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Tah: “Mein Traum geht in Erfüllung!”

27. November 2013

Also, ich habe in diesen Tagen eigentlich alles erfahren, was wichtig ist. Sabia und Rafa bekommen ein Mädchen. Der Rafa ist ein toller Papa, sagt die Sabia. Er weiß noch nicht, wie das sein wird, seine Tochter zur Ballettstunde zu begleiten, sagt der Rafa. Die Slyvie hat den Rafa betrogen, hat die Sylvie gebeichtet. Vielleicht tut es ihr auch ein bisschen leid.

Das alles weiß ich jetzt und ich sehe schon die nächsten Schlagzeilen vor mir: „Rafa gesteht: es war die schwerste Zeit meines Lebens!“ – oder dann irgendwann, wenn alle gebeichtet haben: „Darum sind Sylvie und Sabia wieder beste Freundinnen!“ Was aber wirklich nicht mehr weit weg ist, könnte diese Überschrift sein: „Sabia hat dafür gesorgt, dass Rafas Fuß eine Wunderheilung hatte!“

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Zu dieser Wunderheilung könnte es wirklich kommen. Zwar nicht unbedingt durch die Freundin des HSV-Kapitäns, aber geht es nach Sportchef Oliver Kreuzer, dann ist Rafael van der Vaart schon in der kommenden Woche wieder am Ball. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Verletzung nicht so dramatisch ist“, so Kreuzer heute. „Eventuell gibt es für Rafa eine kleine Chance am kommenden Dienstag im Pokal gegen den 1. FC Köln.“ Damit hätte sich die ursprünglich prognostizierte Verletzungsdauer von vier Wochen in etwa halbiert.

Gut für den HSV. Wobei ich mich frage, welche Verletzung das eigentlich gewesen sein soll, bzw. wie sich ein Fuß drehen muss, um gleichzeitig einen Innen- sowie einen Außenbandanriss zu haben. Das habe ich nicht nur mich gefragt, sondern auch einen Arzt. „Diese Art Verletzung gibt es nicht“, war die Antwort. Was den Schluss nahelegt, dass eine der diagnostizierten Bänderverletzungen älter sein muss, und damit die “neue” Fußverletzung vom Länderspiel vergangenen Dienstag nicht so schlimm war. Klar, dass van der Vaarts Sprunggelenk nach 14 Jahren im Profigeschäft nicht mehr im optimalen Zustand ist.

Wie auch immer, dem HSV und allen Fans kann es ja nur recht sein, wenn der Star des Teams schneller wieder da ist als gedacht. Klar ist allerdings auch, dass es für van der Vaart noch nicht reichen wird beim Spiel in Wolfsburg am Freitag. „Das wird sicher nix“, so Sportchef Kreuzer.
Der Mann des Tages beim HSV war heute der jüngste im Kader – Jonathan Tah. Der HSV hat, wie erwartet, den Vertrag mit seinem hoffnungsvollsten Talent vorzeitig bis 2018 verlängert. Heute wurde diese Nachricht im Laufe des Tages offiziell bestätigt. „Wir freuen uns, dass uns das gelungen ist“, sagte Oliver Kreuzer nicht ohne Stolz.

„Jonathan hat Begehrlichkeiten geweckt bei anderen Bundesliga-Vereinen und im Ausland. Umso mehr freuen wir uns, dass er langfristig hier bleibt“, so Kreuzer weiter. „Er kann damit ein Vorbild sein für andere junge Spieler beim HSV, die sehen, dass wir auf die Jugend setzen. Diese Vertragsverlängerung kann Signalwirkung haben.“

Erleichtert und zufrieden zeigte sich auch Tah selbst. Erst im Januar hatte der HSV seinen Vertrag bis 2016 verlängert, nun um weitere zwei Jahre. „Ich fühle mich super“, lächelte Tah. „Mein Traum vom Profi-Fußball ist in Erfüllung gegangen. Ich denke, dass das Umfeld hier super ist für meine Entwicklung. Und ich freue mich natürlich auch über das Vertrauen des Vereins.“ Freilich musste der HSV bei der Vertragsverlängerung eine Klausel einbauen, die Tah ermöglicht, bei einem Angebot in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe den HSV zu verlassen. Aber so weit ist es ja zum Glück noch nicht.

Jonathan Tah hat auch eine Einschätzung seiner eigenen Entwicklung gegeben. Er ist da sehr zurückhaltend, was ja auch geboten und sympathisch ist. Schließlich steht er noch am Anfang einer vielversprechenden Karriere. „Ich lasse mich nicht so leicht ablenken und von außen beeinflussen“, gibt Tah das wieder, was man auch bei fast jedem Bundesligaspiel auf dem Platz sieht. „Außerdem habe ich meinen eigenen Kopf. Und mein Umfeld, Freunde und Familie, sorgt dafür, dass ich auf dem Boden bleibe.“ So weit, so gut. Und dann kam doch noch etwas in einem Nebensatz, was den brennenden Ehrgeiz des 17-Jährigen verrät, ohne den er noch nicht da wäre, wo er jetzt schon ist. „Ich möchte dahin, wohin noch fast keiner gekommen ist.“ Alles Gute auf diesem Weg.

Ganz bodenständig wird Tah im nächsten Sommer übrigens noch sein Fachabitur am Gymnasium Heidberg hinter sich bringen. „Die Noten sind nicht so gut, wie sie wären, wenn ich kein Fußball-Profi wäre“, gibt er lächelnd zu. „Aber ich werde das Fachabi schaffen.“

Die Lobeshymne auf den jüngsten HSV-Bundesligaspieler aller Zeiten rundete Trainer van Marwijk ab. „Er ist ein ganz ruhiger Junge, den nicht so schnell etwas durcheinander bringt. Es ist viel auf ihn eingeprasselt in den vergangenen Monaten. Er ist dabei ruhig geblieben, und das sagt schon etwas über seinen Charakter aus.“

Nach Dennis Diekmeier (bis 2016) ist Tah nun also der zweite Perspektiv-Spieler, der weiter gebunden werden konnte. Das spricht für Sportchef Oliver Kreuzer und seine Philosophie.

Apropos Diekmeier. Der Außenverteidiger ist ja nach seinem Mittelfußbruch immer noch verletzt. Bert van Marwijk erwartet ihn, wie er heute sagte, in diesem Jahr nicht mehr zurück auf dem Fußballplatz. Das gleiche gilt für Kerem Demirbay. Über van der Vaart haben wir bereits gesprochen – bleibt Petr Jiracek (Hüfte), der wieder ins Training eingestiegen ist, heute aber nur einen Teil der Einheit mitmachen konnte.

Damit sind wir dann auch schon bei der Vorbereitung auf die Partie am Freitag um 20.30 Uhr in der Wolfsburger Arena. Offen scheint nur zu sein, ob Tolgay Arslan nach abgesessener Gelb-Sperre wieder ins Team kommt für Tomas Rincon. Heute war Geheimtraining, und van Marwijk wollte sich, was diese Entscheidung angeht, noch nicht in die Karten schauen lassen. Eine 51:49-Tendenz, ein Bauchgefühl, spricht aus meiner Sicht für Arslan, denn Rincon war ja auch am Gegentor gegen Hannover 96 am vergangenen Sonntag beteiligt.

Durch das 3:1 gegen die Niedersachen habe sein Team jedenfalls Selbstvertrauen gewonnen. Zur dieser Einschätzung ließ sich Bert van Marwijk immerhin hinreißen. Ob das reicht, um die im Moment sehr starken Wölfe zu zähmen? „Ich wollte, ich könnte das vorhersagen. Aber das kann ich nicht“, so van Marwijk. „Wir müssen uns unglaublich gut vorbereiten und müssen an unserem oberen Level spielen. Ob und das gelingt, dafür kann ich keine Garantie abgeben. Das geht vielleicht nur, wenn wir gegen eine Schülermannschaft spielen. Oder eine Damen-Mannschaft…“

Der VfL Wolfsburg, zuletzt fünf Mal ohne Niederlage, fällt nicht unbedingt in diese Kategorie. Trotzdem gibt sich Sportchef Kreuzer selbstbewusst: „Ich hoffe, dass wir zum ersten Mal zwei Siege in Folge feiern können. Das ist auch machbar! Es ist ein Siel auf Augenhöhe. Diego ist bei den Wolfsburgern gesperrt, das muss für uns kein Nachteil sein. Wir fahren nach Wolfsburg, um zu gewinnen, ganz klar.“

Deutliche Worte von Oliver Kreuzer, der natürlich auch beim Blick auf die Tabelle erkennt, dass noch Punkte in der Hinrunde her müssen, damit der HSV in der Rückrunde eine Perspektive nach oben hat. Heimspiele gegen Augsburg und Mainz (da muss gewonnen werden) und Auswärts-Auftritte in Wolfsburg und bei den Bayern – sieben bis neun Punkte müssten schon mal her, um in der zweiten Saisonhälfte angreifen zu können. Vereinschef Carl Jarchow hat jüngst noch bestätigt, dass es offiziell bei der Zielsetzung „internationaler Fußball“ bleibe. Aktuell hat der HSV 15 Punkte. Sollten es Weihnachten nur 20 oder noch weniger sein, scheint der Angriff auf Platz sechs oder sieben sehr ambitioniert, wenn nicht illusorisch zu werden.

Im Stadion-Restaurant „Die Raute“ beginnt in wenigen Minuten eine Info-Veranstaltung über den Stand des Campus-Projekts. Vorstand Joachim Hilke wird referieren. Für schnell Entschlossene: noch sind ein paar Sitzplätze frei! Eine Schautafel ist schon zu erkennen, wo das Areal des neuen Gebäudes zu erkennen ist. In den vergangenen Wochen wurde immer wieder spekuliert, der Baubeginn werde sich verzögern. Zwei Knackpunkte gibt es dabei: Der Bauantrag, der – so sagte es Sportsenator Michael Neumann am Montag auf der „Hamburg Soiree“ – kurz vor der Genehmigungsreife stehe. Und dann ist da die Frage, ob der HSV das Gelände von der Stadt erhält, oder es nur als Erbpacht übertragen bekommt. Entscheidung offen. So oder so: Vereins-Chef Jarchow hat zuletzt immer wieder betont, im Februar 2014 werde der erste Spatenstich erfolgen. Warten wir es ab.

Morgen wird, im Gegensatz zu heute, wieder öffentlich trainiert – und zwar um 13 Uhr. Anschließend fahren die Profis mit dem Bus nach Wolfsburg, wo sie zuletzt 2011 gewonnen haben.

Bis zum nächsten Mal
Lars

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Nachtrag: Auf der Info-Veranstaltung zum Campus-Projekt sagte Marketing-Vorstand Joachim Hilke, der Spatenstich des “HSV-Campus” erfolge im “ersten Halbjahr 2014″. Vom Februar ist nun nicht mehr die Rede. Das der Vollständigkeit halber.
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