war sozusagen das falsche Signal – ein „weiter so“ anstelle eines „sofort wenden“. Ich hatte manchmal persönlich den Eindruck, Jarchow war zu integer, um die Abzocker-Mentalität im HSV, auch unter einigen seiner Kollegen, durchbrechen zu können. Er war, um es plakativ zu sagen, Täter und Opfer zugleich.

Nun führt sein Weg in den Hamburger Fußball-Verband, wo er für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert. Und in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Jarchow auch noch, so dass er die öffentliche Bühne nicht verlassen wird.

Aus der großen weiten Welt der Social Media gibt’s am Ende noch diesen Hinweis. Gojko Kacar ist laut dem FC SELFIE (fcselfie.de) unter allen Profis der ersten und zweiten Bundesliga der „Aufsteiger der Woche“ bei Instagram. Er hat 38 Prozent mehr Follower dazu gewonnen. Auf der FC-Selfie-Homepage kann man sich übrigens eintragen für einen wöchentlichen Newsletter. Viel Spaß!

Zum Schmunzeln noch eine kurze Nachricht von „Khabar Online“: „Der ehemalige HSV-Profi Mehdi Mahdavikia hat den Kia FC in seinem Heimatland Iran gegründet. Der Klub aus dem Umkreis von Teheran soll der TSG 1899 Hoffenheim nachempfunden sein und überwiegend auf Talente setzen.“ Ohne Worte….

Nachdem ich diese wichtigen Hinweise noch losgeworden bin, wünsche ich einen schönen Feiertag. Es soll ja durchaus noch Menschen geben, die sich beim Vatertag nicht die Hucke vollsaufen, sondern für die dieser Tag Christi Himmelfahrt ist. Auf jeden Fall wird im Stadion oder am Stadion hinter Planen trainiert – genau wie am Freitag.

Lars
18.40 Uhr

Jarolim: “Wir holen noch elf Punkte!”

21. April 2015

Die Ruhetage beim HSV sind für mich zuletzt eher quälend gewesen. Nicht, weil ich kein Training beobachten und mit dem Trainer etc. sprechen kann. Nein, irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, dass dieser freie Tag anders genutzt werden könnte. So wie heute, um ehrlich zu sein. Denn heute waren einige Profis trotz ihres freien Tages richtig fleißig. Marcelo Diaz beispielsweise absolvierte erneut eine individuelle Einheit und soll nach Möglichkeit noch in dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Noch etwas schneller war Dennis Diekmeier unterwegs. Der Rechtsverteidiger absolvierte schon intensive Läufe. Dennoch soll sich der Rechtsverteidiger mit seinem Comeback noch etwas gedulden. Sein Einsatz gegen Augsburg ist eher unwahrscheinlich. Ausfallen wird sicher Cléber Reis (Kapselriss). Und um derartigen Verletzungen vorzubeugen absolvierten René Adler, Valon Behrami und Rafael van der Vaart am trainingsfreien Dienstag ein leichtes regeneratives Programm im provisorischen Trainingszentrum. Nicht dabei war Pierre Michel Lasogga, obgleich ihm Trainer Bruno Labbadia zuletzt noch etwas fehlende Praxis attestiert hatte. Schade eigentlich – den Stürmer mit Nachholbedarf hätte ich am ehesten erwartet…

Apropos Labbadia, wenn es in diesen Tagen irgendeinen Funken Hoffnung gibt, dann ist er dafür verantwortlich. „Bruno Labbadia ist definitiv einer meiner Toptrainer gewesen“, erinnert sich der ehemalige HSV-Vorzeigeprofi David Jarolim an die Saison 2009/2010 zurück. „Seitdem Bruno Labbadia wieder da ist, habe ich tatsächlich ein viel besseres Gefühl“, so der einstige HSV-Kapitän, der weiterhin auf Nichtabstieg setzt. „Gegen Augsburg gewinnt der HSV am Sonnabend 1:0“, ist sich Jarolim sicher. Und eigentlich wäre es auch eine sichere Sache, immerhin wollte er am Sonnabend als Glücksbringer live vor Ort sein. Daraus wird aber nicht, da das Ligaspiel seines tschechischen Klubs auf Sonnabend gelegt wurde.

 

„Wenn ich mit meinen Kindern da war, haben wir nie verloren. Und wenn es nach mir ginge, wäre ich die letzten fünf Spiele immer live dabei“, so Jarolim, der trotz seiner Abwesenheit auf elf Punkte aus den verbliebenen fünf Partien tippt. Nach dem Sieg gegen Augsburg gibt’s ein 1:1 gegen Mainz, einen 2:1-Sieg gegen Freiburg, ein 1:1 in Stuttgart und ein 1:0-Sieg am letzten Spieltag in der Imtech-Arena gegen Schalke. „Super, oder?“, lacht Jarolim. Allerdings ohne die Tipps zu revidieren, wie er ausdrücklich wiederholt.

schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia - hier in der Saison 2009/2010

Schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia – hier in der Saison 2009/2010

Auch Jarolim hält große Stücke auf Labbadia. „Unter ihm hatten wir am Anfang einen tierischen Lauf, haben den besten Fußball seit langer Zeit gespielt und haben am Ende trotz der vielen verletzten Spieler und der schwierigen Umstände ohne echt gesunden Stürmer noch das Halbfinale in der Europa League erreicht. Dass der Trainer trotzdem gehen musste, lag dann an Dingen drumherum, die nicht normal waren.“

 

Unter anderem auch daran, dass es sich Labbadia mit dem einen oder anderen großen Namen (u.a. Zé Roberto, van Nistelrooy, Petric) in der Mannschaft verscherzt hatte. Und das, weil er das Leistungsprinzip gnadenlos angesetzt hatte. Namen zählten nicht. Und ich für meinen Teil weiß noch, dass einer der Stammspieler Labbadia mir gegenüber zu seinem bis dahin besten Trainer gekürt hatte. Bis er nach einer Verletzung nicht automatisch wieder ins Team rückte. Plötzlich hatte Labbadia seiner Aussage nach „keine Ahnung“ mehr – was mir ehrlich gesagt gefiel. Dennoch musste Labbadia am Ende nach einer außergewöhnlich fragwürdigen Niederlage in Hoffenheim gehen.

 

„Dass er zurück ist, ist richtig und gut“, lobt Jarolim die Entscheidung des Vorstandes. Sie sei zwar etwas spät gefallen – aber sie sei wichtig. „Er gibt mir ein besseres Gefühl und ich weiß noch, dass bei ihm jedes Training mit dem bevorstehenden Spiel zu tun hatte. Labbadia hat in der Woche immer genau das trainiert, was er am Wochenende sehen wollte. Er beherrschte es, der Mannschaft Automatismen beizubringen und hatte immer einen Plan.“ Ein Vorbild für den angehenden Trainer? „Von ihm habe ich auf jeden Fall eine ganze Menge mitnehmen können.“ Dennoch, das weiß auch Jarolim, den Rest dieser Saison kann Labbadia nur noch verwalten. „Er hat nicht die Zeit, hier viel Neues einzustudieren. Aber er wird erkennen, wen er gebrauchen kann, wer wirklich will und fit ist.“

 

Dass er will, kann man Pierre Michel Lasogga nicht absprechen. Aber er kann noch nicht so, wie er will und wie es alle erwarten. Auch deshalb lässt Labbadia keine Gelegenheit aus, den Toptorjäger der Vorsaison starkzureden. „Wir brauchen ihn, ganz klar“, sagt Labbadia und Jarolim stimmt zu: „Wenn der HSV den Fußball spielt, der zu Flanken und Pässen in den Sechzehner führt, kann es schnell was werden. Ein Tor, und der Knoten könnte platzen“, sagt Jarolim. „Ich weiß, wie das ist. Plötzlich wird alles, was einen vorher runtergezogen hat, umgekehrt und es läuft. Das kann einen tierischen Lauf geben, das entwickelt eine tolle Dynamik. Und das braucht diese Mannschaft.“

Jarolim, der sich momentan als Seelsorger für seinen Freund Ivica Olic (Jarolim: „Er ist nicht gut drauf, er leidet. Aber er wird am Ende noch sehr wichtig“) verdingt, glaubt tatsächlich an den Nichtabstieg. Und ich will ihm für heute mal folgen. Einen Tag lang mal Hoffnung zwischen vielen Tiefschlägen seitens eines erfahrenen Profis zu erfahren – das tut selbst einer geschundenen Reporterseele mal ganz gut. Daher belasse ich es heute mal damit und sage: Danke Jaro! Auf dass Du Recht behältst…

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen (Champions-League?)Abend, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 trainiert.

 

Scholle

Jarolim: “Der Trainer muss gewechselt werden” – kommt Magath?

14. April 2015

Was kann jetzt noch helfen? Oder besser: Wer kann jetzt noch helfen? Auf jeden Fall hat einer bereits ein Zeichen gesetzt und geholfen, wenn auch nicht auf dem Platz: der 55-jährige Helmut Bohnhorst. Der Agrarunternehmer aus Niedersachsen hatte seine Verträge bereits im März unterzeichnet, die ihn einen Betrag von vier Millionen Euro in den HSV investieren lassen. Der Neuaktionär der Fußball-AG im Interview gegenüber “www.hsv.de”: „Natürlich leide ich mit meinem Verein. Aber darum wende ich mich ja nicht automatisch ab. Ich sehe den HSV noch immer im Umbruch. Die sportlichen Tiefschläge sind mitunter schmerzhaft, ja, und die Bundesliga ist stark und gnadenlos. Trotzdem glaube ich fest an die handelnden Personen. Wir brauchen beim HSV inhaltlich starke Aufbauarbeit mit guten Konzepten und Strategien. Ich sehe da mit den handelnden Vorständen die richtigen Personen am Werk. Dass ich genau jetzt meinen Anteilskauf veröffentliche, ist ja auch kein Zufall. Ich möchte ein Zeichen setzen, dass es weiter geht für unseren HSV; dass die Verantwortlichen, die Mannschaft, die Mitarbeiter und alle Fans zusammenstehen müssen.“

Stark. Ganz stark, Herr Bohnhorst!

Nichts anderes fällt mir dazu ein. Vier Millionen Euro für 1,6 Prozent am HSV – der Verein versucht sich weiterhin finanziell neu aufzustellen. In den nächsten Tagen sollen weitere Vertragsabschlüsse mit Sponsoren und Kooperationspartnern bekanntgegeben werden – trotz der sportlichen Talfahrt. Und diese guten Nachrichten in schlechten Tagen kommen kein bisschen zu früh, denn die Liga begibt sich schon in Reichweite, um die besten Talente abzuwerben. Unter anderem ist Borussia Mönchengladbach ernsthaft an einer Verpflichtung von Jonathan Tah interessiert, der noch bis Saisonende an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist. Tah selbst hingegen fiebert seiner Rückkehr zum HSV entgegen, wie er im Interview mit HSVTotal beteuert.

Für Gespräche mit Peter Knäbel, dem Direktor Profifußball (früher Sportchef), dürfte selbst für diese Personalie nur wenig Zeit bleiben. Der Interimstrainer hat genug damit zu tun, seine Mannschaft zu sortieren. Ginge es nach mir, würde Knäbel hier ein Zeichen setzen müssen, wenn der HSV selbst schon nicht bereit ist, auf dem Trainerposten noch einmal eine Veränderung vorzunehmen. Auch Ex-HSV-Profi Stefan Schnoor schlägt (siehe Video) in diese Kerbe: „Es muss etwas passieren – sowohl innerhalb der Mannschaft als auch auf dem Trainerposten. Wenn der HSV nicht noch einen drastischen Impuls setzen kann, wird es ganz eng. Schlimmer noch: So steigt man ab.“

Der einstige Bundesligakapitän plädiert für eine Suspendierung der Streit-„Brüder“ Johan Djourou und Valon Behrami. „Derartiges Verhalten kann keine Mannschaft im Abstiegskampf gebrauchen. Auf dem Trainingsplatz darf es gern mal krachen – aber nicht in der Halbzeit. Ich hätte beide sofort rausgenommen. Sowas geht nicht. Schon gar nicht von so genannten Führungsspielern. Wenn man hier nicht sanktioniert, läuft es schnell aus dem Ruder.“ Knäbel indes begnadigte beide.

Von einer Schweiz-Connection war die Rede, als sich Knäbel, damals noch als Direktor Profifußball unterwegs, insbesondere auf dem Schweizer Markt um Zugänge bemühte. Innerhalb der Mannschaft gilt der Schweizer Behrami als „von denen da oben“ besonders geschützt. Behrami könne sich sanktionslos Mitarbeitern wie Mannschaftskollegen und Spielern der U23 gegenüber respektlos verhalten. Dass Cléber für einen zweifellosen üblen sportlichen Fehler von Knäbel öffentlich angegriffen wurde, während die beiden Prügel-Brüder ungestraft davonkommen – es mutet zumindest seltsam an.

Auf jeden Fall kommt diese Ungleichbehandlung bei Teilen der Mannschaft alles andere als gut an. Knäbel, der eigentlich keine Probleme mit unpopulären Entscheidungen haben soll und als geradlinig gilt, wirkt auf die Mannschaft inkonsequent. Und Behrami gilt immer mehr als Sonderling. Der Mann mit dem unbändigen Willen und den kaputten Knien isoliert sich zusehends. Apropos: Auch heute trainierte Behrami nicht mit der Mannschaft. Vormittags abgesprochen, sollte er nachmittags auf den Platz, blieb aber in der Kabine und absolvierte stattdessen Individualtraining.

Einer, der dafür wieder dabei ist und helfen will ist Marcell Jansen. Der Linksfuß ist nach ausgestandener Zerrung wieder einsetzbar. „Ich habe einige gute Trainingseinheiten hinter mir und kann spielen“, so der Ex-Nationalspieler. Noch nicht wieder dabei sein wird Dennis Diekmeier. „Ich hatte darauf gehofft, aber es sieht nicht so aus. Der Sonntag käme wahrscheinlich noch zu früh“, so Diekmeier. Für ihn wird voraussichtlich erneut Heiko Westermann die rechte Seite bearbeiten. Und das ist gut. Denn so rückt Slobodan Rajkovic aller Voraussicht nach wieder in die Startelf. Zumindest trainierten die beiden heute bei den Flankenübungen als ein Verteidigerduo.

Rajkovic gilt als ebenso limitierter Fußballer wie großartiger Zweikämpfer und Mannschaftsspieler und ist für mich zumindest ein erster neuer Ansatz, ein klitzekleines Fünkchen neue Hoffnung, von der bei Weltmeister Franz Beckenbauer nichts mehr übrig ist. Sagt er selbst: „Ich sehe keinen Punkt, der Hoffnung macht“, so der Ex-HSV-Profi und bekennender HSV-Freund. „Wenn ich mir den HSV jetzt anschaue, dann sehe ich überhaupt keine Anhaltspunkte, wie diese Mannschaft in der Liga bleiben kann.“ Noch etwas deutlicher wird der wahrscheinlich loyalste HSV-Spieler der letzten 15 Jahre: David Jarolim. Der Tscheche, der bei Bedarf auch Klartext spricht, dabei aber nie irgendeinen Spieler oder Verantwortlichen persönlich angreift, wird deutlich: „Ich bin der Letzte, der öffentlich was sagen will. Aber das, was gerade passiert, ist unverantwortlich“, so Jarolim, der mit Mlada Boleslav nach einem 5:3-Heimsieg heute gerade ins tschechische Pokalhalbfinale eingezogen ist. Richtig freuen wollte er sich dennoch nicht. „Ich habe immer wieder Kontakt zu Spielern, und ich bin traurig. Es stimmt so vieles scheinbar nicht. In der Kabine ist es offenbar schwer, drumherum ist viel passiert. Aber da jetzt alles so zu lassen, wie es gerade ist, wäre falsch. Dann steigst du ab. Der HSV muss jetzt noch mal was ändern. Noch vor dem Derby am Sonntag in Bremen am besten.“

Jarolim schließt sich dem Gros der deutschen Fußballexperten an. Auch der jüngst vom HSV verabschiedete Ex-Kapitän plädiert für einen erneuten Trainerwechsel. „Das ist keine leichte Entscheidung, so eine Entscheidung zurückzunehmen oder zu korrigieren. Aber es ist in meinen Augen die einzig richtige und vor allem die deutlich mutigere Entscheidung, als einfach wegzusehen, so weiterzumachen und zu hoffen, dass es irgendwie doch noch klappt. Jarolim: „Mit einem neuen Coach könnte noch mal ein entscheidender Ruck durch die Mannschaft gehen.“ Ähnliche Worte, wie von Schnoor, Hitzfeld, Beckenbauer und Co.

Und Worte, die bei Beiersdorfer ankommen. Noch ignoriert er sie offiziell nach außen, aber intern macht sich der Vorstandsboss zweifellos seine Gedanken. In einem Gespräch mit Sponsoren holte sich Beiersdorfer jetzt deren Meinungen ein. Trainer wechseln oder nicht? Die Mehrheit der kleinen Runde plädierte für einen erneuten Wechsel – und hatte auch gleich einen passenden Kandidaten parat: Felix Magath. Beiersdorfer registrierte das Votum – reagierte aber nicht. Zumindest nicht selbst. Statt seiner rief einer der Sponsoren bei Magath an und erkundigte sich nach dessen Bereitschaft. Mit einem positiven Feedback. So soll Magath angeboten haben, bis Saisonende umsonst zu kommen, wenn er im Erfolgsfall einen Anschlussvertrag erhält. Warum nicht Beiersdorfer selbst anrief? Ganz einfach – und in der angespannten Situation auch richtig: Um Knäbel nicht zusätzlich zu schwächen. Denn so bleibt immer die Möglichkeit, ohne zu lügen sagen zu können, dass es nicht der HSV war, der Magath kontaktiert hat. Und dennoch weiß man, ob Magath dabei wäre oder nicht…

Beiersdorfer selbst wollte diesen Vorgang nicht bestätigen. Logischerweise nicht. Mir allerdings macht dieser Vorgang Hoffnung. Nach Rajkovic ist es schon ein zweiter, kleiner Funken Hoffnung, dass dieser HSV in den letzten sechs Spielen das repariert, was er in den letzten Monaten – nein: Jahren zu zerstören droht. Ich schließe mich letztlich den Worten von Jarolim an, dem ich damit auch den Schlusssatz für heute überlassen möchte. Jarolim: „Dieser HSV gehört in die Erste Liga. Alles andere ist eine Katastrophe. Wenn sich das alle klarmachen, werden sie noch richtig entscheiden. Auch wenn es weh tut…“

Hoffentlich.

Bis morgen,
Scholle

Alle Mann an Bord – auch Lasogga?

9. April 2015

Ok, Entwarnung. Zumindest teilweise würde ich sagen. Und auch erst einmal nur für die Spieler. Denn heute rückte Peter Knäbel seine Aussage, er wüsste seit dem Bayer-Spiel, welchen Spielern er vertrauen kann und welchen nicht, deutlich gerade. Er habe auf die sportliche Verfassung seiner Spieler beziehen wollen und damit nur sagen wollen, wer noch Extraeinheiten braucht und wer nicht. Deswegen habe es mit Assistenztrainer Peter Hermann auch morgendliche Extraeinheiten gegeben, unter anderem auch für Pierre Michel Lasogga. Und dem soll das richtig gut getan haben, sagt Knäbel, der den bulligen Angreifer gar in der Verfassung sieht, am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg (18.30 Uhr, Imtech-Arena) von Beginn an aufzulaufen.

 

Ansonsten ließ Knäbel personell alles offen. Strafen für die 0:4-Pleite werde es nicht geben. Es werden zumindest keine Spieler aus dem Kader gestrichen, die letzte Woche dabei waren. Mit 20 Mann will der Interimstrainer in Zukunft die letzten zwei Einheiten vor dem jeweiligen Spiel trainieren lassen. Wer nicht für den Kader im darauffolgenden Spiel vorgesehen ist, trainiert separat oder bei der U23. Auch nicht als Strafe, sondern als Steigerung der Trainingsqualität im Bundesligakader gedacht. Tabuisiert werde nichts, sagt Knäbel, weshalb sich auf der anderen Seite kein Spieler zu sicher fühlen darf.

Peter Knäbel wirkt souverän. Und er will auch so wirken. Er weiß, dass es darum geht, der Mannschaft Sicherheit zu vermitteln. Dass ihn auf diesem Weg ausgerechnet sein alter Weggefährte Felix Magath attackiert, ließ ihn nach außen kalt. „Was mich als Vertreter des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer mehr beschäftigt, ist die Tatsache, dass man den Eindruck vermittelt, als wäre die Trainerposition beliebig“, sagte Magath am Mittwoch: „Als könnte jeder, der gerade mal Lust hat oder schon einmal Fußball gespielt hat, eine Bundesliga-Mannschaft trainieren.“ Man würde sich „ja auch nicht von jemandem am Herzen operieren lassen, der das nicht gelernt hat“, ergänzte Magath. Worte, die Knäbel mit einem verschmitzten Lächeln abprallen ließ. Er kenne Magath ja und wisse, warum dieser so kritisch spricht. Und wer sich mal schlau macht (oder vielleicht noch erinnert): Magath war es, der Peter Knäbels Karriere als Bundesligaspieler beendete. Nach dessen Amtsübernahme in Nürnberg 1997 berief er Knäbel kein einziges Mal mehr für die Startelf, wechselte ihn gar nur noch vier Mal ein.

 

Vergangenheit. Und einem Knäbel gerade zwei kurze Sätze wert. Diskussionen um seine Person interessieren ihn wenig. Er ist außergewöhnlich selbstbewusst, manchmal durchaus noch mit dem Hang zum Oberlehrerhaften. Aber genau das scheint auch gefragt zu sein. Wenn die Mannschaft in Person des „Unkaputtbaren“ schon von fehlendem Mut spricht, muss einer die Fahne hochhalten. Eben er als Trainer. Er will jetzt nicht auf seinen Spielern rumtrampeln, sondern sie aufbauen. Sagt er. Mit Peter Hermann zusammen, der die Trainingseinheiten leitet, während Knäbel das Geschehen zumeist vom Rand aus beobachtet und eher selten einschreitet.

Knäbel, der beim Training oft mit verschränkten Armen (wechselweise hinter dem Rücken und mit Denkerpose) das Geschehen verfolgt, ließ heute die vermeintliche A-Elf durchspielen. Westermann spielte neben Ostrzolek, Cléber und Djourou hinten rechts für Diekmeier, zentral davor spielten wenig überraschend Behrami und Diaz. „Das erste Mal können beide von Beginn an auflaufen“, freut sich Knäbel auf die Premiere des Duos, das „schon immer geplant war“ und warnt vor zu hohen Erwartungen: „Es ist aber eben auch das erste Mal.“

 

Im Training heute wirkten beide jedenfalls, als könnte es passen. Behrami räumte ab – Diaz versuchte, das Spiel aufzubauen. Diaz versuchte dabei allerdings vergeblich, die heute alles andere als funktionierende Offensive Beister, van der Vaart, Holtby und Olic davor in Szene zu setzen. Und wenn ich nicht zu gut wüsste, dass Trainingsleistungen beim HSV selten bis nie klare Schlüsse für das bevorstehende Spiel zulassen – ich würde mir ernsthaft Sorgen machen.

 

So aber bleibt positiv festzuhalten, dass im B-Team wenigstens Pierre Michel Lasogga im Abschlussspiel zu gefallen wusste. Und obwohl ich bislang nicht dachte, dass Lasogga beginnen würde – jetzt hoffe ich es zumindest. Zum einen wegen der Trainingsleistung, zum anderen, weil ich einfach hoffe, dass er nicht noch weniger reißen kann als die anderen.

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

 

Allerdings würde ich Lasogga nicht mit Olic über links spielen lassen. Ich würde auch nicht Holtby (wie Knäbel im Training) auf links stellen, sondern Mohamed Gouaida. Der Youngster scheint mir noch mit am wenigsten vorbelastet. Oder anders gesagt: er denkt nicht zu viel nach. Gouaida probiert es einfach, er geht spielerisch ins Risiko. Und das fehlt dem HSV. Zudem hatte Knäbel selbst heute wieder den Mut seiner Spieler angesprochen und hofft dabei auch auf den Faktor Heimspiel.

 

Knäbel hatte bereits mitbekommen, dass die Supporters am Mittwochabend eine neue Aktion ins Leben gerufen hatten, die da heißt: Alle Mann an Bord. Auf die Anhängerist erneut Verlass – und das freut den Direktor Sport und Trainer in Personalunion. „Wir brauchen sie in dieser Situation aber nicht ‚wieder’, sondern ‚umso mehr’. Die 57000 Fans im Heimspiel werden der Mannschaft helfen“, so Knäbel, der hinzufügt: „Aber dann liegt der Ball auch schon gleich bei der Mannschaft.“ Und irgendwie ist man geneigt, zu sagen: Ja, leider ist das so.

Wobei ich auch diese Saison trotz der vielen Fehler und der ebenso schädlichen wie anhaltenden Tuchel-Diskussion nicht daran glauben will, dass sich diese Mannschaft nicht mehr rettet. Vor allem, weil ich daran glaube, dass die neue Saison bereits gut vorgeplant ist. Zu Lasten der aktuellen Saison, zweifellos. Das Thema hatten wir Anfang der Woche. Aber gerade deshalb ist es meine Motivation, noch ein wenig mehr darauf zu hoffen. Zusammen mit dem wahrscheinlich zuverlässigsten Erfolgsfaktor des HSV: den Fans.

 

In diesem Sinne, ich bin mit an Bord. Und das auch morgen wieder, wenn die Mannschaft nicht wie heute vor 300 Zuschauern sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch.

 

Scholle

P.S.: Anbei ein Foto, das Benno mir freundlicherweise geschickt hat. Danke dafür!
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Beiersdorfer: „So wird das nix!“

5. April 2015

Lieber HSV, ich möchte mich heute bei Euch bedanken für das gestrige Spiel. Es hat das Blogschreiben sehr vereinfacht. Alle in einen Sack, Knüppel drauf, da kannst du nur den richtigen erwischen.

Nach den vielen, vielen Enttäuschungen dieser Saison und den Vorjahren hat der Verein und mit ihm die Mannschaft auf dem Rasen nun auch noch eine weitere dramatische Eigenschaft entwickelt: Resistenz gegen Trainerwechsel. Man mag darüber streiten, ob der Knäbel-Effekt erst in der siebten Minute des Leverkusen-Spiels verpufft ist oder eigentlich schon mit seiner Inthronisierung, die ja nun alles, aber keinen Aufbruch ausgelöst hat. Letztlich ist der Zeitpunkt unerheblich.

Meine Herrschaften, war das wieder ein erbärmlicher Auftritt dieses HSV. Eigentlich hat die Mannschaft an diesem Nachmittag in der BayArena nur einmal Format bewiesen. Als das Team nämlich nach dem Abpfiff zur Fankurve gegangen ist, um sich den aufgebrachten Anhängern zu stellen. Das war eine gute Geste, aber dass es dazu überhaupt kommen musste, hatten sich die Kicker selbst zuzuschreiben. „Wir haben die Schnauze voll“ und „Wir wollen euch kämpfen sehen“, schrien ihnen die Anhänger entgegen. Was sollen sie in ihrer Verzweiflung auch sonst rufen?

Trotzdem wird der HSV darauf angewiesen sein, dass die Treuesten der Treuen bei der Stange bleiben. „Ich kann die Fans nur bitten, weiter zu ihrem Club zu stehen“, sagte Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer am Ostersonntag. „Sie sind mit uns schon durch viele Täler gegangen. Es ist eine harte Zeit für die Fans.“ Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es an der Kampfbereitschaft des Anhangs am Ende nicht scheitern wird, wenn es um die letzten Körnchen für den Klassenerhalt geht. Aber was ist mit dieser Mannschaft?

„Nach dem frühen 0:1 waren wir tot“, sagte Kapitän Johan Djourou nach seinem Aussetzer in der siebten Minute. Der HSV kann ja ohnehin schon nicht zurückkommen, wenn einmal ein Gegentreffer fällt. Und dann noch so einer…. „Das war dann kein Überlebenskampf mehr“, wie Dietmar Beiersdorfer deutlich sagte. Am neuen Trainer, das betonte Beiersdorfer immer wieder, macht er diese Minus-Leistung nicht fest: „Ich habe mir das Training angeguckt und auch die Besprechung vor dem Spiel. Es ist schwierig, eine Mannschaft besser für ein Spiel zu präparieren, als es hier geschehen ist – aus meiner Sicht. Da waren Zug, Abschlüsse und Überzeugung drin. Aber auf dem Rasen muss es dann die Mannschaft richten. Da entscheiden die Spieler, ob sie sich vorführen lassen, oder ob sie Haltung oder Präsenz zeigen.“

Beiersdorfer weiter: „Wenn wir uns weiter so präsentieren wie gestern, dann werden wir keine Chance haben, die Klasse zu halten. So wird das nix.“

Eine nachträgliche Einzelkritik erübrigt sich im Prinzip. Einige Spieler haben eine derart desaströse Leistung gezeigt, dass man sich fragt, was sie eigentlich beruflich machen. Ostrzolek, Behrami, Djourou – auch Diekmeier, Jiracek oder Müller. Allenfalls kann Adler, Westermann und Ilicevic, wenn man so will auch Olic (weil er den einsamsten Arbeitsplatz Deutschlands hat) so etwas wie Einstellung nachgesagt werden. Im Grunde ist das aber egal. Eine Situation in der ersten Halbzeit steht für mich da sinnbildlich. Vielleicht erinnert Ihr Euch, falls Ihr das Spiel im Fernsehen verfolgt habt, an die Gelbe Karte gegen Dennis Diekmeier in der 42. Minute. Der HSV hatte den Ball in der gegnerischen Hälfte, musste dann nach hinten weichen, wo Dennis Diekmeier den Ball bekam. Er dribbelte, verlor den Ball und „rettete“ alles mit einem Hechtsprung Richtung Ball. Handspiel, Gelbe Karte, Freistoß für Leverkusen waren die Folge. Auf den ersten Blick sah das alles nach einem stümperhaften Diekmeier-Verhalten aus – jedenfalls im TV-Ausschnitt. Dazu kam nun allerdings, dass der Rechtsverteidiger des HSV völlig verzweifelt nach einem Anspielpartner gesucht hatte. Die naheliegende Position, defensives Mittelfeld, war völlig verwaist – das war der Stadion-Eindruck. Behrami und Jiracek schlenderten irgendwo in vorderster Sturmreihe herum, die offensiven Mittelfeldspieler sowieso. Das heißt: Die Vierer-Abwehrkette des HSV war zugelaufen von vier offensiven Leverkusenern, und die Räume im Mittelfeld waren besetzt durch Rolfes und Bender – HSV-Spieler: Fehlanzeige. Niemand hilft beim HSV der armen Sau, die den Ball hat. DAS ist die Einstellung und die Angst, die in die Zweite Liga führt. „Der Gegner fühlt das auch. Und dann ist das schwierig, solche Spiele zu gewinnen“, sagte Dietmar Beiersdorfer. Summa summarum: „So kann man keinen Abstiegskampf betreiben.“ Am Ende standen übrigens 25:4 Torschüsse für Bayer Leverkusen. Die haben sich doch kaputt gelacht über diesen Gegner.

Trainer Peter Knäbel war nicht weniger ernüchtert und enttäuscht. „Ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann, und auf wen nicht.“ Schon am kommenden Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg werde sich das in der Aufstellung niederschlagen. Wobei sich die Frage stellt, wer sich denn tatsächlich zu den Glücklichen schätzen darf, auf den Knäbel noch setzt. Und vor allem: bringt er jetzt viele Neue – sind das dann die Richtigen?

Knäbel hat „keine elf Männer auf dem Platz gesehen“, und diese Einschätzung wird von manchem Spieler vorbehaltlos geteilt. Johan Djourou, mit einem seiner schlechtesten HSV-Spiele und entsprechend selbstkritisch, gab an: „Wir müssen viel mehr tun und mehr kämpfen für uns, für die Fans, für unsere Familien, für den Verein. Wir müssen kämpfen vom Anfang bis zum Ende. Der Trainer kann nur eine Idee geben, schaffen muss es die Mannschaft. Wir wissen, was Abstiegskampf ist – und jetzt müssen wir damit anfangen.“

Eine traurige Rückkehr in den Kasten „feierte“ Rene Adler. Er hat eine noch deutlichere Niederlage verhindert. „Leverkusen war stark, aber wir haben uns auch selbst geschlagen“, so der Keeper. „Wir machen eindeutig zu viele Fehler und schaffen keine Entlastung nach vorn.“

Aber noch einmal zurück zu Peter Knäbel – er muss nun als verantwortlicher Coach in erster Linie irgendwo Hebel ansetzen. Personelle Veränderungen, das ist das eine. In der ersten Halbzeit sei sein Team in der Defensive noch einigermaßen stabil gewesen, darin sah er tatsächlich etwas Positives. Hier im Wortlaut Ausschnitte aus der Pressekonferenz:
Wie ernüchternd war dieses Spiel für Sie?

Ob jetzt ein Spiel in Leverkusen angetan ist, Selbstvertrauen zu tanken, lasse ich mal dahin gestellt. Aber wenn wir 14 Tage trainieren, ist so sein Spiel enttäuschend, nicht nur ernüchternd. Aber wir hatten alle Nationalspieler auch nur zwei Tage lang zusammen. Insofern haben wir auch nicht die ganze Zeit alles einstudieren können, was wir wollten.“

Sorgen die Djourou-Aussagen, es fehle am Kampf, nicht für Entsetzen?

Ich bin immer vorsichtig bei den Spielern, die eine andere Muttersprache haben. Da hat man für den gleichen Sachverhalt vielleicht weniger Ausdrücke zur Verfügung. Wenn er die Einstellung anspricht, kann man in dem Spiel darauf verweisen, dass die Präsenz in Leverkusen für 50:50-Bälle nicht da gewesen ist. Und wenn man die fußballerische Klasse nicht hat, um solche Situationen zu lösen, wird es schwierig. Es hat eine konkrete Bewandtnis auf dem Platz, dass die Einstellung auf dem Platz nicht gestimmt hat.“

Was macht ihnen für die sieben Spiele noch Hoffnung auf den Turnaround?

Ja, weder rund noch geturnt – da gebe ich ihnen vollkommen recht. Wir hatten zwei Spieler zurück, wobei ich nicht sehr viel von „Hoffnungsträgern“ halte. Aber es ist ein anderes Spiel, wenn Diaz da ist. Er hat eine hohe Passsicherheit und macht andere besser. Auch Lasogga war mal wieder dabei. Und ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht. Wer das ist, sage ich aber erst den Spielern.“

Was machen sie mit diesen Spielern?

Was jeder Trainer macht. Man spricht es an, und dann gibt es wieder eine Aufstellung gegen Wolfsburg.“

Wie war ihr erstes Mal als Trainer, emotional eine wuchtige Erfahrung?

Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich glaube, der Kollege Schmidt hat nicht jemanden gesehen, der so funktioniert wie ein Anfänger. Die Position passt mir, ich habe mich wohl gefühlt da unten.“

Es gab eine Mitteilung, der HSV habe 25 Millionen Euro zur Verfügung für neue Spieler – wie gehen wie um mit Image- und Glaubwürdigkeitsverlust, den der HSV erleidet?

Eine Pressemitteilung von uns war es nicht. Wenn, dann haben sie das einem Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden entnehmen können. Es steht mir als Sportdirektor und als Trainer nicht zu, das zu kommentieren. Wenn sie das als Glaubwürdigkeitsverlust sehen, ist das ihre persönliche Haltung. Unterm Strich glaube ich, dass die Zahlen belegt sind. Ich sehe da keinen Glaubwürdigkeitsverlust. Es geht darum, Strategien und Möglichkeiten auszuloten – wobei wir etwas zu tun haben, was viel wichtiger ist. Wir haben die Klasse zu halten. Ich beschäftige mich nicht mit dem Einkaufskorb, den wir zur Verfügung hätten, wenn man solche Summen hört.“

Wo genau in der Mannschaft konkrete Verbesserungsansätze für den Abstiegskampf sind oder ob sie sich in allgemeinen Plattitüden erschöpfen, das zeigen die nächsten Tage – und vor allem dann das Spiel gegen Wolfsburg. „Wir werden alle Mittel ausreizen, um eine Mannschaft zu bringen, die um ihr Leben kämpft“, so Dietmar Beiersdorfer. Wer glaubt noch dran???

Zu allem Überfluss kassierte gestern auch die U 23 eine weitere Niederlage. Beim 1:3 in Cloppenburg traf nur Dominik Masek. Das Comeback von Trainer Rodolfo Cardoso ist also daneben gegangen, und dieses neunte Spiel in Folge ohne Sieg ist eine weitere herbe Enttäuschung. Und das mit Personal wie Brunst, Jung, Götz, Marcos, Mende, Steinmann, Ahmet Arslan, Philipp Müller oder Beister, die ja auch eigentlich auch hohe Ansprüche haben. Der HSV-Nachwuchs ist in der Regionalliga-Nord Tabellendritter, ein möglicher Aufstieg aktuell kein Thema mehr.

Für die Profis ist nach dem Auslaufen heute morgen trainingsfrei – weiter geht es Dienstag mit zwei Einheiten.

Und für Eure privaten Planungen: Der Saisonstart der Zweiten Bundesliga in der Saison 2015/2016 ist am Wochenende 24. bis 27. Juli.

Lars
18.00 Uhr

0:4 – der HSV auch in Leverkusen chancenlos

4. April 2015

Der Betriebsausflug des HSV nach Leverkusen endete nicht in einer großen Überraschung, die nach dem Trainerwechsel so sehr erhofft worden war. Mit 0:4 fuhren die Rothosen wieder zurück an die Elbe, immer noch auf dem Relegationsplatz 16 stehend. Die Hoffnung stirbt zuletzt, natürlich, aber wie will sich dieser HSV eigentlich noch retten? Im Westen wieder einmal nichts Neues, der HSV absolvierte sein 27. Saisonspiel und blieb dabei zum 16. Mal ohne eigenes Tor. Das ist auch rekordverdächtig. Die Mannschaft präsentierte sich nach wie vor nicht als eine Einheit, die auf Biegen und Brechen kämpft und sich noch retten will, irgendwie wirkte das Spiel dieser Hamburger Truppe ohne jeden Zusammenhang. Leverkusen musste nicht einmal eine besonders gute Leistung vollbringen, um den diesen schwachen HSV zu besiegen – es langte auch so locker und leicht zu diesem Heimsieg. Der HSV muss beten und hoffen, dass die entscheidenden Spiele erst noch kommen. Gegen Wolfsburg zum Beispiel am nächsten Sonnabend? Die Hoffnung stirbt . . . Lassen wir das.

 

Geändert, jedenfalls personell, hatte das Trainer-Gespann Peter Knäbel/Peter Hermann nichts – oder nicht viel. Erstaunlich für mich, deswegen nenne ich es mal zuerst, dass Pierre-Michel Lasogga immer noch nicht . . . Und dann meine „Nummer zwei“ der aktuellen HSV-Charts: Ivo Ilicevic durfte von Beginn an ran. Alle Achtung! Erst vor einer Woche bekam der früherer Lauterer den Laufpass, und nun soll er dem HSV die Kastanien aus dem Feier holen. Nun gut, wir werden mal abwarten, wie das gelingt. Wieder dabei: Matthias Ostrzolek – konnte man machen. Und auch Petr Jiracek auf der Doppelsechs neben Valon Behrami war okay, weil ich glaube, dass sich der Tscheche im Spiel zerreißt und immer alles gibt, gelegentlich sogar zu viel (in Sachen Foulspiel). Ohne Einsatz blieb auch Rafael van der Vaart, dessen USA-Pläne sich mit Kansas City wohl doch zerschlagen haben. Mal abwarten.

 

Bei Bayer Leverkusen saßen die früheren HSV-Spieler Hakan Calhanoglu und Heung-Min Son nur auf der Bank, neben ihnen die beiden „Hacker“ des Hinspiels, Spahic und Donati, der, wir erinnern uns, einmal Marcell Jansen ganz böse von den Beinen getreten hatte.
Natürlich war das Hinspiel noch in aller Munde, Leverkusen, allen voran Sportchef Rudi Völler, hatte sich damals (1:0 für den HSV – durch einen verwandelten Elfmeter von Rafael van der Vaart) wüst pöbelnd über die robuste Gangart des HSV beschwert. Dabei war die Bayer-Truppe keineswegs zurückhaltend, wenn es um Tritt etc. ging. Vielleicht hatte der HSV damals angefangen, mag ja sein, aber Leverkusen mischte dann „bestens“ mit. Und beschweren hätte sich nach der „Schlacht“ eigentlich keiner. Aber so ist Fußball.

 

Diesmal kam das erste „richtige“ Foul auch von einem Leverkusener. Toprak trampelte gleich mehrfach auf dem Knöchel von Ilicevic herum. Es gab zwar Freistoß, aber keine Karte für den Übeltreter. Die kassierte er erst Minuten danach, als er erneut gegen Ilicevic zutrat.
Was wohl der Herr Völler dazu sagen würde?

 

Zum Zeitpunkt der beiden Fouls stand es schon 1:0. Für Leverkusen. Weil der HSV mit Mann und Maus stürmte. Das ist wirklich so amateurhaft, man glaubt es kaum: Johan Djourou steht zehn Meter in der Bayer-Hälfte, spielt den nach einem HSV-Eckstoß abgewehrten Ball halbhoch quer zu Heiko Westermann, der kommt nicht ran – der Konter läuft. Und Bellarabi sprintet. Allen auf und davon. Und im Strafraum des HSV bedient er quer den mitgelaufenen Castro, der ohne Mühe vollendet. Es ist ja alles so bitter! „Ein geschenktes Tor!“ So definiert der Sky-Reporter diesen Treffer. Treffender kann man es nicht formulieren, aber beim HSV geht es immer ganz leicht, so etwas zu sagen, denn es werden immer Tore „verschenkt“. Entweder durch Unfähigkeit, Trotteligkeit oder durch Elfmeter, eventuell auch durch eine Dezimierung durch Rote Karten. Es ist unglaublich, es ist wirklich unglaublich. Diese Herren spielen gegen den Abstieg, und sie merken nichts. Muss ein Abstiegskandidat wie der HSV schon Fehler in der gegnerischen Hälfte machen, um ausgekontert zu werden? Das ist einfach nur erbärmlich, jämmerlich – traurig. Und Wahnsinn pur!

 

Der HSV merkt irgendwie nichts. Die Schlinge zieht sich immer strammer um den Hals, aber es scheint keiner zu bemerken, und so richtig dagegen an kämpft auch keiner. Es spielt sich alles so eben weg. Motto: Entweder packen wir es noch, oder wir packen es eben nicht. So auch das 0:2 in der 44. Minute. Der Ball war schon abgewehrt, aus dem HSV-Strafraum herausgeschlagen, die Kugel kommt zum halbrechts stehenden Castro, der schlägt wieder volley zur Mitte, und dort fliegt Kießling, der seit Jahr und Tag kein Tor mehr geschossen hat, heran – und köpft den Ball in die lange Ecke, unhaltbar für Rene Adler. Aufbauhilfe West. Kennt man ja auch vom HSV. Immer dort, wo jemand aufgebaut werden muss (wie diesmal Kießling), dort hilft der HSV! Prompt und zuverlässig. Man kann darauf wetten! Diesmal traf Kießling deshalb, weil Ivica Olic die Abseitsstellung aufhob. Die einzige Spitze des HSV rudelte so langsam aus dem Strafraum heraus – einfach zu langsam. Und als der Ball im Netz lag, trudelte Olic einfach weiter, ohne einen Blick zurück im Zorn zu riskieren. War ja auch klar, er musste den Ball beim Mittelanstoß ja auch zum Kollegen spielen, also ziemlich früh wieder am Anstoßkreis sein. Wieder ein verschenktes Tor . . . Zu einem absolut bescheidenen Zeitpunkt, so kurz vor der Pause.

 

Dabei war dem HSV nicht abzusprechen, dass er in Leverkusen mitspielen wollte. Mitunter sah das auch, in gewissen Szenen jedenfalls, nicht so übel aus, aber nach vorne geht nichts, und hinten gibt es immer wieder entscheidende und anfängerhafte Fehler. So spielt ein Absteiger, keine Frage.

 

Zum zweiten Durchgang hatten die Trainer (oder der Interimstrainer?) Lewis Holtby für Zoltan Stieber gebracht. Gebracht aber hat es nicht wirklich was. In Sachen Resultat ging der Schuss auch dann nach hinten los: Matthias Ostrzolek könnte hinten links weit klären, schießt aber einen Bayer-Profi an, der Ball kommt zu Bender, er läuft mit einem Lied auf den Lippen an Westermann vorbei, passt den Ball im Fünfmeterraum von der Torauslinie zurück zu Bender, der schießt, Adler pariert, aber im Nachschuss ist Kießling zur Stelle, er staubt ab – 3:0 (56.). Und weil alles so schön geklappt hat, spielt Leverkusen mit dem HSV beim 4:0 Jo-jo. Kießling am HSV-Strafraum zu Bellarabi, der schüttelt Marcelo Diaz ab, legt quer auf den freistehenden Castro, der vollendet mühelos (63.).

 

Sekunden danach die erste HSV-Chance! Jawollo, es hat sie gegeben. Nicolai Müller scheitert aber an Bayer-Schlussmann Leno. Und fast im Gegenzug köpft Leverkusens Papadopoulos den Ball nach einem Freistoß an den Pfosten des HSV-Tores – es war keine Kunst, denn er musste in dieser Szene nur (den einen Kopf kleineren) Holtby überspringen (67.).

 

Danach plätscherte das Spiel nur noch – mehr oder weniger – so still vor sich hin. Selbst der stimmgewaltige HSV-Anhang, der auf der Tribüne alles gegeben hatte, war dann am Ende aller Hoffnungen und hatte dann doch aufgegeben.
Drmic vergab noch frei vor Adler das 5:0 . . .

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami, Jiracek (60. Jiracek); Müller (67. Lasogga), Stieber (46. Holtby), Ilicevic; Olic.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler hielt das, was er halten konnte, und das war okay so.

 

Dennis Diekmeier präsentierte sich in Leverkusen weit unter Bestform – obwohl er bestimmt wollte.

 

Johan Djourou leitete den Untergang ein, auch danach nicht immer souverän.

 

Heiko Westermann ging mit unter, hatte nicht immer nur glückliche Momente.

 

Matthias Ostrzolek spielte mit, aber mehr auch nicht. Er hat eben keine Selbstvertrauen, woher sollte das auch kommen? Nach dieser Berg-und-Talfahrt!

 

Valon Behrami fiel nicht auf. Früher war er bestimmender, versuchte einiges, aber das scheint vorbei.

 

Petr Jiracek kämpfte, beging aber viele überflüssige Fouls – und nur dadurch fiel er auf.

 

Nicolai Müller hatte immerhin die einzige HSV-Tormöglichkeit (64.), umd dann nach einer erneut nur sehr, sehr blassen Vorstellung ausgewechselt zu werden.

 

Zoltan Stieber trat nur beim Schießen der Standards in Erscheinung – viel zu wenig.

 

Ivo Ilicevic wurde zu Beginn gleich mehrfach gefoult, danach war er kaum noch zu sehen, obwohl auch er sicherlich mehr zeigen wollte. Allein es blieb beim Vorhaben.

 

Ivica Olic war nur beim 0:2 zu sehen, als er Kießling das erste Tor gestattete.

 

Lewis Holtby (ab 46 Min. für Stieber) kam in ein „totes“ Spiel und bewirkte nichts mehr

 

Marcelo Diaz (ab 60. Min. für Jiracek) war kaum im Spiel, da wurde er von Bellarabi umkurvt – und es hieß 4:0. Immerhin, er war mal wieder dabei, und deswegen könnte er zu einem kleinen Strohhalm werden. Fußballerisch.

 

Pierre-Michel Lasogga (ab 67. Min. für Müller) durfte sich schon mal für den Schlussspurt in dieser Saison erwärmen. Mehr war nicht.
 

 

Das war es zunächst vom Spiel in Leverkusen. Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ aus unserem Auswärts-Heimspiel-Restaurant „Champs“ (Hamburg-Schnelsen/Burgwedel) zur Stelle sein, um über diese Partie zu sprechen. Unsere Gäste sind heute das HSV-Ehrenmitglied Olaf Kortmann, Mentaltrainier und früherer Volleyball-Bundestrainer, sowie unser „Matz abber“ „Lars49“, der diesmal nicht eingesprungen ist, sondern gewollt eingeladen wurde. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet.

 

17.26 Uhr

 

Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

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