0:1 nach großem Kampf – schade!
18. Mai 2013
Schade, schade, HSV! Trotz einer guten und teilweise starken Vorstellung vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena gab es gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen eine 0:1-Heimniederlage. Aus Europa ist nichts mehr geworden, diese Chance aber hatte der HSV schon Wochen vorher gegen Fürth, Augsburg oder Freiburg liegen lassen, aber an diesem 18. Mai 2013 hat die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink trotz allem und ganz sicher viele Freunde zurückerobert. Diesmal hat die Mannschaft beherzt gespielt, alles gegeben, alles versucht – und war leider in der Offensive etwas zu schwach besetzt. Natürlich kam dieser Endspurt etwas zu spät, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie willig ist, dass sie lebt, dass sie sich doch nicht aufgegeben hat. Trotz der erneuten Heimniederlage – die Fans feierten ihren HSV, und das hatte die Mannschaft diesmal auch verdient. Das haben die HSV-Anhänger ganz, ganz toll gemacht, ein riesiges Kompliment an die Zuschauer – an den 12. Mann. Großartig. Und ein toller, trotz allem gelungener Saisonabschluss. Und bitte an alle, die nun enttäuscht sind: Seid nicht zu traurig, geht nicht zu sehr und zu hart mit euren Lieblingen ins Gericht, heute haben sie alles versucht. Stadionsprecher „Lotto King Karl“ sagte es richtig: „Das war ein Mega-Spiel.“ Das war es.
Als um 15.41 Uhr auf der Anzeigentafel das 1:0 der Wolfsburger in Frankfurt erschien, lief im Spiel gegen Leverkusen gerade die elfte Minute. Genau genommen zehn Minuten und 41 Sekunden. Und das Stadion glich einem Tollhaus. Wird doch noch alles gut? Nach 19 Spielminuten und 51 Sekunden stand es dann in Hamburg immer noch 0:0, aber in Frankfurt sogar schon 0:2. „Hey, hey, hier kommt Hamburg“, skandierte der Norden lautstark. „Scholle“, der neben mir saß, zeigte mir seine Gänsehaut auf beiden Armen. Wahnsinn. Mir ging es ebenso. Welch eine Dramaturgie! Was für ein Krimi auf diesem seifigen, schmierigen Rasen, auf den fast alle Spieler mehrfach ausrutschten! Es muss unheimlich schwer gewesen sei, da stets das Gleichgewicht zu behaupten. Zudem musste ich während des Spiels immer an Thorsten Fink denken, der am Tag zuvor ja über die Qualität der Werkself gesagt hatte. Leverkusen hat da schon eine sehr, sehr feine Mannschaft beisammen, vor allem die Offensive ist ja wirklich erstklassig besetzt. Damit lässt sich schon prächtig Fußball spielen . . .
Die Stimmung in der Arena war hervorragend, alles bereit für das „Finale Furioso“. Nur fußballerisch war das noch nicht ganz das Gelbe vom Ei – aus Sicht des HSV. Leverkusen hatte in Person von Hegeler, als Slobodan Rajkovic zu spät zur Grätsche ansetzte – doch Rene Adler hielt den Schuss des Bayer-Stürmers bravourös. Statt 0:1 nur Eckstoß (9.) – zum Glück für den HSV. Torchancen blieben in diesem ersten Durchgang ohnehin Mangelware. Der HSV hatte zwei gute Möglichkeiten, etwas aufzubauen, als einmal Heung Min Son links auf der Torauslinie durchmarschierte, in der Mitte aber keinen Mitspieler fand, und als noch einmal Son links durch war, auf Dennis Aogo ablegte, doch der Schuss des Nationalspielers flog über das Bayer-Tor (39.)
Halbzeit. In der Pause sprach ich mit „Pipo“, der HSV-Neuerwerbung (aus dem ARD-„Frühstücksfernsehen), die ihre Beine noch immer in Gips trägt: Olli Dittrich. Natürlich. Der Comedian und HSV-Fan war angetan von den ersten 45 Minuten: „Das ist ganz sicher eines der besseren Heimspiele des HSV, da ist viel Tempo drin, man sieht, dass die Spieler wollen. Und bislang hat Wolfsburg ja super mitgemacht. Aber egal wie die Jagd nach Europa auch ausgehen wird, der HSV sollte sich auf jeden Fall mit einer guten, auf jeden Fall soliden Leistung aus dieser Saison verabschieden, das haben die großartigen Fans verdient. Und wenn es dann nicht für einen internationalen Startplatz gelangt hat, dann lag es nicht an dem heutigen Spiel, sondern zum Beispiel an den Auftritten gegen Fürth und Augsburg. Da hätte mehr kommen müssen.“ Eine großartige Bilanz, die „Dittsche“ da schon mal zur Pause gezogen hat.
Die ersten Möglichkeiten des zweiten Durchgangs hatte Leverkusen, vor allem der starke Hegeler. Und als Schürrle vor Adler aufkreuzte, faustete der HSV-Keeper den Ball in höchster Not in Feld zurück (57.). Der HSV drückte, der HSV kam, er das erlösende 1:0 wollte und wollte nicht fallen. Als Dennis Diekmeier von rechts flankte stieg in der Mitte Heiko Westermann der Kugel entgegen – und Lars Bender sprang dem HSV-Abwehrchef nur in den Rücken. Kein Elfmeter, Schiedsrichter Wolfgang Stark breitete beide Arme aus: „Nichts.“
Das traf auch für die HSV-Torstatistik zu: nichts. Leider. Und weil Leverkusen in der 90. Minuten traf, als Kießling allein auf Adler zugelaufen war (ein Bilderbuch-Konter), kam die heutige große Schlacht, die der HSV abgeliefert hatte, leider etwas zu spät. Trotz allem: Dieser HSV hat sich heute sehr gut verkauft – und er hat insgesamt eine gute Saison gespielt. Eine Saison, die Hoffnung auf bessere Zeiten macht. Ganz sicher. Auch wenn heute einige traurige HSV-Fans wieder meckern und zetern werden – das war insgesamt schon okay. Und, das ist vielleicht ein ganz kleiner Trost: Wolfsburg schaffte in Frankfurt letztlich doch nur ein 2:2, selbst ein HSV-Sieg hätte heute also nicht mehr gelangt . . .
Die Einzelkritik:
Rene Adler hielt wieder einmal sehr gut, war bärenstark, nur mit dem Fuß hatte er so seine (kleineren) Schwierigkeiten, den Ball sinnvoll nach vorne zu befördern, das wirkte mitunter doch wackelig. Aber das vergessen wir an diesem Tag mal schnell, denn er hielt ansonsten hervorragend. Note zwei.
Dennis Diekmeier war hinten und vorne zu finden, das machte Spaß, ihm zuzusehen – in dieser Verfassung wäre er tatsächlich ein Kandidat für den „amerikanische“ „Jogi“ Löw gewesen . . .
Heiko Westermann war bester Mann. Unfassbar, wo er überall den Ball eroberte, erahnte, wo er Löcher stopfte, wo er abblockte, wo er mit dem Kopf zur Stelle war, wo er grätschte, sich ganz lang machte – das ist einfach nur großartig. Und vorbildlich. Und dazu dann dieses Wahnsinns-Pensum! Klärte in der 66. Minute überragend vor dem leeren Tor und vor Hegeler. Note eins.
Slobodan Rajkovic begann fahrig, vielleicht auch nervös, aber nach 30 Minuten hatte er sich im Griff. Dann war das ganz solide, was er ablieferte – obwohl es sicher noch besser und souveräner ginge.
Marcell Jansen ging weite Wege, leitete einige gefährliche (oder im Ansatz gefährlich wirkende) Dinger ein, aber irgendwie wirkte er auch nicht bei 100 Prozent, als wenn er leicht angeschlagen war. Aber er biss sich durch.
Tomas Rincon ackerte wie ein Gaul, rauf und runter, quer und zurück, er gab alles und das machte ihn so wertvoll. Ganz, ganz großartig, der kleine „Popeye“!
Milan Badelj spielte nicht so auffällig, schloss seine Aktionen aber auch nicht immer besonders glücklich ab – er kann es besser. Obwohl er nicht groß abfiel. In der 67. Minute ausgewechselt.
Petr Jiracek zeigte sein großes Kämpferherz, rieb sich in heißen Zweikämpfen (in denen er und es tüchtig zur Sache ging) auf, zerstörte und trieb voran – sehr engagiert, gelegentlich übertrieb er die Härte – und er lag nicht immer richtig in Sachen Abspiel.
Dennis Aogo war von der ersten Sekunde an griffig und bissig, er ging mächtig zur Sache – eine Stütze der Mannschaft.
Rafael van der Vaart lief wie gewohnt sehr viel, aber es lief auch einiges an ihm vorbei. Ganz sicher wollte er, aber so richtig viele und vor allem gute Sachen gelangen ihm an diesem wichtigen Tag nicht.
Heung Min Son war der gefährlichste Mann in der HSV-Offensive, er hat, auch wenn er hin und wieder leichtere Fehler begeht, in dieser Saison unglaublich viel dazugelernt. Note drei.
Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Badelj) hatte leichte bis größere Schwierigkeiten, in diese Partie zu finden. Ein Einwechselspieler wird er wohl nicht mehr werden. Oder?
Maximilian Beister (ab 78. Min. für Aogo) wurde als Zusatz-Offensive ins Spiel geworfen und er machte auch richtig Dampf, aber er konnte es nicht mehr herbeiführen – das eine so sehr erhoffte Tor.
Ivo Ilicevic (ab 81. Min. für Aogo) sollte noch den entscheidenden Pass geben, die entscheidende Flanke – aber er schaffte es nicht mehr.
PS: Ein kleiner Hinweis für alle HSV-Fans: Morgen, Pfingstsonntag, zeigt der NDR nach dem Sportclub live (23 Uhr) die HSV-Nacht von Athen 1983, der Europapokal-Gewinn des HSV vom 25. Mai 1983 wird rauf und runter und kreuz und quer beleuchtet. Ein Muss für HSV-Anhänger.
So, jetzt geht sie gleich los, die Block-House-Talkrunde, „Matz-ab-live“. Zwei Gäste warten auf uns und natürlich auf euch. Einer davon ist Harry Bähre, der Bundesliga-Profi Nummer 001, und der zweite ist ebenfalls ein Hamburger Jung, nämlich Klaus Fock. Der frühere Stürmer kam einst, welch ein großes Kunststück, vom kleinen TuS Finkenwerder zum großen HSV, brachte es dann aber leider nur auf 25 Bundesliga-Spiele und fünf Tore. Wir werden natürlich über das Leverkusen-Spiel sprechen, über die Saison allgemein und über den HSV ganz speziell. Wäre super, wenn ihr uns eure Zeit schenken würdet, um dabei zu sein.
17.32 Uhr