Archiv für das Tag 'Demel'

Bruma mag die deutsche Disziplin

10. Juli 2011

Joe Cole soll zum HSV kommen. Habe ich hier in Österreich im Videotext gelesen. Und im Videotext stand auch, dass Cole beim FC Liverpool 100 000 Euro pro Woche verdient. Nur. Zum Glück ist das nicht eine Null mehr am Ende, denn eine Million pro Woche kann der HSV sicher nicht zahlen. 100 000 pro Woche schon. Oder? Wenn ja, dann könnte aber der zusätzlich geplante Transfer von Rafael van der Vaart doch noch scheitern . . . Nein, nein, liebe Freunde des HSV, bitte, bitte, bitte, werdet eines Tages doch zu Realisten. Es wird keinen Cole geben, keine van der Vaart zurück, und keinen anderen Weltstar. Die bittere Realität sieht anders aus: Die Kassen sind leer. Und wer das immer noch nicht begreift, wer das immer noch nicht wahrhaben will, der ist ein Träumer.

Aber 100 000 Euro die Woche sind ja jetzt auch nicht das Thema. Das ist dann doch eher das Trainingslager im Zillertal. „Ihr müsst laufen, wir könn’ saufen!“ So das Motto einiger HSV-Fans, die dieses Motto lauthals während der zweiten Einheit verkündeten. Und zwar immer dann, wenn die Spieler an ihnen vorbei laufen mussten. Das ist doch mal eine moralische Unterstützung, die sich hören lassen kann. Obwohl ein ranghoher HSVer heute hinter der vorgehaltenen Hand sagte: „Das ist sicher keine gute Werbung für den HSV.“

Aber genug zu diesem Thema. Es wurde am Nachmittag nämlich auch gejubelt. Bei den Torschussübungen. Da wurden beispielsweise Mladen Petric und David Jarolim gefeiert, wenn sie ins Tor trafen. Der Mann aber, der vor allem im Blickpunkt stand, war Heung Min Son. Wenn der Südkoreaner traf, und er traf nicht selten gegen Tom Mickel und Wolfgang Hesl (der viele gute Paraden zeigte!), dann flippte das Publikum aus – und auch Son. Er jubelte stets so, als hätte er soeben in der 89. Minute zum 2:1 gegen Bayern München getroffen. Herrlich. Und super diese Stimmung. Die Spieler müssen einiges tun, aber es mosert keiner, es lässt sich keiner hängen. Und ich kann es nur noch einmal sagen: Michael Mancienne, der im Training im Volkspark eher einen lauen Eindruck hinterlassen hat (auf mich), der zeigt sich hier ebenfalls sehr engagiert. Konnte doch auch nicht sein, dass er so einen Vertrag beim FC Chelsea erhalten hätte . . . Es war wohl das harte Training, das ihm so zugesetzt hat – und nun hat er sich (wohl) daran gewöhnt.

Beim zweiten Training in Hippach fehlte Jaroslav Drobny (Rippenprellung), zudem liefen Marcell Jansen und Änis Ben-Hatira nur einige Runden. Es fehlte auch Jeffrey Bruma, der unter einer Achillessehnenreizung leidet. Mit dem niederländischen Nationalspieler sprachen wir heute, er konnte in Ingolstadt, ich schreibe es gerne auch noch ein drittes Mal, auf Anhieb überzeugen. Und der 19-jährige Abwehrspieler war mit seiner Leiszung auch ganz zufrieden: „Die erste Halbzeit war gut, in der zweiten Halbzeit wurden einige Spieler aufgrund des harten Trainings dann müde. Wir sahen bei den beiden Gegentoren nicht gut aus, daran müssen wir arbeiten.“

Wobei es ja nicht nur die beiden FC-Tore waren, denn der Zweitliga-Klub hatte ja durchaus die eine oder andere große Möglichkeit mehr. Bruma hatte erstmalig beim HSV mit seinem ehemaligen Chelsea-Teamkollegen Mancienne in der Innenverteidigung gespielt. Kommentar von Trainer Michael Oenning: „Beide begannen ein wenig nervös, aber fingen sich nach den ersten gelungenen Aktionen. Das konnte sich durchaus sehenlassen.“

Bruma spricht schon ganz gut Deutsch. Er hat es einst in der Schule gelernt. Er staunt im Moment über das harte Training beim HSV: „Das kenne ich nicht, dass man dreimal am Tag trainiert. Aber es ist gut, wir werden dadurch sicher sehr fit.“ Und er sagt: „In Deutschland wird viel Wert auf Disziplin gelegt, das kenne ich in dieser strikten Form auch nicht. In England musste niemand bezahlen, wenn er mal fünf Minuten zu spät kam. Ich finde es aber durchaus gut, diese Disziplin.“

Von meinen Kollegen wurde Bruma in Ingolstadt mit dem früheren HSVer Khalid Boulahrouz verglichen, seinem Landsmann, einige Fans sahen in Bruma aber auch einen „neuen Jerome Boateng“.

Den HSV hat Bruma in der vergangenen Saison mehrfach gesehen – als er wusste, dass er nach Hamburg wechseln könnte. „Die Bundesliga ist stark, es wird viel gelaufen“, sagt der WM-Teilnehmer von 2010 und ergänzt: „Ich will mir einen Stammplatz beim HSV erkämpfen, um mich weiter für die Nationalmannschaft zu empfehlen.“

Das wird ihm, die Leistung in Ingolstadt zum Maßstab genommen, wohl auch erreichen. Er spielt für sein Alter schon unglaublich abgeklärt, souverän und mit einem guten Blick für die Situation. Und er macht körperlich schon einen kräftigen Eindruck, Bruma ist kein Typ, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt.

Aber genau deswegen hat ihn Frank Arnesen wohl auch zum HSV geholt. Der Sportchef ist mit ins Trainingslager gekommen, hatte ja zuletzt in Brasilien versucht, den Noch-HSVer Alex Silva zu verkaufen. Was noch immer nicht gelungen ist: „Ich bin noch müde von diesem Trip, wir haben viel geredet, aber es ist sehr kompliziert, Silva zu verkaufen.“ Weil vier Parteien mitreden wollen. Zwei Berater, dazu der Klub Flamengo und der HSV. Arnesen: „Das braucht noch seine Zeit, aber alle wissen, dass wir etwas tun müssen, denn am 22. Juli schließt das Transferfenster in Brasilien.“ Bis dahin muss also eine Entscheidung gefallen sein.

Noch kein Angebot gibt es für Guy Demel, der zurzeit bei der HSV-Regionalliga-Mannschaft trainieren muss. Ob Ciljan Skjelbred noch während des Sommers zum HSV kommen wird, hängt allein von Rosenborg Trondheim ab. Arnesen: „Rosenborg hat zehn Spiele im Juli, darunter die Champions-League-Qualifikation, deshalb wird er kaum vor August zu uns stoßen können. Skjelberg selbst will so schnell nach Hamburg kommen, er freut sich auf Hamburg, hat Lust, für den HSV zu spielen – und genau solche Spieler wollen wir ja. Spieler, die Lust haben für den HSV zu spielen.“

In Kontakt steht Arnesen, steht auch Michael Oenning mit den beiden Spielern, die an der Copa America teilnehmen. Paolo Guerrero ist einer der großen Stars bisher, weil er für Peru schon zwei Tore schoss, die drei Punkte bedeuteten. Und auch Tomas Rincon hat bislang viele gute, sogar überragende Kritiken erhalten. Vielleicht schafft er ja auch in dieser Saison den Durchbruch. Beim HSV natürlich. Schön wäre es ja.

So, zum Schluss noch einmal einen Blick zurück: Der 37-jährige Ze Roberto wollte ja gerne einen Zwei-Jahres-Vertrag (vom HSV, von anderen Klubs), jetzt hat er ihn. Der „große Ze“ wechselt nach Katar, spielt künftig für den Weltklub Al-Gharafa. Zwei Jahre. Mindestens.

Gute Nacht aus dem Zillertal

20.01 Uhr

1:5 gegen Wolfsburg – Arnesen vor Schwerstarbeit

3. Juli 2011

Frank Arnesen war müde. Nach einer langen Nacht, die in der Imtech-Arena mit dem Box-Kampf Klitschos gegen David Haye seinen Höhepunkt fand, hatte der 54-Jährige nur wenig Schlaf gefunden. „Ich war ein wenig enttäuscht von Haye“, fand Arnesen, „denn Wladimir hat den Kampf von Anfang bis Ende kontrolliert. Aber für mich als Box-Fan war das dennoch eine begeisternde Erfahrung, sowas in unserem Stadion mitzuerleben.“ Dass er dadurch erst um 1.30 Uhr ins Bett kam und sich schon am heutigen Morgen wieder um das Tagesgeschäft kümmern musste – für Arnesen normal. „Viel Schlaf bekomme ich im Moment eh nicht.“

Top des Tages war für den dänischen HSV-Sportchef heute Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr gen Frankreich geflogen ist, um sich dort bei seinem potenziell neuen Arbeitgeber Stade Rennes vorzustellen. Arnesen: „Er bleibt auch am Montag noch dort, um sich alles anzusehen und letzte Details zu klären.“ Zwischen dem HSV und den Franzosen ist die Ablösesumme (3,5 Millionen Euro) geklärt, einzig um etwaige Leistungsprämien wird noch verhandelt. Dennoch gibt sich Arnesen optimistisch. „Wir haben lange mit Rennes gesprochen, uns vorher auch mit Pit intensiv unterhalten.“ Ergebnis sei gewesen, dass der HSV den Burkinaben abgeben wolle, Pitroipa selbst gehen will und Rennes großes Interesse hat. „In den nächsten zwei bis drei Tagen werden wir ein endgültiges Ergebnis haben“, kündigt Arnesen an.

Etwas weiter davon entfernt ist Arnesen bei Guy Demel („Aus England kommt das bisher beste Angebot“) sowie mit Alex Silva. Der Brasilianer hat noch immer keinen neuen Verein gefunden, der bereit ist, die kolportierten vier bis fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Innenverteidiger zu zahlen. „Ich werde voraussichtlich am Dienstag nach Brasilien fliegen und mich dort mit Silva sowie seinem Berater Juan Figer treffen“, sagt Arnesen, der weiter einen Verkauf des 25-jährigen Innenverteidigers priorisiert.

Lieber gestern statt morgen würde Arnesen den Vertrag mit Mladen Petric verlängern. Und geht es nach dem Dänen, so dürfen die HSV-Fans sich berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib des Torjägers machen. „Ich habe mich vor drei Tagen mit Mladens Berater Volker Struth getroffen und ein sehr, sehr gutes Gespräch geführt. Ich bin optimistisch, dass wir weiterkommen. Mladen will noch ein paar Tage nachdenken, aber auch er war sehr positiv. Alles geht in eine sehr gute Richtung, ich bin sehr zufrieden“, sagt Arnesen. Petric wurde dabei eine absolute Führungsrolle in Aussicht gestellt, zudem geht der HSV finanziell bis an seine Grenzen. „Mladen ist ein großer Spieler, da müssen wir an unser Limit gehen“, sagt Arnesen, der sich in den nächsten Tagen auch um den noch immer gesuchten offensiven Mittelfeldspieler kümmern will und wird. „Wir haben einige Kandidaten und sind mit dem Topkandidaten schon weit“, frohlockt der Däne, der ein Ergebnis in den nächsten sieben Tagen für wahrscheinlich hält. Arnesen weiter: „Der Spieler will zu uns, der Verein kann sich vorstellen, ihn abzugeben. Aber endgültig geklärt ist der Deal noch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten sieben Tagen eine Entscheidung haben.“

Entschieden ist dagegen das Spiel gegen Wolfsburg. Klar mit 1:5 sind die Oenning-Mannen vor offiziell 4600 Zuschauern (Freikarten führten zu einem deutlich besser gefüllten Flensburg-08-Stadion) unter die Räder gekommen. Wobei es zur Halbzeit noch 1:1 stand und auch nicht annähernd so deutlich war, wie man es anhand der Aufstellung vor der Partie hätte vermuten können. Ohne acht potenzielle Stammspieler hatte der HSV „nach einer anstrengenden Trainingswoche“ (Oenning) in den zweiten 45 Minuten nichts mehr entgegenzusetzen. Heung Min Son hatte den HSV in der achten Minute in Führung geschossen, Lakic hatte in der 15. Minute ausgeglichen. Scheidhauer (46.), Mandzukic und zweimal Tuncay Sanli (74., 85.) trafen in der zweiten Hälfte für die Niedersachsen.

Und während zumindest die Offensive in Ansätzen mit schnellem Spiel in die Spitze zu gefallen wusste, schwamm die Defensive immer wieder. Diekmeier, der heute schwache Westermann, ein mit zunehmender Spieldauer immer überforderterer Sternberg und Jansen auf links bekamen die Wölfe nur schwer in Griff. Zudem griff das 4-3-3-System mit Jarolim und Besic nicht. Im Gegenteil, gerade der sehr bemühte Besic brachte die eigene Abwehr mit Fehlpässen immer wieder in Bedrängnis. „Das Ergebnis ist für mich Nebensache“, maß Oenning der Niederlage nicht zu viel Wert bei.

Dennoch sah auch Oenning, dass die Mannschaft so noch nicht bundesligatauglich ist. „Für uns dürfte die Bundesliga morgen noch nicht beginnen“, so der HSV-Coach, „diese Niederlage war für unsere jungen Spieler eine direkte Rückmeldung.“ Womit insbesondere Sternberg, Ben-Hatira, die eingewechselten Ingreso, Nagy und Töre gemeint sein dürften. Letztgenannter war noch vor dem Spiel von Arnesen persönlich in Schutz genommen worden, nachdem er im Trainingslager mit der einen oder anderen Diva-Phase für Aufsehen gesorgt hatte. „Töre ist ein Türke und hat rote Haare – das sagt doch schon, dass er spezial ist“, sagt Arnesen, „er muss sich ganz sicher erst einmal gewöhnen, sich mit seinem neuen Umfeld anfreunden. Klar ist, dass wir ihn führen müssen, dass er unsere Hilfe und die der erfahreneren Spieler braucht. Aber er ist ein super Typ, der außergewöhnliches Talent hat. Und das dürfen wir ihm nicht nehmen.“ Nun gut, es ist erst eine Woche absolviert, zu früh um den Stab über Töre zu brechen.

Im Spiel heute konnte der Deutsch-Türke allerdings nichts bewirken. Im 4-3-3-System ab der 55. Minute für den heute sehr offensiven Kacar eingewechselt, versuchte sich Töre zuerst auf der Zehn, anschließend als Son-Ersatz in der Spitze. Alles ohne Torschussvorlage geschweigen denn einen eigenen Abschluss.

Allerdings reihte sich Töre damit nur in eine sehr passive, ideen- und teilweise kraftlos wirkende Vorstellung seiner neuen Mannschaft ein. „Man hat erkannt, dass wir noch lange nicht auf Niveau sind“, resümierte Oenning, „wir gehen momentan auf der Felge.“ Deshalb soll die Mannschaft am Montag und Dienstag frei bekommen, um zu regenerieren. Und für den einen oder anderen Nachwuchsspieler dürfte die Zeit wichtig sein, um neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. „Unsere Mannschaft war heute sehr jung und unerfahren“, nahm Oenning sein Team am Ende ein wenig in Schutz. Viel mehr geärgert habe ihn die zweifellos überharte Gangart der Wolfsburger beim Sparda-Cup. Insbesondere das üble und allemal rotwürdige Foul von Dejagah gegen den besten HSVer, Tolgay Arslan, sorgte überall für Unverständnis. Und da sich auch Westermann (Tritt in die Wade) sowie Son (Schlag aufs Schienbein) verletzten, hatte die hohe Niederlage einen noch bittereren Beigeschmack. „Bislang waren wir unfallfrei durch die Woche gekommen“, so Oenning, „deshalb sind diese unnötigen Verletzungen, die alle nach Foulspielen zustande kamen, umso ärgerlicher.“

Insgesamt ein ärgerlicher Ausklang einer bis dahin sehr intensiven Trainingswoche für den HSV, die ob der fehlenden Spieler (Petric, Guerrero sowie den noch nicht eingesetzten Elia, Aogo, Bruma, Mancienne, Tesche und Sala (Muskelbeschwerden) noch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Denn klar ist, zumindest wenn man den Worten Arnesens glauben darf, dass die Mannschaft spätestens zum Trainingslager im Zillertal in der kommenden Woche (9. Bis 16. Juli) ein anderes Gesicht haben dürfte.

In diesem Sinne, es geht weiter.

HSV gegen Wolfsburg: Drobny – Diekmeier, Westermann (70. Nagy), Sternberg, Jansen – Besic, Kacar (55. Töre), Jarolim – Ben-Hatira, Son (81. Ingreso) Arslan (78. Bertram).

Scholle

Arnesen: “Uns fehlt noch ein Kreativer”

22. Juni 2011

Dunkle Anzughose, hellblaues Hemd und ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht – Frank Arnesen sah heute mal wieder genau so aus, wie wirklich immer, wenn wir ihn zu Gesicht bekommen. Das Einzige, was fehlte, war sein Jackett mit den Flicken an den Ärmeln, wie mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Linne, entschuldige!) völlig berechtigt anmerkte. Neu waren allerdings einige Dinge, die er uns heute offenbarte.

Zuerst ging es natürlich darum, inwieweit der HSV-Sportchef mit dem bisherigen Verlauf der Transfers zufrieden ist. Und er antwortete, er sei grundsätzlich zufrieden, da er bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg im Klaren darüber gewesen sei, dass viele Spieler gehen würden, demnach auch viele Neue geholt werden müssten und er damit vor einem Mammutwerk stünde. „Bislang sind acht Spieler gegangen und vier Neue geholt. Also: Wir wollen auf jeden Fall noch etwas machen.“

Muss der HSV auch. Das sieht auch Arnesen so. „Bislang haben wir junge Leute geholt. Drei davon sind gerade mal 19 Jahre alt. Sala und Töre brauchen sicherlich noch ein Jahr, um sich optimal zu entwickeln. Das müssen wir ihnen geben, mit ihnen Geduld haben. Insgesamt wird unser Kader deutlich jünger. Und ich denke, dass das gut so ist.“ Ob es auch schon gut genug ist, um Ziele zu formulieren? „Wir nehmen ein hohes Risiko – aber ich habe Vertrauen“, so Arnesen, der insbesondere auf Michael Oenning als Cheftrainer setzt: „Er hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann.“

Arnesen hat einen Plan. Das merkt man. Gestern hat er intensiv mit Eljero Elias Berater gesprochen und deutlich gemacht, dass der HSV den Niederländer nicht abgeben will und wird. „Ich hatte auch vor der Sommerpause mit Eljero selbst telefoniert und er hat mir gesagt, dass er zu 100 Prozent zum HSV steht. Er weiß, dass wir ihn nicht abgeben wollen.“

Und da auch Romeo Castelen vom Mannschaftsarzt als 100-prozentig fit erklärt wurde und einen neuen, leistungsbezogenen Einjahresvertrag bekommt, sieht sich Arnesen gewappnet. „Wir sind defensiv und auf den Außenbahnen gut aufgestellt. Wir suchen jetzt in erster Linie noch einen Kreativen, haben da einige Kandidaten.“ Sogar einen, der in die ganz enge Auswahl kommt. „Aber bevor ich hier einen Namen nenne, muss ich erst mit dem abgebenden Verein sprechen.“ Klar sei, dass der HSV künftig offensiver spielen, attraktiver spielen will. „Unser System wäre bei der Besetzung fast logisch ein 4-3-3-System“, so Arnesen, der dieses auch in der Jugend spielen lassen will. „Ich habe mit Paul Meier gesprochen und wir sind uns einig, ein 4-3-3-System mit einem Zehner spielen lassen zu wollen.“ Denn, und das ist Arnesens Hintergedanke, „jeder Flankenspieler kann auch im Mittelfeld spielen – aber nicht jeder Mittelfeldspieler kann auch die Außenbahn spielen“.

Und wo wir gerade bei der Jugend sind, hier gibt’s doch noch eine kleine Überraschung. Zuletzt galt der noch von Urs Siegenthaler inthronisierte Schweizer Paul Meier als Jugendchef als gescheitert. Jetzt aber die Wende: „Ich habe lange mit Paul gesprochen und gesehen, dass er einen sehr guten Plan hat“, sagt Arnesen, „wir werden uns das jetzt in den nächsten Monaten ansehen und dann noch mal unterhalten.“ Dafür soll Meier jetzt im Gegensatz zur bisherigen Zeit beim HSV auch sonnabends in Hamburg weilen, dafür sonn- und montags seine Familie in der Heimat besuchen können. „Das ist auch noch nicht ganz optimal, aber okay“, so Arnesen.

Was aus Bastian Reinhardt wird, der ja eigentlich gerade erst zum Jugendchef berufen wurde? Arnesen diplomatisch: „Basti wird sich um die technischen Dinge kümmern und die Schnittstelle zwischen U19 und U23 bilden.“ Denn Letztgenannte werden jetzt definitiv ab dem 1. August neben den Profis an der Imtech-Arena trainieren. „Basti kümmert sich um Verträge und die Koordination, Paul Meier ist für die sportliche Ausbildung von Spielern und Trainern verantwortlich“, erklärt Arnesen.

Nun denn, zurück zum Profibereich. Hier gibt es noch viele Baustellen. Eine davon wird oder wurde vielleicht sogar schon abgearbeitet: David Rozehnal wechselt zum OSC Lille und unterschreibt bei den Franzosen einen vertrag bis 2014. Glückwunsch dafür an David! Auch an den HSV? „Ja“, sagt Arnesen, „wir kriegen zwar nicht viel, aber es ist okay. Und wir brauchen jeden Cent. Deshalb sind wir zufrieden.“

Und auch bei Alex Silva hofft Arnesen auf baldigen Geldsegen. „Ich habe mich am Dienstag mit seinem Berater getroffen und es gibt drei Interessenten in Brasilien“, erklärt Arnesen, „und er will gern in Brasilien bleiben.“ Zwar liegt Silvas aktueller Klub Sao Paulo im Clinch mit dem Innenverteidiger und hat von einem Kauf inzwischen Abstand genommen, dennoch ist ein Verkauf des Defensivmannes nach Brasilien nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Priorität hat weiterhin ein Verkauf“, so Arnesen, der damit allerdings auch einen weiteren Verleih nicht ausschließt. Geklärt sein muss das allerdings bis zum 15. Juli (obwohl Silva bis zum 31. Juli einen Vertrag bei Sao Paulo hat), weil dann in Brasilien die Transferperiode endet.

Eine weitere Baustelle ist Guy Demel, für den es jetzt drei Angebote aus England geben soll. „Ich habe mich lange mit Guys Berater unterhalten und er hat mir von den Interessenten berichtet“, sagt Arnesen, „es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch vor dem Trainingsstart einen neuen Klub findet.“ Für die entsprechende Ablösesumme wohlgemerkt.

Sollte die stimmen, dürfte auch der Transfer von Jonathan Pitroipa schnell über die Bühne gehen. Arnesen bestätigte die Anfrage von Stade Rennes, „aber ein offizielles Angebot liegt uns bis heute nicht vor“. Und da der HSV den pfeilschnellen Außenstürmer nicht unbedingt abgeben will, ist auch dessen Verbleib nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. „Kommt nichts, ist das auch nicht schlimm“, sagt Arnesen, wohlwissend, dass die Millionen bei der Suche nach einem Kreativspieler helfen würden.

Auch deshalb gilt für den HSV: abwarten. „Noch hat sich wenig bewegt auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, der auch den Kauf eines arrivierten Spielers ins Auge gefasst hat – dafür aber wie erwähnt erst noch Geld durch Verkäufe einholen will/muss. „und dann müssen wir im richtigen Moment am richtigen Fleck sein.“

Und dann gab Arnesen – fast nebenbei – das Saisonmotto aus: „Die älteren, erfahrenen Spieler wie Drobny, Jarolim, Aogo, heiko Westermann und Mladen Petric sind unsere Achse. Sie müssen stehen, während die jungen Spieler immer wieder lernen dürfen müssen und Fehler machen dürfen.“

Selbst der harte Saisonstart stört Arnesen nicht. Im Gegenteil, er macht auf Optimismus. „Das erste Spiel zu haben, wo nur wir und keiner sonst spielen, ist fantastisch. Vor 80000 in Dortmund, dazu 8000 eigene Fans im Stadion – besser geht’s kaum.“ Dass ein solcher Start auch Druck ausübt, ist für den Alt-Internationalen kein besonderes Thema. „Wir haben immer Druck, ganz klar. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen, sondern müssen mit ihm umgehen. Und das bedeutet, Druck in Energie umzusetzen.“

Klingt gut. Wie so ziemlich alles, was Arnesen bislang von sich gibt.

In diesem Sinne, bis Freitag. Morgen ist Dieter für Euch da.

Scholle
17 Uhr

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Mickael Tavares darf ablösefrei wechseln. „Es gibt Interessenten“, so Arnesen, der hofft, den Transfer schon in den nächsten Tagen abwickeln zu können.

P.P.S.: Der Termin für den Saisonauftakt steht. Am Sonntag um 14 Uhr (an oder in der Imtech-Arena) wird Oenning die erste Einheit der neuen Saison leiten.

Das Transferkarussell nimmt Fahrt auf

20. Juni 2011

Sie lieben ihn alle. Was mich und viele von Euch mit Sicherheit nicht verwundert. Aber ich wollte es hier mal anbringen, weil sich mein Kollege Reinhard Franke von der Münchner „AZ“ so euphorisch bei mir bedankte. Zum einen, weil wir in der Zeit, wo Collos Wechsel bekannt wurde, gut zusammengearbeitet haben. Zum anderen aber, weil Collo jetzt Münchener ist. Er hat sich bei mir quasi stellvertretend für das „Ziehenlassen“ bedankt. „Ein sensationeller Typ“, schwärmt Franke, „einen so netten Kerl hatten wir hier lange nicht mehr.“ Und da Collin nachweislich auch ein guter (für die Zweite Liga allemal ein sehr guter!) Spieler ist, passt bei 1860 München alles.

Schon als Collin um 9.15 Uhr zusammen mit seinem alten HSV- und neuen 1860-Kameraden Benny Lauth das Trainingsgelände betrat, warteten die Fans, die zum Trainingsauftakt des aufstrebenden Zweitligisten gekommen waren. Sie mussten sich allerdings zuerst noch gedulden, denn vor dem ersten Training der neuen Saison musste Collo noch seinen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterschreiben. Als das erledigt war, ging es für den ehemaligen Publikumsliebling des HSV gleich in die Vollen: 1860-Trainer Reiner Maurer hatte Zirkeltraining angesetzt. Und er zeigte sich begeistert vom Transfer des 32-Jährigen. „Collin ist vielseitig einsetzbar und hat in der Bundesliga wie international schon eine Menge Erfahrungen sammeln können. Er ist die ideale Ergänzung für unser junges Team.“ Wobei Maurer „Ergänzung“ nicht mit „Reserve“, sondern mit „passend zum Rest“ verstanden wissen will.

Nun ist er also weg. Und ich freue mich für Collo, weil er sich – wie viele andere Ex-HSVer auch, klar! – hier acht jahrelang tadellos verhalten hat. Und wenn es etwas Gerechtigkeit in dem sonst so skrupel- und herzlosen Profigeschäft gibt, dann die, dass Collo einen guten Verein gefunden hat und hoffentlich noch ein, zwei schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler absolviert. Und darauf deutet im Moment alles hin.

Hinweise auf einen möglichen Vereinswechsel gab und gibt es bei Eljero Elia naturgemäß immer. Der Niederländer wird aktuell dem Vernehmen nach von Chelsea und Juventus Turin umworben. Als mögliche Ablösesummen lassen die italienischen wie englischen Berichte (Internet und Tageszeitungen) 15 Millionen Euro verlauten. Eine Summe, die für den HSV verführerisch ist, die aber meines Erachtens nach nicht annähernd ausreicht. Wenn ich höre, dass Chelski für rund 30 Millionen Euro gerade Alexis Sanchez verpflichtet hat, kann ein mögliches Angebot – beim HSV will noch niemand etwas aus England gehört haben – für einen Vizeweltmeister über gerademal die Hälfte der Sanchez-Summe nicht mehr als ein schlechter Witz sein.

Wer Sanchez ist? Eine berechtigte Frage. Sanchez ist ein 22-Jähriger Außenstürmer, der auch bei Inter Mailand auf dem Zettel stand, für die allerdings zu teuer war. Und Sanchez gilt ob seiner noch jungen 22 Lenze als Toptalent. Als einer, der seinen großen Tag erst noch vor sich hat.

Ebenso Elia. Hoffe ich jedenfalls. Denn wirklich große Tage durfte einer unserer größten Hoffnungsträger bislang nur in der niederländischen Nationalelf feiern. Aber, und davon bin ich weiterhin überzeugt, hat Elia etwas Seltenes, das gewisse Extra. Eben das Außergewöhnliche, das ihn vom durchschnittlich starken Fußballer abhebt: er kann Spiele durch individuelle Aktionen in jedem Moment allein entscheiden. Und diese Qualität kostet in der Regel weit mehr als 15 Millionen Euro. Zumindest dann, wenn derart potente Klubs wie Chelsea oder auch Juve anklopfen…

Dennoch, noch ist nichts passiert. Michael Oenning plant den Saisonauftakt ohne weiteren prominenten Abgang mit Eljero Elia. Zumal Chelsea jetzt gerade anfängt, richtig einzukaufen und noch nicht einmal klar ist, wer neuer Trainer wird. Zwar ist der Porto-Trainer André Villas-Boas der Top-Kandiadat – allein Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden. Und demnach stehen noch sehr viele Kandidaten auf Ambramowitschs Zettel, von denen sich der Neue die seiner Meinung nach Geeignetsten aussuchen wird.

Übrigens, und das nur mal so am Rande erwähnt, weil bei meinen Elia-Recherchen gehört: Sicher ist, dass Didier Drogba Chelsea trotz Vertrages bis 2012 verlassen soll. Allein sein Brutto-Gehalt von geschätzten 15 Millionen Pfund schreckte bislang alle Interessenten ab. Bis jetzt Paris Saint Germain Interesse an dem 33-Jährigen bekundete. Dort soll Leonardo neuer Trainer bei Paris werden. PSG hatte zuletzt eine Investorengruppe aus Katar als Geldgeber gewinnen können und bläst jetzt zum großen Angriff. Zudem soll Chelsea bereit sein, den Ivorer ablösefrei ziehen zu lassen, um ihn so von der Gehaltsliste zu bekommen.

Also: Chelsea darf nicht ausgeschlossen werden, ist aber alemal unbestätigt. Und Juve ist wahrscheinlich der Klub auf der Welt ist, der als einziger in jeder Wechselperiode an bislang allen Aktiven auf diesem Fußballplaneten dran war. Zumindest wenn man den seriösen italienischen Zeitungsberichten glauben darf…

Nein, in Hamburg ist man berechtigterweise noch ganz ruhig. Zwar wird Guy Demel aller Voraussicht nach am Sonnabend in Hamburg eintreffen und am Sonntag mittrainieren, allerdings hat sich nichts an der gemeinsamen Meinung von Klub und Spieler geändert, wonach er gehen darf/soll/wird.

Gleiches gilt Jonathan Poitroipa. Bis auf das „soll“. Der Burkinabe steht weiter kurz vor seinem Transfer zu Stade Rennes. Obgleich sich jetzt noch ein spanischer Klub gemeldet hat. Ich habe versprochen, den Namen nicht zu schreiben, was allerdings auch nicht ganz so schlimm ist, weil die Franzosen, die ihr Angebot auf fünf Millionen Euro Ablösesumme anheben wollen, weiterhin als Wunschverein Pitroipas und demnach als Topfavorit auf eine Verpflichtung des pfeilschnellen Außen gelten.

Und der HSV? Ob es neue Namen gibt? Leider keine bestätigten. Auch Jermaine Jenas von den Tottenham Hotspurs will vom HSV niemand offiziell bestätigen. Zwar berichtet das englische Blatt „People“, dass neben dem FC Fulham und Galatasaray Istanbul der HSV in Person von Frank Arnesen bei dem 28-jährigen zentralen Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 angeklopft hat. Der 21-malige englische Nationalspieler ist bei den Spurs im zentralen Mittelfeld lediglich Ersatz und soll für acht Millionen Euro gehen können. Ein Betrag, den der HSV – einen Pitroipa-Verkauf vorausgesetzt – stemmen könnte. Zumal der Transfer von David Rozehnal in Frankreich schon als perfekt und in Hamburg als fast sicher bestätigt wurde und auch Alex Silva in den nächsten Tagen verkauft werden soll. Und obwohl brasilianische Zeitungen von einem Besuch Juan Figers bei Arnesen für morgen berichten und dies vom HSV dementiert wird, gilt der Transfer von Silva als unverändert höchstwahrscheinlich.

Alles Transfers, die Arnesen noch zögern lassen, in welcher Preisklasse er für das offensive Mittelfeld einkaufen kann/darf/will. Und by the way, einen zentralen Mann von den Spurs zu holen, der dort unter anderem von einem EX-HSVer namens Rafal van der Vaart verdrängt wurde, wäre zumindest nominell zumindest anfänglich etwas seltsam, wünschen sich doch hier (fast) alle nichts sehnlicher als das Original zurück…

In diesem Sinne, es wird noch viel passieren, das scheint klar. Und das ist für mich bis auf weiteres erst einmal eine gute Nachricht.

Euch allen einen schönen Abend und bis Mittwoch (morgen ist Dieter da),

Scholle

19 Uhr

Collo zu 1860, Mathijsen weg, Rennes legt nach ***aktualisiert mit Stimmen von Collo****

17. Juni 2011

Eine überwältigende Reaktion. 90 Prozent Ablehnung wurden errechnet. Der Blog wurde als der schlechteste von allen betitelt, begleitet von Beleidigungen einiger. So funktioniert anonymes Posting, und das muss ich mir – darauf war und bin ich tatsächlich eingestellt – gefallen lassen. Schlechte Nachrichten führen fast immer dazu, dass hier Verschwörungstheorien gepaart mit Beleidigungen, aber eben auch gehaltvolle Kritik Eurerseits angeführt werden. Letzterem stelle ich mich. Dennoch, jetzt hier in die Diskussion einzusteigen und alles neu aufzurollen machte keinen Sinn. Die Zeit wird die Antworten bringen und Zahlen offenbaren. Warten wir darauf.

Deshalb beschäftigen wir uns doch mit anderen Dingen. Damit zum Beispiel, dass Collin Benjamin bereits seinen Medizincheck in München absolviert hat und in der kommenden Saison aller Voraussicht nach nur ein- statt 17-mal am Millerntor auflaufen soll – und das als Spieler der Löwen von 1860 München, bei denen der 32-Jährige Anfang nächster Woche für ein Jahr Jahre unterschrieben soll. “Wir hatten ein sehr gutes Gespräch”, bestätigte 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger, “wir werden uns Anfang kommender Woche noch mal hinbsetzen und sprechen. Klar ist, beide Seiten haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit.”

******AKTUALISIERUNG*********

Collo selbst habe ich gerade eben sprechen können. Er wirkte begeistert und tatenfreudig. Collin: “Ich werde, wenn ich am Wochenende nicht tot umfalle, am Montag bei 1860 meine erste Trainingseinheit absolvieren. Ich hatte eine Woche Kontakt und habe mir alles sehr genau angehört. Der Klub vermittelt Aufbruchstimmung und ich möchte zusammen mit einigen anderen, erfahreneren Spielern dazu beitragen, dass die Löwen an alte Erfolge anknüpfen. Auf jeden Fall, und das hat mich letztlich überzeugt, ist bei 1860 München wieder richtig Leben drin. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.”

Dass er gern in Hamburg geblieben wäre, daraus macht er kein Geheimnis. München sei zwar auch eine sehr schöne Stadt, “aber an Hamburg kommt in Deutschland einfach nichts ran”. Auch deshalb werden seine Frau und Kinder zunächst in Hamburg bleiben. “Ich werde mich heute Abend und am Wochenende mit meiner Frau abstimmen und besprechen. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Aber wenn alles normal läuft, unterschreibe ich zunächst für ein Jahr. Und klar ist auch – ich werde wiefder nach Hamburg zurückkehren. Früher oder später…”

Auf jeden Fall zum Spiel bei Pauli. Denen war Collo sogar angeboten worden. Allerdings lehnten Manager Helmut Schulte und der neue Trainer Andre Schubert letztlich ab, weil Collo nicht in die neue (Alters-)Struktur passt. Und ohne dem Nachbarn etwas Böses zu wollen, hoffe ich, dass der FC schon bald merkt, was für einen Fehler er gemacht hat. Spätestens dann, wenn Collo am Millerntor in hellblau-weiß aufzieht…

Abgelehnt hat der HSV unterdessen den Halbbruder von Guy Demel. Der heißt Yannik Sagbo, ist Stürmer, 22 Jahre alt, wurde gerade für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste berufen und stürmt auf Leihbasis 8er gehört dem AS Monaco) für den französischen Zweitligisten FC Evian, der gerade den Aufstieg in die erste Liga realisieren konnte. Neun Ligatore in 31 Spielen erzielte der 1,83-Meter-Mann, dessen Bruder den HSV auf jeden Fall verlasen will und soll. Im gestrigen Treffen der Berater Demels mit Sportchef Frank Arnesen einigten sich die Parteien darauf, weiter nach einem Verein zu suchen, der die vom HSV gewünschte Ablösesumme bezahlen will. Sollte sich hierbei nichts finden, wird Demel am 26. Juni zum Trainingsauftakt erscheinen und vorab ein klärendes Gespräch mit Trainer Michael Oenning führen. Dabei wird zwar keine Versöhnung erwartet/bezweckt, dafür aber der professionelle Umgang miteinander. Immerhin haben beide Seiten noch bis zum Ende der Transferfrist am 31. August Zeit.

Frank Arnesen ist unterdessen dieses Wochenende noch mal mit seiner Familie unterwegs, ehe es „ab Montag keine Familie mehr gibt“, wie Arnesen mit einem Augenzwinkern ankündigt. Zuletzt hatte sich der Däne bei der U-21-EM umgesehen, dort auch das tschechische Talent Jan Lecjaks angesehen. Der Linksverteidiger aus Pilsen ist aktuell an den RSC Anderlecht ausgeliehen, die gerade eine Kaufoption über 900000 verstreichen ließen. Allerdings gilt der 19-Jährige beim HSV nur als möglicher Backup, sollte Marcell Jansen entgegen aktueller Erwartungen doch noch den Klub wechseln.

Bei Jonathan Pitroipa gibt es indes neue Bewegung. Der schnelle Außenstürmer wird von Stade Rennes umworben: Die Franzosen sind sogar bereit gewesen, bis zu 4,5 Millionen Euro für den Burkinaben zu zahlen. Allerdings lehnte der HSV ab, forderte mindestens sechs Millionen Euro. Jetzt sollen die Franzosen ihr Angebot aufstocken wollen. Demnach soll der HSV in den nächsten Tagen ein verbessertes Ablöseangebot erhalten, zudem Leistungsprämien zugesichert bekommen für den Fall, dass sich Rennes für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Klar ist, und damit gehe ich heute aus diesem Blog raus und wünsche ich schon mal vorab ein schönes Wochenende, klar ist, dass Joris Mathijsen zu Malaga wechselt. Heute unterschrieb der Niederländer einen Vertrag bis 2013, nachdem auch letzte Details zwischen dem HSV und den Spaniern geklärt worden waren. Mathijsen, der 2006 zum HSV wechselte und in 210 Spielen (davon 148 x Bundesliga) sieben Tore erzielte, bringt dem HSV rund 1,5 Millionen Euro Ablösesumme ein. Der 31-Jährige, der vor fünf Jahren von AZ Alkmaar zum HSV gewechselt war, folgt damit seinem Landsmann und Freund Ruud van Nistelrooy, der wie er von Rodger Linse beraten wird, an die Südspitze Spaniens. „Wir wünschen Joris für die kommenden sportlichen Aufgaben beim FC Malaga und für seine private Zukunft alles Gute“, sagt Sportchef Arnesen zum Abschied. Worte, denen ich mich anschließen möchte. Wer in fünf Jahren 148 Ligaspiele absolviert, also aufgerundet 30 von 34 Spielen pro Saison im Schnitt, der hat sich definitiv um den Verein verdient gemacht und einen würdigen Abschied verdient.

In diesem Sinne, Joris und Euch alles Gute,

Scholle

16.30 Uhr

Lasst uns dem Umbruch eine echte Chance geben…

16. Juni 2011

Es klang alles gut. „Die Zahlen lassen es zu, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, hatte Ernst-Otto Rieckhoff nach der Aufsichtsratssitzung am, Mittwoch gesagt. Mehr gäbe es von seiner Seite nicht zu berichten. Von rund drei Millionen Euro Minus für das abgelaufene Geschäftsjahr war die Rede. Eine Summe, die angesichts des teuren Kaders und des Nichterreichens eines internationalen Wettbewerbes auf den ersten Blick auch nicht verwundern. Und da der Aufsichtsratsvorsitzende hinzufügte, dass die Zahlen für die Zukunft Optimismus verbreiten könnten, schien alles im Lot. Eben so, wie wir es alle gern hätten – und einige hier auch mit Vehemenz behaupten und verteidigen.

Dennoch, und ich weiß, damit mache ich mir hier keine Freunde, die Wahrheit ist leider nicht so rosig, wie es zu vermuten wäre. Der Aufsichtsrat versucht, Ruhe in den Verein zu bringen, setzt auf Zeitgewinn. Es wird gehofft, dass durch Erfolge in der kommenden Saison (Finanz-)Löcher gestopft werden können, die abzusehen sind, aber unerwähnt bleiben. Und um hier eins klarzustellen: mit einem Konzept im Hinterkopf ist das wahrscheinlich auch die taktisch cleverste Lösung.

Aber eben eine, über die sich alle bewusst sein müssen und die nicht – wie hier von immer denselben Leuten wieder – verkannt werden darf. Dieser Verein steht finanziell nun mal am Scheideweg. Das ist ein unbestrittener Fakt. Und je früher das allen klar wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die neuen Umstände passend reagiert werden kann.

Wie es der HSV mit seiner Transferpolitik längst tut. Deshalb werden teure Spieler abgegeben, verkauft und dafür junge, talentierte und vor allem kostengünstige Spieler geholt. Der HSV reagiert und macht auch kein Geheimnis daraus, dass „in Zukunft kleinere Brötchen gebacken werden müssen“, wie Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow vor Wochen bereits verkündet hatte.

Aber es gibt in meinen Augen einfach noch zu viel Augenwischerei. Von drei Millionen Euro Minus zu sprechen und dabei die 12,5 Millionen Euro von Kühne unerwähnt zu lassen, die auch einen Teilverkauf von Transferechten nach sich ziehen, ist trügerisch. Zudem für die neue Saison die bislang 14 Millionen Euro eingesparte Gehälter einzuberechen und die Verkäufe von David Rozehnal, Alex Silva, Guy Demel und Joris Mathijsen vorauszusetzen, ist zwar legitim, aber gefährlich weil spekulativ. Zumal dann, wenn die Spieler nicht das erlösen, was sich der Verein von ihnen erhofft hat. Bestes und aktuellstes Beispiel dafür ist Joris Mathijsen, der 2006 für sechs Millionen aus Alkmaar verpflichtet worden war und statt der erhofften zwei bis drei Millionen Euro dem Vernehmen nach nur 1,5 Millionen Euro einbringt. Zudem steht der Abgang von Demel zwar für beide Seiten fest, eine finanzielle Lösung hierbei ist aber weiter nicht in Sicht. Denn während Mathijsen heute in Malaga unterschrieb, trafen sich Demels Berater und HSV-Sportchef Frank Arnesen in Hamburg. Wieder ohne Ergebnis.

Rund zwei Millionen fordert der HSV für den Ivorer, der defensiv vielseitig einsetzbar ist und von französischen Erstligisten umgarnt wird. Eine Summe, die man sich beim HSV für David Rozehnal als Ablöse erhofft hatte. Der Tscheche, an dem sein Leihklub OSC Lille interessiert ist, wurde allerdings intern bereits abgewertet. Der 2009 für sechs Millionen Euro eingekaufte Innenverteidiger wird den HSV verlassen und weniger als eine Million Euro an Ablösesumme einbringen. So teilte es der Vorstand seinen Kontrolleuren mit.

Wer genau hinsieht, merkt, dass sich Transfererlöse generell zurückentwickeln. Das ist also kein Fehler der aktuellen HSV-Führung, und kein HSV-typisches Problem, sondern eine allgemeine Tendenz. Bei Mathijsen macht der HSV 4,5 Millionen Minus, bei Rozehnal mehr als fünf Millionen. Und auch für Silva, der 2008 knapp sieben Millionen Euro kostete und bislang eine Million Euro Leihgebühr einbrachte, wird mit einem Minus eingeplant.

Auch deshalb ist beim HSV derzeit kein Spieler mehr „absolut unverkäuflich“. „Wir wollen Pitroipa nicht abgeben“, sagte Jarchow gestern, angesprochen auf ein 4,5-Millionen-Angebot von Stade Rennes, „aber klar ist auch, dass es auch für uns eine Grenze des Vertretbaren gibt.“ Wie ich gehört habe, liegt die aktuell bei geforderten sechs Millionen Euro. Womit der HSV dem Trend entgegenwirken könnte: Immerhin kam Pitroipa 2008 ablösefrei aus Freiburg…

Allerdings, und das ist die Überleitung zum hoffnungsvollen Teil, es können eben nicht nur Spieler abgegeben werden. Es müssen auch qualitativ ebenbürtige geholt werden, um das Saisonziel, um Platz sechs zu spielen, auch realistisch bleiben zu lassen. Und hier liegt der Fokus auf Frank Arnesen, der weder von Dieter noch von mir angegriffen wurde und wird, ehe die Saison ein ganzes Stück weit gespielt ist und genug Erkenntnisse liefert, die Neuen zu bewerten. Im Gegenteil, allen Vorwürfen von einigen Euch zum Trotz, sorge ich mich eher. Ich befürchte einfach, dass die Erwartungen an Arnesen zu groß werden. Denn, und das ist die Schnittmenge dessen, was mir alle mit den aktuellen Zahlen befassten Entscheidungsträger mitteilten, die finanzielle Situation des HSV übt großen Druck auf den sportlichen Bereich aus. Alle wissen, dass sie irgendwann Farbe bekennen müssen und die Zahlen 2011/2012 offenlegen müssen. Ergo: sportlicher Erfolg muss her. Und dieser Bereich wird – gefühlt – momentan fast (ein bisschen Trainer Michael Oenning ist auch dabei) allein von Arnesen vertreten.

Ich würde mich freuen, auch für den Frieden hier im Blog, wenn endlich die finanzielle Situation des HSV offengelegt wird. Ich habe heute mit mehreren Aufsichtsräten gesprochen und alle waren sich einig, dass das die beste Lösung wäre. Allerdings, und das schränkte ein Teil der Gesprächspartner ein. Könnte die gutgemeinte Ehrlichkeit zu negativen Reaktionen führen. „Wir müssen doch aufpassen, dass wir auch für die kommende Saison genug Karten verkaufen“, sagte mir ein Aufsichtsrat und erklärte für mich absolut nachvollziehbar: „Wenn wir alles offenlegen, könnte das abschreckend wirken. Es würden doch eh nur Schreckensszenarien gezeichnet. Und am Ende entsteht eine Art Depression. Das können wir nicht riskieren.“ Schon deshalb gab es gar keine andere Möglichkeit, als nach der Aufsichtsratssitzung auf Optimismus zu machen. „Unser Ziel muss dennoch sein, intern schonungslos ehrlich zu sein und danach zu handeln.“

Und ganz ehrlich: DAS ist ehrlich!
Und ein guter Anfang.

In diesem Sinne, es müssen Fakten geschaffen werden. Wie gestern. Da teilte Interims-Vorstandsboss Jarchow denm Kontrolleuren mit, dass er seinen Job gern fest und nicht mehr übergangsweise machen wolle. Er beendete Spekulationen – und stieß damit auf Zuspruch.

Zudem, und das ist mein absolut ehrlich und mit den besten Absichten geäußerter Appell an uns alle hier im Blog: lasst uns auch hier die Realitäten anerkennen und benennen, damit umgehen und gemeinsam das Beste daraus machen. Ich glaube, nur so hat der Umbruch des HSV eine echte Chance.

Scholle

19.30 Uhr

P.S.: Einen neuen Anfang könnte es übrigens bald für Collin Benjamin geben. Der Namibier steht bei Zweitligist 1860 München ganz hoch im Kurs. So verlautbaren es zumindest meine Münchner Kollegen. Collo selbst war heute (für mich) leider nicht zu erreichen. Sobald ich was höre, reiche ich es hier nach…

Arnesen bittet um Geduld und ist zufrieden

2. Juni 2011

Zu früher Stunde bat er zur Audienz: Frank Arnesen, der neue HSV-Sportchef. Und alle kamen sie. Neugierig auf das, was der Neue zu berichten hat. Neugierig darauf, wie es personell weitergeht beim HSV. „Wir müssen etwas Geduld haben“, nahm Arnesen gleich etwas Fahrt aus dem Gespräch, „aber ich bin sehr zufrieden mit unserem ersten Spieler für den HSV.“

Der heißt bekanntlich Michael Ian Mancienne. Geht es nach Arnesen, wird der erste HSV-Engländer seit Kevin Keegan nicht nur „Määnschenn“ ausgesprochen sondern auch eine Soforthilfe. In England sei er mit seinen 1.84 Metern als Innenverteidiger nicht optimal gebaut gewesen. „Ich habe ihm gesagt, dass er nicht so ist wie John Terry oder Alex“, so Arnesen über Manciennes direkte Konkurrenz bei Chelsea, „und ich habe ihm gesagt, dass er in einer anderen europäischen Liga besser aufgehoben wäre. Sein Stil passt besser zu Deutschland als in die Premier League. Als ich ihm vom HSV erzählt habe, hat er nicht einmal gezögert. Er sagte sofort, das sei eine gute Idee.“

Und einmal angefangen, legte Arnesen bei seiner ersten Verpflichtung für den HSV gleich nach. „Michael hat rechts und links hinten, auf der Sechs und auf seiner besten Position in der Innenverteidigung gespielt. Er hat Tempo und wir wollen nach vorn spielen. Das kann er, er geht auch mal mit und treibt den Ball weg vom eigenen Tor. Er ist nicht zu groß, aber extrem sprung- und dadurch kopfballstark. Wir werden ihm Zeit geben, sich einzugewöhnen, aber er ist ganz klar eine Verstärkung und ein Spieler für die Startelf. Ich hoffe sogar, dass er über Deutschland den Sprung in die A-Nationalmannschaft Englands schafft. Denn er ist ein internationaler Spieler.“

Das gilt auch für Jeffrey Bruma, den man in Hamburg schon nahezu sicher wähnte, der sich aber noch mal Bedenkzeit erbat und aktuell mit der niederländischen Nationalmannschaft unterwegs ist. „Er ist noch zehn Tage unterwegs, wird sich danach hinsetzen und eine Entscheidung treffen“, sagt Arnesen, der weiter darauf hofft, nach Mancienne den zweiten Chelsea-Profi nach Hamburg zu lotsen. Ob er einen Trend sieht bei Bruma? Arnesen überlegt kurz, schüttelt den Kopf.

Viel mehr gab es auch bei Mathijsen nicht zu sagen. Klar sei, dass der Niederländer weg will und der HSV bereits ist, seinen Innenverteidiger ziehen zu lassen. Arnesen: „Es hat sich noch kein Verein bei uns gemeldet. Aber wir haben dem Berater gesagt, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen, sobald sich jemand meldet.“

Gemeldet hatten sich jüngst – wie berichtet – die Berater von Guy Demel. „Es war ein sehr nettes Gespräch“, so Arnesen, „sie haben klar gesagt, dass Guy weg will. Wir haben ihnen gesagt, dass das für uns kein Problem ist. Wenn er einen guten Verein findet, werden wir ihm nach sechs Jahren beim HSV keine Steine in den Weg legen. Aber klar muss auch sein, dass am Ende alle Seiten zufrieden sein müssen. Der neue Verein, Guy und wir. Wir wollen ja keine unmenschlichen Summen – aber so geben wir ihn nicht frei.“ Zuletzt hätten ein paar vereine Interesse an Guy angemeldet, wie Arnesen, „und die können sich jetzt auch gern bei mir melden.“ Denn, anders als von Einzelnen berichtet, ist eine Vertragsverlängerung des Ivorers bis 2013 nie ein Thema gewesen. „Es ist sicher drin, dass er noch seinen Vertrag erfüllt, wenn wir keine Lösung finden. Aber klar ist, dass es in allen Gesprächen mehr ums Weggehen ging.“

Um die Zukunft geht es derweil bei Romeo Castelen. Der kniekranke Niederländer unterzieht sich derzeit intensiven Untersuchungen bei den HSV-Ärzten und soll nach Möglichkeit noch ein Jahr bleiben. „Er hat so viel durchgemacht, war immer positiv und hat eine fantastische Einstellung“, lobt Arnesen. Und das mit recht. Denn das, was Castelen durchgemacht hat, hat ihm früher die Karriere gekostet. „Ich hatte mit 25 Jahren nach langer Pause immer wieder Knieprobleme“, erinnert sich Arnesen zurück, „und eines Tages, nach einem Unfall, wusste ich: das war es jetzt. Noch auf der Trage wusste ich, dass das mein Ende wäre.“ Gedanken, die Castelen allemal hätte haben können – die er aber erfolgreich verdrängte und am letzten Spieltag sogar wieder im Kader stand. Arnesen: „Ich habe mit ihm gesprochen, und er hat mir gesagt, dass er dem Verein unbedingt noch etwas zurückgeben will. Das ist eine fantastische Einstellung.“ So fantastisch, dass der Verein überlegt, dem Niederländer einen neuen Einjahresvertrag anzubieten. Drücken wir Romeo mal die Daumen – ähnlich wie im Fall Mladen Petric. Der Kroate hatte in dieser Woche ein Gespräch mit Arnesen. Wie gestern bereits erklärt, ohne Ergebnis.

Ein Ergebnis steht indes in der Torwartfrage bevor. Zuletzt hatte uns Michael Oenning gesagt, dass er davon ausgeht, einen jungen deutschen Nachwuchskeeper suchen zu müssen, da sich Wolfgang Hesl, der aktuell zum SV Ried nach Österreich verliehen ist, nicht mit der Rolle des Ersatzmannes zufrieden geben würde. Bei Arnesen klang das heute etwas anders. Auch bei ihm ist Drobny klar die Nummer eins. Aber er scheint Hesl für seine Aufgaben in Hamburg begeistert zu haben. „Ich habe ihm gestern gesagt, dass es sein kann, dass er ein ganzes Jahr auf der Bank sitzt. Er soll sich Gedanken machen. Ich habe ihm gesagt, er soll sich nicht sofort entscheiden. Wir haben vereinbart, dass sich Michael Oenning nächste Woche noch mal mit ihm unterhält. Sollte Wolfgang zurückkommen, brauchen wir keinen neuen Torwart mehr zu suchen. Wir planen eh mit 25 Spielern inklusive drei Torhütern.“

Und während Arnesen keinen Zweifel daran ließ, dass Alex Silva aus seinem Verleihstatus verkauft werden will und soll, wusste er auf die Frage nach dem neuen (oder eben alten?) Mannschaftskapitän nicht sofort zu antworten. Es seien nach den Abgängen von Zé Roberto, van Nistelrooy und Frank Rost nicht mehr so viele Spieler mit viel Erfahrung im Team- „Und Heiko habe ich schon zu seinen Schalker Zeiten als hervorragenden Typen und Fußballer kennengelernt.“ Eine Entscheidung über den nominellen Leader sei aber noch nicht gefällt.

Außerdem sprach Arnesen noch…

…über Michael Oenning: „Ich habe Michael gesagt: ‚Los, fahr weg, fahr in Urlaub, du musst einen freien Kopf bekommen.‘ Ich habe ihm das gesagt, da ich weiß, wie intensiv der Trainerjob ist. Aber Michael wird das schon gut machen, er ist so ein intelligenter Trainer. Diese Intelligenz, dazu seine Kommunikationsstärke und diese Ruhe, die er in sich trägt – das hat mich vollends überzeugt. Unsere Gespräche waren hervorragend, weshalb ich gesagt habe, er muss diese Chance einfach bekommen. Denn er ist wirklich ein sehr guter Trainer, vor allem in unserer jetzigen Situation. Er weiß sehr, sehr gut mit jungen Spielern umzugehen, er kann sie formen und entwickeln. Und er kennt auch jeden deutschen Nachwuchsspieler, hat ein enormes Fachwissen im Nachwuchsbereich. Und das wird uns helfen, denn wir dürfen nicht nur auf heute schauen. Wir müssen auch schon jetzt unsere Spieler für morgen entwickeln. Und da ist Michael der genau richtige Mann.“

…über Bastian Reinhardt: „Wie Bastian sich verhalten hat und verhält, das ist höchst professionell. Das muss man ihm ganz hoch anrechnen. Und es zeigt auch, dass der HSV für ihn mehr als einfach nur ein Verein ist. Solche Leute brauchen wir, deshalb werden wir Bastian auch stark in den sportlichen Bereich einbinden. Er soll zusammen mit Lee Congerton, der im Nachwuchsbereich ein großartiges Fachwissen besitzt, Profis und Nachwuchs verbinden, den Austausch verstärken, als Ansprechpartner dienen. Für die Zukunft des Vereins sind die Nachwuchsarbeit und die Verzahnung mit dem Profibereich von entscheidender Rolle, und hier wird Bastian eine wichtige Rolle spielen. Ich bin sehr froh, dass wir ihn in unserem Team haben.“

…über seine Ziele mit dem HSV: „Ich denke nicht, dass wir momentan über eine genaue Platzierung als Ziel sprechen sollten. Unser Ziel muss sein, junge Spieler heranzuführen. Einen haben wir geholt, in den nächsten Wochen kommen hoffentlich noch ein, zwei dazu. Uns geht es darum, Spieler für heute zu holen – aber eben auch welche für morgen. Wir wollen den bestmöglichen Kader zusammenzustellen, uns in allen Bereichen gut aufstellen, auch an der Basis und für die Zukunft. Und unser Ziel muss sein, jedes einzelne Spiel zu leben, für den HSV alles zu geben, unsere Fans wieder für uns und unseren Fußball zu begeistern. Wenn Team und Fans wieder als Einheit marschieren, dann wäre schon viel gewonnen. Und der Rest kommt dann von ganz allein.“

In diesem Sinne, das hoffen wir doch alle.

Euch allen noch einen schönen Restfeiertag, morgen meldet sich der Blogvaddern wieder,

Macht’s gut,

Scholle

P.S.: Der HSV ist nicht wie zuletzt spekuliert an Josh McEachran vom FC Chelsea interessiert.

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