Archiv für das Tag 'Delling'

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Werder besiegt – aber Europa kein Thema “Scholles” Lia Sophie ist da!

28. Januar 2013

Das erste “Matz-ab”-Baby ist da!

Der Einstieg, der natürlich drin bleibt, ist jetzt, an diesem Dienstagvormittag, überholt. Am 29. Januar 2013 um 9.09 Uhr ist Lia Sophie geboren worden – in Hamburg. “Scholle” ist Papa geworden, Mutter und Töchterchen sind wohlauf und “Scholle” hat versprochen, dass es demnächst auch Fotos von “LS” geben wird. Sobald sich die beiden Damen von der langen Reise erholt haben . . .
Herzlichen Glückwunsch an Mama Sandra und Papa Marcus – und alles, alles Gute für Lia Sophie. Auf dass sie in ihrem wunderschönen Leben noch viele, viele Meisterschaften und Titel erlebt, die der HSV in den Volkspark holt!

Es geht los! Und damit ist nicht gemeint, dass der HSV mit dem 3:2-Sieg über Werder Bremen den Angriff auf den internationalen Startplatz gestartet hat. Gemeint ist die Vergrößerung der Familie Scholz. „Scholles“ Sandra ist im Krankenhaus, die Tochter wird heute, spätestens aber morgen früh zur Welt kommen. Und Marcus Scholz ist natürlich bei der Geburt dabei. Ich drücke im Namen aller „Matz-abber“ ganz kräftig die Daumen, dass alles gutgeht bei der Entbindung, und dass Tochter und Mutter danach wohlauf sind. Alles, alles Gute für die junge Familie. Der HSV hat ja das Geschenk schon mal vorab geliefert, mit dem Erfolg über den ewigen Nordrivalen . . .

Mit diesem Dreier aber kann der HSV nun noch beruhigter den nächsten Wochen entgegensehen. Es geht bergauf. Schon jetzt, nach 19 Spieltagen, hat der HSV die Zahl der Heimsiege verdoppelt. Was allerdings auch kein allzu großes Machtwerk ist, denn 2011/12 gab es lediglich drei Heimerfolge. Nun schon sechs. Und der HSV hat nun „schon“ 22 Tore erzielt, hat mit dieser Zahl sechs Clubs hinter sich gelassen – bis jetzt! Obwohl die Zahlen des Spiels gegen den Nachbarn nicht unbedingt für den Sieger sprechen – aber das ist in diesem Fall total egal. Der lang ersehnte Dreier gegen Werder ist nun nicht mehr aus der Bundesliga-Bilanz zu streichen. Trotz der Tatsache, dass Werder in Sachen Torschüssen am Sonntag mit 16:10 vorne lag. Auch nach Ecken lag der Verlierer vorn – 7:3. Flanken hatte der HSV mehr – 13:8. Auch Ballkontakte hatten die Hamburger mehr (natürlich!) – 54:46. Die Zweikampf-Bilanz war mit 50:50 total ausgeglichen, Fouls leistete sich der HSV mehr – 19:17. Und auch ins Abseits tappten die Hamburger öfter – 9:1.

Wichtig aber ist ja nur die Torstatistik, und die wies ein glattes 3:2 für Hamburg aus. Was wohltuend an diesem Sieg war: Kein HSV-Spieler, soweit ich das überblicken konnte, und auch keine Führungspersönlichkeit sprach danach von einem internationalen Platz (für den HSV). Alle haben gelernt, den Ball schön flach zu halten. Und dabei an das nächste Spiel zu denken. Und was ist das nächste Spiel? Wenn ihr an Sepp Herberger denkt: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“ Am Sonnabend kommt – zur späten Stunde – der Tabellenvierte Eintracht Frankfurt ins den Volkspark. Und die Hessen haben sich nun auch noch den Wolfsburger Stürmer Srdjan Lakic ausgeliehen, es gibt künftig also noch einen Kopfballspezialisten (neben Alexander Meier) mehr im Veh-Team.

Unmittelbar nach dem Sieg über Bremen aber wurde erst einmal genossen. Denn die meisten Spieler wussten ja noch nicht, wie sich ein Erfolg über Werder anfühlt. „Die Bremer haben mich in den vergangenen Jahren doch einige Male sehr geärgert, deswegen ist dieser Dreier besonders wertvoll“, sagte 2:1-Torschütze Dennis Aogo. Und Rafael van der Vaart befand: „Die ganze Stadt hat den Sieg nach der Ebbe gebraucht.“ Von höheren Zielen aber sprach wirklich niemand. „Wir sind Neunter und haben noch einige Mannschaften vor uns. Wir wollen weiter von Spiel zu Spiel schauen und nicht von Europa League reden“, sagte Torwart Rene Adler und ergänzte: „Gegen Frankfurt wollen wir nun nachlegen.“ Sie alle bleiben hübsch und bescheiden auf dem Teppich. Recht so. Wie zum Beispiel auch Kapitän Heiko Westermann, der bei seinem Besuch im „NDR Sportclub live“ (Moderator Gerhard Delling) einen sympathischen Auftritt hinlegte. Der Innenverteidiger gab zu: „Wir sind ganz schlecht ins Spiel gekommen, obwohl wir uns vorgenommen hatten, von der ersten Minute an richtig gut loszulegen. Aber dann hatten wir enorm viele Abspielfehler, haben uns dadurch verunsichern lassen – und sind prompt in Rückstand geraten. Zum Glück haben wir danach nicht die Ruhe verloren, sondern haben weiter unser Spiel gespielt.“ Von dem ich, das gebe ich gerne noch einmal zu, bis zum Halbzeitpfiff nicht so viel gesehen habe. Aber vielleicht bin ich auch zu kritisch. Immerhin aber gab Westermann zu: „Wir hatten auch sehr viele Leichtsinnsfehler dabei, auch ich habe mir zwei, drei Leichtsinnsfehler erlaubt, indem ich den Ball unbedrängt zum Gegner gespielt habe – und dann ist es natürlich für jeden Gegner einfach, gegen uns zu spielen.“ Beim 0:1 von Lukimya sah Westermann, der die meisten Ballkontakte aller Spieler des Derbys hatte (95) und auch der zweikampfstärkste Mann auf dem Rasen war (78 Prozent), nur zu. Seine Erklärung, die er ein wenig lächelnd vortrug: „Ich dachte, dass Jeffrey Bruma das Kopfballduell gewinnen würde. Als er das nicht tat, war es schon zu spät . . .“ Westermanns Fehler.

Aufs Glatteis ließ sich Westermann von Delling – natürlich – nicht führen. Der NDR-Mann: „Nach diesem Sieg muss sich der HSV doch nun neue Ziele setzen . . .“ Der HSV-Kapitän: „Klar, das nächste Ziel haben wir am Sonnabend vor Augen. . .“ Dann fügt er noch hinzu: „Wir haben ein enorm schwieriges Jahr hinter uns, in dem wir den Abstieg verhindert haben, dann gab es aus den ersten drei Spielen dieser Saison nicht einen Punkt – von daher müssen wir den Ball schön flach halten. Bei uns dreht sich alles um Stabilität. Wenn wir die bekommen, wenn wir uns jede Woche beweisen, na klar, dann könnten wir uns oben festsetzen, aber so weit sind wir noch nicht.“ Stimmt. Das darf man trotz des Sieges nicht verkennen.

Trotz allem würde das internationale Geschäft dem HSV allerdings schon helfen, denn in den beiden zurückliegenden Spieljahren gab es ja insgesamt 11,5 Millionen Euro Verlust. Aber vielleicht wird es ja noch. Ohne vorher große Sprüche zu klopfen, die sich später (wie schon so oft in der Geschichte des HSV) als Luftblasen erweisen könnten. Auch Trainer Thorsten Fink hob nicht ab, sondern befand sachlich nüchtern: „Wir sind im Moment einfach heimstark, nach einem Rückstand beißen wir uns regelrecht ins Spiel.“ Und dann spricht der Coach davon, dass seine Mannschaft auch mental schon wesentlich stärker geworden ist – gegenüber der Vorsaison: „Noch vor einem Jahr wären wir nach dem 0:1 untergegangen . . .“ Es ist wohl so. Aber der sich im Umbruch befindliche HSV hat eben gelernt. Wie es scheint. Und ruht sich auf dem, was bereits erreicht worden ist, nicht aus. In dieser Woche zum Beispiel gibt es keinen trainingsfreien Tag. Heute wurde trainiert, morgen (Dienstag um 15 Uhr – sorry, erst jetzt erfahren, dass es nachmittags stattfindet°), und dann auch an allen anderen Tagen – bis hin zum Frankfurt-Spiel. Es herrscht im Volkspark mittlerweile die notwendige Ernsthaftigkeit. Und das ist auch gut so!

Ganz offensichtlich gibt es ja in dieser Saison einige Spieler, die gegenüber der vergangenen (sehr schwachen) Saison zugelegt haben – leistungsmäßig. Teilweise sogar deutlich. Paradebeispiel ist für mich, und das kommt für mich schon sehr überraschend, Heung Min Son. Allein seine Schusstechnik – mit links und mit rechts – ist super geworden. Und nun schickt er sich sogar an, auch in Sachen Zweikampfhärte zuzulegen. Ich hatte schon während der vergangenen Woche den Eindruck, dass er auf diesem Gebiet zulegen will (wenn er sich zum Beispiel hammerhart mit Tomas Rincon duellierte – mehrfach an verschiedenen Tagen!). Und gegen Werder verstärkte sich dieser Eindruck nur noch einmal. In dieser Verfassung wird der Südkoreaner, das muss ich nun zugeben, ganz sicher ein Spieler für die Insel (England). Wenn Son so weitermacht, dann wird es schon im Sommer zur Trennung kommen. Wohl oder übel.

Zugelegt hat ja auch Artjoms Rudnevs. Natürlich hat er fußballerisch noch einiges an Nachholbedarf, aber wie er sich einsetzt, wie er kämpft, wie er läuft – und wie er Tore schießt (schon acht! Wahnsinn!), das ist schon klasse. Ihr habt immer an ihn geglaubt, mir fehlte wochen- und monatelang der Glaube, aber nun muss ich gestehen, dass der gute „Rudi“ immer besser wird. Und er ist noch lange nicht am Ende seines nun eingeschlagenen Weges. Kompliment! Dickes Kompliment sogar!

Deutlich verbessert hatte sich im Herbst und Winter auch Tolgay Arslan präsentiert. Auf der „Sechs“. Als Milan Badelj dort unersetzlich wurde – und es nur diese eine „Sechs“ gab, geriet Arslan so ein wenig ins Trudeln. Auf der anderen Position, entweder zentral oder rechts. Deswegen bekam er gegen Werder eine Pause – bis zur 62. Minute. Dann löste Arslan den glücklosen und, wie ich finde, diesmal auch schwachen Per Ciljan Skjelbred ab – und war sofort voll da. Das war genau die richtige Reaktion von Tolgay Arslan. Er verkroch sich nach seiner vorübergehenden Ausmusterung nicht erst lange ins Schneckenhaus, sondern kämpfte, zeigte Biss. So muss es sein. Das war klasse! Und ich glaube, dass Arslan am Sonnabend sogar wieder erste Wahl werden könnte. Vielleicht sogar für Badelj, der gegen Bremen sein schlechtestes Spiel für den HSV abgeliefert hat. Das war teilweise recht erschreckend. Ist er ein wenig überspielt? Er hatte ja im Sommer noch die Champions-League-Qualifikation mit Dinamo Zagreb zu bestreiten, das könnte vielleicht ein Grund für seine Schwäche sein. Zuletzt begann Badelj ja schon oft sehr fahrig, konnte sich dann aber immer (teilweise beträchtlich) steigern, diesmal aber blieb er über die gesamte Spieldauer blass – und schlecht. Dass er immer noch ein erstklassiger Spieler ist, darüber müssen wir nicht streiten, aber er steckt vielleicht jetzt in seinem ersten Hamburger Formtief. Ein vorübergehender Zustand. Den schon einige zu bestehen hatten – die nun wieder funktionieren.

Der HSV befindet sich insgesamt schon wieder auf einem sehr guten Weg. Das befanden am Sonntag nach dem Spiel auch beide „Eichen“ bei ihrem Auftritt bei „Matz ab live“. Vielen Dank nochmals an beide Gäste. Peter „Eiche“ Nogly, der frühere HSV-Kapitän, befand auf dem Weg zum Parkplatz vor der Osttribüne: „Diese HSV-Mannschaft hat schon wieder sehr viel Qualität, und da die meisten Spieler noch sehr jung sind, rechne ich damit, dass es in den nächsten Jahren wieder steil bergauf mit dem HSV gehen wird. Die richtigen Leute dafür spielen schon für uns, und sie lernen fleißig und werden immer besser. Ich bin wirklich sehr zuversichtlich.“

Deine Hoffnung in Fußball-Gottes Gehörgang, lieber Peter!

18.51 Uhr

Adler küsst die Schienbeinschoner

19. September 2012

Der große Harald Schmidt dribbelt sich auf Sky ins Abseits – immerhin in HD-Qualität, Profi Thomas „Tommy“ Gottschalk stürzt ab bis zu den Amateuren des Fernsehens – warum soll da der HSV eigentlich alles richtig machen? Auch ein „Dino“ hat verdammt noch einmal das gute Recht, einiges, vieles oder alles falsch zu machen. Und das hat seit einigen Jahren wahrlich bestens geklappt. Nun lasst ihn doch mal . . .

Nee, lasst ihn besser nicht. Gegen den Meister und Pokalsieger kann man zwar mal verlieren, aber da steht doch noch viel mehr auf dem Spiel – als nur noch ein weiterer Misserfolg mehr. Mit einem Sieg käme Dortmund dem HSV sehr nahe! Wie das? In Sachen Erfolgsserie. Der HSV ist immer noch die Nummer eins – bei den ungeschlagenen Bundesliga-Spielen. 36 Partien sind es, in denen der „Dino“ nicht verlor, das lief saisonübergreifend vom 30. Januar 1982 bis 22. Januar 1983. Der BVB ist nun aber dran am HSV. Mit einem weiteren Sieg (oder Unentschieden) könnte es eng werden für den HSV, denn dann müsste Dortmund nur noch vier Spiele ungeschlagen überstehen, um die Nummer eins zu werden. In dieser Statistik . . .

Deswegen wäre ein HSV-Sieg am Sonnabend schon elementar wichtig. Zumal damit dann eine lange Sieglos-Serie beendet werden könnte, denn den letzten „Dreier“ in der Bundesliga gab es für die „Finken“ am 14. April. In diesem Jahr, aber wer kann sich daran noch erinnern? Erschütternd, dieser Anti-Lauf. Zumal den Fans und Mitgliedern ja schon seit Wochen und Monaten stets versprochen wird, dass es ab nun nur noch bergauf gehen könne – nur noch bergauf gehen wird. Fromme Sprüche. Die dann ja immer noch kräftig garniert wurden: „Die Substanz der Mannschaft ist sehr gut.“ Oder: „Spielerisch sind wir besser als der kommende Gegner.“ Und, und, und. Wobei der HSV natürlich spielerisch nicht besser ist als der Meister, das ist wohl jedem ganz klar. Dafür würden dann aber nach einer weiteren Niederlage hören (und ertragen) müssen: „Trotz allem glaube ich an diese Mannschaft, wir sind stark genug, die Klasse zu halten, wir werden ganz sicher nicht absteigen.“
Stimmt.

Zum heutigen Training (am Nachmittag) hatten sich wiederum viele Kiebitze eingefunden, aber alle machten sie lange Nasen. Bis auf die Torhüter war auf dem Trainingsplatz niemand zu sehen. Der Trainer hatte sich wohl kurzfristig umentschlossen – es wurde in den Katakomben trainiert. Ob das so blieb, weiß ich allerdings nicht, denn ich fuhr nach Hause, um zu schreiben. Dieses Nach-Hause-Fahren allerdings ist bei Hamburg im Regen ungefähr so schön wie eine 0:1-Heimniederlage des HSV gegen Energie Cottbus . . . Da kommt Freude auf, wenn man stundenlang im Stau steht. So vor dem Krohnstiegtunnel, der halbseitig gesperrt ist. Wenn man es nach 20, 25 Minuten geschafft hat, darf man mit 30 durch den Tunnel „düsen“. Vor der Tunneleinfahrt steht dann auch noch extra ein besonders Verkehrsschild: „Radarkontrolle“. Da kommt dann zusätzlich Freude auf . . . Aber das eben nur am Rande.

Das ist aber schon etwas ganz Besonderes – Hamburg im Regen. Etwas ganz Ausgefallenes gab es dagegen bereits am Mittag in der Arena: Der Hamburger Weg und die Deutsche Telekom haben die Hamburger SportXperten gefunden. Die Schulklasse 5c der Gemeinschaftsschule Achter de Weiden (Schenefeld), die als Sieger der
Ausschreibung des Hamburger Wegs und der Telekom hervorgegangen ist, erlebte heute einen ganz besonderen Schultag beim HSV: Medientraining. Unterteilt in drei Gruppen bereitete die Siegerklasse Interviews vor, lernte Grundlagen der Kameraführung kennen und erhielt Einblicke in Moderationstechniken und Videoschnitt. Als Highlight führten eine Schülerin und ein Schüler vor der versammelten Klasse (und Medien-Vertretern) dann ein Interview mit René Adler durch. Dabei stellten die
Nachwuchsreporter nicht nur alltägliche Fragen zum sportlichen Geschehen, sondern fragten auch private Dinge aus der Jugend des HSV-Torhüters und testeten beispielsweise sein Schulwissen.

Adler sagte beispielsweise: „Fußball ist immer mein Traum-Beruf gewesen, darauf habe ich immer hingearbeitet. Ich wollte immer nur Fußball spielen, schon als Kind, alles andere habe ich ausgeblendet, habe nicht nach rechts und nicht nach links geschaut.“ Adler weiter: „Das hat sich zwar bezahlt gemacht, aber dennoch denke ich heute, dass es wichtig ist, dass man sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Deswegen kann ich euch nur raten, sehr wohl nach links und rechts zu schauen, sucht euch andere Hobbys, beschäftigt euch mit anderen Dingen, um nicht nur auf eine Sache fixiert zu sein.“

Besser ist. Denn bis nach ganz oben, bis in die Nationalmannschaft, schafft es eben nicht jeder, im Gegenteil, der Prozentsatz ist erschreckend gering – die sich bis dahin durchboxen (können).

Was war Adlers Lieblingsfach? „Ich war immer gut in Mathematik, deshalb habe ich das auch als LK gewählt, aber das war im Nachhinein keine gute Idee, denn ich war mit dem Fußball sehr viel und oft unterwegs. Bei der Jugend-Nationalmannschaft erhielt ich zwar Schulunterricht, aber ich war zum Vergleich zu meinen Klassenkameraden immer zwei Schritte zurück.“ Deutsch hat Rene Adler übrigens auch sehr gerne gehabt.

„Meine Eltern haben mir damals immer gesagt: ‚Genieße die Schule, das ist die schönste Zeit deines Lebens.’ Das habe ich damals nicht geglaubt, aber im Rückblick muss ich sage, dass da viel Wahres dran ist – es war wirklich eine sehr schöne Zeit für mich.“

Und, wurde er gefragt, wie stand es um den schulischen Ehrgeiz? Rene Adler: „Ich war immer ein sehr und extrem ehrgeiziger Mensch. Meine schlimmste Note war die Drei, denn bei einer Drei wusste ich nicht, ob es gut oder schlecht war. Ich bin einer, der wissen muss, wo er steht. Bei einer Eins oder Zwei habe ich gewusst, dass ich gut bin, bei einer Vier oder einer Fünf wusste ich dann, dass ich mehr machen muss. Deswegen war die Drei immer eine schlechte Note für mich.“

Rene Adler will in Zukunft – nebenbei – studieren, und er will mit anderen Dingen als den Fußball beschäftigen. Ohne natürlich den HSV zu vernachlässigen, denn er will mit diesem Klub Erfolg haben: „Wir müssen langfristig denken, wir wollen zurück nach Europa, das lassen wir uns auch nicht ausreden, weil wir jetzt drei oder vier Spiele verloren haben. Wir denken darüber nach, was wir besser machen können, aber ich sehe uns schon auf einem guten Weg.“

Gegen Ende des „Verhörs“ wurde der Keeper gefragt, welchen „Tick“ er denn beim Fußball habe? Adler: „Ich küsse vor jedem Spiel meine Schienbeinschoner. Und immer den linken zuerst anziehen.“ Bei einem abschließenden Quiz blieb Rene Adler keine Antwort schuldig, er wusste nahezu alles. Das hat die Schüler total beeindruckt. Ohnehin legte der Nationaltorhüter großartiges Doppel-Interview hin – das war super, dickes Kompliment.

Ganz zum Schluss sprach Rene Adler auch noch über die aktuelle, wenig berauschende Lage des HSV: „Die Tore, die wir kassieren, die fallen ja meistens nicht aus dem Spiel heraus, sondern entstehen nach Standardsituationen. Oder es unterlaufen uns grobe Fehler. Da brauchen wir eine genaue und gute Aufarbeitung. Und wenn man bedenkt, wie wir die Gegentore fangen, dann ist das eigentlich positiv, denn diese Dinge kann man schnell abstellen. Man muss einfach konzentrierter sein, man muss sich auch an die Aufteilung halten, die ganz klar vorgegeben werden, das ist keine Frage der Qualität. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens, und das bekommt man nur durch positive Erlebnisse – wir werden jetzt noch enger zusammenrücken und noch härter arbeiten.“ Dann sagte Adler abschließend: „Es bringt uns aber nichts, immer über einen Aufwärtstrend zu reden, wir müssen ihn auch leben, und diesen dann mit Siegen unterfüttern.“

Abschließend sei noch zu den SportXperten gesagt: Das ist ein Förderprojekt des Hamburger Wegs, für das René Adler Spielerpate ist. Christof Rupprecht, ehemaliger Liga-Spieler des TuS Holstein Quickborns (zu besten Zeiten!) ist der Projektleiter und stellt fest: „Für die Kinder ist das Projekt SportXperten ein unvergessliches Erlebnis, weil sie selbst daran teilhaben, Medien zu gestalten. Wir freuen uns sehr, jetzt Förderprojekt der Initiative ‚Der Hamburger Weg’ zu sein”. Die Förderziele des Projekts sind Medienkompetenz, Sprache, kulturelle und interkulturelle Bildung sowie Sport und Gesundheit.

So, die Schüler aus Schenefeld hatten heute ihren großen Tag, die Stars von gestern haben es an diesem Donnerstag. Dann werden nachmittags am „Uwe-Seeler-Fuß“ die Mitglieder Nr. 27 bis 32 in den „Maske Walk of Fame des HSV” aufgenommen. Im Jubiläumsjahr gibt es ein besonders großes Aufgebot an Geehrten und prominenten Laudatoren:

Willi Reimann (Laudator: Dr. Peter Krohn), Fritz Laband (Franz Klepacz), Branko Zebec (Holger Hieronymus), Thomas von Heesen (Wolfgang Rolff), Udo Bandow (Oliver Bierhoff) und Günter Netzer (Gerhard Delling).

Nach der Ansprachen von Stifter und Sponsor Andreas Maske und dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow folgen die Ehrungen und die traditionelle Übergabe der Schals „Für Menschen, die Spuren hinterlassen haben”.

Das ist einmal wieder ein großer Tag für den HSV – und der könnte bestens abgerundet werden, wenn dazu ein Heimsieg am Sonnabend eingefahren werden könnte. Aber, ich weiß, ich weiß, Fußball ist kein Wunschkonzert. Aber manchmal geschehen eben doch noch Zeichen und Wunder.

Einen ganz großen Tag hatten sieben Herren bereits am Dienstag. Abends hatten sie zur Vorstellung ihres Buches “Kinder der Westkurve” in die Raute eingeladen. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Axel Formeseyn führte locker und gekonnt durch das Programm, Museums-Chef Dirk Mansen hielt die Eingangsrede – und dann stellten sich die Autoren Jörn von Ahn, Malte Laband, Thorsten Ewert, Jan Möller, Thorsten Eikmeier, Thomas Reifschläger und Philipp Markhardt launig und mit vielen Anekdoten vor. Es geht global um die Geschichte der HSV-Fans, das “Werk” wurde in vier Jahren erbracht (geschrieben) und es wiegt 3,1 Kilogramm. Es hat 660 Seiten (!), es kostet 39.90 Euro und ist erschienen im eigens dafür gegründeten Verlag “Hamburger Schriftmanufaktur”. Der Vorstellungsabend machte Lust auf mehr – also lesen dieses dicke Ding! Und für alle, die jemals in der Westkurve standen um den HSV anzufeuern, ist dieses Buch auf jeden Fall DIE Pflichtlektüre. Auch wenn es mitunter recht hart zu lesen und anzusehen ist – wie im richtigen Leben eines hammerharten HSV-Fans eben.

PS: Morgen wird im Volkspark (voraussichtlich) um 10 Uhr trainiert.

19.17 Uhr

Wacht auf, bevor es zu spät ist!

21. August 2012

„Wir sind bereit.“ Sagt HSV-Trainer Thorsten Fink im Live Magazin 50 Jahre Bundesliga, das der HSV nun herausgebracht hat. Wir sind bereit – und ich bin bedient. Und zwar schon restlos, weit vor dem ersten Anstoß zur 50. Bundesliga-Saison mit dem HSV. Sind wir denn wirklich bereit? Ist vor allen Dingen der HSV schon bereit? Ich denke nicht. Ich denke eher, dass dieser HSV noch lange nicht bereit und soweit ist. Aber wenn man in diese Richtung schreibt, dann erheben einige HSV-Fans ja immer noch Einspruch. Jedenfalls jene, die immer noch ihre rosarote Vereinsbrille aufhaben, die ihre HSV-Bettwäsche gerade noch einmal gewaschen haben, um bereit für die neue Spielzeit zu sein.

Mir graut auch in diesem Jahr davor, das gebe ich ehrlich zu, erst recht nach dem fußballerischen Offenbarungseid in Karlsruhe. Ich denke nämlich, dass es sportlich und finanziell noch nie so schlecht um den HSV bestellt war, wie in diesen Tagen und Wochen. So schlimm war es selbst 2011 noch nicht. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieser schlimme, erbärmliche Zustand des Klubs stillschweigend von der Mehrheit ertragen wird. Kaum jemand begehrt auf, kaum einer schlägt Alarm, dass es so nicht geht, kaum einer fordert die Verantwortlichen zum Umdenken auf, kaum einer fordert die Vereinsführung auf – und da sind die Herren, die die sportliche Verantwortung tragen, eingeschlossen – von diesem offensichtlichen Irrweg abzugehen, umzudrehen und endlich mit Sachverstand und Kompetenz auf den eigentlichen, nämlich den richtigen Weg zurückzukehren.

Wacht endlich alle auf, bevor es zu spät ist! Vieles und viel zu viel wurde in der längsten Sommerpause der Welt verschlafen, eigentlich ist es jetzt schon viel zu spät, um noch etwas Vernünftiges auf die Beine stellen zu können.
Es ist alles sehr, sehr traurig, was in Hamburg derzeit für ein Stück gespielt wird.

Mir wird in diesem Klub schon seit Monaten viel zu viel und viel zu oft um den heißen Brei herumgeredet, davon habe ich nun die Nase voll. Während ganz Hamburg zittert, sagt der Trainer: „Wir sind bereit.“ Und der Sportchef ist nach wie vor von der Zusammensetzung dieser Mannschaft überzeugt (was er ja wohl auch muss, es ist schließlich sein Werk), und alle anderen im HSV warten erst einmal ab und setzten auf das Prinzip Hoffnung. Oder sitzen das Dilemma mal eben schweigend aus. Es ist eine Schande. Es sind zu viele Tagträumer am Werk.

Es gibt zudem in dieser prekären Situation niemanden in der Spitze des HSV, der aufsteht und endlich einmal Klartext redet. Der mahnt, dass es so nicht geht. Dass es so auf gar keinen Fall geht. Keiner und niemand legt mal den Finger in die Wunde und sagt schonungslos die (gewiss traurige) Wahrheit. Und deshalb werden sie alle auch eine große Mitschuld tragen, werden sich alle versündigt haben, wenn dieser HSV im Jahre 2013 Schiffbruch erleidet. Und das ist mit dieser Mannschaft programmiert.

„Ich möchte eines Tages und dann für immer nicht auf jener Liste stehen, die den HSV das erste Mal in den Abgrund und in die zweite Liga gespielt haben, deswegen werde ich mich zerreißen, alles geben, damit dieser HSV drin bleibt.“ Das hat 1990 HSV-Spieler Sascha Jusufi gesagt, als der Klub in Abstiegsgefahr war. Eine Mentalität, die heutzutage kaum noch vorhanden scheint. Eine solche Einstellung, ein solcher Kampfgeist, ein solcher Wille scheint in der heutige Truppe kaum noch vorhanden zu sein. Da identifizieren sich nur die wenigsten Profis noch mit der Raute auf der Brust.

Schlimm ist zudem, dass die, die jetzt am Ruder sind (auch die sportlich Verantwortlichen), diejenigen verurteilen und mitunter mitleidig belächeln, die jetzt schon warnen. Uwe Seeler, der stets gewarnt hat, der auch einen neuen und fähigen Stürmer gefordert hat, wird ebenso belächelt wie andere ehemalige HSV-Profis, die einst mithalfen, den Ruhm des HSV zu begründen. Sie alle werden verurteilt und belächelt und als ahnungslos abqualifiziert. Willi Reimann zum Beispiel forderte in der letzten Woche: „Es müssen Verstärkungen her.“ In der „Mopo“ sagt der sonst immer sehr zurückhaltende Ditmar Jakobs: „Die Qualität hat sich eher verschlechtert.“ Ich kenne viele, viele Ehemalige, die sich die größten Sorgen um „ihre HSV“ machen. Und selbst ein aktueller HSV-Spieler wie Marcus Berg hat ja erkannt: „Wenn wir so spielen wie in Karlsruhe, verlieren wir jedes Spiel.“
Ach was?

Und? Ist das wirklich alles nur dummes Gesabbel? Alles nur Panikmache? Sind das alles nur Ahnungslose? Oder sogar HSV-Feinde? Nein, liebe HSV-Freunde, diese Männer – und viele tausende Fans mehr – sorgen sich lediglich und nur um den Dino. Und sie haben erkannt, dass es so nicht funktionieren kann. Nur die Herren, die jetzt am Ruder sind, die sind immer noch total vom Gegenteil überzeugt. Oder sie tun in der Öffentlichkeit nur so.

Ich sage klipp und klar: Handelt jetzt, wo es noch geht, ansonsten wird dieser Verein voll gegen die Wand gefahren!
Und das soll gewiss keine billige Polemik oder eine besonders tolle Effekthascherei sein, sondern ist einzig und allein die Sorge um den HSV, die mich dazu treibt, so etwas zu schreiben.

Tut endlich etwas und legt eure Hände nicht nur in den Schoß, handelt jetzt und endlich, damit dieser HSV tatsächlich noch eine reelle Chance auf den Klassenerhalt hat. So wie zurzeit, davon bin ich restlos überzeugt, wird das jedenfalls nichts. Auf keinen Fall, nie und nimmer.
Obwohl der Trainer sagt, dass er „bereit ist“ – dass der HSV nun bereit ist.

Ich sage auch: Selbst wenn es nun den einen oder anderen Härtefall geben sollte, es geht nicht anders. Kontinuität hin, Konstanz her: Alle diejenigen, die in dieser Phase immer noch nichts begriffen haben, die sollte von selbst aufhören oder vor die Tür gesetzt werden. Und mit „alle“ sind wirklich alle gemeint, ist ein jeder, der nun noch immer glaubt, dass dieser schwache und vor Jahren (jawohl, vor Jahren!) schon nach allen Regeln der Kunst heruntergewirtschaftete HSV stark genug sei, die Klasse zu halten. So etwas zu behaupten, das ist ein absoluter Witz! Und wer jetzt nicht die Ärmel aufkrempelt und Gas gibt, mehr Gas als in allen anderen Bundesliga-Klubs üblich, der ist ebenfalls nicht mehr zu retten und völlig falsch am Platz – raus! Es geht nun nicht mehr mit dem ganz normalen Alltagstrott. Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, der sollte in diesem HSV keinen Platz mehr haben.

Und alle, die nun immer noch der festen Überzeugung sind, dass doch alles gut wird, die sollten sich nur noch einmal die vier Gegentore des Drittliga-Klubs KSC auf der Zunge zergehen lassen. Vier Gegentore (gefühlt sieben oder acht) gegen eine HSV-Defensive, von der der Trainer vor einer Woche noch gesagt hat, dass sie besser als in der vergangenen Saison sei.
Aber wahrscheinlich ist ohnehin alles besser. Und ein Ditmar Jakobs, der stets vorsichtig und absolut besonnen argumentiert, hat Unrecht, wenn er sagt: „Die Qualität hat sich eher verschlechtert.“ Da stimmt doch was nicht!

Hört endlich auf zu träumen!

Und wacht endlich, endlich auf, ihr Träumer im HSV und um den HSV herum. Bitte, bitte. Und wenn ihr alle dort oben, in der HSV-Führung, zu schwach oder zu unentschlossen seid, dann nehmt euch bitteschön die echten Experten, die wirklich erkennen, wie es um den HSV steht, die vor allen Dingen aus dem eigenen Stall kommen und es nur gut mit dem Klub meinen, nehmt die mit ins Boot. Wichtig ist erstens, dass jetzt alle an einem Strang ziehen, und zweitens dass doch noch die richtigen Entscheidungen getroffen werden, die den HSV vor dem Gang in die Niederungen des deutschen Fußballs bewahren.

„Der HSV wie ein Absteiger.“ So schrieb es die „Bild“ am Montag. Doch nicht etwas deshalb, um mehr Auflage zu machen (und zu verkaufen), sondern weil es eine unübersehbare Tatsache ist. Wer sich jetzt keine Gedanken um den Klassenerhalt des HSV macht, der sollte die Sportart wechseln. Und wenn er beruflich mit diesem Metier zutun hat, dann sollte er in Rente gehen.

Ganz Deutschland hat inzwischen erkannt, wie es um diesen HSV bestellt ist, ganz Deutschland. Viele lachen, viele verbreiten Häme, viele haben auch nur noch Mitleid mit dem Dino.

Hier nur ein Beispiel von unzähligen (nach dem Pokal-Debakel):

“Eher lustige Gastgeber als grimmige Türsteher”

Auch der HSV ging gegen einen unterklassigen Gegner als Verlierer vom Platz. Tobias Schächter (Financial Times Deutschland) wundert sich nicht: „Während andere Erstligisten wie Hoffenheim oder Frankfurt an diesem Super-Desaster-Pokalwochenende einen kompletten Blackout hatten, zeigte der HSV ja nicht viel weniger, als er tatsächlich kann. Aller Anstrengungen zum Trotz offenbarten sich die ganze Fragilität und die mangelnde Klasse, die in dieser unfertigen Mannschaft stecken. Die Innenverteidiger Jeffrey Bruma und Michael Mancienne sind eher lustige Gastgeber als grimmige Türsteher. Und ein Mittelfeld, in dem Heiko Westermann auf der zentralen Position den Aufbauspieler geben muss, ist so fehlbesetzt wie Thorsten Fink als Jürgen-Klopp-Double.”

„Wir werden jetzt eine Woche lang Feuer bekommen. Diesmal völlig zu Recht.“ Sagte Thorsten Fink nach der Pleite in Karlsruhe. Vielleicht gibt er dieses „Feuer bekommen“ ja auch mal an seine Mannschaft weiter.

Beim Spiel gegen Altona 93, als der grottenschlechte HSV zur Pause 1:2 zurücklag, sagte ein HSV-Fan auf der Stehtribüne: „Felix Magath würde die Spieler jetzt gar nicht erst in die Kabine lassen. Die Jungs würden jetzt 15 Minuten lang Runden drehen müssen. Und nach dem Spiel, sollte der HSV tatsächlich verlieren, müsste die Mannschaft bis zum Einbruch der Dunkelheit schön weiter ihre Runden drehen . . .“ Beim HSV 2012 aber werden die „Zuckerjungs“ immer nur fleißig gestreichelt und in Watte gepackt.
Merken die eigentlich noch was?
Mit „die“ sind alle gemeint.

Alle, die diesem harmlos-bunten Treiben nur tatenlos und leicht staunend und vor allem hilflos zusehen.

In Hamburg, beim HSV, hat es sich seit geraumer Zeit eingebürgert, alles nur noch schön zu reden. Zu verharmlosen, behutsam vorzugehen, Nachsicht zu üben. Niederlagen werden in Fast-Sieg umgewandelt, schlechte Spiele noch glorifiziert. Dabei geht es hier um den sonst so harten und unerbittlichen Profi-Sport. Es geht um Millionen, auch um jene Millionen, die die Spieler hier nach Hause schleppen. Obwohl sie dafür längst nicht mehr die entsprechenden Leistungen und den dazu passenden Einsatz bieten. Und es geht um den HSV, der weltweit immer noch einen guten Ruf genießt, der aber seit längerem dabei ist, alles aufs Spiel zu setzen. Die Raute, die drei großen Buchstaben, das Renommee des HSV – all das wird mit Füßen getreten, aber auf die höchst unfeine Art.
Wacht endlich alle auf! Das gilt auch für Thorsten Fink, der einst Super-Zeiten beim und mit dem FC Bayern München erlebte und doch wissen müsste, wie guter Fußball auszusehen hat. Und das gilt auch für Frank Arnesen, der sich einst einen großen Namen als langjähriger dänischer Nationalspieler gemacht hat. Diese beiden Herren sollten ab sofort, auch wenn sie sich immer noch scheuen, vom „worst case“ ausgehen, dann wären sie klug beraten.

Arnesen hatte zum Beispiel nach der letzten Horror-Saison gemutmaßt und prophezeit: „Die jungen Spieler werden daraus gelernt haben, sie werden alle einige Schritte nach vorne machen.“ Und? Haben sie? Bislang ist davon nichts zu sehen. Obwohl die Sommerpause lang genug war, um diese Schritte zu gehen . . . Oder sind solche Sprüche (und die damit geschürte Hoffnung) ohnehin nur für den Wind? Um alle Skeptiker in jenem Glauben zu halten, dass alles doch gut wird? Warum sollten die jungen Spieler denn tatsächlich einige Schritte nach vorn gemacht haben? Im letzten Spiel der Saison, beim 0:1 in Augsburg, war davon weit und breit nichts zu erkennen, und in der Vorbereitung doch auch nicht.
Wobei die Vorbereitung doch ohnehin ohne Bedeutung war (so wurde der Öffentlichkeit immer wieder einsuggeriert). Die Ergebnisse? Zweitrangig. Und die Leistungen, die Minus-Leistungen vor allem? Nebensächlich. Was zählte, das waren der Pokal und die Bundesliga. Und die Sache mit dem Pokal hatte sich dann auch schnell (und so wie von vielen Experten befürchtet) erledigt.
Genau.

Und gelernt? Thorsten Fink hatte vor dem KSC-Spiel vor den Freistößen des Gegners gewarnt, aber er hatte nicht verboten, selbst welche (am KSC-Strafraum) herauszuholen. Jedoch Fehlanzeige. Wenn ich es richtig erinnere, dann hatte der HSV in der Anfangsphase einen Freistoß in KSC-Tor-Nähe. Den brachte Dennis Aogo in die Mitte – und an allen – Freund und Feind vorbei – hoch und weit ins Tor-Aus. Aber wenn KSC-Spieler am HSV-Strafraum gefoult werden, warum werden HSV-Spieler nicht auch am KSC-Strafraum gefoult? Die einfache Erklärung: Der HSV ist meistens gar nicht so weit gekommen. Gegen einen sieglosen Drittliga-Klub. Auch das kann man sich gar nicht oft genug wieder vor Augen führen. Und überhaupt: Ich habe seit Jahr und Tag nicht einen gegnerischen Trainer mehr gehört, dass der vor einem HSV-Freistoß-Schützen so gewarnt hätte, wie nun Thorsten Fink vor Hakan Calhanoglu, einem netten und talentierten 18-jährigen Mittefeldspieler. Nein, nein, in dieser HSV-Mannschaft fehlt es an allen Ecken und Kanten, und sie hat im Wildpark genau das gespielt, was sie kann. Und das ist zurzeit nicht erstligareif.

Und deswegen erwarte ich jetzt von denen, die dazu von den Mitgliedern befähigt worden sind, dass gehandelt wird. Sofort. Geldmangel hin, Geldmangel her. Klaus-Michael Kühne würde ja helfen, egal was auch zuletzt passiert ist, und dieser Strohhalm muss im Interesse des HSV ergriffen werden. Macht es! Persönliche Eitelkeiten dürfen jetzt nicht den kleinsten Spielraum mehr haben, die Lage ist viel zu ernst. Ach was, ernst, sie ist dramatisch. Auch deshalb, weil längst nicht alle begriffen haben, dass es der HSV nur noch einen Schritt vom Abgrund entfernt ist. Ein winzig kleiner Schritt ist es nur noch, so weit ist der so ruhmreiche HSV nun schon heruntergewirtschaftet worden.

So, wer sich aus erster Hand über die Geschehnisse im HSV und die prekäre Lage der Bundesliga-Mannschaft informieren will, der sollte sich um 19 (bis 21 Uhr) im Radio auf NDR 90,3 die Talkrunde mit Carl-Edgar Jarchow, Alexander Otto, Frank Arnesen, Thorsten Fink und Kapitän Heiko Westermann anhören. Britta Kehrhahn und Lars Pegelow sind die NDR-Moderatoren. Wird bestimmt spannend.

Dann habe ich noch zwei Dinge anzukündigen, die zu dem, was ich zuvor alles geschrieben habe, eigentlich überhaupt nicht passen (weil sie die Lage nur noch verniedlichen), die mir aber sehr dennoch sehr am Herzen liegen:

Passend zum 125-jährigen Geburtstag des Hamburger Sport-Vereins und drei Tage vor dem Start in die 50. Bundesliga-Saison erscheint erstmals ein komplettes Panini-Album rund um den HSV. 36 Seiten stark, mit insgesamt 240 Sticker-Motiven – ein Werk meines Kollegen Oliver Wurm, den wir während der EM auch bei „Matz ab live“ zu Gast hatten. Die Sammelwelten zeigen zum Teil unveröffentlichte Bilder aus den Gründerjahren des Vereins. Dazu: Legendäre Spieler, unvergessene Spiele und Spielstätten, nationale und europäische Erfolge, beeindruckende Fan-Choreos, alle Abteilungen sowie den aktuellen Kader – kurzum: „Tausche Uwe Seeler und Ernst Happel gegen Maxi Beister und Uli Stein.“

Thorsten Fink und Klubmanager Bernd Wehmeyer werden am Mittwoch um 13 Uhr bei Karstadt Sport in der Mönckebergstraße sein, um die ersten Sammeltütchen aufzureißen.

Und dann gibt es jetzt ein besonderes Bundesliga-Buch, auf das ich hinweisen möchte. Der von mir sehr geschätzte Fernseh-Kollege Gerhard Delling hat es mit Akribie geschrieben, es erscheint unter dem Titel „50 Jahre Bundesliga – So wie ich sie erlebte”. Das Werk ist pünktlich zum Bundesligastart am 24. August auf dem Markt (Verlag „Die Werkstatt”). Es gibt auf über 500 Seiten viele Geschichten zur Entwicklung der höchsten deutschen Fußball-Klasse – aus Dellings persönlicher Sicht. Er begann mit drei Jahren seine „Fußballkarriere“, also gerade als die Bundesliga beschlossen wurde. Mit 16 wurde er Sportjournalist bei einer Zeitung, hat sich dementsprechend schon ein Leben lang mit diesem Erfolgsmodell und den handelnden Personen beschäftigt.

Gerhard Delling schildert in vielen Episoden die Begegnungen mit wichtigen Charakterköpfen des Fußballs, so gibt es zum Beispiel Geschichten mit und um Ernst Happel, Uwe Seeler, Wolfgang Overath, Uli Hoeneß und natürlich Günter Netzer.

Ich bin schon sehr gespannt und werde mir dieses „Ding“ auf jeden Fall zulegen.

PS: Am Mittwoch wird im Volkspark um 10 und um 16 Uhr geübt – “uns Scholle” ist am Start.

18.03 Uhr

“Fußball-Gott” Benjamin zurück zum HSV?

13. Juni 2012

Er könnte wohl spielen. Verraten aber, ob er am Abend auch tatsächlich dabei ist, das hat er nicht. Joris Mathijsen, der ehemalige Hamburger, hatte heute SMS-Kontakt mit seiner früheren Wahl-Heimat, dem Volkspark. HSV-Team-Manager Marinus Bester wollte ein wenig Spaß mit dem HSV-Abwehrspieler haben – vor dem Knüller Niederlande gegen Deutschland, am Abend um 21.45 Uhr. Es wurde heftigst geflachst. Bester schrieb Mathijsen: „Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du mitspielst – das wäre gut. Für Deutschland . . .“ Dem kann ich nichts hinzufügen. Außer, dass ich der Meinung von „Maschine“ Bester bin. Deswegen drücke ich Mathijsen ganz fest die Daumen. Er war ja nie der Schnellste einer, und wenn er nun über eine Woche nur eingeschränkt trainiert hat, dann kann er auf jeden Fall ja nicht viel schneller geworden sein . . . Und irgendwie möchte ich ja doch, dass die Truppe von „Clever & Smart“ gewinnt. Also die Truppe von Löw und Bierhoff.

Aber es wird ganz, ganz eng. Die Niederländer kämpfen schließlich schon um ihre letzte Chance. Doch wem sag ich das? Ihr seid ja ohnehin alle auf Ballhöhe. Es ist schon erstaunlich, wie das „gesamte Volk“ in diesen Tagen und Wochen mitfiebert – einfach toll, wie viele Fahnen ich an den Autos sehe, wie viele Damen und Herren in deutschen Trikots herumlaufen. Wahnsinn. Das war doch vor zehn, 20 Jahren nicht denkbar. Und obwohl die HSV-Fans ja für ihre unglaubliche Treue zu ihrem HSV gelobt wurden (völlig zu Recht!), bin ich trotz allem der Meinung, dass einige der HSV-Fans jetzt noch ein wenig lernen könnten. Nämlich ohne Wenn und Aber zu seinem Klub zu stehen (ohne dabei unkritisch zu sein). Ich denke dabei jetzt, während der EM, vor allem an die HSV-Nationalspieler (auch an die ehemaligen), zu denen einige HSV-Anhänger ja ihre ganz spezielle Meinung hatten und haben – und diese auch immer ganz exklusiv (oft auch anonym) mitteilten: „Der gehört da nicht rein, der ist viel zu schlecht – es ist geradezu lachhaft, dass der Nationalspieler ist . . .“ Usw, usw.
Die, die jetzt gerade in ganz Deutschland ganz emsig Flagge zeigen, die stehen fest zu ihrer Mannschaft. Und sie stören sich zum Beispiel ja auch nicht an der Frage, ob nun der lauffaule Mario Gomez Spitze spielen soll, oder doch besser sprunghafte Miroslav Klose? Wobei ich eher für den kleinen, wuseligen Marco Reus wäre . . . Aber das ist dann doch noch eine ganz andere Frage.

Um aber noch einmal auf Gomez zu kommen: Wie er die Kritik von Scholl verarbeitet hat, wie der Torjäger diese harte, überharte oder sogar auch unfaire Kritik in der Öffentlichkeit behandelt hat – das war Weltklasse. Ich stelle mir nur mal vor, wenn eine solche Kritik auf Mario Basler oder auf Lothar Matthäus hernieder geprasselt wäre – dann hätten wir auf Wochen in jeder Zeitung Schlagzeilen satt. Mario Gomez aber hielt den Ball wunderschön flach, ob nun auf Anraten des DFB oder auch des FC Bayern, oder aus eigenem Antrieb – egal, er hat sicher super verhalten. Und deswegen gönne ich ihm auch heute mindestes ein Tor – und ein gutes Spiel. Und Scholl war gestern, in der ARD (als Partner von Gerhard Delling), ja auch ein wenig zurückhaltender als sonst. „Scholl light“, sozusagen. Aber er wird auch während dieser EM noch wieder in seine alte Form zurückkommen . . . Aber, auch das muss mal gesagt werden, „Scholl light“ mit Delling oder Reinhold Beckmann ist immer noch dreimal so gut wie dien ZDF-EM-Sendung aus Usedom. „Olli, woher du das immer weißt . . .“, himmelte Frau Müller-Hohenstein ihren Partner Oliver Kahn an, und der sagte – dabei mit den Augen rollend: „Ja, ich habe ja auch mal ein bisschen Fußball gespielt.“ Ist nicht wahr! Das ist die ganz hohe Schule der Fußball-Moderation.

Themenwechsel. Mein Freund „Dicki“ steht mit den Super-Senioren des HSV am Sonntag im Endspiel-Turnier um die Hamburger Meisterschaft. Das findet am Sonntag am Grophuisring (Steilshoop) statt. Und was macht er, der über 60-jährige Fußball-Verrückte? Er fuhr am Dienstag schon mal zum Platz, um die Verhältnisse zu prüfen! Unfassbar. So klärt er schon mal die Stollenfrage, die Windverhältnis, ob der Platz abschüssig ist, wie die Sonne um 10.30 Uhr steht – und, und, und. Aber so ist er. Und es ist wohl auch nicht so ganz unnormal, denn, und darum habe ich das geschrieben, heute „turnte“ eine Delegation des FC Barcelona durch den Volkspark. Tatsächlich. Die Herren waren gekommen, um sich das Stadion anzusehen, um zu klären, was für jenen 24. Juli alles benötigt wird – wenn der große FC Messi gegen den HSV antritt. Ja, da wird selbst in einem Freundschafts-Kick nichts, aber auch nicht dem Zufall überlassen. Profihaft? Oder doch etwas übertrieben? Das überlasse ich euch. Aber wenn schon über 60-Jährige die Platzverhältnisse für den nächsten Sonntag überprüfen . . . Bislang sind übrigens schon 48 000 Eintrittskarten für dieses Spiel (HSV – Barca) verkauft worden – das lässt (demnächst) auf „ausverkauft“ schließen.

Noch ein Themenwechsel. Nächste Woche wird Collin Benjamin in Hamburg erwartet. Beim HSV. Der ehemalige HSV-Profi hat seine Profi-Karriere ja wohl an den Nagel gehängt, nachdem er zuletzt beim TSV 19860 München kaum noch regelmäßig gespielt hat – aus Verletzungsgründen. Kehrt „Collo“ nun in seine „Heimat“ Hamburg zurück, der kehrt er in seine „richtige“ Heimat zurück? Der HSV wäre eigentlich ja ideal für ihn, und Medien-Direktor Jörn Wolf sagte mir heute: „Er war hier Publikumsliebling, er ist ein verdienter HSV-Spieler mit vielerlei Talenten – vielleicht können wir ihn ja irgendwie an den HSV anbinden. Wir machen uns auf jeden fall Gedanken in diese Richtung.“ Toll. Würde ich riesig finden, wenn Collin Benjamin „Fußball-Gott“ hier in irgendeiner Form mitmischen würde. Und es klingt ja auf jeden Fall schon mal recht vielversprechend.

In aller Stille (fast schon klammheimlich) hat der HSV gestern (s)einen neuen Kunstrasenplatz an der Arena eingeweiht. Mit einem Spielchen zwischen Geschäftsstellen-Mitarbeitern. Sogar HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow, der frühere Linksaußen (?) von Komet Blankenese, trug sich in die Torschützenliste ein. Alter schützt vor Toren nicht . . . Aber zurück zum Platz: Was da alles in den letzten Jahren entstanden ist (muss ich auch mal den Vorstand vor Jarchow loben!), das ist schon klasse. Und hat nichts mehr mit dem Ochsenzoll früherer Jahre zu tun, das st schon enorm professionell, was sich da getan hat – und auch noch tun wird (dann dank Jarchow und Co).

In Sachen Neuzugängen allerdings hat sich auch heute nichts getan, wird sich auch so schnell nichts tun – denke ich jedenfalls. Zumal es ja auch dieses unwiderrufliche HSV-Motto gibt: „Erst verkaufen, dann einkaufen“. Die Spekulationen schossen nach Saisonschluss ja sofort wie Spargel aus dem Boden, aber nun herrscht auf diesem gebiet ja absolute Ebbe. Völlig normal. Und denjenigen, die nun schon Angst haben, dass gar nichts mehr passieren wird, sei versichert: es wird noch. Erst aber müssen die „Großen“, die Branchenführer in die Gänge kommen, bevor dann der HSV zuschlagen wird. Keine Panik also, wenn ihr weiterhin keine neuen Namen hört, es wird sich alles erst noch entwickeln. So mit Beginn des EM-Endspiels. Dann haben alle wieder mehr Zeit und Bereitschaft, an ihren Verein und an ihren Job zu denken.
Erst einmal aber ist EM.

So, einige Sachen noch am Rande.

Vielleicht kann jemand diesem „Matz-abber“ aus dem Hessenland helfen. Diese Mail erhielt ich zum Thema EM:

„Moin moin.
Habe ich das eben richtig gesehen, war da tatsächlich eine Raute im Stadion beim Spiel Ukraine gegen Schweden zu sehen – hinter dem rechten Tor?
Was könnte das für eine Bedeutung haben, es war doch in keinem der Teams ein HSVer dabei?
Besten Gruß, K.-G. Gutowski.“

Dann erhielt ich in diesen Tagen eine Mail, die mich sehr berührte. Ich habe mit mir gekämpft, ob sich sie öffentlich mache (was ich darf, ich habe mir die Genehmigung geholt!), habe mich dann dafür entschieden. Es soll ein kleiner Denkanstoß an alle „Matz-abber“ sein, dass uns doch alle vor allem der Fußball, der HSV und der Sport verbindet. Und dass hier Aggressionen, Arroganz und Häme fehl am Platze sind. Mensch sein muss der Mensch, so hieß mal ein Theaterstück, und das sollte vor allem das Motto sein. Vielleicht geben die folgenden Zeilen ja auch dem einen oder anderen User etwas, wenigstens etwas zu denken.

„Mein lieber Dieter,

ich hab mich ja unheimlich lange nicht mehr bei Dir gemeldet.
Und weißt Du was? Ich melde mich nicht wegen des Blogs, nicht wegen des HSV, sondern einfach nur so

Seit langem bin ich nicht mehr im Blog, wobei den lese ich schon noch, aber in die Kommentare schau ich seit letztem Jahr schon nicht mehr rein.
Ich kann und will mit den ganzen Kleinkrieg nicht mitmachen. Da muss ich mich echt fragen, ist es das wert, dass ich mehr Medikamente zur Beruhigung nehme, nur um mich über so etwas nicht mehr aufzuregen?

Nein.

Ich leb mit weniger Infos besser.
Außerdem hab ich hier auch genug zu tun – bin dabei, selbst wieder gesund zu werden.
Gefällt nicht allen Ärzten, die hatten mich ja mal als „untherapierbar” eingestuft (wegen einer schweren Knochenmarkserkrankung). Soll ich Dir mal was sagen? Die haben oft keine Ahnung.

Ich hab 25 Jahre gebraucht, um den fehlenden Baustein rauszukriegen, jetzt wird es zumindest krass besser, in 4 Monaten hab ich die Medikamentendosis auf 8% gesenkt!!!
Wenn ich könnte, würde ich die Medikamente schon ganz absetzen, denn ich brauch das nicht mehr, aber das geht nicht, weil man dann zu starke Entzugserscheinungen kriegt…
Aber wenn man überlegt, dass ich die letzten 2 Jahre kein Sport mehr machen konnte, nichts…
Und vor ein paar Wochen hab ich wieder angefangen, am ersten Tag gleich 1 Stunde Laufen… nach 4 Wochen dann 13 km . . .

Zu tun hab ich trotzdem genug . . .
(die nun folgende Passage – in der der „Matz-abber“ über seine ebenfalls erkrankte Ehefrau schreibt – habe ich gelöscht; Dieter Matz)

Mein lieber Dieter, Du hast zwar nie was dazu gesagt (soweit ich weiß), aber ich bin bei solchen Dingen recht feinfühlig… Ich hab oft gemerkt, dass es Dir nicht besonders gut geht. Darum denk daran, auch wenn z.B. ich (aber auch viele andere Menschen, die Dich gern haben) nicht immer schreiben, wir sind da und denken an Dich!

Und wenn man nicht bereit ist, klein bei zu geben… dann findet man auch einen Weg da raus. Du bist ein feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck!

Hihi, lustig, wie die Dinge manchmal so spielen, während ich Dir seit 1 Jahr zum ersten Mal schreibe, kriege ich eine Nachricht, dass ein Kracher zum HSV kommen soll . . .
Das nenne ich Timing. Du sollst ja Bescheid wissen . . .
Aber deshalb schreib ich nicht, Du brauchst mir auch keinen Namen sagen!
Klar bin ich gespannt, aber ich kann warten, bis es raus ist.
Nee, nee, ich schreib nur wegen Dir, nicht wegen irgendwelcher Infos. Zumindest wunderst Du Dich jetzt wohl nicht mehr, dass man von mir nichts mehr gehört hat.

So mein Bester, Kroatien hat das 2:1 gemacht… und ich mach Schluss.
Ich wünsch Dir einen schönen Abend!

So, das war es in aller Kürze. Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen und erfolgreichen Fußball-EM-Abend. Gutes Gelingen.

„Scholle“ und ich werden heute nach dem Schlusspfiff wieder bei „Matz ab live“ (im „Champs“ Burgwedel/Schnelsen) zu sehen und (hoffentlich) auch zu hören sein – mit zwei Top-Gästen: HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf und HSV-Profi Dennis Aogo. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder einschalten würdet.

Bei der Gelegenheit, weil ich verschiedentlich gefragt wurde (wegen des FIFA-Aufnähers am linken Arm): Während der letzten „Wolfgang-Petry-Matz-ab-live“-Gedächtnis-Sendung (als ich den etwas dickeren Hals hatte . . .) hatte ich das Trikot von Oliver Bierhoff angezogen, das er im Endspiel 2002 in Yokohama gegen Brasilien trug. Und auch heute werde ich, das kann ich schon mal verraten, ein Bierhoff-Trikot tragen. Zufall. Aber es passt mir am besten (er groß und breit, ich mit der Größe, die leider nur in die Breite gegangen ist . . .). Der frühere HSV-Stürmer und heutige Nationalmannschaftsmanager trug dieses Trikot am 4. September 1999 in einem EM-Qualifikationsspiel Spiel in Helsinki gegen Finnland. Ich hatte Bierhoff, der beide Tore zum 2:1-Sieg der Deutschen erzielt hatte, vor dem Spiel um sein Trikot gebeten – und er machte sich nach diesem Spiel keine neuen Freunde (und Freude), denn er war tatsächlich der einzige (!) DFB-Spieler, der sein Trikot nicht mit einem Gegenspieler tauschte.
Ich sehe diesen finnischen Glatzkopf, der sich gegen Bierhoff bei einem Kopfballduell eine stark blutende Platzwunde am Kopf geholt hatte, noch heute in den dunklen Katakomben des Stadions vor Ärger platzen; er stieß Fluch um Fluch Richtung Bierhoff aus, weil der das Trikot nicht getauscht hatte.
Und ehrlich gesagt, mir war diese Aktion spätestens dann doch ganz schön peinlich. Aber Oliver Bierhoff hielt Wort, obwohl er beschimpft und bepöbelt wurde – unfassbar. Doch so ist er, der Oliver Bierhoff, er ist ein feiner Mensch – das kann ich jedem versichern, der es hören will (oder auch nicht – oder der eventuell auch voreingenommen ganz anderer Meinung ist).

Nochmals einen tollen EM-Abend für euch.

17.22 Uhr

Dänen lügen nicht . . .

16. April 2012

Thorsten Fink ist ja in dieser Beziehung eisern. Er sagt nichts zu neuen Spielern und zur neuen Saison. Und das ist auch gut so. Erst einmal muss diese Spielzeit noch anständig beendet werden, bevor man sich über die Zukunft des HSV auslassen kann. Wie gesagt, Fink ist und bleibt beharrlich: „Ich sage nichts über Spieler, die noch nicht beim HSV sind.“ Etwas anders sieht das allerdings der Rauten-Sportchef. Dessen Motto: Dänen lügen nicht. Frei nach Michael Holm – oder so. Frank Arnesen haut immer raus. Ihm wird eine Frage gestellt – und der Sportchef antwortet – meistens jedenfalls – wahrheitsgemäß. So auch am Sonntag, als er Gast des „Sportclubs live“ beim NDR in Lokstedt war. Moderator Gerhard Delling fragte nach neuen Spielern für die neue Saison: „Wo sind die Leitwölfe, wo sind die Führungsspieler für die nächste Spielzeit in der ersten Bundesliga?“ Fink hätte geantwortet: „Abwarten, darüber rede ich noch nicht. Noch stehen wir im Abstiegskampf.“ Arnesen antwortete entwaffnend ehrlich: „Ich glaube sowieso, dass wir nicht so viele neue Spieler brauchen. Wir müssen neue Spieler kaufen, das wissen wir, aber so viele, wie zuletzt, 14 Spiele weg, sieben, acht hinzu, das wird es nicht wieder geben.“ Delling: „Aber ein bisschen was muss und wird sich ja ändern, oder?“ Arnesen: „Was wir in diesem Moment wissen, ist das: Wenn alles gut geht, dann kommt Rene Adler.“ Delling: „Was muss denn noch alles gut gehen?“ Arnesen: „Wir sind noch nicht klar. Es sind noch drei Spiele zu spielen. Es sieht gut aus, aber wir haben drei Finals noch zu spielen. Es sieht im Moment gut aus, aber im Fußball ganz so viel und so schnell etwas passieren. Wir müssen noch Punkte holen.“

Frank Arnesen ging dann beim NDR ans Eingemachte: „Wir haben auch einen neuen Stürmer, den wir verpflichten wollen, das ist der Lette Rudnevs. Dazu kommt Beister noch aus Düsseldorf zurück – und wir suchen, ganz geheim, einen kreativen Mittelfeldspieler.“ Und mehr Spieler wird es in diesem Jahr beim HSV nicht geben. Denn auch Gerhard Delling sagte: „Dazu wünschen wir dem HSV ein dickes Portemonnaie . . .“ Arnesen setzte noch eine Antwort an: „Genau, das haben . . .“ Aber er bekam den Satz nicht mehr zu Ende, denn Delling verabschiedete seinen Gast an dieser Stelle. Bestimmt hätte der Däne auch noch gesagt: „Genau, das haben wir nämlich nicht.“ Aber er durfte und konnte es nicht mehr sagen – leider. Gerhard Delling sagte nur noch: „. . . . das wird schon klappen.“

Aber im Prinzip hatte Frank Arnesen ja auch schon genug gesagt. Im Fernsehen gab der Däne auch zu: „Ich habe sehr, sehr viel in den letzten Monaten geredet.“ Stimmt. Weil auch die Spieler nichts sagen wollten – und teilweise auch nichts sagen durften. Auf die Frage von Delling, warum es eine solche Saison für den HSV geworden ist, wie sie es jetzt ist, da sagte Arnesen: „Wir haben 14 Spieler abgegeben, acht neue Spieler geholt, teilweise ganz junge Spieler. Dazu stimmte die Hierarchie in der Mannschaft nicht, weil mit van Nistelrooy, Ze Roberto, Rost und zum Beispiel Mathijsen Führungsspieler weg waren.“ Delling: „Aber warum haben sie zum Beispiel Mathijsen abgegeben?“ Arnesen: „Er wollte unbedingt weg. Er war hier sehr lange, er hat mir gesagt, dass er weg will. Und ein Spieler muss sehr gerne für den Verein spielen, er muss mir sagen, dass er auch für den HSV spielen will. Mathijsen wollte nicht mehr. Er wollte einen neuen Verein, eine neue Herausforderung. Und wenn man den Torwart und die Innenverteidigung abgibt, dann ist das ein Risiko.“

Frank Arnesen sagte noch weiter: „Und dann kamen viele junge Spieler, die die Bundesliga noch nicht kannten.“ Delling: „War das ein Fehler?“ Arnesen: „Fehler? Ich glaube, man muss immer gucken, was man gemacht hat. Ich will auch immer meine Arbeit analysieren. Und ich finde es zu leicht zu sagen, dass die Spieler, die gekommen sind, nicht gut genug sind. Das ist mir viel zu leicht. Wir hätten Frank Rost behalten können, aber dann hätten wir zwei teure Torhüter gehabt – einer sitzt davon auf der Bank. Aber wir mussten den Etat um 20 Prozent zurückfahren, und wir hatten kein Geld um zu kaufen – im Gegenteil, wir mussten mehr verkaufen als einkaufen. Und das ist nicht leicht. Da kann man nicht sagen, dass man alle Spieler behalten will, denn dann ist der HSV pleite . . . Und da ist dann bestimmt noch schlimmer.“
Als es jetzt ohnehin schon schlimm ist.

Ja, ja, das liebe Geld. Ist zum Glück ja nicht mein Thema . . . Alles nur eine Frage der Bilanzen.

Dann fragte Gerhard Delling noch nach Jaroslav Drobny – ob es klug war, dass sich der HSV schon sehr früh und öffentlich mit Adler beschäftigte? Arnesen, der Wahrheitsfanatiker: „Es war nicht frustrierend für ihn, das haben wir doch gesehen. Er hat doch unglaublich gut gehalten. Und geht man mal drei Monate zurück, da habe ich mit ihm gesprochen, eine Stunde lang, und ich habe ihm genau erklärt, warum ich das mit Adler machen will – und Drobny hat mir geantwortet: ‚Frank, wenn ich an deiner Stelle wäre, hätte ich es genau so getan.’ Und ein solcher Mann ist er auch. Eine sehr gute Person, absolut professionell – und er hat nicht unter dem Gerücht gelitten, dass Adler zum HSV kommen soll.“

Gerhard Delling weiter: „Drobny soll gut halten und dem HSV die Bundesliga retten, aber dann kommt zur neuen Spielzeit ein anderer Torwart. Ähnlich ist es mit Petric, ähnlich ist es mit Jarolim. Der war schon weg. Und nun ist er derjenige, der den HSV in der Ersten Liga halten soll. Glauben Sie, dass das nicht mindestens gefährlich gewesen ist?“ Frank Arnesen: „Nein, gar nicht. Wir reden über drei Spieler. Drobny und Jarolim. Haben sie gut gespielt in den letzten Wochen?“ Dann ging der Däne auf den Fall Jarolim ein: „Er hat mir gesagt, dass er kein Ersatzspieler sein will und kann, dann geht er weg. Das war im Oktober. Okay, habe ich gesagt, du hast so viel für diesen Klub geleistet, du darfst ohne Ablöse gehen. Das, obwohl er noch sechs Monate Vertrag hatte. Aber er hat keinen neuen Verein gefunden. Und das war für uns besser, denn Thorsten Fink und ich wollten, dass er bleibt. Er ist geblieben, und er hat hervorragend gespielt. Ähnlich bei Drobny, der auch sehr gute Spiele gezeigt hat.“ Arnesen: „Nur mit Petric ist das etwas anderes. Er hat eine unglückliche Saison gehabt, hatte viele kleinere Verletzungen. Er hat nie zwei Monate hintereinander spielen können, und das ist für Fußballer sehr schwer.“

Nicht nur für Fußballer ist das schwer, auch für Funktionäre, speziell für Sportchefs. Und ganz speziell für jene Sportchefs, die immer wahrheitsgemäß antworten.

Mir tut am meisten Jaroslav Drobny Leid. Vor Monaten kam das Gerücht auf, dass Adler zum HSV kommen soll. In Hamburg wurde nicht dementiert. Warum die Geschichte überhaupt auf den Markt gekommen war, das wusste kaum einer. Ich habe jedenfalls keinen getroffen, der mir das erklären konnte. Irgendwie und irgendwann hieß es nur, dieses Gerücht sei aus Leverkusen gestreut worden. Machte auch Sinn. Für mich jedenfalls, denn so kam Rene Adler mal wieder in die Schlagzeilen. Und aus Hamburg konnte und durfte dieses Gerücht ganz einfach nicht stammen, denn damit würde man ja in erster Linie nur eines erreichen: Man würde den eigenen und einzigen Klasse-Torhüter noch zusätzlich zum Abstiegskampf unter Druck setzen. Und ihn auch ein wenig verunsichern – wobei ein wenig noch geprahlt ist.

Zum Glück hat Drobny super reagiert. Sowohl auf dem Rasen als auch im Leben als Profi-Sportler. Nicht auszudenken wäre es gewesen, wenn er schlecht gehalten hätte, wenn er sich so schwer verletzt hätte, dass an Spiele nicht denken gewesen wäre. Was dann in Hamburg los gewesen wäre, das möchte ich mir nicht ausmalen. Aber Drobny gab immer 100 Prozent. Bis heute. Und so wird es wohl auch bleiben. Obwohl ich mir schon gewünscht hätte, dass das Thema Adler/HSV bis zur endgültigen Rettung des HSV keines mehr gewesen wäre. Auch nicht im „Sportclub live“ beim NDR. So weckt man nämlich schlafende Hunde. Was ist denn zum Beispiel, wenn Drobny nach seinen letzten guten Spielen doch noch gehofft hätte, beim HSV bleiben zu können (und zu dürfen)? Dann hat er jetzt den wohl endgültigen und finalen Schlag erhalten. Obwohl Arnesen auch zugab, dass Adler nur dann zum HSV kommen wird, wenn der HSV auch nächste Saison erstklassig spielt.

Um die Geschichte einmal abzurunden: In Bremen verlässt Torwart Tim Wiese die Werderaner. Das wissen inzwischen alle. Aber wohin geht Wiese? Das wissen sie alle nicht. Obwohl Wiese bei seinem neuen Klub schon unterschrieben hat. Nur wo?
Das ist doch eine verdammte Sauerei ist das doch, dass das noch keiner weiß!
Oder plappern die nur in Hamburg so offen und ehrlich – und irgendwie auch ein wenig amateurhaft?

Ich wünsche Jaroslav Drobny auf jeden Fall, dass er auch einen guten – neuen – Arbeitgeber findet. Und ich wünsche ihm zudem, dass er hier am Ende der Saison zum Spieler des Jahres gewählt wird – und dass sie ihm die Hände am „Uwe-Seeler-Fuß“ veröffentlichen. Eine Art Denkmal – er hätte es verdient!

So, kurz noch zum heutigen Ruhetag beim HSV. Dennis Diekmeier hat trainiert, und er wird wohl auch morgen (Dienstag) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen (können). Der Verteidiger träumt sogar davon, dass er bereits am Sonnabend, beim schweren Auswärtsspiel in Nürnberg, wieder spielen kann (wird). Es wäre sein Auftritt bei seinem ehemaligen Klub. Ich aber glaube, dass Thorsten Fink nicht von seinem eingeschlagenen Weg abweichen wird, soll heißen, dass Jeffrey Bruma weiterhin rechts verteidigen wird – der Niederländer hat seine Sache dort doch gut und teilweise sogar sehr gut gemacht.

Morgen, wo wir gerade dabei sind, wird im Volkspark zweimal trainiert – 10 und 15.30 Uhr.

Dann möchte ich euch eine private Mail nicht vorenthalten, weil dort einige gute Ansätze zu lesen sind.

„Lieber Dieter!

Ohnmächtige Wut befällt mich vor allem bei der Selbstwahrnehmung und Einstellung im Kader und den angedachten sportlichen Entscheidungen des SD/Trainers und führt weiter zur verkrusteten Struktur des Vereins in allen Bereichen:

Provinzprominenz im AR und dessen Größe, der Vorstand kann mit Arnesen nur einen Sachkundigen aufweisen, die antidemokratische Einstellung einer vereinsbeherrschenden Fangruppierung betreffs Fernwahl.
Letztere hindert möglicherweise den Verein daran, sich zu reformieren, spiegelt aber eines deutlich wieder:
Mit abenteuerlichen Tricks wird schon seit Jahren Versucht, die Fernwahl zu verhindern und nimmt so zahlenden Mitgliedern das Recht, am Vereinsgeschehen mitzuwirken. Das erinnert mich eher an einen Taubenzüchter- oder Schützenverein.

Aber ich will mich aufs Sportliche konzentrieren. Seit Jahren wird unseren Spielern die Selbstzufriedenheit in Form von Qualität und wenns mal schlecht läuft, Potenzial eingetrichtert. Dazu kommen Sprüche wie “Der HSV ist ein großer Verein mit großartiger Tradition.”

Der HSV ist seit 30 Jahren kein großer Verein mehr und Tradition bedeutet für mich die positive, sportliche Bilanz einer auch jüngeren Vergangenheit; nicht nur irgendein Gründungsdatum und Titel aus grauer Vergangenheit.

Praktisch jeder kleinerer Verein hat in dieser Zeit irgendeinen Titel geholt.
Ich habe den Eindruck, die Masse der Spieler lebt in dieser Scheinwelt, die ihnen eingetrichtert wird. Das geht schon in der 2ten los (Stichwort Besic). Als Spieler eines so großen, traditionsreichen Vereins habe ich natürlich eine unheimliche Qualität. Da muss ich dann nicht richtig hingehen oder auf die Weisungen des Trainers achten. Das wird schon spielerisch gelöst! Fast jeder neuer deutschsprachiger Spieler, sei es Talent oder Neuverpflichtung, verfällt nach gutem Einstand in dieses Schema. Wenns darauf ankommt und auch noch die Konkurrenz hilft, versagen unsere Spieler regelmäßig und versinken in Selbstzufriedenheit – bis zur nächsten Klatsche.

Hingegen sollte man beachten, wie sich unsere “Abgänge” bei anderen Vereinen entwickeln. Bei Vereinen, die im Hier und Jetzt leben und bei denen Leistung gefordert wird. Starke war nicht mal als Nr.2 im Tor gut genug, Choupo schießt beim FCN mehr Töre als der grippekranke und nicht austrainierte Stehgeiger.
Auf den Trainer, auch wenn er mal Fehler macht, lasse ich dieses mal nichts kommen.

Wenn alle Spieler mit dem Trainer mitziehen (siehe Stuttgart), gewinnt man auch mal verdient gegen Angstgegner wie 96. Übrigens habe ich das Spiel gegen Hoffenheim nicht gesehen, weil ich wußte was kommt.
Es graut mich schon vor dem FCN-Spiel.

Was ich damit eigentlich sagen will: die Spieler müssen runter von ihrem Sockel und ernsthaft, wie Profis, arbeiten.
So wie man es bei z.B. Augsburg macht. Mit begrenzten spielerischen Mitteln wird dort das Maximum herausgeholt, eben weil die Spieler dem Trainer folgen und Ehrgeizig sind. Da ziehe ich meinen Hut und muß ehrlich zugeben, wir hätten den Abstieg mehr verdient als die.

Zum Neuaufbau:
Für mich gibt es in der aktuellen Mannschaft nur 3 Profis, der Rest will es werden oder meint er ist es schon:
Drobny, Jarolim, Rincon.

Jetzt will man Adler für 4 Mio. holen und dafür Drobny entlassen?
Wir haben noch nicht mal eine Nr.2 im Kasten, erhebliche Mängel in der Spieleröffnung, kein Backup für Aogo auf LV,
mit Mühe und Not einen Backup für Diekmeier, und da will man einen neuen Keeper holen, bei rostigen Knöpfen?
Ich hadere ja auch mit Drobnys Spieleröffnung, aber haben wir keine anderen Probleme? Der Mann ist Profi!

JEDER Trainer hat Jaro aussortiert und reumütig zurück geholt. Warum verfiel Fink in die selbe Illusion?
Ich bin beileibe kein Fan von Jaro. Aber sein Defensivspiel und vor allem seine Einstellung sind absolut professionell. Und nebenbei hat er auch seine offensive Spielweise erheblich verbessert. Bei Kontervorstössen ist er oft einer der einzigen vorne. Und Rincon gibt sowieso immer alles.

Wenn Drobny und Jaro vom Hof gejagt werden, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir brauchen Backups für LV,RV und einen echten Zehner. Wir brauchen auch den Mut von Fink, Spieler wie Töre evtl. taktisch frei, in oder hinter den Spitzen ein zu setzen.

Müssen wir ständig neu versagen? Da werde ich halt wütend.“

Von „wütend“ schreibt der „Matz-abber“ deswegen, weil ich ihn zuvor per Mail gefragt hatte, was ihn denn so wütend mache? Daraufhin erhielt ich dann diese sehr ausführliche Antwort.

18.26 Uhr

Die lauteste WM aller Zeiten

14. Juni 2010

„Diese WM wird die beste aller Zeiten.“ Gesagt hat es Sepp Blatter, allgewaltiger Fifa-Präsident und Herrscher über alle Fußballplätze. Die beste was? Die lauteste Tröten-Veranstaltung ist es auf jeden Fall jetzt schon. Diese Tröten sorgen für jenen Lärm, den sonst ein startender Düsenjäger verursacht. Man gönnt sich ja sonst nichts! Mensch, ist das nervig. Aber wohl nicht zu ändern. Ist ja Kultur . . . Nun ja, durch diese Kultur wird sich zwar jeder Fußball-Fan stets an diese WM 2010 erinnern, nur nicht immer gut. Davon bin ich restlos überzeugt. Ich verstehe nicht, dass die Fernsehanstalten da noch kein Mittel gefunden haben, diese Vuvuzelas noch mehr zu unterdrücken, Bela Rethy, der ZDF-Reporter des Deutschland-Spiels am Sonnabend, hatte seine ganz eigene Art gefunden, die Tröten auszuschalten, aber ob das das probate Mittel war, bleibt fraglich: Der gute Bela redete 90 Minuten ohne Punkt und Komma – was Frau M. genau so auf die Nerven ging, wie diese Vuvuzelas. Um noch schnell eine Lanze für Rethy zu brechen: In meinen Augen der beste ZDF-Fußballmann, er hat Ahnung, er ist im Umfeld der Nationalmannschaft ein absolut anerkannter und geschätzter Experte – und er ist, das sei mal am Rande verraten, ein Mensch wie Du und ich. Arroganz ist ihm ein Fremdwort.

Und wo ich gerade bei den Fernsehkollegen bin: Steffen Simon von der ARD kommentierte das England-Spiel gegen die USA, und der Reporter lobte den ManU-Torjäger Rooney 90 Minuten. Klar, bei Rooney kann man als Kommentator ja eigentlich nichts falsch machen – der ist (fast) immer gut. Nur nicht diesmal gegen die USA. Und das wurde am Mikrophon leider nicht bemerkt. Zum Glück rückten Günter Netzer und Gerhard Delling nach dem Spiel die Dinge wieder ins rechte Licht. Nämlich dass Rooney nicht in das Spiel gefunden hatte. Künstlerpech – gleich zweimal.

Und wo ich gerade bei England gegen die USA bin: Die Amerikaner haben mir mächtig imponiert. Wir haben bei dieser WM schon viele, viele Grottenkicks gesehen (Algerien – Slowenien), die USA gehört für mich zu den positiven Überraschungen. Die rennen und kämpfen 90 Minuten, die scheinen auch die Kraft dafür zu haben – für mich ist das der Außenseiter, der den Großen noch am ehesten in die Suppe spucken könnte. Abwarten.

Zum 23. Mann. Ich habe oft genug Kritik von Euch einstecken müssen, weil ich den Schiedsrichter zu hart kritisiert habe. Diesmal gibt es nichts zu beanstanden. Diesmal muss ich sagen: Alle Unparteiischen sind bislang ganz hervorragend, Da pfeift ein Mann namens Rawschan Irmatow aus Usbekistan das Eröffnungsspiel, und er pfeift es unglaublich souverän. Ich hatte große Befürchtungen, aber offenbar haben die Unparteiischen ihre Lektionen sehr, sehr gut gelernt. Und dann dieser Herr Moreno aus Mexiko, der die deutsche Partie gegen Australien leitete. Aber wie! Hervorragend. Der Mann war ja fast immer auf Ballhöhe, das war ja unglaublich. Und der sah fast alles immer richtig. Nein, so gute Schiedsrichter habe ich bei einer EM oder WM noch nie gesehen. Hoffentlich lobe ich die „Schwarzkittel“ nicht zu früh, hoffentlich können sie sich ihre Bestform bewahren.

Und noch einmal kurz zurück auf England: Dass sich dieser Mister Green den deutschen Ball selbst ins Tor geworfen hat, kommt bei einem englischen Keeper schon mal vor. Dass die Briten aber dafür unseren „Jabulani“ verantwortlich machen, das ist die absolute Krönung. Haben die keinen Friseur? Das ist ja ungeheuerlich. Die sollten sich mal an andere Turniere erinnern, es gab jedes Mal einen englischen Torwart, der sich die Kugel selbst ins Netz gemarmelt hat. Und das war damals noch kein „Jabulani“, das war einfach nur Unfähigkeit pur.

Zu unseren Sorgen. Ich gebe zu, dass ich vom deutschen Spiel enorm beeindruckt war. Aber nicht uneingeschränkt, denn die Defensive stand nicht immer sattelfest. Lahm hatte einige Stellungsfehler, Mertesacker wirkte nicht immer souverän, Friedrich spielte an seinem obersten Level und Badstuber konnte gar nicht zeigen, ob er da hinten links auch wirklich gut aufgehoben ist. Meine (Hamburger) Hoffnung ist ja die: Friedrich ist irgendwann überfordert, dann rückt Badstuber zur Mitte und links spielt entweder Dennis Aogo oder Marcell Jansen.

Für mich waren Mesut Özil und Thomas Müller die beiden besten deutschen Spieler, und der Bayern-Profi brachte für mich nach dem 4:0 auch den Spruch zur Nacht. Auf die Frage des Feldreporters, ob er sich nicht gelegentlich im falschen Drehbuch wähnt, weil er doch vor einem Jahr noch für Bayern II spielte, antwortete Müller kess: „Nur weil ich erst ein Jahr in der Bundesliga spiele muss ich ja kein Blinder sein.“ Genau. Aber wieso muss ich dabei gleich an Mario Gomez denken? Der Kurz-Auftritt des Münchners muss eigentlich sein letzter bei dieser WM gewesen sein – schlechter geht es nicht, weiter neben der Spur kann gar kein anderer Spieler sein. Gomez lief ja wie ein Trimm-Traber über den Rasen, ohne eine Bindung zur Mannschaft – und zum Ball.

Aber nichts ist unmöglich, es gibt auch solche WM-Spieler. So wie es eben auch solche Torhüter gibt. Ach was, Torhüter, da sind viele, viele Fliegenfänger unterwegs. So wie der Mann eben bei Paraguay im Tor. Zum Glück für die Italiener.

Kurz noch zu Eric-Maxim Choupo-Moting. Ich hätte es wirklich, wirklich, wirklich nicht für möglich gehalten, dass der junge Hamburger einmal bei einer WM für Kamerun neben dem großen Samuel Eto’o stürmen würde. Asche auf mein Haupt. Da lag ich meilenweit daneben. Sorry. Und trotzdem muss ich sagen: Was ist aus Kamerun geworden? Und was aus Eto’o? Das war ja gar nichts, das war ja nur ein Papiertiger. Aber auch so etwas ist möglich bei dieser WM.

Bei Holland waren mit Joris Mathijsen und Eljero Elia zwei HSV-Profis am Start, Elia kam erst gegen Ende der Partie gegen Dänemark (für Rafael van der Vaart) und mischte die Jungs aus dem Norden Europas tüchtig auf. Davon, so denke ich, sollte der gute „Eli“ nicht so viele Spiele machen, sonst ist er am Ende doch noch weg. Wäre schade, wie ich finde, obwohl der HSV dann sicher einige Dollars in der Kasse hätte . . .

Schade finde ich übrigens auch die Kritik, dass ich unserer Torwart-Legende Uli Stein hier bei „Matz ab“ ein zu großes Forum eingeräumt habe. Wenn ich mit diesem großen und großartigen HSVer ein Interview in Sachen „Fliegenfänger“ mache, dann bietet es sich geradezu an, ihn auch nach „seinem“ HSV zu befragen. Und wenn dann Uli Stein den Herrn Veh lobt und den Herrn Reinhardt böse kritisiert, dann weiß ich genau, dass das nicht jedem HSVer gefällt – aber es ist meine journalistische Pflicht, diese Meinung nicht zu unterdrücken. Mir taten die Sätze gegen Bastian Reinhardt auch weh, das gebe ich zu, weil ich davon überzeugt bin, dass der „Basti“ seinen Weg gehen wird (und zwar gut), aber darf ich das einfach so mir nichts dir nichts unterdrücken? Ich sage nein. Wie wäre es denn gewesen, wenn er Reinhardt gelobt und Veh vernichtet hätte? Wäre das in Ordnung gewesen? Ich habe Journalismus nie so verstanden, dass man nur das an die Öffentlichkeit bringen darf, was auch von der Mehrheit gemocht wird.

Apropos: Im Moment sind ja zwei User wieder auf einem ganz ausgefallenen Trip bei uns (Matz ab) unterwegs. Ich bitte diese beiden Herren dringend, sich zu zügeln, sonst muss wieder eine Sperre erfolgen. Was soll die Fäkalsprache in diesem Blog, was sollen die Nazis hier? Also, hört auf mit diesem Mist!

Kurz noch zum HSV: Abwehrspieler Fabian Franke (21) wechselt von HSV II zu RB Leipzig. Und am 18. Juli trifft der HSV auf der Lübecker Lohmühle in Freundschaft auf Juventus Turin,

Noch ein Wort zu Michael Ballack: Am Dienstag (also fast heute) treffen sich einige Aufsichtsräte, die Führung und der Herr Kühne, um darüber zu beraten, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach Hamburg zu holen. Das klingt schon mal gut, denn damit ist bewiesen, dass dieses brisante Thema immer noch nicht zu den Akten gelegt wurde. Zumal Ballacks Berater Michael Becker zugab, dass es bereits Gespräche mit dem HSV gegeben hat: „Es wurden mit dem HSV bislang lediglich Zahlen ausgetauscht.“ Na, immerhin!

23.30 Uhr

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