Archiv für das Tag 'Demel'

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

The same procedure… **Aktualisiert**

28. Mai 2014

***Am Textende aktualisiert***

Heute ist ein toter Tag. Nichts los. Sagt man mir. Ok, Rafael van der Vaart fällt aus, kann die WM nicht spielen. Anhaltende Wadenprobleme sind Schuld daran, dass der HSV-Kapitän seine wahrscheinlich letzte WM-Chance auf eine WM nicht wahrnehmen können wird. Es sei das schlechteste halbe Jahr seiner Karriere ließ van der Vaart wenig überraschend verlauten – und ich hoffe, dass das so bleibt. Zumindest für den Fall, dass der Mittelfeldmann beim HSV bleibt. Und davon muss man hier trotz immer wieder auftauchender Türkei- und Ajax-Gerüchte noch ausgehen. „Rafa ist bei uns unter Vertrag und wir haben nichts anderes gehört, als dass er hier bleibt. Der Trainer plant mit ihm“, hatte Kreuzer noch vor einigen Tagen gesagt. Und daran hat sich nichts geändert. Ebenso wenig geändert wie an der Situation um Dietmar Beiersdorfer, auf dessen Inthronisation in Hamburg gewartet wird.

Momentan sind es mal ganz irdische Hindernisse, die überwunden werden müssen. Urlaub zum Beispiel. „Einige Beteiligte sind derzeit in ihrem wohl verdienten Urlaub“, sagt der designierte Aufsichtsratsboss Karl Gernandt, für den der Stress jetzt erst so richtig beginnt. Obgleich er noch nicht im Amt ist. „Die Zusammenarbeit mit dem alten Aufsichtsrat funktioniert aber sehr gut“, lobt der Kühne-Attaché seine Vorgänger. Am Montag wird es ein weiteres Treffen mit Noch-AR-Boss Jens Meier geben, der ja bereits angekündigt hatte, dem aktiven Handeln der Neuen nicht im Wege stehen zu wollen. Auch nicht in Sachen Beiersdorfer.


Hier hatte sich Karl Gernandt sehr weit vorgewagt. Und es deutet auch – damit hier kein falscher Zungenschlag aufkommt – alles darauf hin, dass Beiersdorfer der neue starke Mann wird. „Wenn Herr Gernandt eine Personalie kommentiert, wird er sich vorher komplett abgesichert haben, dass dem auch so ist“, hatte HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff zuletzt die Vertrauenswürdigkeit Gernandts unterstrichen. Muss er auch nicht. „Wir werden erst dann wieder etwas verkünden, wenn etwas unterschrieben und beschlossen ist. Wir werden aus dem Schatte der Erwartungen aber definitiv hervortreten“, sagt Gernandt.

Das gilt auch für den sportlichen Bereich. Dort wurde Zoltan Stieber verpflichtet, ein weiterer soll kommen. Für Matthias Ostrzolek hat der HSV beim FC Augsburg inzwischen ein Angebot abgegeben. Zwei Millionen Euro wäre der HSV bereit, zu zahlen. Der FCA, der mit Hahn (Gladbach) und Voigt (1. FC Köln) schon zwei Leistungsträger verloren hat, ist indes nicht bereit, den Linksverteidiger unter drei Millionen Euro abzugeben. Obgleich meine Kollegen hier von 2,5 Millionen gesprochen hatten. Aber der Ablösepoker läuft. FCA-Manager Stefan Reuter und Kreuzer stehen aktuell in Telefonkontakt. Und – gestern geschrieben – es ist wenig anders als bei Calhanoglu. Nur mit veränderten Rollen. Diesmal will der HSV einen Spieler, der bei seinem Verein auf Wechsel pocht – und der abgebende Verein sperrt sich. „Ich werde mich zu unentschiedenen Personalien schon aus Respekt den anderen Beteiligten gegenüber nicht äußern“, sagt Oliver Kreuzer. Und das ist auch richtig so. Obgleich sich der HSV mit Ostrzolek – respektive Kreuzer mit dem Spieler und dessen Berater Thomas Strunz – einig ist und der Spieler das auch dem Verein mitgeteilt hat.

Ihr seht – the same procedure as everywhere…

Kein Thema ist übrigens momentan Guy Demel, der sich selbst ins Spiel gebracht hatte. Ebenso wenig ist Mame Diouf ein Kandidat auf den Stürmerposten. Für mich kein Thema ist das, was sich mir nach meiner Kritik an dem ehemaligen HSV-Aufsichtsratsposten ergeben hat. Da stehe ich drüber….

In diesem Sinne, heute mal kurz gefasst. Gestattet mir diese Ausnahme nach den vergangenen anstrengenden Wochen ausnahmsweise, denn mehr will ich heute nicht. Oder besser: Mehr gab es heute nicht. Morgen geht es in die Analyse. Beginnend mit der ganz oberen Etage – sofern wir nicht unerwartet von der Aktualität überrollt werden…

Bis dahin,
Scholle

*Aktualisierung:* Weil ich es gefragt werde: Samaras ist beim HSV KEIN Thema und bislang gibt es auch keine Proteste gegen die Wahl. Wie auch, ohne sich lächerlich zu machen bei einer derartigen Deutlichkeit. Dafür wechselt Alexander Brunst-Zöllner in den Profikader. Der 18-Jährige ist bereits seit seiner Zeit in der U14 beim HSV. Der aus Neumünster stammende Keeper soll die Nachfolge von Sven Neuhaus antreten, der seine Profi-Karriere im Alter von 36 Jahren beenden wird. Daher auf diesem Weg noch einmal zu einem der zweifellos sympathischeren Gäste von Matz ab live: Herzlichen Dank, Sven! Und alles, alles Gute im neuen Job!!

Bangen um Adler – Jansens Freude auf Bayern

11. Dezember 2013

Nun ist der HSV ja nicht Manchester City, das ist schon klar, aber die Engländer haben es immerhin geschafft, den großen FC Bayern, den europäischen Überflieger, die zurzeit weltbeste Vereinsmannschaft zu besiegen. Damit ist immerhin der Beweis angetreten, dass ein solches Unterfangen durchaus gelingen kann, da muss man nicht einmal Weltklasse-Fußball abliefern oder bieten – weil die Bayern ganz einfach schwach waren. Zwei geschenkte Tore zu Beginn, und dann wurde nur noch „Fünf gegen Zwei“ gespielt. Das musste sich rächen. Und dann bewahrheitete sich auch wieder einmal eine alte, eine ur-alte Fußballer-Weisheit, die besagt, dass man den Hebel dann nicht mehr umlegen kann, wenn der Schlendrian erst einmal Einzug in die Mannschaft gehalten hat. Spätestens nach dem 2:3 hatte ich das Gefühl, dass die Bayern dann doch noch einmal ein wenig wollten, aber es ging nichts mehr. Das sollte den HSV doch ermutigen, dass die Sache vielleicht doch nicht ganz so aussichtslos ist, wie sie uns allen bislang noch erscheint.


„Blöd gelaufen.“ Das sagte Bayerns Nationalspieler Mario Götze nach der Niederlage. In der Tat, das war blöd gelaufen. Und Trainer Pep Guardiola mutmaßte: „Vielleicht brauchen dieser Verein, dieser Trainer und die Mannschaft eine Niederlage, um zu wissen, wie schwierig es ist, die Spiele zu gewinnen – in der Bundesliga und in Europa.“ Und Karl-Heinz Rummenigge forderte seine Stars auf, „aus dieser Niederlage die richtigen Lehren zu ziehen“. Franck Ribery konnte die 90 Minuten unmittelbar nach dem Schlusspfiff noch nicht fassen: „Ich weiß nicht, was passiert ist.“ Doch Thomas Müller befand: „Da sind so ein bisschen die Menschen in uns durchgekommen.“ Stimmt wohl auch. Die Bayern wurden schon als Außerirdische angesehen, nun aber haben sie gezeigt, dass selbst sie verwundbar sind. Ich hoffe nur, dass mit der sich nun eventuell einstellenden Bayern-Wut der HSV gut umgehen kann – und nicht so leiden muss. Ich hoffe . . .

Obwohl ich glaube, dass zurzeit nicht alle Bayern-Überflieger ihre beste Form mit sich herumtragen. Kroos habe ich kaum gesehen, Müller nur so richtig beim 1:0, Ribery im zweiten Durchgang kaum noch einmal, Götze tauchte unmittelbar nach seinem (Abseits-)Tor zum 2:0 ab, Alaba war schon einmal dominierender auf links, Boateng war nicht so sicher wie sonst, und wen ich ja ein „wenig gefressen“ habe, das ist Dante. Der gibt als Innenverteidiger den Spielmacher. Wobei sein Pass zum 1:0 auf Müller Weltklasse war, das stimmt, aber ansonsten stochert der nur noch wie ein Storch im Salat herum. Da fehlen nur noch weiße „Buffer“ und weiße Handschuhe. Dante war früher eine Kante, der langte zu, der ging zur Sache, aber heute will er seine Aufgaben mit links, auf jeden Fall nur spielerisch lösen – und das geht in letzter Zeit einige Male schön daneben. Die Chance für den HSV? Für Pierre-Michel Lasogga? Es wäre zu hoffen.

Auf jeden Fall weiß der HSV, dass die Bayern nicht unverwundbar sind, und der HSV wird wissen (darüber hat sie Trainer Bert van Marwijk schon eindringlich aufgeklärt!), dass er dramatisch zulegen muss, um doch wenigstens eine ganz kleine Chance in München zu haben. Dramatisch zulegen!

Dabei steht noch gar nicht fest, mit welcher Formation der „Dino“ in München wird antreten können, denn Ivo Ilicevic, der für den gesperrte Maximilian Beister spielen sollte, fehlte auch heute aus „familiären Gründen“ beim Training, und auch von Rene Adler war nur etwas zu sehen, als er die Arena betrat. Auf dem Rasen zeigte sich der Nationaltorwart gestern und heute nicht, er arbeitete im Stadion. Sein Einsatz aber für Sonnabend steht in den Sternen, denn der HSV-Torwart hat sich eine Sprunggelenkverletzung zugezogen, eine Kapseldehnung. Einsatz, so hieß es heute beim HSV, am Sonnabend ungewiss. Sollte Adler nicht durch sein Tor fliegen können, wäre das natürlich ein herber Rückschlag für den HSV, obwohl mit Jaroslav Drobny natürlich auch ein erstklassiger Keeper als Ersatz parat stünde. Mal abwarten, wie sich diese nicht ganz so nette Geschichte entwickelt.

Was er von der Niederlage gegen Manchester City halten sollte, das wusste heute Marcell Jansen nicht so recht. Der Ersatz-Kapitän des HSV sagte über die derzeitige Situation: „Nach dieser Niederlage könnte man vermuten, dass die Bayern so ehrgeizig sind, um am Sonnabend erst recht gegen uns zu gewinnen. Hätten sie hoch gegen ManCity gewonnen, dann hätte man gesagt, dass sie es nun am Sonnabend locker gegen den HSV angehen lassen können – aber so etwas gibt es im Endeffekt nicht. Die Bayern haben einen ganz klaren Plan, den sie durchziehen, und wir müssen uns darauf konzentrieren, dass wir an diesem Sonnabend an unsere Grenzen kommen, um einen richtigen Fight abzuliefern. Das ist entscheidend, unabhängig von dieser knappen Bayern-Niederlage.“

Marcell Jansen kehrt an eine seiner früheren Stationen zurück, er war ein Bayern-Profi, kennt die Münchner Verhältnisse. Er lässt sich von den „Überfliegern“ nicht schrecken: „Ich fahre dorthin, um ein geiles Spiel zu machen. Ein tolles Stadion, ein Mega-Bundesliga-Spiel, darauf freue ich mich, darauf sollten wir uns alle freuen.“ Aber wie kann man dort gewinnen? Jansen: „Wir müssen aus unseren Köpfen streichen, was war, einfach nach vorne blicken. Wir müssen Spaß und Frischheit entwickeln, um kleine Nadelstiche und freche Aktionen zu setzen. Und man muss als Mannschaft sehr, sehr gut verteidigen – und zwar als Mannschaft gut verteidigen. Das ist uns beim 2:9 zuletzt natürlich nicht gelungen, aber wenn es diesmal klappt, dann können wir auch dort ein gutes Spiel machen. Aber es muss eben an diesem Tag auch vieles passen.“ Dann sagt Marcell Jansen weiter: „Für uns geht es um viel in den letzten beiden Spielen des Jahres, wir haben halt vorher auch ein bisschen etwas liegen lassen an Punkten, und dazu zähle ich nicht das Augsburg-Spiel. Das war ein gebrauchter Tag, da waren wir einfach nicht gut; damit kann ich besser leben, als vorher mit den Spielen in Wolfsburg, Leverkusen und Mönchengladbach, da hätten wir uns eigentlich viel mehr ärgern sollen, denn da war mehr möglich.“

Dann konkretisiert er: „Nach dem Spiel in Wolfsburg konnte ich die Nacht nicht schlafen, so sehr habe ich mich geärgert. Da haben wir die letzte halbe Stunde auf ein Tor gespielt und nur ein 1:1 erzielt, das kann ich nicht fassen, nach einem solchen Spiel bin ich dann lange nicht ansprechbar. Nach dem Augsburg-Spiel dauert es vielleicht nur zwei Stunden, bevor ich einschlafe, weil ich einfach sage, dass wir den größten Mist zusammengespielt haben. Anders als zuvor in Leverkusen und Mönchengladbach, wo mehr drin war, wo wir uns aber selber geschlagen haben – und damit kann ich dann nicht leben, das ärgert mich maßlos.“

Fährt er nicht auch nach München mit dem Hintergedanken im Gepäck, Schadensbegrenzung zu betreiben? Marcell Jansen wird sofort lebhaft: „Wenn man als Sportler mit dem Gedanken anreist, nur Schadensbegrenzung betreiben zu wollen, dann solltest du besser gleich zu Hause bleiben und sagst dem Trainer, dass du nicht spielen willst. Fehler machen und verlieren, das kann man gegen jeden Gegner in der Bundesliga, das ist klar, gegen Bayern zu verlieren wäre auch keine Schande, aber ich denke über Schadensbegrenzung gar nicht erst nach. Ich fahre nach München, um mich mit diesen Spielern zu messen, ich versuche dort, an meine Grenzen zu gehen, das ist entscheidend. Und wenn man so eingestellt ist, das hat der Fußball doch schon so oft bewiesen, dann kann man durchaus auch positive Dinge kreieren – und etwas holen. Das ist unsere Aufgabe am Sonnabend.“

Marcell Jansen war nach dem Augsburg-Spiel der einzige HSV-Spieler, der nicht um den heißen Brei herumgesprochen, sondern klar und deutlich gesagt hat, wieso es zu einer solchen Pleite kommen konnte. Erntet er dafür von allen Seiten Zuspruch? Jansen: „erstens nehme ich da selbst nicht aus, denn ich rede immer von uns und von der Mannschaft, aber ich kann die Fans verstehen, wenn sie nach einer solchen Vorstellung sauer sind. Das ist ganz einfach nicht gut.“ Stimmt. Dann bekräftigt Marcell Jansen noch einmal: „Ich habe diese Tendenz der ersten Halbzeiten auch in den Spielen nicht gesehen, wo es danach hieß, wir hätten ein Riesen-Spiel gemacht. Ich habe in den letzten Spielen keine gute erste Halbzeit gesehen – auch weil wir als Spieler auf dem Platz die falschen Entscheidungen getroffen haben. Wir haben uns in diesen ersten Halbzeiten das Leben selbst schwer gemacht, haben uns nicht gegenseitig geholfen – ob das Hannover war, Wolfsburg, Köln oder in Leverkusen. Und gegen Augsburg hat uns die erste Halbzeit zum ersten Mal die Strafe gegeben, dass wir auch in der zweiten Halbzeit nicht mehr ins Spiel hineinkamen.“

Gegen Augsburg schien Trainer van Marwijk draußen am Rand heißer zu sein, als seine Spieler auf dem Rasen. Sieht Jansen das auch so? Der Nationalverteidiger sagt: „Der Trainer ist immer heiß. Aber vielleicht hat er frühzeitig gemerkt, dass wir auf dem Platz zu viel nachdenken, anstatt zu machen. Wir waren einfach unsicher, uns war einfach nicht klar, wie wir uns in dieses Spiel hineinkämpfen sollen.“

Dann habe ich Marcell Jansen noch gefragt, ob er sich als HSV-Spieler noch an einen positiven HSV-Auftritt in München gegen den FC Bayern erinnern kann? Er konnte nicht, denn Jansen sagte: „Ich kann mich an ein Spiel Bayern – HSV erinnern, da erzielte Nigel de Jong kurz vor dem Ende das Siegtor für den HSV. Damals hat es geschneit – aber da habe ich noch nicht für den HSV gespielt.“ Richtig. Der Schnee von gestern. Das Spiel, was Marcell Jansen meint, fand am 4. März 2006 statt, der HSV gewann 2:1 bei und gegen die Bayern. Damals hatte Trainer Thomas Doll (der zu 99 Prozent neuer Coach des ungarischen Erstliga-Clubs Ferencvaros Budapest wird – soll heute noch oder morgen perfekt gemacht sein!) folgende Mannschaft aufgeboten: Wächter, Mahdavikia, Demel, Boulahrouz, Atouba, Jarolim, de Jong, Trochowski (90. Reinhardt), van der Vaart (67. Klingbeil), Takahara (87. Fillinger). Guy Demel hatte das 1:0 erzielt, bevor de Jong in der 89. Minute traf.
Marcell Jansen aber kam erst im Sommer 2008 zum HSV . . .
Aber dann könnte er ja jetzt Geschichte mit dem HSV in München schreiben. Wir alle würden uns dann garantiert noch Jahrzehnte später dran erinnern.

So, noch einige Dinge am Rande:

Im Training hat heute Tomas Rincon Rechtsverteidiger gespielt. Auch eine Variante. Vielleicht sogar eine viel bessere. Dazu dann Tolgay Arslan und Milan Badelj als „Sechser“ – das hätte schon was.

Und: Bislang sind 43 000 Karten für das letzte HSV-Spiel des Jahres verkauft, der HSV trifft unmittelbar vor dem Weihnachtsfest im Volkspark auf Mainz 05. Gaaaanz wichtig, diese Begegnung, gaaaaaanz wichtig.


Themenwechsel:
Zum gestrigen Beitrag des „Matz-abbers“ „Waltero“ gab es heute eine Ergänzung, und wie ich finde, ist das eine überaus lesenswerte Ergänzung. Auch von „Waltero“ geschrieben – vielen Dank dafür. Es geht los – und ich glaube, dass einige von Euch bass erstaunt sein werden, wenn sie das hier gelesen haben:

Guten Abend Herr Matz,

erst einmal schönen Dank, dass Sie meinen Kommentar herausgestellt haben. Im Endeffekt habe ich mir die Zahlen von Bundesliga.de etwas genauer angeschaut, um meine subjektiven Eindrücke zu der fehlenden Laufleistung der Profis zu untermauern. Und ich finde, in den Zahlen von Bundesliga steckt auch eine Menge an Informationsgehalt, zumal man die Werte aller Vereine vergleichen kann. Aus diesem Grund habe ich Ihnen auch noch einmal die Tabelle angehängt.
Kurz zu meiner Arbeit: Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, kann aber natürlich nicht komplett ausschließen, dass ein Zahlendreher enthalten ist. Die Daten stammen wie gesagt von Bundesliga.de und können dort von jedem Interessierten eingesehen werden (Analyse, Teamstatistik). Ich habe in der Tabelle Minimalwerte rot und Maximalwerte grün gekennzeichnet. In der oberen Hälfte finden sich die Tracking-Daten vom 15. Spieltag. Da ich mir die Daten vor den Sonntags-Spielen angeschaut habe, habe ich für die vier Sonntags-Teams die Tracking-Daten vom 14. Spieltag verwendet. In der unteren Hälfte finden sich die gesamten Tracking-Daten der Mannschaft des HSV in dieser Saison, unterteilt nach Spieltagen. Mit der Spalte „Anzahl der Kategorien besser als Gegner oder gleich gut“ habe einen (einfachen) Indikator konstruiert, mit dem ich bewertet habe, ob die Laufwerte des HSV besser oder schlechter als die Gegners waren. Ich habe dazu einfach die Kategorien gezählt (also Gesamtdistanz, intensive Läufe usw.), in denen der HSV einen besseren oder gleichguten Wert wie der Gegner hatte. Bei 0-3 Punkten habe ich den HSV als läuferisch unterlegen bewertet, bei 4 Punkten gleich gut und ab fünf Punkten überlegen.

Was mich ärgert bei der Betrachtung der Zahlen: Dass sich der HSV von einer Woche auf die nächste von einer Mannschaft, die sich behäbig über den Platz bewegt (1. bis 6. Spieltag Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 6,5 und 7 km/h), zu einer der bewegungsfreudigsten Teams in der Bundesliga wandelt (7. bis 11. Spieltag zwischen 6,9 und 7,5 km/h – also am oberen Limit; am 15. Spieltag war Stuttgart am schnellsten unterwegs mit 7,6 km/h) – und alles nur, weil ein neuer Trainer da ist… Offensichtlich kann die Mannschaft ja schneller laufen, ruft es allerdings nicht ständig ab. Leider geht der Trend inzwischen schon wieder in die andere Richtung, die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt stetig…

Guckt man sich den Vergleich der Tracking-Daten mit denen des direkten Gegners an, fällt auf, dass wir nur in drei Spielen überwiegend bessere Laufwerte als der Gegner hatten. Ich hatte es ja schon geschrieben, dass Braunschweig viel weniger als alle anderen läuft und dem Gegner so natürlich weniger abverlangt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass wir ausgerechnet gegen Gladbach und Leverkusen mehr gelaufen sind. Die Teams sind spielerisch überlegen und Gegner müssen daher mehr investieren, um diese beiden Mannschaften zu schlagen. Die Spiele gingen ja trotzdem verloren. Aber gegen alle anderen Mannschaften, insbesondere die auf Augenhöhe, sieht man läuferisch nicht gut aus… Das kann doch irgendwo nicht sein! Wie will man ein Team, das sich spielerisch auf Augenhöhe befindet, besiegen, wenn man weniger als der Gegner investiert? Und bei den Top-Mannschaften haut man dann die Kilometer raus, weil man ja ansonsten keine Chance hat. Im Ergebnis wird allerdings immer zu wenig investiert, wenn man eine derartige Saisonarbeitermentalität an den Tag legt… Ich denke, das ist auch der Grund, weshalb ausschließlich gegen die schwächeren Teams gewonnen wird – bei den anderen wird systematisch zu wenig investiert oder sie sind einfach spielerisch so deutlich überlegen, dass das durch mehr Laufen nicht zu kompensieren ist.

Noch ein abschließendes Wort zu dieser Tabelle: Ich gebe zu, dass es wirklich etwas schwierig ist, Schlüsse aus diesen Zahlen zu ziehen. Und viel Laufen ist natürlich auch nicht alles im Fußball. Da wir jedoch spielerisch momentan alles andere als Top sind, sollte zunächst einmal Einsatzwille und Laufbereitschaft vorhanden sein, um überhaupt einen gleichstarken bzw. auch stärkeren Gegner zu bezwingen. Und da habe ich (nicht nur wegen der Zahlen) so meine Zweifel. Wenn der Trend so weiter geht und BvM das Ruder nicht rum reißt (wie es Fink in seiner Amtszeit diverse Male gemacht hat), kann das diese Saison noch eine ganz bittere Geschichte werden!

Vielen Dank „Waltero“, auch dieser Beitrag ist wieder sehr, sehr lesenswert, es stehen viele interessante Dinge darin – die mich zum Staunen und zum Nachdenken gebracht haben. Ich hoffe nur, dass das auch mal an maßgeblicher Stelle gelesen wird, damit dem einen oder anderen Herrn in der HSV-Führung doch einmal die Augen aufgehen.
Ich habe übrigens einiges an Lob erhalten, weil ich gestern den Beitrag von „Waltero“ veröffentlicht habe, denn es ging offenbar vielen „Matz-abbern“ so wie mir – sie bekamen den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Also, „Waltero“, gleich zweimal Dank für diese Berichte und Erkenntnisse.


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Und noch eine Ergänzung zum Beitrag vom Dienstag. Es geht um die widerwärtige Schal-Aktion, die für Empörung und Entsetzen gesorgt hat. Dazu erreichte mich auch eine Zuschrift, die ich gerne weitergebe (der Absender ist mir persönlich bekannt):

Hallo Dieter,

da lese ich doch Deinen Blog und möchte mich auch mal kurz zu der Schal-Affäre melden.

Es war definitiv nicht nur ein Schal. Nach den Erzählungen vermute ich, dass das in so gut wieder jeder Toilette im B/C-Rang in Nord der Fall war. Ich habe es selbst gesehen in der Toilette zwischen Nord und West. Ein Schal in der Rinne – ein zweiter direkt im Klo.

Blöderweise habe ich nicht schnell genug geschaltet. Ich hatte nur gedacht, was denn da Doofes passiert ist. Erst danach habe ich mitbekommen, dass HSV Plus Schals verteilt hat – und dann konnte ich mir meinen Teil denken.

Ich weiß von anderen, die in andern Toiletten das auch gesehen haben. Also definitiv kein Einzelfall.

Ich finde es absolut erschreckend, wie hier vorgegangen wird und teile die Sorgen, dass es immer schmutziger (im wahrsten Sinne des Wortes) zugehen wird. Sehr schade!

Dann gibt es noch etwas Neues bei „HSVPlus“. Erst-Otto Rieckhoff hat einen weiteren prominenten Mitstreiter an seiner Seite, nämlich Werner E. Klatten. Der 69-jährige Jurist ist aktueller Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe und Mitglied des Kuratoriums Bundesligastiftung. Zusätzlich ist er ehemaliger Chef von SAT 1 und DSF, Spiegel TV und Spiegel Net AG, EM.TV bzw. Constantin Medien.

Mit Klatten hat HSVPlus ein Interview geführt, dass Ihr selbstverständlich auch bei HSVPlus lesen könnt, ich habe mir mir einmal die erste Frage herausgepickt:

Herr Klatten, in den letzten zehn Jahren sind Sie im Zusammenhang mit dem Hamburger Sport-Verein nicht in Erscheinung getreten. Gleichwohl sind Sie mit der Beteiligung an TEAM quasi als einer der Erfinder der Champions League eine führende Persönlichkeit in der deutschen Sport- bzw. Fußballszene. Warum unterstützen Sie HSVPLUS?

Werner E. Klatten: „Ich habe den Großteil meines privaten Lebens in Hamburg verbracht. In jener Zeit ist meine persönliche Liebe zum HSV gewachsen. Seither verfolge ich die Entwicklung auf und neben dem Platz. Ich halte die Initiative von Otto Rieckhoff – damit meine ich im Kern die Trennung von Universalsportverein und Profifußball – für zwingend. Das vorliegende Konzept ist eine sehr gut gemachte und vernünftige Grundlage für bessere Rahmenbedingungen innerhalb des Traditionsvereins HSV mit angeschlossenem Wirtschaftsbetrieb.“

Wie geschrieben, auf HSVPlus gibt es das ganze Interview mit Klatten zu lesen.

PS: Am Donnerstag gibt es kein öffentliches Training.

18.17 Uhr

Diesmal scheint es ernster zu sein . . .

1. September 2011

Endlich herrscht Ruhe. Endlich sind die Fronten geklärt, wer bleibt, wer geht, mit wem kann geplant werden. Die Transferzeit ist mir entschieden zu lang, aber das ist nur mein persönliches und total unwichtiges Empfinden. Für den HSV finde ich es gut, dass es jetzt die Länderspielpause gibt, denn die Herren im Volkspark können sich nun erholen, neu sammeln und vermehrt daran arbeiten, dass es wieder bergauf geht. Das ist die erste HSV-Pflicht. Nicht auszudenken, wenn die nächsten beiden Bundesliga-Spiele, das in Bremen und das gegen Mönchengladbach, nicht erfolgreich bestanden werden. Aber gut, ich will nicht groß unken, ich werde, wir Ihr auch, abwarten (müssen). Heute am Vormittag wurde beim Training Fußballtennis gespielt – und die Stimmung war ganz sicher nicht so, wie man es für einen Tabellenletzten annehmen würde. Das macht mir zum Beispiel Hoffnung, muss aber nicht von allen übernommen werden.

Ja, ich hatte nun drei Wochen und drei Tage Urlaub. Abschalten vom Thema HSV konnte ich nie. Durch „Matz ab“ schon nicht, durch Freunde, Bekannte und durch die Medien ebenfalls. Mir wird angst und bange hatte ich einst geschrieben, bevor ich weg war, für diesen Artikel habe ich viel um und auf die Ohren bekommen – vielleicht hat der eine oder andere User mal daran gedacht? Ich habe es immerhin vorher geschrieben.

Aber egal, dieses Thema möchte ich auch nicht wieder aufwärmen. Zum Schluss dieses Beitrags möchte ich nur einen Artikel veröffentlichen, den mir ein (bekannter) Kollege privat geschrieben hat – aus Sorge um seinen HSV. Ich habe den Verfasser dieser Zeilen gefragt (und gebeten), dass ich seine Zeilen veröffentlichen darf – und ich durfte. Eventuell spricht dieser Freund und „Matz abber“ ja dem einen oder anderen von Euch aus der Seele.

Wie gesagt, dem Thema HSV konnte ich auch während des Urlaubs nicht ausweichen, zumal der Urlaub hier verbracht wurde (also nicht im Ausland). Ich war während der drei Wochen in Hamburg, ich habe mich mit etlichen HSV-Persönlichkeiten getroffen und unterhalten, ich war auch auf der (großartigen) Fußball-Gala des Hamburger Fußball-Verbandes im Hotel Elysee. Auch dort traf ich viele große HSVer, die allesamt in großer Sorge um ihren Klub sind. Fast hätte ich geschrieben, dass NATÜRLICH niemand seinen Namen erwähnt haben möchte, wenn mit den drei großen Buchstaben das Thema Abstieg verbunden wurde, aber es gab mir schon zu denken, was der eine oder andere HSVer zur Situation zu sagen hatte . . .

Es gab schon oft sehr prekäre Situationen, mit denen sich der „Dino“ konfrontiert sah. Das war immer wieder zu hören. Doch diesmal scheint es noch ernster zu sein.1996/97 war die Rettung vor allem deshalb möglich, weil Borussia Dortmund vier Tage später das Endspiel der Champions League zu bestreiten hatte. 2000/01 retteten 22 Tore von Sergej Barbarez die Klasse, so rechnete mir ein Alt-HSVer vor, un 2006/07 hießen die Retter Huub Stevens, Frank Rost und Ivica Olic, die im Winter geholt worden waren, als der HSV nach 20 Spielen gerade einmal 15 Punkte hatte. Es war also schon einige Male ganz, ganz eng, aber – wie schon geschrieben – in dieser Spielzeit scheint es noch einmal eine Nuance enger zu werden.

Obwohl es auch HSVer gibt, die in der Verantwortung stehen und jetzt zu mir sagten: „Nur keine Panik. Wir haben erst vier von 34 Spielen absolviert. Wir jedenfalls sind ruhig.“

Was ich aber immer und überall gehört habe, ist jenes Argument: „Es sind viele erfahrene Profis abgegeben worden, und viele, viele unerfahrene Jünglinge geholt worden. Spieler, die zwar talentiert sind, die aber kaum Erstliga-Erfahrung haben. „Und die sollen nun den HSV retten? Die sollen den HSV nach vorne bringen?“ Das war immer zu hören, die Angst ist da.

Mein Argument dafür, dass der HSV ja durchaus noch Spieler mit Bundesliga-Erfahrung habe, wurde kaum gehört. Angst essen Glaube auf, möchte ich das beschreiben. Den Glauben an die Wende. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät. Nun steht der HSV bis zur Winterpause, die erste Elf muss sich finden und gefunden werden – und dann Augen zu und durch. Im Januar könnte dann ja, wenn der Bedarf da sein sollte, noch nachgebessert werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich mir aber mal eine Elf vor Augen führe, dann sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Der HSV mit Drobny (Mickel), Diekmeier, Rajkovic, Westermann, Aogo; Jarolim, Kacar; Ilicevic, Jansen; Guerrero, Petric zum Beispiel, dazu noch Leute wie Tesche, Skjelbred, Son und zum Beispiel Bruma muss doch die Bundesliga halten können. Und einen Namen trage ich in mir, dem ich eine großartige Zukunft prophezeihe: Gökhan Töre. Der junge Mann kann viel, der hat mehr als viele seiner (jungen) Kollegen, der zeigt mir auf dem Rasen Herz und Leidenschaft, der will – den sehe ich langfristig in der ersten Elf des HSV. Aber zum Glück habe ich das ja nicht zu entscheiden . . .

„Die Mannschaft ist intakt.“ So hat es, ich habe es mir genau gemerkt, Mladen Petric nach dem 3:4 gegen den 1. FC Köln in die Mikrofone gesagt. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube. Von einer Einheit erwarte ich, dass sie sich selbst aus dem Sumpf zieht, wenn es schlecht läuft. Auch während der 90 Minuten. Und das passierte mir in den bisherigen fünf Spielen (inklusive Pokal beim VfB Oldenburg) bislang viel zu wenig – bis gar nicht. Und daran muss (auch jetzt) stetig gearbeitet werden. Nur zu sagen, dass diese Mannschaft intakt sei, das genügt nicht. Über eine intakte Mannschaft hat in den letzten zwei, drei, vier Jahren stets und ständig jeder HSV-Profi Auskunft gegeben, nur waren das immer nur Lippenbekenntnisse. Wir alle wissen es inzwischen doch viel besser – es war ja ohne Ende schlechter, es gab nie eine intakte Mannschaft.

Nun aber „steht“ der Kader, nun muss sich arrangiert werden. Und vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere HSV-Spieler auch daran, dass dieser HSV noch nie in der Geschichte abgestiegen ist. Und dass genau diese Tatsache Ansporn sein sollte, sein könnte, sich mit allen Kräften gegen den Misserfolg zu wehren – damit genau sein Name nicht mit einem ersten Desaster für immer verbunden ist. Aber vielleicht ist das auch nur ein wenig blauäugig von mir, so etwas zu glauben.

Ein Eljero Elia zum Beispiel, der nun für Juventus Turin kicken wird, dürfte sich mit dieser Art der HSV-Geschichte kaum oder nur unwesentlich auseinander gesetzt haben. Ich gebe zu, dass ich froh bin, dass der HSV diesen Spieler noch in letzter Sekunde los geworden ist. Früher wäre zwar besser gewesen, weil der Klub dann noch zwei statt nur einem Neuzugang (in aller Ruhe) hätte verpflichten können, aber auch so ist dieser Transfer in meinen Augen sehr gut gelaufen. Elia ist in Hamburg nie wieder zu jener Form gekommen, die ihn am Anfang seiner HSV-Zeit ausgezeichnet hatte. Viele machen dafür das böse Foul des Mainzers Noveski verantwortlich, ich aber glaube ganz einfach, dass Elia noch viel zu unreif war (ist). Er hat es nicht begriffen, um was es hier ging. Ob er es nun in Turin begreifen wird? Ich habe meine Zweifel.

Elias Scheitern beim HSV ist auch ein Scheitern des Beraters. Da gibt es ein Juwel, dem alle Experten ein riesiges Talent bescheinigen, doch konnte dieses Talent sein Potenzial nie abrufen. Erkenne ich das als Berater, dann miete ich mir für ein halbes Jahr ein Zimmer in Hamburg – und spiele wirklich mal den Berater in allen Lebenslagen, um diesen Jungen in die richtige Spur zu bringen. Zum Profi-Dasein gehören nicht nur Autogramme, Länderspiele und flotte Flitzer, da gehört auch jede Menge Verantwortung gegenüber seinem Arbeitgeber, der Mannschaft und den Fans. All das aber hatte Elia nicht begriffen.

Ähnlich verhält es sich mit Guy Demel. Er sollte weg, er wollte weg – das stand ja schon am Ende der vergangenen Saison fest. Für alle Seiten. Der gute „Giiiiiiee“ hatte es ja auch schon abgelehnt, mit einem Trainingsplan, der für die Sommerpause galt (erhielt ein jeder Spieler), in den Urlaub zu gehen. Weil für ihn das Thema HSV zu 100 Prozent beendet war. Dass er nun nicht zu einem großen Klub ging, dass er nun bei einem Erstliga-Absteiger anheuerte, das ist seiner Pokerei zu verdanken. Demel hatte bis zuletzt versucht, so billig wie möglich gehen zu können, möglichst ohne Ablöse – verpokert.

Dass Änis Ben-Hatira auch noch ging, das sehe ich auf der einen Seite als schade an, auf er anderen Seite aber begrüße ich es auch. Weil Änis zuletzt stagnierte. Der Bursche hat ohne Zweifel Talent, aber er rief es, ähnlich wie Elia, viel zu selten ab. Vielleicht sorgt eine neue Umgebung (und ein neuer Trainer) dafür, dass er es doch noch lernt. Er wird sich den Hintern aufreißen müssen, etwas, was er hier nicht mehr konnte. Leider nicht mehr konnte. Änis war zu sehr von sich und seinem Talent überzeugt, er sah die Kollegen neben ich und befand sich oftmals (im stillen Kämmerlein) als besser – das ist (noch) sein großer Fehler. Ich hoffe für ihn, dass Markus Babbel das in den Griff bekommen wird.

Zurück zum HSV. Marcus Berg schoss zwei Tore beim 8:0 gegen Bremerhaven. Endlich mal wieder Tore für den Schweden, endlich mal wieder Erfolgserlebnisse. Er sagt dazu: „Mein erstes Spiel in dieser Saison, das hat Spaß gemacht, auch wenn es nur 30 Minuten waren. Ich hätte gerne länger gespielt, aber es war auch so ein schönes Erlebnis.“ Berg ist ohne Schmerzen, aber 90 Minuten traut er sich noch nicht zu: „Ich habe nun vier Wochen mit der Mannschaft trainiert, alles lief gut, nun hoffe ich darauf, dass ich gegen Bremen im Kader bin – und dann über die Bank ins Spiel komme.“

Dass der HSV jetzt an letzter Stelle steht, das hätte er sich „natürlich niemals vorstellen können“, aber er sagt auch: „Es sind erst vier Spiele absolviert, wir bleiben nicht dort unten. Gegen Köln zuletzt haben wir gut gespielt, da hätten wir gewinnen müssen.“, meint Berg und mahnt auch zugleich: „Wir dürfen nicht in jedem Spiel drei, vier Gegentore bekommen, denn dann wird es schwer, zu siegen . . .“ Wohl wahr. Hoffentlich hat das schon bald jeder HSV-Profi für sich verinnerlicht.

Kurz noch einmal zurück zum heutigen HSV-Training. Reha-Coach Markus Günther war am Vormittag erst mit Muhamed Besic und Miroslav Stepanek auf dem Rasen, später noch mit Tolgay Arslan, der jetzt auch leicht mit dem Ball trainierte. Im Mannschafts-Training standen 16 Spieler: Neuhaus, Mickel, Mancienne, Westermann, Berg, Aogo, Jansen, Guerrero, Petric, Kacar, Castelen, Tesche, Jarolim, Skjelbred, Sternberg und Behrens.
Am Freitag wird um 10 und um 15 Uhr im Volkspark geübt.

Während des heutigen Trainings wurde ich auch zur „Sache“ Koo, Magath und Frank Arnesen gefragt. Der Wechsel, der nicht zustande kam, weil Felix Magath sich wohl „quer stellte“. Ich habe deswegen nicht mit dem Wolfsburger Trainer gesprochen, aber meine Gedanken sind die: Magath hat nun die „Altmeister“ Hitzlsperger, Chris, Salihamidzic und Kyrgiakos geholt, in meinen Augen ein Wagnis. Sollte dann ein junger Mann wie Koo zum HSV gewechselt sein und dort sogar Karriere gemacht haben, würde sich das wohl nicht ganz so gut machen. Deswegen, so könnte ich mir vorstellen, ist dieser Wechsel doch noch geplatzt. Schade für den HSV.

So, nun zu jenem Schreiben, das ich während meines Urlaub erhielt. Es gab einige Beiträge dieser Art, ich mache einen öffentlich, weil er eventuell vielen Fans aus dem Herzen spricht. Wie geschrieben, es ist ein Freund und Kollege (vom Fernsehen), der mir seine Gedanken zum HSV zukommen ließ:

Hallo Didi,
man macht sich ja so seine Gedanken über den HSV. Ich habe die mal kurz festgehalten.
Wie siehst Du das?

Zu viele Gegentore

Der HSV hat in vier Spielen 14 Tore kassiert. Macht 3,5 Tore pro Spiel. Jeder
weiß, dass das nicht bundesligatauglich ist.

Zu viele Gegentore pro Spiel, dieses Problem hatte Gladbach in der letzten
Saison. Trainer Lucien Favre sagt in der FAS vom 28. August: „Wir hatten
2,7 Gegentore pro Spiel bekommen. Das ist zu viel. So bist du in der Liga
ohne Chance.“ Gladbach verbesserte den Schnitt auf 1,9 Gegentreffer und
konnte sich grade eben noch retten.

Man kann aber auch mit weniger Gegentoren absteigen. So wie 2010 Hertha
BSC. 1,6 Gegentreffer pro Spiel. Vorletzter Bochum kassierte 1,8 Gegentore.
Der HSV liegt jetzt bei fast doppelt so vielen Gegentoren pro Spiel!

Einziger Trost, Hannover 96 kassierte in der vorletzten Saison mit 67 Toren
die meisten Gegentreffer aller Bundesligaklubs. Macht 1,97 Tore pro Spiel.
Hannover wurde 15. und blieb drin. Im Jahr darauf wurden sie Vierter und
spielen jetzt international.

Trainer- oder Torwartproblem?

Als Mirko Slomka in Hannover Trainer wurde, hat er die ersten sechs Spiele
verloren. Michael Oennings Bilanz ist noch verheerender: von 29 Spielen
als Cheftrainer konnte er nur vier gewinnen.

Die Frage ist aber nicht, wie lange bleibt Oenning noch Trainer beim HSV.
Die Frage ist, wie geht der Trainer mit Westermann, Diekmeier und Torwart
Drobny um? Vor allem der Torwart hat mit seinen Fehlern maßgeblich dazu
beigetragen, dass der HSV in den letzten Minuten gegen Hertha und jetzt
gegen Köln wichtige Punkte verloren hat.

Dzeko und Grafite

Soll Oenning also weiter zu seinem Torwart halten, oder soll er es machen,
wie einst Felix Magath in Wolfsburg? Der hat im Dezember 2007 Torhüter
Simon Jentzsch in der Halbzeit beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt
ausgewechselt und holte in der Rückrunde Diego Benaglio. Die Wolfsburger
wurden am Ende 5ter. Und das in einem Jahr des Umbruchs. 14 neue Spieler.
Darunter der noch völlig unbekannte Edin Dzeko und Grafite.

Und noch mal zu den Gegentoren. In jener Saison hießen die Absteiger
Nürnberg, Rostock und Duisburg. Mit 1,6 bzw. 1,5 Gegentoren pro Spiel.
Sollte Oenning sich also zu einem Torwartwechsel entscheiden, könnte das
die Rettung sein. Fragt sich nur – wer beim HSV ist Dzeko und wer Grafite?

Ich wünsche allen “Matz abbern” einen schönen Feierabend, eine gute Nacht und einen stressfreien Freitag.

18.29 Uhr

Der HSV sucht Verstärkung – dafür soll Demel gehen

15. August 2011

Heute war trainingsfrei: Ein Tag Ruhe nach einem Wochenende, dass allen Beteiligten inklusive uns hier im Blog zu denken gegeben hat. Und auch Ihr hattet darüber diskutiert, ob sich der HSV diesen freien Tag erlauben kann. Eine berechtigte Diskussion, wie ich finde. Aber auch eine, die definitiv beide Schlüsse zulässt. Denn die Erholung für die Spieler ist ebenso wichtig und notwendig, wie der HSV Nachholbedarf in Sachen Automatismen hat. Denn, ohne hetzerisch sein zu wollen, ich habe in dem Spiel der Aufsteiger vom FC Augsburg in Lautern wirklich mehr einstudierte Spielzüge und eine deutlich bessere Abstimmung gesehen als beim HSV gegen Hertha. Denn da war nicht mal das Auffälligste der Vorbereitung zu sehen: die Flankenläufe von Dennis Diekmeier. Statt immer wieder steil zu gehen und seine Schnelligkeit zu nutzen, beschränkte sich der Rechtsverteidiger wie sein Penadant auf links, Dennis Aogo, auf die Defensivarbeit. Und dadurch fehlte dem HSV eine Menge Offensivqualität.

Schon deshalb bin ich froh, dass jetzt noch etwas geht: der HSV ist weiter auf der Suche nach Verstärkung. „Der Transfermarkt ist noch 15 Tage geöffnet“, sagt jetzt Frank Arnesen und kündigt an, „da kann noch einiges passieren.“ Eine Aussage im Konjunktiv, die umgesetzt werden sollte. Und wird es auch. Wenn meine Informationen richtig sind, ist Arnesen weiter auf der Suche nach Verstärkungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der HSV noch einen oder zwei Spieler abgeben kann. „Sollte das gelingen, haben wir eventuell die Möglichkeit, noch einen Neuen zu holen.“ Erste Streichkandidaten sind weiterhin die eh schon aussortierten Guy Demel und Mickael Tavares.

Zudem sollen noch ein, zwei Spieler verliehen werden. Hier gilt Sören Bertram als erster Kandidat, während ein Verleihgeschäft von Tolgay Arslan ausgeschlossen ist. Der Angreifer ist zwar immer noch verletzt, allerdings hat er Oenning in der Vorbereitung komplett überzeugt. „Tolgay hat gezeigt, dass er uns helfen kann“, so der Trainer. Ebenfalls ausgeschlossen scheint ein Verkauf von Änis Ben-Hatira, an dem zuletzt Hertha BSC interessiert gewesen sein soll. Ein Umstand, den Arnesen nicht bestätigen wollte. „Ich saß vor dem Spiel mit den Verantwortlichen aus Berlin zusammen und keiner hat irgendwas davon gesagt. Insofern gehe ich davon aus, dass es kein Interesse gibt“, so Arnesen, der zudem betonte, Ben-Hatira sowieso nicht abgeben zu wollen.

Stattdessen könnte es noch einen zentralen Mittelfeldspieler treffen. Denn genau für die Position sucht der HSV derzeit nach Verstärkung, nachdem die Mannschaft sowohl in der Vorbereitung als auch in den ersten Ligaspielen genau dort am schwächsten Präsentierte – ohne einen Lösungsansatz zu bieten. Allerdings stellt sich mir die Frage, wer dann gehen muss. Denn immerhin stehen mit Robert Tesche, Gojko Kacar, Tomas Rincon, David Jarolim und sogar noch Heiko Westermann gleich fünf Kandidaten zur Verfügung – Neuzugang er Skjelbred nicht mal mitgerechnet. Definitiv zu viele Kandidaten für gerade mal zwei Positionen…

Klar ist, dass man für den 32-jährigen Jarolim nicht mehr viel bekommen würde, Tesche gerade erst seinen Vertrag verlängert hat und Westermann zum Kapitän bestimmt wurde. Und Kacar gilt trotz seiner weiterhin stagnierenden schwachen Form als Eckpfeiler in Oennings Planungen. Bliebe – dem Ausschlussverfahren sei dank – wohl nur noch Tomas Rincon übrig. der altersmäßig für andere Klubs interessant sein dürfte und zuletzt bei der Copa America stark aufspielte. Zumal ich von dem Venezolaner weiß, dass seine Geduld in diesem Jahr deutlich limitierter ist als in den vergangenen Jahren. „Ich will einen Stammplatz und der Mannschaft helfen, wieder international zu spielen“, so Rincons klare Ankündigung. „Ich habe beim HSV sehr viel gelernt und es ist an der Zeit, über die Reservistenrolle hinaus zu kommen“, so Rincon, der sicherlich zu den „Abgabe-Kandidaten“ zählen dürfte, die dem HSV noch ein wenig finanziellen Spielraum ermöglichen könnten.

Nicht mehr dazu zählt Wolfgang Hesl, der zudem ablösefrei zu Dynamo Dresden gewechselt ist. Für den Keeper soll kostengünstig Ersatz geholt werden. „Wir werden noch einen dritten Torwart holen“, sagt Arnesen, und fügt hinzu, dass der Markt auf der Torwartposition derzeit sehr überschaubar sei. Zuletzt hatten Arnesen und Oenning immer wieder betont, noch einen jungen, deutschen Torhüter holen zu wollen. Den allerdings gibt der Markt derzeit nicht her. „Deshalb werden wir einen Torwart übergangsweise holen und eventuell im Winter noch mal aktiv“, so der HSV-Sportchef, der sich einem Internetportal zufolge auf einen Anruf aus Spanien freuen darf.

Laut des italienischen Portals „tuttomercatoweb” soll der spanische Spitzenklub FC Valencia bereit sein, zehn Millionen Euro Ablöse für den kroatischen Nationalspieler zu bezahlen. Eine italienische Quelle über einen kroatischen Spieler, der von einem deutschen verein nach Spanien wechseln soll – klingt doch seriös, oder?? Und dann noch die Summe von zehn Millionen Euro… Eine Summe, die ich für utopisch halte und von der beim HSV noch niemand etwas gehört haben will. Und ganz ehrlich: sollte der HSV auch nur die Hälfte für den Angreifer geboten bekommen, wäre ich schon überrascht. Zumal Petrics Vertrag am Saisonende ausläuft und der Kroate demnach im Juli 2012 ablösefrei gehen könnte. Zudem müsste der HSV dann wieder neben dem Mittelfeld auch im Angriff nachlegen – und gute Stürmer sind teuer.

Fakt ist, dass noch etwas passieren sollte. Das scheint ja auch hier im Blog die Meinung der Mehrheit zu sein. Und auch wenn ich persönlich nicht allzu viel von Internetabstimmungen halte, würde mich interessieren, wo Ihr den größten Bedarf seht. Vor allem auch: wen würdet Ihr holen? Ich bin gespannt, was so zusammenkommt.

In diesem Sinne, bis morgen! Training ist da um zehn und um 15 Uhr an der Arena.

Scholle (18.45 Uhr)

Und dann am Blogende leider noch eine sehr traurige Meldung:

    Ilija Eplinius ist am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren verstorben.

    Der Amateurvorstandvorsitzende verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit in Hamburg. „Wir haben einen langjährigen und sehr engagierten Wegbegleiter verloren. Ilija Eplinius hat für den Sport im HSV gelebt und über viele Jahrzehnte die Geschicke des Amateursports entscheidend mitbestimmt. Seine herzliche Art und seine Kompetenz werden uns sehr fehlen. Ich möchte der ganzen Familie unsere große Anteilnahme aussprechen”, so HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel via www.hsv.de.

    Ilija Eplinius arbeitete 30 Jahre neben seinem Beruf in der Hamburger Baubehörde als Abteilungsleiter im Handball und hatte maßgeblichen Anteil an der Umsetzung des „HSV Handball“. Im Jahr 2000 wurde Eplinius in den Amateurvorstand gewählt, in dem er 2003 den Vorsitz übernahm. Erst vor zwei Wochen musste er seine Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen an seinen Stellvertreter Hartmut Stöpel übertragen.

    Unser tiefes Mitgefühl, und da spreche ich sicherlich auch im Name meines Blogvaters Dieter, gehört besonders seiner Frau und seinen zwei Töchtern.

Die Pfiffe im Volkspark – Demels Abrechnung

3. August 2011

„Schön ist es nicht, aber Pfiffe wird es immer mal wieder geben. Da muss er jetzt durch.“ Sagt Uwe Seeler. Deutschlands Ehrenspielführer, einst jahrelang auch HSV-Kapitän, bezog Stellung zu den Pfiffen, die ein Nach-Nach-Nachfolger von ihm kassierte. Pfiffe gegen Westermann bei jeder Ballberührung des alten und neuen HSV-Kapitäns – eine neue Dimension ist erreicht. Ich habe es seit dem August 1959, als ich mein erstes HSV-Spiel am Rothenbaum erlebte, noch nie erlebt, dass der HSV-Kapitän von den HSV-Fans ausgepfiffen wurde. Aber nichts ist anscheinend unmöglich. Es ist aber nur noch beschämend, ich bin entsetzt und schockiert. Zumal ich mich frage, was diese „Pfeifer“ erreichen wollen? Westermann raus? Das hieße, dass der HSV ein weiteres Mal Millionen verschenkt. Westermann auf die Bank? Das hieße, dass dort hinten fortan an eine „Bubi“-Abwehr gegen gestandene Bundesliga-Stürmer ankämpfen muss. Eine wahnsinnig tolle Vorstellung.

Es wäre ja auch ein Novum, dass der HSV einen Spieler, der gerade als Kapitän bestätigt wurde, mit Nichtachtung straft. Aber keine Bange, das wird nicht passieren. Trainer Michael Oenning bezog zu diesem Thema heute noch einmal Stellung und sagte: „Ich bin froh, dass Heiko unser Kapitän ist, weil ich glaube, dass es der Wunsch der Mannschaft war. Das zog sich auch durch, schon in der vergangenen Saison war er ein geschätzter Teamplayer. Was sehr wichtig ist, denn er schiebt sich nie selbst in den Vordergrund, und er versucht trotzdem, mit seinen Möglichkeiten immer wieder vorne weg zu gehen.“ Oenning weiter: „Natürlich ist es einfacher, wenn ich mich selbst in einer guten Phase befinde, selber tadellos Fußball spiele – dann ist es leicht. Aber ich finde es viel bewundernswerter, dass er es in einer Phase macht, in der er weiß, dass ihm nicht alles so gelingt.“

Und zu den Pfiffen gegen Westermann sagt der Coach: „Ich habe das nicht so dramatisch gesehen. Das war wieder nur einmal aus einer typischen Laune heraus, es waren auch nicht viele. Da kann man natürlich ein Thema draus machen, aber das wird den Heiko je begleiten. Es wird in insofern begleiten, als dass er sich sagt: ‚Okay, ich habe das gehört, aber ich nehme das als Motivation.’ Jeder der Heiko in der vergangenen Saison erlebt hat, der wird wissen, dass er mit der zweikampfstärkste Spieler der Bundesliga war. Er hat seine Qualität, und er hat auch seine Berechtigung. Und ich glaube auch, dass wir uns als HSVer uns es nicht leisten können, plötzlich unsere Spieler auszupfeifen, um sie so dann in Frage zu stellen – das wäre der völlig, völlig falsche Weg. Dafür ist Heiko auch gar nicht geeignet.“

Das sagt der Trainer zu diesem unliebsamen Thema. Natürlich, es ist nur EIN Trainer, und es pfeifen ein paar mehr Fans, aber – dieser Trainer hat das Sagen beim HSV. Nicht diese Pfeifer. Es sei denn, die Pfeifer werden diesen Laden bald übernehmen, dann können sie natürlich weiter pfeifen – und alles rausschmeißen, was sie rausschmeißen wollen. Klar. Unmöglich ist das ja nicht. Siehe Bayern. Wo die Fans ja schon Verhaltensmaßregelungen für die Profis (oder erst einmal nur für einen) vorschreiben. Vielleicht wäre es ja auch angebracht, für Westermann eine Art Verhaltens-Katalog aufzustellen:

1.) Keine Pässe mehr über sechs Meter – und mehr.
2.) Niemals weiter entfernt vom Gegenspieler stehen als ein Meter.
3.) Jeden Zweikampf gewinnen.
4.) Jedes Kopfballduell gewinnen.
5.) In jedem zweiten Spiel ein Kopfballtor nach einem HSV-Eckstoß.
6.) Nur noch ein Stockfehler pro Spiel.
7.) Nach jedem HSV-Tor auf die Raute klopfend zurücklaufen.
8.) Jeden Kollegen nett und höflich auf die 90 Minuten vorbereiten.
9.) Stets die Seitenwahl gewinnen.
10.) Stets sauber und adrett auf den Rasen laufen – auch zur zweiten Halbzeit.
11.) Ohne Gelbe Karte durch alle 34 Spiele gehen.

Hätte doch was. Obwohl ich nicht so recht weiß, ob ihm das noch helfen würde, die Gunst der HSV-Fans zurück zu gewinnen. Der Karren scheint irgendwie schon restlos verfahren.

Der HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow hat auch seine Meinung zu dem „Fall Westermann“: „Die Pfiffe sind, gerade in dieser Phase, nicht schön. Das sind Pfiffe gegen den HSV-Kapitän, das darf nicht sein. Obwohl ich auch sagen muss, dass Heiko Westermann gelegentlich Fehler macht, die nicht ganz nachvollziehbar sind. Dennoch sage ich, dass er ein Spieler ist, der immer will, der vorbildlichen Einsatz zeigt. Ich möchte um Verständnis bitten, und auch um Geduld. Heiko Westermann ist in meinen Augen auch genau der richtige Kapitän des HSV.“ Jarchow sagt speziell zu den Pfiffen gegen den Kapitän: „Vielleicht war das Publikum, das gegen Valencia dabei war, auch ein anderes Publikum als das bei den Bundesliga Spielen. Das würde die Pfiffe auch erklären.“

Und was sagt eigentlich Heiko Westermann selbst zu den Pfiffen gegen seine Person? Er ist, so scheint mir, obergenervt. Aber ist das ein Wunder? Er sagt: „Das waren ja nur vereinzelte Leute, die da gepfiffen haben. Darüber lohnt es sich gar nicht zu sprechen. Wir haben das letzte Vorbereitungsspiel, wir spielen gegen einen Champions-League-Starter, da dann die eigenen Spieler auszupfeifen, das gehört sich einfach nicht und ist völlig unpassend.“ Taten ihm diese Pfiffe weh? Westermann: „Was heißt wehtun? Ich war ein bisschen erbost, das muss ich schon sagen. Aber es geht weiter. Diese Leute, die da gepfiffen haben, das sind dann die ersten die feiern, wenn es gut läuft.“

Wenn es gut läuft. Aber was ist, wenn es nicht gut läuft? Befürchtet der Spielführer dann, dass die Fans noch schlimmer reagieren werden? Westermann: „Wir haben einen guten Draht zu unseren Fans, sie unterstützten uns auch prima – jedenfalls sind es die Leute, mit denen ich gesprochen habe.“ Westermann weiter: „Klar geht es immer darum, dass wir gewinnen, ganz klar, aber was ich sagen möchte ist das, dass keiner von uns jetzt Traumfußball erwarten kann. Jedenfalls nicht im ersten halben Jahr, oder auch während der gesamten Saison nicht. Es wird sehr schwer werden für uns, aber wir wollen uns natürlich von Woche zu Woche verbessern.“ Und: „Wir haben eine junge Mannschaft, wir haben eine schnelle Mannschaft, aber wir müssen auch vor Rückschlägen gewappnet sein. Wir sind noch lange nicht am Ende, wir müssen noch viel, viel arbeiten, sind erst am Anfang – ich denke es ist wichtig, das wir die Zeit zur Entwicklung bekommen. Und diese Zeit werden wir auch bekommen.“

Der Kapitän sagt dann auch noch etwas ganz Wichtiges: „Wir haben ein sehr gutes Klima in der Mannschaft, das ist mit Sicherheit so. Aber wir haben auch enorm an Qualität verloren, keine Frage. Wir haben viele junge Spieler bekommen, die noch keine Erfahrung in der Bundesliga gesammelt haben, aber ich sage trotzdem, dass wir eine gut aufgestellte Truppe haben.“ Wobei Heiko Westermann mit der verlorenen Qualität wohl eher die Erfahrung meint, die dem HSV verloren ging.

Apropos verloren ging. Guy Demel ist dem HSV ja verlustig gegangen. Oder gegangen worden. Und der Abwehrspieler, der seit Saisonbeginn bei der Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso trainiert, rechnete heute (einmal mehr?) mit dem HSV ab. Der Mann, unser aller „Guiiiiiiiiiiiiiiiiiii“, oder Euer „Guiiiiiiiiiiiiiiiiii“, ist total verbittert. Er sieht gut aus, scheint topfit zu sein, aber er ist auch fertig mit dem HSV. Absolut fix und fertig. „Wenn das der HSV ist, dann kann ich mich damit nicht mehr identifizieren. Ich muss noch ein Jahr durchhalten, dann hat sich das Thema erledigt. Ich wollte weg, die wollten mich nicht halten, aber ie lassen mich nicht ohne Ablöse gehen, obwohl ich einst ohne Ablöse zum HSV gekommen bin. Andere Spieler haben vier Millionen gekostet und durften für 500 000 Euro gehen . . .“

Demel, einmal in fahrt, sagte weiter: „Das erste Training bei Rodolfo Cardoso war schwer, da tat noch weh, aber jetzt bin ich durch mit dem Thema. Ich fühle mich wohl bei der U 23, das sind alles nette Kerle. Heute ist es nicht mehr schwer für mich, dort zu trainieren, denn ich weiß, dass es nichts mit meiner Qualität zu tun hat. Ich weiß zwar nicht, was ich falsch gemacht habe, um so etwas mitmachen zu müssen – doch wahrscheinlich liegt es daran, dass ich meinen Mund aufgemacht habe, dass ich immer die Wahrheit gesagt habe. Das passt nicht jedem. Der HSV spricht nach außen so und handelt nach innen so. Das ist nicht ehrlich.“

Während Demel das sagte, kamen viele Kollegen aus der Profi-Mannschaft vorbei, sie alle umarmten ihn, sie alle lagen in den Armen mit ihm – da gab es eine unheimliche Herzlichkeit zu registrieren. Er sagt: „Ich habe kein Problem mit nur einem Spieler hier, auch kein Problem mit den Fans, ich genieße noch immer die schönen Zeiten, die ich hier hatte – auch wenn es im Moment sehr schwer ist für mich. Ich wünsche dem HSV alles Gute, ich habe nur ein Problem mit dem Trainer und dem Präsidenten, mit Leuten, die nicht die Wahrheit sagen. Aber für mich ist die Sache erledigt, ich schließe jetzt auch einen sofortigen Wechsel aus, denn ich habe Familie, da muss ich langfristiger planen.“

Am Freitag, wenn die Regionalliga startet, spielt der HSV gegen Meuselwitz. Wahrscheinlich mit Guy Demel. Er sagt: „Rodolfo Cardoso plant jedenfalls mit mir, aber wer weiß, was sich die Herren da oben noch einfallen lassen, damit ich nicht spielen kann. . . Vielleicht werden mir dann doch wieder andere Spieler vorgezogen, aber das werde ich ja sehen.“ Ob er ein Spiel in der Regionalliga als Strafe empfinde? Guy sagt: „Nein, ich habe dann ja Spielpraxis. Und Strafe? Was kann der HSV denn noch Schlimmeres machen mit mir, als das, was bisher passiert ist? Das Schlimmste haben sie ja schon geschafft, sie haben meinen Ruf kaputt gemacht. Sie haben mich zur zweiten Mannschaft geschickt, ich sehe nichts, was sie noch schlimmer machen könnten.“

So, kurz noch zu den Personalien – bezüglich des Dortmund-Spiels. Dennis Diekmeier hatte beim Training einen Schlag (von Paolo Guerrero) auf den Fuß bekommen und humpelte in die Kabine, aber er wird am Freitag spielen können. Gökhan Töre, der gegen Valencia verletzt vom Platz musste, hat heuet schon wieder voll mittrainiert – Entwarnung also. Und alle anderen sind fit. Auch die beiden Copa-America-Teilnehmer. Von denen ich ausgehen, dass sie am Freitag dabei sind – in der Startelf. Aber dazu dann am Donnerstag mehr. Dann von Scholle, der auch in Dortmund vor Ort sein wird.

Einen Punkt habe ich zum Schluss noch abzuhandeln: die Uhr!

Die Uhr ist weg!

Habt Ihr es gesehen? Die Bundesliga-Uhr des HSV tickte beim Valencia-Spiel nicht mehr, sie war fort, weg. Ende, aus? Ich habe darüber mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow gesprochen: „Nein die Uhr ist nur kurzzeitig weg gewesen. Gegen Hertha BSC wird sie wieder da sein. Sie ist deswegen weg, weil dort renoviert wurde, und diese Arbeiten waren bis zum Valencia-Spiel noch nicht abgeschlossen. Ich kann alle beruhigen, wir sind noch nicht abgestiegen – die Uhr kommt wieder!“

Okay. Hoffentlich war es – trotz allem – kein schlechtes Omen, dass die Uhr auch nur kurzzeitig weg war. Hoffentlich.

18.09 Uhr

Das Fan-Fest – wieder ein Highlight

15. Juli 2011

Die Ordner rund um das Trainingslager des HSV in Hippach sahen und sehen toll aus. Jeder trug und trägt eine richtige Weste, auf denen stand dann auch groß das Wort ORDNER. Nur so richtig viel geordnet haben diese Herren eigentlich nie. “Wenn du zu den Spielen willst? Dann einfach unter dem Absperrband durch – und los.” So rief es “JU aus Q” den “Matz-abbern” zu – und so geschah es dann auch. Aber: Eigentlich gab es ja auch nicht so viel zu ordnen, es blieb alles friedlich, alles im Rahmen. Und es deswegen will ich hier auch nur über einen Ordner schreiben, der mir etwas Sportliches zum HSV gesagt hat. Er kam während des Trainings zu mir und verriet: „Ich war vor einigen Tagen auch bei Bayer Leverkusen, die Mannschaft hat in Zell am Ziller logiert. Dort wurde aber weitaus weniger oder auch lascher trainiert. Lascher als der HSV auf jeden Fall.“ Tolles Kompliment. Und erst heute reiste ein Kollege von mir in Hippach an, weil er zuvor an mehreren Stellen in Österreich deutsche Bundesliga-Mannschaften im Trainingslager beobachtet hatte. Und auch er wartete mit einem schönen Kompliment in Richtung Hamburg auf: „Es ist ja unwahrscheinlich und toll, wie viele HSV-Fans mit ins Zillertal gekommen sind – bei Borussia Dortmund waren höchsten 200 mit nach Österreich gekommen.“ Und beim HSV waren es in dieser Woche über 700. Großartig! Einfach nur großartig!

Und viele, viele waren zum Fan-Fest gekommen. Das begann zwar nicht gerade optimal (erst fehlten die Eintrittskarten, dann begann es wieder mächtig zu regnen), aber es wurde dennoch ein voller, voller Erfolg. Ich gebe es zu, ich hatte befürchtet, dass es dort leicht „hektisch“ werden würde, aber es war alles wunderbar. Die Spieler haben sich super verhalten, sie gaben Autogramme und posierten unaufhörlich für Fotos – jeder Fan kam auf seine Kosten. Danke HSV! Das war wieder beste Werbung, diese Fan-Nähe ist unbezahlbar – ein echtes Highlight.

Das sahen auch die „Matz-abber“, die vorher noch ein Gruppenfoto mit „Hermann“ gemacht hatten. Die „Matz-abber“ saßen (fast) alle an einem Tisch, beste Laune hatten alle mitgebracht – und „Jäger-Glück“ hatten sie auch. Deshalb von mir ein ganz dickes Kompliment. „HSV-Wolle“ fing für die „Kolleginnen“ und „Kollegen“ einen ganz dicken Fisch ein: Frank Arnesen. Der Sportchef saß über eine halbe Stunde am Ma-Tisch und beantwortete brav alle Fragen. Und hinterließ dabei einen großartigen Eindruck – bei allen. Toll. Aber Arnesen war nur der Anfang. Mit dem Sportchef am Tisch saß auch noch Heiko Westermann – und ein wenig später saß, zur großen Freude von „Christian“ und allen anderen sogar Mladen Petric dort.
Noch einmal, Deerns und Jungs, ein dickes Kompliment, wie Ihr das hinbekommen habt! Und die Freude, die Ihr alle ausgestrahlt habt, hielt noch bis zum nächsten Tag an – wahrscheinlich sogar noch das ganze Wochenende und länger. Ich habe viel, viel gefilmt, im Laufe der Woche werdet Ihr von diesem Fest auch ein Video sehen – der erste Film aus dem Zillertal ist jetzt schon „der“ Renner. Also, Ihr könnt Euch darauf freuen. Ihr habt die Hauptrolle gespielt.

Ja, und nun ist die Woche (fast) schon wieder vorbei. Heute gibt es ja noch (20.15 Uhr, live bei Sport1) das Testspiel gegen Al-Ahli Doha, wiobei die Frage, ob das nun ein Zweitliga-Klub aus Katar ist, noch nicht restlos geklärt wurde. Ich befürchte fast, es lässt sich gar nicht klären, aber das müssen wir mal abwarten. Auf jeden Fall geht es gleich nach Schwaz, in dem kleinen (aber feinen) Stadion dort hat der HSV bereits vor einem Jahr ein Testspiel ausgetragen, das war eine Partie gegen 1860 München (1:1, wenn ich mich richtig erinnere – Tor: Mladen Petric).

Am Vormittag hat der HSV noch einmal trainiert. Das Programm: Sechs gegen zwei, dann ein kleines Spielchen, dann Flanken von rechts und von links. Und diesmal (!) konnte man wirklich Flanken dazu sagen, denn die Bälle kamen in der Regel hoch und wunderbar angeschnitten in die Mitte. Für mich war dabei (als Flankengeber) der Jüngste der Beste. Ashton Götz schlug eine „Brandbombe“ nach der anderen zur Mitte, der Junge hat es richtig gutes Füßchen. Der 17-Jährige sagt, alles ganz normal, vor dem Training nichts, er sagt während des Trainings nichts, und er sagt auch danach nichts – aber fußballerisch hat er (fast) alle überzeugt.

Aber keine Angst, auch Ashton Götz ist während dieser Zillertaler Woche in die Mannschaft „hineingekommen“, er war ein vollständiges Mitglied der HSV-Truppe. Es wird, so mein Empfinden, ohnehin niemand mehr ausgegrenzt – und das ist auch gut so. Auch dafür gibt es ein schönes Beispiel: Als die Mannschaft um 13 Uhr zum Essen im Sporthotel Stock ging, da schlenderten Heung Min Son und Ashton Götz gemeinsam dem Essensraum entgegen – der Südkoreaner, der in diesen Tagen auch prächtig „aufgetaut“ ist, hatte freundschaftlich den Arm auf die Schulter des HSV-Talentes gelegt. Solche kleinen Kleinigkeiten habe ich schon seit sehr, sehr lange Zeit nicht mehr beobachtet – einfach nur schön zu sehen.

Sehr schön zu wissen ist auch, dass der Norweger Ciljan Skjelbred nun schon bald HSV-Spieler wird. Der 24-jährige Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim wird am 3. oder 4. August nach Hamburg kommen, und weil Rosenborg in diesem Monat neun oder zehn Pflichtspiele zu absolvieren hat, wird der Nationalspieler auch topfit sein – sofern er sich nicht noch verletzt. Was wir natürlich nicht hoffen wollen.

Sportchef Arnesen freut sich über diesen Transfer: „Rosenborg ist zufrieden, wir sind sehr zufrieden, Skjelbred ist ein sehr, sehr guter Spieler, es ist finanziell bestens für uns gelaufen, dass wir ihn schon jetzt nach Hamburg holen können.“ Kompliment auch an Sie, Herr Arnesen. Und wenn ich den „Matz-abbern“ glauben darf, die mit Ihnen (dem Sportchef) so nett und so lange plaudern durften, dann lesen Sie hier bei „Matz ab“ ja auch mit . . .

Arnesen über den Neu-Hamburger aus Norwegen: „Er ist eigentlich ein untypischer Norweger, denn er ist nicht nur physisch stark, sondern auch ein großartiger Techniker. Einer der besten Techniker in Norwegen. Er spielt auch ein bisschen mehr vorne, er ist sehr schnell mit dem Ball, kann die Kugel auf dem engstem Raum bestens behaupten. Er kann auch dribbeln, schlägt gute Pässe mit dem Außenrist, spielt intelligent Fußball. Und er hat einen sehr guten Charakter.“ Frank Arnesen kennt Skjelbred schon seit acht Jahren, wollte ihn einst auch schon zum PSV Eindhoven holen. Beachtlich, sehr beachtlich sogar: Der Nationalspieler ist erst 24 Jahre, hat aber für Rosenborg schon 234 Liga-Spiele absolviert. Das, obwohl er 2005 und 2006 eine schwerer Verletzung hatte. Arnesen: „Jetzt ist der beste Moment für ihn, eine neue Herausforderung im Ausland anzunehmen. Er ist ein sehr lernwilliger Spieler – er passt in diesem Moment sehr, sehr gut zum HSV.“

Und, Herr Arnesen, kommt darüber hinaus noch ein neuer Spieler zum HSV? Arnesen setzt ein Pokergesicht auf und sagt: „Das wird schwer. Finanziell. Ich kann ja alles wollen . . .“ Aber eben nicht alles bezahlen. Deswegen sagt Frank Arnesen auch zum jetzigen Personalstand seines Klubs: „Ich bin in diesem Moment wirklich nicht unzufrieden.“

Alex Silva war bis heute in den Mittagsstunden noch immer nicht durch mit der sporttauglichen Untersuchung für seinen neuen Klub Flamengo Rio de Janeiro – aber wir hoffen wohl alle darauf, dass da nichts mehr schiefgehen wird. Arnesen auch: „Ich hoffe, dass wirklich alles klappt. Aber er hat doch auch schon die ganze Saison ohne Verletzung durchgespielt . . .“

Mickael Tavares dagegen ist von seinem Probetraining beim FCO Dijon nach Hamburg zurückgekehrt, die Franzosen werden ihn (wohl) nicht verpflichten. Nichts Neues gibt es im „Fall“ Guy Demel, offiziell wird noch nicht mit einem anderen Klub verhandelt, inoffiziell ist wohl schon etwas Bewegung in diesen Wechsel gekommen, aber so richtig getan hat sich noch nichts. Abwarten, das wird schon. Demel und Tavares trainieren bekanntlich nur noch bei der U 23 und Rodolfo Cardoso. Bis auf Weiteres.

Nicht trainiert hat heute erneut Jeffrey Bruma, der wegen seiner Achillessehnen-Probleme wohl auch in der nächste Woche nicht spielen wird können. Viel Pech für den niederländischen Nationalspieler. Und auch für Tolgay Arslan. Die Verletzung aus dem Wolfsburg-Spiel entpuppte sich in Österreich als viel, viel hartnäckiger als gedacht, Arslan konnte nie mit der Mannschaft trainieren. Heute ist er etwas gelaufen, hatte aber enorm starke Schmerzen im linken Knöchel. Deswegen geht es auch noch mal zur Kernspintomographie, denn nicht ausgeschlossen ist jetzt, dass doch etwas kaputt ist. Es wurde zwar schon eine Tomographie gemacht, doch eventuell war dabei deswegen nichts zu erkennen, weil im Fuß einfach zu viel Flüssigkeit war. Auf jeden Fall aber ist dieses Trainingslager für Tolgay Arslan einfach nur denkbar schlecht gelaufen, denn er hat den Anschluss erst einmal verpasst.

Pech hatte heute auch Muhamed Besic, der bei der Kopfballduell-Übung mit Janek Sternberg zusammengeprallt war – mit den Beinen. Besic lang minutenlang am Boden, hatte großen Schmerzen im linken Knie. Dann ging es – leicht humpelnd – weiter, aber später, im Hotel, sah das schon weitaus ungefährlicher aus, da ging Besic schon wieder ganz normal. Glück für ihn.

Kurz noch ein Satz zu Gojko Kacar. Der Serbe sollte in der kommenden Woche ja eventuell in Hamburg operiert werden, weil Kalkablagerungen in seinem Knöchel schon seit Monaten Schmerzen bereiten, aber ein Eingriff steht jetzt doch wieder in Frage. Heute trainierte Kacar ohne Schmerzen, so dass erst einmal noch abgewartet wird, wie sich diese Schmerzen in den nächsten Stunden (oder Tagen) entwickeln.
Nett fand ich, das muss ich bei dieser Gelegenheit auch einmal loswerden, wie Gojko Kacar auf dem Fan-Fest begrüßt wurde. Da tanzten jene Fans um ihn herum, die noch am ersten Tag des Trainingslagers ob ihrer alkoholischen Genüsse ein wenig „aufgefallen“ waren. Diese “Herren” sangen übermütig und lustig zugleich: „Kacar, schenk’ mir ein Foto . . .“ Frei nach Mickie Krause.
Das war schön zu hören und schön zu sehen.
Es geht doch!

So, nun heißt es für mich, nach Schwaz zu fahren, ich melde mich von dort nach dem Spiel – mit einem kleinen Bericht.

17.26 Uhr

Bruma mag die deutsche Disziplin

10. Juli 2011

Joe Cole soll zum HSV kommen. Habe ich hier in Österreich im Videotext gelesen. Und im Videotext stand auch, dass Cole beim FC Liverpool 100 000 Euro pro Woche verdient. Nur. Zum Glück ist das nicht eine Null mehr am Ende, denn eine Million pro Woche kann der HSV sicher nicht zahlen. 100 000 pro Woche schon. Oder? Wenn ja, dann könnte aber der zusätzlich geplante Transfer von Rafael van der Vaart doch noch scheitern . . . Nein, nein, liebe Freunde des HSV, bitte, bitte, bitte, werdet eines Tages doch zu Realisten. Es wird keinen Cole geben, keine van der Vaart zurück, und keinen anderen Weltstar. Die bittere Realität sieht anders aus: Die Kassen sind leer. Und wer das immer noch nicht begreift, wer das immer noch nicht wahrhaben will, der ist ein Träumer.

Aber 100 000 Euro die Woche sind ja jetzt auch nicht das Thema. Das ist dann doch eher das Trainingslager im Zillertal. „Ihr müsst laufen, wir könn’ saufen!“ So das Motto einiger HSV-Fans, die dieses Motto lauthals während der zweiten Einheit verkündeten. Und zwar immer dann, wenn die Spieler an ihnen vorbei laufen mussten. Das ist doch mal eine moralische Unterstützung, die sich hören lassen kann. Obwohl ein ranghoher HSVer heute hinter der vorgehaltenen Hand sagte: „Das ist sicher keine gute Werbung für den HSV.“

Aber genug zu diesem Thema. Es wurde am Nachmittag nämlich auch gejubelt. Bei den Torschussübungen. Da wurden beispielsweise Mladen Petric und David Jarolim gefeiert, wenn sie ins Tor trafen. Der Mann aber, der vor allem im Blickpunkt stand, war Heung Min Son. Wenn der Südkoreaner traf, und er traf nicht selten gegen Tom Mickel und Wolfgang Hesl (der viele gute Paraden zeigte!), dann flippte das Publikum aus – und auch Son. Er jubelte stets so, als hätte er soeben in der 89. Minute zum 2:1 gegen Bayern München getroffen. Herrlich. Und super diese Stimmung. Die Spieler müssen einiges tun, aber es mosert keiner, es lässt sich keiner hängen. Und ich kann es nur noch einmal sagen: Michael Mancienne, der im Training im Volkspark eher einen lauen Eindruck hinterlassen hat (auf mich), der zeigt sich hier ebenfalls sehr engagiert. Konnte doch auch nicht sein, dass er so einen Vertrag beim FC Chelsea erhalten hätte . . . Es war wohl das harte Training, das ihm so zugesetzt hat – und nun hat er sich (wohl) daran gewöhnt.

Beim zweiten Training in Hippach fehlte Jaroslav Drobny (Rippenprellung), zudem liefen Marcell Jansen und Änis Ben-Hatira nur einige Runden. Es fehlte auch Jeffrey Bruma, der unter einer Achillessehnenreizung leidet. Mit dem niederländischen Nationalspieler sprachen wir heute, er konnte in Ingolstadt, ich schreibe es gerne auch noch ein drittes Mal, auf Anhieb überzeugen. Und der 19-jährige Abwehrspieler war mit seiner Leiszung auch ganz zufrieden: „Die erste Halbzeit war gut, in der zweiten Halbzeit wurden einige Spieler aufgrund des harten Trainings dann müde. Wir sahen bei den beiden Gegentoren nicht gut aus, daran müssen wir arbeiten.“

Wobei es ja nicht nur die beiden FC-Tore waren, denn der Zweitliga-Klub hatte ja durchaus die eine oder andere große Möglichkeit mehr. Bruma hatte erstmalig beim HSV mit seinem ehemaligen Chelsea-Teamkollegen Mancienne in der Innenverteidigung gespielt. Kommentar von Trainer Michael Oenning: „Beide begannen ein wenig nervös, aber fingen sich nach den ersten gelungenen Aktionen. Das konnte sich durchaus sehenlassen.“

Bruma spricht schon ganz gut Deutsch. Er hat es einst in der Schule gelernt. Er staunt im Moment über das harte Training beim HSV: „Das kenne ich nicht, dass man dreimal am Tag trainiert. Aber es ist gut, wir werden dadurch sicher sehr fit.“ Und er sagt: „In Deutschland wird viel Wert auf Disziplin gelegt, das kenne ich in dieser strikten Form auch nicht. In England musste niemand bezahlen, wenn er mal fünf Minuten zu spät kam. Ich finde es aber durchaus gut, diese Disziplin.“

Von meinen Kollegen wurde Bruma in Ingolstadt mit dem früheren HSVer Khalid Boulahrouz verglichen, seinem Landsmann, einige Fans sahen in Bruma aber auch einen „neuen Jerome Boateng“.

Den HSV hat Bruma in der vergangenen Saison mehrfach gesehen – als er wusste, dass er nach Hamburg wechseln könnte. „Die Bundesliga ist stark, es wird viel gelaufen“, sagt der WM-Teilnehmer von 2010 und ergänzt: „Ich will mir einen Stammplatz beim HSV erkämpfen, um mich weiter für die Nationalmannschaft zu empfehlen.“

Das wird ihm, die Leistung in Ingolstadt zum Maßstab genommen, wohl auch erreichen. Er spielt für sein Alter schon unglaublich abgeklärt, souverän und mit einem guten Blick für die Situation. Und er macht körperlich schon einen kräftigen Eindruck, Bruma ist kein Typ, der sich die Butter vom Brot nehmen lässt.

Aber genau deswegen hat ihn Frank Arnesen wohl auch zum HSV geholt. Der Sportchef ist mit ins Trainingslager gekommen, hatte ja zuletzt in Brasilien versucht, den Noch-HSVer Alex Silva zu verkaufen. Was noch immer nicht gelungen ist: „Ich bin noch müde von diesem Trip, wir haben viel geredet, aber es ist sehr kompliziert, Silva zu verkaufen.“ Weil vier Parteien mitreden wollen. Zwei Berater, dazu der Klub Flamengo und der HSV. Arnesen: „Das braucht noch seine Zeit, aber alle wissen, dass wir etwas tun müssen, denn am 22. Juli schließt das Transferfenster in Brasilien.“ Bis dahin muss also eine Entscheidung gefallen sein.

Noch kein Angebot gibt es für Guy Demel, der zurzeit bei der HSV-Regionalliga-Mannschaft trainieren muss. Ob Ciljan Skjelbred noch während des Sommers zum HSV kommen wird, hängt allein von Rosenborg Trondheim ab. Arnesen: „Rosenborg hat zehn Spiele im Juli, darunter die Champions-League-Qualifikation, deshalb wird er kaum vor August zu uns stoßen können. Skjelberg selbst will so schnell nach Hamburg kommen, er freut sich auf Hamburg, hat Lust, für den HSV zu spielen – und genau solche Spieler wollen wir ja. Spieler, die Lust haben für den HSV zu spielen.“

In Kontakt steht Arnesen, steht auch Michael Oenning mit den beiden Spielern, die an der Copa America teilnehmen. Paolo Guerrero ist einer der großen Stars bisher, weil er für Peru schon zwei Tore schoss, die drei Punkte bedeuteten. Und auch Tomas Rincon hat bislang viele gute, sogar überragende Kritiken erhalten. Vielleicht schafft er ja auch in dieser Saison den Durchbruch. Beim HSV natürlich. Schön wäre es ja.

So, zum Schluss noch einmal einen Blick zurück: Der 37-jährige Ze Roberto wollte ja gerne einen Zwei-Jahres-Vertrag (vom HSV, von anderen Klubs), jetzt hat er ihn. Der „große Ze“ wechselt nach Katar, spielt künftig für den Weltklub Al-Gharafa. Zwei Jahre. Mindestens.

Gute Nacht aus dem Zillertal

20.01 Uhr

1:5 gegen Wolfsburg – Arnesen vor Schwerstarbeit

3. Juli 2011

Frank Arnesen war müde. Nach einer langen Nacht, die in der Imtech-Arena mit dem Box-Kampf Klitschos gegen David Haye seinen Höhepunkt fand, hatte der 54-Jährige nur wenig Schlaf gefunden. „Ich war ein wenig enttäuscht von Haye“, fand Arnesen, „denn Wladimir hat den Kampf von Anfang bis Ende kontrolliert. Aber für mich als Box-Fan war das dennoch eine begeisternde Erfahrung, sowas in unserem Stadion mitzuerleben.“ Dass er dadurch erst um 1.30 Uhr ins Bett kam und sich schon am heutigen Morgen wieder um das Tagesgeschäft kümmern musste – für Arnesen normal. „Viel Schlaf bekomme ich im Moment eh nicht.“

Top des Tages war für den dänischen HSV-Sportchef heute Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr gen Frankreich geflogen ist, um sich dort bei seinem potenziell neuen Arbeitgeber Stade Rennes vorzustellen. Arnesen: „Er bleibt auch am Montag noch dort, um sich alles anzusehen und letzte Details zu klären.“ Zwischen dem HSV und den Franzosen ist die Ablösesumme (3,5 Millionen Euro) geklärt, einzig um etwaige Leistungsprämien wird noch verhandelt. Dennoch gibt sich Arnesen optimistisch. „Wir haben lange mit Rennes gesprochen, uns vorher auch mit Pit intensiv unterhalten.“ Ergebnis sei gewesen, dass der HSV den Burkinaben abgeben wolle, Pitroipa selbst gehen will und Rennes großes Interesse hat. „In den nächsten zwei bis drei Tagen werden wir ein endgültiges Ergebnis haben“, kündigt Arnesen an.

Etwas weiter davon entfernt ist Arnesen bei Guy Demel („Aus England kommt das bisher beste Angebot“) sowie mit Alex Silva. Der Brasilianer hat noch immer keinen neuen Verein gefunden, der bereit ist, die kolportierten vier bis fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Innenverteidiger zu zahlen. „Ich werde voraussichtlich am Dienstag nach Brasilien fliegen und mich dort mit Silva sowie seinem Berater Juan Figer treffen“, sagt Arnesen, der weiter einen Verkauf des 25-jährigen Innenverteidigers priorisiert.

Lieber gestern statt morgen würde Arnesen den Vertrag mit Mladen Petric verlängern. Und geht es nach dem Dänen, so dürfen die HSV-Fans sich berechtigte Hoffnungen auf einen Verbleib des Torjägers machen. „Ich habe mich vor drei Tagen mit Mladens Berater Volker Struth getroffen und ein sehr, sehr gutes Gespräch geführt. Ich bin optimistisch, dass wir weiterkommen. Mladen will noch ein paar Tage nachdenken, aber auch er war sehr positiv. Alles geht in eine sehr gute Richtung, ich bin sehr zufrieden“, sagt Arnesen. Petric wurde dabei eine absolute Führungsrolle in Aussicht gestellt, zudem geht der HSV finanziell bis an seine Grenzen. „Mladen ist ein großer Spieler, da müssen wir an unser Limit gehen“, sagt Arnesen, der sich in den nächsten Tagen auch um den noch immer gesuchten offensiven Mittelfeldspieler kümmern will und wird. „Wir haben einige Kandidaten und sind mit dem Topkandidaten schon weit“, frohlockt der Däne, der ein Ergebnis in den nächsten sieben Tagen für wahrscheinlich hält. Arnesen weiter: „Der Spieler will zu uns, der Verein kann sich vorstellen, ihn abzugeben. Aber endgültig geklärt ist der Deal noch nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den nächsten sieben Tagen eine Entscheidung haben.“

Entschieden ist dagegen das Spiel gegen Wolfsburg. Klar mit 1:5 sind die Oenning-Mannen vor offiziell 4600 Zuschauern (Freikarten führten zu einem deutlich besser gefüllten Flensburg-08-Stadion) unter die Räder gekommen. Wobei es zur Halbzeit noch 1:1 stand und auch nicht annähernd so deutlich war, wie man es anhand der Aufstellung vor der Partie hätte vermuten können. Ohne acht potenzielle Stammspieler hatte der HSV „nach einer anstrengenden Trainingswoche“ (Oenning) in den zweiten 45 Minuten nichts mehr entgegenzusetzen. Heung Min Son hatte den HSV in der achten Minute in Führung geschossen, Lakic hatte in der 15. Minute ausgeglichen. Scheidhauer (46.), Mandzukic und zweimal Tuncay Sanli (74., 85.) trafen in der zweiten Hälfte für die Niedersachsen.

Und während zumindest die Offensive in Ansätzen mit schnellem Spiel in die Spitze zu gefallen wusste, schwamm die Defensive immer wieder. Diekmeier, der heute schwache Westermann, ein mit zunehmender Spieldauer immer überforderterer Sternberg und Jansen auf links bekamen die Wölfe nur schwer in Griff. Zudem griff das 4-3-3-System mit Jarolim und Besic nicht. Im Gegenteil, gerade der sehr bemühte Besic brachte die eigene Abwehr mit Fehlpässen immer wieder in Bedrängnis. „Das Ergebnis ist für mich Nebensache“, maß Oenning der Niederlage nicht zu viel Wert bei.

Dennoch sah auch Oenning, dass die Mannschaft so noch nicht bundesligatauglich ist. „Für uns dürfte die Bundesliga morgen noch nicht beginnen“, so der HSV-Coach, „diese Niederlage war für unsere jungen Spieler eine direkte Rückmeldung.“ Womit insbesondere Sternberg, Ben-Hatira, die eingewechselten Ingreso, Nagy und Töre gemeint sein dürften. Letztgenannter war noch vor dem Spiel von Arnesen persönlich in Schutz genommen worden, nachdem er im Trainingslager mit der einen oder anderen Diva-Phase für Aufsehen gesorgt hatte. „Töre ist ein Türke und hat rote Haare – das sagt doch schon, dass er spezial ist“, sagt Arnesen, „er muss sich ganz sicher erst einmal gewöhnen, sich mit seinem neuen Umfeld anfreunden. Klar ist, dass wir ihn führen müssen, dass er unsere Hilfe und die der erfahreneren Spieler braucht. Aber er ist ein super Typ, der außergewöhnliches Talent hat. Und das dürfen wir ihm nicht nehmen.“ Nun gut, es ist erst eine Woche absolviert, zu früh um den Stab über Töre zu brechen.

Im Spiel heute konnte der Deutsch-Türke allerdings nichts bewirken. Im 4-3-3-System ab der 55. Minute für den heute sehr offensiven Kacar eingewechselt, versuchte sich Töre zuerst auf der Zehn, anschließend als Son-Ersatz in der Spitze. Alles ohne Torschussvorlage geschweigen denn einen eigenen Abschluss.

Allerdings reihte sich Töre damit nur in eine sehr passive, ideen- und teilweise kraftlos wirkende Vorstellung seiner neuen Mannschaft ein. „Man hat erkannt, dass wir noch lange nicht auf Niveau sind“, resümierte Oenning, „wir gehen momentan auf der Felge.“ Deshalb soll die Mannschaft am Montag und Dienstag frei bekommen, um zu regenerieren. Und für den einen oder anderen Nachwuchsspieler dürfte die Zeit wichtig sein, um neue Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten. „Unsere Mannschaft war heute sehr jung und unerfahren“, nahm Oenning sein Team am Ende ein wenig in Schutz. Viel mehr geärgert habe ihn die zweifellos überharte Gangart der Wolfsburger beim Sparda-Cup. Insbesondere das üble und allemal rotwürdige Foul von Dejagah gegen den besten HSVer, Tolgay Arslan, sorgte überall für Unverständnis. Und da sich auch Westermann (Tritt in die Wade) sowie Son (Schlag aufs Schienbein) verletzten, hatte die hohe Niederlage einen noch bittereren Beigeschmack. „Bislang waren wir unfallfrei durch die Woche gekommen“, so Oenning, „deshalb sind diese unnötigen Verletzungen, die alle nach Foulspielen zustande kamen, umso ärgerlicher.“

Insgesamt ein ärgerlicher Ausklang einer bis dahin sehr intensiven Trainingswoche für den HSV, die ob der fehlenden Spieler (Petric, Guerrero sowie den noch nicht eingesetzten Elia, Aogo, Bruma, Mancienne, Tesche und Sala (Muskelbeschwerden) noch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Denn klar ist, zumindest wenn man den Worten Arnesens glauben darf, dass die Mannschaft spätestens zum Trainingslager im Zillertal in der kommenden Woche (9. Bis 16. Juli) ein anderes Gesicht haben dürfte.

In diesem Sinne, es geht weiter.

HSV gegen Wolfsburg: Drobny – Diekmeier, Westermann (70. Nagy), Sternberg, Jansen – Besic, Kacar (55. Töre), Jarolim – Ben-Hatira, Son (81. Ingreso) Arslan (78. Bertram).

Scholle

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