Archiv für das Tag 'Demel'

Arnesen: “Uns fehlt noch ein Kreativer”

22. Juni 2011

Dunkle Anzughose, hellblaues Hemd und ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht – Frank Arnesen sah heute mal wieder genau so aus, wie wirklich immer, wenn wir ihn zu Gesicht bekommen. Das Einzige, was fehlte, war sein Jackett mit den Flicken an den Ärmeln, wie mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Linne, entschuldige!) völlig berechtigt anmerkte. Neu waren allerdings einige Dinge, die er uns heute offenbarte.

Zuerst ging es natürlich darum, inwieweit der HSV-Sportchef mit dem bisherigen Verlauf der Transfers zufrieden ist. Und er antwortete, er sei grundsätzlich zufrieden, da er bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg im Klaren darüber gewesen sei, dass viele Spieler gehen würden, demnach auch viele Neue geholt werden müssten und er damit vor einem Mammutwerk stünde. „Bislang sind acht Spieler gegangen und vier Neue geholt. Also: Wir wollen auf jeden Fall noch etwas machen.“

Muss der HSV auch. Das sieht auch Arnesen so. „Bislang haben wir junge Leute geholt. Drei davon sind gerade mal 19 Jahre alt. Sala und Töre brauchen sicherlich noch ein Jahr, um sich optimal zu entwickeln. Das müssen wir ihnen geben, mit ihnen Geduld haben. Insgesamt wird unser Kader deutlich jünger. Und ich denke, dass das gut so ist.“ Ob es auch schon gut genug ist, um Ziele zu formulieren? „Wir nehmen ein hohes Risiko – aber ich habe Vertrauen“, so Arnesen, der insbesondere auf Michael Oenning als Cheftrainer setzt: „Er hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann.“

Arnesen hat einen Plan. Das merkt man. Gestern hat er intensiv mit Eljero Elias Berater gesprochen und deutlich gemacht, dass der HSV den Niederländer nicht abgeben will und wird. „Ich hatte auch vor der Sommerpause mit Eljero selbst telefoniert und er hat mir gesagt, dass er zu 100 Prozent zum HSV steht. Er weiß, dass wir ihn nicht abgeben wollen.“

Und da auch Romeo Castelen vom Mannschaftsarzt als 100-prozentig fit erklärt wurde und einen neuen, leistungsbezogenen Einjahresvertrag bekommt, sieht sich Arnesen gewappnet. „Wir sind defensiv und auf den Außenbahnen gut aufgestellt. Wir suchen jetzt in erster Linie noch einen Kreativen, haben da einige Kandidaten.“ Sogar einen, der in die ganz enge Auswahl kommt. „Aber bevor ich hier einen Namen nenne, muss ich erst mit dem abgebenden Verein sprechen.“ Klar sei, dass der HSV künftig offensiver spielen, attraktiver spielen will. „Unser System wäre bei der Besetzung fast logisch ein 4-3-3-System“, so Arnesen, der dieses auch in der Jugend spielen lassen will. „Ich habe mit Paul Meier gesprochen und wir sind uns einig, ein 4-3-3-System mit einem Zehner spielen lassen zu wollen.“ Denn, und das ist Arnesens Hintergedanke, „jeder Flankenspieler kann auch im Mittelfeld spielen – aber nicht jeder Mittelfeldspieler kann auch die Außenbahn spielen“.

Und wo wir gerade bei der Jugend sind, hier gibt’s doch noch eine kleine Überraschung. Zuletzt galt der noch von Urs Siegenthaler inthronisierte Schweizer Paul Meier als Jugendchef als gescheitert. Jetzt aber die Wende: „Ich habe lange mit Paul gesprochen und gesehen, dass er einen sehr guten Plan hat“, sagt Arnesen, „wir werden uns das jetzt in den nächsten Monaten ansehen und dann noch mal unterhalten.“ Dafür soll Meier jetzt im Gegensatz zur bisherigen Zeit beim HSV auch sonnabends in Hamburg weilen, dafür sonn- und montags seine Familie in der Heimat besuchen können. „Das ist auch noch nicht ganz optimal, aber okay“, so Arnesen.

Was aus Bastian Reinhardt wird, der ja eigentlich gerade erst zum Jugendchef berufen wurde? Arnesen diplomatisch: „Basti wird sich um die technischen Dinge kümmern und die Schnittstelle zwischen U19 und U23 bilden.“ Denn Letztgenannte werden jetzt definitiv ab dem 1. August neben den Profis an der Imtech-Arena trainieren. „Basti kümmert sich um Verträge und die Koordination, Paul Meier ist für die sportliche Ausbildung von Spielern und Trainern verantwortlich“, erklärt Arnesen.

Nun denn, zurück zum Profibereich. Hier gibt es noch viele Baustellen. Eine davon wird oder wurde vielleicht sogar schon abgearbeitet: David Rozehnal wechselt zum OSC Lille und unterschreibt bei den Franzosen einen vertrag bis 2014. Glückwunsch dafür an David! Auch an den HSV? „Ja“, sagt Arnesen, „wir kriegen zwar nicht viel, aber es ist okay. Und wir brauchen jeden Cent. Deshalb sind wir zufrieden.“

Und auch bei Alex Silva hofft Arnesen auf baldigen Geldsegen. „Ich habe mich am Dienstag mit seinem Berater getroffen und es gibt drei Interessenten in Brasilien“, erklärt Arnesen, „und er will gern in Brasilien bleiben.“ Zwar liegt Silvas aktueller Klub Sao Paulo im Clinch mit dem Innenverteidiger und hat von einem Kauf inzwischen Abstand genommen, dennoch ist ein Verkauf des Defensivmannes nach Brasilien nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Priorität hat weiterhin ein Verkauf“, so Arnesen, der damit allerdings auch einen weiteren Verleih nicht ausschließt. Geklärt sein muss das allerdings bis zum 15. Juli (obwohl Silva bis zum 31. Juli einen Vertrag bei Sao Paulo hat), weil dann in Brasilien die Transferperiode endet.

Eine weitere Baustelle ist Guy Demel, für den es jetzt drei Angebote aus England geben soll. „Ich habe mich lange mit Guys Berater unterhalten und er hat mir von den Interessenten berichtet“, sagt Arnesen, „es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch vor dem Trainingsstart einen neuen Klub findet.“ Für die entsprechende Ablösesumme wohlgemerkt.

Sollte die stimmen, dürfte auch der Transfer von Jonathan Pitroipa schnell über die Bühne gehen. Arnesen bestätigte die Anfrage von Stade Rennes, „aber ein offizielles Angebot liegt uns bis heute nicht vor“. Und da der HSV den pfeilschnellen Außenstürmer nicht unbedingt abgeben will, ist auch dessen Verbleib nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. „Kommt nichts, ist das auch nicht schlimm“, sagt Arnesen, wohlwissend, dass die Millionen bei der Suche nach einem Kreativspieler helfen würden.

Auch deshalb gilt für den HSV: abwarten. „Noch hat sich wenig bewegt auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, der auch den Kauf eines arrivierten Spielers ins Auge gefasst hat – dafür aber wie erwähnt erst noch Geld durch Verkäufe einholen will/muss. „und dann müssen wir im richtigen Moment am richtigen Fleck sein.“

Und dann gab Arnesen – fast nebenbei – das Saisonmotto aus: „Die älteren, erfahrenen Spieler wie Drobny, Jarolim, Aogo, heiko Westermann und Mladen Petric sind unsere Achse. Sie müssen stehen, während die jungen Spieler immer wieder lernen dürfen müssen und Fehler machen dürfen.“

Selbst der harte Saisonstart stört Arnesen nicht. Im Gegenteil, er macht auf Optimismus. „Das erste Spiel zu haben, wo nur wir und keiner sonst spielen, ist fantastisch. Vor 80000 in Dortmund, dazu 8000 eigene Fans im Stadion – besser geht’s kaum.“ Dass ein solcher Start auch Druck ausübt, ist für den Alt-Internationalen kein besonderes Thema. „Wir haben immer Druck, ganz klar. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen, sondern müssen mit ihm umgehen. Und das bedeutet, Druck in Energie umzusetzen.“

Klingt gut. Wie so ziemlich alles, was Arnesen bislang von sich gibt.

In diesem Sinne, bis Freitag. Morgen ist Dieter für Euch da.

Scholle
17 Uhr

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Mickael Tavares darf ablösefrei wechseln. „Es gibt Interessenten“, so Arnesen, der hofft, den Transfer schon in den nächsten Tagen abwickeln zu können.

P.P.S.: Der Termin für den Saisonauftakt steht. Am Sonntag um 14 Uhr (an oder in der Imtech-Arena) wird Oenning die erste Einheit der neuen Saison leiten.

Das Transferkarussell nimmt Fahrt auf

20. Juni 2011

Sie lieben ihn alle. Was mich und viele von Euch mit Sicherheit nicht verwundert. Aber ich wollte es hier mal anbringen, weil sich mein Kollege Reinhard Franke von der Münchner „AZ“ so euphorisch bei mir bedankte. Zum einen, weil wir in der Zeit, wo Collos Wechsel bekannt wurde, gut zusammengearbeitet haben. Zum anderen aber, weil Collo jetzt Münchener ist. Er hat sich bei mir quasi stellvertretend für das „Ziehenlassen“ bedankt. „Ein sensationeller Typ“, schwärmt Franke, „einen so netten Kerl hatten wir hier lange nicht mehr.“ Und da Collin nachweislich auch ein guter (für die Zweite Liga allemal ein sehr guter!) Spieler ist, passt bei 1860 München alles.

Schon als Collin um 9.15 Uhr zusammen mit seinem alten HSV- und neuen 1860-Kameraden Benny Lauth das Trainingsgelände betrat, warteten die Fans, die zum Trainingsauftakt des aufstrebenden Zweitligisten gekommen waren. Sie mussten sich allerdings zuerst noch gedulden, denn vor dem ersten Training der neuen Saison musste Collo noch seinen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterschreiben. Als das erledigt war, ging es für den ehemaligen Publikumsliebling des HSV gleich in die Vollen: 1860-Trainer Reiner Maurer hatte Zirkeltraining angesetzt. Und er zeigte sich begeistert vom Transfer des 32-Jährigen. „Collin ist vielseitig einsetzbar und hat in der Bundesliga wie international schon eine Menge Erfahrungen sammeln können. Er ist die ideale Ergänzung für unser junges Team.“ Wobei Maurer „Ergänzung“ nicht mit „Reserve“, sondern mit „passend zum Rest“ verstanden wissen will.

Nun ist er also weg. Und ich freue mich für Collo, weil er sich – wie viele andere Ex-HSVer auch, klar! – hier acht jahrelang tadellos verhalten hat. Und wenn es etwas Gerechtigkeit in dem sonst so skrupel- und herzlosen Profigeschäft gibt, dann die, dass Collo einen guten Verein gefunden hat und hoffentlich noch ein, zwei schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler absolviert. Und darauf deutet im Moment alles hin.

Hinweise auf einen möglichen Vereinswechsel gab und gibt es bei Eljero Elia naturgemäß immer. Der Niederländer wird aktuell dem Vernehmen nach von Chelsea und Juventus Turin umworben. Als mögliche Ablösesummen lassen die italienischen wie englischen Berichte (Internet und Tageszeitungen) 15 Millionen Euro verlauten. Eine Summe, die für den HSV verführerisch ist, die aber meines Erachtens nach nicht annähernd ausreicht. Wenn ich höre, dass Chelski für rund 30 Millionen Euro gerade Alexis Sanchez verpflichtet hat, kann ein mögliches Angebot – beim HSV will noch niemand etwas aus England gehört haben – für einen Vizeweltmeister über gerademal die Hälfte der Sanchez-Summe nicht mehr als ein schlechter Witz sein.

Wer Sanchez ist? Eine berechtigte Frage. Sanchez ist ein 22-Jähriger Außenstürmer, der auch bei Inter Mailand auf dem Zettel stand, für die allerdings zu teuer war. Und Sanchez gilt ob seiner noch jungen 22 Lenze als Toptalent. Als einer, der seinen großen Tag erst noch vor sich hat.

Ebenso Elia. Hoffe ich jedenfalls. Denn wirklich große Tage durfte einer unserer größten Hoffnungsträger bislang nur in der niederländischen Nationalelf feiern. Aber, und davon bin ich weiterhin überzeugt, hat Elia etwas Seltenes, das gewisse Extra. Eben das Außergewöhnliche, das ihn vom durchschnittlich starken Fußballer abhebt: er kann Spiele durch individuelle Aktionen in jedem Moment allein entscheiden. Und diese Qualität kostet in der Regel weit mehr als 15 Millionen Euro. Zumindest dann, wenn derart potente Klubs wie Chelsea oder auch Juve anklopfen…

Dennoch, noch ist nichts passiert. Michael Oenning plant den Saisonauftakt ohne weiteren prominenten Abgang mit Eljero Elia. Zumal Chelsea jetzt gerade anfängt, richtig einzukaufen und noch nicht einmal klar ist, wer neuer Trainer wird. Zwar ist der Porto-Trainer André Villas-Boas der Top-Kandiadat – allein Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden. Und demnach stehen noch sehr viele Kandidaten auf Ambramowitschs Zettel, von denen sich der Neue die seiner Meinung nach Geeignetsten aussuchen wird.

Übrigens, und das nur mal so am Rande erwähnt, weil bei meinen Elia-Recherchen gehört: Sicher ist, dass Didier Drogba Chelsea trotz Vertrages bis 2012 verlassen soll. Allein sein Brutto-Gehalt von geschätzten 15 Millionen Pfund schreckte bislang alle Interessenten ab. Bis jetzt Paris Saint Germain Interesse an dem 33-Jährigen bekundete. Dort soll Leonardo neuer Trainer bei Paris werden. PSG hatte zuletzt eine Investorengruppe aus Katar als Geldgeber gewinnen können und bläst jetzt zum großen Angriff. Zudem soll Chelsea bereit sein, den Ivorer ablösefrei ziehen zu lassen, um ihn so von der Gehaltsliste zu bekommen.

Also: Chelsea darf nicht ausgeschlossen werden, ist aber alemal unbestätigt. Und Juve ist wahrscheinlich der Klub auf der Welt ist, der als einziger in jeder Wechselperiode an bislang allen Aktiven auf diesem Fußballplaneten dran war. Zumindest wenn man den seriösen italienischen Zeitungsberichten glauben darf…

Nein, in Hamburg ist man berechtigterweise noch ganz ruhig. Zwar wird Guy Demel aller Voraussicht nach am Sonnabend in Hamburg eintreffen und am Sonntag mittrainieren, allerdings hat sich nichts an der gemeinsamen Meinung von Klub und Spieler geändert, wonach er gehen darf/soll/wird.

Gleiches gilt Jonathan Poitroipa. Bis auf das „soll“. Der Burkinabe steht weiter kurz vor seinem Transfer zu Stade Rennes. Obgleich sich jetzt noch ein spanischer Klub gemeldet hat. Ich habe versprochen, den Namen nicht zu schreiben, was allerdings auch nicht ganz so schlimm ist, weil die Franzosen, die ihr Angebot auf fünf Millionen Euro Ablösesumme anheben wollen, weiterhin als Wunschverein Pitroipas und demnach als Topfavorit auf eine Verpflichtung des pfeilschnellen Außen gelten.

Und der HSV? Ob es neue Namen gibt? Leider keine bestätigten. Auch Jermaine Jenas von den Tottenham Hotspurs will vom HSV niemand offiziell bestätigen. Zwar berichtet das englische Blatt „People“, dass neben dem FC Fulham und Galatasaray Istanbul der HSV in Person von Frank Arnesen bei dem 28-jährigen zentralen Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 angeklopft hat. Der 21-malige englische Nationalspieler ist bei den Spurs im zentralen Mittelfeld lediglich Ersatz und soll für acht Millionen Euro gehen können. Ein Betrag, den der HSV – einen Pitroipa-Verkauf vorausgesetzt – stemmen könnte. Zumal der Transfer von David Rozehnal in Frankreich schon als perfekt und in Hamburg als fast sicher bestätigt wurde und auch Alex Silva in den nächsten Tagen verkauft werden soll. Und obwohl brasilianische Zeitungen von einem Besuch Juan Figers bei Arnesen für morgen berichten und dies vom HSV dementiert wird, gilt der Transfer von Silva als unverändert höchstwahrscheinlich.

Alles Transfers, die Arnesen noch zögern lassen, in welcher Preisklasse er für das offensive Mittelfeld einkaufen kann/darf/will. Und by the way, einen zentralen Mann von den Spurs zu holen, der dort unter anderem von einem EX-HSVer namens Rafal van der Vaart verdrängt wurde, wäre zumindest nominell zumindest anfänglich etwas seltsam, wünschen sich doch hier (fast) alle nichts sehnlicher als das Original zurück…

In diesem Sinne, es wird noch viel passieren, das scheint klar. Und das ist für mich bis auf weiteres erst einmal eine gute Nachricht.

Euch allen einen schönen Abend und bis Mittwoch (morgen ist Dieter da),

Scholle

19 Uhr

Collo zu 1860, Mathijsen weg, Rennes legt nach ***aktualisiert mit Stimmen von Collo****

17. Juni 2011

Eine überwältigende Reaktion. 90 Prozent Ablehnung wurden errechnet. Der Blog wurde als der schlechteste von allen betitelt, begleitet von Beleidigungen einiger. So funktioniert anonymes Posting, und das muss ich mir – darauf war und bin ich tatsächlich eingestellt – gefallen lassen. Schlechte Nachrichten führen fast immer dazu, dass hier Verschwörungstheorien gepaart mit Beleidigungen, aber eben auch gehaltvolle Kritik Eurerseits angeführt werden. Letzterem stelle ich mich. Dennoch, jetzt hier in die Diskussion einzusteigen und alles neu aufzurollen machte keinen Sinn. Die Zeit wird die Antworten bringen und Zahlen offenbaren. Warten wir darauf.

Deshalb beschäftigen wir uns doch mit anderen Dingen. Damit zum Beispiel, dass Collin Benjamin bereits seinen Medizincheck in München absolviert hat und in der kommenden Saison aller Voraussicht nach nur ein- statt 17-mal am Millerntor auflaufen soll – und das als Spieler der Löwen von 1860 München, bei denen der 32-Jährige Anfang nächster Woche für ein Jahr Jahre unterschrieben soll. “Wir hatten ein sehr gutes Gespräch”, bestätigte 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger, “wir werden uns Anfang kommender Woche noch mal hinbsetzen und sprechen. Klar ist, beide Seiten haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit.”

******AKTUALISIERUNG*********

Collo selbst habe ich gerade eben sprechen können. Er wirkte begeistert und tatenfreudig. Collin: “Ich werde, wenn ich am Wochenende nicht tot umfalle, am Montag bei 1860 meine erste Trainingseinheit absolvieren. Ich hatte eine Woche Kontakt und habe mir alles sehr genau angehört. Der Klub vermittelt Aufbruchstimmung und ich möchte zusammen mit einigen anderen, erfahreneren Spielern dazu beitragen, dass die Löwen an alte Erfolge anknüpfen. Auf jeden Fall, und das hat mich letztlich überzeugt, ist bei 1860 München wieder richtig Leben drin. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.”

Dass er gern in Hamburg geblieben wäre, daraus macht er kein Geheimnis. München sei zwar auch eine sehr schöne Stadt, “aber an Hamburg kommt in Deutschland einfach nichts ran”. Auch deshalb werden seine Frau und Kinder zunächst in Hamburg bleiben. “Ich werde mich heute Abend und am Wochenende mit meiner Frau abstimmen und besprechen. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Aber wenn alles normal läuft, unterschreibe ich zunächst für ein Jahr. Und klar ist auch – ich werde wiefder nach Hamburg zurückkehren. Früher oder später…”

Auf jeden Fall zum Spiel bei Pauli. Denen war Collo sogar angeboten worden. Allerdings lehnten Manager Helmut Schulte und der neue Trainer Andre Schubert letztlich ab, weil Collo nicht in die neue (Alters-)Struktur passt. Und ohne dem Nachbarn etwas Böses zu wollen, hoffe ich, dass der FC schon bald merkt, was für einen Fehler er gemacht hat. Spätestens dann, wenn Collo am Millerntor in hellblau-weiß aufzieht…

Abgelehnt hat der HSV unterdessen den Halbbruder von Guy Demel. Der heißt Yannik Sagbo, ist Stürmer, 22 Jahre alt, wurde gerade für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste berufen und stürmt auf Leihbasis 8er gehört dem AS Monaco) für den französischen Zweitligisten FC Evian, der gerade den Aufstieg in die erste Liga realisieren konnte. Neun Ligatore in 31 Spielen erzielte der 1,83-Meter-Mann, dessen Bruder den HSV auf jeden Fall verlasen will und soll. Im gestrigen Treffen der Berater Demels mit Sportchef Frank Arnesen einigten sich die Parteien darauf, weiter nach einem Verein zu suchen, der die vom HSV gewünschte Ablösesumme bezahlen will. Sollte sich hierbei nichts finden, wird Demel am 26. Juni zum Trainingsauftakt erscheinen und vorab ein klärendes Gespräch mit Trainer Michael Oenning führen. Dabei wird zwar keine Versöhnung erwartet/bezweckt, dafür aber der professionelle Umgang miteinander. Immerhin haben beide Seiten noch bis zum Ende der Transferfrist am 31. August Zeit.

Frank Arnesen ist unterdessen dieses Wochenende noch mal mit seiner Familie unterwegs, ehe es „ab Montag keine Familie mehr gibt“, wie Arnesen mit einem Augenzwinkern ankündigt. Zuletzt hatte sich der Däne bei der U-21-EM umgesehen, dort auch das tschechische Talent Jan Lecjaks angesehen. Der Linksverteidiger aus Pilsen ist aktuell an den RSC Anderlecht ausgeliehen, die gerade eine Kaufoption über 900000 verstreichen ließen. Allerdings gilt der 19-Jährige beim HSV nur als möglicher Backup, sollte Marcell Jansen entgegen aktueller Erwartungen doch noch den Klub wechseln.

Bei Jonathan Pitroipa gibt es indes neue Bewegung. Der schnelle Außenstürmer wird von Stade Rennes umworben: Die Franzosen sind sogar bereit gewesen, bis zu 4,5 Millionen Euro für den Burkinaben zu zahlen. Allerdings lehnte der HSV ab, forderte mindestens sechs Millionen Euro. Jetzt sollen die Franzosen ihr Angebot aufstocken wollen. Demnach soll der HSV in den nächsten Tagen ein verbessertes Ablöseangebot erhalten, zudem Leistungsprämien zugesichert bekommen für den Fall, dass sich Rennes für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Klar ist, und damit gehe ich heute aus diesem Blog raus und wünsche ich schon mal vorab ein schönes Wochenende, klar ist, dass Joris Mathijsen zu Malaga wechselt. Heute unterschrieb der Niederländer einen Vertrag bis 2013, nachdem auch letzte Details zwischen dem HSV und den Spaniern geklärt worden waren. Mathijsen, der 2006 zum HSV wechselte und in 210 Spielen (davon 148 x Bundesliga) sieben Tore erzielte, bringt dem HSV rund 1,5 Millionen Euro Ablösesumme ein. Der 31-Jährige, der vor fünf Jahren von AZ Alkmaar zum HSV gewechselt war, folgt damit seinem Landsmann und Freund Ruud van Nistelrooy, der wie er von Rodger Linse beraten wird, an die Südspitze Spaniens. „Wir wünschen Joris für die kommenden sportlichen Aufgaben beim FC Malaga und für seine private Zukunft alles Gute“, sagt Sportchef Arnesen zum Abschied. Worte, denen ich mich anschließen möchte. Wer in fünf Jahren 148 Ligaspiele absolviert, also aufgerundet 30 von 34 Spielen pro Saison im Schnitt, der hat sich definitiv um den Verein verdient gemacht und einen würdigen Abschied verdient.

In diesem Sinne, Joris und Euch alles Gute,

Scholle

16.30 Uhr

Lasst uns dem Umbruch eine echte Chance geben…

16. Juni 2011

Es klang alles gut. „Die Zahlen lassen es zu, optimistisch in die Zukunft zu blicken“, hatte Ernst-Otto Rieckhoff nach der Aufsichtsratssitzung am, Mittwoch gesagt. Mehr gäbe es von seiner Seite nicht zu berichten. Von rund drei Millionen Euro Minus für das abgelaufene Geschäftsjahr war die Rede. Eine Summe, die angesichts des teuren Kaders und des Nichterreichens eines internationalen Wettbewerbes auf den ersten Blick auch nicht verwundern. Und da der Aufsichtsratsvorsitzende hinzufügte, dass die Zahlen für die Zukunft Optimismus verbreiten könnten, schien alles im Lot. Eben so, wie wir es alle gern hätten – und einige hier auch mit Vehemenz behaupten und verteidigen.

Dennoch, und ich weiß, damit mache ich mir hier keine Freunde, die Wahrheit ist leider nicht so rosig, wie es zu vermuten wäre. Der Aufsichtsrat versucht, Ruhe in den Verein zu bringen, setzt auf Zeitgewinn. Es wird gehofft, dass durch Erfolge in der kommenden Saison (Finanz-)Löcher gestopft werden können, die abzusehen sind, aber unerwähnt bleiben. Und um hier eins klarzustellen: mit einem Konzept im Hinterkopf ist das wahrscheinlich auch die taktisch cleverste Lösung.

Aber eben eine, über die sich alle bewusst sein müssen und die nicht – wie hier von immer denselben Leuten wieder – verkannt werden darf. Dieser Verein steht finanziell nun mal am Scheideweg. Das ist ein unbestrittener Fakt. Und je früher das allen klar wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf die neuen Umstände passend reagiert werden kann.

Wie es der HSV mit seiner Transferpolitik längst tut. Deshalb werden teure Spieler abgegeben, verkauft und dafür junge, talentierte und vor allem kostengünstige Spieler geholt. Der HSV reagiert und macht auch kein Geheimnis daraus, dass „in Zukunft kleinere Brötchen gebacken werden müssen“, wie Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow vor Wochen bereits verkündet hatte.

Aber es gibt in meinen Augen einfach noch zu viel Augenwischerei. Von drei Millionen Euro Minus zu sprechen und dabei die 12,5 Millionen Euro von Kühne unerwähnt zu lassen, die auch einen Teilverkauf von Transferechten nach sich ziehen, ist trügerisch. Zudem für die neue Saison die bislang 14 Millionen Euro eingesparte Gehälter einzuberechen und die Verkäufe von David Rozehnal, Alex Silva, Guy Demel und Joris Mathijsen vorauszusetzen, ist zwar legitim, aber gefährlich weil spekulativ. Zumal dann, wenn die Spieler nicht das erlösen, was sich der Verein von ihnen erhofft hat. Bestes und aktuellstes Beispiel dafür ist Joris Mathijsen, der 2006 für sechs Millionen aus Alkmaar verpflichtet worden war und statt der erhofften zwei bis drei Millionen Euro dem Vernehmen nach nur 1,5 Millionen Euro einbringt. Zudem steht der Abgang von Demel zwar für beide Seiten fest, eine finanzielle Lösung hierbei ist aber weiter nicht in Sicht. Denn während Mathijsen heute in Malaga unterschrieb, trafen sich Demels Berater und HSV-Sportchef Frank Arnesen in Hamburg. Wieder ohne Ergebnis.

Rund zwei Millionen fordert der HSV für den Ivorer, der defensiv vielseitig einsetzbar ist und von französischen Erstligisten umgarnt wird. Eine Summe, die man sich beim HSV für David Rozehnal als Ablöse erhofft hatte. Der Tscheche, an dem sein Leihklub OSC Lille interessiert ist, wurde allerdings intern bereits abgewertet. Der 2009 für sechs Millionen Euro eingekaufte Innenverteidiger wird den HSV verlassen und weniger als eine Million Euro an Ablösesumme einbringen. So teilte es der Vorstand seinen Kontrolleuren mit.

Wer genau hinsieht, merkt, dass sich Transfererlöse generell zurückentwickeln. Das ist also kein Fehler der aktuellen HSV-Führung, und kein HSV-typisches Problem, sondern eine allgemeine Tendenz. Bei Mathijsen macht der HSV 4,5 Millionen Minus, bei Rozehnal mehr als fünf Millionen. Und auch für Silva, der 2008 knapp sieben Millionen Euro kostete und bislang eine Million Euro Leihgebühr einbrachte, wird mit einem Minus eingeplant.

Auch deshalb ist beim HSV derzeit kein Spieler mehr „absolut unverkäuflich“. „Wir wollen Pitroipa nicht abgeben“, sagte Jarchow gestern, angesprochen auf ein 4,5-Millionen-Angebot von Stade Rennes, „aber klar ist auch, dass es auch für uns eine Grenze des Vertretbaren gibt.“ Wie ich gehört habe, liegt die aktuell bei geforderten sechs Millionen Euro. Womit der HSV dem Trend entgegenwirken könnte: Immerhin kam Pitroipa 2008 ablösefrei aus Freiburg…

Allerdings, und das ist die Überleitung zum hoffnungsvollen Teil, es können eben nicht nur Spieler abgegeben werden. Es müssen auch qualitativ ebenbürtige geholt werden, um das Saisonziel, um Platz sechs zu spielen, auch realistisch bleiben zu lassen. Und hier liegt der Fokus auf Frank Arnesen, der weder von Dieter noch von mir angegriffen wurde und wird, ehe die Saison ein ganzes Stück weit gespielt ist und genug Erkenntnisse liefert, die Neuen zu bewerten. Im Gegenteil, allen Vorwürfen von einigen Euch zum Trotz, sorge ich mich eher. Ich befürchte einfach, dass die Erwartungen an Arnesen zu groß werden. Denn, und das ist die Schnittmenge dessen, was mir alle mit den aktuellen Zahlen befassten Entscheidungsträger mitteilten, die finanzielle Situation des HSV übt großen Druck auf den sportlichen Bereich aus. Alle wissen, dass sie irgendwann Farbe bekennen müssen und die Zahlen 2011/2012 offenlegen müssen. Ergo: sportlicher Erfolg muss her. Und dieser Bereich wird – gefühlt – momentan fast (ein bisschen Trainer Michael Oenning ist auch dabei) allein von Arnesen vertreten.

Ich würde mich freuen, auch für den Frieden hier im Blog, wenn endlich die finanzielle Situation des HSV offengelegt wird. Ich habe heute mit mehreren Aufsichtsräten gesprochen und alle waren sich einig, dass das die beste Lösung wäre. Allerdings, und das schränkte ein Teil der Gesprächspartner ein. Könnte die gutgemeinte Ehrlichkeit zu negativen Reaktionen führen. „Wir müssen doch aufpassen, dass wir auch für die kommende Saison genug Karten verkaufen“, sagte mir ein Aufsichtsrat und erklärte für mich absolut nachvollziehbar: „Wenn wir alles offenlegen, könnte das abschreckend wirken. Es würden doch eh nur Schreckensszenarien gezeichnet. Und am Ende entsteht eine Art Depression. Das können wir nicht riskieren.“ Schon deshalb gab es gar keine andere Möglichkeit, als nach der Aufsichtsratssitzung auf Optimismus zu machen. „Unser Ziel muss dennoch sein, intern schonungslos ehrlich zu sein und danach zu handeln.“

Und ganz ehrlich: DAS ist ehrlich!
Und ein guter Anfang.

In diesem Sinne, es müssen Fakten geschaffen werden. Wie gestern. Da teilte Interims-Vorstandsboss Jarchow denm Kontrolleuren mit, dass er seinen Job gern fest und nicht mehr übergangsweise machen wolle. Er beendete Spekulationen – und stieß damit auf Zuspruch.

Zudem, und das ist mein absolut ehrlich und mit den besten Absichten geäußerter Appell an uns alle hier im Blog: lasst uns auch hier die Realitäten anerkennen und benennen, damit umgehen und gemeinsam das Beste daraus machen. Ich glaube, nur so hat der Umbruch des HSV eine echte Chance.

Scholle

19.30 Uhr

P.S.: Einen neuen Anfang könnte es übrigens bald für Collin Benjamin geben. Der Namibier steht bei Zweitligist 1860 München ganz hoch im Kurs. So verlautbaren es zumindest meine Münchner Kollegen. Collo selbst war heute (für mich) leider nicht zu erreichen. Sobald ich was höre, reiche ich es hier nach…

Arnesen bittet um Geduld und ist zufrieden

2. Juni 2011

Zu früher Stunde bat er zur Audienz: Frank Arnesen, der neue HSV-Sportchef. Und alle kamen sie. Neugierig auf das, was der Neue zu berichten hat. Neugierig darauf, wie es personell weitergeht beim HSV. „Wir müssen etwas Geduld haben“, nahm Arnesen gleich etwas Fahrt aus dem Gespräch, „aber ich bin sehr zufrieden mit unserem ersten Spieler für den HSV.“

Der heißt bekanntlich Michael Ian Mancienne. Geht es nach Arnesen, wird der erste HSV-Engländer seit Kevin Keegan nicht nur „Määnschenn“ ausgesprochen sondern auch eine Soforthilfe. In England sei er mit seinen 1.84 Metern als Innenverteidiger nicht optimal gebaut gewesen. „Ich habe ihm gesagt, dass er nicht so ist wie John Terry oder Alex“, so Arnesen über Manciennes direkte Konkurrenz bei Chelsea, „und ich habe ihm gesagt, dass er in einer anderen europäischen Liga besser aufgehoben wäre. Sein Stil passt besser zu Deutschland als in die Premier League. Als ich ihm vom HSV erzählt habe, hat er nicht einmal gezögert. Er sagte sofort, das sei eine gute Idee.“

Und einmal angefangen, legte Arnesen bei seiner ersten Verpflichtung für den HSV gleich nach. „Michael hat rechts und links hinten, auf der Sechs und auf seiner besten Position in der Innenverteidigung gespielt. Er hat Tempo und wir wollen nach vorn spielen. Das kann er, er geht auch mal mit und treibt den Ball weg vom eigenen Tor. Er ist nicht zu groß, aber extrem sprung- und dadurch kopfballstark. Wir werden ihm Zeit geben, sich einzugewöhnen, aber er ist ganz klar eine Verstärkung und ein Spieler für die Startelf. Ich hoffe sogar, dass er über Deutschland den Sprung in die A-Nationalmannschaft Englands schafft. Denn er ist ein internationaler Spieler.“

Das gilt auch für Jeffrey Bruma, den man in Hamburg schon nahezu sicher wähnte, der sich aber noch mal Bedenkzeit erbat und aktuell mit der niederländischen Nationalmannschaft unterwegs ist. „Er ist noch zehn Tage unterwegs, wird sich danach hinsetzen und eine Entscheidung treffen“, sagt Arnesen, der weiter darauf hofft, nach Mancienne den zweiten Chelsea-Profi nach Hamburg zu lotsen. Ob er einen Trend sieht bei Bruma? Arnesen überlegt kurz, schüttelt den Kopf.

Viel mehr gab es auch bei Mathijsen nicht zu sagen. Klar sei, dass der Niederländer weg will und der HSV bereits ist, seinen Innenverteidiger ziehen zu lassen. Arnesen: „Es hat sich noch kein Verein bei uns gemeldet. Aber wir haben dem Berater gesagt, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen, sobald sich jemand meldet.“

Gemeldet hatten sich jüngst – wie berichtet – die Berater von Guy Demel. „Es war ein sehr nettes Gespräch“, so Arnesen, „sie haben klar gesagt, dass Guy weg will. Wir haben ihnen gesagt, dass das für uns kein Problem ist. Wenn er einen guten Verein findet, werden wir ihm nach sechs Jahren beim HSV keine Steine in den Weg legen. Aber klar muss auch sein, dass am Ende alle Seiten zufrieden sein müssen. Der neue Verein, Guy und wir. Wir wollen ja keine unmenschlichen Summen – aber so geben wir ihn nicht frei.“ Zuletzt hätten ein paar vereine Interesse an Guy angemeldet, wie Arnesen, „und die können sich jetzt auch gern bei mir melden.“ Denn, anders als von Einzelnen berichtet, ist eine Vertragsverlängerung des Ivorers bis 2013 nie ein Thema gewesen. „Es ist sicher drin, dass er noch seinen Vertrag erfüllt, wenn wir keine Lösung finden. Aber klar ist, dass es in allen Gesprächen mehr ums Weggehen ging.“

Um die Zukunft geht es derweil bei Romeo Castelen. Der kniekranke Niederländer unterzieht sich derzeit intensiven Untersuchungen bei den HSV-Ärzten und soll nach Möglichkeit noch ein Jahr bleiben. „Er hat so viel durchgemacht, war immer positiv und hat eine fantastische Einstellung“, lobt Arnesen. Und das mit recht. Denn das, was Castelen durchgemacht hat, hat ihm früher die Karriere gekostet. „Ich hatte mit 25 Jahren nach langer Pause immer wieder Knieprobleme“, erinnert sich Arnesen zurück, „und eines Tages, nach einem Unfall, wusste ich: das war es jetzt. Noch auf der Trage wusste ich, dass das mein Ende wäre.“ Gedanken, die Castelen allemal hätte haben können – die er aber erfolgreich verdrängte und am letzten Spieltag sogar wieder im Kader stand. Arnesen: „Ich habe mit ihm gesprochen, und er hat mir gesagt, dass er dem Verein unbedingt noch etwas zurückgeben will. Das ist eine fantastische Einstellung.“ So fantastisch, dass der Verein überlegt, dem Niederländer einen neuen Einjahresvertrag anzubieten. Drücken wir Romeo mal die Daumen – ähnlich wie im Fall Mladen Petric. Der Kroate hatte in dieser Woche ein Gespräch mit Arnesen. Wie gestern bereits erklärt, ohne Ergebnis.

Ein Ergebnis steht indes in der Torwartfrage bevor. Zuletzt hatte uns Michael Oenning gesagt, dass er davon ausgeht, einen jungen deutschen Nachwuchskeeper suchen zu müssen, da sich Wolfgang Hesl, der aktuell zum SV Ried nach Österreich verliehen ist, nicht mit der Rolle des Ersatzmannes zufrieden geben würde. Bei Arnesen klang das heute etwas anders. Auch bei ihm ist Drobny klar die Nummer eins. Aber er scheint Hesl für seine Aufgaben in Hamburg begeistert zu haben. „Ich habe ihm gestern gesagt, dass es sein kann, dass er ein ganzes Jahr auf der Bank sitzt. Er soll sich Gedanken machen. Ich habe ihm gesagt, er soll sich nicht sofort entscheiden. Wir haben vereinbart, dass sich Michael Oenning nächste Woche noch mal mit ihm unterhält. Sollte Wolfgang zurückkommen, brauchen wir keinen neuen Torwart mehr zu suchen. Wir planen eh mit 25 Spielern inklusive drei Torhütern.“

Und während Arnesen keinen Zweifel daran ließ, dass Alex Silva aus seinem Verleihstatus verkauft werden will und soll, wusste er auf die Frage nach dem neuen (oder eben alten?) Mannschaftskapitän nicht sofort zu antworten. Es seien nach den Abgängen von Zé Roberto, van Nistelrooy und Frank Rost nicht mehr so viele Spieler mit viel Erfahrung im Team- „Und Heiko habe ich schon zu seinen Schalker Zeiten als hervorragenden Typen und Fußballer kennengelernt.“ Eine Entscheidung über den nominellen Leader sei aber noch nicht gefällt.

Außerdem sprach Arnesen noch…

…über Michael Oenning: „Ich habe Michael gesagt: ‚Los, fahr weg, fahr in Urlaub, du musst einen freien Kopf bekommen.‘ Ich habe ihm das gesagt, da ich weiß, wie intensiv der Trainerjob ist. Aber Michael wird das schon gut machen, er ist so ein intelligenter Trainer. Diese Intelligenz, dazu seine Kommunikationsstärke und diese Ruhe, die er in sich trägt – das hat mich vollends überzeugt. Unsere Gespräche waren hervorragend, weshalb ich gesagt habe, er muss diese Chance einfach bekommen. Denn er ist wirklich ein sehr guter Trainer, vor allem in unserer jetzigen Situation. Er weiß sehr, sehr gut mit jungen Spielern umzugehen, er kann sie formen und entwickeln. Und er kennt auch jeden deutschen Nachwuchsspieler, hat ein enormes Fachwissen im Nachwuchsbereich. Und das wird uns helfen, denn wir dürfen nicht nur auf heute schauen. Wir müssen auch schon jetzt unsere Spieler für morgen entwickeln. Und da ist Michael der genau richtige Mann.“

…über Bastian Reinhardt: „Wie Bastian sich verhalten hat und verhält, das ist höchst professionell. Das muss man ihm ganz hoch anrechnen. Und es zeigt auch, dass der HSV für ihn mehr als einfach nur ein Verein ist. Solche Leute brauchen wir, deshalb werden wir Bastian auch stark in den sportlichen Bereich einbinden. Er soll zusammen mit Lee Congerton, der im Nachwuchsbereich ein großartiges Fachwissen besitzt, Profis und Nachwuchs verbinden, den Austausch verstärken, als Ansprechpartner dienen. Für die Zukunft des Vereins sind die Nachwuchsarbeit und die Verzahnung mit dem Profibereich von entscheidender Rolle, und hier wird Bastian eine wichtige Rolle spielen. Ich bin sehr froh, dass wir ihn in unserem Team haben.“

…über seine Ziele mit dem HSV: „Ich denke nicht, dass wir momentan über eine genaue Platzierung als Ziel sprechen sollten. Unser Ziel muss sein, junge Spieler heranzuführen. Einen haben wir geholt, in den nächsten Wochen kommen hoffentlich noch ein, zwei dazu. Uns geht es darum, Spieler für heute zu holen – aber eben auch welche für morgen. Wir wollen den bestmöglichen Kader zusammenzustellen, uns in allen Bereichen gut aufstellen, auch an der Basis und für die Zukunft. Und unser Ziel muss sein, jedes einzelne Spiel zu leben, für den HSV alles zu geben, unsere Fans wieder für uns und unseren Fußball zu begeistern. Wenn Team und Fans wieder als Einheit marschieren, dann wäre schon viel gewonnen. Und der Rest kommt dann von ganz allein.“

In diesem Sinne, das hoffen wir doch alle.

Euch allen noch einen schönen Restfeiertag, morgen meldet sich der Blogvaddern wieder,

Macht’s gut,

Scholle

P.S.: Der HSV ist nicht wie zuletzt spekuliert an Josh McEachran vom FC Chelsea interessiert.

Hoffentlich macht Ruud jetzt nicht den Boris

1. Juni 2011

Ihr musstet lange warten. Und jetzt ist der Blog auch noch etwas kürzer als sonst. Allerdings habe ich lange Zeit überlegt, ob ich überhaupt einen Blog schreibe, da ich flach liege. Der Magen wollte heute nicht, wie ich so wollte. Ergebnis: Er rebellierte und ich war/bin an die Couch gefesselt.

Aber gut, genug gejammert…. Es wird ja schon langsam wieder. Auch wenn Pressedirektor Jörn Wolf schon zweimal nachfragen musste, als ich ihn anrief. Irgendwie hatten die Auswirkungen der Rebellion meine Stimmbänder beeinträchtigt. Dennoch konnte ich ihm einige wichtige Fragen stellen. Auch, wenn er leider naturgemäß nicht alle beantworten wollte.

„Es war ein äußerst ruhiger Tag“, so Wolf mit der Antwort, die ich am wenigsten hören mag. Einzig Guy Demels Berater saßen heute mit dem Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow und Sportchef Frank Arnesen zusammen. Ihr Ziel schien tatsächlich die Ablösefreiheit des Ivorers, der sich so unrühmlich in Hamburg verabschiedet hatte. Allerdings blieb der HSV stur. Zwar wurde ganz klar gesagt, dass Guy gehen darf – allerdings nicht für null. „Wir haben nichts zu verschenken“, so Arnesen, der uns morgen früh Rede und Antwort stehen wird, mit der für mich logischen Reaktion.

Morgen wird uns Arnesen vielleicht auch erzählen, was jetzt mit Mladen Petric ist. Der Kroate, der wegen Adduktorenproblemen die Länderspieltour mit den Kroaten abbrach und wieder in Hamburg weilt, soll gehalten werden. Ein Treffen mit dem Berater des Top-Torjägers blieb allerdings ergebnislos. Beide Parteien liegen in ihren Vorstellungen noch weit auseinander, nachdem Petric das Jahresgehalt von rund vier Millionen Euro seines Sturmpartners Paulo Guerrero als Maßstab ansetzt. Ein Gehalt, das der HSV in der aktuellen Situation nicht zahlen kann/will. Und eines (das von Guerrero!), das Arnesen intern heftig und als völlig überzogen kritisiert hatte.

Eine Einigung steht indes – und damit bleiben wir beim Thema Geld – bei Ruud van Nistelrooy bevor. Der will heute oder morgen beim spanischen Zwölften der Primera Division, dem FC Malaga, unterschreiben. Ein Jahr plus Option hat der Niederländer ausgehandelt. Nebst einem Gehalt, das sich jenseits des Guerrero-Gehaltes bewegen soll. Möglich macht es ein Scheich, der den spanischen Klub inzwischen mit seinen Milliarden führt.

Dabei war es Ruud, der immer sagte, wie unwichtig ihm das Geld bei seiner Entscheidung sei. „Ich werde nur dort noch spielen, wo für mich alles passt. Sportlich und familiär.“ Nun ist beides sicher relativ, aber sportlich scheint der Klub, bei dem auch Martin Demichelis spielt, nicht die erste Adresse in Europa. Und davon hatte Ruud nach eigener Aussage auch zwei, drei gute Angebote vorliegen.
Aber egal, diesen Kummer bin ich von meinen einstigen Idolen gewohnt, Zuerst war es der HSV, der mir die eine oder andere romantische Vorstellung nahm. Einst mit der Raute auf der Wange im Block E/F gestanden, erfuhr ich durch meinen Job plötzlich, dass nicht alles so schön war, wie es schien.

Dann das schlimmste Beispiel: Boris Becker. Der Mann aus Leimen, der Held meiner Jugend, der Deutschland fast im Alleingang in die Tennis-Weltspitze schlug, ließ sich in Besenkammern verführen, bei Hochzeiten filmen und für die Gala (oder sonst ein Promi-Blatt) fotografieren. Er ging mit einem Autohaus pleite und stellte sich immer mehr zur Schau. Er entblößte sich. Und plötzlich war das Bild des goldhaarigen 17-Jährigen nach dem Match gegen Kevin Curren gewichen.

Und jetzt Ruud… Der einst in meinen Augen beste Angreifer der Welt, der dem Erfolg alles – auch die Gesundheit seiner Gegner – unterordnete und so viel Geld verdient hat, dass er es wahrscheinlich kaum mehr ausgeben kann, wechselt zu Malaga. Nichts gegen den schönen Ort an der Südspitze Spaniens – aber das hätte ich nicht gedacht. Ich kann nur hoffen, dass der Scheich ihm neben den Millionen einen sportlichen Ausblick gegeben hat, der mich eines Besseren belehrt.

In diesem Sinne, hoffentlich macht Ruud nicht den Boris – sonst ist die nächste Rebellion meines Magens vorprogrammiert.

Bleibt gesund! Und bis morgen! Dann mit Arnesen.

Scholle
(18.54 Uhr)

Es passiert endlich Nennbares ***ergänzt***

30. Mai 2011

***Ergänzung/Erklärung: Mitnichten bin ich Frank Arnesen gegenüber negativ eingestellt. Sollte es sich so für Euch lesen, täuscht der Eindruck. Vielmehr wollte ich sagen, dass es normal ist, dass ein neuer Sportchef bei Amtsantritt seinen Stempel aufdrücken will. Und das ist – zumal wenn es eine ganze zeitlang bescheiden lief im Klub – auch gut so. Dennoch muss der Verein in Person des Vorstandes bzw. des Aufsichtsrates ein Auge darauf haben, dass sich die Struktur nicht zu sehr an einer Person orientiert. Denn so könnte der Verein in eine falsche Abhängigkeit geraten und dadurch künftig bei seinen Entscheidungen nicht mehr komplett frei sein. Ich wollte lediglich präventiv darauf hinweisen, dass ein gewisses Gleichgewicht beachtet werden muss. In diesem Sinne: ich freue mich auf Arnesens Neuerungen!****

Zuallererst muss ich mich entschuldigen! Eigentlich sollte dieser Blog schon um 17.30 Uhr online stehen. Allerdings habe ich mich da mit dem wunderbaren Betriebssystem „apple“ getäuscht – denn das hat mich bitterlich im Stich gelassen, als ich dem Wetter angemessen im Freien diese Zeilen schreiben wollte….

Egal wie, es gibt ja wenigstens gute Nachrichten dieser Tage zu vermelden: „Menntschenn“, wie der Nachname von Chelsea-Profi Michael Ian Mancienne ausgesprochen wird, kommt zum HSV. Genau genommen ist er morgen kurz zum Medizincheck in Hamburg und reist anschließend wieder ab. Die englische U-21-Nationalmannschaft ruft. Zeit für uns Journalisten hat er leider nicht – insofern kann ich Euch keine persönlichen Eindrücke versprechen. Aber ich habe mich umgehört. Und was ich zu hören bekommen habe, klingt besser, als es die Vita des 23-Jährigen U-21-Nationalspielers (das schreib ich nur, weil ich diese U-21-Regelung bis heute nicht nachvollziehen kann…) zunächst vermuten lässt.

Der Defensiv-Allrounder, der alle englischen Jugendnationalmannschaften durchlaufen hat, steht bereits seit sechs Jahren bei Chelsea unter Vertrag, davon aber gerade mal 15 Monate im Kader – und das auch noch „nur“ in Etappen. Ansonsten spielte er die meiste Zeit als Leihspieler bei den Wolverhampton Wanderers, die es gerade noch geschafft haben, den Abstieg aus der Premier League zu vermeiden. 16 Einsätze konnte der junge HSV-Bald-Zugang in dieser Spielzeit in Englands höchster Liga verbuchen, 50 (davon vier für Chelsea) insgesamt. Nicht zu viel für einen rund zwei Millionen Euro teuren Spieler, der seit drei Spielzeiten auf höchstem Niveau vertreten ist.

Dennoch schwört insbesondere der neue Sportchef Frank Arnesen auf den Verteidiger. Der Rechtsfuß gilt nicht nur als talentiert sondern als Erstligaspieler, der zuletzt Verletzungspech (Patellasehnenreizung) hatte und dem lediglich zu starke Konkurrenz vorgesetzt ist. Ähnlich wie Jeffrey Bruma ist Mancienne nur übrig. Ein Opfer der Abramowitsch-Milliarden, die fertige Weltklasseleute ermöglichen und die dazu verleiten, das Risko zu meiden, ein junges Talent aufzustellen. Egal wie gut es ist. So seltsam das auch klingen mag.

Aber wen stört es, solange wir beim HSV davon profitieren? Gleich für vier Jahre soll der Mann mit englischem Pass und dem Geburtsort Sychellen in Hamburg unterschreiben. Eine Investition, die schwer abzuschätzen ist, die aber alle Profilpunkte eines Umbruchs zu jungen Spielern mit Talent beinhaltet. Und eine Investition, die – die Verpflichtung von Bruma vorausgesetzt – dem HSV Spielraum in der Verteidigung verschafft. Denn wie Bruma hat auch Mancienne seine größten Stärken als Innenverteidiger, kann aber auch als defensiver Mittelfeldspieler und als Rechtsverteidiger eingesetzt werden.

Zumal dort ein Platz auf sicher frei wird: Guy Demels. Der Ivorer hat bei Trainer Michael Oenning bekanntermaßen keine Zukunft mehr und verhandelt derzeit mit französischen Klubs ebenso wie mit Vereinen in London (mehr wollte man mir nicht sagen, außer, dass es nicht Arsenal ist). Zudem steht am Mittwoch um 15 Uhr der große Gipfel mit Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow sowie Frank Arnesen an, in dem Demel um seine möglichst kostengünstige Freigabe bitten will. Zwar ist der HSV alles andere als gewillt, für den Ivorer auf Geld zu verzichten. Aber egal wie, bei Demel wie auch beim ersten Neuzugang (und zweiten gleich hinterher?) stehen Entscheidungen an. Es passiert tatsächlich etwas Nennbares – der HSV kauft ein.

Und das mal wieder beim FC Chelsea. Nicht, dass es mich verwundert, immerhin kennt sich Arnesen dort am besten aus. Allerdings, und das Gefühl beschleicht mich langsam, wird beim HSV zu viel in Richtung Arnesen-Wunsch umgebaut. Zuerst wollte der Däne lange Zeit seinen Wunschtrainer Solbakken durchdrücken, scheiterte aber am HSV-Vorstand und den finanziellen Möglichkeiten in Hamburg. Dann wurde die medizinische Abteilung aufgelöst und durch Arnesens Leute vom FC Fulham ersetzt. Gleiches passiert jetzt – wobei das mit Sicherheit das Normalste an dieser Umgestaltung ist – auf Spielerseite. Das „System Arnesen“ wird umgesetzt. Worüber ich mich auf der einen Seite freue, weil es etwas Neues ist. Andererseits aber: was passiert, wenn die Neuerungen nicht greifen und sich der HSV von Arnesen lossagen will? Dann stünde erneut ein langwieriger, großer Umbruch an allen Ecken bevor, weil neben dem Sportchef auch viele seiner mitgebrachten und neu eingesetzten Spezis den Verein verlassen würden/müssten/wollten.

Nein, der HSV muss aufpassen, dass er sich nicht zu sehr den Vorstellungen und Wünschen einer einzelnen Person unterwerfen. Es darf nie eine Abhängigkeit von einer Person entstehen, wie sie einst beim FC Kaiserslautern vorgekommen sein soll, als mehr als die Hälfte der Mannschaft den selben Berater hatte und der angeblich Einfluss genommen haben soll auf sportliche Entscheidungen. Das Ergebnis: Abstieg in die Zweite Liga.

Aber okay, ich will nicht zu negativ denken. Im Gegenteil, bislang gibt Arnesen dazu wenig Anlass. Der Däne ist immer höflich, spricht von Teamgedanken und das nicht nur uns ggenüber sondern auch ggenüber dem Vorstand, der Mannschaft und den sonstigen Angestellten des HSV gegenüber. Am wichtigsten aber ist, Arnesen genießt fachlich einen sehr guten Ruf und – er beginnt, dem Kader neue Konturen zu verleihen. So soll er am Wochenende in London nicht nur Mancienne und Bruma verhandelt haben, sondern parallel auch den verkauf einiger Spieler forciert haben. Unter ihnen steht – kein Wunder bei den Neuverpflichtungen – Joris Mathijsen ganz oben auf dem Zettel. Intern gilt der Abgang des 31-Jährigen, der von Ajax Amsterdam und einem spanischen Klub umworben wird, als beschlossene Sache.

Als offener denn je gilt indes die angedachte Verpflichtung von Eintracht Frankfurts Pirmin Schwegler. Immerhin pokern alle Seiten. Neben dem HSV und Frankfurt, die den Schweizer halten wollen ist auch der VfB Stuttgart. Und während die Hessen so tun, als seien sie nicht gewillt, den Spieler abzugeben, um so den Preis in die Höhe zu treiben, setzt der HSV darauf, keine existenziellen Nöte preis zu geben. Ebenso der VfB, der laut Trainer Bruno Labbadia im defensiven Mittelfeld keine leidet. Selbst Schwegler sagt nicht alles, was er weiß: „Ich habe einen laufenden Vertrag, der ach in der zweiten Liga Gültigkeit besitzt“, so der Umworbene am Rande des Zusammentreffens mit der Schweizer Nationalmannschaft, „und Eintracht Frankfurt hat mir mitgeteilt, dass man mit mir plant.“ Mehr konnte und wollte er aus Respekt dem aktuellen Arbeitgeber gegenüber auch nicht sagen. Denn, und das scheint klar, Schwegler selbst strebt einen Wechsel an, hat diesen Wunsch auch bei der Vereinsführung seines Noch-Arbeitgebers hinterlegt. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an der EM im kommenden Jahr – und dafür wäre ein Jahr Zweite Liga sicher nicht die beste Empfehlung.

Empfehlen werde ich allerdings jetzt mich. Denn, und das ist das Motto an diesem schönen Tag, ich will Euch keine Sekunde länger als nötig stehlen. Im Gegenteil, genießt den schönen Tag und die durchaus guten Nachrichten vom HSV.

Bis morgen!

Scholle
19.46 Uhr

Saisonanalyse, Teil 1: Die Defensive

16. Mai 2011

Die Sache mit der Fairplay-Wertung habt Ihr wahrscheinlich alle inzwischen gelesen. Aber, wer hatte allen Ernstes noch darauf gehofft? Es hätte einfach nicht in diese von Anfang bis Ende – vorsichtig formuliert – verkorkste Saison gepasst. Stattdessen erhalten Fairplay-Sieger Norwegen sowie die Platzierten England und Schweden je einen zusätzlichen Startplatz in der Europa League. Und selbst wenn Deutschland den Zuschlag der Uefa erhalten hätte – der SC Freiburg war fairer als der HSV. Auch dann wäre es nichts geworden

Nein, es wäre auch nicht verdient gewesen. Unverdient im Sinne des sportlichen Wettkampfes, den der HSV diese Saison nicht so gestalten konnte, wie er es wollte. Und eben noch weniger so, wie es erwartet werden durfte. Und bevor ich jetzt hier, gerade mal zwei Tage nach dem wirklich schönen und bewegenden Abschied von verdienten Spielern, anfange, wieder die Keule herauszuholen und auf alles einzudreschen, was die Raute trägt, versuche ich mich heute in der Analyse der HSV-Defensive. Ergo: die Torhüter und die Abwehr im Generalcheck. Als kleinen Bonbon hat uns die Firma Castrol die statistischen Saisondaten eines jeden einzelnen Spielers zur Verfügung gestellt. Los geht es:

Frank Rost:Die unumstrittene Nummer eins des HSV hat eine starke letzte Saison gespielt. In der Kabine wie auf dem Platz wurde er seiner Rückennummer gerecht und agierte nicht stromlinienförmig sondern mit seinen Kanten. Trotz seiner direkten Art, die erfolgsbesessen und selten diplomatisch war, hat er sich mannschaftsintern zum Leader gedient und konnte seine hohen Anforderungen selbst sehr wohl bestätigen. In der Liga gibt es kaum bessere Torhüter im Eins gegen Eins. Bei dem einen oder anderen Freistoß sah er nicht zwingend glücklich aus, aber diese wenigen Ausnahmen seien ihm verziehen. Auf jeden fall hat Rost die Messlatte für seinen Nachfolger hoch gehängt. Sehr hoch sogar…
Fäustl in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
2652
Gegentore: 43
Zu-Null-Spiele: 7
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 56
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 37
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt in %: 68%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 16
Gefangene hohe Bälle: 21
Fallengelassene hohe Bälle: 1
Quote hohe Bälle in %: 97%
Abschlag: Lange Abschläge: 213
Quote lange Abschläge in %: 68%
Abwürfe / kurze Abschläge: 157
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 99%

Jaroslav Drobny: Der Tscheche ist zum HSV gekommen, um hier die Nummer eins zu machen. Daraus wurde fast eine ganze Saison auf der Bank oder im Krankenstand. Drobo gilt als eher ruhiger Vertreter, was ihm in den wenigen und glücklosen Auftritten in dieser Saison Kritik einbrachte. Denn während die einen behaupten, es sei mangelnde Spielpraxis gewesen, sahen andere Drobnys fehlende Kommunikation als Grund für Abstimmungsprobleme mit seiner Abwehr. Allerdings, und das zeigte der Tscherche im Training, nachdem ihm gesagt worden war, dass er als neue Nummer eins eingeplant wird, er kann auch anders. Denn in den Übungseinheiten, die er eine zeitlang sogar trotz Daumenbruches absolvierte – er hielt da nur mit Füßen und einem Arm – wusste Drobny sehr wohl mit starken Reflexen und klugem Stellungsspiel zu gefallen. Sein größtes Problem wird sein, in die Fußstapfen von Vorgänger Frank Rost zu treten. Allerdings hat der 31-Jährige mit großen Fußstapfen kein Problem: immerhin hat er Schuhgröße 50. Und ein guter Torwart ist er allemal.
…Drobo in Zahlen:
…Gespielte Minuten: 408
Gegentore: 9
Zu-Null-Spiele: 0
Gehaltene Bälle (innerhalb des Strafraumes): 3
Gehaltene Bälle (außerhalb des Strafraumes): 6
Gehaltene Bälle / Schüsse gesamt: 50%
Hohe Bälle: Faustabwehr: 6
Gefangene hohe Bälle: 8
Fallengelassene hohe Bälle: 0
Quote hohe Bälle: 100%
Abschlag: Lange: 31
Quote lange Abschläge in %: 61%
Abwürfe / kurze Abschläge: 26
Quote Abwürfe / kurze Abschläge in %: 100%

Tom Mickel: Guter Ersatzmann, der bei der U23 auf sich aufmerksam machen konnte, aber partout nicht an Drobny geschweige denn Rost vorbeikommt. Im Training immer mit Feuereifer dabei, glänzt er auch hier. Den Status Ersatzmann kann Mickel in Hamburg allerdings nicht ablegen – und wenn man sich die HSV-Planungen anhört, bleibt dem 22-Jährigen wohl nur der Wechsel zu einem anderen Verein, um Spielpraxis zu bekommen. Statistisch mit null Einsätzen nicht zu bewerten.

Dennis Aogo: Der Mann mit Zukunft. Mit einer langen beim HSV. Immerhin wurde der Vertrag des letzten nominierten Deutschen Nationalspielers des HSV im Laufe der Saison bis 2015 verlängert. Und das mit Recht. Immerhin absolvierte der Linksverteidiger nach Startschwierigkeiten und einer langwierigen Verletzung am Saisonstart eine starke Serie mit 20 Einsätzen. Als Linksverteidiger löste er Marcell Jansen und Zé Roberto ab – und er ersetzte sie sehr gut. Inzwischen ist der 24-Jährige längst zum Führungsspieler aufgestiegen und verleiht diesem Status verbal außerhalb und sportlich auf dem Platz immer wieder Nachdruck. Im Training einer der fleißigsten (Dennis zieht wirklich nie zurück!), hat er auch im Spiel sein Phlegma abgelegt und marschiert vermehrt mit nach vorn. Am besten hat das in den wenigen Spielen mit Marcell Jansen und ganz am Ende mit Elia vor ihm funktioniert. “Aber zur neuen Saison werden wir uns länger einspielen und Automatismen entwickeln können”, kündigt der bibelfeste Profi bereits an.

Aogo in Zahlen……Gespielte Minuten: 1786
Tacklings gesamt: 43
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 81%
Abgefangene Bälle: 27
Klärende Aktionen gesamt: 22
Klärende Aktionen per Kopf: 6
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 13
Pässe gesamt: 865
davon angekommen: 83%
Offensiv: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 2
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 24
Gelbe Karten: 3
Rote Karten: 0

Dennis Diekmeier: Kam spät – aber gewaltig. gerade mal acht Spiele hat der pfeilschnelle Rechtsverteidiger absolviert und dabei fast ausnahmslos überzeugt. Nicht zwingend mit filigranem Fußball oder außergewöhnlich gutem Stellungsspiel. Aber immer mit 100 Prozent Einsatz, Zweikampfstärke und dem einen oder anderen gelungen Flankenlauf. “Das wird noch mehr”, verspricht Diekmeier. Und ich vermag es zu glauben.

Diekmeier in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
668
Tacklings gesamt: 12
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 92%
Abgefangene Bälle: 13
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 209
davon angekommen: 69%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 8
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Guy Demel: Der Verlierer der Saison. Zuerst bei Trainer Armin Veh als zu verletzungsanfällig immer in der Kritik, kam er aus dieser Rolle auch nach dessen Demission und unter dem neuen Trainer Michael Oenning nicht heraus. Am Ende leistete sich der Ivorer, der in dieser Saison eigentlich zum Publikumsliebling avancierte, den unerklärlichen Fehler, seiner Mannschaft bewusst zu schaden, indem er sich und seine sportliche Hilfe verweigerte. Grund dafür soll eine ausgelebte Fehde zwischen ihm und Oenning gewesen sein. Egal wie, in seinen am Ende immerhin 21 Saisonspielen wusste Demel auch zu gefallen. Obgleich er zu wenige Offensivakzente setzte, setzt er einige Gute und deutete seine Klasse an. Allein, das reicht ihm genauso wenig wie dem HSV, der ihn deshalb trotz Vertrages bis 2012 abgeben will und aller Voraussicht nach auch abgeben wird.
Guy Demel in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 30
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle: 34
Klärende Aktionen gesamt: 42
Klärende Aktionen per Kopf: 18
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 16
Pässe gesamt: 885
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 1
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 22
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Collin Benjamin:Der gefeiertste Spieler nach dem letzten Saisonspiel am Sonnabend. Und das völlig zurecht. Denn Collo hat in seinen zehn Jahren beim HSV ehrlichste Arbeit abgeliefert, war immer eine Integrationsfigur und ein außergewöhnlich wichtiger Faktor beim Teambuilding, wie bislang noch alle seine Trainer und Mitspieler bestätigten. Und auch in seinen letztlich nur acht Einsätzen in dieser Saison zeigte der 32-Jährige, dass man sich auf ihn verlassen kann. Denn obgleich ihm etwas Schnelligkeit abhanden gekommen scheint, wusste der Namibier durch gefälliges Stellungsspiel und hohen Einsatz zu gefallen. Dass es sportlich irgendwann ein Ende geben würde, war ihm und allen Beteiligten klar. Ebenso, dass der jetzt erfolgte Schnitt vertretbar ist. Denn seine Konkurrenz (s. Diekmeier) zieht langsam vorbei.
Collo in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
341
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 90%
Abgefangene Bälle:3
Klärende Aktionen gesamt: 10
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 1
Pässe gesamt: 161
davon angekommen: 72%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 1
Begangene Fouls: 5
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Joris Mathijsen: Der eigentlich Unkaputtbare geht in Hamburg langsam doch kaputt. Und das auf brutalste Weise wie beim Länderspiel seiner Niederländer im vergangen November, in dem sich der solide Innenverteidiger im Knöchel einen doppelten Bänderriss zuzog (die TV-Bilder damal waren grausam…). Denn seitdem kam Mathijsen nicht mehr wirklich auf die Beine und absolvierte eher mäßige Leistungen in seinen für seine Verhältnisse mickrigen 19 Saisonspielen. Zuletzt wurde der Niederländer nach offiziellen Angaben geschont. Allerdings, und das ist ein offenes Geheimnis, zählt auch Mathijsen zu den Spielern, die der HSV bei einem passenden Angebot gern abgeben würde. Zumindest erscheint es mehr als fraglich, ob der mäßig schnelle, allerdings mit einer perfekten Grätschensetzung ausgestattete Innenverteidiger überhaupt an seiner letzten Konkurrenz – Gojko Kacar – vorbeigekommen wäre.
Joris in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
1664
Tacklings gesamt: 35
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 77%
Abgefangene Bälle: 57
Klärende Aktionen gesamt: 48
Klärende Aktionen per Kopf: 20
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 12
Pässe gesamt: 909
davon angekommen: 81%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 7
Schüsse vorbei: 3
Begangene Fouls: 17
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Heiko Westermann:Der Unkaputtbare. Körperlich (er absolvierte alle 34 Spiele über die volle Distanz) und mental hat sich der diesjährige HSV-Kapitän in seinem ersten Jahr eindrucksvoll eingebracht. Bei ihm muss allen klar sein, was sie nie bekommen werden. Denn technisch hochwertige, filigrane Einlagen kann der Fußballarbeiter Westermann nicht bieten. Dafür eine beeindruckende Kopfballstärke, Torgefahr, eine starke Zweikampfführung und nimmermüden, vorbildlichen Einsatz. Westermann hat sich mit den einfachen Bordmitteln bei den Fans etabliert und zur festen Größe gemausert. Er verkörpert am besten das, was der HSV durch verschiedene Charaktertest sicherstellen wollte. Er ist einfach ein durch und durch loyaler, einsatzfreudiger und mannschaftsdienlicher Spieler.
Westermann in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
3060
Tacklings gesamt: 90
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 79%
Abgefangene Bälle: 100
Klärende Aktionen gesamt: 172
Klärende Aktionen per Kopf: 83
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 28
Pässe gesamt: 1789
davon angekommen: 78%
Offensive: Tore: 2
Schüsse auf das Tor: 5
Schüsse vorbei: 14
Begangene Fouls: 33
Gelbe Karten: 4
Rote Karten: 0

Gojko Kacar: Gojko wird in der Datenbank nicht als Abwehr- sondern als Mittelfeldspieler geführt. Dennoch hat er sich in Hamburg als Innenverteidiger etabliert und dort trotz der ungewohnten Position starke Leistungen abgerufen. Der Serbe, der im defensiven Mittelfeld Zé Roberto und Jarolim nicht Paroli bieten konnte, ist einer der kopfballstärksten Spieler und kennt in der Härte der Zweikämpfe kaum Grenzen. Allerdings, und das ist die Gefahr bei seinem riskanten Zweikampfverhalten: wenn einer an ihm vorbeikommt, holt er ihn seltenst mehr ein, weil er sehr abrupt attackiert. Wobei, so ehrlich muss man sein, Kacars Stellungsspiel hat sich von Spiel zu Spiel verbessert. Zudem ist der 24-Jährige bei Standards hinten eine Bank und vorn eine ernstzunehmende Waffe für die eigene Mannschaft.

Muhamed Besic:Das Riesentalent wurde nach einer unglücklichen Leistung in Hannover früh fallengelassen. Sogar zu früh, wie ich meine, denn zuvor war der Bosnier in nicht müde werdenden Wiederholungen vom damaligen Trainer Armin Veh in den höchsten Tönen gelobt worden. Anschließend kam der 18-Jährige nicht mehr auf die Beine. Zumindest nicht beim HSV. Denn während Besic in der Nationalelf seines Heimatlandes debütierte, wurde er beim HSV nur noch sporadisch eingesetzt. Grund dafür waren fehlende Kopfballstärke, mangelnde Schnelligkeit und “schlicht und einfach stärkere Konkurrenz”, so zunächst Veh und jetzt auch Michael Oenning. Allerdings, und das müssen sich beide HSV-Trainer als Kritik gefallen lassen, der Umgang mit Besic’ Einsatzzeiten war äußerst unglücklich. Ein Talent aufzubauen bedeutet auch, ihm Vertrauen zu schenken. Auch – nein: gerade wenn es mal nicht so gut läuft.
Besic in Zahlen…
…Gespielte Minuten:
190
Tacklings gesamt: 10
Als letzter Mann erfolgreich getackelt: 0
Gewonnene Tacklings: 80%
Abgefangene Bälle: 5
Klärende Aktionen gesamt: 11
Klärende Aktionen per Kopf: 3
Auf der Linie geklärt: 0
Ecken verursacht: 4
Pässe gesamt: 71
davon angekommen: 70%
Offensive: Tore: 0
Schüsse auf das Tor: 0
Schüsse vorbei: 0
Begangene Fouls: 3
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0

Lennard Sowah: Der Zugang aus England mit Hamburger Wurzeln – ein Totalausfall. Vom anfangs der Saison noch designierten neuen Sportchef Urs Siegenthaler als DAS Talent angepriesen, fiel der 18-Jährige bei Veh sofort durch. Zuletzt war er zwar verletzt, allerdings hatte Sowah auch zuvor schon bei der eigenen Zweiten keine Chance mehr, weil die Konkurrenz stärker war/ist.

Ohne Wertung: Miroslav Stepanek.

Bis morgen, dann mit dem Mittelfeld,

Scholle
19.28 Uhr

P.S.: Angreifer Paolo Guerrero hat sich leider im Spiel gegen Gladbach einen Innebandriss im Knie zugezogen und muss vier bis sechs Wochen pausieren. Damit ist auch seine Teilnahme an der im Juli beginnenden Copa America für sein Heimatland Peru gefährdet.

Querdenker sind gefragt – ebenso wie Drobny

4. Mai 2011

Nicht mehr zurückblicken, nur noch nach vorn. Das wäre es doch. Eben so, wie es Jaroslav Drobny macht. Er ist einer der wenigen, denen ich zugestehe, dass die Saison für sie noch besch…eidener als für viele andere war. Immerhin wurde der Tscheche im vergangenen Sommer als Nummer eins nach Hamburg gelockt – und saß fortan fast die gesamte Saison als Nummer zwei hinter Frank Rost auf der Bank. Eine Situation, die Drobny heute nicht mehr besprechen will. „Es ist vorbei, darüber denke ich nicht mehr nach und darüber möchte ich auch nicht mehr sprechen.“

Gut. Kann ich verstehen. Ist vielleicht auch besser, als jetzt die Wahrheit zu sagen, denn die würde sicher nicht besonders schön. Als „Schweigegeld“ für Drobny darf dabei durchaus die Ankündigung von Trainer Michael Oenning genommen werden, in der kommenden Saison mit Drobny als Nummer eins zu planen. „Natürlich ist das schön zu hören “, sagt Drobny, „und auch wenn ich natürlich von Anfang an die Nummer eins sein wollte, freue ich mich jetzt darüber. Und ich traue mir das auch zu.“

Für Drobny („Ich tue einfach so, als gäbe es diese Saison gar nicht“) beginnt mit einem Jahr Verspätung das Abenteuer Hamburg. Der nach außen still gebliebene, intern als Spaßvogel verschriene 31-Jährige ist nach seinem Daumenbruch wieder auf dem Weg der Besserung. „Ich bin fit, der Daumen ist wieder okay. Ich brauche zwar noch einen stützenden Verband – aber alles hält.“ Dass er bis Saisonende keinen Einsatz mehr hat, davon geht er dennoch aus. „Frank ist doch da.“

Der Zuhörer ist bei Drobny stets hin- und hergerissen. Zum einen verhält sich der Qualitätskeeper extrem sportlich, indem er schweigt. Andererseits wirkt der Tscheche fast schon zu ruhig dafür, dass er eigentlich den Anspruch haben muss, die Nummer eins zu sein. Ob er sich schon mit dem neuen Torwart, den der Klub noch holen will, beschäftigt hat? Drobny: „Nein, warum? Ich weiß nicht, wer kommt. Und es ist mir auch egal.“ Bislang ist eine Rückholaktion von Wolfgang Hesl (an SV Ried verliehen) angedacht, der als Nummer zwei agieren soll. Allerdings besteht hier beiderseitig noch Gesprächsbedarf, die Sache ist noch nicht beschlossen. Ob Drobny auch zufrieden wäre, selbst wenn der HSV wieder eine zweite potenzielle Nummer eins holt? „Ja, ich weiß nämlich, dass du Konkurrenz im Team brauchst. Und letztlich entscheiden eh der Klub und der Trainer.“

Der Klub, das wäre in diesem Fall Frank Arnesen. Der designierte Sportchef, dessen Kompagnon Lee Congerton bereits seit Wochen von Chelsea freigestellt in Hamburg weilt, allerdings bislang zu keinem Gespräch zu bewegen war. Allerdings ist Congerton aktuell das Bindeglied zwischen Hamburg und London, wo Arnesen voraussichtlich noch bis Ende der Premier-League-Saison am 22. Mai bleiben muss. Und dann vielleicht sogar als neuer Titelträger zum HSV wechselt.

Und das mit einer Idee, die ich persönlich sehr interessant finde: die Amateure sollen nach Möglichkeit parallel zu den Profis trainieren. So soll der Anreiz, von unten nach oben visualisiert forciert werden. „Immer wieder werden einzelne Spieler in das Profitraining integriert. So steigern wir das Niveau der Spieler und der gesamten Mannschaft. Ich sage Euch: Jeder, der auf dem Nebenplatz trainiert, will auf den Hauptplatz. Und von da in die Arena“, glaubt Arnesen – und er hat damit nicht Unrecht. Zumal das ganze etliche positive Nebeneffekte hätte. So würde die Zusammenarbeit zwischen Nachwuchs und Profis verbessert. „Ich werde schon in der Vorbereitung einige Talente dazunehmen“, kündigt Oenning an. Der Cheftrainer will die letzten Plätze im Kader nicht mit irgendwelchen Spielern von außen besetzen, sondern vermehrt auf den hiesigen Nachwuchs setzen. „Dabei habe ich nicht nur die U23 im Auge, sondern auch unsere A-Jugend.“

Dass das alles nur dann nach oben eine Durchlässigkeit bewirkt, wenn die Qualität der vereinseigenen Talente hoch genug ist, ist klar. Aber es wird ein erstes, richtiges und wichtiges Signal gesetzt, dass für einige noch nicht beim HSV untergebrachten Talenten anziehend wirken kann.

44 abziehen will Drobny, der bislang mit der Rückennummer 45 („Die hatte ich schon mal in Bochum und alle anderen waren weg, als ich nach hamburg kam“) auflief. „Ich werde die Eins auf dem Rücken tragen“, freut sich Drobny, der bereits Griechenland (Panionios Athen), England (FC Fulham), den Niederlanden (ADO Den Haag) und eben der Bundesliga (Bochum und Hertha BSC) Erfahrung sammeln konnte und diese an die jungen Spieler weitergeben soll und will. Aus dem Abseits zum Leader – für Drobny kein Problem. Im Gegenteil, der Tscheche plant sogar seine Rückkehr in die tschechische Nationalelf. „Ich hatte mich zuletzt entscheiden, nicht zur Nationalmannschaft zu reisen, weil ich in Hamburg nur auf der Bank saß und das nicht dort auch noch wollte. Das habe ich dem Nationaltrainer auch so mitgeteilt und er hat es akzeptiert. Er sagte, er würde mich anrufen, wenn sich einer verletzt – und jetzt eben, wenn ich wieder spiele.“

Drobny wirkt klar. Der Mann mit den größten Füßen (Schuhgröße 50 wird gemunkelt), die ich je live gesehen habe ist aufgeräumt. Keine Spur von Verbitterung. Zumindest nicht sich selbst betreffend. Nur, wenn man die sechs Pflichtspiele anspricht, die er spielen durfte, wirkt er leicht genervt. Wobei der 1,92 Meter große Keeper in den fünf Liga- und dem einen Pokalspiel auch satte 14 Gegentore kassierte – und das, ohne dabei viel machen zu können. Drobny winkt ab. „Das war hart.“ Mehr gäbe es nicht zu sagen.

Was im Grund auch für mich gilt. Heute absolvierten die Spieler ihre individuellen Leistungstests, reguläres Training fand nicht statt. Deshalb nur ein, genau genommen zwei Reaktion auf Eure Posts:

Von „jeden Tag eine neue Saus durchs Dorf treiben“ kann bei Demel nun wirklich nicht die Rede sein. Im Gegenteil, eine genaue Analyse der aktuellen Situation zu fordern, dort insbesondere charakterliche Eignungen überprüfen lassen zu wollen und zugleich bei einer derartigen Prüfung mit schlechtem Ausgang „von Sau durchs Dorf treiben“ zu sprechen ist falsch. Das wäre Augenwischerei. Analysen beinhalten manchmal eben auch unangenehme Wahrheiten. Wie bei Guy, der sich mit seiner Frustaktion gerade selbst geoutet hat und dafür angezählt wird. Trotzdem gebe ich zu bedenken, dass seine jetzt gezeigte Einstellung ganz sicher nur eines von vielen (nicht genannten weil nicht bekannten) Beispielen für das ist, was aktuell falsch läuft beim HSV. Guy spricht es im Gegensatz zu vielen Kollegen eben auch laut aus…

Zum zweiten, für mich schwer nachvollziehbaren Gedanken im Blog: Bernd Hoffmann, der die gesamte Zeit über die Sportchefsuche – von Roman Grill bis Frank Arnesen – maßgeblich mitgesteuert hat, jetzt als denjenigen zu bezeichnen, der die desaströse Sportchefsuche durch eigenes Einschreiten beendet hat – oha!! Das wissen inzwischen vom Hoffmann-Hasser bis zu den schwersten Hoffman-Fanatikern alle besser. Und ich bin mir sicher, dass auch Ehrenmann Hoffmann sich diesen Schuh nicht anziehen würde. Zumal er sich selbst die Sportchefsuche als einen seiner eher unrühmlichen Akte ankreidet.

Aber gut, jeder hat seine Meinung und nicht alles muss sich mir erschließen. Im Gegenteil: manchmal sind es ja gerade die quersten Querdenker, die vorhandene Strukturen durchbrechen und für positive Veränderungen sorgen. So, wie wir es von Arnesen hoffen…

In diesem Sinne, bitte weiter Querdenken!!

Bis morgen,

Euer Scholle

18.35

P.S.: Training ist heute um zehn Uhr an der Arena.

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