Archiv für das Tag 'Diekmeier'

2:0 – Rudnevs kam, traf und ist der Held!

23. November 2014

Jo! Der HSV kann doch noch Heimspiele. Ausgerechnet gegen den Nordrivalen aus Bremen gab es einen 2:0-Erfolg zu feiern. Das gibt Luft – erst einmal. HSV-Trainer Joe Zinnbauer hatte viel riskiert, einige arrivierte Profis draußen gelassen, dafür Mohamed Gouaida aus der zweiten gebracht – der Plan ging auf. Glückwunsch, Trainer! Auch wenn der Sieg erst spät eingefahren wurde. „Schuld“ daran war auch Zinnbauer, denn der brachte in der 67. Minute Artjoms Rudnevs, und der traf dann auch prompt zum vorentscheidenden 1:0. Ein glückliches Händchen Zinnbauers. Lange Zeit aber war dieses 101. Nordderby auf ganz, ganz schwaches Spiel. Vor 57 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion, unter ihnen der ehemalige HSV-Held David Jarolim, überboten sich beide abstiegsgefährdeten Teams gegenseitig mit Fehlpässen und erschreckend schwachem Aktionen. Diesmal aber hatte der HSV das Glück auf seiner Seite – und er hatte einen Artjoms Rudnevs, der für die Wende in diesem eigentlich eher trostlosen Kick sorgte. Nun muss und sollte der HSV am Sonnabend in Augsburg einmal nachlegen – zwei Siege in Folge, davon dürfen die HSV-Fans auf jeden Fall mal sechs Tage lang träumen. Träumen! Man gönnt sich ja sonst nichts.

Für Abendblatt-Blogs


 

Mit Engelszungen, wild gestikulierend – so stand Joe Zinnbauer am Rande. Er kommentierte alles und jeden, riss sich den Hintern auf da draußen, dabei hätte es eigentlich umgekehrt sein müssen. Die da, die sich auf dem Rasen da abmühten, oft stümperhaft versuchten, den Ball an den eigenen Mann zu bringen, die hätten sich so bewegen müssen. Aber war es die Angst, Fehler zu machen? Lähmte diese Angst? Man versucht ja immer noch etwas Nettes zu finden, eine Erklärung für diese Art des Spitzen-Fußballs. Aber wer spielte denn da auch. Der Tabellensiebzehnte gegen den Dreizehnten.
Nach 30 erschreckenden Minuten gingen viele schon, sich ein, zwei oder auch mehr Bier zu holen. Oder etwas anderes.

Für Abendblatt-Blogs


Leben kam etwa nach einer halben Stunde – etwas – in die Bude. Gelb gab es für Dennis Diekmeier (32.), Sekunden danach eine Chance für den HSV. Tatsächlich eine Tormöglichkeit für Hamburg!
Lewis Holtby schoss aus elf Metern mit rechts, der frühere HSV-Torwart Wolf am Boden – gehalten.

 

Und danach wird es robust. Heiko Westermann wird im Luftkampf von Petersen beiseite geschoben, kein Pfiff. Dann drei Sekunden später, die Revanche des Zornigen. Westermann grätscht Hajrovic um. Und die Schiedsrichter sind nach dem Brutalo-Foul an Dortmunds Reus nun ganz sicher wachsamer geworden – der Unparteiische Zwayer gibt Gelb für den HSV-Abwehrmann, der mit sich und der Welt hadert. Der folgende Freistoß bringt Gefahr, denn Lukimya kommt aus sechs Metern zum Köpfen, doch Jaroslav Drobny hält mit Mühe.

 

Ansonsten Werder mit gefühlt drei Sieben-Mann-Ketten – oder waren es mehr? Und dann auf Konter lauernd. Und der HSV hielt mit Zufalles-Fußball dagegen. Aufbauen ist ja ohnehin nicht, also wird die Kugel, aus Verzweiflung, einfach mal nach vorne „gepikt“. Oder, so wie es früher war, ganz nach hinten. Wahnsinn. Das ist alles, nur kein Erstliga-Fußball. Aber gut, so stehen sie ja auch – beide Mannschaften. Es heißt ja oft so lapidar: Not gegen Elend, aber diesmal war das tatsächlich so.

 

Zur Pause nur ratlose Gesichter. Mit Verzweiflung gemischt. Und überall war man sich einig: „Das hat kein Erstliga-Format, das ist Fußball wie früher, das ist einfach und brutal zu wenig. Da spielen zwei Absteiger . . .“ War die Meinung aller – nach 45 Minuten. Aber alle (Hamburger) hofften doch noch auf ein Tor – und auf Besserung. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und gegen diese – ja auch ersatzgeschwächten – Bremer.
Schlecht war ja an diesem Zwischenstand auch, dass es nicht mal Ergebnisse von anderen Plätzen zu bestaunen gab. Also – es gab nichts, was es zu bestaunen gab.

 

Nicht mal das Spiel der Zweiten konnte erheitern, denn die verlor in Norderstedt 1:4 und kassierte damit ihre erste Saison-Niederlage. Bereits in der achten Minute war Torjäger Ahmet Arslan mit Rot vom Platz gestellt worden, später, beim Stande von 0:4, sah auch Matti Steinmann noch Gelb-Rot – und Nils Brüning verkürzte immerhin noch. Schade um diese tolle Serie –aber auch ein herzliches Dankeschön dafür, das hat Spaß gemacht.

 

Zurück zum Erstliga-Fußball von heute. In der zweiten Halbzeit spielte der HSV auf den Norden, und dort „brannte“ es, obwohl nur die Werder-Anhänger auf der Gegenseite mehrfach zündelten – sah super aus, Jungs! Kostet ja auch nicht euer Geld, und ihr habt es ja auch im Überfluss. Zudem bin ich ganz sicher, dass die hohen Herren in Frankfurt ein Auge zudrücken werden. Mindestens eines – sach ich mal so.

 

Zum Sportlichen:
Der HSV kam entschlossener aus der Kabine. Zinnbauer hatte offenbar eine gute Pause-Ansprache gehalten. Irgendwie wirkten die Hamburger etwas aufgeweckter. Diekmeier war besonders „griffig“, obwohl er schon seine fünfte Gelbe kassiert hatte (fehlt damit am Sonnabend in Augsburg) prallte er den Ball nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung gegen sich wütend auf den Boden. Das wäre normal noch einmal gelb gewesen, aber Felix Zwayer drückte beide Augen zu – Glück für den HSV (51.)

 

Und Pech eine Minute später. Matthias Ostrzolek flankte von links (endlich einmal gut!), am Fünfmeterraum stieg Nicolai Müller in die Luft – touchierte den Ball aber nur mit der Stirn. Der muss eigentlich rein, aber es passt eben zur Vier-Tore-Situation des HSV, dass ein solches Ding eben nicht drin ist. Es gab nur Eckball, weil ein Bremer danach in höchster Not rettete. Von Werder war zu der Zeit nicht viel zu sehen. Lediglich ein 22-Meter-Freistoß von Junuzovic sorgte für Gefahr, doch Drobny pflückte sich die Kugel und flog bildschön – für die Galerie. Muss man aber auch können! Und er kann es.

 

Dann kam Artjoms Rudnevs (für Holtby), und der Lette hatte gleich eine Szene! Flanke Ostrzolek, Kopfball Rudnevs. Eigentlich Kopfball Rudnevs. Unser „Rudi“ aber schulterte die Kugel, die dann im hohen Bogen aus zehn Metern weit und hoch am Werder-Tor vorbeiflog. Aber er kann es auch besser. Er hat es noch nicht verlernt. Einwurf des eingewechselten Ashton Götz, Werders Kukimya verlängerte unfreiwillig, und aus vier Metern grätscht „Rudi“ zum 1:0 ein – zum umjubelten 1:0. Die Erlösung in der 84. Minute.

 
Dann, mit einem Male, war es ein richtiges Fußballspiel. Die letzten zehn Minuten hatten es in sich. Torchancen auf Torchancen für den HSV, bei Werder hatte Fritz Gleb-Rot gesehen. Erst vergab Pierre-Michel Lasogga eine sehr gute Chance, am lange Eck vorbei. Dann liefen in der Nachspielzeit vier HSV-Spieler auf Torwart Wolf zu, Lasogga passte zur Mitte – Rudnevs wäre wohl im Abseits gewesen, aber Tolgay Arslan schnappte ihm die Kugel vom Fuß – und schoss den Ball aus drei Metern an den Innenpfosten. Am anderen Pfosten lag oder stand Keeper Wolf, schnappte sich den Ball – und fingerte ihn sich dann selbst ins Netz. Kurioser geht es nicht! Dass Rudnevs danach noch frei vor Wolf aufkreuzte, aber am Werder-Torwart scheiterte – wen juckte es morgen noch? 2:0 – gewonnen. Und endlich mal wieder die Nummer eins im Norden. Im hohen Norden jedenfalls.

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Behrami; Gouaida, van der Vaart (87. Min. Arslan), Müller (80. Min. Götz); Holtby (67. Min. Rudnevs); Lasogga.

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny wieder einmal ganz stark – eine absolute Bank!

 


Dennis Diekmeier
„brannte“ richtig, hängte sich rein – so will ihn Hamburg sehen. Auch nach vorne ging einiges, das war eine runde Sache.

 

Johan Djourou hatte einige „Wacke-Pässe“ drin, aber ansonsten ganz solide. Note drei.

 

Heiko Westermann war oft Turm in der Abwehr, auf ihn war Verlass – Note drei für den Nationalmannschafts-Hoffer.

 

Matthias Ostrzolek schlug einige gute Sachen von links zur Mitte, aber dennoch muss da noch mehr kommen! Note vier.

 

Valon Behrami war erneut ein guter Zerstörer, mit den Pässen nach vorn hat er es eben nicht so sehr – aber das mag noch kommen. Er kann ansonsten ja der Mannschaft schon sehr, sehr gut helfen.

 

Mohamed Gouaida begann etwas zögerlich, das war wohl die Nervosität, aber dann zeigte er durchaus, dass er nicht zu Unrecht bei den Profis mitspielen durfte. Das darf er auch beim nächsten Mal wieder.

 

Rafael van der Vaart bot eine ganz starke Partie, er kämpfte, er grätschte, er lief, er rannte – und er spielte einige sehr gute Pässe. Das war fast schon wieder der „alte van der Vaart“.

 

Nicolai Müller wollte viel, nicht alles gelang, er kann sicher auch noch mehr, aber insgesamt arbeitete er viel und gut für das Team.

 

Lewis Holtby
spielte 30 Minuten unterirdisch. Nichts gelang. Er verstolperte Bälle, er rutschte aus, das Spiel lief total an ihm vorbei. Dann kam er etwas, aber nicht so, wie wir es alle hoffen – und wie er es vor allem will.

 

Pierre-Michel Lasogga war lange nicht zu sehen, mit Rudnevs an seiner Seite taute er auf und legte zu. Note drei.

 

Artjoms Rudnevs (ab 67. Min. für Holtby) kam, sah, traf und siegte. Er war der gefeierte Mann an diesem Nachmittag, er brachte Leben in die Bude.

 

Ashton Götz (ab 80. Min. für Müller) legte das 1:0 auf – per Einwurf, aber immerhin. Er war nach der Einwechslung sofort „da“.

 

Tolgay Arslan (ab 87. Min. für van der Vaart) legte das 2:0 „vor“, das hatte schon etwas!

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle. „Scholle“ und ich freuen uns auf Euch, wir werden natürlich über das Spiel gegen Werder sprechen. Unsere Gäste sind die ehemaligen HSV-Torhüter Jürgen Stars und der heutige HSV-Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus.

 

17.45 Uhr

Nächste Einträge »